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Architektur Fachmagazin April-Mai 2019, Thema: Wie wohnen wir? Wissen, Bildung, Architektur, Information für die Bauwirtschaft, Fachmagazin

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Wie wohnen wir?

Der Eingang ist ein langer Durchgangsraum und ein

Bereich für sich selbst. Der wichtige und eigentliche

Eindruck dieser Architektur entwickelt sich in der

Bewegung, in der Transition, wenn man vom Eingang

zum Innenraum gelangt, aus dem Schatten ins Licht,

vom undurchsichtig opaken in die totale Transparenz

und Offenheit. Dieser Kontrast im „Fortschreiten“ ist

die eigentliche Präsenz des Doppelspiels und der

Kontraste, die das architektonische Thema des Projektes

bilden. Aus dieser gedrückten und geleiteten

Bewegung heraus entwickelt sich der Innenraum mit

seiner doppelgeschossigen Höhe als Zentrum des

Hauses. Er vereint unter demselben Dach die Küche,

die sozialen Bereiche für Wohnen Essen und Kommunikation,

er bestimmt die häusliche Organisation

wie auch bei den in dieser Gegend üblichen, traditionellen

Wohnhäusern. Es ist ein Raum von großer

Transparenz mit einer Glaswand, die den fließenden

Kontakt zum Grundstück und in die Weite der Gegend

herstellt.

Im Gegensatz zu dieser Offenheit erlauben die Öffnungen,

die gegen Nordost gerichtet sind, einen

kontrollierten Tageslichteintritt. Das Morgenlicht reflektiert

sich hier in der Wasserfläche des Pools und

von hinten leuchtet die Nachmittagssonne über die

Mezzaninebene in den Gemeinschaftsbereich herein.

So animiert die wechselnde Beleuchtung über den

Tag gesehen, ständig die Architektur. Ohne eine ausdrückliche

Trennung entwickeln sich die Privatbereiche

wie selbstverständlich aus dem Raum heraus und

alle Schlafzimmer sind gegen Südosten gerichtet. Ein

kleiner, innerer Hof ist dem Elternschlafzimmer und

den Bädern zugeordnet, er ist – obwohl formal innerhalb

des Hauses – doch ein Außenraum.

Zwischen traditioneller Volksarchitektur und zeitgenössischen

Referenzen, zwischen geschlossenen

Körpern und offenen Flächen ist dieses Haus ein Beispiel

der Widersprüchlichkeit und der Provokation,

verdichtet in einer einfachen, pragmatischen Struktur.

(rp)

Blendend weiß und mit

großen „Showflächen“

versehen, ist dieser

Bau eine provozierende

Neuinterpretation traditinoneller

Architektur.

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