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Architektur Fachmagazin April-Mai 2019, Thema: Wie wohnen wir? Wissen, Bildung, Architektur, Information für die Bauwirtschaft, Fachmagazin

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Licht

In diesem Zusammenhang spricht man

auch von der zirkadianen Beleuchtung.

Dieser Begriff ist korrekt, wenn die Beleuchtung

darauf ausgerichtet ist, den Tag-

Nacht-Rhythmus des Menschen zu stabilisieren.

Moderne Beleuchtungskonzepte

berücksichtigen heute neben den visuellen

auch die biologischen Lichtwirkungen und

fördern Wohlbefinden, Stimmung und Gesundheit

des Menschen. Ein Trend, der sich

seit einiger Zeit deutlich abzeichnet, ist das

Human Centric Lighting (HCL). Das bedeutet,

dass der Mensch im Mittelpunkt der

Lichtplanung steht.

Die drei wichtigsten Hormone, die den zirkadianen

Rhythmus steuern sind:

• Melatonin: Macht müde, verlangsamt die

Körperfunktionen und senkt die Aktivität,

bringt den Körper zur Ruhe.

• Cortisol: Stresshormon, wird ab 3 Uhr morgens

produziert, regt den Stoffwechsel an,

programmiert den Körper für den Tag.

• Serotonin: Während der Cortisolspiegel im

Blut über den Tag abfällt und dabei gegenläufig

zum Melatoninspiegel wird, hilft das

Serotonin als Motivator dabei, den Energiepegel

zu erhöhen.

Der Mensch steht im

Vordergrund der Planung

Bei dem G & G Friseur & Day Spa in Baden

versuchten die Lichtplaner nun, dieses

Thema im Lichtsektor aufzugreifen, um

den Kunden und dem Personal einen emotional

ausgeglichenen Tag zu verschaffen.

Dem biologischen Tagesverlauf angepasst,

verändert das Licht die Stimmung im Frisiersalon.

Durch Veränderung der Lichtfarbe

und der Beleuchtungsstärke führt die

HCL-Lichtlösung durch den Tag, und hilft,

die Arbeit leichter zu verrichten oder sich

zu entspannen, wo und wenn es notwendig

ist: Man bietet somit „personalisiertes

Licht“. Mit diesem Beleuchtungskonzept

wurde es möglich, die Lichtqualität in den

Innenräumen deutlich zu verbessern.

Die in dem Projekt eingeplanten Leuchtkörper

erzeugen durch eine indirekte Lichtabstrahlung

eine Tageslichtatmosphäre im Salon

und vermeiden dabei auch jegliche Blendung

für Kunden und Angestellte. Sie decken viele

Faktoren der Lichtplanung ab: emotional, biologisch,

Beleuchtungsstärke, Lichtrichtung,

die Farbe des Lichts (warm oder kalt), besonders

stimmungsvoll, sachliche Ausleuchtung

bis hin zur Wohlfühlbeleuchtung.

HCL versucht eine Art Tageslichtverlauf

nachzubilden, um dem Menschen, der unter

chronischem Tageslichtmangel leidet,

einen Ausgleich zu bieten. Oft geht es hier

in erster Linie um die Aktivierung des Menschen,

um die Unterdrückung des Schlafhormons

Melatonin. Je höher der Blauanteil

im Licht, desto weniger Melatonin wird von

der Zirbeldrüse ausgeschüttet. Umgesetzt

wird dies mit Leuchten, die mit Lichtquellen

unterschiedlicher Farbtemperaturen

bestückt und separat voneinander regelbar

sind. Für den User sind HCL-Lösungen kostenintensiver.

Denn es müssen warme und

kalte Lichtquellen vorhanden sein, um die

Lichtfarbe den jeweiligen Bedürfnissen der

Menschen anzupassen.

Beim Tageslicht herrscht eine permanente

Dynamik in Bezug auf die Beleuchtungsstärke

und die Farbtemperatur. Der Lichtwechsel

in den Innenräumen soll sich langsam

und unmerklich vollziehen, genau wie

auch in der Natur. Die HCL – Lichtplanung

ist kein Ersatz für das wirkliche Tageslicht.

Biologisch und emotional wirksames Licht

(HCL) steigert aber nur dann Wohlbefinden

und Leistungsfähigkeit, wenn nicht nur das

Beleuchtungskonzept, sondern auch dessen

Steuerung durchdacht ist. Dabei stehen

die Bedürfnisse der verschiedenen User und

der Anwendungszweck im Vordergrund.

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