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Thema: 100 Jahre Grundschule. Ein Grund zum Feiern?

oder einem »Lerncheck« stellt sie ihre

Fähigkeiten unter Beweis. Sie hat damit

– wie beim Schwimmabzeichen – ein

Plateau erreicht, auf dem wir gemeinsam

mit ihr in einer späteren Lernepoche

aufbauen. Die Lehrperson gibt hier

ein sachbezogenes Feedback (vgl. zur

Bedeutung der Feedback-Kultur: Reich

2014, 280 ff.).

Annedore Prengel hebt hier hervor,

dass es wichtig ist, »nicht nur nach Lernschritten

angemessene Rückmeldung zu

geben, sondern zuvor möglichst zu erkennen,

was die aktuellen Lernstände

sind, was darauf aufbauend die nächsten

fachlichen Lernschritte sein könnten

und welche fachdidaktischen Angebote

dafür jetzt gebraucht werden« (Prengel

2016).

Die Lehrperson hat den Lernstand

von Fatima ständig im Auge und berücksichtigt

ihn bei der Aufgabenstellung.

Das Ziel ist, Fatima zu Erfolgen zu

verhelfen. Die spiralförmige fachdidaktische

Lern-Perspektive ist Anerkennung

für das Kind. Fatima kann Kompetenzen

thematisch aufbauend in Stufen entfalten

und, passend zu ihrem Entwicklungsniveau,

ohne Brüche lernen. Wir

lösen uns also von den schulstufenspezifischen

Organisationsstrukturen. Dazu beteiligen

wir auch ältere Schüler – sowohl

leistungsstärkere als auch lernschwächere

– an dem Lernen mit den jüngeren

oder neu einsteigenden Lernern

als Helferinnen, »Lehrassistentinnen«

oder Patinnen. Unsere Lehrassistentinnen

und Lehrassistenten der älteren

Jahrgänge durchdringen und begreifen

Dr. Reinhard Stähling

Schulleiter der PRIMUS-Schule

Berg Fidel / Geist in Münster,

ggs-bergfidel@gmx.de.

www.

reinhard-staehling.de

Zeit

7.00 – 7.45 Frühstück in der Schule als Angebot

selbst die mathematischen Zusammenhänge

gründlicher, indem sie diese mit

den jüngeren oder neu einsteigenden zusammen

wiederholen, erschließen und

ergründen oder ihnen die Sachverhalte

vermitteln (vgl. Stähling / Wenders 2015,

115 ff).

Wir fassen zusammen:

Die nachfolgende Lerneinheit setzt an

den Vorgängerkompetenzen an und

führt sie mit der notwendigen individuellen

Zeit weiter. Jedes Kind kann

sein »einzigartiges Profil entfalten«

(vgl. Schlömerkemper 2017, 193). Die

inhaltlich-fachbezogenen Kompetenzen

werden Stufe für Stufe aufgebaut,

»bis die einzelnen Lernenden das

ihnen mögliche Niveau der Kompetenzen

erreicht haben. Dabei sollen sie

erst dann fortschreiten, wenn ein unteres

Niveau sicher beherrscht wird und

die zum Weiterlernen erforderlichen

Fähigkeiten verfügbar geworden sind«

(a. a. O., 198).

Die Zensuren 5 und 6

Tagesstruktur in allen Klassen ähnlich

7.45-9.30 Freies Arbeiten Individuelle Arbeit in den Kernbereichen:

Mathe, Deu, Englisch. Trainieren, vertiefen.

9.30-10.15 Pause für alle gleichzeitig, Frühstück

10.15-11.00

11-13

Lern-Klassenrat bzw.

Klassenrat

Projekte

Intensivkurse

Lernklassenrat oder Lerntagebuch:

Reflexion über das eigene Lernen,

Klassenrat: Problemlösungen

Projektarbeit in

Kleingruppen

Kurse in gelenkter Form zur

Erweiterung der Grundlagen

13- 14 Mittagessen (teilweise in der eigenen Klasse) und Pause für alle

14.-15.15

Werkstatt bzw. Lernen

in der Stammgruppe

Wahl-Bereiche: Musik,

Bewegung, Technik, Natur,

Kunst, Gesellschaft,

Fremdsprachen

15.15-15.30 Tagesabschluss-Runde Tagesrückblick

Regelmäßig Musik,

Kunst, Sport,

Fremdsprache u. a.

Aktivitäten in

Klassengemeinschaft:

Schwimmen,

Wald u. a.

Gerhard Sennlaub (1980) hatte in seinem

Unterricht die 5en und 6en abgeschafft.

Sie sollten nicht einmal gedacht

werden (vgl. a. a. O., 101 ff.). Die Motivationsgrundlage

z. B. für das freie

Schreiben von Texten würde hier völlig

zerstört. Mit welchem Recht aber macht

das Schulwesen weiter wie früher?

Was erleben wir bei Schulanmeldungen

von Viertklässlerinnen und Viertklässlern

aus anderen Grundschulen? Sie

möchten quereinsteigen in unsere PRI-

MUS-Schule, die eine Langformschule

mit den Jahrgängen 1 bis 10 ist? Manche

Kinder haben überhaupt keine Freude

mehr am Lernen. Beispielsweise hat

ein Junge eine 5 in Mathematik auf dem

Zeugnis, ist sehr ernst und kann dann

schließlich seine Tränen nicht mehr verbergen.

Er ist verzweifelt – gerade, weil

es so ungerecht ist, dass er immer weiter

auf dem Niveau des Jahrgangs 4 gefordert

wird, obgleich die Lehrerin doch

genau hätte wissen müssen, dass er das

nicht schaffen kann. Andererseits ist

es ihm peinlich und er möchte damit

nicht auffallen, dass er Aufgaben aus

dem Buch des 2. Jahrganges bearbeitet.

Die Mitschüler würden ihn dann vielleicht

auslachen, befürchtet er. So sitzt er

in einer Falle und bittet mit seinen Tränen

darum, dass man ihn in Ruhe lasse.

Erst als er hört, dass er im 5. Schuljahr

nicht noch weiter solchen erniedrigenden

Gefühlen des Versagens ausgesetzt

sein wird, hellt sich sein Gesicht wieder

etwas auf. Könnte es sein, dass Schule tatsächlich

die Aufgaben stellen könnte, die

er dann auch bewältigen kann? Wir unterliegen

zwar dem Zensierzwang, aber:

»Dass ein Lehrer Fünfen und Sechsen

austeilen müsse, steht nirgends geschrieben«

(Sennlaub 1980, 103). Auch vierzig

Jahre später hat sich das nicht geändert.

Manchmal sind Defizite in Deutsch und

Mathematik in der Grundschulzeit entstanden,

die jedoch in den so genannten

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GS aktuell 146 • Mai 2019

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