25.04.2019 Aufrufe

GSa146_190410-Web-Einzelseiten

Sie wollen auch ein ePaper? Erhöhen Sie die Reichweite Ihrer Titel.

YUMPU macht aus Druck-PDFs automatisch weboptimierte ePaper, die Google liebt.

Thema: 100 Jahre Grundschule. Ein Grund zum Feiern?

Brigitte Schumann

Inklusive Bildung – die Basis

für nachhaltige Entwicklung

»Wir sind entschlossen, die Menschheit von der Tyrannei der Armut und der

Not zu befreien und unseren Planeten zu heilen und zu schützen. Wir sind entschlossen,

die transformativen Schritte zu unternehmen, die dringend notwendig

sind, die Welt auf den Pfad der Nachhaltigkeit zu bringen.«

Dazu hat sich die UN-Generalversammlung

am 25. September

2015 bei der Verabschiedung

der Agenda 2030 mit dem Titel

»Transformation unserer Welt. Die

Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung«

feierlich bekannt. Die Agenda hat

17 »Sustainable Development Goals« –

oder auch kurz SDGs – identifiziert, die

wesentlich sind, um unseren Planeten

zu erhalten und auch zukünftig allen

Bewohnern der Erde eine zuverlässige,

menschenwürdige Lebensqualität zu

sichern. Zu diesen Nachhaltigkeitszielen

gehören bspw. Armutsbekämpfung,

Friedenssicherung, Klimaschutz, Erhalt

der Biodiversität, soziale Gerechtigkeit

und Geschlechtergerechtigkeit.

Hochwertige inklusive Bildung haben

die Vereinten Nationen zum SDG 4 erklärt

und zum Herzstück für nachhaltige

Entwicklung gemacht. Inklusive Bildung

ist Ziel und zugleich Werkzeug für die

Durchsetzung der anderen Nachhaltigkeitsziele.

Auf der Basis inklusiver Bildung

soll bis 2030 sichergestellt werden,

dass alle Lernenden die notwendigen

Kenntnisse und Kompetenzen erwerben,

um nachhaltige Entwicklung zu fördern

und nachhaltige Lebemsweisen zu entwickeln,

Die UNESCO und das Weltaktions

programm »Bildung für

nachhaltige Entwicklung«

2015 hat die UNESCO das Weltaktionsprogramm

»Bildung für nachhaltige

Entwicklung« (BNE) zur Umsetzung

des SDG 4 gestartet. Sie koordiniert und

begleitet diesen Prozess im Rahmen der

Vereinten Nationen und hat dazu eine

»Roadmap« vorgelegt.

Die UNESCO setzt auf die gesellschaftsverändernde

Kraft von Bildung,

denn »politische Übereinkünfte, finanzielle

Anreize, technologische Lösungen

reichen nicht, um eine notwendige

nachhaltige Entwicklung einzuleiten.

Wir müssen unser Denken und Handeln

verändern und uns klar darüber werden,

wie wir alle voneinander abhängig

sind und wie wir mit den Ökosystemen

umgehen, die unsere Lebensgrundlage

sind« (Roadmap, 8).

Diese Kraft kann BNE nach Überzeugung

der UNESCO entwickeln, wenn

nicht nur Inhalte zu nachhaltiger Entwicklung

in den Lehrplan integriert

werden, sondern auch das Lernen transformiert

wird, sodass es ganzheitlich ist,

nachhaltig wirkt und Denken und Handeln

beeinflusst. Die Lernumgebung

muss sich dafür an den Lernenden orientieren,

ihnen Möglichkeiten für forschendes,

aktionsorientiertes und kooperativ

gestaltetes Lernen eröffnen, das

über den Erwerb von Kernkompetenzen

hinaus zur Verantwortungsübernahme

für andere Menschen und für die Umwelt

befähigt (ebd., 12).

Wegweisende Dokumente

auf dem Weg zu BNE

Die UNESCO hat sich intensiv mit der

Frage nach der Bildung für das 21. Jahrhundert

beschäftigt. In dem Delors-

Bericht von 1996 »Learning – the

treasure within« hat eine internationale

Expertenkommission unter der Leitung

von Jacques Delors im Auftrag

der UNESCO die wichtigsten zukünftigen

Aufgaben und Ziele von Bildung

ermittelt und begründet. Vier

Säulen des Lernens sind demnach für

Bildung konstitutiv: Lernen, Wissen

zu erwerben; Lernen, zu handeln; Lernen,

zusammen zuleben; Lernen für das

Leben.

Bildung für das 21. Jahrhundert bedeutet,

relevantes Wissen für das Verständnis

der globalen gesellschaftlichen

Herausforderungen zu erwerben und für

diese Aufgaben handlungs- und gestaltungsfähig

zu werden. Bildung zielt auf

Gemeinschaftsfähigkeit, da die Probleme

nur gemeinsam gelöst werden können.

Verantwortungsübernahme für sich

und andere, auch in Krisen und in Zeiten

großer Ungewissheit, ist wichtiges

Bildungsziel. Lernen, zusammenzuleben

wird als Wesenskern von Bildung für das

21. Jahrhundert herausgestellt.

Der Delors-Bericht knüpft damit an

die 1994 auf der UNESCO-Weltkonferenz

beschlossene Resolution von Salamanca

an, die Inklusion zum pädagogischen

Leitprinzip erhoben hat. Inklusive

Bildung bedeutet, dass »alle Kinder

miteinander lernen, wo immer möglich,

egal, welche Schwierigkeiten oder Unterschiede

sie haben«, heißt es in dem Aktionsrahmen,

der der Resolution beigefügt

wurde. Inklusive Bildung in einer

Schule für alle ist damit unverzichtbare

Voraussetzung für Bildung, die sich den

Herausforderungen des 21. Jahrhunderts

stellt.

Gegen die starken neoliberalen gesellschaftlichen

Tendenzen einer Ökonomisierung

von Bildung betont der Bericht

die ethische Dimension von Bildung

für die Persönlichkeitsentwicklung und

für die gesellschaftlichen Zukunftssaufgaben.

Er plädiert für die Abkehr von

einem Lernen, das auf Konkurrenz,

Wettbewerb und Eigennutz ausgerichtet

ist.

»Bildung überdenken«

Das 2015 veröffentlichte UNESCO-

Dokument »Bildung überdenken. Ein

globales Gemeingut?« unterstützt und

bekräftigt die Ausrichtung des Weltaktionsprogramms.

Eine internationale

Expertengruppe hat es im Auftrag der

UNESCO vorgelegt und vor dem Hintergrund

neuer Entwicklungen eine

28

GS aktuell 146 • Mai 2019

Hurra! Ihre Datei wurde hochgeladen und ist bereit für die Veröffentlichung.

Erfolgreich gespeichert!

Leider ist etwas schief gelaufen!