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Tagebuch

Bundesgrundschulkongress 2019 –

Willkommen, Herr Bundespräsident!

Maresi Lassek

Vorsitzende des

Grundschulverbands

Der Bundesgrundschulkongress am 13. und 14. September

verbindet zwei besondere Jubiläen: 100 Jahre Grundschule

und 50 Jahre Grundschulverband. Und zum ersten

Mal würdigt ein Bundespräsident durch seine Anwesenheit

die Arbeit der Grundschullehrkräfte in Deutschland.

Damit unterstreicht der Präsident die Bedeutung der

Grundschulbildung zu einem Zeitpunkt, der zur Bilanz

herausfordert und gleichzeitig den Blick in die Zukunft

richtet: auf Perspektiven für eine Schule, die Kinder und

Jugendliche stark macht für ihren Lebensweg. KINDER

LERNEN ZUKUNFT – das Motto des Kongresses steht

für diese Orientierung.

Bilanz

Grundschullehrkräfte erfahren in Wellen ein Wechselbad

in der Einschätzung ihrer Arbeit. Sie sind anerkannt bei

Kindern und Eltern, aber häufig gescholten von Presse

und Politik, wenn sich Methoden von denen der traditionellen

Schule abheben: wenn Kindern mehr Vertrauen

und Eigenständigkeit zugestanden wird, damit sie sich zu

selbstbewussten und verantwortlich handelnden Persönlichkeiten

entwickeln können. Die Schule zu einem bildungsgerechten

Lebens- und Lernraum zu gestalten ist

seit 50 Jahren Anliegen des Grundschulverbands: eine

kindergerechte Schule! Also keine Schule mit »Kuschelpädagogik«,

wie ein früherer Bundespräsident argwöhnte,

und erst recht keine für »faule Säcke«, als die einst ein

Bundeskanzler Lehrerinnen und Lehrer herabwürdigte.

Die Herausforderungen des gesellschaftlichen Wandels

sind längst in den Grundschulen angekommen und

haben vielfältige, kreative Prozesse der Unterrichts- und

Schulentwicklung in Gang gesetzt. Beispielhaft sind die

Veränderung des Schulanfangs und der zeitlichen Rhythmisierung

von Schultagen und Lernorganisation, der

Umgang mit Vielfalt, die Gestaltung der Ganztagsschule

und das Selbstverständnis für Multiprofessionalität und

Teamarbeit. Spürbar ist ein Prozess des Umsteuerns von

Konkurrenz zu Kooperation. Über Gemeinsamkeit und

Solidarität lernen Kollegien und Schulleitungen voneinander,

Schule zukunftswirksamer zu gestalten. Das verlangt

den Abbau von Konkurrenz: zwischen Kindern,

zwischen Lehrkräften und auch zwischen Schulen, indem

innerschulisch Teamstrukturen und schulübergreifend

Netzwerke organisiert werden.

Perspektiven

●●

Spätestens die Aktionen von Schülerinnen und Schülern

»Gemeinsam gegen die Klimakrise« machen offenkundig,

dass nachhaltige Entwicklung zur Schonung

von Ressourcen, zur Reduzierung der Klimaerwärmung,

aber auch zur Sicherung demokratischer Strukturen viel

mehr Raum in den Schulen braucht.

●●

Die Initiativen um (Schul-) Bildung in einer digital

orientierten Gesellschaft verlangen eine mehrperspektivisch

geführte Diskussion. Es geht um zukunftsfähige,

nachhaltige Konzepte, die auch bei schnellem Wandel

Bestand haben und das Kindeswohl in den Mittelpunkt

stellen.

●●

Reformen zur Entwicklung von Unterricht und Schule

brauchen qualitativ ausgerichtete bildungspolitische Unterstützung.

Die Ganztagsschule als Chance für mehr

Bildungsgerechtigkeit soll parallel die Berufstätigkeit

von Müttern ermöglichen. Geeignete Konzepte und unzulängliche

Schulgebäude warten noch auf eine auskömmliche

Ausstattung für diesen Auftrag.

●●

Prekär ist, dass zwischen den Bundesländern und auch

zwischen Kommunen erhebliche Unterschiede in Ausstattung

und Umsetzung der Reformen bestehen. Es liegt

in bundespolitischer Verantwortung, für die Umsetzung

vergleichbarer Bildungsbedingungen zu sorgen.

Der Grundschulverband freut sich darauf, Bundespräsident

Dr. Walter Steinmeier zu einer Rede bei der Festveranstaltung

in der Paulskirche am 13. September begrüßen

zu können. Diese wertschätzende Anerkennung lässt

darauf hoffen, dass die Reformbemühungen auf dem

Weg zu einer zukunftsfähigen, kindergerechten Schule

mehr gesellschaftliche Unterstützung bekommen. Es liegt

in der Hand des Bundespräsidenten, sein Vertrauen in

die Profession der Lehrkräfte öffentlich zu machen und

damit ein Zeichen zu setzen.

2 GS aktuell 146 • Mai 2019

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