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Rundschau

Beispiel: Sachunterricht Thema »Wasser«

Inhaltsaspekte:

Wasser steigt in der Hausleitung ohne Pumpe (Expertenstandards)

(➝ Prinzip der kommunizierenden Röhren)

Transport des Wassers (Expertenstandards)

(vom Hochbehälter ins Haus)

Erfassung und Sammlung des Wassers (Regelstandards)

Der »Wasserkreislauf« (Mindeststandards)

Bedeutung des Wassers für Mensch und Tier (Mindeststandards)

Dr. Anton Nuding

sammelte vielfältige Unterrichtserfahrungen

als Lehrer und Grundschulrektor

(einschließlich Sonder schule

sowie »Zwei-Pädagogen-Modell«)

und ist seit über 30 Jahren in der

Lehrer(innen)bildung der II. und I. Phase

tätig

3. Vielfältige Formen der Leistungsbewertung

praktizieren

Im inklusiven Unterricht werden die

Schüler durch eine adaptive Unterrichtsgestaltung

gefördert. Eine ausgeprägte

Individualisierung steht im

Vordergrund, die in Still- und Übungsphasen

innerhalb der Großgruppe

Klasse stattfindet. Diese erlaubt es, differenzielle

Lernziele anzustreben (vgl.

Abb. zum SU-Thema »Wasser«). Auf

das Basiscurriculum für alle Schülerinnen

und Schüler (»Mindeststandards«),

welches Gemeinschaft stiftende Inhalte

aufgreift, folgt die mittlere Ebene

(»Regel standards«) und schließlich für

die leistungsfähigen ein Aufbaucurriculum

(»Expertenstandards«).

Somit findet hier eine Leistungsniveaudifferenzierung

statt.

Ausgangspunkt des inklusiven Lernens

sind angesichts der großen Heterogenität

der Schülerinnen und Schüler

deren individuelle Vorerfahrungen und

Vorkenntnisse. Die Lehrkraft knüpft daran

an und ist offen für ihre Weltsicht.

Emotionale und soziale Zielsetzungen

bestimmen den Lerngegenstand stärker

als kognitive (23). »Die Didaktik der

Vielfalt ist auch auf der inhaltlichen Seite

reicher, weil sie den Reichtum an Beziehungen

und Biografien, an Erkenntnissen

und Perspektiven verschieden

lernender Menschen anzusprechen versucht«

(6).

Im Unterricht handelt es sich bei den

zu erbringenden Leistungen oftmals weniger

um abfragbares Wissen, sondern

um schwer zu beurteilende Leistungen

wie Neugierverhalten, Problemlösefähigkeiten,

Haltungen u. a. m. Viele anzustrebende

Leistungen sind eher langfristig

angelegt und entziehen sich kurzfristigen

Beobachtungen und Beurteilungen.

Unterricht intendiert nicht nur

den Erwerb fachlicher und fächerübergreifender

Kompetenzen, sondern strebt

auch Handlungskompetenzen an, die

»neben kognitiven auch soziale, motivationale,

volitionale und oft moralische

Kompetenzen enthalten und es erlauben,

erworbene Kenntnisse und Fertigkeiten

in sehr unterschiedlichen Lebenssituationen

erfolgreich, aber auch verantwortlich

zu nutzen« (25). Viele Leistungen

werden daher nicht individuell, sondern

in Gruppenprozessen erbracht.

Ein Abrücken von herkömmlichen

Klassenarbeiten erscheint damit als

Not-wendig. Differenzierung und Individualisierung

erfordern adäquate Lernkontrollen,

deren Resultate vor dem

Hintergrund des individuellen und kriterialen

(➝ sachlichen) Gütemaßstabs

zu beurteilen sind.

Der zieldifferente Unterricht, der

Maßnahmen zur Individualisierung einschließt,

erfordert lernbegleitende Diagnosen

und adäquate Lernkontrollen wie

den Einsatz standardisierter Verfahren,

wie z. B. die »Hamburger Schreibprobe«

(11), die systematische Beobachtung aller

Schülerinnen und Schüler (14; 15),

die Verwendung diagnostischer Aufgabensammlungen,

die Analyse von Tätigkeitsprodukten,

die Nutzung alternativer

Leistungsdokumentationen wie Portfolios

(26; 27) und Lerntagebücher (20),

Einschätzungsbögen (12) zur Selbsteinschätzung

der Schülerinnen und Schüler

und zur Fremdeinschätzung durch

Lehrerinnen und Lehrer, curriculumbasierte

Messungen, Selfassessments,

wie z. B. Lernpässe (9). Die dabei gesammelten

Daten dienen als Grundlage

für Lerngespräche (Lehrer/-in und

Schüler/-in sowie Eltern), die die Lehrkräfte

nicht nur aus situativem Anlass,

sondern auch regelmäßig führen sollten.

Das Lerngespräch muss in hohem Maße

geprägt sein von den ›Rogers-Variablen‹

Wertschätzung, Empathie und Authentizität.

Jedes Kind soll sich, unabhängig

vom Entwicklungs- und Leistungsstand,

als kompetent erleben können. Dabei ist

es entscheidend wichtig, dass die Lehrkraft

anspricht, wie die Schülerin bzw.

der Schüler Lernfortschritte oder auch

Rückschritte selbst einschätzt und erklärt.

Erkenntnisse aus Weiners Kausalattributionstheorie

(24) sind hier vor allem

im Hinblick auf die Erklärung von

Misserfolg überaus wichtig (16).

»Dokumentierte Lernentwicklungsgespräche«

können, wenn es die rechtlichen

Vorgaben erlauben, das herkömmliche

Zwischenzeugnis ersetzen. An den

Montessori-Schulen, die i. d. R. Privatschulen

sind, bekommen die Schülerinnen

und Schüler zum Halbjahr und zum

Schuljahresende Leistungsberichte. Diese

entsprechen in etwa einem Zeugnis in

Verbalform.

4. Eine humanistische Pädagogik

verwirklichen

Das Potenzial der Lernenden und deren

Bedürfnisse werden uneingeschränkt

akzeptiert. Es entwickelt sich ein

Bewusstsein persönlicher Wertschätzung,

das den Erwerb grundlegender

Fähigkeiten betont, um in einer aus vielen

Kulturen bestehenden Gesellschaft

lebenstüchtig zu sein. Pädagogische

GS aktuell 146 • Mai 2019

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