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Rundschau

Entscheidungen und Praktiken werden

persönlich gemacht, indem die Lernenden

in den Prozess der eigenen Erziehung

mit einbezogen werden. Gefühlen

kommt eine wichtige Rolle zu. Individuelle

Werte und Wahrnehmungen

werden zu integrierten Teilen des Erziehungsprozesses.

Ein Lernklima wird

entwickelt, das persönliches Wachstum

fördert und das von den Lernenden

als interessant, verstehend, unterstützend

und vor allem wertschätzend und

angstfrei empfunden wird. Zugleich

wird ein Respekt für den Wert von Mitmenschen

entwickelt (8).

Ein wichtiger Teilaspekt ist sicherlich

auch die Sprache. So geht es beispielsweise

nicht an, dass in manchen inklusiven

Schulen Schülerinnen und Schüler

mit Trisomie 21 »liebevoll«(!) als

»Downies« bezeichnet werden. Schließlich

ist die Gesamtpersönlichkeit eines

jeden Menschen durch ein Vieles mehr

gekennzeichnet als nur durch mögliche

Handicaps und spezifische Bedürfnisse.

Oftmals wird im Zusammenhang von

Inklusion auch die Frage nach der adäquaten

»Beschulung« gestellt. Die »Beschulung«

ist etwas, gegen das sich das

Kind nicht wehren kann. Das erinnert

an die Diskussion um die Beschneidung.

Aus religiös motivierten Gründen werden

kleine Jungen jüdischer oder muslimischer

Herkunft beschnitten. Sie haben

im Allgemeinen keine Chance zur freien

Entscheidung.

Passivierte Verbformen, wie z. B.

be-schulen, be-schneiden … polarisieren

zwischen dem Einen, der etwas tut,

und dem Anderen, an dem etwas getan,

ihm also angetan, wird (17).

»Eine Analyse unserer Sprache verrät

viel über unser Denken« (13), so die

populäre These in der Philosophie des

20. Jahrhunderts – und Sprache schafft

Wirklichkeit (28).

Die Inklusion erfordert ein Umdenken.

Das pädagogische Handeln kann

nicht mehr bestimmt werden durch die

Frage, ob ein Schüler in die Regel schule

aufgenommen werden kann, sondern

wie sich eine Schule verändern muss,

um ein Kind mit seinen individuellen

Bedürfnissen adäquat zu fördern (1) –

»… und dass es als Normalität gilt, dass

alle Menschen in mancher Hinsicht verschieden

und in anderer Hinsicht ähnlich

sind« (7).

Anmerkungen

1) Eiko Jürgens (62004): Die »neue« Reformpädagogik

und die Bewegung Offener

Unterricht. St. Augustin: Academia

Literatur

Die verwendete Literatur zu den Nummern

in Klammern finden Sie unter

www.

https://grundschulverband.de/

grundschule-aktuell/nuding-literatur/

Nachruf auf Jonas Lanig

Wir trauern um unseren Mitstreiter Jonas Lanig.

Mit ihm verlieren wir einen kompetenten und engagierten Kämpfer für eine demokratische

und humane Gesellschaft. Als Vorsitzender der Aktion Humane Schule trat er für eine inklusive

Schule ein, die die Kinderrechte achtet und Beschämungen (z. B. durch Ziffernnoten) vermeidet.

Er war ein Pädagoge, der das einzelne Kind im Mittelpunkt der Bildung sah. Jonas wird uns als

herzlicher, humorvoller und überaus vielseitig interessierter Mensch in Erinnerung bleiben.

Seine Veröffentlichungen beschäftigen sich mit Themen wie Rechtsradikalismus, Schulentwicklung,

Zivilcourage, Krieg und Frieden. Die Demokratie und ihre Gefährdung durch Vorurteile,

rechte Hetze und soziale Ungerechtigkeit war eines seiner Lebensthemen. Er war authentisch

und glaubwürdig in allem, was er tat.

In den letzten Jahren war Jonas Lanig aktives Mitglied des Bündnisses »Eine für alle – die

inklusive Schule für die Demokratie« von Grundschulverband, GEW, GGG, »Politik gegen

Aussonderung«, Aktion Humane Schule, »Eine Schule für alle NRW«. Er bereicherte das Bündnis

durch seine Lebhaftigkeit und Kreativität. Jonas Lanig war zuverlässig, begeisterungsfähig

und von einem ansteckenden Optimismus. Wir werden sein mitreißendes Lachen und seine

freundschaftliche und zugewandte Art sehr vermissen.

Maresi Lassek

Vorsitzende des

Grundschulverbandes

Dr. Ilka Hoffmann

Mitglied des Geschäftsführenden Vorstands

der GEW, Organisationsbereich Schule

40 GS aktuell 146 • Mai 2019

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