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Papierflieger April

25. April 2019

Was soll das denn werden?

Restrukturierung ohne Zukunftsperspektiven und Personalabbau? Nicht mit uns!

„Eines steht für mich fest: Wir haben allen

Grund, mit Stolz auf das Jahr 2018 zurückzublicken.“

„Für diese herrvoragenden Leistungen und

viele weitere, die ich jetzt nicht alle aufzählen

kann, für ihr Engagement und ihren Fleiß,

möchte ich mich bei ihnen allen ausdrücklich

und ganz herzlich bedanken.“

Zu den Zielen für dieses Jahr heißt es in der

Videobotschaft vom Vorsitzenden der Geschäftsführung,

Dr. Thomas Ehm, dass wir

unsere Hausaufgaben machen müssen und

große Herausforderungen bei Qualität, Kosten

sowie beim Inventory (Bestände) bestehen.

Nix besonderes also.

„Das vergangene Jahr hat deutlich gezeigt:

Was wir uns gemeinsam vornehmen, können

wir auch erreichen. Lassen Sie uns alle gemeinsam

daran arbeiten unser Unternehmen

ein Stück weiter Richtung Zukunft zu führen

– einer erfolgreichen Zukunft.“

Soviel von Ehm´s Botschaften.

Also, Ende Januar ist die Welt für die Geschäftsführung

noch in Ordnung: Hohes Lob

für 2018 und für 2019 „nur“ Hausaufgaben zu

machen.

Im Februar zum A380-Ende verkündet die

Pressesprecherin in der Presse: Kein Problem

für PAG im Norden, Beschäftigte wechseln

in andere Bereiche.

Ende März ruft die Geschäftsführung ggü.

allen Führungskräften dann die Krise aus.

Und im April wird ein sogenanntes „Restrukturierungsprogramm“

angekündigt. Zuerst

für Augsburg, ohne Perspektiven. Dafür aber

mit drohenden Abbau von über 1.100 Arbeitsplätzen

bis 2023 und Druck auf unsere

tariflichen und betrieblichen Standards.

Die Unruhe und das Unverständnis in den

einzelnen Standorten wurde schon seit Wochen

täglich größer. Allen voran natürlich bei

unseren Augsburger KollegInnen, aber auch

in den Standorten im Norden. Das führte vor

zwei Wochen bei der Betriebsversammlung

in Augsburg zu einer imposanten Aktion

vorm Werksgelände und am Folgetag in den

Nordstandorten zu Inforrunden mit großer

Beteiligung.

Die Turnhalle war zur spontanen Info-Runde des Betriebsrat am vorletzten Freitagvormittag gerappelt voll.


Die Spekulationen hatten schon Ende März

dazu geführt, dass die IG Metall-Vertrauensleute

der Geschäftsführung der Premium AE-

ROTEC sowie den Mitgliedern des Aufsichtsrates

einen gemeinsamen, deulichen

Brief geschrieben haben.

Darin geht es u. a. darum, dass die Beschäftigten

seit der Gründung der PAG immer

dazu beigetragen haben, Airbus pünktlich zu

beliefern – immer wieder auch mit zusätzlichen

Anspannungen wie Mehr- und Feiertagsarbeit.

Häufig genug wurden parallel

Veränderungen, wie z. B. Aufbau von

Braşov, diverse ToW´s, Eckpunktepapier,

PEP oder die PAG-Zukunftssicherung mitgetragen,

um im Gegenzug langfristig eine Perspektive

für die Standorte und für die Beschäftigten

zu erhalten.

Schon tags zuvor haben die Augsburger Kolleg-

Innen die richtige Antwort auf die GF gegeben

Seit die Geschäftsführung Ende 2016 an allen

Standorten in den Betriebsversammlungen

das sogenannte „Do Nothing“ Szenario gezeigt

hat, kam von ihnen nicht mehr viel. Eine

Strategie, wie die Geschäftsführung und der

Shareholder dieses verhindern wollen und die

Standorte nicht nach und nach „leer laufen“

lassen, ist seit dem nicht erkennbar.

Es müssten Entscheidungen zu neuen Bauanteilen,

wie z. B. der Zusatztank für die A321

XLR oder die SA-Sekt. 18/19 getroffen und

fremdvergebene Arbeitspakete zurückgeholt

werden, um die Beschäftigung in Augsburg

und der PAG dauerhaft zu sichern. Stattdessen

werden immer wieder und scheinbar beliebig

weitere, interne Verschiebungen von

Arbeitspaketen zwischen den Standorten, wie

z. B. die A350 Ober- /Unterschale oder sogar

weitere Fremdvergaben überprüft.

Bei guten Geschäftsergebnissen, einem insgesamt

hohen Auftragsbestand, positiven

Wachstumsprognosen für die Luftfahrtindustrie

und „goldenen Fallschirmen“ für ausscheidene

Manager fällt unserer Geschäftsführung

nichts anderes ein, als die Beschäftigten

mit Arbeitsplatzverlusten und „harten

Einschnitten“ zu bedrohen. Unglaublich!

Die IG Metall-Vertrauensleute haben in dem

Brief die Geschäftsführung und den Aufsichtsrat

deshalb aufgefordert, die strategische

Ausrichtung der Premium AEROTEC

gemeinsam mit der IG Metall und den Betriebsräten

so voran zu bringen, dass eine

Stärkung der gesamten Premium AEROTEC

und all ihrer Standorte gelingt.

Auch in Varel waren die KollegInnen am Freitag

zusammen gekommen. Gleiches galt für Bremen.

Mit diesem Brief und durch die gute Beteiligung

an den Versammlungen in Augsburg,

Bremen, Varel und Nordenham haben wir

sehr deutlich gemacht, dass wir auch in Zukunft

gemeinsam um unsere Arbeitsplätze

und die Zukunftsfähigkeit aller Standorte

kämpfen werden.

Wie schon häufig in der Vergangenheit bewiesen,

gilt auch jetzt: Wird einer von uns angegriffen,

werden wir alle angegriffen. Wir

stehen zusammen und lassen uns nicht spalten

Und das werden wir, wenn nötig, auch deutlich

zeigen. Darauf können sich alle verlassen!

Michael Eilers

Ralf Bremer

Auslastung im Werk

geht runter

In der Gesamtlage spielt die tatsächliche Auslastung

natürlich auch eine wesentliche

Rolle. Mit dem angekündigten Ende der

A380-Produktion wurde noch das Bild durch

die Geschäftsführung erzeugt, das alles sei

kein Problem für die Beschäftigten:


„Es sind für die Standorte keine negativen

Auswirkungen durch den Programmstopp zu

erwarten“, machte PAG-Sprecherin Barbara

Sagel deutlich. (in norddeutscher Presse)

Diese Aussage hat sich leider nicht bewahrheitet

– oder war, um es nett zu formulieren,

nicht richtig. Über die Richtigkeit von Zahlen

haben wir uns auch schon im vorletzten Wirtschaftsausschuss

auseinandergesetzt.

Nach den nun von der Standortleitung vorgestellten

Zahlen sind in NOR schon in diesem

Jahr rund 150 KollegInnen zu viel an Bord.

Das betrifft demnach insbesondere die Montage,

aber auch die Teilefertigung.

Die Siduflex-Beratungen zwischen der

Standortleitung und dem Betriebsrat zur Auslastungsentwicklung

und der Anwendung der

Siduflex-Instrumente gehen am Montag, den

29. April 2019 weiter.

Sollte es anschließend neue Erkenntnisse geben,

oder Maßnahmen vereinbart sein, werden

wir umgehend darüber informieren.

Michael Eilers

Europawahl 2019

Am 26. Mai 2019 werden in Deutschland die

Vertreter für das Europäische Parlament gewählt.

Die A380-Produktion ist in NOR tatsächlich schon

in diesem Monat beendet. Auch andere Programme

entwickeln sich nicht so positiv, wie bisher

geplant.

Der A350-Bereich hat noch einen geringen

Bedarf, der mit StammkollegInnen gefüllt

werden muss. Insgesamt bedeutet diese veränderte

Auslasungsplanung eine Vielzahl

von Versetzungen, den Abbau von LeiharbeitskollegInnen

und den Abbau von Zeitkonten.

Klar ist dann natürlich auch, dass es

im Grundsatz keine Mehrarbeit oder die Auszahlung

aus dem Arbeitszeitkonto mehr geben

wird.

Dass es im Prinzip auch keine externen Personalanforderungen

mehr geben kann,

müsste sich im Grunde von selbst erklären.

Eine Zustimmung dazu wird es vom Betriebsrat

jedenfalls nicht geben können.

Das Europäische Parlament ist die demokratisch

gewählte Vertretung der Bürgerinnen

und Bürger der Europäischen Union (EU).

Ca. 300 Mio. Wahlberechtigte aus 27 Mitgliedstaaten

sind jetzt im Mai aufgerufen in

Summe 705 Abgeordnete für die nächsten 5

Jahre zu wählen, davon kommen 96 aus

Deutschland. Die genannten Zahlen sind

ohne Großbritanien, denn wie es aufgrund der

Brexit-Verhandlungen weitergeht, ist nach

wie vor unklar.

Mittlerweile ist Europa für uns zu einer großen

Selbstverständlichkeit geworden, auf die

wir, auch trotz kritischer Stimmen, nicht

mehr verzichten wollen. Wir können uns in

Europa frei bewegen, in andere(n) EU-Länder(n)

reisen, leben, arbeiten oder studieren

und mit dem Euro zahlen.

Lange Zeit standen vor allem wirtschaftliche

Ziele im Vordergrund, von denen auch

Deutschland bisher enorm profitiert hat. Etwa

30 % der Arbeitsplätze in Deutschland hängen

vom Export ab.

Diese Probleme beziehen sich auch nicht alleine

auf die Produktion, sondern auch auf die

Indirekten Bereiche. Die Arbeitgeberseite

vertritt eigentlich schon immer die Auffassung,

es wären zu viele „white collar“-KollegInnen

beschäftigt. In ihren jetzigen Planungen

ist auch dort ein Abbau vorgesehen.

Aus unserer Sicht muss auch für den Standort

Nordenham geschaut werden, welche Arbeitspakete

man vom Fremdmarkt wieder zurückholen

kann. Weitere Verlagerungen oder

Verschiebungen von zusätzlichen Arbeitspaketen

würden das Problem nur noch verschärfen

und darf es nicht geben.


Zukünftig wird es aber immer wichtiger, die

Beschäftigten in den Mittelpunkt der europäischen

Politik zu stellen. Die IG Metall fordert

u. a. einen Pakt zur Stärkung des sozialen

Europas und europaweiter Beteilungsrechte.

Für uns steht ein starkes und soziales Europa

im Vordergrund, bei dem es immer darum

geht, gute Bedingungen für die Menschen zu

gestalten – und das in ganz Europa. Deshalb

heißt das DGB-Motto für den diesjährigen 1.

Mai auch zu Recht: „Europa. Jetzt aber richtig.“

Die EU-Institutionen müssen noch mehr

für Perspektiven, Wohlstand und soziale Sicherheiten

erreichen, als bisher.

Der Airbus-Konzern ist an vielen Stellen das

europäische Vorzeigeunternehmen. Gerade

in unserer Branche ist ein starkes und demokratisches

Europa, das die Interessen von

uns Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern

berücksichtigt, enorm wichtig. Das Feld darf

nicht den Rechtspopulisten überlassen werden.

Jeder sollte die Positionen der einzelnen Parteien

mit dem Blick auf Arbeitnehmerfreundlichkeit

prüfen und am 26. Mai 2019 oder

vorab per Briefwahl sein Recht zur Stimmabgabe

wahrnehmen. Wir als Wähler tragen

entscheidend dazu bei, wie sich das Europäische

Parlament zukünftig aufstellt und welche

Richtung Europa damit einschlägt.

Wählt ein soziales Europa!

Petra Deters

Papierflieger:

V.i.S.d.P.: Martin Schindler, IG Metall Wesermarsch

VK-Leitung Premium Aerotec, Nordenham

Ralf Bremer, Michael Eilers,

Redaktion: Vertrauenskörperleitung und

Unterzeichner der Artikel

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