Andrea Behnke/Mele Brink: Herr Bort, der Katzenschreck

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Herr Bort liebt seinen Garten. Rosi, die Katze der Nachbarin, liebt seinen Garten auch. Herr Bort kann Katzen nicht leiden. Aber Rosi mag Herrn Bort. Sie mag sogar seine Schimpfworte, seine Wasserfontänen und sein Blockflötenspiel. Also bleibt sie da. Egal, was Herr Bort auch anstellt: Rosi lässt sich nicht vertreiben. Doch dann kommt der Tag, an dem alles anders werden könnte. Herr Bort muss eine Entscheidung treffen.
Eine witzig-melancholische Geschichte um einen Eigenbrötler. Und eine Geschichte um eine ungewöhnliche Freundschaft. Für Kinder ab 3 Jahren.

Andrea Behnke

& Mele Brink

Herr

Bort,

der Katzenschreck

EDITION PASTORPLATZ

33


Andrea Behnke

& Mele Brink

Bort, Herrder Katzenschreck


Herr Bort schneidet mit einer Schere die Rasenkante.

Der Rasen ist wie ein Teppich. Herr Bort hat viele Tulpen

gepflanzt, die ihn an seine Frau erinnern. Manchmal hört er,

wie die Blumen mit ihm reden. Sie wispern, rufen, lachen.

Der Garten ist bunt. Herr Bort nicht. Seit seine Frau nicht

mehr da ist, ist Herr Bort dunkel.


Die Nachbarin hat eine Katze. Und seit einiger Zeit auch zwei

Hunde, die oft bellen. Hundegebell stört Herrn Bort nicht.

Doch die Katze, die sitzt auf einmal oft in seinem Garten.

„Das ist, weil sie die Hunde nicht leiden kann“, sagt die

Nachbarin.

Herr Bort zieht die Stirn kraus und schaut die Katze grimmig an.

Die Katze lächelt zurück.


Die Katze sonnt sich. Sie heißt Rosi.

Das weiß Herr Bort.

Aber er nennt sie nur

„Du Viech“.

Das i zieht Herr Bort

dabei ganz lang. Viiiiiech.

Es klingt fast wie singen.

Seine Stimme fängt an zu beben,

wenn er das Wort ausspricht. Das mag Rosi.


„Du Viiiiiech, geh wieder rüber.“ Was „rüber“ heißt,

versteht Rosi nicht. Rüber, das klingt auch nicht so

schön wie dieses gesungene Viiiiiech. Also bleibt Rosi

einfach da.


Im Garten von Herrn Bort

steht ein Baum. Rosi findet es

wunderbar, sich an seinem Stamm

die Krallen zu wetzen. Jedoch liebt

Herr Bort seinen Baum. Und er

liebt den Stamm des Baums.

Also umwickelt er den Baum mit

einer Kordel. Rosi steht vor dem

Stamm und guckt rauf und runter.

Herr Bort beobachtet sie.


„Ha“, denkt er. „Jetzt

verschwindet das Viech.“

Rosi hebt eine Tatze und versucht,

an der Kordel zu ziehen. Da Herr

Bort sehr stramm gewickelt hat,

schafft sie es nicht. Die Kordel

kitzelt an ihrem Ballen. Rosi hat

das Gefühl, als würde sie jemand

streicheln.

Herr Bort schnurrt.


Herr Bort zwirbelt mit dem

Zeigefinger seinen Bart. So kommen

ihm oft die besten Ideen.

Wasser! Herr Bort weiß, dass Katzen

Angst vor Wasser haben. Sein Rasen

mag Wasser. Sofort schließt Herr Bort den

Schlauch an. Es zischt. Das Wasser tropft auf

die Grashalme.


Rosi kauert in einer Ecke und zieht die Nase

kraus. Nasse Tatzen sind scheußlich. Langsam

kommt sie näher. Plötzlich werden ihre Augen

groß. Rosi hat eine Idee. Sie macht einen

Satz und springt über den Wasserstrahl.

Herr Bort dreht sich. Rosi dreht sich mit

und hüpft erneut. Herr Bort seufzt und stellt

das Wasser ab.


Plötzlich muss Rosi. Sie muss so doll, dass

sie sich flink hinhockt und an einen Strauch

pieselt.

„Du Viiiiiech!“ Die Stimme von Herrn Bort

überschlägt sich fast. „Kein Gestiiiiinke in

meinem Garten.“

Gestinke, auch so ein schönes Wort. Gestinke.

Rosi saugt die Buchstaben auf. Das i von

Herrn Bort ist wie ein Miau.

„So geht das nicht weiter.“ Herr Bort

baut sich vor Rosi auf.


Da guckt die Nachbarin um die Ecke.

„So geht das nicht weiter“, sagt Herr Bort

noch einmal laut. Da bellen die Hunde.

„Ja, wir gehen sofort Gassi, das machen

wir“, sagt die Nachbarin und verschwindet.

Rosi schmiegt sich an Herrn Bort.

„Katzenhaare!“ Mit spitzen Fingern zupft Herr

Bort jedes einzelne Haar von der Hose.


Foto: Michael Thodt

Andrea Behnke . Die Autorin

Andrea Behnke ist ein Ruhrgebietskind. Sie

schreibt Geschichten – wahre und erfundene.

Sie hat Politikwissenschaft, Anglistik und

Publizistik studiert. Nach einer Zeit als

Angestellte, u. a. als Redakteurin, ist sie

seit Ende 1999 freiberufliche Autorin und

Schriftstellerin. Sie arbeitet für Verlage, für

den Hörfunk und für Non-Profit-Einrichtungen. Sie hat schon viele

Kinderbücher veröffentlicht. Sie spielt wie Herr Bort Flöte und ist viel mit

dem Fotoapparat unterwegs.

Im Netz: www.andreabehnke.de

Foto: Privat

Mele Brink . Die Illustratorin

Geboren 1968 in Ostwestfalen, lebt sie seit

Mitte der 80er-Jahre in Aachen. Nach

einem Architekturstudium hat sie sich dann

doch lieber der Zeichnerei verschrieben und

produziert seitdem heitere Bilder für kleine

und große Menschen. Das macht sie im

Atelier am Pastorplatz, dessen Rasenkanten sie

allerdings nie mit der Schere schneidet. Und wenn sich da im Frühling

die ersten Blumen (manchmal auch Tulpen) der Sonne entgegenstrecken,

macht sie dabei gerne mit.

www.melebrink.de


Herr Bort, der Katzenschreck“ wird herausgegeben von der Edition Pastorplatz

(Mele Brink & Bernd Held GbR · Luisenstraße 52 · 52070 Aachen)

www.editionpastorplatz.de

www.facebook.com/edition.pastorplatz

www.twitter.com/ed_pastorplatz

Editionsnummer: 33 (August 2019)

ISBN 978-3-943833-33-1

1. Auflage

Idee + Text: Andrea Behnke

Zeichnungen: Mele Brink

Layout + Umsetzung: Bernd Held

Lektorat + Korrektorat: Angelika Lenz, Steinheim an der Murr

Druck: Grafisches Centrum Cuno GmbH & Co. KG, Calbe

Innenseiten: 140-g-Offsetpapier (FSC ® -zertifiziert)

Umschlag: 135-g-Bilderdruckpapier (FSC ® -zertifiziert)

Das Werk einschließlich aller seiner Teile ist urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung ist ohne Zustimmung des Verlags unzulässig. Das gilt insbesondere für

Vervielfältigungen, Übersetzungen, Mikroverfilmungen und die Einspeicherung und Verarbeitung in elektronischen Systemen.

Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek: Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie;

detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://dnb.dnb.de abrufbar.


Herr Bort liebt seinen Garten. Rosi, die Katze der Nachbarin,

liebt seinen Garten auch. Herr Bort kann Katzen nicht leiden.

Aber Rosi mag Herrn Bort. Sie mag sogar seine Schimpfworte,

seine Wasserfontänen und sein Blockflötenspiel. Also bleibt

sie da. Egal, was Herr Bort auch anstellt: Rosi lässt sich nicht

vertreiben. Doch dann kommt der Tag, an dem alles anders

werden könnte. Herr Bort muss eine Entscheidung treffen.

Eine witzig-melancholische Geschichte um einen

Eigenbrötler. Und eine Geschichte um eine

ungewöhnliche Freundschaft.

Für Kinder ab 3 Jahren.

ISBN 978-3-943833-33-1

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