RCKSTR Mag. #165 April 2019

online.magazines

DAS LETZTE PRINTMAGAZIN DER WELT

n o 165

APRIL 2019

rckstr.ch

5 EURO 4.50


JOURNEY BEYOND

INSPIRIERT VOM INTERNATIONALEN BESTSELLER

METRO 2035 VON DMITRY GLUKHOVSKY

JETZT ERHÄLTLICH

© 2019 and published by Deep Silver, a division of Koch Media, Austria. Developed by 4A Games. 4A Games Limited and their respective logo are trademarks of 4A Games Limited. Inspired by the internationally best-selling novel METRO 2035

by Dmitry Glukhovsky. All other trademarks, logos and copyrights are property of their respective owners. “2” and “PlayStation” are registered trademarks of Sony Interactive Entertainment Inc. Also, “Ø” is a trademark of the same company.


IMPRESSUM

EDITORIAL

REDAKTIONSLEITUNG

Michael Rechsteiner (rec)

REDAKTIONSPRAKTIKUM

Marietta Gerber (mge)

Schön, dich wiederzusehen!

SCHREIBENDE IN

DIESER AUSGABE

Christian K.L. Fischer (fis)

Jessica Jurassica (jj)

Laura Gehrig (lag)

Lea Hofer (lea)

Rainer Etzweiler (rez)

Schimun Krausz (shy)

Valérie Hug (vug)

Manuel Maissen (vlct)

GRAFIK & LAYOUT

Patrick Campolongo

ILLUSTRATIONEN

Bianca Frey

COVERFOTO

Yuky Lutz

COVERMODEL

Memi

KORREKTORAT

VERKAUF

Rainer Etzweiler

Zoé Zimmermann

PROPAGANDA & EVENTS

Jessica Fall

Thierry Klaus

Zoé Zimmermann

Petra Stankovic

In den vergangenen Wochen habe ich Unterhaltungen

öfters mit dem Satz «Jan Michael Vincent ist

tot!» eröffnet und habe drei Dinge gelernt: 1. Mein

Small Talk Game ist wirklich miserabel. 2. Der Star

aus «Airwolf», «Going Home», «Big Boy – Der aus dem

Dschungel kam» und «Ice Cream Man» scheint allgemein

doch nicht so eine grosse Nummer zu sein, wie

ich angenommen habe. 3. Ich sollte unbedingt mal

wieder «Ice Cream Man» anschauen. Clint Howard

spielt darin einen Serienmörder, der seine Opfer

zu Eiscreme verarbeitet, diese dann an Kinder verkauft

und dabei von Polizeidetektiv Jan Michael Vincent gejagt wird – ein, ehm,

eiskalter Klassiker! Und dazu noch absolut passend zur Saison, wo doch endlich

wieder überall diese Gelato-Hipster aus dem Boden emporfrieren und unsere Waffeln

mit Matcha-Parmesan-Drachenfrucht-Sorbet satteln.

Das Praktische an Waffeleis ist ja: Es bleibt nix davon zurück. Weitaus mehr Snacks

sollten deshalb in Waffeln serviert werden: Kino-Popcorn? Waffel! Dönerbox? Waffel!

Suppe? Waffel, irgendwie. Doch solange sich die Waffel nicht als das Transportmittel

Nummer 1 für die Futter-on-the-go-Generation durchgesetzt hat, werden

wohl auch weiterhin solche Hauptartikel wie in dieser Ausgabe nötig sein: Wir haben

uns mal etwas genauer im Supermarkt umgeschaut und dabei leider noch immer

mehr Plastik entdeckt als bei einer «Der Bachelor: Die Reunion»-Show. Neben

diesem Themenschwerpunkt gibt es aber auch sonst einiges in der neuen Ausgabe

zu entdecken – beispielsweise neue Musik von den Foals, Kings und Lizzo (und nein,

wir suchen neuerdings unsere Acts nicht nach ihrer Anzahl Buchstaben aus). Ausserdem

spüren wir zünftig den Frühling und holen uns dabei etwas Inspiration aus

der Tierwelt, stellen uns seelisch schon mal auf das Ende von «Game of Thrones»

ein und bringen die Nation zusammen im Wunsch, endlich wieder Murmi über den

Bildschirm flimmern zu sehen. Jan Michael Vincent ist tot, verdammt, we need this

right now!

Herzli, Michael

#165 | APRIL 2019

3

DISTRIBUTION

Pit «Chemtrails» Kägi

TEAM ROTKREUZ

Martin Schiess

Henna Matter

TEAM WÄDENSWIL

Monika Bestel

Walti Bestel

Katrin Widmer

PROMOGIRLS

Dario, Elise, Giuliano, Laurin, Lucy,

Melanie, Meret, Rahel, Räff, Rika,

Sabrina, Stephanie, Stéphie und Tobi

VERLAG

Youngcom AG

Blegistrasse 1

CH-6343 Rotkreuz

GESCHÄFTSFÜHRER

Joel Meier

ANZEIGEN

Rainer Etzweiler

Zoé Zimmermann

Samuel Rudolf von Rohr

TEL +41 43 333 09 04

FAX +41 43 333 09 06

rockstar@rockstar.ch

www.rockstar.ch

Mediadaten, Infos und AGBs: www.youngcom.ch

REDAKTIONSADRESSE

RCKSTR Mag.

Sihlhallenstrasse 19

CH-8004 Zürich

TEL +41 43 333 09 05

FAX +41 43 333 09 06

redaktion@rockstar.ch

DRUCK

Die Wattenscheider

Medienvertriebs GmbH

D-44867 Bochum

VERTRIEB

Youngcom AG

Passive Attack GmbH

Modul Kultwerbung

ERSCHEINT 11 x JÄHRLICH

AUFLAGE 50’000 Ex.

LESER 115’000

(MACH 2012-2)

JAHRESABO CHF 69.-

abo@rockstar.ch

ABOVERWALTUNG

Zoé Zimmermann

Teilnahmeberechtigt an Wettbewerben, Preisausschreibungen und Verlosungen sind alle Personen. Teilnahme an allen Verlosungen (auch SMS) per Postkarte an

RCKSTR Mag., Wettbewerb «Betreff», Sihlhallenstrasse 19, 8004 Zürich möglich. Kontakt- oder persönliche Angaben sind nur für den internen Gebrauch bestimmt.

RCKSTR Mag. behält sich vor, die Teilnehmer auch in anderem Zusammenhang per Post, E-Mail oder SMS anzuschreiben. Sachpreise können nicht umgetauscht,

zurückgegeben oder in bar ausbezahlt werden. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen. Es wird keine Korrespondenz geführt. Jegliche Verwendung des Inhaltes nur mit

schriftlicher Genehmigung des Herausgebers. Für unaufgefordert eingesandte Dokumente, Druckfehler und irrtümliche Versprechen/Angebote übernimmt der

Verlag keine Haftung. Member-Angebote so lange Vorrat. RCKSTR Mag. ist eine eingetragene Marke der Youngcom AG © 2017


#165 | APRIL 2019

RCKSTR Mag.

INHALT

SEITE

22

An dieser Band führt

2019 kein Weg vorbei –

gut so!

FOALS

SEITE

24

Dürfen wir vorstellen:

Unsere Lieblingssängerin

der Stunde

LIZZO

4

#165 | APRIL 2019

SEITE

14

THEMEN

SCHWER

PUNKT

SEITE

36

SEITE

18

Ein Gespräch über Umweltschutz

im Ausgang

GREEN CLUBBING -

GEHT DAS?

SEITE

38

THEMEN

SCHWER

PUNKT

Wir träumen vom

TV-Comeback

des Jahres

MURMI FOR BACHELOR!

Höchste Zeit, dass wir unserem Essen

eine Verpackungsdiät verpassen

LIFE IN PLASTIC? NOT FANTASTIC!

PLUS

THEMEN

SCHWER

PUNKT

Lootboxen in Games:

Genug ist genug

42

Dein süsser

Schoggibunny-Guide

34

Killt Instagram die

schönsten Orte der Welt?

32

Elrow – die bunteste

Party des Frühlings

50

Bereit für die

hässlichsten Osterpullis?

30

Tierisch gute Flirttipps

08

Nilüfer Yanya

slowrockt Zürich

52

Und Jessica Jurassica hat

uns auch noch was zu sagen

12

THEMEN

SCHWER

PUNKT

Reif für den Schweizer

Pop-Thron?

KINGS

SEITE

20

Zum Start der letzten Staffel:

Die Gory-Awards

GAME OF THRONES

Designer Rafael

Kuoto im Interview

UPCYCLING IM

AUFSCHWUNG

SEITE

26

W Jetzt Greenfield-Ticket kaufen

& gratis RCKSTR-Member werden!

; shop.rckstr.ch


ALLTAG

HIRNGESTÜRM

6

#165 | APRIL 2019

Was uns in letzter Zeit so

alles durch den Kopf ging

Schlimm genug, haben wir das «Australische Touristen

kotzen in jede erdenkliche Ecke vom Englischen

Garten»-Festival aus München importiert,

damit man auch jeden September in der Mehrzweckhalle

Wettingen beim, ehm, Team-Building-

Event der Buchhaltungsassistentin ungestraft in

den Ausschnitt glotzen und darüber streiten kann,

wie man jetzt eigentlich möglichst authentisch

eine Weisswurst in die gerade von Bier gefluteten

Eingeweide ausdrückt. Doch müssen wir jetzt

ernsthaft diese Bootleg-Oktoberfest-Schauergaudi

auch noch im Frühling austragen? «1.

Frühlingswiesn Zürich» kündigt der Komplex 457

vom 25. bis 27. April an. Lasst es bitte auch die

letzte sein!

Hey Hollywood,

hackts eigentlich!? Gemäss

Ankündigung soll «Avengers:

Endgame» eine Laufzeit von drei

Stunden und zwei Minuten haben.

Hiess es nicht neulich, die Oscars müssen

gekürzt werden, weil niemand so lange den

Arsch stillhalten kann? Auf YouTube haben

inzwischen sogar die Filmtrailer vorab kürzere

Filmtrailer, weil unsere Aufmerksamkeitsspanne

dermassen auf GIF-Länge

komprimiert wurde und wir uns

mit keinem Thema länger als

ein paar Sek-

Raschel mit dem Papier, baby! Nach erfolgreichem Crowdfunding

zieht das Ladenlokal von Print Matters! um vom Predigerplatz

an die Hohlstrasse 9 im Zürcher Kreis 4 und somit

sozusagen in unsere Nachbarschaft – was uns natürlich enorm

entzückt. Im Shop findest du ausgewählte Indie-Printmagazine

aus aller Welt zum Durchstöbern. Unbedingt auschecken!

(Und uns aber trotzdem auch noch treu bleiben, imfall.)


Ob unser

body ready ist für

das Dieter-Bohlen-Konzert

am 14. September im

Hallenstadion?! Aberschosicher!

Wer sich unserer Gäng

anschliessen will: Das Shirt

gibts für CHF 41.- bei

curioos.com.

Okay, schon klar. «The Queen’s Corgi» (ab 2. Mai bei uns im Kino) wird

womglich niemals im selben Atemzug genannt werden wie Orson

Wells’ «Citizen Kane» und Ingmar Bergmans «Das siebente Siegel».

Aber in Zeiten von Brexit-Bullshit und White-House-Wankiness ist ein

Film, in dem der Corgi von Elizabeth II. in Donald Trumps Weichteile

beisst, absolut wichtig und richtig und essentiell für unser psychisches

Wohlbefinden.

#165 | APRIL 2019

7

In einem Experiment stellte die HKB (Hochschule der Künste

Bern) fest: Käse, dem während dessen Reifeprozess Hip-

Hop vorgespielt wurde – genauer: A Tribe Called Quest –

schnitt bei der anschliessenden Verkostung geschmacklich

besser ab, als Laibe, die Rock, Klassik oder gar keiner Musik

ausgesetzt waren. Die Kollegen vom Lyrics Magazine sollten

der Sache womöglich noch etwas genauer auf den Grund

gehen, aber wir halten schon mal fest: Ist das Appenzeller

Geheimrezept etwa nichts anderes als Migos in der

Dauerschleife?!

What the fuck,

Männedorf?! Fassen wir

zusammen: Ein Otter ist das Wappentier

der Gemeinde. Die Zeitschrift

vom Gewerbeverein Männedorf trägt den

Namen «Fischotter». Und der eingezäunte

Weiher, in dem sich Fischotter Ivo tummelt, ist

die einzige Sehenswürdigkeit im Ort. Jetzt aber

muss ausgerechnet diese Anlage geplanten

Seniorenwohnungen weichen. Will man den

Otter auf dem Wappen etwa auch noch

gleich durch das Bild eines Rollators

ersetzen? Schande über Männedorf.

Nationale Schande!


ALLTAG

Kama Z

DEIN GUIDE FÜR TIERISCH VIEL ERFOLG BEIM NÄCHSTEN FRÜHLINGSFLIRT

8

#165 | APRIL 2019

Der Frühling ist da – inklusive Frühlingsgefühle. Wenn dein Pheromon-Charme

bisher nicht so überzeugen konnte, wird es Zeit,

etwas Neues zu probieren. Wir haben deshalb recherchiert und

präsentieren dir die besten Flirttipps aus dem Tierreich. Weil es

dort noch etwas konservativer abgeht, können jetzt vor allem die

männlichen Leser was lernen (Frauen dürfen sich hingegen mental

auf zukünftige Flirtattacken vorbereiten). von Laura Gehrig

DIE IKEA-VERFÜHRUNG!

Was bei Kugelfischen klappt, kann beim Mensch nicht so verkehrt

sein. Die Meeresbewohner locken ihre Weibchen nämlich

mit selbstgebauten Verführungstempeln an, indem sie

Sand auf dem Meeresboden herumschieben bis ein Muster

entsteht. Und das ganz ohne Bauplan! Unser Tipp für dich:

Einfach mal ein Billy Regal besorgen, Anleitung wegschmeissen

und das Ding an der Langstrasse aufbauen. Wenn das

keine Frauen anzieht und beweist «Hier wartet qualitativ

hochwertiges und handwerklich begabtes Sperma», dann

wissen wir auch nicht weiter.

EISBRECHER: URINDUSCHE

Stachelschweine sind liebestechnisch wenig aktiv.

Wenn sie es mal für ein paar Stunden im Jahr sind, dann stellt sich

der Mann sechs Meter vor seiner Herzensdame auf und bespritzt

sie vollständig mit seinem Natursekt. Entweder die Dame schreit

und flüchtet, oder sie entblösst ihr Hinterteil und lädt ihn ein.

Diese Methode mag vielleicht etwas radikal klingen, aber wenigstens

sind die Fetisch-Vorlieben von Anfang an geklärt.


ootra

MACHO-HALSSTARRE

Falls du das nächste Mal im Ausgang mit deinem Kumpel

um eine Frau streitest, lass die Fäuste weg. Gewalt ist keine

Lösung. Das wissen auch Galapagos Riesenschildkröten

und setzen deshalb auf den guten alten Hals-Vergleich.

Dabei strecken die beiden Herren ihre Hälse

nach oben und reissen ihre Münder auf. Wer diese

Position länger aushält, hat die Frau gewonnen. Einfach

mal ausprobieren und implizit beweisen: «Wenn ich

das schon so lange kann, rate mal, was ich sonst noch

lange kann, höhö».

#165 | APRIL 2019

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URIN-DEGUSTATION

Woher weiss eine männliche Giraffe, ob seine Herzensdame in Stimmung ist? Er degustiert

ihr Pipi bis die Hormonmischung stimmt. Gewisse Ärzte schwören ja drauf,

dass der menschliche Urin gesund sei und trinken deshalb täglich ein Glas davon.

Prost! Allerdings stellt Frau Giraffe ihren hauseigenen Urin mehreren Bewerbern

vor und paart sich anschliessend nur mit ihrem Favoriten. Als Trostpreis gibt’s für

die anderen Giraffen bisschen Gaysex.

SMARTPHONE AUF WANDERSCHAFT

Für’s Liebesspiel trennt sich der männliche Argonaut von einem Tentakel

(der sich vorher wie-auch-immer in einen Penis verwandelt

hat). Dieser geht alleine auf Wanderschaft, bis er ein Weibchen

findet, in deren Geschlechtsteil er dann krabbelt um seine Ladung

abzulassen. Beim Menschen klappt das nicht so gut. Deshalb trenn dich

von deinem zweitliebsten Körperteil: dem Smartphone. Einfach in einer

Bar vergessen, sympathisches Sperrbild von dir und deiner Mail-Adresse

einstellen und warten, bis eine ehrliche Frau sich bei dir meldet. Kann

teuer werden, aber wer nicht wagt, der nicht gewinnt, oder so.


ALLTAG

#165 | APRIL 2019

10

BEUTEL BEUTE!


Was diesen

Als Songwriter von Tocotronic hat Dirk von Lowtzow

schon so manche Textzeile für die Ewigkeit in

den deutschen Rock-Olymp gefeuert. Jetzt gibt es

seine poetischen Geistesblitze auch in Buchlänge

mit Anekdoten und Beobachtungen aus seinem

(Band-)Alltag. Nicht nur für Toco-Fans!

Monat alles

mit ins

; CHF 28. 90 bei orellfuessli.ch

Turnsäckli

muss

TONIES STORYTELLER

Sie mögen das perfekte Geschenk für die kleinen

Geschwister sein, doch von Editionen wie «Der

kleine Prinz» lassen auch wir uns gerne in den

Schlaf lullen: Die Tonies-Figürchen lassen sich

mit der dazugehörigen Box koppeln und funktionieren

dann als herzallerliebste Hörbücher.

; CHF 17.- bei tonies.de


THROW THROW BURRITO

Wenn die Erfinder von «Exploding Kittens» ein neues

Gaga-Spiel an den Start bringen, darf man bedenkenlos

mit der Kreditkarte wedeln – zumal es sich bei «Throw

Throw Burrito» um das famos bescheuerte Konzept

«Kartenspiel + Völkerball + Plüschburritos» handelt.

; CHF 20.- bei theoatmeal.com

JUMBO PHONE RING

PIZZA BAND AIDS

«Zeit heilt alle Wunden» ist ein medizinisch sehr

fahrlässiger Ratschlag. Das weiss jeder, der schon

mal versucht hat, einen offenen Beinbruch auszusitzen.

«Pizza heilt einige Wunden» ist dagegen

unser Mutmacher – erst recht, wenn sie in so

schmucker Pflasterform daherkommt.

; CHF 8.- bei dollskill.com

Du willst den Bund des Lebens zwischen dir

und deinem Handy endlich offiziell machen?

Dann steck ihm einen Ring an! Sorgt stilecht

für mehr Haltekomfort, denn so eine Greifbewegung

kann auf Dauer schon sehr anstrengend

sein – fragt nur mal die Affen im Zoo.

; CHF 7. 95 bei asos.com

#165 | APRIL 2019

11


ALLTAG

JESSICA JURASSICA

KOLUMNE

EIN GOTT, DER NICHT FICKEN WILL

#165 | APRIL 2019

12

Ich hatte mal wieder den Schwanz irgendeines

Fuckboys im Mund und machte mir Gedanken

über Etymologie und Sinnhaftigkeit des Begriffs

«Blowjob». Der Klang dieses Wortes gefällt

mir eigentlich ganz gut, aber was dieses «blow»

hier soll, erschliesst sich mir nicht. Begrifflichkeiten

sollten doch zu einem gewissen Masse eine

erklärende Funktion haben und in diesem Fall ist

es schon irreführend, wenn man bedenkt, dass

man oral so einiges mit einem Schwanz machen

kann, aber blasen im wortwörtlichen Sinne nicht

dazugehört.

Ich liess den Schwanz, den ich gerade im Mund

hatte, wieder da raus gleiten, gab dem Fuckboy

einen Kuss und fragte mich selbst und ihn: «Wo

steckt eigentlich der Job im Blowjob?» Ich verstehe

nicht, was Oralverkehr mit Arbeit zu tun haben

soll, es sei denn es handelt sich um eine explizit

so deklarierte Dienstleistung. Oder ist der Blowjob

etwa ganz grundsätzlich eine Dienstleistung,

eine Gefälligkeit, von der erwartet wird, dass sie

Frauen für Männer leisten? Aber Männer geben

ja auch Blowjobs und ich selbst nehme diesen Akt

eigentlich nicht als Arbeit wahr, sondern finde

es manchmal halt einfach geil einen Schwanz im

Mund zu haben. Wegen der Lust an der Lust des

anderen. Und weil ich es geil finde, wenn einer

ganz hilflos wird vor Lust und Erregung.

Aber beim Blowjob ist die Sache mit den Begrifflichkeiten

von Oralverkehr noch lange nicht gegessen

und also fragte ich den Fuckboy und mich

selbst: «Warum sagt man eigentlich Pussy-Eating?»

Wer kommt auf die seltsame Idee, einen

sexuellen Akt mit Nahrungsaufnahme zu konnotieren.

Das einzige positive an diesem Begriff liegt

darin, dass die Frau in diesem Fall die Rolle der

Ernährerin einnimmt.

«Blowjob» hat also was mit Arbeit zu tun und

«Pussy-Eating» mit Ernährung. Das klingt für

mich wie der komplett gefailte Versuch halb-aufgeklärter

Protestanten eine sexuelle Revolution

anzuzetteln: Einfach den Akt mit etwas konnotieren,

das moralisch akzeptiert und in den eigenen

Lebensentwürfen verwurzelt ist und dann hat

man die Legitimation die frommen Protestantenlippen

um einen Schwanz zu schliessen oder

die Protestantenzungen um eine Klitoris kreisen

zu lassen, ganz sanft als wär’s ein Gebet oder unbändig

als wär’s ein Exorzismusritual. Dann sind

wir zwar schon eher bei den Katholiken, aber die

ficken ja eigentlich lieber überhaupt nicht.

Grundsätzlich habe ich grossen Respekt für Religion

und Spiritualität allgemein. Und die Atheisten

sind meist sowieso die grössten Machos. Nur

ist mir ein Gott, der nicht fickt, eine schlechte Instanz.

Wenn aber Sex mit Arbeit und Ernährung

konnotiert wird, um die eigene Lust zu rechtfertigen,

verstehe ich, weshalb dieser Gott nicht ficken

will. Da vergeht auch mir die Lust. W

Wenn Jessica Jurassica nicht gerade führende Lifestyle-Influencerin auf dem Gebiet

voller Aschenbecher ist, schreibt sie auch für uns. Schono nett von ihr.


Finde deinen Platz.

Auf dem grössten

Immobilienmarktplatz der Schweiz.


#165 | APRIL 2019

ALLTAG

Life in Plastic?

Not Fantastic!

Abfall wo er nicht hingehört

Geschälte Orangen, vorgekochte Kartoffeln, Erdbeeren

im Februar aus Chile, Biogemüse extraverpackt:

Während sich im Supermarkt der Unsinn

in Regalen häuft, stapelt sich der Abfall auf

der anderen Seite zu Hause und in der Öffentlichkeit.

Doch das sind lediglich Symptome eines

Problems, dessen Wurzeln viel tiefer greifen.

von Valérie Hug

14


Draussen herrschen Temperaturen um die Null Grad

Celsius, als ich Anfang Februar dieses Jahres den

Supermarkt betrete. Mir bietet sich die übliche

Szenerie: Ein Turm aus Avocado, rechts davon Äpfel

und Birnen aus der Schweiz, links davon das exotische

Gemüse aus Südamerika und Afrika, dahinter das mehr

oder weniger saisonale Gemüse. Auf meinem Weg zu

den Kartoffeln komme ich am Kühlregal mit dem bereits

vorgewaschenen Salat, Dressings, Kräutern und Pilzen

vorbei, und bleibe wie angewurzelt stehen. Himbeeren.

Und Blaubeeren. Und Erdbeeren. Im Februar? Ich bin verwirrt.

In welchem Land bitte ist das im Januar gewachsen?

Sogar in Italien und Spanien müsste es doch dafür

ein wenig zu kalt sein. «Land siehe Verpackung» heisst es

da. Der Boden der Plastikbox schliesslich verrät mir, dass

die Himbeeren aus Chile kommen. So etwas habe ich in

einem 0815-Supermarkt hierzulande noch nicht erlebt.

Wer bitte braucht im Winter frische Beeren? Oder mit

dem Flugzeug eingeflogene Mangos? Muss wirklich alles

rund um die Uhr das ganze Jahr verfügbar sein? Wer

überhaupt bestimmt, was bei uns in die Regale kommt?

Und von wo überall kommen diese Dinge? Die Migros

meint auf Anfrage, dass man der sehr eingeschränkten

Auswahl heimischer Produkte schnell überdrüssig werde

und man mit Beeren aus Chile im Februar mehr Abwechslung

bieten würde. Und schliesslich hätten die Kundinnen

und Kunden die Wahl, ob sie Importware kaufen wollen

oder nicht. Wie aber sieht das beispielsweise bei Mangos

by Air aus? Müssen solche Früchte wirklich mit dem Flugzeug

eingeflogen und die Umwelt dadurch um ein Vielfaches

mehr belastet werden? Auch auf diese Frage hat

die Migros eine Antwort: «Durch einen kürzeren Transport

kann [die Mango] länger am Baum reifen und ist

damit geschmacksintensiver.» Auch hier lasse man den

Kundinnen und Kunden «bewusst» die Wahl, ob sie Flugware

kaufen möchten. Alles klar. Einziger Trost ist, dass

die geflogenen Produkte in der Wertschöpfungskette der

Migros nach eigenen Angaben CO2-kompensiert werden.

Konsum um jeden Preis

In der Schweiz hat sich die Bevölkerung in den letzten

hundert Jahren gemäss Bundesstatisik mehr als verdoppelt

(1916: 3,861,000 Einwohner, 2016: 8,327,000

Einwohner). Genauso ist auch der Lebensmittelkonsum

in die Höhe geschnellt. Und auch unsere Ansprüche sind

gestiegen. Die Kosten unseres gewachsenen Lebensmittelkonsums

und vor allem auch Fleischkonsums trägt die

Umwelt. Dabei könnte hier bereits eine Menge Abfall und

CO2-Emissionen eingespart werden, wenn der Mensch

vermehrt saisonal und regional einkaufen würde sowie

seinen Fleischkonsum überdenken würde. Doch der

Mensch will seine Bedürfnisse stillen, und das um scheinbar

jeden Preis. Erdbeertorte mit frischen Erdbeeren im

Winter? Warum auch nicht. Keine Zeit, Kartoffeln oder

Kürbis zu schälen, schneiden und zu kochen? Das braucht

es noch unbedingt im Sortiment. Das Schälen von Orangen

ist immer so nervig? Zum Glück gibt es vorgeschälte

Früchte, die nun umständlich in Plastik verpackt werden

müssen, da ihre schützende, naturgegeben Hülle irgendwo

beim Produktmarketing auf der Strecke blieb. Je länger

es geht, desto mehr Unsinn scheint sich in den Regalen

der Supermärkte zu stapeln – alles natürlich schön

aufwendig in Extraschichten von Plastik verpackt. Das

Paradoxe: Gleichzeitig rühmen sich ebendiese Supermärkte

damit, dass sie Produkte aus der Region fördern,

hohe Produktionsstandards unterstützen und Abgaben

auf kleine Plastiksäckli (die bei den Gemüseregalen sind

immer noch gratis) erheben. Auf die Frage, wie viel wichtiger

es der Migros ist, vorgeschälte, vorgekochte und

bereits geschnittene Produkte anzubieten, statt auf die

dadurch anzufallende Plastikpackungen zu verzichten,

antwortet der Grossverteiler: «Convenience-Produkte

sind stark im Kommen und werden insbesondere im

Sommer stark nachgefragt. Wir sind aber bestrebt, die

Verpackungen ökologischer zu gestalten sowie Mehrweglösungen

voranzutreiben. Bis 2020 hat sich die Migros

zum Ziel gesetzt, 600 Tonnen Verpackungsmaterial

einzusparen oder ökologisch zu optimieren.»

Eine Frage des Lifestyles

Diese Extraschichten von Plastik und Verpackungsmaterial

sind es auch, die weltweit ein Problem darstellen.

Einer der Gründe für diese riesigen Müllmengen lässt sich

vermutlich in unseren Essensgewohnheiten festmachen.

Über die letzten Jahre hinweg haben diese sich stark

verändert. Da unsere Gesellschaft immer mobiler wird,

hat sich auch die Abfolge der Mahlzeiten weitgehend

aufgelöst, immer öfter findet die Nahrungsaufnahme

unterwegs, alleine und rund um die Uhr statt. «On the

go» ist der neue Esstisch. Das belegt auch die Statistik:

Heutzutage geben Menschen in der Schweiz bereits doppelt

so viel Geld für die Schnellverpflegung wie noch vor

zehn Jahren aus (2,7 Milliarden/Jahr). Auf der anderen

Seite hat sich nicht nur unser Lebensstil gewandelt, Essen

selbst ist zum Lifestyleprodukt avanciert. Da wäre

beispielsweise das Fiji-Wasser. Brauchen wir hier in der

Schweiz wirklich vulkanisch mineralisiertes Wasser aus

dem Südpazifik für 2.95 Franken pro 50cl? Ähnlich unsinnig

ist das Mineralwasser der Marke Voss, wo 80cl stolze

5.90 Franken kosten. Vor allem hier in der Schweiz,

wo wir Leitungswasser in Trinkwasserqualität haben ist

es doch nicht nötig, Wasser über den ganzen Globus zu

schicken und damit die Umwelt bis zu 450mal mehr zu

belasten? Vom entstehenden PET- und Transportabfall

einmal abgesehen.

Mittlerweile hat auch die EU eingesehen, dass der Produktion

und dem Vertrieb von Einweg-Plastik Einhalt gegeben

werden muss. Am 27. März hat das EU-Parlament

die europaweite Plastikstrategie angenommen. Das bedeutet,

dass spätestens ab 2022 sämtliche Einwegprodukte,

für die es umweltfreundlichere Alternativen gibt,

vom Markt genommen werden müssen. Dazu zählen beispielsweise

Wattestäbchen, Einweggeschirr oder Plastikstrohhalme.

Auch dürfen ab 2024 Getränkebehälter aus

Kunststoff nur noch dann vertrieben werden, wenn ihr

Verschluss/Deckel an der Flasche befestigt ist. Ein erster

Lichtblick.

Aus den Augen aus dem Sinn?

Doch es sind nicht nur die Verpackungen, welche die

Müllzahlen in die Höhe springen lassen. Auch Essen

selbst landet oft genug im Abfall. In der Schweiz beläuft

sich diese Menge jährlich pro Kopf auf 117kg. Das

entspricht 500 bis 1000 Franken. Oder anders gesagt:

Jedes achte Lebensmittel in Privathaushalten landet in

der Mülltonne. Das sich etwas ändern muss, wie wir mit

unseren Lebensmitteln umgehen, liegt auf der Hand. Und

auch wenn vieles in der Entscheidungsmacht grosser

Konzerne liegt, so kann man als Einzelperson doch schon

eine Menge unternehmen, um seinen täglichen Abfallberg

etwas zu verkleinern: Sei dies, indem man bewusster

einkauft – ob vermehrt saisonal und/oder regional –,

auf Verpackungen wie etwa Plastiksäcke verzichtet oder

gewisse Marken und Konzerne gänzlich meidet, die etwa

durch Land und Water Grabbing die Existenz von funktionierenden,

lokalen bäuerlichen Betrieben gefährden.

Im Kleinen kann Grosses bewirkt werden. Man muss nur

damit beginnen. 3

#165 | APRIL 2019

15


ALLTAG

Zero Waste:

Meet Lauren Singer

Ist es wirklich möglich, (fast) keinen Abfall zu produzieren? Lauren Singer ist der

lebende Beweis dafür. Die Umweltaktivistin verfolgt den sogenannten Zero Waste

Lifestyle: Ihr gesamter Abfall der letzten Jahre passt in ein Marmeladenglas.

«Zero Waste» bedeutet keine Müllproduktion. Das schliesst sowohl die Entsorgung

auf der Mülldeponie sowie das Nutzen öffentlicher Abfalleimer mit ein – einzig

Recyceln und Kompostieren ist erlaubt. Singer entschied sich schon während ihres

Studiums der Umweltwissenschaften an der NYU in New York für einen Zero-Waste-Lifestyle.

Mit ihrem Blog «Trash is for Tossers» dokumentiert sie ihren Alltag und

gibt hilfreiche Tipps, wie man Schritt

für Schritt die eigene Abfallproduktion

verringern kann.

#165 | APRIL 2019

Gregg Segal:

7 Days of Garbage

In seinem Projekt «7 Days of Garbage» hat der amerikanische Fotograf

Gregg Segal eingefangen, wie viel Abfall Menschen in einer Woche anhäufen.

Dazu hat er Personen unterschiedlichsten Alters und verschiedensten

Hintergründen in seinen Garten eingeladen und sie zusammen mit ihrem

Müll vor einem von drei Settings in Szene gesetzt: Wasser, Strand oder

Wald. Herausgekommen ist eine Serie von 29 Bildern, mit welcher der Kalifornier

auf die Unmengen Müll, die wir täglich produzieren, aufmerksam

machen will und die einen bleibenden Eindruck hinterlassen. Sämtliche

Motive findest du auf greggsegal.com.

16

DIE VOLLE

PACKUNG

ZERO WASTE

(PACKUNG NICHT INBEGRIFFEN)

Sorry, Raschelsäckli: In

diesen Shops müsst ihr

draussen bleiben. Alternativen

zum Einkauf

beim Grosshändler gibt

es praktisch in allen

Schweizer Städten, wie

unsere kleine Auswahl

von besonders empfehlenswerten

Läden zeigt.

Zu fairen Preisen gibt es

hier alles für einen vollen

Bauch und ein gutes

Gewissen – aus der Region

direkt in deine Küche.

(mge)

Unverpackt Aarau • Milchgasse 5 • 5000 Aarau • unverpackt-aarau.ch

Neben diversen saisonalen und regionalen Food-Angeboten, die man mit seinen eigenen Behältern in beliebiger

Menge beziehen kann, hat Unverpackt Aarau auch ein grosses Non-Food-Sortiment. Ausserdem werden Führungen

durch den Laden angeboten und verschiedene Events veranstaltet.

Abfüllerei Basel • Güterstrasse 169 • 4053 Basel • abfuellerei-basel.ch

Hier gibt es eine grosse Auswahl an regionalen Produkten, vorwiegend Bio. Besonders gross ist das Sortiment

für Haushalts- und Hygieneprodukte. Ausserdem kann man seinen Einkauf von den Mitarbeitern erledigen lassen

und muss ihn nur noch abholen. Ein Lieferservice ist in Planung.

Bern unverpackt • Schwarztorstrasse 102 • 3007 Bern • bern-unverpackt.ch

Eine kleine Auswahl an Food- und Non-Food-Produkten bietet auch der erst kürzlich eröffnete Laden im Werkhof

102 in Bern. Auf der Website kann man von jedem Produkt Einzelheiten wie Preis, Lieferant und Inhaltsstoffe

einsehen.

Quai4-Märkte • Alpenquai 4 • 6005 Luzern / Baselstrasse 66 • 6003 Luzern • waerchbrogg.ch/quai4/

Die beiden Läden werden von der Organisation Wärchbrogg geführt. Sie unterstützt Menschen mit psychischer

Beeinträchtigung bei der sozialen Integration, in dem sie ihnen einen Arbeitsplatz bietet. In beiden Shops kann

man regionale Produkte selber abfüllen. Am Alpenquai 4 hat es ausserdem ein Restaurant und eine Kaffeebar.

Stadtladen St. Gallen • Katharinengasse 12 • 9000 St. Gallen • stadtladen.ch

Seit 1982 besteht dieser Laden und bietet heute über 3‘000 Bio-Produkte von Lebensmitteln und Getränken,

Naturkosmetik bis zu Reinigungsmitteln und Tierfutter an. Ausserdem kann man für die eigene Veranstaltung

den hauseigenen Catering-Service in Anspruch nehmen.

bare Ware • Steinberggasse 29 • 8400 Winterthur • bareware.ch

Biologisch, regional und verpackungsfrei einkaufen ist das Motto von bare Ware. Über den Webshop kann man

im Voraus die gewünschten Produkte vorbestellen und zum vereinbarten Zeitpunkt im Laden abholen.

Foifi • Schiffbaustrasse 9b • 8005 Zürich • foifi.ch

Zürichs erster Zero-Waste-Laden beinhaltet auch ein Café und veranstaltet Workshops. Auf der Website kann

man das gesamte Sortiment einsehen, inklusive Herkunfts- und Preisangaben. Auch beim Bau und der Infrastruktur

des Ladenkaffees wurde vollständig auf Secondhand gesetzt.


ALLTAG

Grüner Clubben

geht das überhaupt?

#165 | APRIL 2019

18

Dort an die Zukunft denken, wo gefeiert wird als ob es kein Morgen gäbe: Wie viel Nachhaltigkeit

passt in unseren Ausgang? Eine Location, die ihren ökologischen Fussabdruck etwas

genauer hat unter die Lupe nehmen lassen, ist das Salzhaus in Winterthur. Wir haben uns mit

Nick Eichmann (links) und Nico Schulthess (rechts) über die Erkenntnisse und mögliche Folgen

im Betriebsalltag (und -allnacht) unterhalten.

von Marietta Gerber

Erreicht das Thema Umweltschutz inzwischen auch die Club- und

Konzertlandschaft?

Nico: Bei der Kultur-Clubszene, zu der wir uns zählen, bringt es das Publikum

schon mit. Die Sensibilisierung ist da und bei uns ist es definitiv

schon länger ein Thema. Durch die Streiks und Demos intensiviert sich das

Ganze, auch in der Clubszene.

Wie sind die Dinge beim Salzhaus ins Rollen gekommen?

Nico: Zuerst hat die ökologische Nachhaltigkeit eine zentrale Position im

Leitbild des Salzhaus erhalten. Dann haben wir gemerkt, dass wir vieles

nicht vollständig abschätzen können und wir den Betrieb mal von A bis Z

von Expertinnen begleitet durchleuchten wollen. So haben wir eine detaillierte

Vorlage und können allenfalls auch anderen Clubs auch Hilfestellung

leisten. Aus dieser Analyse heraus werden wir dann einen Massnahmenkatalog

erstellen und dabei möglichst auch über unsere Clubgrenzen hinauszudenken

und mit einem Zusammenschluss auch grössere Projekte

mitzuinitiieren.

Was war der Ausschlag dafür?

Nico: Idealismus und persönliche Überzeugung, ganz einfach. Wir haben

keine Aussicht auf Subventions- oder andere Vorteile, wenn wir ökologisch

nachhaltiger werden. Wir haben dadurch einzig Aufwand und Ausgaben,

die wir uns auflasten und nicht kompensieren können. Aber es ist

uns ein grosses Anliegen und sehen uns auch in einer gewissen Verantwortung,

hier voranzugehen.

Nick: Im Betriebsalltag geht das Thema Nachhaltigkeit schnell unter und

wir haben uns dafür nun bewusst Zeit genommen.

Wie wird der ganze Verbrauch gemessen?

Nick: Der ganze Stromverbrauch und Alkoholausschank ist dokumentiert

und dann wird zum Beispiel der CO2-Ausstoss eines Durchschnitt-Bieres

auf unser Format hochgerechnet. Am Schluss zeigt ein Kuchendiagramm,

aus dem man herauslesen kann, was wieviel verursacht.

Wollt ihr das auch an die Gäste kommunizieren?

Nico: Wir wollen es nach aussen tragen, aber in Form redaktioneller Inhalte

oder im direkten Dialog. Es soll andere auf das Thema sensibilisieren.

Wir wollen nicht damit werben.

Was ändert sich dadurch in eurem Arbeitsalltag? Bedeutet es eine

grosse Umstellung?

Nico: Vor allem ändert sich das Denken. Wenn man überall so genau hinschaut,

merkt man wie plötzlich etwas ins Rollen kommt. Der Kriterienkatalog

anhand dem man Entscheidungen trifft, ist grösser geworden.

Nick: Sehr schnell wird es auch zu einer Routine. Beispielsweise haben

wir damit begonnen die Bierdeckel zu recyceln oder die Zitronen aus den


Nick: Die Gäste sehen nur die Bar und sehen wir

benutzen Röhrchen und Plastikbecher und vielleicht

stört sie das. Auch diesen Dingen wollen

wir begegnen, auch wenn diese sichtbaren Bereiche

nicht unbedingt zu den Gewichtigen Faktoren

zählen.

Also wollt ihr Röhrchen und Plastikbecher minimieren?

Nick: Wir fragen die Leute jeweils, ob sie ein Röhrchen

wollen. Für sehr kleine Konzerte wollen wir

auch nur noch Gläser statt Plastikbecher benutzen.

Nico: Gerade was die Becher betrifft versuchen

wir derzeit eine möglichst effektive Lösung zu finden.

Wir haben unter anderem einen kompostierbaren

Becher ins Auge gefasst. Wenn dieser aber

in Deutschland produziert und kompostiert wird,

bringt das nicht viel. Da kommt die Herausforderung,

für die Clubszene im grösseren Rahmen zu

denken. Wenn sich alle Clubs von Winterthur zusammenschliessen

und einen kompostierbaren Becher

beziehen würden, der regional hergestellt und

kompostiert werden würde, dann hätte das Ganze

auch einen grösseren Einfluss.

Ist es schwierig, konkrete Massnahmen umzusetzen?

Nick: Die Schwierigkeit liegt darin, dass ein Musikclub

eine Institution ist, bei welcher der Konsum

eine zentrale Rolle spielt. Alkohol beispielsweise hat

einen grossen Fussabdruck, selbst wenn er von der

Region kommt.

#165 | APRIL 2019

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leeren Gläsern rauszunehmen und zu kompostieren. Das muss man sich an

zwei, drei Abenden angewöhnen und dann ist es drin.

Was bedeutet das finanziell für das Salzhaus? Hat es grosse Auswirkungen?

Nico: Ja, es war definitiv eine Entscheidung, die wir auch auf dieser Basis

treffen mussten. Wir jetzt zuerst mal Geld aus, um alles im Detail zu analysieren.

Wir müssen als Kulturbetrieb sorgfältig mit unserem Geld umgehen,

dies fordert am Ende einfach Kreativität. Als Non-Profit-Organisation

stehen Ideale bei uns aber höher als die Ökonomie.

Nico: Eine erste Schwierigkeit lag darin, unseren

Verbrauch vollumfänglich festzustellen. Wir sind im

Moment gerade im Prozess einer kompletten Nachhaltigkeits-Analyse. Da

kommt Einiges zusammen: Reisewege von Acts und Publikum, Produkte

an der Bar, Stromverbrauch der verschiedenen Bereiche. Die kleineren,

plakativen Dinge sind einfach umzusetzen. Wie zum Beispiel unseren

Pet-Wasser-Verbrauch zu minimieren oder den Abfall zu trennen. Bei

grösseren Bereichen wird es herausfordernder. Wenn wir beispielsweise

unser Booking nach ökologisch nachhaltigen Prinzipien konzipieren

wollen, schränken wir so unsere Freiheit ein, alle Acts zu buchen, die wir

wollen, weil das Einfliegen so als Option wegfällt.

Habt ihr eine ungefähre Vorstellung, wie das Ergebnis aussehen wird?

Nico: Bei gewissen Punkten sicher. Wir sind uns bewusst, dass der Transport

der Künstlerinnen einen schwerwiegenden Faktor darstellen. Wir

können uns aber vorstellen, dass man noch Dinge entdeckt, die wir vielleicht

nicht als wichtig empfunden haben. Wir freuen uns auf das Ergebnis

dieser Analyse – und noch mehr auf das Umsetzen der auf dieser Basis

beschlossenen Massnahmen. Und natürlich hoffen

wir darauf, dass viele andere Betriebe danach mitund

nachziehen.

Dass nach einem Wochenende viele leere

Flaschen rumstehen, ist klar. Aber was sind

weitere Umweltfaktoren eines Clubbetriebes,

die einem Gast vielleicht nicht auf den ersten

Blick auffallen?

Nico: Woher wir den Strom beziehen, wie das

Haus isoliert ist, die Reisewege der Acts, die Abfalltrennung,

die Lüftung und die Heizung, was

essen die Bands. All diese Dinge nimmt man nur

passiv wahr.

«Wenn wir beispielsweise

unser Booking nach ökologisch

nachhaltigen Prinzipien

konzipieren wollen,

schränken wir so unsere

Freiheit ein, alle Acts zu

buchen, die wir wollen, weil

wir gewisse einfliegen lassen

müssten.»

Ihr seid also bereit, auf Dinge zu verzichten?

Nico: Man kann es sich als Club zwar nicht leisten, alles der ökologischen

Nachhaltigkeit unterzuordnen, aber es ist – wie in allen Bereichen – höchste

Zeit, dass sie eine zentrale Rolle erhält. Man kann auch mit anderen

Clubs zusammenspannen. Zum Beispiel kann man einen Künstler nicht

nur für ein Konzert in die Schweiz holen, sondern mit zwei anderen Locations

für drei Konzerte buchen.

Was kann ein Gast selber tun, damit sein

oder ihr Ausgang «grüner» wird?

Nico: Mit dem Zug statt dem Auto zu kommen

oder noch besser mit dem Velo, ein lokales Bier

trinken und die lokalen Clubs unterstützen. Ich

finde aber innerhalb des Salzhaus sind wir dafür

verantwortlich, dass die Gäste nachhaltig durch

den Ausgang oder das Konzert kommen.w


Kings

#165 | APRIL 2019

20

MUSIK

Auf dem Weg

zur Pop-Hoheit

Eine der verheissungsvollsten

Schweizer Musikerinnen feilt

momentan in London an ihrer

Debüt-EP – und der erste Vorgeschmack

ist schon mal ein

echtes Kronjuwel. (rec)

Für die spanische Krone war das mystische Eldorado einst

Ziel aller Eroberungsträume – ein sagenhaftes Land mit unerschöpflichen

Reichtümern. Kings dagegen beginnt ihre Reise

bereits im Eldorado, das entgegen aller Legenden nicht im südamerikanischen

Dschungel liegt sondern am Zürcher Limmatplatz.

Gleichermassen beliebt als exzellent sortierte Craft Bier Bar

und heimelige Location für intime Live-Gigs, hostete das Eldo im März die

erste Headliner-Show der Newcomerin, die im vergangenen Jahr bereits

als Support-Act von Lewis Capaldi glänzen konnte. «Das Gefühl, derart viel

Unterstützung und Liebe vom Publikum zu erhalten, ist genau der Grund,

weshalb ich überhaupt Musik mache. Die Nervosität war zwar schlimm, dank

Bachblüten-Tropfen und Meditation habe ich aber alles geschafft», verrät Kings

nach ihrem Auftritt vor ausverkauftem Haus. Anschliessend ging es für die Sängerin

wieder in ihre zweite Heimat England, wo die Doppelbürgerin in den Londoner

Metropolis Studios Musik studiert und an den Aufnahmen ihrer ersten EP tüftelt.

(Erfolgs-)Hungrig im Königreich

Auch in der hiesigen Szene war Kings bereits fleissig, komponierte unter anderem Songs

mit Kollegen wie dem frisch gekrönten SMA-Gewinner Marius Bear, Nemo oder Pablo

Nouvelle. Ihr erster eigener Release, die Single «Colour», weckt nun auch das Interesse der

britischen Presse und wurde unter anderem schon auf BBC Radio gespielt. Der emotionsgeladene

Track ist gleichermassen grosses Pop-Drama und eingängiger Alternative

R’n’B, ein unwiderstehlich eingängiger Vorbote für die anstehende EP. Trotz dieser ersten

Erfolge, einige Dinge aus der Schweiz vermisst die in Pfäffikon SZ aufgewachsene

Songwriterin dann doch in ihrer Zweitheimat: «Vor allem meine Familie und meine besten

Freunde. Die Schweizer Bäckereien, die grünen Wiesen, die winddichten Häuser, Schoggi,

Raclette sowie meinen Lieblingseistee.» Zum nächsten Staatsbesuch in offizieller Funktion

kommt es aber am 4. September, dann spielt Kings eine Show im Zürcher Papiersaal, weitere

Termine in der Schweiz und England sind in Planung. Die Wartezeit verkürzt uns Kings

zumindest schon mal mit folgender Playlist, die sie für uns zusammengestellt hat:


EVERYTHING NOT SAVED

WILL BE LOST PART 1

DAS NEUE ALBUM

OUT NOW

15. MAI

LES DOCKS

LAUSANNE

LIVE

22. AUGUST

ZURICH

OPENAIR

Sigma Modern Series Guitars

visit sigma-guitars.com / musicolar.ch


MUSIK

FOA

SCHOCKIERENDE VERÄNDERUNGEN

#165 | APRIL 2019

22

Es ist an der Zeit, zu retten was zu retten ist – zumindest

in den Augen der Foals. Könnte sogar sein, dass

sie damit recht haben. Darum gibt es auf den neuen

Alben die britische Band auch unverdünnt und in der

Familien- und Vorratspackung. Musik als Überlebensration

sozusagen. von Christian K. L. Fischer

Wenn man Yannis Philippakis in den letzten Monaten eine Phrase hat

immer wieder sagen hören, dann, dass er und seine Jungs sich gerade

auf dem «peak of creativity» befinden. Egal welches Interview, egal wo

er auftaucht – es fällt dieser Satz. Klingt ein klitzekleines bisschen einstudiert

– oder so, als würde er sich selbst davon überzeugen müssen.

Aber wer das denkt, der kennt Yannis schlecht. Der Frontmann und Kopf

der Foals neigt nämlich nicht dazu, sich zu verstellen oder rumzuposen.

Schon beim Debütalbum vor über zehn Jahren sass er wie auf Koks im Interview,

die Fingernägel komplett abgekaut und so unruhig, als müsste er

eigentlich gerade einen neuen Song schreiben oder aufnehmen oder von

einer Bühne in die Welt schreien. Dieser Mann platzte schon immer vor

Energie und – Höhepunkt der Kreativität hin oder her – auf jeden Fall ist


wahnsinnig viel Material entstanden, weshalb in diesem Jahr auch gleich

zwei neue Alben kommen werden.

Trip ins Ungewisse

«Wir hatten ja ein wenig Freizeit nach ‹What Went Down›, wir zogen uns

zurück und lebten mal ein einfacheres Leben. Dadurch haben wir den

Wunsch nach Kreativität aber wieder richtig getriggert», erklärt er diese

Flut an Songs. «Dadurch, dass wir uns die Welt klein gemacht haben, wollen

wir sie nun wieder aufblasen.» Er hat in dieser Rückzugsphase einfach

mal keine Musik gemacht, aber deswegen spürte er letztlich den Druck

der Zeit umso mehr. «Man kann sehr schnell so viel davon verlieren. Und

ich will so viel Musik machen, wie ich nur kann!» Es ist dabei schwer, den

Titel der Alben «Everything Not Saved Will Be Lost» (sie werden als Part I

und Part II erscheinen) nicht in den Zusammenhang mit dem Aufstieg der

Rechten, der Dummen und der Macht der Lügen zu setzen, die unter anderem

ihm und seiner Band aus Oxford den Brexit beschert haben. Überall

Unsicherheiten, Angst, Verwirrung – und man spürt das alles in den

neuen Lieder. «Absolut! Und was immer an Negativität in der Welt vor

sich geht – wir sind mehr und mehr in direktem Kontakt damit. Schockierende

Veränderungen … Wir sind eine Generation, die nicht mehr über

eine Zukunft in 50 Jahren nachdenken kann, denn niemand hat auch nur

leise eine Idee davon, wie es in fünf sein mag. Wie der Planet aussehen

wird, die Gesellschaften oder unsere Technologie. Und es wäre künstlerisch

unehrlich gewesen, wenn ich das nicht reflektiert hätte.»

LS

Abschied und Freiheit

Da fallen die Veränderungen in der eigenen, kleinen Bandwelt fast kaum

ins Gewicht. Wie zum Beispiel, dass mit Walter Gervers ein Gründungsmitglied

vor kurzem ausgestiegen ist. «Es war ein Schock. Und es macht

uns traurig. Aber wir freuen uns auch für ihn, weil er glücklich so ist. Und

musikalisch war es dann sogar befreiend, weil es uns dazu zwang, uns

selbst genau anzusehen und darüber nachzudenken, wie es weiter geht.

Ich will das eigentlich gar nicht so ausdrücken, weil es übel klingt, aber:

Es hatte Vorteile. Es zwang uns, unsere Herangehensweise zu ändern

und das war einer der Gründe, warum wir uns weiter gepusht haben als

wir es wahrscheinlich sonst getan hätten.» Nicht zu vergessen, dass sie

auch das erste Mal ohne einen externen Produzenten gearbeitet haben,

was den internen Druck nochmal mächtig in die Höhe trieb: «Ich wollte

das anfangs auch gar nicht wirklich machen, aber unser Schlagzeuger

Jack motivierte mich. Und er glaubte von Anfang an, dass es gut werden

würde. Er vertraute mir. Aber es war definitiv sehr viel mehr Arbeit! Ich

dachte, dass ich an jedem Album schon hart gearbeitete habe, aber jetzt

war es noch intensiver. Ich habe fast nicht geschlafen. Ich war von früh

morgens an im Studio und danach, am späten Abend, ging es ins Pub, um

weitere Lyrics zu schreiben – und am nächsten Morgen ging es von vorne

los. Aber um ehrlich zu sein: Ich hätte es aber auch nicht anders gewollt!»

To be continued

Auch die anderen Bandmitglieder genossen es, ihre Ideen komplett ohne

Einmischung von aussen umsetzen zu können, auch wenn diese Einmischungen

in der Vergangenheit allesamt sehr gut gewesen sind, wie

Yannis betont. «Jeder Produzent hat seine Spur hinterlassen. Aber dieses

Mal sind es nur wir – unverdünnt.» War das dann auch der Grund, dass

so viele Songs entstanden sind und dass es gleich zwei Alben werden

mussten? «Ja, vielleicht. Schwer zu sagen. Wir hatten auf jeden Fall mehr

Zeit, weil es ohne Produzenten auch keinen festen Zeitplan gab.» Und

warum nun erscheint die eine Hälfte der neuen Lieder jetzt und die andere

erst im Herbst, warum nicht einfach alles auf einmal als Doppelalbum

veröffentlichen? «Es erlaubt den Songs zu atmen. Wenn du 20 Lieder

auf einmal raushaust, kämpfen sie alle um die Aufmerksamkeit und am

Ende wird keiner so wertgeschätzt, wie er es verdient hätte. Auf diese Art

können sich die Leute den Liedern besser nähern – und hoffentlich haben

sie dann das Gefühl, noch mehr zu wollen.» w

#165 | APRIL 2019

23

ROCK MIT, EHM, GALOPP.

FOALS

EVERYTHING NOT SAVED

WILL BE LOST – PART 1

Vielleicht hat Yannis doch übertrieben, denn sein «Höhepunkt

der Kreativität» klingt einfach nach seiner Band. Die

Veränderungen sind im Rahmen dessen was man den Foals ehedem zugetraut hat.

Wenn nicht gar erwartet. Denn dass nach dem Downer des letzten Albums etwas mehr

Tempo und Energie kommen würden, war nur logisch. Noch dazu ist «Everything …» abwechslungsreich,

sie erlauben sich mehr, egal ob bei Rhythmus oder Instrumentierung.

Es rockt eskapistischer. Und dass steht den Foals gut. (fis)

Wwwwv

Für Fans von: Alt J, Balthazar, Everything Everything


#165 | APRIL 2019

24

MUSIK

Lizzo is

Love,

Lizzo is

Life

Blame it on

her juice: Lizzo

ist endlich bereit,

nicht nur die

Welt zu erobern,

sondern diese auch

ein kleines grosses

bisschen besser

zu machen. (rec)

Lizzo liebt dich. Weil Lizzo auch endlich sich

selber liebt. Das hat zunächst eine Weile gedauert

– als Kind haderte sie mit ihrem Körper, später tat

sich die Sängerin mit ihrer Stimme schwer. Diese Selbstzweifel

hat der Popstar in den vergangenen zwei Jahren

abgelegt wie einen lausigen Mantel im Club und steht

jetzt so angriffslustig wie noch nie auf dem Dancefloor. Der Erfolg

begann sich prompt einzustellen – und die Welt liebt Lizzo so

doll wie noch nie. Ihr mucho sexy «Boys» avancierte im vergangenen

Jahr zum Mainstream-Hit, landete auf den Jahresbestenlisten von Checker-Medien

wie Pitchfork und Paste. Dem funky Rap-Track folgte im Januar

das auf einer Wolke aus «Soul Glo»-Haarspray schwebende «Juice»,

der bisher grösste Erfolg der Amerikanerin und Vorbote von «Cuz I Love You».

Ihr drittes Album ist eine Liebeserklärung – sowohl an das eigene Ich, wie auch an

all jene Fans, die mitunter an den gleichen Unsicherheiten leiden wie einst Lizzo

selber: «Wenn du dir dieses Album anhörst, sollst du wissen: Du bist nicht allein.

Ich möchte, dass du dir meine Songs anhörst und dadurch eine Verbindung zu mir

spürst. Ich hoffe, du kannst meine Texte in deinem eigenen Leben anwenden und

dadurch vielleicht einen besseren Tag haben», kommentiert die 30-Jährige den

Release ihres neuen Longplayers. Mit einer solchen Message fällt es auch nicht

schwer, Mitstreiter für die eigene Sache zu finden: Missy Elliott schliesst sich

Lizzo im lasziven «Tempo» an und schnurrt mit ihrer Kollegin im furiosen Bassgewitter

um die Wette. Gleichzeitig drückt sich «Cuz I Love You» nicht um

ernste Nuancen, beispielsweise in den Songs «Crybaby» oder «Jerome»,

und etabliert Lizzo damit als komplette Künstlerin, die zu jeder Situation

den

Lizzo is ...

richtigen Ton trifft – und das längst nicht nur in den Musikcharts,

wie ihre folgenden Talente und Nebenjobs beweisen:

... A DRAG QUEEN JUDGE

Für die Kult-Serie

«RuPaul’s Drag Race»

fungierte Lizzo in der

vergangenen Staffel als

Gastjurorin und hinterliess

bei allen Beteiligten einen

überaus verzückten

Eindruck.

... A HOLLYWOOD MOVIE VOICE

Ihr Leinwanddebüt

gibt Lizzo

im Mai, dann wird ihre

Stimme im Animationsfilm

«UglyDolls» zu hören sein.

Ebenfalls mit in der Cast:

Kelly Clarkson, Janelle

Monáe und Charli

XCX.

... A FASHION MODEL

Im vergangenen

Sommer war Lizzo mit

Kolleginnen wie Hayley

Kiyoko, Awkwafina und

Lianna La Havas Teil der

«Say It Louder»-Kampagne

vom englischen Label

Modcloth.

... RON BURGUNDY

No shit: Lizzo

ist eine ebenso

ausgezeichnete Querflötistin.

Ihr Talent bewies

sie unter anderem, indem

sie in Anlehnung einer

«Anchorman»-Filmszene

den Song «Juice»

performte.


ALTERNATIVE-POP-METROPOLE

SWATKA CITY

OFF SEASON

Gentrifizierung – heikles Thema, wenn plötzlich die Lieblingsbruchbude

im Quartier einem seelenlosen Glasbau weicht und die schmucke Chnelle

am Eck noch so einem von diesen Artisan-Burger-Schuppen Platz machen

muss. Städteplaner nennen es Aufwertung, Anwohner dagegen

meist Entcharmantisierung. Auch die Swatka City hat auf ihrem dritten

Album ein wenig umgebaut, gar komplett neu klingende Sound-Quartiere

errichtet und dazu Bausteine aus Synthies und Electro-Rhythmen

verwendet. Besonders «Repeater» schwebt und glitzert, so wie man sich

in den Siebzigerjahren wohl eine Reise ins Weltall vorgestellt hat. Doch

schon im nächsten Song «The End is Fear» gewinnen Swatka City wieder

den Boden unter den Füssen und grooven sich durch jene hypnotischen

Saiten-Mantras, für die man die Band auf ihren letzten zwei Alben «Nighthawks»

und «Marabu» ins Herz geschlossen hat. Doch nicht nur gelingt

es den Bernern, ihr bislang bekanntes Schaffen mit neuen Elementen

anzureichern, sie fügen es geschmeidig zu einem organisch klingenden

Gesamtkunstwerk zusammen. Das Resultat ist erhabener Pop – niemals

anbiedernd, stets clever und gerne auch ein wenig verwegen. «Off Season»

markiert übrigens das zehnjährige Jubiläum der Gruppe, die bei den

Aufnahmen von den Brüdern Matthias und David Nydegger um Phillip

Schlotter erweitert wurde und bei den anstehenden Konzerten zudem

von Joder von Rotz verstärkt wird. Neuer Sound in guten Händen – Swatka

City glänzt so schön wie vielleicht noch nie. (rec)

wwwwv

Für Fans von:

alt-J, Radiohead, Glass Animals

#165 | APRIL 2019

25

WELLENBAD

DER GEFÜHLE

CIRCA

WAVES

WHAT’S IT LIKE

OVER THERE?

Einer süsslichen Pop-Melodie war die als klassischer

Rock-Act aufgestellte Band aus Liverpool

bekanntlich noch nie abgeneigt. An der Seite

von Produzent Alan Moulder (u.a. The Killers)

loten Circa Waves nun noch weiter ihre musikalischen

Möglichkeiten aus, landen dabei manchmal

aber auch knietief im Kitsch – ein Song

wie «The Way We Say Goodbye» würden wohl

selbst Coldplay als «a bit much» kommentieren.

Dennoch gelingen den Jungs auch einige ihrer

bislang besten Songs, weshalb sich die Frage

im Albumtitel durchaus mit «Not so bad» beantworten

lässt. (rec)

wwwvv

Für Fans von:

Grouplove, The 1975, Cold War Kids

TASCHENLAMPE-

IM-DUNKELN-POP

BILLIE

EILISH

WHEN WE FALL

ASLEEP, WHERE

DO WE GO?

Was lange Hype wird endlich Debütalbum.

Von Elton John bis Instagram-User rainbowblood666_

rekrutierte die 17-Jährige in

den vergangenen zwei Jahren mit einer Mischung

aus Heavy-Bass-Pop, verhuschten Balladen

und South-Park-Goth-Kid-Chic Millionen

von Fans – und enttäuscht diese nun auch mit

dem Release ihres ersten Longplayers nicht. Mit

so erstaunlich erwachsener wie wandelbarer

Stimme balanciert Billie auf dem Grad der hohen

Erwartungen und vergisst in Songs wie «8»

und «bad guy» inmitten all der Teen Angst auch

den Spass an der Sache nicht. (rec)

wwwwv

Für Fans von: Tove Lo, Grimes, Bebe Rexha

DRAMA KING

OF POP

TALISCO

KINGS AND FOOLS

Spätestens zum hymnischen

Refrain vom

dritten Track «Closer»

schnellen auch die letzten Feuerzeuge des

Publikums in die Luft (oder eine dementsprechende

«Feuerzeugfeuer bei Konzerten»-Videoapp

auf dem Handy, sind ja nicht mehr im

Fackeln schwingenden Mittelalter): Der Franzose

empfiehlt sich auf seinem dritten Album

endgültig als würdiger Support-Act von Acts

wie Florence + The Machine mit dramatischem

Breitwand-Pop, der immer dann so richtig aufregend

loskickt, wenn der düstere Synthie aufmurrt

und die mal mehr, mal weniger eingängigen

Tracks vorwärts peitscht. (rec)

wwwvv

Für Fans von:

Woodkid, Bastille, Balthazar


STYLING

ALLES

BANANE?

#165 | APRIL 2019

Mut zum Upcycling mit Rafael Kouto

26

Das Zürcher Kult-Label Qwstion hat mit dem Upcycling-Designer

Rafael Kouto zusammengearbeitet

und entwarf eine Taschen Couture Kollektion

namens «Suspended Bodies That Will Never

Fall», die auch bei der Mode Suisse gezeigt wurde.

Zum Thema Nachhaltigkeit entwickelt Qwstion

Bananatex, das weltweit erste technische Gewebe

aus Bananenfasern. Was Rafael Kouto für

Tipps im Umgang mit nachhaltigen Textilien hat

und was er für ein Wertewandel in der Modeindustrie

beobachtet, verrät er uns im Interview.

von Lea Hofer


Was für eine Rolle trägt Nachhaltigkeit

in der jetzigen Modeindustrie?

Nachhaltigkeit und gemeinsam soziale

Verantwortung zu übernehmen, werden

immer dringendere Ziele und definitiv

zur Priorität für einige Marken. Viele Labels

setzen sich ihre eigenen Ziele und

Versprechen. Aber es ist bestimmt auch

ein Trend. Grundsätzlich glaube ich aber,

müsste es staatlich stärker reguliert werden,

wie Kleidungsstücke und Textil produziert,

konsumiert und weggeworfen

werden.

Im Internet begegnet man Tausenden

von «Influencern», die täglich Fast

Fashion promoten und leben. Was ist

deine Meinung dazu?

Ich glaube, dass Influencer und Social

Media nicht wirklich mit Slow Fashion

übereinkehren. Die meisten Influencer

sind Rollenbilder und promoten, tragen

und verkaufen jeden Tag etwas Neues.

Die Anzahl nachhaltiger Influencer steigt

jedoch auch an, wenn auch langsamer. Ich glaube, Kate Middleton

zeigt als öffentliche Figur einen positiven Werte-Wandel und inspiriert,

wie Mode präsentiert wird: sie trägt oft das gleiche zu verschiedenen

Anlässen.

Es gibt also Alternativen. Trotzdem kauft die Mehrheit Billigware

ein. Wo müsste man zur Sensibilisierung ansetzen?

Die Gesellschaft muss aufgeklärt werden. Nicht nur weniger zu konsumieren,

sondern auch darüber, wie Kleidungsstücke und Textilien

produziert werden und ob es Alternativen gibt in unserem aktuellen

Mode-System. Diese Alternativen müssen transparenter aufgezeigt

werden. 3

#165 | APRIL 2019

27

«Wir müssen Kleidung

als Investition sehen,

als nachhaltiges

Statement und

nicht als Trend.»


STYLING

Du bietest auch Workshops im Textilwerk in Winterthur an. Was

macht ihr da den ganzen Tag?

Die Teilnehmer müssen ihre ungewollte Kleidung mitbringen und andere

textile Materialien, die sie gewillt sind zum Upcyclen. Wir analysieren

diese und versuchen zu verstehen, warum der Gebrauch sich

verändert hat, seit sie gekauft wurden. Die grösste Herausforderung ist

es, die Kleidung zu zerschneiden, zu transformieren und sie als lebende

Objekte wahrzunehmen und deren Leben dadurch zu verlängern.

Hast du sonstige Tipps zu einem nachhaltigeren Umgang mit Textil

im Alltag?

Ich glaube, wir müssen unsere emotionale Beziehung zu unseren Kleidungsstücken

verändern. Wir müssen Kleidung als Investition sehen, als

nachhaltiges Statement und nicht als Trend.

#165 | APRIL 2019

28

Welcher Punkt in deiner Karriere hat dich bezüglich Nachhaltigkeit

geprägt und zu deiner jetzigen Arbeit inspiriert?

Während meiner Arbeitserfahrung bei Maison Margiela. John Galliano

wurde damals neuer Creative Director des Hauses. Ich konnte in dieser

Zeit beobachten, wie Designer mit Second-Hand-Kleidungsstücken

experimentierten, sich davon inspirieren liessen und wie diese Textilien

im Prozess verschwanden. Ich habe mich immer gefragt, ob nicht gerade

daraus ein finales Produkt entstehen könnte. Diese Skepsis, Enttäuschung

und Kritik trieben mich in meinem Master in Fashion Matter an

dem Sandberg Institut an, eine erste Couture Kollektion zu erarbeiten.

Hast du ein Lieblingsteil in deiner aktuellen Kollektion mit Qwstion

und wenn ja, welches? Gibt es eine Geschichte dazu?

Mein absolutes Lieblingsteil ist eine Jacke, die ich upcyclet habe aus einer

Lederjacke mit einer Häkeltechnik meiner Mutter. Sie hat mich immer unterstützt

und das war das erste Mal, das wir zusammengearbeitet haben.

Es war eine schwierige Arbeit, aber das Resultat ist unglaublich. w

Die Kollektion von Rafael Kouto findest du im

Qwstion Store an der Badenerststrasse 156 in 8004 Zürich.

Auch das verwertete Material Banatex findest du in

zwei multifunktionalen Taschenmodellen.

#RADLERHOSEN

Die, seufz, Kardashians haben den Trend zur Genüge versucht, in die

Welt zu setzen. Wer jetzt im Frühling noch meint, den Spandex neu entdeckt

zu haben: too late. Radlerhosen haben sich nicht etabliert. Ausser

nach wie vor am slowUp in der Ostschweiz. Soll bitte auch so bleiben.

ZEIT, DIESE TRENDS AN DEN NAGEL ZU HÄNGEN.

BLOODY OUT

#NUDELIPSTICK

Lovey Dovey Lipstick, Yes Baby Lipstick, Dirty Rose Lipstick: Kylie, genug

ist genug! Es scheint, dass jeder Tag ein neuer Nude Lippenstift in deiner

IG-Story aufpoppt. Sieht übrigens sowieso nur mässig gut aus, wenn man

sich nicht wöchentlich Solarium bräunen lassen kann oder an Traumstränden

liegt.

#MATROSENMÜTZE

Einst von Fischer, Seeleuten und Kapitänen getragen – heute finden wir

sie überall und in allen Farben und Materialien: Cord, Leder oder Pastell.

Der Trend scheint nicht totzukriegen zu sein. Wir kentern und sehnen uns

nach einem neuen Huttrend für all die Grossstadt-Landratten.


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STYLING

DRESSCODE: UGLY EASTER SWEATERS

Nachdem der hässliche Weihnachtspullover mittlerweile auch vom most basic Abteilungsleiter

voll ironisch zur Betriebsfeier getragen wird, ist es höchste Zeit, an anderen Feiertagen

scheisse auszusehen. Begraben wir also den guten Geschmack zum Fest der Auferstehung

mit folgenden grotesken Osterfetzen, die man an jedem anderen Tag tiefer

im Kleiderschrank verstecken sollte als Schoggihasen mit Crocs an den Pfötchen. (rec)


CHF 75.- bei rageon.com


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#165 | APRIL 2019

30


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CHF 18.- bei canditee.com


VORHER

Für den Krieg gegen Pickel

Diese Hilfsmittelchen machen deinen

Foto-Filter arbeitslos: Unsere vier

Beauty-Produkte des Monats. (mge)

Für Frühling auf deinen Lippen

Für wache Augen

Das vegane Duschpeeling «Rub Rub Rub» von Lush ist ein echter

Allrounder: Es reinigt die Haut, kann aber auch als Peeling vor

dem Duschen oder sogar zum Haare waschen verwendet werden.

Und wenn das Wunder-Peeling mal alle ist, kannst du den

schwarzen Pott in jeder Filiale zurückgeben – da strahlt nicht

nur deine Haut, sondern auch die Umwelt.

; CHF 18. 50 bei lush.ch

Das Teebaum-Öl von The Body Shop macht deinen Pickeln den Gar aus. Einfach

mit einem Wattestäbchen auf die betroffene Stelle auftragen und das

Öl trocknet die Unreinheiten gnadenlos aus. Das Teebaum-Öl kommt von

der Kenya Organic Oil Farmers’ Association (KOOFA). Diese ermöglicht den

Kleinbauern mit dem Verkauf von Teebaum-Öl ein geregeltes Einkommen.

; CHF 12. 95 bei thebodyshop.ch

Für reine Haut und reines Gewissen

Es gibt kaum was schöneres für deine zarte Haut, wenn du sie am

Abend von Make-up befreist. Noch schöner wäre es allerdings,

wenn du das mit den superweichen und umweltfreundlichen

Stoffpads von Bambusliebe machst. Die kommen mit einem

praktischen Waschbeutel daher, so dass du sie einfach und schonend

waschen kannst. Trocknergeeignet sind sie natürlich auch.

; CHF 28.- bei bambusliebe.de

Der Frühling klopft vorsichtig an die Haustür. Und wie könnte man ihn besser

begrüssen als mit einem farbenfrohen Lippenstift. Am besten einer,

der nicht an den Artgenossen vom Osterhasen getestet wurde, so wie der

vegane und immer wieder auffüllbare Lipstick «Paris» von Lush. Mit Candelilla-Wachs

und Jojobaöl wird für die nötige Feuchtigkeitspflege gesorgt.

; CHF 22. 90 bei lush.ch

YOU! MAKE ME

BEAUTIFUL!

NACHHER

KOMODO & EVIL

EMPIRE ORCHESTRA

11.04.19 - EXIL ZÜRICH

IN FLAMES

18.04.19 - KOMPLEX 457 ZÜRICH

DEUS

29.04.19 - X-TRA ZÜRICH

WALKING

ON CARS

29.04.19 - VOLKSHAUS ZÜRICH

NOTHING MORE

01.05.19 - DYNAMO ZÜRICH

RYAN BINGHAM

03.05.19 - PLAZA ZÜRICH

MONSTER TRUCK

07.05.19 - DYNAMO ZÜRICH

SAMAEL

19.05.19 - DYNAMO ZÜRICH

TOKIO HOTEL

20.05.19 - VOLKSHAUS ZÜRICH

STEVE HACKETT

28.05.19 - VOLKSHAUS ZÜRICH

ROGER HODGSON

29.05.19 - MUSICAL THEATER BASEL

ALICE IN CHAINS

01.06.19 - HALLE 622 ZÜRICH

THE PIANO GUYS

10.06.19 - SAMSUNG HALL ZÜRICH

SLAYER

19.06.19 - ARENA GENF

RICHIE KOTZEN

03.07.19 - KOMPLEX 457 ZÜRICH

WEEZER

08.07.19 - X-TRA ZÜRICH

WWW.GOODNEWS.CH


REISEN

Traumzielkiller Instagram

WENN DER WUNSCH NACH EINZIGARTIGEN TRIPS IM MASSENAUFLAUF ENDET

#165 | APRIL 2019

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#Adventuregoals bis zum Abwinken: Noch nie war es so einfach, deine

Traumdestination zu bereisen, abzuknipsen und mit der Welt zu teilen.

Das bringt einige dieser bildhübschen Orte – in der Schweiz wie auch

anderswo – zunehmend an ihre Belastungsgrenze und darüber hinaus.

Brauchen Venedig, Paris und der Säntis demnächst einen Türsteher? (rec)

Scheidungsväter und Marketing-Abteilungen weltweit beschäftigen sich

unentwegt mit der Frage, was die «jungen Menschen» «da draussen» eigentlich

wollen vom Leben. In einer letztjährigen Studie kam das deutsche

Bundesumweltministerium zur gleichen Antwort wie jedes vierte

Posting auf Tumblr, das den Titel «Collect moments, not things» trägt und

von einem weichgezeichneten Sonnenuntergang unterlegt wird. Den fragilen

Setzkasten unserer Selbstdefinition und Statusbildung schmücken

wir demnach immer weniger mit exklusiven Klamotten im Schrank und

elektronischem Tand in der Tasche, sondern verlagern ihn zunehmend in

den Feed von Instagram. Und dort warten dann die mit Lightroom aufpolierten

Fototrophäen an der digitalen Wohnzimmerwand – Hashtag-Köder

inklusive – auf die weissen Herzchen: «Ich über den Dächern vom

Djemaa el Fna», «Ich im Sand von Ko Phi Phi», «Ich am Ufer vom Blausee»

– so inspired und blessed und schnürlischrift, nöd wahr. Der Wunsch nach

gelebter Individualität und Freiheit ist dabei inzwischen längst zu einer

kollektiven Wanderlust verkommen, deren Karawane von einigen (halb-)

professionellen Travel-Influencern in Dauer-Hot-Pants angeführt wird.

Paris reichts und Venedig bittet zur Kasse

Deren exotische Abziehbildchen dürften auch in diesem Jahr bei der anstehenden

Sommerferienplanung bei vielen von uns eine mitentscheidende

Rolle spielen. Gemäss einer britischen Studie aus dem Jahr 2017

im Auftrag von Schofield Insurance suchen 40% der 18- bis 33-Jährigen

ihre Urlaubsziele nach deren Instagramability aus: Wow, dieses versteckt


gelegene Lavendelfeld in der Provence hat schon über 120’000 Likes

– muss ich hin! Nur trifft man vor Ort dann immer häufiger statt dem

erhofften Geheimtipp eine Warteschlange mit 120’001 Followern der

Raute «traveldreams». Darunter leidet nicht nur der berucksackte Agoraphobiker,

sondern zunehmend auch die Einheimischen jener schmucken

Destinationen. Besonders nachdrücklich äussern momentan die

Bewohnerinnen und Bewohner der Rue Crémieux ihren Unmut über die

anhaltende Stampede von Instagram-Touristen. Aufgrund seiner bunten

Häuserfassaden ist das Pariser Gässchen zu einem dauerbesetzten

Freiluft-Fotostudio geworden, bis zu 200 Menschen drängen sich an den

Wochenenden zwischen den pastellfarbenen Wohnblöcken. Die eingepferchten

Citoyens fordern nun deshalb nachdrücklich: Zumindest an

Wochenenden und abends soll der Zugang für die breite Öffentlichkeit

geschlossen werden. Venedig sah sich bereits im vergangenen Sommer

dazu gezwungen, die speziell zur Kreuzfahrtsaison überbordende Menschenmassen

– täglich bis zu 70’000 Personen – zeitweise mit einer

Wegschranke einzudämmen. Diesen Mai will die Lagunenstadt zudem

erstmals eine Eintrittsgebühr von drei Euro für Tagestouristen erheben –

2020 soll der Betrag dann verdoppelt werden.

Let’s go check out this Appenzell

Auch Schweizer Destinationen kriegen die von der Digitalisierung angeheizte

Globetrotterei zu spüren: Seit 2017 ein Urlaubsvideo aus dem

Verzascatal viral ging, kommt das Gebiet im Tessin kaum zur Ruhe. Der

Rigi verzeichnete in den letzten fünf Jahren eine Besucherzunahme von

rund 40%, wie aus einer Studie der Hochschule Luzern hervorgeht. Und

im vergangenen Jahr gab das bisherige Pächterpaar den Betrieb vom

Restaurant «Aescher» im Alpstein ab, nachdem ein Foto davon die weltweite

Sehnsucht nach Bergidylle weckte und dadurch zeitweise eine

kaum mehr zu bewältigende Anzahl Gäste anlockte. Von einer Dauerbelagerung

kann aber noch längst nicht die Rede sein gemäss Guido

Buob, Geschäftsführer von Appenzellerland Tourismus: «Es hat zweifellos

im Bereich Ebenalp-Äscher mehr Gäste aber dies auch nur an schönen

Wochenenden im Sommer und Herbst. Von Massentourismus sollte und

kann man erst reden, wenn eine ständige ‹Überflutung› an Gästen besteht.

Wir haben vielleicht an acht bis zehn schönen Wochenenden im

Sommer sehr viele Leute in diesem Gebiet.» Massnahmen, den Zugang

für diese Orte einzuschränken oder gar zu taxieren, seien deshalb nicht

geplant – auch, weil Einheimische bislang im Gegensatz zu anderswo

keine Proteste vom Zaun reissen: «Natürlich hätten man lieber die Gäste

besser verteilt. Das wünscht sich jede Tourismusregion. Direkte Beschwerden

von Einheimischen sind selten, höchstens wegen dem Verkehr.

Von den Betrieben habe ich noch nie Reklamationen gehört: Man

weiss, dass man ‹heuen muss, wenn Heuwetter ist›.» Es ist ein schmaler

Grat, den es für die Destinationen abzuwandern gilt: Schön, wenn man

mit Touristen aus den entferntesten Ecken Geld verdient – weniger schön,

wenn zu viele davon genau das zerstören, was sie zu finden erhofften:

Das Ursprüngliche, Authentische, Unentdeckte. Wichtig ist gemäss Buob

deshalb auch unbedingt der gegenseitige Respekt, sowohl von Gastgebern

für die neugierigen Durchreisenden – aber auch von den Gästen

gegenüber jenen vermeintlich magischen Orten, die es zu bewahren gilt.

Zusätzlicher Tipp für deinen nächsten Sommertrip von uns: Öfter mal

nach Schwerzenbach. Gibt dort zwar nicht viel zu sehen, ist aber praktisch

noch völlig leer. w

Die 10 überlaufendsten Touri-Attraktionen der Welt

(GEMESSEN ANHAND IHRER IG-HASHTAGS, STUDIE AUS DEM JAHR 2018 IM AUFTRAG VON WINFIELDS OUTDOORS, ENGLAND)

#165 | APRIL 2019

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KULINARIK

Down the

Rabbit Hole

Die 10

wichtigsten

Fragen zu

Schokoladenhasen

endlich beantwortet

Dieser Artikel

ist ab dem

23. April

zu einem um

80%

herabgesetzten

Preis erhältlich

#165 | APRIL 2019

34

Und so steht es im 3. Buch

Mose, Kapitel 11, Vers 3: «Die

Kaninchen wiederkäuen

wohl, aber sie spalten die

Klauen nicht; darum sind sie

unrein.» Worauf die Schokoladenindustrie

entgegnete:

«Das ergibt nicht mal ansatzweise

Sinn. Fuck it, giessen

wir die Biester in putzige

Förmchen und kleben Blümchen

aus Marzipan dran!»

Worauf die letzte grosse

Versuchung vor der Bademodesaison

geboren war.

Inzwischen ist der Schokoladenhase

aber längst nicht

mehr nur der erste Schritt zu

einem gelungenen Augustus-Glupsch-Kostüm,

sondern

Wertanlage der Zukunft:

Durch den Klimawandel

sehen sich Kakaobauern mit

erschwerten Anbaubedingungen

konfrontiert. Zwar

wird – wie in den sozialen

Medien zuletzt durch reisserische

Videos verbreitet

– Kakao nicht bis ins Jahr

2050 aussterben, der Preis

dafür jedoch voraussichtlich

empfindlich steigen. Umso

wichtiger ist es deshalb, sich

mit der wertvollen Materie

auszukennen und das eigene

Investment-Portfolio dementsprechend

anzupassen.

(rec)

Wie verbinde ich die grausame

Brutalität der anstehenden

-Staffel

mit dem süssen Genuss von

Osterschokolade?

Wann wurde der erste

Schoko-Hoppler

in freier Wildbahn

gesichtet?

ich will zwar selber einen Schokkimümmel

machen, aber ohne dafür

meine Küche in ein Willy-Wonka-

Sperrgebiet zu verwandeln. Geht das?

Scheiss Grosskonzerne,

ich traue denen nicht

und rolle deshalb

auch meine Tampons selber.

Kann man das auch

mit Schokoladenhasen?

Absolut. Diverse Giessformen für individuelle

Schoggihäsli findest du zum

Beispiel bei backformenshop.ch. Du

kannst sie sogar goldig verpacken und

mit rotem Glöckchen behängen: Lindt

hat wiederholt versucht, das Design

ihres Goldhasen gegen Nachahmer zu

schützen, scheiterte aber wiederholt

vor Gericht. Fight the power!

Indem du diesem Jon Snow Bunny in einem Happs

den Kopf abbeisst. Zu kaufen gibt es ihn bei der

Confiserie Bachmann (confiserie.ch) für CHF 19 .70 .

Ihren Ursprung haben die Kakao-Karnickel in Deutschland

oder Frankreich, wo sie irgendwann zu Beginn des

19. Jahrhunderts von Chocolatiers hergestellt wurden

– zunächst aber meist nur als Schaufensterdekoration.

Das bekannteste und beliebteste Modell – der Goldhase

von Lindt – rollte im Jahr 1952 das erste Mal vom

Fliessband. Rund 100 Millionen Exemplare werden mittlerweile

jährlich davon verkauft.

Det är inga problem: Bei IKEA

gibt es das Bausatz-Häsli-Modell

Vårkänsla für CHF 2.95. Die drei

Einzelteile aus Milchschokolade

lassen sich schneller zusammensetzen

als man «Vårkänsla» korrekt

aussprechen kann.


Ich möchte meine veganen

Yoga-Lehrerin, die nur

Kleider aus selbst

gewonnenem Hanf trägt,

zu Ostern beschenken.

Was empfiehlt ihr?

Den Choco Bunny Coconut von Karma:

Komplett vegan dank Mandelpaste,

Kokosraspeln und Reispulver,

ausserdem mit Fairtrade-Siegel und

in erleuchteter Pose. Für CHF 4. 80

im Coop erhältlich – auch in dunkler

Version mit Passionsfruchtaroma.

Was mache ich mit all der

vörigen Schoggi nach

den Feiertagen?

Erdnussbutter-Schokoladen-Bananen-Milchshakes.

Die einzig richtige

Antwort lautet Erdnussbutter-Schokoladen-Bananen-Milchshakes.

So langsam fängt mein

Magen an zu knurren.

Was ist der bislang

grösste Schokoladenhase, der

jemals hergestellt wurde?

Diesen vom Guiness Buch anerkannten

Rekord hält das Team der Equipe da Casa

do Chocolate aus Brasilien, welches 2017

einen 4,2 Tonnen schweren Kakao-Koloss

aus dem Boden stampften. Urgh.

#165 | APRIL 2019

35

Gibt es auch einen

Schokoladenhasen, der wie

Benedict Cumberbatch

aussieht?

Nochmals wegen dieser

Geldanlage: Wie wertvoll

ist der teuerste

Leckerschmeckerbunny

der Welt?

Selten blöde Frage, natürlich gibt es

den. Und kaufen kann man ihn auch:

CHF 52. 50 bei chocolatician.com.

(Persönlich gefällt uns dort aber das

Schokoladen-Entchen mit dem Gesicht

von Ryan Gosling besser.)

2015 gab die britische Website VeryFirst

Two dieses exklusive Langohr in Auftrag. Die

5 Kilo schwere Kalorienbombe ist auf den ersten

Blick eher unscheinbar – auch wenn sie

mit teurem Kakao aus Tansania und vom

Meister-Patissier Martin Chiffers gemacht

wurde –, doch liegt der Grund für das

49‘000-Dollar-Preisschild im Detail: Die

Augen bestehen aus zwei 1.07-karätigen

Diamanten.

Lässt sich aus einem

Schokoladenhasen auch

ein Bong bauen?

Selbstverständlich. Eine Anleitung dazu

findest du auf thecroniccrafter.com.


(HEIM)KINO

willkommen zu den

Game of Thrones

GoryAwards

für die besten/heftigsten/taschentuchigsten

Tode in der Fantasy-Hitserie

DER GORY IN DER KATEGORIE

«Come on, das war viel zu schnell vorbei»

GEHT AN

Petyr Baelysh alias Littlefinger

Bevor die nach «iCarly» pompöseste

TV-Show aller Zeiten zu Ende geht,

blicken wir auf das zurück, was die

bisherigen sieben Seasons so beliebt

gemacht hat (abgesehen vom

nackten Gebrüst): die vielen, vielen

schönen Tode. Möge die Verleihung

der Game of Thrones Gory Awards

beginnen! (shy)

Praktisch die kompletten bisherigen Staffeln

verbrachte er damit, jede andere Figur

in George R. R. Martins Fantasy-Universum

zu belügen und ist mit seinen Intrigen verantwortlich

für gefühlt die Hälfte aller Tode

in der Serie. Zwischen «Oh Shit, Sansa ist ihm

auf die Schliche gekommen!» und seinem feuchten

Gestammel, nachdem Arya Stark ihm die Kehle durchgeschnippelt

hatte, lagen dann aber nur etwa vier Minuten

– viel zu wenig.

#165 | APRIL 2019

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Daenerys’ Bruder verscherbelte sie an Dothraki-Zampano

Khal Drogo, um an dessen

40’000 Mann starke Armee zu kommen und

so den Iron Throne zu erobern. Weil sowohl

Drogo als auch die Dothraki Daenerys Targaryen

ordentlich liebgewonnen haben, Viserys sich

aber wie ein besoffenes, quengelndes und durch und

durch arschlochiges Balg aufführte, nahm Drogo dessen

Wunsch nach der Krone der Seven Kingdoms wörtlich

und übergoss seinen Kopf kurzerhand mit flüssigem Gold.

DER GORY IN DER KATEGORIE

«Verschissenster Tod»

GEHT AN

Tywin Lannister

DER GORY IN DER KATEGORIE

«Be Careful What You Wish For»

GEHT AN

Viserys Targaryen

Wenn Littlefinger indirekt die eine Hälfte

des «Game of Thrones»-Casts auf dem Gewissen

hat, ist das Oberhaupt des Lannister-Klans

mit seinen zahllosen Komplotten

demnach für die andere Hälfte verantwortlich.

Besonders abgesehen hatte er es auf seinen kleinwüchsigen

Sohn Tyrion, der sich irgendwann «Fuck

this shit» (no pun intended) sagte, sich eine Armbrust

schnappte und seinen alten Herrn abknallte, als dieser

untenrum nackt auf dem Topf hockte.

Er schnitt seinen Folteropfern den Johannes

ab (wir sind in Gedanken bei dir, Theon), vergewaltigte

Sansa Stark und verfütterte Menschen

– darunter seinen eigenen Bruder, einen

Säugling – gerne an seine Hunde, genannt «Bastard’s

girls». In einem Bossgirl-Move sondergleichen warf

Sansa Ramsay seinen eigenen ausgehungerten Kötern

zum Frass vor, nachdem dieser im «Battle of the Bastards»

geschlagen wurde.

DER GORY IN DER KATEGORIE

«Oh the Irony»

GEHT AN

Ramsay Bolton


DER GORY IN DER KATEGORIE

«Befriedigender als ASMR-Videos»

GEHT AN

Joffrey Baratheon

Ned und Robb Starks Tode waren zwar ähnlich

tragisch und mit weitreichenderen Folgen

verbunden. Aber: Das Herz des geistig

eingeschränkten Hünen war grösser als das

aller anderen Figuren zusammen. Und dass er

starb, indem er Bran Stark beschützte – also den

Typen, der in «Back to the Future»-mässiger Veränderung

der Vergangenheit schuld an seiner Behinderung

ist –, macht Hodors Ableben so unfassbar traurig, dass wir

das hier in Embryo-Haltung auf dem Boden der Dusche geschrieben

haben.

DER GORY IN DER KATEGORIE

«Der menschliche Körper

ist wunderschön»

GEHT AN

Oberyn Martell

Aus Rache für die Ermordung ihrer halben Familie

im Rahmen der «Red Wedding» murkste

Gestaltwandlerin Arya die Söhne des alten

Creeps Walder Frey ab, zauberte daraus eine

Fleischtorte, setzte diese dem Vater vor und

schnitt ihm danach die Kehle durch. Später vergiftete

sie Walders Gefolgschaft mit demselben Zeug,

das wohl auch Joffreys Gedärme durch den Mixer schickte

– jedenfalls dem sterbenden Gurgeln der Männer zufolge.

Worum geht’s in Season 8?

In Westeros viel Neues: Die Untoten-Armee der White

Walkers hat die Mauer zu den Seven Kingdoms eingerissen

und marschiert auf Winterfell zu, wo sich Jon

Snow, Daenerys Targaryen und die Stark-Schwestern

für den grossen Showdown mit ihnen rüsten. Die

allerletzte Schlacht dürfte dann mit den Lannisters

in King’s Landing ausgefochten werden; irgendwer

muss nach den finalen sechs Folgen der achten Staffel

von «Game of Thrones» ja auf dem quasi-titelgebenden

Iron Throne sitzen.

Nicht mal Ramsay Bolton wurde von den Fans so

leidenschaftlich gehasst wie König Joffrey – wahrscheinlich,

weil der milchgesichtige Inzest-Goof kaum

stark genug war, eine Armbrust zu heben, damit aber

trotzdem das schönste Freudenmädchen der Seven Kingdoms

an die Wand nagelte. Als er von Tyrell-Matriarchin Olenna

vergiftet wurde, seine Eingeweide auskotzte, violett anlief und

schliesslich innerlich verblutete, applaudierten die Zuschauer

frenetischer als die Rapperswiler, nachdem bekannt wurde, dass

Federer an den Zürichsee zieht.

DER GORY IN DER KATEGORIE

«Ich hab was im Auge»

GEHT AN

Hodor

Als Bad Boy, wie er im Buche steht, züngelte Oberyn

nicht nur gerne im Bordell, sondern auch scharf in

der Arena. Dort bodigte er zudem den (mittlerweile

zombiefizierten) Fleischberg The Mountain, zögerte

den Todesstoss aber hinaus und, na ja, The Mountain rollte

sich auf ihn und drückte ihm die Augen dermassen tief in den

hübschen Schädel, dass dieser platzte wie eine Wassermelone,

weshalb wir bei dieser Szene nach wie vor nicht anders können

als «Holy shit, WTF Alter?!».

DER GORY IN DER KATEGORIE

«Guten Appetit»

GEHT AN

Walder Frey

... Und wo kann ich sie schauen?

Der US-Bezahlsender zeigt die erste Folge am 14. April, danach gibt’s jede Woche

eine neue Episode. In der Schweiz schaust du sie gratis bei RTS (das Romandie-Pendant

zum SRF) oder im Streaming-Abo bei Sky Show, Teleclub und HollyStar

#165 | APRIL 2019

37


(HEIM)KINO

Orange is the

new Bätsch!

Eine Schweizer Ikone will zurück ins TV-Programm.

Es ist an der Zeit, dass wir als Nation

zusammenkommen und dieses kühne

Vorhaben mit aller Kraft unterstützen. Wir

sind es unseren Kindern schuldig (rec)

#165 | APRIL 2019

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Murmi-Comeback, motherfucker!! Auf dem Höhepunkt

seiner Karriere chillte Murmi mit Ex-Missen und seinem eigenen

Energy-Drink, war in der Schweiz auf 14 Regionalsendern

zu sehen: In den Hunderten von Folgen zwischen

1998 bis 2012 erlebte der orange Alpenmutant zahlreiche

Abenteuer, wurde beispielsweise Taxifahrer, schloss sich

einer Mädchenfussballmannschaft an und reiste in den

Kosovo. Kurz: Murmi ist Sara Bachmann, wenn sich Sara

Bachmann den ganzen Tag über in einen neonfarbenen

Hochflor-Teppich wickeln und diesen nie in die chemische

Reinigung bringen täte. Das grösste Archiv alter

Murmi-Folgen findest du - ohne Scheiss jetzt! - auf dem

Vimeo-Account der Albanischen Tanzgruppe Schweiz

(Shota) – weil absolut gar nichts an Murmi auch nur ansatzweise

Sinn macht.

Vor einigen Jahren verschwand der von einem radioaktiven Murmeltier

gebissene Wischmopbezug vom Fernsehbildschirm. Wahrscheinlich, um

sich in Hollywood als Guardian of the Galaxy zu bewerben oder auf den Philippinen

einem Underground Fight Club anzuschliessen. Gleichzeitig ging

es mit dem Planeten steil bergab, weil plötzlich niemand mehr unseren

Kindern von der Kraft der Freundschaft berichten konnte in einer Videoqualität,

die selbst Regisseure von Gonzo-Pornos als «eher mangelhaft»

bezeichnen. Bis jetzt! Denn aktuell crowdfundet Murmi-Erfinder Schrägstrich

Sidekick Thomy Widmer aka Geri S. Gwonder auf 100-days.net

ein TV-Comeback.

50’000 Stutz müssen gemäss dem Initiator gesammelt werden, damit

die neuen Episoden auf Tele Ostschweiz, Tele 1 und Channel 55 finanziert

sind. Nun haben wir zwar selber kein Geld gespendet. (Hat mal jemand

die aktuellen Zahlen vom Printmarkt gesehen? Shiiit!) Aber wir haben

einen Plan B ausgearbeitet, um Murmi ein Comeback auf der grösstmöglichen

TV-Bühne des Landes zu bescheren: Nach Klassikern wie «Murmi

im Kantonsspital Solothurn», «Murmi im Mövenpick, Teil 1» und «Murmi’s

Abenteuer auf Mallorca» wird es jetzt endlich Zeit für «Murmi ist der

neue Bachelor». Denn auch ein groteskes Zottelvieh mit der Stimme einer

Knusperhaus-Hexe auf dem Totenbett hat ein Anrecht auf die grosse

Liebe.

Wir fordern deshalb die ganze Nation auf, 3+ von diesem narrensicheren

Quotenknaller zu überzeugen – entweder per Mail an fragen@3plus.tv

oder telefonisch auf +41 43 336 36 36. Denn jetzt mal ehrlich: 20 dauerbeschwipste

Fitness-Influencerinnen, die in Thailand per Limousine

vorfahren und vor dem Aussteigen ihren quietschgeilen Balzruf «Oooh,

wia gseht dr Bätschlr ächt diesmal us? Hoffentlich hät er Sixpack!» ausstossen

und dann auf den im Kerzenlicht wartenden Murmi treffen? Move

over, Avengers – so sieht ganz grosses Kino aus!

Dominik Kaiser, make it happen!

Provosorisches Storyboard Staffel 8


IST DAS ETWA...

ERIC ROBERTS!?

In seiner Karriere hat Eric Roberts in über 500 Film- sowie TV-Produktionen mitgewirkt und jeden Monat kommen

etwa drei weitere hinzu. Bislang hat es kein Medium geschafft, sein komplettes Werk zu würdigen – bis jetzt.

Teil 3 von 509: «Doctor Who: The Movie» (1996)

Ausserhalb Grossbritanniens und einer sehr eingeschworenen Fangemeinde erschliesst sich die

Faszination der seit 1963 produzierten Sci-Fi-Serie «Doctor Who» dem Massenpublikum eher weniger.

Einen Versuch, die englische Kult-Saga auch in den USA zu einem Hit zu machen, war dieser

Pilotfilm mit Eric Roberts in der Rolle von The Master – dem Nemesis des durch Zeit und Raum

cruisenden Doktors. Für Langzeit-Fans war sein Auftritt wie der Biss in eine Zitrone, alle anderen

fragten sich, warum Julias Bruder den Vorhang eines asiatischen Edelpuffs als Mantel trägt. Im

amerikanischen TV floppte der Film, immerhin durfte Roberts 2019 für ein Hörspiel noch einmal

den Master mimen. (rec)

UNSERE WERTUNG:

Das Power Ranking

der besten News Anchors

im Schweizer Regional-TV

RON BURGUNDY

CUP

DIESMAL:

Daniel Sager, Tele Südostschweiz

TOP 5

1. Dani von Wattenwyl (Telebasel) 7

2. Nora Züst (SHF) 7

3. Daniel Sager (TSO) 6

4. Kommt bald

5. Kommt bald

«Breaking News: In Graubünden

wird Brot gebacken», derweil

flankiert Moderator Sager

die jüngsten Geschehnisse

der Muttener Teigknetfront in

gewohnt routiniertem Stil. Mit

dem strengen Charme eines

mittelhippen Geschichtslehrers,

der dir deine Ausrede zur letzten

verbummelten Hausarbeit

nicht abnimmt («Deine inkontinente

Katze hat schon wieder

über das Laptop-Netzteil

gepisst und einen Kurzschluss

ausgelöst? Corsin, ich habe mit

dem Tierarzt telefoniert und

der meint, Belissima gehe es bestens!»), führt der

Absolvent der «Ronald Reagan School of Haarscheiteling»

ausnahmslos fehlerfrei und trocken durchs

Programm. Einziger Glamour-Kleks: Das Einstecktuch,

welches jedoch chancenlos ist gegen jene von DvW,

dem hiesigen Ivan Lendl der Kavaliersfetzen. Lieber

würden wir eine anständige Krawatte um Sagers Hals

sehen: Der Knopf-offen-Look ist etwas zu sehr Startup

Investor und zu wenig Primetime Léon Huber – übrigens

der Goldstandart, an dem alle Teilnehmenden

dieser Rubrik gemessen werden. (rec)

PRÄSENTIERT LIVE

ZIGGY ALBERTS AU

MI 24 APR 2019 / KAUFLEUTEN, ZÜRICH

TEN FÉ UK

DI 07 MAI 2019 / PAPIERSAAL, ZÜRICH

LOOK MUM

NO COMPUTER UK

DO 16 MAI 2019 / MASCOTTE, ZÜRICH

ASHER ROTH US

FR 17 MAI 2019 / MASCOTTE, ZÜRICH

PETER DOHERTY

& THE PUTA MADRES UK

DO 23 MAI 2019 / X-TRA, ZÜRICH

TALOS IE

SA 25 MAI 2019 / EXIL, ZÜRICH

MEN I TRUST CA

DI 28 MAI 2019 / PAPIERSAAL, ZÜRICH

AMBER RUNUK

MO 22 JUL 2019 / PAPIERSAAL, ZÜRICH

EELSUS

MI 14 AUG 2019 / X-TRA, ZÜRICH

SMOKEASAC US

SO 08 SEP 2019 / EXIL, ZÜRICH

NICK

MURPHYAU

DO 10 OKT 2019 / X-TRA, ZÜRICH

PIXIESUS

SO 13 OKT 2019 / X-TRA, ZÜRICH

MATTHEW &

THE ATLAS UK

SA 26 OKT 2019 / PLAZA, ZÜRICH

THE SPECIALS UK

MI 06 NOV 2019 / X-TRA, ZÜRICH

ELBOWUK

FR 08 NOV 2019 / KOMPLEX 457, ZÜRICH

HALF MOON

RUN CA

SA 23 NOV 2019 / X-TRA, ZÜRICH

SURF FOLK

INDIE ROCK

NERD POP

HIP HOP

INDIE ROCK

AVANTGARDE POP

DREAM POP

INDIE ROCK

AMERICANA

EMO RAP

ELECTRO POP

NOISE ROCK

INFOS UND TICKETS: JUSTBECAUSE.CH & STARTICKET.CH

MYJUSTBECAUSE JUSTBECAUSE.CH

ART FOLK

SKA PUNK

ART ROCK

INDIE FOLK


(HEIM)KINO

LIEBESERKLÄRUNG AN DIE 90ER

Mid90s

Mit Katherine Waterston, Lucas Hedges, Sunny Suljic

Jonah Hills Regiedebüt beginnt mit einem Schlag, im wahrsten Sinne

des Wortes: Der 13-jährige Stevie (Sunny Suljic) wird von seinem älteren

Bruder oft und heftig verprügelt. Und die Mutter schert es herzlich

wenig. Trotzdem hat sie eine liebevolle Beziehung zu Stevie, aber wenig

Zeit für ihren Sohn. Einen Vater gibts nicht. Bei sturmfreier Bude

beschäftigt sich Stevie mit den Hip-Hop-CDs seines Bruders, was auch

der Grund für die Prügel ist: Wie das so ist, will der nämlich nicht,

dass Stevie in sein Zimmer geht. Daneben bewundert Stevie die coolen

Jungs vom Skate-Shop und beginnt irgendwann, mit ihnen abzuhängen.

Plötzlich öffnet sich ihm eine völlig unbekannte Welt. Stevie

KATZENJAMMER

PET SEMATARY

Von Kevin Kölsch, Dennis Widmyer

Mit Jason Clarke, Amy Seimeth, Alyssa Brooke Levine

Nach dem riesigen Erfolg von «It» (2017)

klopft Hollywood nun von einem weiteren

Stephen-King-Klassiker den Staub vom Buchdeckel

und bereitet die Schauergeschichte für eine

neue Generation auf: Der vom Auto überfahrene

Kater einer frisch aufs Land gezogenen Familie

erwacht wieder zum Leben, als ihn der Vater in

heiligem Indianerboden vergräbt – und damit

beginnt für den Anhang der blanke Horror und

die Zuschauer das grosse Seufzen. Denn ausser

ein paar Geisterbahn-Schreckeffekten und einem

fies fauchenden Zombüsie hat der 0815-Horror

nicht viel zu bieten. (rec)

wwvvv

Ab 4.4. im Kino

tauscht «Street Fighter II» auf seinem Super Nintendo gegen Drogen,

Partys, Mädchen und Polizeirazzien. Der Coming-of-Age-Film wirkt

authentisch in den 90s verwurzelt mit einem Soundtrack von Nirvana

bis Wu-Tang-Clan und dem 16-mm-Format. Die Story kommt in diesem

Rahmen alltäglich und sehr real rüber, trotzdem packt einem das

Schicksal von Stevie, weil man sich gut in ihn hineinversetzen kann

und für viele diese Welt ebenso neu ist wie für Stevie. Im Zentrum

des Streifens, der an Klassiker wie «Kids» (1995) erinnert, steht nämlich

die Skater-Subkultur, welche in den 90ern promiment aufkam und die

sportlichen und gesellschaftlichen Konventionen seiner Zeit sprengte.

Daneben passt «Mid90s» auch ausgezeichnet in die jetzige Zeit, wo

doch 90s-Nostalgie dank Filmen wie «Captain Marvel» gerade sehr en

vogue ist. Übrigens: In Zürich wird als Vorfilm die Doku «La beauté est

dans la rue» von Zürcher Skatern gezeigt. (mge)

wwwwv

Ab 18.4. im Kino

ARBEITSLOSIGKEIT KILLT FAMILIE

WILDLIFE

Mit Carey Mulligan, Jake Gyllenhaal, Ed Oxenbould

Als Jerry Brinson (Jake Gyllenhaal) gefeuert wird, versinkt er in tiefem

Selbstmitleid. Für seine Familie gerät die Welt endgültig aus den Fugen,

als Jerry sie verlässt, um als schlecht bezahlter Hilfsarbeiter einen Waldbrand

zu löschen. Sein Sohn Joe (Ed Oxenbould) muss nicht nur seine

emotionale Mutter (Carey Mulligan) ertragen, sondern auch noch mitansehen,

wie sie die Ehe seiner Eltern langsam aber sicher an die Wand

fährt. Leider kommt das Drama aber etwas gar langweilig und aufgeblasen

daher – schade, erst recht bei dieser prominenten Besetzung. (mge)

wwvvv

Ab 11.4. im Kino


GAMES

ALLE$ IM LOOT?

#165 | APRIL 2019

42

Das menschliche Kollektiv hat die Aufmerksamkeitsspanne eines drei Monate alten Golden Retrievers.

Der grosse Aufschrei von heute ist schon kurze Zeit später kaum mehr eine Randnotiz

wert («Kony 2012», weischno?) und so überrascht es auch wenig, dass der Lootboxen-Skandal

vom letzten Winter weitgehend aus den Schlagzeilen verschwunden ist. Hat sich die Industrie

von der Praktik der Mikrotransaktionen abgewendet oder sind die Entwickler einfach kreativer

geworden bei deren Vermarktung? Wir werfen einen Blick auf den Status Quo und unterhalten

uns mit Experten zur rechtlichen Lage in der Schweiz.

von Rainer Etzweiler

2018 hat das Marktsegment der In-Game-Käufe in Deutschland um

28 Prozent auf 1,9 Milliarden Euro zugelegt. Dies verkündete der Verband

der Deutschen Games-Branche am 28. März in einer Presseinfo.

Für die Schweiz liegen keine Zahlen vor, es liegt aber nahe, dass

sich das hiesige Wachstum in einem ähnlichen Rahmen bewegt.

Der Free-to-Play-Klassenkönig «Fortnite» hat unterdessen allein im

letzten Jahr rund 2 Milliarden Dollar umgesetzt, womit unsere Einstiegsfrage

eigentlich schon beantwortet wäre: Mikrotranskationen

sind lebendiger denn je und sie werden so schnell auch nirgendwo

hingehen. Dazu gehören auch die Lootboxen, die im November 2017

durch «Star Wars: Battlefront 2» zu zweifelhaften Ruhm kamen: Entwickler

EA hatte den heiss erwarteten Multiplayer-Shooter dermassen

mit unfairen Echtgeldtransaktionen zugemüllt, dass sich Politik

und Gesetzgeber auf der ganzen Welt gezwungen sahen, dem

US-Unternehmen auf die gierigen Griffel zu hauen und die Praktik

sowie deren Legalität genauer zu beleuchten.


Nach dem Shitstorm

Während EA noch versuchte, die Scherben zusammenzukehren, zog Belgien

bereits die ersten Konsequenzen und erklärte Lootboxen im April 2018

für rechtswidrig. Justizminister Koen Geens begründet dies mit der psychologischen

Nähe zum echten Glücksspiel und dessen suchterzeugenden

Komponente. Wenig später zog Holland mit ähnlichen Argumenten

nach was zur Folge hatte, dass Games wie «Overwatch» «Counter-Strike:

GO» oder «FIFA» heute in beiden Ländern komplett ohne die Beutekisten

daherkommen. 15 weitere Glücksspiel-Behörden aus Europa und den USA

gaben am 17. September 2018 eine gemeinsame Erklärung ab, in der sie

sich dazu verpflichteten die Finanzierungsmodelle in Videospielen genauer

zu prüfen. Das Ergebnis dieser Prüfung steht noch aus, ein pauschaler

Rechtsspruch dürfte aber nicht zu erwarten sein, da sich Glücksspiel in

jedem Land anders definiert und daher unter Umständen die

juristischen Grundlagen für einen Vorstoss fehlen. Die Schweiz

Das klingt recht schwammig.

Andreas Glarner: Es ist auf jeden Fall eine Grauzone. Man muss aber

auch sagen, dass bei der Konzeption vom neuen Geldspielgesetz niemand

an Lootboxen gedacht hat. Primär ging es bei der Konzeption des

neuen Gesetzes um die Verhinderung von Geldwäsche und den Schutz

der Spieler.

Müsste dieser Spieler-Schutz denn nicht auch bei Games greifen?

Alexandra Körner: Ja, wenn Games Elemente enthalten, die unter das

Geldspielgesetz fallen. Dies wurde bis anhin noch nicht gerichtlich oder

durch eine Behörde geprüft. Die ESBK braucht in der Regel eine Anzeige

für einen konkreten Fall als begründeten Anlass für eine Untersuchung.

Star Wars Mikrotransaktionen

ist bei diesem Konglomerat der Glücksspiel-Behörden nicht dabei und die

Eidgenössische Spielbankenkommission (ESBK) – die Aufsichtsbehörde

für Spielbankenspiele in der Schweiz – sieht derzeit auch keinen Bedarf

dafür. Die auf Glücksspiel spezialisierte Kanzlei MME Legal hat sich mit

dem Thema auseinandergesetzt und erklärt uns, warum das so ist:

Sind Lootboxen, die für Echtgeld erworben werden, per Definition

Glücksspiel?

Alexandra Körner: Jein, das hängt unter anderem von deren Inhalt ab.

Wir haben das vor allem mit Blick auf das neue Geldspielgesetz untersucht,

das per 1. Januar 2019 in Kraft getreten ist. In diesem finden sich

auch neue Definitionen dazu, was Geldspiel ist. Spiele sind nur dann Geldspiele,

wenn man auf der einen Seite einen monetären Einsatz hat und

auf der anderen Seite einen Gewinn oder anderen geldwerten Vorteil.

Andreas Glarner: Heikel wird es auf jeden Fall, wenn die Lootboxen (seltene)

Items enthalten, die nicht zum gleichen Preis anderweitig bezogen

oder gar für Echtgeld weiterverkauft werden können.

Ein virtuelles Flugi für 60 Stutz

Dies ist bis heute offenbar nicht passiert. Wenn die Behörden mit den Game-Herstellern

sprechen, denke ich daher, dass es realistischer ist, dass

die Entwickler sich früher oder später auf ein Modell einigen, dass für den

komplett europäischen oder sogar weltweiten Raum gilt, anstatt sich auf

einen Rechtsstreit einzulassen. Mittelfristig ist es auch in deren Sinn, die

Thematik zu entschärfen, damit kein übergreifendes Verbot ausgesprochen

wird.

Eine länderspezifische Lösung ist also nicht in Sicht?

Andreas Glarner: Theoretisch müsste man hierfür ja das Gesetz neu

entwerfen, aber das wird nicht passieren. Ich denke, realistischer ist eine

EU-weite Guideline, die dann auch von der Schweiz übernommen wird.

Alexandra Körner: Das Problem wird vorerst auf jeden Fall präsent bleiben.

w

Dr. Alexandra Körner berät in- und ausländische Klienten bei gesellschaftsrechtlichen Fragestellungen

und der Vertragsgestaltung und verfügt über besondere Expertise in Compliance-Fragen

des Spielbankenrechts.

Dr. Andreas Glarner betreut international ausgerichtete Technologie- und Industriebetriebe sowie

Internet- und Blockchainunternehmen.

#165 | APRIL 2019

43

MIKROTRANSAKTION MANIACS

Jeder Publisher verfolgt seine eigene Strategie der Monetarisierung. Einige geben sich bescheiden, während andere konsequent

die Grenzen des Mach- und Zumutbaren ausloten. «Street Fighter»-Zangief rät: «Hütet euch vor diesen Kapitalistenschweinen!».

ACTIVISION BLIZZARD

Wenige Tage vor Redaktionsschluss

veröffentlichte Acti-Blizz

einen Hammer als neue Nahkampfwaffe

für «Call Of Duty: Black Ops 4»

für rund 30 Stutz. Für das Geld bekommst du

alternativ auch die 9. Staffel von «Scrubs» auf

DVD, was eine unfassbar beschissene Investition

wäre, aber immer noch sinnvoller als dieser

fucking Hammer.

EA GAMES

Nach dem «Star Wars»-Debakel

hat EA zwar ein wenig die Bremse

gezogen, aber die Abzocker-Karre

schlingert noch immer munter durch die

Gaming-Landschaft. «FIFA»-Spieler werden im

FUT-Modus, ausserhalb von Belgien und Holland

weiterhin über den Tisch gezogen und wir

haben auch nicht vergessen, dass der Publisher

2013 die Horror-Franchise «Dead Space» mit einem

absurden Finanzmodell ruiniert hat.

ROCKSTAR GAMES

Die GTA-Entwickler fliegen unfairerweise

noch immer zu sehr

unter dem Shitlist-Radar, dabei

ist die aggressive Monetarisierung von «GTA

Online» mitverantwortlich für die Etablierung

der Echtgeld-Transaktionen in Vollpreis-Games.

Unter anderem zahlte man dort für einen Militärjet

zeitweise um die 60 Franken. René Schudel

kauft dafür im Lidl Essen für eine 18-köpfige

Familie.


GAMES

Schimun Krausz

#165 | APRIL 2019

44

GOOGLE STADIA:

SWEET STREAMS ARE MADE OF THESE

Rainer Etzweiler

Google hat mit Stadia eine Cloud-basierte Game-Streaming-Plattform angekündigt. Stadia

ist keine Konsole in klassischen Sinn: Das jeweilige Spiel läuft auf den Rechnern in

den Google-Datenzentren und wird von dort aus auf diverse Plattform gestreamt - zum

Beispiel auf dein Smartphone, Tablet, Computer oder Fernseher. Googles erklärtes Ziel dabei ist, Gamern auf der

ganzen Welt Zugang zu einem High-End-Gerät zu bieten, ohne dabei auf eine entsprechende Hardware angewiesen

zu sein. Noch fehlen wichtige Informationen zum Abo- oder Kaufpreis, dem Game-Lineup oder einem konkreten Release-Datum.

Unsere Gaming-Redaktoren Schimun und Rainer wagen trotzdem mal eine erste Einschätzung.

Rainer: Schimun, Google steigt ins Gaming-Business ein – was hältst du

von Stadia?

Schimun: Ganz grundsätzlich finde ich die Idee geil. Vor allem sehr zeitgeistig,

schliesslich kann sich niemand mehr vorstellen, Serien und Shows

einfach (nur noch) im analogen TV zu schauen. Streaming ist die Zukunft

– und beim Gaming ja teilweise schon Realität, wie zum Beispiel PlayStation

Now zeigt. Da ist dieser nächste Schritt, Videospiele jederzeit auf allen

gängigen Devices zugänglich zu machen, ja nur logisch, nicht?

Rainer: Auf den ersten Blick, ja. Ich bin aber noch etwas skeptisch was

den möglichen Markt dafür angeht. Ich glaube nicht, dass es ein riesiges,

ungenutztes Potential an Kunden gibt, die auf diesen Service gewartet haben.

Die Gamer müssten also primär von der Konkurrenz überlaufen und

ich sehe derzeit wenig Gründe, warum diese ihr vertrautes Ecosystem verlassen

sollten.

Schimun: Das hiess es beim Film- und Serienstreaming doch eh auch mal.

Und jetzt schreie ich PewDiePie auf Youtube an, während ich diese Zeilen

schreibe. Für mich klingt es zunächst auch etwas erschlagend, meine Games

neben PlayStation, Xbox, Switch und PC auf einer weiteren Plattform

zu spielen. Allerdings benutze ich auf dem PC auch bereits Steam, Epic,

Blizzard, Origin und Uplay und es macht mir nichts aus – die einen Titel sind

hier zuhause, die anderen da, Hauptsache, ich kann sie spielen. Den wichtigsten

Punkt kann aber keiner der Anbieter selbst angehen: Wie soll die

unglaubliche Datenmenge, die zum Zocken von Blockbuster-Releases per

Internet übertragen werden muss, garantiert ohne Unterbruch bei meinem

Device ankommen?

Rainer: Den PewDiePie-Halbsatz überhöre ich grosszügigerweise mal.

Hinsichtlich der Datenmenge hast du aber recht. Ich hab daheim ein properes

Internet-Abo und trotzdem kommt es gelegentlich vor, dass z.B. You-

Tube-Videos kurz stocken. In einem Mutliplayer-Game entscheiden Sekunden

über Sieg oder Niederlage. Ich hab keine Lust, dass mir ein Schluckauf

in der Leitung einen Strich durch die Headshot-Rechnung macht. Ich bin

ohnehin schon schlecht genug. Der Vergleich mit Netflix & Co. funktioniert

allerdings nur bedingt: Die Entwicklung eines AAA-Games kostet schnell

mal über 100 Millionen und dauert locker 2 – 3 Jahre. Versteh mich nicht

falsch, ich glaube die Technik ist zukunftsweisend, aber auch bei einer optimistischen

Sichtweise steht Google vor einigen dicken Herausforderungen.

Schimun: Die grossen Netflix-Originale – vor allem die Serien, die Filme

schwächeln ja ziemlich – hinken den Produktionen «klassischer» Sender

und Studios ja nicht mehr oder kaum mehr hinterher. Streaming funktioniert

dann, wenn du genug Abonnenten hast, um die Kosten wieder reinzuholen

– so müssen auch grosse Publisher keine Verluste einfahren. Ich

denke schon, dass die Rechnung aufgehen kann. Das Internet-Problem unterwegs

besteht trotzdem noch. Aber: Ich bin optimistisch gestimmt und

auch wenn ich nicht davon ausgehe, dass ich die Stadia von Anfang an so

liebhaben werde wie die Switch – war vor zwei Jahren ja auch ne ziemliche

Innovation –, gebe ich ihr auf jeden Fall ne Chance. Der Idee dahinter

sowieso.

Rainer: Ich versuche die Stimmen in einem Kopf abzustellen die «Google

Glass», «Google Plus» und noch ein paar andere gescheiterte Projekte des

Tech-Riesen flüstern und Stadia ebenfalls eine Chance zu geben. Bis es

soweit ist können wir ja noch ein bisschen «Smash Bros.» spielen. Vielleicht

hören dann auch die Stimmen auf. Ich…ich glaube ich brauche Hilfe,

Schimun.

Schimun: Ich prügle sie aus dir raus. Im Pokémon Stadium. Im…Pokémon

Stadia. Oh Gott…


DIORAMA-EIERSCHAUKELEI

YOSHI’S CRAFTED WORLD

VON GOOD-FEEL/NINTENDO • FÜR SWITCH

Die «Jööö, so fucking herzig!»-Quietscher sind gerade erst verhallt

(hat immerhin fast vier Jahre gedauert), da knallt uns Good-Feel nach

«Woolly World» die nächste «Yoshi»-Cuteness-Overload vor den Latz.

Statt gestrickt ist diesmal alles gebastelt – die 2.5D-Levels bestehen aus

gefaltetem Karton, zusammengeknüllter Alufolie und auf Zahnstocher

gesteckten Kronkorken. Das ist unfassbar süss, lächerlich detailliert und

schön einzigartig – auch wenn hie und da Erinnerungen an «LittleBig-

Planet» wach werden. Wie seine Vorgänger ist auch «Crafted World» ein

grundsolider Platformer mit präziser, simpler Steuerung und spielt sich,

wie es aussieht: locker und leicht. Zwar zieht der Schwierigkeitsgrad

nach einer Weile ein wenig an, Bildschirmtode wirst du trotzdem kaum

erleben – ausser vielleicht, du zockst um fünf Uhr morgens nach einem

Pubcrawl mit nur einer Hand, weil du in der anderen deine Spasszigarette

hältst. Tricky wird’s dann, wenn

du sämtliche Smiley-Blumen (jep,

Smiley-Blumen, es ist ein «Yoshi»-Game,

okay?) sammeln willst. Die sind zum einen mehr oder weniger

gut versteckt, zum anderen werden sie fürs Erfüllen bestimmter Aufgaben

verliehen – wie das Einfangen von Hundewelpen auf der Rückseite

jeder Stage, die Dioramen können nämlich gedreht werden. Ausserdem

gibt’s Blumen fürs Finden bestimmter Items, was ein wenig «Where’s

Wally?»-Feeling versprüht. Wenn du der Typ dafür bist, macht’s Spass

– dass du dadurch jeden Level vier-, fünf-, sechsmal (kein Seich!) durchackerst,

müffelt allerdings ein wenig nach faulem Gamedesign. Immerhin

siehst du so garantiert jeden Zentimeter dieses wunderhübschen Bastelbogens.

(shy)

wwwvv

#165 | APRIL 2019

45

Die Erfinder der «Dark Souls»-Formel wenden

sich von selbiger ab und liefern mit «Sekiro»

ein neues Konzept, das auch Veteranen der

beliebten Spielereihe ordentlich zusetzen wird.

Umdenken ist angesagt, nur schon, weil die

Vertikale durch den Greifhaken nicht länger

euer Feind ist, sondern auch, weil die Kämpfe

nicht selten in epischen Schwertduellen enden,

die irgendwo zwischen Paartanz und Rhythmusspiel

ansetzen. Was auf den ersten Metern

wirklich jeden Spieler überfordert, stellt

sich als absolut geniale und erfrischend neue

Spielweise heraus. «Sekiro» fordert vom Spieler einiges an Zeit, um viele

Mechaniken neu zu erlernen, wer sich jedoch darauf einlässt, bekommt

nicht weniger als das beste From-Software-Game seit «Bloodborne». Und

das will was heissen. (vlct)

wwwww

NINJA-MASOCHISMUS-PERFEKTION

SEKIRO:

SHADOWS DIE TWICE

VON FROM SOFTWARE • FÜR PS4, XBOX ONE, PC

CLOUD-RETTER

FINAL FANTASY VII

VON SQUARE ENIX • FÜR NINTENDO SWITCH, XBOX ONE, PS4

Square Enix hat keinen guten Track-Record, wenn es um das Einhalten

von Release-Daten geht. Gut möglich, dass das längst überfällige

Remake von «Final Fantasy VII» noch eine Weile auf sich warten

lässt. Bis dahin sind wir mit dem Original von 1997 versorgt, dass

nun auch für die Switch und Xbox One erhältlich ist. Der Einfluss

von «Final Fantasy VII» lässt sich bis heute kaum überschätzen: Das

epische Abenteuer um den Söldner Cloud hat das Rollenspiel-Genre

im Westen etabliert und selbst wenn die Polygon-Grafik etwa so

gut gealtert ist wie Val Kilmer (nicht googeln, es ist so sad!), so ist

die hochgradig philosophische Story

über einen Megakonzern, der den Planeten

ausbeutet doch aktueller den je.

Ein Klassiker für die Ewigkeit und eines

der besten Videospiele aller Zeiten.

wwwww


COMIC

Kriegsrat zwischen Praktikant Bruno und

seinem mysteriösen Auftraggeber.

Wahre

Geschichten

aus unserem

Büroalltag

Episode 3:

Senpai Shitstorm

Was bisher geschah: Die Yakuza haben sich mit einer

Zweigstelle bei RCKSTR eingemietet - derweil plant der

neue Praktikant insgeheim den Untergang des Verlagshauses.

(Alle bisherigen Episoden findest du auf issuu.com/rckstr)

#165 | APRIL 2019

46

...selbst die Skorpione im Wasserkocher konnten

ihnen nichts anhaben. Jeder Versuch, die Belegschaft

auszulöschen, schlug bislang fehl!

Derweil im Pausenraum

Wer hätte gedacht, dass

ein Yakuza als Untermieter

so nett sein wird.

Die Zeit wird knapp! Wenn

nicht bald uns der Titel

vom letzten Printmagazin

der Welt gehört, wird

deine Strafe grausamer

sein als ein im Alpamare-

Wasser aufgewärmter

Tankstellen-Hotdog.

Und all das

leckere Gratis-Opium,

das jetzt ständig überall

rumliegt!

Eine kleine Bitte: Nächste

Woche kommt meine Vorgesetzte,

Witwe Onozaki,

aus dem japanischen

Hauptquartier zu einem

Kontrollbesuch vorbei ...

Hey Leute. Ich bin jetzt seit einem Monat hier

und vom etwas salzig schmeckenden Teewasser

abgesehen, habe ich mich prima eingelebt.

Er macht den Deckel

beim Pinkeln immer hoch!

Super Sache!

OPIUM!

Oh, ich bin mir sicher, Witwe Onozaki

wird ihren Besuch bei RCKSTR todsicher

nicht vergessen. Hrhrhrhr...

Kein Problem!

... es darf absolut nichts schiefgehen, sonst wird

meine Strafe grausamer sein als ein im Sento-

Abwasser aufgewärmter Tankstellen-Hotdog.

to be

fortgesetzt...


THE FESTIVAL FOR

MOVIE, GAME, COSPLAY

& COMIC FANS.

3.–5.5.2019

5

CELEBRATING 5 YEARS!

Jubilee Specials!

FANTASYBASEL.CH

©

C. Scheurer


LIVE

12/04

MADSEN DE

INDIE-ROCK

19 Uhr/CHF 35.–

SALZHAUS

28/04

CHELOU UK

ELECTRONICA / FOLK / PSYCHEDELIC

19 Uhr/CHF 26.–

FREITAG 03 MAI

ZÜRICH

EXIL

TICKETS: STARTICKET.CH

25/05

STAHL-

BERGER CH

POP

20 Uhr/CHF 30.–

30/05

DEER-

HUNTER UK

SHOEGAZE / NOISEROCK / PSYCHEDELIC

19 Uhr/CHF 36.–

SRF 8×15

11Ä, BLACK TROPICS, COBEE, JULDEM

GIAN, SISSY FOX, NAOMI LAREINE 5.4.

13.4. • 21+

80S FOREVER

18.4. • COUPE ROMANOFF

13.4. • 18+

KISS THE RAINBOW

FABIAN

UNTEREGGER

TROPICAL SOUNDS 19.4.

BUNNYWOOD

AND THE RESERVE MEN

21.4. • 18+

LICK THE DJ 21.4.

SPIELABEND 20.4.

CARNAGE

26.4.

FEAST

3.5. • US • MACBETH JOKER STAGE

PROGRAMM VORSCHAU

4.5. ANCIENT TRANCE IV 11.5. ALLISON + SILVER DUST FABRIK SESSIONS

17.5. BRAINHOLZ, THE MINX, WORRY BLAST 18.5. DOCTOR P UK

24.5. THE TWO 26.5. LYSSER BANDFESTIVAL 29.5. THE TIMELINE

KULTURFABRIK KUFA LYSS • WWW.KUFA.CH

APRIL 2019

ROGERS

10.4. • DE • MACBETH JOKER STAGE

20.4. • DEADWOOD SALOON

SLAM

& HOWIE

LANDRO

1.5. • UK

DR. FEELGOOD

THE WORD ALIVE

ZUMBA

SEELAND

PARTY 27.4.

10.5.

FORGE

DRÏZELLA + MANTYS

+ IRONY OF FATE

12.4. • FABRIK SESSIONS

COLOR RUSH

3.4. • 18+

GREEN EDITION • 18.4.

27.4. • SUPPORT: CINNAY

DISCO DISCO

UNTERSTÜTZT DURCH:

Gemeinde

Lyss

1 2 . A U G U S T

DY N A M O Z Ü R I C H

TICKETS: STARTICKET.CH | PENNYWISDOM.COM | MAINLANDMUSIC.COM


The Cinematic Orchestra

ONLY SWISS SHOW

26.05.19

TÜR

DOCKS.CH

SHOW

19.00 20.00


#165 | APRIL 2019

50

AUSGEHEN

Auf Nummer

sicher zum Exzess

6 ZAHLEN

ZUR KOMMENDEN

elrow-PARTY

3

Zum dritten

Mal dürfen wir nun

schon eine der weltweit

erfolgreichsten Partyreihen nach

Zürich bitten. Am 11. Mai zelebriert

das in Barcelona gegründete und

inzwischen global florierende Label

Elrow im X-Tra in Zürich. Wer sich

eines der letzten Tickets sichern

will, sollte schneller zugreifen

als der Schuss einer Konfettikanone.

1870

Aus der Taufe

gehoben wurde Elrow

einst von den Geschwistern

Juan und Cruz Arnau. Partys

schmeissen ist für sie Familientradition,

die bis ins vorletzte Jahrhundert

zurückreicht - angefangen mit der

Gründung vom Café Josepet im Jahr

1870, später in geschichtsträchtigen

Locations wie dem Club

Florida 135 am Strand von

Barcelona.

07816

BPM

Diese

Postleitzahl führt dich

zum Amnesia auf Ibiza. Seit

Jahren pflegt die Elrow dort eine

Residency und hat somit den legendären

Grossraum-Club zu seinem

inoffiziellen Hauptquartier gemacht.

Für einmal brauchst du dich für das

Spektakel aber nicht ins Flugzeug

zu setzen, das 4er-Tram

reicht vollkommen aus. Mit Eats Everything

steht diesmal ein

Headliner an den DJ-Desks,

der seit acht Jahren zur Elite

der englischen Electro-Szene zählt.

Double E unterhält mit Edible sein

eigenes Label und legte schon am

Coachella und Tomorrowland auf.

Ebenfalls in dieser Nacht für den

Soundtrack zuständig sind Toni

Varga, Tini Gessler und

Animal Trainer.

8

500

Apropos bunte

Papierschnipsel: Rund

500 KIlo regnen jeweils an

einer Feier aufs Publikum hinab.

Können wir bezeugen, denn noch

heute schütteln wir uns welches von

der letzten Ausgabe aus der Frisur.

Weiter sorgen eine aufwendige

Deko und kostümierte Street

Artists auf Stelzen für den

weltweit einzigartigen

Elrow-Effekt.

15. 90

So viel kostet

ein Poulet Pepito beim

Millennium Grill vis-à-vis

vom X-Tra. Ein solches wirst du

auch dringend nötig haben, wenn

du irgendwann bei Sonnenaufgang

aus der Fete wankst und dir

eine mit Cocktailsauce benetzte

Stärkung ins breiteste Grinsen

drückst, das du dir diesen

Frühling anfeiern

wirst.


13.– 15. JUNI 2019 INTERLAKEN WWW.GREENFIELDFESTIVAL.CH

SLIPKNOT DIE TOTEN HOSEN SABATON

AMON AMARTH DROPKICK MURPHYS ELUVEITIE

PAPA ROACH WITHIN TEMPTATION BEHEMOTH

FEINE SAHNE FISCHFILET LAMB OF GOD

FRANK TURNER & THE SLEEPING SOULS MILLENCOLIN

AT THE GATES SALTATIO MORTIS HALESTORM

ESKIMO CALLBOY ME FIRST & THE GIMME GIMMES

BEARTOOTH GRAVEYARD

THE AMITY AFFLICTION

WHILE SHE SLEEPS KVELERTAK ZEBRAHEAD

AMARANTHE TESSERACT UNDERØATH

OUR LAST NIGHT SONDASCHULE

HÄMATOM

THE BABOON SHOW STATE CHAMPS

POWER TRIP MONTREAL

THE PEACOCKS

CHELSEA DEADBEAT COMBO CELLAR DARLING

CANE HILL HELLVETICA

ALMØST HUMAN


AUSGEHEN

24.4. Exil (Zürich)

GIG

NILÜFER YANYA

#165 | APRIL 2019

52

Endlich geht es darum,

ihr eigenes Album in

die Welt zu bringen –

und dafür hat Nilüfer

Yanya schon viel geübt.

Sie war Support

für Acts wie The xx,

Interpol, Broken Social

Scene und Sharon Van

Etten – wo sie sich am

wohlsten gefühlt hat,

denn bei allen anderen

war sie hinter der

Bühne wahrhaftig die

einzige Frau weit und

breit gewesen.

von Christian K. L. Fischer

FUN

STUFF

LIKE

THAT!

Allerdings stand sie da überall

noch vor einem Publikum,

dass eigentlich nicht wegen

ihr da war. Doch: «Ich fand es

sogar einfacher – weil es weniger

Druck gab. Es waren ja

nicht meine Shows …» Nach

dem Motto: Wenn es nicht

funktioniert, wird sich sowieso

niemand an sie erinnern. «Es

gibt einfach nichts zu verlieren.

Und wenn das Publikum

doch mag, was ich da tue, um

so besser. Ich habe mich irgendwie sogar daran gewöhnt, Support

zu sein», lacht sie. «Doch jetzt werden die Leute kommen, um wirklich

mich zu sehen.» Was natürlich die Frage aufwirft, was sie dann

da oben vorhat – eine Frage, die sie sich selber auch noch stellt. «Es

ist in der Entwicklung, und diese Entwicklung wird auch nicht aufhören,

wenn wir unterwegs sind. Im Sommer werden wir uns vielleicht

gefunden haben.» Wie immer sieht die 23-Jährige alles als offenes

Experiment, was dazu führen wird, dass jede Show zu Beginn etwas

neues und einzigartiges sein dürfte.

Von der Cloud in den Hype

Auch bei Nilüfer begann der Erfolg wie so oft heutzutage – sie lud

einfach ein paar Songs auf Soundcloud hoch, und die Welt hörte

ihrem reduzierten Indie-Rock und der souligen Stimme zu. Das war

2016 und sie selbst war gerade 18 Jahre alt. Kurze Zeit später folgten

schon drei EPs, und ratzfatz war sie auf der Watchlist der grossen

Musikmedien, die alle nur darauf warteten, ob ein Album all das, was

ihr Output versprach, auch halten konnte. Die klassische Dynamik des


Hypes also. Was die Künstlerin selbst relativ kalt gelassen hat, denn für

Nilüfer Yanya begann alles viel früher. Als Kind von Künstlern und mit

einem Onkel, der als Produzent und Session-Musiker arbeitet und

schon früh mit ihr jammte, war Musik einfach etwas, das zum normalen

Leben dazugehörte, nicht etwas, dass von aussen kam,

von Stars oder Antihelden, deren Image und Erfolg sie faszinierte.

Es war Teil des Familienlebens. Deswegen scheint es

auch, dass sie gar keine andere Möglichkeit gehabt hatte,

als selber Künstlerin und vor allem Musikerin zu werden.

Und alles geschah sehr schnell: die hohe Frequenz, in

der ihre EPs erschienen, dazu die vielen, hochkarätigen

Supportauftritte und vor allem das Schreiben,

Aufnehmen und Produzieren immer neuer Lieder.

Ganz zu schweigen von all dem, was organisatorisch

und geschäftlich in dieser Zeit passieren

musste. «Es ist schon lustig – je erfolgreicher ich

werde, desto weniger Raum finde ich, um wirklich

Musik zu machen. Das ist schon eigenartig

… Ich rede mittlerweile mehr darüber, als

das ich welche mache. Ich fange fast an,

mir wie ein Fake vorzukommen.»

Klar, sie hätte einfach so, ohne

5

STATEMENTS,

Labelvertrag weitermachen können, es gibt ja mehr als genug Beispiele

von Leuten, die einfach nur auf woauchimmer ihre Lieder hochladen und

damit trotzdem Millionen erreichen. Aber Nilüfer musste ja unbedingt ein

echtes Album aufnehmen, und das schreit auch heute noch nach klassischen

Strukturen. «Ich wusste schon immer, dass ich genau das tun wollte.

Und es wurde langweilig, EP nach EP nach EP aufzunehmen.» Trotzdem

entstand «Miss Universe» in einem sehr engen Zeitrahmen, der sich,

wie sie zugibt, auch direkt auf die Lieder ausgewirkt hat. «Vielleicht hätte

ich es sogar völlig anders gemacht, wenn ich länger darüber hätte nachdenken

können. Aber ich bin trotzdem stolz auf alles. Denn ein grosser

Teil bei dieser Aufgabe war ja auch die Antwort auf die Frage, ob ich es

überhaupt schaffen kann …»

Skits statt Klicks

Doch so sehr sie jedes Lied liebte, am Ende fehlte der Londonerin da

etwas. Der Klebstoff, der in ihren Augen alles erst zu einem Gesamtwerk

zusammenschloss, wurden die kleinen Skits, die am Anfang und an vielen

Stellen des Album eine übergeordnete Story eröffnen und die Nilüfer erst

am Ende der Aufnahmen realisierte. Was noch einmal betont, dass sie bei

diesem Projekt in klassischen Bahnen gedacht hat, denn auf Spotify werden

diese Details niemanden interessieren und die Klickzahlen mit Sicherheit

nur einen winzigen Bruchteil von denen der Lieder erreichen. Aber

im Kontext eines Vinyls geben sie allem erst den Sinn. «Und es machte

einfach Spass!» Diese gesprochenen Interludes sind die automatisierten

Botschaften einer fiktionalen Gesundheits-Managementfirma namens

WWayHealth. Man schreibt sich ein und sie kümmern sich anfangs um

deinen Ernährungsplan, übernehmen dann die Planung deiner Medikamente

und vielleicht haben sie sogar bessere Organe für dich, «… und

plötzlich wird es eigenartig», erklärt Nilüfer. Wenn irgendwie möglich, will

sie auch diese Skits live einbauen, um mehr als einfach nur einen Song

nach dem anderen zu spielen. «Das würde ich echt immer gerne machen,

aber mal sehen. In der Londoner Show zumindest werden auch mal die

Lichter ausgehen und die Stimme wird aus dem Off kommen … fun stuff

like that!» w

mit denen du beim Gig von

Nilüfer Yanya neue Freunde an der Bar findest:

«Gewusst? Mit ihrer Schwester betreibt Nilüfer

das Projekt ‹Artists in Transit›, das Musik-Workshops

für Flüchtlinge organisiert. Gute Sache.»

«Normalerweise gebe ich ja nicht so viel darauf,

aber ‹Miss Universe› wurde von Pitchfork

zum Album der Woche gewählt.»

«Erinnert sie dich auch so an King Krule?

Den hab ich übrigens vorletzten

November in der Roten gesehen.»

«Das Line-up vom Primavera Festival in

Barcelona ist dieses Jahr dermassen geil,

wahrscheinlich gehe ich hin und

sehe sie dann wieder.»

« SHOTS!»

#165 | APRIL 2019

53


AUSGEHEN

27.4. Nordstern (Basel)

SOLOMUN

BPM

Jeden Donnerstag, Gonzo (Zürich)

#165 | APRIL 2019

54

DISCO BISCUIT

Walking into the weekend like [siehe Bild]. Old School Disco Vibes mit

neuem Touch verwandeln das Gonzo jeweils zur Underground Edition

vom Studio 54, wenn wechselnde DJs ihren Mix aus Soul, Funk, Wave

und Chicago House zum Disco Biscuit backen. Im April bitten unter anderem

Patric Pleasure, Kid Testarossa und Melodiesinfonie zum gepflegten

Boogie. Alle Studenten bezahlen übrigens die ganze Nacht lang keinen

Eintritt – da überlegen selbst wir uns, ob wir nicht vielleicht doch diesem

Medizinstudium noch eine Chance geben sollten. (rec)

26.4. Härterei (Zürich)

GIANT ROOKS

GIG

BPM

So Kinder, jetzt mal kurz Pause machen bei «GTA Online». Solomun,

der im Game als NPC-Figur vertreten ist, gibt es nämlich auch

in echt. [Head explodes] Krass, nö? Und das auch nicht zu knapp

erfolgreich: Der DJ und Produzent mit Homebase Hamburg zählt

zu den prominentesten Impulsgebern der House- und Electro-Szene.

Residencies im Pacha von Ibiza, Remixes für Lana Del Rey oder

die Foals und eine Radioshow, die in über 30 Ländern gesendet

wird, zeugen dabei von Solomuns überaus erfolgreicher Umtriebigkeit.

Also: Nicht «WASTED» sein, sondern ab ins Nordstern. (rec)

Es verwundert nicht, dass der eigentlich im Exil geplante Gig der Giant Rooks in die

weitaus grössere Härterei verlegt werden musste. Spätestens seit dem letzten Festivalsommer

hat sich die Band aus dem deutschen Nest Hamm (hier bitte irgendeinen

«Mad Men»-Witz einfügen) als ganz grosse Indie-Rock-Hoffnung etabliert, deren verträumt-verhuschte

Songs an Kollegen wie The Shins, Beach Fossils oder Surfer Blood

erinnern. Und wenn dabei weiter solch funklende Hits wie «New Estate» entstehen,

dürfte auch die Härterei bald zu klein sein für die Jungs. (rec)


KIFF

27.4. Escherwyss (Zürich)

AARAU

RATTLE’N’ROLL

GIG

Die Rattle’n’Roll liegt uns nicht nur deshalb

am Herzen, weil wir drei Jahre in Folge den

Kostüm-Contest ihrer Halloween-Ausgabe

gewonnen haben. (Pause für Applaus) Das

retro-schicke Gipfeltreffen der Petticoats

und Ducktailhäupter wusste bislang schon

immer mit formidablen Line-ups und liebevoll

gestaltetem Rahmenprogramm zu

entzücken. Nach mehrjähriger Pause, wo

sich R’n’R-Impressario und Head of Vinyl

Hop Lance Vegas auf kleinere Formate

konzentriert hat, wird jetzt endlich wieder

auf grösserem Boden gerasselt und gerollt.

Anlass dazu gibt unter anderem auch der

Headliner: Die Hillbilly Moon Explosion feiert

nicht nur ihr neues Album «The Sparky

Sessions», sondern mit einer speziellen Jubiläumsshow

auch das 20-jährige Bestehen.

Die Combo aus Zürich mit der stimmgewaltigen

Frontfrau Emanuela Hutter

(Bild) ist während den letzten zwei Jahrzehnten

zu einem der gefragtesten Rockabilly-Acts

im In- und Ausland geworden,

wobei sie immer auch durch ihre musikalische

Vielfältigkeit zu glänzen wusste und

die Saiten mitunter zum Sound von Country,

Surf, Garage Rock und Chanson zupfte.

Für ihren neuen Longplayer spannte die

Hillbilly Moon Explosion mit Demented Are

Go Sänger Sparky zusammen, der speziell

für diesen Gig ebenfalls auf der Bühne stehen

wird. Als Aufheizer dienen zudem The

Booze Bombs aus Deutschland. Und selbst

wenn wir uns diesmal nicht verkleiden

dürfen (unsere Bill-&-Ted-&-Telefonzellen-

Idee ist aber noch nicht vom Tisch), am

Start für diese frühlingshafte Rattle’n’Roll

sind wir definitiv. (rec)

12.04

JAMARAM De

JAH CHANGO es

12.04

EMILIE ZOé ch

13.04

LEMMY BASH IV

MIT KILMISTER ch

& FRIENDS

16.04

NAPALM DEATH Uk

26.04

ELIJAH

SALOMON ch

JO ELLE ch

28.04

CASEY Uk

03.05

BLOCKFLÖTE DES

TODES De

09.05

TRADE WIND Usa/can

14.05

POLAR Uk

16.05

RINGS OF

SATURN Usa

17.05

DAS PARADIES De

18.05

DICHT &

ERGREIFEND De

23.05

FIT FOR

AN AUTOPSY Usa

24.05

MNEVIS ch

31.05

MUTHONI DRUM-

MER QUEEN ch

03.06

KNOCKED

LOOSE Usa

TickeTs: WWW.sTarTickeT.ch

More infos & shoWs: WWW.kiff.ch


AUSGEHEN

3. - 5.5. Messe Basel (Basel)

FANTASY BASEL

ART

Im Februar fand zum letzten Mal die Muba

statt und ohne jetzt jemandem aufs Grab pinkeln

zu wollen: Wer will schon Einbauküchen

besichtigen, wenn man dem Verfasser von

Dagobert Ducks offizieller Biografie die Hand

schütteln kann? Also bitte die Teelichter zum

Gedenken der Traditionsmesse beiseite räumen

und Platz machen für The Swiss Comic

Con, die auch in diesem Jahr und seiner fünften

Ausgabe mit einem exquisiten Programm

und Line-up ihre Lockrufe in alle Richtungen

des Dreiländerecks aussendet. Stargäste wie

Ricky Whittle («American Gods»), Julian Glover

(«Star Wars», «Indiana Jones»), Natalia Tena

(«Harry Potter») sowie Don Rosa (legendärer

Disney-Zeichner) schwingen unter

anderem den Autogrammstift und

international gefeierte Cosplayer

wie Kinpatsu aus Südafrika sorgen

mit ihren fantastischen

Kostümierungen für Hingucker auf

den Gängen der Messe Basel. Weiter

garantieren zahlreiche Aussteller

und Panelists aus dem Comic-, Fantasy-

und Gaming-Bereich während

drei Tagen und auf über 60’000

Quadratmetern für ein vollumfängliches

Otaku-Nirwana. Und wer dann

irgendwann mal genug von den

neusten Videospielen angezockt, Käffchen

in der Steampunk-Teestube genippt und sich

durchs Japan Village geshoppt hat, soll doch

gerne auch noch an der Plausch-Booth von

RCKSTR vorbeirauschen. Wir freuen uns über

jeden Besuch, mit dem wir unseren «Game of

Thrones»-Artikel auf den Seiten 36 und 37 so

lange debattieren können, bis uns die Security

mit Fischfangnetzen voneinander trennen

muss. (rec)

#165 | APRIL 2019

56

12.4. Dynamo (Zürich)

GIG

CARI CARI & PRESSYES

& FAREWELL DEAR GHOST

Österreichs Popszene ist momentan

heisser als die Anfangssequenz von

«Hundstage» (irgendwelche Ulrich-

Seidl-Fans im Haus?) und an diesem

Konzertabend lassen sich gleich drei

der vielversprechendsten Acts straight

outta Austria entdecken. Neben

Farewell Dear Ghost (Gewinner des

renommierten Amadeus Awards

2018) und Pressyes (das neue Soloprojekt

des ehemaligen Velojet-Sängers)

sind wir ganz besonders hin

und weg vom Duo Cari Cari (Bild),

deren sphärisch-entspannte Songs

ganz besonders Fans von The xx aufhorchen

lassen sollte. (rec)


GIG

27.4. Fri-Son (Fribourg)

GIG

EBONY BONES

Du hast es ja vielleicht in

den vergangenen Wochen

mitbekommen: Läuft grad

nicht so in England. Eine, die

gegen den Isolationismus

ihrer Heimat ansingt, ist Ebony

Bones. Und die Londonerin

tut das, indem sie die

Grenzen musikalischer Genres

einreisst: Electro-Punk,

Afro-Pop, Avant-Jazz – alles

darf mit auf Ebonys Tour de

Force. Auf ihrem aktuellen

Album, dem letztjährigen

«Nephilim», durfte selbst

das Beijing Philharmonic Orchestra

mitmischen. Dieses

passt leider nicht ganz ins

Fri-Son mit rein, eine furiose

Show wird es dennoch garantiert.

(rec)

12 APR 2019 | ZÜRICH, X-TRA

STICK TO YOUR GUNS

12 APR 2019 | ZÜRICH, DYNAMO

CARI CARI & PRESSYES & FDG

13 APR 2019 | ZÜRICH, HALLE 622

LUKAS GRAHAM

13 APR 2019 | ZÜRICH, PAPIERSAAL

JACK & THE WEATHERMAN

09 MAY 2019 | ZÜRICH, EXIL

THOMAS AZIER

10 MAY 2019 | ZÜRICH, LETZIGRUND

METALLICA

11 MAY 2019 | ZÜRICH, PAPIERSAAL

WHISKEY MYERS

14 MAY 2019 | ZÜRICH, VOLKSHAUS

LP

15 MAY 2019 | ZÜRICH, X-TRA

BOYCE AVENUE

15 MAY 2019 | ZÜRICH, EXIL

JAMES HERSEY

17 MAY 2019 | ZÜRICH, PAPIERSAAL

THE SLOW READERS CLUB

18 MAY 2019 | ZÜRICH, DYNAMO

THE DREADNOUGHTS

24 MAY 2019 | ZÜRICH, X-TRA

ONE OK ROCK

29 MAY 2019 | ZÜRICH, EXIL

KID TRUNKS & CRAIG XEN

04 JUN 2019 | ZÜRICH, MASCOTTE

SINKANE

05 JUN 2019 | ZÜRICH, HALLENSTADION

EAGLES

22 JUN 2019 | LUZERN, SCHÜÜR

KÄPTN PENG & D.T.V.D.

25 JUN 2019 | ZÜRICH, HALLENSTADION

TOOL

28 JUN 2019 | ZÜRICH, EXIL

BLACK HONEY

07 JUL 2019 | ZÜRICH, DYNAMO

FOXING

3. - 5.5. div. Locations (Zürich)

ZÜRICH TANZT

ART

Ist ja nicht so, als würde Zürich das ganze Jahr über auf seinem Arsch sitzen wie ein schüchterner

Teenager am Schulball. Doch zu diesem Festival bringen Dutzende Tanz-Kurse, Performances

und Partys die Richterskala der Limmatstadt zum Hüpfen. Du willst Disco Fox

lernen für die dritte Hochzeit deines Vaters? Check. Du willst bei einem Voguing-Catwalk in

der ersten Reihe sitzen? Check. Du willst von der, ehm, «gender- und speziesfluide Drag-

Kuh» Soya (Bild) verklickert bekommen, ab wann es okay ist, dem Gegenüber auf dem

Dancefloor an die Hüfte zu fassen? Check! (rec)

10 JUL 2019 | ZÜRICH, LETZIGRUND

BON JOVI

12 AUG 2019 | ZÜRICH, DYNAMO

PENNYWISE

15. - 18 AUG 2019 | GAMPEL-BRATSCH

OPEN AIR GAMPEL

26 AUG 2019 | ZÜRICH, VOLKSHAUS

HOZIER

04 SEP 2019 | ZÜRICH, PAPIERSAAL

KINGS

MORE SHOWS & TICKETS:

MAINLANDMUSIC.COM


The

CONTRIBUTORS DIESER AUSGABE

www

_________________________________

www

(aka Superschatzis of the Month)

wwwwwwwwww

t LAURA GEHRIG

Wenn die Kommunikations-Studentin nicht damit beschäftigt

ist, sich über Gruppenarbeiten aufzuregen, schreibt sie

auch gerne für uns. Und dann am liebsten querfeldein von

der Langstrasse bis ins traute Heim eines LSD-Hippies. Für

diese Ausgabe hat Laura Flirttipps aus der Tierwelt zusammengetragen

und hofft jetzt, dass diesen Frühling ganz viele

Babies auf sehr kreative Weise gezeugt werden.

...und was wir sonst

noch gerne so ins

Heft gepackt hätten,

aber aus was

für Gründen auch

immer nicht mehr

geschafft haben:

wwwwwwwwww

#165 | APRIL 2019

58

SCHIMUN KRAUSZ u

Er hat den Laden hier mal geschmissen –

übrigens nach dem aktuellen Chefrevolverblättler,

wenn dieser also wieder abzieht,

muss Schimun folglich erneut ran wegen full

circle und so. Heute lebt er vom Online-Verkauf von Nacktfotos seiner wohlgeformten Waden und schreibt

im RCKSTR nur noch über Dinge, die ihm wirklich am Herzen liegen. Zum Beispiel Videogames. Eigentlich

ausschliesslich Videogames. Wenn jemand sein TeamSpeak- oder Discord-Handle will, um mit ihm zusammen

«Fortnite»-n00bz zu teabaggen, dann einfach melden. Das gilt auch bei Interesse für explizite Wadenfotos.

t VALÉRIE HUG

So. Fertig. Für mehr RCKSTR besuche uns auf:

@rckstr_magazine bei Instagram

@ROCKSTARmag bei Facebook

rockstar.ch in deinem Browser

Die nächste Augabe erscheint am 3. MAI ♥

Seufz. Zeit für ein Adieu. Während drei Jahren war Valérie

fürs RCKSTR tätig – zunächst als Praktikantin, anschliessend

als freie Autorin, die emsig über Musik und kulinarische

Themen schrieb. Aktuell macht Valérie ihren Master

in Kulturpublizistik an der ZhdK und schaut sich nun nach

neuen publizistischen Herausforderungen um. Sie verabschiedet

sich von uns mit einem Hauptartikel über das

Thema Food Waste und Verpackungswahnsinn – selber

wirkt sie dem unter anderem entgegen, indem sie ein

kleines Gemüsegärtchen aufzieht. Wir danken Valérie

ganz herzlich für ihren famosen Einsatz und sind gespannt,

wohin ihr Talent sie tragen wird.

Der neue «Hellboy» (ab 11.

April im Kino) (unter anderem

mit Ian McShane!)

sollte uns darüber hinwegtrösten,

wie öde die

neue Staffel «American

Gods» doch ist.

Good Cop Bad Cop heisst

das neue Soloprojekt von

Arctic-Monkeys-Drummer

Matt Helders und das

selbstbetitelte Debütalbum

ist dermassen gut,

wir möchten uns damit

am liebsten acht Stunden

lang in einem Verhörraum

einschliessen.

Wir sind uns noch nicht

ganz sicher, ob wir für

die neue Staffel von «Die

Bachelorette» wieder jede

Woche eine 10‘000 Buchstaben

lange TV-Kritik auf

unserer Website schreiben

wollen. Beim letzten Mal

ging das auf Dauer dann

doch ziemlich an unser

psychisches Wohlbefinden.

Irgendwelche Inputs?

Den Soundtrack von

RCKSTR #165 hören:

rockstar.ch/spotify


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of Sony Interactive Entertainment Europe. All rights reserved.. Days Gone outputs 2160p. Games and entertainment streaming services can output up to 2160p; PS4 Pro

upscales lower resolutions to 2160p. HDR not supported by all games and entertainment streaming services. 4K/HDR TV required for 4K and HDR. All rights reserved.


BA S I EREND AUF DEM KULT-HORRO R - ROMA N VON STEPH EN K ING

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AB 4. APRIL IM KINO

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