Broschüre: Völkische Verbindungen Kappen! - Gegen Faschismus jeder Couleur!

VoelkischeVerbindungenKappen

Inhalt:

Seite 3: Aufruf Völkische Verbindungen Kappen - Gegen Faschismus jeder Couleur!

Seite 4: Autoritär - Elitär - Reaktionär
Zur Kritik an Burschenschaften und Studentenverbindungen im Allgemeinen

Seite 8: Die Burschenschaft Markomannia Wien zu Deggendorf
Rechtsextreme Burschenschafter, Neofaschisten, Hooligans und die AfD vereint in der Passauer Altstadt

Diese Broschüre wurde von verschiedenen Gruppen verfasst,

die die Kampagne „Völkische Verbindungen Kappen - Gegen

Faschismus jeder Couleur“ unterstützen. Neben dem Aufruf

zur Kampagne soll die Broschüre wichtiges Hintergrundwissen

über allgemeine Kritik an Studentenverbindungen aber

auch das extrem rechte Netzwerk der Markomannia Wien zu

Deggendorf liefern.

Passau, April 2019

Völkische Verbindungen Kappen -

Gegen Faschismus jeder Couleur!

Autoritär - Elitär - Reaktionär

Zur Kritik an Burschenschaften und Studentenverbindungen im

Allgemeinen

Seite 3

Seite 4

Die Burschenschaft Markomannia

Wien zu Deggendorf

Rechtsextreme Burschenschafter, Neofaschisten, Hooligans und die

AfD vereint in der Passauer Altstadt

Seite 8

2


Völkische Verbindungen kappen!

Gegen Faschismus jeder Couleur!

Nach 16 Jahren kehrt die extrem rechte Burschenschaft Markomannia Wien zu Deggendorf

wieder nach Passau zurück und inszeniert sich als harmlose studentische Verbindung.

Damit kehrt nicht nur irgendein waffenstudentischer Männerbund nach Passau zurück,

die Markomannia fungiert mehr noch als Sammelbecken rechtsextremer Strömungen.

Sie ist offen völkisch und rassistisch gesinnt und pflegt enge Freundschaftsverhältnisse

zu den Mitgliedsbünden ihres völkisch nationalistischen Dachverbandes „Deutsche

Burschenschaft“ und der darin eingebundenen rechtsextremen „Burschenschaftlichen

Gemeinschaft“. Hinzu kommen Kooperationen mit anderen, teils neofaschistischen

Gruppen und Parteien. Personelle Überschneidungen mit der AfD, ihren Jungendorganisationen,

der Identitären Bewegung, der rechtsextremen Hooligan-Szene u.v.m. zeigen

die politischen Agitationsbestrebungen der Burschenschaft auf.

Ihre Räumlichkeiten in der Steiningergasse 10 (Altstadt Passau) nutzt die Markomannia

inzwischen wieder offen und führt dort u.a. Kneipenabende, aber auch interne

Kampfsport-Trainings mit politisch Gleichgesinnten durch. Kampfsporttreibende Neonazis

und Burschenschaftler, die sich Schulter an Schulter in Passau auf den Straßenkampf

vorbereiten?

Trotz alledem wird die Markomannia nicht als extrem rechte Organisation wahrgenommen,

sondern von der Zivilgesellschaft akzeptiert und teilweise sogar hofiert. Doch wir

müssen die Burschenschaft als das behandeln, was sie ist: Eine fest verankerte, rechtsextreme,

gut vernetzte und gewaltaffine Organisation mitten in der Passauer Altstadt. Die

Ausrichtung der Markomannia darf nicht einfach als traditionell-konservativ abgetan

werden – sie ist und bleibt völkisch, neofaschistisch und rassistisch.

Wir müssen intervenieren, wenn die Markomannia Veranstaltungen organisiert, um

Mitglieder zu werben, oder Kampfsport trainiert – wir müssen Widerstand leisten, uns

organisieren, widersprechen, kreativ und kämpferisch sein! Dass die Markomannia sich

hier erneut etablieren möchte, bedeutet auch, dass sie ihren Fuß auf Passauer Boden

bereits einmal verlor. Setzen wir alles daran, dass dies sich wiederholt!

Kein Raum den völkischen Nationalisten!

3


Autoritär - Elitär - Reaktionär

Zur Kritik an Burschenschaften und

Studentenverbindungen im Allgemeinen

Burschenschaften und andere Formen studentischer Verbindungen

sind seit Jahren wieder auf dem Vormarsch: Ihre Mitgliederzahlen

steigen und sie treten wieder häufiger an Hochschulen

auf. Mit dem Aufstieg von AfD und FPÖ mehrt sich

auch der politische Einfluss von Burschenschaften in den demokratischen

Institutionen.

Immer wieder wird dieser Einfluss und die extrem rechten Positionen

und Kontakte einiger Burschenschaften auch medial

thematisiert, zuletzt die Liederbuch-Skandale zweier österreichischer

Burschenschaften. So wichtig das Aufzeigen und

Thematisieren dieser Überschneidungen mit der extremen bis

neonazistischen Rechten auch ist, eine grundsätzliche Kritik

am studentischen Verbindungswesen und seinen Strukturen

kommt dabei häufig zu kurz. Dieser Text soll daher Argumente

liefern, Verbindungen und Burschenschaften anhand ihrer autoritären

Struktur und der männerbündischen Erziehung zur

Elite zu kritisieren. Dies ermöglicht eine grundsätzliche Kritik,

die sich nicht nur an jene Burschenschaften richtet, die offen

rechtsextreme Positionen teilen.

Erziehung zur männlichen Elite

„Hier werden Nachfolger aufgebaut,

Geld und Einfluß geltend gemacht,

Helfer und Verbündete unterstützt

und beharrlich Männer für Machtpositionen

selektiert.“ 1 Je wichtiger die

gesellschaftliche Position, desto eher

ist diese mit einem Mann aus dem

Milieu des gehobenen (und konservativ

eingestellten) Bürgertums besetzt. 2

Diese Prinzipien gelten auch heute

noch, auch dort, wo formale Gleichstellung

der Geschlechter garantiert

wird und Bildung angeblich keine Frage des Geldes sei. Während

in englischsprachigen Ländern oder in Frankreich eine

solche soziale Selektion vorrangig durch Eliteuniversitäten voll-

4

Kneipe“einer studentischen

Verbindung


1 Robert W. Connell,

Der gemachte Mann.

Konstruktion und Krise

von Männlichkeiten,

Opladen 1999, Seite

226.

2 Michael Hartmann,

Klassenspezifischer

Habitus oder exklusive

Bildungstitel als

Selektionskriterium?

Die Besetzung von Spitzenpositionen

in der

Wirtschaft, in: Beate

Krais (Hrsg.), An der

Spitze. Von Eliten und

herrschenden Klassen,

Konstanz 2001, Seite

161 ff.

3 Nicht alle Verbindungen

sind pflicht-/

fakultativ schlagend, es

wird also nicht in allen

Verbindungen Mensur

gefochten

zogen wird, erfüllen Studentenverbindungen in Deutschland,

Österreich und der Schweiz ganz maßgeblich die Aufgabe der

Erziehung zur Elite.

In den zentralen Institutionen studentischer Verbindungen,

der Kneipe, dem Konvent und der Mensur 3 , zeigt sich deutlich,

wie die Erziehung zur Elite vonstattengeht. Die Kneipe ist eine

Form des ritualisierten Feierns, bei dem nach strengen Regeln

Lieder gesungen, Bier getrunken und das Verhalten in gehobener

Gesellschaft geübt werden. Dort wird sich mit den alten

Herren, den Burschenschafltern, die häufig bereits in wichtigen

Positionen in Wirtschaft und Politik sitzen, vernetzt und deren

Habitus (Verhaltensweise) angeeignet. Der Verbindungsstudent

Roland Gierter sagte in der FAZ: „Es geht um die Herstellung

einer Gesellschaft von ‚gleichen unter gleichen‘ die sich durch

ihren Habitus erkennen und unterstützen ohne zu wissen, dass

sie Burschen waren.“ Es liegt auf der Hand, dass Frauen* diesen

Habitus, der durch Ritterlichkeit, Männlichkeit und Selbstdisziplin

charakterisiert ist, nach dem verbindungsstudentischen

Weltbild nicht annehmen können und folglich auch niemals

in den Genuss der eingeschworenen und sich unterstützenden

Gemeinschaft kommen können, von der Gierter hier spricht.

Verstärkt ist dies der Fall, wenn die Verbindung die Mensur,

also das Fechten mit scharfer Waffe, als Teil der Aufnahme in

die Gemeinschaft betrachtet. Bei der Mensur geht es nicht um

den sportlichen Wettstreit, sondern vielmehr darum, die eigene,

in ihrer Konzeption bereits rein männliche Ehre zu verteidigen

und im Angesicht der scharfen Klinge Selbstdisziplin zu zeigen

und nicht zurück zu weichen.

Studentenverbindungen verfestigen und fördern daher durch

Seilschaften und Kontakte, aber auch durch weniger offensichtliche

Faktoren wie den männlichen, verbindungsstudentischen

Habitus, bestehende patriarchale und klassistische Vorherrschaft.

Erziehung zur autoritären Persönlichkeit

Der Konvent ist, neben Mensur und Kneipe, die dritte wichtige

Institution studentischer Verbindungen. Er ist das höchste

Gremium innerhalb einer Studentenverbindung und seinen

Beschlüssen haben sich alle Mitglieder der Verbindung unbedingt

zu unterwerfen. Er ist äußerst undemokratisch aufgebaut,

vereint Legislative, Judikative und Exekutive in sich und nicht

alle Mitglieder, die von seinen Beschlüssen betroffen sind, besit-

5


zen auch Stimmrecht. Typisch für eine verbindungsstudentische

Laufbahn ist es, in der Fuxenzeit (ca. 1 Jahr bis zur Vollmitgliedschaft)

Demütigung und Schikane durch ältere Burschen ausgesetzt

zu sein. Wer die Drangsalierungen jedoch über sich ergehen

lässt, Selbstdisziplin zeigt und das Mannbarkeitsritual der

Mensur erfolgreich passiert, wird zum aktiven Vollmitglied der

Verbindung. Damit verdient sich der Student enormen Statusgewinn:

Er ist nun befugt, im Konvent mit abzustimmen, andere

Verbindungsstudenten zu schikanieren und die Verbindung

nach außen zu vertreten. Kurz gesagt, wer hart zu sich selbst ist,

erkauft sich damit das Recht, auch hart gegen Andere zu sein

und die erlittenen Demütigungen an denen zu kompensieren,

die jetzt in einer unterlegenen Rolle sind.

Das soziologische und psychoanalytische Konzept, das dieses

Phänomen betrachtet und erklärt, ist das der autoritären Persönlichkeit

von Theodor W. Adorno. Ursprünglich entwickelt

wurde es, um zu erklären, warum die deutschen Arbeiter*innen

entgegen ihrer objektiven Interessen den Nationalsozialismus

der kommunistischen Revolution vorzogen. Adorno identifizierte

die autoritäre Persönlichkeit als besonders anfällig für

faschistische Propaganda und unfähig dazu, wahre Empathie

oder Solidarität zu empfinden. „Aufgrund seiner sado-masochistischen

Strebungen kennt er [der autoritäre Charakter] nur

Beherrschung oder Unterwerfung, niemals aber Solidarität“. 4

Für eine ausführliche Besprechung der psychologischen Verfasstheit

sowie der sozialen Funktionen der autoritären Persönlichkeitsstruktur

fehlt an dieser Stelle der Platz. Sehr grob verallgemeinert

kann jedoch gesagt werden, dass das Individuum

in der modernen bürgerlichen Gesellschaft immer wieder mit

Widersprüchen und dem Gefühl der Ohnmacht (beispielsweise

durch Krisen oder Arbeitslosigkeit) konfrontiert ist. Dieser

Ohnmacht begegnet das Individuum dadurch, dass es sich mit

einem Kollektiv, das Gemeinschaft verspricht, identifiziert und

sich dadurch Handlungsmacht verschafft, Andere zu demütigen

und herabzuwürdigen, um so das eigene Ich narzisstisch aufzuwerten.

Mit der starken Bindung zum identitätsstiftenden

Kollektiv, dem Aufstieg innerhalb der Verbindung, dem damit

verbundenen Statusgewinn und der Demütigung von niedriger

Gestellten liefern studentische Verbindungen vermeintliche

Antworten auf die Ohnmacht der Individuen innerhalb der bürgerlichen

Gesellschaft und formen diese zu autoritären Persönlichkeiten.

4 Fromm, Erich (1941);

Die Furcht vor der Freiheit;

München 1990, S129.

6


Autoritär - Elitär – Reaktionär!

Fackelmarsch von

Burschenschatern

Auch wenn sie nicht offen mit der extremen Rechten und deren

Positionen sympathisieren, sind studentische Verbindungen

also reaktionäre Organisationen. Sie

festigen patriarchale Herrschaftsstrukturen

und sorgen dafür, dass

soziale Ungerechtigkeit zementiert

wird. Hinzu kommt, dass die in der

Verbindung zu autoritären Persönlichkeiten

erzogenen Männer durch

Seilschaften Zugang zu wichtigen

Positionen in Wirtschaft und Politik

haben. In Österreich, wo mehr als

die Hälfte aller männlichen FPÖ-

Politiker Teil einer Verbindung (in

den allermeisten Fällen Teil von

deutsch-nationalen Burschenschaften) sind, zeigt sich, wie bedeutend

diese Seilschaften sein können. Auch in Deutschland

haben Verbindungsstudenten ihre politische Heimat – neben

CDU und FDP – vor allem in der extrem rechten AfD gefunden.

Für eine emanzipatorische Politik, die darauf abzielt, Herrschaftsstrukturen

zu bekämpfen und die Grundlagen von Faschismus

und Autoritarismus zu beseitigen, ist es also unbedingt

nötig, die Rolle studentischer Verbindungen nicht zu unterschätzen,

sondern diese zu berücksichtigen und zu kritisieren!

Tipps zum weiterlesen:

• Autoritär – Elitär – Reaktionär: Reader des AStA Frankfurt

zum Thema Burschenschaften

• Gute Nacht, Burschenpracht: Reader der FU Berlin zu Feministischer

Kritik am Verbindungswesen

• „Blut und Paukboden“ und „Verbündete Männer“ von Dietrich

Heither

• „Autorität und Chatakter“ von Jens Bennicke

• „Völkische Verbindungen: Zur Kritik der Burschenschaften“

Vortrag auf Youtube

7


8

Die Burschenschaft

Markomannia Wien zu Deggendorf

Rechtsextreme Burschenschafter, Neofaschisten,

Hooligans und die AfD vereint in der Passauer Altstadt

Mit der Burschenschaft Markomannia Wien zu Deggendorf

macht sich seit einiger Zeit eine extrem rechte Studentenverbindung

in der Passauer Altstadt breit. Im Folgenden sollen die

diversen Verstrickungen der Markomannia in das rechte und

neonazistische Milieu aufgezeigt und eine kurze Einordnung ihrer

Ideologie und politischen Aktivitäten gegeben werden. Auf

sämtliche Punkte wird in einem ausführlichen Reader über die

Burschenschaft Markomannia Wien näher eingegangen, daher

wird teilweise für Quellen in diesem Artikel lediglich auf den

Reader verwiesen. Aus Bildern bestehende Belege finden sich

in der Onlineversion des Artikels unter www.infoticker-passau.

org.

Die Burschenschaft Markomannia und die AfD

Bereits seit ihrer Gründung und noch verstärkt seit dem Einzug

in die Parlamente rekrutiert die AfD sowohl Führungspersonal

als auch parlamentarische Mitarbeiter aus den

Reihen deutsch-nationaler Burschenschaften. Daher

verwundert es nicht, dass auch die Burschenschaft Markomannia

sowohl lokal als auch bundesweit in die Partei

eingebunden ist.

Mit Alexander Salomon (Ex-NPD) war ein Mitglied der

Markomannia mehrere Jahre Beisitzer im Vorstand der

Jungen Alternative Brandenburg sowie Mitarbeiter von

Andreas Kalbitz (MdL). 1 Kalbitz gehört zum extrem

rechten sogenannten „Flügel“ und ist einer der einflussreichsten

PolitikerInnen innerhalb der AfD. In der Vergangenheit

fiel er durch verschiedene Kontakte zum und

Überschneidungen mit dem neonazistischen Milieu auf. 2

Aufgrund seiner NPD-Vergangenheit wurde Salomon

2016 aus der AfD ausgeschlossen, nicht jedoch aus deren

Jugendverband. 3 Auch Paul Kelnhofer, der nach eigenen

Angaben nicht mehr Teil der Markomannia ist, ist Bei-

1 Die extrem rechte

Karriere des Passauer

Studenten A. Salomon:

https://infoticker-passau.org/node/154

2 https://www.

tagesspiegel.de/politik/

andreas-kalbitz-brandenburgs-afd-chef-hatte-kontakt-zu-rechtsextremerorganisation/21042224.

html

3 Die extrem rechte

Karriere des Passauer

Studenten A. Salomon:

https://infoticker-passau.org/node/154

Alexander Salomon


4 https://www.afdbayern.de/kreis-ortsverbaende/niederbayern/

5 Bild: MarkoAfDCA-

Post

6 https://www.derrechte-rand.de/archive/3214/universitaeten-afd-nachwuchs/

7 https://www.pnp.

de/lokales/stadt_und_

landkreis_passau/passau_stadt/3082546_

Rassismusvorwurf-Uniblockiert-AfD-Hochschulgruppe.html

8 http://eisberg.blogsport.

de/2016/09/07/

auf-den-spuren-derfpoe-korporierte-afdabgeordnete/

9 http://www.

afdchemnitz.de/kreisvorstand.html

10 https://www.

tagesschau.de/inland/

monitor-afd-rechtegruppen-101.html

11 Bild: MarkoFreundschaften

sitzer im Bezirksvorstand der AfD-Niederbayern. Dort arbeitet

er unter anderen mit dem ehemaligen Republikaner und jetzt

AfDler Oskar Atzinger sowie mit dem vom Bayerischen Verfassungsschutz

beobachteten AfD-Bezirkstagsabgeordneten Robert

Schregle zusammen. 4

Der Versuch, die Campus Alternative (CA) als Hochschulgruppe

in Passau zu etablieren, ging maßgeblich von Burschenschaftern

der Markomannia aus. Laut einer Darstellung der AfD

Passau auf Facebook war zuerst Alexander Salomon und später

Tobias Lipski stellvertretender Vorsitzender der CA Passau. 5

Vorsitzender der Hochschulgruppe war dagegen Andreas Meißner,

der noch bis 2016 Vorstandsmitglied der JA Bayern war

6

,und dessen rassistische und holocaustrelativierende Postings

auf Facebook dazu führten, dass der Campus Alternative 2018

ihre Akkreditierung als Hochschulgruppe entzogen wurde. 7

Neben diesen noch studierenden Markomannen ist auch der

‚alte Herr‘ Volker Dringenberg 8 aktiv in der AfD 9 . Dabei ist

Dringenberg jedoch nicht einfach irgendwo aktiv, sondern im

Vorstand der AfD-Chemnitz, jenes Kreisverbandes, der die rassistischen

Hetzjagden auf People of Color und Linke im August

2018 maßgeblich mitzuverantworten hatte. Während der rassistische

Mob tobte, hatte die AfD in Chemnitz den Schulterschluss

mit Neonazis gesucht und auch im Nachgang war von

einer Distanzierung wenig zu spüren. 10

Die Burschenschaft Markomannia und andere

extrem rechte Burschenschaften

Die Burschenschaft Markomannia ist Mitglied in der Deutschen

Burschenschaft (DB), dem Dachverband der meisten deutschnationalen

Burschenschaften in Deutschland und Österreich.

Bis vor kurzem war die Markomannia sistiert (inaktiv), am 24.

Januar 2019 machte sie jedoch ihre Reaktivierung innerhalb der

DB öffentlich. Auch in der Burschenschaftlichen Gemeinschaft

(BG) ist die Markomannia Mitglied, diese ist ein Zusammenschluss

von völkisch-nationalistischen Burschenschaften, dem

es über Jahre hinweg gelang, die DB stark nach rechts zu rücken

und liberalere Burschenschaften aus dem Verband zu drängen.

Neben diesen Kontakten bestehen besonders enge Freundschaftsverhältnisse

zur Thessalia Prag zu Bayreuth sowie der

Germania Salzburg. 11

Insbesondere in Österreich besitzt die DB großen Einfluss, ein

großer Teil der männlichen FPÖ-Politiker ist Mitglied in einer

9


der DB-Burschenschaften, doch auch in Deutschland mehrte

sich der Einfluss und der Zugang zu Machtpositionen mit dem

Aufstieg der AfD 12 . Die diversen rechtsextremen Skandale und

Überschneidungen mit der neonazistischen Rechten gingen an

den Burschenschaften dabei meist ohne ernste Konsequenzen

vorbei. Die 2011 geführte Diskussion um einen „Ariernachweis“

sorgte beispielsweise weniger für eine gesellschaftliche

Isolation als vielmehr für eine Radikalisierung der DB. Die Markomannia

war trotz ihrer formalen Inaktivität nicht nur Mitglied

in der Deutschen Burschenschaft, sondern durchaus auch

aktiv, beispielsweise wurden regelmäßig deren Verbandstreffen

besucht. 13 Mit Sven Beckendorf war 2005 ein Markomanne gewählter

Ansprechpartner der Deutschen Burschenschaft im

Ressort „Politik und Kultur“. 14 Beckendorf pflegt, nach diversen

Überschneidungen und Likes auf Facebook zu schließen, noch

immer guten Kontakt zur Markomannia. 15

Die Nähe der Deutschen Burschenschaft zu NeofaschistInnen

zeigt sich deutlich in ihrem Verbandsorgan, den „Burschenschaftlichen

Blättern“, dort wird dem Who-is-Who der extremen

Rechten Raum für ihre Publikationen geben, von NPD-Kadern

wie Arne Schimmer bis hin zur neofaschistischen italienischen

„Casa Pound“. 16 Ergänzt wird das „Bildungsangebot“ der „Burschenschaftlichen

Blätter“ noch durch Schulungen

und Seminare zu rechtsextremen Themen.

Die Nähe zum Nationalsozialismus, die

die völkischen Burschenschaften aufweisen,

bleibt jedoch nicht auf der Ebene der theoretischen

Auseinandersetzung, sondern findet sich

auch im Liedgut der Burschenschaften wieder.

2015 postete die Markomannia eine Zeile des

SS-Treueliedes auf Facebook und auch die persönliche

Youtube-Playlist des Markomannen

Alexander Salomon besteht fast ausschließlich

aus nationalsozialistischen Liedern der SA. 17

Damit ist die Burschenschaft Markomannia

Wien jedoch kein Einzelfall, erst vor Kurzem erschütterte

der Liederbuch-Skandal Österreich.

Bei der pennalen Burschenschaft Germania

zur Wiener Neustadt wurde beispielsweise ein

Liederbuch mit der Zeile „Gebt Gas, ihr alten

Germanen, wir schaffen die siebte Million“ gefunden.

18 Auch bei der Burschenschaft Bruna-

Sudetia, bei der die Markomannen erst jüngst zu Gast waren 19 ,

wurde bei einer Hausdurchsuchung ein antisemitisches Lieder-

10

12 https://www.derrechte-rand.de/archive/1611/alternativemit-schmiss/

13 Bild: MarkoBurschentagEisenach

14 Bild: MarkoBeckendorfDB

15 Siehe Reader

S.37ff

16 https://www.

der-rechte-rand.de/archive/3831/burschenschaftlichen-blaetter/

17 Siehe Reader

S.13-14

18 https://

derstandard.

at/2000072861626/

Nazi-Lieder-bei-Bur-

schenschaft-von-FPOe-

Kandidat-Landbauer

19 Bild: MarkoBruna-

Sudetia

Mensur eines Markomannen

bei der Münchner Danubia


Markomannen zu Besuch bei

der Wiener Bruna Sudetia

20 https://

derstandard.

at/2000074666151/

Antisemitische-Zeilenauch-im-Liederbuchder-Bruna-Sudetia

21 Bild: MarkoGermaniaRied

22 http://www.

thomasrammerstorfer.

at/2018/06/27/neonazi-konzert-bei-fpoenaher-burschenschaftgermania-ried/

23 https://www.antifainfoblatt.de/artikel/

heil-thessalia-heilmunichia#footnote4_

a8t2fsk

24 Bild: MarkoMensur-

Danubia

25 Siehe Reader S. 38

26 https://www.

antifainfoblatt.de/

artikel/internationalefreiwillige-der-seiteukrainischer-neonazis

buch beschlagnahmt. 20 Neben der Bruna-Sudetia

pflegten die Markomannen im letzten Jahr auch

sonst gute Kontakte zum Who-is-Who der rechtsextremen

Burschenschaften. Beispielsweise waren

die Passauer Burschenschafter am 24. März 2018

zu Gast bei der Germania Ried 21 , gegen die jüngst

Ermittlungen liefen, weil dort 2017 ein Konzert

mit der Neo-Nazi-Band Fylgien veranstaltet wurde.

22

Die offizielle Freundschaft zur Thessalia Prag

zu Bayreuth ist ebenfalls nicht zu verachten. Im

Herbst 2014 wurde bekannt, dass Mario Brehme,

enge Bezugsperson des NSU-Kerntrios und Teil

des neonazistischen Thüringer Heimatschutz, im

Haus der Thessalia wohnte. Auch der Neonazi

Jürgen Schwab war bis 2002 Mitglied in der extrem

rechten Bayreuther Burschenschaft. 23 Zur

vom Verfassungsschutz beobachteten und mit

Neonazismus in Verbindung gebrachten Danubia

München bestehen gute Kontakte, wie sich auf

Social Media verfolgen lässt, erst am 3. November

2018 waren die Markomannen für eine Mensur

bei den Danuben in München zu Gast. 24

Die Burschenschaft Markomannia und die

gewaltorientierte und neonazistische Rechte

Neofaschismus und Neonazismus finden sich jedoch nicht nur

in den mit der Markomannia befreundeten Burschenschaften,

auch Teile der Markomannia selbst sind diesem Lager zuzurechnen.

So pflegt der oben genannte Sven Beckendorf, der um 2005

Aktivita bei der Markomannia war, Kontakt zu dem ukrainischen

Freiwilligenbataillon „Asow-Regiment“ und dessen politischer

Sprecherin Olena Semenyaka. 25 Das Bataillon wurde von

nationalistischen, ukrainischen PolitikerInnen gegründet, um

gegen russische Separatist*innen im Osten des Landes vorzugehen

und fiel in der Vergangenheit durch faschistische und nationalsozialistische

Positionen auf. Neonazis aus verschiedenen

europäischen Ländern traten dem Regiment bei und konnten so

den Umgang mit der Waffe erlernen. 26 Auf Facebook bezeichnet

Salomon die (para-)militärischen Übungen, an denen Beckendorf,

der außerdem auf einer Mitgliederliste der British National

Party steht, teilnimmt, als Wehrsportübungen. 27

11


Auch unter den Aktivitas der Markomannia bestehen

jedoch Kontakte ins neonazistische Milieu. Neben

Salomon, der zugegebenermaßen in Schimpf und

Schande die NPD verließ 28 , gibt es mit dem Neumitglied

Tom Fedeneder (auf Facebook Tom Neumann)

seit Herbst 2018 einen weiteren Markomannen mit

besten Kontakten zur NPD. 2018 kandidierte dieser

bei der Landtagswahl für die NPD Straubing/Regen. 29

Zudem bezog sich Fedeneder mindestens bis 2014 positiv

auf die NPD sowie deren EU-Abgeordneten Udo

Voigt. 30 Es muss jedoch gesagt sein, dass das Kokettieren

der Burschenschaften mit der NPD im Allgemeinen

nachgelassen hat, seit mit der AfD eine nationalistische

und trotzdem gesellschaftlich akzeptierte Partei

existiert.

Der (Ex-?)NPDler Fedeneder ist mitnichten der einzige

Nachwuchs, den die Markomannia im letzten Jahr

zu verzeichnen hatte, und erst recht nicht der einzige

mit extrem rechten Hintergrund. Mit Dennis Bogdan und Maximilian

Wetzel traten der Markomannia gleich zwei neue Füxe

bei. Beide sind dem extrem rechten Hooligan-Milieu des FC

Hansa Rostock zuzurechnen und Teil der Fan-Gruppe „Hansa

Ultras Passau“. Nach Aussagen aus deren persönlichem Umfeld

fanden sowohl bei Bogdan als auch bei Wetzel im Dezember

Hausdurchsuchungen statt. Der Vorwurf der Behörden lautete,

dass die Markomannen im Dezember 2017 mehrere Syrer und

Afghanen am Bahnhof verprügelt haben sollen. 31 Auch hier

zeigt sich also das massive, rassistisch motivierte Gewaltpotential,

das bei Teilen der Markomannia vorhanden ist.

Mit Michael Gallerman ist auch ein Aktivist der neofaschistischen

Identitären Bewegung Teil der Markomannia. Demzufolge

verwundert es auch nicht, dass das Gründungstreffen der

Identitären Bewegung Niederbayern 2016 im Haus der Markomannia

in Deggendorf stattfinden konnte. 32 Kontakte zur

Identitären Bewegung bestehen aber nicht nur über Michael

Gallermann, sondern auch über die Burschenschaftliche Gemeinschaft.

Beispielsweise ist die extrem rechte Burschenschaft

Olympia Wien, in der auch diverse IB-Kader, darunter zeitweise

Martin Sellner, korporiert sind, Mitglied der BG.

Die Liste an persönlichen Kontakten zu Neonazis, FaschistInnen

und anderen Rechtsextremen lässt sich über die Burschenschaftliche

Gemeinschaft, die Junge Alternative und die Identitäre

Bewegung beinahe unendlich fortführen. Wir haben daher

nur eine Auswahl der für uns relevantesten Kontakte aufgeführt.

12

Markomanne beim

Kampfsporttraining

27 Siehe Reader S.

39

28 Bild: SalomonNPD

29 Bild: MarkoFedeneder

30 Bild: MarkoFedenederVoigt

31 Vergleich: Reader,

S41.

32 Bild: MarkoHausIB


Es zeigt sich dennoch, dass die Markomannia bestens in der extremen

Rechten vernetzt ist, vom institutionalisierten Rechtsextremismus

in Form von AfD und FPÖ bis hin zu gewalttätigen

Gründungstreffen der

Identitären Bewegung

Niederbayern im Haus

der Markomannia

Hooligans und Neonazi-Kadern. Tatsächlich lässt sich auch einen

Schritt weiter gehen und feststellen, dass die Markomannia

Teil und sogar Schnittstelle dieses extrem rechten Netzwerkes

ist.

Politische Verortung und Aktivitäten

der Burschenschaft Markomannia

33 Bild: MarkoStern

Im Folgenden soll in aller Kürze auf die ideologische Verortung

und die politischen Aktivitäten der Markomannia Wien eingegangen

werden. Wie alle Burschenschaften seit der Jenaer Urburschenschaft

von 1815 versteht sich auch die Markomannia

als explizit politischer Studentenbund. Die konkrete Ausformung

dieses politischen Anspruchs kann dabei von liberal über

konservativ bis extrem rechts reichen, bei der Markomannia ist

letzteres der Fall. Auch die Deutsche Burschenschaft und insbesondere

die Burschenschaftliche Gemeinschaft, zu deren Mitgliedern

die Markomannia gehört, ist konsequent völkisch und

deutsch-nationalistisch eingestellt. Beispiele dafür finden sich

auch in den Öffentlichkeitsauftritten der Markomannia. Eine

Abgrenzung zum historischen Nationalsozialismus findet dabei

kaum bis gar nicht statt, offen wird nationalsozialistischen Militärs

wie beispielsweise Hans-Joachim Marseill 33 gedacht. Weiter

sind Männerbund und die autoritäre Erziehung zur künftigen

Elite elementare Bestandteile burschenschaftlicher Identität und

Selbstwahrnehmung. Auffallend ist zudem, dass die Ablehnung

einer als links und liberal wahrgenommenen Mehrheitsgesellschaft

identitätsstiftendes Moment zu sein scheint. Auf Face-

13


ook wird dies deutlich, wenn, ganz im Stile neu-rechter Metapolitik,

versucht wird, eine feministische und linke Hegemonie

zu konstruieren und diese dann durch Entkontextualisierung

und vermeintliche Satire ad absurdum zu führen. 34

An dieser Stelle ist es aus zwei Gründen obsolet, weiter auf die

inhaltlichen Positionen der Markomannia einzugehen. Zum

einen wurde bereits gezeigt, dass die Markomannia Teil eines

rechtsextremen Netzwerkes ist und daher auch als extrem rechts

verortet werden kann. Zum anderen dürften die ideologischen

und strategischen Positionen innerhalb der Markomannia sich,

der Funktion als Sammelbecken verschiedener Rechtsextremer

geschuldet, teilweise gravierend unterscheiden.

Zweifelsfrei kann jedoch festgestellt werden,

dass der Minimalkonsens in der Markomannia

aus einem rassistischen, sexistischen

und deutsch-völkischen Weltbild besteht und

bei einzelnen Mitgliedern bis hin zum Neonazismus

reicht.

Entsprechend der völkisch-nationalistischen

Grundeinstellung der Markomannia gestalten

sich auch deren politische Aktivitäten.

Das Gedenken an verstorbene Bundesbrüder

und deutsche Soldaten nimmt einen großen

Stellenwert in der politischen Praxis der Markomannia

ein. In den Sozialen Medien ist die

Markomannia zwar präsent, doch ist die politische

Agitation dort deutlich weniger relevant,

als beispielsweise bei der AfD.

Die größte Gefahr, die von der Markomannia

ausgeht, besteht in ihrer Funktion als Sammelbecken

der extremen Rechten. Im Gegensatz

zu den meisten anderen rechten Strukturen

verfügen Burschenschaften über nicht zu

unterschätzende finanzielle Mittel und auch über Räumlichkeiten.

Mit der sogenannten Konstante, einer Art „Vereinsheim“ in

der Steiningergasse 10, verfügt die Markomannia bereits über

einen Treffpunkt mitten in der Passauer Altstadt, der im Verlauf

des letzten Jahres auch zunehmend genutzt wurde. Die Konstante

fungiert bereits jetzt als Treffpunkt für verschiedene extrem

rechte AkteurInnen und bietet die Möglichkeit zum Austausch

und zur Vernetzung. Die Art der Veranstaltungen, die

dort stattfinden, reicht von Kneipenabenden und Weinverkostungen

über politische Veranstaltungen 35 bis hin zum gemeinsamen

Kampfsporttraining von rechtsextremen Burschenschaf-

14

34 Beispielbilder:

MarkoZopf, MarkoMasturbation,

MarkoLügenpresse,

MarkoHeinoSS

35 Bild: MarkoVortragsabend

Markomannen beim

Volkstrauertag 2018


36 Bild: Kampfsport

1-3

tern, Hooligans und AfD-AktivistInnen. 36

Zusammenfassend kann also gesagt werden: Im letzten Jahr

hat sich in Passau eine extrem rechte Organisation eingenistet,

die zivilgesellschaftlich kaum beachtet oder gar geachtet wird,

die bestens mit anderen Rechtsextremen vernetzt ist und an

der Universität und offensichtlich auch an Schulen Mitglieder

rekrutiert. Damit aber noch nicht genug, in den Räumlichkeiten

der Markomannia wird, ganz im Stile der neofaschistischen

Identitären Bewegung, mit Kampfsport für den Ernstfall, den

Kampf auf der Straße, trainiert.

Die Gewaltaffinität extrem rechter Ideologien wird sich, neben

abstrakteren und autoritären Forderungen, immer auch in ganz

konkreter Gewalt gegen all jene richten, die nicht ins rechte

Weltbild passen. Im Fall von Denis Bogdan und den Gebrüdern

Wetzel, die in Pasing rassistisch motiviert Menschen, die als

„nicht-deutsch“ wahrgenommen wurden, zusammengeschlagen

haben sollen, zeigte sich dies bereits deutlich. Es ist höchste Zeit,

dass Antifaschist*innen und zivilgesellschaftliche Akteur*innen

aufstehen und die Markomannia als das behandeln, was sie ist:

Eine rechtsextreme Organisation!

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