bwj e-Special 1/2019 (Operation Schneelage 2019)

bundeswehrjournal

Magazin bundeswehr-journal: e-Special über die Schneekatastrophe in Südbayern im Januar 2019 und die Nothilfe der Bundeswehr.

Operation

Schneelage 2019


Extrem starke und langanhaltende Schneefälle

haben im Januar 2019 in großen Teilen Süddeutschlands

und auch in den Nachbarländern

Österreich und Schweiz zu erheblichen Gefahren

für die Zivilbevölkerung und zu massiven infrastrukturellen

Problemen geführt. Ortschaften

waren von der Außenwelt abgeschnitten, die

Schneelasten drückten auf Häuserdächer, viele

Straßen waren unpassierbar und Zugverbindungen

blockiert. Vielerorts sorgten Lawinenabgänge für

große Schäden und tragische Unfälle.

Neben den vielen freiwilligen Helfern der Feuerwehren und

der Katastrophenschutzeinheiten der Länder wurden im

Rahmen der Katastrophenhilfe Angehörige des Technischen

Hilfswerks (THW) und der Polizei eingesetzt.

Die Bundeswehr leistete bei dieser außergewöhnlichen

Schneekatastrophe ebenfalls einen entscheidenden Hilfsbeitrag.

In elf Tagen – vom 11. bis zum 21. Januar 2019

waren rund 2500 Soldaten und zivile Mitarbeiter in fünf

Landkreisen in Bayern im Einsatz. Geräumt wurden dabei

13 Kilometer Straße sowie etwa 220.000 Quadratkilometer

Dachfläche.

Der Inspekteur der Streitkräftebasis, Generalleutnant Martin

Schelleis, trug als Nationaler Territorialer Befehlshaber

die Verantwortung für den Einsatz der Bundeswehr „Unterstützungskräfte

in der Schneelage 2019“. Zur Wahrnehmung

der nationalen Führungsaufgabe stützte sich der Inspekteur

auf das Kommando Territoriale Aufgaben in Berlin, von

dem auch das Landeskommando Bayern geführt wird.

Das Landeskommando Bayern aktivierte nach Auslösung des

militärischen Katastrophenalarms die Kreisverbindungskommandos

der Landkreise.

Den taktischen Einsatz der

Bundeswehr-Hilfskräfte vor

Ort führte seit dem 11. Januar

die Gebirgsjägerbrigade

23 des Heeres

aus Bad Reichenhall.

Das Presse- und Informationszentrum

der Streitkräftebasis

informierte dabei Medien und Öffentlichkeit täglich mit

„Infoflyern“ über die „Schneelage Bayern“. Darin wurde

die jeweils aktuelle Entwicklung, die Stärke der eingesetzten

Kräfte sowie die momentane und zu erwartende Wetterlage

(übermittelt vom Geoinformationsdienst der Bundeswehr)

aufgeführt.

Mit dem Themenkomplex „Schneechaos im Januar 2019

und Katastrophenhilfe des Bundes“ befasst sich eine Kleine

Anfrage der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen. Die Bundestagsabgeordneten

Lisa Badum,Tobias Lindner und Irene

Mihalic geben dabei zu bedenken, dass die ungewöhnlich

heftigen Schneefälle zu Jahresbeginn sich offensichtlich

einreihen in eine Folge von Wetterereignissen und Wetterphänomenen

(Dürresommer 2018,Waldbrände in Europa

und den USA) und ein weiteres starkes Indiz für einen

Klimawandel sind.Wir kommen auf die Anfrage zurück.

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Soldaten der Bundeswehr im Einsatz bei der OperationSchneelage 2019“.


Der Inspekteur der Streitkräftebasis, Generalleutnant

Martin Schelleis, wandte sich nach einem Besuch an der

„Schneefront“ in Süddeutschland mit einem Offenen

Brief an die bei der „Schneelage Bayern“ eingesetzten

Kräfte.Wir dokumentieren sein Schreiben in diesem

e-Special bundeswehr-journal auszugsweise und mit

freundlicher Genehmigung der Streitkräftebasis. Generalleutnant

Schelleis schrieb:

„In der zweiten Januarwoche dieses Jahres erlebten wir in Teilen

Bayerns einen dramatischen Wintereinbruch: Straßen waren durch

meterhohe Schneewehen blockiert, ganze Ortschaften von der

Außenwelt abgeschnitten. Hunderte Dächer drohten von der

Schneelast eingedrückt zu werden. In fünf bayerischen Landkreisen

wurde der Katastrophenfall ausgerufen. In dieser Lage habe ich als

Nationaler Territorialer Befehlshaber die Gesamtverantwortung für

den Einsatz der Bundeswehr in Unterstützung der zivilen Behörden

übernommen.

In der ,Operation Schneelage‘ sind neben zahlreichen Gebirgsjägern

auch viele Kameradinnen und Kameraden aus weiteren Verbänden

von Heer, Streitkräftebasis, Luftwaffe, Zentralem Sanitätsdienst,

Cyber- und Informationsraum sowie zivile Mitarbeiterinnen

und Mitarbeiter des Bereiches ,Infrastruktur, Umweltschutz und

Dienstleistungen‘ gebunden. Unsere Hauptaufgabe ist es seit Beginn

des Einsatzes, einsturzgefährdete Dächer von der Schneelast

zu befreien. Auch die Lawinengefahr in den Alpen ist unverändert

hoch.

Bei meinem Besuch vor Ort am 16. Januar habe ich mir einen persönlichen

Eindruck von der Schwerstarbeit verschaffen können, die zu

leisten war und immer noch ist. Beeindruckt bin ich nicht nur von der

Leistung der Aktiven, sondern auch von den Reservisten, die hoch engagiert

ihren Dienst verrichten.

Schon jetzt lässt sich ein sehr positives Zwischenfazit der ,Operation

Schneelage‘ ziehen. Das ist ganz wesentlich dem vorbildlichen und

unermüdlichen Einsatz aller beteiligten Soldaten und zivilen Mitarbeiter

geschuldet – sei es bei der Befreiung der Gebäude von Dachlasten,

bei Räumaufträgen oder Erkundungsfahrten, sei es bei Bereitschaftsdiensten

in den Kasernen oder in den Verbindungskommandos

und Krisenstäben. Damit haben Sie den Menschen in Bayern geholfen,

größeren Schaden abgewendet und sich weit über Bayern hinaus

höchste Anerkennung verdient.“

Dankte allen beteiligten Kräften

in einem Offenen Brief:

Generalleutnant Martin Schelleis.

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Soldaten schaufelten von Tagesanbruch bis zur Dämmerung Schee von den Dächern.

Gesperrte Straßen, isolierte Ortschaften, Lawinengefahr: Massive Schneefälle sorgten im Januar 2019

in Teilen Bayerns, Baden-Württembergs und Sachsens für dramatische Situationen. Das Kommando

Territoriale Aufgaben der Bundeswehr hatte deshalb auch am 9. Januar für mehrere Dienststellen

und Verbände den militärischen Katastrophenalarm ausgelöst.

Beängstigendes Schneechaos löst

militärischen Katastrophenalarm aus

Bis zum Abend des 12. Januar, einem

Samstag,waren vor allem im Alpenraum

1132 Bundeswehrangehörige an der weißen

„Schneefront“ im Einsatz,unter ihnen

rund 520 Reservisten.Die Soldaten

befreiten Hausdächer von der drückenden

Last,versorgten eingeschlossene Bewohner

und übernahmen Transportaufgaben

sowie medizinische Notversorgung.Ein

Ende des Hilfseinsatzes war zu diesem

Zeitpunkt nicht in Sicht. Dem Wetterbericht

zufolge sollte es nach einer kurzen

Pause von Sonntag bis Dienstag am

Alpennordrand durchgehend schneien.

Eine Verschärfung der ohnehin angespannten

Lage war zu erwarten,die vielen

Helfer waren auf das Schlimmste vorbereitet.

Kein Einsatz im Inneren

Mit Auslösung des militärischen Katastrophenalarms

werden ausgewählte Truppenteile

der Bundeswehr in erhöhte Bereitschaft

versetzt, so auch im Fall der

OperationSchneelage 2019“.

Grundlage für den Einsatz ist der Artikel

35 Grundgesetz,Absatz 1,der technisch-logistische

Unterstützung im Zuge

der Amtshilfe vorsieht – beispielsweise

bei schweren Unglücksfällen oder Naturkatastrophen

(erinnert hier sei an das

Oder-Hochwasser im Jahr 1997 und an

das Hochwasser der Elbe im Jahr 2002).

Ein Ministeriumssprecher wies zu Beginn

des Bundeswehreinsatzes gegenüber

Medienvertretern ausdrücklich darauf

hin,dass es sich bei der Hilfeleistung

des Militärs in den betroffenen Schneegebieten

„nicht um einen Einsatz“ im

Inneren handele und auch „keine hoheitlichen

Aufgaben“ übernommen würden.

Angefordert werden muss die Amtshilfe

von den zuständigen Behörden oder

von Polizei und Feuerwehr, denn Katastrophenhilfe

ist Ländersache.Der mi-

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litärische Katastrophenalarm umfasst etliche

Maßnahmen des Krisen- und Alarmplans

der Bundeswehr.Da er keine NATO-

Maßnahme ist,wird er auch nicht vom

Verteidigungsministerium,sondern vom

Kommando Territoriale Aufgaben der

Bundeswehr in Berlin ausgelöst.

Es gibt drei Stufen des militärischen

Katastrophenalarms: Die Auslösung beginnt

mit Stufe 1 „Vorwarnung“.In dieser

Stufe werden die alarmierten Dienststellen

der Bundeswehr aktiviert und melden

ihren verfügbaren Bestand an Personal

und Material.Permanent erreichbare

Ansprechpartner der Dienststellen werden

benannt, aber auch schon konkrete

Einzelmaßnahmen getroffen,wie beispielsweise

die Bereitstellung von Verpflegung

durch das Bundeswehr-Verpflegungsamt.

Bei der Stufe „Voralarm“ bereiten sich

die alarmierten Dienststellen der Teilstreitkräfte

und Organisationsbereiche auf

ihre Verlegung in das jeweilige Einsatzgebiet

vor.Vorkommandos müssen in dieser

Phase jetzt innerhalb von 30 Minuten

abmarschbereit sein.

Bei Stufe 3 des militärischen Katastrophenalarms

„Vollalarm“ stellen alle benachrichtigten

Dienststellen innerhalb von

30 Minuten ihre Einsatz- undVerlegebereitschaft

her.

Eilhilfe-Ersuchen

Am 11.Januar wurde in fünf bayerischen

Landkreisen der Katastrophenfall ausgerufen.Betroffen

waren die Kreise Bad

Tölz-Wolfratshausen, Berchtesgadener

Land, Garmisch-Partenkirchen, Miesbach

und Traunstein. Die Bundeswehr

unterstützte hier die zivilen Rettungskräfte

unter anderem mit geländegängigen

Fahrzeugen beim Abtransport der

Schneeberge aus den Ortschaften. Für

Rettung undVersorgung von Personen

wurden Überschneefahrzeuge des Typs

Bv206 S von Hägglunds eingesetzt.

Bereits am 8. Januar hatten Soldaten

des Gebirgsjägerbataillons 232 aus Bischofswiesen

im Berchtesgadener Ortsteil

Buchenhöhe eingeschneiten Schülern

geholfen. Der Bürgermeister von

Berchtesgaden hatte ein Eilhilfe-Ersuchen

gestellt.Die Gebirgsjäger waren bei

der Aktion mit drei Hägglunds-Kettenfahrzeugen

im Einsatz und befreiten

die Jugendlichen aus ihrer fatalen Lage.

Besonders heikle Aufgaben warteten

im Laufe des Bundeswehr-Hilfseinsatzes

auf eine Helikopterbesatzung vom Hubschraubergeschwader

64 aus Laupheim.

Die Piloten nahmen in der Hochstaufen-

Kaserne in Bad Reichenhall einen Heeresbergführer

und einen Sprengmeister der

Pioniertruppe an Bord ihrer H145M und

starteten zum Flug in die Alpen. Eine

ihrer Missionen war es, im Gemeindebereich

Ruhpolding einen kontrollierten

Lawinenabgang auszulösen.

Danach befreiten die Piloten mit dem

sogenannten „Downwash“,dem Abtrieb

der Rotoren des Mehrzweckhubschraubers,zahlreiche

Bäume von der drückenden

Schneelast. Der Einsatz führte die

Hubschrauberbesatzung dabei in den

Raum Siegsdorf und Reit im Winkl.

Bundesregierung informiert

Welche Kapazitäten der Bundeswehr im

Rahmen der Amtshilfe bei der Operation

Schneelage 2019“ zum Einsatz kamen,

geht unter anderem aus der Antwort

der Bundesregierung vom 27.Februar

2019 auf die Kleine Anfrage von

Bündnis 90/Die Grünen hervor.

In der Antwort heißt es: „Es wurden

militärische Fähigkeiten des Heeres,der

Luftwaffe,der Streitkräftebasis,des Zentralen

Sanitätsdienstes sowie des Bundesamtes

für Infrastruktur, Umweltschutz

und Dienstleistungen der Bundeswehr

bereitgestellt.“ Die Hilfeleistungen umfassten

laut Regierung unter anderem das

Räumen von Dächern an öffentlichen

Gebäuden,das Sprengen von Lawinen,

die Evakuierung von Personen,den Personen-

und Materialtransport sowie den

Einsatz von Hubschraubern zur Erkundung

und Schneelastbeseitigung.Insgesamt

leisteten die eingesetzten 2797 Kräf-

Fortsetzung Seite 6

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Fortsetzung von Seite 5

te der Bundeswehr – Soldaten und Zivilisten

– zusammen mehr als 267.000

Stunden Dienst im Rahmen der Operation

Schneelage 2019“. Details dazu

(über die Stärke und Einsatzstunden

❙ Panzerbrigade 12

(Cham);

❙ Gebirgsjägerbrigade 23

(Bad Reichenhall);

❙ Gebirgsaufklärungsbataillon 230

(Füssen);

der einzelnen Teilstreitkräfte und Organisationsbereiche)

in unserer Infografik.

Aus der Antwort der Bundesregierung

ist auch ersichtlich, welche Einsatzmittel

– Fahrzeuge und Gerät – die

Bundeswehr bei ihrer Katastrophenhilfe

eingesetzt hat. Dies waren:

❙ Hubschrauber CH-53 und H145M;

❙ Geländetransportfahrzeuge Hägglunds

BV206S;

❙ Lastkraftwagen;

❙ Kräne;

❙ Baumaschinen;

❙ Stromerzeugergeräte.

Aus 21 Dienststellen

Welche Verbände,Einheiten und Diensstellen

nun jeweils Personal und Einsatzmittel

für die OperationSchneelage 2019

stellten, hat die Streitkräftebasis aufgelistet.

Demnach beteiligten sich:

❙ 10. Panzerdivision

(Veitshöchheim);

❙ Ausbildungsstützpunkt Gebirgs- und

Winterkampf

(Mittenwald);

❙ Einsatz- und Ausbildungszentrum für

Tragtierwesen 230

(Bad Reichenhall);

❙ Gebirgsjägerbataillon 231

(Bad Reichenhall);

❙ Gebirgsjägerbataillon 232

(Bischhofswiesen);

❙ Gebirgsjägerbataillon 233

(Mittenwald);

❙ Gebirgspionierbataillon 8

(Ingolstadt);

❙ Gebirgsversorgungsbataillon 8

(Füssen);

❙ Pionierbataillon 905

(Ingolstadt);

❙ Transporthubschrauberregiment 30

(Niederstetten);

❙ Hubschraubergeschwader 64

(Laupheim; Schönewalde/Holzdorf);

❙ Informationstechnikbataillon 293

(Murnau);

❙ Kommando Sanitätsdienstliche Einsatzunterstützung

(Weißenfels);

❙ Sanitätslehrregiment

(Feldkirchen);

❙ Kommando Territoriale Aufgaben der

Bundeswehr

(Berlin);

❙ Landeskommando Bayern

(München);

❙ Feldjägerregiment 3

(München).

Eingeschneite Buchenhöhe am 11. Januar.

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Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen am 13. Januar 2019 in Berchtesgaden.


„Die Bundeswehr kommt,

wenn sie gebraucht wird“

13. Januar 2019, ein Sonntag im Berchtesgadener Land. Soldaten

der Gebirgsjägerbrigade 23 „Bayern“ kämpfen auf der Buchenhöhe,

einem Ortsteil von Berchtesgaden, gegen die Schneemassen an. Sie

schieben die weiße Last von den Häuserdächern und versuchen

einen zweiten Zugang zum kleinen Ort freizuräumen. Dann kommt

Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen. Sie will sich hier ein

persönliches Bild von der OperationSchneelage 2019“ machen

und auch mit den Helfern sprechen. Eine Rückblende ...

Brigadegeneral Jared Sembritzki,Kommandeur

der Gebirgsjägerbrigade 23,

und Oberstleutnant Martin Sonnenberger,

Kommandeur des Gebirgsjägerbataillons

232 aus Bischofswiesen,schildern

der Ministerin den aktuellen Stand der

Hilfsaktionen im südlichen Bayern.

An diesem Tag sind 1700 Brigadesoldaten

im Einsatz oder in Bereitschaft.

Unterstützt werden sie von Kräften des

IT-Bataillons 293, der Streitkräftebasis,

der Luftwaffe und des Sanitätsdienstes.

Schulter an Schulter

ter an Schulter gegen die Schneemassen

ankämpfen.“

Brigadegeneral Helmut Dotzler,Kommandeur

des Landeskommandos Bayern,

lässt sich an diesem Sonntag ebenfalls in

die aktuelle Lage einweisen.Soldaten seines

Kommandos beraten die regionalen

Katastrophenschutzbehörden und

koordinieren die militärischen Hilfseinsätze.

Der Landkreis Berchtesgadener Land

ist an diesem Wochenende einer von fünf

bayerischen Landkreisen, in denen der

Katastrophenfall ausgerufen wurde.Ministerin

von der Leyen sichert bei ihrem

Besuch auf der Buchenhöhe weitere

Unterstützung der Truppe im Rahmen

der OperationSchneelage“ zu.Sie

sagt:„Die Bundeswehr kommt,wenn sie

gebraucht wird, und sie bleibt so lange,

wie sie gebraucht wird.“

Aktive und Reservisten

Zeit für ein Gespräch mit den Gebirgsjägern – die Ministerin im Krisengebiet.

Von der Leyen äußert sich vor den Pressevertretern,die

mit in das Krisengebiet

gereist sind: „Das ist eine Situation,in der

wir alle zusammenstehen müssen.Ich bin

äußerst beeindruckt zu sehen, wie unsere

Soldaten gemeinsam mit vielen Helfern,

Organisationen und Freiwilligen Schul-

Ortswechsel – Reit im Winkel bei Traunstein:

In der oberbayerische Gemeinde

hat die Bundeswehr unmittelbar nach

Auslösung des Katastrophenalarms mehr

als zweihundert Soldaten zusammengezogen,um

die einsturzgefährdeten Dächer

und blockierten Straßen von Schnee

zu räumen.

Reit im Winkel ist ein Schwerpunkt

der OperationSchneelage“.Das Feuerwehrhaus

der Gemeinde wurde von

Fortsetzung Seite 10

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Fortsetzung von Seite 9

einem Tag auf den anderen zur Einsatzzentrale.

Hier sind Bundeswehr,Technisches

Hilfswerk (THW), Feuerwehr

und Polizei versammelt. Im Fahrzeughaus

befindet sich der Pausenraum für

alle Kräfte,im Untergeschoss das Lagezentrum.

Hier werden die Helfer – unter

ihnen Gebirgsjäger,Panzer- und Gebirgspioniere,Versorger

und Sanitäter – für den

Einsatz eingewiesen.

In Reit im Winkel packen auch rund

150 Reservisten, die sich freiwillig gemeldet

haben,mit an. Sie gehören zu den

Das THW liefert Räumgerät an.

Regionalen Sicherungs- und Unterstützungskräften

(RSU) und werden von

der Streitkräftebasis geführt.Die Reservisten

kommen aus allen sieben bayerischen

RSU-Kompanien und unterstützen

die aktiven Kameraden dabei,Dächer

von der gefährlichen Schneelast zu befreien.

Medizinische Versorgung

Die Soldaten und ihre Ausrüstung wurden

mit Bussen,Lastwagen und auch mit

dem Hubschrauber CH-53 der Luftwaffe

aus Laupheim nach Reit im Winkl gebracht.

Seinen Lande- und Startplatz findet

der Hubschrauber im Ort vor dem Feuerwehrhaus

und der Langlauf-Loipe.

Viele Touristen und Einwohner machen

mit ihren Smartphones Fotos,wenn die

Maschine aus Richtung Osten über die

Chiemgauer Alpen einfliegt.Der CH-53

setzt zur Landung an, die Rotorblätter

verwirbeln den Schnee am Boden.Unmittelbar

nach dem Aufsetzten wird der

Hubschrauber entladen und bricht dann

wieder in Richtung Traunstein auf.

Um die medizinische Versorgung der

Soldaten in Reit im Winkel kümmern

sich Sanitäter der Bundeswehr.Der San-

Einsatztrupp steht mit seinem Fahrzeug

San-Trupp wartet auf seinen Einsatz.

Eagle IV und einem Krankentransportwagen

bereit.Alle Soldaten sind ausgebildete

Notfall- oder Einsatzsanitäter.

Die Unterstützung durch den Zentralen

Sanitätsdienst der Bundeswehr hat mit

dem Einsatz der Soldaten der Gebirgsjägerbrigade

23 begonnen.Der Sanitätsdienst

soll vorrangig die Realversorgung

der bei der OperationSchneelage“ eingesetzten

und stetig wachsenden Zahl von

Truppenteilen sicherzustellen.

Mit der Einsatzführung wird das Kommando

Sanitätsdienstliche Einsatzunterstützung

in Weißenfels beauftragt.Innerhalb

kürzester Zeit baut das Kommando

ein Lagezentrum und – abgestützt auf das

Sanitätslehrregiment „Niederbayern“ –

einen vorgeschobenen Gefechtstand in

Bad Reichenhall auf.

Für alle Fälle werden auch Kräfte aus

den Sanitätsunterstützungszentren Hammelburg,

Stetten am kalten Markt und

Kümmersbruck sowie Kräfte des Sanitätsregiments

1 in Bereitschaft versetzt.

In den einzelnen Landkreisen und

im Landeskommando Bayern unterstützt

Sanitätspersonal der Reserve.Die

Kameraden versorgen den jeweiligen Gefechtsstand

und das Lagezentrum mit

wichtigen Informationen und stellen zugleich

das feste Bindeglied zu den zivilen

Hilfskräften dar.Somit ist nicht nur

die sanitätsdienstliche Versorgung sichergestellt,sondern

auch eine vorausschauende

Lagebeurteilung möglich.

Die Helfer im Hintergrund

Eingebunden in den Kampf gegen die

Naturgewalten sind auch die Männer

und Frauen des Organisationsbereiches

Infrastruktur,Umweltschutz und Dienstleistungen

der Bundeswehr (IUD). Sie

machen die Hilfeleistungen der Soldaten

erst möglich.

So hat beispielsweise das Bundeswehr-

Dienstleistungszentrum Landsberg seit

dem 9.Januar die Liegenschaften in Altenstadt,Oberammergau,Murnau

und

Mittenwald mit einer befestigten Ge-

Einsatzzentrale in Reit im Winkel.

samtfläche von 86.000 Quadratmetern

ständig befahrbar gehalten.

Das Personal der Truppenküche in der

Edelweiß-Kaserne in Mittenwald etwa

stellt für Soldaten sowie Angehörige der

Hilfsdienste Bayerisches Rotes Kreuz und

Technisches Hilfswerk Getränke undVerpflegung

bereit.

Inspekteure bei der Truppe

Zwei Tage lang verbrachte der Inspekteur

des Heeres, Generalleutnant Jörg

Vollmer,bereits bei den Bundeswehrangehörigen

im Katastrophengebiet.Jetzt

ist auch der Inspekteur der Streitkräftebasis,

Generalleutnant Martin Schelleis,

Der CH-53 der Luftwaffe war bei der Katastrophenhilfe in Bayern im Dauereinsatz.

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vor Ort in Traunstein eingetroffen. Er

wird begleitet von Generalmajor Carsten

Breuer,dem Kommandeur des Kommandos

Territoriale Aufgaben.

Wie ernst die Situation in den Südbayerischen

Katastrophengebieten zumeist

war, wird später aus der Antwort

der Bundesregierung vom 27. Februar

Lagebericht für Brigadegeneral Sembritzki.

auf eine Anfrage der Bundestagsfraktion

von Bündnis 90/ Die Grünen zum Themenkomplex

„Schneechaos im Januar 2019

Rund 2500 Bundeswehrangehörige waren bei der Schneekatastrophe in Bayern im Einsatz.

und die Katastrophenhilfe des Bundes“

deutlich.

System hat sich bewährt

Die ungewöhnlich starken Schneefälle

führten nach Angaben der Regierung

unter anderem zu lokalen Stromausfällen.Zahlreiche

Bundesfernstraßen mussten

gesperrt werden.Auf einigen Bahnstrecken

kam es zu betrieblichen Einschränkungen,zeitweise

musste auf einzelnen

Strecken sogar der Betrieb eingestellt

werden.

Alles in allem habe sich das integrierte

Hilfeleistungssystem in Deutschland

bewährt,so die Bundesregierung in ihrer

Antwort. Sie zieht das Fazit: „Dieses

System ist mit der Katastrophenhilfe des

Bundes auch solchen Ereignissen gewachsen,

deren Bewältigung über den Bereich

der alltäglichen Gefahrenabwehr

hinausgeht.“

11


12

Auf dem Weg nach Bayrischzell – Bundeswehrsoldaten am Abend des 14, Januar im Landkreis Miesbach.


13


Hägglunds Vehicle –

strategischer Partner der Bundeswehr

Die Hägglunds Vehicle GmbH ist seit nunmehr 40 Jahren am Standort Hannover ansässig und seit

jeher der strategische Partner der Bundeswehr, wenn es um die Betreuung der Fahrzeugflotte der

Typen Bv206 D und Bv206 S geht. Mit seinem jungen Team hat sich das Unternehmen flexibel aufgestellt,

um auf Kundenwünsche entsprechend reagieren zu können. So wird beispielsweise mit einem

rund 5000 Teile umfassenden Ersatzteillager die Truppe mit ihren Instandsetzungsorganisationen

täglich mit Ersatzteilen versorgt. Auch die Baugruppeninstandsetzung im eigenen Instandsetzungsbetrieb

von Hägglunds erhält termingerecht alle nicht zentral verfügbaren Teile.

Mit diesem Logistiksystem stellt das

Unternehmen Hägglunds Vehicle eine

zügige und effiziente Instandsetzung

am jeweiligen Bundeswehrstandort

und in der eigenen Werkstatt sicher.

Fahrzeuge können im eigenen Werkstattbereich

auch gesamtüberholt werden.

Im Rahmen der technisch-logistischen

Betreuung steht die Hägglunds

Vehicle GmbH der Bundeswehr zur Seite,wenn

es um Belange im Servicebereich

geht. Dies umfasst nicht nur die

Bereitstellung eines Help-Desks und

die Pflege der Fahrzeugdokumentation,

sondern auch das Engineering für technische

Änderungen und Weiterentwicklungen.

Ganzheitliche

Systembetreuung

Hier baut das Unternehmen auf den

starken Rückhalt des Mutterkonzerns

und gleichzeitig Fahrzeugherstellers

BAE Systems Hägglunds in Schweden,

dessen Firmenphilosophie eine ganzheitliche

Systembetreuung vorsieht:das

Stichwort hierfür lautet „Through-Life-

Support“ (Betreuung während der gesamten

Produkt-Lebensdauer).

Angestrebt wird dabei eine möglichst

lange Partnerschaft zwischen dem

Kunden und dem Hersteller,bei der im

Bausteinsystem die Fahrzeugbetreuung

von der Beschaffung über die Ausbildung

bis zur Modernisierung verankert

ist und somit die Systemverfügbarkeit

auf einem hohen Level hält.Ein Prinzip,welches

langjährige Kooperationen

beispielsweise mit den Niederlanden

Völlig eingeschneit: der Berchtesgadener Ortsteil Buchenhöhe.

oder Großbritannien ermöglicht hat –

und dies eben auch mit den deutschen

Streitkräften.

Die Bundeswehr unterhält momentan

eine Flotte von rund 340 Fahrzeugen

des Typs Bv206 D sowie Bv206 S.

Sie stellen in der Truppe die sogenannte

Überschneefähigkeit sicher und werden

überwiegend bei den Gebirgsjägern

und beim Kommando Spezialkräfte ein-

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gesetzt.Dort überzeugen die Kettenfahrzeuge

vor allem durch ihre bestechende

Geländefähigkeit.Hiervon profitierte

jüngst die Bundeswehr bei ihrem

Katastropheneinsatz in der völlig

verschneiten Alpenregionen.

Spitzen-Duo

in puncto Mobilität

Der ungeschützte Bv206 D „Husky“

und der in Kooperation mit dem Unternehmen

Rheinmetall Landsysteme

ausgelieferte geschützte Bv206 S bilden

im täglichen Gebrauch in puncto

Mobilität ein unnachahmliches Duo –

ebenso wie das bereits in Nachbarländern

wie Frankreich und Österreich

Fortsetzung Seite 16

Ein Mitarbeiter von Hägglunds betreut ein Fahrzeug im Tschad.

15


Fortsetzung von Seite 15

eingeführte Nachfolgefahrzeug der

Bv206-Serie, der BvS10.

Der BvS10,kürzlich erst in derVersion

MkII B durch das österreichische

Bundesheer beschafft, ist die perfekte

Kombination aus den Erfolgsfaktoren

seiner Vorgänger. Mit einer Nutzlast

von bis zu sieben Tonnen (je nach Variante)

sowie einem vergrößerten Innen-

beziehungsweise Stauraum erfüllt

er die gestiegenen Anforderungen an

das mitzuführende Equipment und Material.

Mit einem Schutzlevel bis zu

STANAG Level 4 beziehungsweise

Minenschutz STANAG Level 2A/2b

bietet er der Fahrzeugbesatzung im realen

Einsatz einen hohen Sicherheitsgrad

(Anm: STANAG ist die Abkürzung

für „Standardization Agreement“,

ein Standardisierungsübereinkommen

der NATO-Vertragsstaaten).

Durch den Einsatz von Modulen

kann der Hinterwagen des BvS10 zum

Beispiel als Truppentransporter oder

Logistikfahrzeug flexibel genutzt werden

– eine Eigenschaft, die den 2015

vorgestellten BvS10 „Beowulf“ umso

interessanter macht.

Fahrzeugflotte mit

bewährtem Konzept

Der „Beowulf“ stellt das ungeschützte

Puzzlestück zum geschützten BvS10

dar und kann ebenfalls mit Modulen

ausgestattet werden. So bilden beide

Fahrzeuge eine moderne Flotte,die auf

demselben bewährten Konzept basiert.

Dabei verlieren beide Fahrzeuge nicht

Firmensitz der Hägglunds Vehicle GmbH in Hemmingen bei Hannover.

16


ihre See-,Luft- und Landtransportfähigkeit

und bieten dadurch eine ausgezeichnete

strategische und taktische

Mobilität. Fünf europäische Länder

nutzen dies bereits im Verbund.

Die Hägglunds Vehicle GmbH vertritt

in Deutschland alle Fahrzeugvarianten

der Bandvagn-Familie und freut

sich auf eine weiterhin erfolgreiche Partnerschaft

mit der Bundeswehr. Für

Anfragen steht Ihnen das Team unter

hagglunds.hannover@baesystems.se

oder 05101/991800 zur Verfügung.

Liebt jedes Gelände – der BvS10 „Beowulf“ im Test.

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Mit dem BvS10 vereint Hägglunds den Schutzlevel und die Nutzlast der Vorgängerfahrzeuge.


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Extreme Witterungsbedingungen am 11. Januar 2019 im Berchtesgadener Land.


Barbarino & Kilp GmbH

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Weitere Informationen:

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www.hytorc.de

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