gie_05_2019

Giesserei.Verlag

www.giesserei.eu

Die Zeitschrift für Technik, Innovation und Management

Mai

2019

5

GIFA

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GIFA2019, June 25-29, Düsseldorf/Germany

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EDITORIAL

Er kommt, er kommt nicht, er ...

FOTO: KOSTAS KOUFOGIORGOS

Wie Politik und Verwaltung die

Unternehmen der Gießereibranche

behindern, ist Thema unserer

neuen Serie. Die Beiträge

kommen aus der Praxis (Seite

20).

FOTO: DARIUS SOSCHINSKI/BDG

Wie geht es Ihnen, wenn Sie hier das Wort „Brexit“

lesen? Rollen Sie genervt die Augen? Schütteln

den Kopf? Fühlen Sie sich hilflos? Verständnislos?

Sind Sie wütend?

Das alles wäre inhaltlich verständlich, wenn auch

zeitlich beliebig. Denn wir hätten an dieser Stelle vor

zwei Jahren „Brexit“ schreiben können. Oder vor einem

Jahr, vor drei Monaten, vor einem Monat - oder auch in

einem Monat, vielleicht in sechs Monaten. Wenn sich

der (britische) Politikbetrieb so zeitvergessen wie seit

inzwischen fast drei Jahren um sich selbst dreht, wird

Zeit unwichtig.

Man könnte das Ganze als slapstickartiges Experiment

abtun und überhaupt die Schrulligkeit jenseits

des Ärmelkanals belächeln. Denn die subversive, anarchische

EU-Feindlichkeit auf der Insel hat ja auch liebenswerte

Züge. Wer jemals irgendwo in einem idyllisch eingewachsenen englischen

Landpub war – mit viel zu tiefen, durchgebogenen Deckenbalken, einer Zapfanlage aus Königin

Victorias Zeiten und Toiletten irgendwo im Hof – weiß, wie weit Brüssel mit seinen

EU-Normen entfernt ist von den Nachfahren des britischen Weltreiches.

Das Thema mit dem Brexit, diesem unberechenbaren, ist aber kein folkloristisches,

sondern ein ernstes. Hatte nicht etwa BMW extra seine Werksferien vom Sommer auf das

Frühjahr verschoben, um die unmittelbaren Wirren des für Ende März angesagten Austritts

abzufedern? Schließlich war der 29.03.2019 lange als fixes Datum genannt.

Betriebe planen – aber Planung setzt voraus, dass wesentliche Fakten definiert sind

und als „Rahmenbedingungen“ zuverlässiger Eckpfeiler dieser Planung werden können.

Die fortgesetzte Nicht-Entscheidung beim Brexit ist deswegen ein Totalversagen des Politikbetriebes.

Darunter leiden Betriebe, auch in Deutschland.

Dazu passend schwebt das große Thema „Rahmenbedingungen“ über unserer neuen

Serie, deren geistige Mutter die BDG-Referentin für Umwelt- und Arbeitsschutz, Elke Radtke,

ist. Wir thematisieren darin jene Felder, die aus Sicht der Gießereibranche Planung und

unternehmerische Tätigkeit besonders belasten.

Vielleicht passt es in einem Jahr mit durchaus unsicherer konjunktureller Entwicklung

besonders gut, dass Düsseldorf zur Leitmesse GIFA lädt. Weil die Leistungsschau erlaubt,

die eigenen Innovationen, die eigene Stärke zu betonen. Und traditionell werden auf der

GIFA konkrete Geschäfte getätigt. Am Rhein wird also, anders als beim dauernervenden

Brexit, doch hoffentlich sehr viel vorangehen für die ausstellenden Unternehmen. Wie

wichtig die GIFA ist und welche Neuheiten die Fachbesucher erwarten lesen Sie in unserem

vorletzten Special zur Leitmesse (ab Seite 78).

Viel Erfolg bei Ihrer Vorbereitung auf Düsseldorf – und viel Freude an unserer neuen

Ausgabe der GIESSEREI!

Ihr

Martin Vogt, Chefredakteur (E-Mail: martin.vogt@bdguss.de)

GIESSEREI 106 05/2019 3


INHALT

KS81

FOTO: GTP SCHÄFER/ FLOW SCIENCE DEUTSCHLAND

FOTO: MARTIN VOGT

YSZ

FOTO: RWTH AACHEN

44

Simulation

TECHNOLOGIE & TRENDS

Wie brennen exotherme Speiser ab?

Bislang wurde das lediglich mit einfachen

Ersatzmodellen beschrieben. Vorgestellt

wird hier ein Verfahren zur realistischen

Simulation des Vorgangs.

78

Vorbericht

GIFA Special

Neben weiteren News und einem ersten

Vorbericht zur Messe lesen Sie hier das

Interview mit GIFA-Präsident Heinz

Nelissen: Warum die Messe Pflicht für

alle Unternehmen der Branche ist.

24

YSZ-Dauerbeschichtung

Forschung & Innovation

Wie schlagen sich verschiedene Schlichten

im Aluminium-Kokillenguss hinsichtlich

Wärmehaushalt und Verschleißschutz?

Und wie endet der Vergleich zur

YSZ-Dauerbeschichtung?

72

Walzen begeistern

Beruf & Karriere

Anja Born hat die Walzen entdeckt:

Aus dem Ferienjob wurde

eine echte Passion für schwere

Werkstücke. Reportage aus

Coswig bei Dresden.

FOTO: TEAM

4 GIESSEREI 106 05/2019


AKTUELLES

6 Nachrichten aus den Unternehmen

AKTUELLES/SERIE

20 Die Unternehmen im Politik- und Verwaltungsdschungel, Elke Radtke

FORSCHUNG & INNOVATION

24 YSZ-Dauerbeschichtung als Alternative zu Kokillenschlichten?

Nino Wolff, Uwe Vroomen, Andreas Bührig-Polaczek, Jan Krampe

CAST

YOUR

SUCCESS

ESSAY

32 Potenziale Additiver Fertigung für die Gießerei-Industrie, Martin Bednarz

TECHNOLOGIE & TRENDS

36 Gießen von Al-Zylinderkurbelgehäusen – Herausforderung Zylinderlauffläche,

Franz Josef Feikus, Leopold Kniewallner, Thomas Frederik Linke, Mariusz Lewandowski

44 Realistische Simulation des Abbrennens exothermer Speiser,

Malte Leonhard, Matthias Todte, Jörg Schäfer

50 Bewertung von Energieeffizienz-Maßnahmen in Aluminium-Druckgussbetrieben

durch Simulation, Johannes Dettelbacher, Wolfgang Schlüter

SPEKTRUM

54 Geprüfte Qualität mit Inline-CT und Q-Maps, Nathan Elmore

63 Mannlose Formstoffaufbereitung – vernetzte Prozesse – bessere Gussqualität,

Edith Weiser

UNTERNEHMEN & MÄRKTE

60 Modernisierung mit Maß und Ziel, Ulrike Gerhards

64 3-D-Drucksysteme modernisieren klassisches Kunstgießen,

Frederik von Saldern, Peter Mühlhäuser

68 Deutsche Gussproduktion 2018 und Ausblick 2019,

Heiko Lickfett, Sophie Steffen

BERUF & KARRIERE

72 Anja und die Walzen, Karin Hardtke

GIFA-SPECIAL

78 Wahres Feuerwerk an Innovationen - Interview mit GIFA-Präsident

Heinz Nelissen, Robert Piterek, Martin Vogt

82 Quantität trifft Qualität, Martin Vogt

83 Einladung zu den Vortragsforen

88 Wie Unternehmen sich auf die GIFA

vorbereiten, Robert Piterek

92 GIFA-News

RUBRIKEN

111 Patente

116 News

125 Firmenschriften

126 Medien & Bücher

128 Termine

129 VDG intern

130 Personalien

131 Inserentenverzeichnis

132 Stellenmarkt/Kontakte/Sonstiges

134 Vorschau/Impressum

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GIESSEREI 106 05/2019 5


AKTUELLES

FOTO: ANDREAS BEDNARECK

6 GIESSEREI 106 05/2019


Foto des

Monats:

Druckguss

mit Charme

Eine Charge Wasserpumpengehäuse für

Verbrennungsmotoren mit kleinem Hubraum

bei Druckguss Westfalen in Geseke.

Die Aluminiumdruckgießerei, die derzeit

massiv in die Zukunft investiert (mehr hierzu

in der Reportage im kommenden Heft)

fertigt die Gehäuse in Großserie, bearbeitet

sie mechanisch und prüft sie darüber

hinaus zu 100 % auf Dichtigkeit.

Hat auch Ihr Unternehmen interessante

Bildmotive? Senden Sie Ihre Bildvorschläge

an: soschinski@bdguss.de oder per

Post an die Bildredaktion, Giesserei,

Hansaallee 203, 40549 Düsseldorf.

GIESSEREI 106 05/2019 7


AKTUELLES

Einbaufertige Schwungräder aus Bestwig

KUKA-Roboter mit einem Schwungrad im Greifer. Die Gussteile durchlaufen mehrere

Stationen, bis sie einbaufertig sind. Dabei werden sie induktiv bearbeitet, gewuchtet,

gewaschen und gekennzeichnet.

> M. BUSCH: Sie ist der Beweis für hohe

Produktivität und Wertschöpfung, zugleich

aber auch ein Bekenntnis für den

Standort Deutschland: Die neue Schwungradbearbeitungsanlage

von M. Busch, die

am 22. März 2019 in Bestwig eingeweiht

wurde. 4 Mio. Euro sind in die verkettete,

vollautomatische Bearbeitungslinie investiert

worden, die einbaufertige Schwungräder

für Nutzfahrzeuge produziert. Es ist

die bislang größte am Standort Bestwig

getätigte Einzelinvestition. Die über Roboter

verketteten Prozesse umfassen das

Bearbeiten, Zahnkranzaufschrumpfen,

aber auch das Wuchten, Waschen und

eindeutige Kennzeichnen der Bauteile.

Gegossen werden die Komponenten in

der rund fünf Kilometer entfernten Gießerei

in Meschede-Wehrstapel, wo auch

die Hauptprodukte Bremsscheiben und

Bremstrommeln für die Nutzfahrzeugindustrie

entstehen. Insgesamt produziert

M. Busch inklusive Schwungrädern

13 000 fertige Bauteile pro Tag. Nach der

Einstellung von 62 neuen Mitarbeitern im

vergangenen Jahr arbeiten jetzt 600 Mitarbeiter

für das mittelständische Unternehmen,

240 in der Verwaltung und Bearbeitung

in Bestwig, 360 in der Gießerei

in Wehrstapel. Vorteil des Produktportfolios:

Es ist größtenteils auch in den

heraufbrechenden Zeiten der Elektromobilität

unentbehrlich für die Nutzfahrzeugindustrie.

Hinter der aktuellen Investition in

Bestwig steht ein Großauftrag des Fahrzeugherstellers

Daimler, der die Schwungräder

für seine neue Motorengeneration

MDEG benötigt. Hier würden die Stückzahlen

gerade hochgefahren, verriet Gerhard

Berger, Leiter Lieferantenmanagement

bei Daimler, auf der Einweihungsfeier

der neuen Anlage in Bestwig. Die

Menge der mit M. Busch-Schwungrädern

hergestellten Motoren steige in diesem

Jahr auf 55 000 an. Das habe auch damit

zu tun, dass die Daimler-Tochter Freightliner

seit vergangenem Jahr Marktführer

bei Lkw in den USA sei und daher die

Motorenproduktion für die USA von 6000

auf 12 000 Stück ansteige. Berger betonte

zudem, dass sein Unternehmen

durchweg gute Erfahrungen mit M. Busch

gemacht habe und die eingesetzte hochautomatisierte

Anlage schätze.

Bei der Einweihungsfeier in Bestwig

hörten die Gäste, bestehend aus Kunden,

Vertretern von Politik, Verbänden, Presse,

IG Metall und Banken, Reden von

M. Busch-Geschäftsführer Andreas Güll,

dem Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes

der Deutschen Gießerei-Industrie

(BDG) Max Schumacher sowie Vertretern

des Landkreises und der Gemeinde

Bestwig. Andreas Güll begründete die

Investition in Bestwig mit dem hohen

Know-how vor Ort sowie der Heimatliebe

für das Sauerland und betonte, dass mit

der Entscheidung für den Betrieb der

hochmodernen Anlage auch der Anspruch

verbunden sei, besser als andere

zu sein. Die Investition sei „ein Bekenntnis

zu Bestwig und dem Produktionsstandort

Deutschland“ und stelle gleichzeitig

den neuen Benchmark in Sachen

Produktivität, Automatisierung, Flexibilität

und Qualität für diese Produktfamilie

dar. Die Produktionssteigerungen und

der hohe Grad der Automatisierung der

Anlage seien erforderlich, um dem internationalen

Kostendruck standzuhalten,

bekräftigte er und fügte in Bezug auf die

konstant dokumentierten Daten durch

die neue, aber auch bestehende Anlagen

hinzu, dass Industrie 4.0 bei M. Busch

bereits Tagesgeschäft sei. Andreas Güll

kündigte zum Abschluss seiner Rede darüber

hinaus eine weitere Großinvestition

an, die bereits im Frühjahr 2020 präsentiert

werden soll. M. Busch werde bis dahin

zwei neue Hallen bauen und in zwei

weitere Maschinengruppen investieren.

Kostenpunkt: 5,5 Mio. Euro. Hierfür werde

auch ein neues Lkw-Terminal gebaut.

Max Schumacher vom BDG lobte in

seiner Rede den unternehmerischen Mut

sowie die strategische Richtung der Investition

und betonte, dass M. Busch

trotz Mobilitätswende hervorragend aufgestellt

sei. Erfreulich sei auch, dass Andreas

Güll als Vertreter eines „unersetzlichen

Verbandsmitglieds“ im BDG-Vorstand

vertreten sei, so Schumacher.

Lobende Worte kamen auch von den

Vertretern der Politik, die das Bestwiger

Unternehmen als „Garanten für Wohlstand“

und als „bodenständiges, verlässliches

Unternehmen mit gutem Ruf“ bezeichneten.

Die hohe Investitionstätigkeit der Eisengießer

aus dem Sauerland ist nicht

neu. Erst vor rund zweieinhalb Jahren ist

am M. Busch-Standort in Meschede-

Wehrstapel die Gießerei G3plus in Betrieb

genommen worden. Daran erinnerte

Werksleiter Andreas Nissen in einem Gespräch

am Rande der Einweihungsfeier

in Bestwig. Die Investitionssumme lag hier

sogar bei 40 Mio. Euro, mit denen unter

anderem eine neue Mittelfrequenzofenanlage

und eine neue Formanlage installiert

wurden. Das Gießerei-Team rund um

Andreas Nissen arbeitete zur Realisierung

der neuen Schwungradbearbeitungsanlage

eng mit den Kollegen in Bestwig zusammen.

Neben dem aufeinander abgestimmten

Zusammenspiel der Prozesse

Gießen und Bearbeiten wurde auch an

Ressourceneffizienz gedacht: Die an der

Anlage anfallenden Metallspäne gehen

zurück nach Wehrstapel, wo sie wieder

eingeschmolzen werden.

www.m-busch.de

FOTO: M. BUSCH

8 GIESSEREI 106 05/2019


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AKTUELLES

FOTO: STIHL

Neue Produktionslogistik in Weinsheim

Am 5. April 2019 fiel mit dem Spatenstich der offizielle

Startschuss für den Bau der neuen Produktionslogistik

> STIHL MAGNESIUM-DRUCKGUSS:

Das STIHL-Werk im rheinland-pfälzischen

Weinsheim wird um eine neue Produktionslogistik

erweitert. Am 5. April 2019

fiel mit dem Spatenstich der offizielle

Startschuss für den Neubau. Mit einer

Investitionssumme von 18 Millionen Euro

ist das die höchste Einzelinvestition des

Unternehmens in den Standort.

Dr. Nikolas Stihl, STIHL Beirats- und

Aufsichtsratsvorsitzender, betont: „Angesichts

der Technologieführerschaft unserer

Magnesium-Druckguss-Produkte sind

die Wachstumsaussichten dieses Standorts

vielversprechend. Mit dem Neubau

werden wir unsere logistische Leistungsfähigkeit

erheblich steigern. Dies ist erforderlich,

um die steigenden Absätze im

Bereich Motorsägen und Motorgeräte

ebenso bewältigen zu können wie Aufträge

externer Kunden.“

Hartmut Fischer, Geschäftsleiter von

STIHL Magnesium-Druckguss ergänzt:

„Das Werk wächst kontinuierlich und ist

an der Grenze seiner räumlichen Möglichkeiten.

Durch den Bau des Logistikgebäudes

schaffen wir Raum für die zukünftige

Weiterentwicklung und Optimierung

der logistischen Prozesse sowie

Platz für neue Maschinen.“ Im Zuge des

anhaltenden Wachstums, das den Bau

der Produktionslogistik notwendig

macht, entstehen bei STIHL Magnesium-

Druckguss 28 zusätzliche Arbeitsplätze.

Der Neubau, der eine Nutzfläche von

6300 m 2 hat, soll Mitte 2020 eingeweiht

werden.

Dr. Joachim Streit, Landrat des Eifelkreises

Bitburg-Prüm sagt: „Mit STIHL

haben wir ein äußerst erfolgreiches Unternehmen

im Eifelkreis Bitburg-Prüm,

das maßgeblich zum wirtschaftlichen Erfolg

unserer Region beiträgt und einer der

größten Arbeitgeber im Eifelkreis ist.

Durch den Bau des neuen Logistikgebäudes

kann STIHL expandieren und neue

Arbeitsplätze schaffen.“ Aloysius Söhngen,

Bürgermeister der Verbandsgemeinde

Prüm unterstreicht: „Der Name STIHL

steht für mehr als 45 Jahre Erfolgsgeschichte

in der Eifel und im Prümer Land.

Erfolg hat auf Dauer nur Bestand, wer zum

Wandel bereit und zur Anpassung fähig

ist.Der Neubau ist ein starkes Bekenntnis

zum Standort Weinsheim.“

STIHL Magnesium-Druckguss wurde

1971 gegründet und ist heute eines der

größten und modernsten Magnesium-

Druckgusswerke in Europa. Mit seinen

Qualitätserzeugnissen ist das Werk wichtiger

Bestandteil im weltweiten STIHL Fertigungsverbund.

Mit aktuell fast 750 Mitarbeitern

werden auf einer Fläche von

rund 28 000 m 2 hochwertige Magnesium-

Bauteile gefertigt – nicht nur für Motorsägen

und Motorgeräte, sondern auch für

die Automobil-, Motorrad-, Fahrrad- und

Elektroindustrie sowie für die Medizintechnik.

Rund 20 Prozent des Umsatzes

entfallen auf externe Kunden, den sogenannten

Kundenguss. „Der Bau der neuen

Produktionslogistik ist ein weiterer

Meilenstein in der erfolgreichen Geschichte

unseres Magnesium-Druckgusswerks

und wird maßgeblich dazu beitragen,

dass wir diese Erfolgsgeschichte

fortschreiben“, betont Dr. Nikolas Stihl.

www.stihl.de

10 GIESSEREI 106 05/2019


Treiber der industriellen Transformation

Bundeskanzlerin Angela Merkel beim Besuch der Hannover Messe Anfang April.

> HANNOVER MESSE: Die Transformation

der Industrie erlebbar machen - mit

diesem Versprechen ist die Hannover

Messe 2019 angetreten. Nach fünf Messetagen

vom 1.- 5. April ziehen die Veranstalter

eine positive Bilanz. Die wichtigsten

Themen der Weltleitmesse waren

in diesem Jahr der Einsatz von Künstlicher

Intelligenz in der Industrie und Robotik,

die Potenziale der neuen Mobilfunkgeneration

5G in der industriellen Anwendung,

Leichtbau und die Zukunft der Arbeit in

Zeiten der zunehmenden Digitalisierung.

„Die Hannover Messe 2019 hat gezeigt,

dass sie die international wichtigste

Plattform für alle Technologien rund

um die industrielle Transformation ist“,

sagt Dr. Jochen Köckler, Vorsitzender des

Vorstands der Deutschen Messe AG.

„215 000 Besucher nutzten die Hannover

Messe, um in neue Technologien zu investieren

und ihre Unternehmen fit für die

Zukunft zu machen. Nur Hannover bietet

den umfassenden Blick auf Anwendungsszenarien,

Potenziale und das Zusammenspiel

von Industrie 4.0, Künstlicher Intelligenz,

5G und Energielösungen.“

Rund 6500 Aussteller aus aller Welt

präsentierten Lösungen für die Industrieproduktion

und Energieversorgung von

morgen. Darunter waren mehr als 500

Beispiele für den Einsatz Künstlicher Intelligenz

in der industriellen Fertigung,

5G-Anwendungen sowie Lösungen für die

Energie- und Mobilitätswende. Auch die

Robotik stand besonders im Fokus des

Besucherinteresses. Die führenden Roboterhersteller

und Robotik-Startups zeigten

Anwendungsbeispiele für sämtliche

Industriebranchen. Als innovative Hightech-Nation

punktete das Partnerland

Schweden mit 160 Ausstellern.

Nahezu 40 Prozent der 215 000 Besucher

kamen aus dem Ausland. Köckler:

„Dieser Rekordwert unterstreicht die internationale

Bedeutung der Hannover

Messe und belegt die Stärke des Industriestandorts

Deutschland.“ Die Top-Besucherländer

nach Deutschland waren

China (7200), die Niederlande (5900),

Italien (3400) und die USA (3400). Aus

dem Partnerland Schweden kamen 2600

Besucher. In Zeiten der digitalen Transformation

entwickelt sich auch die Hannover

Messe weiter. Mit strategischen

Anpassungen, die sowohl die Markenführung,

das Themen-Setting als auch die

Geländestruktur betreffen, stärkt die Hannover

Messe ihre Position als weltweite

Nummer 1 der Industriemessen.

Mit künftig sieben Ausstellungsbereichen

stellt sie die Weichen für weiteres

Wachstum in den Kernsegmenten Industrie,

Energie und Logistik.

Die nächste Hannover Messe wird vom

20. bis 24. April 2020 ausgerichtet. Partnerland

ist dann Indonesien.

www.hannovermesse.de

FOTO: HANNOVER MESSE

Flüssigmetall-Transport TRANSMETALL TM 1600

Gabelstapler-Anbaugerät TRANSMETALL TM 1600:

Pfanneninhalt: 1600 kg Aluminium

Pfannenschnauze für geschlossenen Gießstrahl

Vorteile:

Schnell: Pfannenwechsel in Minuten

Sicher: Pfannenverriegelung und freie Sicht auf Fahrweg und Pfanne

Bewährt: Pfannenkippachse in Schnauzennähe, kein Nachjustieren

beim Ausgießen; Pfannendeckel für weite Fahrstrecken

Optional: Gießrinne für schwer zugängliche Öffnungen, Funkfernbedienung

Wirtschaftlich: 5t-Stapler für 1600 kg Flüssigmetall

Herwig Baumann

Talweg 8

75433 Maulbronn

Fon : +49 (0) 70 43 / 20 96

Fax : +49 (0) 70 43 / 88 05

Internet : www.ibb-baumann.de

E-Mail

: info@ibb-baumann.de

Funktionen:

Pfanne verriegeln

Pfanne schwenken, links/rechts je 90°

Pfanne auskippen, Kippwinkel 95°

Deckel öffnen/schließen, Gießrinne ein-/ausfahren

www.prh-werbung.de

GIESSEREI 106 05/2019 11


AKTUELLES

Leistungsfähigkeit der Putzerei erhöht

Die Drahtgurt-Durchlaufstrahlanlage RDGE 1250-4-F wurde mit zahlreichen Komponenten,

wie z.B. einem leistungsfähigen Magnetseparator, an die Anforderungen der Gießerei-Industrie

angepasst.

> MMG MARSBERGER METALLGUSS:

Im Zuge der Kapazitätserweiterung wurde

die Putzerei der MMG Marsberger Metallguss

Gebr. Cordt oHG, Marsberg, komplett

umgebaut und an die aktuellen Anforderungen

hinsichtlich Leistung, Qualität

und Ergonomie angepasst. Das

Unternehmen investierte dafür in eine

neue Drahtgurt-Durchlaufstrahlanlage,

die Modernisierung des bestehenden

Strahlsystems, zwei Filteranlagen und eine

Handstrahlkabine von Rösler Oberflächentechnik,

Untermerzbach.

Seit der Übernahme der Marsberger

Metallgießerei Erger 1996 durch die Brüder

Olaf und Oliver Cordt wurde diese

ständig erweitert und ausgebaut. Heute

umfasst das Leistungsportfolio neben einer

Vielzahl von Öfen für die Verarbeitung

unterschiedlicher Aluminiumlegierungen

im Sandgießverfahren die Herstellung von

Teilen im Kokillengießverfahren sowie die

mechanische Bearbeitung auf modernsten

Bearbeitungszentren und Drehmaschinen.

Um auch die Putzerei auf den neuesten

Stand zu bringen, entschied man sich

2018 in eine neue Strahlanlage sowie in

die Modernisierung der bestehenden

Strahlanlage zu investieren. Darüber hinaus

wurden zwei neue Filtersysteme und

eine Handstrahlanlage für manuelle Reinigungs-

und Entgrataufgaben beschafft.

Die für das Auspackstrahlen eingesetzte

neue Anlage musste nicht nur hohe

Anforderung hinsichtlich Strahlqualität,

Durchsatz und Verfügbarkeit erfüllen,

sondern auch für die Mitarbeiter ergonomisch

zu handhaben sein. Abgestimmt

darauf konzipierte Rösler die Drahtgurt-

Durchlaufstrahlanlage RDGE 1250-4-F,

die mit einem geteilten Becherwerk an

die Hallenhöhe von fünf Metern angepasst

und in einer speziell für die Gießerei-

Industrie ausgelegten Ausführung gebaut

wurde. Sie beinhaltet beispielsweise einen

optimierten Verschleißschutz durch

die serienmäßig aus Manganstahl gefertigte

Strahlkammer, die zusätzlich mit

austauschbaren Guss-Platten aus widerstandsfähigem

Material ausgekleidet ist.

Das hoch verschleißfeste Drahtgliederband

für den Teiletransport ist kundenspezifisch

auf eine Belastung von 250 kg

pro laufendem Meter ausgelegt.

In der Strahlkammer sorgen vier rund

um das Gehäuse platzierte Gamma 400

G-Turbinen mit einer Antriebsleistung

von jeweils 15 kW dafür, dass selbst komplexe

Werkstücke umfassend bearbeitet

werden. Die von Rösler entwickelten

Hochleistungsturbinen mit Wurfschaufeln

im Y-Design erzielen im Vergleich

mit herkömmlichen Turbinen eine bis zu

20 Prozent höhere Strahlleistung bei geringerem

Energieverbrauch. Außerdem

können die Wurfschaufeln gedreht und

von beiden Seiten genutzt werden. Der

Wechsel kann mittels Schnellwechselsystem

einfach und bei eingebauter Turbine

erfolgen. Daraus resultiert eine mindestens

doppelte Standzeit. Die verschleißarmen

und energiesparenden

Gamma 400 G-Turbinen kamen auch bei

der Modernisierung des bestehenden

Strahlsystems zum Einsatz.

Die neue Anlage verfügt darüber hinaus

über eine Werkstückerkennung. Dadurch

wird nur gestrahlt, wenn sich Teile in der

Anlage befinden, andernfalls fährt sie automatisch

in einen Standby-Modus. Dies

trägt ebenfalls dazu bei, Verschleiß und

Energieverbrauch zu verringern. Die Strahlmittelmenge

von maximal 200 kg/min

pro Turbine wird ebenso wie die Transportgeschwindigkeit

entsprechend dem

in der Anlagensteuerung gespeicherten

und vom Bediener ausgewählten, teilespezifischen

Strahlprogramm automatisch an

die zu bearbeitenden Teile angepasst.

Durch eine integrierte Höhenerkennung

stellt sich die im Anlagenauslauf platzierte

Abblasstation auf das entsprechende

Werkstück ein. Die Strahlmittelaufbereitung

verfügt über einen leistungsfähigen

Magnetseparator.

Die Filtersysteme der Luftaufbereitung

sind aufgrund der Aluminiumgussteile

explosionsgeschützt ausgeführt und wurden

– um Produktionsfläche zu sparen

– im Außenbereich der Halle platziert.

www.marsberger-metallguss.de

FOTO: RÖSLER

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12 GIESSEREI 106 05/2019


gifa.de

tbwom.de

Investition in umweltfreundliche

Energieversorgung

>MFL: Mit einer Investition von rund einer halben

Million Euro hat die MFL die interne Energieversorgung

umgestellt. Schon nach dem ersten Winter

wird Energie im Ausmaß von 100 Einfamilienhäusern

eingespart.

In der MFL Gießerei in Liezen, Österreich, werden

Gussteile in bis zu 1000 °C heißen Wärmebehandlungsöfen

verarbeitet, die eine Abwärmetemperatur

von immer noch bis zu 900 °C liefern.

Diese vorhandene Wärme hat sich MFL zunutze

gemacht: Durch die Installation von Wärmetauschern

wird seit dem Vorjahr die Abwärme von

insgesamt vier Öfen in ein betriebsinternes Heizungsnetz

eingespeist. „Damit können wir die

sonst ungenutzte Temperatur wiederverwerten“,

vereinfacht Geschäftsführer Herbert Decker. Konkret

werden durch die vier Wärmerückgewinnungsanlagen

rund 2000 MWh in das MFL-Heizungsnetz

zugeführt – fast ein Viertel der eingesetzten und

sonst ungenutzten Energie kann so wiederverwertet

werden. Als Anhaltspunkt: Das entspricht etwa

dem Energieverbrauch von 100 Ennstaler Einfamilienhäusern.

Genutzt wird die zusätzlich verfügbare Energie

zur Beheizung der MFL-Räumlichkeiten. Während

des Sommers wird die überschüssige Energie, sofern

sie nicht am Betriebsstandort Verwendung findet,

in das Fernwärmenetz Liezen eingespeist. „Mit

dieser Maßnahme wollen wir unsere Rolle als zukunftsorientiertes

Technologieunternehmen unterstreichen.

Für uns ist entscheidend, hier einen nachhaltigen

Beitrag in der Region zu leisten – über die

gesetzlichen Normen hinaus“, sagt Decker. Das

Projekt macht sich auch auf CO 2 -Basis bezahlt, denn

fast 500 t CO 2 können mit der Maßnahme pro Jahr

eingespart werden.

Für diese ökologische Trendwende investierte der

Vorzeigebetrieb rund eine halbe Million Euro am

Standort: 1400 m Heizungs- und 700 m Verbindungsleitungen

wurden installiert – nicht ohne Weitblick:

„Diese Investition ist umwelttechnisch und

wirtschaftlich gleichermaßen nachhaltig: Denn die

Investition ermöglicht Einsparungen im Bereich von

100 000 Euro pro Jahr.“

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AKTUELLES

„startklar mannheim“: Tag der offenen Tür

für künftige Auszubildende

> DAIMLER: Am 5. April öffnete der

Daimler-Standort in Mannheim als einer

der größten Ausbildungsbetriebe der Region

gemeinsam mit zwei weiteren lokal

ansässigen Unternehmen und der Stadt

Mannheim seine Pforten. Im Rahmen der

„startklar mannheim“-Informationsbörse

erhielten interessierte Jugendliche und

deren Eltern direkt in der Ausbildungswerkstatt

einen Einblick in die technischen

Ausbildungsberufe sowie über die

dualen Studiengänge des Werkes. Auszubildende

informierten aus erster Hand

über ihren Arbeitsalltag. Bei handwerklichen

Aufgaben konnten die Besucher zudem

testen, ob ihre Vorstellung des Berufswunschs

mit der Praxis übereinstimmt.

Auch die Niederlassung

Mannheim-Heidelberg-Landau war in der

Werkstatt mit einem eigenen Stand vertreten

und stellte dort ihre spezifischen

Ausbildungsmöglichkeiten für junge Einsteiger

vor. Viel Zeit ist nicht mehr, die

Bewerbungsphase für das Ausbildungsjahr

2020 startet am 1. Juni 2019.

Am Daimler-Standort in Mannheim wird

bereits seit über 100 Jahren viel Wert auf

Nachwuchsförderung gelegt. Fast 11 000

junge Menschen haben seit Gründung der

Ausbildungswerkstatt 1916 ihre Berufsausbildung

hier gestartet. Die Auszubildenden

des Mercedes-Benz Werkes Mannheim und

der EvoBus GmbH absolvieren gemeinsam

unter einem Dach ein umfangreiches und

praxisnahes Ausbildungsprogramm mit

dem Ziel der bestmöglichen Qualifikationen

für den anschließenden Einstieg in die Berufslaufbahn.

Große Praxisnähe und das

Ausbildung am

Daimler-Standort

Mannheim: Große

Praxisnähe und das

Arbeiten mit modernsten

Produktions-

und Fertigungstechnologien

bereiten die jungen

Talente bestmöglich

auf die Berufe von

Morgen vor.

Arbeiten mit modernsten Produktions- und

Fertigungstechnologien bereiten die jungen

Talente bestmöglich auf die Berufe von

Morgen vor. Die Online-Plattform DAS@

web ermöglicht es, Lerninhalte jederzeit

auch von zu Hause abzurufen und unterstützt

die Vernetzung von Auszubildenden

über die Produktionsstandorte hinweg. In

der Ausbildungswerkstatt erfolgt die Wissensvermittlung

beispielsweise über die

Integration von PCs oder Tablets an der

Werkbank oder von Lernprogrammen an

Lernstationen.

Derzeit sind rund 300 Auszubildende

und über 30 Studierende der Dualen Hochschule

am Standort Mannheim im Einsatz.

Darüber hinaus bietet das Unternehmen

für Schüler eine große Anzahl an Schülerpraktika

sowie für Studierende Praktikumsplätze

oder Abschlussarbeiten an.

Angeboten werden derzeit die Berufsausbildungen

zum Gießereimechaniker/-in

Fachrichtung Maschinenformguss,

Fertigungsmechaniker/-in, Kraftfahrzeugmechatroniker/-in,

Technische(r)

Modellbauer/-in, Zerspanungsmechaniker/-in,

Fachkraft für Lagerlogistik und

Mechatroniker/-in. Im Rahmen von Industrie

4.0 werden für ausgewählte Auszubildende

der Mechatroniker/innen verschiedene

Digitalisierungsschwerpunkte angeboten,

für die es am Ende der Ausbildung

ein IHK-Zertifikat gibt.

Hinzu kommen die Dualen Studiengänge

Bachelor of Engineering Maschinenbau,

Bachelor of Engineering Mechatronik,

Bachelor of Engineering Wirtschaftsingenieurwesen,

Bachelor of Engineering

Elektrotechnik und Bachelor of Science

Wirtschaftsinformatik.

www.startklar-mannheim.de,

www.daimler.com/karriere

FOTO: DAIMLER

Nachhaltige Produktion im Blick

> HERBORNER PUMPENTECHNIK:

Am 27. März eröffnete die Herborner

Pumpentechnik GmbH & Co KG ihre mit

hochmodernen Mittelfrequenzöfen ausgestattete

Schmelzofenanlage. „Der heutige

Tag ist der krönende Abschluss der

Modernisierung unserer Gießerei zu einer

spezialisierten One-Piece-Flow-Gießerei“,

freute sich Geschäftsführer Wolfram

Kuhn. Die neuen Öfen ermöglichen einen

wirtschaftlicheren, umweltfreundlicheren

und gesundheitsschonenderen Gießereiprozess

für die Herborner.

In den letzten vier Jahren wurde die

Herborner Gießerei sukzessive modernisiert.

Die alte Formanlage wurde durch

eine teilautomatisierte Handformanlage

ersetzt, neue Sandbunker mit Sandkühler

und schnellem Mischer sowie eine Entstaubungsanlage,

welche die gesetzlich

vorgeschriebenen Grenzwerte um das

10-fache übertrifft, wurden installiert.

Laut Kuhn ist dies aber nur der Anfang,

denn in den kommenden zwei Jahren investiert

das Herborner Traditionsunternehmen

im Rahmen des begonnenen

Nachhaltigkeitsprozesses weiter.

So plant das Unternehmen unter anderem

eine große Fotovoltaik-Anlage zu

errichten, mit dem der Strombedarf der

Ofenanlage größtenteils gedeckt werden

soll. Ergänzend dazu wird der restliche

benötigte Strom durch ein neues Blockheizkraftwerk

erzeugt, das im Winter auch

die Hallen beheizen wird. Durch eine moderne

thermische Sandregenerierung

wird dann auch der Altsand reduziert, der

sonst auf der Deponie landen würde.

So befindet sich die Herborner Pumpentechnik

auf einem klaren Weg zu mehr

Nachhaltigkeit und Wirtschaftlichkeit und

erwartet durch die Neuinvestitionen im

Rahmen dieses Projekts insgesamt CO 2 -

Einsparungen von rund 700 Tonnen/Jahr.

Die Weiterentwicklung der Gießerei unterliegt

dem Investitionsförderprogramm zur

Reduzierung von CO 2 -Emissionen in gewerblichen

Unternehmen und wurde mit

Mitteln des Europäischen Fonds für regionale

Entwicklung (ERFE) kofinanziert.

www.herborner-pumpen.de

14 GIESSEREI 106 05/2019


Wechsel an der Unternehmensspitze

Stabübergabe an der Unternehmensspitze von Nabertherm: Timm Grotheer übernimmt

von Wilhelm Wentrot (v. l. n. r.).

> NABERTHERM: Nach 18 Jahren erfüllter

Tätigkeit an der Unternehmensspitze

der Nabertherm GmbH übergibt Friedrich

Wilhelm Wentrot den Stab an seinen

Nachfolger Timm Grotheer.

Unter der Führung von Wilhelm Wentrot

ist Nabertherm zu einem der führenden

Ofenhersteller in der Welt mit über 500 Mitarbeitern

und mehr als 60 Mio. Euro Umsatz

geworden. Maßgeblich hierfür war auch eine

konsequente Internationalisierung des

Geschäftes. Mit einem Exportanteil von 70

Prozent stehen heute Nabertherm-Öfen und

-Anlagen in allen Ländern der Erde. Das

Unternehmen aus Lilienthal bei Bremen hat

sich dadurch weltweit zu einem wichtigen

Partner seiner Kunden im Bereich thermischer

Prozesse bei Industrieanwendungen

gemacht. Das breite Produktsortiment wird

vollumfänglich am Standort Lilienthal/Bremen

produziert, Vertriebsorganisationen

und Partner im Ausland sorgen für die Untermauerung

der weltweiten Präsenz und

die notwendige Kundennähe. Hinzu kommt

eine der größten Konstruktions- und Entwicklungsabteilungen

in der Ofenbranche,

die es erlaubt neben einem breiten Angebot

an Standardöfen die Entwicklung und Herstellung

von kundenindividuellen Lösungen

erfolgreich umzusetzen. Wilhelm Wentrot

blickt damit auf eine sehr erfolgreiche Unternehmensentwicklung

und ein kontinuierliches

Wachstum über die letzten 15 Jahre

zurück. Beste Voraussetzungen für Timm

Grotheer – der zuvor bei der Lürssen-Gruppe

als Geschäftsführer aktiv war – das Unternehmen

erfolgreich weiterzuentwickeln.

Als Gesellschafter und Aufsichtsratsmitglied

wird Wilhelm Wentrot die Gesellschaft

auch zukünftig begleiten. Der Charakter

einer soliden Familiengesellschaft

bleibt erhalten. www.nabertherm.de

FOTO: NABERTHERM

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AKTUELLES

Protektionismus sowie Brexit befeuern Unsicherheiten

> ARGEZ: Die deutsche Zulieferindustrie

ist für das Jahr 2019 „wetterfest“

aufgestellt. Dennoch limitieren instabile

handelspolitische Leitplanken sowie EUspezifische

Unsicherheiten die Geschäftsentwicklung.

Das Jahr 2018 steht für die deutsche

Zulieferindustrie mit einem spürbaren

Umsatzplus von ca. 3 Prozent auf 264

Mrd. Euro in den Büchern. Die Lieferungen

an ausländische Kunden legten bei

einer Exportquote von rund 39 Prozent

in ähnlicher Dynamik auf 103 Mrd. Euro

zu. Es kann nicht oft genug betont werden,

dass die Stabilität nicht nur der internationalen

Wertschöpfungsketten,

sondern der globalen Märkte grundsätzlich,

für die deutschen Zulieferer essenziell

ist: Zusätzlich zu direkten Ausfuhren

landen Dreiviertel der im Inland abgesetzten

Komponenten und Aggregate

später zur Endverwendung im Ausland.

Diese indirekten Exporte sind die Ursache

für das Wachstum der Zulieferer,

denn die wichtigste Kundengruppe – die

deutschen OEMs – haben ihre Produktion

im Inland reduziert.

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Die Kapazitätsauslastung ist im Verlauf

des Jahres 2018 gegenüber dem

schon hohen Niveau aus dem Vorjahr

nochmals gestiegen (87 Prozent). Auch

für das erste Quartal 2019 zeigt sich die

hohe Beschäftigung der Kapazitäten stabil.

Dies ist allerdings überwiegend auf

die Auftragsbestände zurückzuführen.

Neue Impulse zeigen sich nur vereinzelt.

Vor dem Hintergrund des hohen Auslastungsniveaus

haben die Zulieferer ihre

Belegschaften im Vorjahresvergleich

nochmals um 3 Prozent aufgestockt: Die

Zahl der Beschäftigten ist Stand Ende

2018 auf ca. 1,2 Mio. Personen gestiegen!

Dass dies überhaupt realisierbar

war, unterstreicht die Attraktivität der

deutschen Zulieferindustrie auf dem Arbeitsmarkt.

Investitionen mit realistischer langfristiger

Markteinschätzung anzugehen,

das ist der Rahmen in dem die Zulieferer

ihre Investitionsentscheidungen treffen.

Erweiterungsinvestitionen sind nicht in

der Breite das Gebot der Stunde. Eher

geht es um strukturelle Anpassungen,

Integration von Automatisierungs- und

Digitalisierungsmöglichkeiten sowie die

Erweiterung und Optimierung der Angebotspalette.

Die unverändert investitionsfreundliche

Zinslage stützt das Bemühen

der Unternehmen, sich kontinuierlich

zukunftsfähig zu positionieren.

Die reale Lage spiegelt sich deutlich

im Geschäftsklima der Zulieferer wider:

Die Bewertung der aktuellen Lage ist

zwar von ihrem durch Überhitzung geprägten

Höchststand von vor einem Jahr

deutlich gesunken. Dennoch liegt der

Bewertungssaldo immer noch bei plus

20 Prozentpunkten. Auf Sicht des Jahresverlaufs

sehen sich die Zulieferer einer

Fülle an Unwägbarkeiten gegenüber,

die ihre Perspektiven unter Druck setzen.

Hier sind die politischen Akteure

insbesondere auf der handelspolitischen

Bühne gefordert.

Die Hängepartie beim Brexit lässt die

Verunsicherungen bei den Unternehmen

der Zulieferindustrien andauern. Die Gefahr,

dass Wertschöpfungsketten abreißen,

liegt auf der Hand. Die Ankündigung

der britischen Regierung, im Falle eines

Austritts ohne Abkommen Zölle auf den

Import von Fahrzeugen zum Schutz der

eigenen Automobilindustrie zu erheben,

hat die Verunsicherung nochmals verschärft.

Zusätzlich dazu stehen US-

Schutzzölle auf Fahrzeuge immer noch

im Raum. Die europäischen Automobilhersteller

als wichtige Kundenbranche

bzw. deren europäischen Standorte wären

betroffen. Da würde es auch wenig

nützen, wenn die Schutzzölle der USA

gegen WTO-Recht verstießen und die EU

vermutlich Gegenmaßnahmen treffen

würde. Die Nachfrage der Automobilhersteller

nach Zulieferprodukten würde

sich spürbar verändern.

Bei der PKW-Produktion bestätigt

sich ein schon länger andauernder

Trend, nämlich der Verlagerung von Inlandsproduktion

ins Ausland. Zu beobachten

sind weiterhin Modellverlagerungen

ins Nicht-EU-Ausland bei einigen

deutschen Automobilherstellern. Das

führt zwar zu einer rückläufigen Automobilproduktion

im Inland und zum

Wachstum im Ausland. Da die Zulieferer

aber weltweit liefern, sehen sie sich hier

gut gewappnet. Und innerhalb der EU

zeigen sich bei der PKW-Produktion tendenziell

Seitwärtsbewegungen. Die im

3. und 4. Quartal 2018 aufgetretenen

Produktionsrückgänge wegen des WLTP-

Zulassungsverfahrens sind nur noch als

„Nachwehen“ spürbar. Die jüngsten Signale

von den chinesischen Märkten

sind indes ambivalent. Im Automobilmarkt

sank das Marktvolumen im Januar

und Februar deutlich gegenüber

den Vorjahresmonaten, die chinesische

Regierung plant jetzt allerdings Konjunkturmaßnahmen

zur Stützung der Nachfrage.

Die in diesen Tagen von einem namhaften

deutschen Automobilhersteller

geforderten deutlichen Sparanstrengungen

bei den Zulieferern sehen diese sehr

kritisch, denn sie kommen zur Unzeit.

Die Automobilbauer und ihre Zulieferer

müssen jetzt mehr forschen denn je, um

zukunftsfähig zu bleiben. Dazu Christian

Vietmeyer, Sprecher der ArGeZ: „Emissionsfreie

Antriebe, autonomes Fahren

etc. sind die technologischen Herausforderungen,

bei der die gesamte Wertschöpfungskette

vom OEM über die Tier-

Unternehmen bis zum Grundstoffhersteller

jetzt liefern muss. Da passt es

gar nicht, wenn ein massiver einseitiger

Kostendruck vom OEM aufgebaut wird.“

www.argez.de

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für unsere Rubrik Aktuelles

berücksichtigen?

Dann schicken Sie Ihre Meldungen bitte

an: redaktion@bdguss.de


Transparenz

ist die Voraussetzung ...

... für die Kernfertigung 4.0.

Mit dem Digital Cockpit von Laempe Mössner Sinto werden aus Daten intelligente Informationen.

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ENERGIEVERBRAUCH GESAMT

Stündlicher Energieverbrauch

kWh

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STÜNDLICHE PRODUKTION

40

20

6:00 7:00 8:00 9:00 10:00 11:00 0:00 1:00 2:00 3:00

Uhrzeit

0

0:00 04:00 08:00 12:00

Uhrzeit

MASCHINENDETAILS UND OEE COCKPIT

WIRKLEISTUNGSVERLAUF GESAMT

100

80

40 60

60

40

20

0

Verfügbarkeit

Qualität

20

80

0

100

Gesamt OEE Fabrik

21. 23. 25. 27. 29. 31. 2. 4. 6. 8. 10. 12. 14. 16. 18.

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AKTUELLES

Kurzinterview mit ...

... Frank Koch, Vorsitzender der Geschäftsführung der Georgsmarienhütte Holding

GmbH. Zu dem Unternehmen aus der gleichnamigen Stadt in Niedersachsen gehören

im Verbund der GMH Guss GmbH, Schwerte, auch eine Reihe von Gießereien.

Herr Koch, Sie haben vor kurzem gesagt:

„Die Zukunft wird noch digitaler

als sie heute ist.“ Woran denken Sie

dabei: an Werkstoffe, an Produktionsabläufe,

an Logistik oder an Änderungen

in der Branche?

Die digitalen Innovationen betreffen alle

Bereiche: Produkte, Prozessketten, Arbeitsabläufe,

Geschäftsmodelle, Kundenkontakte

und Kundenanforderungen.

Digitalisierung, Innovation und Disruption

beziehen sich auf unser gesamtes

Geschäftsmodell, nicht nur auf einzelne

Abläufe oder Bestandteile.

Die Rahmenbedingungen sind stark im

Fluss. Denken Sie nur an die Mobilität

und die Energieerzeugung der Zukunft.

Das sind Faktoren, die unsere Industrie

erst einmal auf den Kopf stellen. Das

heißt, unsere Geschäftsmodelle werden

durch die Themen Mobilität, durch das

politische Umfeld und durch das Anwenderverhalten

auf eine neue Basis gestellt.

Von daher kann man die Schlagworte Digitalisierung,

Innovation und Disruption

nicht auf einen singulären Prozess oder

Ablauf in unserer Fertigung oder in der

Industrie beziehen, sondern es geht immer

um das Ganzheitliche. Alles ist miteinander

verbunden.

Wie gehen Sie mit den Herausforderungen

in Ihrem Unternehmen um?

Wie steuern Sie die Veränderungen?

Es ist ein Top-down-Prozess, der von den

Führungskräften, vom Management, angestoßen

werden muss. Der Erfolg eines

Veränderungsprozesses liegt dann in der

Organisation, liegt bei den Menschen,

die in ihrem Arbeitsumfeld konkret sehen,

was anders und besser gemacht

werden kann. Deshalb haben wir unserer

FOTO: MARKETSTEEL

Organisation in die DNA geschrieben:

Wir brauchen eine Innovations-Organisation,

eine Digitalisierungs-Organisation

und Menschen, die dies tun, die dies

umsetzen und dies auch in die Gruppe

hineintragen. Innovationen und Veränderungen

entstehen durch die Menschen.

An welchen digitalen Projekten arbeiten

Sie im Moment?

Frank Koch: Wenn wir über Digitalisierung

nachdenken, dann tun wir das prädiktiv.

Wir haben eine Reihe von Digitalprojekten

angestoßen, bei denen wir

vorausschauend agieren können. Ob das

nun vorbeugende Instandhaltung ist, ob

das vielleicht ein Vorausschauen in den

Märkten ist, ob das vorausschauende

Investitionen sind. Oder auch das sogenannte

Rapid Prototyping. Also die Frage:

Wie kommen wir dahin, dass wenn ein

Kunde ein neues Bauteil braucht, wir dieses

schnell als einzelnes Stück darstellen

und produzieren können, um anschließend

festzulegen: So soll das Bauteil

aussehen, so werden wir es mit

unserem Stahl und mit der Art und Weise,

wie wir den Stahl erzeugen, gemeinsam

umsetzen. Das heißt, die Entwicklung

neuer Produkte entsteht auch auf

Basis von Simulationssystemen, es entstehen

digitale Zwillinge. Wir simulieren

inzwischen für unsere Kunden deren Prozessabläufe

mit, wenn sie das wollen.

Und im Zuge dieser Digitalisierungsprozesse

entstanden und entstehen völlig

neue Berufsbilder. Die Mitarbeiter in den

Betrieben werden immer stärker zu Controllern

und Entscheidern.

Wie werden sich die Anforderungen

verändern? Werden die Hauptherausforderungen

aus dem Werkstoffbereich

kommen, aus der Politik oder

von Kundenseite?

Frank Koch: Von allen Seiten. Von der

Politik und auch aus der Gesellschaft heraus

an das Umfeld. Hier wird unter anderem

die Frage gestellt, wie wir produzieren.

Das heißt, wir wollen ein guter

Nachbar sein. Jeder möchte, dass die

Fabrik, die neben seinem Wohnhaus

steht, ihm nicht die Luft verschmutzt.

Und das ist ja tatsächlich bei unserer

Produktion schon längst nicht mehr der

Fall – weder beim Staub noch beim CO 2 .

Unsere Stahlproduktion ist komplett

elektrisch.

Neue Anforderungen kommen natürlich

auch vonseiten der Kunden. Zum Beispiel

im Automobilbereich durch die e-

Mobilität und andere Mobilitätskonzepte.

Dazu kommt, dass wir selbst als Branche

und als Industrie auch sehr daran interessiert

sind, unsere Produkte weiterzuentwickeln.

Wir machen zum Beispiel aus

unserer eigenen Fertigung heraus Vorschläge

an Interessierte, an Kunden und

an weitere Stakeholder. Alle genannten

Gruppen haben ein Interesse daran, dass

wir uns so verändern wie aufgezeigt. So

gesehen birgt die Digitalisierung enorme

Chancen und schafft Zukunft.

Sie zählen sich als Georgsmarienhütte

ja zum Mittelstand. Welche Unterschiede

gibt es Ihrer Erfahrung nach

zwischen Konzernen und Mittelstand?

Frank Koch: Es gibt wie immer Vor- und

Nachteile. Ein Konzern, insbesondere ein

börsennotierter Konzern, hat natürlich

Möglichkeiten in der Mittelherkunft, also

bei der Frage: Wie finanziere ich mein

Unternehmen. Damit ist es aber auch

mit den Möglichkeiten und den dahinterstehenden

positiven Prozessen aus meiner

Sicht erst einmal erledigt. Denn der

Mittelstand birgt viele Vorteile, die sich

auf Menschen, auf Abläufe und auf Organisationen

beziehen. Der Mittelstand

ist viel direkter in der Führung und viel

konkreter in den Handlungen, vor allem

aber schneller spürbar in den Effekten.

Wenn wir eine Fehlentscheidung treffen,

dann braucht es kein Geschäftsjahr, damit

die Menschen dies mitbekommen.

Vielmehr landet jede Entscheidung sofort

bei den Menschen. Jeder merkt sofort,

ob und was wir geleistet haben. Wir

haben dieses sogenannte Mittelstands-

Gen. Wir wollen die neueste Technologie,

aber zu vertretbaren Kosten. In ähnlicher

Form kennen Sie das vielleicht von den

Start-ups, dieses schnelle und kreative

Denken: Alles ist viel schneller greifbar.

In gewisser Weise ist es unser Anspruch,

selbst zu versuchen, so zu denken wie

ein Start-up.

Das Interview mit Frank Koch führte

marketSTEEL

18 GIESSEREI 106 05/2019


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Modernisierung mit

Maß und Ziel

Marcel Tröger, Projektmanager Entwicklung

bei ES-Automobilguss, ist optimistisch, dass

er mit den aktuellen Modernisierungsmaßnahmen

die Weichen richtig gestellt hat.

Mit einem Investitionsvolumen von 10 Millionen Euro modernisiert die Gießerei

ES-Automobilguss aktuell ihre Produktionsanlagen. Vorrangiges Ziel ist die Ausweitung

des Portfolios an Gusswerkstoffen, die entsprechend dem aktuellen Stand der Technik

möglichst wirtschaftlich hergestellt werden sollen. Zu den ersten Maßnahmen zählte die

Teilmodernisierung eines Vergießofens aus den frühen 70er Jahren durch Otto Junker.

FOTOS: OTTO JUNKER

VON ULRIKE GERHARDS, STOLBERG

Das Ergebnis dieser Modernisierung

stellt eindrucksvoll unter Beweis,

dass auch vergleichsweise kleine

Maßnahmen große Wirkung entfalten können:

Ausschuss, Kosten und Wartungsaufwand

verringerten sich signifikant.

ES-Automobilguss

Seit Mitte der 1990er Jahre machte sich

die traditionsreiche ES-Automobilguss

GmbH in Schönheide im Erzgebirge einen

Namen als Spezialist für die Herstellung

von Differenzialgehäusen aus schwarzem

Temperguss. Automobilhersteller, darunter

sowohl die VW- als auch die Renault-

Gruppe, vertrauten auf die Gussteile der

Gießerei, die seit 450 Jahren durchgängig

in Betrieb ist. ES-Automobilguss liefert

diese, sofern gewünscht, komplett einbaufertig

– gedreht, gefräst und geschliffen

– direkt ans Band. Auch den Modellbau

haben die Schönheider selbst im

Haus – ausgehend vom Zeichnungssatz

können sie sogar die komplette Konstruktion

von Gussteilen übernehmen.

Nicht mehr in Mode: schwarzer

Temperguss

Bis zum Jahr 2016 hatte das Unternehmen

als Zulieferer der Automobilindustrie gute

Jahre. Dann rächte sich, dass sich ES-Automobilguss

sowohl hinsichtlich des Gusswerkstoffes

als auch hinsichtlich der Branche

in den vergangenen 20 Jahren stark

fokussiert hatte. „Schwierig wurde es für

60 GIESSEREI 106 05/2019


UNTERNEHMEN & MÄRKTE

uns, weil schwarzer Temperguss einfach

aus der Mode gekommen ist. Alle wollen

Sphäroguss. Junge Ingenieure kennen den

Temperguss oft gar nicht mehr“, erläutert

Marcel Tröger. Obgleich der Projektmanager

Entwicklung bei ES-Automobilguss sicher

ist, dass der Werkstoff für Differentialgehäuse

auch weiterhin bestens geeignet

ist, war ihm und seinem Team klar,

dass es nur einen Weg aus der Krise gibt:

In Technik investieren und das Werkstoffund

Produktangebot erweitern. „Dann

sind wir breiter aufgestellt und können

viele Kundenwünsche schnell abdecken.“

Der Weg der Vernunft:

das Portfolio erweitern

Im April 2018 stellten Tröger und sein

Team der Prevent-Gruppe die Pläne vor,

welche die Zukunft der Gießerei sichern

sollen. Sie überzeugten den Investor. Mit

einem Budget von 10 Millionen Euro werden

bis September 2019 die Voraussetzungen

geschaffen, um die Herausforderungen

der Zukunft zu meistern. Marcel

Tröger erwartet, dass ES-Automobilguss

künftig eine reine Kundengießerei sein

wird, die kleine Losgrößen aus verschiedenen

Gusswerkstoffen, schwarzem und

weißem Temperguss sowie Sphäroguss,

herstellt. Potenzielle Kunden sieht er in

der Bau-, Gerüstbau- und Landwirtschaftsmaschinenindustrie

sowie beim

Armaturenguss. „Um die Investitionskosten

zunächst möglichst niedrig zu halten,

gehen wir den Weg der Vernunft. Überall,

wo es möglich und sinnvoll ist, modernisieren

wir vorhandene Maschinen und

Anlagen“, so Tröger. Zunächst gehe es

darum, das neue Portfolio zielgerichtet

produzieren zu können.

Durch Teilmodernisierung auf

dem Stand der Technik

Ein gelungenes Beispiel, dass auch eine

nur teilweise Modernisierung zu eindrucksvollen

Ergebnissen führen kann, ist der

Vergießofen in Gießlinie 2. Grundgefäß,

Induktor und Fahreinrichtung des Inducal-

Rinnenofens mit Siphonprinzip aus den

frühen 70er Jahren sind im Original erhalten.

„Vor gut zehn Jahren hat Otto Junker

die Stufenschaltung für den Induktor modernisiert“,

berichtet Tröger. Im Zuge des

Baus einer neuen DISA-Formanlage sollte

auch die Gießperipherie auf den neuesten

Stand der Technik gebracht werden. „Otto

Junker kennt unseren Ofen, da war klar,

dass wir das wieder zusammen machen“,

so Tröger. Kern der Erneuerung war die

Dosiereinheit beziehungsweise die Aufgabe,

das flüssige Eisen exakt dosiert in die

Form zu gießen. Die Druckbeaufschlagung

und die gesamte dahintersteckende Steuerung

wurden ebenfalls erneuert. Georg

Renftle, After Sales Engineer, Foundry

Plants, der das Projekt seitens Otto Junker

betreute, schildert die Ausgangssituation:

„Vor der Modernisierung lief der Gießprozess

praktisch ungeregelt ab. Es wurde

eher ein Überlaufen der Gießformen toleriert,

als die Gefahr, dass Formen nicht

ausreichend gefüllt werden“.

Die kastenlose DISA-

Formanlage entspricht

neuester Technik. Das

Bedienelement für die

Gießstrecke ist

schwenkbar und aus

jeder Position zu bedienen

– entweder mit

Blick auf die Formanlage

oder auf den

Gießprozess. Auf dem

Bildschirm ist die Visualisierung

des Belycast-Systems

zu sehen.

Das flüssige Eisen wird derzeit noch in

einem Kupolofen gewonnen. Trommelpfannen

transportieren es in 2,50 m

Höhe durch die Halle und befüllen den

Rinnenofen.

Belycast-System für mehr Effizienz

Zwar hatte man in Schönheide für das

Gießen unterschiedlicher Gussteile individuelle

Gießkurven hinterlegt, sodass

sich der Stopfen wie gelernt hob und

senkte, aber damit wurde nicht geregelt,

sondern lediglich gesteuert. Dieses

Teach-In ist heute weiterhin verfügbar und

notwendig, um die Startparameter festzulegen.

Es wird jetzt aber ergänzt durch

das Belycast-System von Otto Junker für

die automatische Formfüllung. Dieses besteht

in der Hauptsache aus einem Stopfenantrieb

mit Linearmotor, Gießsensoren

(Kameras), intelligentem Controller sowie

einer intuitiven und bedienerfreundlichen

Mensch-Maschine-Schnittstelle. Vorteile

des Stopfenantriebs sind dessen hohe

Geschwindigkeit beim Schließen und Öffnen,

die einstellbare Schließkraft sowie

der praktisch verschleißfreie Linearmotor.

Die Gießsensoren basieren auf Schwarz/

Weiß-Ethernet-Kameras. Sie sind wassergekühlt

in Gehäusen untergebracht und

daher gut vor den rauen Umgebungsbedingungen

geschützt. Ihr Einbau ist einfach,

sie messen schnell und genau und

eignen sich für alle Gießtrichterformen

und -größen von 70 bis 300 mm.

Belycast ermöglicht es einerseits, den

Guss direkt zu erfassen und danach zu

regeln, andererseits aber auch den Abguss

zu überprüfen. Die erste Kamera

schaut auf den Eingießtrichter, die zweite

auf die Oberfläche der eingegossenen

Gießform. Die erfasste Füllhöhe der gegossenen

Form kann korrigierend auf den

GIESSEREI 106 05/2019 61


aktuellen Abguss einwirken. Ändert sich

beispielsweise durch äußere Einflüsse die

Formsandqualität, sodass sich dessen

„Schluckvermögen“ ändert, wird automatisch

beigeregelt. „Unser Belycast-System

ist seit fast fünf Jahren auf dem Markt

und bewährt sich in allen Anlagen – es

dürften zwölf oder dreizehn sein – in denen

es in Betrieb ist“, sagt Georg Renftle.

Wie gut, das verdeutlichen eindrucksvoll

Bilder der gegossenen Gießformen. Marcel

Tröger: „Ich schätze die Ersparnis an

Kreislaufmaterial auf 10 Prozent und gehe

davon aus, dass wir unseren Ausschuss

ausgehend von ca. 5 Prozent um

etwa 1 Prozent reduzieren konnten.“ Zu

den Vorteilen des automatischen Gießens

mit Belycast zählen darüber hinaus eine

optimierte Gießzeit und ein höherer

Durchsatz, sodass insgesamt eine deutliche

Effizienzsteigerung festzustellen ist.

Mehr Einsparen mit der

Badstandsregelung

Eindrucksvoll zeigt

dieses Foto, wie gut

das Belycast-System

den Füllstand

der Gießformen

regelt.

Das Belycast-System sorgt dafür, dass

Überguss minimiert wird. Das Kamerabild

des laufenden Abgusses ist die

Regelgröße.

Einsparpotenzial bestand auch an anderer

Stelle: Bei diesem Rinnenofen wird das Eisen

über einen auf das Bad aufgegebenen

Stickstoffdruck in den Gießkasten gedrückt.

Wegen vieler Leckagen funktionierte

die Badstandsregelung vor der Modernisierung

eher schlecht als recht. Für das

Ergebnis des Abgusses ist es jedoch wichtig,

dass die geostatische Höhe der Metallsäule

immer gleich bleibt. Damit das

flüssige Eisen schnell genug in die Formen

floss, musste mit gut 2,5 bar eingangsseitig

eingespeist werden. Nur so waren am

Ofen die notwendigen 200 mbar zu erreichen.

Durch den Einbau einer neuen

Drucksteuerung, eines Schwimmers als

Badstandsensor mit analogem Ausgangssignal

und dem Abdichten des Ofens entspricht

der Druck heute sowohl auf der

Einspeiseseite als auch im Ofen ca. 200

mbar. Otto Junker hatte im Vorfeld speziell

dafür ein Ersatzgefäß nach Lammersdorf

geholt, um vor Ort auch Drucktests durchführen

zu können. Und weil die Herstellung

von Stickstoff ausgesprochen energieintensiv

ist, rechnet Tröger bezogen auf die

Stickstoffherstellung mit einem Energieeinsparpotenzial

von 15 - 20 Prozent.

Sein Fazit: „Im Ergebnis hat die Modernisierung

des Rinnenofens sogar mehr

gebracht als erwartet. Selbst unter den

momentan schwierigen Bedingungen sollte

sie sich innerhalb von zwei Jahren

amortisieren.“ Neben der Einsparung an

Ressourcen wirken sich ein verminderter

Wartungsaufwand und deutlich weniger

Reparaturen positiv aus.

62 GIESSEREI 106 05/2019


UNTERNEHMEN & MÄRKTE

Fit für die Zukunft ab

September 2019

Beim Linearantrieb des Stopfens ist das

einzig bewegte Bauteil das Schubrohr

mit spiralförmiger Nut.

Marcel Tröger, von dem Georg Renftle

sagt, dass er keine Probleme, sondern

nur Lösungen kenne, wird das freuen. Er

und sein Team können ihre ganze Kraft

nun in all die Modernisierungsmaßnahmen

stecken, die ES-Automobilguss bis

September 2019 geplant hat. Dazu zählen

eine neue vollautomatisierte Stopfengießpfanne

für die Gießlinie 1 und eine neue

Mittelfrequenz-Tiegelofenanlage, die den

Kupolofen als Schmelzofen ersetzen wird.

Sowohl die Schmelzöfen als auch die

Stopfengießpfanne – speziell maßgeschneidert

für ES-Automobilguss – werden

von Otto Junker geliefert. Die neue

vollautomatisierte Stopfengießpfanne mit

1,2 Tonnen Nutzinhalt, im Prinzip ein unbeheiztes

Gefäß, aus dem man flüssiges

Eisen über den Hub des Grafitstopfens

gerichtet in die Form abgießen kann, wird

künftig für das Gießen von Sphäroguss

genutzt.

„Auch wenn bei Otto Junker erfahrungsgemäß

auf meine Kundenwünsche

mehr als üblich eingegangen wird, haben

wir den Mittelfrequenz-Induktions-Tiegelofen,

eine Doppelofenanlage mit zwei

Schmelztiegeln und jeweils 6 Tonnen

Nutzinhalt, regulär ausgeschrieben“, so

Tröger. Schnell habe sich jedoch herauskristallisiert,

dass Otto Junker hinsichtlich

des Leistungsangebots für ES-Automobilguss

die beste Wahl ist. Überzeugt

hat Tröger insbesondere die moderne

IGBT-Umrichtertechnik mit der Möglichkeit

der Frequenzumschaltung von

250 Hz auf 125 Hz. Aktuell ist dieser

Ofen bei den Simmerathern bereits in

der Fertigung, während bei ES-Automobilguss

der Betonbau in der Althalle vorbereitet

wird. Bei der im Sommer 2019

geplanten Montage wird die ES-Automobilguss

wieder lokale Montagefirmen einbinden,

um auch in der Region ein Zeichen

zu setzen, dass es in Schönheide

weitergeht. Bevor die beiden Öfen jedoch

installiert werden, können Besucher der

GIFA 2019 einen dieser Ofenkörper am

Stand von Otto Junker genau unter die

Lupe nehmen.

Gute Aussichten

ES-Automobilguss hat mit den Modernisierungsmaßnahmen

die Voraussetzungen

geschaffen, wieder neue Geschäftsfelder

zu erobern. Schon jetzt zeichnet

sich ab, dass ab dem zweiten Halbjahr

weißer Temperguss in höheren Stückzahlen

produziert wird. Schon 2020 möchte

ES-Automobilguss –

Schönheide/Sachsen, Modernisierungsmaßnahmen

2018/2019

Gießlinie 2 (Produktion von schwarzem

und weißem Temperguss)

> Neue kastenlose Formanlage (DISA)

> Teilmodernisierung des Vergießofens

(Otto Junker) mit Belycast-System

Formsandaufbereitung

> Neuer Sandkühler (Eirich)

Schmelzbetrieb

> Neuer Mittelfrequenz-Tiegelofen (Otto

Junker)

Gießlinie 1 (Produktion von Sphäroguss)

> Neue vollautomatisierte Stopfengießpfanne

(Otto Junker)

Investitionsvolumen: ca. 10 MIO. Euro

ES-Automobilguss wieder rentabel arbeiten.

Die Voraussetzungen sind gut, weil

mit Bedacht und Blick auf die Kosten vernünftig

und mit Maß und Ziel modernisiert

wurde.

www.otto-junker.com

Ulrike Gerhards, Wibo – Technologiekommunikation

GmbH, Stolberg

GIESSEREI 106 05/2019 63


UNTERNEHMEN & MÄRKTE

FOTOS: DARIUS SOSCHINSKI/BDG

Deutsche Gussproduktion

2018 und Ausblick 2019

Wie hat sich die deutsche Gussproduktion

entwickelt? Unser

Artikel analysiert 2018 und gibt

einen Ausblick auf 2019.

Anschließend an die Analyse der Weltgussproduktion für das Jahr 2017 in der

April-Ausgabe der GIESSEREI, folgen in dieser Ausgabe die Ausführungen zur Lage

der Gussproduktion 2018 in Deutschland und der Ausblick 2019.

VON HEIKO LICKFETT UND SOPHIE

STEFFEN, DÜSSELDORF

Während die deutsche Gießerei-

Branche für 2018 noch ein minimales

Plus von knapp einem

Prozent erzielen konnte, fällt die Prognose

für 2019 weniger gut aus: Je nach Entwicklung

der geopolitischen Faktoren wären

ein Ergebnis auf Vorjahres-Niveau

oder sogar ein gewisses Minus möglich.

Deutsche Gussproduktion 2018

Zu Beginn des Jahres 2018 wurde in der

April-Ausgabe der GIESSEREI eine Einschätzung

bezüglich der Entwicklung der

deutschen Gussproduktion für die nachfolgenden

Monate des Jahres abgegeben.

Nun stellt sich die Frage, ob sich diese

Prognose bestätigen lässt oder sich ein

anderer Trend ergeben hat.

Rückblick: Die Wahrscheinlichkeit,

dass sich nach dem konjunkturellen Erholungsjahr

2017 auch im Jahr 2018 die

deutsche Gießerei-Industrie weiter leicht

beleben würde, wurde als recht hoch eingeschätzt.

Daher wurde sowohl kundenals

auch werkstoffübergreifend weiteres

Wachstum (volumenbezogen) für die deutsche

Gießerei-Industrie prognostiziert.

Hierbei wurde im „Best Case“-Szenario

eine signifikante Plus-Rate von deutlich

mehr als fünf Prozent kalkuliert, sollte die

Entwicklung des Fahrzeugbaus positiver

als erwartet sein. Ein deutliches Minus

sollte nur entstehen, wenn sich exogene

Faktoren, wie beispielsweise geopolitische

Ereignisse, unerwartet negativ sowohl

auf die Gießerei-Industrie als auch

auf die Gesamtkonjunktur auswirken.

Im Rückspiegel betrachtet wurde weder

das „Best Case“ noch das „Worst

Case“-Szenario realisiert. Stattdessen hat

sich für die deutsche Gießerei-Branche in

2018 ein leichter Produktionszuwachs

von 0,8 Prozent ergeben. Wie schon in

den vorhergehenden Jahren zeigte sich

hierbei eine heterogene Entwicklung in

den einzelnen Werkstoffgruppen.

Richtet man den Blick auf die beiden

Hauptkundenbranchen der Gießerei-Industrie,

wird deutlich, dass der Produktionszuwachs

weniger auf den Fahrzeug-

68 GIESSEREI 106 05/2019


au, sondern eher auf den Maschinenbau

zurückgeführt werden kann: Aufgrund der

seit September 2018 gültigen neuen Prüfkriterien

(WLTP), kam es beim Straßenfahrzeugbau

zu gravierenden Problemen

und einer in der Folge einbrechenden

Pkw-Fertigung. Der daraus resultierende

spürbare Rückgang bei den Auftragseingängen

für die Gießer zeigte sich grundsätzlich

werkstoffunabhängig. So wurden

von den Eisen- und Stahlgießereien für

den Fahrzeugbau im Jahr 2018 mit 2,331

Mio. t um 0,3 Prozent weniger Komponenten

als im Vorjahr produziert. Auf der

NE-Metallseite waren die Auswirkungen

allerdings noch deutlicher zu spüren, da

die Abhängigkeit dort mit 80 Prozent Anteil

Fahrzeugbauguss traditionell höher

ist. Die deutschen NE-Metallgießer mussten

letztendlich mit 1,176 Mio. t einen

Rückgang um 2,4 Prozent hinnehmen.

Im Gegensatz hierzu spielte den Eisengießereien

statistisch die gut laufende

Maschinenbaukonjunktur in die Karten.

Sowohl aufgrund der hohen Anlagenauslastung

als auch eines schwachen Schlussquartals

2018 konnte der deutsche Maschinen-

und Anlagenbau seine Produktion

jedoch nicht über zwei Prozent hinaus

ausweiten. Insgesamt ergab sich im Jahr

2018 für die Eisen- und Stahlgießereien

mit 4,256 Mio. t ein Produktionsanstieg

um 1,7 Prozent. Die Unternehmen, welche

Teile für den Maschinenbau abgießen,

fertigten mit 1,103 Mio. t um 1,1 Prozent

über dem 2017er Niveau. Die Fertigung

sonstiger Gusskomponenten lag mit

0,821 Mio. t um 8,8 Prozent höher. Es ist

zu vermuten, dass sich im Bereich der

130

110

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70

50

Jan 08 Jan 10 Jan 12 Jan 14 Jan 16 Jan 18

sonstigen Gusskomponenten auch viele

Teile für den Maschinenbau verbergen,

da eine scharfe Abgrenzung z.B. zwischen

Maschinenbau und Elektrotechnik nicht

mehr möglich ist.

Ausblick 2019

Fahrzeugbau Maschinenbau Gießerei-Industrie

Auftragseingang der deutschen Gießereien seit 2008: Die Jahre 2016 bis 2019 (Lupensymbol)

haben wir auf der nächsten Seite (Seite 70) nochmal gesondert dargestellt.

Was könnte nun das aktuell laufende Jahr

2019 bieten? Sowohl bei den NE-Metallgießereien

als auch bei den Eisen- und

Stahlgießereien ergeben sich alleine aus

den Werten für Januar und Februar 2019

wenig verlässliche Signale für die kommenden

Monate. Aus diesem Grund liegt

der Schwerpunkt der Betrachtung auf

dem Fahrzeug- und Maschinenbau, die

zusammen 80 Prozent der deutschen

Gussproduktion nachfragen und damit die

Hauptkundengruppen darstellen.

Fahrzeugbau

Szenarien unabhängiger Forecasting-

Institutionen wie LMC Automotive gehen

von einem deutlichen Minus gegenüber

2018 aus. Zudem korrigierte der VDA Anfang

März 2019 seine Prognose für die

innerdeutsche Pkw-Fertigung von plus

zwei Prozent auf minus fünf Prozent! Damit

würde sich ein schon länger andau-

KOMMENTAR

Deutsche Gießereien sollten sich wetterfest machen

FOTO: ANDREAS BEDNARECK

RA Max Schumacher,

Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes

der Deutschen Gießerei-Industrie

Die Wolken am Konjunkturhorizont ziehen sich seit Herbst 2018 spürbar zu.

Diese Analyse der BDG-Volkswirte wird durch Rückmeldungen aus der Branche

bestätigt: Nach den teilweise schmerzhaften Einschnitten durch WLTP gibt

es in der europäischen Automobilindustrie bestenfalls eine Seitwärtsbewegung

und auch der Maschinenbau verliert an Dynamik.

Die Gefahr eines konjunkturellen Gewitters hat auch angesichts der sonstigen

wirtschaftspolitischen Unsicherheiten deutlich zugenommen. Dass es zu

einem Sturm wie 2009 kommt, ist eher unwahrscheinlich. Die Rahmenbedingungen

sind andere.

Eigentümer und Geschäftsführer der Gießereien sind gut beraten, ihr Haus

auf konjunkturelle Wetterfestigkeit einzurichten. Insbesondere die Fähigkeit,

im Produktionsablauf mit höchstmöglicher Flexibilität reagieren zu können,

wird weiterhin an Bedeutung zunehmen. Die fordernden Signale aus den Kundenbranchen

sind hier eindeutig!

Und die Politik muss die Zeichen der Zeit verstehen, industrie- und handelspolitische

Verzerrungen abbauen und für den industriellen Mittelstand, der das

Rückgrat der deutschen Wirtschaft darstellt, wettbewerbsfähige Rahmenbedingungen

schaffen. Hierfür setzt sich der BDG aktiv ein.

GIESSEREI 106 05/2019 69


UNTERNEHMEN & MÄRKTE

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95

Fahrzeugbau Maschinenbau Gießerei-Industrie

85

Jan 16 Jan 17 Jan 18 Jan 19

ernder Trend bestätigen: Die Verlagerung

der Inlandsproduktion ins Ausland. Dies

führt einerseits zu einer rückläufigen innerdeutschen

Pkw-Produktion und andererseits

zu einer Fertigungszunahme im

Ausland. Entsprechend sind bei einigen

deutschen Automobilherstellern Modellverlagerungen

innerhalb Europas zu beobachten.

Doch es treten ebenfalls Verlagerungen

ins Nicht-EU-Ausland auf, die

mit dem Potenzial des verlagerten Komponenteneinkaufs

verbunden sind.

Insgesamt dürfte der Fahrzeugbau

(Pkw) in Europa das 2018er-Produktionsniveau

bestenfalls halten können. Da die

meisten Fahrzeugbaugießereien international,

zumindest aber europäisch, zuliefern,

dürfte das Szenario des europäischen

Marktes das wichtigste sein.

Darüber hinaus stehen die OEMs vor

weiteren Herausforderungen: Zwar werden

die WLTP-Nachwehen weiter abebben,

doch am Horizont tauchen die EVAP-

Problematik sowie die Verschärfung der

RDE-Prüfung (Real Driving Emissions) auf.

Hinter dem EVAP-Test (Evaporative Emissions)

verbirgt sich eine ab 1.09.2019

gültige neue Prüfung von Tank und Kraftstoffleitungssystem

aller Neuwagen in

Europa bzgl. der Ausdünstung von Kraftstoffen.

Auf dem internationalen Markt ergeben

sich zudem Unwägbarkeiten durch

potenzielle Zollsteigerungen beim Export

in die USA, betreffend sowohl Pkw als

auch Komponenten. Diese Diskussion ist

unverändert in der Schwebe. Die jüngsten

Signale von den chinesischen Märkten

sind indes ambivalent. Im Automobilmarkt

sank das Marktvolumen im Januar und

Februar deutlich gegenüber den Vorjahresmonaten.

Allerdings zeigen die bereits

eingeführten Konjunkturmaßnahmen der

chinesischen Regierung zur Stützung der

Nachfrage und Ankurbelung der Wirtschaft

schon ihre Wirkung. Schwächesignale

kommen außerdem aus der Großregion

Nordamerika.

Maschinenbau

Die zweitwichtigste Kundengruppe – der

allgemeine Anlagen- und Maschinenbau

– geht auf ein weiteres Wachstumsjahr

mit Vorbehalten zu. Die Erstprognose für

das Jahr 2019 lag bei plus zwei Prozent

basierend auf hohen Auftragsbeständen

und Durchlaufzeiten. Zum Start der Hannover

Messe wurde diese Prognose bereits

halbiert. Für Gießereien stellt sich

hier die Frage, inwieweit das Abarbeiten

von Auftragsbeständen im Maschinenbau

mit „historischer“ Gussproduktion verbunden

ist. Schließlich werden normalerweise

am Anfang der Durchlaufzeiten die

Gusskomponenten angefordert.

Viele Sparten, die für die Gießerei-

Industrie wichtig sind, schauen in unterschiedlicher

Intensität gedämpft optimistisch

in das Jahr 2019. Das bedeutet nicht

zwingend weitere Steigerungen! Angesichts

der ausgelasteten Kapazitäten ist

das Halten des Niveaus schon eine logistische

Meisterleistung für viele Unternehmen.

Ausnahmen gibt es, positive wie

negative.

Szenarien

Ein Minus für die deutsche Gussproduktion

ist mittlerweile durchaus absehbar.

Trotz der sich abzeichnenden Konjunkturschwäche

wäre jedoch ein starker Einbruch

aktuell nur vorstellbar, wenn exogene

Faktoren zum Tragen kommen, welche

die Gesamtkonjunktur zusätzlich

treffen. Das wären zum Beispiel eine starke

handelspolitische Eskalation sowie ein

harter Brexit bzw. andere geopolitische

Ereignisse. Nachdem die Brexit-Entwicklung

nun eine Verlängerung bis Oktober

2019 beinhaltet und dennoch komplett

offen ist, sind leider alle Szenarien denkbar.

Die Gießereien und ihre Zulieferer

sind hier hoffentlich vorbereitet ihren Teil

zur Stabilisierung der Lieferketten beizutragen.

Weiterhin befinden sich alle Handelsstreitigkeiten

zwischen den USA und

China in der Schwebe und können sich

jederzeit über Kollateraleffekte auf die EU

auswirken.

Nach aktueller Datenlage haben die

deutschen Gießereien somit im „Best

Case“ die größte Chance, in Summe das

Jahr 2019 mit annähernd dem gleichen

Produktionsniveau wie 2018 zu bewältigen.

Dafür sprechen zum einen die guten

Auftragsbestände bei den Maschinenbaugießereien,

welche mehr Substanz zu haben

scheinen als in der Hochphase

2007/2008. Zum anderen würde zu diesem

Szenario allerdings auch gehören,

dass die Gießereien, welche dem Fahrzeugbau

zuliefern, in der Produktion

knapp das Vorjahresniveau halten können.

Die Wahrscheinlichkeit, die Produktion

im Jahr 2019 deutlich zu steigern und mit

einem Plus von mehr als fünf Prozent abschließen

zu können, ist gering. Dem stehen

beim aktuellen Produktionsniveau die

hohe Auslastung und die, zu Recht, mit

Augenmaß betriebenen Erweiterungsinvestitionen

gegenüber. Die gesamtkonjunkturellen

Abschwächungssignale bieten

zudem kaum Raum für signifikante

Belebungen.

Elektromobilität

Die Frage nach der E-Mobilität stellt sich

natürlich dauerhaft. Insbesondere gilt

dies, wenn man die Ankündigungen der

OEMs bzgl. neuer Stromer-Modelle registriert.

Die zugehörigen Szenarien wurden

bei der Großen Gießereitechnischen Tagung

in Salzburg im April 2018 vorgestellt

und in den GIESSEREI-Ausgaben von April

und Juli letzten Jahres publiziert. Natürlich

bereiten sich alle Gießereien darauf vor,

wie ihr Geschäftsmodell bei zunehmender

Hybridisierung bzw. Elektrifizierung der

Fahrzeuge Bestand haben kann bzw. modifiziert

oder womöglich vollständig umgewälzt

werden muss. Dies sind allerdings

unternehmensindividuelle strategische

Fragestellungen vor dem Hintergrund von

steigenden Gussbedarfen auf Sicht der

nächsten Dekade.

Dipl.-Hdl. Heiko Lickfett und

Sophie Steffen, M. Sc.

Bundesverband der Deutschen

Gießerei-Industrie BDG, Düsseldorf

70 GIESSEREI 106 05/2019


NEUERSCHEINUNG

für den sicheren Umgang mit Induktionsofen-Schmelzanlagen

Dieses Fachbuch betrachtet alle sicherheitsrelevanten Fragestellungen, die beim Betrieb von Induktionstiegelöfen

im Schmelzbetrieb von Gießereien auftreten. Es analysiert das Gefährdungspotential am Ofen und seiner Peripherie,

hilft bei der Identifizierung möglicher Gefährdungen und nennt Maßnahmen zu deren Vermeidung. Die aktuell

verfügbare Sicherheitstechnik wird dargestellt, und es werden Maßnahmen zur präventiven Instandhaltung angegeben.

Vorgesetzten erleichtert es die Schulung der Mitarbeiter im Schmelzbetrieb und unterstützt das sichere

Arbeiten.

Schwerpunkt des Fachbuchs ist das Schmelzen von Eisenguss, doch auch Stahl-, Aluminium- und Kupfergießereien,

die Induktionstiegelöfen als Schmelzaggregate verwenden, können wesentliche Teile des Inhalts

anwenden.

Hauptkapitel: Funktionsweise und Betrieb des Induktionstiegelofens/Feuerfestauskleidung

und Optimierung der Haltbarkeit/

Mögliche Gefährdungen/Wartung und Instandhaltung/Mögliche

Störungen und Interventionsmöglichkeiten/Präventive Sicherheitsmaßnahmen/Normen

und Richtlinien

Sicherer Betrieb von Induktionsofen-Schmelzanlagen

Sicherheitseinrichtungen – Beherrschen von Betriebsstörungen –

Instandhaltung

Herausgeber: Bundesverband der Deutschen Gießerei-

Industrie (BDG), Verein Deutscher Gießereifachleute (VDG)

1. Auflage 2018, 190 Seiten, zahlreiche Abbildungen und Tabellen

Artikel-Nr.: 500408

ISBN: 978-3-96144-047-4

Preis: 59,00 €

DVS Media GmbH • Aachener Straße 172 • 40223 Düsseldorf

T +49 2 11 15 91-162 • F +49 2 11 15 91-150 • vertrieb@dvs-media.info • www.dvs-media.eu


BERUF & KARRIERE

72 GIESSEREI 106 05/2019


Frei nach Loriot: Ein Leben ohne Walzenguss

ist möglich, aber sinnlos. Groß, dreckig

und laut – das ist genau nach Anja

Borns Geschmack

Anja und die Walzen

Beruflich konnte sich Anja Born nach ihrem Abitur vor gut 20 Jahren so manches vorstellen.

Nur eines stand für die junge Frau damals fest: Ein technischer Beruf kommt

definitiv nicht infrage. Über Umwege entdeckte sie jedoch ihre Begeisterung für das

Gießen. Insbesondere Großgussteile haben es ihr angetan. Als Mitarbeiterin der Arbeitsvorbereitung

Walzenguss bei der Walzengießerei Coswig GmbH in der Nähe von

Dresden steht sie seit nunmehr 13 Jahren tagtäglich ihre Frau.

VON KARIN HARDTKE, NEUSS

FOTOS: TEKA

Die Profilwalze, die gerade aus der

Grube geholt wird, wiegt circa 46

Tonnen und war vorher für 24

Stunden zum Erstarren in der Form. Jetzt

wird sie in die Glühkammer überführt“,

erklärt Anja Born. Fünfzehn Glühkammern

gebe es insgesamt, fügt sie an. Die 40-Jährige

nickt den Kollegen kurz zu, rückt ihren

Helm zurecht und geht zügigen Schrittes

in Richtung des größten der insgesamt

vier Gießöfen in dieser Halle, um dort mit

den Kollegen über einen bevorstehenden

Abguss zu sprechen. Mehr als ein Dutzend

Walzen verlassen jede Woche die Gießerei.

Die schwerste Walze brachte stolze 60

Tonnen auf die Waage. „Die Planung

dieses Abgusses war für uns in der Arbeitsvorbereitung

eine ganz schöne Herausforderung“,

erinnert sich Born. Und

man könne nie ganz sicher sein, dass alle

Parameter innerhalb der vorgegebenen

Toleranzen blieben. Dass ab und an mal

etwas schiefläuft, sei halt Gießereialltag.

„Dann herauszufinden, woran es gelegen

hat, ist genauso spannend, wie die Vorbereitung

eines Abgusses.“ Der Walzenguss

sei eh etwas Besonderes und Spezielles,

findet Born. „Ich möchte diese spannende

Arbeit keinen Tag missen“.

Die Walzengießerei Coswig GmbH gibt

es bereits seit 1892. Sie gehört seit 1996

zum Gießereiverbund der DIHAG Holding

GmbH in Essen. Das Unternehmen ist

spezialisiert auf Walzenguss und Handformguss.

Mit rund 260 Mitarbeitern werden

in beiden Geschäftsbereichen jedes

Über 15 Glühkammern verfügt die Walzengießerei. Rund 850 Grad haben die Walzen

nach 24 Stunden Abkühlung noch.

Jahr mehr als 30 000 Tonnen Guss verarbeitet:

auf der einen Seite zu Profilwalzen,

Stauchwalzen oder Walzringen – auf der

anderen Seite zu Rotorhohlwellen, Mahlplatten

oder Getriebegehäusen. Zu den

Abnehmern zählen Stahl- und Walzwerke,

Hüttenwerke sowie Hersteller von Windenergieanlagen,

Druckmaschinen, Mahlund

Zerkleinerungsmaschinen sowie Maschinenbauer

aus verschiedenen Bereichen.

Wenn von den Kunden gewünscht,

bietet die Gießerei einen kompletten Service

aus einer Hand an – von der Entwicklung

bis hin zur fachgerechten Nachkalibrierung.

In den vergangenen Jahren wurde

kräftig investiert – in den Aufbau einer

neuen Gießerei für Handformguss, zwei

neue Glühkammern, eine CNC-Karusselldrehmaschine

und eine automatisierte

Wasservergütungsanlage für Walzen beispielsweise.

Ferienjob bei den Werkstoffprüfern

im Stahlwerk

Anja Born stammt aus dem südbrandenburgischen

Dorf Prösen an der sächsischen

Grenze zwischen Cottbus und Dresden.

Gerade einmal 1,60 m groß, äußerst

zierlich, blonder Pagenschnitt – auf den

GIESSEREI 106 05/2019 73


BERUF & KARRIERE

ersten Blick würden bei Anja Born vermutlich

nicht wenige auf einen klassischen

Bürojob tippen – irgendetwas bei

Gericht, einem Steuerberater oder im öffentlichen

Dienst beispielsweise. Und in

diese Richtung hätte die berufliche Reise

für die Abiturientin auch gehen können.

Ein Studium sei für sie zunächst nicht infrage

gekommen – „Bloß nicht schon wieder

die Schulbank drücken“. Da sie als

Schülerin in den Sommerferien stets gearbeitet

oder Praktika absolviert und somit

bereits in den einen oder anderen

Beruf hineingeschnuppert hatte, fand sie

einige Ausbildungsberufe ziemlich reizvoll.

„Rechtspfleger oder Bibliothekar hätte

ich mir gut vorstellen können. Und Apotheker

war damals schlichtweg mein

Traumberuf“, erinnert sich Born. Auch den

Eignungstest zum Fluglotsen habe sie absolviert

und bestanden, erzählt sie ein

wenig stolz und schmunzelt gleich darauf

über ihre damalige Berufsfindungsphase.

Als sie jedoch in den Ferien bei den

Schmiedewerken Gröditz GmbH jobbt und

so die Arbeit in einem Stahlwerk kennenlernt,

ist ein Bürojob endgültig abgehakt.

„Dort hatte man mich damals zu den

Werkstoffprüfern gesteckt – zerstörungsfreie

Prüfung mittels Ultraschall und so

weiter. Diese Arbeit hat mich total begeistert.“

Da auch das Betriebsklima passte,

absolviert die junge Frau eine dreieinhalbjährige

Ausbildung zur Werkstoffprüferin.

„Das war eine wirklich schöne Zeit“, sagt

sie rückblickend und klingt dabei fast ein

bisschen wehmütig.

Guten Morgen Frau Born,

guten Morgen meine Herren!

Nach ihrer Ausbildung arbeitete Anja Born

zunächst in der Fertigungskontrolle in einer

dem Stahlwerk angeschlossenen Gießerei.

Abwechslungsreich und interessant

sei die Arbeit gewesen – aber nichts für

zarte Gemüter. Riesige Schiffsbauteile mit

entsprechend großen Bohrungen stellt die

Gießerei-Rundgang

mit „Folgen“: Der

Walzenguss begeistert

Anja Born von

Anfang an. Rund ein

Dutzend Walzen

werden hier jede

Woche gegossen.

Gießerei unter anderem her. Als kleinste

und zierlichste Mitarbeiterin der Fertigungskontrolle

sei es dann meistens ihr

Job gewesen, in die engen Bohrungen

hineinzukriechen und die notwendigen

Messungen vorzunehmen. Anja Born ist

zäh, beißt sich durch – und doch belastet

diese anstrengende Arbeit mit der Zeit

zunehmend ihre Gesundheit. „Einmal bin

ich tatsächlich mit dem Ultraschallprüfkopf

an einem Gussteil festgefroren.“ Und

so entschließt sich die Werkstoffprüferin

schließlich, doch noch zu studieren. Da

sie dem Gießen auf jeden Fall treu bleiben

möchte, fällt ihre Wahl auf den Studiengang

„Werkstofftechnologie mit Schwerpunkt

Gießereitechnik“ an der TU Bergakademie

in Freiberg. Stipendien der

Hans-Böckler-Stiftung sowie des Stahlinstituts

VDEh helfen, die mehr oder weniger

einkommensfreie Studienphase zu überbrücken.

Dass es ein Bachelor-Studiengang

werden sollte, da war sich Anja Born

von Anfang an sicher. „Der Vorteil lag für

mich auf der Hand: eine überschaubare

Regelstudienzeit, wodurch man für die Unternehmen

schnell wieder verfügbar ist“.

Einen „Nachteil“ hatte der Studiengang

jedoch, erinnert sich Born und lacht: Sie

war die einzige Frau in ihrem Semester.

„Ich konnte im Gegensatz zu meinen

männlichen Kollegen eigentlich nie eine

Vorlesung ausfallen lassen. Denn schon

bei der Begrüßung hieß es immer: Guten

Morgen Frau Born, guten Morgen meine

Herren.“ Obwohl Frauen in technischen

Berufen definitiv auf dem Vormarsch seien,

gebe es halt insbesondere in der historisch

von Männern geprägten Gießereibranche

immer noch weit mehr Männer

als Frauen. Als Frau sei man in der Branche

auch heute noch ein Stück weit ein

Exot, so ihre Einschätzung. Für sie sei daher

von vorneherein klar gewesen, dass

sie als Frau in ihrem zukünftigen Beruf

besonders gut sein muss, um sich zu behaupten

und als kompetenter Gesprächspartner

wahrgenommen zu werden.

Nachdem sie ihren Bachelor-Abschluss

als Werkstofftechnologin mit

Schwerpunkt Gießereitechnik in der Tasche

hatte, bewarb sie sich bei verschiedenen

Gießereien in der Region. Wegzuziehen,

das kam für Anja Born nie infrage.

„Wenn alle von hier weggehen, was soll

denn dann werden?“, sagt sie. Manch ein

männlicher Gesprächspartner sei zunächst

ein wenig reserviert gewesen ob

einer weiblichen Gießereispezialistin, erinnert

sie sich. Nicht unbedingt eine angenehme

Erfahrung, gesteht sie. Aber:

„Ich weiß, wovon ich rede und ich kann

mich schon auch durchsetzen.“ Eine Initiativbewerbung

schickt Anja Born an die

Walzengießerei Coswig. Doch zu diesem

Zeitpunkt gibt es für die Ingenieurin dort

keine passende Stelle. Born hat mittlerweile

Jobzusagen einer Aluminiumgießerei

sowie einer Stahlgießerei – und entscheidet

sich für die Stahlgießerei. Sie

beginnt dort als Mitarbeiterin der Qualitätssicherung.

Die Arbeit ist vielseitig und

macht ihr Freude. Doch als kurze Zeit

später dann doch noch ein Anruf aus Coswig

kommt, zögert Born nicht lange und

schaut sich die Gießerei an. Ihre damalige

Gesprächspartnerin: Sabine Murcek,

Leiterin der Arbeitsvorbereitung Walzenguss.

Dort sucht man dringend Verstärkung.

Nach dem Gespräch und einem

Rundgang durch die Gießerei steht für

beide Seiten schnell fest: Die Aufgabe

passt – und was mindestens genauso

wichtig ist: Die Chemie stimmt. „Ich kann

das schlecht beschreiben. Aber es bestand

von Anfang an eine Vertrautheit, so

als wenn man sich schon ewig kennen

würde“, erzählt Born. Zum Ende der Probezeit

verlässt sie schließlich die Stahlgießerei

und wechselt zur Walzengießerei

Coswig in die Arbeitsvorbereitung Walzenguss,

wo sie bis heute arbeitet. Sabine

Murcek ist bis heute ihre Vorgesetzte.

Und sollte die einmal nicht da sein, so

übernimmt Anja Born seit einiger Zeit ihre

Aufgaben in Vertretung.

Kompetenz und Tatkraft –

ein unschlagbares Team

Ihre männlichen Gießereikollegen mögen

sie zwar in Sachen Körpergröße überragen,

aber auf der Nase herumtanzen lasse

sie sich deshalb noch lange nicht, betont

Born. In der Gießerei merkt man

schnell, dass die zierliche Ingenieurin

fachlich einiges auf dem Kasten hat und

weiß, wovon sie spricht. Und dass sie sich

für keine Arbeit zu fein ist und nicht nur

redet, sondern auch mit anpackt. Anja

Born arbeitet zu Beginn in der Walzenformerei

im Schichtdienst, sie reinigt die

74 GIESSEREI 106 05/2019


Herdwagen und schippt Legierungselemente.

Und auch am Gießofen beim Abschlacken

findet man sie. Als es ihr jedoch

nicht gelingt, den Schlackengreifer über

die Rinne zu ziehen, lässt der Kollege sie

zunächst einmal zappeln, bis er ihr

schließlich hilft. Anja Born ficht das nicht

an: „Nur Danebenstehen und Zuschauen

ist nicht mein Ding. Ich will es lieber selber

ausprobieren, auch wenn es letztendlich

mal nicht klappen sollte.“ Das kommt

an – wie auch die Tatsache, dass sie bei

Klärungsbedarf lieber den direkten Kontakt

sucht und in die Gießerei geht, statt

nur zum Telefonhörer zu greifen oder eine

E-Mail zu schreiben.

Selbstverständlich gebe es gute und

weniger gute Arbeitstage, genauso wie

Tage, die sie vorwiegend an ihrem

Schreibtisch vor dem Computer verbringt

– „wenn beispielsweise Auswertungen

gefahren werden müssen“, erklärt sie.

Doch statt klinisch rein, mag Anja Born

es lieber dreckig, laut und dunkel. Nach

einem Tag ohne Abstecher in die Gießerei

fehle ihr etwas, sagt sie. Bei besonderen

Abgüssen, wie der eines circa 40 Tonnen

schweren Kolbens (Fertiggewicht) im vergangenen

Jahr, sei sie auf jeden Fall immer

mit dabei. Genauso spannend sei es

jedoch, wenn sich bei einem Abguss doch

einmal ein Fehler einschleichen sollte.

„Insbesondere bei Fehlern, die vorher bei

Mit Leib und Seele Gießerin – nach einem

Studium an der TU Bergakademie

Freiberg hat die Werkstofftechnologin ihre

Passion gefunden.

identischen Abgüssen noch nie aufgetreten

sind, sind wir von der Arbeitsvorbereitung

gefordert. Manchmal findet man

einfach keine Antwort. Auch das kommt

vor.“ Sie fühle sich mit ihrer Arbeit verbunden,

so drückt sie es aus. Sie wolle

ihren Beitrag dazu leisten, dass die Arbeit

in der Gießerei rund läuft. So sei sie halt

schon immer gewesen. Halbe Sachen sind

nichts für sie. Diese Begeisterung spüren

auch Kunden und Besucher. Anja Born

erinnert sich an einen Tag der offenen

Tür, an dem sie Kunden die Gießerei gezeigt

hat. Die waren nach dem Rundgang

mindestens genauso beeindruckt von der

Gießerei wie von ihrer „Fremdenführerin“,

deren Enthusiasmus für ihre Arbeit und

das Gießen auf sie überschwappte.

Doch Anja Born ist nicht nur Vollzeit-

Gießereibegeisterte, sondern auch Vollzeit-Mama

– ein Spagat, der Flexibilität,

Belastbarkeit und ein ausgeprägtes Organisationstalent

erfordert. Eine Herausforderung,

die die 40-Jährige gerne annimmt

und mit der manch ein männlicher

Kollege wahrscheinlich so seine Schwierigkeiten

hätte. Nicht so Anja Born. Bereits

sechs Monate nach der Geburt ihres

Sohnes stand sie quasi Vollzeit wieder in

der Gießerei. Wenn Sie über ihren 8-jährigen

Sohn William spricht, ist ihr Stolz

fast mit Händen zu greifen. Mittlerweile

lerne er Kanufahren, früher habe er auch

Handball gespielt, erzählt sie. Dass Born

– selbst begeisterte Handballerin – ihr

Hobby aus Zeitgründen inzwischen aufgeben

musste, bedauert sie ein wenig.

Oder, dass ihr die Zeit fehlt, an den regelmäßigen

Absolvententreffen der TU Bergakademie

Freiberg teilzunehmen. Aber

man müsse halt Prioritäten setzen. Was

Anja Born viel eher Sorgen bereitet, sind

die Herausforderungen, denen sich die

deutsche Gießerei-Industrie derzeit gegenübersieht:

Billiganbieter aus China, die

auf den deutschen Markt drängen, der

Druck, neue Kundengruppen zu erschließen

oder die immer kürzer werdenden

Planungshorizonte beispielsweise. Nichtsdestotrotz:

Anja Born liebt ihre Arbeit

trotz aller Widrigkeiten bis heute. „Eine

Arbeit außerhalb einer Gießerei kann ich

mir überhaupt nicht vorstellen. Vorstellen

kann ich mir hingegen, eines Tages mehr

Verantwortung zu übernehmen.“ Sagt’s,

nimmt kurz ein Telefonat entgegen und

macht sich unverzüglich auf den Weg in

Richtung Bearbeitungszentrum – ein Kollege

hat eine Frage zur Profilierung einer

Walze.

GIESSEREI 106 05/2019 75


MEDIEN & BÜCHER

Der Metalldruck bei BMW

High-Tech am i8-Roadster

Haben auch Sie interessante Videos

zum Thema Gießereitechnik im Internet

gefunden? Senden Sie Ihre Videovorschläge

an: redaktion@bdguss.de

Den i8 stellt BMW auch als Rodster her – ein geprintetes Metallteil steckt im Verdeckmechanismus.

Metallpulver in der Fertigung. Qualitätskontrolle der geprinteten Teile. Filigranes Bauteil, fertig zum Einbau.

SCREENSHOTS: SAT.1 BAYERN

Die Bayerischen Motorenwerke sind

im Zeitalter des Metalldrucks angekommen.

Für ein Bauteil des neuen

Elektro-Roadster i8 setzt BMW komplett

auf diese Technik.

Offene Autos verfügen gemeinhin über

eine Abdeckung des zurückgeklappten

Verdecks. Diese Abdeckung, früher gerne

aus festem Stoff gemacht, besteht inzwischen

üblicherweise aus festem Material

und ist ein steifer Deckel. Dieser

Deckel wird mechanisch bewegt und

muss natürlich arretiert werden.

Und für genau diesen Verwendungszweck

hat BMW sein Bauteil im neuen Verfahren

konstruiert: Den Mechanismus des

Verschließens übernimmt beim i8-Roadster

kein Bauteil in Blechpräge- oder

Gusstechnik. Dieses Bauteil entsteht im

Metalldruck.

Das knapp halbminütige BMW-Video

zeigt anfangs den gezeichneten Roadster

und dann im Detail Szenen aus der Entstehung

des filigranen Bauteils. Hier ist

ein Laser der das Metallpulver aufschmilzt

ebenso zu sehen wie das Pulver

selbst. Schließlich auch die Bereiche des

fertigen Autos, in denen das Bauteil eingesetzt

wird. Gezeigt werden auch Phasen

des Verdeck-Öffnungsvorgangs. Der

374 PS starke Roadster kostet übrigens

mindestens 155 000 Euro - da fallen die

Kosten des Metallprints nicht weiter ins

Gewicht.

QR-CODE/Link:

YouTube-Link zum Film

https://bit.ly/2vpurFU

126 GIESSEREI 106 05/2019


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