Berliner Zeitung 07.05.2019

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Exklusive Forsa-Umfrage zum Leben der Berliner nach dem Mauerfall – Seiten 2und 3 4°/13° Mit ein wenig Sonne Wetter Seite 24 www.berliner-zeitung.de Dienstag,7.Mai 2019 Nr.104 HA -75. Jahrgang Auswärts/D*: 1.70 €–Berlin/Brandenburg: 1.60 € Die Wahl: „Mal sehen, wasder Krenz nachher im Fernsehen sagt.“ ULLSTEIN Ein wildes deutsches Jahr Der 7. Mai 1989 brachte die Geschichte ins Rutschen: Mit den gefälschten Wahlen in der DDR war für viele das Maß voll –sechs Monate später änderte sich die Welt. Eine Sonderausgabe der Berliner Zeitung über den Wegzum Mauerfall Die Erinnerung: „Damals entlud sich die Wut“, sagt Gregor Gysi. BLZ/PAULUS PONIZAK Geschichte erklärt sich erst im Nachhinein, aber im Frühjahr 1989 war vielen Menschen klar,dass sich bald etwas ändernwürde. Werheute sagt, er habe schon damals geahnt, dass ein halbes Jahr später die Mauer fallen würde, nun ja, dem muss man nicht glauben. Weraber damals gespürthat, dass vonjenen Tagen im Maianviel infrage gestellt werden sollte,der lag richtig in dieser Geschichte, die damals noch umkämpfte Gegenwartwar. Olaf Schwarzbach zum Beispiel, Sie kennen ihn als OL, Karikaturist der Berliner Zeitung, ging 1989 zum ersten Mal wählen und erkannte bald: Die Staatsmacht steht mit dem Rücken zur Wand. Hans Modrow, der SED-Mann, verstand die Welt nicht mehr. Der Anwalt Gregor Gysi wurde in ein neues Leben gestoßen, ein Politikerleben. Annette Simon, Christa Wolfs Tochter, spürte Hoffnung in jenen Tagen. Bürgerrechtler aus dem Weißenseer Friedenskreis waren sich unsicher,wie weit sie gehen konnten, ohne sich in Gefahr zu bringen. Der SchriftstellerVolker Braun sah das Ende der Zensur. Sie alle erinnern sich nun an diese besondere Zeit. Damals war die Geschichte offen, sie bewegte sich hin zu einem offenen Land. Das ist jetzt dreißig Jahre her, vergangen ist es nicht. Zeit für eine Bilanz in der Berliner Zeitung –ineiner Sonderausgabe über den Wegzum Mauerfall. Wir bieten Ihnen auf 22 Seiten ein Panorama der Zeit, die immer noch in unsere Gegenwart reicht. Auf den letzten sechs Seiten dieser Zeitung finden Sie heute das Aktuelle, den Tagestipp und das Fernsehprogramm. Wir wünschen Ihnen viel Freude auf dieser besonderen Zeitreise. Herzlich, Ihr Jochen Arntz, Chefredakteur, und die Redaktion der Berliner Zeitung Die Blamage: Der BND dachte, die DDR halte noch lange durch. PHOTOGRAPHER’S CHOICE Das Erbe: Viele Konflikte sind unbearbeitet, sagt Annette Simon. V. OTTO Der Plan: Bis Budapest und dann mal sehen. OL wollte weg. BLZ/MARKUS WÄCHTER 21019 30 Jahre ohne Mauer 4 194050 501603


2 Berliner Zeitung · N ummer 104 · D ienstag, 7. Mai 2019 ························································································································································································································································································· Das Jahr 1989 Als Kind habe ich in der Nähe der Bernauer Straße gewohnt. Bevor die Mauer gebaut wurde, bin ich immer rüber in den Westen gegangen, ins Kino. Eine Vorstellung für 25 Pfennig! Die Grenzöffnung selbst habe ich im Schlaf verbracht. Man wusste ja gar nicht genau, was los ist. Der Schabowski selbst wusste ja nicht, was er da vorliest. Undder DDR-Bürger musste am nächsten Tagarbeiten. Am Morgen saß dann plötzlich mein Schwager aus dem Westen in unserer Küche. Der ist angeschickert über die Mauer geklettert. Da wusste ich erst: Es stimmt. Zwei Wochen später bin Jürgen Hintze, 66 Der alte Wegzum Kino Jürgen Hintze hat nach der Wende zwei neue Berufe gelernt. ich zum ersten Mal meinen alten Weggegangen, wie früher ins Kino: die ganzeBernauer Straße entlang, in die Brunnenstraße nach Wedding rein. Die war dort damals noch nicht so zugebaut wie heute, sondern voller Fressbuden. Die Gerüche haben mich fasziniert, wie schon als Kind: Sogar aus den Wurstbuden roch es nach exotischen Gewürzen. Zu DDR-Zeiten war ich Physiklaborant. Nach dem Mauerfall habe ich erst Kommunikationselektroniker und dann Tischler gelernt. Vorallem die Arbeit mit Holz hat mir Spaß gemacht. Das ging nur dank der Wende. Ich lebe in Warschau, in Polen. Dort hat das Jahr 1989 viel verändert. Ich war damals erst sechs Jahre alt, aber ich erinnere mich an die Coca-Cola-Dosen und Legosteine, die es plötzlich auch ohne Dollar zu kaufen gab. Das habe ich geliebt. Vorher waren die Regale in den Geschäften oft leer, vor allem westliche Produkte gab es fast gar nicht im Angebot. Mein Vater machte sich nach dem Mauerfall selbstständig, wie so viele andere auch. Das war fantastisch. Viele Russen kamen nach Warschau, um von der Öffnung der Märkte zu profitieren. Marek Skrzecz, 35 Ein amerikanischer Traum Marek Skrzecz kommt aus Warschau und sieht sich heute als Europäer. Marcel Beier, 25 Genauso cool oder uncool Viele der damals gegründeten Firmen zählen heute noch zu den erfolgreichsten Unternehmen. Ich bin Regisseur und zurzeit in Berlin, um meinen Film vorzustellen. Er heißt „American Dream“. Es geht darin um einen Jungen, der in einer kleinen polnischen Stadt aufwächst und Wrestler in Amerika werden will. Für ihn sind all diese Dinge aus dem Westen faszinierend. Ein großer Traum, wie für mich damals auch. Heute spielt die Teilung für mich keine Rolle mehr. Ich sehe mich als Europäer, nicht als Mensch aus dem Osten. Fragen der Freiheit Wieblicken die Berliner auf den Mauerfall zurück? Wasüberwiegt – das Positive oder das Negative? Und wie steht es um die Unterschiede zwischen West und Ost? VonAnnika Leister Ich bin erst 25 Jahre alt, die Wende habe ich ja nicht miterlebt. Aber ich finde, dass sich die Teilung immer noch bemerkbar macht. Vorallem bei den Älteren. Das habe ich auf der Arbeit gemerkt. Ich habe bis vor kurzem in einer Elektro-Firma gearbeitet. Im Betrieb haben sich die Kollegen regelmäßig als „Ossis“ und „Wessis“ beschimpft. Manchmal sind die sich richtig an den Kragen gegangen, das ist total ausgeartet. Konkrete Kritik hatten sie nicht, abgelehnt haben sie sich trotzdem. Ich bin in West-Berlin aufgewachsen. Mein Vater hatte früher auch so eine Einstellung, nach dem Motto: „Scheiß-Ossis“. Eine Marcel Beier hätte am liebsten eine Wohnung in Friedrichshain. Zeit lang habe ich das als Jugendlicher übernommen. Bis ich gemerkt habe: Wasfür ein Quatsch. Diesind genauso cool oder uncool wie alle anderen. Seit Wochen bin ich auf Wohnungssuche und inzwischen ziemlich verzweifelt. Am Anfang hatte ich noch ein paar Wunschbezirke. Friedrichshain zum Beispiel, dort würde ich sofort wohnen. Inzwischen nehme ich alles. Nur in den allertiefsten Osten, nach Hellersdorf, würde ich immer noch nicht ziehen. Ich glaube, dort würde ich depressiv werden. Wasich an Ost- Berlin mag: Da berlinerndie Menschen noch stärker. Für die Stadt finde ich das wichtig. Ich wünsche mir die DDR zurück Ich kam am Tagdes Mauerfalls vonder Spätschicht, da rief mein Schwiegersohn an und sagte: Die Grenzen sind auf. Undich hab gesagt: Du spinnst doch. Dann sind wir mit dem Trabi rüber in den Westen gefahren. Auch am nächsten Tagsind wir gleich wieder rüber,habenWestgeld zusammengeklaubt und eingekauft: Kaffee und was es plötzlich alles gab. Das war fantastisch. Aber als danach die ganzen Fabriken zusammengebrochen sind, als so viele arbeitslos wurden, das war schlimm. Ich wünsche mir die DDR zurück. Nicht wegen der Regierung, die haben jede Menge Christel Hoffmann, 83 Christel Hoffmann tanzte gerne in Clärchens Ballhaus die Nacht durch. Scheiße gebaut. Aber die Möglichkeiten für Kinder und Frauen waren damals viel besser. Ichhabe sechs Kinder,die konnten ins Ferienlager fahren, waren bei den Pionieren. Und ich habe mein Leben lang gearbeitet. Zu DDR-Zeiten war das normal, dass Frauen trotz Kindern arbeiten und Karriere machen konnten. Das hat sich leider verändert. Auch der Zusammenhalt unter den Kollegen war besser.Wir haben unsereTrinkgelder immer in Clärchens Ballhaus auf den Kopf gehauen und die ganze Nacht getanzt. Das wünsche ich den Leute heute noch, dass sie so einen Spaß erleben. Es war der Anfang vom Ende der DDR: Der Nachweis, dass die Staatsführung bei den Kommunalwahlen am 7. Mai 1989 betrogen hatte,stärkte die Oppositionsbewegung in der DDR. Kritik wurde von den Bürgernimmer deutlicher geäußert, vonda an wurde monatlich demonstriert. Im Frühjahr 1989, zum Zeitpunkt der Kommunalwahlen, hatten dabei nur wenige der heute über 40 Jahrealten Berliner damit gerechnet, dass die Mauer noch imselben Jahr fallen würde: Insgesamt besaßen nach eigener Einschätzung nur sieben Prozent diese Weitsicht, sechs im Osten Berlins,achtimWesten. Dashat das Meinungsforschungsinstitut Forsa im Auftrag der Berliner Zeitung in einer repräsentativen Umfrage ermittelt. Vom 16. bis 25. April wurden dafür 1005 Berliner befragt. Wir wollten außerdem wissen: Wie blicken die Berliner heute auf die Wiedervereinigung zurück? Überwiegt für sie 30 Jahre nach dem Mauerfall das Positive oderdas Negative? Auf letztere Frage sagen 64 Prozent der Befragten, also rund zwei Drittel aller Berliner:Das Positive überwiegt eher.Für neun Prozent überwiegt eher das Negative. 21 Prozent sehen sowohl negativeals auch positiveFolgen. Zwischen Berlinern im Ost-Teil der Stadt und Berlinern imWest-Teil ergeben sich da so gut wie keine Unterschiede.Altersunterschiede machen sich allerdings bemerkbar:Bei den 30- bis 44-Jährigen überwiegt mit 73 Prozent besonders das Positive,gefolgt vonden 45- bis 59- Jährigen mit 63 Prozent. Am niedrigsten sind die Werteinteressanterweise bei den Älteren und den Jungen: Sowohl für die Gruppe der über 60-Jährigen als auch für die Gruppe der 18- bis 29-Jährigen, die zum Mauerfall noch gar nicht geboren waren, überwiegt nur zu 58 beziehungsweise 59 Prozent das Positive –die niedrigsten Werte. Jeweils sieben Prozent der Älteren wie der Jungen bewerten den Mauerfall und seine Folgen eher negativ. Sowohl Positives als auch Negatives sehen nur neun Prozent der Unter-30-Jährigen, aber 34 Prozent der Über-60-Jährigen. Unterschiede machen sich auch beim Blick auf die von den Befragten bei Wahlen präferierte Partei bemerkbar:34Prozent der AfD-Anhänger finden, dass drei Jahrzehnte nach dem Mauerfall vorallem das Negativeüberwiegt. Bei allen anderen Parteien ist diese Zahl nur einstellig. Besonders positiv betrachten mit 77 Prozent Anhänger der CDU und mit 76 Prozent Wähler der SPD die Folgen des Mauerfalls. Die Grünen liegen bei 73 Prozent. Mehrheitlich positiv gestimmt sind auch die Anhänger der FDP (58 Prozent) und der Linken (53 Prozent). Die AfD-Anhänger verzeichnen auch hier den niedrigsten Wert: Nur 39 Prozent glauben, dass das Positive nach dem Mauerfall überwiegt. Mit63Prozent glaubt die Mehrheit derBerliner jedoch, dass die Folgen der Teilung in der Hauptstadt in vielen Bereichen noch spürbar sind. Den Menschen über 60 geht es zu 69 Prozent so, den 18- bis 29-Jährigen zu 57 Prozent. Die30- bis 44-Jährigen und die 45- bis 59-Jährigen liegen mit 59 und 64 Prozent dazwischen. Am häufigsten sind Anhänger der FDP mit 73 Prozent davon überzeugt, dass die Folgen der Teilung in Berlin noch häufig spürbar sind. An zweiter Stelle folgen mit 71 Prozent die AfD- Wähler, dicht vor den Anhängern der Linken mit 68 Prozent. Ob sich das je ändernwird? Ob die Teilung irgendwann keine Rollemehr spielt? MitBlick auf die aktuell im Abgeordnetenhaus vertretenen Parteien sind die Berliner wenigzuversichtlich. Auf die Frage, welcher dieser Parteien sie am ehesten zutrauen, dafür zu sorgen, dass die anhaltenden Folgen derTeilung in der Stadt überwunden werden, sagen 40 Prozentder Berliner, dass sie gar keine Partei für kompetent genug halten. Bei jenen, die glauben, dass eine Partei es schaffen kann, ergibt sich kein klares Bild: 15 Prozent der Befragten trauen das der Linkspartei zu, 14 Prozentden Grünen, zwölf Prozent derSPD undelf Prozentder CDU. AfD und FDP schneiden mit fünf beziehungsweise drei Prozent am schlechtesten ab. Annika Leister war drei Jahre alt, als die Mauer fiel.


Berliner Zeitung · N ummer 104 · D ienstag, 7. Mai 2019 3 * ························································································································································································································································································· Der Weg zum Mauerfall 30 Jahre nach dem Mauerfall sind die Folgen der Teilung in Berlin ... weitgehend überwunden noch in vielen Bereichen spürbar weiß nicht Angaben in Prozent 33 38 Anhänger von 43 36 Ost-Teil 18- bis 29- Jährige PD CDU Überwiegt 30 Jahre nach dem Mauerfall das Positive oder das Negative? das Positive das Negative sowohl als auch insgesamt Ost-Teil 66 57 55 63 Angaben in Prozent insgesamt Ost-Teil West-Teil 18- bis 29-Jährige 30- bis 44-Jährige 45- bis 59- Jährige 60 Jahre und älter an 100 Prozent fehlende Angaben =„weiß nicht“ Welcher Partei traut man am ehesten die Bewältigung der Teilungsfolgen zu? Linke Grüne SPD CDU AfD FDP keiner Partei Angaben in Prozent 15 14 20 36 38 West-Teil West-Teil 30- bis 44- Jährige 12 11 14 11 insgesamt 9 31 27 11 61 59 64 5 35 LinkeS Grüne FDP 45- bis 59- Jährige 60 Jahre und älter Basis: Befragte, für die die Folgen der Teilung in vielen Bereichen noch spürbar sind 3 4 36 14 13 68 73 64 30 42 27 63 weiß nicht 2 AfD 21 63 9 23 64 8 20 58 7 9 73 5 15 69 55 71 63 15 22 59 7 34 7 16 40 2 4 5 42 37 BLZ/HECHER; QUELLE: FORSA Als die Mauer 1989 fiel, war ich fünf Jahre alt. Da haben wir in Ludwigsfelde gelebt. Das Einzige, was ich vondamals noch weiß, ist, dass ich jede Menge Angst hatte. Zu Hause waren alle so aufgeregt, alle liefen durcheinander.Dahabe ich gedacht, der Krieg bricht aus. Danach war der Mauerfall bei uns in der Familie gar kein Thema mehr. Nur bei der Einschulung 1990, da war ich sehr traurig. Meine älteren Brüder waren alle Pioniere. Aber die gab es dann ja nicht mehr, und ich durfte kein Pionier mehr werden. Ansonsten haben sich die Veränderungen für mich in Grenzen Man spürt den Wandel am Publikum ImOsten gab es Intershops,indenen man nur mit fremder Währung, vorallemWest-Mark, bezahlte. Für westliche Produkte. Schon als Kind habe ich im Betrieb meiner Elterngeholfen und dafür vomKellner Trinkgeld inWest-Markbekommen. Mal eine Mark, mal zwei. Das Geld habe ich sofortinden Intershop gebracht. Derhatte einen besonderen Geruch. Ichnenne das mal: den Geruch desWestens. Drei Wochen nach der Grenzöffnung bin ich mit meinen Eltern zum ersten Mal inden Westen gefahren, in den Wedding, und war schwer enttäuscht. Dort hat es nir- Ich lebe in Holland und bin gerade zum ersten MalzuBesuch in Berlin. Als die Mauer fiel, war ich 17 Jahre alt. Quasi noch ein Kind. Ich war damals politisch nicht interessiert und habe die Dimension der Bilder, die ich jeden TagimFernsehen sah, kaum verstanden: Hunderte Menschen auf der Mauer, die jubelten, die feierten, die sich in die Arme fielen. Für mich war das damals eine einzige riesige Party. Als ich älter wurde und meine eigene Familie gründete, wurde die Welt und die Politik für mich plötzlich viel wichtiger. Jetzt habe ich zwei Töchter im Jugendalter. Denen versuche ich zu erklären, Marcus Barkowsky, 43 Marcus Barkowskyhat heute ein Lokal mit internationaler Kundschaft. Angelique Prince, 48 Erinnern für die Zukunft Angelique Prince will ihren Töchtern Geschichte vermitteln. gendwo nach Westen gerochen. Überhaupt nicht. Erst später habe ich verstanden, dass der Wedding nicht zu den reichen Gegenden der Stadt gehört. Ich habe eine Gaststätte in der Münzstraße, das Marcus Bräu. Da spürtman denWandel in der Stadt am Publikum. Früher hatten wir viele Stammkunden aus dem Osten, die haben Goldbrand und Futschi getrunken. Heute gilt das als Säufergetränk. Die Leute in Mitte und meine Kundschaft wurden komplett ausgetauscht. Heute ist meine Kundschaft international. Die einzige Nation, die noch nicht hier war,ist Nordkorea. Jetzt kenne ich die Geschichten der Toten Ich komme aus Großbritannien und bin nur für ein paar Tage in Berlin. Aber die Mauer war auch ein Teil meines Lebens. Als Kind, als Jugendlicher, als Erwachsener. Sie bestimmte die Welt, die ich kannte.Sie war das Symbol für den Kampf zwischen den beiden Weltmächten. Siewar immer da. Und dann passierte 1989 alles so schnell. Nachrichten über Deutschland und Bilder von der Mauer waren den ganzen Tagüber bei uns in den Nachrichten. Plötzlich war die Mauer weg und mit ihr diese grauenhafte Regierung. Ich denke, esist ein Triumph für die Menschheit, dass beide gefallen sind. Jessica Tscheuffa, 35 Ost oder West, völlig egal Jessica Tscheuffa wohnte früher im Osten, heute im Westen. ANDREAS KLUG (8) Derek Williams, 64 Derek Williams beeindrucken die persönlichen Schicksale. gehalten. Sicher, esgab plötzlich andere Produkte im Supermarkt zu kaufen. Die Milchtüten sahen anders aus. Aber ich finde nicht, dass es große Mentalitätsunterschiede gibt. Ostoder West –das ist doch völlig egal. Heute lebe ich in Wedding, auch meine Familie wohnt im Westen. Einfach deshalb, weil da eine Wohnung frei war. Ich fahre jeden Morgen mit dem Fahrrad zur Arbeit, die Bernauer Straße entlang. Dass dort die Mauer mal stand, dass da früher kein Durchkommen war – das kann ich mir heute gar nicht mehr vorstellen. Ich habe heute die Mauergedenkstätte besucht und war beeindruckt. Dort wird Geschichte gekonnt personalisiert. Ichwusste zum Beispiel, dass an der Mauer Menschen erschossen wurden. So wie man Dinge eben weiß: Ich habe Filme über diese Zeit gesehen, ich habe viele Bücher gelesen. Ichkenne die Fakten, die Zahlen. Aber ich kannte nicht die Namen der Toten, ihreGesichter und Geschichten. Diese zu hören und zu lesen verändert eine Menge. Dort wird einem eindrücklich gezeigt, was man viel zu leicht vergisst: Menschen haben ihr Leben gelassen, um frei zu sein. Das ist eine große Sache. was damals passiert ist und was der Fall der Mauer bedeutet. Aber die sagen: Ja, Mama, schon gut. Das ist doch schon so lange her. Für sie spielt das heute keine Rolle mehr. Wenn ich mich in der Welt umsehe, finde ich es aber immer wichtiger, mich daran zu erinnern, wie die Menschen in der DDR unterdrückt und wie ihre Rechte beschnitten wurden. Ob in China oder in zahlreichen muslimischen Staaten: Es gibt noch so viele Länder mit repressiven Regierungen, in denen die Menschen auch heute noch nicht sagen können und wählen dürfen, was sie wollen. GRUSSWORT „Die Freiheit verteidigen“ VonMichael Müller, Regierender Bürgermeister Der 7. Mai1989 war ein denkwürdiger Tag, vorallem für die Menschen im Ostteil Berlins. Doch diese letzte DDR-Wahl nach dem Prinzip der Einheitslisten war in ihren Folgen für ganz Berlin von historischer Bedeutung. Und wir in West-Berlin schauten schon in diesem Frühjahr viel genauer hin als früher. In der DDR ging es nur um Scheinwahlen, das Ergebnis durch die SED gefälscht, damit die Prozente die gewünschten Höhen erreichten. Vom„Zettelfalten“ zum Überprüfen der Auszählung – das war ein schwerer Weg. Als dann die Widerstände überwunden waren und die Menschen Mut gefasst hatten sich einzumischen, wurde es plötzlich auch möglich, den Herrschenden ihreFälschungen nachzuweisen, und das brachte das Regime um seine Schein-Legitimierung. Die Überwindung der Angst hatte die Türen zur Freiheit geöffnet. An diesem Tagkam der Tagdes Mauerfalls in Sicht und damit die Ahnung einer gemeinsamen Zukunft. Diese Freiheit betraf unsereganze Stadt. Sie und ihre Chancen waren neu. DieFreiheit brachte neue Aufgaben und neueVerantwortung. Da war die Notwendigkeit, die Stadt als Ganzes neu zu organisieren. Berlin musste sich neu finden, doch auch als Ganzes funktionieren. Für viele Berlinerinnen und Berliner,besonders im Ostteil, waren über einen längeren Zeitraum Umstellung, Neuorientierung und Neuanfang die Folge. Diese Lebensleistung angemessen wertzuschätzen, ist manchmal in den Hintergrund getreten. Unser Berlin ist heute zusammengewachsen. 30 Jahre danach ist das unser Erfolg. Das ändert nichts an Biografien und daran, dass die Teilung diese Biografien geprägt hat. Es sind unsereLeben gewesen, auf beiden Seiten der Mauer. Berlin vermittelt heute ein neues Lebensgefühl. Es ist die „Stadt der Freiheit“, die weltweit in aller Munde ist, in die alle kommen wollen, in der viele leben und arbeiten möchten, ein Sehnsuchtsort und eine Heimat. Die Berlinerinnen und Berliner haben die Chancen der Freiheit ergriffen. Berlin ist auf dem Wegzur Vier- Millionen-Stadt. Das bringt neue Herausforderungen, aber auch Chancen mit sich. Es geht dabei um uns, um den Erhalt und die Gestaltung unserer Werte und unserer Freiheit, für die die Stadt steht. Unsere freiheitliche Lebensweise ist mit neuen Widerständen konfrontiert. Ich denke an den Terror-Anschlag auf dem Breitscheidplatz und an Antisemitismus, Fremdenfeindlichkeit und Rechtspopulismus. Wir müssen die Freiheit Tagfür Tagverteidigen.WirBerlinerinnen und Berliner werden uns für Freiheit und Demokratie einsetzen –gegen alle Widerstände.Denn wir wollen in einer weltoffenen Stadt der Toleranz leben –in der„Stadt der Freiheit“. Wirhaben dieWahl. Alle Bürgerinnen und Bürger können heute von denen lernen, die am 7. Mai 1989 für freie,gleiche und geheimeWahlen gekämpft haben. DieFreiheit zu verteidigen, bedeutet, dass man seine Rechte wahrnimmt. Dazu gehört, sein Wahlrecht wahrzunehmen –die nächste Gelegenheit sind die Europawahlen am 26. Mai. BLZ/PONIZAK Konzept und Gestaltung dieser Sonderausgabe: Bettina Cosack und Annette Tiedge


4 Berliner Zeitung · N ummer 104 · D ienstag, 7. Mai 2019 ························································································································································································································································································· Das Jahr 1989 Kontrollaktion: Wahlbeobachter verfolgen am Abend des 7. Mai 1989 in 1000 Wahllokalen in 50 Städten der DDR die Stimmauszählung,hier im Wahllokal 802 im Ernst-Thälmann-Parkin Ost-Berlin. KLAUS MEHNER/ULLSTEIN BILD Auf diesen Taghaben sich so viele Menschen mit so viel Sorgfalt vorbereitet. Selbst das Wetter spielt mit, die Sonne strahlt verheißungsvoll. An Straßen hängen Fahnen, die zur Wahl aufrufen; von Plakaten lächeln Bürger,prangen Losungen wie„DDR –mein Vaterland“, „Den Kandidaten der Nationalen Front Verantwortung und Vertrauen“, „Arbeite mit, plane mit, regieremit“. Erich Honecker,DDR-Staats- und SED-Parteichef, geht mit seiner Frau wählen. Fidel geht es zu in dem Wahllokal in Berlin-Niederschönhausen. Das bezeugt das Bild eines Fotografen, welches das SED-Zentralorgan Neues Deutschland (ND) tags darauf veröffentlicht. Miteinem Siegerlächeln steckt Honecker seinen Wahlzettel in die Urne. Monatelang hat die politische Führung zwölf Millionen wahlberechtigte Bürger auf die Kommunalwahl vorbereitet. Es geht darum, 273 445 Kandidaten auf Volksvertretungen zu verteilen. Landesweit sind mehr als eine Million Wahlvorstände und Wahlhelfer im Einsatz. Wassoll da schiefgehen? Mario Schatta geht nicht wählen, obwohl es DDR-Bürgerpflicht ist und die Obrigkeit bei Missachtung gerne nachhilft. Angespannt sitzt der Diakon der Evangelischen Kirche Hohenschönhausen-Nord anjenem Morgen beim Frühstück mit seiner Familie. Der 26-Jährige hat Angst, nicht um sich, sondern um seine Ehefrau und seine Kinder, zwei, vier und fünf Jahre alt; er muss damit rechnen, dass Mitarbeiter des Ministeriums für Staatssicherheit (MfS) sie im Laufe des Tages abholen. Monatelang hat Schatta sich auf die Wahlen vorbereitet, zusammen mit MitgliederndesWeißenseer Friedenskreises,den er 1983 mitbegründet hat, und mit vielen anderen, überwiegend in der Kirche organisierten Bürgerrechtlern. Alle werden von ihrem gesetzlich verbürgten Recht der Wahlkontrolle Gebrauch machen. Erstmals republikweit. Was weder Honecker noch Schatta noch sonst jemand an jenem Sonntagmorgen, dem 7. Mai 1989, ahnt: Der Tag wird mit einem Paukenschlag enden, der die DDR nachhaltig erschüttert. „Es muss demokratisch aussehen“ Wahlen in der DDR dienten offiziell der „Stärkung der sozialistischen Staatsmacht und der weiteren Entfaltung und Vervollkommnung der sozialistischen Demokratie“. Obwohl sie als frei, gleich und geheim deklariertwaren, schloss die alternativlose Einheitsliste „Nationale Front“ (SED,Blockparteien, Massenorganisationen) eine Entscheidung zwischen verschiedenen Kandidaten aus. Esging nur darum, dass die Wähler der Liste zustimmten, indem sie die Wahlscheine einmal falteten und in die Wahlurne steckten. So gingen die Bürger nicht zumWählen, sondern, wie Volkes Mund spottete, Zahlen gegen Zahlen DDR-Bürgerrechtler überführten vor dreißig Jahren die SED der systematischen Wahlfälschung. Mit weitreichenden Folgen. Eine Rekonstruktion der Ereignisse siv,wie ich es zuvor noch nicht erlebt hatte“, erinnert sich Mario Schatta. „Es war klar:Hier muss etwas passieren! Das Land wird sonicht länger existieren können.“ Mit Repressalien hatte die politische Führung dieser Stimmung Auftrieb gegeben: Im November 1987 ließ sie die Umwelt-Bibliothek stürmen, eine Informations- und Begegnungsstätte für Oppositionelle in den Räumen der Zionsgemeinde in Berlin-Mitte; im Januar 1988 ließ sie Bürger festnehmen, die bei der Kundgebung zum Gedenken an Karl Liebknecht und Rosa Luxemburgfür Demokratie demonstrierten; im November 1988 ließ sie die sowjetische Zeitschrift Sputnik verbieten, weil sie über die Perestroika berichtete. Das Maß an Unzufriedenheit in der Bevölkerung zeigt sich nach Veröffentlichung des Wahlaufrufs Ende Januar 1989: 230 000 Eingaben erhalten die Staatsorgane, 40000 nehmen direkt Bezug auf dieWahl, so viele wie noch nie und fast doppelt so viele wie vor der Wahl 86. Bürger mahnen längst geforderte Reparaturen an Mietshäusernund fällige Wohnungszuweisung an, bitten um die Genehmigung für eineWestreise oder für die Ausreise.Vieles wird positiv beschieden, um potenzielle Wahlverweigerer zu beschwichtigen und missliebige Bürger loszuwerden. Die führenden Genossen in Ost- Berlin verschließen sich Reformen, ihre sozialistischen Brüder öffnen VonMichael Brettin sich ihnen: Budapest gibt im Februar das Machtmonopol der KP auf und geht zum Mehrparteiensystem über; Moskau lässt bei der Wahl der Volksdeputierten im März erstmals zwischen mehreren Kandidaten entscheiden; Warschau legalisiert im Aprildie Gewerkschaft Solidarnosc. Die Kommunalwahl steht also unter keinem guten Stern. Ein„Bund unzufriedener Bürger“ verteilt Mitte Februar in Neubrandenburg einen „Wahlaufruf“, in dem es heißt: „Sind Sieunzufrieden mit: Versorgung von Wohnungen, Möbeln, Kraftfahrzeugen, Industriewaren, Südfrüchten, dem Lohngefüge? Dann gehen Sie nicht zur Wahl. Unser Ziel: Wahlbeteiligung 50 Prozent.“ Das Flugblatt einer „Demokratischen Initiative“ fordert Leipziger Bürger auf, sich am Wahlabend auf dem Altmarkt zu einem „alternativen Volksbegehren“ zu treffen. Eine Urne stehe bereit, in die man „als Zeichen der Ablehnung der bestehenden Wahlordnung und Wahlpraxis“ ein weißes Blatt Papier stecken könne. Bürgerrechtler klären in Infoblättern über das Wahlrecht auf, auch darüber, wie Wähler gegen die Einheitsliste stimmen können. Ein Wahlzettel gilt als Gegenstimme, wenn der Wähler die Namen aller Kandidaten durchgestrichen oder das ganzeBlatt durchkreuzt hat –das steht in einem vertraulichen Schreiben von Wahlleiter Egon Krenz an die Wahlkommissionen. Ein Zettel, zum„Zettelfalten“.WereineWahlkabine nutzte –nicht jedes Wahllokal hatte eine –, machte sich verdächtig. Die betreffende Person musste damit rechnen, dass sie registriert und ihr Verhalten der Staatssicherheit, den Kommunalbehörden und der Arbeitsstätte gemeldet wird. Die Wahlergebnisse hinsichtlich Ja-Stimmen und Beteiligung lagen stets über 99 Prozent, sie standen schon vorher fest. Ab der ersten Volkskammerwahl im Oktober 1950 war systematische Wahlfälschung gang und gäbe, hatte doch bei der Wahl zum Volkskongress im Mai 1949 ein Drittel der Wähler gegen die Einheitsliste gestimmt. Es galt fortan, was Walter Ulbricht nach seiner Rückkehr aus dem Exil in Moskau 1945 gefordert hatte: „Es muss demokratisch aussehen, aber wir müssen alles in der Hand haben.“ Mario Schatta nimmt sich in seiner Mittagspause Zeit für ein Gespräch über die Kommunalwahl vor dreißig Jahren. Zurückgelehnt sitzt der heute 56-Jährige in einem Sessel im Wohnzimmer seiner Altbauwohnung inWeißensee.Sein Arbeitsplatz befindet sich eine Etage tiefer,erhat dortseine Praxis für systemische Supervision. Durch die Fenster strahlt die Sonne. Es ist, wie damals, ein schöner Frühlingstag. „Wir vom Weißenseer Friedenskreis hatten schon im August 1988 beschlossen, bei der nächsten Wahl die Auszählung zu überprüfen. Wir wollten die Verlogenheit des Systems, das Vorgaukeln eines Sozialismus, der nie gelebt wurde, entlarven“, erzählt Schatta. „Ich habe das Projekt bei einer Tagung von ,Frieden konkret‘ vorgestellt und musste feststellen: Viele andere Kreise hatten die Wahlkontrolle von unten auch schon geplant.“ Einer dieser Kreise befand sich in der Gemeinde der Samariterkirche in Friedrichshain, wo der Pfarrer Rainer Eppelmann wirkte. Schon bei der Volkskammerwahl 1986 hatten dort ansässige Bürgerrechtler Wahllokale kontrolliert. „Wir haben damals mit unserer Aktion nicht rechtzeitig genug begonnen, eine Wahlkontrolle fand daher nur in einigen wenigen Wahllokalen statt“, sagt Eppelmann, 76, im Telefongespräch. „Wir konnten Wahlbetrug lediglich behaupten, aber nicht beweisen.“ Dassollte 1989 anders sein. Frühjahr 1989. Unmut gärt inder Bevölkerung, auch beeinflusst von den Erwartungen, welche die Reformen in anderen sozialistischen Staaten, allen voraninder UdSSR, geweckt haben. In einer streng geheimen internen Information des MfS vom25. August 1988 heißt es,die Bevölkerung beklage „diskontinuierlich ablaufende Produktionsprozesse“ und „anhaltende Probleme in der bedarfs-, sortiments- und qualitätsgerechten Versorgung“ sowie „teilweise absinkendes Versorgungsniveau im Dienstleistungs- und medizinischen Bereich“. „Die Stimmung in der Bevölkerung war angespannt und so offenauf dem einzelne oder mehrereKandidaten gestrichen sind, gilt als Ja- Stimme. Die Staatssicherheit registriert 103 Vorkommnisse, die gegen die Wahl gerichtet sind. Überrascht ist sie nicht, über die Aktivitäten in der Bürgerrechtsszene ist sie bestens informiert. Siehat schon im Dezember 1988 die Partei davor gewarnt, gegen dasWahlgesetz zu verstoßen; die Gegenseite würde das ausnutzen. DasSystem wappnet sich. Mitder Aktion „Symbol 89“ soll die Stasi die Wahllokale und den technischen Ablauf wie die Datenverarbeitung sichern. Nur systemtreue Kandidaten stehen auf der Einheitsliste.Die Freiwillige Feuerwehr, der Verband der Kleingärtner und Kaninchenzüchter sowie Ausländer dürfen erstmals welche aufstellen, Friedens- und Umweltgruppen nach wie vorkeine. Die der Partei genehmen Kandidaten stellen sich bei Wählerversammlungen der Öffentlichkeit. Die Treffen laufen mancherorts aus dem Ruder:Bürger schimpfen über kommunale Missstände, beklagen nicht erfüllte Wahlversprechen, zweifeln an der sozialistischen Demokratie im Land. Es gelingt ihnen sogar,Kandidaten abzulehnen. Die Versammlungen werden daraufhin in kleinen Räumen und mit zuverlässigen Genossen abgehalten oder kurzfristig verschoben oder geheim gehalten. Auch die Standorte vonWahllokalen werden verheimlicht. Am frühen Nachmittag des 7. Mai 1989 begibt sich Mario Schatta auf das Gelände der Stephanus-Stiftung an der Albertinenstraße in Weißensee. Dort, in der Wohnung einer Freundin, hat der Friedenskreis ein Büro eingerichtet. Acht Mitglieder sollen die Wahlbeobachtungen und die Stimmauszählungen koordinieren. Das Gelände hat mehrere Zuund Abgänge, was eine Kontrolle durch die Stasi erschwert; und es gehört zur Kirche, was ein Eingreifen der Stasi weniger wahrscheinlich macht. Die hat sich bereits postiert, lässt aber jeden passieren. Die vergangenen Wochen verbrachte der Friedenskreis hauptsächlich damit, Wahllokale ausfindig zu machen. „Der Bezirk gab keine Adressen heraus,die waren vomMfS instruiert“, sagt Schatta. „Wir wussten, drei Tage vor der Wahl müssen die Lokale mit einem Schild gekennzeichnet sein. Also haben wir uns eine Karte von Weißensee besorgt und sind die Straßen abgeradelt. Ein oder zwei sind mit dem Auto unterwegs gewesen. Außerdem haben wir Gemeindemitglieder gebeten, uns Bescheid zu geben, wenn sie ein Wahllokal sehen.“ Eine Liste mit 66 Wahllokalen entstand. Noch heute ärgertsich Schatta, dass sie ein einziges Wahllokal nicht ausfindig gemacht haben. Es befand sich auf dem Gelände der BereitschaftspolizeiamBlankenburger Pflasterweg. DieBürgerrechtler stellen sich am Wahlnachmittag die bange Frage: Werden sich genug Wahlbeobachter melden? In jedem Wahllokal sollen bestenfalls drei Personen die Stimmauszählung kontrollieren. Schatta selbst geht nicht, er fürchtet: „Wenn ich jetzt hier rausgehe, dann schnappt die Stasi mich als strategischen Kopf weg.“ Nach und nach treffen Wahlbeobachter ein. Jeder bekommt ein Lokal zugelost, um zu verhindern, dass sich Stasi-Mitarbeiter in Grüppchen auf Kontrolle begeben. Aufvorbereiteten Zetteln sind Name und Adresse des Wahllokals,Wahlberechtigte,abgegebene Stimmen, gültige Stimmen, Gegenstimmen und ungültige Stimmen zu vermerken. Wahlbeobachter schwärmen aus Mehrere Hundert Wahlbeobachter schwärmen aus, inOst-Berlin und Leipzig, in Potsdam, Dresden, Rostock, Karl-Marx-Stadt, Plauen, insgesamt in rund 50 Städten und Gemeinden. Mancher Gruppe wirddas Recht auf Zutritt verwehrt oder erschwert. Es gelingt trotzdem, die Stimmauszählung in 1000 Wahllokalen zu kontrollieren. Rainer Eppelmann begibt sich in ein Wahllokal unweit der Samariterkirche,nicht nur,umzuwählen –gegen die Einheitsliste –, sondernauch, um zu kontrollieren. Es ist das zweite Mal, dass er wählt, das erste Mal war 1962, da war er 19 Jahre alt. „Ich bin damals ins Wahllokal gegangen und habe gefragt: Wasmuss ich machen, wenn ich mit keinem Kandidaten auf der Liste einverstanden bin?“, sagt Eppelmann. Alle durchstreichen, bekam er zur Antwort. Er suchte die Wahlkabine auf, die ganz hinten im Raum stand, und strich alle Namen. Als die Wahllokale um 18 Uhr schließen, lassen sich die Wahlbeobachter mit einschließen. Auch Eppelmann: „Die Wahlhelfer stülpten die Urne um und zählten die Zettel aus,und wir schrieben mit.“ Das provisorische Büro des Weißenseer Friedenskreises an der Albertinenstraße füllt sich im Verlauf des Abends mit zurückkehrenden Wahlbeobachtern. Die Bürgerrechtler notieren Zahl auf Zahl auf Zahl. Die Gegenstimmen liegen in manchem Wahllokal im zweistelligen Bereich. Schatta ist wie elektrisiert, er denkt sich: „Mal sehen, was der Krenz nachher im Fernsehen sagt.“ Wahlleiter Krenz verkündet das offizielle Wahlergebnis in der Spätausgabe der Aktuellen Kamera. Schatta verfolgt die Nachrichtensendung mit Mitgliedern anderer Friedenskreise in der Gemeinde der Elisabethkirche in der Invalidenstraße in Mitte. Zwischen 250 und 300 Bürgerrechtler haben sich dort eingefunden, um die Ergebnisse ihrer Wahlkontrollen zusammenzufassen. Es war,erinnertsich Schatta, ein „wilder Austausch“. Nicht weniger wild wird es, als Krenz das vorläufige Gesamtergebnis verkündet. Von „einem eindrucksvollen Votum“ für die Kandidaten der Nationalen Front spricht er, von 98,85 Prozent Ja-Stimmen.


Berliner Zeitung · N ummer 104 · D ienstag, 7. Mai 2019 5· · ······················································································································································································································································································· Der Weg zum Mauerfall Protestaktion: Es gibt in der zweiten Jahreshälfte 1989 kaum eine Demonstration in der DDR, die nicht auf den Wahlbetrug hinweist oder,wie hier am 4. November auf dem Alexanderplatz, Wahlen fordert, die wahrer Demokratie entsprechen. ULLSTEIN/ZB DieBürgerrechtler brechen in hämisches Gelächter aus. „Das war für uns ein Fest!“, sagt Schatta. „Wir sagten uns: Das ist es! Wir können jetzt die Verlogenheit des Systems beweisen!“ Dabei hatte das System schon Zugeständnisse gemacht: Es war das schlechteste Ergebnis in derWahlgeschichte der DDR seit 1950. Das NDveröffentlicht am 8. Mai die offiziellen Wahlergebnisse. Die Zahlen der Gegenstimmen und auch die der Nichtwähler liegen weit unter denen, welche die Wahlbeobachter zusammengetragen haben. Bürgerrechtler, unter ihnen Mario Schatta, erheben am 12. Maiineinem Schreiben an den Nationalrat der Nationalen Front Einspruch gegen die Gültigkeit der Kommunalwahl. IhrBrief, den sie in der Bevölkerung verteilen, listet „schwerwiegende Differenzen“ auf zwischen den Zahlen der Wahlbeobachter und denen des ND. DieStimmauszählung inWeißensee (67 Wahllokale, 66kontrolliert) ergab,umnur zwei Beispiele zu nennen: 92 Prozent Ja-und 8Prozent Gegenstimmen, das ND veröffentlichte 97,6 Prozent Ja- und 2,4 Prozent Gegenstimmen. Die Auszählung in Friedrichshain (88 Wahllokale, 80 kontrolliert) erbrachte 93 und 6,6 Prozent, die Zeitung druckte 98 und 1,9 Prozent. Rainer Eppelmann stellt Strafanzeige gegen die Wahlleitung, die Staatsanwaltschaft lädt ihn vor. „In sehr harschem Tonteilte man mir mit, was ich behaupte, sei alles Lüge“, erinnert ersich. „Würde ich meine Anzeige nicht zurückziehen, drohe mir eine Anzeige wegen Verleumdung von Staatsorganen.“ Er zieht nichts zurück. Strafanzeigen bleiben folgenlos Insgesamt 84 von Hunderten Bürgern unterschriebene Strafanzeigen gegen unbekannt wegen Wahlfälschung gehen ein. Ämter und Wahlausschüsse der Nationalen Front bekommen Anfragen, auch Lokalredaktionen, weil die Veröffentlichung detaillierter Ergebnisse bruchstückhaft oder unterblieben ist. MfS-Chef Erich Mielke erlässt am 19. Mai einen fünfseitigen Maßnahmenplan „zur Zurückweisung und Unterbindung vonAktivitäten feindlicher, oppositioneller und anderer negativer Kräfte zur Diskreditierung der Ergebnisse der Kommunalwahl“. Am selben Tag erscheint unter Leitung von Mario Schatta ein umfassender Bericht über den Wahlbetrug. Weitere Dokumentationen folgen, sie werden in der Bevölkerung verteilt. Demnach gab es durchschnittlich 7 Prozent Gegenstimmen, vereinzelt bis zu 20 Prozent. Wolfgang Berghofer ist einer der wenigen damals handelnden Politiker, die sich heute ihrer Mitverantwortung für den Wahlbetrug stellen. DerBitte um ein Gespräch kommt er sofort nach. Er habe sich wider besseres Gewissen vonder Partei „disziplinieren“ lassen, sagt der 76-jährige frühere Oberbürgermeister von Dresden am Telefon. Der Leiter Parteiorgane im ZK der SED, das Politbüro-Mitglied Horst Dohlus, habe unmittelbar vor der Wahl bei einer Dienstbesprechung mit den 2. Sekretären der SED-Bezirksleitungen eine „Vorgabe“ ausgesprochen: Es sollte das gleiche Wahlergebnis erreicht werden wie all die Jahrezuvor. „Die Parteiführung wollte Gorbatschowzeigen, dass der einzige siegreiche Sozialismus in der DDR existiert“, erläutert Berghofer diese Vorgabe. „Das mussten wir mit einem entsprechenden Wahlergebnis beweisen.“ Als sich abzeichnete, dass das Ergebnis unter den Erwartungen blieb –umdie 85 Prozent Zustimmung gab es in Dresden für die Einheitsliste –, wurde nachgeholfen, überall, wie all die Jahrezuvor. Die Bereinigung vonListen Wählerlisten wurden „bereinigt“. Da gab ein IM aus Anklam seinem Führungsoffizier Mitte Februar zu Protokoll: Eine Sekretärin im Ratdes Kreises habe erzählt, „dass die Wahlen so gut wie in Tüten und Papier sind. Das Ergebnis kann sie heute schon mitteilen, denn es werden 98,3 %oder 99,3 %sein. Die Unsicherheitsfaktoren sind von den Listen gestrichen ...“ Die „Unsicherheitsfaktoren“ waren Ausreiseantragssteller, registrierte Wahlverweigerer und bekannte Oppositionelle. Die Sonderwahllokale, vergleichbar mit Briefwahl, entzogen sich der Wahlkontrolle; 28,7 Prozent der Wähler nutzten sie, das gab Spielraum für Fälschungen. In einem Bericht, gefunden im BüroKrenz, heißt es: „Leiter vonBezirkswahlbüros betonten, dass ohne die hohe Zahl von Wählern inSonderwahllokalen und die interne Auszählung das erzielte endgültige Ergebnis des Bezirkes kaum zu erreichen gewesen wäre.“ Der Anteil dieser Stimmen lag in einigen Bezirken bei60Prozent. Und: Wahlleiter oder ihnen Vertraute nahmen den Wahlakt für Nichtwähler vor, Gegenstimmen wurden als Ja-Stimmen gezählt. Im Frühjahr 1990 gab Krenz eine Erklärung zum Wahlbetrug ab: Als damaliger Wahlleiter müsse er die Verantwortung für das Geschehene übernehmen, ihn träfe eine direkte Schuld aber nicht. Die Bürgermeister hätten in „eigener Verantwortung“, in„falsch verstandenemWettbewerbsgeist“ und „vorauseilendem Gehorsam“ gehandelt. Eine juristische Aufarbeitung erfolgte erst nach dem Mauerfall. Für den auch nach DDR-Recht strafbaren Wahlbetrug mussten sich mehrere Bürgermeister und Mitglieder von SED-Leitungen verantworten. Auch Wolfgang Berghofer wurde verurteilt–zu einem Jahr Freiheitsstrafe auf Bewährung und 36 000 D-Mark Geldstrafe. Das Verfahren gegen Krenz stellte das Landgericht Berlin 1997 ein. Begründung: Diezuerwartende Strafe fiele gegenüber den Verurteilungen wegen des Schießbefehls an den DDR-Grenzen –sechseinhalb Jahre Freiheitsstrafe –nicht zusätzlich ins Gewicht. Der Wahlbetrug 89 fiel ins Gewicht; auch er brachte Bürger in Bewegung: Die einen, von Staat und Partei entfremdet, kehrten ihrer Heimat den Rücken („Abstimmung mit den Füßen“), die anderen, auf Reformen drängend, organisierten sich in Initiativen und gingen auf die Straße – kaum eine der vielen folgenden Demonstrationen blieb ohne Hinweis auf den Wahlbetrug. Beide Bewegungen entfalteten, von außenpolitischen Ereignissen begünstigt, die Wucht einer friedlichen Revolution, in deren Verlauf die Mauer fiel und die DDR Geschichte wurde. „Ich fühle mich als Gewinner dieser friedlichen Revolution, weil ich dieses System schätze“, sagt Mario Schatta.„Es ist für mich jedes Malein Fest, wenn ich wählen gehe, wählen gehen darf, nicht muss.“ Auch Rainer Eppelmann fühlt so. Zunehmend wundert ersich über Bürger,„die vergessen haben, worüber sie in der DDR alles geflucht haben“. Sein größterWunsch: mindestens 93 zu werden, das wäre 2036. „Dann könnte ich zu meiner Frau sagen: Jetzt durfte ich ein Jahr länger in einer Demokratie leben, als ich in einer Diktatur leben musste.“ Zehn Monate nach der Kommunalwahl, am 18. März1990, fand wie- Die Zukunftist hausgemacht. Umweltfreundliche Energie dort zu produzieren, wo sie gebraucht wird, ist ein Schlüssel für ein nachhaltiges Leben. Ob eine Solaranlage für das Eigenheim oder Mieterstrom für Mehrfamilienhäuser: Wir bietenindividuelle,ganzheitlicheEnergiekonzepte. Ein weiterer Schritt, um innerhalb einer Generation ohne fossile Brennstoffe auszukommen. Begleiten Sie uns auf dem Wegdorthin: vattenfall.de/fossilfrei der eine Volkskammerwahl statt. Es war die erste Wahl in der DDR, die wahren demokratischen Grundsätzenentsprach. DieSED-Nachfolgepartei PDS erhielt 16,4 Prozent. Michael Brettin freut sich auf die Europawahl am 26. Mai.


6 Berliner Zeitung · N ummer 104 · D ienstag, 7. Mai 2019 ························································································································································································································································································· Das Jahr 1989 Protest 2019: Im August 2018 begann die Schwedin Greta Thunberg,damals 15 Jahre alt, in Stockholm mit ihrem „Schulstreik für das Klima“. Seit November 2018 eifern ihr Hunderttausende Schüler nach –auch in Berlin. DPA/KAY NIETFELD Ein Freitag im Mai imSaal der Schule Eins, einer Gesamtschule in Pankow. Andreas Otto, 56, setzt sich auf einen Stuhl auf der Bühne. Otto stammt aus der Uckermark, in den Achtzigerjahren kam er nach Berlin, um Elektrotechnik zu studieren. Er engagierte sich in der Immanuelkirch-Gemeinde in Prenzlauer Berg, war oft in der Umweltbibliothek, einer wichtigen Anlaufstelle der Opposition. 1990 trat er bei den Grünen der DDR ein, heute sitzt er als Bauexperte für Bündnis 90/Grüne im Abgeordnetenhaus. Er war einer der vielen, die die Mauer und schließlich auch das DDR-System zum Einstürzen gebracht haben. „Ick bin hier ja der Alte,der wat vonfrüher erzählen soll“, sagt er im Berliner Dialekt. Er schaut sich neugierig um. Der Raum ist voller Kinder und Jugendlicher, jeder Stuhl ist besetzt, einige hocken auf dem Boden des Betsaales im ehemaligen jüdischen Waisenhaus. Die meisten, die hier sitzen, sind im vereinigten Deutschland geboren, kennen die DDR höchstens aus Erzählungen der Elternund Großeltern. Keine Avocados Es ist ein Land, ähnlich fern wie das Kaiserreich. Auch im Lehrplan spielt die Ost-West-Geschichte kaum eine Rolle.Der Politiker Andreas Otto hält das für falsch, deshalb tourtermit einer Ausstellung von Harald Hauswald und Andreas Wolle als Zeitzeuge durch Schulen. Der Direktor der Schule Eins, einer privaten Gesamtschule,hat ihn eingeladen. DieSchüler sind zwischen elf und sechzehn Jahrealt. Einige wie Nuana haben Fragen für Herrn Otto vorbereitet. Nuana, 16, hat schon oft demonstriert, wie der frühere Bürgerrechtler. Bis vor kurzem ging sie jeden Freitag zur Demo,umgegen die Klimakrise zu protestieren. „Wenn wir innerhalb der nächsten zehn Jahre nicht handeln, dann sind wir am Ende“, wirdNuana später sagen. Ein Satz, den auch ihre Heldin, die Schwedin Greta Thunberg, so ähnlich bei Auftritten verwendet. Damals waren es die Montagsdemonstrationen, heute spricht man von Freitagsdemonstrationen. Fridays for Future–unter diesem Motto gehen junge Menschen weltweit aus Protest gegen die Klimapolitik auf die Straße statt in die Schule.Damals ging es um die Umweltzerstörung in der DDR.„Wir wollen sparsamer und weniger naturfeindlich leben, ... wir plädieren für die Abkehr eines ungehemmten Wachstums“, hieß es im Aufruf des Neuen Forums im September 1989. Es gab Flugblätter, Kundgebungen, Fahrraddemos gegen schädliche CO 2 -Gase –wie heute wieder. Vielleicht reichen schon diese Ähnlichkeiten, dass sich manche Kommentatoren beim Anblick der marschierenden Jugendlichen an die Wende 89 erinnert fühlen. Die bekannte Publizistin Carolin Emcke stellt Fridays for Future ineine Reihe mit früheren Bürgerrechtsbewegungen. Und die frühere Grünen-Vorsitzende Simone Peter, Saarländerin und Andreas Ottos Parteifreundin, postete ein altes Mutproben Montagsdemos, Freitagsdemos: Washaben die DDR-Bürgerbewegung von einst und die Fridays-for-Future-Aktivisten von heute gemeinsam? VonSabine Rennefanz Bild von sich mit der Mauer am Brandenburger Tor und schrieb dazu: „Damals war es für mich unvorstellbar, dass irgendwann die Mauer weg ist. Die #Montagsdemos haben uns eines Besseren belehrt. Jetzt sind es #Freitagsdemos, die die Wende erkämpfen müssen – für den #Klimaschutz.“ Auch den ehemaligen Aktivisten Otto haben die Fridays-for-Future-Proteste beeindruckt: „Beides sind kritische Massenbewegungen“, sagt Andreas Otto. Aber ist es auch eine neueWende? Wächst da wirklich eine neue Protestgeneration heran, sind das die Enkel der DDR-Opposition? Wie viel haben die Anliegen des Bürgerrechtlers Andreas Otto und der Schülerin Nuana gemeinsam? Zu Hause hat das Mädchen schon etwas bewegt. Sie hat ihre Eltern überredet, mehr darauf zu achten, was sie kaufen und verbrauchen. Sie reisen jetzt mit dem Auto statt mit dem Flugzeug in den Urlaub nach Großbritannien, essen an drei Tagen in der Woche vegan. „Wir verzichten auch auf Avocados aus Mexiko“, sagt das Mädchen. Avocados gab es in der DDR nicht, und nach Großbritannien kam man auch nicht. Die Bürgerbewegung der DDR forderte eine bessere Versorgung, Meinungsfreiheit, Reisefreiheit, Demokratie. Sie wollte ein anderes Land. Fridays for Future fordert eine Senkung der Treibhausgas-Emissionen, eine CO 2 -Steuer, den Ausbau des öffentlichen Nahverkehrs, den Kohleausstieg bis 2030 – also acht Jahre früher, als sowieso vom Kabinett beschlossen. Sie fordern keine Verstaatlichung, keine Enteignungen. Besonders radikal klingt das nicht. Schon gar nicht nach der Abschaffung des Kapitalismus, wie manche fürchten. Im Schulsaal zieht Andreas Otto eine Landkarte aus seiner Tasche. Auf der einen Seite die Straßen und Plätze von Ost-Berlin, auf der anderen Seite ein weißer Fleck. „Wo endete die Wollankstraße?“, fragt er die Schülerin neben ihm, es ist Nuana. Nuana zeigt auf einen Punkt ganz in der Nähe.„Da war für uns dieWelt zu Ende“, sagt Otto und schaut in den Saal, die Reaktionen prüfend. Man konnte nicht einfach in denWedding oder zum Bauernhof in Lübars fahren, fügt er hinzu. Nuana nickt ernst, sie weiß das.Ihr Vater hat ihr die Mosaik-Hefte vorgelesen und viel über die DDR geredet. Otto geht in einem Schnelldurchlauf sein Leben durch: christliches Elternhaus, kein Abitur, dann doch Fachhochschulstudium in Berlin, Engagement in der Kirche.„Wisst ihr, wer Walter Ulbricht war?“ –„Nö“, schallt es zurück. Otto: „Das war so ein Herrscher, der gesagt hat, es muss nur demokratisch aussehen, es muss keine Demokratie sein.“ Als Otto auf den 7. Mai 1989 kommt, spricht er nicht von den Wahlfälschungen, die er und seine Freunde nachgewiesen haben. Er sagt: „Wir wussten danach, dass die Ergebnisse, die die Herrscher verkündeten, gelogen waren.“ Er war damals in einem Wahllokal in Wei- Der Grünen-Abgeordnete Andreas Otto berichtet in der Pankower Schule Eins von der Wendezeit. BERLINER ZEITUNG/MARKUS WÄCHTER (2) Ein Mädchen schaut sich im Schulsaal die Ausstellung „Voll der Osten“ über das Leben in der DDR an.


Berliner Zeitung · N ummer 104 · D ienstag, 7. Mai 2019 7· · ······················································································································································································································································································· Der Weg zum Mauerfall Protest 1989: Werdamals in der DDR auf die Straße ging,musste mutig sein. Am 24. Oktober wurde in Ost-Berlin gegen die Wahl des SED-GeneralsekretärsEgon Krenz zum Vorsitzenden des DDR-Staatsrates demonstriert. IMAGO/EPD ßensee und überprüfte die offiziellen Zählungen. Als abends im Fernsehen Egon Krenz, der Wahlleiter, wieder von 99Prozent Erfolg für die SED redete, lachten er und seine Freunde darüber.Das sei der Beginn der friedlichen Revolution gewesen. „Heute gibt es in Berlin jeden Tag fünf bis zehn Demos, damals war es etwas Neues,dass man auf die Straße gehen und seine Meinung sagen konnte.“ Einige Jugendliche hören aufmerksam zu, anderetuscheln. Wenn man mit heutigen Maßstäben messen würde: Wer wäre die GretaThunbergderWende gewesen? Die inzwischen verstorbene Bärbel Bohley, eine der Gründerinnen des Neuen Forums? ChristaWolf, die den „Aufruf für unser Land“ formulierte? Schon wenn man das hinschreibt, merkt man, wie wenig der Vergleich passt. Die Wende hatte kein einzelnes prägnantes Gesicht, das man auf T-Shirts drucken konnte.Eswar eine Bewegung der vielen. Diejungen Zuhörer in der Schule Eins haben Fragen vorbereitet. Warum durften die Leute im Osten nicht in den Westen, fragt ein Fünftklässler. „Es gab eine Mauer, damit die Menschen nicht abhauen, und wenn sie es doch versuchten, wurde geschossen“, sagt Otto.„Hier,ganz in der Nähe, inPankow, wurden auch welche erschossen.“ Der Junge weitet die Augen, als höre erdas zum ersten Mal. DieKinder und Jugendlichen lauschen jetzt aufmerksam. Ein anderer Fünftklässler hat noch eine Frage: Gab esinder DDR Fernseher? „Ja, so groß wie Kühlschränke“, sagt Otto. Dann ist die Schülerin Nuana dran. Sie guckt auf ihren Zettel. Sie fragt nicht nach Fridays for Future, sondernnach der Stasi: „Oft wirddie Stasi als übermächtige Macht dargestellt, die den Alltag durchdrungen hat. Wardas wirklich so?“ „Wenn wir uns getroffen haben, gingen wir immer davon aus,dass jemand mitgeschrieben hat, die Stasi war immer im Bewusstsein“, antwortet Andreas Otto. Da sei eine ständige Angst gewesen, erwischt zu werden. Wer bei einer Demonstration ein Schild mit seiner Meinung hoch hielt, konnte sofort verhaftet werden. 1987 hatte es eine nächtliche Razzia der Stasi in der Umweltbibliothek gegeben, Druckplatten waren beschlagnahmt worden, Mitarbeiter verhaftet. Ein enger Freund von Otto wurde noch im Oktober 89 ins Gefängnis geworfen. Nuana erzählt später, dass ihr Protest-Elan etwas ermattet sei. In den vergangenen Wochen ist sie nicht mehr hingegangen zu Fridays for Future, sie habe das Gefühl, dass die Politiker ihnen nicht zuhören. DieProtestgeneration heute kann sich vielleicht gar nicht mehr vorstellen, wie mutig die Demonstranten damals sein mussten, die in der DDR auf die Straße gegangen sind. Sie können sich nicht vorstellen, welche Widerstände sie durchbrechen mussten. Es war nicht nur ein Politiker,der gemeckerthat. Nur ein paar Gehminuten entfernt von dem Saal, in dem Andreas Otto redet, liegt die Carl-von-Ossietzky-Schule. Als dort 1988 ein paar Schüler eine kritische Wandzeitung aufhängten, um gegen eine DDR- Militärparade zu protestieren, gab es einen Eklat. Lehrer, Schulbehörde, SED, FDJ, Stasi –alle drängten auf eine Bestrafung. Zwei Jungs, Philip Lengsfeld und Kai Feller, damals 16 Jahre alt, hatten sich geweigert, ihre Unterschrift zurückzuziehen. Sie wurden zu Feinden des Sozialismus erklärt, flogen vonder Schule,sollten nie Abitur machen dürfen. Glückliche Schulschwänzer Es geht nicht drum, die Jugendlichen schlechtzureden, aber wenn man die Wende 89 mit den heutigen Protesten vergleicht, verniedlicht man die Diktatur. „Diese Fridays-for-Future- Demonstrationen wären in der DDR verboten gewesen“, sagt Andreas Otto. Wer damals protestierte, traf auf heftigen Widerstand, wurde bestraft. Wer heute protestiert, wird vonLehrernund Elternumarmt und gelobt. 1989 erwog die DDR-Regierung, die Demonstrationen mit Panzern aufzulösen. Angela Merkel hingegen, selbst nicht unbeteiligt an der Klimapolitik, ist Fridays-For-Future- Fan. Die schärfste Diskussion, die die Jugendlichen mit ihren Protesten ausgelöst haben, drehte sich nicht um ihre Forderungen, sondern um die Frage, obsie die Schule schwänzendürfen oder nicht. Diese Debatte wirkt kleinlich. Aber lieber über Schulschwänzer statt über Gefängnis und Schulverweise reden. Eigentlich ist diese Kleinlichkeit ein Grundzum Glücklichsein. Sabine Rennefanz ging 1989 in Eisenhüttenstadt zur Schule. Berliner Wirtschaft – gewerblich,mobil und elektrisierend 5. Berliner Wirtschaftsfördertag 2019 Am 15.Mai 2019,Einlass ab 8Uhr, im Atrium der Investitionsbank Berlin Umweltfreundliche Mobilität Digitale Transformation Vorträge &Fördernewsaus der IBB www.ibb.de/foerdertag


8* Berliner Zeitung · N ummer 104 · D ienstag, 7. Mai 2019 ························································································································································································································································································· Das Jahr 1989 Ein bisschen klingt der Titel nach James Bond. „Ein Leben ist zu wenig“, heißt seine Autobiografie. Ein Satz, der natürlich nach Bilanz klingt. Vielleicht ein bisschen auch nach heiterer Wehmut. Bei einem wie Gregor Gysi darf man sich da allerdings nie so ganz sicher sein. Könnte ja noch was Aufregendes, Neues, Ungeahntes kommen. Ein Sprung in ein weiteres seiner vielen Leben sozusagen. Als er am Ende des Abends im Berliner Verlag von Redakteurin Sabine Rennefanz und Chefredakteur Elmar Jehn gefragt wird, ob ihn noch mal ein Ministeramt reizen würde, dereinst unter einem demokratisch sozialistischen Bundeskanzler Kevin Kühnert vielleicht, da drückt sich der Rücken durch und der Schalk fühlt sich aufgerufen: „Außenminister, das würde ich gerne machen.“ Und nach einer kurzen Pause: „Stopp, wieso sollte der Kühnert eigentlich mich fragen? Ichfrage ihn.“ Damit wäredie Kanzlerfrage also auch geklärt. DasPublikum im voll besetzten Newscafé im Verlagsgebäude quittiert so viel Selbstbewusstsein lachend. Gregor Gysi, der Entertainer, der Polit-Star, der Anwalt, den die Ereignisse des Wendejahres auf die große Bühne gestellt haben. „Der Geist von1989 – was ist geblieben?“, so lautete das Thema des Abends. Niederlagen, Aufbruch, ideologische Kämpfe, Anfeindungen, Wende-Jubel und Wende-Enttäuschungen – Auszüge aus dem Gespräch mit Gregor Gysi, jenem Mann, der in diesen bewegenden Monaten erst als Anwalt von Bürgerrechtlern und später als SED- Chef die Ambivalenz des Umbruchs verkörperte wie kaum ein zweiter. Herr Gysi, als Rechtsanwalt in der DDR vertraten Sie Dissidenten wie Rudolf Bahround RobertHavemann. Wiehaben Siesich damals IhreMandanten ausgesucht? Das war einem starken Wandel unterworfen und oft dem Zufall geschuldet. In meiner Anfangszeit als Anwalt schrieben mich acht Leute an, die bei der Staatssicherheit saßen und von mir vertreten werden wollten. Aber kaum hatte ich von ihnen gehört, sagten sie mir schon wieder ab. Ich glaube, dass ihnen der Stasi- Vernehmer ausgeredet hatte, sich von mir vertreten zu lassen. Einmal hatte ich einen Mandanten, einen Trotzkisten, der die DDR von links kritisiert hatte und Verbindungen in den Westen unterhielt. Durchdiesen Fall entstand einige Mundpropaganda für meine anwaltliche Tätigkeit. Es gab unter den DDR-Anwälten auch eine Arbeitsteilung: Wer ausreisen wollte, ging in aller Regel zu Wolfgang Vogel. Die politischen Spannungen in der DDR mündeten 1989 in der friedlichen Revolution. Oder bevorzugen Sie einen anderen Ausdruck? Wende, Umsturz, vielleicht Novemberrevolution? Wer damals in der Opposition war,wirdwahrscheinlich den Begriff friedliche Revolution vorziehen. Wer eher staatsnah war,spricht vielleicht lieber vonderWende.Das kann jeder selbst entscheiden. Wichtig ist für mich, dass wir von derselben Sache reden. Warum gab es so viel Unzufriedenheit über das Leben in der DDR? Nach meinem Eindruck sehnten sich die Menschen vor allem nach Reisefreiheit. Im Fernsehen wurde man ständig mit Bildernaus Venedig oder New York konfrontiert, aber selbst dorthin reisen durfte man nicht. Damals entlud sich bei den DDR- Bürgern viel angestaute Wut. Der Zorn traf auch Sie, nachdem Sie im Dezember 1989 den SED-PDS-Vorsitz übernommen hatten. Es stimmt, dass mich dieser Schritt ziemlich unbeliebt gemacht hat. Aber es reizte mich schon immer, Probleme zu lösen –und deshalb fand ich dieses Amt interessant. Ich verstehe, dass viele Menschen damals ängstlich und wütend waren, weil sie dachten, dass ich als PDS- Vorsitzender zu den Bremsern und Blockiererndes Fortschritts gehören „Natürlich gab es Verletzungen. Aber ich durfte sie nicht zeigen“ Gregor Gysi, 71, Rechtsanwalt und Politiker,war Mitglied und in der Führung von gleich drei Parteien: SED,PDS, Die Linke. BERLINER ZEITUNG/PAULUS PONIZAK Politik hat bei ihm immer etwas Leichtes, auch wenn er es ernst meint. Im Zweifel kann Gregor Gysi eine passende Anekdote erzählen, die für Irrsinn, Klugheit, Ungerechtigkeit oder Weisheit des Lebens steht. Einen Abend lang erzählte er vor Lesern der Berliner Zeitung aus seinem Leben –und erklärte ein wenig, warum die Einheit nach 30 Jahren immer noch nicht erreicht ist könnte. Einmal begegnete ich drei oder vier Krankenschwestern, die mich eindringlich davor warnten, Lügen über die Arbeitslosigkeit im Westen zu verbreiten. Ichwisse doch selbst, dass den Menschen durch die Marktwirtschaft keine Arbeitslosigkeit drohe. Diese Frauen hätte ich gerne zwei Jahrespäter noch einmal wiedergetroffen. Sie wurden bei Veranstaltungen von Bürgern beschimpft und bespuckt. Wie gingen Sie als SED-Chef mit solchen wütenden Reaktionen um? Ich habe mich immer bemüht, die Fassung zu bewahren und in Bürgergesprächen die neue gesellschaftliche Entwicklung ab 1989 nicht unnötig schwarzzumalen. Die Menschen im Osten hatten sehr große Sehnsucht nach Freiheit und westlicher Demokratie. Aber kurze Zeit später entstanden durch die Wiedervereinigung auch Enttäuschung und Wutauf die neuen, nicht immer besseren Verhältnisse. Einen wichtigen Grund dafür sehe in einem Fehler der Bundesregierung: Sie konnte nicht aufhören zu siegen. Wasmeinen Siedamit? Protokoll: Mike-Oliver Wilms Gregor Gysi zu Gast im Newscafé der Berliner Zeitung GERD ENGELSMANN Die DDR-Bürger wussten nach der Volkskammerwahl 1990, dass es schnell zu einer Vereinigung oder einem raschen Beitritt zur Bundesrepublik kommen wird. Aber es gab auf westlicher Seite eine große Arroganz und wenig Bereitschaft, sinnvolle soziale Errungenschaften der DDR im wiedervereinten Deutschland zu bewahren. Diese ablehnende, starrköpfige Haltung habe ich in der Anfangszeit auch persönlich im Bundestag erlebt. Ichhielt eine Rede und in der ersten Reihe riefen die Abgeordneten der CDU/CSU-Fraktion ständig dazwischen. Ich sollte mich nicht als großer Redner aufspielen, sondern zunächst einmal demütig dafür sorgen, dass Erich Honecker aus Moskau zurückkehrtund sich in Moabit in Untersuchungshaft begibt. Dabei wusste man auch in der CDU/CSU-Fraktion, dass ich Honecker nie persönlich begegnet war und keinen Draht zu ihm hatte. Sie sprechen souverän und in einem abgeklärten Tonüber diese Anfeindungen. Aber es ist schwer zu glauben, dass bei Ihnen keine seelischen Verletzungen entstanden sind. Natürlich gab es Verletzungen. Aber ich durfte sie nicht zeigen. Man darf sich niemals demütigen lassen. Im Bundestag hat mir geholfen, dass ich mir meinen Humor und meinen Stolz bewahren konnte. Und vor allem habe ich gelernt, auf Hass nicht mit Hass zu reagieren. Dazu musste ich mir klarmachen, woher der Hass meines Gegenübers kommt. Häufig rührt das gegenseitige Unverständnis aus mangelndem Wissen über den anderen, auch aus völlig unterschiedlichen Lebenserfahrungen. Aber wenn man sich über die Beschränktheit der jeweiligen Perspektive klar wird, dann mildert sich das Urteil über denjenigen, der einem mit Hass begegnet. Manbehält seine Souveränität und muss nicht zurückhassen. Der PDS, später umbenannt in Die Linke, ist es in den 90er-Jahren gelungen, sich als Protest- und Kümmerer- Partei des Ostens zu etablieren. Würden Sie der Aussage zustimmen, dass Ihre Partei diese Rolle inzwischen an die AfD verloren hat? Nein, wir haben den Osten nicht verloren. Richtig ist, dass wir nicht mehr als Protestpartei gelten. Wir sind in den Bundesländern Berlin und Brandenburg ander Regierung beteiligt, in Thüringen stellen wir den Ministerpräsidenten und auch im Westen haben wir Erfolge. Wir machen heute eine gesamtdeutsche Politik. Dass die AfD im Osten auf mehr Zuspruch stößt als im Westen, hat mehrere Gründe. Die DDR war eine geschlossene Gesellschaft, in der man höchstens in Berlin und Leipzig auf Menschen aus muslimischen Kulturen traf. Hinzu kommen soziale Ängste im Osten, die aus der Massenarbeitslosigkeit nach derVereinigung herrühren. Bei vielen Ostdeutschen entstand das Gefühl, Deutsche zweiter Klasse zu sein. All diese Einflussgrößen verbinden sich bei der AfD zu der Überzeugung: Erst hat uns die Einheit die Jobs gekostet, jetzt nehmen uns die Flüchtlinge die Arbeit weg. Hat sich demnach die Wut der Ostdeutschen aus der Wende- und Nachwendezeit bis heute erhalten? Dieser Erklärungsansatz passt nicht zu der Beobachtung, dass rechtspopulistische Parteien in ganz Europa erfolgreich sind. DieMenschen sind überall verunsichert, weil dieWelt nicht mehr überschaubar ist. Politik und Medien scheiterndaran, die große Komplexität der globalisierten Welt verständlich zu machen. Wersoll denn heute noch verstehen, welches Interesse der Iran und Saudi-Arabien an Syrien haben? Wenn niemand mehr die Gesamtstrukturen durchschaut, haben die Populisten leichtes Spiel, der Ahnungslosigkeit mit einfachen Antworten zu begegnen. Sie sagen den Menschen, dass nur das eigene Land zählt. Es ist ihr Ziel, die Früchte der Weltwirtschaft ins eigene Land zu holen – und die Lasten den anderen Ländern aufzubürden. Dieser Trend zum nationalen Egoismus hat mit DonaldTrump in den USA begonnen. Wardie DDR auch in diesem Punkt klüger? Ich würde sagen, dass es früher weniger soziale Unzufriedenheit gab, übrigens auch in der Bundesrepublik. Die Systemkonkurrenz zwischen Ost und West führte zu einem Wettbewerb darum, welche Gesellschaftsformsozialer und demokratischer ist. Wasdie Demokratie betraf, lag der Westen klar vorn. Aber der Staatssozialismus im Osten setzte den Westen unter Druck, auch selbst für mehr soziale Sicherheit und Gerechtigkeit zu sorgen. Alte West-Gewerkschafter haben mir erzählt, dass die DDR immer ihr dritter Tarifpartner gewesen sei –wie eine ständig präsente,unsichtbareDrohung. Erst als die Systemkonkurrenz weggefallen war, wurden eine Agenda 2010 und ein Niedriglohnsektor denkbar. Trotzdem ist der Staatssozialismus gescheitert. Was hat die politische Linke noch zu bieten? Es bleibt zum Beispiel die wichtige Frage, wie der Zugang zu Bildung, Kultur und Kunst chancengleich gewährleistet werden kann. Eine Eintrittskarte für eine Aufführung der neunten Sinfonie von Beethoven mit Daniel Barenboim als Dirigent und vier Top-Sängern und einem Top- Chor ist für sehr viele Menschen in Berlin nicht bezahlbar. Solche Ungerechtigkeiten bewegen mich die ganze Zeit. In der DDR konnten alle Rentner mittwochs gebührenfrei ins Kino gehen. Es gab die Roman-Zeitschrift, die es den Leuten ermöglichte, Dostojewski zum Preis von 80 Pfennig zu lesen. Ich will die DDR nicht besser machen, als sie war. So, wie die DDR war, ist sie zu Recht gescheitert. DerKapitalismus ist erfolgreich, wenn es um wirtschaftliche Effektivität und wissenschaftlichen Fortschritt geht. Aber soziale Gerechtigkeit, Frieden und ökologische Nachhaltigkeit kann er nicht aus sich selbst herstellen.


Berliner Zeitung · N ummer 104 · D ienstag, 7. Mai 2019 – S eite 9 ························································································································································································································································································· Das Jahr 1989 Birgit Walter über die zermürbenden letzten Monate der DDR Seite 9 „Die Wende war ein Fest und ein Desaster.“ Der Schriftsteller Volker Braun erinnert sich Seite 14 Am7.Mai 1989 ging ich zum ersten Mal inmeinem Erwachsenenleben zu einer Wahl. Mein Wahllokal befand sich im „Klub der Volkssolidarität“, einem Seniorentreffpunkt in der Schliemannstraße, nur vier Hausnummern von meiner Haustür entfernt. Auch am Wahlsonntag saßen dortRentner.Sie halfen als „Ehrenamtliche“ beim „Zettelfalten“. Zur Wahl stand wie immer eine Einheitsliste mit den Kandidaten der Nationalen Front, die niemand kannte.Inden Monaten vorderWahl hatten Bürgerrechtler die öffentlichen Kandidatenvorstellungen genutzt, um eigene Kandidaten vorzuschlagen und Reformen wie die in der Sowjetunion einzufordern. Drei Jahre zuvor hatte eine Gruppe um den Pfarrer Rainer Eppelmann in mehreren Friedrichshainer Wahllokalen versucht, die Wahlfälschungen bei den Volkskammerwahlen nachzuweisen. Vergeblich. Einige Oppositionelle riefen zum Boykott auf, anderedazu, wählen zu gehen und mit „Nein“ zu stimmen oder ungültige Stimmen abzugeben. Ich hatte bislang noch an keiner Wahl teilgenommen. Alle meine Wahlbenachrichtigungen steckten an dem großen weißen Imkerhut, den mir Onkel Peter geschenkt hatte. Am Wahlsonntag war der „Klub der Volkssolidarität“ voll. Studenten, Punks, Langhaarige und ganz normale Leute aus der Gegend versammelten sich in dem kleinen Ladenbüround davor.Die fünfWahlbeamten waren überfordert. So etwas hatten sie noch nie erlebt. Ein Riesenspaß. Das Wahlgesetz erlaubte jedem Bürger, die Stimmauszählung zu beobachten. Ich stellte mich hinter einen älteren Genossen und schaute ihm über die Schulter. Andere nahmen jeden einzelnen Zettel in die Hand. Damit eine Stimme als ungültig galt, musste jeder Name auf demWahlzettel durchgestrichen sein. Die meisten taten das an jenem Tag demonstrativ, ohne die Wahlkabine zu benutzen. Für gewöhnlich gingen vor der Schließung der Lokale Wahlhelfer mit der „Fliegenden Wahlurne“ von Tür zu Tür,umGehbehinderten, Unentschlossenen oder Nichtwählern die Stimmabgabe zu „ermöglichen“. In unser Viertel verirrten sie sich nur selten. Manwusste,was alles passieren konnte –ineinem dunklen Hinterhaus mit durchgefaulten Treppenstufen. Am Abend fuhr ich mit dem Fahrrad nach Mitte, zueiner Wahlparty der „Kirche von unten“. In den Räumen der Elisabethkirchgemeinde in der Invalidenstraße wurden die gesammelten Ergebnisse öffentlich ausgewertet. AusWeißensee, wofreiwillige Wahlbeobachter den Auszählern in66der 67 Wahllokale auf die Finger gesehen und mitgeschrieben hatten, meldete die staatliche Seite doppelt so viele abgegebene Stimmen, als von jenen Beobachtern registriert worden waren. Einen ähnlichen Trend gab es auch in anderen Bezirken. Im Saal des Gemeindehauses blickten alle gespannt auf einen an die Wand geschraubten Fernseher und warteten auf das Wahlergebnis. Dann plötzlich Gejohle und großes Gelächter; Egon Krenz verlas in der Spätausgabe der„Aktuellen Kamera“ mit ernster Miene die Zahlen: Beieiner Wahlbeteiligung von 98,77 Prozent hatten 98,85 Prozent für die Kandidaten der Nationalen Front gestimmt. Zur selben Zeit berichtete Nimmste mich mit? Am 7. Mai 1989 geht Olaf Schwarzbach, besser bekannt als OL, zum ersten Mal in seinem Erwachsenenleben zu einer Wahl VonOlaf Schwarzbach der Westen über Demonstrationen gegen die Wahlfälschung und Festnahmen in Leipzig. Während der folgenden Tage druckten und veröffentlichten die Mitarbeiter der Umweltbibliothek eine Dokumentation aller Beobachtungsergebnisse. Zum ersten Mal in der DDR-Geschichte war der Wahlbetrug aktenkundig. Vonnun an kamesregelmäßig zu öffentlichen Protesten gegen die Wahlfälschungen. Auf der Straße gingen Volkspolizei und Staatssicherheit gegen die Demonstranten vor. Eingaben und Strafanzeigen gegen einzelne Wahlleiter wurden mit Anzeigen wegen „Beleidigung der Staatsorgane“ geahndet. Die ertappte Staatsmacht gab sich gekränkt. In Wahrheit stand sie längst mit dem Rücken zur Wand. Als Reaktion auf die Proteste sandte Egon Krenz, im ZK zuständig für Fragen der inneren Sicherheit, eine unmissverständliche Botschaft an die aufsässige Bevölkerung. Am 4. Juni meldeten DDR-Nachrichten: „Einheiten der chinesischen Volksbefreiungsarmee haben in der vergangenen Nacht den Tiananmen- Platz in Peking geräumt, teilte das chinesische Fernsehen mit, weil Konterrevolutionäre den Sturz der sozialistischen Ordnung beabsichtigt haben.“ DieDDR-Volkskammer lobte den Militäreinsatz und wertete das Blut- bad als „Niederschlagung einer Konterrevolution“. „In Peking“, verkündete Egon Krenz, sei „etwas getan worden, um die Ordnung wiederherzustellen.“ Diese Androhung einer „chinesischen Lösung“ für die ostdeutsche Protestbewegung war deutlich genug. Krenz war neben Honecker und Mielke einer der unbeliebtesten DDR-Politiker. Ergalt als Honeckers „Kronprinz“ und sollte dessen Nachfolger werden. AufFotos sahman ihn meist lachend, umringt von jungen Frauen; ein angegrauter Lebemann im blauen Hemd der FDJ. „Hoffnungsträger“ sahen anders aus.Statt auf Reformen setzte er auf Repression. Ein„Ost-Berliner Frühling“ war nicht in Sicht. Immer mehr Enttäuschte verließen das Land, über 40 000 allein von Anfang Maibis Ende Juni 1989. Mehr alsdie Hälfte vonihnen floh über die ungarische Grenze, denn die Ungarn hatten im Frühjahr mit dem Abbau des Stacheldrahtzaunes zu Österreich begonnen. Sogar die DDR- Presse erkannte jetzt ein „Flüchtlingsproblem“. EinesTagesimJuli veröffentlichte das Neue Deutschland einen bemerkenswerten Artikel. Eine kurze Mitteilung über einen Beschlussdes Nationalen Verteidigungsrats. Wehrdienstverweigerer würden im Fall einer Generalmobilmachung in speziell geschaffenen Lagern interniert werden. Ob das Wort „Wehrdienstverweigerer“ in der Meldung vorkam, weiß ich allerdings nicht mehr. Wehrdienstverweigerung gab es ja offiziell nicht. Sicher ist, dass von„Lagern“die Rede war. Am frühen Abend jenes Tages traf ich Scheffel. Er hockte auf dem Bürgersteig vor seiner Haustür und schraubte an seinem roten Lada. „Hab ich auch gelesen“, sagte er „Wird Zeit zu gehen. Mich hält hier nichts mehr.“ Selbst der unbekümmerte Scheffel, der nie darüber nachgedacht hatte, in den Westen abzuhauen, schmiss das Handtuch, war bereit, die Koffer zu packen. „Haste schon ’nen Plan?“ –„Ja. Mit dem Auto bis Budapest und dann mal sehen.“ –„Nimmste mich mit?“ –„Na logisch. Muss aber erst noch den Motor reparieren.“ –„Sag Bescheid, wenn’s soweit is. Ich bin dabei.“ Ichging in Richtung Jahn-Stadion nach Hause. AmEnde der Oderberger kam man der Mauersonah, dass man sie fast berühren konnte. Die letzten zehn Straßenmeter waren abgesperrt, aber auf dem Bürgersteig konnte man weiterlaufen, am letzten Eckhaus mit dem „Klub der Volkssolidarität“ vorbei zur Straßenbahn-Endhaltestelle in der Eberswalder. Von der Aussichtsplattform im Wedding winkten Touristen und fotografierten uns in unserem Affenkäfig, in dem es nicht mal Bananen gab. Als ich geboren wurde, stand die Mauervier Jahre. Siewar einfach da, wie ein Fluss mit zwei Ufern. Baden verboten! Aufmeiner Seite lebten die Nichtschwimmer. Einige waren bei dem Versuch, das andere Ufer zu erreichen, ertrunken. Mich hatte das Drüben nie interessiert, Ufer war Ufer. Doch nun wurde es ungemütlich. Unsere Bademeister waren nicht mehr berechenbar. OL, Jahrgang 1965, zeichnet jede Wochefür das Magazinder Berliner Zeitung.


10 Berliner Zeitung · N ummer 104 · D ienstag, 7. Mai 2019 ························································································································································································································································································· Das Jahr 1989 Tagder Einschulung in Schwanebeck im September 1989. Die Elternsollten in diesen Zeiten für ihre Kinder da sein, sie nicht alleinlassen mit den Zweifeln und Fernsehnachrichten, sagt der Schuldirektor. HERBERT SCHULZE Unsere Tochter wird im September 1989 eingeschult. Seit Monaten fiebert sie diesem Tagentgegen, packt Mappe und Stifte ein und aus,übt Schreiben, will alle Verwandten dabei haben an diesem wichtigen Tag. Vermutlich haben wir Eltern ihr die Schwelgerei ziemlich vermasselt. DerVater ist gerade ständig auf Reisen. Ichals Mutter,die das Kind nach der Arbeit in der Vorfreude hätte bestärken können, bin mit dem Niederringen von aufkommendem Hass beschäftigt. Nie zuvor hat mir das Land, in dem ich lebe,sozugesetzt wie in den Monaten vor seinem plötzlichen Ende. Nun würde ich ihm also auch das Kind zur gefälligen Verbildung überlassen. Die befreundeten Nachbarn von gegenüber waren zwei Jahre zuvor ausgereist, hatten dem Staat ihr Doppelgrundstück mit dem schönen großen Haus für ein Trinkgeld überlassen –vor allem, um ihremSohn das Schulsystem zu ersparen. Und wir sind geblieben, halbherzig wie immer. ZurEinschulung erscheine ich innerlich zur Faust geballt. Allein diese Schule in Schwanebeck. Eine Baracke für die Erst- und Zweitklässler neben einem überfüllten Neubau – so sieht er also aus, der Sozialismus in seinem Jubiläumsjahr. Jeden Abend fluten die Nachrichten mit Bildern von DDR-Flüchtlingen und ihren hoffnungsvollen Gesichtern unser Wohnzimmer. Hunderttausende sind es, gefühlt Millionen. Ist das Land unterdessen nicht leer genug, um jedem seine Wunschschule zu öffnen? Nein. Einbesonnener Schuldirektor Zur Einschulung erwarte ich die üblichen Floskeln darüber, wie sie aus den Kindern gestählte sozialistische Persönlichkeiten formen werden. Hatjaschon bei der Mutter leidlich geklappt. Damals ahne ich nicht, dass das stringente System wenigstens am Anfang auch seine guten Seiten hat –schon nach einem halben Jahr können Schüler damals lesen und schreiben, Rechtschreibung folgt. Als ich viel später in der Redaktion aus ungezählten Texten von Praktikanten mit Abitur haarsträubende orthografische Fehler fische, überfällt mich mitunter eine späte unerwartete Dankbarkeit für die ersten JahreDDR-Bildungssystem. Der Schulbeginn 1989 in Schwanebeck fällt anders aus als befürchtet. Es erscheint ein besonnener Direktor mit Gehstock, der in seiner Rede auf Allgemeinplätze verzichtet und stattdessen den Eltern ins Gewissen redet. Sie sollten in diesen Zeiten gefälligst für ihre Kinder da sein, sie begleiten und nicht alleinlassen mit den Zweifeln und Fernsehnachrichten, die schon die Erwachsenen jeden Tagdurchschüttelten. DieKinder brauchtenVertrauen, Halt und Sicherheit, gerade jetzt. So ungefähr spricht er. Ertappt. Habe ich nicht oft das Abendessen ins Wohnzimmer vor den Fernseher verlegt, um so wenig Neuigkeiten wie möglich zu verpassen? Unbeholfen nach Erklärungen gesucht, statt die paar Stunden am Abend dem Kind zu widmen? Wie sollte ich ihm auch den Exodus aus einem Land erklären, in dem wir ja weiter lebten? Irgendwann würde es fragen, wann eigentlich Onkel Thomas mal wieder vorbei kommt. Na, gar nicht, weil er sich auch über Ungarn auf den Wegnach Westen gemacht hat. Weil er nicht DDR sein wollte,Der Doofe Rest, wie wir freudlos witzeln. Keiner weiß, wann wir meinen Bruder überhaupt wiedersehen würden. Jetzt also zeigen selbst Schuldirektoren mehr Format als Zeitungsleute,denke ich, damals Redakteurin der Berliner Zeitung. Um Bescheid zu wissen, was in der Welt und nebenan passiert, haben Ost-Journalisten damals wie alle nur die Möglichkeit, sich über West-Sender zu informieren. Gleichzeitig nehmen die Ost-Medien noch groteskere Formen an, die Lethargie lässt noch mehr Platz für Verlautbarungsmeldungen. Und ich gehöre zudenen, die an der täglichen Desinformation der Leser mitwirken. Ich weiß gar nicht mehr, wie das anfing, wie wir das aushielten. Da wächst man wohl rein. Auch in so eine Zeitungsarbeit mit ihrem anschwellenden Zynismus, bei dem wir Anweisungen von oben auf den Fluren verhöhnen und gleichzeitig das leere Parteigeschwafel ungefiltert aus der Agentur in die Zeitung fließen lassen. Die Kulturabteilung der Berliner Zeitung versammelt die wenigsten Genossen, zwei der besten Schreiber und die schärfstenVerächter des Systems. Die Kultur gilt als Nische. Statt All die Zweifel Das Land blutet aus, die Zeitungen schweigen. Die letzten Monate in der DDR sind Monate des Wartens, der Wut, der Angst, des Selbsthasses sich in Leitartikeln zu positionieren, bewerten die Autoren Kunst und transportieren kleine Wahrheiten zwischen den Zeilen. Na,manchmal jedenfalls. Die meisten von uns haben sich eingerichtet. Persönliche Entscheidungen getroffen, abgewogen, was jeder aufzugeben bereit ist. Ob er die schöne Redakteursstelle eintauschen will gegen einen Job als Friedhofsgärtner. Oder für ein anderes Leben im Land nebenan, das einen weder will noch braucht. Viele hatten ganz früher einmal die Gewissheit verinnerlicht, in der gerechteren Gesellschaft zu leben. In einem Land, das keine extreme Armut zulässt und keinen Jetset, dafür ein Leben auf auskömmlichem Niveau mit Arbeit für alle ermöglicht. Wenn auch –vorübergehend! –ohne Ausflug nach Paris. Konsumstreben war immer verpönt. Dass das Experiment scheitern würde, stand nicht von Beginn an fest. DieErkenntnisreift mit der Zeit, in der sich Mauer und Denkverbote festsetzen, in der der erstickte Prager VonBirgit Walter Frühling, die Biermann-Ausweisung, der Verlust zahlloser Künstler eisern in die bleiernen 80er-Jahre führen, die Apathie.Nur auf privaten Feiern geht esimmer hitzig um die Frage: Gehen oder bleiben? Und wenn ja –wie? Die letzten Spuren von Glaubwürdigkeit verspielt das System selbst bei ergebenen Genossen, als es die Übernahme vonGlasnost und Perestroika für die DDR verweigert, die sowjetische Zeitung Sputnik mit ihren historischen Richtigstellungen nicht mehr ausliefert, Filme nicht mehr zeigt. Im Finale geht es zur impertinenten Lüge über. Den medialen Siedepunktvor denVerhaftungen zum 40. Jahrestag im Oktober 1989 bildet im Monat zuvor die Geschichte von dem Mitropa-Koch, der unter Drogen gesetzt und von Menschenhändlern aus Budapest in den Westen verschleppt worden sein will. So schreibt es das Neue Deutschland. Daseigentlich Perfide besteht darin, dass bis dahin keine DDR-Zeitung die Massenflucht der eigenen Bürger in den Westen auch nur erwähnt hätte. Keine Zeile darüber, wie das Land ausblutet. Und indieses verstockte Schweigen hinein platzt das ND mit einer Entführungsstory. So schlecht erfunden, dass es jeden Leser beleidigen muss. Auf den Gängen und in den Versammlungen der Berliner Zeitung wird der Protest lauter: Das Blatt muss sich ändern! DieChefredaktion beschwichtigt, offenbar selbst irritiert: Lasst uns den Jahrestagüberstehen, dann sehen wir weiter. Nutzen wir damals schon den Begriff Fremdschämen? Jedenfalls ist das gemeint, wenn ich meine Freundinnen aus anderen Redaktionen des Berliner Verlags in der Kantine treffe, um Neuigkeiten durchzuhecheln. In diesem Fall fassungslos, weil das Interview mit dem Mitropa- Koch von einem Kollegen geführt wurde, mit dem zusammen wir alle studierthatten. Wiekonnteernur? So weit würden wir nie gehen. Nee, mussten wir auch nicht. Beiuns gaben nicht die ideologischen Scharfmacher den Ton an wie im SED-Zentralorgan ND, der Jungen Welt oder auch in der Frauenzeitschrift Für Dich. Die Unterschiede der einzelnen Redaktionenkommen uns damals vor wie die zwischen Steinbruch und Kabarett. Nichtmarginal, sondern existenziell. Dieter Kerschek, der Chefredakteur der Berliner Zeitung mit dem Nimbus des Anständigen, steckt oft Prügel ein im Zentralkomitee für das,was er in seiner Zeitung durchgehen lässt, vergleichsweise kritische Wirtschaftsberichte zum Beispiel. Er gibt das nicht an die Kollegen weiter. Derneue Hass aufdas Land speist sich auch aus Selbsthass, bewusst oder unbewusst. Denn klar, ohne uns hätten sie ihre Zeitungen nicht machen können. Da mochte man sich noch so auf der Seite derer fühlen, die gern mal Klartext geschrieben hätten. Tatsächlich war unsere SchereimKopfverankert, wir glaubten, sie zu kennen. In Wahrheit schneidet sie tiefer, als uns lieb sein kann. Die Selbstzensur funktioniert. Man kann Volker Brauns „Übergangsgesellschaft“, eine Tschechow- Adaption auf das Ende der DDR, ausgiebig loben und ihr Anliegen vermitteln, das geht. Aber die Diskussionen, die in den Monaten vor dem Mauerfall im Maxim Gorki Theater nach jeder Vorstellung los- brechen, weil Zuschauer einfach sitzen bleiben und reden wollen, die kommen in keiner Zeitung vor. Genauso wenig wie die Montagsdemonstrationen in Leipzig. Die Protestzüge um den 7. Oktober beobachten wir auch nur aus den Redaktionsfenstern, von den Redakteuren wagt sich keiner dorthin. Vonden Verhaftungen erfahren wir dann aus dem Fernsehen. Die Nervosität lässt sich mit Händen greifen, aber unsereForderung nach Pressefreiheit erreicht nur die Chefredaktion, die sie gefälligst nach oben weiter geben soll. Vielleicht geht es jetzt doch los Unter den Dableibenden zeigen vor allem Künstler MutzumWiderstand, nicht erst bei der Organisation der befreienden Demonstration vom 4. November auf dem Alexanderplatz. Noch kurz vorher finden ihre WortekeinenWegindie Zeitung, weder die Resolution der Theaterleute noch die der Rockmusiker. Nichtvor demJahrestag. Der September erscheint im Rückblick als der schlimmste Monat, weil immer noch kein Reformwille erkennbar wird, das System in Erstarrung beharrt. Diemeisten Bürger hatten ihre Abwägungen getroffen, doch jetzt ändernsich die Bedingungen. Neue Ängste kommen dazu. Was, wenn bei anhaltender Massenflucht die Grenzen zur Tschechoslowakei und zu Ungarndicht machen? –Das wagen sie nicht! –Nein? Siehaben schon ganz andere Grenzen geschlossen, unbehelligt und für ewig. Unsist jede Gelassenheit abhandengekommen. Keiner ahnt doch, wie das Experiment ausgeht, wie schnell alles endet. Das Kind hat Herbstferien, wir denken an die Wortedes Schuldirektors, machen Ausflüge, heute in den Spreewald. Unendliche Stille auf dem Wasser,keinRadio nirgends.Da kommt uns ein anderer Kahn entgegen, der Ruderer ruft: Honecker ist weg! –Was denn, wirklich?! Wirmüssen nun doch schnell zurück zum Auto, hören, ob das stimmt. Vielleicht geht es jetzt doch los mit einem neuen Land. Birgit Walter war von1978 bis 2013 Redakteurin der Berliner Zeitung.


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12 Berliner Zeitung · N ummer 104 · D ienstag, 7. Mai 2019 ························································································································································································································································································· Das Jahr 1989 Am10. August 1961 um 9.47 Uhr steigt Norbert Kaczmarek in eine S-Bahn und fährt nach West-Berlin. Er ist 19 Jahre alt und gar nicht richtig erwachsen. Schließlich wohnt er noch zu Hause bei seinen Eltern in Potsdam-Babelsberg. Alles ändert sich an diesem Tag, denn Norbert Kaczmarek setzt sich in diese Bahn, um sein Leben zu verändern. Ein junger Mann verlässt sein Land. Ein letztes Mal wird sein Ausweis im Bahnhof Griebnitzsee kontrolliert. Eine Zollkontrolle gibt es nicht, denn er hat kein Gepäck. Dann ist er durch. Norbert Kaczmarek ist einer von 47 433 Flüchtlingen in diesem Monat. Es ist ganz einfach in diesen ersten Augusttagen des Jahres 1961, das Land zu wechseln. Mandarfsich nur nicht erwischen lassen. Eine kurze Fahrt mit der S-Bahn, und schon ist man drüben.„Liebe Eltern“, schreibt Kaczmarek einen Tag später in einem Brief, „ich möchte Euch auf diesemWege über die Gründe informieren, weshalb ich seit einigen Tagen nicht nach Hause gekommen bin und wohl so bald nicht nach Hause kommen kann. Sicher habt IhrEuch schon Sorgen gemacht. Aus dem Poststempel konntet Ihr schon sehen, dass ich in Westberlin bin.“ Er schreibt, der Entschluss,die Elternzuverlassen, sei ihm nicht leicht gefallen, doch er sei notwendig gewesen, um seine Berufspläne zu verwirklichen. Werdiesen Brief liest, gewinnt den Eindruck, der junge Mann habe eine einsame Entscheidung getroffen. Aber so ist es nicht. DieAusreise ist innerhalb der Familie abgesprochen. Der Brief soll die Eltern schützen, damit sie später sagen können, sie hätten von nichts gewusst. Das ist klug überlegt. Aber drei Tage später errichtet die SED die Berliner Mauer und trennt damit nicht nur West-Berlin vom Ost-Teil der Stadt und vomUmland. Norbert Kaczmarek sieht seine Eltern erst vier Jahrespäter wieder. Ohne Zukunft in der DDR Geteilte Leben Norbert Kaczmarek ist 19, als er im August 1961 nach West-Berlin fährt. Dann wird die Mauer gebaut. Mit seinem Vater kann er nun nur noch Briefe wechseln. Heute nennt er sie Feldpostbriefe aus dem Kalten Krieg VonJulia Haak Norbert Kaczmarek hat nicht gewusst, dass um West-Berlin eine Mauer entstehen würde. Erhört davonerst am Morgen des 13. August in Friedenau im Radio. Er fährt zum Bahnhof Friedrichstraße und beobachtet –wie Tausende andere Berliner auch –relativ fassungslos, wie DDR-Grenzposten Stacheldraht ausrollen. Aber eine relativ konkrete Ahnung hat er im Sommer 1961 schon, dass sich Unheil ankündigt. Er hört die Zahlen der Flüchtlinge, die von Monat zu Monat ansteigen, er hört die Drohungen des Regimes, Grenzgängern die Ausweise zu entziehen. Ihm ist klar, dass der Verkehr zwischen Ost und West relativ bald unterbunden werden würde. In der DDR, die rings um ihn herum gerade entsteht, sieht er für sich keine Zukunft. Eine Zulassung zum Studium bekommt er nicht. Er hat das berufliche Schicksal seines Vaters vor Augen, der im neuen System mit dem eigenen Betrieb in die Pleite gedrängt wird und fortan unzufrieden in der Planwirtschaft vor sich hin arbeitet. Irgendwann schmiedet Norbert einen eigenen Plan. Er macht sein Abitur in West- Berlin und bewirbt sich an der Freien Universität. Dann steigt er in den Zugnach Westen. In Zeiten des Internets und der unbeschränkten und mobilen Kommunikation fällt es heute schwer, sich vorzustellen, was das heißt für eine Familie in den 60er-Jahren. Telefongespräche in die Ferne sind teuer, auch wenn die Ferne gleich um die Ecke liegt. Außerdem dauert es Stunden oder Tage, bis eine Leitung freigeschaltet wird. Das Internet gibt es noch nicht und damit auch keine Kurznachrichtendienste. Persönliche Begegnungen sind unmöglich, jedenfalls in den ersten vier Jahren, bis die ElterninRente gehen und in den Westen reisen dürfen. Norbert und sein Vater Georg Kaczmarek finden eine andere Lösung. Sie schreiben sich Briefe.Täglich, wöchentlich, so oft wie möglich jedenfalls. Manchmal ist bereits ein neuer Brief in Arbeit, wenn die Antwort auf den letzten noch gar nicht eingetroffen ist. Vater und Sohn schreiben sich acht Jahre lang bis zum Toddes Vaters alle paar Tage gegenseitig einen Brief. Norbert Kaczmarek hat all diese Briefe seines Vaters aufbewahrt. In einem Schuhkarton. Es sind Hunderte. Seine Schwester fand nach dem Todder Eltern imBabelsberger Haus dann einen zweiten Karton mit den Briefen, die Norbert dem Vater geschrieben hatte. Manches, sosagt Norbert Kaczmarek heute, wüsste er ohne die Briefe nicht mehr.„Die Erinnerung verklärtdie Dinge“, sagt er. Er hat gemeinsam mit der Stiftung Berliner Mauer und dem Christoph Links Verlag aus den Briefen jetzt ein Buch gemacht. Norbert Kaczmarek hat 270 der Briefe für die Veröffentlichung herausgesucht, sie gekürzt, rausgestrichen, was zu speziell und privat und deshalb für die Öffentlichkeit weniger interessant ist und hat Jahr für Jahr mit einer historischen Vorbemerkung versehen. Nicht aus den Augen verlieren Es geht um Politik in den Briefen. Natürlich. Die Familie ist unmittelbar von den drastischen Entwicklungen der Weltpolitik betroffen, eine Familie, geteilt wie das Land, in dem die Menschen leben. Vater und Sohn nehmen kein Blatt vor den Mund in ihren schriftlichen Gesprächen. Sie beurteilen die Lage, sie kommentieren, und das, obwohl sich beide bewusst sind, dass grenzüberschreitende Briefe auch aufgemacht und von staatlichen Stellen der DDR gelesen werden. „Wir wollten uns nicht verstellen und mit Ironie ist das so eine Sache,das versteht man schnell falsch“, sagt NorbertKaczmarek. Aber es geht auch um Alltägliches in den Briefen. Vater und Sohn haben sich ganz offenbar vorgenommen, sich gegenseitig auf dem Laufenden zu halten und die jeweiligen Lebensumstände zu schildern bis in die Details.So, glauben sie,die Trennung besser überwinden zu können. MuseuM e phraiM-palais OST- BERLIN DIEhaLBEhaupTSTaDT 11.05.–09.11.2019 TERRASSENDACH mitDreh-Lamellen „Bei Sonne auf ... bei Regen zu.“ Traueranzeige Das schönste, was ein Mensch hinterlassen kann, ist ein Lächeln im Gesicht derjenigen, die an ihn denken. Traueranzeigen Wenn ihr mich sucht, sucht mich in euren Herzen. Hab ich dort eine Bleibe gefunden, bin ich immer bei euch. (Antoine de Saint-Exupéry) Hartmut Kölling geb. 30.6.1928 gest. 29.4.2019 Wir nehmen Abschied von unserem lieben Papa, Opa und Uropa. #ostberlin www.ost.berlin Sonderkonditionen fürReferenzobjekte Kostenlose Beratung unter 030-26325198 www.allweda.de ·allweda-nord@email.de ·Dipl.-Ing. W. Moldenhauer Wir beraten Sie gern: ( 030) 2327-50 Im Namen aller Angehörigen: Andreas Kölling und Annemarie Ruth Kölling und Wolfgang Max Kölling und Kathie mit Mali und Jaron Die Urnenbeisetzung findet am Dienstag, dem 14. Mai 2019, um 12.00 Uhr, in der Kapelle des Ev. Friedhofes in Berlin-Karlshorst, Robert-Siewert-Straße 57/67, 10318 Berlin, statt.


Berliner Zeitung · N ummer 104 · D ienstag, 7. Mai 2019 13 · · ······················································································································································································································································································· Der Weg zum Mauerfall Undsich nicht aus den Augen zu verlieren. „Am Montag war ich nun im Notaufnahmelager Marienfelde, mußte über drei Stunden stehen, ehe ich überhaupt die Pforte passieren konnte.Soist das nun immer vorjedem neuen Punkt des Laufzettels“, heißt es da. Undweiter:„Gesternwar ich zur Untersuchung, heute bei der Sichtungsstelle der westlichen Geheimdienste,woman unter die Lupe genommen wird. (...) So stehe ich nun, mal mit mal ohne Regenschirm, ziemlich viel an, wenn das erledigt ist, werde ich wohl arbeiten können, denn 50 000 Grenzgänger haben eine ganz schöne Lücke hinterlassen“, schreibt Norbert. Norbertberichtet vonseinen Besorgungen und ausführlich von der Zimmersuche. Der Vater schreibt von seiner angeschlagenen Gesundheit und den Mühen im Betrieb. „Im Geschäft haben wir viel Arbeit, es müssen die Vorbereitungen getroffen werden für das neue Planjahr 1962. Unsere Eigenständigkeit wird immer geringer, denn wir müssen die gleiche Organisation annehmen wie Berlin. Dabei wird nicht beachtet, daß in Berlin für die Arbeit dank der zahlreicheren Arbeitskräfte und des erhöhten Umschlags eine Spezialisierung möglich ist (...) Aber da ist nichts zu machen und ich habe aufgehörtdagegen anzukämpfen, weil es zwecklos ist“, schreibt der Vater. „Was für Zeit man mit schreiben verbracht hat“, sagt Norbert Kaczmarek heute. Erist jetzt 77 Jahre alt. Wenn man ihn so vorsich sieht, fällt es schwer, ihn mit dem aufgeregten jungen Mann übereinzubringen, der aus den Briefen heraus spricht. Für die Buchvorstellung schlüpft Norbert Kaczmarek dann auch in die Rolle des Vaters, liest aus dessen Briefen vor. Ein Schauspieler übernimmt den Part des Sohns. Das findet Norbert Kaczmarek schön und seltsam zugleich, denn er hat die Stimme des Vaters nicht mehr im Ohr, muss seine Worte also so sprechen, wie er selbst sie eben sprechen würde. Aufgewühlt,aber nicht erschüttert Schon vor dem Mauerbau haben sich andere Familienmitglieder Richtung Westen aufgemacht. Ein Onkel, weil er Ordenspriester werden will und der älteste Bruder Norberts.Erstudiertbereits in den 50er- JahrenPharmazie an der Freien Universität, lebt mit seiner Frau in West- Berlin und erleichtertNorbertinden ersten Monaten das Einleben in die neue Situation. Die Welten von Vater und Sohn könnten unterschiedlicher nicht sein, und das spürtman in den Briefen. „Du weißt, wofür Du Dich anstrengst, Du wirst einmal davon Vorteile ziehen, einen gesicherten und vielleicht auch lohnenden Beruf erringen. Bei mir sieht das etwas anders aus.Ich komme mir vorwie Don Quichote, der gegen Windmühlenflügel anrennt, und das ist bitter“, schreibt der Vater im November 1961. Der Sohn schreibt zur Lage in den Ost-Betrieben, er finde es „erklärlich, daß die Leute absolut keine Lust haben, mehr zu tun, als sie verpflichtet sind“. Aber ansonsten berichtet er recht munter von seinen Versuchen, sein neues Leben zu organisieren. Mitder Zeit wirdder Schriftwechsel tiefgründiger. Zum Jahrestag seiner Flucht 1962 schreibt Norbert: „Wir haben uns seitdem nicht mehr gesehen, wir haben uns viel geschrieben und nun auch mal telefonisch gesprochen. Undvielleicht haben wir uns wirklich erst mit und nach diesem Ereignis richtig kennen gelernt. Vielleicht fehlte der Schock, um zu sehen, was doch Familie bedeutet.“ Fragt man NorbertKaczmarek heute nach seinen Gefühlen damals, sagt er, „ich habe den Vater durch die Briefe zehnmal besser kennengelernt, als wenn wir nebeneinander gewohnt hätten.“ Rückblickend auf die Flucht des Sohnes, schreibt der Vater nach einem Jahr: „Ich bin aufgewühlt, aber sonderbarerweise nicht erschüttert worden. Dein damaliger Entschluß war eine Fügung, daran zweifle ich nicht und NorbertKaczmarek ist heute 77 Jahre alt und im Ruhestand. Von1981 an leitete er das Büro des Regierenden Bürgermeistersvon Berlin und von 1983 bis 2007 die Abteilung Politische Koordination der Senatskanzlei Berlin. BERLINER ZEITUNG/MARKUS WÄCHTER ich habe mich deshalb damals auch dreingefunden.“ Politik spielt in den Briefen immer wieder eine Rolle.Von heute aus betrachtet wirkt manches naiv. In den ersten Tagen nach dem Mauerbau ärgert sich Norbert vor allem über die Tatenlosigkeit derWest-Alliierten. „Man kann es kaum fassen, daß TagumTag vergeht, an denen erst beraten werden muß, was zu unternehmen ist, als ob man das nicht kommen sah“, schreibt er am 16. August. EinJahr später berichtet er dem Vater von der neuen westdeutschfranzösische Freundschaft und schreibt, dieses Zusammenrücken werde sicherlich nach einer deutschen Einheit für das ganze Deutschland gelten. Vater Georg Kaczmarek (rechts oben) ist zu Beginn des Briefwechsels 61 Jahre alt. Er ist in den 60er-Jahren Leiter der Potsdamer Außenstelle des VersorgungskontorsPapier und Graphischer Bedarf in Ost-Berlin. Sohn Norbert(links) studiert1961 an der Freien Universität Berlin Slawistik, Publizistik und Politische Wissenschaften. Er ist 19. Überhaupt die deutsche Einheit. Ungeduld spricht aus den Worten von Vater Georg, wenn er schreibt: „Man setzt wieder mal Hoffnungen auf kommende Gespräche, Besuche, woran NewYork, Moskau, Berlin und Peking beteiligt sind. Was wird daraus werden? Einmal muss es doch klappen, nachdem wir so oft enttäuscht wurden.“ Es ist Juni 1963, als er dies schreibt. Bis zur Wiedervereinigung werden noch fast 30 Jahre vergehen. Aber das weiß ja damals niemand. Der Sohn berichtet dann euphorisch vom Besuch des US-Präsidenten Kennedy. Zwei Stunden vor der Ansprache ist er bereits vor dem Schöneberger Rathaus, umüberhaupt einen Platz zu bekommen. „Es war eine Stra- PRIVAT/REPRO WÄCHTER paze bei der Sonne und der Fülle. Nachher war es so, daß man gar nicht klatschen konnte, weil man die Hände einfach nicht bewegen konnte“, heißt es im Brief. Dann wird Kennedy erschossen. „Warum und warum gerade jetzt muss so etwas geschehen“, schreibt Vater Georg, „wo man in den Mann große Hoffnungen setzte. Warum er und nicht ein anderer, der vielleicht nach unserer Meinung für eine freundliche Entwicklung imWege steht“. Die Beziehung von Vater und Sohn verändert sich. Der Vater schreibt seinem Sohn, erhabe sich in den zwei Jahren der Trennung zu seinem Vorteil verändert, das Kindhafte abgelegt, sei männlicher geworden. Aber es tut sich ja auch etwas im Leben des jungen Mannes. Er hat eine Freundin, seine spätere Frau, und sie ist es dann, die anfängt hin- und herzureisen zwischen den Elternund dem Sohn im Westen. Denn als West-Berlinerin kann sie das, nachdem erste Passierscheinabkommen geschlossen wurden, während Norbert sich noch sehr lange nicht trauen wird, einen Fuß zurück in die DDR zu setzen. Erst 1972 reist er das erste Mal wieder ein. Da ist sein Vater bereits gestorben. Er sei superängstlich gewesen, so kommt es Norbert Kaczmarek heute vor. Er traute sich nicht einmal, S- und U-Bahnen zu benutzen, die DDR-Gebiet passierten. 1964 schaffen es dann immerhin die Eltern, als sie Rentner sind, zu Besuch nach West-Berlin. Viele Briefe drehen sich um die Vorbereitungen des Besuchs und dann um das tatsächliche Wiedersehen. Es ist das wichtigste Ereignis in der Familie in diesen Jahren.ImBuch sind Fotos abgebildet: die Familie zusammen auf dem Sofa, der Vater mit einer West- Berliner Tageszeitung in der Hand. Norbert Kaczmarek bezeichnet die Rentnerbesuche heute als Fehlkalkulation der DDR-Obrigkeit. Der zynische Gedanke dahinter,wenn ein Teil nicht in die DDR zurück komme, sei es nicht schlimm, weil man Kosten spare, habe sich als Fehleinschätzung entpuppt. Es seien doch fast alle wieder zurückgefahren. „Vor allem hatten sie aber die psychologische Wirkung von dem, was die wieder zurückgekehrten Rentner von ihrem West-Besuch dann erzählen, unterschätzt“, sagt Kaczmarek. Die persönlichen Erlebnisse, die Berichte vomBesuchauf dem Funkturmoder im KaDeWe hätten sich noch wesentlich schlimmer auf die Durchhaltemoral ausgewirkt als das Werbefernsehen, das ja ebenfalls Gelüste weckte. Die Oma, die mit leuchtenden Augen von ihren Erlebnissen erzähltem, sei einfach glaubwürdig gewesen.„Ein Beitrag, der zur Unzufriedenheit beitrug“, sagt Kaczmarek. Mosaik desLebens DiePolitik hat NorbertKaczmareks Leben geprägt. Er studierte Politik an der Freien Universität, war dann für die CDU-Fraktion im Berliner Abgeordnetenhaus als wissenschaftlicher Mitarbeiter tätig und arbeitete ab 1983 bis zu seiner Pensionierung 2007 in der Berliner Senatskanzlei. Beim Lesen dieser Briefe entstehe ein Mosaik des Lebens in Ost und West, heißt es in der Einleitung. Da sind die unterschiedlichen Bedingungen und die zunehmende Auseinanderentwicklung zum Beispiel, wenn der Sohn Flugreisen ins Ausland unternimmt, die beim Vater Erstaunen auslösen. Die Briefe können aber auch als Zeugnisse einer politischen Phase gelesen werden. „Feldpostbriefe aus dem Kalten Krieg“ nennt sie Norbert Kaczmarek. Es seienMuntermacherbriefe und Schlachtenbeschreibungen wie bei den Briefen zwischen Frontsoldaten und Daheimgebliebenen. „Darum geht es doch“, sagt er. Überleben in einem Bürgerkrieg besonderer Art. Auch wenn es kein richtiger Krieg war. Julia Haak pendelte 1989 zwischen Berlin und Hamburg,wosie studierte. Vermischtes dienstleistungen Klinker verfugen reinigen, restaurieren 0160-96354981 www.Die Fuger.com zapf umzüge,61061, www.zapf.de an- und Verkäufe Kaufgesuche Kaufe Ölgemälde, Münzen, Antiquität.Dr. Richter, 01705009959 Verkaufsschlager. Ihr Anzeigenmarkt in der Berliner Zeitung Anzeigenannahme: ( 030) 2327-50 Ihr Einsatz ist unbezahlbar. Deshalb braucht sie IhreSpende. www.seenotretter.de berliner adressen AusWannewirdDusche! Komfort und Sicherheit im Alter! 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14 Berliner Zeitung · N ummer 104 · D ienstag, 7. Mai 2019 ························································································································································································································································································· Das Jahr 1989 Schreibend ist er in Lyrikund Prosa genauso zu Hause wie in der Dramatik, auch seine Essays blitzen mit geschliffener Streitlust. Volker Braun gehört zweifellos zu den bedeutendsten deutschen Schriftstellern, als Erneuerer der Sprache, als Erweiterer von Denkräumen und kritischer Beobachter der Verhältnisse.Wir trafen ihn kurzvor seinem 80. Geburtstag. Wiegeht es Ihnen, vorIhrem 80.? Nicht schlecht. Ich komme von einer Lesereise,Paris,Toulouse,Lyon, Genf. Mit Alain Lance, dem Dichter und Übersetzer. Ein Band Gedichte, bei Gallimard. Siehaben auch hier gerade Neues veröffentlicht. Einen Band mit Schriften und Reden und ein Büchlein „Handstreiche“, Kurztexte, Merksätze. Also, Siesind produktiv. Das empfinde ich nicht. Das Schreiben braucht einen Impuls,den Fund, an dem sich was zeigen lässt. Eine einfache, unabweisbare Sache, die die ganzeExistenz betrifft. So war es beim „Bodenlosen Satz“, bei den „Vier Werkzeugmachern“ und bei den „Hellen Haufen“. Oder bei den „Griechen“: der Beginn der Postdemokratie. Essind Texte, die gemacht werden mussten. Darumschreibe ich wenig, weil mich nicht leicht etwas dazu bringt. Weil ich angestiftet werden muss. Angestiftet wozu, zu einer Tat? Zu einer Feier, oder einer Rache. Auf die „Hellen Haufen“ schrieb ich Fühmanns Satz: In ein Buch gehen wie in eine Schlacht, die auch für alles offen ist. Gilt das auch für die „Handstreiche“? Die „Handstreiche“ sind nur ein Beifang. Worte„aus derWerkzeugtasche“,„Ausschreitungen auf dem Papier“. DerganzeBand ist ausWidersprüchen. „Ich bin schwer zu fassen. Ich gebe mich wie ich bin.“ Das entsteht beiläufig, ist aber gearbeitet wie jeder andereText. Indem man im Moment des Notierens ein bisschen zögert und nicht losspricht wie jetzt. Losspricht? Nein. Aber Ihre Pausen können wir leider nicht drucken. –Es gibt einen Buchtitel, der freundlich anfängt: „Wir befinden uns soweit wohl“, aber fortsetzt: „Wir sind erst einmal am Ende.“ Der Band erschien vorzwanzig Jahren. Es ist einiges passiertinzwischen. Daswar ein ehrlicher Satz.Werdas ein Leben lang sagt, ist ein Idiot. –Ah, das war Ihre Frage: Wie esmir geht. Da müsste ich nachdenken. Gut. Währenddessen schaue ich mich um und sehe, dass Sie mit Bildenden Künstlern verbunden sind, Jastram, Stötzer, Nuria Quevedo.Was bedeutet Ihnen die Begegnung der Künste? Ich war vor allem mit Komponisten befreundet: Paul Dessau, Friedrich Goldmann, Fritz Schenker.Diese Entwicklung bei Goldmann, der in Dresden-Rochwitz auf unserem Klavier spielte … die Auseinandersetzung mit den tradierten Kompositionsweisen, da gingen ganz ähnliche Brüche, Neuerungen vor wie in den Schreibweisen. Undbei der Bildenden Kunst? Hrdlicka zeigte mir sein Mahnmal gegen Faschismus und Krieg in Wien. Halb behauene Blöcke,Fragmente von Körpern, und irgendwo ein Sinnkern, das bronzene Judenhaupt im Pflaster. Die Wiener empörten sich. Eine zersprengte Form wie in den Bühnenstücken. Oder Picasso, wie malt der einen Busen? Keinen Halbkreis, ermalt eine Spirale. Aber wie eindringlich, berührend ist die Figur. Was entspräche dem im Text? Mensch, wie musst du schreiben? Die Künste regen einander an. Hat man sich in der DDR gegenseitig gestützt in den Konflikten –dass Ausstellungen nicht stattfanden, Stücke nicht aufgeführtwurden? Das waren die Arbeitsbedingungen. Der Architekt Henselmann vermachte mir den Spruch: „Solidarität der Qualität“. Es gab sie. Und man „Der Osten war für den Westen offen“ Geboren am 7. Mai 1939 in Dresden, lebt Volker Braun seit 1965 in Berlin. Seine Biografie ist durch die Widersprüche des 20.Jahrhunderts geprägt. Das spiegelt sich in seinem Werk. Im Jahr 2000 erhielt er den Georg-Büchner-Preis. BERLINER ZEITUNG/GERD ENGELSMANN stand oft allein ... Aber Konkurrenz war überhaupt kein Begriff. In der Sächsischen Dichterschule –zu der Sie, Karl Mickel, Sarah und Rainer Kirsch, Adolf Endler, Heinz Czechowski und andere zählten? Sie haben ja auch in Gedichten miteinander verkehrt. Natürlich. Das ist ein Mythos. Er verdankt sich „Eddi Pferdefuß Endler“. Wir stammten merkwürdigerweise alle aus Sachsen und Anhalt und wurden durch Hermlins Lesung 1962 bekannt, die ihn sein Amt in der Akademie kostete.Ich war aus Leipzig gar nicht angereist. Und wurde um ein Haar exmatrikuliert. Siestudierten Philosophie. Ein Bruder war in West-Berlin: Da kam ich bei der Journalistik nicht an. Wiegeht es Ihnen in der Zeitungswelt heute? Was soll ich sagen? Ich habe einen schönen Beruf,aber es macht mir Sorgen, dass weniger Zeitungen gelesen werden, dass auch viele kluge Menschen ihreInformationen fast wahllos aus dem Netz holen. Die Medienrevolution. Sie frisst ihre Kinder. –Es sind nicht die Geräte, das Internet. Es ist der Dreh, wie Nachrichten gemacht werden, wie Kriege begründet werden, erst in Jugoslawien, dann im Irak, in Syrien, das terrorisiert wird auch von der Presse. Die Nachrichten, die in einen hineinfahren wie Schrapnells. Dieeinem den Tagverderben können? Man denkt, man schüttelt das ab. Aber wir sind durchlässige Wesen. Weisen wir eine Frage ab,dichtete GeorgMaurer,„tritt die Lüge wie Schimmel vor“. Das ist zum Verzweifeln. Wirtschaftslobbyisten bestimmen die Themen, sodass die Klimakatastrophe wie ein Luxusproblem behandelt wird. Und dann lobt Angela Merkel die demonstrierenden Schüler, obwohl sie selbst immer Auto-Politik gemacht hat. Immerhin gehen die Schüler auf die Straße, immerhin für den Klimaschutz. Vielleicht ist es dieses Gefühl Frühjahreder Völker.Seltenzeit Wenn sie ausgehn aus ihrem Schlummer InsFreie.Das Eis DerStrukturen bricht, und es hebt den Nacken neugierig DerUnterdrückte. (Der Eisenwagen, 1981) einer Grundheuchelei in der Gesellschaft … Immerhin wird das Auto noch einmal erfunden, freilich als Fehlkonstruktion. Werein Auto kauft /kauft den Autounfall. Jetzt kauft er den Batterienmüll vonmorgen. Glauben Sie, dass sich die Rolle vonLiteratur und Medien irgendwo treffen? Unbedingt. In der Wahrheit. Nur ist die ArtundWeise,sie zu sagen, verschieden. Die Literatur hat keine leitenden Redakteure. (Er zeigt auf eine Bleistiftzeichnung an der Wand.) Haben Sie gesehen? Das ist Joachim John, „Das Volk führtdie Freiheit“, an Stricken. 1991. –Eine Bibliothekarsschülerin fragte mich neulich am Telefon: „Waren Sie auch von der Bücherverbrennung betroffen?“ Das ist das Resultat der Aufarbeitung. Volker Braun, der in der DDR oft mit der Zensur zu kämpfen hatte, sah das Weggehen nicht als Alternative. Die Wende war für ihn „eine Revolution und eine Konterrevolution und ein Fest und ein Desaster“ Sie beschreiben die sozialen Verwerfungen, die wir erleben. Ihr Flick von Lauchhammer ist ein rückgewandter Held, ein Quichotte der Arbeitswelt. Siehaben einen Preis vonder GewerkschaftVerdibekommen. Ichhabe in meinem Dank gesagt, dass eine Gewerkschaft, die sich nur um die Beschäftigten kümmert, ein elitärer Verein ist. Die Arbeiterschaft ist geteilt in die,die Arbeit haben, und die,die keine haben, die sind nicht organisiert. Ich sollte auch mal vom FDGB... …der Gewerkschaft in der DDR ... einen Preis erhalten. Da hörte sich eine Kommission eine Lesung an, und dann war klar: Der Mann ist ungeeignet. Einer, der von vertikaler Arbeitsteilung und Dreckarbeit spricht. Zurückweisungen erlebten Sie früh, etwa durch das 11. Plenum der SED. DieVerurteilung des anarchischen Helden –das traf auch den „Kipper Paul Bauch“. Ihre „Unvollendete Geschichte“ brachte Ihnen immensen Ärger ein, Interview: Cornelia Geißler der „Hinze-Kunze-Roman“ wurde über Jahrenicht gedruckt. Auf dergleichen Gewalt war ich dann trainiert. Und esgab auch ein bestimmtes Zusammenstehen. ZumBeispiel wie? Dieter Schlenstedt, als Gutachter, beschrieb den „Hinze-Kunze-Roman“ als Komödie in Prosa, die mithin dieTotalität derWidersprüche beanspruche. Also könne nichts gestrichen werden, auch nicht die Atomschutzübung. Das hat Kurt Hager mehr geärgert als der ganze Ramon. Vergessen wir nicht, das waren ironische Zeiten. Und unersetzlich der Umgang mit Wolfgang Heise,mit Jürgen Teller,oder mit Bahro, der schrieb „Die Alternative“, ich den „Großen Frieden“. Er kam in den Knast, das Stück kam ungenehmigt am Berliner Ensemble heraus … Und Sie wechselten vom Deutschen wieder ans Brecht-Theater. Ja,und das war auch eine Falle. Das BEhatte das Recht der ersten Nacht, und war verpflichtet, sie nicht zu nutzen ... Gut, am ersten Probentag von „Dmitri“ das Kriegsrecht in Polen, und es half nicht, dass Wekwerth eine Fassung machte, inder es keine Polen und Russen mehr gab. „Lenins Tod“ war von vornherein nicht spielbar. Warum haben Sie es nicht in denWesten gegeben? Es lag im Safe im Suhrkamp-Verlag. Unseld, der Verleger, lief mit mir um den Bahnhof Friedrichstraße und hatte ein Pseudonym parat. Das Stück wäredrüben verbraten worden. Den „Hinze-Kunze-Roman“ nahm ich dreimal aus dem Suhrkamp-Programm, damit er auch im MitteldeutschenVerlag erscheint. So war es dann auch. In kleiner Auflage und mit bestelltenVerrissen. Das waren alles beschämende Vorgänge.Man schämte sich für seine Verhältnisse. Wieso haben Siedie DDR nicht verlassen? Siewaren doch ein imWesten anerkannter Autor? Ichhabe das Weggehen immer als Privatlösung empfunden, vielleicht auch als feige.Wenn ich die DDR verlassen hätte, hätte ich einen definitivenStrich gezogen und mich, in aller Augen, ganz der BRD attachiert. Das war keine guteVorstellung. „Ich bleib im Lande und nähre mich im Osten. /Mit meinen Sprüchen, die mich den Kragen kosten /inanderer Zeit“ – Bleiben hieß, das Schreiben radikalisieren. „Die Übergangsgesellschaft“, im Frühjahr ’88 endlich inszeniert, wurde das Stück zur Wende, weil es die Stagnation der Verhältnisse und die Sehnsucht nachVeränderung so klar zeigt. Es war die Arbeit auf eine Wende zu. Diebegann ja 87, 88. „Das Eisder Strukturen bricht ...“ Nach dem letzten Schriftstellerkongress wurde die Zensur quasi abgeschafft. Ohne die gewonnene Öffentlichkeit wäre die Verwandlung des Landes nicht friedlich verlaufen. Es war ohnehin eine Gesellschaft, in der gedacht wurde. DasTheater war der Ort, eine Gegenrealität zu erleben. Wie sehen Sie heute die ersten Jahre der deutschenVereinigung? Der Osten war für den Westen offen, doch die große Masse wurde verprellt. Dasbegann damit, dass sie ihr Leben in Gänze verworfen sah. Sie wurde aus den Hallen in Schöneweide oder Schönebeck herausgekehrt. Ein Kombinatsdirektor, SKET und Kraftwerksanlagenbau, sagte nach der Lesung aus den „Hellen Haufen“: Es war eine konzertierte Vernichtung. So wurden Problemzonen produziert. Das nicht geheure Volkseigentum –über das wir nicht verfügten – war aus der Welt geschafft. Haben Sie selbst eine Kränkung erlitten? Siemussten sich ja keinen neuen Verlag suchen. Nein. Womit wir konfrontiert waren: dass die Losung KEINE GEWALT vergessen und wir binnen Monaten Bürger eines kriegsbeteiligten Landes waren. ChristaWolf, Müller,Hein, ich, die sich gegen den Golfkrieg wandten, galten dem Feuilleton drei Jahre lang als Feinde der Demokratie und Amerikas. Waswar dieWende für Sie? Eine Revolution und eine Konterrevolution und ein Fest und ein Desaster. „Die hellen Haufen“, die den Protest der Bergleute von Bischofferode in einen Aufstand verwandeln, ist ein Buch, das hätte in die Gesellschaft wirken müssen. Widerstand ist Mangelware in der Marktwirtschaft. –Aber Mitteldeutschland hallt von Geschichte. DerBoden ist kontaminiertvon Arbeit und Krieg. Der Bauernkrieg, die Märzkämpfe. Die Bodenreform. Die Volksenteignung. Wenn ich die entlassenen Arbeiterhaufen versammle, ziehen sie nicht nach Frankenhausen, wo 6000 Bauern geschlachtet wurden. Sie sind alle Historiker. Siehaben Erfahrung. Sie kämpfen ohne Gewalt. –Auch beim „Machwerk“ wünschte ich, es könnte ein Volksbuch sein. Über das Machwerkder Menschheit. DieIndustrie, die Produktion? Wir stehen vor einem Anfang. Ein anderes Handeln. Es ging uns eine Generation voraus,die für das andere Deutschland stand und darum nicht alle Fragen stellte. Esfolgt uns eine Generation, die für eine andere Welt steht und unsere Halbheiten nicht duldet. Sie wird sich dem Weltlauf nicht fügen. Eine Frage ist offen:WieesIhnen geht? Ichbefinde mich soweit wohl.


Berliner Zeitung · N ummer 104 · D ienstag, 7. Mai 2019 – S eite 15 ························································································································································································································································································· Das Jahr 1989 Die große Zeitenwende im Osten Europas Seite 20 „Für Kritik fehlte mir die Courage.“ Hans Modrow blickt zurück Seite 19 MIT DEN SCHADHAFTEN DÄCHERN FÄNGT ES AN WasSchriftsteller und Intellektuelle im Jahr 1989 in ihre Tagebücher schrieben VonHarry Nutt Im Februar 1989 geht es Erwin Strittmatter nicht gut.„Neun Tage nicht geschrieben“, notiertder 76-Jährige in sein Tagebuch.„Ich hatte ein Tief, wie ich lange keines hatte.Bei einem Spaziergang vonhundertMeternmusste ich bei der Hin- und Hertour je dreimal auf meinem Stock sitzen.“ Ein paar Tage später geht es ihm wieder besser, erberichtet von Ausritten mit seiner Stute Nurid. Geschäftlich läuft es ebenfalls gut.„Der Laden“, seine zu diesem Zeitpunkt erst in zwei Teilen vorliegende Romantrilogie,ist imWesten in einem Band erschienen –schwer wie ein Ziegelstein, notiert Strittmatter. Privat häufen sich Hiobsbotschaften. Der Freund Reso ist gestorben, Raja geht es schlecht. „Sie wird sterben und Irmtraud Morgner wird sterben und Alfred Wellm wird seine Glieder (vor allem die Hände nicht) nie mehr normal gebrauchen können“, lautet ein Eintrag im April1989. Diepolitischen Vorgänge um die Volkskammerwahlen im Mai1989 spielen in der veröffentlichtenVersion des Strittmatter-Tagebuchs keine Rolle.Erhat mit sich selbst genug zu tun.„Wenn ich beim Händewaschen hochgucke, inden Spiegel über der Waschtoilette hinein, erschrecke ich manchmal vor dem alten Mann, der mich da ansieht, und der nichts zu tun zu haben scheint mit dem Mann, den ich innen herumtrag. (...) Ich begreife so schwer,dass ich am Ende meines Arbeitslebens angekommen sein soll.“ Im Verlauf des Sommers aber entgehen ihm die Entwicklungen, vorallem in Ungarn, nicht. Diedortigen Ereignisse strahlen auch auf dieVerhältnisse in der DDR aus und Strittmatter notiert:„UnserePolitiker bangen um ihreExistenz. Siereden und reden voneinerWende,die sie einleiten. DieWende –das ist jetzt ihr Lieblingswort. Sie reden vonReisefreiheit, die sie beschließen werden, vonder Verbesserung des Wirtschaftssystems.Sie werden alles umwenden, behaupten sie. Nur sind sie nicht bereit, von ihrer Macht und Vormacht einen Deut abzutreten.“ Während der Volkskammerwahlen ist der Rabbiner Walter Homolka, der heute Rektor des Potsdamer Abraham Geiger Kollegs ist, mittendrin im Geschehen. Im Sommer 1989 war er als westdeutscher Austauschstudent zu Gast an der Sektion Theologie in Leipzig. In einer Rede hat er unlängst aus seinem Tagebuch vondamals zitiert: „9. Mai. Am Nachmittag dann Thomas S. im Leiterkreis der FDJ Lindenau getroffen, wir tagen im Haus der Volkskunst. Auch dort wird Unmut über den Wahlausgang laut. Man ist frustriert über die offensichtliche Stimmfälschung. Nach der Sitzung gehe ich mit Thomas nach draußen. Ichsage ihm, wie aufgebracht ich bin über mein Erlebnis an der Nikolaikirche.Und dass ich ihn nicht verstünde,wie man SED-Mitglied sein könne angesichts der diktatorischen Zustände hier.Thomas gibt zurück: Er wisse, dass die DDR eine Diktatur sei. Undfortist er mit dem Rad.“ Über das historisch so bedeutende Jahr 1989 hat auch der Schriftsteller Walter Kempowski ausführlich Tagebuch geführt. Es trägt den Titel „Alkor“, seinen Einträgen schickt er häufig die Schlagzeilen der Tagepresse voraus.Immer wieder zitierterdabei auch das Neue Deutschland. Am 8. Maiheißt es dort: „98,85 Prozent stimmten für die Kandidaten der Nationalen Front.“ Kempowski selbst ist allerdings mit anderen Themen befasst. Wenige Tage zuvor ist er 60 Jahrealt geworden, und er macht Anmerkungen zu den Feuilletontexten, die aus diesem Anlass erschienen sind. Das aktuelle Tagesgeschehen entgeht ihm dennoch nicht. Am 14. Maiberichtet er zunächst vompfingsttypischen Spargelessen und bemerkt dann: „Völlig unsensationell wirken die großen Veränderungen dieser Monate: Ungarn, und dass es jetzt sogar Lenin ans Leder geht. Alles kommt sachte daher,kleinweis’, stückweis’und keiner erschrickt. Derdeutsche Bundesstaat nähertsich. Undman lässt nicht Messer und Gabel fallen. Siesagen, dass drüben die Städte zerbröseln. Mitden schadhaften Dächernfängt es an. Wenn’s erst einmal reinregnet, ist bald Feierabend.“In seinem auf die DDR zurückblickenden Buch „Vierzig Jahre“ berichtet der Schriftsteller Günter de Bruyn über eine ganz persönliche Verlusterfahrung zum Ende der DDR: „An die Methode der Mächtigen, Kritik an ihnen durch Bindung an sie zu verhindern, wurde ich im Sommer 1989 wieder erinnert, als ich, voneiner Reise zurückkehrend und im Begriff, eine andereanzutreten, in meiner Berliner Wohnung unter Bergen vonPost einen Brief entdeckte, der mir die Verleihung des Nationalpreises erster Klasse verhieß. Zwei Tage vor dem DDR-Staatsfeiertag, dem 7. Oktober,sollte ich pünktlich im Palast der Republik antreten. Orden und Medaillen sind anzulegen, hieß es zum Schluss. DerSchreck war zu groß, und er kam unerwartet,obwohl ich vonLeuten, die Beziehungen zur Staatsmacht hatten, schon vorgewarnt worden war.(...) Da ich am nächsten Morgen sehr früh abreisen musste, die schriftliche Ablehnung aber per Einschreiben erfolgen, also zur Post gebracht werden musste, blieb mir für den einsamen Entschluss nur eine halbe Stunde, in der ich Langsamschreiber eine Begründung nicht mehr zustande brachte, mich also mit der lapidaren Feststellung der Ablehnung begnügte, mich anschließend so glänzend wie selten fühlte –und wie alle Welt nicht die leiseste Ahnung davon hatte, dass der Staat, von dem ich mich da distanzierte, zwar noch seinen vierzigsten Jahrestag mit gewohntem Pomp feiern, dann aber seinem schnellen Ende entgegensehen würde, so dass meine Geste, die Halbheiten, Feigheiten und Versäumnisse von Jahrzehnten gutmachen sollte, ins Leere ging.“ In West-Berlin wiederum ist Michael Rutschky, der seit Jahren viele private Kontakte in Ost-Berlin pflegt, mit dem Kauf eines neuen Autos befasst. DieDDR spielt dabei in seinem Eintrag vom29. April1989 in dem Tagebuch „Indie Neue Zeit“ aber auch eine Rolle.„Das ist doch wirklich angenehm“, erklärtR., nachdem sie das Auto gekauft haben, „dass man sich mit einem Schlag ein neues Auto kaufen kann, wenn das alte es nicht mehr bringt.“ In Wahrheit ist er voll fürchterlicher Ängste. (…) „Mit dem Peugeot bleibe ich bestimmt mitten in der DDR stehen. Wasmit dem Lada nie geschehen ist.“ Michael Rutschky wirdbald nach der Wende einer der ersten West-Intellektuellen sein, die sich den neuenVerhältnissen widmen, nachzulesen in dem Band„Unterwegs im Beitrittsgebiet.“ Am 9. November ist Rutschky jedoch ein stiller Beobachter der Geschehnisse.Insein Tagebuch schreibt er:„Obwohl R. Günter Schabowski bei der Pressekonferenz im TV zuschaut, versteht er nicht richtig: DieGrenzen sind offen. Um die tschechoslowakische Regierung nicht länger in Verlegenheit zu bringen… Sie gehen ins Kino. Zurückgekehrt, verfolgen sie im TV die ersten Schritte der DDR-Bürger in die Freiheit. ,Wollen wir hingehen?‘ Nein, sie sind zu müde.Dabei läuft heute Nacht die Partydes Jahrhunderts,wie R. wohl ahnt. Aber sie gehen ja nicht mehr auf Partys.“ Einblick in das Sicherheitsarchiv – zutrittsgesichert undvideoüberwacht. Sicherheit ist kein Zufall Datenschutz isteines derwichtigsten Themen in Wirtschaft,Politik undimPrivatbereich Für den sicheren Umgang mit sensiblen Daten steht das Familienunternehmen documentus. 1991 unter dem Firmennamen „Reisswolf GmbH Berlin“gegründet, hatsich die Firmainrund30Jahren gemeinsammit Kooperationspartnern in ganzDeutschlandzum Spezialisten fürdie gesetzeskonformeVernichtung vonAkten undDatenträgern entwickelt. Zudem ist sie auch Anbieter von individuellen Lösungenzur Archivierung vonDatenbeständen, dienach gesetzlichen Aufbewahrungsfristen in Sicherheitsarchiven lagern und bei Bedarf jederzeit digitalisiert ‒oder analog als Original ‒zur Verfügung gestellt werden können. Entsprechend der zukunftsorientiertenWeiterentwicklung der Geschäftsmodelle im Zeitalter des digitalen Wandels entschloss man sich 2017 unter einerumfassendenMarke ‒„documentus“‒zu agieren.Das Augenmerk von documentus liegt imUmgang mit sensiblen Daten auf den Organisationsprozessen, die sich im Unternehmen in einer geschlossenen Sicherheitskette wiederfinden. So erfolgt etwa die Abholung von zu vernichtenden Datenträgern in verschlossenen Sicherheitsbehältern durch eigenes, entsprechend der EU-DSGVO „ Hier werden sensible Datensicher,individuell, gesetzeskonform und nachvollziehbar vernichtet. Dafür stehen rund 30 Jahre Erfahrung. und dem BDSG verpflichteten Personal. Die documentus-Mitarbeiter verbringen die Behälter inFahrzeuge mit speziellem Sicherheitsaufbau. Dann folgt ein via GPS- Überwachung nachvollziehbarerTransportindie Produktionsstätte, wo in videoüberwachten,zugangskontrollierten Sicherheitsbereichen einEntladenüberSchleusensysteme und die Vernichtung der Daten inHochleistungsschreddern erfolgt. Alles unter Einhaltung der Vorgaben der EU-DSGVO sowie der DIN 66399. Akten und auch Datenträgerwie CDsund Festplatten werden zu winzigen Partikeln zerkleinert und die darauf enthaltenen Informationen unwiderruflich zerstört. Ein dem Kunden zur Verfügung gestelltes Protokoll gibt alle Prozessschrittewieder. Somitentstehteinegrößtmögliche Nachvollziehbarkeit über den Weg und den Verbleib der überlassenen Datenträger. documentus Berlin unterstützt in Berlin und Brandenburg rund 6000 Kunden bei der Organisation des Datenschutzes und imgesetzeskonformen Umgang mitpersonenbezogenen Daten, unabhängigvon derUnternehmensgröße‒vomkleinen Handwerksbetrieb bishin zu großen Versicherungsunternehmen undBanken. documentus GmbH Berlin &Co. Betriebs KG | Kanalstraße 30 | 12357 Berlin (030) 7730-9702 | www.documentus-berlin.de | j.staedtler@documentus-berlin.de Bild: documentus


16 Berliner Zeitung · N ummer 104 · D ienstag, 7. Mai 2019 ························································································································································································································································································· Das Jahr 1989 Die bohrenden Fragen des Volkes WieStasi und BND im Revolutionsjahr 1989 auf die DDR schauen und bemerken, dass sich eine Art Endzeitstimmung ausbreitet VonAndreas Förster GETTY IMAGES/THOMAS COLLINS Das letzte Jahr des SED- Staates beginnt unspektakulär. Trotz der Unruhe, die die sowjetische Perestroika auch in die Bevölkerung hinein ausstrahlt, scheint 1989 kaum weniger ereignislos zu werden alsdie Jahre zuvor. Sosieht man es auch in der Pullacher Zentrale des Bundesnachrichtendienstes, der in seinen Einschätzungen noch zur Jahreswende 1988/89 von einem zumindest relativ stabilen SED-Regime spricht, dessen Fortbestehen trotz der Wirrnisse auf unabsehbare Zeit nicht zur Disposition stehe. Auch der DDR-Staatssicherheitsdienst wiegt sich im Januar 1989 noch in Sicherheit. EinJahrnachder Aktion einiger Oppositioneller, die am Rande der jährlichen Liebknecht-Luxemburg-Demonstration in Ost-Berlin Protestplakate entrollt haben, fürchtet man zwar neue Zwischenfälle. Aber bis auf einen Schweigemarsch mit 200 Teilnehmern inLeipzig, der am 15. Januar von den Sicherheitskräften schnell aufgelöst wird, passiert nichts im Land. Auch das „Friedensseminar“, das unter dem Dach der evangelischen Kirche agierende oppositionelle Basisgruppen Ende Februar in Greifswald veranstalten, scheint aus Sicht des MfS die politische Stabilität im Land nicht zu gefährden. „Fortsetzung bewährter Praxis“ chivs und vieler (wenngleich längst nicht aller) Berichte des BND, die in den zurückliegenden Jahren freigegeben worden sind, lässt sich der Blick beider deutscher Geheimdienste auf die DDR im Revolutionsjahr 1989 verfolgen. Undeslässt sich nachvollziehen, welche Entwicklungen dabei erkannt und welche übersehen wurden. Erst im Frühjahr 1989 beginnen Stasi und BND einen spürbaren Stimmungsumschwung in der bis dahin eher lethargisch wirkenden Bevölkerung zu registrieren. Anlass sind die für den 7. Mai angesetzten Kommunalwahlen in der DDR, in deren Vorfeld es in den Betrieben und Institutionen zu ungewöhnlich offen geführten Diskussionen kommt. Auch die Zahl der kritischen Eingaben an die Staats- und Parteiführung, in der die Verfasser eine Verweigerung der Wahlteilnahme androhen für den Fall, dass Probleme im Wohn- und Arbeitsumfeld nicht gelöst werden, steigt rapide an. Ein Analysebericht des MfS vom 26. April 1989 nennt die Protestwelle euphemistisch „ein gewachsenes Interesse und eine zunehmend kritische Aufmerksamkeit an einer bürgernahen Um-und Durchsetzung zentraler Orientierungen“. In dem mehrseitigen Dokument werden die von der Bevölkerung als besonders drängend empfundenen Probleme zusammengefasst: fehlende Wohnungen, der Verfall der Innenstädte, die mangelhafte Versorgung mit Lebensmitteln und Dienstleistungen, Probleme bei der Trinkwasserversorgung, die zum Teil katastrophalen Zustände in den Krankenhäusern sowie Umweltbelastungen und Reisebeschränkungen. Vielfach würden dabei von den Bürgern „auch direkte Bezüge hergestellt zu den Fragen der Wirtschaftspolitik insgesamt“ und die „Unzulänglichkeiten im Territorium der Arbeitsweise von…Staatsorganen angelastet“, heißt es in dem Stasi-Papier weiter. Zudem werden insbesondere durch „Angehörige der Intelligenz sowie studentische Personenkreise“ häufig „grundsätzliche Fragen der Entwicklung dersozialistischen Demokratie“ diskutiert. Schließlich hätten „Bürger aus den verschiedens- Zwar registriert die Stasi-Zentrale in der Lichtenberger Normannenstraße aufmerksam die zunehmende Vernetzung der Gruppen und ihre Bestrebungen, „Basisbewegungen“ in den sozialistischen Staaten zu einer „Ständigen Europäischen Versammlung“ zu vereinen. Aber das MfS ist sich zu diesem Zeitpunkt noch sicher, dank seiner seit Jahren in der Szene und der Kirche agierenden Spitzel die Aktivitäten steuern und beeinflussen zu können. „InFortsetzung bewährter Praxis“ werdeman weiter auf die Kirche„zur Verhinderung des politischen Missbrauchs“ einwirken und zur Zurückdrängung der Opposition „alle Möglichkeiten der gesamtgesellschaftlichen Einflussnahme“ –was auch Repressionsmaßnahmen einschloss – nutzen, heißt es in einem MfS-Bericht vom10. März1989. Dank des von der Stasi-Unterlagenbehörde verwalteten MfS-Arten Bevölkerungskreisen in beachtlichem Umfang auch kritisch bis ablehnend“ auf den Volkskammerbeschluss reagiert, in der DDR lebenden ausländischen Arbeitskräften –die häufig aus Vietnam, Kuba und afrikanischen Staaten stammen –das aktive und passiveWahlrecht für die Kommunalwahlen einzuräumen. Auch der BND registriertdie Diskussionen und spricht in diesem Zusammenhang von „besorgniserregende(n) Erscheinungen vonAusländerfeindlichkeit“ in der DDR. „Die Einführung des Ausländerwahlrechts zu den Kommunalwahlen hat diese Abneigung noch gefördert. Besonders unbeliebt sind: Polen, Schwarzafrikaner und Kubaner“, heißt es in einer am 22. Mai 1989 verfassten Analyse zur „psychopolitischen Lage“ in der DDR. Zutreffend und bemerkenswert deckungsgleich zur Stasi-Einschätzung wirddarin die damalige Stimmungslage der Bevölkerung beschrieben. In einer weiteren Analyse der Stimmungslage vom August 1989 konstatierte der Dienst sogar die „Ausbreitung einer Art ‚Endzeitstimmung‘ in weiten Bevölkerungsteilen“. Tatsächlich hat die massive Fälschung der Kommunalwahlergebnisse, die durch den engagierten Einsatz kritischer Bürger erstmals nachgewiesen werden kann, zu einerspürbaren Unruhe in der DDR geführt. In der Bevölkerung verstärkte der Wahlbetrug die vorherrschende Unzufriedenheit mit der SED-Führung. „Demonstration und Reaktion belegen zum einen die anhaltende Verärgerung in der Bevölkerung indieser Frage; sie zeigen aber auch die Dünnhäutigkeit des Regimes, das jeglichen Verdacht eines Wahlbetrugs von sich weist und nicht gewillt ist, den bohrenden Fragen nachzugehen“, meldet der BND am 13. Juni. Die Stasi schiebt die Verantwortung für die schwieriger werdende „Es zeichnet sich ein wachsender Vertrauensschwund zwischen Volk und Partei ab.“ Aus einem Stasi-Papier vom 11. September 1989 innenpolitische Situation vorrangig dem Westen zu, aber auch indirekt der Moskauer Perestroika-Politik des KPdSU-Chefs Michail Gorbatschow. „Es ist einzuschätzen, dass die politischen, ideologischen und subversiven gegnerischen Einwirkungen sowie die von der aktuellen Lageentwicklung in einigen sozialistischen Ländern ausgehenden Einflüsse unter Teilen der Bevölkerung der DDR gewisse Wirkung erzielen“, heißt es in einer Analyse vom1.Juni 1989. Gegenwärtig würden rund 160 oppositionelle Gruppen im Land bestehen, vorrangig in Berlin sowie in den südlichen Landesteilen. Ihnen gehörten etwa 2500 Personen an. Sympathisanten und „politisch Irregeleitete“ seien dabei nicht eingerechnet, obgleich sie „das Potential und die Wirksamkeit solcher Zusammenschlüsse beträchtlich vergrößern“, heißt es in dem Stasi-Bericht weiter. Auch dem BND bleibt das hohe Ansehen Gorbatschows in der DDR nicht verborgen. „Im Vergleich mit dem dynamisch wirkenden ,Hoffnungsträger Gorbi‘ dürfte das Ansehen der eigenen überalterten Führung noch deutlicher auf einem Tiefpunkt angelangt sein“, berichtet der BND Mitte Juli über die Reaktionen in der DDR-Bevölkerung auf Gorbatschows Besuch in Bonn im Juni. „Andererseits werden mitder positiven Wertung des Besuchs oft auch Hoffnungen auf ein Gelingen der Reformen in der Sowjetunion verbunden (Da sieht man, „wie bitter notwendig Perestroika ist“).“ Noch vorder MitteAugust einsetzenden Massenflucht über die offene ungarische Grenze in denWesten hat die Stasi imJuli 1989 eine als „streng geheim“ eingestufte Bilanz der im erstenHalbjahr übersiedelten und geflüchteten DDR-Bürger erarbeitet. So haben zwischen dem 1. Januar und dem 30. Juni insgesamt knapp 39 000 Menschen mit einem Ausreiseantrag das Land verlassen dürfen, das sind fast viermal so viel wie im gleichen Zeitraum des Vorjahres. Meist sind es Facharbeiter und Hochschulabsolventen im Alter zwischen 18 und 40 Jahren. Weitere 5200 Ostdeutsche verlassen illegal die DDR, das sind fast zwei Drittel mehr als im Vergleichszeitraum. Im BND wundert man sich, dass die DDR im ersten Halbjahr eine solch große Zahl vonAusreiseanträgen genehmigt hat. „Die DDR nahm und nimmt im Zuge dieser Entwicklung (‚Übersiedlungswelle‘) in Kauf, dass sich die ohnehin angespannte Wirtschaftssituation durch den Abfluss oft qualifizierter Arbeitskräfte weiter verschärft …Eswird deutlich, dass die SED ökonomische Interessen (gesellschafts)politischen und ideologischen unterordnet“, schätzte der Dienst im August ein. Einen Monat später,Anfang September, spricht der BND davon, dass die Flüchtlingswelle über die ungarisch-österreichische Grenze die DDR-Führung in ein Dilemma gestürzt habe. „Der Gesichtsverlust durch die Geschehnisse (ist) groß, ohne dass reale Möglichkeiten bestehen, die Entwicklung zu steuern.“ Die Entwicklung lasse augenfällig werden, wie wenig realistisch eine DDR-Politik sei, die darauf setze, die eigene Entwicklung von der in anderen sozialistischen Staaten abkoppeln zu wollen. Dies sei gerade vor dem 40. Jahrestag der DDR, „der zu einem glanzvollen Höhepunkt ihrer Geschichte werden soll, besonders peinlich. …So verwundertesnicht, dass Sprachlosigkeit das Erscheinungsbild der Führung kennzeichnet. Diese Sprachlosigkeit ist Ausdruck von Hilflosigkeit, fieberhafter Suche nach Lösungen und anhaltender gesundheitlicher Beeinträchtigung Honeckers“, schätzt der BND unter Verweisauf die im August 89 akut gewordene Krebserkrankung des SED- Chefs ein. Auch aus den Stasi-Berichten des Spätsommers lässt sich nun eine zunehmende Ernüchterung und Ratlosigkeit herauslesen. Am 11. September wird Stasi-Chef Mielke ein Papier über „beachtenswerte Reaktionen“ von SED- Funktionären und -Mitgliedern auf „einige aktuelle Aspekte der Lage in der DDR“ vorgelegt. Darin heißt es, zahlreiche, vor allem langjährige Parteimitglieder seien „von tiefer Sorge erfüllt über die gegenwärtige allgemeine Stimmungslage, …teilweise verbunden mit ernsten Befürchtungen hinsichtlich der weiteren Erhaltung der Stabilität der DDR“. So würden Diskussionen in immer aggressiverem Ton geführt, gleichzeitig nähmen Passivität und Gleichgültigkeit gegenüber dem politischen Leben zu. Auch sänken Arbeitsdisziplin und Leistungsbereitschaft, während Spekulantentum und Korruption zunähmen. Den DDR-Medien werde von den Bürgern vorgeworfen, eine „heile Welt“ des Sozialismus zu vermitteln, was „teilweise in krassem Widerspruch zur Wirklichkeit stehe“. Auch werde die SED-Führung in Diskussionen „in wachsendem Maße für die entstandene Lage verantwortlich“ gemacht und ihr die Fähigkeit abgesprochen, die Probleme des Landes zu lösen. Die Ironie der Geschichte „Die Praxis zeigt, dass auch zahlreiche Parteimitglieder mit derartigen Auffassungen und Verhaltensweisen in Erscheinung treten und sich damit kaum noch von Parteilosen unterscheiden“, heißt es. „Es zeichnet sich ein wachsender Vertrauensschwund zwischen Volk und Partei ab.“ Es gehört zur Ironie der Geschichte,dass der BND in seiner Einschätzung der Überlebensfähigkeit des SED-Systems wenige Wochen vordem Mauerfall deutlich optimistischer ist als sein Pendant in der Normannenstraße. Soheißt es in einem für das Kanzleramt verfassten Analysebericht vonEnde September 1989, dass dem „vorliegenden Meinungsbild“ zufolge ein „breite(r) Konsens der Masse der Bevölkerung zu Protestveranstaltungen“ fehle. „Viele der hier vorliegenden Hinweise enthalten im Gegenteil Äußerungen, wonach man weder den Staat noch die Gesellschaftsformder DDR im Augenblick für generell liquidierbar hält.“ Anderthalb Monate später fällt die Mauer. Andreas Förster findet, der BND sollte dieAkten über die DDR-Aufklärung freigeben.


Berliner Zeitung · N ummer 104 · D ienstag, 7. Mai 2019 17 * ··········································································································································· Der Weg zum Mauerfall Das Leben der Anderen ImWesten wurde sehr unterschiedlich auf die DDR geblickt. Es gab, man darf das nicht unterschätzen, viele, die liebäugelten mit der DDR. Sie erschien ihnen als das bessere Deutschland. Nicht, weil es den Menschen dort ihrer Meinung nach besser ging als in der BRD, sondern weil die DDR „radikal mit dem Faschismus gebrochen“ habe. Ich sah das anders. Nicht, weil ich mich besser auskannte, sondernweil mir andereDinge wichtig waren. Ein Land mit einer konformen Presse, ein Land, in dem jede Veröffentlichung einer Genehmigung bedurfte, ein Land, von dem man nicht Urlaub nehmen durfte, ein solches Land konnte kein besseres Deutschland sein. „Bei uns sind die Nazis in den Parlamenten, in der DDR im Gefängnis“, wurde mir entgegengehalten. Ich argumentierte: Freie Meinungsäußerung gilt für alle. Ich lebte in West-Berlin und sah bei meinen sporadischen Besuchen in Ost-Berlin, in der Hauptstadt der DDR, nichts, das mich sehnsuchtsvoll hinüberblicken ließ. Ich lernte Lektoren kennen, die jahrelang an ein paar Büchern arbeiteten. Ich fand es nicht toll, dass sie so viel Zeit hatten, sich so sehr auf eine Sache konzentrieren konnten. Wenn ich sie in ihren Büros besuchte, kam ich mir vor wie in einem verlassenen Erdenwinkel, an dem man allenfalls in der Ferne den Fortschritt hören konnte –wie das Gerücht einer verfehlten Vergangenheit. Im Westen dagegen lebten wir in einer sich ständig ändernden Welt. Nicht nur, dass keine zwei Jahre vergingen – ich erzähle von den 80er-Jahren –, ohne dass wir in der Redaktion die Technologie änderten. Es gab Hausbesetzungen und die Auseinandersetzungen um Wackersdorf. Es gab die Indianerkommune und den –damals noch hausgemachten –Terrorismus. DerFKK-Beweis Wieder Westen Ende der 80er-Jahre auf die DDR schaute: Persönliche Erinnerungen VonArnoWidmann GETTY IMAGES/THOMAS COLLINS Überall wurden die überkommenen und die eigenen Überzeugungen in Frage gestellt. Nichts davon war in der DDR zu spüren. Der Nato-Doppelbeschluss über die Aufstellung von Raketen mit Atomsprengköpfen auf dem Boden der Bundesrepublik veränderte das Klima. Es bildeten sich in beiden Staaten Gruppen, die den Abzug der Atomraketen aus beiden Staaten forderten. Es ging mit einem Mal umeine gemeinsame linke Politik in Ost und West. Natürlich nicht auf staatlicher Ebene. Esbegann sich eine Zivilgesellschaft herauszubilden. Unter den Fittichen einer evangelischen Kirche,die die Parole ausgab: Schwerter zu Pflugscharen. Die dadurch vermehrten Kontakte in die DDR verbesserten keinesfalls mein Bild vom dort herrschenden Sozialismus. Der Umfang, in dem dort Konformität in nahezu allem eingefordert wurde, erschreckte mich. Und noch heute amüsiert mich, wenn mir Ex-Bürger der DDR anhand der dortgepflegten Freikörperkultur „beweisen“ wollen, wie aufgeklärtdas Land war. Ich erinnere mich, wie ich im Winter durch die Marienstraße zum Künstlerclub Die Möwe ging. Es war dunkel, die Straße war sehr schlecht beleuchtet, jedenfalls nicht gut genug, um gegen den Smog anzukommen. Auf dem Pflaster lagen vor jedem dritten oder vierten Kellerfenster Kohlen und Briketts. Der demonstrative Überfluss wirkte armselig. Als ein Freund mir später erzählte, inseinem Verlag in Leipzig habe es riesige Lagerhallen für die Bücher gegeben, aber keine Gabelstapler, umsie an Ort und Stelle zu bringen, da dachte ich zurück an die Marienstraße und fing an, ein wenig zu begreifen von der Ökonomie unserer Nachbarn. Wenig hilfreich waren dabei die offiziellen Veröffentlichungen der DDR. Ebenso überflüssig waren die Produkte des Bundesministeriums für innerdeutsche Beziehungen, das seine Karriere als Bundesministerium für gesamtdeutsche Fragen begonnen hatte. Und damals, soklärt mich heute Wikipedia auf, „eine geheime Karteanlegte,die über 20 000 vermeintliche Antidemokraten und Kommunistenfreunde in der BRD verzeichnete“. Meiner Erinnerung nach sind das, wenn man auch rechte Antidemokraten meint, viel zu wenige. Auch den Behörden der Bundesrepublik lag viel zu viel am „Leben der Anderen“ und zu wenig am undemokratischen Charakter der eigenen Existenz. Mir ist nicht bekannt, dass auch nur eine der Analysen des Ministeriums hilfreich gewesen wäre bei der Eingemeindung der DDR, ihrer Betriebe und Institutionen. Aber man wird jaauch den Verdacht nicht los, dass es nach 1990 darum genau nicht ging. Die DDR wurde zerschlagen, ihre Einzelteile wurden billig abgegeben. So wie RichardGereesin„Pretty Woman“ mit Unternehmen macht. Ein Film aus dem Jahre1990. Im April 1986 war ich als Berichterstatter auf dem XI. Parteitag der SED in Ost-Berlin. Ich weiß nicht mehr, was ich geschrieben habe. Aber ich erinnere mich an den sehr lockeren Gorbatschow, der sich immer wieder zu uns Journalisten umdrehte und auf ihm zugerufene Fragen bereitwilligst antwortete. Und ich weiß noch, wie sehr das einigen SED-Genossen imponierte und sie zugleich verdross. Wimpel, Fahnen, Armut Der überwältigende Eindruck aber, den Ost-Berlin damals auf mich machte, war der der Armut. Dabei war die Stadt herausgeputzt. Aber mit Wimpeln und Fahnen, mit Spruchbändern. Ichsah einen einzigen Obststand. Er war am Alexanderplatz. Ich weiß nicht mehr, was er anbot. Aber es waren kaum ein halbes Dutzend Obstsorten. Es war traurig. Noch trauriger waren die Fenster der Lebensmittelgeschäfte. Indenen standen Konservenund Gläser,wennich mich recht erinnere, übereinandergestapelt und immer nur dieselben Sorten. Im Westen hatten wir gegen den Konsumterrorismus gewettert, geschrieben und agiert, aber was wir hier sahen, das war definitiv zu viel Askese. Icherzählte damals allen vondiesen Eindrücken: „Die SED-Führung hat die ganze DDR ausgeplündert, alles zusammengekratzt, damit Berlin zum Parteitag besonders schön erstrahlt, und so ein Trauerspiel ist dabei herausgekommen. Die DDR ist am Ende.“ Das war meine feste Überzeugung. Vonder ich mich nicht abbringen ließ. Obwohl ich niemanden traf, der meinen Eindruck teilte. Stattdessen hörte ich überall, die DDR sei das reichste Land des Sowjetblocks.Vielleicht stimmte das sogar. Aber die Vorstellung, die in der Wendezeit aufkam, die Wiedervereinigung Deutschlands sei so etwas wie eine Elefantenhochzeit, bei der das reichste Land West-Europas und das reichste Land Ost-Europas zusammenkämen, wurde dann doch noch schneller zu Grabe getragen als die Idee, eine gemeinsame Fußballnationalmannschaft hätte auf Jahre hinaus ein Abonnement auf den Weltmeistertitel. 33 3 33% 3% RABATT Auf Möbel, Küchen und Matratzen Höffner Möbelgesellschaft Lichtenberg GmbH&Co.KGLandsberger Allee320 10365Berlin,Tel. 030/5 46 06-0 25 % EXTRA-RABATT Auf Artikelder Abteilungen Haushalt,Geschenke, Bettwaren,Gardinen, Leuchten&Teppiche HöffnerMöbelgesellschaft GmbH &Co. KG Berlin-Schöneberg Sachsendamm20 10829Berlin,Tel. 030/46 04-0 Höffner MöbelgesellschaftGmbH &Co. KG Schönefeld/Berlin Am Rondell 1 12529 Schönefeld, Tel. 030/37 444-40 Öffnungszeiten: Mo-Sa 10-20Uhr (Schöneberg &Lichtenberg), Mo-Sa 10-19Uhr (Schönefeld), www.hoeffner.de R1) Ausgenommen von dieser Rabattaktion sind alle Artikel aus der Elektroabteilung, Gutscheine und Bücher. Alle Preise in diesem Prospekt sind Endpreise. Es sind keine weiteren Rabatte möglich. Alle an der Aktion teilnehmenden Artikel im Online-Shop werden im Aktionszeitraum bereits reduziert angezeigt und gekennzeichnet. Aktuelle Prospekte sind unter www.hoeffner. de einzusehen. Weiterhin ausgenommen sind bereits reduzierte Möbel, Küchen und Matratzen oder als Dauertiefpreis gekennzeichnete Artikel. Nicht mit anderen Rabattaktionen kombinierbar. Kundenkartenrabatt ist bereits enthalten. Barauszahlungen nicht möglich. Gültig für Neukäufe. Gültig bis einschließlich 14.05.2019. R2) Ausgenommen von dieser Rabattaktion sind Möbel, Küchen, Matratzen, Gutscheine, Bücher, alle Artikel aus der Elektroabteilung (nicht ausgenommen sind Leuchten) und Artikel der Marken Wesco, Silit, WMF, Lifetime, Emsa und Joop. Alle Preise in diesem Prospekt sind Endpreise. Es sind keine weiteren Rabatte möglich. Alle an der Aktion teilnehmenden Artikel im Online-Shop und in den Prospektbeilagen werden im Aktionszeitraum bereits reduziert angezeigt und gekennzeichnet. Aktuelle Prospekte sind unter www.hoeffner.de einzusehen. Weiterhin ausgenommen sind als Dauertiefpreis gekennzeichnete Artikel. Nicht mit anderen Rabattaktionen kombinierbar. Kundenkartenrabatt ist bereits enthalten. Barauszahlungen nicht möglich. Gültig für Neukäufe. Gültig bis einschließlich 14.05.2019. R2 R1


18 Berliner Zeitung · N ummer 104 · D ienstag, 7. Mai 2019 ························································································································································································································································································· Das Jahr 1989 Kritische Unruhe Die Flugschriften des Ost-Berliner radix-Verlags führten die DDR als Lügenstaat vor „Über das Nein hinaus“: So sahen die radix-Blätter aus, die von 1986 bis 1989 herausgegeben wurden. Zu den Kommunalwahlen 1989 schlug ihre große Stunde: Ohne die Flugschriften wären diese wohl nie in den kritischen Fokus der Öffentlichkeit gerückt. BÜRGERBEWEGUNG LEIPZIG E. V. VonPeter Wensierski Stephan Bickhardt, ein junger Theologie- und Pädagogikstudent, gründete 1986 gemeinsam mit dem Mathematiker Ludwig Mehlhorn und dem Maurer Konrad Blank den radix-Verlag mit einer illegalen und bis zum Ende der DDR unentdeckten Druckerei in der Ferdinandstraße 4, in der bis 1989 elf Samisdat-Hefte mit einer Auflagenhöhe bis zu 3000 Exemplaren herausgegeben wurden. Die Herausgeber und Autoren verteilten und verkauften Exemplare bei inoffiziellen Lesungen und Ausstellungen in privaten Wohnungen, besonders in ihrer eigenen in der Knaackstraße 34, oder sie nutzten die Kanäle der evangelischen Kirche. DurchSchaffung von„gesellschaftlichen Parallelstrukturen“ sollten die radix-Blätter zur Systemüberwindung beitragen und eine alternative Öffentlichkeit etablieren. Eine kleine Meldung mit Folgen Im SED-Zentralorgan Neues Deutschland fiel Bickhardt im Frühjahr 1988 eine kleine Meldung auf, in der die Kommunalwahlen für das nächste Jahr zum 7. Mai 1989 angekündigt wurden. Dasbrachte ihn auf die Idee, dieses Ereignis nicht einfach unbeachtet zu lassen. „Ich dachte: Dasist es doch! Jetzt nehmen wir die staatlichen Strukturen einmal richtig ernst, also diese Wahlen, die angeblich 99,7 Prozent Zustimmung beweisen sollen, und beteiligen uns daran. Bei Wahlen geht es doch eigentlich um die Gestaltung der Zukunft der Gesellschaft. Also etwas für alle in der DDR lebenden Menschen Entscheidendes.“ Bickhardt beschaffte sich und seiner sogenannten APPA-Gruppe – kurz für: „Absage an Praxis und Prinzip der Abgrenzung“ –zunächst mal alle zugänglichen Informationen über das zuvor vonden meisten Oppositionellen kaum beachtete DDR-Wahlsystem. „Wir mussten uns alle erst einmal schlaumachen“, erinnert sich Bickhardt: Konnte man selbst Kandidaten aufstellen? Welche Rechte bestanden am Wahltag bei der Stimmauszählung? Wie ging eine Nein-Stimme? Bisdahin hatte man selbst im oppositionellen Milieu meist versucht, sich um die Stimmabgabe zu drücken. „Wenn die Wahlhelfer der ,Nationalen Front‘ am Wahltag gegen Nachmittag an der Wohnungstür klingelten, weil man seine Stimme noch nicht abgegeben hatte, dann stellten sich“, so Bickhardt, „manche Leute regelrecht tot in ihren Wohnungen. Manhat versucht, sich irgendwie drum herum zu mogeln. Es gab ja keinerlei Wahlmöglichkeit zwischen Alternativen.“ DerStimmzettel enthielt nur mehrere Namen der „Kandidaten der Nationalen Front“. In den Stimmlokalen war die Benutzung der Wahlkabine verpönt. Man erhielt seinen Zettel, knickte ihn unter strenger Beobachtung der Wahlhelfer einmal zusammen und warfihn in den Schlitz der danebenstehenden Urne. Für die radix-Druckerei stellte Bickhardt im Laufe des März und April 1988 zunächst eine Art Reader zusammen. Der enthielt hinter dem Umschlag mit dem Titel „Weil alle Abgrenzung …“ auf dreißig Seiten die wichtigsten Dokumente der gut einjährigen Debatte um die „Absage an Praxis und Prinzip der Abgrenzung“. Zusätzlich zum Reader produzierten die Drucker des radix-Verlags auf fünf Seiten den angehefteten Aufruf „Neues Handeln“. Dieser Text war der wesentliche Startschuss zu einer neuen Debatte um dieWahlen und eine umfassende Demokratisierung der DDR: Gegenwärtig sehen wir Chancen für grundlegende Veränderungen in unserem Land in dem Maße, wie wir uns selbst zu einem NEUEN HANDELN am Ort entschließen. So begann der Aufruf, dann wurde er ganz konkret: Erst ein realer Meinungspluralismus in der Gesellschaft, der allen Bürgern die gleichen Mitwirkungsmöglichkeiten bietet, wird die schöpferischen Energien der Menschen freisetzen. Durch Demokratisierung und Offenheit werden wir zu unverstellbarer Wahrnehmung unserer wirklichen Probleme gelangen …unsereAufgabe ist es, mit Mut und Phantasie Schritte zum Dialog zu wagen und auch unangenehme Informationen und unbequeme Meinungen in die Öffentlichkeit zu tragen. Demokratisierung war ein Begriff, der bis Mitte der 80er-Jahrein oppositionellen Gruppen eher selten bis überhaupt nicht benutzt wurde; auch das Wort „Opposition“ taucht erst sehr spät in deren Schriftgut auf. Mit dem Text „Neues Handeln“ publizieren die radix-Macher einen bis dahin beispiellosen politischen Maßnahmenplan: Nicht zuletzt die Veränderungen in der Sowjetunion regen uns an, über prinzipielle Fragen der gesellschaftlichen Erneuerung nachzudenken. Eine Reform des politischen Systems der Mitverantwortung einschließlich des Wahlsystems und derWahlverfahren, die Herausbildung eines öffentlichen Meinungspluralismus zu den drängenden Lebensproblemen im Land – etwa durch Gründung vonBürgerinitiativen, Zeitschriften u. a. –erscheinen uns unumgänglich. Die Demokratisierung wirdein längerer Prozess sein, der auf der kommunalen Ebene beginnen könnte. Damit kommt der Aufruf am Ende zu seinem eigentlichen Anliegen: zum Vorschlag, anlässlich der Kommunalwahlen so etwas wie kommunale Demokratie, also eine ArtBasisdemokratie,zuentwickeln. Zur kritischen Mitwirkung an der kommunalen Öffentlichkeit sollten die bestehenden gesetzlichen Möglichkeiten anlässlich der bevorstehenden Wahlen wahrgenommen werden. Die Leser des Aufrufes – insbesondere die Gruppen –werden gebeten, deshalb zu prüfen, ob sie nicht als Kollektiv – entsprechend der Gesetzeslage – eigene Kandidaten vorschlagen sollten. Dies war der erste öffentliche Appell überhaupt seit Gründung der DDR, die Wahlen ernst zu nehmen und alle Rechte auszuschöpfen. An die Leser gerichtet, hieß es noch animierend: Wirmöchten Sieeinladen, sich an unserem Nachdenken zu beteiligen. Ihre Ideen und Vorschläge gehen vielleicht viel weiter oder sind ganz anderer Art. Mit der Suche nach Maßstäben und konkreten Schritten für ein NEUES HANDELN möchten wir signalisieren, dass wir bereit sind, uns dem öffentlichen Dialog zu stellen. Unterzeichnet wurde der Aufruf außer von Stephan Bickhardt, Reinhard Lampe und Ludwig Mehlhorn von zahlreichen Autoren der radix- Blätter und Mitstreitern der APPA- Initiative, darunter Dorothea Höck, Martin König, Anette von Bodecker, DAS BUCH Wolfgang Ullmann, Hans-Jürgen Fischbeck und Rainer Röpke. Dieses Produkt aus der radix-Untergrunddruckerei war im Jahre1988 der entscheidende Schritt weiter: Man wollte das System anhand der eigenen Normen vorführen. Damit lag für die unterschiedlichsten regimekritischen Basisgruppen endlich ein Aktionseinheitsangebot auf dem Tisch, das seine ganze Kraft bis zu den Wahlen am 7. Mai 1989 mit Kontrollen der Wahlergebnisse in vielen Städten erst noch entfalten sollte. Es endete schließlich mit dem Nachweis und der praktizierten Erfahrung, dass man in einem Lügenstaat lebte. Denn die Abweichungen zum offiziell verkündeten Ergebnis betrugen mitunter zehn bis fünfzehn Prozent. Nach diesem Wahltag kippte die Stimmung gegenüber dem System in breiten Kreisen der Bevölkerung. Mit dem Fenster zur Freiheit: Die radix-blätter. Untergrundverlag und -druckerei der DDR-Opposition Der abgedruckteText ist ein Exzerpt des Buches vonPeterWensierski. Es ist im Mitteldeutschen Verlag erschienen (220 S.,20Euro).Am 6. Juni stellt es derAutor zusammen mit Stephan Bickhardtund RobertHabeck in der StiftungAufarbeitung in der Kronenstraße vor. Bis Oktober tourt der Kulturwagen der Brotfabrik mit einerAusstellung zumThema durch Pankow. 7. Mai 1989 begann der letzte Akt in der Geschichte der DDR. Über den Jahreswechsel 1988/89 lief die Druckmaschine inder Ferdinandstraße auf Hochtouren und spuckte den „Brief an Bürger und Christen in der DDR“ aus.Erknüpfte an den vorhergehenden Aufruf an, ging aber noch weiter: Gehen Sie möglichst in Gruppen zu den Wählerforen im April! GehenSie in die Kabine! Nehmen Sie ander Stimmauszählung teil und koordinieren Sie sich dazu mit anderen, um in Ihrem Wohnort eine unabhängige Zusammenstellung der Wahlergebnisse und damit eine Kontrolle der offiziellen Zahlen zu ermöglichen …Viele haben Angst, in die Kabine zu gehen, weil sie eine Mitteilung darüber an die Kaderabteilung ihres Betriebes befürchten. Eine solche Verletzung des Wahlgeheimnisses ist gesetzwid- rig. DieÜberwindung dieser Angst ist ein wichtiger Schritt zur Demokratisierung unserer Gesellschaft. In Leipzig, Ost-Berlin und Erfurt versuchten etliche Oppositionelle, tatsächlich ihr Recht wahrzunehmen und sich als Kandidaten aufzustellen zu lassen. Doch es wurde weithin verweigert–egal, wie die Gesetzeslage war. Zu diesem Zeitpunkt hatte die Beschäftigung mit denWahlen auch die meisten der rund 300 existierenden staatsunabhängigen Basisgruppen in Obhut der evangelischen Kirche erfasst. Sie waren Thema in ihren Flugschriften und Info-Blättern. Besonders vorantreibend waren Aktivisten um Evelyn Zupke aus dem Friedenskreis Weißensee, die in der Stephanus-Stiftung arbeitete und sogar wohnte, also in einem der kirchlichen Auffangbecken für Ost- Berliner Oppositionelle. Zupkes Gruppe lud zu einer Veranstaltung am 21. April ein, Thema: „Zur Wahrnehmung der staatsbürgerlichen Rechte hinsichtlich der Kommunalwahl 1989 –Kontrolle derWahl durch den Bürger/in zur praktischen Vorbereitung auf den 7. 5. 1989“. Zupkes Wohnung wurde Anfang Mai auch als „Büro“ der Wahl-Kampagne der Opposition genutzt. Dort wurden am Abend des 7. Maidie Ergebnisse der Ost-Berliner Wahlbeobachtungen ausgezählt. In einem Keller der Elisabeth-Kirche in der Invalidenstraße kamen Zahlen aus der ganzen DDR an. Später druckten die Wahlaktivisten Flugblätter und gemeinsam mit der Umwelt-Bibliothek die Dokumentation „Wahlfall 89“, um den Wahlbetrug bekannt zu machen, und sie versuchten ab Juni, stets am 7. jedes Monats im Zentrum Ost-Berlins zu demonstrieren, was nur teilweise gelang. Hans-Jürgen Fischbeck verfasste noch im Mai, gleich nach den Wahlen, einen offenen Brief an die Evangelische Kirche in der DDR, der von einundzwanzig Mitgliedern der APPA-Gruppe und der Bartholomäus-Gemeinde unterzeichnet wird. Darin fordern sie autorisierte Gesprächsrunden über eine demokratische Umgestaltung unseres Staates und drängen die Kirche, ihren bisherigen Kurs gegenüber dem Staat aufzugeben: Durch die Kommunalwahlen am 7. 5. 1989 ist eine neue, bisher noch nicht dagewesene Situation entstanden. Mit der groß angelegten und unzweifelhaft zentral veranlassten Wahlfälschung verstieß dieFührung unseres Staates in einem bisher kaum für möglich gehaltenem Maße gegen die eigene Verfassung und das Wahlgesetz …Die entstandene Situation ist unerträglich …Ein neuer Schritt in eine neue Richtung muss getan werden, wenn wir die bestehende Situation in ihrer Unerträglichkeit nicht wieder einfach stillschweigend hinnehmen und auf sich beruhen lassen wollen. Über den Sommer überschlugen sich dann die Dinge in der DDR. Und am 12. September 1989 traf sich Bickhardt mit Hans-Jürgen Fischbeck, Wolfgang Ullmann, Konrad Weiß, Ulrike Poppe und anderen Freunden der APPA-Bewegung. Sie gründeten in der Wohnung von Michael und Hannelore Bartoszek in der damaligen Bersarinstraße 87 in Friedrichshain die „Bürgerbewegung Demokratie Jetzt“. Mit „Bürgerbewegung“ wurde an diesem Abendjener Begriff geprägt, der sich in den Medien als Bezeichnung für alle DDR-Oppositionsgruppen bis heute durchsetzte. Die Herrschaft war gebrochen Die erste „Zeitung der Bürgerbewegung“ wurde unter dem TitelDemokratie JetztimSeptember noch in der Ferdinandstraße hergestellt. Endlich kommt der Reformprozess inunserem Land in Gang, schrieb Stephan Bickhardt in einem Leitartikel. Die kritische Unruhe unter den Menschen hat ihn erzwungen. „Es war wirklich aufregend an diesem Tag“, erinnertsich StephanBickhardt an den 12. September 1989.„Ich war einige Tage zuvor dreißig Jahrealt geworden. Nunleitete ich die abendliche Diskussion. Ein anderer hatte sich nicht gefunden. Mir war neben derProgrammaussage für ,Demokratie Jetzt‘ besonders wichtig, eine Sozial- und Organisationsformdafür zu finden und zu benennen. Bürgerbewegung – darauf einigten wir uns nach langer Diskussion. Undgemeinsammit dergroßen Bürgerbewegung desNeuen Forums undden mutigen Leipziger Demonstranten, die schon seit dem 4.September immer montags zu Tausenden versuchten, um den Innenstadtring zu laufen, zwangen wir die Herrschenden des Apparates an den Runden Tisch–erstmals am 7. Dezember 1989. Damit war für mich die Herrschaft der SED gebrochen, wofür wir so lange eingetreten waren.“ Peter Wensierski staunt, dass der radix-Verlag von der Stasi unentdeckt blieb.


Berliner Zeitung · N ummer 104 · D ienstag, 7. Mai 2019 19 ························································································································································································································································································· Der Weg zum Mauerfall Die Zeit bis zum Interview nutzt Hans Modrow, um schnell noch ein paar Autogrammkarten zu signieren. „Es kommen immer noch Anfragen“, sagt er.Und es seien nicht nur alte Genossen, die sich meldeten. „Es sind auch Junge darunter“, sagt der 91-Jährige. Inseiner heißeren, leisen Stimme schwingt Stolz mit. Das Gespräch findet in seinem kleinen Büroinder Parteizentrale im Karl-Liebknecht-Haus statt. Er ist Vorsitzender des Ältestenrates der Linkspartei. Er hat sich auf das Gespräch vorbereitet, vorihm liegt eine Seite, eng beschrieben. Es gehe ihm um die Fakten, sagt er. Und dass es nicht nur eine Wahrheit gebe. Herr Modrow, zu Jahrestagen oder runden Geburtstagen, werden Sie zu den alten Geschichten befragt. Hat sich in den vergangenen 30 Jahren Ihre Sicht auf die Ereignisse verändert? Im Wesen der Sache nur bedingt. Ichbin ja Zeitzeuge und Mithandelnder,dakann ich ja nicht das Umschreiben der Geschichte betreiben. Mein Herangehen ist starkanFakten orientiert. Dass die unterschiedlich beurteilt und, vor allem von der Politik, missbraucht werden, bedauereich. Wiemeinen Siedas? Nehmen Sieden Mauerbau im August 1961. Die einen sagen, das war der Beginn derTeilung und des Auseinanderdriftens. Es gab zwei Momente, die dazu führten: Es gab den internationalen Faktor,die Aufteilung der Interessensphären zwischen der Sowjetunion und den USA in Potsdam 1945, dann im Juni 1961 bei einem Treffen vonChruschtschowund Kennedy in Wien. Da wurde offen über die Gefahr eines Krieges in der West-Berlin-Frage gesprochen. Der Gegensatz hat sich in Berlin in einer Schärfe gezeigt, den man bis heute nicht bereit ist wahrzunehmen. Das wirdinder Regel kaum beachtet und der Mauerbau nur als Reaktion auf die Flucht der Menschen aus der DDR hingestellt. Auch die Toten an dieser Grenzedürfen nicht vergessen sein. Diegab es,auch das ist ein Fakt. Aber der Teil als Erklärung alleine reicht nicht. Der internationale Teil, die drohende militärische Konfrontation zwischen Warschauer Vertrag und Nato ist ebenso wichtig. Daher komme ich ja bis heute zur Einschätzung: Die Grenze von der Ostsee bis zum Schwarzen Meer hat bis 1989 den Frieden gesichert. Das hört man hier nicht gerne. Wirwollten aber über die Endzeit der Mauer reden, über die Kommunalwahlen vor 30Jahren. Wo und wie haben Sieden 7. Mai1989 verbracht? Zunächst war das ein normaler Wahltag in der DDR. Um 7Uhr haben die Wahllokale geöffnet, junge Pioniere begrüßten die ersten Wähler. Ich war in der Bezirksleitung der SED in Dresden. Um 8Uhr gab es die erste Meldung der Wahlbeteiligung. Allen Ernstes, um 8Uhr? Zum Verständnis: Die Räte der Kreise erhielten die Meldungen der Wahllokale und sie meldeten der Zentrale. Die Räte der Bezirke wurden informiertund informierten die Parteien, die alle im Rat vertreten waren. Die staatlichen Organe, von der Gemeinde, über den Kreis, Bezirk bis zur Wahlzentrale in Berlin waren Träger der Wahl und republikweit viele Tausende Helfer. Die Meldung über die Wahlbeteiligung in den Medien sollte die Parteien, vor allem die SED-Mitglieder erreichen, um die Wähler zu mobilisieren. Wettbewerb war angesagt. DieWahlbeteiligung wurde manipuliert? Das ist nicht zu widerlegen. Was zählte, war das Ergebnis und der Platz im scheinbaren politischen Wettbewerb. War das eine besondere, eine ungewöhnlicheWahl –angesichts der Bürgerrechtsbewegung, angesichts des 40. Jahrestages der DDR? Das war schon eine besondere Wahl. Es gab in Berlin die Sorge, dass die Zustimmung nicht mehr so ist wie bei der Volkskammerwahl zwei Jahrezuvor.Die mündliche Direktive „Für Kritik Hans Modrow,91, gelernter Maschinenschlosser und studierter Gesellschaftswissenschaftler,zählte zum SED-Spitzenpersonal. Im Mai 1989 warer1.Sekretär der SED im BezirkDresden. Nach dem Fall der Mauer wurde er letzter SED-Ministerpräsident der DDR. BERLINER ZEITUNG /MARKUS WÄCHTER lautete, das Wahlergebnis, also die Zustimmung, dürfe nicht schlechter sein als bei der vergangenen Volkskammerwahl. Unddas mussten Siedann umsetzen? Ihre Frage hat zwei Seiten. Im Herbst 1961 gab es auch Kommunalwahlen. Ich war gerade 1. Sekretär der Kreisleitung der SED Köpenick geworden. Der Bezirksbürgermeister lud mich ein, noch am Abend ins Rathaus zu kommen. Hier erlebte ich, wie er seinen Vertreter fragte,ob er vonanderen Stadtbezirken gehört hatte,wie ihr Ergebnis sein würde.Es gab Informationen und er meinte dann, wir bleiben in der Mitte der Ergebnisse und führen nicht. … aber das hat mit Wahlen doch nichts zu tun … Die andere Seite des Geschehens lautete,mit einer Wahl geben wir die Macht nicht ab, das galt für die Partei. Die Wahlergebnisse in den Ländern des Realsozialismus und der Sowjetunion folgten bis Mitte der 80er-Jahreauch dem Grundsatz. Sie waren als 1. Sekretär der mächtigste Mann im Bezirk. Sie wussten doch von der Direktive durch die Beratungen in ihren Gremien? Formal galt eine andere Regel. Die politische Führung der Wahl lag beim Organisations-Sekretär im ZK, Horst Dohlus,und erfolgte nicht von Erich Honecker, der mein Chef war. Natürlich wurden die Beratungen bei Dohlus auch im Sekretariat ausgewertet. Es ging schon um eine kollektiveVerantwortung im Bezirkund Kreis. Über die Zentrale habe ich dazu keine Kenntnis. Sie wurden nach der Wende wegen Wahlfälschung zu einer Bewährungsstrafe verurteilt. Im Prozess sagten Zeugen, Sie hätten Mitarbeiter zur Manipulation angehalten. Der damalige Dresdner Oberbürgermeister Wolfgang Berghofer will Sie gebeten haben, die echten Zahlen nach Berlin melden zu dürfen. fehlte mir die Courage“ Hans Modrow war Chef der SED im Bezirk Dresden im Mai 1987. Er zählte zu den Reformern. Bis heute hat er seine eigene Sicht auf die gefälschten Wahlen und die Monate des Umbruchs Sein Partner in der SED war der 1. Sekretär der Stadtleitung, worüber sie gesprochen haben, weiß ich nicht. Wenn er mich gefragt hätte, wäre meine Antwort klar und deutlich gewesen: Rufe deinen Freund Egon Krenz an. Er trägt die Verantwortung für die Verkündung des Wahlergebnisses. Ich sagte im Prozess aber:Ich bin nicht ohne Verantwortung für das verkündete Wahlergebnis, aber ich bin kein Wahlfälscher. Werhat denn dann gefälscht? Bundesdeutsche Gerichte haben Prozesse darüber geführt, was ja auch ich erlebt habe. Esgab 16 Bezirke,die Be-undVerurteilungen waren sehr unterschiedlich. Der politische Charakter der Verfahren ist wohl nicht zu übersehen. Diese Art der Ergebnisermittlung ist die Demokratie „mit Einschränkungen“, wie Sieeinmal sagten? Die Einschränkung ist für mich auch diese Art der Feststellung des Wahlergebnisses. Wie war in den Tagen, Wochen vor der Wahl die Stimmung in Dresden? Dasist schwer beurteilbar.Esging um den ganzen Bezirk. Es war nicht Interview: Tobias Miller so, wie man heute tut, dass dort die Stimmung bereits groß am Umkippen war. Für die SED-Führung waren wir in einer besonderen Situation. Ich hatte im Januar in einem Bericht an den Generalsekretär kritische Bemerkungen über die Lage in der DDR und im Bezirk nach Berlin gemeldet. Daraufhin wurden wir im Februar überprüft, ob wir, vor allem ich, den Bezirkpolitisch richtig führten. Wir standen im Mai also unter kritischer Beobachtung der Zentrale. Wiewar denn IhreGefühlslage? Ich hatte das Gefühl, wir haben eine Situation, in der die Zustimmung zur Politik, zur Partei beginnt zu schwinden und zwar generell. Es gab dafür ein klares Indiz: In den drei sächsischen Bezirken war die Zahl der Ausreiseanträge innerhalb der DDR am höchsten. Und die Zahlen sanken nicht, sondernhatten immer noch eine steigende Tendenz. Die Auszählung der Stimmen wurde DDR-weit von Bürgerrechtlern beobachtet. Sie kamen auf sieben bis zwanzig Prozent Nein-Stimmen, offiziell waren es nur 1,15 Prozent … Nicht DDR-weit. Man muss sehen, dass es in den größeren Städten Kontrollen gab und auch nicht über- all und schon gar nicht auf dem Land. Die Bürgerrechtsbewegung hatte dazu nicht die Stärke.Wie groß Protest oder Zustimmung war, ist schwer zu schätzen. Soll das heißen, dass das offizielle Ergebnis doch nicht so falsch war, weil die Zustimmung auf dem Land so groß war? Nein, meine Einschätzung ist schon, dass es am Wahlergebnis Veränderungen gab, die man auch als Wahlfälschung bezeichnen kann. Wasinden Prozessen auch Gegenstand war. Aber bis auf die letzte Kommastelle weiß es keiner. Die Wahlunterlagen wurden entsprechend Gesetz nach einer bestimmten Zeit vernichtet. Das Thema Demokratie und Wahlen steht bis heute im Zentrum internationaler Betrachtungen. AlsKrenz am Abend das offizielle Resultat verkündete, war Ihnen doch klar, dass das nicht stimmen kann. Wasging Ihnen da durch den Kopf? Da ist mir noch gar nicht so viel durch den Kopf gegangen, erst wenigeWochen später,zuPfingsten. Da gab es das große Jugendtreffen aus Anlass des 40-jährigen Bestehens.In seiner Rede nahm Erich Honecker das Ergebnis der Kommunalwahl als Beleg für die große Zustimmung zur Politik von Staat und Partei. Da wurde mir klar,wie weit sich die Führung von Leben der Menschen entfernt hatte. Das musste als Provokation empfunden werden. War mir schon unwohl, bei der Mitteilung des Wahlergebnisses, begriff ich da, dass die politische Führung nicht bereit ist, den Prozess der Änderung für sich wahrzunehmen. Gab esüber die Wahl, das Ergebnis, den Umgang damit eine Debatte innerhalb der Partei? Es gab teilweise Unwohlsein, aber diese Diskussion gab es nicht. Im Juni gab es die Tagung des Zentralkomitees,inder wurde der BezirkDresden erneut kritisiert. Da hätte ich was sagen können. Aber für eine Kritik an der ZK-Führung fehlte mir auch die Courage.Zudem Zeitpunkt hatte ich schon Signale aus Moskau, dass man auch nach Honecker Leute in der Führung brauche und man nichts betreibe solle, was einen aus der Funktion dränge. Mit unter 99 Prozent Zustimmung war das das schlechteste Ergebnis in der Geschichte der DDR. Glaubte die Führung wirklich, mit dieser Form des Entgegenkommens die Gemüter zu beruhigen? Daswar im Maiander Spitzeeindeutig die Haltung. Die Führung war von sich überzeugt, sie führt gut und richtig, und unten, wie bei uns im Bezirk Dresden, wird die gute und richtige Politik nicht genügend erklärt. Wie haben Sie die folgenden Monate erlebt mit den regelmäßigen Demonstrationen immer am 7. eines Monats, mit der Grenzöffnung in Ungarn, den Botschaftsflüchtlingen in Prag und dann Anfang Oktober den Zügen durch Dresden? Es war ein Gefühl der Ohnmacht und der Verantwortung zugleich. Dasmüssen Sieerklären. Ende September reiste ich nach Baden-Württemberg auf Beschluss der Parteiführung. Vorgabe: keine Pressekontakte. Aber natürlich wurde über meinen Besuch berichtet. Unter anderem sagte ich wie MarkusWolf (Leiter der Auslandsaufklärung der Stasi, d. Red.), die Ursache der Flucht aus der DDR läge auch bei uns.Nach meiner Rückkehr kritisierte mich Honecker, ich hätte die DDR schlecht vertreten. Er sah einfach nicht, was los war und ich hatte das Gefühl, nichts zu erreichen. Einen Tagspäter, am4.Oktober, sollten dann die Züge mit den Flüchtlingen von Prag durch Dresden Richtung Westen rollen. Daswar auf oberste Ebene zwischen Berlin und Bonn vereinbart und von Außenminister Genscher in Prag verkündet worden … Sie ließen den Bahnhof gewaltsam räumen, es kam zu massenhaften Verhaftungen, zu Verletzten. Hätten wir nichts gemacht, wäre der Bahnhof um Mitternacht gestürmt und die Züge gestoppt worden. Es hätte womöglich Tote gegeben, später habe ich mich dafür eingesetzt, dass die Verhafteten schnell wieder freigelassen werden. Was mich bis heute bewegt, ist, dass die Vereinbarung zu den Zügen auf höchster Ebene getroffen wurde, die West-Medien am Abend die Route verkündeten und mir heute vorgeworfen wird, dass ich die Polizei eingesetzt habe. Die BRD tat und tut so, als ob sie mit dem Vorgängen nichts zu tun hat. Unmittelbar in den Tagen danach haben Berghofer und ich übrigens mit der Opposition die Diskussion aufgenommen. Ich versuchte immer, die Balance zu halten, damit die Dinge nicht explodieren, auch später als Ministerpräsident. Es gelang doch, eine relative Stabilität zu erreichen. Nunja, am Ende gab es die friedliche Revolution … DieDDR hat keine Revolution erlebt, sie ist implodiert, wie die anderen realsozialistischen Länder und die Sowjetunion auch. Die Massenproteste im Herbst, der Fall der Mauer waren keine Revolution? Revolution heißt doch nicht, dass es abgeschlagene Köpfe geben muss. Nein, auch wenn Frau Bohley einmal in einer Debatte mit mir meinte, die Laternen hätten vielleicht doch genutzt werden sollen. Das Thema ist zu ernst und sollte auch mit dem Ernst betrachtet werden, um den es hier geht. Der rechtliche Umgang mit dem Vereinigungsvertrag, als Beitritt bezeichnet, wirkt heute – nach jüngsten Umfragen –als Demokratieverfall für über 60 Prozent der Wähler, für tiefe Kinderarmut und soziale Ungleichheit zwischen Ost- und Westdeutschland. Die Nachdenklichkeit sollte offener und der Umgang miteinander sollte ehrlicher sein.


20 Berliner Zeitung · N ummer 104 · D ienstag, 7. Mai 2019 ························································································································································································································································································· Das Jahr 1989 Samtene Revolution in der Tschechoslowakei: Freiheit forderten die Demonstranten im Winter 1989 in Prag.Und eine neue Regierung mit VáclavHavel an der Spitze. IMAGO IMAGES/PAVEL HROCH Die Bilder vom 9.November 1989 sind zu Symbolen für das Ende des Kommunismus geworden. Das Brandenburger Torwurde besetzt –nicht von aufständischen Massen, sondernvon feiernden Bürgern. Hunderttausende in Bewegung, nirgends Gewalt. Nichts als Euphorie und etwas Alkohol. Vondiesen über den ganzen Globus verbreiteten Bildern ging das Signal aus: Revolution ist möglich. Der Druck einer Oppositionsbewegung kann auch eine kommunistische Regierung stürzen. Aber die Bilder trogen. Nicht die Bürgerbewegung der DDR hat das Brandenburger Torbesetzt. Der Sturz der Berliner Mauer hatte nichts mit der Bürgerbewegung der DDR zu tun. Die zentrale Botschaft der Bilder vom 9.November waren nicht die Freudentaumel der die Grenzeüberquerenden DDR-Bevölkerung. Auch nicht das Wort der Nacht: „Wahnsinn!“ Nichts,das man sah und hörte in jener Nacht, war so wichtig wie das, das man nicht sah und nicht hörte.Die dieWelt umstürzende Mitteilung dieser Bilder war: keine PanzerinBerlin. DasPaneuropäische Picknick Dieinder DDR stationierten sowjetischen Truppen blieben in den Kasernen. Die UdSSR ließ es zu, dass die Mauer fiel. Das war der Anfang vom Ende der Nachkriegsordnung. Bis Ende des Jahres wechselten die Regierungen oder gar die Regierungssysteme in der DDR, in Polen, in Ungarn, in der Tschechoslowakei, in Bulgarien und in Rumänien. Als am 18. Februar 1988 der Generalsekretär der KPdSU, Michail Gorbatschow, erklärt hatte, dass jeder sozialistische Staat sein gesellschaftliches System frei wählen könne, da war noch völlig unklar, ob er das ernst meinte. Denn es hinderte sowjetische Truppen im Frühjahr 1989 nicht daran, gegen Demonstrationen in Tiflis und im Baltikum vorzugehen. Noch am 4. Juni 1989 begrüßte die DDR-Führung öffentlich die gewaltsame Niederschlagung der Studentenproteste auf dem Platz des Himmlischen Friedens in Peking. Ein deutliches Signal an die eigene Bevölkerung. DieBefürchtung, dass die Sowjetunion ihren Machtbereich am Ende doch mit Gewalt sichern würde, wie sie das seit den 40er-Jahren immer wieder getan hatte,gab es 1989 überall in Mitteleuropa. Es gab allerdings immer mehr Menschen, die davon ausgingen, dass Michail Gorbatschow esernst meinen könnte mit Glasnost und Perestroika und mit dem Versprechen, den sozialistischen Ländernihreeigenen Wege zu gestatten. Imre Pozsgay (1933–2016), damals Mitglied des Politbüros der regierenden kommunistischen Ungarischen Sozialistischen Arbeiterpartei, war einer von ihnen. Er richtete zusammen mit Otto von Habsburg am 19. August 1989 das Paneuropäische Picknick aus. Zudiesem Frühstück war mit Tausenden Flugblättern inden grenznahen Ort Sopron eingeladen worden. Hier sollte ein Grenztor zu Österreich geöffnet werden. Mehr als 650 Bürger der DDR nutzten das Picknick, verließen den Ostblock und gingen in den Westen. Seit dem Mauerbau 1961 hatte es nicht mehr eine solche Massenflucht gegeben. Das Picknick war wohl von Anfang an vonseinen Organisatoren als ein Test betrachtet worden. Würde Gorbatschow zu seinem Wort stehen? Oder doch angesichts eines solchen Exodus die in Ungarn stationierten sowjetischen Truppen einsetzen? Dass Gorbatschow sich der Öffnung des Eisernen Vorhangs nicht widersetzte, half seiner Glaubwürdigkeit imWesten.Vorallem aber war es ein Signal an die kommunistischen Verbündeten, dass sie nicht mehr vonden sowjetischen Truppen geschützt würden. Gorbatschow, der wohl zunächst nur daran gedacht hatte,die Breschnew-Doktrin aufzugeben und den Verbündeten jeweils eigene Wege zum Sozialismus, also gewissermaßen eurokommunistische Positionen zu gestatten, musste schnell lernen, dass ohne die Panzer der Sowjetunion kein einziger Staat Mitteleuropas am Sozialismus festhalten würde. DasEnde der Breschnew-Doktrin zeigte,dass sie die Grundlage für die Existenz des Sozialismus in Mitteleuropa war. Ohne sowjetische Panzer hatte er keine Chance. Keine der kommunistischen Parteien konnte auf die Zustimmung der Bevölkerung rechnen. Das Ende des Kommunismus war auch das Ende des Reformkommunismus. Dass die DDR-Kommunalwahlen vom7.Mai 1989 gefälscht waren, war keine Sensation. Im ganzen sowjetischen Machtbereich hatte es seit Ende der 40er-Jahre keine Wahlen gegeben, die nicht gefälscht worden wären. Davon ging jeder aus. Neu war, dass so viele Bürger der DDR In die Freiheit entlassen Als die Mauer am 9. November 1989 fiel, war das der Anfang vom Ende der Nachkriegsordnung. Michail Gorbatschow war es, der in der DDR, in Polen, Ungarn, der Tschechoslowakei, Bulgarien und Rumänien den Wegdafür frei machte wagten, das in aller Öffentlichkeit zu sagen und vorGericht zu gehen. Das war Ausdruck eines neuen Selbstbewusstseins. Neu für die DDR. In Polen zum Beispiel hatte es seit den 70er-Jahren eine breite Gegenöffentlichkeit gegeben, die nicht nur Flugblätter herausbrachte, sondern eigene Verlage betrieb. Vorbild war der russische VonArnoWidmann Samisdat gewesen. Aber anders als in der Sowjetunion arbeitete die polnische Opposition in aller Öffentlichkeit. Man organisierte Demonstrationen, stritt auch untereinander um die richtige Linie. Im September 1976 hatten Intellektuelle das Komitee zur Verteidigung der Arbeiterrechte gegründet, das sich schon im Jahr darauf in Ko- mitee für Gesellschaftliche Selbstverteidigung umbenannte. Im selben Jahr erschien vonAdamMichnik „Die Kirche unddie polnische Linke. Vonder Konfrontation zum Dialog“. Das war der besondere, der katholische Weg hinaus aus dem Sozialismus.Dazu gehörte auch die 1980 gegründete Gewerkschaft Solidarnosc, die nicht klein zu kriegen war. Auch in der Tschechoslowakei entstand mit derCharta 77 eine Gruppierung, die zuzerbrechen der Staatsmacht, trotz immer neuer Versuche, nicht gelang. Aber wie stark auch immer die Komitees für die Gesellschaftliche Selbstverteidigung in den einzelnen Ländern waren, niemals wären sie imstande gewesen, die kommunistischen Regime abzuschütteln. So lange die von den russischen Panzern und die wiederum vonden russischen Atomwaffen geschützt wurden, war niemand bereit, einen Krieg zu riskieren. Keinen Bürger- und schon gar nicht einen Weltkrieg. Es gab mehr als genug westliche Politiker,die fürchteten, die Oppositionsbewegungen in den sozialistischen Staaten gefährdeten die geopolitische Balance. Bundeskanzler Helmut Schmidt zum Beispiel hatte Verständnis für die Verhängung des Kriegsrechts in Polen durch General Jaruzelski im Jahre1981. Zu viele hatten sich an den Status quo gewöhnt. Was bewegte Gorbatschow zu denweitgreifenden Reformen in der UdSSR und im Verhältnis zu Comecon und Warschauer Pakt? Der Sozialismus war pleite. Die friedliche Koexistenz mag für die sozialistische Staatenwelt politisch vernünftig gewesen sein. Ökonomisch war sie notwendig. Der heute 95-jährige Antonín Liehm, einer der Sprecher desPrager Frühlings und Gründer von Lettre International, sprach damals voneinem neuen Gesellschaftsvertrag in den Ostblock-Ländern: „Die Bürger treten die Gesamtheit ihrer individuellen und kollektiven Rechte an den Staat ab, wofür dieser ihnen einen festen Arbeitsplatz bei mäßigem Gehalt und ein Minimum anArbeitsleistung und persönlicher Initiative garantiert.“ Zu diesem neuenGesellschaftsvertrag gehörten die Kredite aus dem Westen.Nicht nurfür Polen und Ungarn, längst auch für die DDR. DieÖkonomie des Sozialismus hatte sich in den 80er-Jahren längst aus dem Wettbewerb der Systeme verabschiedet. Sie hing an dem ihr vomkapitalistischen Weltsystem bereitgestellten Tropf. Als Gorbatschowam15. Mai1988 verkündete, die Sowjetarmee werde sich aus Afghanistan zurückziehen, da war klar, wer den größten Staat der Welt, die größte Landarmee des Erdballs zu Fall gebracht hatte: Es waren nicht die Bürgerrechtsbewegungen Mitteleuropas gewesen und auch nicht die Drohung der Errichtung eines Abwehrschirms gegen Interkontinentalraketen („Star Wars“). Die Taliban hatten die Sowjetunion niedergestreckt. Wie dreizehn Jahre zuvor die USA von den vietnamesischen Guerillas besiegt worden waren, so erging es jetzt der Sowjetunion mit den afghanischen. Damals entstanden die neuen Konfliktlinien, die den Anfang des 21. Jahrhunderts prägen. Damals begann auch der Aufstieg Chinas zur Wirtschaftsmacht, damals beschleunigte sich die Globalisierung in einem zuvor unbekannten Maße. Die neuen Märkte und die neuen Kommunikationstechniken halfen dabei. Dieweltpolitische Konstellation Die einzelnen Ostblockstaaten fanden sehr unterschiedlich aus dem Sozialismus hinaus. Aber sie alle taten es erst, nachdem der heute viel geschmähte Michail Gorbatschow sie in die Freiheit entlassen hatte. In Polen und in der Tschechoslowakei standen Männer wie Lech Walesa und Václav Havel, die lange Jahre den Kampf gegen die kommunistischen Regime geführt hatten, bereit, um ihre Länder mehr oder wenigererfolgreich in eine demokratische Zukunft zu führen. Als am 7. Mai 1989 Bürger der DDR gegen Wahlfälschungen vorgingen, hatten in Polen schon seit Februarder Innenminister,Vertreter des offiziellen Gewerkschaftsbundes und Lech Walesa am Runden Tisch gesessen. Das hatte im April 1989 zu einer Verfassungsreform und zur Wiederzulassung von Solidarnosc geführt. Im Juni 1989 gab es in Polen erste Parlamentswahlen mit freier Kandidatenaufstellung. Unsere „Wende“ warnicht dasErgebnis eines Lernprozesses, indem aus Untertanen selbstbewusste Bürger wurden. Sie war das Resultat einerweltpolitischen Konstellation, in der die DDR der Bundesrepublik in denüberraschten Schoß fiel. Arno Widmann betrachtete damals die Weltlageam liebsten vomCafé Adler aus.


Berliner Zeitung · N ummer 104 · D ienstag, 7. Mai 2019 21 · · ······················································································································································································································································································· Der Weg zum Mauerfall Bürgerrechtler demonstrieren am 7. Juni 1989, einen Monat nach der Kommunalwahl, vor der Sophienkirche in Mitte gegen den Wahlbetrug,auch Stephan Neuß vom Weißenseer Friedenskreis – er ist der Mann mit der Mütze, der das Spruchband mithält. Es ist der Auftakt für weitere Proteste. IMAGO IMAGES Wann war der Anfang vom Ende der DDR? Am 7. Mai 1989, als Bürgerrechtler die SED des Wahlbetrugs überführten? Am 11. September, als Ungarn seine GrenzezuÖsterreich öffnete? Am 30. September, als DDR-Bürger aus der Bonner Botschaft in Prag in die Bundesrepublik ausreisten? Oder am 7. Oktober, als mindestens 10 000 Menschen in Plauen protestierten und es Sicherheitskräften erstmals misslang, eine Demo aufzulösen? Am 9. Oktober, als 70 000 Menschen in Leipzig demonstrierten und sie mit ihrer Masse („Wir sind dasVolk!“) und ihrer Friedfertigkeit („Keine Gewalt!“) die Staatsmacht überrumpelten? Am 9. November,als sich die Mauer öffnete? Zwischen dem Wahlbetrug und der Maueröffnung liegen sechs Monate und zwei Tage,eine Zeit, die vollgestopft ist mit geschichtsstrotzenden Daten, welche die DDR erschütterten, von innen und von außen, eine Zeit, mitgeprägt vonBürgern, die sich in Initiativen organisierten, die für Reformen demonstrierten, die ihr Land verließen. Andachten verändernnichts Stephan Neuß brüht erst einmal eine Kanne Kaffee auf. Dazu reicht er Bio- H-Milch, Rohrzucker,Kekse.Der 52- jährige Sozialdiakon ist Geschäftsführer des Spik e.V. (Sozialpädagogische Arbeit im Kiez)inHohenschönhausen. In den 80er-Jahren war Neuß aktiv im Weißenseer Friedenskreis,der maßgeblich daran beteiligt war,denWahlbetrug von1989 aufzudecken. Die Geschichte der polnischen Gewerkschaft Solidarnosc, die im Sommer 1980 aus einem Streik in Gdansk entstand, hatte ihn politisiert: „Gdansk war für mich hoffnungsvoller als Glasnost und Perestroika. Aufeinen offiziellen Sozialismus, der etwas besser sein sollte als der alte,hatte ich keine Lust.“ Übersiedlung oder Flucht seien für ihn nie ein Thema gewesen, sagt Neuß. „Das war im inneren Friedenskreis ein eher schmählicher Gedanke.“ Aber er habe Verständnis gehabt für alle,die das Land verließen. Ein paar Dokumente hat er dabei, auch „Ordnungsstrafverfügungen“ über 300,75 Mark und 500,75 Mark, erlassen, weil er den „Weisungen staatlicher Organe zur Gewährleistung von Ordnung und Sicherheit“ nicht nachkam und das „sozialistische Zusammenleben“ störte. Er hatte an Protesten gegen den Wahlbetrug teilgenommen. Ost-Berlin, Anfang Juni 1989: „Mündige Bürger“ –Mitglieder des Weißenseer Friedenskreises – fordern auf Handzetteln, am 7. in die Neue Grünstraße vor das Evangelische Konsistorium zu kommen, um gegen den Wahlbetrug zu demonstrieren. Im Schweigemarsch wollen sie eine Eingabe zum Staatsratsgebäude bringen, dazu Spruchbänder wie „Nie genug vom Wahlbetrug“ und eine Urne mit der Aufschrift „Hier ruht die Demokratie“ tragen. Weniger als hundert Menschen finden sich am Konsistorium ein, Sicherheitskräfte haben es weiträumig abgesperrt. Stephan Neuß ist mit dabei. Nach Gesprächen mit Kirchenvertretern vereinbaren die Demonstranten einen neuen Treffpunkt: die Sophienkirche in Mitte.Neuß ist enttäuscht, er ahnt: „Unsere Funktionäresind nicht mehr unsereVerbündeten in Aktion.“ Er fühlt sich bestätigt, als in der Sophienkirche eine Andacht gehalten wird. „Wir wollten nicht mehr mit Andachten versuchen, das System zu verändern.“ Auf den Zuruf „Wir gehen jetzt raus!“ hin begibt sich ein Teil der Anwesenden, mehr als 100 Personen, auf die Straße. Sicherheitskräfte halten die Demonstranten auf und nehmen sie fest. Biszum frühen Morgen sind alle wieder auf freiem Fuß. Die Protestaktion am 7. Juni bildet den Auftakt für weitere Proteste, die in Erinnerung an den Wahlbetrug immer am 7. eines Monats stattfinden. Die Politspitze bleibt ihrer Linie treu: der Vergangenheit zugewandt. Mit ihrer Reaktion auf das brutale Vorgehen chinesischer Sicherheitskräfte gegen friedliche Demonstranten auf dem Platz des Himmlischen Friedens Anfang Juni, bei dem mindestens 100 Menschen sterben, treibt sie weitere Bürger auf die Straße und aus dem Land: Siewertet das Massaker als „Niederschlagung einer Konterrevolution“. Im ersten Halbjahr 1989 verlassen 45 000 Bürger die DDR durch Übersiedlung oder Flucht; bis November werden es 225 233 sein. Für viele führt der Wegüber die Ständige Vertretung der Bundesrepublik in Ost- Berlin sowie über die Botschaften Bonns in Warschau, Budapest und allen voranPrag. Peter-Christian Bürger war einer von ihnen. Kürzlich ist er aus dem Irak zurückgekommen, wie er am Telefon erzählt. Es war seine siebente Reise in das Land; der 63-Jährige sammelt Spenden, schnürt Hilfspakte, kümmert sich dort um Flüchtlinge.Erhatte als junger Mann Verändern oder gehen Zwischen dem Wahlbetrug und dem Mauerfall liegt ein halbes Jahr voller historischer Erschütterungen. Es ist eine Zeit, in der die Bürger der DDR in Bewegung geraten versucht, sich in der DDR zu engagieren, in der Jungen Gemeinde in Karl-Marx-Stadt, heute Chemnitz. Ständige Gängelei, laufendes Ausspionieren und regelmäßige Festnahmen zermürbten ihn. Es ging ihm irgendwann nur noch darum, „aus diesem System auszubrechen“. Ein„Ausbruch“ im Sommer 1985 scheiterte.Dafür saß er drei Jahreim Gefängnis.Ein zweiterVersuch folgte VonMichael Brettin 1989. Nachdem er gehörthatte,dass Landsleute über die Prager Botschaft der Bundesrepublik ihreAusreise erzwingen, schlich er sich Ende Juni in die Tschechoslowakei, erreichte Prag und fand im Palais Lobkowitz, der Botschaft, Zuflucht. Ab Sommer 89 formieren sich zwei Bürgerbewegungen, die den Lauf der Geschichte der DDR entscheidend beeinflussen: Die einen wollen ihr Land verändern, die anderenwollen es verlassen. DieTheologen Markus Meckel und Martin Gutzeit verfassen im Juli einen Aufruf zur Gründung einer sozialdemokratischen Partei (SDP); eine Gruppe um Pfarrer Rainer Eppelmann einigt sich im August auf die Bildung der Vereinigung „Demokratischer Aufbruch“ (DA). Die Geschichte treibt die DDR- Führung vorsichher:Am4.September versammeln sich nach dem Friedensgebet in der Nikolaikirche in Leipzig 1000 Demonstranten, es ist die Geburtsstunde der Montagsdemonstrationen; am 10. gründet sich dieBürgerbewegung„Neues Forum“ (NF), ihren Aufruf „Aufbruch 1989“ unterzeichnen im Verlauf des Herbstes 200 000 Menschen; am 11. öffnet Ungarn seine Grenze zu Österreich, 34 000 DDR-Bürger gelangen bis Ende des Monats in die Bundesrepublik; am 12. gründet sich die Bürgerbewegung „Demokratie Jetzt“ (DJ). Bei der Protestaktion gegen den Wahlbetrug am 7. September auf dem Alexanderplatz wird Stephan Neuß vomFriedenskreis festgenommen, mal wieder.Ein Polizist schlägt ihm mit einem Ellenbogen ins Gesicht; ein Verhörer stellt ihm die bekannten Fragen. „Brutale Polizisten, hilflose Verhörer: Da wusste ich“, sagt Neuß,„dasSystem ist am Ende.“ Wastrieb ihn auf seinem Weg, dem System Reformen abzutrotzen? „Der Instinkt, dasRichtige zu tun.“ Die Zahl der DDR-Bürger, die in der Prager Botschaft Zuflucht suchen, schnellt im September in die Höhe,auch weil dieTschechoslowakei die Kontrollen an der Grenze zu Ungarn verschärft hat. Um jeden Neuankömmling kümmert sich Peter-Christian Bürger;seit Anfang Juli organisiert erdas Zusammenleben in der Zeltstadt im Garten desPalais. „Es war mir wichtig, nicht nur rumzusitzen“, sagt er. „Ich wollte etwas bewegen.“ Unterdessen verhandelt Bonns Außenminister Hans-Dietrich Genscher am Rande der Vollversammlung der Vereinten Nationen in New York über das Schicksal der DDR- Bürger in den Botschaften in Prag undWarschau. Am späten Nachmittag des 30. September trifft er in Prag ein, um 18.58 Uhrtritt er aufden Balkon des Palais heraus und verkündet etwas mehr als 5000 bangenden Bürgern, „dass heute Ihre Ausreise ...“ –die Worte „möglich geworden ist“ gehen im Jubel unter. Noch am Abend setzt sich der erste von sechs Zügen in Bewegung. Die Fahrt geht von Prag über Bad Schandau, Dresden, Karl-Marx- Stadt, Plauen und Gutenfürst nach Hof. Nach Mitternacht rollt der letzte Zugan, in ihm sitzt Christian Bürger. „Das war die schlimmste Zugfahrt meines Lebens, so gespenstisch“, sagt er.„Auf unserem Wegdurch die DDR war kein Mensch zu sehen. Alle Bahnhöfe waren menschenleer.“ Zwanzig Jahre später kehrte er „aus ganz persönlichen Gründen“ nach Chemnitz zurück, bis 2016 war er Geschäftsführer eines Landgasthofs; inzwischen ist er berufsunfähig. Alles andere als menschenleer sind viele Straßen in vielen Städten der DDR am 7. Oktober: Die einen feierndie Staatsgründung vor40Jahren, die anderen demonstrieren für Reformen. Krenz’Wende scheitert Auf Druck des Politbüros erklärt Honecker am 18. Oktober den Rücktritt vonall seinen Ämtern, offiziell wegen seines „Gesundheitszustandes“. Krenz wird Generalsekretär, eine Woche darauf auch Staatsratsvorsitzender und Vorsitzender des Nationalen Verteidigungsrates, der Mann, der als Wahlleiter für den Wahlbetrug verantwortlich ist und die Demonstrationen in China als konterrevolutionär verurteilt hat. Schon seine erste Rede verdeutlicht, dass sich grundlegend nichts ändern soll: Er spricht von einer „Wende“, aber „unter Führungder Partei“. Die Proteste erreichen am 4. November ihren Höhepunkt. Hunderttausende sind auf den Straßen, die meisten in Ost-Berlin; sie fordern „Freie Wahlen statt falsche Zahlen!“, „Abschaffung der Krenztruppe!“, „Deutschland –einig Vaterland!“ DerVersuch, mit dem geschlossenen Rücktritt des Politbüros eine Krenzsche „Wende“ herbeizuführen, scheitert. Der irrwitzige Verlauf der Verkündung des neuen Reisegesetzes am9.November führt zur Maueröffnung. DieDDR istnicht malein Jahr später Geschichte. Wann war der Anfang vom Ende der DDR? „Das System hat sich Stück für Stück selbst entlarvt; und Menschen haben das immer wieder deutlich gemacht“, sagt Mario Schatta, der imMai 1989 denWahlbetrug mitaufdeckte. Michael Brettin ist fasziniertvon der Geschichtsdynamik.


22 Berliner Zeitung · N ummer 104 · D ienstag, 7. Mai 2019 ························································································································································································································································································· Das Jahr 1989 Annette Simon, 67 Jahre alt, empfängt in ihrer Wohnung in Pankow, in der sie seit 1988 lebt.Während des Gesprächs zieht sie ihr Buch „Bleiben, wo ich nie gewesen bin.Versuch über ostdeutsche Identitäten“, geschrieben 2009, aus dem Regal. Sie nimmt darin vieles vorweg, was uns heute noch beschäftigt. Frau Simon, wo standen Sie 1989 in Ihrem Leben? 1988 wollten wir die DDR verlassen. Also meine Familie, ich und mein Mann und meine zwei Kinder. Hatten Sie einen Ausreiseantrag gestellt? Wir haben lange und intensiv über einen Ausreiseantrag nachgedacht und dann den Gedanken verworfen, woraufhin meine Tochter, Jana Simon, sehr sauer wurde; sie wollte damals unbedingt in den Westen. Aber Anfang 1989 kam auch Hoffnung auf. Man spürte, dabraut sich was zusammen, man wusste allerdings nicht, ob etwas Gutes oder Schlechtes.Ich arbeitete in der Psychiatrischen Ambulanz im Krankenhaus Herzberge als Psychologin. Eine alte Patientin sagte mir:Esist so eine Stimmung wie Anfang 1945. Undhier in Pankow traf ich im Frühjahr 1989 Hans Misselwitz auf der Straße. Er war im Pankower Friedenskreis und sagte:„Wartet mal den Herbst ab.Das wirdein heißer Herbst !“ Daswar fast prophetisch. Wurdemehr diskutiertanden Arbeitsstellen? Ich habe die Achtzigerjahre als eine sehr bleierne Zeit empfunden, es bewegte sich nichts mehr. Auch in den oppositionellen Kreisen gab es so eine Ermattung, Ermüdung. Man hatte das Gefühl, dass nichts Neues mehr kommen wird. Unddas änderte sich nun, da waren die Kommunalwahlen ein wichtiger Hoffnungsgeber.Eswaren die erstenWahlen in der DDR, die in einigen Wahlbezirken öffentlich kontrolliert wurden. Zum ersten Mal gab es unter den Augen der Bürger ausgezählte Gegenstimmen. Zum ersten Mal wurde damit öffentlich, dass die vomStaat präsentierten Ergebnisse nicht mit den abgegebenen Stimmen übereinstimmten. In den oppositionellen Kreisen, in denen wir uns bewegten, fing es an zu gären, die Diskussionen wurden wieder intensiver und wir fingen an, uns noch mehr zu vernetzen. DieVorfälle auf dem Platz des Himmlischen Friedens in Peking, wo Demonstranten brutal mit Panzernüberrollt wurden, gaben einen weiteren Schub an Wut. Dann kamen die vielen Ausreisen und dann ging es bald los mit der Gründung des Neuen Forums. Inwiefern waren Sieinvolviert? Wir haben in unserer Wohnung nach dem Aufruf Unterschriften für den Beitritt zu dieser Bewegung gesammelt. Wir waren eine der Sammelstellen. Abends haben wir die Listen in der Küche versteckt, weil wir Angst hatten, dass die Stasi vorbeikommt. Einmal stand eine Arbeiterbrigade vorder Tür,aneinemVormittag, sechs Männer in voller Montur, klingelten bei uns und fragten, ob sie hier fürs Neue Forumunterschreiben könnten. Beim Unterschreiben sagten sie: „Es muss sich was ändern, endlich geht’s los.“ Da hatte ich das Gefühl, einen wirklich revolutionären Moment zu erleben. Wurden in der Zeit vordem Mauerfall alternative Konzepte entwickelt, die noch heute brauchbar sind? Auf jeden Fall! Ich sage auch nie „Wende“, das Wort hat Egon Krenz geprägt. Ichsage„89“ oder„Herbstrevolution“. Es war eine revolutionäre Situation, die aber versandet ist. In der Zeit vonSeptember bis Dezember war sehr viel los, esgab sehr viele Ideen, Aktionen und Gründungen vonInitiativen. Ichwar bei der Gründungsversammlung des Unabhängigen Frauenverbandes in der Volksbühne dabei: Da wurden im Dezember 1989 wegweisende Schriftstücke verfasst, die heute leider fast vergessen sind. Das Problem war, dass wir uns die Illusion machten, dass wir viele wären. Wir waren viel weniger, als wir dachten. Annette Simon, geboren 1952, arbeitete von 1975 bis 1991 in einer psychiatrischen Klinik in Ost-Berlin. Seit 1992 hat sie in Pankow eine eigene Praxis, seit 1996 als Psychoanalytikerin. VOLKMAR OTTO Annette Simon, Tochter der Schriftstellerin Christa Wolf, ist Psychoanalytikerin. Sie hat sich in der DDR in der Bürgerbewegung engagiert. Seitdem beschäftigt sie sich mit dem Thema „Ostdeutsche Identität“. Ein Gespräch über alte und neue Wut Wann sind Sie auf eine Demonstration gegangen? Ichwar das erste Mal am7.Oktober 1989, dem „Tag der Republik“, in Berlin auf einer Demonstration. Mein Mann, unser Nachbar und ich sind Richtung Gethsemanekirche aufgebrochen, und in der Stargarder Straße wurden wir aufgehalten. Da wurden alle, die sich grad auf der Straße befanden, auf Lkws geladen. Erst ging’s in ein Polizeirevier in der Immanuelkirchstraße. Eswar brutal, jeder, der aufgemuckt hat, wurde geschlagen. Ichwurde dann zur Stasi in die Nähe der Magdalenenstraße gebracht. Da musste ich mit anderen die ganze Nacht regungslos in einer Garage stehen, durfte nicht auf die Toilette, überall standen Uniformierte mit Schäferhunden. Viele hatten die Fantasie, nun für Jahre inden Knast zu kommen. Am nächsten Tagwurden wir wieder entlassen. Diese Nacht war schlimm, danach war ich eingeschüchtert. Am 4. November fand die große Kundgebung auf dem Alexanderplatz statt. Da griffen die Sicherheitsbehörden nicht mehr ein. Daswar die Zeit, wo das Politbüro wohl dachte,dass sie das Ruder noch rumreißen können. Bei der Kundgebung hat ja auch Markus Wolf geredet! Eigentlich hat es sich am 9. Oktober 1989 in Leipzig entschieden, da fand die ganz große Montagsdemo statt, und da hatten alle Angst, dass geschossen wird. Doch das wurde „Auf einmal gibt es nur Opfer“ durch die Intervention vonmehreren Seiten verhindert. Das ist einer der Punkte,die mich im Nachhinein wütend machen: dass man nichts von den Ostdeutschen wenigstens symbolisch aufgenommen hat. Wenn man einen Taggewollt hätte, der für die deutsche Einheit wirklich etwas bedeutet hat, dann wäreesder 9. Oktober. Der 3. Oktober bedeutet symbolisch nichts – es ist ein Verwaltungstag. Ihre Mutter, Christa Wolf, hat damals einen Aufruf „Für unser Land“ geschrieben, in dem sie sich für sozialistische Reformen einsetzte. Wie standen Siedazu? Siehat den ja nicht allein geschrieben! Ichwar zwiespältig. Ichhabe den Aufruf in meine Klinik mitgenommen, einige Kollegen lehnten es ab zu unterschreiben, sie wollten keine DDR mehr. Dadurch, dass Egon Krenz dann unterschrieben hat, war der Aufruf tot. Interview: Sabine Rennefanz IhreMutter hatte in dem Aufruf an die antifaschistischen und humanistischen Ideale der DDR erinnert. Siehaben oft darauf hingewiesen, dass der Antifaschismus der DDR von oben verordnet war. War das ein Thema zwischen Ihnen und Ihrer Mutter? Ich bin von meinen Eltern sogeprägt worden, dass man das,was man zu Hause sagt, auch draußen vertritt. Daswar in der DDR sehr selten. Man steht dafür ein, was man denkt. Das haben meine Eltern selber nicht immer geschafft, das merkte man auch. Die Ideale meiner Eltern waren sehr antifaschistisch geprägt. Aber ich merkte, wie es im Alltag knirschte. Beim Fahnenappell in der Schule wurde öfter das Lied von den Moorsoldaten gespielt, das die Häftlinge im Konzentrationslager gesungen haben. Da kriegte ich immer eine Gänsehaut. Damals konnte ich mir das nicht erklären, aber heute weiß ich, woran mein Unbehagen lag: Wir waren eben keine Moorsoldaten. Die meisten DDR-Bürger sind keine Widerstandskämpfer gewesen. Es ist verblüffend, wie starkdieser Mythos wirkte. Die Identifikation mit den Antifaschisten bot einen Vorteil, man stand nun scheinbar auf der richtigen Seite, auf der des Widerstands, der Opfer. Wir sind die Guten, drüben sind die bösen Imperialisten. Alles, was aber nach 1945 an psychischen Dispositionen, an Anfälligkeit für Unterordnung, autoritärem Denken, Verachtung des Fremden und Schwachen weiter da war, wurde außer in Kunst und Kultur nicht weiter bearbeitet. Man fragte nicht konkret nach, was welcher Mensch wann in der nationalsozialistischen Zeit eigentlich gemacht hatte. Sieforderten 2001, dass die DDR-Bürger miteinander über ihreVergangenheit streiten sollen, statt sich immer nur in Abwehrkämpfen gegen westliche Zuschreibungen zu verbünden. Das ist eine meiner wichtigsten Thesen, dass die Konflikte zwischen Ost-Ost zu wenig ausgetragen wurden und werden. Das ging zur Zeit der Revolution erst los, da begannen auch bei mir an der Arbeitsstelle die Auseinandersetzungen mit manchen Kollegen und die Frage nach den Stasi-Mitarbeitern kam auf. Dann kam der Beitritt, nun war die Frage, was wird mit dem Krankenhaus? Wir brauchten einen Träger. Umkeine Unruhe zu stiften, wurden solche Diskussionen eher unterbunden. Wichtige Auseinandersetzungen untereinander waren damit abgewürgt. Ich habe das Krankenhaus 1992 verlassen, auch, weil es nun die Möglichkeit gab, sich in einer Praxis niederzulassen. Durchden schnellen Beitritt sind viele Konflikte aus der DDR unbearbeitet geblieben.Wo sollte man diese Auseinandersetzungen führen? Wenn die DDR noch länger existiert hätte, wäre das passiert. Vieles war angedacht in diese Richtung, die Entmachtung von Funktionären, die strafrechtliche Verfolgung vonhauptamtlichen Mitarbeitern der Staatssicherheit. Manchmal denke ich, das war der letzte Coup des Politbüros, dass der Schabowski sich da so verplapperthat. Beider Pressekonferenz am 9. November, als Günter Schabowski Reisefreiheit „ab sofort“ verkündete. So wurden sie zwar entmachtet, aber bis auf wenige Ausnahmen nicht wirklich zur Rechenschaft gezogen. Die Opposition hatte zu wenig Zeit, sich zu sammeln, sich zu strukturieren, Pläne zu entwerfen. Sie war durch die Ereignisse genauso überrannt. So war kurz nach dem 9. November die große DDR-weite Versammlung vomNeuen Forumangesetzt. Es kamen viel weniger als erwartet. Ich kann das verstehen, ich verurteile das nicht. Ich bin selbst am 10. November rübergestürzt. Aber wir haben mit den vielen ungelösten Widersprüchen von damals bis heute zu tun. Ein ehemaliger Häftling vom Stasi-Gefängnis Hohenschönhausen kann in der S- Bahn sitzen und ihm gegenüber sitzt sein ehemaliger Verhörer, und der hat fast sicher jetzt eine höhere Rente. Nur sehr wenige Hauptamtliche sind bestraft worden! Das ist für manche ehemalige politische Häftlinge sehr bitter. Ein Teil des DDR- Unrechts wurde nicht gesühnt. Waren Sie am 18. März 1990 überrascht, wie schlecht die Vertreter des „DrittenWeges“ abschnitten? Die Opposition vertrat jasehr unterschiedliche Strömungen, nur ein Teil war für einen „dritten Weg“. Ich war vondenWahlergebnissen extrem enttäuscht.Wirlebten in der Blase der Opposition, und wir dachten, wir kriegen vielleicht 40 Prozent. Bündnis 90, in dem das Neue Forum aufgegangen war, erhielt 2,9 Prozent der Stimmen. Das war eine harte Klatsche. Damit waren unserePläne,auch unsere Illusionen abgewählt worden. Es war auch der Sozialismus abgewählt worden. Aber es war auch die weitergehende Auseinandersetzung mit der DDR und der je eigenen Rolle in ihr zunächst abgewählt worden. Jetzt wird gefordert, sich die Neunzigerjahreanzugucken, um die Ostdeutschen zu verstehen. Ist das falsch? Sollte man eher auf die DDR gucken? Beides! Ichfand es immer schade, dass dieses Produktive von 89 in so eine Opfer-Haltung geflossen ist. Nach dem Motto: Jetzt sind wir alle entrechtet vom Kapitalismus. Die Wege der Ostdeutschen sind sehr verschieden: Manche haben große Karrieren gemacht, andere nicht. In der DDR gab es Opfer und Täter,und auf einmal gibt es nur Opfer.Wosind die Täter? Saßen die nur im Politbüro? Es gab eine Jagd auf Stasi-IM. Aber die Hauptamtlichen wurden nicht gejagt, die sitzen teilweise gemütlich in ihren Häusern. Unddie eigentliche Macht wurde ja von der SED ausgeübt. Ichbin da total sauer. Wir hatten einen Arzt an unserer Klinik, der sogar bei Stasi-Verhören mitgewirkt hat. Wir haben nach 89 versucht, einen Entzug seiner Approbation auf den Wegzubringen. Ist uns nicht gelungen. Diese Art von Ungerechtigkeit ist nicht weg, sie wabert aber im Raum. „Mit den neu installierten Weststrukturen gehen einige nun um wie zu DDR Zeiten: Sie versuchen nicht, sich einzubringen und durch Mitwirkung zu verändern, sondern versuchen, sie mit passivem Widerstand zu umgehen“, schrieben sie 2009. Gilt das heute noch so? Das würde ich für einige aus der älteren Generation so sehen. Jetzt sagen aber auch manche Jüngere: Wir gehen in die AfD, daengagieren wir uns, dawollen wir was verändern. Aber da sammelt sich Frust und Zorn, das ist nicht konstruktiv. Ich sehe die AfD nicht als eine Emanzipationsbewegung des Ostens. Die AfD greift auf dumpfe Reflexe zurück: Wir sind die Opfer der Einheit und weitere existenzielle Veränderungen lassen wir uns nicht gefallen. Wir lassen uns nicht noch einmal den Boden unter den Füßen wegziehen –jetzt vermeintlich vonden Migranten. Eigentlich meint der Hass auf Ausländer und Flüchtlinge auch die Westler bzw.die extremen Veränderungen, die sie mitgebracht haben. Vergessen wird, daß man den Beitritt zur Bundesrepublik selbst gewählt hatte.


Royaler Nachwuchs: Harry und Meghan sind Eltern eines Sohnes – Panorama Seite 28 Protest: Das Abitur ist zu schwer Seite 25 4°/13° Mit ein wenig Sonne Wetter Seite 24 re:publica –Demokratie muss auch digital gelingen Seite 24 www.berliner-zeitung.de Berlin –Initiative will den Klimanotstand ausrufen Seite 25 Dienstag,7.Mai 2019 Nr.104 FA -75. Jahrgang Auswärts/D: 1.70 €–Berlin/Brandenburg: 1.60 € Rätsel –Der Flugzeugabsturz von Moskau Seite 28 Champions League Ein Torwart fürs gute Gefühl VonFrank Hellmann Marc-André ter Stegen hat einen ganz besonderen Bezug zum Großvater. Die Eltern hatten sich ja getrennt. Der Großvater fuhr den Knirps zum Training bei Borussia Mönchengladbach. Auf dem Rücksitz im Auto lag stets eine Süßigkeit, und Opas Weisheiten gab es dazu. Etwa, wie mit Rückschlägen umzugehen sei. „Er hat mir beigebracht, dass wir keine Maschinen sind“, sagt der Torwart des FC Barcelona. Insofern gehört Ter Stegen, 27, zu denjenigen bei Barça, Marc-André ter die respektvoll Stegen, Barça-TorwartinWeltklasseform Rückspiel der ins Halbfinal- Champions League beim FC Liverpool an diesem Dienstag gehen, trotz der 3:0-Gala in der Vorwoche: „Du fliegst hin und hast ein gutes Gefühl –mehr aber auch nicht.“ Doch für den FC Barcelona ist es beruhigend, an der Anfield Road einem Torhüter zu vertrauen, der mit Superlativen überhäuft wird. „Er spielt eine überragende Saison und gibt uns Ruhe.Wenn wir unter Druck stehen, macht er den Eindruck, als könnte gar nichts passieren“, sagt sein Trainer Ernesto Valverde. Ter Stegen rettete vorigen Mittwoch gegen Liverpool mehrfach. Vereinspräsident Josep Maria Bartomeu adelte ihn als „besten Torwart der Welt“. „Messi mit Handschuhen“ haben sie ihn irgendwann getauft. Beinahe unbemerkt läuft eine mediale Charmeoffensive. Ein Bezahlsender drehte mit Ter Stegen, selbst besuchte er vor zwei Wochen den „Sportschau-Club“ und zeigte aus der Untertagebar in Herten eine menschliche Seite.Sowas kommt in deutschen Wohnzimmernan. Würde er jetzt am 1. Juni das Champions-League-Finale in Madrid bestreiten, wäre das weitere Werbung in eigener Sache. Esgibt keine Indizien, dass dieses Endspiel für ihn ein Karrierekiller sein könnte wie für Landsmann Loris Karius,der voreinem Jahr mit dem FC Liverpool gegen Real Madrid (1:3) fatal patzte. Vergleichbare Aussetzer leistete sich TerStegen bei seinen ersten von 22 Nationalmannschaftseinsätzen, was ihn um die EM 2012 und der WM 2014 brachte. Erbrauchte erst den Confed-Cup 2017, um sich in der DFB-Auswahl zu etablieren. Bundestrainer Joachim Löw wird genau überlegen, wen erinder EM- Qualifikation im Juni in Weißrussland und gegen Estland ins Torstellt. Im Märzgegen Serbien (1:1) spielten TerStegen und Manuel Neuer je eine Halbzeit. Löw sagte, Neuer sei zwar seine Nummer eins, aber TerStegen agiere „auf Weltklasseniveau“. Zusatz:„Marcwirdseine Möglichkeiten bekommen.“ TerStegen will bei der EM 2020 spielen. Aber er hat sicher auch den Ratdes Opas im Ohr. VonSonja Fröhlich Im Südosten von Laos fand Peter Jäger die wahrscheinlich größte Spinne der Welt: die Hedropoda maxima. Spannweite: 30 Zentimeter, so groß wie eine Pizza. Kurz zuvor hatte er ein Exemplar in einem Pariser Museum gesehen, tot und in einem Glas mit Alkohol konserviert. Ob es sie lebend noch gab, wusste niemand. Also machte sich der Arachnologe des Frankfurter Senckenberg-Museums nach Laos auf. DemFrankfurter Forscher gelang es,ein Exemplar zu fangen. „Das war mein bisher größter Erfolg“, resümiertJäger. Die Suche nach den Überlebenden einer Artdürfte künftig schwerer werden. Eine Million Tier-und Pflanzenarten sind in den kommenden Jahrzehnten vom Aussterben bedroht, wenn die Menschen nicht grundsätzlich umdenken, das Land anders nutzen, die Umwelt besser schützen, den Klimawandel eindämmen. Die größten Artenkiller sind Landwirtschaft, Fischerei, Klimawandel und Umweltverschmutzung, also die Menschen. So sieht es der Biodiversitätsrat der Vereinten Nationen und warnt: Schon jetzt sei die Geschwindigkeit, in der Tier-und Pflanzenarten aussterben, zwischen zehn- und hundertmal höher als im Durchschnitt der vergangenen zehn Millionen Jahre. Experten sprechen voneinem „Massenaussterben“. Am Montag hat das UN-Gremium für Biodiversität (IPBES) in Paris einen umfassenden Bericht zum Zustand der globalen Artenvielfalt veröffentlicht. Drei Jahrelang haben rund 150 Experten aus 50 Ländern Die letzten ihrer Art Die UN legen Studie zur Biodiversität vor: Die Vielfalt der Natur ist gefährdet – und damit auch der Mensch Vom Aussterben bedrohte Arten ausgewählte Gruppen Amphibien Meeressäuger das Wissen aus Tausenden Studien zusammengetragen und analysiert– ähnlich wie der Weltklimarat IPCC seine Berichte zum Klimawandel. „Die Belege sind unbestreitbar: Die Zerstörung der Artenvielfalt und der Ökosysteme hat ein Niveau erreicht, das unser Wohlergehen mindestens genauso bedroht wie der durch den Menschen verursachte Klimawandel“, sagt IPBES-ChefWatson. Beide Faktoren hätten nicht nur Einfluss auf die Umwelt, sondern auch auf Entwicklungs- und Wirtschaftsfragen. Watson erwähnte dabei ausdrücklich die Gewinnung von Nahrungsmitteln und Energie. Nur „tiefgreifende Veränderungen“ könnten den Schaden für die Artenvielfalt noch begrenzen. Die Studie soll den Regierungen der 193 UN-Mitgliedsstaaten helfen, ein Rahmenabkommen zur Bewahrung der biologischen Vielfalt zu verhandeln und beim Weltnaturschutzgipfel in China im Oktober2020 zu beschließen. Robert Watson sagt klar:„Wirerodieren global die eigentliche Basis unserer Haie/ Haiverwandte Anteil der durch den Menschen deutlich veränderten Naturräume Land 75% Meere 66% riffbildende Korallen 40% 33% 33% 33% BLZ/GALANTY; QUELLE: IPBES, DPA Volkswirtschaften, Lebensgrundlagen, Nahrungsmittelsicherheit und Lebensqualität.“ Auszüge aus der Studie: Seit dem späten 19. Jahrhundert ist rund die Hälfte aller Korallenriffe verschwunden. Neun Prozent aller Nutztierrassen sind ausgestorben. 85 Prozentder Feuchtgebiete sind zerstört. Durch die Zerstörung von Küstengebieten wie Mangrovenwäldern ist die Lebensgrundlage vonbis zu 300 Millionen Menschen gefährdet. 23 Prozent der Landfläche des Planeten gelten als ökologisch abgewirtschaftet und können nicht mehr genutzt werden. DasWegsterben vonBestäuberinsekten bedroht die Produktion vonNahrungsmitteln im Wert von235 bis 577 Milliarden Dollar proJahr. Auf „Ungewissheiten“ verweist der Bericht bei der Zahl weniger bekannter Arten, vor allem der Insekten. Ihre Zahl hat sich in Europa in den vergangenen drei Jahrzehnten bereits um rund 80 Prozent verringert, haben Studien ergeben. Das große Insektensterben findet auch in DPA (2); IMAGO IMAGES (8) Deutschland statt, wie das Bundesumweltministerium im Sommer 2017 warnte. Fehlen Bienen, Fliegen und Schmetterlinge,gerät die Nahrungskette in Gefahr: Pflanzen werden nicht mehr bestäubt, Vögeln und anderen Tieren fehlt Nahrung – und früher oder später fehlt sie auch den Menschen auf dem Teller. Genau darum geht es im Kern beim Artenschutz: Ohne das Zusammenspiel der Arten gäbe es kein Leben auf dem Planeten. Tierschützer kritisieren dabei, dass „unattraktive“ Arten beim Naturschutz benachteiligt werden. Spinnen, Maden, Ratten und Schlangen etwa sind äußerst nützliche Tiere –beim Artenschutz aber falle kaum Augenmerk auf sie, sagte der emeritierte Psychologieprofessor Hal Herzog von der Universität Western Carolina in den USA. Arten wie der Regenwurm wirkten „eher wieprimitiveAußerirdische alsTiere, mit denen ein Mensch sich identifizieren kann“. Dabei ist gerade der Regenwurm ein wichtiger Nützling, weil er die Böden fruchtbar macht. Auch deshalb macht Peter Jäger für seine Spinnentiere Lobbyarbeit. Sein „Arachno-Blog“ auf dem Internetportal des Senckenberg Museums listet seine bisher entdeckten Arten auf und erklärt, was sich der Entdecker bei deren Namensgebung gedacht hat.DennbesonderenFunden verpasst er öffentlichkeitswirksame Namen. So hatermit denSpinnen Udo Lindenberg, Loriot und RichardvonWeizsäcker schon viel Aufmerksamkeit erregt. Jetzt muss man nur noch aufpassen, dass sie nicht die letzten ihrerArt werden. Waffenruhe nach 700 Raketen Angriffe zwischen Israel und Gazastreifen sind eingestellt Nach dem schwersten Ausbruch der Gewalt seit fünf Jahren zwischen Israel und den militanten Palästinensern im Gazastreifen schweigen vorerst wieder dieWaffen. Nach Berichten über eine neue Waffenruhe hob Israels Armee am Montag alle Einschränkungen für die israelische Bevölkerung im Grenzgebiet wieder auf. Die Eskalation kam nur gut eine Woche vordem internationalen Gesangswettbewerb Eurovision Song Contest (ESC) in TelAviv. Die neue Runde der Gewalt hatte seit dem Wochenende mehr als zwei Dutzend Menschen das Leben gekostet. Vier Israelis wurden am Sonntag bei massiven Raketenangriffen aus Gaza getötet und mehr als hundert verletzt. Militante Palästinenser hatten nach israelischen Armeeangaben seit Sonnabend rund 700 Raketen auf Israel abgefeuert. Angriffe der israelischen Armee töteten nach Angaben des Gesundheitsministeriums in Gaza 25 Palästinenser. Rund 160 Palästinenser seien verletzt worden. Für die Waffenruhe gab es von keiner Seite eine offizielle Bestätigung, aber die gegenseitigen Angriffe hörten über Nacht auf. Biszum Nachmittag gab es keine neuen Raketenangriffe aus dem Küstenstreifen und Israels Luftwaffe griff keine Ziele mehr an. Israels Regierungschef Benjamin Netanjahu betonte jedoch am Montag, der Kampf gegen die militanten Palästinenserorganisationen sei noch nicht beendet. „In den letzten beiden Tagen haben wir Hamas und Islamischen Dschihad mit großer Macht attackiert, wir haben mehr als 350 Ziele beschossen“, sagte er.„Die Kampagne ist noch nicht vorbei, sie braucht Geduld und Augenmaß. Wir sind bereit, weiterzumachen.“Wichtigstes Ziel sei es, Ruhe und Sicherheit für die Einwohner des israelischen Südens zu erzielen. Der Hamas-Chef Ismail Hanija hatte am Sonntagabend mitgeteilt, man sei zu einer neuen Feuerpause bereit, falls Israel sich ebenfalls daran halte.Kurzdarauf richtete US- Präsident Donald Trump eine Warnung an die Palästinenser im Gazastreifen –und sicherte dem Verbündeten Israel die volle Unterstützung seines Landes zu. Die Bundesregierung verurteilte den Raketenbeschuss der Hamas auf Ziele in Israel „auf das Schärfste“. (dpa) Berliner Verlag GmbH, 11509 Berlin Redaktion: (030) 63 33 11-457 (Mo-Fr10-16 Uhr), Fax-499; leser-blz@dumont.de Leser-Service: (030)23 27-77, Fax-76; www.berliner-zeitung.de/leserservice Anzeigen: (030) 23 27-50, Fax: -66 97; berlin.anzeigen@dumont.de Postvertriebsstück A6517 Entgelt bezahlt


24 *** Berliner Zeitung · N ummer 104 · D ienstag, 7. Mai 2019 · ······················································································································································································································································································· · Politik NACHRICHTEN Spahn verteidigt Bußgeld für Impfverweigerer Mögliche Geldbußen bei Verstößen gegen die geplante Masern-Impfpflicht sollen nach Worten vonGesundheitsminister Jens Spahn der jeweiligen Schwereentsprechen. „Wer hartnäckig und dauerhaft trotz mehrfacher Aufforderung einer Pflicht nicht nachkommt, der wird anders behandelt als jemand, der es einfach nur vergessen hat“, sagte der CDU-Politiker.Spahn will verpflichtende Masern-Impfungen für Kitaund Schulkinder mit Bußen bis zu 2500 Euro und einem Ausschluss vomKita-Besuch durchsetzen. (dpa) Türkei: Wahlbehörde ordnet Neuwahl für Istanbul an Dietürkische Wahlbehörde hat eine Wiederholung der Bürgermeisterwahl in Istanbul angeordnet. Dasberichtete die staatliche Nachrichtenagentur Anadolu am Montag. Die türkische Regierungspartei AKP von Präsident Recep Tayyip Erdogan hatte eine Annullierung undWiederholung des Urnengangs vom31. Märzbeantragt, aus dem der Oppositionskandidat EkremImamoglu als Sieger hervorgegangen war. (AFP) Versicherer lehnen E-Scooter auf Fußweg ab Das Verkehrsministerium will Elektroroller auch auf Fußwegen zulassen. DPA DieVersicherungswirtschaft lehnt die geplante Zulassung vonE-Scooternauf Fußgängerwegen ab.Das geht aus einer Stellungnahme des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV)für eine Anhörung im Verkehrsausschuss des Bundestages am Mittwoch hervor. Besonders älterePersonen seien schon allein durch einen Sturzpotenziell vonlangwierigen Verletzungsfolgen betroffen. (rb.) USA verlegen Flugzeugträger in den Mittleren Osten DieUSA verlegen als militärische Warnung an den Iran den Flugzeugträger „USS Abraham Lincoln“ und eine Bomberstaffel in den Mittleren Osten. Dasteilte der Nationale Sicherheitsberater der Vereinigten Staaten, John Bolton, mit. Dengenauen Ortließ er offen. (dpa) Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier findet, dass es Demagogen im Netz viel zu einfach haben. Neue Regeln fürs Digitale Bundespräsident Steinmeier eröffnet die re:publica und erinnert an die Verantwortung der Plattformen VonJörg Hunke Wie das mit den flachen Hierarchien in der digitalen Gesellschaft ist, bekam der Bundespräsident am Montag mitten in seiner Eröffnungsrede der re:publica zu spüren. Eine Frau stand auf, ging mit dem Smartphone am OhramPodium vorbei und unterhielt sich laut. „Wer ist dran?“, fragte Frank-Walter Steinmeier spontan. „Dennis“, antwortete die Frau und ging weiter, als sei nichts gewesen. Aber so unberechenbar ist eben die Digitalkonferenz, auf der jedes Jahr in Berlin drei Tage lang die politischen, gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Entwicklungen kontrovers und leidenschaftlich debattiert werden. Zum ersten Mal hielt ein Bundespräsident die Eröffnungsrede,erwurde mit freundlichem Applaus begrüßt und versprach, dass niemand die Nationalhymne mit ihm singe müsse. Problem der älteren Generation Aber dann ging es um die ernsthafte Auseinandersetzung mit den Folgen der Digitalisierung. Steinmeier stellte das Demokratieverständnis in den Mittelpunkt seiner Rede. „Demokratie“, sagte er,„kann in Zukunft nur gelingen, wenn sie auch digital gelingt.“ Was er damit meint: Die neue Welt braucht neue Regeln. Wer in Europa und in Deutschland Geschäfte machen will, dürfe nicht ständig Schlupflöcher suchen und die Umsetzung der Regeln verschleppen. Wermit einer Plattform einen politischen Diskursraum schaffe,„der trägt Verantwortung für die Demokratie –oberdas will oder nicht“, erklärte der Bundespräsident. Sein Schlussplädoyer ging in die Richtung derjenigen, die mit Hatespeech und Fake-News versuchen, das Netz zu verseuchen. „Mit der Meinungsfreiheit kommt auch eine Meinungsverantwortung“, sagte Steinmeier.Erwünschte sich vonder demokratischen Mehrheit, sich nicht zurückzuziehen und vertreiben zu lassen vomGebrüll der wenigen. Einer,der seine Meinung seit Jahren imNetz verbreitet, ist Thomas Knüwer. Er betreibt eine Agentur und ist ein langjähriger Besucher der re:publica. Er bezeichnete die Rede als solide.Vor einigen Wochen war er bei der großen Digitalkonferenz South by Southwest (SXSW)inTexas zu Gast, erlebte den Auftritt vonAlexandria Ocasio-Cortez, der jungen politischen Hoffnung der Demokraten, die die Netzgemeinde beeindruckte.„Die aktuelle Politikergeneration in Deutschland versteht das Netz nicht, und ich habe die Hoff- DIE KONFERENZ Das Motto: Keine Zeit, um etwas Langes zu lesen, also tl;dr (too long,did not read), ist die zentrale Botschaft der re:publica in diesem Jahr.Die Gesellschaftskonferenz findet zum zwölften Mal in Berlin statt, erstmals gabesinden vergangenen Monaten einen Ableger in Afrika. Präsentation: Wiewichtig das Lesen ist, zeigt sich auch in der Gestaltung.Der Literaturklassiker„MobyDick“ spielt da eine wichtigeRolle. Ausdruckesind in Papierbahnen an den Decken angebracht. An einem Stand wird das Werk gelesen. Wereinen Fehler macht, muss aufhören. Höhepunkt: Zwei Welten werden aufeinandertreffen, wenn Markus Beckedahl und CDU-Europapolitiker Axel Voss an diesem Dienstag um 11.15 Uhr auf der Bühne über das Urheberrecht diskutieren werden. Der Journalist Beckedahl ist ein deutlicher Kritiker der EU-Reform, Voss hat sich im Europaparlament für die Zustimmung stark gemacht. nung aufgegeben, dass sich das noch einmal ändert“, sagte Knüwer und sorgte für eine Diskussion bei den Zuhörern. Aber das ist auch eines der Ziele der re:publica in diesem Jahr – kontrovers zu diskutieren und Meinungen leidenschaftlich auszutauschen. In Deutschland gehört der Journalist Markus Beckedahl zu den Menschen, die die komplizierten Themen wie IT-Sicherheitsgesetz, Überwachungstechniken oder Hackerangriffe verständlich aufbereiten können. In seiner Rede macht er deutlich, dass nicht nur die Plattformbetreiber in den vergangenen Monaten zu der großen Verunsicherung in der Gesellschaft beigetragen haben, sondern auch die Bundesregierung. Immer wieder erwähnte Beckedahl Innenminister Horst Seehofer (CSU) und seine Versuche, den Behörden noch mehr Macht zu geben, um die Bürger noch genauer kontrollieren zu können. Und was den Bereich Innovationen angeht, erinnerte er an die Nachricht, dass im Kanzleramt aus Sicherheitsgründen weiterhin auf Rohrpost gesetzt wird. „Das zeigt doch, dass wir noch gar nicht angefangen haben mit der Digitalisierung“, sagte Beckedahl. Seine Rede stand unter dem Titel„Digital war mal besser“ –dieser Eindruck bestimmte den gesamten ersten Tag. Auch abends ging es bei Sascha Lobo in seinem Vortrag „Realitätsschock“, um die großen Probleme des Kontinents wie Klimawandel, falsche Debatten und den –seiner Meinung nach –zulange gedankenlosen Umgang mit Plastikmüll. Müllers Optimismus DPA/BRITTA PEDERSEN Bei der Media Convention, die mit ihrem Blick auf die Medienwelt seit Jahren ein fester Bestandteil der re:publica ist, standen zunächst auch nicht so sehr neue Trends und Innovationen im Mittelpunkt, sondern Gedanken, wie wichtig Meinungsfreiheit und Meinungsvielfalt in Zukunft sein sollen. Anja Zimmer, Direktorin der Medienanstalt Berlin-Brandenburg wünschte Unterstützung für die klassischen Medienhäuser. Nur Michael Müller (SPD), Berlins Regierender Bürgermeister, der in der Hauptstadt immer wieder Start-up-Projekte vorgestellt bekommt und täglich sieht, wie Berlin von der Digitalisierung profitiert, wirkte optimistisch und erinnerte in seiner Rede daran, dass die neuen Technologien auch große Chancen und Möglichkeiten bieten. Jörg Hunke freut sich, dass die Konferenz politischer geworden ist. Union debattiert über CO 2 -Steuer Fraktionschef Brinkhaus warnt vor Denkverboten Inder Diskussion über eine CO 2 - Steuer erhält CDU-Chefin Annegret Kramp-Karrenbauer Gegenwind aus der Union: Fraktionschef Ralph Brinkhaus (CDU) warnte vor „Denkverboten“. Kramp-Karrenbauer hatte sich amWochenende gegen eine CO 2 -Steuer gestellt. DieCDU/CSU sei bei neuen Abgaben und Belastungen „immer sehr skeptisch“, sagte Brinkhaus den Zeitungen der Funke-Mediengruppe. „Aber es darf keine Denkverbote geben.“ Wichtig sei auch bei einer möglichen CO 2 -Bepreisung, dass die Verbraucher nicht zusätzlich belastet würden. Es gehe nicht darum, die Einnahmen des Staates zu steigern. „Wenn ich den Ressourcenverbrauch belaste, muss ich Verbraucher und Wirtschaft an anderer Stelle entlasten“, sagte er. Das sei auch eine soziale Frage. Laut Brinkhaus will die Union bis Ende des Jahres „den Weg aufzeigen, wie wir die Klimaschutzziele 2030 konsequent erreichen können“. Auch die Ausweitung des Zertifikatehandels werdegeprüft. Am Sonnabend hatte Kramp-Karrenbauer gesagt, hinter einer CO 2 - Steuer verberge sich eine stärkere Belastung für Benzin, Diesel, Heizöl und Gas. Sie warnte davor, die „kleinen Leute über Gebühr“ zu belasten, „weil wir zu faul sind zum Nachdenken, ob es bessere Methoden gibt“. Es gebe „intelligentere Methoden“ für den Klimaschutz als die Erhebung von Steuern, fügte sie unter Verweisauf den europäischen Emissionshandel und Zertifikate hinzu. „Ich halte das für falsch, einfach nein zu sagen“, sagte dagegen CDU- Vize Armin Laschet in der ARD. Im Deutschlandfunk bemühte sich Kramp-Karrenbauer am Montag darum, die Wogen zu glätten. Beider letzten Diskussion im CDU-Bundesvorstand zu dem Thema sei es um den konkreten Vorschlag gegangen, eine Mineralölsteuer zu erhöhen. „Dawar dieHaltung des Bundesvorstandes,imÜbrigen in Anwesenheit auch von Armin Laschet und von Ralph Brinkhaus, sehr eindeutig zu sagen, das ist für uns nicht das erste Mittel derWahl.“ (AFP) Das BraunkohlekraftwerkBergheim Niederaussem in Nordrhein-Westfalen IMAGO BERLIN UND BRANDENBURG WETTERLAGE R EISEWETTER Heute gibt es Wolken, stellenweise jedoch auch sonnige Abschnitte, und die Höchstwerte sind bei 11bis 14 Grad anzutreffen. Der Wind weht schwach bis mäßig aus West. In der Nacht kühlt sich die Luft auf 4bis 1Grad ab. Dazu ist es vielerorts wechselnd bewölkt. Schauer treten aber nur sehr vereinzelt auf. Biowetter: Die Witterung führt zu einer Verstärkung von rheumatischen Beschwerden, Kopfweh- und Migräneattacken. Gelenke, Muskeln, Glieder und Narben schmerzen öfter als sonst üblich. Pollenflug: Derzeit fliegen Pollen von Birken, Ulmen, Hainbuchen, Kiefern, Eichen und Buchen in mäßiger Konzentration. Die Belastung durch Gräserpollen ist schwach. Gefühlte Temperatur: maximal 13Grad. Wind: schwach aus West. Wittenberge -1°/13° Min./Max. des 24h-Tages Brandenburg BERLIN 1°/13° 4°/13° Luckenwalde 2°/13° Prenzlau 1°/11° Cottbus 2°/14° Mittwoch Donnerstag Freitag wolkig Regen Regenschauer 5°/18° 11°/16° 8°/17° Frankfurt (Oder) 3°/14° Nordwestliche Winde haben weiterhin von der Nordsee kühle Schauerluft für Mitteleuropa im Gepäck. Südwestlich von Irland hat sich unterdessen Tief Yukon formiert, das Westeuropa ansteuert.Imzentralen Mittelmeerraum ist esebenfalls kühler geworden, doch die Schauerwolken sind zum westlichen Schwarzmeerraum weitergezogen. Sylt 3°/11° Hannover 0°/13° Köln 3°/15° Saarbrücken 2°/14° Konstanz 2°/18° Hamburg 1°/12° Erfurt 2°/11° Frankfurt/Main 6°/15° Stuttgart 3°/16° Rostock 4°/10° Magdeburg 2°/12° Nürnberg 2°/13° München 2°/17° Rügen 1°/11° Dresden 3°/10° Deutschland: Heute gehen gelegentlich Regenschauer nieder. Wolken und Sonne wechseln sich ab. Dabei werden während des Tages 10bis 18 Grad erreicht, nachts kühlt es dann auf 8bis 1Grad ab. Der Wind weht schwach aus West. Morgen fällt teilweise Regen aus dichten Wolken. Es stehen 14 bis 22Grad in Aussicht, und der Wind weht schwach bis mäßig aus Süd. Meerestemperaturen: Ostsee: 8°-11° Nordsee: 8°-10° Mittelmeer: 14°-23° Ost-Atlantik: 11°-16° Mondphasen: 12.05. 18.05. 26.05. 03.06. Sonnenaufgang: 05:24 Uhr Sonnenuntergang: 20:42 Uhr Mondaufgang: 07:10 Uhr Monduntergang: 23:36 Uhr Lissabon 21° Las Palmas 23° Madrid 24° Reykjavik 11° Dublin 13° London 15° Paris 16° Bordeaux 23° Palma 22° Algier 28° Nizza 18° Trondheim 7° Oslo 9° Stockholm 12° Kopenhagen 10° Berlin 13° Mailand 19° Tunis 22° Rom 17° Warschau 13° Wien 16° Budapest 16° Palermo 21° Kiruna 3° Oulu 11° Dubrovnik 18° Athen 22° St. Petersburg 10° Wilna 11° Kiew 20° Odessa 17° Varna 16° Istanbul 20° Iraklio 20° Archangelsk 11° Moskau 24° Ankara 18° Antalya 20° Acapulco 35° sonnig Bali 33° Gewitter Bangkok 39° wolkig Barbados 28° heiter Buenos Aires 18° bewölkt Casablanca 23° heiter Chicago 15° bewölkt Dakar 30° bewölkt Dubai 35° sonnig Hongkong 27° bedeckt Jerusalem 25° heiter Johannesburg 23° heiter Kairo 29° heiter Kapstadt 20° wolkig Los Angeles 16° bewölkt Manila 35° wolkig Miami 32° Gewitter Nairobi 27° wolkig Neu Delhi 42° sonnig New York 25° heiter Peking 29° heiter Perth 22° heiter Phuket 34° wolkig Rio de Janeiro 31° sonnig San Francisco 18° heiter Santo Domingo 31° wolkig Seychellen 31° heiter Singapur 35° heiter Sydney 24° sonnig Tokio 18° bedeckt Toronto 16° bewölkt


Berliner Zeitung · N ummer 104 · D ienstag, 7. Mai 2019 25 * ························································································································································································································································································· Berlin NACHRICHTEN Verdächtiger Gegenstand auf Bahngelände gesprengt Aufeinem Bahngelände hinter dem TierparkamRande vonBiesdorf– zwischen Lichtenbergund Marzahn-Hellersdorf–,ist am frühen Montagabend ein verdächtiger Gegenstand gesprengt worden. Der Gegenstand habe gefährlich ausgesehen und nach einem Röntgenbild habe der Verdacht auf Sprengstoff bestanden, sagte ein Polizeisprecher.Weil man den Gegenstand nicht vomOrt habe wegtransportierenkönnen, sei er vorsichtshalber dortgesprengt worden. Um was es sich handelte,werde noch untersucht. Während der Sprengaktion sei die B1 zwischen Alt-Friedrichsfelde und Gensinger Brücke zwischen 18.37 und 19.10 Uhrvoll gesperrtgewesen. Am späteren Abend seien die Sperrungen wieder aufgehoben worden. (dpa) RadioEins sendet keine Blitzer-Warnungen mehr DerSender RadioEins weist seit Montag in seinen Nachrichten nicht mehr auf Standorte vonBlitzernim Stadtgebiet hin. DieZahl der Unfälle sei im vergangenen Jahr in Berlin erneut gestiegen, auf den Straßen hätte es 144 000 Malgekracht, teilte der Sender dazu mit. Da Rasereieine der Hauptunfallursachen sei, wolle man Autofahrer nicht mehr dazu verleiten, „jenseits der Kontrollpunkte vermeintlich ungestraft aufs Gaspedal zu steigen“, wie Nachrichtenchef JanVesper erklärte.Hinzu komme,dass in letzter Zeit immer weniger Hinweise auf Blitzer vonHörerneingegangen seien. (sd.) Senatorin heißt nicht mehr Kolat, sondernKalayci Berlins Gesundheitssenatorin hat wieder geheiratet und heißt nun Dilek Kalayci. Dasgab die SPD-Politikerin, die zuvor den Nachnahmen Kolat getragen hatte,auf ihrem eigenen Twitter-Account bekannt. Die Senatsverwaltung bestätigte am Montag auf Nachfrage die Eheschließung der 52-Jährigen. AufTwitter postete die Senatorin auch ein Hochzeitsfoto.Dilek Kalayci war zuvormit Kenan Kolat, dem ehemaligen Bundesvorsitzenden der Türkischen Gemeinde in Deutschland, verheiratet. (dpa) Ab jetzt Dilek Kalayci: Die Gesundheitssenatorin hat geheiratet. KALAYCI LOTTO-QUOTEN Gewinnzahlen 1-19-24-29-35-42, Sz. 8 QUOTEN Klasse 1: Unbesetzt Klasse 2: Unbesetzt Klasse 3: 57 x13711,10 Euro Klasse 4: 474 x4946,40 Euro Klasse 5: 3556 x219,70 Euro Klasse 6: 29 321 x53,30 Euro Klasse 7: 68 317 x22,80 Euro Klasse 8: 587 785 x11,90 Euro Klasse 9: 552 024 x5,00 Euro Alle Angaben ohne Gewähr! Keine Diesel und Benziner mehr –nur Bahnen, Fußgänger,Radfahrer:Sostellen sich Klimaschützer das Berlin der Zukunft vor. Aktivisten rufen den Klimanotstand aus Berlin soll für Autos mit Verbrennungsmotoren gesperrt werden. Unterschriftensammlung hat begonnen VonPeter Neumann Wenn es nach Marko Dörreund seinen Mitstreitern ginge, dürften in einigen Jahren keine Fahrzeuge mit Benzin- oder Dieselantrieb mehr durch Berlin fahren. MitHilfe einer Volksinitiative wollen sie erreichen, dass 2019 auch in Berlin der Klimanotstand ausgerufen wird. „Als starker symbolischer Akt, dass das Thema ernst genommen wird“, sagte Dörre amMontag. „Die Berliner Landesregierung muss in den Krisenmodus umschalten. Noch in diesem Jahr müssen die Klimaschutzziele verschärft werden.“ Der Klimanotstand sei längst da, hieß es.„WennWälder brennen, Rinder verdursten, alte Leute an Hitzschlag im Sommer sterben –dann entscheiden wir heute über Tatoder Unterlassung. Weder Politik noch Öffentlichkeit sind darauf vorbereitet“, mahnte Radaktivist Heinrich Strößenreuther, der die Initiative als Vertrauensperson unterstützt. Grüne wollen Turbo einlegen „Wir müssen die Politiker zum Jagen tragen“, sagte Dörre und meinte damit auch Umweltsenatorin Regine Günther (parteilos, für Grüne). „Aktuell werden weder die Klimaschutzziele für 2020 noch das Pariser Übereinkommen eingehalten. Die sofortige drastische Reduzierung des VonMartin Klesmann Die Aufgabenstellungen sollen zu kompliziert, die Berechnungen zu schwierig gewesen sein. Abiturienten aus Berlin und mehreren anderen Bundesländern wehren sich gegen angeblich zu schwere Mathe- Aufgaben in der schriftlichen Abiturprüfung, die am vergangenen Freitag geschrieben wurden. „Die Aufgaben beim Mathematik-Abitur am Freitag waren viel zu schwer, genauso wie in anderen Bundesländern“, heißt es in einer Online-Petition von Schülern, die sich an den Regierenden Bürgermeister Michael Müller (SPD) richtet. Innerhalb eines Tages haben über 1000 Menschen unterschrieben. Deshalb sollen, so die Forderung der Schüler, die Klausuren weniger streng bewertet, die Bewertungsmaßstäbe nach oben korrigiert werden. Irgendwie verständlich, dass viele Abiturienten das unterschreiben, möchte man meinen. Doch was ist dran an der Kritik? Bei den schriftlichen Mathematik- Alarmstufe rot-rot-grün: Unter diesem Motto wollen Klimaschützer den Senat auf Trab bringen. Benötigt werden mindestens 20 000 Unterschriften für eine Volksinitiativezur Ausrufung des Klimanotstands in Berlin. Kohlendioxid-Ausstoßes ist nötig.“ Das Berliner Energie- und Klimaschutzprogramm reiche nicht aus. Um die Katastrophe zu verhindern, müsse der Ausstoß auf Null sinken. Dieses Ziel soll zwischen 2030 und 2035 erreicht werden. Dann sollte Berlin für Fahrzeuge mit Verbrennungsmotoren tabu sein, bekräftigte Dörre. „Wir fordern, dass Berlin sofort handelt, um den Treibhausgas- Ausstoß drastisch zu reduzieren.“ In Los Angeles und London wurde der „Climate Emergency“ bereits proklamiert. Im deutschsprachigen Raum sind Basel und Konstanz die Vorreiter.Damit Berlin bald folgt, werden jetzt Unterschriften für eine Volksinitiativegesammelt. Zu den Aktivisten gehören der Verein Changing Cities, die Grüne MEHR TEMPO IM SENAT Auch Schüler zugelassen: Unterschreiben darf jeder Berliner,der 16 Jahre und älter ist. Unterschriftenlisten gibt es unter der Adresse www.klimanotstand.berlin. Unterschriftensammlungen auf der Straße sind geplant. Viele Unterstützer: Beteiligt sind unter anderem Fridays For Future Berlin, Fossil Free Berlin, Parents4Future Berlin, die Deutsche Allianz Klimawandel &Gesundheit, Gruppe Berlin, Changing Cities und die Grüne Jugend. Jugend Berlin und der Ärzteverband IPPNW. Auch die Initiative „Fridays for Future“, die Schüler zu Demonstrationen aufruft, ist vertreten. Ob als nächste Stufe ein Volksbegehren folgt, sei noch nicht entschieden, sagte Dörre. Jetzt gehe es erst einmal um die Volksinitiative, für die bis Mitte August mindestens 20 000 gültige Unterschriften gesammelt werden sollen. Wenn sie zustande gekommen ist, muss das Abgeordnetenhaus öffentlich darüber beraten. Dörre ist Rechtsanwalt in Berlin. Seine Themen sind das Medien- und Jugendschutzrecht, zu seinen Mandanten gehören Webmaster und Firmen der Erotikbranche.Die Zukunft des Klimas bewegt ihn, seitdem er Vater von zwei Töchtern ist. „Es ist Zeit zu handeln“, so der 45-Jährige. Mathe-Abitur angeblich zu schwer Schülerproteste: Auch in Berlin starten Abiturienten eine Online-Petition Prüfungen, die in Berlin und Brandenburg als zentrale Prüfung gemeinsam geschrieben werden, können die Abiturienten zwischen zwei verschiedenen Aufgabenstellungen wählen. Einige Schüler berichten, dass im Analysis-Teil beide zur Auswahl stehenden Funktionen über dem Schwierigkeitsgrad der vergangenen Abiturprüfungen gelegen hätten. In einem anderem Fall mussten Schüler die bedingte Wahrscheinlichkeit mit Hilfe eines Würfelspiels ausrechnen. Das empfanden viele als sehr schwer verständlich. Undim Stochastik-Teil hatten einige arge Probleme, eine kumulierte Tabelle zu begreifen. Um die Note 4glatt zu erreichen, müssen Abiturienten derzeit mindestens 45 Prozent der Aufgaben lösen. Ralf Treptow, der Vorsitzende des Berliner Gymnasialschulleiterverbandes, widersprach den Schülern am Montag.„Aus meiner Sicht waren die Mathe-Aufgaben nicht zu schwer“, sagte Treptow, Direktor des Pankower Rosa-Luxemburg-Gymnasiums und selbst Mathe-Lehrer. So lange es aber keine zentralen Mathe-Prüfungen für ganz Deutschland gebe,würden die Beschwerden über die Abi-Aufgaben weiter zunehmen. Online-Petitionen seien ja schnell geschrieben. „Gegenwärtig gibt es für Berlin keine Anhaltspunkte, dass unmittelbare Konsequenzen notwendig sind“ sagte Thorsten Metter vonder Bildungsverwaltung. Er wies aber darauf hin, dass in der Vergangenheit häufig behauptet worden sei, die Berliner Abi-Prüfungen würden immer einfacher. Unmut in vielen Bundesländern Berlin hat allerdings seit vielen Jahren massive Probleme, überhaupt genug qualifizierte Mathe-Lehrer zu finden. In Mathematik und den naturwissenschaftlichen Fächern werden besonders viele Quereinsteiger eingesetzt. Auch in Bayern, Bremen Niedersachsen, Hamburg, Thüringen, Sachsen-Anhalt und weiteren Bundesländern gab es Schülerproteste und Online-Petitionen. „Es wurde eine hohe Anzahl an Aufgaben ge- GETTY IMAGES/ DENNIS JOSEPH „Wir müssen mit den Koalitionspartnern darüber sprechen, wie wir beim Klimaschutz endlich den Turbo einlegen können“, sagte Georg Kössler von den Grünen. Auch Berlin reduziert seine Emissionen noch nicht schnell genug. „Wir finden es gut, wenn die Berlinerinnen und Berliner die Volksinitiative mit ihrer Unterschrift unterstützen und so ein Zeichen setzen“, so Tilmann Heuser vom Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND). Zwar seien Klimaschutzziele in Landesgesetzen verankert. Doch es fehle ein Konzept zur Beschränkung des „klimaschädlichen Luftverkehrs“. „Aktionistisches Mittel“ Oliver Friederici (CDU) sieht die Initiative dagegen als ein „aktionistisches Mittel, sich beim Thema Klima Gehör verschaffen zu wollen“. Bauprojekte unterstünden langen Verfahren, die jetzigen Regularien seien ausreichend. „Der Klimaschutz wird nicht dadurch befördert, dass man immer drastischere Begriffe wählt und sich immer stärker empört, sonderndadurch, dass mit kühlem Kopf diejenigen Maßnahmen umgesetzt werden, die zur Einhaltung der verbindlichen Klimaziele notwendig sind“, sagte Henner Schmidt (FDP). Es fehle nicht an ehrgeizigen Zielen und dramatischen Stellungnahmen –esfehle an einer zielgerichteten Umsetzung und an klugen Ideen. stellt, die so in ihrer Ausfertigung nur schwer lösbar und nicht schülergerecht konzipiert wurden“, hieß es in der Petition aus Niedersachsen, die über 10 000 Personen unterzeichneten. MehrereKultusministerien kündigten eine Überprüfung an. Auch Brandenburg gehe den Schülerbeschwerden nach, sagte der Potsdanmer Ministeriumssprecher Ralph Kotsch. Der Präsident des Deutschen Lehrerverbandes,Heinz-Peter Meidinger,berichtet indes,dass sich die Prüfungsergebnisse in Bayern zumindest nach ersten Erkenntnissen im durchschnittlichen Bereich bewegen würden. In Berlin und Brandenburggibt es gemeinsame Lehrerkommissionen, die die Aufgabenvorschläge entwickeln. Diese Aufgaben werden auch geheim getestet. Sie orientieren sich an den Bildungsstandards der Kultusministerkonferenz. Dabei haben die Bundesländer aber noch gewisse Gestaltungsmöglichkeiten. Seit 2017 nutzen die Bundesländer zudem den allgemeinen, länderübergreifenden Aufgabenpool. Radikale sollen Ex-Radikale betreuen Staatssekretär: „Die werden nicht bei den Jusos eintreten“ Umdie Gefahr islamistischen Terrors zu bekämpfen, prüft der Senat einen ungewöhnlichen Weg. So könnte es passieren, dass sich um die Rückkehrer aus Kampfgebieten wie Syrien und dem Irak bald nicht nur deutsche Sozialarbeiter kümmern. DieInnenverwaltung überlegt, ob sie Vereine, die den radikalen Muslimbrüdern nahestehen, in die spätere Betreuung einbindet –allerdings erst, nachdem die Rückkehrer von deutschen Sozialarbeitern deradikalisiert wurden und nicht gewaltbereit sind. Die Muslimbrüder werden vom Verfassungsschutz beobachtet und gelten als „legalistische“ Islamisten, weil sie die Anwendung von Gewalt ablehnen. Mit dem Prozess der Deradikalisierung vonRückkehrernsollen sie nach Angaben des Senats nichts zu tun bekommen. Laut Innenstaatssekretär Torsten Akmann (SPD) am Montag im Innenausschuss des Abgeordnetenhauses sind in Berlin mehr als 1000 Salafisten bekannt. Knapp die Hälfte gilt als gewaltbereit. DieBehörde registrierte 130 Ausreisen in Krisengebiete. Etwa 60 Personen sind zurückgekehrt.„Die Rückkehrer sind sehr heterogen“, sagte Akmann. „Nicht alle sind hoch radikalisiert. Es gibt auch Mitläufer und Familien mit Kindern.“ Laut Akmann raten Akteure wie das „Violence Prevention Network“, die sich um Rückkehrer kümmern, dazu, dass sich deradikalisierte Personen irgendwo aufgenommen fühlen müssen. „Die werden sicherlich nicht in die Junge Union oder bei den Jusos eintreten“, sagte er. „Deshalb steht die Frage: Wo lassen wir sie? Da sind wir gerade in der Prüfung, ob man mit diesem Bereich spricht.“ Bereits im März hatte Innensenator Andreas Geisel (SPD) im Abgeordnetenhaus über die sogenannten Legalisten gesagt: „Das sind keine Freunde der freiheitlich-demokratischen Grundordnung.“ Aber es seien Menschen, die „ganz deutlich erklären“, dass sie Gewalt ablehnen. Deshalb sei es ein sinnvoller Schritt, diese Strukturen zu nutzen, um Menschen, die vorher gewaltbereit waren, „zumindest erstmal in das nicht gewaltbereite Spektrum zu überführen“. In der Innenverwaltung wurde inzwischen eine Arbeitsgruppe zur strategischen Steuerung für Deradikalisierung eingerichtet. Sie erarbeitet ein Konzept zur Bekämpfung des islamistischen Terrors. Laut Akmann ist für 2020 „die größte Antiterror-Übung Berlins“ geplant. (kop.) Restaurant will AfD-Spitze nicht bewirten Absage für Tischbestellung in Mitte Ein Restaurant in Mitte hat sich geweigert, AfD-Spitzenpolitiker zu empfangen. Eine Tischbestellung für Montagabend sei abgewiesen worden, teilte das Restaurant auf Anfrage mit. An dem Essen hätten Parteichef Jörg Meuthen, Partei- und Fraktionschef Alexander Gauland, Co-Fraktionschefin Alice Weidel und der parlamentarische Geschäftsführer Bernd Baumann teilnehmen sollen, wie Fraktionssprecher Christian Lüth sagte. Auf die Frage nach dem Grund für die Absage betonte einer der Betriebsleiter des Restaurants Bocca di Bacco,Martin Birnbaum, es gebe die Annahme, dass Mitglieder der AfD-Fraktion Menschen aufgrund ihrer Herkunft „diskriminierenund diskreditieren“. (dpa)


26 Berliner Zeitung · N ummer 104 · D ienstag, 7. Mai 2019 ························································································································································································································································································· Tagestipp KALENDER KALENDER BÜHNE Berliner Ensemble (✆ 28 40 81 55) 19.30: Endspiel 20.00 Kleines Haus: Aufder Straße Deutsches Theater (✆ 28 44 12 25) 19.30: Der Menschenfeind DT-Kammerspiele (✆ 28 44 12 25) 19.00: ugly duckling HAU2(✆25 90 04 27) 20.30: Fúria (Wut) (Companhia de Danças) Haus der Berliner Festspiele (✆ 25 48 91 00) 17.00, 21.00: Theatertreffen: GirlFrom The Fog Machine Factory 17.00: Theatertreffen: Die Burg der Assassinen 18.30: Theatertreffen: Fall on Pluto Komödie am Kurfürstendamm im Schiller Theater (✆ 88 59 11 88) 20.00: Unterleuten RambaZamba Theater (✆ 44 04 90 44) 19.30: MobyDick Renaissance-Theater (✆ 312 42 02) 20.00: Ewig Jung Schaubühne (✆ 89 00 23) 19.30, 19.30: Der Fremde Schlosspark Theater (✆ 78 95 66 71 00) 20.00: SonnyBoys ufaFabrik (✆ 75 50 30) 20.00: Chen Hsi-Huang Traditional Glove Puppet Troupe Volksbühne Berlin (✆ 24 06 57 77) 19.00, 21.30: Coming Society KABARETT/VARIETÉ Bar jeder Vernunft (✆ 883 15 82) 20.00: Liebén (Vladimir Korneev) Cafe Spreeblick /Zille Stube (✆ 242 52 47) 15.00: Mit Zille in der juten Stube (Albrecht Hoffmann). Anm. erf. Distel (✆ 204 47 04) 20.00: Zwei Zimmer,Küche: Staat! Friedrichstadt-Palast (✆ 23 26 23 26) 19.30: Vivid StageBluemax Theater (✆ 018 05 44 44) 20.00: Blue Man Group –The Show StageTheater des Westens (✆ 018 05 44 44) 19.30: The Band –Das Musical TIPI am Kanzleramt (✆ 39 06 65 50) 20.00: Dominique Horwitz singtBrel Wühlmäuse (✆ 30 67 30 11) 20.00: Und wie war dein Tag, Schatz? (Hans Gerzlich) KLASSIK Philharmonie (✆ 25 48 83 01) 13.00 Foyer: Martin Stegner (Viola), TomokoTakahashi (Klavier), Lunchkonzert, Werkevon Johannes Brahms Philharmonie/Kammermusiksaal (✆ 25 48 81 32) 20.00: Seong-Jin Cho, Seong-Jin Cho Staatsoper Unter den Linden (✆ 20 35 45 55) 20.00 Apollosaal: Musiker*innen der Staatskapelle Berlin, KammerkonzertVIII, Ravel: Introduktion und Allegro für Harfe, Flöte, Klarinette und Streichquartett; Prokofjew: Prelude Op. 12 Nr.7für Harfe solo; Bartók: Rumänische Tänze für Harfe und Viola; Martinu: Drei Madrigale für Violine undViola;Dvorák: Klavierquintett Nr.2A-Dur op. 81 KINDER Atze Musiktheater (✆ 81 79 91 88) 10.00 Studio: Hans im Glück (ab 6bis 10 J.) 10.30: DieMinisterpräsidentin (ab 9J.) Chamäleon (✆ 400 05 90) 20.00: Memories of Fools, Cirk La Putyka (ab 6J.) Dasweite Theater (✆ 991 79 27) 10.00: DieLegende vonWilhelm Tell, Weltliteratur mit Objekten und Material (ab 9J.) Der Schauspieler,Schriftsteller und Chansonnier Dominique Horwitz. Chanson Verlass mich nicht ANKE NEUGEBAUER Der Schauspieler Dominique Horwitz wurde 1957 in Parisgeboren. Es ist unmöglich, dann nicht mit dem Chansonnier Jaques Brel vertraut zu sein, mit seinen Chansons wie „Nemequitte pas“, „Amsterdam“, „Quand on aque l’amour“. Dass Horwitz selbst Brel singt, ist einem Zufall zu verdanken. Er sollte bei einemTheaterfest einen Beitrag leisten und trug ohne groß nachzudenken ein paar von Brels Liedern vor. Mit großem Erfolg. Seitdem hat er Brel immer wieder gesungen. Es gefällt ihm, dass bei Brel um die ganz großen Themen geht, Liebe,Enttäuschung, das Leben eben. Susanne Lenz DominiqueHorwitz singt Brel 7.–11. Maium20Uhr,12. Mai um 19 Uhr, Tipi im Kanzleramt, GroßeQuerallee,Kartentelefon:39066550 Die Wiesenburg (Wiesenstr.55) 10.00: Paired [Paarweise], KUDU Productions, Performance (ab 2J.) Grips Podewil (✆ 39 74 74 77) 10.00: Vier sind hier (ab 2J.) LiteraturhausBerlin (✆ 88 72 86 -0) 10.00: Junges Literaturhaus: Das Mauerschweinchen, Katja Ludwig,Reihe: Geteilte Geschichte(n) Puppentheater Berlin (✆ 342 19 50) 10.00: Hänschen klein...(ab 3J.) Schaubude Puppentheater (✆ 423 43 14) 10.00: SSST!, florschütz &döhnert, Theater mit Puppen, Objektenund Live-Musik (ab2bis 5J.) Zeiss-Großplanetarium (✆ /42 18 45 10) 11.00: Mit Raketen zu Planeten 14.00: Raumschiff Erde LITERATUR/VORTRAG Buchhandlung Braun &Hassenpflug (✆ 802 93 04) 20.00: Ich binÖzlem, Dilek Güngör, Lesung und Gespräch exploratorium berlin (✆ 84 72 10 52) 18.00: Lesezirkel Improvisationsliteratur,mit Reinhard Gagel. Anm. erf. Haus für Poesie (✆ 48 52 45 -0) 19.30: OstseedialogeIV, Dimitri Dragilew, Galina Rymbu, Moderation: Hendrik Jackson Lido (✆ 69 56 68 40) 20.00: Kreuzberg Slam,Noah Klaus, Maik Martschinkowski, Christian Ritter,Eva Mirasol Literarisches Colloquium Berlin (✆ 816 99 60) 19.30: Kafkas letzter Prozess, Lesung und Gespräch mit Benjamin Balintund ReinerStach Literaturforum im Brecht-Haus (✆ 2822003) 20.00: Erzählte Zeit: Erinnerteuch an mich. Über Nestor Machno, Mark Zak, Buchvorstellung und Gespräch mit Annett Gröschner und dem Autor Literaturhaus Berlin (✆ 88 72 86 -0) 19.30: Tschechien für Fortgeschrittene, mit Sylva Fischerová, Zuzana Lazarová und Natálie Paterová, Lesungen und Musik, Mod.: UlrikeAlmut Sandig Pfefferberg Theater (✆ 939 35 85 55) 20.00: Literatur Live: Ost-Berlin. 30 Erkundungen., Buchpremiere und Gespräch mit Jürgen Danyel, Marion Brasch, Peter Pragal und Regine Sylvester Schokoladen Mitte (✆ 282 65 27) 20.30: LSD–Liebe Statt Drogen KONZERT b-flat (✆ 283 31 23) 21.00: Luca Sisera Roofer,StarlexComplex Berghain/Kantine (Rüdersdorfer Str.70) 20.30: Barrie, Children DT-Kammerspiele (✆ 28 44 12 25) 21.00 Bar:Popsalon: Sascha Ring (Apparat) Gretchen (✆ 25 92 27 02) 21.00: La Yegros Heimathafen Neukölln (✆ 56 82 13 33) 21.00: Selig spielt „Selig“ Huxleys Neue Welt (✆ 301 06 80 88) 20.30: Christina Stürmer Mercedes-Benz Arena (✆ 20 60 70 88 99) 20.00: David Garrett mit Bandund der Neuen Philharmonie Frankfurt Quasimodo (✆ 318 04 56 70) 22.30: Joao Bosco Quartet VertiMusic Hall (✆ 20 60 70 88 11) 20.30: Capital Bra Volksbühne Berlin (✆ 24 06 57 77) 21.00 Roter Salon: Lolina (IngaCopeland), Jako Maron (NyegeNyege) BALLROOM Clärchens Ballhaus (✆ 282 92 95) 21.00 Spiegelsaal: Argentinischer Tango, Gaia, Leandro KINO CHARLOTTENBURG Astor Film Lounge (✆ 883 8551) Der Fall Collini 15.00,17.45, 20.30 Cinema Paris (✆ 881 3119) Der Flohmarkt von Madame Claire (OmU) 13.30; Van Gogh: An der Schwelle zur Ewigkeit 15.45, 20.30; Der Flohmarkt von Madame Claire 18.15 Delphi Filmpalast (✆ 312 10 26) Der Flohmarkt vonMadameClaire 15.40,20.30; Monsieur Claude II 18.00 Delphi LUX (✆ 322 93 10 40)Atlas 13.30,15.50, 18.10, 20.30; Avengers: Endgame (OF) 16.15, 20.00; Das schönste Paar 13.45, 16.00, 18.20, 20.40; Liebesfilm 15.00, 17.00, 19.00, 21.00; Tea with the Dames: Ein unvergesslicher Nachmittag – Nothing Like aDame (OmU) 14.15, 17.00; Border 14.30, 19.00, 21.30; Van Gogh: An der Schwelle zur Ewigkeit 13.40, 18.30; Fighting with MyFamily (OmU) 16.00, 21.00; Christo –Walking onWater (OmU)15.30, 17.45; GreenBook –Einebesondere Freundschaft (OmU) 20.00 Filmkunst 66 (✆ 882 17 53) Zujeder Zeit: Lernwege in der Pflege – De chaque instant (OmU) 17.45; Ein letzter Job 20.00; Tea with the Dames: Ein unvergesslicher Nachmittag 18.00; The Sisters Brothers 20.15 Kant Kino (✆ 319 98 66) Monsieur Claude II 15.50, 18.10, 20.30; Royal Corgi: Der Liebling der Queen 14.10, 16.10; Ein Gauner & Gentleman 18.15, 20.30; Tea with the Dames: Ein unvergesslicher Nachmittag 14.50, 16.50, 18.50; The Favourite –Intrigen und Irrsinn 20.50; Die Berufung: Ihr Kampf für Gerechtigkeit 14.45, 20.00; Vice –Der zweite Mann 17.15; Wie ich lernte, bei mir selbst Kind zusein 14.20; Green Book –Eine besondere Freundschaft 17.15 Zoo Palast (✆ 018 05/22 29 66) 3D: Avengers: Endgame 13.00; 3D: Avengers: Endgame 12.00, 16.00,20.00; DerFall Collini 13.15;Avengers: Endgame 16.10;RosaLuxemburg 20.00; 3D: Avengers: Endgame 22.45; 3D: Captain Marvel 14.10; Der Fall Collini 17.00, 19.45; 3D: Avengers: Endgame (OF) 22.35; Dumbo 14.00; 3D: Avengers: Endgame (OF) 16.30, 20.30; Green Book –Eine besondere Freundschaft 12.15; Willkommen im Wunder Park 15.00; After Passion 17.15, 19.45; Avengers: Endgame 22.15; Van Gogh: An der Schwelle zur Ewigkeit 12.30, 15.00, 20.15;Ein letzterJob 17.40; Der Fall Collini 22.50 FRIEDRICHSHAIN b-ware!Ladenkino (✆ 20 07 88 88) Das schönste Paar 11.00; Birds Of Passage: Das grüne Gold der Wayuu –Pajaros de verano (OmU) 13.00; Willkommen im Wunder Park 15.00; Bohemian Rhapsody (OmU) 16.30; Berlin Bouncer (OmenglU) 18.45; Border –Gräns (OmU) 20.15; Der Goldene Handschuh 22.10; Gegen den Strom –Kona fer istrio (OmU) 11.00; Another Day ofLife –Jeszcze dzien zycia (OmU) 12.45; 25km/h 14.15; Royal Corgi: Der Liebling der Queen 16.15; Ein letzter Job – King ofThieves (OmU) 18.00; Das schönste Paar 19.50;One Cut of the Dead 21.40; RoyalCorgi: Der Liebling der Queen 11.00; Vice –Der zweite Mann (OmU) 12.30; Der Junge muss andie frische Luft 14.50; Green Book –Eine besondere Freundschaft (OmU) 16.30; Free Solo 18.45; Van Gogh: An der Schwellezur Ewigkeit20.30; TheHoleinthe Ground (OmU) 22.30 Tilsiter-Lichtspiele (✆ 426 8129) Christo –Walking on Water (OmU) 16.00; Free Solo (OmU) 18.00; Ein Gauner &Gentleman –The Old Man &the Gun (OmU) 20.00; Wir –Us (OmU) 21.50; Spreeland. Fontane 16.10; Der Funktionär 17.45; Christo –Walking onWater (OmU) 19.15; Lacasa lobo –DasWolfshaus (OmU) 21.15 UCI Luxe Kino Mercedes-Platz IMAX 3D: Wildes Madagaskar: Die Insel der Lemuren 13.45; Dumbo 13.45, 16.30; Die Goldfische 13.45; Willkommen im Wunder Park 14.00; 3D: Avengers: Endgame 14.00, 16.15, 18.30, 20.30; Royal Corgi: Der Liebling der Queen 14.15; 3D: Avengers: Endgame (OF) 14.30, 18.45; Asterix und das Geheimnis des Zaubertranks 14.30; Monsieur Claude II14.45,17.15, 19.30; IMAX 3D: Avengers: Endgame 15.00; Avengers: Endgame 15.15, 16.30, 19.30, 19.45; Der Fall Collini 15.30, 18.40, 21.30; Shazam! 15.40; Die sagenhaften Vier –Marnies Welt 15.45; After Passion 15.50, 18.30, 21.15; Im Netz der Versuchung 16.45, 19.30; 3D: Royal Corgi: Der Liebling der Queen 17.00; Wenn du König wärst 18.00; 3D: Captain Marvel 18.20; IMAX 3D: Avengers: Endgame (OF) 19.00; Friedhof der Kuscheltiere 20.00; Ein letzter Job 20.30; Captain Marvel 20.50; The Hole inthe Ground 21.10 Zukunft (✆ 01 76/57861079) #Female Pleasure (OmU) 18.00; Berlin Bouncer (OmU) 20.00; Birds Of Passage: Das grüne Gold der Wayuu –Pajaros de verano (OmU) 21.45; Asche ist reines Weiß –Ash Is Purest White (OmU) 18.00; Liebesfilm 20.30; One Cut ofthe Dead –Kamera otomeru na! (OmU) 22.10 HELLERSDORF CineStar (✆ 04 51/703 02 00) Avengers: Endgame 13.10, 16.30, 19.45; Dumbo 13.15; 3D: Avengers: Endgame 13.45, 16.00, 20.15; Wenn du König wärst 14.00; Royal Corgi 14.15, 17.40; Alfons Zitterbacke –Das Chaos ist zurück 14.20; Willkommen imWunder Park 14.45, 17.00; 3D: Shazam! 16.50; Monsieur Claude II17.00, 20.15; After Passion 17.20, 20.20; 3D: Captain Marvel 19.40; Friedhof der Kuscheltiere 19.50; Der Fall Collini 20.00 Kino Kiste (✆ 998 74 81) Van Gogh: An der Schwelle zur Ewigkeit 14.00; Rocca verändert die Welt 16.00; Hi, AI –Liebesgeschichten aus der Zukunft 18.00; Monsieur Claude II 20.00 HOHENSCHÖNHAUSEN CineMotion (✆ 038 71/211 41 09) 3D: Avengers: Endgame 14.00, 16.20, 20.00; Unheimlich perfekte Freunde 14.10; Wenn du König wärst 14.20; Royal Corgi: Der Liebling der Queen 14.20, 17.15; Dumbo 14.40, 17.00; Willkommen im Wunder Park 14.45, 17.40; Die sagenhaften Vier14.50; Avengers: Endgame 15.00, 16.30, 19.45; Alfons Zitterbacke 15.10; After Passion 17.10; Fighting with My Family 17.20, 19.50; Die Goldfische 17.30; Captain Marvel 19.30; Der Fall Collini 19.40; Friedhof der Kuscheltiere19.50;Lloronas Fluch 20.00; Monsieur ClaudeII20.10;The Holeinthe Ground20.20 KREUZBERG Babylon (✆ 61 60 96 93) A Van Gogh: An der Schwelle zur Ewigkeit –AtEternity‘s Gate (OmU) 17.00, 19.30, 22.00; B Atlas 16.45, 19.00,21.15 fsk amOranienplatz (✆ 614 2464) Zu jeder Zeit: Lernwege inder Pflege (OmU) 18.00; AMan of Integrity (OmU) 19.15; Streik –Statschka (OmU) 20.15; First Reformed (OmU) 21.30 Moviemento (✆ 6924785) TheHoleinthe Ground (OmU) 14.00, 18.15, 20.30, 22.45; Checker Tobi und das Geheimnis unseres Planeten 16.15;Alfons Zitterbacke –Das Chaos ist zurück 10.00, 16.45; Die Winzlinge: Abenteuer in der Karibik 12.15; Die sagenhaften Vier –Marnies Welt 14.30; Monsieur Claude II –Qu‘est-ce qu‘on aencore fait au Bon Dieu? (OmU) 19.00; Birds OfPassage: Das grüne Gold der Wayuu –Pajaros de verano (OmU) 21.15; Monsieur Claude II–Qu‘est-ce qu‘on aencore fait au Bon Dieu? (OmU) 10.45; Border –Gräns (OmU) 13.00,20.00; Unheimlich perfekte Freunde 15.30; Zu jeder Zeit: Lernwege inder Pflege –Dechaque instant (OmU) 17.45; The Favourite (OmU) 22.30 Sputnik (✆ 694 11 47) Der illegale Film (OmU) 18.00; Ein Gauner &Gentleman 19.45; Birds Of Passage: Das grüne Gold der Wayuu –Pajaros de verano (OmU) 21.30; Free Solo (OmU) 18.00; Die Berufung: IhrKampf fürGerechtigkeit –Onthe Basis of Sex (OmU) 19.45; Vice –Der zweite Mann (OmU) 21.45; Kinobar im Sputnik Filmclub (OmU) 20.30 Yorck (✆ 78 91 32 40) Royal Corgi: Der Liebling der Queen 15.30; Van Gogh: An der Schwelle zur Ewigkeit 17.30, 20.00; New Der Flohmarkt von Madame Claire 14.30, 18.50; Monsieur Claude II 16.40,21.00 KÖPENICK Kino Spreehöfe (✆ 538 9590) Royal Corgi: Der Liebling der Queen 14.00, 16.00; Avengers: Endgame 14.00, 19.45; Willkommen im Wunder Park 14.45; Alfons Zitterbacke –Das Chaos ist zurück 14.45; 3D: Avengers: Endgame 15.30, 16.45, 19.30; Der Fall Collini 17.00, 20.15; After Passion 17.45; Monsieur Claude II 18.00, 20.15; Die Goldfische 20.30 Union Filmtheater (✆ 65 01 31 41) Der Flohmarkt von Madame Claire 13.00;Van Gogh: An der Schwelle zur Ewigkeit 13.30; Ein letzter Job 13.30, 20.00; Unheimlich perfekte Freunde 15.15; 3D: Avengers: Endgame 16.00, 20.00; Asterix und das Geheimnis des Zaubertranks 16.00; Niemandsland –The Aftermath 17.30; Der illegale Film 18.00;Tea with the Dames: Ein unvergesslicher Nachmittag 20.00 MARZAHN UCI Kinowelt am Eastgate (✆ 93 03 02 60) Wenn du König wärst 14.00; 3D: Avengers: Endgame 14.00, 16.15, 18.30, 20.30; Shazam! 14.10; Dumbo 14.15, 17.00; Drachenzähmen leicht gemacht 3: Die geheime Welt 14.15; Royal Corgi: Der Liebling der Queen 14.30; Avengers: Endgame 15.15, 19.30; Die Goldfische 16.45; The Hole in the Ground 17.00; 3D: RoyalCorgi: Der Liebling der Queen 17.00; Captain Marvel 17.10, 20.00; Der Fall Collini 20.00; After Passion 20.00; Monsieur Claude II 20.15; Sneak Preview 20.30 MITTE Acud (✆ 44 35 94 98) DiesagenhaftenVier –Marnies Welt 17.00; Another Day ofLife 19.00; Vom Bauen der Zukunft –100 Jahre Bauhaus (OmU) 18.00; Yuli (OmU) 20.00; Of Fathers and Sons – Die Kinder des Kalifats (OmU) 21.45 Babylon (✆ 242 5969) Spain in aWeek: El autor (OmenglU) 17.30; Spain inaWeek: Spain in a Day (OmenglU) 17.45; Spain inaWeek: Dreaming of aPlace (OmenglU) 18.30; Spain inaWeek: Wir sind Champions (OmU) 19.30; Spain inaWeek: Diana (OmenglU) 19.45; Spain in aWeek: Carmen &Lola (OmenglU) 20.00; Spain in aWeek: Lucias Reise (OmenglU) 21.45; Spain in aWeek: Julia ist (OmenglU) 22.00; Spain inaWeek: La propera pell (OmenglU) 22.00 Central Hackescher Markt (✆ 28 59 99 73) The Hole in the Ground (OmU) 14.00, 18.15; Alfons Zitterbacke 16.00; Border (OmU) 20.30; Almanya 9.45; Checker Tobi 12.45; Monsieur Claude II (OmU) 14.30, 19.00; Border (OmU) 16.30; The Hole in the Ground (OmU) 21.15 CineStar CUBIX (✆ 04 51/703 02 00) Royal Corgi: Der Liebling der Queen 11.00, 13.15, 15.00; Maschaund der Bär 11.00;3D: Avengers: Endgame 11.00,12.00,14.30,16.00,19.00,20.00,22.20; 3D:Dumbo 11.10; 3D: Willkommen im Wunder Park 11.30; Alfons Zitterbacke 11.45; Asterix 12.20; Avengers: Endgame 13.00, 17.00, 21.00; Fighting with My Family 13.50, 16.30, 19.20; Wenn duKönig wärst 14.00; After Passion14.10, 17.20, 20.00, 23.00; Willkommen im Wunder Park 14.40; Monsieur Claude II 15.30, 18.00, 19.45; Der Fall Collini 16.50, 19.50; Captain Marvel 16.50; Shazam! 17.00; ImNetz der Versuchung 20.20, 23.15; The Hole in the Ground 20.30,23.00; Wir 22.30; Friedhof der Kuscheltiere 22.40; Lloronas Fluch 23.15 Hackesche Höfe (✆ 283 4603) Niemandsland (OmU) 14.45; Das schönste Paar 17.00, 19.00; Atlas 21.00; Berlin Babylon (Omdt+englU) 14.30; VanGogh (OmU)16.30,19.00;Ayka(OmU) 21.15; Der Funktionär 14.30; Wie ich lernte, bei mir selbst Kind zu sein 16.15, 19.15; Green Book (OmU) 22.15; Christo (OmU) 15.15; Der Flohmarkt von Madame Claire (OmU) 17.30, 19.30; Free Solo (OmU)21.30; Berlin Bouncer (OmU)15.00,21.30; Auch Leben ist eine Kunst 17.00; Streik (OmU) 19.00 International (✆ 24 75 60 11) Van Gogh: An der Schwelle zur Ewigkeit 14.45, 19.30; Der Flohmarkt von Madame Claire 17.15; Siegessäule und Teddy präs.MonGay: Ein Weg 22.00 Z-inema (✆ 28 38 91 21) Desierto entumente – Desert inYour Mind (OmenglU) 20.00 Zeughauskino (✆ 20 30 47 70) Wilhelm Dieterle: Die Weber 20.00 NEUKÖLLN Cineplex NeuköllnArcaden (✆ 01 80/505 0644) Wenn du König wärst 14.10; Misfit 14.10; Willkommen imWunder Park 14.15, 16.50; Rafadan Tayfa: Dehliz Macerasi (OmU) 14.15; Dumbo 14.15, 16.50; Royal Corgi: Der Liebling der Queen 14.30; Avengers: Endgame 14.30, 15.00, 18.30, 19.00, 19.45; 3D: Avengers: Endgame 16.00, 20.00; Shazam! 16.25; Monsieur Claude II16.30; Der Fall Collini 16.40, 19.30; After Passion 17.00; Hababam sinifi yeniden (OmU) 19.15; The Hole in the Ground 19.30; Lloronas Fluch 19.30; Avengers: Endgame (OF) 19.45 IL KINO (✆ 91 70 29 19)Van Gogh (OmU) 10.00; Streik(OmenglU)12.15, 18.15; DerFunktionär (DFmenglU) 14.30; Birds OfPassage: Das grüne Gold der Wayuu –Pajaros de verano (OmU) 16.00; AMan of Integrity (OmU) 20.20; Border (OmU) 22.30 Neues Off (✆ 62 70 95 50) Fighting with My Family (OmU) 16.30,19.00, 21.30 Passage (✆ 68 23 70 18) Das schönste Paar 16.00,18.15,20.30,22.20;Sneak Preview 22.30; Wie ich lernte, bei mir selbst Kind zu sein 17.10; Border 20.30; Atlas 17.40, 20.00; Liebesfilm 16.00,18.00,20.00 Rollberg (✆ 62 70 46 45) Avengers: Endgame (OF) 16.00, 19.45; Avengers: Endgame (OF) 17.30, 21.15; Tea with the Dames: Ein unvergesslicher Nachmittag –Nothing Like aDame (OmU) 16.00; TheHole in the Ground (OF) 18.00,22.20; TheHole in the Ground (OmU) 20.10; Im Netz der Versuchung –Serenity (OmU) 17.00, 19.20, 21.40; Free Solo (OF) 17.15; Border –Gräns (OmU) 20.10; Wir –Us(OF) 22.30 UCI Luxe Gropius Passagen (✆ 66 68 12 34) 3D: Avengers: Endgame 14.15, 16.15, 18.30, 20.30; Dumbo 14.30; Royal Corgi: Der Liebling der Queen 14.40; Willkommen im Wunder Park 14.50; Avengers: Endgame15.15, 19.30; DerFall Collini 17.00, 20.00; Shazam! 17.10; 3D: Royal Corgi: Der Liebling der Queen 17.30; Monsieur Claude II19.45; After Passion 20.15 Wolf (✆ 921 03 93 33) Baby Wolfgang präsentiert: Liebesfilm (OmenglU) 11.00; Birds Of Passage: Das grüne Gold der Wayuu –Pajaros de verano (OmU) 12.10;AMan of Integrity: Einintegerer Mann(OmU) 13.40, 21.00; Bildbuch 14.30; Kommissar Gordon &Buffy 16.00; Tito, der Professor und die Aliens 16.20;Mid90s(OmU)17.20; Border(OmU) 18.50; Zu jeder Zeit: Lernwege inder Pflege (OmU) 19.00; Liebesfilm (OF) 21.10 PANKOW Blauer Stern Pankow (✆ 47 61 18 98) Royal Corgi: Der Liebling der Queen 13.45, 15.45; Der Flohmarkt von Madame Claire 16.00, 17.45; Van Gogh: An der Schwelle zur Ewigkeit 20.00; Alfons Zitterbacke –Das Chaos ist zurück 14.00; Monsieur Claude II 18.15, 20.30 PRENZLAUER BERG FT am Friedrichshain (✆ 42 84 51 88) Avengers: Endgame(OmU) 16.15, 20.00; Atlas 15.30,17.40, 20.30; Royal Corgi: Der Liebling der Queen 14.15, 16.15; Liebesfilm 19.00; Fighting with My Family (OmU) 21.15; Das schönste Paar 14.00, 16.45, 21.00; Der Flohmarkt von Madame Claire 14.30, 19.00; Alfons Zitterbacke 14.30; Van Gogh 16.30; Monsieur Claude II 18.15 Kino in der Kulturbrauerei (✆ 04 51/703 02 00) Royal Corgi: Der Liebling der Queen 13.45, 15.50; Dumbo 13.45; Wenn du König wärst 14.00; Die Goldfische14.00;Das schönste Paar 14.20,19.00; Alfons Zitterbacke –Das Chaos ist zurück 14.30; Monsieur Claude II 14.50; Avengers: Endgame (OmU) 15.30,17.00, 19.45, 21.15; Der Fall Collini 16.30, 20.00; Shazam! (OmU) 16.40, 22.40; Der Flohmarkt von Madame Claire 16.40, 20.15; Green Book –Eine besondere Freundschaft 16.50; Van Gogh: An der Schwelle zur Ewigkeit 17.20, 19.45; Tea with the Dames: Ein unvergesslicher Nachmittag –Nothing Like aDame (OmU) 18.00; Sneak Preview (OmU) 20.00; Once Again –Eine Liebe in Mumbai 20.00; Im Netz der Versuchung 21.20; Captain Marvel (OmU) 22.20; Ein letzter Job –King of Thieves (OmU) 22.40; Der Goldene Handschuh 22.40; Im Netz der Versuchung –Serenity (OmU) 23.00 Krokodil (✆ 44 04 92 98) Der Funktionär 18.45; Nachspiel goEast Filmfestival: Howbig is the Galaxy (OmenglU; m.Vorfilm) 20.00; Ayka (OmU) 21.30 Lichtblick-Kino (✆ 44 05 81 79) Luft zum Atmen –40Jahre Opposition bei Opel inBochum 17.15; kurz gesehen: Dokumentarfilmprogramm (Togo–Ein bisschen Geschichte und viel Gegenwart) 18.30; Mietrebellen –Widerstand gegen den Ausverkauf der Stadt (OmU) 20.00; Streik –Statschka (OmU) 22.15 UCI Kinowelt Colosseum (✆ 44 01 92 00) Shazam! 14.15; Asterix und das Geheimnis des Zaubertranks 14.15; Monsieur Claude II 14.20, 19.35; Alfons Zitterbacke –Das Chaos ist zurück 14.20; After Passion 14.20, 16.55, 19.55; Royal Corgi: Der Liebling der Queen 14.25; Willkommen im Wunder Park 14.30; Dumbo 14.35; 3D: Avengers:Endgame 14.45,16.15, 18.45, 20.15,22.30; Avengers: Endgame 15.30, 19.45; Der Fall Collini 16.35, 19.30; Wenn duKönig wärst 16.40; 3D: Royal Corgi 16.45; Im Netz der Versuchung 16.55, 19.40, 22.35; Captain Marvel 17.10; Fighting with My Family 17.15, 19.55; Die Goldfische 19.40; 25 km/h 19.50; Hellboy 22.35; Friedhof der Kuscheltiere 22.35; 3D: Captain Marvel 22.35; The Hole in the Ground 22.40; Lloronas Fluch 22.45 REINICKENDORF CineStar Tegel (✆ 04 51/703 0200) Shazam! 13.30; Avengers: Endgame 13.30, 16.45, 20.15; AfterPassion 13.40, 16.30, 19.20; RoyalCorgi: Der Liebling der Queen 13.45, 17.30; Wenn du König wärst 14.00; Die Goldfische 14.00;Willkommen im Wunder Park 14.50;3D: Avengers:Endgame15.15, 16.00, 18.30, 19.30; Dumbo 15.40; Fighting with My Family 16.50, 19.50; Der Fall Collini 17.00, 19.40; Monsieur Claude II 17.15, 19.45; Captain Marvel 20.00; The Hole inthe Ground 20.45 SCHÖNEBERG Cinema amWalther-Schreiber-Platz (✆ 852 30 04) Die Goldfische 15.30; Ein letzter Job 18.00; Green Book –Eine besondere Freundschaft 20.30 Cosima (✆ 85 07 58 02) Die Goldfische 18.00; Monsieur Claude II 20.15 Odeon (✆ 78 70 40 19)Van Gogh: An derSchwelle zur Ewigkeit (OmU) 15.45, 20.30; Der Flohmarkt von Madame Claire (OmU) 18.15 Urania-Filmbühne (✆ 218 9091) Exhibition on Screen: Der junge Picasso –Young Picasso (OmU) 16.30; This Mountain Life –Die Magie der Berge (OmU) 19.00 Xenon (✆ 78 00 15 30)Spatzenkino: Aufder Wiese 10.00; RBG –Ein Lebenfür dieGerechtigkeit (OmU) 18.00; Free Solo (OmU) 20.15 SPANDAU Cineplex Spandau (✆ 01 80/505 02 11)Willkommen imWunder Park 10.00, 12.00, 14.00; Royal Corgi: Der Liebling der Queen10.00, 12.30, 14.40; Avengers: Endgame 10.00, 14.15, 15.00, 16.50, 18.30,19.00;Asterix und das Geheimnis des Zaubertranks 12.15;Drachenzähmenleicht gemacht 3: Die geheime Welt 12.20; 3D: Avengers: Endgame 16.10, 20.15; After Passion 17.15, 19.50; Monsieur Claude II20.45 Kino im KulturhausSpandau (✆ 333 60 81)Monsieur Claude II 14.15, 18.15; Ein Gauner &Gentleman 16.15; Vice –Der zweite Mann 20.15 STEGLITZ Adria (✆ 01 80/505 07 11) Monsieur Claude II 15.00, 17.40, 20.15 Cineplex Titania Palast (✆ 01 80/505 0520) Willkommen im Wunder Park 10.00, 12.00; Royal Corgi: Der Liebling der Queen 10.00, 12.30, 14.25; Rocca verändert die Welt 10.00, 12.20; Drachenzähmen leicht gemacht 310.00, 12.00; Checker Tobi 10.00; Avengers: Endgame 10.00, 14.00, 15.00, 16.30, 18.00,19.00, 22.00; Asterix 12.15; After Passion 14.00, 17.25, 20.00, 23.00; Wenn du König wärst 14.30; Dumbo 14.40; 3D: Avengers: Endgame 16.15, 20.15, 23.00; Der Fall Collini 16.50, 19.45,22.40; Captain Marvel 17.15; Friedhof der Kuscheltiere 20.15; Avengers: Endgame (OF) 20.30; Lloronas Fluch 22.40 Thalia Movie Magic (✆ 774 34 40) 3D: Avengers: Endgame 14.30, 20.30; Avengers:Endgame 15.15, 19.00; Willkommen im Wunder Park 15.45; Royal Corgi: Der Liebling der Queen 15.45, 18.00; Alita: Battle Angel 18.00,20.30; Der Fall Collini 20.30 TIERGARTEN Arsenal (✆ 26 95 51 00) Commedia all‘italiana: Mafioso (OmenglU) 20.00; Filmausschnitte (aus dem Archiv der Cimatheque in Kairo; m. Einführung u. Diskussion) 19.30 CinemaxX Potsdamer Platz (✆ 040/80 80 69 69) Royal Corgi: Der Liebling der Queen 12.30, 15.00, 17.30; Avengers: Endgame 12.30, 14.00, 14.30, 16.30, 19.30, 21.15, 22.15; Captain Marvel 12.50, 16.20, 20.40; Van Gogh 13.20, 16.20; Monsieur Claude II 13.20, 17.35, 19.30; Willkommen imWunder Park 13.25, 14.10; Drachenzähmen leicht gemacht 313.30; Der Junge muss an die frische Luft 13.30; 3D: Avengers: Endgame 13.30,15.00, 16.15,17.00, 18.00,19.00, 20.30, 21.00, 22.00; Die sagenhaften Vier 13.35; Wenn du Königwärst13.40; AlfonsZitterbacke –Das Chaos ist zurück 13.40; Dumbo 14.00, 16.40, 19.00; After Passion 14.20, 17.20, 19.40; Der Fall Collini 14.30, 16.50, 22.50; Vice –Der zweite Mann 16.10; Der Flohmarkt von Madame Claire 16.15, 19.50; Shazam! 16.20, 19.40; Fighting with My Family 16.40,19.45, 22.50; Die Goldfische 16.40; The Hole in the Ground 19.30, 22.20; Green Book 19.30; ImNetz der Versuchung 19.40, 22.40; Wir 20.00; Friedhof der Kuscheltiere 20.00, 22.45; Glass 22.00; Bohemian Rhapsody 22.30; Hellboy 22.50; Lloronas Fluch 23.00; Escape Room 23.00 CineStar imSony Center (✆ 04 51/703 0200) Willkommen im Wunder Park –Wonder Park (OF) 13.15; 3D: Avengers: Endgame (OF) 13.30, 15.40, 16.45, 19.50, 21.00, 23.00; Green Book –Eine besondere Freundschaft (OF) 13.45; 3D: Captain Marvel (OF) 13.45; Shazam! (OF) 14.00; After Passion (OF) 14.00, 19.50; Avengers: Endgame (OF) 15.00, 19.20, 22.40; 3D: Shazam! (OF) 16.50, 20.00; 3D: Dumbo (OF) 17.00; Van Gogh: Ander Schwelle zur Ewigkeit – At Eternity‘s Gate (OF) 17.10; Ein letzter Job –King of Thieves (OF) 17.20; Teawiththe Dames:Ein unvergesslicher Nachmittag –Nothing Like aDame (OF) 17.30; Sneak Preview (OF) 20.00; Captain Marvel (OF) 20.10, 23.15; Wir –Us(OF) 20.15; Lloronas Fluch –The Curse of La Llorona (OF) 23.15; Hellboy –Call Of Darkness (OF) 23.15 CineStar IMAX (✆ 04 51/703 0200) 3D: Avengers: Endgame 10.00; 3D:Avengers: Endgame (OF) 14.10, 18.30,22.45 Filmrauschpalast (✆ 394 4344) Berlin Bouncer (OmU) 18.00; One Cut of the Dead –Kamera o tomeru na! (OmU) 20.00; Wir –Us (OmU) 22.00 TREPTOW Astra (✆ 636 1650) Willkommen im Wunder Park 14.00, 16.00; Royal Corgi: Der Liebling der Queen 14.00; Avengers: Endgame 14.00, 16.00, 19.00; Alfons Zitterbacke –Das Chaos ist zurück 14.00; Dumbo 15.45; Monsieur Claude II 18.00, 20.15; Der Fall Collini 18.00,20.30, 22.45; 3D:Avengers: Endgame 18.00, 20.15, 22.00; Hellboy –Call Of Darkness 22.30; Friedhof der Kuscheltiere 23.00 Casablanca (✆ 677 57 52) Spatzenkino: Auf der Wiese 10.00; Alfons Zitterbacke –Das Chaos ist zurück 16.15; Die Goldfische 18.15; Bohemia Rhapsody 20.30 CineStar –Treptower Park (✆ 04 51/703 02 00) Willkommen im Wunder Park 13.45; 3D: Avengers: Endgame 14.00, 15.30, 18.00, 19.30; Alfons Zitterbacke –Das Chaos ist zurück 14.15; Captain Marvel 14.20; After Passion 14.25, 17.15, 19.20; Dumbo 14.30; Royal Corgi: Der Liebling der Queen 14.40, 16.50; Fighting with My Family 14.40, 17.15, 19.55; Avengers: Endgame 16.00, 20.00; Wenn du König wärst 16.40; Der Fall Collini 16.55, 19.45; Monsieur Claude II17.10, 19.30; 3D: Captain Marvel 19.45; Friedhof der Kuscheltiere 20.10 WEDDING Cineplex Alhambra (✆ 01 80/5050311) Rafadan Tayfa: Dehliz Macerasi (OmU) 14.00, 16.10; Willkommen im Wunder Park 14.10,17.15; RoyalCorgi: Der Liebling der Queen 14.15; Avengers: Endgame 14.15,15.00,18.20, 19.00, 19.45; Dumbo 14.20, 16.30; 3D: Avengers: Endgame 16.00, 20.15; Shazam! 16.30; After Passion 18.15; Avengers: Endgame (OF) 19.20; Monsieur Claude II19.40; The Hole in the Ground 20.45 City Kino Wedding (✆ 01 77/270 19 76) Ein Gauner &Gentleman 19.00; Sneak Preview (OmU) 21.00 WEISSENSEE BrotfabrikKino (✆ 471 40 01)Auch Leben ist eine Kunst –Der Fall Max Emden (OmU) 18.00; Streik – En guerre (OmU) 19.45; Border (OmU) 21.45 Toni &Tonino (✆ 92 79 12 00) Der Fall Collini 13.30; Der Flohmarkt von Madame Claire 16.00, 18.15, 20.30; Der Flohmarkt von Madame Claire 11.00; Asterix 13.15; Alfons Zitterbacke 15.15; Monsieur Claude II 17.30; Der Fall Collini 19.45 WILMERSDORF Bundesplatz-Kino (✆ 85 40 60 85) Christo (OmU) 15.30; Monsieur Claude II18.00;Van Gogh 20.30 Eva-Lichtspiele (✆ 92 25 53 05) Royal Corgi: Der Liebling der Queen 13.15, 15.30; Tea with the Dames: Ein unvergesslicher Nachmittag 17.45; Der Fall Collini 20.15 ZEHLENDORF Bali (✆ 811 46 78) Can You Ever Forgive Me? 18.00;Asche ist reines Weiß 20.30 Capitol (✆ 831 64 17)Van Gogh: An der Schwelle zur Ewigkeit 15.45, 20.30; Der Flohmarkt von Madame Claire 18.15 FREILUFTKINOS Freiluftkino Kreuzberg Capernaum (OmU) 21.15 Pompeji –FLK am Ostkreuz (✆ 01 76/56709298) Mandy (OmU) 21.00 POTSDAM Filmmuseum Potsdam (✆ 03 31/271 81 12) Hans Blumenberg –Der unsichtbare Philosoph (m. Gespräch) 18.00 Thalia Potsdam (✆ 03 31/743 7020) KinderwagenKino: Der Flohmarkt von Madame Claire 10.30; Der Fall Collini 13.00, 15.30, 20.30; Tea with the Dames: Ein unvergesslicher Nachmittag 14.15; Asterix und das Geheimnis des Zaubertranks 14.30; Alfons Zitterbacke 14.45; Das schönste Paar 16.15, 20.45; Monsieur Claude II16.30, 18.45; Atlas 17.00; Van Gogh: An der Schwelle zur Ewigkeit 18.00, 20.45; AMan of Integrity: Ein integerer Mann –Lerd (OmU) 18.20; Der Flohmarkt von Madame Claire 19.00; Border 21.00 UCI Luxe Potsdam Center (✆ 03 31/233 72 33) After Passion 13.45, 16.45,19.45; Willkommen im Wunder Park 13.50; 3D: Avengers: Endgame14.00, 16.00, 18.30, 20.00, 20.30; Dumbo 14.15; Royal Corgi: Der Liebling der Queen 14.30; Avengers: Endgame 14.30, 15.15, 16.10, 19.30, 20.15; 3D: Royal Corgi: Der Liebling der Queen 16.50; Monsieur Claude II17.15; DerFall Collini 20.00; Friedhof der Kuscheltiere 20.15 UMLAND ALA Falkensee (✆ 033 22/279 8877) Dumbo 15.00; Willkommen im Wunder Park 17.40; Der Flohmarkt von Madame Claire 20.00 CineStar Wildau (✆ 04 51/703 02 00) Royal Corgi: Der Liebling der Queen 13.50, 16.45; Avengers: Endgame 14.00, 17.00, 20.00; Ostwind 4–Aris Ankunft 14.10; Dumbo 14.10; Asterix und das Geheimnis des Zaubertranks 14.15; Wenn du König wärst 14.30; Fighting with MyFamily 14.50, 17.30, 20.20; Drachenzähmen leicht gemacht 3: Die geheime Welt 15.00; 3D: Avengers: Endgame 15.00, 16.00, 19.30; Willkommen imWunder Park 15.20; 3D: Shazam! 16.45; Monsieur Claude II 17.20, 20.00; Der Fall Collini 17.30, 19.50; After Passion 17.40, 20.30; 3D: Dumbo 17.50; Die Goldfische 19.50; ImNetz der Versuchung 20.15; 3D: Captain Marvel 20.20;The Hole inthe Ground 20.50 Filmpalast Bernau (✆ 033 38/70 54 54) Alfons Zitterbacke –Das Chaos istzurück 14.30; Avengers: Endgame 15.00, 19.00; Royal Corgi: Der Liebling der Queen 15.30; 3D: Avengers: Endgame 16.30, 20.30; Alita: Battle Angel 17.45; Beale Street 20.30 Filmpalast Oranienburg (✆ 033 01/70 48 28) 3D:Avengers: Endgame 14.00, 16.15, 20.00;Willkommen im Wunder Park 14.15; Dumbo 14.30; Royal Corgi: Der Liebling der Queen 15.30, 17.30; Avengers: Endgame17.00,19.30; Monsieur Claude II 17.45;AfterPassion19.45;Lloronas Fluch 20.30 Movieland Erkner (✆ 033 62/36 68) Dumbo 15.45; 3D: Avengers: Endgame 16.15, 20.00; MonsieurClaude II 18.30; Friedhof derKuscheltiere 20.45


Berliner Zeitung · N ummer 104 · D ienstag, 7. Mai 2019 27 ························································································································································································································································································· TV-Programm ARD 5.30 (für HG) ZDF-Morgenmagazin 9.00 (für HG) Tagesschau 9.05 (für HG) Live nach Neun 9.55 (für HG) Sturm der Liebe 10.45 (für HG) Meister des Alltags 11.15 (für HG) Wer weiß denn sowas? 12.00 (für HG) Tagesschau 12.15 (für HG) ARD-Buffet 13.00 (für HG) ARD-Mittagsmagazin 14.00 (für HG) Tagesschau 14.10 (für HG) Rote Rosen 15.00 (für HG) Tagesschau 15.10 (für HG) Sturm der Liebe 16.00 (für HG) Tagesschau 16.10 (für HG) Verrückt nach Meer 17.00 (für HG) Tagesschau 17.15 (für HG) Brisant 18.00 (für HG) Quizduell 18.50 (für HG) WaPo Bodensee 19.45 (für HG) Quizzen vor acht 19.55 (für HG) Börse vor acht 20.00 (für HG) Tagesschau 20.15 (für HG) Wahlarena zur Europawahl Moderation: Moderation: Ellen Ehni, Andreas Cichowicz Gäste: Frans Timmermans (SPE), Manfred Weber (EVP) 21.45 (für HG) Report Mainz 22.15 (für HG) Tagesthemen 22.45 (für HG) Mord mit Aussicht Der Carport /Gulasch für den Geiselnehmer.Krimiserie 0.20 (für HG) Nachtmagazin 0.40 (für HG) Befrei uns von dem Bösen Thriller,DK/S/N 2009 RTL 6.00 Guten Morgen Deutschland. Moderation: Wolfram Kons, Jennifer Knäble 8.30 (für HG) Gute Zeiten,schlechte Zeiten. Daily Soap 9.00 Unter uns. Daily Soap 9.30 (für HG) Alles was zählt. Soap 10.00 Der Blaulicht-Report 11.00 Der Blaulicht-Report 12.00 Punkt 12. Moderation: Katja Burkard 14.00 Die Superhändler – 4Räume, 1Deal 15.00 Die Superhändler –4 Räume, 1Deal 16.00 Vorher Nachher –Dein großer Moment 17.00 Freundinnen –Jetzt erst recht 17.30 Unter uns. Daily Soap 18.00 Explosiv –Das Magazin 18.30 Exclusiv –Das Star-Magazin 18.45 aktuell 19.05 (für HG) Alles was zählt. Soap 19.40 (für HG) Gute Zeiten, schlechte Zeiten. Daily Soap 20.15 (für HG) Nachtschwestern Vorurteile. Arztserie Mit Ines Quermann, Mimi Fiedler, Oliver Franck, Nassim Avat u.a. 21.15 (für HG) Sankt Maik Schluckauf im Hirn.Dramaserie 22.15 Doc meets Dorf 23.10 Schmidt –Chaos auf Rezept 0.00 Nachtjournal 0.27 RTL Nachtjournal –Das Wetter 0.35 (für HG) Bones –Die Knochenjägerin Ungeklärtes aus dem Klärtank Krimiserie ZDF Sat.1 TV-Tipps RBB Tagesschau 24 LesersHOP 030–201 64 004 www.berliner-zeitung.de/shop Der Trickbetrüger Maik (DanielDonskoy) fällt insKoma, nachdemereineKugel Hauptstadtschmuckmit abgefangenHerz hat, die für diePolizistinEva bestimmt des„Hoheliedder war.Als er wieder Liebe“findet erwacht, ihre leidetder Diestilvolle Verbildlichung schönste Form in dieser hochwertigen Edelstahlkette mit Gauner unterAmnesie:Ihm fehlen jegliche verstellbarer Bio-Ziegenlederkordelinschwarz. DerBerlinerBär verleihtdem Erinnerungen Schmuckstück ausseiner Zeit in derGemeinde Läuterburg, in dererunter falscher eineeinzigartigeVerbindung Iden- MDR WDR zur Hauptstadt. titätals Pfarrerlebte.Und so entdeckt er auf Arte 14.00 (für HG) MDR um zwei 15.15 (für HG) Wer weiß denn sowas? 16.00 (für HG) MDR um vier 17.45 (für HG) Aktuell 18.10 (für HG) Brisant 18.54 (für HG) Sandmann 19.00 (für HG) MDR Regional 19.30 (für HG) Aktuell 19.50 (für HG) Einfach genial 20.15 (für HG) Umschau 21.00 (für HG) Der Osten –Entdecke wodulebst 21.45 (für HG) Aktuell 22.05 (für HG) Orte der Arbeit (3/3) 22.50 (für HG) Polizeiruf 110. Auftrag per Post. TV-Kriminalfilm, DDR 1981 0.10 (für HG) Morden im Norden 1.00 (für HG) Umschau Bayern 16.15 (für HG) Wir inBayern 17.30 Regional 18.00 (für HG) Abendschau 18.30 (für HG) Rundschau 19.00 (für HG) Gesundheit! 19.30 (für HG) Dahoam isDahoam 20.00 (für HG) Tagesschau 20.15 (für HG) Tatort. Das Haus am Ende der Straße. TV-Kriminalfilm, D2015 21.45 (für HG) Rundschau Magazin 22.00 (für HG) Capriccio 22.30 Neue AlpineArchitektur in Südtirol 23.15 (für HG) Puzzle 23.45 KlickKlack 0.15 Jansons in Tokio. Der Beethoven-Zyklus 1.05 (für HG) Dahoam is Dahoam 1.35 (für HG) Wir inBayern Vox 12.00 Shopping Queen 13.00 ZwischenTüll und Tränen 14.00 Mein Kind, dein Kind –Wie erziehst du denn? 15.00 Shopping Queen 16.00 4Hochzeiten und eineTraumreise 17.00 Zwischen Tüll und Tränen 18.00 First Dates –Ein Tisch für zwei 19.00 Das perfekte Dinner 20.00 Prominent! 20.15 Sing meinen Song –Das Tauschkonzert 22.20 Die Wincent- Weiss-Story 23.15 100 Songs, die die Welt bewegten 0.10 nachrichten 0.30 (für HG) Medical Detectives –Geheimnisse der Gerichtsmedizin. Maskierte Verbrechen Super RTL 14.05 Coop gegen Kat 14.35 Bugs Bunny und LooneyTunes 15.00 Dragons –Auf zu neuen Ufern 15.25 Tomund Jerry 15.50 Der gestiefelte Kater –Abenteuer in San Lorenzo 16.20 Ritter hoch 3 16.45 Die Nektons –Abenteurer der Tiefe 17.10 Barbie –Traumvilla-Abenteuer 17.40 Spirit: wild und frei 18.05 Bugs Bunny und LooneyTunes 18.40 Woozle Goozle 19.10 Tomund Jerry 19.45 Angelo! 20.15 (für HG) Sechs Tage,sieben Nächte. Abenteuerfilm, USA 1998 22.20 Cold Justice –Verdeckte Spuren 23.15 Cold Justice –Verdeckte Spuren Sport1 15.00 StorageWars –Die Geschäftemacher. Daves Gang 15.30 StorageWars –Geschäfte in Texas. An der Grenze 16.30 Lost &Sold. Pokerface 17.00 Lost &Sold. Schweres Gepäck 17.30 StorageWars –Die Geschäftemacher. Topform 18.30 Bundesliga aktuell. Die tägliche News-Sendung für Fußballfans 18.45 Eishockey:Testspiel. Deutschland –USA 21.15 Fußball: U17-Europameisterschaft. Vorrunde: Spanien –Deutschland (Live-Einstieg) 21.45 Fantalk 23.15 Bundesliga aktuell 0.00 Sport-Clips 5.30 (für HG) ZDF-Morgenmagazin 9.00 heute Xpress 9.05 Volle Kanne –Service täglich 10.30 (für HG) Notruf Hafenkante. Ein neues Leben 11.15 (für HG) SOKO Stuttgart. Falsche Zeit, falscher Ort 12.00 heute 12.10 drehscheibe 13.00 (für HG) ARD-Mittagsmagazin 14.00 heute –in Deutschland 14.15 (für HG) Stadt, Land, Lecker 15.00 (für HG) heute Xpress 15.05 (für HG)Bares für Rares 16.00 (für HG) heute –inEuropa 16.10 (für HG)Die Rosenheim-Cops 17.00 (für HG)heute 17.10 (für HG) hallo deutschland 17.45 (für HG) Leute heute 18.00 (für HG) SOKO Köln. Alte Meister 19.00 (für HG) heute 19.21 Parteien zur Europawahl 19.25 (für HG) Die Rosenheim-Cops. Mord im Kletterpark. Krimiserie 20.15 (für HG) Wir Deutschen und Europa Dokumentation 21.00 (für HG) Der große Betrug –Wie Kriminelle und Terroristen Europa plündern 21.45 (für HG) heute-journal 22.15 (für HG) Glücklich erst als Junge – Wenn aus derTochter ein Sohn wird 22.45 (für HG) Leschs Kosmos Ernährungstrends: Wie gesund sind Low, Slow &No Mit Harald Lesch 23.15 (für HG) Markus Lanz 5.30 Frühstücksfernsehen. Moderation: Alina Merkau, Matthias Killing 10.00 Im Namen der Gerechtigkeit –Wir kämpfen für Sie! Mit Alexander Hold, Stephan Lucas, Alexander Stephens, Isabella Schulien 11.00 Im Namen der Gerechtigkeit –Wir kämpfen für Sie! Mit Alexander Hold, Stephan Lucas, Alexander Stephens, Isabella Schulien 12.00 Anwälte im Einsatz 13.00 Anwälte im Einsatz 14.00 Auf Streife. Reportagereihe 15.00 Auf Streife –Die Spezialisten. Reportagereihe 16.00 Klinik am Südring 17.00 Klinik am Südring –Die Familienhelfer 17.30 Klinik am Südring –Die Familienhelfer 18.00 Endlich Feierabend! 19.00 Genial daneben –Das Quiz 19.55 Nachrichten 20.15 Navy CIS Geduld und Beharrlichkeit. Krimiserie. Mit Mark Harmon,Michael Weatherly, David McCallum u.a. 21.15 Navy CIS Begründete Zweifel. Krimiserie 22.15 Hawaii Five-0 Unter Wasser.Krimiserie 23.10 SpiegelTV–Reportage Notruf Frankfurt –Rettungssanitäter im Straßenkampf. Reportagereihe 0.15 Dinner Party –Der Late-Night-Talk Lisa Feller 14.05 (für HG) In allerFreundschaft –Die jungenÄrzte 14.55 (für HG) In allerFreundschaft – Die jungen Ärzte 15.45 (für HG) Aktuell 16.05 Hier und heute 18.00 (für HG) aktuell /Lokalzeit 18.15 (für HG) Servicezeit 18.45 (für HG) Aktuelle Stunde 19.30 Lokalzeit 20.00 (für HG) Tagesschau 20.15 (für HG) SuperhirnimFederkleid –Kluge VögelimDuell 21.00 (für HG) Der große Umbruch 21.45 (für HG) Aktuell 22.10 (für HG) Spider-Man. Actionfilm, USA 2002 0.00 (für HG) RedSonja. Fantasyfilm, NL/USA 1985 1.25 (für HG) Der große Umbruch NDR 16.00 (für HG) aktuell 16.20 (für HG) Mein Nachmittag 17.10 (für HG) Seehund, Puma & Co. 18.00 Ländermagazine 18.15 (für HG) NaturNah 18.45 (für HG) DAS! 19.30 Ländermagazine 20.00 (für HG) Tagesschau 20.15 (für HG) Visite 21.15 (für HG) Panorama –die Reporter 21.45 (für HG) aktuell 22.00 (für HG) Tatort. Narben. TV-Kriminalfilm,D2016 23.30 (für HG) Weltbilder 0.00 (für HG) Mission Wahrheit –Die NewYorkTimes und Donald Trump (1) 1.30 (für HG) MissionWahrheit – Die NewYorkTimes und Donald Trump (2) Kabel eins 7.35 Blue Bloods –Crime Scene NewYork 8.30 Blue Bloods –Crime Scene NewYork 9.25 Navy CIS: L.A. 10.20 Navy CIS 11.10 Without aTrace 12.05 Numb3rs 13.05 Castle 14.00 The Mentalist 14.55 Navy CIS: L.A. 15.50 News 16.00 Navy CIS 16.55 Abenteuer Leben täglich 17.55 Mein Lokal, Dein Lokal – Der Profi kommt 18.55 Achtung Kontrolle!Wir kümmern uns drum 20.15 Absolute Power. Thriller,USA 1997 22.45 Heartbreak Ridge. Militärfilm, USA 1986 1.10 Late News 1.15 Absolute Power. Thriller,USA 1997 RTL 2 5.15 Der Trödeltrupp –Das Geld liegt imKeller 7.00 Die Kochprofis –Einsatz am Herd 8.00 Frauentausch 12.00 Die Geissens –Eine schrecklich glamouröse Familie! 14.00 Die Wollnys –Eine schrecklich große Familie! 15.00 Hilf mir! Jung,pleite, verzweifelt ... 17.00 News 17.10 Krass Schule –Die jungen Lehrer 18.05 Köln 50667 19.05 Berlin –Tag &Nacht 20.15 Armes Deutschland –Stempeln oder abrackern? 0.10 Autopsie –Mysteriöse Todesfälle 1.00 Autopsie –Mysteriöse Todesfälle 1.45 Autopsie –Mysteriöse Todesfälle Eurosport 1 11.35 Radsport: Tour de Romandie 12.30 Snooker: WM. Finale 15.00 Radsport: Tour de Romandie 16.15 Radsport: Tour de Yorkshire 17.30 Snooker: WM 19.25 EurosportNews 19.30 Horse Excellence 20.00 Olympische Spiele. Legenden hautnah 20.30 Formel E: FIA-Meisterschaft 21.00 Motorsport:FIA-Langstrecken-WM 21.30 ERC All Access 22.00 Motorsport: Blancpain GT WorldChallengeEurope 22.30 Olympische Spiele. Legenden hautnah 22.40 Radsport: Tour de Yorkshire 23.30 EurosportNews 23.45 Snooker:WM VOX, 20.15 UHR SHOW Sing meinen Song –Das Tauschkonzert Wogesungen wird da lass Dichnieder …Zum sechsten Maltreffensich prominente Stars und Popsternchen unter der Sonne Südafrikas zum musikalischenStelldichein.Der Clou an der Sache:Man singtdie Lieder desjeweils anderenund versuchtsie in ein möglichst originelles,neues Gewand zu kleiden.Inder sechstenStaffel derMusikshowgeben sich MichaelPatrick Kelly, WincentWeiss, Jeanette Biedermann, Milow, AlavaroSoler,JenniferHaben und Johannes Oerding (v.l.n.r.) gegenseitig die Ehre. Jede Woche steht einerder Künstler mit seinen größten SongsimFokus derSendung.Den Anfang machtWincentWeiss. Moderiertwirddie Show zumerstenMal vondem Ex-Kelly-Family-MitgliedMichael PatrickKelly,der dieNachfolge seinesVorgängersMarkForsterantritt.Vox strahlt dieneun neuen Folgen jeweils dienstags um 20.15 Uhraus. (Dtl./2019) Anzeige RTL, 21.15 UHR DRAMASERIE Sankt Glaube, Maik Liebe, Hoffnung, Berlin Foto: VOX Maße:3×1,5 cm (H/Dicke) den zweiten„ersten Blick“,dassihm Evaausnehmendgut gefällt. Dochfür seine Gefühle Lederkordel(biszu1mLänge) Made in Germany bleibt keineZeit, denn BruderKevin rückt Art.-Nr. 1311030 Maiks Fokusauf diewichtigen Dinge: Jureks Leiche muss entsorgt werden –dochdiese verschwindet ersteinmal in einemgestohlenen PKW. Startder zweiten Staffel. (Dtl./2019) Foto:RTL NORMALVARIANTE -mittel NORMALVARIANTE –MITTEL 8 7 6 1 4 4 4 8 5 2 6 1 9 7 3 3 1 7 5 4 8 2 MitDIAGONALEN-schwer MIT DIAGONALEN –SCHWER 2 6 6 3 7 5 4 7 2 5 9 2 4 1 **inkl. MwSt., zzgl. €3,95Versand,ab€75,–versandkostenfrei. Ihnen stehtein gesetzliches Widerrufsrechtzu. Alle Informationenüberdieses Rechtund die Widerrufsbelehrung finden Sieunterwww.berlinerzeitung.de/shop. Ein Angebot der M. DuMont SchaubergExpeditionder Kölnischen Zeitung GmbH &Co. KG,Amsterdamer Str.192,50735 Köln. SUDOKU 3 8 €29,90 * AUFLÖSUNG Auflösung VOM vomXX. 6.5.2019 MITTEL mittel 1 9 7 4 8 3 2 5 6 3 6 4 5 2 9 1 8 7 5 8 2 1 6 7 4 3 9 8 4 1 6 9 2 3 7 5 7 2 6 3 1 5 9 4 8 9 5 3 7 4 8 6 1 2 4 1 5 9 7 6 8 2 3 2 7 9 8 3 1 5 6 4 6 3 8 2 5 4 7 9 1 AUFLÖSUNG Auflösung VOM vom XX. 6.5.2019 5. 2019 SCHWER schwer 5 4 9 1 8 3 6 2 7 6 1 3 4 7 2 5 9 8 2 7 8 6 5 9 1 4 3 1 5 7 2 3 8 4 6 9 8 3 2 9 6 4 7 1 5 4 9 6 5 1 7 3 8 2 7 8 4 3 2 1 9 5 6 9 2 5 7 4 6 8 3 1 3 6 1 8 9 5 2 7 4 6.20 zibb. zuhause in berlin &brandenburg 7.20 Brisant 8.00 Brandenburg aktuell / Abendschau 8.30 Brandenburg aktuell / Abendschau 9.00 In aller Freundschaft 9.45 In aller Freundschaft 10.30 Rote Rosen 11.20 Sturm der Liebe 12.10 Tierärztin Dr.Mertens 13.00 rbb24 13.10 Verrückt nach Meer 14.00 Lichters Schnitzeljagd 14.45 Traumhäuser 15.15 Mit dem Luftschiff über Bayern 16.00 rbb24 16.15 Wer weiß denn sowas? 17.00 rbb24 17.05 Giraffe, Erdmännchen &Co. 17.55 Sandmann 18.00 rbb UM6 –Das Ländermagazin 18.30 zibb. zuhause in berlin & brandenburg 19.30 Brandenburg aktuell / Abendschau 20.00 (für HG) Tagesschau 20.15 Geheimnisvolle Orte Der Flughafen Berlin-Tempelhof – Airport mit Geschichte 21.00 Bilderbuch Das Tempelhofer Feld. Reportagereihe 21.45 rbb24 22.00 Nuhr im Ersten Gäste: Lisa Eckhart, Michael Mittermeier,Torsten Sträter,Tahnee 22.45 Boning feiert Diether Krebs Mit Wigald Boning 23.30 Talk aus Berlin 0.00 Abendshow ProSieben 11.00 How IMet Your Mother 11.50 2Broke Girls. Das Leben nach dem Tod/Die französische Versuchung.Comedyserie 12.45 Mom. Eine kulinarische Affäre. Comedyserie 13.05 Twoand aHalf Men. Tragen Schafe Lippenstift?/Mund weg von meiner Tochter/Noch eine Nacht mit Neil Diamond. Comedyserie 14.25 The Middle. Der zweite Muttertag/Der Schulball. Comedyserie 15.15 The Big BangTheory. Der Romantik-Ninja/Keiner ist so kaputt wie ich/Prinzessinnen der Wissenschaft/Ordnung in der Abstellkammer.Comedyserie 17.00 taff 18.00 Newstime 18.10 Die Simpsons. Der Teufel trägt Nada/L wie Loser.Zeichentrickserie 19.05 Galileo. Moderation: Stefan Gödde 20.15 Big Countdown Die 50 lustigsten Momente vor laufender Kamera Howard Carpendales Schwiegertochter präsentiert Filmsequenzen mit witzigen und ungewöhnlichen Szenen. 22.35 Palina in the Box 23.40 Die Simpsons Butler bei Burns. Zeichentrickserie 0.05 Die Simpsons Wer erfand Itchy und Scratchy? 0.35 Die Simpsons Selma heiratet Hollywoodstar 13.50 Elefantenpfad. Abenteuerfilm, USA 1954 15.30 Die Bienenflüsterer 16.00 Ladakh –Es war einmal ein Mädchen 16.55 (für HG) X:enius 17.20 (für HG) Heiraten inEuropa! (2/5) 17.50 (für HG)Ach, Europa! 18.35 Wenn Wildtiere denWald verlassen 19.20 Arte Journal 19.40 (für HG) Re: 20.05 Anderswo in Europa 20.15 (für HG)Wahnsinn Lkw. Dokumentarfilm, D2019 21.45 Russlands neue Söldner 23.15 Software-Rebellen –Die Macht des Teilens 0.15 Arte Journal 0.35 (für HG) Was vom Tage übrig blieb. Drama, GB/USA 1993 3Sat 13.00 (für HG) ZIB 13.20 (für HG) Universum 14.50 (für HG) Universum 16.15 (für HG) Universum 17.45 (für HG) Universum 18.30 nano 19.00 (für HG) heute 19.20 Kulturzeit 20.00 (für HG)Tagesschau 20.15 (für HG) Ein Mord mit Aussicht. TV-Kriminalfilm, D2015 21.40 kinokino 22.00 (für HG) ZIB 222.25 Neun Leben hat die Katze. Frauenfilm, D1968 23.50 Bigger Than Life. Dokudrama, D/I/MAZ 2018 0.20 Die Hymnen Moskaus. Kurzfilm, RUS 2017 0.35 Reporter 1.00 10vor10 1.30 (für HG) Universum Phoenix 14.45 Aktuelles im Vorfeld der Fraktionssitzungender im Bundestag vertretenenParteien 15.15 phoenix plus 16.00 Die großen Irrtümer der Globalisierung –Handel, Kriege, Flüchtlinge 16.45 Die sieben größten Gefahren für dieEU 17.30 phoenix der tag 18.00 Betrügen leicht gemacht 18.30 Unsere Städte nach '45 20.00 (für HG)Tagesschau 20.15 GeheimnisvolleOrte 21.00 Verschollen in der Ostsee 21.45 (für HG) heute-journal 22.15 phoenix runde 23.00 phoenix der tag 0.00 phoenix runde 0.45 Geheimnisvolle Orte 1.30 Verschollen in der Ostsee Kika 13.40 (für HG) Tiere bis unters Dach 14.10 Schloss Einstein 15.00 (für HG)Dance Academy –Tanzdeinen Traum! 15.50 (für HG)H2O – Abenteuer Meerjungfrau 16.40 Ein Fall für TKKG 17.25 Kein Keks für Kobolde 17.50 (für HG) Mascha und der Bär 18.00 (für HG)Wir Kinder aus dem Möwenweg 18.10 (für HG)Der kleine Drache Kokosnuss 18.35 Zacki und die Zoobande 18.50 Sandmann 19.00 Die Piratenvon nebenan 19.25 (für HG) Wissen macht Ah! 19.50 (für HG)logo! 20.00 (für HG)KiKA Live 20.10 Das erste Mal ... Asien! 20.35 Die Mädchen-WG Dmax 12.15 Hardcore Pawn:Das härteste Pfandhaus Detroits 13.15 YukonMen –Überleben in Alaska 14.15 Ed Stafford: Das Survival-Duell 15.15 Coast Guard Alaska –Rettung aus der Luft 16.15 HighwayPatrol 16.45 HighwayPatrol 17.15 Fast 'N' Loud 19.15 Steel Buddies – Stahlharte Geschäfte 20.15 Steel Buddies – Stahlharte Geschäfte 21.15 Helden derLüfte 22.15 Russlands härtesteTrucker-Route 23.15 Die Abholzer 0.15 Car Crash TV –Chaoten am Steuer 1.10 Car Crash TV –Chaoten am Steuer 5.02 hessenschau 5.30 ZDF-Morgenmagazin 9.00 Tagesschau-Nachrichten 9.15 DickeLuft! –Der Kampf gegen den Transitverkehr 10.00 Tagesschau-Nachrichten 10.15 Super.Markt 11.00 Tagesschau-Nachrichten 13.00 ARD-Mittagsmagazin 14.00 Tagesschau-Nachrichten 19.15 Gekaufte Agrarpolitik? 20.00 Tagesschau 20.15 Hartaber fair 21.32 Warumbin ich so allein? –Wege aus der Einsamkeit 22.00 Wahlarena zur Europawahl 23.30 Tagesthemen 0.00 DieTagesschau vor 20 Jahren 0.15 ReportMainz 0.47 Extra 1.00 Nachtmagazin 1.20 Umschau 2.05 Schätze der Welt 2.20 SachsenSpiegel 2.50 Extra 3.02 SWR Landesschau Rheinland-Pfalz 3.47 Extra ONE 10.05 BezauberndeJeannie 10.30 Lindenstraße 11.00 In aller Freundschaft –Die jungenÄrzte 11.50 Sturmder Liebe 12.35 Sturm der Liebe 13.25 Um HimmelsWillen 14.15 Daheim in den Bergen. TV-Drama,D2019 15.45 In aller Freundschaft–Die jungen Ärzte 16.35 Bezaubernde Jeannie 16.55 Bezaubernde Jeannie 17.20 Lindenstraße 17.50 Der Dicke 18.40 Sturmder Liebe 19.25 Sturmder Liebe 20.15 DoctorWho 21.00 DoctorWho 21.50 Hustle–Unehrlich währt am längsten 22.40 Torchwood 23.30 Doctor Who 0.15 Doctor Who 1.05 Hustle –Unehrlich währt am längsten 1.55 Torchwood 2.45 Nuhr im Ersten 3.30 Der Dicke 4.15 Lindenstraße 4.45 Telespiele ZDF NEO 7.45 Topfgeldjäger 8.40 Lafer! Lichter! Lecker! 9.25 Baresfür Rares 10.15 Bares für Rares 11.10 Duell derGartenprofis 11.55 DieRettungsflieger 12.40 Die Rettungsflieger 13.25 Monk 14.05 Monk 14.50 Heldt 15.35 DieRettungsflieger 16.20 DieRettungsflieger 17.05 Monk 17.45 Monk 18.30 Bares für Rares 19.20 Bares für Rares 20.15 (für HG) Helen Dorn. Prager Botschaft. TV-Kriminalfilm, D2018 21.45 EinFall fürzwei 22.45 heute-show 23.15 Shapira Shapira 23.45 Blockbustaz 0.20 Blockbustaz 0.50 Arne Dahl: Totenmesse. TV-Kriminalfilm, S2015 2.40 Jussi Adler-Olsen:Schändung. Thriller,DK/D/S 2014 4.35 Gätjensgroßes Kino 4.50 Letzte Spur Berlin ZDF INFO 8.30 DasUniversum –EineReisedurch Raumund Zeit 9.15 So tickt China 11.25 ChinasMarsch nach Westen –Ein Wirtschaftsrieseerwacht 12.10 Das vergessene Amerika –Eine Stadt kämpftums Überleben 13.00 LeschsKosmos 13.30 Geistesblitze –Geniale Erfindungen 15.00 Legendäre Schiffe der U.S. Navy 15.45 Auf denSpuren genialer Forscher undErfinder 18.00 Vonder Keulezur Rakete –Die Geschichte der Gewalt 18.45 Spuren des Krieges 19.30 DieToten vonWaterloo –Auf denSpuren derJahrhundertschlacht 20.15 Panzer! 23.15 Geheimnisseder Sowjet-Technik 0.00 Chruschtschows Baby 0.40 (für HG)heute-journal 1.10 Countdown zumUntergang Radio KLASSIK 20.03 Deutschlandfunk Kultur (89.6 MHz) Konzert Mit Werken vonW.A. Mozart,Chopin, Bartók, ca. 117 Minuten 20.04 RBB KULTURRADIO (92.4 MHz) Klassik-Werkstatt SatiesWelt. Gegenüber den schwelgenden Klängen der Spätromantik wirkte die Klaviermusik von Erik Satie revolutionär einfach und gleichzeitig mystisch verschlossen., ca. 56 Minuten 22.00 Deutschlandfunk Kultur (89.6 MHz) Alte Musik Leipzig sucht den Super-Kantor. Bachs langer Weg ins Thomaskantorat., ca. 30 Minuten 22.05 Deutschlandfunk (97.7 MHz) Musikszene Heinrich Schütz im Panoramablick. Hans-Christoph Rademann und sein Dresdner Kammerchor legen die erste Schütz- Gesamteinspielung vor.,ca. 45 Minuten HÖRSPIEL 14.30 RBB KULTURRADIO (92.4 MHz) Lesung Wolf Biermann: „Barbara” (10/18). Es liest Manuel Soubeyrand, ca. 30 Minuten 20.10 Deutschlandfunk (97.7 MHz) „Katzengeschrei” Mit Hilde Krahl, Gerd David, Cornelia Froboess, Wolfgang Wahl. Regie: Adolf Schröder,ca. 50 Minuten MAGAZIN 9.05 Deutschlandfunk (97.7 MHz) Kalenderblatt Vor 100 Jahren: Die argentinische Politikerin Eva Perón geboren, ca. 5Min. 10.10 Deutschlandfunk (97.7 MHz) Sprechstunde Emotionale Gewalt. Wenn Liebe zerstörerisch wird. Gast: Dr. Wolfgang Schwachula (Internist, Facharzt für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatische Medizin, Bonn). Mit Christian Floto, ca. 80 Minuten 19.15 Deutschlandfunk (97.7 MHz) Das Feature Armeniens Stunde null. Innenansichten der „Samtenen Revolution”., ca. 45 Min. 0.05 Deutschlandfunk Kultur (89.6 MHz) Feature Texas Pattis Karnevalsparty.Besuch beim Pornodreh. Mit Stefan Kaminski. Von Jan Decker,ca. 55 Minuten JAZZ /BLUES 19.30 RBB KULTURRADIO (92.4 MHz) The Voice Marta Gómez., ca. 30 Minuten 21.04 RBB KULTURRADIO (92.4 MHz) Musik der Kontinente Global Sitar:Anoushka Shankar.Mit Peter Rixen, ca. 56 Minuten 21.05 Deutschlandfunk (97.7 MHz) Jazz live Susan &Martin Weinert mit Leszek Mozdzer (2/2). Mit Susan Weinert (akustische Gitarre, Elektronik), Martin Weinert (Kontrabass),Leszek Mozdzer (Piano)., ca. 55 Min.


Berliner Zeitung · N ummer 104 · D ienstag, 7. Mai 2019 – S eite 28 ** ························································································································································································································································································· Panorama LEUTE NACHRICHTEN Sie setzt sich für Minderheiten ein. AP/EVAN AGOSTINI Madonna ist am Wochenende in NewYorkfür Engagement für die Gleichstellung Schwuler und Lesben ausgezeichnet worden. Die60-Jährige erhielt den Medienpreis der Schwulen- und Lesbenorganisation GLAAD.Sie selbst habe sich als Heranwachsende immer als Außenseiterin gefühlt. Madonna würdigte in ihrer Dankesrede ihren Tanzlehrer, einen schwulen Mann, der ihr beigebracht habe,ansich zu glauben –als Mensch und als Künstlerin. Madonna ist eben mehr als nur das ewige „Material Girl“. Jacinda Ardern trägt ihren Verlobungsring am Mittelfinger und sorgt damit in Neuseeland offenbar für verbissenes Rätselraten. Jetzt hat die Premierministerin des Landes das Geheimnis gelüftet: DerRing passt einfach nicht richtig, er sei ein Erbstück und daher müsse er nun mit dem Mittelfinger vorlieb nehmen. Die38-jährige Politikerin hatte sich an Osternmit ihrem Lebensgefährten Clarke Gayfordverlobt. In den vergangenen Wochen bekam Ardern viel Lob dafür,wie sie auf den Terroranschlag auf zwei Moscheen in Christchurch mit 51 Todesopfern reagierte. Iker Casillas ist fünf Tage nach seinem Herzinfarkt in Portugal aus dem Krankenhaus entlassen worden. „Ich muss dankbar sein, ich hatte viel Glück“, so der Profi des portugiesischen Topclubs FC PortoamMontag nach der Entlassung. Zu seiner Zukunft konnte der Weltmeister von2010 und zweifache Europameister,der am 20. Mai38wird, jedoch noch nichts sagen. „Ich weiß nicht, wie meine Zukunft aussehen wird. DasWichtigste ist aber,dass ich heute hier bin und sagen kann, wie ich mich fühle“, so die spanische Torwart-Ikone erleichtert. (mpw./mit dpa) Er ist wieder auf den Beinen und freut sich sichtlich. IMGAO/IVAN DEL VAL TIERE So könnte er ausgesehen haben: Suskityrannus hazelae. DPA/A.ATUCHIN Alarminder Dino-Abteilung der kleinen Tierkastenredaktion: Forscher haben in den USA eine bislang unbekannte kleine Raubsaurier-Artidentifiziert. Der Suskityrannus hazelae genannte Dino lebte vorrund 92 Millionen Jahren und war ein früherVerwandter vonTyrannosaurus Rex, so dieWissenschaftler im Fachblatt NatureEcology and Evolution. DieSkelettreste wurden bereits 1989 im US- Bundesstaat NewMexico gefunden, aber erst jetzt einer Artzugeordnet. DieEchse soll eine Hüfthöhe vonweniger als einem Meter gemessen und zwischen 20 und 41 Kilogramm gewogen haben. Roarrr! (schl.) Die brennende Passagiermaschine bei ihrer Notlandung.41Menschen verlieren dabei ihr Leben. „Vom bösen Blick getroffen“ Nach der Flugzeugkatastrophe mit 41 Toten in Moskau sind die Ursachen immer noch unklar VonStefan Scholl, Moskau VonKatrin Pribyl, London Die freudigen Neuigkeiten vorneweg: Das Royal Baby Number Oneist endlich da.„It’saboy“, gab ein strahlender und sichtlich bewegter Prinz Harry amNachmittag höchstpersönlich via Video-Interview bekannt. Sie seien „außer sich vor Freude“ und sein Sohn „absolut unwiderstehlich“ – „absolutely to die for“, wie der 34-Jährige nachschob. Am Montagmorgen um 5.26 Uhr Ortszeit brachte die Herzogin von Sussex in Anwesenheit ihres Mannes eine Woche nach dem errechneten Geburtstermin einen Jungen auf die Welt –3260 Gramm schwer und gesund sei er, wie es vom Palast hieß. Undauch die Mutter sei wohlauf, berichtete der frischgebackene Vater, der das Erlebnis, der Geburt beizuwohnen, als „fantastischste Erfahrung“ beschrieb, die er sich jemals vorstellen konnte. „Wie Frauen das Das ausgebrannte Flugzeug nach den Löscharbeiten. Inferno und Überleben waren nur wenige Meter voneinander entfernt. Während riesige Flammen das Heck des 30-Meter-Jets verzehrten, konnten sich die Passagiere imBug über schnell aufgeblasene Notrutschen in Sicherheit bringen. Trotzdem endete die Notlandung einer Aeroflot-Passagiermaschine am Sonntagabend auf dem Moskauer Flughafen Scheremetjewo katastrophal. Ein nach Murmansk gestarteter Sukhoi Superjet 100 bekam wenige Minuten nach seinem Start gegen 17 Uhr MESZ technische Probleme und musste umkehren. Bei der Landung sprang der SSJ-100 zweimal auf, fing nach dem zweiten Aufprall Feuer und geriet in Brand. Von78Menschen an Bord kamen 41 ums Leben, darunter zwei Kinder und ein Flugbegleiter. Das russische Ermittlungskomitee hat ein Strafverfahren eröffnet. Es prüft mangelhafte Qualifikation der Piloten und Fluglotsen, einen Defekt am Flugzeug sowie widrige Wetterbedingungen als mögliche Ursachen. Der Telegram-Kanal Baza zitiert Denis Jewdokimow, den Piloten der Unglücksmaschine,ein Blitz sei in den aufsteigenden Jet eingeschlagen und habe den Funkkontakt sowie andereBordsysteme ausgeschaltet. Es sei gelungen, die Funkverbindung über eine Notfrequenz wiederherzustellen, die Fluglotsen von Scheremetjewo hätten die Maschine auf eine Reservelandebahn geführt. Nunfragen sich Experten, warum der Jet sofort notlandete. Üblicherweise kreisen Passagierflugzeuge in solchen Situationen, um möglichst viel Treibstoff zu verbrennen und so die Feuergefahr bei einer Bruchlandung zu verringern. Außerdem herrscht Unklarheit, wie der Blitz das Flugzeug und seine Systeme beschädigen konnte. Russische Fachleute verweisen darauf, dass der SSJ-100 wie andere moderne Jets ein System zur Ableitung statischer Energie besitzt.„Eine normale Maschine nimmt einen Blitzeinschlag nicht einmal wahr“, erklärt der Luftfahrtexperte Vadim Lukaschewitsch. Aber das Portal forbes.ru und die Agentur Interfax zitieren Insider, die sagen, die komplette Automatik der Maschine sei ausgefallen. Deshalb hätte die Besatzung eilig versucht zu landen, aus 1400 Meter Höhe und mit dem Übergewicht der vollen Tanks. „Das Fahrgestell brach“, schreibt Interfax, „seine Teile gerieten vielleicht in ein Triebwerk, das Feuer fing.“ Die Flugschreiber sind stark beschädigt worden. Sie seien bei dem Brand hohen Temperaturen ausgesetzt gewesen, teilte das russische Zwischenstaatliche Luftverkehrskomitee (MAK) der Agentur Interfax zufolge am Montagabend mit. Das Gerät, das die Kommunikation an Bord aufzeichnet, sei in einem „zufriedenstellenden Zustand“.„Alle Fluginformationen wurden kopiert.“ Die Auswertung könne jedoch mehrere Tage dauern. Der SSJ-100 wird seit 2011 im Kurz- und Mittelstreckenverkehr eingesetzt und gilt als Vorzeigemodell der russischen Luftfahrtindustrie: Die erste Zivilmaschine russischer Produktion seit dem Ende der Sowjetunion und die erste, die ausschließlich mit Hilfe digitaler Technik entwickelt wurde. Aber jetztverweisen Fachleute auf den schon mystisch schlechten Ruf des Jets..„Vielleicht hat man den SSJ- Es ist ein Junge! Das Warten hat ein Ende: Prinz Harry und Meghan sind zum ersten Mal Eltern geworden Die offizielle Verlautbarung des Palastes und der glückliche Vater am Montag. DPA AFP/DPA more Cottage in Windsor weilt. Kurz nach der Verkündung knallten vor Schloss Windsor die Champagnerkorken und Jubel brach aus. Anders als bei den Geburten der drei Kinder der Herzogin von Cambridge und Prinz William wählten Meghan und Harry einen privateren Ansatz. Anstatt bereits wenige Stun- DPA 100 im Geburtsstadium zu oft gezeigt und er wurde vombösen Blick getroffen“, sagt die Luftfahrtexpertin Anastasia Dagajewa dem Sender TV Doschd. 2012 endete ein Präsentationsflug über Indonesien damit, dass die Maschine wegen eines Pilotenfehlers einen Berg rammte. Zahlreiche Pannen und Notlandungen danach forderten zwar keine weiteren Menschenleben. Aber weil Belüftungssysteme,TriebwerkeoderBordcomputer streikten, mussten immer wieder Flüge gestrichen werden. Im November 2018 zogdie Fluggesellschaft Brussels Airlines ihre SSJ- 100 wegen häufiger Pannen undnicht übersetzter Gebrauchsanweisungen aus dem Verkehr, laut der Wirtschaftsagentur RBK erwägt die mexikanische Firma Interjet angesichts stockender Ersatzteillieferungen dasselbe. „Die Maschine ist gut, die Piloten loben sie“, sagt der Aeroflot-Flugkapitän Andrei Litwinow. „Aber bei der Organisation um das Flugzeug herum herrscht Schlamperei, sowohl bei der Wartung der Triebwerke wie bei derVersorgung mit Ersatzteilen.“ In Russland aber ist eine Debatte über jene Passagiere ausgebrochen, die bei ihrer Rettung Koffer und Handgepäck retteten. Obwohl deren Bergung für andere Passagiere, die sich weiter hinter in der brennenden Kabine befanden, vielleicht den Tod bedeutete.„Wie lebt es sich mit dem Gedanken“, fragt Experte Lukaschewitsch,„dass man seine Unterwäsche auf Kosten anderer Menschenleben gerettet hat?“ machen, was sie machen, ist unbegreiflich.“ Die königliche Familie inklusive Königin Elizabeth II. war bereits informiert und –was sonst? –alle sind überglücklich angesichts der frohen Kunde. Genauso natürlich die Mutter der Herzogin, Doria Ragland, die bei IhrerKöniglichen Hoheit in Frogden nach der Geburt perfekt gestylt und mit Baby im Armvor die wartenden Anhänger und Journalisten zu treten, wie das Kate in Perfektion vollführte, wollen sich Meghan und Harry erst am Mittwoch zeigen und das Baby, dann wohl auch mit Namen, präsentieren. Wenn es um den künftigen Titel des Nachwuchses geht, wirdeskompliziert. EinDokument aus dem Jahr 1917 regelt die Verleihung eines Titels oder eines Status, und demnach gebührtessich nicht, dass die Kinder des zweitgeborenen Sohnes, indiesem Fall Prinz Harry, des Thronfolgers, indiesem Fall Prinz Charles, in den Genuss des Prinzen-Status kommen. Und damit wird dem kleinen Jungen der Prädikatstitel „Seine Königliche Hoheit“ verwehrt. Vielmehr könnte er als „Grafvon Dumbarton“ geführtwerden. DieGrafschaft leitet sich von Prinz Harry ab, der auch Earl of Dumbarton ist. Unbekannte überfallen Café mit Maschinengewehr Beieinem bewaffneten Raubüberfall auf ein Café im hessischen Oberursel haben Unbekannte in der Nacht zum Montag mehrereTausend Euro Bargeld erbeutet.Wiedie Polizei am Montag mitteilte,betraten mutmaßlich fünf mit Sturmhauben maskierte Männer,von denen einer ein Maschinengewehr trug, das Café. Siebedrohten die Anwesenden mit der Waffe,versprühten Reizgas und forderten Bargeld. Miteiner Beute von etwa 8000 Euro flohen die Männer mit dem Auto.Mindestens einer der Gäste erlitt laut Polizeibericht Atemwegsreizungen und musste im Krankenhaus behandelt werden. (dpa) Polizei findet fünftes Opfer von Serienmörder auf Zypern Ermittler haben auf Zyperndas fünfte Opfer eines mutmaßlichen Serienmörders entdeckt. DieLeiche sei am Sonntag in einem Koffer auf dem Grund eines Baggersees südwestlich der Hauptstadt Nikosia gefunden worden, sagte ein Polizeisprecher.Der 35-jährigeVerdächtige, ein Offizier der zyprischen Armee, soll die Tötung voninsgesamt sieben ausländischen Frauen und Kindern eingeräumt haben. DeramSonntag gefundene Körper befinde sich „in einem fortgeschrittenen Stadium der Zersetzung“, sagte der Polizeisprecher. (dpa) Thailands frisch gekrönter König Rama X. dankt Volk König Maha Vajiralongkornwinkt huldvoll seinem Volk zu. DPA/SAKCHAI LALIT Thailands frisch gekrönter König MahaVajiralongkornhat sich am Montag in Bangkok erstmals in einer kurzenAnsprache ansVolk gewandt. VomBalkon des Großen Palastes aus dankte er für die vielen gutenWünsche.Der 66 Jahrealte Monarch und seine neue Frau, Königin Suthida (40), wurden vonmehrals 40000 Menschen bejubelt. ZumSchluss des etwa fünfminütigen Auftritts winkten beide kurzzurück. DerKönig –auch Rama X. genannt –las seine Rede von einemBlatt ab.Ersagte:„Ich und die Königin sehen voller Freude,wie das Volk so großzügig erschienen ist, um mir anlässlich meiner Krönung im Einklang seine gutenWünsche zu überbringen. Möge jeder glücklich sein und bekommen, was er sich wünscht.“ DieRedegehörte zu den letzten Programmpunkten der dreitägigen Krönungsfeiern. (dpa) Mindestens 58 Tote in Niger bei Explosion von Tanklaster Im westafrikanischen Niger sind bei der Explosion eines Tanklasters mindestens 58 Menschen getötet worden. Zu dem Unfall sei es in der Nähe des Flughafens der Hauptstadt Niamey gekommen, teilte Innenminister Mohamed Bazoum mit. Der Grund hierfür war zunächst unklar. Mindestens 37 Menschen seien verletzt worden und in Krankenhäuser gebracht worden, teilte der Minister mit. Vergangene Wochebesuchte Bundeskanzlerin Angela Merkel den westafrikanische Staat. (dpa)

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