Berliner Zeitung 07.05.2019

BerlinerVerlagGmbH

Exklusive Forsa-Umfrage zum Leben der Berliner nach dem Mauerfall – Seiten 2und 3

4°/13°

Mit ein wenig Sonne

Wetter Seite 24

www.berliner-zeitung.de

Dienstag,7.Mai 2019 Nr.104 HA -75. Jahrgang

Auswärts/D*: 1.70 €–Berlin/Brandenburg: 1.60 €

Die Wahl: „Mal sehen, wasder Krenz

nachher im Fernsehen sagt.“ ULLSTEIN

Ein wildes

deutsches Jahr

Der 7. Mai 1989 brachte die Geschichte ins Rutschen: Mit den gefälschten Wahlen

in der DDR war für viele das Maß voll –sechs Monate später änderte sich die Welt.

Eine Sonderausgabe der Berliner Zeitung über den Wegzum Mauerfall

Die Erinnerung: „Damals entlud sich die

Wut“, sagt Gregor Gysi. BLZ/PAULUS PONIZAK

Geschichte erklärt sich erst im Nachhinein,

aber im Frühjahr 1989 war vielen Menschen

klar,dass sich bald etwas ändernwürde.

Werheute sagt, er habe schon damals geahnt,

dass ein halbes Jahr später die Mauer fallen würde,

nun ja, dem muss man nicht glauben. Weraber damals

gespürthat, dass vonjenen Tagen im Maianviel infrage

gestellt werden sollte,der lag richtig in dieser Geschichte,

die damals noch umkämpfte Gegenwartwar.

Olaf Schwarzbach zum Beispiel, Sie kennen ihn als

OL, Karikaturist der Berliner Zeitung, ging 1989 zum ersten

Mal wählen und erkannte bald: Die Staatsmacht

steht mit dem Rücken zur Wand. Hans Modrow, der

SED-Mann, verstand die Welt nicht mehr. Der Anwalt

Gregor Gysi wurde in ein neues Leben gestoßen, ein Politikerleben.

Annette Simon, Christa Wolfs Tochter,

spürte Hoffnung in jenen Tagen. Bürgerrechtler aus dem

Weißenseer Friedenskreis waren sich unsicher,wie weit

sie gehen konnten, ohne sich in Gefahr zu bringen. Der

SchriftstellerVolker Braun sah das Ende der Zensur.

Sie alle erinnern sich nun an diese besondere Zeit.

Damals war die Geschichte offen, sie bewegte sich hin

zu einem offenen Land. Das ist jetzt dreißig Jahre her,

vergangen ist es nicht.

Zeit für eine Bilanz in der Berliner Zeitung –ineiner

Sonderausgabe über den Wegzum Mauerfall. Wir bieten

Ihnen auf 22 Seiten ein Panorama der Zeit, die immer

noch in unsere Gegenwart reicht. Auf den letzten

sechs Seiten dieser Zeitung finden Sie heute das Aktuelle,

den Tagestipp und das Fernsehprogramm. Wir

wünschen Ihnen viel Freude auf dieser besonderen

Zeitreise.

Herzlich, Ihr Jochen Arntz, Chefredakteur,

und die Redaktion der Berliner Zeitung

Die Blamage: Der BND dachte, die DDR

halte noch lange durch. PHOTOGRAPHER’S CHOICE

Das Erbe: Viele Konflikte sind unbearbeitet,

sagt Annette Simon. V. OTTO

Der Plan: Bis Budapest und dann mal

sehen. OL wollte weg. BLZ/MARKUS WÄCHTER

21019

30

Jahre ohne Mauer

4

194050

501603


2 Berliner Zeitung · N ummer 104 · D ienstag, 7. Mai 2019

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Das Jahr 1989

Als Kind habe ich in der Nähe

der Bernauer Straße gewohnt.

Bevor die Mauer gebaut wurde,

bin ich immer rüber in den Westen

gegangen, ins Kino. Eine Vorstellung

für 25 Pfennig!

Die Grenzöffnung selbst habe

ich im Schlaf verbracht. Man

wusste ja gar nicht genau, was los

ist. Der Schabowski selbst wusste

ja nicht, was er da vorliest. Undder

DDR-Bürger musste am nächsten

Tagarbeiten. Am Morgen saß dann

plötzlich mein Schwager aus dem

Westen in unserer Küche. Der ist

angeschickert über die Mauer geklettert.

Da wusste ich erst: Es

stimmt. Zwei Wochen später bin

Jürgen Hintze, 66

Der alte Wegzum Kino

Jürgen Hintze hat nach der Wende zwei

neue Berufe gelernt.

ich zum ersten Mal meinen alten

Weggegangen, wie früher ins Kino:

die ganzeBernauer Straße entlang,

in die Brunnenstraße nach Wedding

rein. Die war dort damals

noch nicht so zugebaut wie heute,

sondern voller Fressbuden. Die

Gerüche haben mich fasziniert,

wie schon als Kind: Sogar aus den

Wurstbuden roch es nach exotischen

Gewürzen.

Zu DDR-Zeiten war ich Physiklaborant.

Nach dem Mauerfall

habe ich erst Kommunikationselektroniker

und dann Tischler gelernt.

Vorallem die Arbeit mit Holz

hat mir Spaß gemacht. Das ging

nur dank der Wende.

Ich lebe in Warschau, in Polen.

Dort hat das Jahr 1989 viel verändert.

Ich war damals erst sechs

Jahre alt, aber ich erinnere mich

an die Coca-Cola-Dosen und Legosteine,

die es plötzlich auch

ohne Dollar zu kaufen gab. Das

habe ich geliebt. Vorher waren

die Regale in den Geschäften oft

leer, vor allem westliche Produkte

gab es fast gar nicht im Angebot.

Mein Vater machte sich nach

dem Mauerfall selbstständig, wie

so viele andere auch. Das war

fantastisch. Viele Russen kamen

nach Warschau, um von der Öffnung

der Märkte zu profitieren.

Marek Skrzecz, 35

Ein amerikanischer Traum

Marek Skrzecz kommt aus Warschau

und sieht sich heute als Europäer.

Marcel Beier, 25

Genauso cool oder uncool

Viele der damals gegründeten

Firmen zählen heute noch zu den

erfolgreichsten Unternehmen.

Ich bin Regisseur und zurzeit

in Berlin, um meinen Film vorzustellen.

Er heißt „American

Dream“. Es geht darin um einen

Jungen, der in einer kleinen polnischen

Stadt aufwächst und

Wrestler in Amerika werden will.

Für ihn sind all diese Dinge aus

dem Westen faszinierend. Ein

großer Traum, wie für mich damals

auch.

Heute spielt die Teilung für

mich keine Rolle mehr. Ich sehe

mich als Europäer, nicht als

Mensch aus dem Osten.

Fragen

der

Freiheit

Wieblicken die Berliner auf den

Mauerfall zurück? Wasüberwiegt –

das Positive oder das Negative? Und

wie steht es um die Unterschiede

zwischen West und Ost?

VonAnnika Leister

Ich bin erst 25 Jahre alt, die

Wende habe ich ja nicht miterlebt.

Aber ich finde, dass sich die

Teilung immer noch bemerkbar

macht. Vorallem bei den Älteren.

Das habe ich auf der Arbeit gemerkt.

Ich habe bis vor kurzem in

einer Elektro-Firma gearbeitet. Im

Betrieb haben sich die Kollegen regelmäßig

als „Ossis“ und „Wessis“

beschimpft. Manchmal sind die

sich richtig an den Kragen gegangen,

das ist total ausgeartet. Konkrete

Kritik hatten sie nicht, abgelehnt

haben sie sich trotzdem.

Ich bin in West-Berlin aufgewachsen.

Mein Vater hatte früher

auch so eine Einstellung, nach

dem Motto: „Scheiß-Ossis“. Eine

Marcel Beier hätte am liebsten eine

Wohnung in Friedrichshain.

Zeit lang habe ich das als Jugendlicher

übernommen. Bis ich gemerkt

habe: Wasfür ein Quatsch.

Diesind genauso cool oder uncool

wie alle anderen.

Seit Wochen bin ich auf Wohnungssuche

und inzwischen ziemlich

verzweifelt. Am Anfang hatte

ich noch ein paar Wunschbezirke.

Friedrichshain zum Beispiel, dort

würde ich sofort wohnen. Inzwischen

nehme ich alles. Nur in den

allertiefsten Osten, nach Hellersdorf,

würde ich immer noch nicht

ziehen. Ich glaube, dort würde ich

depressiv werden. Wasich an Ost-

Berlin mag: Da berlinerndie Menschen

noch stärker. Für die Stadt

finde ich das wichtig.

Ich wünsche mir die DDR zurück

Ich kam am Tagdes Mauerfalls

vonder Spätschicht, da rief mein

Schwiegersohn an und sagte: Die

Grenzen sind auf. Undich hab gesagt:

Du spinnst doch. Dann sind

wir mit dem Trabi rüber in den

Westen gefahren. Auch am nächsten

Tagsind wir gleich wieder rüber,habenWestgeld

zusammengeklaubt

und eingekauft: Kaffee und

was es plötzlich alles gab. Das war

fantastisch.

Aber als danach die ganzen Fabriken

zusammengebrochen sind,

als so viele arbeitslos wurden, das

war schlimm. Ich wünsche mir die

DDR zurück. Nicht wegen der Regierung,

die haben jede Menge

Christel Hoffmann, 83

Christel Hoffmann tanzte gerne in Clärchens

Ballhaus die Nacht durch.

Scheiße gebaut. Aber die Möglichkeiten

für Kinder und Frauen waren

damals viel besser.

Ichhabe sechs Kinder,die konnten

ins Ferienlager fahren, waren

bei den Pionieren. Und ich habe

mein Leben lang gearbeitet. Zu

DDR-Zeiten war das normal, dass

Frauen trotz Kindern arbeiten und

Karriere machen konnten. Das hat

sich leider verändert. Auch der Zusammenhalt

unter den Kollegen

war besser.Wir haben unsereTrinkgelder

immer in Clärchens Ballhaus

auf den Kopf gehauen und die

ganze Nacht getanzt. Das wünsche

ich den Leute heute noch, dass sie

so einen Spaß erleben.

Es war der Anfang vom Ende der DDR:

Der Nachweis, dass die Staatsführung

bei den Kommunalwahlen am 7. Mai

1989 betrogen hatte,stärkte die Oppositionsbewegung

in der DDR. Kritik wurde von

den Bürgernimmer deutlicher geäußert, vonda

an wurde monatlich demonstriert.

Im Frühjahr 1989, zum Zeitpunkt der Kommunalwahlen,

hatten dabei nur wenige der

heute über 40 Jahrealten Berliner damit gerechnet,

dass die Mauer noch imselben Jahr fallen

würde: Insgesamt besaßen nach eigener Einschätzung

nur sieben Prozent diese Weitsicht,

sechs im Osten Berlins,achtimWesten. Dashat

das Meinungsforschungsinstitut Forsa im Auftrag

der Berliner Zeitung in einer repräsentativen

Umfrage ermittelt. Vom 16. bis 25. April

wurden dafür 1005 Berliner befragt.

Wir wollten außerdem wissen: Wie blicken

die Berliner heute auf die Wiedervereinigung

zurück? Überwiegt für sie 30 Jahre nach dem

Mauerfall das Positive oderdas Negative?

Auf letztere Frage sagen 64 Prozent der Befragten,

also rund zwei Drittel aller Berliner:Das

Positive überwiegt eher.Für neun Prozent überwiegt

eher das Negative. 21 Prozent sehen sowohl

negativeals auch positiveFolgen.

Zwischen Berlinern im Ost-Teil der Stadt

und Berlinern imWest-Teil ergeben sich da so

gut wie keine Unterschiede.Altersunterschiede

machen sich allerdings bemerkbar:Bei den 30-

bis 44-Jährigen überwiegt mit 73 Prozent besonders

das Positive,gefolgt vonden 45- bis 59-

Jährigen mit 63 Prozent.

Am niedrigsten sind die Werteinteressanterweise

bei den Älteren und den Jungen: Sowohl

für die Gruppe der über 60-Jährigen als auch für

die Gruppe der 18- bis 29-Jährigen, die zum

Mauerfall noch gar nicht geboren waren, überwiegt

nur zu 58 beziehungsweise 59 Prozent das

Positive –die niedrigsten Werte. Jeweils sieben

Prozent der Älteren wie der Jungen bewerten

den Mauerfall und seine Folgen eher negativ.

Sowohl Positives als auch Negatives sehen nur

neun Prozent der Unter-30-Jährigen, aber 34

Prozent der Über-60-Jährigen.

Unterschiede machen sich auch beim Blick

auf die von den Befragten bei Wahlen präferierte

Partei bemerkbar:34Prozent der AfD-Anhänger

finden, dass drei Jahrzehnte nach dem

Mauerfall vorallem das Negativeüberwiegt. Bei

allen anderen Parteien ist diese Zahl nur einstellig.

Besonders positiv betrachten mit 77 Prozent

Anhänger der CDU und mit 76 Prozent

Wähler der SPD die Folgen des Mauerfalls. Die

Grünen liegen bei 73 Prozent. Mehrheitlich positiv

gestimmt sind auch die Anhänger der FDP

(58 Prozent) und der Linken (53 Prozent). Die

AfD-Anhänger verzeichnen auch hier den niedrigsten

Wert: Nur 39 Prozent glauben, dass das

Positive nach dem Mauerfall überwiegt.

Mit63Prozent glaubt die Mehrheit derBerliner

jedoch, dass die Folgen der Teilung in der

Hauptstadt in vielen Bereichen noch spürbar

sind. Den Menschen über 60 geht es zu 69 Prozent

so, den 18- bis 29-Jährigen zu 57 Prozent.

Die30- bis 44-Jährigen und die 45- bis 59-Jährigen

liegen mit 59 und 64 Prozent dazwischen.

Am häufigsten sind Anhänger der FDP mit

73 Prozent davon überzeugt, dass die Folgen

der Teilung in Berlin noch häufig spürbar sind.

An zweiter Stelle folgen mit 71 Prozent die AfD-

Wähler, dicht vor den Anhängern der Linken

mit 68 Prozent.

Ob sich das je ändernwird? Ob die Teilung irgendwann

keine Rollemehr spielt? MitBlick auf

die aktuell im Abgeordnetenhaus vertretenen

Parteien sind die Berliner wenigzuversichtlich.

Auf die Frage, welcher dieser Parteien sie am

ehesten zutrauen, dafür zu sorgen, dass die anhaltenden

Folgen derTeilung in der Stadt überwunden

werden, sagen 40 Prozentder Berliner,

dass sie gar keine Partei für kompetent genug

halten. Bei jenen, die glauben, dass eine Partei

es schaffen kann, ergibt sich kein klares Bild:

15 Prozent der Befragten trauen das der Linkspartei

zu, 14 Prozentden Grünen, zwölf Prozent

derSPD undelf Prozentder CDU. AfD und FDP

schneiden mit fünf beziehungsweise drei Prozent

am schlechtesten ab.

Annika Leister

war drei Jahre alt, als

die Mauer fiel.


Berliner Zeitung · N ummer 104 · D ienstag, 7. Mai 2019 3 *

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Der Weg zum Mauerfall

30 Jahre nach dem Mauerfall sind die Folgen der Teilung

in Berlin ...

weitgehend überwunden

noch in vielen Bereichen spürbar

weiß nicht

Angaben in Prozent

33

38

Anhänger von

43

36

Ost-Teil

18- bis 29-

Jährige

PD

CDU

Überwiegt 30 Jahre nach dem Mauerfall das Positive oder

das Negative?

das Positive das Negative sowohl als auch

insgesamt

Ost-Teil

66

57

55

63

Angaben in Prozent

insgesamt

Ost-Teil

West-Teil

18- bis 29-Jährige

30- bis 44-Jährige

45- bis 59- Jährige

60 Jahre und älter

an 100 Prozent fehlende Angaben =„weiß nicht“

Welcher Partei traut man am ehesten die Bewältigung

der Teilungsfolgen zu?

Linke Grüne SPD CDU AfD FDP keiner Partei

Angaben in Prozent

15 14

20

36

38

West-Teil

West-Teil

30- bis 44-

Jährige

12 11

14

11

insgesamt

9

31

27

11

61

59

64

5

35

LinkeS

Grüne

FDP

45- bis 59-

Jährige

60 Jahre

und älter

Basis: Befragte, für die die Folgen der Teilung in vielen Bereichen noch spürbar sind

3

4

36

14 13

68

73

64

30

42

27

63

weiß nicht 2

AfD

21

63 9 23

64 8 20

58 7 9

73 5 15

69

55

71

63 15 22

59 7 34

7

16

40

2

4 5

42

37

BLZ/HECHER; QUELLE: FORSA

Als die Mauer 1989 fiel, war ich

fünf Jahre alt. Da haben wir in

Ludwigsfelde gelebt. Das Einzige,

was ich vondamals noch weiß, ist,

dass ich jede Menge Angst hatte.

Zu Hause waren alle so aufgeregt,

alle liefen durcheinander.Dahabe

ich gedacht, der Krieg bricht aus.

Danach war der Mauerfall bei

uns in der Familie gar kein Thema

mehr. Nur bei der Einschulung

1990, da war ich sehr traurig.

Meine älteren Brüder waren alle

Pioniere. Aber die gab es dann ja

nicht mehr, und ich durfte kein

Pionier mehr werden.

Ansonsten haben sich die Veränderungen

für mich in Grenzen

Man spürt den Wandel am Publikum

ImOsten gab es Intershops,indenen

man nur mit fremder Währung,

vorallemWest-Mark, bezahlte.

Für westliche Produkte. Schon als

Kind habe ich im Betrieb meiner Elterngeholfen

und dafür vomKellner

Trinkgeld inWest-Markbekommen.

Mal eine Mark, mal zwei. Das Geld

habe ich sofortinden Intershop gebracht.

Derhatte einen besonderen

Geruch. Ichnenne das mal: den Geruch

desWestens.

Drei Wochen nach der Grenzöffnung

bin ich mit meinen Eltern

zum ersten Mal inden Westen gefahren,

in den Wedding, und war

schwer enttäuscht. Dort hat es nir-

Ich lebe in Holland und bin gerade

zum ersten MalzuBesuch

in Berlin. Als die Mauer fiel, war

ich 17 Jahre alt. Quasi noch ein

Kind. Ich war damals politisch

nicht interessiert und habe die

Dimension der Bilder, die ich jeden

TagimFernsehen sah, kaum

verstanden: Hunderte Menschen

auf der Mauer, die jubelten, die

feierten, die sich in die Arme fielen.

Für mich war das damals

eine einzige riesige Party.

Als ich älter wurde und meine

eigene Familie gründete, wurde

die Welt und die Politik für mich

plötzlich viel wichtiger. Jetzt habe

ich zwei Töchter im Jugendalter.

Denen versuche ich zu erklären,

Marcus Barkowsky, 43

Marcus Barkowskyhat heute ein Lokal

mit internationaler Kundschaft.

Angelique Prince, 48

Erinnern für die Zukunft

Angelique Prince will ihren Töchtern

Geschichte vermitteln.

gendwo nach Westen gerochen.

Überhaupt nicht. Erst später habe

ich verstanden, dass der Wedding

nicht zu den reichen Gegenden der

Stadt gehört. Ich habe eine Gaststätte

in der Münzstraße, das Marcus

Bräu. Da spürtman denWandel

in der Stadt am Publikum. Früher

hatten wir viele Stammkunden aus

dem Osten, die haben Goldbrand

und Futschi getrunken. Heute gilt

das als Säufergetränk. Die Leute in

Mitte und meine Kundschaft wurden

komplett ausgetauscht. Heute

ist meine Kundschaft international.

Die einzige Nation, die noch nicht

hier war,ist Nordkorea.

Jetzt kenne ich die Geschichten der Toten

Ich komme aus Großbritannien

und bin nur für ein paar Tage in

Berlin. Aber die Mauer war auch

ein Teil meines Lebens. Als Kind,

als Jugendlicher, als Erwachsener.

Sie bestimmte die Welt, die ich

kannte.Sie war das Symbol für den

Kampf zwischen den beiden Weltmächten.

Siewar immer da.

Und dann passierte 1989 alles

so schnell. Nachrichten über

Deutschland und Bilder von der

Mauer waren den ganzen Tagüber

bei uns in den Nachrichten. Plötzlich

war die Mauer weg und mit

ihr diese grauenhafte Regierung.

Ich denke, esist ein Triumph für

die Menschheit, dass beide gefallen

sind.

Jessica Tscheuffa, 35

Ost oder West, völlig egal

Jessica Tscheuffa wohnte früher im Osten,

heute im Westen. ANDREAS KLUG (8)

Derek Williams, 64

Derek Williams beeindrucken die persönlichen

Schicksale.

gehalten. Sicher, esgab plötzlich

andere Produkte im Supermarkt

zu kaufen. Die Milchtüten sahen

anders aus. Aber ich finde nicht,

dass es große Mentalitätsunterschiede

gibt.

Ostoder West –das ist doch völlig

egal. Heute lebe ich in Wedding,

auch meine Familie wohnt im

Westen. Einfach deshalb, weil da

eine Wohnung frei war. Ich fahre

jeden Morgen mit dem Fahrrad

zur Arbeit, die Bernauer Straße

entlang. Dass dort die Mauer

mal stand, dass da früher kein

Durchkommen war – das kann

ich mir heute gar nicht mehr

vorstellen.

Ich habe heute die Mauergedenkstätte

besucht und war beeindruckt.

Dort wird Geschichte

gekonnt personalisiert. Ichwusste

zum Beispiel, dass an der Mauer

Menschen erschossen wurden. So

wie man Dinge eben weiß: Ich

habe Filme über diese Zeit gesehen,

ich habe viele Bücher gelesen.

Ichkenne die Fakten, die Zahlen.

Aber ich kannte nicht die Namen

der Toten, ihreGesichter und

Geschichten. Diese zu hören und

zu lesen verändert eine Menge.

Dort wird einem eindrücklich gezeigt,

was man viel zu leicht vergisst:

Menschen haben ihr Leben

gelassen, um frei zu sein. Das ist

eine große Sache.

was damals passiert ist und was

der Fall der Mauer bedeutet. Aber

die sagen: Ja, Mama, schon gut.

Das ist doch schon so lange her.

Für sie spielt das heute keine Rolle

mehr.

Wenn ich mich in der Welt umsehe,

finde ich es aber immer

wichtiger, mich daran zu erinnern,

wie die Menschen in der

DDR unterdrückt und wie ihre

Rechte beschnitten wurden. Ob

in China oder in zahlreichen

muslimischen Staaten: Es gibt

noch so viele Länder mit repressiven

Regierungen, in denen die

Menschen auch heute noch

nicht sagen können und wählen

dürfen, was sie wollen.

GRUSSWORT

„Die Freiheit

verteidigen“

VonMichael Müller,

Regierender Bürgermeister

Der 7. Mai1989 war ein denkwürdiger

Tag, vorallem für die Menschen

im Ostteil Berlins. Doch diese

letzte DDR-Wahl nach dem Prinzip

der Einheitslisten war in ihren Folgen

für ganz Berlin von historischer Bedeutung.

Und wir in West-Berlin

schauten schon in diesem Frühjahr

viel genauer hin als früher. In der

DDR ging es nur um Scheinwahlen,

das Ergebnis durch die SED gefälscht,

damit die Prozente die gewünschten

Höhen erreichten.

Vom„Zettelfalten“ zum Überprüfen

der Auszählung – das war ein

schwerer Weg. Als dann die Widerstände

überwunden waren und die

Menschen Mut gefasst hatten sich

einzumischen, wurde es plötzlich

auch möglich, den Herrschenden

ihreFälschungen nachzuweisen, und

das brachte das Regime um seine

Schein-Legitimierung. Die Überwindung

der Angst hatte die Türen zur

Freiheit geöffnet. An diesem Tagkam

der Tagdes Mauerfalls in Sicht und

damit die Ahnung einer gemeinsamen

Zukunft.

Diese Freiheit betraf unsereganze

Stadt. Sie und ihre Chancen waren

neu. DieFreiheit brachte neue Aufgaben

und neueVerantwortung. Da war

die Notwendigkeit, die Stadt als Ganzes

neu zu organisieren. Berlin

musste sich neu finden, doch auch als

Ganzes funktionieren.

Für viele Berlinerinnen und Berliner,besonders

im Ostteil, waren über

einen längeren Zeitraum Umstellung,

Neuorientierung und Neuanfang die

Folge.

Diese Lebensleistung angemessen

wertzuschätzen, ist manchmal in den

Hintergrund getreten. Unser Berlin

ist heute zusammengewachsen.

30 Jahre danach ist das unser Erfolg.

Das ändert nichts an Biografien und

daran, dass die Teilung diese Biografien

geprägt hat. Es sind unsereLeben

gewesen, auf beiden Seiten der

Mauer.

Berlin vermittelt heute ein neues

Lebensgefühl. Es ist die „Stadt der

Freiheit“, die weltweit in aller Munde

ist, in die alle kommen wollen, in der

viele leben und arbeiten möchten,

ein Sehnsuchtsort und eine Heimat.

Die Berlinerinnen und Berliner haben

die Chancen der Freiheit ergriffen.

Berlin ist auf dem Wegzur Vier-

Millionen-Stadt. Das bringt neue

Herausforderungen, aber auch Chancen

mit sich. Es geht dabei um uns,

um den Erhalt und die Gestaltung unserer

Werte und unserer Freiheit, für

die die Stadt steht.

Unsere freiheitliche Lebensweise

ist mit neuen Widerständen konfrontiert.

Ich denke an den Terror-Anschlag

auf dem Breitscheidplatz und

an Antisemitismus, Fremdenfeindlichkeit

und Rechtspopulismus. Wir

müssen die Freiheit Tagfür Tagverteidigen.WirBerlinerinnen

und Berliner

werden uns für Freiheit und Demokratie

einsetzen –gegen alle Widerstände.Denn

wir wollen in einer weltoffenen

Stadt der Toleranz leben –in

der„Stadt der Freiheit“.

Wirhaben dieWahl. Alle Bürgerinnen

und Bürger können heute von

denen lernen, die am 7. Mai 1989 für

freie,gleiche und geheimeWahlen gekämpft

haben. DieFreiheit zu verteidigen,

bedeutet, dass man seine

Rechte wahrnimmt. Dazu gehört,

sein Wahlrecht wahrzunehmen –die

nächste Gelegenheit sind die Europawahlen

am 26. Mai.

BLZ/PONIZAK

Konzept und Gestaltung

dieser Sonderausgabe:

Bettina Cosack und Annette Tiedge


4 Berliner Zeitung · N ummer 104 · D ienstag, 7. Mai 2019

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Das Jahr 1989

Kontrollaktion:

Wahlbeobachter verfolgen

am Abend des

7. Mai 1989 in 1000

Wahllokalen in 50 Städten

der DDR die Stimmauszählung,hier

im Wahllokal 802

im Ernst-Thälmann-Parkin

Ost-Berlin.

KLAUS MEHNER/ULLSTEIN BILD

Auf diesen Taghaben sich so

viele Menschen mit so viel

Sorgfalt vorbereitet. Selbst

das Wetter spielt mit, die

Sonne strahlt verheißungsvoll. An

Straßen hängen Fahnen, die zur

Wahl aufrufen; von Plakaten lächeln

Bürger,prangen Losungen wie„DDR

–mein Vaterland“, „Den Kandidaten

der Nationalen Front Verantwortung

und Vertrauen“, „Arbeite mit, plane

mit, regieremit“.

Erich Honecker,DDR-Staats- und

SED-Parteichef, geht mit seiner Frau

wählen. Fidel geht es zu in dem

Wahllokal in Berlin-Niederschönhausen.

Das bezeugt das Bild eines

Fotografen, welches das SED-Zentralorgan

Neues Deutschland (ND)

tags darauf veröffentlicht. Miteinem

Siegerlächeln steckt Honecker seinen

Wahlzettel in die Urne.

Monatelang hat die politische

Führung zwölf Millionen wahlberechtigte

Bürger auf die Kommunalwahl

vorbereitet. Es geht darum,

273 445 Kandidaten auf Volksvertretungen

zu verteilen. Landesweit sind

mehr als eine Million Wahlvorstände

und Wahlhelfer im Einsatz. Wassoll

da schiefgehen?

Mario Schatta geht nicht wählen,

obwohl es DDR-Bürgerpflicht ist

und die Obrigkeit bei Missachtung

gerne nachhilft. Angespannt sitzt der

Diakon der Evangelischen Kirche

Hohenschönhausen-Nord anjenem

Morgen beim Frühstück mit seiner

Familie. Der 26-Jährige hat Angst,

nicht um sich, sondern um seine

Ehefrau und seine Kinder, zwei, vier

und fünf Jahre alt; er muss damit

rechnen, dass Mitarbeiter des Ministeriums

für Staatssicherheit (MfS) sie

im Laufe des Tages abholen.

Monatelang hat Schatta sich auf

die Wahlen vorbereitet, zusammen

mit MitgliederndesWeißenseer Friedenskreises,den

er 1983 mitbegründet

hat, und mit vielen anderen,

überwiegend in der Kirche organisierten

Bürgerrechtlern. Alle werden

von ihrem gesetzlich verbürgten

Recht der Wahlkontrolle Gebrauch

machen. Erstmals republikweit.

Was weder Honecker noch

Schatta noch sonst jemand an jenem

Sonntagmorgen, dem 7. Mai 1989,

ahnt: Der Tag wird mit einem Paukenschlag

enden, der die DDR nachhaltig

erschüttert.

„Es muss demokratisch aussehen“

Wahlen in der DDR dienten offiziell

der „Stärkung der sozialistischen

Staatsmacht und der weiteren Entfaltung

und Vervollkommnung der

sozialistischen Demokratie“. Obwohl

sie als frei, gleich und geheim

deklariertwaren, schloss die alternativlose

Einheitsliste „Nationale

Front“ (SED,Blockparteien, Massenorganisationen)

eine Entscheidung

zwischen verschiedenen Kandidaten

aus. Esging nur darum, dass die

Wähler der Liste zustimmten, indem

sie die Wahlscheine einmal falteten

und in die Wahlurne steckten. So

gingen die Bürger nicht zumWählen,

sondern, wie Volkes Mund spottete,

Zahlen

gegen

Zahlen

DDR-Bürgerrechtler überführten

vor dreißig Jahren die SED der

systematischen Wahlfälschung.

Mit weitreichenden Folgen.

Eine Rekonstruktion der Ereignisse

siv,wie ich es zuvor noch nicht erlebt

hatte“, erinnert sich Mario Schatta.

„Es war klar:Hier muss etwas passieren!

Das Land wird sonicht länger

existieren können.“

Mit Repressalien hatte die politische

Führung dieser Stimmung Auftrieb

gegeben: Im November 1987

ließ sie die Umwelt-Bibliothek stürmen,

eine Informations- und Begegnungsstätte

für Oppositionelle in

den Räumen der Zionsgemeinde in

Berlin-Mitte; im Januar 1988 ließ sie

Bürger festnehmen, die bei der

Kundgebung zum Gedenken an Karl

Liebknecht und Rosa Luxemburgfür

Demokratie demonstrierten; im November

1988 ließ sie die sowjetische

Zeitschrift Sputnik verbieten, weil sie

über die Perestroika berichtete.

Das Maß an Unzufriedenheit in

der Bevölkerung zeigt sich nach Veröffentlichung

des Wahlaufrufs Ende

Januar 1989: 230 000 Eingaben erhalten

die Staatsorgane, 40000 nehmen

direkt Bezug auf dieWahl, so viele wie

noch nie und fast doppelt so viele wie

vor der Wahl 86. Bürger mahnen

längst geforderte Reparaturen an

Mietshäusernund fällige Wohnungszuweisung

an, bitten um die Genehmigung

für eineWestreise oder für die

Ausreise.Vieles wird positiv beschieden,

um potenzielle Wahlverweigerer

zu beschwichtigen und missliebige

Bürger loszuwerden.

Die führenden Genossen in Ost-

Berlin verschließen sich Reformen,

ihre sozialistischen Brüder öffnen

VonMichael Brettin

sich ihnen: Budapest gibt im Februar

das Machtmonopol der KP auf und

geht zum Mehrparteiensystem über;

Moskau lässt bei der Wahl der Volksdeputierten

im März erstmals zwischen

mehreren Kandidaten entscheiden;

Warschau legalisiert im

Aprildie Gewerkschaft Solidarnosc.

Die Kommunalwahl steht also

unter keinem guten Stern. Ein„Bund

unzufriedener Bürger“ verteilt Mitte

Februar in Neubrandenburg einen

„Wahlaufruf“, in dem es heißt: „Sind

Sieunzufrieden mit: Versorgung von

Wohnungen, Möbeln, Kraftfahrzeugen,

Industriewaren, Südfrüchten,

dem Lohngefüge? Dann gehen Sie

nicht zur Wahl. Unser Ziel: Wahlbeteiligung

50 Prozent.“

Das Flugblatt einer „Demokratischen

Initiative“ fordert Leipziger

Bürger auf, sich am Wahlabend auf

dem Altmarkt zu einem „alternativen

Volksbegehren“ zu treffen. Eine Urne

stehe bereit, in die man „als Zeichen

der Ablehnung der bestehenden

Wahlordnung und Wahlpraxis“ ein

weißes Blatt Papier stecken könne.

Bürgerrechtler klären in Infoblättern

über das Wahlrecht auf, auch

darüber, wie Wähler gegen die Einheitsliste

stimmen können. Ein

Wahlzettel gilt als Gegenstimme,

wenn der Wähler die Namen aller

Kandidaten durchgestrichen oder

das ganzeBlatt durchkreuzt hat –das

steht in einem vertraulichen Schreiben

von Wahlleiter Egon Krenz an

die Wahlkommissionen. Ein Zettel,

zum„Zettelfalten“.WereineWahlkabine

nutzte –nicht jedes Wahllokal

hatte eine –, machte sich verdächtig.

Die betreffende Person musste damit

rechnen, dass sie registriert und

ihr Verhalten der Staatssicherheit,

den Kommunalbehörden und der

Arbeitsstätte gemeldet wird.

Die Wahlergebnisse hinsichtlich

Ja-Stimmen und Beteiligung lagen

stets über 99 Prozent, sie standen

schon vorher fest. Ab der ersten

Volkskammerwahl im Oktober 1950

war systematische Wahlfälschung

gang und gäbe, hatte doch bei der

Wahl zum Volkskongress im Mai

1949 ein Drittel der Wähler gegen die

Einheitsliste gestimmt. Es galt

fortan, was Walter Ulbricht nach seiner

Rückkehr aus dem Exil in Moskau

1945 gefordert hatte: „Es muss

demokratisch aussehen, aber wir

müssen alles in der Hand haben.“

Mario Schatta nimmt sich in seiner

Mittagspause Zeit für ein Gespräch

über die Kommunalwahl vor

dreißig Jahren. Zurückgelehnt sitzt

der heute 56-Jährige in einem Sessel

im Wohnzimmer seiner Altbauwohnung

inWeißensee.Sein Arbeitsplatz

befindet sich eine Etage tiefer,erhat

dortseine Praxis für systemische Supervision.

Durch die Fenster strahlt

die Sonne. Es ist, wie damals, ein

schöner Frühlingstag.

„Wir vom Weißenseer Friedenskreis

hatten schon im August 1988

beschlossen, bei der nächsten Wahl

die Auszählung zu überprüfen. Wir

wollten die Verlogenheit des Systems,

das Vorgaukeln eines Sozialismus,

der nie gelebt wurde, entlarven“,

erzählt Schatta. „Ich habe das

Projekt bei einer Tagung von ,Frieden

konkret‘ vorgestellt und musste

feststellen: Viele andere Kreise hatten

die Wahlkontrolle von unten

auch schon geplant.“

Einer dieser Kreise befand sich in

der Gemeinde der Samariterkirche

in Friedrichshain, wo der Pfarrer Rainer

Eppelmann wirkte. Schon bei

der Volkskammerwahl 1986 hatten

dort ansässige Bürgerrechtler Wahllokale

kontrolliert. „Wir haben damals

mit unserer Aktion nicht rechtzeitig

genug begonnen, eine Wahlkontrolle

fand daher nur in einigen

wenigen Wahllokalen statt“, sagt Eppelmann,

76, im Telefongespräch.

„Wir konnten Wahlbetrug lediglich

behaupten, aber nicht beweisen.“

Dassollte 1989 anders sein.

Frühjahr 1989. Unmut gärt inder

Bevölkerung, auch beeinflusst von

den Erwartungen, welche die Reformen

in anderen sozialistischen Staaten,

allen voraninder UdSSR, geweckt

haben. In einer streng geheimen internen

Information des MfS vom25. August

1988 heißt es,die Bevölkerung beklage

„diskontinuierlich ablaufende

Produktionsprozesse“ und „anhaltende

Probleme in der bedarfs-, sortiments-

und qualitätsgerechten Versorgung“

sowie „teilweise absinkendes

Versorgungsniveau im Dienstleistungs-

und medizinischen Bereich“.

„Die Stimmung in der Bevölkerung

war angespannt und so offenauf

dem einzelne oder mehrereKandidaten

gestrichen sind, gilt als Ja-

Stimme.

Die Staatssicherheit registriert

103 Vorkommnisse, die gegen die

Wahl gerichtet sind. Überrascht ist

sie nicht, über die Aktivitäten in der

Bürgerrechtsszene ist sie bestens informiert.

Siehat schon im Dezember

1988 die Partei davor gewarnt, gegen

dasWahlgesetz zu verstoßen; die Gegenseite

würde das ausnutzen.

DasSystem wappnet sich. Mitder

Aktion „Symbol 89“ soll die Stasi die

Wahllokale und den technischen Ablauf

wie die Datenverarbeitung sichern.

Nur systemtreue Kandidaten

stehen auf der Einheitsliste.Die Freiwillige

Feuerwehr, der Verband der

Kleingärtner und Kaninchenzüchter

sowie Ausländer dürfen erstmals

welche aufstellen, Friedens- und

Umweltgruppen nach wie vorkeine.

Die der Partei genehmen Kandidaten

stellen sich bei Wählerversammlungen

der Öffentlichkeit. Die

Treffen laufen mancherorts aus dem

Ruder:Bürger schimpfen über kommunale

Missstände, beklagen nicht

erfüllte Wahlversprechen, zweifeln

an der sozialistischen Demokratie

im Land. Es gelingt ihnen sogar,Kandidaten

abzulehnen. Die Versammlungen

werden daraufhin in kleinen

Räumen und mit zuverlässigen Genossen

abgehalten oder kurzfristig

verschoben oder geheim gehalten.

Auch die Standorte vonWahllokalen

werden verheimlicht.

Am frühen Nachmittag des 7. Mai

1989 begibt sich Mario Schatta auf

das Gelände der Stephanus-Stiftung

an der Albertinenstraße in Weißensee.

Dort, in der Wohnung einer

Freundin, hat der Friedenskreis ein

Büro eingerichtet. Acht Mitglieder

sollen die Wahlbeobachtungen und

die Stimmauszählungen koordinieren.

Das Gelände hat mehrere Zuund

Abgänge, was eine Kontrolle

durch die Stasi erschwert; und es gehört

zur Kirche, was ein Eingreifen

der Stasi weniger wahrscheinlich

macht. Die hat sich bereits postiert,

lässt aber jeden passieren.

Die vergangenen Wochen verbrachte

der Friedenskreis hauptsächlich

damit, Wahllokale ausfindig

zu machen. „Der Bezirk gab keine

Adressen heraus,die waren vomMfS

instruiert“, sagt Schatta. „Wir wussten,

drei Tage vor der Wahl müssen

die Lokale mit einem Schild gekennzeichnet

sein. Also haben wir uns

eine Karte von Weißensee besorgt

und sind die Straßen abgeradelt. Ein

oder zwei sind mit dem Auto unterwegs

gewesen. Außerdem haben wir

Gemeindemitglieder gebeten, uns

Bescheid zu geben, wenn sie ein

Wahllokal sehen.“ Eine Liste mit 66

Wahllokalen entstand. Noch heute

ärgertsich Schatta, dass sie ein einziges

Wahllokal nicht ausfindig gemacht

haben. Es befand sich auf

dem Gelände der BereitschaftspolizeiamBlankenburger

Pflasterweg.

DieBürgerrechtler stellen sich am

Wahlnachmittag die bange Frage:

Werden sich genug Wahlbeobachter

melden? In jedem Wahllokal sollen

bestenfalls drei Personen die Stimmauszählung

kontrollieren. Schatta

selbst geht nicht, er fürchtet: „Wenn

ich jetzt hier rausgehe, dann

schnappt die Stasi mich als strategischen

Kopf weg.“

Nach und nach treffen Wahlbeobachter

ein. Jeder bekommt ein Lokal

zugelost, um zu verhindern, dass

sich Stasi-Mitarbeiter in Grüppchen

auf Kontrolle begeben. Aufvorbereiteten

Zetteln sind Name und Adresse

des Wahllokals,Wahlberechtigte,abgegebene

Stimmen, gültige Stimmen,

Gegenstimmen und ungültige

Stimmen zu vermerken.

Wahlbeobachter schwärmen aus

Mehrere Hundert Wahlbeobachter

schwärmen aus, inOst-Berlin und

Leipzig, in Potsdam, Dresden, Rostock,

Karl-Marx-Stadt, Plauen, insgesamt

in rund 50 Städten und Gemeinden.

Mancher Gruppe wirddas

Recht auf Zutritt verwehrt oder erschwert.

Es gelingt trotzdem, die

Stimmauszählung in 1000 Wahllokalen

zu kontrollieren.

Rainer Eppelmann begibt sich in

ein Wahllokal unweit der Samariterkirche,nicht

nur,umzuwählen –gegen

die Einheitsliste –, sondernauch,

um zu kontrollieren. Es ist das zweite

Mal, dass er wählt, das erste Mal war

1962, da war er 19 Jahre alt. „Ich bin

damals ins Wahllokal gegangen und

habe gefragt: Wasmuss ich machen,

wenn ich mit keinem Kandidaten auf

der Liste einverstanden bin?“, sagt

Eppelmann. Alle durchstreichen, bekam

er zur Antwort. Er suchte die

Wahlkabine auf, die ganz hinten im

Raum stand, und strich alle Namen.

Als die Wahllokale um 18 Uhr

schließen, lassen sich die Wahlbeobachter

mit einschließen. Auch Eppelmann:

„Die Wahlhelfer stülpten

die Urne um und zählten die Zettel

aus,und wir schrieben mit.“

Das provisorische Büro des Weißenseer

Friedenskreises an der Albertinenstraße

füllt sich im Verlauf

des Abends mit zurückkehrenden

Wahlbeobachtern. Die Bürgerrechtler

notieren Zahl auf Zahl auf Zahl.

Die Gegenstimmen liegen in manchem

Wahllokal im zweistelligen Bereich.

Schatta ist wie elektrisiert, er

denkt sich: „Mal sehen, was der

Krenz nachher im Fernsehen sagt.“

Wahlleiter Krenz verkündet das

offizielle Wahlergebnis in der Spätausgabe

der Aktuellen Kamera.

Schatta verfolgt die Nachrichtensendung

mit Mitgliedern anderer Friedenskreise

in der Gemeinde der Elisabethkirche

in der Invalidenstraße

in Mitte. Zwischen 250 und 300 Bürgerrechtler

haben sich dort eingefunden,

um die Ergebnisse ihrer

Wahlkontrollen zusammenzufassen.

Es war,erinnertsich Schatta, ein

„wilder Austausch“.

Nicht weniger wild wird es, als

Krenz das vorläufige Gesamtergebnis

verkündet. Von „einem eindrucksvollen

Votum“ für die Kandidaten

der Nationalen Front spricht

er, von 98,85 Prozent Ja-Stimmen.


Berliner Zeitung · N ummer 104 · D ienstag, 7. Mai 2019 5· ·

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Der Weg zum Mauerfall

Protestaktion: Es gibt in der zweiten

Jahreshälfte 1989 kaum eine

Demonstration in der DDR, die

nicht auf den Wahlbetrug

hinweist oder,wie hier am

4. November auf dem

Alexanderplatz, Wahlen

fordert, die wahrer

Demokratie

entsprechen.

ULLSTEIN/ZB

DieBürgerrechtler brechen in hämisches

Gelächter aus. „Das war für

uns ein Fest!“, sagt Schatta. „Wir sagten

uns: Das ist es! Wir können jetzt

die Verlogenheit des Systems beweisen!“

Dabei hatte das System schon

Zugeständnisse gemacht: Es war das

schlechteste Ergebnis in derWahlgeschichte

der DDR seit 1950.

Das NDveröffentlicht am 8. Mai

die offiziellen Wahlergebnisse. Die

Zahlen der Gegenstimmen und auch

die der Nichtwähler liegen weit unter

denen, welche die Wahlbeobachter

zusammengetragen haben. Bürgerrechtler,

unter ihnen Mario Schatta,

erheben am 12. Maiineinem Schreiben

an den Nationalrat der Nationalen

Front Einspruch gegen die Gültigkeit

der Kommunalwahl. IhrBrief,

den sie in der Bevölkerung verteilen,

listet „schwerwiegende Differenzen“

auf zwischen den Zahlen der Wahlbeobachter

und denen des ND.

DieStimmauszählung inWeißensee

(67 Wahllokale, 66kontrolliert)

ergab,umnur zwei Beispiele zu nennen:

92 Prozent Ja-und 8Prozent Gegenstimmen,

das ND veröffentlichte

97,6 Prozent Ja- und 2,4 Prozent Gegenstimmen.

Die Auszählung in

Friedrichshain (88 Wahllokale, 80

kontrolliert) erbrachte 93 und 6,6

Prozent, die Zeitung druckte 98 und

1,9 Prozent.

Rainer Eppelmann stellt Strafanzeige

gegen die Wahlleitung, die

Staatsanwaltschaft lädt ihn vor. „In

sehr harschem Tonteilte man mir

mit, was ich behaupte, sei alles

Lüge“, erinnert ersich. „Würde ich

meine Anzeige nicht zurückziehen,

drohe mir eine Anzeige wegen Verleumdung

von Staatsorganen.“ Er

zieht nichts zurück.

Strafanzeigen bleiben folgenlos

Insgesamt 84 von Hunderten Bürgern

unterschriebene Strafanzeigen

gegen unbekannt wegen Wahlfälschung

gehen ein. Ämter und Wahlausschüsse

der Nationalen Front bekommen

Anfragen, auch Lokalredaktionen,

weil die Veröffentlichung

detaillierter Ergebnisse bruchstückhaft

oder unterblieben ist.

MfS-Chef Erich Mielke erlässt am

19. Mai einen fünfseitigen Maßnahmenplan

„zur Zurückweisung und

Unterbindung vonAktivitäten feindlicher,

oppositioneller und anderer

negativer Kräfte zur Diskreditierung

der Ergebnisse der Kommunalwahl“.

Am selben Tag erscheint unter

Leitung von Mario Schatta ein umfassender

Bericht über den Wahlbetrug.

Weitere Dokumentationen folgen,

sie werden in der Bevölkerung

verteilt. Demnach gab es durchschnittlich

7 Prozent Gegenstimmen,

vereinzelt bis zu 20 Prozent.

Wolfgang Berghofer ist einer der

wenigen damals handelnden Politiker,

die sich heute ihrer Mitverantwortung

für den Wahlbetrug stellen.

DerBitte um ein Gespräch kommt er

sofort nach. Er habe sich wider besseres

Gewissen vonder Partei „disziplinieren“

lassen, sagt der 76-jährige

frühere Oberbürgermeister von

Dresden am Telefon. Der Leiter Parteiorgane

im ZK der SED, das Politbüro-Mitglied

Horst Dohlus, habe

unmittelbar vor der Wahl bei einer

Dienstbesprechung mit den 2. Sekretären

der SED-Bezirksleitungen

eine „Vorgabe“ ausgesprochen: Es

sollte das gleiche Wahlergebnis erreicht

werden wie all die Jahrezuvor.

„Die Parteiführung wollte Gorbatschowzeigen,

dass der einzige siegreiche

Sozialismus in der DDR existiert“,

erläutert Berghofer diese Vorgabe.

„Das mussten wir mit einem

entsprechenden Wahlergebnis beweisen.“

Als sich abzeichnete, dass

das Ergebnis unter den Erwartungen

blieb –umdie 85 Prozent Zustimmung

gab es in Dresden für die Einheitsliste

–, wurde nachgeholfen,

überall, wie all die Jahrezuvor.

Die Bereinigung vonListen

Wählerlisten wurden „bereinigt“. Da

gab ein IM aus Anklam seinem Führungsoffizier

Mitte Februar zu Protokoll:

Eine Sekretärin im Ratdes Kreises

habe erzählt, „dass die Wahlen so

gut wie in Tüten und Papier sind. Das

Ergebnis kann sie heute schon mitteilen,

denn es werden 98,3 %oder

99,3 %sein. Die Unsicherheitsfaktoren

sind von den Listen gestrichen

...“ Die „Unsicherheitsfaktoren“

waren Ausreiseantragssteller,

registrierte Wahlverweigerer und bekannte

Oppositionelle.

Die Sonderwahllokale, vergleichbar

mit Briefwahl, entzogen sich der

Wahlkontrolle; 28,7 Prozent der

Wähler nutzten sie, das gab Spielraum

für Fälschungen. In einem Bericht,

gefunden im BüroKrenz, heißt

es: „Leiter vonBezirkswahlbüros betonten,

dass ohne die hohe Zahl von

Wählern inSonderwahllokalen und

die interne Auszählung das erzielte

endgültige Ergebnis des Bezirkes

kaum zu erreichen gewesen wäre.“

Der Anteil dieser Stimmen lag in einigen

Bezirken bei60Prozent.

Und: Wahlleiter oder ihnen Vertraute

nahmen den Wahlakt für

Nichtwähler vor, Gegenstimmen

wurden als Ja-Stimmen gezählt.

Im Frühjahr 1990 gab Krenz eine

Erklärung zum Wahlbetrug ab: Als

damaliger Wahlleiter müsse er die

Verantwortung für das Geschehene

übernehmen, ihn träfe eine direkte

Schuld aber nicht. Die Bürgermeister

hätten in „eigener Verantwortung“,

in„falsch verstandenemWettbewerbsgeist“

und „vorauseilendem

Gehorsam“ gehandelt.

Eine juristische Aufarbeitung erfolgte

erst nach dem Mauerfall. Für

den auch nach DDR-Recht strafbaren

Wahlbetrug mussten sich mehrere

Bürgermeister und Mitglieder

von SED-Leitungen verantworten.

Auch Wolfgang Berghofer wurde verurteilt–zu

einem Jahr Freiheitsstrafe

auf Bewährung und 36 000 D-Mark

Geldstrafe. Das Verfahren gegen

Krenz stellte das Landgericht Berlin

1997 ein. Begründung: Diezuerwartende

Strafe fiele gegenüber den Verurteilungen

wegen des Schießbefehls

an den DDR-Grenzen –sechseinhalb

Jahre Freiheitsstrafe –nicht

zusätzlich ins Gewicht.

Der Wahlbetrug 89 fiel ins Gewicht;

auch er brachte Bürger in Bewegung:

Die einen, von Staat und

Partei entfremdet, kehrten ihrer Heimat

den Rücken („Abstimmung mit

den Füßen“), die anderen, auf Reformen

drängend, organisierten sich in

Initiativen und gingen auf die Straße

– kaum eine der vielen folgenden

Demonstrationen blieb ohne Hinweis

auf den Wahlbetrug. Beide Bewegungen

entfalteten, von außenpolitischen

Ereignissen begünstigt,

die Wucht einer friedlichen Revolution,

in deren Verlauf die Mauer fiel

und die DDR Geschichte wurde.

„Ich fühle mich als Gewinner dieser

friedlichen Revolution, weil ich

dieses System schätze“, sagt Mario

Schatta.„Es ist für mich jedes Malein

Fest, wenn ich wählen gehe, wählen

gehen darf, nicht muss.“

Auch Rainer Eppelmann fühlt so.

Zunehmend wundert ersich über

Bürger,„die vergessen haben, worüber

sie in der DDR alles geflucht haben“.

Sein größterWunsch: mindestens

93 zu werden, das wäre 2036.

„Dann könnte ich zu meiner Frau

sagen: Jetzt durfte ich ein Jahr länger

in einer Demokratie leben, als

ich in einer Diktatur leben musste.“

Zehn Monate nach der Kommunalwahl,

am 18. März1990, fand wie-

Die Zukunftist hausgemacht.

Umweltfreundliche Energie dort zu produzieren,

wo sie gebraucht wird, ist ein

Schlüssel für ein nachhaltiges Leben. Ob

eine Solaranlage für das Eigenheim oder

Mieterstrom für Mehrfamilienhäuser: Wir

bietenindividuelle,ganzheitlicheEnergiekonzepte.

Ein weiterer Schritt, um innerhalb

einer Generation ohne fossile Brennstoffe

auszukommen.

Begleiten Sie uns auf dem Wegdorthin:

vattenfall.de/fossilfrei

der eine Volkskammerwahl statt. Es

war die erste Wahl in der DDR, die

wahren demokratischen Grundsätzenentsprach.

DieSED-Nachfolgepartei PDS erhielt

16,4 Prozent.

Michael Brettin

freut sich auf die Europawahl

am 26. Mai.


6 Berliner Zeitung · N ummer 104 · D ienstag, 7. Mai 2019

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Das Jahr 1989

Protest 2019: Im August 2018

begann die Schwedin Greta

Thunberg,damals 15 Jahre alt,

in Stockholm mit ihrem

„Schulstreik für das Klima“.

Seit November 2018 eifern

ihr Hunderttausende

Schüler nach –auch in

Berlin. DPA/KAY NIETFELD

Ein Freitag im Mai imSaal

der Schule Eins, einer Gesamtschule

in Pankow.

Andreas Otto, 56, setzt sich

auf einen Stuhl auf der Bühne. Otto

stammt aus der Uckermark, in den

Achtzigerjahren kam er nach Berlin,

um Elektrotechnik zu studieren. Er

engagierte sich in der Immanuelkirch-Gemeinde

in Prenzlauer Berg,

war oft in der Umweltbibliothek, einer

wichtigen Anlaufstelle der Opposition.

1990 trat er bei den Grünen

der DDR ein, heute sitzt er als Bauexperte

für Bündnis 90/Grüne im Abgeordnetenhaus.

Er war einer der

vielen, die die Mauer und schließlich

auch das DDR-System zum Einstürzen

gebracht haben. „Ick bin hier ja

der Alte,der wat vonfrüher erzählen

soll“, sagt er im Berliner Dialekt. Er

schaut sich neugierig um.

Der Raum ist voller Kinder und

Jugendlicher, jeder Stuhl ist besetzt,

einige hocken auf dem Boden des

Betsaales im ehemaligen jüdischen

Waisenhaus. Die meisten, die hier

sitzen, sind im vereinigten Deutschland

geboren, kennen die DDR

höchstens aus Erzählungen der Elternund

Großeltern.

Keine Avocados

Es ist ein Land, ähnlich fern wie das

Kaiserreich. Auch im Lehrplan spielt

die Ost-West-Geschichte kaum eine

Rolle.Der Politiker Andreas Otto hält

das für falsch, deshalb tourtermit einer

Ausstellung von Harald Hauswald

und Andreas Wolle als Zeitzeuge

durch Schulen. Der Direktor

der Schule Eins, einer privaten Gesamtschule,hat

ihn eingeladen.

DieSchüler sind zwischen elf und

sechzehn Jahrealt. Einige wie Nuana

haben Fragen für Herrn Otto vorbereitet.

Nuana, 16, hat schon oft demonstriert,

wie der frühere Bürgerrechtler.

Bis vor kurzem ging sie jeden

Freitag zur Demo,umgegen die

Klimakrise zu protestieren. „Wenn

wir innerhalb der nächsten zehn

Jahre nicht handeln, dann sind wir

am Ende“, wirdNuana später sagen.

Ein Satz, den auch ihre Heldin, die

Schwedin Greta Thunberg, so ähnlich

bei Auftritten verwendet.

Damals waren es die Montagsdemonstrationen,

heute spricht man

von Freitagsdemonstrationen. Fridays

for Future–unter diesem Motto

gehen junge Menschen weltweit aus

Protest gegen die Klimapolitik auf

die Straße statt in die Schule.Damals

ging es um die Umweltzerstörung in

der DDR.„Wir wollen sparsamer und

weniger naturfeindlich leben, ... wir

plädieren für die Abkehr eines ungehemmten

Wachstums“, hieß es im

Aufruf des Neuen Forums im September

1989. Es gab Flugblätter,

Kundgebungen, Fahrraddemos gegen

schädliche CO 2 -Gase –wie heute

wieder.

Vielleicht reichen schon diese

Ähnlichkeiten, dass sich manche

Kommentatoren beim Anblick der

marschierenden Jugendlichen an

die Wende 89 erinnert fühlen. Die

bekannte Publizistin Carolin Emcke

stellt Fridays for Future ineine

Reihe mit früheren Bürgerrechtsbewegungen.

Und die frühere Grünen-Vorsitzende

Simone Peter,

Saarländerin und Andreas Ottos

Parteifreundin, postete ein altes

Mutproben

Montagsdemos, Freitagsdemos:

Washaben die

DDR-Bürgerbewegung

von einst und die

Fridays-for-Future-Aktivisten

von heute gemeinsam?

VonSabine Rennefanz

Bild von sich mit der Mauer am

Brandenburger Tor und schrieb

dazu: „Damals war es für mich unvorstellbar,

dass irgendwann die

Mauer weg ist. Die #Montagsdemos

haben uns eines Besseren belehrt.

Jetzt sind es #Freitagsdemos,

die die Wende erkämpfen müssen –

für den #Klimaschutz.“ Auch den

ehemaligen Aktivisten Otto haben

die Fridays-for-Future-Proteste beeindruckt:

„Beides sind kritische

Massenbewegungen“, sagt Andreas

Otto.

Aber ist es auch eine neueWende?

Wächst da wirklich eine neue Protestgeneration

heran, sind das die

Enkel der DDR-Opposition? Wie viel

haben die Anliegen des Bürgerrechtlers

Andreas Otto und der Schülerin

Nuana gemeinsam?

Zu Hause hat das Mädchen schon

etwas bewegt. Sie hat ihre Eltern

überredet, mehr darauf zu achten,

was sie kaufen und verbrauchen. Sie

reisen jetzt mit dem Auto statt mit

dem Flugzeug in den Urlaub nach

Großbritannien, essen an drei Tagen

in der Woche vegan. „Wir verzichten

auch auf Avocados aus Mexiko“, sagt

das Mädchen.

Avocados gab es in der DDR

nicht, und nach Großbritannien

kam man auch nicht.

Die Bürgerbewegung der DDR

forderte eine bessere Versorgung,

Meinungsfreiheit, Reisefreiheit, Demokratie.

Sie wollte ein anderes

Land.

Fridays for Future fordert eine

Senkung der Treibhausgas-Emissionen,

eine CO 2 -Steuer, den Ausbau

des öffentlichen Nahverkehrs, den

Kohleausstieg bis 2030 – also acht

Jahre früher, als sowieso vom Kabinett

beschlossen. Sie fordern keine

Verstaatlichung, keine Enteignungen.

Besonders radikal klingt das

nicht. Schon gar nicht nach der Abschaffung

des Kapitalismus, wie

manche fürchten.

Im Schulsaal zieht Andreas Otto

eine Landkarte aus seiner Tasche.

Auf der einen Seite die Straßen und

Plätze von Ost-Berlin, auf der anderen

Seite ein weißer Fleck. „Wo endete

die Wollankstraße?“, fragt er die

Schülerin neben ihm, es ist Nuana.

Nuana zeigt auf einen Punkt ganz in

der Nähe.„Da war für uns dieWelt zu

Ende“, sagt Otto und schaut in den

Saal, die Reaktionen prüfend. Man

konnte nicht einfach in denWedding

oder zum Bauernhof in Lübars fahren,

fügt er hinzu. Nuana nickt ernst,

sie weiß das.Ihr Vater hat ihr die Mosaik-Hefte

vorgelesen und viel über

die DDR geredet.

Otto geht in einem Schnelldurchlauf

sein Leben durch: christliches

Elternhaus, kein Abitur, dann doch

Fachhochschulstudium in Berlin,

Engagement in der Kirche.„Wisst ihr,

wer Walter Ulbricht war?“ –„Nö“,

schallt es zurück. Otto: „Das war so

ein Herrscher, der gesagt hat, es

muss nur demokratisch aussehen, es

muss keine Demokratie sein.“

Als Otto auf den 7. Mai 1989

kommt, spricht er nicht von den

Wahlfälschungen, die er und seine

Freunde nachgewiesen haben. Er

sagt: „Wir wussten danach, dass die

Ergebnisse, die die Herrscher verkündeten,

gelogen waren.“ Er war

damals in einem Wahllokal in Wei-

Der Grünen-Abgeordnete Andreas Otto berichtet in der Pankower Schule Eins von der Wendezeit. BERLINER ZEITUNG/MARKUS WÄCHTER (2) Ein Mädchen schaut sich im Schulsaal die Ausstellung „Voll der Osten“ über das Leben in der DDR an.


Berliner Zeitung · N ummer 104 · D ienstag, 7. Mai 2019 7· ·

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Der Weg zum Mauerfall

Protest

1989:

Werdamals in der

DDR auf die Straße

ging,musste mutig

sein. Am 24. Oktober

wurde in Ost-Berlin gegen

die Wahl des SED-GeneralsekretärsEgon

Krenz zum Vorsitzenden

des DDR-Staatsrates

demonstriert.

IMAGO/EPD

ßensee und überprüfte die offiziellen

Zählungen. Als abends im Fernsehen

Egon Krenz, der Wahlleiter,

wieder von 99Prozent Erfolg für die

SED redete, lachten er und seine

Freunde darüber.Das sei der Beginn

der friedlichen Revolution gewesen.

„Heute gibt es in Berlin jeden Tag

fünf bis zehn Demos, damals war es

etwas Neues,dass man auf die Straße

gehen und seine Meinung sagen

konnte.“ Einige Jugendliche hören

aufmerksam zu, anderetuscheln.

Wenn man mit heutigen Maßstäben

messen würde: Wer wäre die

GretaThunbergderWende gewesen?

Die inzwischen verstorbene Bärbel

Bohley, eine der Gründerinnen des

Neuen Forums? ChristaWolf, die den

„Aufruf für unser Land“ formulierte?

Schon wenn man das hinschreibt,

merkt man, wie wenig der Vergleich

passt. Die Wende hatte kein einzelnes

prägnantes Gesicht, das man auf

T-Shirts drucken konnte.Eswar eine

Bewegung der vielen.

Diejungen Zuhörer in der Schule

Eins haben Fragen vorbereitet.

Warum durften die Leute im Osten

nicht in den Westen, fragt ein Fünftklässler.

„Es gab eine Mauer, damit

die Menschen nicht abhauen, und

wenn sie es doch versuchten, wurde

geschossen“, sagt Otto.„Hier,ganz in

der Nähe, inPankow, wurden auch

welche erschossen.“ Der Junge weitet

die Augen, als höre erdas zum

ersten Mal. DieKinder und Jugendlichen

lauschen jetzt aufmerksam.

Ein anderer Fünftklässler hat

noch eine Frage: Gab esinder DDR

Fernseher? „Ja, so groß wie Kühlschränke“,

sagt Otto.

Dann ist die Schülerin Nuana

dran. Sie guckt auf ihren Zettel. Sie

fragt nicht nach Fridays for Future,

sondernnach der Stasi: „Oft wirddie

Stasi als übermächtige Macht dargestellt,

die den Alltag durchdrungen

hat. Wardas wirklich so?“

„Wenn wir uns getroffen haben,

gingen wir immer davon aus,dass jemand

mitgeschrieben hat, die Stasi

war immer im Bewusstsein“, antwortet

Andreas Otto. Da sei eine

ständige Angst gewesen, erwischt zu

werden. Wer bei einer Demonstration

ein Schild mit seiner Meinung

hoch hielt, konnte sofort verhaftet

werden. 1987 hatte es eine nächtliche

Razzia der Stasi in der Umweltbibliothek

gegeben, Druckplatten

waren beschlagnahmt worden, Mitarbeiter

verhaftet. Ein enger Freund

von Otto wurde noch im Oktober 89

ins Gefängnis geworfen.

Nuana erzählt später, dass ihr

Protest-Elan etwas ermattet sei. In

den vergangenen Wochen ist sie

nicht mehr hingegangen zu Fridays

for Future, sie habe das Gefühl, dass

die Politiker ihnen nicht zuhören.

DieProtestgeneration heute kann

sich vielleicht gar nicht mehr vorstellen,

wie mutig die Demonstranten

damals sein mussten, die in der DDR

auf die Straße gegangen sind. Sie

können sich nicht vorstellen, welche

Widerstände sie durchbrechen

mussten. Es war nicht nur ein Politiker,der

gemeckerthat.

Nur ein paar Gehminuten entfernt

von dem Saal, in dem Andreas

Otto redet, liegt die Carl-von-Ossietzky-Schule.

Als dort 1988 ein paar

Schüler eine kritische Wandzeitung

aufhängten, um gegen eine DDR-

Militärparade zu protestieren, gab es

einen Eklat. Lehrer, Schulbehörde,

SED, FDJ, Stasi –alle drängten auf

eine Bestrafung. Zwei Jungs, Philip

Lengsfeld und Kai Feller, damals 16

Jahre alt, hatten sich geweigert, ihre

Unterschrift zurückzuziehen. Sie

wurden zu Feinden des Sozialismus

erklärt, flogen vonder Schule,sollten

nie Abitur machen dürfen.

Glückliche Schulschwänzer

Es geht nicht drum, die Jugendlichen

schlechtzureden, aber wenn man die

Wende 89 mit den heutigen Protesten

vergleicht, verniedlicht man die

Diktatur. „Diese Fridays-for-Future-

Demonstrationen wären in der DDR

verboten gewesen“, sagt Andreas

Otto. Wer damals protestierte, traf

auf heftigen Widerstand, wurde bestraft.

Wer heute protestiert, wird

vonLehrernund Elternumarmt und

gelobt. 1989 erwog die DDR-Regierung,

die Demonstrationen mit Panzern

aufzulösen. Angela Merkel hingegen,

selbst nicht unbeteiligt an der

Klimapolitik, ist Fridays-For-Future-

Fan. Die schärfste Diskussion, die

die Jugendlichen mit ihren Protesten

ausgelöst haben, drehte sich nicht

um ihre Forderungen, sondern um

die Frage, obsie die Schule schwänzendürfen

oder nicht. Diese Debatte

wirkt kleinlich. Aber lieber über

Schulschwänzer statt über Gefängnis

und Schulverweise reden. Eigentlich

ist diese Kleinlichkeit ein

Grundzum Glücklichsein.

Sabine Rennefanz

ging 1989 in Eisenhüttenstadt

zur Schule.

Berliner Wirtschaft –

gewerblich,mobil und

elektrisierend

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2019

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8* Berliner Zeitung · N ummer 104 · D ienstag, 7. Mai 2019

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Das Jahr 1989

Ein bisschen klingt der Titel

nach James Bond. „Ein Leben

ist zu wenig“, heißt

seine Autobiografie. Ein

Satz, der natürlich nach Bilanz

klingt. Vielleicht ein bisschen auch

nach heiterer Wehmut. Bei einem

wie Gregor Gysi darf man sich da allerdings

nie so ganz sicher sein.

Könnte ja noch was Aufregendes,

Neues, Ungeahntes kommen. Ein

Sprung in ein weiteres seiner vielen

Leben sozusagen. Als er am Ende des

Abends im Berliner Verlag von Redakteurin

Sabine Rennefanz und

Chefredakteur Elmar Jehn gefragt

wird, ob ihn noch mal ein Ministeramt

reizen würde, dereinst unter einem

demokratisch sozialistischen

Bundeskanzler Kevin Kühnert vielleicht,

da drückt sich der Rücken

durch und der Schalk fühlt sich aufgerufen:

„Außenminister, das würde

ich gerne machen.“ Und nach einer

kurzen Pause: „Stopp, wieso sollte

der Kühnert eigentlich mich fragen?

Ichfrage ihn.“ Damit wäredie Kanzlerfrage

also auch geklärt. DasPublikum

im voll besetzten Newscafé im

Verlagsgebäude quittiert so viel

Selbstbewusstsein lachend. Gregor

Gysi, der Entertainer, der Polit-Star,

der Anwalt, den die Ereignisse des

Wendejahres auf die große Bühne

gestellt haben. „Der Geist von1989 –

was ist geblieben?“, so lautete das

Thema des Abends. Niederlagen,

Aufbruch, ideologische Kämpfe, Anfeindungen,

Wende-Jubel und

Wende-Enttäuschungen – Auszüge

aus dem Gespräch mit Gregor Gysi,

jenem Mann, der in diesen bewegenden

Monaten erst als Anwalt von

Bürgerrechtlern und später als SED-

Chef die Ambivalenz des Umbruchs

verkörperte wie kaum ein zweiter.

Herr Gysi, als Rechtsanwalt in der

DDR vertraten Sie Dissidenten wie

Rudolf Bahround RobertHavemann.

Wiehaben Siesich damals IhreMandanten

ausgesucht?

Das war einem starken Wandel

unterworfen und oft dem Zufall geschuldet.

In meiner Anfangszeit als

Anwalt schrieben mich acht Leute

an, die bei der Staatssicherheit saßen

und von mir vertreten werden wollten.

Aber kaum hatte ich von ihnen

gehört, sagten sie mir schon wieder

ab. Ich glaube, dass ihnen der Stasi-

Vernehmer ausgeredet hatte, sich

von mir vertreten zu lassen. Einmal

hatte ich einen Mandanten, einen

Trotzkisten, der die DDR von links

kritisiert hatte und Verbindungen in

den Westen unterhielt. Durchdiesen

Fall entstand einige Mundpropaganda

für meine anwaltliche Tätigkeit.

Es gab unter den DDR-Anwälten

auch eine Arbeitsteilung: Wer

ausreisen wollte, ging in aller Regel

zu Wolfgang Vogel.

Die politischen Spannungen in der

DDR mündeten 1989 in der friedlichen

Revolution. Oder bevorzugen

Sie einen anderen Ausdruck? Wende,

Umsturz, vielleicht Novemberrevolution?

Wer damals in der Opposition

war,wirdwahrscheinlich den Begriff

friedliche Revolution vorziehen. Wer

eher staatsnah war,spricht vielleicht

lieber vonderWende.Das kann jeder

selbst entscheiden. Wichtig ist für

mich, dass wir von derselben Sache

reden.

Warum gab es so viel Unzufriedenheit

über das Leben in der DDR?

Nach meinem Eindruck sehnten

sich die Menschen vor allem nach

Reisefreiheit. Im Fernsehen wurde

man ständig mit Bildernaus Venedig

oder New York konfrontiert, aber

selbst dorthin reisen durfte man

nicht.

Damals entlud sich bei den DDR-

Bürgern viel angestaute Wut. Der

Zorn traf auch Sie, nachdem Sie im

Dezember 1989 den SED-PDS-Vorsitz

übernommen hatten.

Es stimmt, dass mich dieser

Schritt ziemlich unbeliebt gemacht

hat. Aber es reizte mich schon immer,

Probleme zu lösen –und deshalb

fand ich dieses Amt interessant.

Ich verstehe, dass viele Menschen

damals ängstlich und wütend waren,

weil sie dachten, dass ich als PDS-

Vorsitzender zu den Bremsern und

Blockiererndes Fortschritts gehören

„Natürlich

gab es

Verletzungen.

Aber ich

durfte sie

nicht zeigen“

Gregor Gysi,

71, Rechtsanwalt

und Politiker,war Mitglied

und in der Führung

von gleich drei Parteien:

SED,PDS, Die Linke.

BERLINER ZEITUNG/PAULUS PONIZAK

Politik hat bei ihm immer etwas Leichtes, auch wenn er es ernst meint.

Im Zweifel kann Gregor Gysi eine passende Anekdote erzählen, die für Irrsinn,

Klugheit, Ungerechtigkeit oder Weisheit des Lebens steht. Einen Abend lang

erzählte er vor Lesern der Berliner Zeitung aus seinem Leben –und erklärte ein

wenig, warum die Einheit nach 30 Jahren immer noch nicht erreicht ist

könnte. Einmal begegnete ich drei

oder vier Krankenschwestern, die

mich eindringlich davor warnten,

Lügen über die Arbeitslosigkeit im

Westen zu verbreiten. Ichwisse doch

selbst, dass den Menschen durch die

Marktwirtschaft keine Arbeitslosigkeit

drohe. Diese Frauen hätte ich

gerne zwei Jahrespäter noch einmal

wiedergetroffen.

Sie wurden bei Veranstaltungen von

Bürgern beschimpft und bespuckt.

Wie gingen Sie als SED-Chef mit solchen

wütenden Reaktionen um?

Ich habe mich immer bemüht,

die Fassung zu bewahren und in Bürgergesprächen

die neue gesellschaftliche

Entwicklung ab 1989

nicht unnötig schwarzzumalen. Die

Menschen im Osten hatten sehr

große Sehnsucht nach Freiheit und

westlicher Demokratie. Aber kurze

Zeit später entstanden durch die

Wiedervereinigung auch Enttäuschung

und Wutauf die neuen, nicht

immer besseren Verhältnisse. Einen

wichtigen Grund dafür sehe in einem

Fehler der Bundesregierung: Sie

konnte nicht aufhören zu siegen.

Wasmeinen Siedamit?

Protokoll: Mike-Oliver Wilms

Gregor Gysi zu Gast im Newscafé der Berliner Zeitung

GERD ENGELSMANN

Die DDR-Bürger wussten nach

der Volkskammerwahl 1990, dass es

schnell zu einer Vereinigung oder einem

raschen Beitritt zur Bundesrepublik

kommen wird. Aber es gab auf

westlicher Seite eine große Arroganz

und wenig Bereitschaft, sinnvolle soziale

Errungenschaften der DDR im

wiedervereinten Deutschland zu bewahren.

Diese ablehnende, starrköpfige

Haltung habe ich in der Anfangszeit

auch persönlich im Bundestag

erlebt. Ichhielt eine Rede und

in der ersten Reihe riefen die Abgeordneten

der CDU/CSU-Fraktion

ständig dazwischen. Ich sollte mich

nicht als großer Redner aufspielen,

sondern zunächst einmal demütig

dafür sorgen, dass Erich Honecker

aus Moskau zurückkehrtund sich in

Moabit in Untersuchungshaft begibt.

Dabei wusste man auch in der

CDU/CSU-Fraktion, dass ich Honecker

nie persönlich begegnet war

und keinen Draht zu ihm hatte.

Sie sprechen souverän und in einem

abgeklärten Tonüber diese Anfeindungen.

Aber es ist schwer zu glauben,

dass bei Ihnen keine seelischen

Verletzungen entstanden sind.

Natürlich gab es Verletzungen.

Aber ich durfte sie nicht zeigen. Man

darf sich niemals demütigen lassen.

Im Bundestag hat mir geholfen, dass

ich mir meinen Humor und meinen

Stolz bewahren konnte. Und vor allem

habe ich gelernt, auf Hass nicht

mit Hass zu reagieren. Dazu musste

ich mir klarmachen, woher der Hass

meines Gegenübers kommt. Häufig

rührt das gegenseitige Unverständnis

aus mangelndem Wissen über

den anderen, auch aus völlig unterschiedlichen

Lebenserfahrungen.

Aber wenn man sich über die Beschränktheit

der jeweiligen Perspektive

klar wird, dann mildert sich das

Urteil über denjenigen, der einem

mit Hass begegnet. Manbehält seine

Souveränität und muss nicht zurückhassen.

Der PDS, später umbenannt in Die

Linke, ist es in den 90er-Jahren gelungen,

sich als Protest- und Kümmerer-

Partei des Ostens zu etablieren. Würden

Sie der Aussage zustimmen, dass

Ihre Partei diese Rolle inzwischen an

die AfD verloren hat?

Nein, wir haben den Osten nicht

verloren. Richtig ist, dass wir nicht

mehr als Protestpartei gelten. Wir

sind in den Bundesländern Berlin

und Brandenburg ander Regierung

beteiligt, in Thüringen stellen wir

den Ministerpräsidenten und auch

im Westen haben wir Erfolge. Wir

machen heute eine gesamtdeutsche

Politik. Dass die AfD im Osten auf

mehr Zuspruch stößt als im Westen,

hat mehrere Gründe. Die DDR war

eine geschlossene Gesellschaft, in

der man höchstens in Berlin und

Leipzig auf Menschen aus muslimischen

Kulturen traf. Hinzu kommen

soziale Ängste im Osten, die aus der

Massenarbeitslosigkeit nach derVereinigung

herrühren. Bei vielen Ostdeutschen

entstand das Gefühl,

Deutsche zweiter Klasse zu sein. All

diese Einflussgrößen verbinden sich

bei der AfD zu der Überzeugung: Erst

hat uns die Einheit die Jobs gekostet,

jetzt nehmen uns die Flüchtlinge die

Arbeit weg.

Hat sich demnach die Wut der Ostdeutschen

aus der Wende- und Nachwendezeit

bis heute erhalten? Dieser

Erklärungsansatz passt nicht zu der

Beobachtung, dass rechtspopulistische

Parteien in ganz Europa erfolgreich

sind.

DieMenschen sind überall verunsichert,

weil dieWelt nicht mehr überschaubar

ist. Politik und Medien

scheiterndaran, die große Komplexität

der globalisierten Welt verständlich

zu machen. Wersoll denn heute

noch verstehen, welches Interesse

der Iran und Saudi-Arabien an Syrien

haben? Wenn niemand mehr die Gesamtstrukturen

durchschaut, haben

die Populisten leichtes Spiel, der Ahnungslosigkeit

mit einfachen Antworten

zu begegnen. Sie sagen den

Menschen, dass nur das eigene Land

zählt. Es ist ihr Ziel, die Früchte der

Weltwirtschaft ins eigene Land zu holen

– und die Lasten den anderen

Ländern aufzubürden. Dieser Trend

zum nationalen Egoismus hat mit

DonaldTrump in den USA begonnen.

Wardie DDR auch in diesem Punkt

klüger?

Ich würde sagen, dass es früher

weniger soziale Unzufriedenheit

gab, übrigens auch in der Bundesrepublik.

Die Systemkonkurrenz zwischen

Ost und West führte zu einem

Wettbewerb darum, welche Gesellschaftsformsozialer

und demokratischer

ist. Wasdie Demokratie betraf,

lag der Westen klar vorn. Aber der

Staatssozialismus im Osten setzte

den Westen unter Druck, auch selbst

für mehr soziale Sicherheit und Gerechtigkeit

zu sorgen. Alte West-Gewerkschafter

haben mir erzählt, dass

die DDR immer ihr dritter Tarifpartner

gewesen sei –wie eine ständig

präsente,unsichtbareDrohung. Erst

als die Systemkonkurrenz weggefallen

war, wurden eine Agenda 2010

und ein Niedriglohnsektor denkbar.

Trotzdem ist der Staatssozialismus

gescheitert. Was hat die politische

Linke noch zu bieten?

Es bleibt zum Beispiel die wichtige

Frage, wie der Zugang zu Bildung,

Kultur und Kunst chancengleich gewährleistet

werden kann. Eine Eintrittskarte

für eine Aufführung der

neunten Sinfonie von Beethoven mit

Daniel Barenboim als Dirigent und

vier Top-Sängern und einem Top-

Chor ist für sehr viele Menschen in

Berlin nicht bezahlbar. Solche Ungerechtigkeiten

bewegen mich die

ganze Zeit. In der DDR konnten alle

Rentner mittwochs gebührenfrei ins

Kino gehen. Es gab die Roman-Zeitschrift,

die es den Leuten ermöglichte,

Dostojewski zum Preis von 80

Pfennig zu lesen. Ich will die DDR

nicht besser machen, als sie war. So,

wie die DDR war, ist sie zu Recht gescheitert.

DerKapitalismus ist erfolgreich,

wenn es um wirtschaftliche Effektivität

und wissenschaftlichen

Fortschritt geht. Aber soziale Gerechtigkeit,

Frieden und ökologische

Nachhaltigkeit kann er nicht aus sich

selbst herstellen.


Berliner Zeitung · N ummer 104 · D ienstag, 7. Mai 2019 – S eite 9

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Das Jahr 1989

Birgit Walter über die

zermürbenden letzten

Monate der DDR

Seite 9

„Die Wende war ein Fest und ein Desaster.“

Der Schriftsteller Volker Braun erinnert sich Seite 14

Am7.Mai 1989 ging ich zum

ersten Mal inmeinem Erwachsenenleben

zu einer

Wahl. Mein Wahllokal befand

sich im „Klub der Volkssolidarität“,

einem Seniorentreffpunkt in

der Schliemannstraße, nur vier

Hausnummern von meiner Haustür

entfernt. Auch am Wahlsonntag saßen

dortRentner.Sie halfen als „Ehrenamtliche“

beim „Zettelfalten“.

Zur Wahl stand wie immer eine

Einheitsliste mit den Kandidaten der

Nationalen Front, die niemand

kannte.Inden Monaten vorderWahl

hatten Bürgerrechtler die öffentlichen

Kandidatenvorstellungen genutzt,

um eigene Kandidaten vorzuschlagen

und Reformen wie die in

der Sowjetunion einzufordern.

Drei Jahre zuvor hatte eine

Gruppe um den Pfarrer Rainer Eppelmann

in mehreren Friedrichshainer

Wahllokalen versucht, die Wahlfälschungen

bei den Volkskammerwahlen

nachzuweisen. Vergeblich.

Einige Oppositionelle riefen zum

Boykott auf, anderedazu, wählen zu

gehen und mit „Nein“ zu stimmen

oder ungültige Stimmen abzugeben.

Ich hatte bislang noch an keiner

Wahl teilgenommen. Alle meine

Wahlbenachrichtigungen steckten

an dem großen weißen Imkerhut,

den mir Onkel Peter geschenkt hatte.

Am Wahlsonntag war der „Klub

der Volkssolidarität“ voll. Studenten,

Punks, Langhaarige und ganz normale

Leute aus der Gegend versammelten

sich in dem kleinen Ladenbüround

davor.Die fünfWahlbeamten

waren überfordert. So etwas hatten

sie noch nie erlebt. Ein

Riesenspaß. Das Wahlgesetz erlaubte

jedem Bürger, die Stimmauszählung

zu beobachten. Ich stellte

mich hinter einen älteren Genossen

und schaute ihm über die Schulter.

Andere nahmen jeden einzelnen

Zettel in die Hand. Damit eine

Stimme als ungültig galt, musste jeder

Name auf demWahlzettel durchgestrichen

sein. Die meisten taten

das an jenem Tag demonstrativ,

ohne die Wahlkabine zu benutzen.

Für gewöhnlich gingen vor der

Schließung der Lokale Wahlhelfer

mit der „Fliegenden Wahlurne“ von

Tür zu Tür,umGehbehinderten, Unentschlossenen

oder Nichtwählern

die Stimmabgabe zu „ermöglichen“.

In unser Viertel verirrten sie sich nur

selten. Manwusste,was alles passieren

konnte –ineinem dunklen Hinterhaus

mit durchgefaulten Treppenstufen.

Am Abend fuhr ich mit dem Fahrrad

nach Mitte, zueiner Wahlparty

der „Kirche von unten“. In den Räumen

der Elisabethkirchgemeinde in

der Invalidenstraße wurden die gesammelten

Ergebnisse öffentlich

ausgewertet. AusWeißensee, wofreiwillige

Wahlbeobachter den Auszählern

in66der 67 Wahllokale auf die

Finger gesehen und mitgeschrieben

hatten, meldete die staatliche Seite

doppelt so viele abgegebene Stimmen,

als von jenen Beobachtern registriert

worden waren. Einen ähnlichen

Trend gab es auch in anderen

Bezirken.

Im Saal des Gemeindehauses

blickten alle gespannt auf einen an

die Wand geschraubten Fernseher

und warteten auf das Wahlergebnis.

Dann plötzlich Gejohle und großes

Gelächter; Egon Krenz verlas in der

Spätausgabe der„Aktuellen Kamera“

mit ernster Miene die Zahlen: Beieiner

Wahlbeteiligung von 98,77 Prozent

hatten 98,85 Prozent für die

Kandidaten der Nationalen Front gestimmt.

Zur selben Zeit berichtete

Nimmste

mich mit?

Am 7. Mai 1989 geht

Olaf Schwarzbach, besser bekannt

als OL, zum ersten Mal in seinem

Erwachsenenleben zu einer Wahl

VonOlaf Schwarzbach

der Westen über Demonstrationen

gegen die Wahlfälschung und Festnahmen

in Leipzig.

Während der folgenden Tage

druckten und veröffentlichten die

Mitarbeiter der Umweltbibliothek

eine Dokumentation aller Beobachtungsergebnisse.

Zum ersten Mal in

der DDR-Geschichte war der Wahlbetrug

aktenkundig.

Vonnun an kamesregelmäßig zu

öffentlichen Protesten gegen die

Wahlfälschungen. Auf der Straße

gingen Volkspolizei und Staatssicherheit

gegen die Demonstranten

vor. Eingaben und Strafanzeigen gegen

einzelne Wahlleiter wurden mit

Anzeigen wegen „Beleidigung der

Staatsorgane“ geahndet. Die ertappte

Staatsmacht gab sich gekränkt.

In Wahrheit stand sie längst

mit dem Rücken zur Wand.

Als Reaktion auf die Proteste

sandte Egon Krenz, im ZK zuständig

für Fragen der inneren Sicherheit,

eine unmissverständliche Botschaft

an die aufsässige Bevölkerung. Am 4.

Juni meldeten DDR-Nachrichten:

„Einheiten der chinesischen Volksbefreiungsarmee

haben in der vergangenen

Nacht den Tiananmen-

Platz in Peking geräumt, teilte das

chinesische Fernsehen mit, weil

Konterrevolutionäre den Sturz der

sozialistischen Ordnung beabsichtigt

haben.“

DieDDR-Volkskammer lobte den

Militäreinsatz und wertete das Blut-

bad als „Niederschlagung einer Konterrevolution“.

„In Peking“, verkündete

Egon Krenz, sei „etwas getan

worden, um die Ordnung wiederherzustellen.“

Diese Androhung einer

„chinesischen Lösung“ für die ostdeutsche

Protestbewegung war

deutlich genug.

Krenz war neben Honecker und

Mielke einer der unbeliebtesten

DDR-Politiker. Ergalt als Honeckers

„Kronprinz“ und sollte dessen Nachfolger

werden. AufFotos sahman ihn

meist lachend, umringt von jungen

Frauen; ein angegrauter Lebemann

im blauen Hemd der FDJ. „Hoffnungsträger“

sahen anders aus.Statt

auf Reformen setzte er auf Repression.

Ein„Ost-Berliner Frühling“ war

nicht in Sicht.

Immer mehr Enttäuschte verließen

das Land, über 40 000 allein von

Anfang Maibis Ende Juni 1989. Mehr

alsdie Hälfte vonihnen floh über die

ungarische Grenze, denn die Ungarn

hatten im Frühjahr mit dem Abbau

des Stacheldrahtzaunes zu Österreich

begonnen. Sogar die DDR-

Presse erkannte jetzt ein „Flüchtlingsproblem“.

EinesTagesimJuli veröffentlichte

das Neue Deutschland einen bemerkenswerten

Artikel. Eine kurze Mitteilung

über einen Beschlussdes Nationalen

Verteidigungsrats. Wehrdienstverweigerer

würden im Fall einer

Generalmobilmachung in

speziell geschaffenen Lagern interniert

werden. Ob das Wort „Wehrdienstverweigerer“

in der Meldung

vorkam, weiß ich allerdings nicht

mehr. Wehrdienstverweigerung gab

es ja offiziell nicht. Sicher ist, dass

von„Lagern“die Rede war.

Am frühen Abend jenes Tages traf

ich Scheffel. Er hockte auf dem Bürgersteig

vor seiner Haustür und

schraubte an seinem roten Lada.

„Hab ich auch gelesen“, sagte er

„Wird Zeit zu gehen. Mich hält hier

nichts mehr.“ Selbst der unbekümmerte

Scheffel, der nie darüber

nachgedacht hatte, in den Westen

abzuhauen, schmiss das Handtuch,

war bereit, die Koffer zu packen.

„Haste schon ’nen Plan?“ –„Ja.

Mit dem Auto bis Budapest und

dann mal sehen.“ –„Nimmste mich

mit?“ –„Na logisch. Muss aber erst

noch den Motor reparieren.“ –„Sag

Bescheid, wenn’s soweit is. Ich bin

dabei.“

Ichging in Richtung Jahn-Stadion

nach Hause. AmEnde der Oderberger

kam man der Mauersonah, dass

man sie fast berühren konnte. Die

letzten zehn Straßenmeter waren

abgesperrt, aber auf dem Bürgersteig

konnte man weiterlaufen, am

letzten Eckhaus mit dem „Klub der

Volkssolidarität“ vorbei zur Straßenbahn-Endhaltestelle

in der Eberswalder.

Von der Aussichtsplattform

im Wedding winkten Touristen und

fotografierten uns in unserem Affenkäfig,

in dem es nicht mal Bananen

gab.

Als ich geboren wurde, stand die

Mauervier Jahre. Siewar einfach da,

wie ein Fluss mit zwei Ufern. Baden

verboten! Aufmeiner Seite lebten die

Nichtschwimmer. Einige waren bei

dem Versuch, das andere Ufer zu erreichen,

ertrunken. Mich hatte das

Drüben nie interessiert, Ufer war

Ufer. Doch nun wurde es ungemütlich.

Unsere Bademeister waren

nicht mehr berechenbar.

OL, Jahrgang 1965, zeichnet

jede Wochefür das Magazinder

Berliner Zeitung.


10 Berliner Zeitung · N ummer 104 · D ienstag, 7. Mai 2019

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Das Jahr 1989

Tagder Einschulung in Schwanebeck

im September 1989.

Die Elternsollten in diesen Zeiten

für ihre Kinder da sein, sie nicht

alleinlassen mit den Zweifeln

und Fernsehnachrichten, sagt

der Schuldirektor.

HERBERT SCHULZE

Unsere Tochter wird im

September 1989 eingeschult.

Seit Monaten fiebert

sie diesem Tagentgegen,

packt Mappe und Stifte ein

und aus,übt Schreiben, will alle Verwandten

dabei haben an diesem

wichtigen Tag. Vermutlich haben wir

Eltern ihr die Schwelgerei ziemlich

vermasselt. DerVater ist gerade ständig

auf Reisen. Ichals Mutter,die das

Kind nach der Arbeit in der Vorfreude

hätte bestärken können, bin

mit dem Niederringen von aufkommendem

Hass beschäftigt.

Nie zuvor hat mir das Land, in

dem ich lebe,sozugesetzt wie in den

Monaten vor seinem plötzlichen

Ende. Nun würde ich ihm also auch

das Kind zur gefälligen Verbildung

überlassen. Die befreundeten Nachbarn

von gegenüber waren zwei

Jahre zuvor ausgereist, hatten dem

Staat ihr Doppelgrundstück mit dem

schönen großen Haus für ein Trinkgeld

überlassen –vor allem, um ihremSohn

das Schulsystem zu ersparen.

Und wir sind geblieben, halbherzig

wie immer.

ZurEinschulung erscheine ich innerlich

zur Faust geballt. Allein diese

Schule in Schwanebeck. Eine Baracke

für die Erst- und Zweitklässler

neben einem überfüllten Neubau –

so sieht er also aus, der Sozialismus

in seinem Jubiläumsjahr. Jeden

Abend fluten die Nachrichten mit

Bildern von DDR-Flüchtlingen und

ihren hoffnungsvollen Gesichtern

unser Wohnzimmer. Hunderttausende

sind es, gefühlt Millionen. Ist

das Land unterdessen nicht leer genug,

um jedem seine Wunschschule

zu öffnen? Nein.

Einbesonnener Schuldirektor

Zur Einschulung erwarte ich die

üblichen Floskeln darüber, wie sie

aus den Kindern gestählte sozialistische

Persönlichkeiten formen werden.

Hatjaschon bei der Mutter leidlich

geklappt. Damals ahne ich nicht,

dass das stringente System wenigstens

am Anfang auch seine guten

Seiten hat –schon nach einem halben

Jahr können Schüler damals lesen

und schreiben, Rechtschreibung

folgt. Als ich viel später in der Redaktion

aus ungezählten Texten von

Praktikanten mit Abitur haarsträubende

orthografische Fehler fische,

überfällt mich mitunter eine späte

unerwartete Dankbarkeit für die ersten

JahreDDR-Bildungssystem.

Der Schulbeginn 1989 in Schwanebeck

fällt anders aus als befürchtet.

Es erscheint ein besonnener Direktor

mit Gehstock, der in seiner

Rede auf Allgemeinplätze verzichtet

und stattdessen den Eltern ins Gewissen

redet. Sie sollten in diesen

Zeiten gefälligst für ihre Kinder da

sein, sie begleiten und nicht alleinlassen

mit den Zweifeln und Fernsehnachrichten,

die schon die Erwachsenen

jeden Tagdurchschüttelten.

DieKinder brauchtenVertrauen,

Halt und Sicherheit, gerade jetzt. So

ungefähr spricht er.

Ertappt. Habe ich nicht oft das

Abendessen ins Wohnzimmer vor

den Fernseher verlegt, um so wenig

Neuigkeiten wie möglich zu verpassen?

Unbeholfen nach Erklärungen

gesucht, statt die paar Stunden am

Abend dem Kind zu widmen? Wie

sollte ich ihm auch den Exodus aus

einem Land erklären, in dem wir ja

weiter lebten? Irgendwann würde es

fragen, wann eigentlich Onkel Thomas

mal wieder vorbei kommt. Na,

gar nicht, weil er sich auch über Ungarn

auf den Wegnach Westen gemacht

hat. Weil er nicht DDR sein

wollte,Der Doofe Rest, wie wir freudlos

witzeln. Keiner weiß, wann wir

meinen Bruder überhaupt wiedersehen

würden.

Jetzt also zeigen selbst Schuldirektoren

mehr Format als Zeitungsleute,denke

ich, damals Redakteurin

der Berliner Zeitung. Um Bescheid

zu wissen, was in der Welt und nebenan

passiert, haben Ost-Journalisten

damals wie alle nur die Möglichkeit,

sich über West-Sender zu informieren.

Gleichzeitig nehmen die

Ost-Medien noch groteskere Formen

an, die Lethargie lässt noch

mehr Platz für Verlautbarungsmeldungen.

Und ich gehöre zudenen,

die an der täglichen Desinformation

der Leser mitwirken.

Ich weiß gar nicht mehr, wie das

anfing, wie wir das aushielten. Da

wächst man wohl rein. Auch in so

eine Zeitungsarbeit mit ihrem anschwellenden

Zynismus, bei dem

wir Anweisungen von oben auf den

Fluren verhöhnen und gleichzeitig

das leere Parteigeschwafel ungefiltert

aus der Agentur in die Zeitung

fließen lassen.

Die Kulturabteilung der Berliner

Zeitung versammelt die wenigsten

Genossen, zwei der besten Schreiber

und die schärfstenVerächter des Systems.

Die Kultur gilt als Nische. Statt

All die

Zweifel

Das Land blutet aus,

die Zeitungen schweigen.

Die letzten Monate in der DDR

sind Monate des Wartens, der Wut,

der Angst, des Selbsthasses

sich in Leitartikeln zu positionieren,

bewerten die Autoren Kunst und

transportieren kleine Wahrheiten

zwischen den Zeilen. Na,manchmal

jedenfalls.

Die meisten von uns haben sich

eingerichtet. Persönliche Entscheidungen

getroffen, abgewogen, was

jeder aufzugeben bereit ist. Ob er die

schöne Redakteursstelle eintauschen

will gegen einen Job als Friedhofsgärtner.

Oder für ein anderes Leben

im Land nebenan, das einen weder

will noch braucht.

Viele hatten ganz früher einmal

die Gewissheit verinnerlicht, in der

gerechteren Gesellschaft zu leben. In

einem Land, das keine extreme Armut

zulässt und keinen Jetset, dafür

ein Leben auf auskömmlichem Niveau

mit Arbeit für alle ermöglicht.

Wenn auch –vorübergehend! –ohne

Ausflug nach Paris. Konsumstreben

war immer verpönt.

Dass das Experiment scheitern

würde, stand nicht von Beginn an

fest. DieErkenntnisreift mit der Zeit,

in der sich Mauer und Denkverbote

festsetzen, in der der erstickte Prager

VonBirgit Walter

Frühling, die Biermann-Ausweisung,

der Verlust zahlloser Künstler

eisern in die bleiernen 80er-Jahre

führen, die Apathie.Nur auf privaten

Feiern geht esimmer hitzig um die

Frage: Gehen oder bleiben? Und

wenn ja –wie?

Die letzten Spuren von Glaubwürdigkeit

verspielt das System

selbst bei ergebenen Genossen, als

es die Übernahme vonGlasnost und

Perestroika für die DDR verweigert,

die sowjetische Zeitung Sputnik mit

ihren historischen Richtigstellungen

nicht mehr ausliefert, Filme nicht

mehr zeigt.

Im Finale geht es zur impertinenten

Lüge über. Den medialen Siedepunktvor

denVerhaftungen zum 40.

Jahrestag im Oktober 1989 bildet im

Monat zuvor die Geschichte von

dem Mitropa-Koch, der unter Drogen

gesetzt und von Menschenhändlern

aus Budapest in den Westen

verschleppt worden sein will. So

schreibt es das Neue Deutschland.

Daseigentlich Perfide besteht darin,

dass bis dahin keine DDR-Zeitung

die Massenflucht der eigenen Bürger

in den Westen auch nur erwähnt

hätte. Keine Zeile darüber, wie das

Land ausblutet.

Und indieses verstockte Schweigen

hinein platzt das ND mit einer

Entführungsstory. So schlecht erfunden,

dass es jeden Leser beleidigen

muss. Auf den Gängen und in den

Versammlungen der Berliner Zeitung

wird der Protest lauter: Das Blatt

muss sich ändern! DieChefredaktion

beschwichtigt, offenbar selbst irritiert:

Lasst uns den Jahrestagüberstehen,

dann sehen wir weiter.

Nutzen wir damals schon den Begriff

Fremdschämen? Jedenfalls ist

das gemeint, wenn ich meine Freundinnen

aus anderen Redaktionen

des Berliner Verlags in der Kantine

treffe, um Neuigkeiten durchzuhecheln.

In diesem Fall fassungslos,

weil das Interview mit dem Mitropa-

Koch von einem Kollegen geführt

wurde, mit dem zusammen wir alle

studierthatten. Wiekonnteernur?

So weit würden wir nie gehen.

Nee, mussten wir auch nicht. Beiuns

gaben nicht die ideologischen

Scharfmacher den Ton an wie im

SED-Zentralorgan ND, der Jungen

Welt oder auch in der Frauenzeitschrift

Für Dich. Die Unterschiede

der einzelnen Redaktionenkommen

uns damals vor wie die zwischen

Steinbruch und Kabarett. Nichtmarginal,

sondern existenziell. Dieter

Kerschek, der Chefredakteur der

Berliner Zeitung mit dem Nimbus

des Anständigen, steckt oft Prügel

ein im Zentralkomitee für das,was er

in seiner Zeitung durchgehen lässt,

vergleichsweise kritische Wirtschaftsberichte

zum Beispiel. Er gibt

das nicht an die Kollegen weiter.

Derneue Hass aufdas Land speist

sich auch aus Selbsthass, bewusst

oder unbewusst. Denn klar, ohne

uns hätten sie ihre Zeitungen nicht

machen können. Da mochte man

sich noch so auf der Seite derer fühlen,

die gern mal Klartext geschrieben

hätten. Tatsächlich war unsere

SchereimKopfverankert, wir glaubten,

sie zu kennen. In Wahrheit

schneidet sie tiefer, als uns lieb sein

kann. Die Selbstzensur funktioniert.

Man kann Volker Brauns „Übergangsgesellschaft“,

eine Tschechow-

Adaption auf das Ende der DDR,

ausgiebig loben und ihr Anliegen

vermitteln, das geht. Aber die Diskussionen,

die in den Monaten vor

dem Mauerfall im Maxim Gorki

Theater nach jeder Vorstellung los-

brechen, weil Zuschauer einfach sitzen

bleiben und reden wollen, die

kommen in keiner Zeitung vor. Genauso

wenig wie die Montagsdemonstrationen

in Leipzig.

Die Protestzüge um den 7. Oktober

beobachten wir auch nur aus

den Redaktionsfenstern, von den

Redakteuren wagt sich keiner dorthin.

Vonden Verhaftungen erfahren

wir dann aus dem Fernsehen. Die

Nervosität lässt sich mit Händen

greifen, aber unsereForderung nach

Pressefreiheit erreicht nur die Chefredaktion,

die sie gefälligst nach

oben weiter geben soll.

Vielleicht geht es jetzt doch los

Unter den Dableibenden zeigen vor

allem Künstler MutzumWiderstand,

nicht erst bei der Organisation der

befreienden Demonstration vom

4. November auf dem Alexanderplatz.

Noch kurz vorher finden ihre

WortekeinenWegindie Zeitung, weder

die Resolution der Theaterleute

noch die der Rockmusiker. Nichtvor

demJahrestag.

Der September erscheint im

Rückblick als der schlimmste Monat,

weil immer noch kein Reformwille

erkennbar wird, das System in Erstarrung

beharrt. Diemeisten Bürger

hatten ihre Abwägungen getroffen,

doch jetzt ändernsich die Bedingungen.

Neue Ängste kommen dazu.

Was, wenn bei anhaltender Massenflucht

die Grenzen zur Tschechoslowakei

und zu Ungarndicht machen?

–Das wagen sie nicht! –Nein? Siehaben

schon ganz andere Grenzen geschlossen,

unbehelligt und für ewig.

Unsist jede Gelassenheit abhandengekommen.

Keiner ahnt doch, wie

das Experiment ausgeht, wie schnell

alles endet.

Das Kind hat Herbstferien, wir

denken an die Wortedes Schuldirektors,

machen Ausflüge, heute in den

Spreewald. Unendliche Stille auf

dem Wasser,keinRadio nirgends.Da

kommt uns ein anderer Kahn entgegen,

der Ruderer ruft: Honecker ist

weg! –Was denn, wirklich?! Wirmüssen

nun doch schnell zurück zum

Auto, hören, ob das stimmt. Vielleicht

geht es jetzt doch los mit einem

neuen Land.

Birgit Walter war von1978

bis 2013 Redakteurin der

Berliner Zeitung.


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12 Berliner Zeitung · N ummer 104 · D ienstag, 7. Mai 2019

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Das Jahr 1989

Am10. August 1961 um 9.47

Uhr steigt Norbert Kaczmarek

in eine S-Bahn und

fährt nach West-Berlin. Er

ist 19 Jahre alt und gar nicht richtig

erwachsen. Schließlich wohnt er

noch zu Hause bei seinen Eltern in

Potsdam-Babelsberg. Alles ändert

sich an diesem Tag, denn Norbert

Kaczmarek setzt sich in diese Bahn,

um sein Leben zu verändern.

Ein junger Mann verlässt sein

Land. Ein letztes Mal wird sein Ausweis

im Bahnhof Griebnitzsee kontrolliert.

Eine Zollkontrolle gibt es

nicht, denn er hat kein Gepäck.

Dann ist er durch.

Norbert Kaczmarek ist einer von

47 433 Flüchtlingen in diesem Monat.

Es ist ganz einfach in diesen ersten

Augusttagen des Jahres 1961, das

Land zu wechseln. Mandarfsich nur

nicht erwischen lassen. Eine kurze

Fahrt mit der S-Bahn, und schon ist

man drüben.„Liebe Eltern“, schreibt

Kaczmarek einen Tag später in einem

Brief, „ich möchte Euch auf diesemWege

über die Gründe informieren,

weshalb ich seit einigen Tagen

nicht nach Hause gekommen bin

und wohl so bald nicht nach Hause

kommen kann. Sicher habt IhrEuch

schon Sorgen gemacht. Aus dem

Poststempel konntet Ihr schon sehen,

dass ich in Westberlin bin.“

Er schreibt, der Entschluss,die Elternzuverlassen,

sei ihm nicht leicht

gefallen, doch er sei notwendig gewesen,

um seine Berufspläne zu verwirklichen.

Werdiesen Brief liest, gewinnt

den Eindruck, der junge Mann

habe eine einsame Entscheidung getroffen.

Aber so ist es nicht. DieAusreise

ist innerhalb der Familie abgesprochen.

Der Brief soll die Eltern

schützen, damit sie später sagen

können, sie hätten von nichts gewusst.

Das ist klug überlegt. Aber

drei Tage später errichtet die SED die

Berliner Mauer und trennt damit

nicht nur West-Berlin vom Ost-Teil

der Stadt und vomUmland. Norbert

Kaczmarek sieht seine Eltern erst

vier Jahrespäter wieder.

Ohne Zukunft in der DDR

Geteilte

Leben

Norbert Kaczmarek ist 19, als er im August

1961 nach West-Berlin fährt. Dann wird die

Mauer gebaut. Mit seinem Vater kann er nun

nur noch Briefe wechseln. Heute nennt er sie

Feldpostbriefe aus dem Kalten Krieg

VonJulia Haak

Norbert Kaczmarek hat nicht gewusst,

dass um West-Berlin eine

Mauer entstehen würde. Erhört davonerst

am Morgen des 13. August in

Friedenau im Radio. Er fährt zum

Bahnhof Friedrichstraße und beobachtet

–wie Tausende andere Berliner

auch –relativ fassungslos, wie

DDR-Grenzposten Stacheldraht ausrollen.

Aber eine relativ konkrete Ahnung

hat er im Sommer 1961 schon,

dass sich Unheil ankündigt. Er hört

die Zahlen der Flüchtlinge, die von

Monat zu Monat ansteigen, er hört

die Drohungen des Regimes, Grenzgängern

die Ausweise zu entziehen.

Ihm ist klar, dass der Verkehr zwischen

Ost und West relativ bald unterbunden

werden würde.

In der DDR, die rings um ihn

herum gerade entsteht, sieht er für

sich keine Zukunft. Eine Zulassung

zum Studium bekommt er nicht. Er

hat das berufliche Schicksal seines

Vaters vor Augen, der im neuen System

mit dem eigenen Betrieb in die

Pleite gedrängt wird und fortan unzufrieden

in der Planwirtschaft vor

sich hin arbeitet. Irgendwann

schmiedet Norbert einen eigenen

Plan. Er macht sein Abitur in West-

Berlin und bewirbt sich an der Freien

Universität. Dann steigt er in den

Zugnach Westen.

In Zeiten des Internets und der

unbeschränkten und mobilen Kommunikation

fällt es heute schwer,

sich vorzustellen, was das heißt für

eine Familie in den 60er-Jahren. Telefongespräche

in die Ferne sind

teuer, auch wenn die Ferne gleich

um die Ecke liegt. Außerdem dauert

es Stunden oder Tage, bis eine Leitung

freigeschaltet wird. Das Internet

gibt es noch nicht und damit

auch keine Kurznachrichtendienste.

Persönliche Begegnungen sind unmöglich,

jedenfalls in den ersten vier

Jahren, bis die ElterninRente gehen

und in den Westen reisen dürfen.

Norbert und sein Vater Georg

Kaczmarek finden eine andere Lösung.

Sie schreiben sich Briefe.Täglich,

wöchentlich, so oft wie möglich

jedenfalls. Manchmal ist bereits ein

neuer Brief in Arbeit, wenn die Antwort

auf den letzten noch gar nicht

eingetroffen ist. Vater und Sohn

schreiben sich acht Jahre lang bis

zum Toddes Vaters alle paar Tage gegenseitig

einen Brief.

Norbert Kaczmarek hat all diese

Briefe seines Vaters aufbewahrt. In

einem Schuhkarton. Es sind Hunderte.

Seine Schwester fand nach

dem Todder Eltern imBabelsberger

Haus dann einen zweiten Karton mit

den Briefen, die Norbert dem Vater

geschrieben hatte. Manches, sosagt

Norbert Kaczmarek heute, wüsste er

ohne die Briefe nicht mehr.„Die Erinnerung

verklärtdie Dinge“, sagt er.

Er hat gemeinsam mit der Stiftung

Berliner Mauer und dem Christoph

Links Verlag aus den Briefen

jetzt ein Buch gemacht. Norbert

Kaczmarek hat 270 der Briefe für die

Veröffentlichung herausgesucht, sie

gekürzt, rausgestrichen, was zu speziell

und privat und deshalb für die

Öffentlichkeit weniger interessant ist

und hat Jahr für Jahr mit einer historischen

Vorbemerkung versehen.

Nicht aus den Augen verlieren

Es geht um Politik in den Briefen. Natürlich.

Die Familie ist unmittelbar

von den drastischen Entwicklungen

der Weltpolitik betroffen, eine Familie,

geteilt wie das Land, in dem die

Menschen leben. Vater und Sohn

nehmen kein Blatt vor den Mund in

ihren schriftlichen Gesprächen. Sie

beurteilen die Lage, sie kommentieren,

und das, obwohl sich beide bewusst

sind, dass grenzüberschreitende

Briefe auch aufgemacht und

von staatlichen Stellen der DDR gelesen

werden. „Wir wollten uns nicht

verstellen und mit Ironie ist das so

eine Sache,das versteht man schnell

falsch“, sagt NorbertKaczmarek.

Aber es geht auch um Alltägliches

in den Briefen. Vater und Sohn haben

sich ganz offenbar vorgenommen,

sich gegenseitig auf dem Laufenden

zu halten und die jeweiligen

Lebensumstände zu schildern bis in

die Details.So, glauben sie,die Trennung

besser überwinden zu können.

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Berliner Zeitung · N ummer 104 · D ienstag, 7. Mai 2019 13

· ·

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Der Weg zum Mauerfall

Undsich nicht aus den Augen zu verlieren.

„Am Montag war ich nun im Notaufnahmelager

Marienfelde, mußte

über drei Stunden stehen, ehe ich

überhaupt die Pforte passieren

konnte.Soist das nun immer vorjedem

neuen Punkt des Laufzettels“,

heißt es da. Undweiter:„Gesternwar

ich zur Untersuchung, heute bei der

Sichtungsstelle der westlichen Geheimdienste,woman

unter die Lupe

genommen wird. (...) So stehe ich

nun, mal mit mal ohne Regenschirm,

ziemlich viel an, wenn das

erledigt ist, werde ich wohl arbeiten

können, denn 50 000 Grenzgänger

haben eine ganz schöne Lücke hinterlassen“,

schreibt Norbert.

Norbertberichtet vonseinen Besorgungen

und ausführlich von der

Zimmersuche. Der Vater schreibt

von seiner angeschlagenen Gesundheit

und den Mühen im Betrieb.

„Im Geschäft haben wir viel

Arbeit, es müssen die Vorbereitungen

getroffen werden für das neue

Planjahr 1962. Unsere Eigenständigkeit

wird immer geringer, denn

wir müssen die gleiche Organisation

annehmen wie Berlin. Dabei

wird nicht beachtet, daß in Berlin

für die Arbeit dank der zahlreicheren

Arbeitskräfte und des erhöhten

Umschlags eine Spezialisierung

möglich ist (...) Aber da ist nichts zu

machen und ich habe aufgehörtdagegen

anzukämpfen, weil es zwecklos

ist“, schreibt der Vater.

„Was für Zeit man mit schreiben

verbracht hat“, sagt Norbert Kaczmarek

heute. Erist jetzt 77 Jahre alt.

Wenn man ihn so vorsich sieht, fällt

es schwer, ihn mit dem aufgeregten

jungen Mann übereinzubringen, der

aus den Briefen heraus spricht. Für

die Buchvorstellung schlüpft Norbert

Kaczmarek dann auch in die

Rolle des Vaters, liest aus dessen

Briefen vor. Ein Schauspieler übernimmt

den Part des Sohns. Das findet

Norbert Kaczmarek schön und

seltsam zugleich, denn er hat die

Stimme des Vaters nicht mehr im

Ohr, muss seine Worte also so sprechen,

wie er selbst sie eben sprechen

würde.

Aufgewühlt,aber nicht erschüttert

Schon vor dem Mauerbau haben

sich andere Familienmitglieder

Richtung Westen aufgemacht. Ein

Onkel, weil er Ordenspriester werden

will und der älteste Bruder Norberts.Erstudiertbereits

in den 50er-

JahrenPharmazie an der Freien Universität,

lebt mit seiner Frau in West-

Berlin und erleichtertNorbertinden

ersten Monaten das Einleben in die

neue Situation.

Die Welten von Vater und Sohn

könnten unterschiedlicher nicht

sein, und das spürtman in den Briefen.

„Du weißt, wofür Du Dich anstrengst,

Du wirst einmal davon Vorteile

ziehen, einen gesicherten und

vielleicht auch lohnenden Beruf erringen.

Bei mir sieht das etwas anders

aus.Ich komme mir vorwie Don

Quichote, der gegen Windmühlenflügel

anrennt, und das ist bitter“,

schreibt der Vater im November

1961. Der Sohn schreibt zur Lage in

den Ost-Betrieben, er finde es „erklärlich,

daß die Leute absolut keine

Lust haben, mehr zu tun, als sie verpflichtet

sind“. Aber ansonsten berichtet

er recht munter von seinen

Versuchen, sein neues Leben zu organisieren.

Mitder Zeit wirdder Schriftwechsel

tiefgründiger. Zum Jahrestag seiner

Flucht 1962 schreibt Norbert:

„Wir haben uns seitdem nicht mehr

gesehen, wir haben uns viel geschrieben

und nun auch mal telefonisch

gesprochen. Undvielleicht haben

wir uns wirklich erst mit und

nach diesem Ereignis richtig kennen

gelernt. Vielleicht fehlte der Schock,

um zu sehen, was doch Familie bedeutet.“

Fragt man NorbertKaczmarek

heute nach seinen Gefühlen damals,

sagt er, „ich habe den Vater

durch die Briefe zehnmal besser

kennengelernt, als wenn wir nebeneinander

gewohnt hätten.“ Rückblickend

auf die Flucht des Sohnes,

schreibt der Vater nach einem Jahr:

„Ich bin aufgewühlt, aber sonderbarerweise

nicht erschüttert worden.

Dein damaliger Entschluß war eine

Fügung, daran zweifle ich nicht und

NorbertKaczmarek ist heute

77 Jahre alt und im Ruhestand.

Von1981 an leitete er

das Büro des Regierenden

Bürgermeistersvon Berlin

und von 1983 bis 2007 die

Abteilung Politische Koordination

der Senatskanzlei Berlin.

BERLINER ZEITUNG/MARKUS WÄCHTER

ich habe mich deshalb damals auch

dreingefunden.“

Politik spielt in den Briefen immer

wieder eine Rolle.Von heute aus

betrachtet wirkt manches naiv. In

den ersten Tagen nach dem Mauerbau

ärgert sich Norbert vor allem

über die Tatenlosigkeit derWest-Alliierten.

„Man kann es kaum fassen,

daß TagumTag vergeht, an denen

erst beraten werden muß, was zu unternehmen

ist, als ob man das nicht

kommen sah“, schreibt er am 16. August.

EinJahr später berichtet er dem

Vater von der neuen westdeutschfranzösische

Freundschaft und

schreibt, dieses Zusammenrücken

werde sicherlich nach einer deutschen

Einheit für das ganze

Deutschland gelten.

Vater Georg Kaczmarek (rechts oben) ist zu Beginn des Briefwechsels

61 Jahre alt. Er ist in den 60er-Jahren Leiter der Potsdamer Außenstelle

des VersorgungskontorsPapier und Graphischer Bedarf

in Ost-Berlin.

Sohn Norbert(links) studiert1961 an der Freien Universität Berlin

Slawistik, Publizistik und Politische Wissenschaften. Er ist 19.

Überhaupt die deutsche Einheit.

Ungeduld spricht aus den Worten

von Vater Georg, wenn er schreibt:

„Man setzt wieder mal Hoffnungen

auf kommende Gespräche, Besuche,

woran NewYork, Moskau, Berlin

und Peking beteiligt sind. Was

wird daraus werden? Einmal muss

es doch klappen, nachdem wir so

oft enttäuscht wurden.“ Es ist Juni

1963, als er dies schreibt. Bis zur

Wiedervereinigung werden noch

fast 30 Jahre vergehen. Aber das

weiß ja damals niemand. Der Sohn

berichtet dann euphorisch vom Besuch

des US-Präsidenten Kennedy.

Zwei Stunden vor der Ansprache ist

er bereits vor dem Schöneberger

Rathaus, umüberhaupt einen Platz

zu bekommen. „Es war eine Stra-

PRIVAT/REPRO WÄCHTER

paze bei der Sonne und der Fülle.

Nachher war es so, daß man gar

nicht klatschen konnte, weil man

die Hände einfach nicht bewegen

konnte“, heißt es im Brief.

Dann wird Kennedy erschossen.

„Warum und warum gerade jetzt muss

so etwas geschehen“, schreibt Vater

Georg, „wo man in den Mann große

Hoffnungen setzte. Warum er und

nicht ein anderer, der vielleicht nach

unserer Meinung für eine freundliche

Entwicklung imWege steht“.

Die Beziehung von Vater und

Sohn verändert sich. Der Vater

schreibt seinem Sohn, erhabe sich

in den zwei Jahren der Trennung zu

seinem Vorteil verändert, das Kindhafte

abgelegt, sei männlicher geworden.

Aber es tut sich ja auch etwas

im Leben des jungen Mannes.

Er hat eine Freundin, seine spätere

Frau, und sie ist es dann, die anfängt

hin- und herzureisen zwischen

den Elternund dem Sohn im

Westen. Denn als West-Berlinerin

kann sie das, nachdem erste Passierscheinabkommen

geschlossen

wurden, während Norbert sich

noch sehr lange nicht trauen wird,

einen Fuß zurück in die DDR zu

setzen. Erst 1972 reist er das erste

Mal wieder ein. Da ist sein Vater bereits

gestorben.

Er sei superängstlich gewesen, so

kommt es Norbert Kaczmarek heute

vor. Er traute sich nicht einmal, S-

und U-Bahnen zu benutzen, die

DDR-Gebiet passierten.

1964 schaffen es dann immerhin

die Eltern, als sie Rentner sind, zu Besuch

nach West-Berlin. Viele Briefe

drehen sich um die Vorbereitungen

des Besuchs und dann um das tatsächliche

Wiedersehen. Es ist das

wichtigste Ereignis in der Familie in

diesen Jahren.ImBuch sind Fotos abgebildet:

die Familie zusammen auf

dem Sofa, der Vater mit einer West-

Berliner Tageszeitung in der Hand.

Norbert Kaczmarek bezeichnet

die Rentnerbesuche heute als Fehlkalkulation

der DDR-Obrigkeit. Der

zynische Gedanke dahinter,wenn ein

Teil nicht in die DDR zurück komme,

sei es nicht schlimm, weil man Kosten

spare, habe sich als Fehleinschätzung

entpuppt. Es seien doch fast alle wieder

zurückgefahren. „Vor allem hatten

sie aber die psychologische Wirkung

von dem, was die wieder zurückgekehrten

Rentner von ihrem

West-Besuch dann erzählen, unterschätzt“,

sagt Kaczmarek. Die persönlichen

Erlebnisse, die Berichte

vomBesuchauf dem Funkturmoder

im KaDeWe hätten sich noch wesentlich

schlimmer auf die Durchhaltemoral

ausgewirkt als das Werbefernsehen,

das ja ebenfalls Gelüste

weckte. Die Oma, die mit leuchtenden

Augen von ihren Erlebnissen erzähltem,

sei einfach glaubwürdig gewesen.„Ein

Beitrag, der zur Unzufriedenheit

beitrug“, sagt Kaczmarek.

Mosaik desLebens

DiePolitik hat NorbertKaczmareks

Leben geprägt. Er studierte Politik

an der Freien Universität, war

dann für die CDU-Fraktion im

Berliner Abgeordnetenhaus als

wissenschaftlicher Mitarbeiter tätig

und arbeitete ab 1983 bis zu

seiner Pensionierung 2007 in der

Berliner Senatskanzlei.

Beim Lesen dieser Briefe entstehe

ein Mosaik des Lebens in Ost und

West, heißt es in der Einleitung. Da

sind die unterschiedlichen Bedingungen

und die zunehmende Auseinanderentwicklung

zum Beispiel,

wenn der Sohn Flugreisen ins Ausland

unternimmt, die beim Vater Erstaunen

auslösen.

Die Briefe können aber auch als

Zeugnisse einer politischen Phase

gelesen werden. „Feldpostbriefe aus

dem Kalten Krieg“ nennt sie Norbert

Kaczmarek. Es seienMuntermacherbriefe

und Schlachtenbeschreibungen

wie bei den Briefen zwischen

Frontsoldaten und Daheimgebliebenen.

„Darum geht es doch“, sagt er.

Überleben in einem Bürgerkrieg besonderer

Art. Auch wenn es kein

richtiger Krieg war.

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14 Berliner Zeitung · N ummer 104 · D ienstag, 7. Mai 2019

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Das Jahr 1989

Schreibend ist er in Lyrikund

Prosa genauso zu Hause wie

in der Dramatik, auch seine

Essays blitzen mit geschliffener

Streitlust. Volker Braun gehört

zweifellos zu den bedeutendsten

deutschen Schriftstellern, als Erneuerer

der Sprache, als Erweiterer

von Denkräumen und kritischer Beobachter

der Verhältnisse.Wir trafen

ihn kurzvor seinem 80. Geburtstag.

Wiegeht es Ihnen, vorIhrem 80.?

Nicht schlecht. Ich komme von

einer Lesereise,Paris,Toulouse,Lyon,

Genf. Mit Alain Lance, dem Dichter

und Übersetzer. Ein Band Gedichte,

bei Gallimard.

Siehaben auch hier gerade Neues veröffentlicht.

Einen Band mit Schriften

und Reden und ein Büchlein „Handstreiche“,

Kurztexte, Merksätze. Also,

Siesind produktiv.

Das empfinde ich nicht. Das

Schreiben braucht einen Impuls,den

Fund, an dem sich was zeigen lässt.

Eine einfache, unabweisbare Sache,

die die ganzeExistenz betrifft. So war

es beim „Bodenlosen Satz“, bei den

„Vier Werkzeugmachern“ und bei

den „Hellen Haufen“. Oder bei den

„Griechen“: der Beginn der Postdemokratie.

Essind Texte, die gemacht

werden mussten. Darumschreibe ich

wenig, weil mich nicht leicht etwas

dazu bringt. Weil ich angestiftet werden

muss.

Angestiftet wozu, zu einer Tat?

Zu einer Feier, oder einer Rache.

Auf die „Hellen Haufen“ schrieb ich

Fühmanns Satz: In ein Buch gehen

wie in eine Schlacht, die auch für alles

offen ist.

Gilt das auch für die „Handstreiche“?

Die „Handstreiche“ sind nur ein

Beifang.

Worte„aus derWerkzeugtasche“,„Ausschreitungen

auf dem Papier“.

DerganzeBand ist ausWidersprüchen.

„Ich bin schwer zu fassen. Ich

gebe mich wie ich bin.“ Das entsteht

beiläufig, ist aber gearbeitet wie jeder

andereText. Indem man im Moment

des Notierens ein bisschen zögert

und nicht losspricht wie jetzt.

Losspricht? Nein. Aber Ihre Pausen

können wir leider nicht drucken. –Es

gibt einen Buchtitel, der freundlich

anfängt: „Wir befinden uns soweit

wohl“, aber fortsetzt: „Wir sind erst

einmal am Ende.“ Der Band erschien

vorzwanzig Jahren. Es ist einiges passiertinzwischen.

Daswar ein ehrlicher Satz.Werdas

ein Leben lang sagt, ist ein Idiot. –Ah,

das war Ihre Frage: Wie esmir geht.

Da müsste ich nachdenken.

Gut. Währenddessen schaue ich mich

um und sehe, dass Sie mit Bildenden

Künstlern verbunden sind, Jastram,

Stötzer, Nuria Quevedo.Was bedeutet

Ihnen die Begegnung der Künste?

Ich war vor allem mit Komponisten

befreundet: Paul Dessau, Friedrich

Goldmann, Fritz Schenker.Diese

Entwicklung bei Goldmann, der in

Dresden-Rochwitz auf unserem Klavier

spielte … die Auseinandersetzung

mit den tradierten Kompositionsweisen,

da gingen ganz ähnliche

Brüche, Neuerungen vor wie in den

Schreibweisen.

Undbei der Bildenden Kunst?

Hrdlicka zeigte mir sein Mahnmal

gegen Faschismus und Krieg in

Wien. Halb behauene Blöcke,Fragmente

von Körpern, und irgendwo

ein Sinnkern, das bronzene Judenhaupt

im Pflaster. Die Wiener empörten

sich. Eine zersprengte Form

wie in den Bühnenstücken. Oder

Picasso, wie malt der einen Busen?

Keinen Halbkreis, ermalt eine Spirale.

Aber wie eindringlich, berührend

ist die Figur. Was entspräche

dem im Text? Mensch, wie musst

du schreiben?

Die Künste regen einander an. Hat

man sich in der DDR gegenseitig gestützt

in den Konflikten –dass Ausstellungen

nicht stattfanden, Stücke nicht

aufgeführtwurden?

Das waren die Arbeitsbedingungen.

Der Architekt Henselmann vermachte

mir den Spruch: „Solidarität

der Qualität“. Es gab sie. Und man

„Der Osten war

für den Westen offen“

Geboren

am 7. Mai

1939 in Dresden,

lebt Volker Braun

seit 1965 in Berlin. Seine

Biografie ist durch die

Widersprüche des 20.Jahrhunderts

geprägt. Das spiegelt

sich in seinem Werk.

Im Jahr 2000 erhielt er den Georg-Büchner-Preis.

BERLINER ZEITUNG/GERD ENGELSMANN

stand oft allein ... Aber Konkurrenz

war überhaupt kein Begriff.

In der Sächsischen Dichterschule –zu

der Sie, Karl Mickel, Sarah und Rainer

Kirsch, Adolf Endler, Heinz Czechowski

und andere zählten? Sie haben ja

auch in Gedichten miteinander verkehrt.

Natürlich. Das ist ein Mythos. Er

verdankt sich „Eddi Pferdefuß Endler“.

Wir stammten merkwürdigerweise

alle aus Sachsen und Anhalt

und wurden durch Hermlins Lesung

1962 bekannt, die ihn sein Amt in der

Akademie kostete.Ich war aus Leipzig

gar nicht angereist. Und wurde um

ein Haar exmatrikuliert.

Siestudierten Philosophie.

Ein Bruder war in West-Berlin: Da

kam ich bei der Journalistik nicht an.

Wiegeht es Ihnen in der Zeitungswelt

heute?

Was soll ich sagen? Ich habe einen

schönen Beruf,aber es macht mir Sorgen,

dass weniger Zeitungen gelesen

werden, dass auch viele kluge Menschen

ihreInformationen fast wahllos

aus dem Netz holen.

Die Medienrevolution. Sie frisst

ihre Kinder. –Es sind nicht die Geräte,

das Internet. Es ist der Dreh,

wie Nachrichten gemacht werden,

wie Kriege begründet werden, erst

in Jugoslawien, dann im Irak, in

Syrien, das terrorisiert wird auch

von der Presse. Die Nachrichten,

die in einen hineinfahren wie

Schrapnells.

Dieeinem den Tagverderben können?

Man denkt, man schüttelt das ab.

Aber wir sind durchlässige Wesen.

Weisen wir eine Frage ab,dichtete GeorgMaurer,„tritt

die Lüge wie Schimmel

vor“.

Das ist zum Verzweifeln. Wirtschaftslobbyisten

bestimmen die Themen, sodass

die Klimakatastrophe wie ein Luxusproblem

behandelt wird. Und

dann lobt Angela Merkel die demonstrierenden

Schüler, obwohl sie selbst

immer Auto-Politik gemacht hat.

Immerhin gehen die Schüler auf

die Straße, immerhin für den Klimaschutz.

Vielleicht ist es dieses Gefühl

Frühjahreder Völker.Seltenzeit

Wenn sie ausgehn aus ihrem Schlummer

InsFreie.Das Eis

DerStrukturen bricht, und es hebt den

Nacken neugierig

DerUnterdrückte.

(Der Eisenwagen, 1981)

einer Grundheuchelei in der Gesellschaft

… Immerhin wird das Auto

noch einmal erfunden, freilich als

Fehlkonstruktion. Werein Auto kauft

/kauft den Autounfall. Jetzt kauft er

den Batterienmüll vonmorgen.

Glauben Sie, dass sich die Rolle vonLiteratur

und Medien irgendwo treffen?

Unbedingt. In der Wahrheit. Nur

ist die ArtundWeise,sie zu sagen, verschieden.

Die Literatur hat keine leitenden

Redakteure. (Er zeigt auf eine

Bleistiftzeichnung an der Wand.) Haben

Sie gesehen? Das ist Joachim

John, „Das Volk führtdie Freiheit“, an

Stricken. 1991. –Eine Bibliothekarsschülerin

fragte mich neulich am Telefon:

„Waren Sie auch von der Bücherverbrennung

betroffen?“ Das ist

das Resultat der Aufarbeitung.

Volker Braun, der in der DDR oft

mit der Zensur zu kämpfen hatte,

sah das Weggehen nicht als

Alternative. Die Wende war für

ihn „eine Revolution und eine

Konterrevolution und ein Fest

und ein Desaster“

Sie beschreiben die sozialen Verwerfungen,

die wir erleben. Ihr Flick von

Lauchhammer ist ein rückgewandter

Held, ein Quichotte der Arbeitswelt.

Siehaben einen Preis vonder GewerkschaftVerdibekommen.

Ichhabe in meinem Dank gesagt,

dass eine Gewerkschaft, die sich nur

um die Beschäftigten kümmert, ein

elitärer Verein ist. Die Arbeiterschaft

ist geteilt in die,die Arbeit haben, und

die,die keine haben, die sind nicht organisiert.

Ich sollte auch mal vom

FDGB...

…der Gewerkschaft in der DDR

... einen Preis erhalten. Da hörte

sich eine Kommission eine Lesung

an, und dann war klar: Der Mann ist

ungeeignet. Einer, der von vertikaler

Arbeitsteilung und Dreckarbeit

spricht.

Zurückweisungen erlebten Sie früh,

etwa durch das 11. Plenum der SED.

DieVerurteilung des anarchischen

Helden –das traf auch den „Kipper

Paul Bauch“.

Ihre „Unvollendete Geschichte“

brachte Ihnen immensen Ärger ein,

Interview: Cornelia Geißler

der „Hinze-Kunze-Roman“ wurde

über Jahrenicht gedruckt.

Auf dergleichen Gewalt war ich

dann trainiert. Und esgab auch ein

bestimmtes Zusammenstehen.

ZumBeispiel wie?

Dieter Schlenstedt, als Gutachter,

beschrieb den „Hinze-Kunze-Roman“

als Komödie in Prosa, die mithin

dieTotalität derWidersprüche beanspruche.

Also könne nichts gestrichen

werden, auch nicht die Atomschutzübung.

Das hat Kurt Hager

mehr geärgert als der ganze Ramon.

Vergessen wir nicht, das waren ironische

Zeiten. Und unersetzlich der

Umgang mit Wolfgang Heise,mit Jürgen

Teller,oder mit Bahro, der schrieb

„Die Alternative“, ich den „Großen

Frieden“. Er kam in den Knast, das

Stück kam ungenehmigt am Berliner

Ensemble heraus …

Und Sie wechselten vom Deutschen

wieder ans Brecht-Theater.

Ja,und das war auch eine Falle.

Das BEhatte das Recht der ersten

Nacht, und war verpflichtet, sie

nicht zu nutzen ... Gut, am ersten

Probentag von „Dmitri“ das

Kriegsrecht in Polen, und es half

nicht, dass Wekwerth eine Fassung

machte, inder es keine Polen und

Russen mehr gab.

„Lenins Tod“ war von vornherein

nicht spielbar. Warum haben Sie es

nicht in denWesten gegeben?

Es lag im Safe im Suhrkamp-Verlag.

Unseld, der Verleger, lief mit mir

um den Bahnhof Friedrichstraße und

hatte ein Pseudonym parat. Das

Stück wäredrüben verbraten worden.

Den „Hinze-Kunze-Roman“ nahm

ich dreimal aus dem Suhrkamp-Programm,

damit er auch im MitteldeutschenVerlag

erscheint.

So war es dann auch. In kleiner Auflage

und mit bestelltenVerrissen.

Das waren alles beschämende

Vorgänge.Man schämte sich für seine

Verhältnisse.

Wieso haben Siedie DDR nicht verlassen?

Siewaren doch ein imWesten anerkannter

Autor?

Ichhabe das Weggehen immer als

Privatlösung empfunden, vielleicht

auch als feige.Wenn ich die DDR verlassen

hätte, hätte ich einen definitivenStrich

gezogen und mich, in aller

Augen, ganz der BRD attachiert. Das

war keine guteVorstellung.

„Ich bleib im Lande und nähre mich

im Osten. /Mit meinen Sprüchen, die

mich den Kragen kosten /inanderer

Zeit“ –

Bleiben hieß, das Schreiben radikalisieren.

„Die Übergangsgesellschaft“, im Frühjahr

’88 endlich inszeniert, wurde das

Stück zur Wende, weil es die Stagnation

der Verhältnisse und die Sehnsucht

nachVeränderung so klar zeigt.

Es war die Arbeit auf eine Wende

zu. Diebegann ja 87, 88. „Das Eisder

Strukturen bricht ...“ Nach dem letzten

Schriftstellerkongress wurde die

Zensur quasi abgeschafft. Ohne die

gewonnene Öffentlichkeit wäre die

Verwandlung des Landes nicht friedlich

verlaufen. Es war ohnehin eine

Gesellschaft, in der gedacht wurde.

DasTheater war der Ort, eine Gegenrealität

zu erleben.

Wie sehen Sie heute die ersten Jahre

der deutschenVereinigung?

Der Osten war für den Westen offen,

doch die große Masse wurde verprellt.

Dasbegann damit, dass sie ihr

Leben in Gänze verworfen sah. Sie

wurde aus den Hallen in Schöneweide

oder Schönebeck herausgekehrt.

Ein Kombinatsdirektor, SKET

und Kraftwerksanlagenbau, sagte

nach der Lesung aus den „Hellen

Haufen“: Es war eine konzertierte

Vernichtung. So wurden Problemzonen

produziert. Das nicht geheure

Volkseigentum –über das wir nicht

verfügten – war aus der Welt geschafft.

Haben Sie selbst eine Kränkung erlitten?

Siemussten sich ja keinen neuen

Verlag suchen.

Nein. Womit wir konfrontiert waren:

dass die Losung KEINE GEWALT

vergessen und wir binnen Monaten

Bürger eines kriegsbeteiligten Landes

waren. ChristaWolf, Müller,Hein, ich,

die sich gegen den Golfkrieg wandten,

galten dem Feuilleton drei Jahre

lang als Feinde der Demokratie und

Amerikas.

Waswar dieWende für Sie?

Eine Revolution und eine Konterrevolution

und ein Fest und ein Desaster.

„Die hellen Haufen“, die den Protest

der Bergleute von Bischofferode in einen

Aufstand verwandeln, ist ein

Buch, das hätte in die Gesellschaft wirken

müssen.

Widerstand ist Mangelware in

der Marktwirtschaft. –Aber Mitteldeutschland

hallt von Geschichte.

DerBoden ist kontaminiertvon Arbeit

und Krieg. Der Bauernkrieg,

die Märzkämpfe. Die Bodenreform.

Die Volksenteignung. Wenn

ich die entlassenen Arbeiterhaufen

versammle, ziehen sie nicht nach

Frankenhausen, wo 6000 Bauern

geschlachtet wurden. Sie sind alle

Historiker.

Siehaben Erfahrung.

Sie kämpfen ohne Gewalt. –Auch

beim „Machwerk“ wünschte ich, es

könnte ein Volksbuch sein. Über das

Machwerkder Menschheit.

DieIndustrie, die Produktion?

Wir stehen vor einem Anfang. Ein

anderes Handeln. Es ging uns eine

Generation voraus,die für das andere

Deutschland stand und darum nicht

alle Fragen stellte. Esfolgt uns eine

Generation, die für eine andere Welt

steht und unsere Halbheiten nicht

duldet. Sie wird sich dem Weltlauf

nicht fügen.

Eine Frage ist offen:WieesIhnen geht?

Ichbefinde mich soweit wohl.


Berliner Zeitung · N ummer 104 · D ienstag, 7. Mai 2019 – S eite 15

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Das Jahr 1989

Die große

Zeitenwende

im Osten Europas

Seite 20

„Für Kritik fehlte mir die Courage.“

Hans Modrow blickt zurück Seite 19

MIT DEN

SCHADHAFTEN

DÄCHERN

FÄNGT ES AN

WasSchriftsteller und Intellektuelle

im Jahr 1989 in ihre Tagebücher

schrieben

VonHarry Nutt

Im Februar 1989 geht es Erwin Strittmatter nicht gut.„Neun Tage nicht geschrieben“, notiertder 76-Jährige in sein Tagebuch.„Ich hatte

ein Tief, wie ich lange keines hatte.Bei einem Spaziergang vonhundertMeternmusste ich bei der Hin- und Hertour

je dreimal auf meinem Stock sitzen.“ Ein paar Tage später geht es ihm wieder besser, erberichtet von Ausritten mit seiner Stute

Nurid. Geschäftlich läuft es ebenfalls gut.„Der Laden“, seine zu diesem Zeitpunkt erst in zwei Teilen vorliegende Romantrilogie,ist imWesten in einem

Band erschienen –schwer wie ein Ziegelstein, notiert Strittmatter. Privat häufen sich Hiobsbotschaften. Der Freund Reso ist gestorben, Raja geht es

schlecht. „Sie wird sterben und Irmtraud Morgner wird sterben und Alfred Wellm wird seine Glieder (vor allem die

Hände nicht) nie mehr normal gebrauchen können“, lautet ein Eintrag im April1989. Diepolitischen Vorgänge um die Volkskammerwahlen

im Mai1989 spielen in der veröffentlichtenVersion des Strittmatter-Tagebuchs keine Rolle.Erhat mit sich selbst genug zu tun.„Wenn ich beim

Händewaschen hochgucke, inden Spiegel über der Waschtoilette hinein, erschrecke ich manchmal vor dem alten

Mann, der mich da ansieht, und der nichts zu tun zu haben scheint mit dem Mann, den ich innen herumtrag. (...) Ich

begreife so schwer,dass ich am Ende meines Arbeitslebens angekommen sein soll.“ Im Verlauf des Sommers aber entgehen ihm die

Entwicklungen, vorallem in Ungarn, nicht. Diedortigen Ereignisse strahlen auch auf dieVerhältnisse in der DDR aus und Strittmatter notiert:„UnserePolitiker

bangen um ihreExistenz. Siereden und reden voneinerWende,die sie einleiten. DieWende –das ist jetzt ihr Lieblingswort. Sie

reden vonReisefreiheit, die sie beschließen werden, vonder Verbesserung des Wirtschaftssystems.Sie werden alles umwenden,

behaupten sie. Nur sind sie nicht bereit, von ihrer Macht und Vormacht einen Deut abzutreten.“ Während der Volkskammerwahlen ist der

Rabbiner Walter Homolka, der heute Rektor des Potsdamer Abraham Geiger Kollegs ist, mittendrin im Geschehen. Im Sommer 1989 war er als westdeutscher Austauschstudent zu

Gast an der Sektion Theologie in Leipzig. In einer Rede hat er unlängst aus seinem Tagebuch vondamals zitiert: „9. Mai. Am Nachmittag dann Thomas S. im Leiterkreis

der FDJ Lindenau getroffen, wir tagen im Haus der Volkskunst. Auch dort wird Unmut über den Wahlausgang laut. Man ist frustriert über die

offensichtliche Stimmfälschung. Nach der Sitzung gehe ich mit Thomas nach draußen. Ichsage ihm, wie aufgebracht ich bin über mein Erlebnis an der

Nikolaikirche.Und dass ich ihn nicht verstünde,wie man SED-Mitglied sein könne angesichts der diktatorischen Zustände hier.Thomas gibt zurück: Er wisse,

dass die DDR eine Diktatur sei. Undfortist er mit dem Rad.“ Über das historisch so bedeutende Jahr 1989 hat auch der Schriftsteller Walter Kempowski ausführlich Tagebuch geführt. Es trägt den Titel „Alkor“,

seinen Einträgen schickt er häufig die Schlagzeilen der Tagepresse voraus.Immer wieder zitierterdabei auch das Neue Deutschland. Am 8. Maiheißt es dort: „98,85 Prozent stimmten für die Kandidaten der Nationalen

Front.“ Kempowski selbst ist allerdings mit anderen Themen befasst. Wenige Tage zuvor ist er 60 Jahrealt

geworden, und er macht Anmerkungen zu den Feuilletontexten, die aus diesem Anlass erschienen sind. Das aktuelle

Tagesgeschehen entgeht ihm dennoch nicht. Am 14. Maiberichtet er zunächst vompfingsttypischen Spargelessen und

bemerkt dann: „Völlig unsensationell wirken die großen Veränderungen dieser

Monate: Ungarn, und dass es jetzt sogar Lenin ans Leder geht. Alles kommt

sachte daher,kleinweis’, stückweis’und keiner erschrickt. Derdeutsche Bundesstaat

nähertsich. Undman lässt nicht Messer und Gabel fallen. Siesagen,

dass drüben die Städte zerbröseln. Mitden schadhaften Dächernfängt es an.

Wenn’s erst einmal reinregnet, ist bald Feierabend.“In seinem auf die DDR zurückblickenden

Buch „Vierzig Jahre“ berichtet der Schriftsteller Günter de Bruyn über eine ganz persönliche Verlusterfahrung zum

Ende der DDR: „An die Methode der Mächtigen, Kritik an ihnen durch Bindung an sie zu verhindern,

wurde ich im Sommer 1989 wieder erinnert, als ich, voneiner Reise zurückkehrend und im

Begriff, eine andereanzutreten, in meiner Berliner Wohnung unter Bergen vonPost einen Brief

entdeckte, der mir die Verleihung des Nationalpreises erster Klasse verhieß. Zwei Tage vor dem

DDR-Staatsfeiertag, dem 7. Oktober,sollte ich pünktlich im Palast der Republik antreten. Orden

und Medaillen sind anzulegen, hieß es zum Schluss. DerSchreck war zu groß, und er kam unerwartet,obwohl

ich vonLeuten, die Beziehungen zur Staatsmacht hatten, schon vorgewarnt worden

war.(...) Da ich am nächsten Morgen sehr früh abreisen musste, die schriftliche Ablehnung

aber per Einschreiben erfolgen, also zur Post gebracht werden musste, blieb mir für den einsamen

Entschluss nur eine halbe Stunde, in der ich Langsamschreiber eine Begründung nicht

mehr zustande brachte, mich also mit der lapidaren Feststellung der Ablehnung begnügte, mich

anschließend so glänzend wie selten fühlte –und wie alle Welt nicht die leiseste Ahnung davon

hatte, dass der Staat, von dem ich mich da distanzierte, zwar noch seinen vierzigsten Jahrestag

mit gewohntem Pomp feiern, dann aber seinem schnellen Ende entgegensehen würde, so dass

meine Geste, die Halbheiten, Feigheiten und Versäumnisse von Jahrzehnten gutmachen sollte,

ins Leere ging.“ In West-Berlin wiederum ist Michael Rutschky, der seit Jahren viele private Kontakte in Ost-Berlin

pflegt, mit dem Kauf eines neuen Autos befasst. DieDDR spielt dabei in seinem Eintrag vom29. April1989 in dem Tagebuch

„Indie Neue Zeit“ aber auch eine Rolle.„Das ist doch wirklich angenehm“, erklärtR., nachdem

sie das Auto gekauft haben, „dass man sich mit einem Schlag ein neues Auto kaufen

kann, wenn das alte es nicht mehr bringt.“ In Wahrheit ist er voll fürchterlicher Ängste. (…)

„Mit dem Peugeot bleibe ich bestimmt mitten in der DDR stehen. Wasmit

dem Lada nie geschehen ist.“ Michael Rutschky wirdbald nach der Wende einer der ersten West-Intellektuellen

sein, die sich den neuenVerhältnissen widmen, nachzulesen in dem Band„Unterwegs im Beitrittsgebiet.“ Am

9. November ist Rutschky jedoch ein stiller Beobachter der Geschehnisse.Insein Tagebuch schreibt er:„Obwohl R.

Günter Schabowski bei der Pressekonferenz im TV zuschaut, versteht er nicht

richtig: DieGrenzen sind offen. Um die tschechoslowakische Regierung nicht

länger in Verlegenheit zu bringen… Sie gehen ins Kino. Zurückgekehrt, verfolgen

sie im TV die ersten Schritte der DDR-Bürger in die Freiheit. ,Wollen

wir hingehen?‘ Nein, sie sind zu müde.Dabei läuft heute Nacht die Partydes

Jahrhunderts,wie R. wohl ahnt. Aber sie gehen ja nicht mehr auf Partys.“

Einblick in das Sicherheitsarchiv –

zutrittsgesichert undvideoüberwacht.

Sicherheit ist kein Zufall

Datenschutz isteines derwichtigsten Themen in Wirtschaft,Politik undimPrivatbereich

Für den sicheren Umgang mit sensiblen Daten steht

das Familienunternehmen documentus. 1991 unter dem

Firmennamen „Reisswolf GmbH Berlin“gegründet, hatsich

die Firmainrund30Jahren gemeinsammit Kooperationspartnern

in ganzDeutschlandzum Spezialisten fürdie gesetzeskonformeVernichtung

vonAkten undDatenträgern

entwickelt. Zudem ist sie auch Anbieter von individuellen

Lösungenzur Archivierung vonDatenbeständen, dienach

gesetzlichen Aufbewahrungsfristen

in Sicherheitsarchiven

lagern und bei Bedarf jederzeit

digitalisiert ‒oder analog

als Original ‒zur Verfügung

gestellt werden können. Entsprechend

der zukunftsorientiertenWeiterentwicklung

der

Geschäftsmodelle im Zeitalter

des digitalen Wandels entschloss man sich 2017 unter einerumfassendenMarke

‒„documentus“‒zu agieren.Das

Augenmerk von documentus liegt imUmgang mit sensiblen

Daten auf den Organisationsprozessen, die sich im

Unternehmen in einer geschlossenen Sicherheitskette

wiederfinden. So erfolgt etwa die Abholung von zu vernichtenden

Datenträgern in verschlossenen Sicherheitsbehältern

durch eigenes, entsprechend der EU-DSGVO


Hier werden sensible Datensicher,individuell,

gesetzeskonform und nachvollziehbar

vernichtet. Dafür stehen rund 30 Jahre Erfahrung.

und dem BDSG verpflichteten Personal. Die documentus-Mitarbeiter

verbringen die Behälter inFahrzeuge mit

speziellem Sicherheitsaufbau. Dann folgt ein via GPS-

Überwachung nachvollziehbarerTransportindie Produktionsstätte,

wo in videoüberwachten,zugangskontrollierten

Sicherheitsbereichen einEntladenüberSchleusensysteme

und die Vernichtung der Daten inHochleistungsschreddern

erfolgt. Alles unter Einhaltung der Vorgaben der

EU-DSGVO sowie der DIN

66399. Akten und auch Datenträgerwie

CDsund Festplatten

werden zu winzigen Partikeln

zerkleinert und die darauf

enthaltenen Informationen

unwiderruflich zerstört. Ein

dem Kunden zur Verfügung

gestelltes Protokoll gibt alle

Prozessschrittewieder. Somitentstehteinegrößtmögliche

Nachvollziehbarkeit über den Weg und den Verbleib der

überlassenen Datenträger. documentus Berlin unterstützt

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Umgang mitpersonenbezogenen Daten, unabhängigvon

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Bild: documentus


16 Berliner Zeitung · N ummer 104 · D ienstag, 7. Mai 2019

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Das Jahr 1989

Die

bohrenden

Fragen des

Volkes

WieStasi und BND

im Revolutionsjahr 1989

auf die DDR schauen und

bemerken, dass sich eine Art

Endzeitstimmung ausbreitet

VonAndreas Förster

GETTY IMAGES/THOMAS COLLINS

Das letzte Jahr des SED-

Staates beginnt unspektakulär.

Trotz der Unruhe,

die die sowjetische

Perestroika auch in die Bevölkerung

hinein ausstrahlt, scheint 1989 kaum

weniger ereignislos zu werden alsdie

Jahre zuvor. Sosieht man es auch in

der Pullacher Zentrale des Bundesnachrichtendienstes,

der in seinen

Einschätzungen noch zur Jahreswende

1988/89 von einem zumindest

relativ stabilen SED-Regime

spricht, dessen Fortbestehen trotz

der Wirrnisse auf unabsehbare Zeit

nicht zur Disposition stehe.

Auch der DDR-Staatssicherheitsdienst

wiegt sich im Januar 1989

noch in Sicherheit. EinJahrnachder

Aktion einiger Oppositioneller, die

am Rande der jährlichen Liebknecht-Luxemburg-Demonstration

in Ost-Berlin Protestplakate entrollt

haben, fürchtet man zwar neue Zwischenfälle.

Aber bis auf einen

Schweigemarsch mit 200 Teilnehmern

inLeipzig, der am 15. Januar

von den Sicherheitskräften schnell

aufgelöst wird, passiert nichts im

Land. Auch das „Friedensseminar“,

das unter dem Dach der evangelischen

Kirche agierende oppositionelle

Basisgruppen Ende Februar in

Greifswald veranstalten, scheint aus

Sicht des MfS die politische Stabilität

im Land nicht zu gefährden.

„Fortsetzung bewährter Praxis“

chivs und vieler (wenngleich längst

nicht aller) Berichte des BND, die in

den zurückliegenden Jahren freigegeben

worden sind, lässt sich der

Blick beider deutscher Geheimdienste

auf die DDR im Revolutionsjahr

1989 verfolgen. Undeslässt

sich nachvollziehen, welche Entwicklungen

dabei erkannt und welche

übersehen wurden.

Erst im Frühjahr 1989 beginnen

Stasi und BND einen spürbaren

Stimmungsumschwung in der bis

dahin eher lethargisch wirkenden

Bevölkerung zu registrieren. Anlass

sind die für den 7. Mai angesetzten

Kommunalwahlen in der DDR, in

deren Vorfeld es in den Betrieben

und Institutionen zu ungewöhnlich

offen geführten Diskussionen

kommt. Auch die Zahl der kritischen

Eingaben an die Staats- und

Parteiführung, in der die Verfasser

eine Verweigerung der Wahlteilnahme

androhen für den Fall, dass

Probleme im Wohn- und Arbeitsumfeld

nicht gelöst werden, steigt

rapide an.

Ein Analysebericht des MfS vom

26. April 1989 nennt die Protestwelle

euphemistisch „ein gewachsenes

Interesse und eine zunehmend

kritische Aufmerksamkeit an

einer bürgernahen Um-und Durchsetzung

zentraler Orientierungen“.

In dem mehrseitigen Dokument

werden die von der Bevölkerung als

besonders drängend empfundenen

Probleme zusammengefasst: fehlende

Wohnungen, der Verfall der

Innenstädte, die mangelhafte Versorgung

mit Lebensmitteln und

Dienstleistungen, Probleme bei der

Trinkwasserversorgung, die zum

Teil katastrophalen Zustände in den

Krankenhäusern sowie Umweltbelastungen

und Reisebeschränkungen.

Vielfach würden dabei von den

Bürgern „auch direkte Bezüge hergestellt

zu den Fragen der Wirtschaftspolitik

insgesamt“ und die

„Unzulänglichkeiten im Territorium

der Arbeitsweise von…Staatsorganen

angelastet“, heißt es in

dem Stasi-Papier weiter. Zudem

werden insbesondere durch „Angehörige

der Intelligenz sowie studentische

Personenkreise“ häufig

„grundsätzliche Fragen der Entwicklung

dersozialistischen Demokratie“

diskutiert. Schließlich hätten

„Bürger aus den verschiedens-

Zwar registriert die Stasi-Zentrale in

der Lichtenberger Normannenstraße

aufmerksam die zunehmende

Vernetzung der Gruppen und ihre

Bestrebungen, „Basisbewegungen“

in den sozialistischen Staaten zu einer

„Ständigen Europäischen Versammlung“

zu vereinen. Aber das

MfS ist sich zu diesem Zeitpunkt

noch sicher, dank seiner seit Jahren

in der Szene und der Kirche agierenden

Spitzel die Aktivitäten steuern

und beeinflussen zu können.

„InFortsetzung bewährter Praxis“

werdeman weiter auf die Kirche„zur

Verhinderung des politischen Missbrauchs“

einwirken und zur Zurückdrängung

der Opposition „alle Möglichkeiten

der gesamtgesellschaftlichen

Einflussnahme“ –was auch Repressionsmaßnahmen

einschloss –

nutzen, heißt es in einem MfS-Bericht

vom10. März1989.

Dank des von der Stasi-Unterlagenbehörde

verwalteten MfS-Arten

Bevölkerungskreisen in beachtlichem

Umfang auch kritisch bis

ablehnend“ auf den Volkskammerbeschluss

reagiert, in der DDR lebenden

ausländischen Arbeitskräften

–die häufig aus Vietnam, Kuba

und afrikanischen Staaten stammen

–das aktive und passiveWahlrecht

für die Kommunalwahlen einzuräumen.

Auch der BND registriertdie Diskussionen

und spricht in diesem

Zusammenhang von „besorgniserregende(n)

Erscheinungen vonAusländerfeindlichkeit“

in der DDR.

„Die Einführung des Ausländerwahlrechts

zu den Kommunalwahlen

hat diese Abneigung noch gefördert.

Besonders unbeliebt sind: Polen,

Schwarzafrikaner und Kubaner“,

heißt es in einer am 22. Mai

1989 verfassten Analyse zur „psychopolitischen

Lage“ in der DDR.

Zutreffend und bemerkenswert deckungsgleich

zur Stasi-Einschätzung

wirddarin die damalige

Stimmungslage

der Bevölkerung

beschrieben. In

einer weiteren

Analyse der

Stimmungslage

vom

August 1989

konstatierte

der Dienst

sogar die

„Ausbreitung

einer Art ‚Endzeitstimmung‘

in

weiten Bevölkerungsteilen“.

Tatsächlich hat die

massive Fälschung der Kommunalwahlergebnisse,

die durch den engagierten

Einsatz kritischer Bürger

erstmals nachgewiesen werden

kann, zu einerspürbaren Unruhe in

der DDR geführt. In der Bevölkerung

verstärkte der Wahlbetrug die

vorherrschende Unzufriedenheit

mit der SED-Führung. „Demonstration

und Reaktion belegen zum einen

die anhaltende Verärgerung in

der Bevölkerung indieser Frage; sie

zeigen aber auch die Dünnhäutigkeit

des Regimes, das jeglichen Verdacht

eines Wahlbetrugs von sich

weist und nicht gewillt ist, den bohrenden

Fragen nachzugehen“, meldet

der BND am 13. Juni.

Die Stasi schiebt die Verantwortung

für die schwieriger werdende

„Es zeichnet

sich ein wachsender

Vertrauensschwund

zwischen Volk und

Partei ab.“

Aus einem Stasi-Papier

vom 11. September 1989

innenpolitische Situation vorrangig

dem Westen zu, aber auch indirekt

der Moskauer Perestroika-Politik des

KPdSU-Chefs Michail Gorbatschow.

„Es ist einzuschätzen, dass die politischen,

ideologischen und subversiven

gegnerischen Einwirkungen sowie

die von der aktuellen Lageentwicklung

in einigen sozialistischen

Ländern ausgehenden Einflüsse unter

Teilen der Bevölkerung der DDR

gewisse Wirkung erzielen“, heißt es

in einer Analyse vom1.Juni 1989.

Gegenwärtig würden rund 160

oppositionelle Gruppen im Land bestehen,

vorrangig in Berlin sowie in

den südlichen Landesteilen. Ihnen

gehörten etwa 2500 Personen an.

Sympathisanten und „politisch Irregeleitete“

seien dabei nicht eingerechnet,

obgleich sie „das Potential

und die Wirksamkeit solcher Zusammenschlüsse

beträchtlich vergrößern“,

heißt es in dem Stasi-Bericht

weiter.

Auch dem BND bleibt

das hohe Ansehen

Gorbatschows in

der DDR nicht

verborgen. „Im

Vergleich mit

dem dynamisch

wirkenden

,Hoffnungsträger

Gorbi‘

dürfte das

Ansehen der

eigenen überalterten

Führung

noch deutlicher auf

einem Tiefpunkt angelangt

sein“, berichtet der

BND Mitte Juli über die Reaktionen

in der DDR-Bevölkerung auf Gorbatschows

Besuch in Bonn im Juni.

„Andererseits werden mitder positiven

Wertung des Besuchs oft auch

Hoffnungen auf ein Gelingen der Reformen

in der Sowjetunion verbunden

(Da sieht man, „wie bitter notwendig

Perestroika ist“).“

Noch vorder MitteAugust einsetzenden

Massenflucht über die offene

ungarische Grenze in denWesten

hat die Stasi imJuli 1989 eine als

„streng geheim“ eingestufte Bilanz

der im erstenHalbjahr übersiedelten

und geflüchteten DDR-Bürger erarbeitet.

So haben zwischen dem 1. Januar

und dem 30. Juni insgesamt

knapp 39 000 Menschen mit einem

Ausreiseantrag das Land verlassen

dürfen, das sind fast viermal so viel

wie im gleichen Zeitraum des Vorjahres.

Meist sind es Facharbeiter

und Hochschulabsolventen im Alter

zwischen 18 und 40 Jahren. Weitere

5200 Ostdeutsche verlassen illegal

die DDR, das sind fast zwei Drittel

mehr als im Vergleichszeitraum.

Im BND wundert man sich, dass

die DDR im ersten Halbjahr eine

solch große Zahl vonAusreiseanträgen

genehmigt hat. „Die DDR nahm

und nimmt im Zuge dieser Entwicklung

(‚Übersiedlungswelle‘) in Kauf,

dass sich die ohnehin angespannte

Wirtschaftssituation durch den Abfluss

oft qualifizierter Arbeitskräfte

weiter verschärft …Eswird deutlich,

dass die SED ökonomische Interessen

(gesellschafts)politischen

und ideologischen unterordnet“,

schätzte der Dienst im August ein.

Einen Monat später,Anfang September,

spricht der BND davon,

dass die Flüchtlingswelle über die

ungarisch-österreichische Grenze

die DDR-Führung in ein Dilemma

gestürzt habe. „Der Gesichtsverlust

durch die Geschehnisse (ist) groß,

ohne dass reale Möglichkeiten bestehen,

die Entwicklung zu steuern.“

Die Entwicklung lasse augenfällig

werden, wie wenig realistisch

eine DDR-Politik sei, die darauf

setze, die eigene Entwicklung von

der in anderen sozialistischen Staaten

abkoppeln zu wollen. Dies sei

gerade vor dem 40. Jahrestag der

DDR, „der zu einem glanzvollen

Höhepunkt ihrer Geschichte werden

soll, besonders peinlich. …So

verwundertesnicht, dass Sprachlosigkeit

das Erscheinungsbild der

Führung kennzeichnet. Diese

Sprachlosigkeit ist Ausdruck von

Hilflosigkeit, fieberhafter Suche

nach Lösungen und anhaltender gesundheitlicher

Beeinträchtigung

Honeckers“, schätzt der BND unter

Verweisauf die im August 89 akut gewordene

Krebserkrankung des SED-

Chefs ein.

Auch aus den Stasi-Berichten

des Spätsommers lässt sich nun

eine zunehmende Ernüchterung

und Ratlosigkeit herauslesen. Am

11. September wird Stasi-Chef

Mielke ein Papier über „beachtenswerte

Reaktionen“ von SED-

Funktionären und -Mitgliedern

auf „einige aktuelle Aspekte der

Lage in der DDR“ vorgelegt.

Darin heißt es, zahlreiche, vor allem

langjährige Parteimitglieder

seien „von tiefer Sorge erfüllt über

die gegenwärtige allgemeine Stimmungslage,

…teilweise verbunden

mit ernsten Befürchtungen hinsichtlich

der weiteren Erhaltung der Stabilität

der DDR“. So würden Diskussionen

in immer aggressiverem Ton

geführt, gleichzeitig nähmen Passivität

und Gleichgültigkeit gegenüber

dem politischen Leben zu. Auch sänken

Arbeitsdisziplin und Leistungsbereitschaft,

während Spekulantentum

und Korruption zunähmen.

Den DDR-Medien werde von den

Bürgern vorgeworfen, eine „heile

Welt“ des Sozialismus zu vermitteln,

was „teilweise in krassem Widerspruch

zur Wirklichkeit stehe“. Auch

werde die SED-Führung in Diskussionen

„in wachsendem Maße für

die entstandene Lage verantwortlich“

gemacht und ihr die Fähigkeit

abgesprochen, die Probleme des

Landes zu lösen.

Die Ironie der Geschichte

„Die Praxis zeigt, dass auch zahlreiche

Parteimitglieder mit derartigen

Auffassungen und Verhaltensweisen

in Erscheinung treten und sich damit

kaum noch von Parteilosen unterscheiden“,

heißt es. „Es zeichnet

sich ein wachsender Vertrauensschwund

zwischen Volk und Partei

ab.“

Es gehört zur Ironie der Geschichte,dass

der BND in seiner Einschätzung

der Überlebensfähigkeit

des SED-Systems wenige Wochen

vordem Mauerfall deutlich optimistischer

ist als sein Pendant in der

Normannenstraße. Soheißt es in einem

für das Kanzleramt verfassten

Analysebericht vonEnde September

1989, dass dem „vorliegenden Meinungsbild“

zufolge ein „breite(r)

Konsens der Masse der Bevölkerung

zu Protestveranstaltungen“ fehle.

„Viele der hier vorliegenden Hinweise

enthalten im Gegenteil Äußerungen,

wonach man weder den

Staat noch die Gesellschaftsformder

DDR im Augenblick für generell liquidierbar

hält.“

Anderthalb Monate später fällt

die Mauer.

Andreas Förster findet, der

BND sollte dieAkten über die

DDR-Aufklärung freigeben.


Berliner Zeitung · N ummer 104 · D ienstag, 7. Mai 2019 17 *

···········································································································································

Der Weg zum Mauerfall

Das Leben

der Anderen

ImWesten wurde sehr unterschiedlich

auf die DDR geblickt.

Es gab, man darf das

nicht unterschätzen, viele, die

liebäugelten mit der DDR. Sie erschien

ihnen als das bessere

Deutschland. Nicht, weil es den

Menschen dort ihrer Meinung

nach besser ging als in der BRD,

sondern weil die DDR „radikal mit

dem Faschismus gebrochen“ habe.

Ich sah das anders. Nicht, weil

ich mich besser auskannte, sondernweil

mir andereDinge wichtig

waren. Ein Land mit einer konformen

Presse, ein Land, in dem jede

Veröffentlichung einer Genehmigung

bedurfte, ein Land, von dem

man nicht Urlaub nehmen durfte,

ein solches Land konnte kein besseres

Deutschland sein. „Bei uns

sind die Nazis in den Parlamenten,

in der DDR im Gefängnis“, wurde

mir entgegengehalten. Ich argumentierte:

Freie Meinungsäußerung

gilt für alle.

Ich lebte in West-Berlin und sah

bei meinen sporadischen Besuchen

in Ost-Berlin, in der Hauptstadt

der DDR, nichts, das mich

sehnsuchtsvoll hinüberblicken

ließ. Ich lernte Lektoren kennen,

die jahrelang an ein paar Büchern

arbeiteten. Ich fand es nicht toll,

dass sie so viel Zeit hatten, sich so

sehr auf eine Sache konzentrieren

konnten. Wenn ich sie in ihren Büros

besuchte, kam ich mir vor wie

in einem verlassenen Erdenwinkel,

an dem man allenfalls in der Ferne

den Fortschritt hören konnte –wie

das Gerücht einer verfehlten Vergangenheit.

Im Westen dagegen lebten wir in

einer sich ständig ändernden Welt.

Nicht nur, dass keine zwei Jahre

vergingen – ich erzähle von den

80er-Jahren –, ohne dass wir in der

Redaktion die Technologie änderten.

Es gab Hausbesetzungen und

die Auseinandersetzungen um Wackersdorf.

Es gab die Indianerkommune

und den –damals noch hausgemachten

–Terrorismus.

DerFKK-Beweis

Wieder Westen

Ende der 80er-Jahre

auf die DDR

schaute:

Persönliche

Erinnerungen

VonArnoWidmann

GETTY IMAGES/THOMAS COLLINS

Überall wurden die überkommenen

und die eigenen Überzeugungen in

Frage gestellt. Nichts davon war in

der DDR zu spüren. Der Nato-Doppelbeschluss

über die Aufstellung

von Raketen mit Atomsprengköpfen

auf dem Boden der Bundesrepublik

veränderte das Klima.

Es bildeten sich in beiden Staaten

Gruppen, die den Abzug der Atomraketen

aus beiden Staaten forderten.

Es ging mit einem Mal umeine gemeinsame

linke Politik in Ost und

West. Natürlich nicht auf staatlicher

Ebene. Esbegann sich eine Zivilgesellschaft

herauszubilden. Unter den

Fittichen einer evangelischen Kirche,die

die Parole ausgab: Schwerter

zu Pflugscharen.

Die dadurch vermehrten Kontakte

in die DDR verbesserten keinesfalls

mein Bild vom dort herrschenden

Sozialismus. Der Umfang,

in dem dort Konformität in nahezu

allem eingefordert wurde, erschreckte

mich. Und noch heute

amüsiert mich, wenn mir Ex-Bürger

der DDR anhand der dortgepflegten

Freikörperkultur „beweisen“ wollen,

wie aufgeklärtdas Land war.

Ich erinnere mich, wie ich im

Winter durch die Marienstraße zum

Künstlerclub Die Möwe ging. Es war

dunkel, die Straße war sehr schlecht

beleuchtet, jedenfalls nicht gut genug,

um gegen den Smog anzukommen.

Auf dem Pflaster lagen vor jedem

dritten oder vierten Kellerfenster

Kohlen und Briketts. Der demonstrative

Überfluss wirkte

armselig.

Als ein Freund mir später erzählte,

inseinem Verlag in Leipzig

habe es riesige Lagerhallen für die

Bücher gegeben, aber keine Gabelstapler,

umsie an Ort und Stelle zu

bringen, da dachte ich zurück an die

Marienstraße und fing an, ein wenig

zu begreifen von der Ökonomie unserer

Nachbarn.

Wenig hilfreich waren dabei die

offiziellen Veröffentlichungen der

DDR. Ebenso überflüssig waren die

Produkte des Bundesministeriums

für innerdeutsche Beziehungen, das

seine Karriere als Bundesministerium

für gesamtdeutsche Fragen begonnen

hatte. Und damals, soklärt

mich heute Wikipedia auf, „eine geheime

Karteanlegte,die über 20 000

vermeintliche Antidemokraten und

Kommunistenfreunde in der BRD

verzeichnete“. Meiner Erinnerung

nach sind das, wenn man auch

rechte Antidemokraten meint, viel

zu wenige. Auch den Behörden der

Bundesrepublik lag viel zu viel am

„Leben der Anderen“ und zu wenig

am undemokratischen Charakter

der eigenen Existenz.

Mir ist nicht bekannt, dass auch

nur eine der Analysen des Ministeriums

hilfreich gewesen wäre bei der

Eingemeindung der DDR, ihrer Betriebe

und Institutionen. Aber man

wird jaauch den Verdacht nicht los,

dass es nach 1990 darum genau

nicht ging.

Die DDR wurde zerschlagen, ihre

Einzelteile wurden billig abgegeben.

So wie RichardGereesin„Pretty Woman“

mit Unternehmen macht. Ein

Film aus dem Jahre1990.

Im April 1986 war ich als Berichterstatter

auf dem XI. Parteitag der

SED in Ost-Berlin. Ich weiß nicht

mehr, was ich geschrieben habe.

Aber ich erinnere mich an den sehr

lockeren Gorbatschow, der sich immer

wieder zu uns Journalisten umdrehte

und auf ihm zugerufene Fragen

bereitwilligst antwortete.

Und ich weiß noch, wie sehr das

einigen SED-Genossen imponierte

und sie zugleich verdross.

Wimpel, Fahnen, Armut

Der überwältigende Eindruck aber,

den Ost-Berlin damals auf mich

machte, war der der Armut. Dabei

war die Stadt herausgeputzt. Aber

mit Wimpeln und Fahnen, mit

Spruchbändern.

Ichsah einen einzigen Obststand.

Er war am Alexanderplatz. Ich weiß

nicht mehr, was er anbot. Aber es

waren kaum ein halbes Dutzend

Obstsorten. Es war traurig. Noch

trauriger waren die Fenster der Lebensmittelgeschäfte.

Indenen standen

Konservenund Gläser,wennich

mich recht erinnere, übereinandergestapelt

und immer nur dieselben

Sorten.

Im Westen hatten wir gegen den

Konsumterrorismus gewettert, geschrieben

und agiert, aber was wir

hier sahen, das war definitiv zu viel

Askese.

Icherzählte damals allen vondiesen

Eindrücken: „Die SED-Führung

hat die ganze DDR ausgeplündert,

alles zusammengekratzt, damit Berlin

zum Parteitag besonders schön

erstrahlt, und so ein Trauerspiel ist

dabei herausgekommen. Die DDR

ist am Ende.“

Das war meine feste Überzeugung.

Vonder ich mich nicht abbringen

ließ. Obwohl ich niemanden traf,

der meinen Eindruck teilte.

Stattdessen hörte ich überall, die

DDR sei das reichste Land des Sowjetblocks.Vielleicht

stimmte das sogar.

Aber die Vorstellung, die in der

Wendezeit aufkam, die Wiedervereinigung

Deutschlands sei so etwas

wie eine Elefantenhochzeit, bei der

das reichste Land West-Europas und

das reichste Land Ost-Europas zusammenkämen,

wurde dann doch

noch schneller zu Grabe getragen als

die Idee, eine gemeinsame Fußballnationalmannschaft

hätte auf Jahre

hinaus ein Abonnement auf den

Weltmeistertitel.

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18 Berliner Zeitung · N ummer 104 · D ienstag, 7. Mai 2019

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Das Jahr 1989

Kritische

Unruhe

Die Flugschriften des Ost-Berliner

radix-Verlags führten die DDR

als Lügenstaat vor

„Über das

Nein hinaus“:

So sahen die

radix-Blätter

aus, die von

1986 bis 1989

herausgegeben

wurden. Zu den

Kommunalwahlen

1989 schlug

ihre große Stunde:

Ohne die

Flugschriften

wären diese

wohl nie in den

kritischen

Fokus der

Öffentlichkeit

gerückt.

BÜRGERBEWEGUNG

LEIPZIG E. V.

VonPeter Wensierski

Stephan Bickhardt, ein junger

Theologie- und Pädagogikstudent,

gründete 1986

gemeinsam mit dem Mathematiker

Ludwig Mehlhorn und dem

Maurer Konrad Blank den radix-Verlag

mit einer illegalen und bis zum

Ende der DDR unentdeckten Druckerei

in der Ferdinandstraße 4, in

der bis 1989 elf Samisdat-Hefte mit

einer Auflagenhöhe bis zu 3000 Exemplaren

herausgegeben wurden.

Die Herausgeber und Autoren verteilten

und verkauften Exemplare

bei inoffiziellen Lesungen und Ausstellungen

in privaten Wohnungen,

besonders in ihrer eigenen in der

Knaackstraße 34, oder sie nutzten

die Kanäle der evangelischen Kirche.

DurchSchaffung von„gesellschaftlichen

Parallelstrukturen“ sollten die

radix-Blätter zur Systemüberwindung

beitragen und eine alternative

Öffentlichkeit etablieren.

Eine kleine Meldung mit Folgen

Im SED-Zentralorgan Neues

Deutschland fiel Bickhardt im Frühjahr

1988 eine kleine Meldung auf, in

der die Kommunalwahlen für das

nächste Jahr zum 7. Mai 1989 angekündigt

wurden. Dasbrachte ihn auf

die Idee, dieses Ereignis nicht einfach

unbeachtet zu lassen. „Ich

dachte: Dasist es doch! Jetzt nehmen

wir die staatlichen Strukturen einmal

richtig ernst, also diese Wahlen,

die angeblich 99,7 Prozent Zustimmung

beweisen sollen, und beteiligen

uns daran. Bei Wahlen geht es

doch eigentlich um die Gestaltung

der Zukunft der Gesellschaft. Also etwas

für alle in der DDR lebenden

Menschen Entscheidendes.“

Bickhardt beschaffte sich und

seiner sogenannten APPA-Gruppe –

kurz für: „Absage an Praxis und

Prinzip der Abgrenzung“ –zunächst

mal alle zugänglichen Informationen

über das zuvor vonden meisten

Oppositionellen kaum beachtete

DDR-Wahlsystem. „Wir mussten

uns alle erst einmal schlaumachen“,

erinnert sich Bickhardt:

Konnte man selbst Kandidaten aufstellen?

Welche Rechte bestanden

am Wahltag bei der Stimmauszählung?

Wie ging eine Nein-Stimme?

Bisdahin hatte man selbst im oppositionellen

Milieu meist versucht,

sich um die Stimmabgabe zu drücken.

„Wenn die Wahlhelfer der ,Nationalen

Front‘ am Wahltag gegen

Nachmittag an der Wohnungstür

klingelten, weil man seine Stimme

noch nicht abgegeben hatte, dann

stellten sich“, so Bickhardt, „manche

Leute regelrecht tot in ihren

Wohnungen. Manhat versucht, sich

irgendwie drum herum zu mogeln.

Es gab ja keinerlei Wahlmöglichkeit

zwischen Alternativen.“ DerStimmzettel

enthielt nur mehrere Namen

der „Kandidaten der Nationalen

Front“. In den Stimmlokalen war

die Benutzung der Wahlkabine verpönt.

Man erhielt seinen Zettel,

knickte ihn unter strenger Beobachtung

der Wahlhelfer einmal zusammen

und warfihn in den Schlitz der

danebenstehenden Urne.

Für die radix-Druckerei stellte

Bickhardt im Laufe des März und

April 1988 zunächst eine Art Reader

zusammen. Der enthielt hinter dem

Umschlag mit dem Titel „Weil alle

Abgrenzung …“ auf dreißig Seiten

die wichtigsten Dokumente der gut

einjährigen Debatte um die „Absage

an Praxis und Prinzip der Abgrenzung“.

Zusätzlich zum Reader produzierten

die Drucker des radix-Verlags

auf fünf Seiten den angehefteten

Aufruf „Neues Handeln“.

Dieser Text war der wesentliche

Startschuss zu einer neuen Debatte

um dieWahlen und eine umfassende

Demokratisierung der DDR: Gegenwärtig

sehen wir Chancen für grundlegende

Veränderungen in unserem

Land in dem Maße, wie wir uns selbst

zu einem NEUEN HANDELN am Ort

entschließen. So begann der Aufruf,

dann wurde er ganz konkret: Erst ein

realer Meinungspluralismus in der

Gesellschaft, der allen Bürgern die

gleichen Mitwirkungsmöglichkeiten

bietet, wird die schöpferischen Energien

der Menschen freisetzen. Durch

Demokratisierung und Offenheit

werden wir zu unverstellbarer Wahrnehmung

unserer wirklichen Probleme

gelangen …unsereAufgabe ist

es, mit Mut und Phantasie Schritte

zum Dialog zu wagen und auch unangenehme

Informationen und unbequeme

Meinungen in die Öffentlichkeit

zu tragen.

Demokratisierung war ein Begriff,

der bis Mitte der 80er-Jahrein

oppositionellen Gruppen eher selten

bis überhaupt nicht benutzt

wurde; auch das Wort „Opposition“

taucht erst sehr spät in deren Schriftgut

auf. Mit dem Text „Neues Handeln“

publizieren die radix-Macher

einen bis dahin beispiellosen politischen

Maßnahmenplan: Nicht zuletzt

die Veränderungen in der Sowjetunion

regen uns an, über prinzipielle

Fragen der gesellschaftlichen Erneuerung

nachzudenken. Eine

Reform des politischen Systems der

Mitverantwortung einschließlich des

Wahlsystems und derWahlverfahren,

die Herausbildung eines öffentlichen

Meinungspluralismus zu den drängenden

Lebensproblemen im Land –

etwa durch Gründung vonBürgerinitiativen,

Zeitschriften u. a. –erscheinen

uns unumgänglich. Die Demokratisierung

wirdein längerer Prozess

sein, der auf der kommunalen Ebene

beginnen könnte.

Damit kommt der Aufruf am

Ende zu seinem eigentlichen Anliegen:

zum Vorschlag, anlässlich der

Kommunalwahlen so etwas wie

kommunale Demokratie, also eine

ArtBasisdemokratie,zuentwickeln.

Zur kritischen Mitwirkung an

der kommunalen Öffentlichkeit

sollten die bestehenden gesetzlichen

Möglichkeiten anlässlich der bevorstehenden

Wahlen wahrgenommen

werden. Die Leser des Aufrufes –

insbesondere die Gruppen –werden

gebeten, deshalb zu prüfen, ob

sie nicht als Kollektiv – entsprechend

der Gesetzeslage – eigene

Kandidaten vorschlagen sollten.

Dies war der erste öffentliche Appell

überhaupt seit Gründung der

DDR, die Wahlen ernst zu nehmen

und alle Rechte auszuschöpfen. An

die Leser gerichtet, hieß es noch

animierend: Wirmöchten Sieeinladen,

sich an unserem Nachdenken

zu beteiligen. Ihre Ideen und Vorschläge

gehen vielleicht viel weiter

oder sind ganz anderer Art. Mit der

Suche nach Maßstäben und konkreten

Schritten für ein NEUES

HANDELN möchten wir signalisieren,

dass wir bereit sind, uns dem

öffentlichen Dialog zu stellen.

Unterzeichnet wurde der Aufruf

außer von Stephan Bickhardt, Reinhard

Lampe und Ludwig Mehlhorn

von zahlreichen Autoren der radix-

Blätter und Mitstreitern der APPA-

Initiative, darunter Dorothea Höck,

Martin König, Anette von Bodecker,

DAS BUCH

Wolfgang Ullmann, Hans-Jürgen

Fischbeck und Rainer Röpke.

Dieses Produkt aus der radix-Untergrunddruckerei

war im Jahre1988

der entscheidende Schritt weiter:

Man wollte das System anhand der

eigenen Normen vorführen.

Damit lag für die unterschiedlichsten

regimekritischen Basisgruppen

endlich ein Aktionseinheitsangebot

auf dem Tisch, das seine ganze

Kraft bis zu den Wahlen am 7. Mai

1989 mit Kontrollen der Wahlergebnisse

in vielen Städten erst noch entfalten

sollte. Es endete schließlich

mit dem Nachweis und der praktizierten

Erfahrung, dass man in einem

Lügenstaat lebte. Denn die Abweichungen

zum offiziell verkündeten

Ergebnis betrugen mitunter

zehn bis fünfzehn Prozent. Nach diesem

Wahltag kippte die Stimmung

gegenüber dem System in breiten

Kreisen der Bevölkerung. Mit dem

Fenster zur Freiheit: Die radix-blätter. Untergrundverlag und -druckerei der DDR-Opposition

Der abgedruckteText ist ein Exzerpt des Buches vonPeterWensierski. Es ist im Mitteldeutschen

Verlag erschienen (220 S.,20Euro).Am 6. Juni stellt es derAutor zusammen mit Stephan

Bickhardtund RobertHabeck in der StiftungAufarbeitung in der Kronenstraße vor. Bis Oktober tourt

der Kulturwagen der Brotfabrik mit einerAusstellung zumThema durch Pankow.

7. Mai 1989 begann der letzte Akt in

der Geschichte der DDR.

Über den Jahreswechsel 1988/89

lief die Druckmaschine inder Ferdinandstraße

auf Hochtouren und

spuckte den „Brief an Bürger und

Christen in der DDR“ aus.Erknüpfte

an den vorhergehenden Aufruf an,

ging aber noch weiter: Gehen Sie

möglichst in Gruppen zu den Wählerforen

im April! GehenSie in die Kabine!

Nehmen Sie ander Stimmauszählung

teil und koordinieren Sie

sich dazu mit anderen, um in Ihrem

Wohnort eine unabhängige Zusammenstellung

der Wahlergebnisse und

damit eine Kontrolle der offiziellen

Zahlen zu ermöglichen …Viele haben

Angst, in die Kabine zu gehen,

weil sie eine Mitteilung darüber an

die Kaderabteilung ihres Betriebes

befürchten. Eine solche Verletzung

des Wahlgeheimnisses ist gesetzwid-

rig. DieÜberwindung dieser Angst ist

ein wichtiger Schritt zur Demokratisierung

unserer Gesellschaft.

In Leipzig, Ost-Berlin und Erfurt

versuchten etliche Oppositionelle,

tatsächlich ihr Recht wahrzunehmen

und sich als Kandidaten aufzustellen

zu lassen. Doch es wurde

weithin verweigert–egal, wie die Gesetzeslage

war.

Zu diesem Zeitpunkt hatte die Beschäftigung

mit denWahlen auch die

meisten der rund 300 existierenden

staatsunabhängigen Basisgruppen

in Obhut der evangelischen Kirche

erfasst. Sie waren Thema in ihren

Flugschriften und Info-Blättern. Besonders

vorantreibend waren Aktivisten

um Evelyn Zupke aus dem

Friedenskreis Weißensee, die in der

Stephanus-Stiftung arbeitete und

sogar wohnte, also in einem der

kirchlichen Auffangbecken für Ost-

Berliner Oppositionelle. Zupkes

Gruppe lud zu einer Veranstaltung

am 21. April ein, Thema: „Zur Wahrnehmung

der staatsbürgerlichen

Rechte hinsichtlich der Kommunalwahl

1989 –Kontrolle derWahl durch

den Bürger/in zur praktischen Vorbereitung

auf den 7. 5. 1989“.

Zupkes Wohnung wurde Anfang

Mai auch als „Büro“ der Wahl-Kampagne

der Opposition genutzt. Dort

wurden am Abend des 7. Maidie Ergebnisse

der Ost-Berliner Wahlbeobachtungen

ausgezählt. In einem

Keller der Elisabeth-Kirche in der Invalidenstraße

kamen Zahlen aus der

ganzen DDR an. Später druckten die

Wahlaktivisten Flugblätter und gemeinsam

mit der Umwelt-Bibliothek

die Dokumentation „Wahlfall

89“, um den Wahlbetrug bekannt zu

machen, und sie versuchten ab Juni,

stets am 7. jedes Monats im Zentrum

Ost-Berlins zu demonstrieren, was

nur teilweise gelang.

Hans-Jürgen Fischbeck verfasste

noch im Mai, gleich nach den Wahlen,

einen offenen Brief an die Evangelische

Kirche in der DDR, der von

einundzwanzig Mitgliedern der

APPA-Gruppe und der Bartholomäus-Gemeinde

unterzeichnet

wird. Darin fordern sie autorisierte

Gesprächsrunden über eine demokratische

Umgestaltung unseres

Staates und drängen die Kirche, ihren

bisherigen Kurs gegenüber dem

Staat aufzugeben: Durch die Kommunalwahlen

am 7. 5. 1989 ist eine

neue, bisher noch nicht dagewesene

Situation entstanden. Mit der groß

angelegten und unzweifelhaft zentral

veranlassten Wahlfälschung verstieß

dieFührung unseres Staates in einem

bisher kaum für möglich gehaltenem

Maße gegen die eigene Verfassung

und das Wahlgesetz …Die entstandene

Situation ist unerträglich …Ein

neuer Schritt in eine neue Richtung

muss getan werden, wenn wir die bestehende

Situation in ihrer Unerträglichkeit

nicht wieder einfach stillschweigend

hinnehmen und auf sich

beruhen lassen wollen.

Über den Sommer überschlugen

sich dann die Dinge in der DDR. Und

am 12. September 1989 traf sich

Bickhardt mit Hans-Jürgen Fischbeck,

Wolfgang Ullmann, Konrad

Weiß, Ulrike Poppe und anderen

Freunden der APPA-Bewegung. Sie

gründeten in der Wohnung von Michael

und Hannelore Bartoszek in

der damaligen Bersarinstraße 87 in

Friedrichshain die „Bürgerbewegung

Demokratie Jetzt“. Mit „Bürgerbewegung“

wurde an diesem

Abendjener Begriff geprägt, der sich

in den Medien als Bezeichnung für

alle DDR-Oppositionsgruppen bis

heute durchsetzte.

Die Herrschaft war gebrochen

Die erste „Zeitung der Bürgerbewegung“

wurde unter dem TitelDemokratie

JetztimSeptember noch in der

Ferdinandstraße hergestellt. Endlich

kommt der Reformprozess inunserem

Land in Gang, schrieb Stephan

Bickhardt in einem Leitartikel. Die

kritische Unruhe unter den Menschen

hat ihn erzwungen.

„Es war wirklich aufregend an diesem

Tag“, erinnertsich StephanBickhardt

an den 12. September 1989.„Ich

war einige Tage zuvor dreißig Jahrealt

geworden. Nunleitete ich die abendliche

Diskussion. Ein anderer hatte

sich nicht gefunden. Mir war neben

derProgrammaussage für ,Demokratie

Jetzt‘ besonders wichtig, eine Sozial-

und Organisationsformdafür zu

finden und zu benennen. Bürgerbewegung

– darauf einigten wir uns

nach langer Diskussion. Undgemeinsammit

dergroßen Bürgerbewegung

desNeuen Forums undden mutigen

Leipziger Demonstranten, die schon

seit dem 4.September immer montags

zu Tausenden versuchten, um

den Innenstadtring zu laufen, zwangen

wir die Herrschenden des Apparates

an den Runden Tisch–erstmals

am 7. Dezember 1989. Damit war für

mich die Herrschaft der SED gebrochen,

wofür wir so lange eingetreten

waren.“

Peter Wensierski staunt,

dass der radix-Verlag von

der Stasi unentdeckt blieb.


Berliner Zeitung · N ummer 104 · D ienstag, 7. Mai 2019 19

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Der Weg zum Mauerfall

Die Zeit bis zum Interview

nutzt Hans Modrow, um

schnell noch ein paar

Autogrammkarten zu signieren.

„Es kommen immer noch

Anfragen“, sagt er.Und es seien nicht

nur alte Genossen, die sich meldeten.

„Es sind auch Junge darunter“,

sagt der 91-Jährige. Inseiner heißeren,

leisen Stimme schwingt Stolz

mit. Das Gespräch findet in seinem

kleinen Büroinder Parteizentrale im

Karl-Liebknecht-Haus statt. Er ist

Vorsitzender des Ältestenrates der

Linkspartei. Er hat sich auf das Gespräch

vorbereitet, vorihm liegt eine

Seite, eng beschrieben. Es gehe ihm

um die Fakten, sagt er. Und dass es

nicht nur eine Wahrheit gebe.

Herr Modrow, zu Jahrestagen oder

runden Geburtstagen, werden Sie zu

den alten Geschichten befragt. Hat

sich in den vergangenen 30 Jahren Ihre

Sicht auf die Ereignisse verändert?

Im Wesen der Sache nur bedingt.

Ichbin ja Zeitzeuge und Mithandelnder,dakann

ich ja nicht das Umschreiben

der Geschichte betreiben. Mein

Herangehen ist starkanFakten orientiert.

Dass die unterschiedlich beurteilt

und, vor allem von der Politik,

missbraucht werden, bedauereich.

Wiemeinen Siedas?

Nehmen Sieden Mauerbau im August

1961. Die einen sagen, das war

der Beginn derTeilung und des Auseinanderdriftens.

Es gab zwei Momente,

die dazu führten: Es gab den

internationalen Faktor,die Aufteilung

der Interessensphären zwischen der

Sowjetunion und den USA in Potsdam

1945, dann im Juni 1961 bei einem

Treffen vonChruschtschowund

Kennedy in Wien. Da wurde offen

über die Gefahr eines Krieges in der

West-Berlin-Frage gesprochen. Der

Gegensatz hat sich in Berlin in einer

Schärfe gezeigt, den man bis heute

nicht bereit ist wahrzunehmen. Das

wirdinder Regel kaum beachtet und

der Mauerbau nur als Reaktion auf

die Flucht der Menschen aus der

DDR hingestellt. Auch die Toten an

dieser Grenzedürfen nicht vergessen

sein. Diegab es,auch das ist ein Fakt.

Aber der Teil als Erklärung alleine

reicht nicht. Der internationale Teil,

die drohende militärische Konfrontation

zwischen Warschauer Vertrag

und Nato ist ebenso wichtig. Daher

komme ich ja bis heute zur Einschätzung:

Die Grenze von der Ostsee bis

zum Schwarzen Meer hat bis 1989

den Frieden gesichert. Das hört man

hier nicht gerne.

Wirwollten aber über die Endzeit der

Mauer reden, über die Kommunalwahlen

vor 30Jahren. Wo und wie

haben Sieden 7. Mai1989 verbracht?

Zunächst war das ein normaler

Wahltag in der DDR. Um 7Uhr haben

die Wahllokale geöffnet, junge

Pioniere begrüßten die ersten Wähler.

Ich war in der Bezirksleitung der

SED in Dresden. Um 8Uhr gab es die

erste Meldung der Wahlbeteiligung.

Allen Ernstes, um 8Uhr?

Zum Verständnis: Die Räte der

Kreise erhielten die Meldungen der

Wahllokale und sie meldeten der

Zentrale. Die Räte der Bezirke wurden

informiertund informierten die

Parteien, die alle im Rat vertreten

waren. Die staatlichen Organe, von

der Gemeinde, über den Kreis, Bezirk

bis zur Wahlzentrale in Berlin

waren Träger der Wahl und republikweit

viele Tausende Helfer. Die Meldung

über die Wahlbeteiligung in

den Medien sollte die Parteien, vor

allem die SED-Mitglieder erreichen,

um die Wähler zu mobilisieren.

Wettbewerb war angesagt.

DieWahlbeteiligung wurde manipuliert?

Das ist nicht zu widerlegen. Was

zählte, war das Ergebnis und der

Platz im scheinbaren politischen

Wettbewerb.

War das eine besondere, eine ungewöhnlicheWahl

–angesichts der Bürgerrechtsbewegung,

angesichts des

40. Jahrestages der DDR?

Das war schon eine besondere

Wahl. Es gab in Berlin die Sorge, dass

die Zustimmung nicht mehr so ist

wie bei der Volkskammerwahl zwei

Jahrezuvor.Die mündliche Direktive

„Für Kritik

Hans

Modrow,91,

gelernter Maschinenschlosser

und studierter

Gesellschaftswissenschaftler,zählte

zum SED-Spitzenpersonal.

Im Mai 1989 warer1.Sekretär

der SED im BezirkDresden.

Nach dem Fall der Mauer wurde

er letzter SED-Ministerpräsident

der DDR.

BERLINER ZEITUNG /MARKUS WÄCHTER

lautete, das Wahlergebnis, also die

Zustimmung, dürfe nicht schlechter

sein als bei der vergangenen Volkskammerwahl.

Unddas mussten Siedann umsetzen?

Ihre Frage hat zwei Seiten. Im

Herbst 1961 gab es auch Kommunalwahlen.

Ich war gerade 1. Sekretär

der Kreisleitung der SED Köpenick

geworden. Der Bezirksbürgermeister

lud mich ein, noch am Abend ins

Rathaus zu kommen. Hier erlebte

ich, wie er seinen Vertreter fragte,ob

er vonanderen Stadtbezirken gehört

hatte,wie ihr Ergebnis sein würde.Es

gab Informationen und er meinte

dann, wir bleiben in der Mitte der Ergebnisse

und führen nicht.

… aber das hat mit Wahlen doch

nichts zu tun …

Die andere Seite des Geschehens

lautete,mit einer Wahl geben wir die

Macht nicht ab, das galt für die Partei.

Die Wahlergebnisse in den Ländern

des Realsozialismus und der

Sowjetunion folgten bis Mitte der

80er-Jahreauch dem Grundsatz.

Sie waren als 1. Sekretär der mächtigste

Mann im Bezirk. Sie wussten

doch von der Direktive durch die Beratungen

in ihren Gremien?

Formal galt eine andere Regel.

Die politische Führung der Wahl lag

beim Organisations-Sekretär im ZK,

Horst Dohlus,und erfolgte nicht von

Erich Honecker, der mein Chef war.

Natürlich wurden die Beratungen

bei Dohlus auch im Sekretariat ausgewertet.

Es ging schon um eine kollektiveVerantwortung

im Bezirkund

Kreis. Über die Zentrale habe ich

dazu keine Kenntnis.

Sie wurden nach der Wende wegen

Wahlfälschung zu einer Bewährungsstrafe

verurteilt. Im Prozess sagten

Zeugen, Sie hätten Mitarbeiter

zur Manipulation angehalten. Der

damalige Dresdner Oberbürgermeister

Wolfgang Berghofer will Sie gebeten

haben, die echten Zahlen nach

Berlin melden zu dürfen.

fehlte

mir die

Courage“

Hans Modrow war Chef der SED

im Bezirk Dresden im Mai 1987.

Er zählte zu den Reformern.

Bis heute hat er seine eigene Sicht

auf die gefälschten Wahlen und

die Monate des Umbruchs

Sein Partner in der SED war der

1. Sekretär der Stadtleitung, worüber

sie gesprochen haben, weiß ich

nicht. Wenn er mich gefragt hätte,

wäre meine Antwort klar und deutlich

gewesen: Rufe deinen Freund

Egon Krenz an. Er trägt die Verantwortung

für die Verkündung des

Wahlergebnisses. Ich sagte im Prozess

aber:Ich bin nicht ohne Verantwortung

für das verkündete Wahlergebnis,

aber ich bin kein Wahlfälscher.

Werhat denn dann gefälscht?

Bundesdeutsche Gerichte haben

Prozesse darüber geführt, was ja

auch ich erlebt habe. Esgab 16 Bezirke,die

Be-undVerurteilungen waren

sehr unterschiedlich. Der politische

Charakter der Verfahren ist

wohl nicht zu übersehen.

Diese Art der Ergebnisermittlung ist

die Demokratie „mit Einschränkungen“,

wie Sieeinmal sagten?

Die Einschränkung ist für mich

auch diese Art der Feststellung des

Wahlergebnisses.

Wie war in den Tagen, Wochen vor

der Wahl die Stimmung in Dresden?

Dasist schwer beurteilbar.Esging

um den ganzen Bezirk. Es war nicht

Interview: Tobias Miller

so, wie man heute tut, dass dort die

Stimmung bereits groß am Umkippen

war. Für die SED-Führung waren

wir in einer besonderen Situation.

Ich hatte im Januar in einem

Bericht an den Generalsekretär kritische

Bemerkungen über die Lage in

der DDR und im Bezirk nach Berlin

gemeldet. Daraufhin wurden wir im

Februar überprüft, ob wir, vor allem

ich, den Bezirkpolitisch richtig führten.

Wir standen im Mai also unter

kritischer Beobachtung der Zentrale.

Wiewar denn IhreGefühlslage?

Ich hatte das Gefühl, wir haben

eine Situation, in der die Zustimmung

zur Politik, zur Partei beginnt

zu schwinden und zwar generell. Es

gab dafür ein klares Indiz: In den drei

sächsischen Bezirken war die Zahl

der Ausreiseanträge innerhalb der

DDR am höchsten. Und die Zahlen

sanken nicht, sondernhatten immer

noch eine steigende Tendenz.

Die Auszählung der Stimmen wurde

DDR-weit von Bürgerrechtlern beobachtet.

Sie kamen auf sieben bis

zwanzig Prozent Nein-Stimmen, offiziell

waren es nur 1,15 Prozent …

Nicht DDR-weit. Man muss sehen,

dass es in den größeren Städten

Kontrollen gab und auch nicht über-

all und schon gar nicht auf dem

Land. Die Bürgerrechtsbewegung

hatte dazu nicht die Stärke.Wie groß

Protest oder Zustimmung war, ist

schwer zu schätzen.

Soll das heißen, dass das offizielle Ergebnis

doch nicht so falsch war, weil

die Zustimmung auf dem Land so

groß war?

Nein, meine Einschätzung ist

schon, dass es am Wahlergebnis Veränderungen

gab, die man auch als

Wahlfälschung bezeichnen kann.

Wasinden Prozessen auch Gegenstand

war. Aber bis auf die letzte

Kommastelle weiß es keiner. Die

Wahlunterlagen wurden entsprechend

Gesetz nach einer bestimmten

Zeit vernichtet. Das Thema Demokratie

und Wahlen steht bis heute

im Zentrum internationaler Betrachtungen.

AlsKrenz am Abend das offizielle Resultat

verkündete, war Ihnen doch

klar, dass das nicht stimmen kann.

Wasging Ihnen da durch den Kopf?

Da ist mir noch gar nicht so viel

durch den Kopf gegangen, erst wenigeWochen

später,zuPfingsten. Da

gab es das große Jugendtreffen aus

Anlass des 40-jährigen Bestehens.In

seiner Rede nahm Erich Honecker

das Ergebnis der Kommunalwahl als

Beleg für die große Zustimmung zur

Politik von Staat und Partei. Da

wurde mir klar,wie weit sich die Führung

von Leben der Menschen entfernt

hatte. Das musste als Provokation

empfunden werden. War mir

schon unwohl, bei der Mitteilung

des Wahlergebnisses, begriff ich da,

dass die politische Führung nicht

bereit ist, den Prozess der Änderung

für sich wahrzunehmen.

Gab esüber die Wahl, das Ergebnis,

den Umgang damit eine Debatte innerhalb

der Partei?

Es gab teilweise Unwohlsein, aber

diese Diskussion gab es nicht. Im

Juni gab es die Tagung des Zentralkomitees,inder

wurde der BezirkDresden

erneut kritisiert. Da hätte ich

was sagen können. Aber für eine Kritik

an der ZK-Führung fehlte mir

auch die Courage.Zudem Zeitpunkt

hatte ich schon Signale aus Moskau,

dass man auch nach Honecker Leute

in der Führung brauche und man

nichts betreibe solle, was einen aus

der Funktion dränge.

Mit unter 99 Prozent Zustimmung

war das das schlechteste Ergebnis in

der Geschichte der DDR. Glaubte die

Führung wirklich, mit dieser Form

des Entgegenkommens die Gemüter

zu beruhigen?

Daswar im Maiander Spitzeeindeutig

die Haltung. Die Führung war

von sich überzeugt, sie führt gut und

richtig, und unten, wie bei uns im Bezirk

Dresden, wird die gute und richtige

Politik nicht genügend erklärt.

Wie haben Sie die folgenden Monate

erlebt mit den regelmäßigen Demonstrationen

immer am 7. eines

Monats, mit der Grenzöffnung in Ungarn,

den Botschaftsflüchtlingen in

Prag und dann Anfang Oktober den

Zügen durch Dresden?

Es war ein Gefühl der Ohnmacht

und der Verantwortung zugleich.

Dasmüssen Sieerklären.

Ende September reiste ich nach

Baden-Württemberg auf Beschluss

der Parteiführung. Vorgabe: keine

Pressekontakte. Aber natürlich

wurde über meinen Besuch berichtet.

Unter anderem sagte ich wie

MarkusWolf (Leiter der Auslandsaufklärung

der Stasi, d. Red.), die Ursache

der Flucht aus der DDR läge

auch bei uns.Nach meiner Rückkehr

kritisierte mich Honecker, ich hätte

die DDR schlecht vertreten. Er sah

einfach nicht, was los war und ich

hatte das Gefühl, nichts zu erreichen.

Einen Tagspäter, am4.Oktober,

sollten dann die Züge mit den

Flüchtlingen von Prag durch Dresden

Richtung Westen rollen. Daswar

auf oberste Ebene zwischen Berlin

und Bonn vereinbart und von Außenminister

Genscher in Prag verkündet

worden …

Sie ließen den Bahnhof gewaltsam

räumen, es kam zu massenhaften

Verhaftungen, zu Verletzten.

Hätten wir nichts gemacht,

wäre der Bahnhof um Mitternacht

gestürmt und die Züge gestoppt

worden. Es hätte womöglich Tote

gegeben, später habe ich mich dafür

eingesetzt, dass die Verhafteten

schnell wieder freigelassen

werden. Was mich bis heute bewegt,

ist, dass die Vereinbarung zu

den Zügen auf höchster Ebene getroffen

wurde, die West-Medien

am Abend die Route verkündeten

und mir heute vorgeworfen wird,

dass ich die Polizei eingesetzt

habe. Die BRD tat und tut so, als

ob sie mit dem Vorgängen nichts

zu tun hat. Unmittelbar in den Tagen

danach haben Berghofer und

ich übrigens mit der Opposition

die Diskussion aufgenommen. Ich

versuchte immer, die Balance zu

halten, damit die Dinge nicht explodieren,

auch später als Ministerpräsident.

Es gelang doch, eine

relative Stabilität zu erreichen.

Nunja, am Ende gab es die friedliche

Revolution …

DieDDR hat keine Revolution erlebt,

sie ist implodiert, wie die anderen

realsozialistischen Länder und

die Sowjetunion auch.

Die Massenproteste im Herbst, der

Fall der Mauer waren keine Revolution?

Revolution heißt doch nicht,

dass es abgeschlagene Köpfe geben

muss.

Nein, auch wenn Frau Bohley einmal

in einer Debatte mit mir meinte,

die Laternen hätten vielleicht doch

genutzt werden sollen. Das Thema

ist zu ernst und sollte auch mit dem

Ernst betrachtet werden, um den es

hier geht. Der rechtliche Umgang

mit dem Vereinigungsvertrag, als

Beitritt bezeichnet, wirkt heute –

nach jüngsten Umfragen –als Demokratieverfall

für über 60 Prozent

der Wähler, für tiefe Kinderarmut

und soziale Ungleichheit zwischen

Ost- und Westdeutschland. Die

Nachdenklichkeit sollte offener und

der Umgang miteinander sollte ehrlicher

sein.


20 Berliner Zeitung · N ummer 104 · D ienstag, 7. Mai 2019

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Das Jahr 1989

Samtene Revolution in

der Tschechoslowakei: Freiheit

forderten die Demonstranten

im Winter 1989 in

Prag.Und eine neue Regierung

mit VáclavHavel an der Spitze.

IMAGO IMAGES/PAVEL HROCH

Die Bilder vom 9.November

1989 sind zu Symbolen

für das Ende des

Kommunismus geworden.

Das Brandenburger Torwurde

besetzt –nicht von aufständischen

Massen, sondernvon feiernden Bürgern.

Hunderttausende in Bewegung,

nirgends Gewalt. Nichts als

Euphorie und etwas Alkohol.

Vondiesen über den ganzen Globus

verbreiteten Bildern ging das Signal

aus: Revolution ist möglich. Der

Druck einer Oppositionsbewegung

kann auch eine kommunistische Regierung

stürzen. Aber die Bilder trogen.

Nicht die Bürgerbewegung der

DDR hat das Brandenburger Torbesetzt.

Der Sturz der Berliner Mauer

hatte nichts mit der Bürgerbewegung

der DDR zu tun.

Die zentrale Botschaft der Bilder

vom 9.November waren nicht die

Freudentaumel der die Grenzeüberquerenden

DDR-Bevölkerung. Auch

nicht das Wort der Nacht: „Wahnsinn!“

Nichts,das man sah und hörte

in jener Nacht, war so wichtig wie

das, das man nicht sah und nicht

hörte.Die dieWelt umstürzende Mitteilung

dieser Bilder war: keine PanzerinBerlin.

DasPaneuropäische Picknick

Dieinder DDR stationierten sowjetischen

Truppen blieben in den Kasernen.

Die UdSSR ließ es zu, dass die

Mauer fiel. Das war der Anfang vom

Ende der Nachkriegsordnung. Bis

Ende des Jahres wechselten die Regierungen

oder gar die Regierungssysteme

in der DDR, in Polen, in Ungarn,

in der Tschechoslowakei, in

Bulgarien und in Rumänien.

Als am 18. Februar 1988 der Generalsekretär

der KPdSU, Michail Gorbatschow,

erklärt hatte, dass jeder

sozialistische Staat sein gesellschaftliches

System frei wählen könne, da

war noch völlig unklar, ob er das

ernst meinte. Denn es hinderte sowjetische

Truppen im Frühjahr 1989

nicht daran, gegen Demonstrationen

in Tiflis und im Baltikum vorzugehen.

Noch am 4. Juni 1989 begrüßte

die DDR-Führung öffentlich

die gewaltsame Niederschlagung

der Studentenproteste auf dem Platz

des Himmlischen Friedens in Peking.

Ein deutliches Signal an die eigene

Bevölkerung.

DieBefürchtung, dass die Sowjetunion

ihren Machtbereich am Ende

doch mit Gewalt sichern würde, wie

sie das seit den 40er-Jahren immer

wieder getan hatte,gab es 1989 überall

in Mitteleuropa. Es gab allerdings

immer mehr Menschen, die davon

ausgingen, dass Michail Gorbatschow

esernst meinen könnte mit

Glasnost und Perestroika und mit

dem Versprechen, den sozialistischen

Ländernihreeigenen Wege zu

gestatten.

Imre Pozsgay (1933–2016), damals

Mitglied des Politbüros der regierenden

kommunistischen Ungarischen

Sozialistischen Arbeiterpartei,

war einer von ihnen. Er richtete

zusammen mit Otto von Habsburg

am 19. August 1989 das Paneuropäische

Picknick aus. Zudiesem Frühstück

war mit Tausenden Flugblättern

inden grenznahen Ort Sopron

eingeladen worden. Hier sollte ein

Grenztor zu Österreich geöffnet werden.

Mehr als 650 Bürger der DDR

nutzten das Picknick, verließen den

Ostblock und gingen in den Westen.

Seit dem Mauerbau 1961 hatte es

nicht mehr eine solche Massenflucht

gegeben.

Das Picknick war wohl von Anfang

an vonseinen Organisatoren als

ein Test betrachtet worden. Würde

Gorbatschow zu seinem Wort stehen?

Oder doch angesichts eines solchen

Exodus die in Ungarn stationierten

sowjetischen Truppen einsetzen?

Dass Gorbatschow sich der

Öffnung des Eisernen Vorhangs

nicht widersetzte, half seiner Glaubwürdigkeit

imWesten.Vorallem aber

war es ein Signal an die kommunistischen

Verbündeten, dass sie nicht

mehr vonden sowjetischen Truppen

geschützt würden.

Gorbatschow, der wohl zunächst

nur daran gedacht hatte,die Breschnew-Doktrin

aufzugeben und den

Verbündeten jeweils eigene Wege

zum Sozialismus, also gewissermaßen

eurokommunistische Positionen

zu gestatten, musste schnell lernen,

dass ohne die Panzer der Sowjetunion

kein einziger Staat Mitteleuropas

am Sozialismus festhalten

würde.

DasEnde der Breschnew-Doktrin

zeigte,dass sie die Grundlage für die

Existenz des Sozialismus in Mitteleuropa

war. Ohne sowjetische Panzer

hatte er keine Chance. Keine der

kommunistischen Parteien konnte

auf die Zustimmung der Bevölkerung

rechnen. Das Ende des Kommunismus

war auch das Ende des

Reformkommunismus.

Dass die DDR-Kommunalwahlen

vom7.Mai 1989 gefälscht waren, war

keine Sensation. Im ganzen sowjetischen

Machtbereich hatte es seit

Ende der 40er-Jahre keine Wahlen

gegeben, die nicht gefälscht worden

wären. Davon ging jeder aus. Neu

war, dass so viele Bürger der DDR

In die

Freiheit

entlassen

Als die Mauer am 9. November 1989

fiel, war das der Anfang vom Ende der

Nachkriegsordnung.

Michail Gorbatschow war es, der in

der DDR, in Polen, Ungarn, der

Tschechoslowakei, Bulgarien und

Rumänien den Wegdafür frei machte

wagten, das in aller Öffentlichkeit zu

sagen und vorGericht zu gehen. Das

war Ausdruck eines neuen Selbstbewusstseins.

Neu für die DDR. In Polen zum

Beispiel hatte es seit den 70er-Jahren

eine breite Gegenöffentlichkeit gegeben,

die nicht nur Flugblätter herausbrachte,

sondern eigene Verlage

betrieb. Vorbild war der russische

VonArnoWidmann

Samisdat gewesen. Aber anders als

in der Sowjetunion arbeitete die polnische

Opposition in aller Öffentlichkeit.

Man organisierte Demonstrationen,

stritt auch untereinander

um die richtige Linie.

Im September 1976 hatten Intellektuelle

das Komitee zur Verteidigung

der Arbeiterrechte gegründet,

das sich schon im Jahr darauf in Ko-

mitee für Gesellschaftliche Selbstverteidigung

umbenannte. Im selben

Jahr erschien vonAdamMichnik

„Die Kirche unddie polnische Linke.

Vonder Konfrontation zum Dialog“.

Das war der besondere, der katholische

Weg hinaus aus dem Sozialismus.Dazu

gehörte auch die 1980 gegründete

Gewerkschaft Solidarnosc,

die nicht klein zu kriegen war. Auch

in der Tschechoslowakei entstand

mit derCharta 77 eine Gruppierung,

die zuzerbrechen der Staatsmacht,

trotz immer neuer Versuche, nicht

gelang.

Aber wie stark auch immer die

Komitees für die Gesellschaftliche

Selbstverteidigung in den einzelnen

Ländern waren, niemals wären sie

imstande gewesen, die kommunistischen

Regime abzuschütteln. So

lange die von den russischen Panzern

und die wiederum vonden russischen

Atomwaffen geschützt wurden,

war niemand bereit, einen Krieg

zu riskieren. Keinen Bürger- und

schon gar nicht einen Weltkrieg.

Es gab mehr als genug westliche

Politiker,die fürchteten, die Oppositionsbewegungen

in den sozialistischen

Staaten gefährdeten die geopolitische

Balance. Bundeskanzler

Helmut Schmidt zum Beispiel hatte

Verständnis für die Verhängung des

Kriegsrechts in Polen durch General

Jaruzelski im Jahre1981. Zu viele hatten

sich an den Status quo gewöhnt.

Was bewegte Gorbatschow zu

denweitgreifenden Reformen in der

UdSSR und im Verhältnis zu Comecon

und Warschauer Pakt? Der Sozialismus

war pleite. Die friedliche

Koexistenz mag für die sozialistische

Staatenwelt politisch vernünftig gewesen

sein. Ökonomisch war sie

notwendig.

Der heute 95-jährige Antonín

Liehm, einer der Sprecher desPrager

Frühlings und Gründer von Lettre

International, sprach damals voneinem

neuen Gesellschaftsvertrag in

den Ostblock-Ländern: „Die Bürger

treten die Gesamtheit ihrer individuellen

und kollektiven Rechte an den

Staat ab, wofür dieser ihnen einen

festen Arbeitsplatz bei mäßigem Gehalt

und ein Minimum anArbeitsleistung

und persönlicher Initiative

garantiert.“ Zu diesem neuenGesellschaftsvertrag

gehörten die Kredite

aus dem Westen.Nicht nurfür Polen

und Ungarn, längst auch für die

DDR. DieÖkonomie des Sozialismus

hatte sich in den 80er-Jahren längst

aus dem Wettbewerb der Systeme

verabschiedet. Sie hing an dem ihr

vomkapitalistischen Weltsystem bereitgestellten

Tropf.

Als Gorbatschowam15. Mai1988

verkündete, die Sowjetarmee werde

sich aus Afghanistan zurückziehen,

da war klar, wer den größten Staat

der Welt, die größte Landarmee des

Erdballs zu Fall gebracht hatte: Es

waren nicht die Bürgerrechtsbewegungen

Mitteleuropas gewesen und

auch nicht die Drohung der Errichtung

eines Abwehrschirms gegen Interkontinentalraketen

(„Star Wars“).

Die Taliban hatten die Sowjetunion

niedergestreckt. Wie dreizehn Jahre

zuvor die USA von den vietnamesischen

Guerillas besiegt worden waren,

so erging es jetzt der Sowjetunion

mit den afghanischen.

Damals entstanden die neuen

Konfliktlinien, die den Anfang des

21. Jahrhunderts prägen. Damals

begann auch der Aufstieg Chinas

zur Wirtschaftsmacht, damals beschleunigte

sich die Globalisierung

in einem zuvor unbekannten

Maße. Die neuen Märkte und die

neuen Kommunikationstechniken

halfen dabei.

Dieweltpolitische Konstellation

Die einzelnen Ostblockstaaten fanden

sehr unterschiedlich aus dem

Sozialismus hinaus. Aber sie alle taten

es erst, nachdem der heute viel

geschmähte Michail Gorbatschow

sie in die Freiheit entlassen hatte.

In Polen und in der Tschechoslowakei

standen Männer wie Lech Walesa

und Václav Havel, die lange

Jahre den Kampf gegen die kommunistischen

Regime geführt hatten,

bereit, um ihre Länder mehr oder

wenigererfolgreich in eine demokratische

Zukunft zu führen.

Als am 7. Mai 1989 Bürger der

DDR gegen Wahlfälschungen vorgingen,

hatten in Polen schon seit

Februarder Innenminister,Vertreter

des offiziellen Gewerkschaftsbundes

und Lech Walesa am Runden Tisch

gesessen. Das hatte im April 1989 zu

einer Verfassungsreform und zur

Wiederzulassung von Solidarnosc

geführt. Im Juni 1989 gab es in Polen

erste Parlamentswahlen mit freier

Kandidatenaufstellung.

Unsere „Wende“ warnicht dasErgebnis

eines Lernprozesses, indem

aus Untertanen selbstbewusste Bürger

wurden. Sie war das Resultat einerweltpolitischen

Konstellation, in

der die DDR der Bundesrepublik in

denüberraschten Schoß fiel.

Arno Widmann betrachtete

damals die Weltlageam

liebsten vomCafé Adler aus.


Berliner Zeitung · N ummer 104 · D ienstag, 7. Mai 2019 21

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Der Weg zum Mauerfall

Bürgerrechtler demonstrieren am

7. Juni 1989, einen Monat nach der

Kommunalwahl, vor der Sophienkirche

in Mitte gegen den Wahlbetrug,auch

Stephan Neuß vom

Weißenseer Friedenskreis –

er ist der Mann mit der Mütze,

der das Spruchband

mithält. Es ist der

Auftakt für weitere

Proteste.

IMAGO IMAGES

Wann war der Anfang

vom Ende der DDR?

Am 7. Mai 1989, als

Bürgerrechtler die

SED des Wahlbetrugs überführten?

Am 11. September, als Ungarn seine

GrenzezuÖsterreich öffnete? Am 30.

September, als DDR-Bürger aus der

Bonner Botschaft in Prag in die Bundesrepublik

ausreisten?

Oder am 7. Oktober, als mindestens

10 000 Menschen in Plauen protestierten

und es Sicherheitskräften

erstmals misslang, eine Demo aufzulösen?

Am 9. Oktober, als 70 000

Menschen in Leipzig demonstrierten

und sie mit ihrer Masse („Wir

sind dasVolk!“) und ihrer Friedfertigkeit

(„Keine Gewalt!“) die Staatsmacht

überrumpelten? Am 9. November,als

sich die Mauer öffnete?

Zwischen dem Wahlbetrug und

der Maueröffnung liegen sechs Monate

und zwei Tage,eine Zeit, die vollgestopft

ist mit geschichtsstrotzenden

Daten, welche die DDR erschütterten,

von innen und von außen,

eine Zeit, mitgeprägt vonBürgern, die

sich in Initiativen organisierten, die

für Reformen demonstrierten, die ihr

Land verließen.

Andachten verändernnichts

Stephan Neuß brüht erst einmal eine

Kanne Kaffee auf. Dazu reicht er Bio-

H-Milch, Rohrzucker,Kekse.Der 52-

jährige Sozialdiakon ist Geschäftsführer

des Spik e.V. (Sozialpädagogische

Arbeit im Kiez)inHohenschönhausen.

In den 80er-Jahren war

Neuß aktiv im Weißenseer Friedenskreis,der

maßgeblich daran beteiligt

war,denWahlbetrug von1989 aufzudecken.

Die Geschichte der polnischen

Gewerkschaft Solidarnosc, die

im Sommer 1980 aus einem Streik in

Gdansk entstand, hatte ihn politisiert:

„Gdansk war für mich hoffnungsvoller

als Glasnost und Perestroika.

Aufeinen offiziellen Sozialismus,

der etwas besser sein sollte als

der alte,hatte ich keine Lust.“

Übersiedlung oder Flucht seien

für ihn nie ein Thema gewesen, sagt

Neuß. „Das war im inneren Friedenskreis

ein eher schmählicher Gedanke.“

Aber er habe Verständnis gehabt

für alle,die das Land verließen.

Ein paar Dokumente hat er dabei,

auch „Ordnungsstrafverfügungen“

über 300,75 Mark und 500,75 Mark,

erlassen, weil er den „Weisungen

staatlicher Organe zur Gewährleistung

von Ordnung und Sicherheit“

nicht nachkam und das „sozialistische

Zusammenleben“ störte. Er

hatte an Protesten gegen den Wahlbetrug

teilgenommen.

Ost-Berlin, Anfang Juni 1989:

„Mündige Bürger“ –Mitglieder des

Weißenseer Friedenskreises – fordern

auf Handzetteln, am 7. in die

Neue Grünstraße vor das Evangelische

Konsistorium zu kommen, um

gegen den Wahlbetrug zu demonstrieren.

Im Schweigemarsch wollen

sie eine Eingabe zum Staatsratsgebäude

bringen, dazu Spruchbänder

wie „Nie genug vom Wahlbetrug“

und eine Urne mit der Aufschrift

„Hier ruht die Demokratie“ tragen.

Weniger als hundert Menschen

finden sich am Konsistorium ein, Sicherheitskräfte

haben es weiträumig

abgesperrt. Stephan Neuß ist mit dabei.

Nach Gesprächen mit Kirchenvertretern

vereinbaren die Demonstranten

einen neuen Treffpunkt: die

Sophienkirche in Mitte.Neuß ist enttäuscht,

er ahnt: „Unsere Funktionäresind

nicht mehr unsereVerbündeten

in Aktion.“ Er fühlt sich bestätigt,

als in der Sophienkirche eine

Andacht gehalten wird. „Wir wollten

nicht mehr mit Andachten versuchen,

das System zu verändern.“

Auf den Zuruf „Wir gehen jetzt

raus!“ hin begibt sich ein Teil der Anwesenden,

mehr als 100 Personen,

auf die Straße. Sicherheitskräfte halten

die Demonstranten auf und nehmen

sie fest. Biszum frühen Morgen

sind alle wieder auf freiem Fuß. Die

Protestaktion am 7. Juni bildet den

Auftakt für weitere Proteste, die in

Erinnerung an den Wahlbetrug immer

am 7. eines Monats stattfinden.

Die Politspitze bleibt ihrer Linie

treu: der Vergangenheit zugewandt.

Mit ihrer Reaktion auf das brutale

Vorgehen chinesischer Sicherheitskräfte

gegen friedliche Demonstranten

auf dem Platz des Himmlischen

Friedens Anfang Juni, bei dem mindestens

100 Menschen sterben, treibt

sie weitere Bürger auf die Straße und

aus dem Land: Siewertet das Massaker

als „Niederschlagung einer Konterrevolution“.

Im ersten Halbjahr 1989 verlassen

45 000 Bürger die DDR durch Übersiedlung

oder Flucht; bis November

werden es 225 233 sein. Für viele

führt der Wegüber die Ständige Vertretung

der Bundesrepublik in Ost-

Berlin sowie über die Botschaften

Bonns in Warschau, Budapest und

allen voranPrag.

Peter-Christian Bürger war einer

von ihnen. Kürzlich ist er aus dem

Irak zurückgekommen, wie er am

Telefon erzählt. Es war seine siebente

Reise in das Land; der 63-Jährige

sammelt Spenden, schnürt

Hilfspakte, kümmert sich dort um

Flüchtlinge.Erhatte als junger Mann

Verändern

oder

gehen

Zwischen dem Wahlbetrug und dem

Mauerfall liegt ein halbes Jahr

voller historischer

Erschütterungen. Es ist eine Zeit, in

der die Bürger der DDR in

Bewegung geraten

versucht, sich in der DDR zu engagieren,

in der Jungen Gemeinde in

Karl-Marx-Stadt, heute Chemnitz.

Ständige Gängelei, laufendes Ausspionieren

und regelmäßige Festnahmen

zermürbten ihn. Es ging

ihm irgendwann nur noch darum,

„aus diesem System auszubrechen“.

Ein„Ausbruch“ im Sommer 1985

scheiterte.Dafür saß er drei Jahreim

Gefängnis.Ein zweiterVersuch folgte

VonMichael Brettin

1989. Nachdem er gehörthatte,dass

Landsleute über die Prager Botschaft

der Bundesrepublik ihreAusreise erzwingen,

schlich er sich Ende Juni in

die Tschechoslowakei, erreichte Prag

und fand im Palais Lobkowitz, der

Botschaft, Zuflucht.

Ab Sommer 89 formieren sich

zwei Bürgerbewegungen, die den

Lauf der Geschichte der DDR entscheidend

beeinflussen: Die einen

wollen ihr Land verändern, die anderenwollen

es verlassen. DieTheologen

Markus Meckel und Martin

Gutzeit verfassen im Juli einen Aufruf

zur Gründung einer sozialdemokratischen

Partei (SDP); eine Gruppe

um Pfarrer Rainer Eppelmann einigt

sich im August auf die Bildung der

Vereinigung „Demokratischer Aufbruch“

(DA).

Die Geschichte treibt die DDR-

Führung vorsichher:Am4.September

versammeln sich nach dem Friedensgebet

in der Nikolaikirche in

Leipzig 1000 Demonstranten, es ist

die Geburtsstunde der Montagsdemonstrationen;

am 10. gründet sich

dieBürgerbewegung„Neues Forum“

(NF), ihren Aufruf „Aufbruch 1989“

unterzeichnen im Verlauf des Herbstes

200 000 Menschen; am 11. öffnet

Ungarn seine Grenze zu Österreich,

34 000 DDR-Bürger gelangen bis

Ende des Monats in die Bundesrepublik;

am 12. gründet sich die Bürgerbewegung

„Demokratie Jetzt“ (DJ).

Bei der Protestaktion gegen den

Wahlbetrug am 7. September auf

dem Alexanderplatz wird Stephan

Neuß vomFriedenskreis festgenommen,

mal wieder.Ein Polizist schlägt

ihm mit einem Ellenbogen ins Gesicht;

ein Verhörer stellt ihm die bekannten

Fragen. „Brutale Polizisten,

hilflose Verhörer: Da wusste ich“,

sagt Neuß,„dasSystem ist am Ende.“

Wastrieb ihn auf seinem Weg, dem

System Reformen abzutrotzen? „Der

Instinkt, dasRichtige zu tun.“

Die Zahl der DDR-Bürger, die in

der Prager Botschaft Zuflucht suchen,

schnellt im September in die

Höhe,auch weil dieTschechoslowakei

die Kontrollen an der Grenze zu

Ungarn verschärft hat. Um jeden

Neuankömmling kümmert sich Peter-Christian

Bürger;seit Anfang Juli

organisiert erdas Zusammenleben

in der Zeltstadt im Garten desPalais.

„Es war mir wichtig, nicht nur rumzusitzen“,

sagt er. „Ich wollte etwas

bewegen.“

Unterdessen verhandelt Bonns

Außenminister Hans-Dietrich Genscher

am Rande der Vollversammlung

der Vereinten Nationen in New

York über das Schicksal der DDR-

Bürger in den Botschaften in Prag

undWarschau. Am späten Nachmittag

des 30. September trifft er in Prag

ein, um 18.58 Uhrtritt er aufden Balkon

des Palais heraus und verkündet

etwas mehr als 5000 bangenden

Bürgern, „dass heute Ihre Ausreise

...“ –die Worte „möglich geworden

ist“ gehen im Jubel unter.

Noch am Abend setzt sich der

erste von sechs Zügen in Bewegung.

Die Fahrt geht von Prag über Bad

Schandau, Dresden, Karl-Marx-

Stadt, Plauen und Gutenfürst nach

Hof. Nach Mitternacht rollt der letzte

Zugan, in ihm sitzt Christian Bürger.

„Das war die schlimmste Zugfahrt

meines Lebens, so gespenstisch“,

sagt er.„Auf unserem Wegdurch die

DDR war kein Mensch zu sehen. Alle

Bahnhöfe waren menschenleer.“

Zwanzig Jahre später kehrte er „aus

ganz persönlichen Gründen“ nach

Chemnitz zurück, bis 2016 war er

Geschäftsführer eines Landgasthofs;

inzwischen ist er berufsunfähig.

Alles andere als menschenleer

sind viele Straßen in vielen Städten

der DDR am 7. Oktober: Die einen

feierndie Staatsgründung vor40Jahren,

die anderen demonstrieren für

Reformen.

Krenz’Wende scheitert

Auf Druck des Politbüros erklärt

Honecker am 18. Oktober den

Rücktritt vonall seinen Ämtern, offiziell

wegen seines „Gesundheitszustandes“.

Krenz wird Generalsekretär,

eine Woche darauf auch

Staatsratsvorsitzender und Vorsitzender

des Nationalen Verteidigungsrates,

der Mann, der als

Wahlleiter für den Wahlbetrug verantwortlich

ist und die Demonstrationen

in China als konterrevolutionär

verurteilt hat. Schon seine

erste Rede verdeutlicht, dass sich

grundlegend nichts ändern soll: Er

spricht von einer „Wende“, aber

„unter Führungder Partei“.

Die Proteste erreichen am 4. November

ihren Höhepunkt. Hunderttausende

sind auf den Straßen, die

meisten in Ost-Berlin; sie fordern

„Freie Wahlen statt falsche Zahlen!“,

„Abschaffung der Krenztruppe!“,

„Deutschland –einig Vaterland!“

DerVersuch, mit dem geschlossenen

Rücktritt des Politbüros eine

Krenzsche „Wende“ herbeizuführen,

scheitert. Der irrwitzige Verlauf der

Verkündung des neuen Reisegesetzes

am9.November führt zur Maueröffnung.

DieDDR istnicht malein

Jahr später Geschichte.

Wann war der Anfang vom Ende

der DDR? „Das System hat sich Stück

für Stück selbst entlarvt; und Menschen

haben das immer wieder

deutlich gemacht“, sagt Mario

Schatta, der imMai 1989 denWahlbetrug

mitaufdeckte.

Michael Brettin

ist fasziniertvon der

Geschichtsdynamik.


22 Berliner Zeitung · N ummer 104 · D ienstag, 7. Mai 2019

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Das Jahr 1989

Annette Simon, 67 Jahre alt,

empfängt in ihrer Wohnung

in Pankow, in der sie

seit 1988 lebt.Während des

Gesprächs zieht sie ihr Buch „Bleiben,

wo ich nie gewesen bin.Versuch

über ostdeutsche Identitäten“, geschrieben

2009, aus dem Regal. Sie

nimmt darin vieles vorweg, was uns

heute noch beschäftigt.

Frau Simon, wo standen Sie 1989 in

Ihrem Leben?

1988 wollten wir die DDR verlassen.

Also meine Familie, ich und

mein Mann und meine zwei Kinder.

Hatten Sie einen Ausreiseantrag gestellt?

Wir haben lange und intensiv

über einen Ausreiseantrag nachgedacht

und dann den Gedanken verworfen,

woraufhin meine Tochter,

Jana Simon, sehr sauer wurde; sie

wollte damals unbedingt in den Westen.

Aber Anfang 1989 kam auch Hoffnung

auf. Man spürte, dabraut sich

was zusammen, man wusste allerdings

nicht, ob etwas Gutes oder

Schlechtes.Ich arbeitete in der Psychiatrischen

Ambulanz im Krankenhaus

Herzberge als Psychologin. Eine

alte Patientin sagte mir:Esist so eine

Stimmung wie Anfang 1945. Undhier

in Pankow traf ich im Frühjahr 1989

Hans Misselwitz auf der Straße. Er

war im Pankower Friedenskreis und

sagte:„Wartet mal den Herbst ab.Das

wirdein heißer Herbst !“ Daswar fast

prophetisch.

Wurdemehr diskutiertanden Arbeitsstellen?

Ich habe die Achtzigerjahre als

eine sehr bleierne Zeit empfunden, es

bewegte sich nichts mehr. Auch in

den oppositionellen Kreisen gab es so

eine Ermattung, Ermüdung. Man

hatte das Gefühl, dass nichts Neues

mehr kommen wird. Unddas änderte

sich nun, da waren die Kommunalwahlen

ein wichtiger Hoffnungsgeber.Eswaren

die erstenWahlen in der

DDR, die in einigen Wahlbezirken öffentlich

kontrolliert wurden. Zum

ersten Mal gab es unter den Augen

der Bürger ausgezählte Gegenstimmen.

Zum ersten Mal wurde damit

öffentlich, dass die vomStaat präsentierten

Ergebnisse nicht mit den abgegebenen

Stimmen übereinstimmten.

In den oppositionellen Kreisen,

in denen wir uns bewegten, fing es an

zu gären, die Diskussionen wurden

wieder intensiver und wir fingen an,

uns noch mehr zu vernetzen. DieVorfälle

auf dem Platz des Himmlischen

Friedens in Peking, wo Demonstranten

brutal mit Panzernüberrollt wurden,

gaben einen weiteren Schub an

Wut. Dann kamen die vielen Ausreisen

und dann ging es bald los mit der

Gründung des Neuen Forums.

Inwiefern waren Sieinvolviert?

Wir haben in unserer Wohnung

nach dem Aufruf Unterschriften für

den Beitritt zu dieser Bewegung gesammelt.

Wir waren eine der Sammelstellen.

Abends haben wir die Listen

in der Küche versteckt, weil wir

Angst hatten, dass die Stasi vorbeikommt.

Einmal stand eine Arbeiterbrigade

vorder Tür,aneinemVormittag,

sechs Männer in voller Montur,

klingelten bei uns und fragten, ob sie

hier fürs Neue Forumunterschreiben

könnten. Beim Unterschreiben sagten

sie: „Es muss sich was ändern,

endlich geht’s los.“ Da hatte ich das

Gefühl, einen wirklich revolutionären

Moment zu erleben.

Wurden in der Zeit vordem Mauerfall

alternative Konzepte entwickelt, die

noch heute brauchbar sind?

Auf jeden Fall! Ich sage auch nie

„Wende“, das Wort hat Egon Krenz

geprägt. Ichsage„89“ oder„Herbstrevolution“.

Es war eine revolutionäre

Situation, die aber versandet ist. In

der Zeit vonSeptember bis Dezember

war sehr viel los, esgab sehr viele

Ideen, Aktionen und Gründungen

vonInitiativen. Ichwar bei der Gründungsversammlung

des Unabhängigen

Frauenverbandes in der Volksbühne

dabei: Da wurden im Dezember

1989 wegweisende Schriftstücke

verfasst, die heute leider fast vergessen

sind. Das Problem war, dass wir

uns die Illusion machten, dass wir

viele wären. Wir waren viel weniger,

als wir dachten.

Annette Simon,

geboren 1952, arbeitete

von 1975 bis 1991

in einer psychiatrischen

Klinik in Ost-Berlin. Seit

1992 hat sie in Pankow eine

eigene Praxis, seit 1996 als

Psychoanalytikerin.

VOLKMAR OTTO

Annette Simon, Tochter der Schriftstellerin Christa Wolf, ist Psychoanalytikerin.

Sie hat sich in der DDR in der Bürgerbewegung engagiert.

Seitdem beschäftigt sie sich mit dem Thema „Ostdeutsche Identität“.

Ein Gespräch über alte und neue Wut

Wann sind Sie auf eine Demonstration

gegangen?

Ichwar das erste Mal am7.Oktober

1989, dem „Tag der Republik“, in

Berlin auf einer Demonstration. Mein

Mann, unser Nachbar und ich sind

Richtung Gethsemanekirche aufgebrochen,

und in der Stargarder Straße

wurden wir aufgehalten. Da wurden

alle, die sich grad auf der Straße befanden,

auf Lkws geladen. Erst ging’s

in ein Polizeirevier in der Immanuelkirchstraße.

Eswar brutal, jeder, der

aufgemuckt hat, wurde geschlagen.

Ichwurde dann zur Stasi in die Nähe

der Magdalenenstraße gebracht. Da

musste ich mit anderen die ganze

Nacht regungslos in einer Garage stehen,

durfte nicht auf die Toilette,

überall standen Uniformierte mit

Schäferhunden. Viele hatten die Fantasie,

nun für Jahre inden Knast zu

kommen. Am nächsten Tagwurden

wir wieder entlassen. Diese Nacht

war schlimm, danach war ich eingeschüchtert.

Am 4. November fand die große Kundgebung

auf dem Alexanderplatz statt.

Da griffen die Sicherheitsbehörden

nicht mehr ein.

Daswar die Zeit, wo das Politbüro

wohl dachte,dass sie das Ruder noch

rumreißen können. Bei der Kundgebung

hat ja auch Markus Wolf geredet!

Eigentlich hat es sich am 9. Oktober

1989 in Leipzig entschieden, da

fand die ganz große Montagsdemo

statt, und da hatten alle Angst, dass

geschossen wird. Doch das wurde

„Auf

einmal

gibt es

nur

Opfer“

durch die Intervention vonmehreren

Seiten verhindert. Das ist einer der

Punkte,die mich im Nachhinein wütend

machen: dass man nichts von

den Ostdeutschen wenigstens symbolisch

aufgenommen hat. Wenn

man einen Taggewollt hätte, der für

die deutsche Einheit wirklich etwas

bedeutet hat, dann wäreesder 9. Oktober.

Der 3. Oktober bedeutet symbolisch

nichts – es ist ein Verwaltungstag.

Ihre Mutter, Christa Wolf, hat damals

einen Aufruf „Für unser Land“ geschrieben,

in dem sie sich für sozialistische

Reformen einsetzte. Wie standen

Siedazu?

Siehat den ja nicht allein geschrieben!

Ichwar zwiespältig. Ichhabe den

Aufruf in meine Klinik mitgenommen,

einige Kollegen lehnten es ab zu

unterschreiben, sie wollten keine

DDR mehr. Dadurch, dass Egon

Krenz dann unterschrieben hat, war

der Aufruf tot.

Interview: Sabine Rennefanz

IhreMutter hatte in dem Aufruf an die

antifaschistischen und humanistischen

Ideale der DDR erinnert. Siehaben

oft darauf hingewiesen, dass der

Antifaschismus der DDR von oben

verordnet war. War das ein Thema

zwischen Ihnen und Ihrer Mutter?

Ich bin von meinen Eltern sogeprägt

worden, dass man das,was man

zu Hause sagt, auch draußen vertritt.

Daswar in der DDR sehr selten. Man

steht dafür ein, was man denkt. Das

haben meine Eltern selber nicht immer

geschafft, das merkte man auch.

Die Ideale meiner Eltern waren sehr

antifaschistisch geprägt. Aber ich

merkte, wie es im Alltag knirschte.

Beim Fahnenappell in der Schule

wurde öfter das Lied von den Moorsoldaten

gespielt, das die Häftlinge

im Konzentrationslager gesungen haben.

Da kriegte ich immer eine Gänsehaut.

Damals konnte ich mir das

nicht erklären, aber heute weiß ich,

woran mein Unbehagen lag: Wir waren

eben keine Moorsoldaten. Die

meisten DDR-Bürger sind keine Widerstandskämpfer

gewesen.

Es ist verblüffend, wie starkdieser Mythos

wirkte.

Die Identifikation mit den Antifaschisten

bot einen Vorteil, man stand

nun scheinbar auf der richtigen Seite,

auf der des Widerstands, der Opfer.

Wir sind die Guten, drüben sind die

bösen Imperialisten. Alles, was aber

nach 1945 an psychischen Dispositionen,

an Anfälligkeit für Unterordnung,

autoritärem Denken, Verachtung

des Fremden und Schwachen

weiter da war, wurde außer in Kunst

und Kultur nicht weiter bearbeitet.

Man fragte nicht konkret nach, was

welcher Mensch wann in der nationalsozialistischen

Zeit eigentlich gemacht

hatte.

Sieforderten 2001, dass die DDR-Bürger

miteinander über ihreVergangenheit

streiten sollen, statt sich immer

nur in Abwehrkämpfen gegen westliche

Zuschreibungen zu verbünden.

Das ist eine meiner wichtigsten

Thesen, dass die Konflikte zwischen

Ost-Ost zu wenig ausgetragen

wurden und werden. Das ging

zur Zeit der Revolution erst los, da

begannen auch bei mir an der Arbeitsstelle

die Auseinandersetzungen

mit manchen Kollegen und

die Frage nach den Stasi-Mitarbeitern

kam auf. Dann kam der Beitritt,

nun war die Frage, was wird

mit dem Krankenhaus? Wir

brauchten einen Träger. Umkeine

Unruhe zu stiften, wurden solche

Diskussionen eher unterbunden.

Wichtige Auseinandersetzungen

untereinander waren damit abgewürgt.

Ich habe das Krankenhaus

1992 verlassen, auch, weil es nun

die Möglichkeit gab, sich in einer

Praxis niederzulassen.

Durchden schnellen Beitritt sind viele

Konflikte aus der DDR unbearbeitet

geblieben.Wo sollte man diese Auseinandersetzungen

führen?

Wenn die DDR noch länger existiert

hätte, wäre das passiert. Vieles

war angedacht in diese Richtung, die

Entmachtung von Funktionären, die

strafrechtliche Verfolgung vonhauptamtlichen

Mitarbeitern der Staatssicherheit.

Manchmal denke ich, das

war der letzte Coup des Politbüros,

dass der Schabowski sich da so verplapperthat.

Beider Pressekonferenz am 9. November,

als Günter Schabowski Reisefreiheit

„ab sofort“ verkündete.

So wurden sie zwar entmachtet,

aber bis auf wenige Ausnahmen nicht

wirklich zur Rechenschaft gezogen.

Die Opposition hatte zu wenig Zeit,

sich zu sammeln, sich zu strukturieren,

Pläne zu entwerfen. Sie war

durch die Ereignisse genauso überrannt.

So war kurz nach dem 9. November

die große DDR-weite Versammlung

vomNeuen Forumangesetzt.

Es kamen viel weniger als erwartet.

Ich kann das verstehen, ich

verurteile das nicht. Ich bin selbst

am 10. November rübergestürzt.

Aber wir haben mit den vielen ungelösten

Widersprüchen von damals

bis heute zu tun. Ein ehemaliger

Häftling vom Stasi-Gefängnis Hohenschönhausen

kann in der S-

Bahn sitzen und ihm gegenüber sitzt

sein ehemaliger Verhörer, und der

hat fast sicher jetzt eine höhere

Rente. Nur sehr wenige Hauptamtliche

sind bestraft worden! Das ist für

manche ehemalige politische Häftlinge

sehr bitter. Ein Teil des DDR-

Unrechts wurde nicht gesühnt.

Waren Sie am 18. März 1990 überrascht,

wie schlecht die Vertreter des

„DrittenWeges“ abschnitten?

Die Opposition vertrat jasehr unterschiedliche

Strömungen, nur ein

Teil war für einen „dritten Weg“. Ich

war vondenWahlergebnissen extrem

enttäuscht.Wirlebten in der Blase der

Opposition, und wir dachten, wir

kriegen vielleicht 40 Prozent.

Bündnis 90, in dem das Neue Forum

aufgegangen war, erhielt 2,9 Prozent

der Stimmen.

Das war eine harte Klatsche. Damit

waren unserePläne,auch unsere

Illusionen abgewählt worden. Es war

auch der Sozialismus abgewählt worden.

Aber es war auch die weitergehende

Auseinandersetzung mit der

DDR und der je eigenen Rolle in ihr

zunächst abgewählt worden.

Jetzt wird gefordert, sich die Neunzigerjahreanzugucken,

um die Ostdeutschen

zu verstehen. Ist das falsch?

Sollte man eher auf die DDR gucken?

Beides! Ichfand es immer schade,

dass dieses Produktive von 89 in so

eine Opfer-Haltung geflossen ist.

Nach dem Motto: Jetzt sind wir alle

entrechtet vom Kapitalismus. Die

Wege der Ostdeutschen sind sehr

verschieden: Manche haben große

Karrieren gemacht, andere nicht. In

der DDR gab es Opfer und Täter,und

auf einmal gibt es nur Opfer.Wosind

die Täter? Saßen die nur im Politbüro?

Es gab eine Jagd auf Stasi-IM.

Aber die Hauptamtlichen wurden

nicht gejagt, die sitzen teilweise gemütlich

in ihren Häusern. Unddie eigentliche

Macht wurde ja von der

SED ausgeübt. Ichbin da total sauer.

Wir hatten einen Arzt an unserer Klinik,

der sogar bei Stasi-Verhören mitgewirkt

hat. Wir haben nach 89 versucht,

einen Entzug seiner Approbation

auf den Wegzubringen. Ist uns

nicht gelungen. Diese Art von Ungerechtigkeit

ist nicht weg, sie wabert

aber im Raum.

„Mit den neu installierten Weststrukturen

gehen einige nun um wie zu

DDR Zeiten: Sie versuchen nicht, sich

einzubringen und durch Mitwirkung

zu verändern, sondern versuchen, sie

mit passivem Widerstand zu umgehen“,

schrieben sie 2009. Gilt das heute

noch so?

Das würde ich für einige aus der

älteren Generation so sehen. Jetzt sagen

aber auch manche Jüngere: Wir

gehen in die AfD, daengagieren wir

uns, dawollen wir was verändern.

Aber da sammelt sich Frust und

Zorn, das ist nicht konstruktiv. Ich

sehe die AfD nicht als eine Emanzipationsbewegung

des Ostens. Die

AfD greift auf dumpfe Reflexe zurück:

Wir sind die Opfer der Einheit

und weitere existenzielle Veränderungen

lassen wir uns nicht gefallen.

Wir lassen uns nicht noch einmal

den Boden unter den Füßen wegziehen

–jetzt vermeintlich vonden Migranten.

Eigentlich meint der Hass

auf Ausländer und Flüchtlinge auch

die Westler bzw.die extremen Veränderungen,

die sie mitgebracht haben.

Vergessen wird, daß man den

Beitritt zur Bundesrepublik selbst

gewählt hatte.


Royaler Nachwuchs: Harry und Meghan sind Eltern eines Sohnes – Panorama Seite 28

Protest:

Das Abitur

ist zu schwer

Seite 25

4°/13°

Mit ein wenig Sonne

Wetter Seite 24

re:publica –Demokratie

muss auch digital gelingen

Seite 24

www.berliner-zeitung.de

Berlin –Initiative will den

Klimanotstand ausrufen

Seite 25

Dienstag,7.Mai 2019 Nr.104 FA -75. Jahrgang

Auswärts/D: 1.70 €–Berlin/Brandenburg: 1.60 €

Rätsel –Der Flugzeugabsturz

von Moskau

Seite 28

Champions League

Ein Torwart

fürs gute

Gefühl

VonFrank Hellmann

Marc-André ter Stegen hat einen

ganz besonderen Bezug zum

Großvater. Die Eltern hatten sich ja

getrennt. Der Großvater fuhr den

Knirps zum Training bei Borussia

Mönchengladbach. Auf dem Rücksitz

im Auto lag stets eine Süßigkeit,

und Opas Weisheiten gab es dazu.

Etwa, wie mit Rückschlägen umzugehen

sei. „Er hat mir beigebracht,

dass wir keine

Maschinen

sind“, sagt der

Torwart des FC

Barcelona.

Insofern gehört

Ter Stegen,

27, zu denjenigen

bei Barça,

Marc-André ter die respektvoll

Stegen, Barça-TorwartinWeltklasseform

Rückspiel der

ins Halbfinal-

Champions

League beim FC Liverpool an diesem

Dienstag gehen, trotz der 3:0-Gala in

der Vorwoche: „Du fliegst hin und

hast ein gutes Gefühl –mehr aber

auch nicht.“

Doch für den FC Barcelona ist es

beruhigend, an der Anfield Road einem

Torhüter zu vertrauen, der mit

Superlativen überhäuft wird. „Er

spielt eine überragende Saison und

gibt uns Ruhe.Wenn wir unter Druck

stehen, macht er den Eindruck, als

könnte gar nichts passieren“, sagt

sein Trainer Ernesto Valverde. Ter

Stegen rettete vorigen Mittwoch gegen

Liverpool mehrfach. Vereinspräsident

Josep Maria Bartomeu adelte

ihn als „besten Torwart der Welt“.

„Messi mit Handschuhen“ haben sie

ihn irgendwann getauft.

Beinahe unbemerkt läuft eine

mediale Charmeoffensive. Ein Bezahlsender

drehte mit Ter Stegen,

selbst besuchte er vor zwei Wochen

den „Sportschau-Club“ und zeigte

aus der Untertagebar in Herten eine

menschliche Seite.Sowas kommt in

deutschen Wohnzimmernan.

Würde er jetzt am 1. Juni das

Champions-League-Finale in Madrid

bestreiten, wäre das weitere

Werbung in eigener Sache. Esgibt

keine Indizien, dass dieses Endspiel

für ihn ein Karrierekiller sein könnte

wie für Landsmann Loris Karius,der

voreinem Jahr mit dem FC Liverpool

gegen Real Madrid (1:3) fatal patzte.

Vergleichbare Aussetzer leistete sich

TerStegen bei seinen ersten von 22

Nationalmannschaftseinsätzen, was

ihn um die EM 2012 und der WM

2014 brachte. Erbrauchte erst den

Confed-Cup 2017, um sich in der

DFB-Auswahl zu etablieren.

Bundestrainer Joachim Löw wird

genau überlegen, wen erinder EM-

Qualifikation im Juni in Weißrussland

und gegen Estland ins Torstellt.

Im Märzgegen Serbien (1:1) spielten

TerStegen und Manuel Neuer je eine

Halbzeit. Löw sagte, Neuer sei zwar

seine Nummer eins, aber TerStegen

agiere „auf Weltklasseniveau“. Zusatz:„Marcwirdseine

Möglichkeiten

bekommen.“ TerStegen will bei der

EM 2020 spielen. Aber er hat sicher

auch den Ratdes Opas im Ohr.

VonSonja Fröhlich

Im Südosten von Laos fand Peter

Jäger die wahrscheinlich

größte Spinne der Welt: die

Hedropoda maxima. Spannweite:

30 Zentimeter, so groß wie

eine Pizza. Kurz zuvor hatte er ein

Exemplar in einem Pariser Museum

gesehen, tot und in einem Glas mit

Alkohol konserviert. Ob es sie lebend

noch gab, wusste niemand. Also

machte sich der Arachnologe des

Frankfurter Senckenberg-Museums

nach Laos auf. DemFrankfurter Forscher

gelang es,ein Exemplar zu fangen.

„Das war mein bisher größter

Erfolg“, resümiertJäger.

Die Suche nach den Überlebenden

einer Artdürfte künftig schwerer

werden. Eine Million Tier-und Pflanzenarten

sind in den kommenden

Jahrzehnten vom Aussterben bedroht,

wenn die Menschen nicht

grundsätzlich umdenken, das Land

anders nutzen, die Umwelt besser

schützen, den Klimawandel eindämmen.

Die größten Artenkiller

sind Landwirtschaft, Fischerei, Klimawandel

und Umweltverschmutzung,

also die Menschen. So sieht es

der Biodiversitätsrat der Vereinten

Nationen und warnt: Schon jetzt sei

die Geschwindigkeit, in der Tier-und

Pflanzenarten aussterben, zwischen

zehn- und hundertmal höher als im

Durchschnitt der vergangenen zehn

Millionen Jahre. Experten sprechen

voneinem „Massenaussterben“.

Am Montag hat das UN-Gremium

für Biodiversität (IPBES) in Paris

einen umfassenden Bericht zum

Zustand der globalen Artenvielfalt

veröffentlicht. Drei Jahrelang haben

rund 150 Experten aus 50 Ländern

Die letzten

ihrer Art

Die UN legen Studie zur Biodiversität vor:

Die Vielfalt der Natur ist gefährdet –

und damit auch der Mensch

Vom Aussterben bedrohte Arten

ausgewählte Gruppen

Amphibien Meeressäuger

das Wissen aus Tausenden Studien

zusammengetragen und analysiert–

ähnlich wie der Weltklimarat IPCC

seine Berichte zum Klimawandel.

„Die Belege sind unbestreitbar:

Die Zerstörung der Artenvielfalt und

der Ökosysteme hat ein Niveau erreicht,

das unser Wohlergehen mindestens

genauso bedroht wie der

durch den Menschen verursachte Klimawandel“,

sagt IPBES-ChefWatson.

Beide Faktoren hätten nicht nur Einfluss

auf die Umwelt, sondern auch

auf Entwicklungs- und Wirtschaftsfragen.

Watson erwähnte dabei ausdrücklich

die Gewinnung von Nahrungsmitteln

und Energie. Nur „tiefgreifende

Veränderungen“ könnten

den Schaden für die Artenvielfalt

noch begrenzen. Die Studie soll den

Regierungen der 193 UN-Mitgliedsstaaten

helfen, ein Rahmenabkommen

zur Bewahrung der biologischen

Vielfalt zu verhandeln und beim

Weltnaturschutzgipfel in China im

Oktober2020 zu beschließen. Robert

Watson sagt klar:„Wirerodieren global

die eigentliche Basis unserer

Haie/

Haiverwandte

Anteil der durch den Menschen deutlich veränderten Naturräume

Land 75%

Meere 66%

riffbildende

Korallen

40% 33% 33% 33%

BLZ/GALANTY; QUELLE: IPBES, DPA

Volkswirtschaften, Lebensgrundlagen,

Nahrungsmittelsicherheit und

Lebensqualität.“

Auszüge aus der Studie: Seit dem

späten 19. Jahrhundert ist rund die

Hälfte aller Korallenriffe verschwunden.

Neun Prozent aller Nutztierrassen

sind ausgestorben. 85 Prozentder

Feuchtgebiete sind zerstört. Durch

die Zerstörung von Küstengebieten

wie Mangrovenwäldern ist die Lebensgrundlage

vonbis zu 300 Millionen

Menschen gefährdet. 23 Prozent

der Landfläche des Planeten gelten

als ökologisch abgewirtschaftet und

können nicht mehr genutzt werden.

DasWegsterben vonBestäuberinsekten

bedroht die Produktion vonNahrungsmitteln

im Wert von235 bis 577

Milliarden Dollar proJahr.

Auf „Ungewissheiten“ verweist

der Bericht bei der Zahl weniger bekannter

Arten, vor allem der Insekten.

Ihre Zahl hat sich in Europa in

den vergangenen drei Jahrzehnten

bereits um rund 80 Prozent verringert,

haben Studien ergeben. Das

große Insektensterben findet auch in

DPA (2); IMAGO IMAGES (8)

Deutschland statt, wie das Bundesumweltministerium

im Sommer

2017 warnte.

Fehlen Bienen, Fliegen und

Schmetterlinge,gerät die Nahrungskette

in Gefahr: Pflanzen werden

nicht mehr bestäubt, Vögeln und anderen

Tieren fehlt Nahrung – und

früher oder später fehlt sie auch den

Menschen auf dem Teller. Genau

darum geht es im Kern beim Artenschutz:

Ohne das Zusammenspiel

der Arten gäbe es kein Leben auf

dem Planeten.

Tierschützer kritisieren dabei,

dass „unattraktive“ Arten beim Naturschutz

benachteiligt werden.

Spinnen, Maden, Ratten und

Schlangen etwa sind äußerst nützliche

Tiere –beim Artenschutz aber

falle kaum Augenmerk auf sie, sagte

der emeritierte Psychologieprofessor

Hal Herzog von der Universität

Western Carolina in den USA. Arten

wie der Regenwurm wirkten „eher

wieprimitiveAußerirdische alsTiere,

mit denen ein Mensch sich identifizieren

kann“. Dabei ist gerade der

Regenwurm ein wichtiger Nützling,

weil er die Böden fruchtbar macht.

Auch deshalb macht Peter Jäger

für seine Spinnentiere Lobbyarbeit.

Sein „Arachno-Blog“ auf dem Internetportal

des Senckenberg Museums

listet seine bisher entdeckten

Arten auf und erklärt, was sich der

Entdecker bei deren Namensgebung

gedacht hat.DennbesonderenFunden

verpasst er öffentlichkeitswirksame

Namen. So hatermit denSpinnen

Udo Lindenberg, Loriot und RichardvonWeizsäcker

schon viel Aufmerksamkeit

erregt. Jetzt muss man

nur noch aufpassen, dass sie nicht

die letzten ihrerArt werden.

Waffenruhe

nach

700 Raketen

Angriffe zwischen Israel und

Gazastreifen sind eingestellt

Nach dem schwersten Ausbruch

der Gewalt seit fünf Jahren zwischen

Israel und den militanten Palästinensern

im Gazastreifen

schweigen vorerst wieder dieWaffen.

Nach Berichten über eine neue Waffenruhe

hob Israels Armee am Montag

alle Einschränkungen für die israelische

Bevölkerung im Grenzgebiet

wieder auf. Die Eskalation kam

nur gut eine Woche vordem internationalen

Gesangswettbewerb Eurovision

Song Contest (ESC) in TelAviv.

Die neue Runde der Gewalt hatte

seit dem Wochenende mehr als zwei

Dutzend Menschen das Leben gekostet.

Vier Israelis wurden am

Sonntag bei massiven Raketenangriffen

aus Gaza getötet und mehr als

hundert verletzt. Militante Palästinenser

hatten nach israelischen Armeeangaben

seit Sonnabend rund

700 Raketen auf Israel abgefeuert.

Angriffe der israelischen Armee töteten

nach Angaben des Gesundheitsministeriums

in Gaza 25 Palästinenser.

Rund 160 Palästinenser seien

verletzt worden.

Für die Waffenruhe gab es von

keiner Seite eine offizielle Bestätigung,

aber die gegenseitigen Angriffe

hörten über Nacht auf. Biszum

Nachmittag gab es keine neuen Raketenangriffe

aus dem Küstenstreifen

und Israels Luftwaffe griff keine

Ziele mehr an.

Israels Regierungschef Benjamin

Netanjahu betonte jedoch am Montag,

der Kampf gegen die militanten

Palästinenserorganisationen sei

noch nicht beendet. „In den letzten

beiden Tagen haben wir Hamas und

Islamischen Dschihad mit großer

Macht attackiert, wir haben mehr als

350 Ziele beschossen“, sagte er.„Die

Kampagne ist noch nicht vorbei, sie

braucht Geduld und Augenmaß. Wir

sind bereit, weiterzumachen.“Wichtigstes

Ziel sei es, Ruhe und Sicherheit

für die Einwohner des israelischen

Südens zu erzielen.

Der Hamas-Chef Ismail Hanija

hatte am Sonntagabend mitgeteilt,

man sei zu einer neuen Feuerpause

bereit, falls Israel sich ebenfalls

daran halte.Kurzdarauf richtete US-

Präsident Donald Trump eine Warnung

an die Palästinenser im Gazastreifen

–und sicherte dem Verbündeten

Israel die volle Unterstützung

seines Landes zu. Die Bundesregierung

verurteilte den Raketenbeschuss

der Hamas auf Ziele in Israel

„auf das Schärfste“. (dpa)

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24 *** Berliner Zeitung · N ummer 104 · D ienstag, 7. Mai 2019

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·

Politik

NACHRICHTEN

Spahn verteidigt Bußgeld

für Impfverweigerer

Mögliche Geldbußen bei Verstößen

gegen die geplante Masern-Impfpflicht

sollen nach Worten vonGesundheitsminister

Jens Spahn der jeweiligen

Schwereentsprechen. „Wer

hartnäckig und dauerhaft trotz

mehrfacher Aufforderung einer

Pflicht nicht nachkommt, der wird

anders behandelt als jemand, der es

einfach nur vergessen hat“, sagte der

CDU-Politiker.Spahn will verpflichtende

Masern-Impfungen für Kitaund

Schulkinder mit Bußen bis zu

2500 Euro und einem Ausschluss

vomKita-Besuch durchsetzen. (dpa)

Türkei: Wahlbehörde ordnet

Neuwahl für Istanbul an

Dietürkische Wahlbehörde hat eine

Wiederholung der Bürgermeisterwahl

in Istanbul angeordnet. Dasberichtete

die staatliche Nachrichtenagentur

Anadolu am Montag. Die

türkische Regierungspartei AKP von

Präsident Recep Tayyip Erdogan

hatte eine Annullierung undWiederholung

des Urnengangs vom31.

Märzbeantragt, aus dem der Oppositionskandidat

EkremImamoglu als

Sieger hervorgegangen war. (AFP)

Versicherer lehnen

E-Scooter auf Fußweg ab

Das Verkehrsministerium will Elektroroller

auch auf Fußwegen zulassen.

DPA

DieVersicherungswirtschaft lehnt

die geplante Zulassung vonE-Scooternauf

Fußgängerwegen ab.Das

geht aus einer Stellungnahme des

Gesamtverbandes der Deutschen

Versicherungswirtschaft (GDV)für

eine Anhörung im Verkehrsausschuss

des Bundestages am Mittwoch

hervor. Besonders älterePersonen

seien schon allein durch einen

Sturzpotenziell vonlangwierigen

Verletzungsfolgen betroffen. (rb.)

USA verlegen Flugzeugträger

in den Mittleren Osten

DieUSA verlegen als militärische

Warnung an den Iran den Flugzeugträger

„USS Abraham Lincoln“ und

eine Bomberstaffel in den Mittleren

Osten. Dasteilte der Nationale Sicherheitsberater

der Vereinigten

Staaten, John Bolton, mit. Dengenauen

Ortließ er offen. (dpa)

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier findet, dass es Demagogen im Netz viel zu einfach haben.

Neue Regeln fürs Digitale

Bundespräsident Steinmeier eröffnet die re:publica und erinnert an die Verantwortung der Plattformen

VonJörg Hunke

Wie das mit den flachen

Hierarchien in der digitalen

Gesellschaft

ist, bekam der Bundespräsident

am Montag mitten in

seiner Eröffnungsrede der re:publica

zu spüren. Eine Frau stand auf, ging

mit dem Smartphone am OhramPodium

vorbei und unterhielt sich laut.

„Wer ist dran?“, fragte Frank-Walter

Steinmeier spontan. „Dennis“, antwortete

die Frau und ging weiter, als

sei nichts gewesen.

Aber so unberechenbar ist eben

die Digitalkonferenz, auf der jedes

Jahr in Berlin drei Tage lang die politischen,

gesellschaftlichen und wirtschaftlichen

Entwicklungen kontrovers

und leidenschaftlich debattiert

werden. Zum ersten Mal hielt ein

Bundespräsident die Eröffnungsrede,erwurde

mit freundlichem Applaus

begrüßt und versprach, dass

niemand die Nationalhymne mit

ihm singe müsse.

Problem der älteren Generation

Aber dann ging es um die ernsthafte

Auseinandersetzung mit den Folgen

der Digitalisierung. Steinmeier

stellte das Demokratieverständnis in

den Mittelpunkt seiner Rede. „Demokratie“,

sagte er,„kann in Zukunft

nur gelingen, wenn sie auch digital

gelingt.“ Was er damit meint: Die

neue Welt braucht neue Regeln. Wer

in Europa und in Deutschland Geschäfte

machen will, dürfe nicht

ständig Schlupflöcher suchen und

die Umsetzung der Regeln verschleppen.

Wermit einer Plattform

einen politischen Diskursraum

schaffe,„der trägt Verantwortung für

die Demokratie –oberdas will oder

nicht“, erklärte der Bundespräsident.

Sein Schlussplädoyer ging in

die Richtung derjenigen, die mit Hatespeech

und Fake-News versuchen,

das Netz zu verseuchen. „Mit der

Meinungsfreiheit kommt auch eine

Meinungsverantwortung“, sagte

Steinmeier.Erwünschte sich vonder

demokratischen Mehrheit, sich

nicht zurückzuziehen und vertreiben

zu lassen vomGebrüll der wenigen.

Einer,der seine Meinung seit Jahren

imNetz verbreitet, ist Thomas

Knüwer. Er betreibt eine Agentur

und ist ein langjähriger Besucher der

re:publica. Er bezeichnete die Rede

als solide.Vor einigen Wochen war er

bei der großen Digitalkonferenz

South by Southwest (SXSW)inTexas

zu Gast, erlebte den Auftritt vonAlexandria

Ocasio-Cortez, der jungen

politischen Hoffnung der Demokraten,

die die Netzgemeinde beeindruckte.„Die

aktuelle Politikergeneration

in Deutschland versteht das

Netz nicht, und ich habe die Hoff-

DIE KONFERENZ

Das Motto: Keine Zeit, um etwas Langes zu lesen, also tl;dr (too long,did not read), ist die

zentrale Botschaft der re:publica in diesem Jahr.Die Gesellschaftskonferenz findet zum zwölften

Mal in Berlin statt, erstmals gabesinden vergangenen Monaten einen Ableger in Afrika.

Präsentation: Wiewichtig das Lesen ist, zeigt sich auch in der Gestaltung.Der Literaturklassiker„MobyDick“

spielt da eine wichtigeRolle. Ausdruckesind in Papierbahnen an den Decken

angebracht. An einem Stand wird das Werk gelesen. Wereinen Fehler macht, muss aufhören.

Höhepunkt: Zwei Welten werden aufeinandertreffen, wenn Markus Beckedahl und CDU-Europapolitiker

Axel Voss an diesem Dienstag um 11.15 Uhr auf der Bühne über das Urheberrecht

diskutieren werden. Der Journalist Beckedahl ist ein deutlicher Kritiker der EU-Reform, Voss

hat sich im Europaparlament für die Zustimmung stark gemacht.

nung aufgegeben, dass sich das noch

einmal ändert“, sagte Knüwer und

sorgte für eine Diskussion bei den

Zuhörern. Aber das ist auch eines der

Ziele der re:publica in diesem Jahr –

kontrovers zu diskutieren und Meinungen

leidenschaftlich auszutauschen.

In Deutschland gehört der Journalist

Markus Beckedahl zu den

Menschen, die die komplizierten

Themen wie IT-Sicherheitsgesetz,

Überwachungstechniken oder Hackerangriffe

verständlich aufbereiten

können. In seiner Rede macht er

deutlich, dass nicht nur die Plattformbetreiber

in den vergangenen

Monaten zu der großen Verunsicherung

in der Gesellschaft beigetragen

haben, sondern auch die Bundesregierung.

Immer wieder erwähnte Beckedahl

Innenminister Horst Seehofer

(CSU) und seine Versuche, den

Behörden noch mehr Macht zu geben,

um die Bürger noch genauer

kontrollieren zu können. Und was

den Bereich Innovationen angeht,

erinnerte er an die Nachricht, dass

im Kanzleramt aus Sicherheitsgründen

weiterhin auf Rohrpost gesetzt

wird. „Das zeigt doch, dass wir noch

gar nicht angefangen haben mit der

Digitalisierung“, sagte Beckedahl.

Seine Rede stand unter dem Titel„Digital

war mal besser“ –dieser Eindruck

bestimmte den gesamten ersten

Tag. Auch abends ging es bei Sascha

Lobo in seinem Vortrag „Realitätsschock“,

um die großen Probleme

des Kontinents wie Klimawandel, falsche

Debatten und den –seiner Meinung

nach –zulange gedankenlosen

Umgang mit Plastikmüll.

Müllers Optimismus

DPA/BRITTA PEDERSEN

Bei der Media Convention, die mit

ihrem Blick auf die Medienwelt seit

Jahren ein fester Bestandteil der

re:publica ist, standen zunächst

auch nicht so sehr neue Trends und

Innovationen im Mittelpunkt, sondern

Gedanken, wie wichtig Meinungsfreiheit

und Meinungsvielfalt

in Zukunft sein sollen. Anja

Zimmer, Direktorin der Medienanstalt

Berlin-Brandenburg wünschte

Unterstützung für die klassischen

Medienhäuser. Nur Michael Müller

(SPD), Berlins Regierender Bürgermeister,

der in der Hauptstadt immer

wieder Start-up-Projekte vorgestellt

bekommt und täglich sieht, wie

Berlin von der Digitalisierung profitiert,

wirkte optimistisch und erinnerte

in seiner Rede daran, dass die

neuen Technologien auch große

Chancen und Möglichkeiten bieten.

Jörg Hunke

freut sich, dass die Konferenz

politischer geworden ist.

Union

debattiert über

CO 2 -Steuer

Fraktionschef Brinkhaus

warnt vor Denkverboten

Inder Diskussion über eine CO 2 -

Steuer erhält CDU-Chefin Annegret

Kramp-Karrenbauer Gegenwind

aus der Union: Fraktionschef

Ralph Brinkhaus (CDU) warnte vor

„Denkverboten“. Kramp-Karrenbauer

hatte sich amWochenende gegen

eine CO 2 -Steuer gestellt.

DieCDU/CSU sei bei neuen Abgaben

und Belastungen „immer sehr

skeptisch“, sagte Brinkhaus den Zeitungen

der Funke-Mediengruppe.

„Aber es darf keine Denkverbote geben.“

Wichtig sei auch bei einer möglichen

CO 2 -Bepreisung, dass die Verbraucher

nicht zusätzlich belastet

würden. Es gehe nicht darum, die

Einnahmen des Staates zu steigern.

„Wenn ich den Ressourcenverbrauch

belaste, muss ich Verbraucher und

Wirtschaft an anderer Stelle entlasten“,

sagte er. Das sei auch eine soziale

Frage. Laut Brinkhaus will die

Union bis Ende des Jahres „den Weg

aufzeigen, wie wir die Klimaschutzziele

2030 konsequent erreichen können“.

Auch die Ausweitung des Zertifikatehandels

werdegeprüft.

Am Sonnabend hatte Kramp-Karrenbauer

gesagt, hinter einer CO 2 -

Steuer verberge sich eine stärkere

Belastung für Benzin, Diesel, Heizöl

und Gas. Sie warnte davor, die „kleinen

Leute über Gebühr“ zu belasten,

„weil wir zu faul sind zum Nachdenken,

ob es bessere Methoden gibt“.

Es gebe „intelligentere Methoden“

für den Klimaschutz als die Erhebung

von Steuern, fügte sie unter

Verweisauf den europäischen Emissionshandel

und Zertifikate hinzu.

„Ich halte das für falsch, einfach

nein zu sagen“, sagte dagegen CDU-

Vize Armin Laschet in der ARD. Im

Deutschlandfunk bemühte sich

Kramp-Karrenbauer am Montag

darum, die Wogen zu glätten. Beider

letzten Diskussion im CDU-Bundesvorstand

zu dem Thema sei es um

den konkreten Vorschlag gegangen,

eine Mineralölsteuer zu erhöhen.

„Dawar dieHaltung des Bundesvorstandes,imÜbrigen

in Anwesenheit

auch von Armin Laschet und von

Ralph Brinkhaus, sehr eindeutig zu

sagen, das ist für uns nicht das erste

Mittel derWahl.“ (AFP)

Das BraunkohlekraftwerkBergheim Niederaussem

in Nordrhein-Westfalen IMAGO

BERLIN UND BRANDENBURG WETTERLAGE R EISEWETTER

Heute gibt es Wolken, stellenweise jedoch auch sonnige Abschnitte, und

die Höchstwerte sind bei 11bis 14 Grad anzutreffen. Der Wind weht

schwach bis mäßig aus West. In der Nacht kühlt sich die Luft auf 4bis

1Grad ab. Dazu ist es vielerorts wechselnd bewölkt. Schauer treten aber

nur sehr vereinzelt auf.

Biowetter: Die Witterung führt zu

einer Verstärkung von rheumatischen

Beschwerden, Kopfweh- und

Migräneattacken. Gelenke, Muskeln,

Glieder und Narben schmerzen

öfter als sonst üblich.

Pollenflug: Derzeit fliegen Pollen

von Birken, Ulmen, Hainbuchen,

Kiefern, Eichen und Buchen in mäßiger

Konzentration. Die Belastung

durch Gräserpollen ist schwach.

Gefühlte Temperatur: maximal 13Grad.

Wind: schwach aus West.

Wittenberge

-1°/13°

Min./Max.

des 24h-Tages

Brandenburg BERLIN

1°/13° 4°/13°

Luckenwalde

2°/13°

Prenzlau

1°/11°

Cottbus

2°/14°

Mittwoch

Donnerstag

Freitag

wolkig Regen Regenschauer

5°/18° 11°/16° 8°/17°

Frankfurt

(Oder)

3°/14°

Nordwestliche Winde haben weiterhin von der Nordsee kühle Schauerluft für Mitteleuropa

im Gepäck. Südwestlich von Irland hat sich unterdessen Tief Yukon

formiert, das Westeuropa ansteuert.Imzentralen Mittelmeerraum ist esebenfalls

kühler geworden, doch die Schauerwolken sind zum westlichen Schwarzmeerraum

weitergezogen.

Sylt

3°/11°

Hannover

0°/13°

Köln

3°/15°

Saarbrücken

2°/14°

Konstanz

2°/18°

Hamburg

1°/12°

Erfurt

2°/11°

Frankfurt/Main

6°/15°

Stuttgart

3°/16°

Rostock

4°/10°

Magdeburg

2°/12°

Nürnberg

2°/13°

München

2°/17°

Rügen

1°/11°

Dresden

3°/10°

Deutschland: Heute gehen gelegentlich

Regenschauer nieder. Wolken

und Sonne wechseln sich ab. Dabei

werden während des Tages 10bis

18 Grad erreicht, nachts kühlt es

dann auf 8bis 1Grad ab. Der Wind

weht schwach aus West. Morgen

fällt teilweise Regen aus dichten

Wolken. Es stehen 14 bis 22Grad in

Aussicht, und der Wind weht

schwach bis mäßig aus Süd.

Meerestemperaturen:

Ostsee: 8°-11°

Nordsee: 8°-10°

Mittelmeer: 14°-23°

Ost-Atlantik: 11°-16°

Mondphasen: 12.05. 18.05. 26.05. 03.06.

Sonnenaufgang: 05:24 Uhr Sonnenuntergang: 20:42 Uhr Mondaufgang: 07:10 Uhr Monduntergang: 23:36 Uhr

Lissabon

21°

Las Palmas

23°

Madrid

24°

Reykjavik

11°

Dublin

13°

London

15°

Paris

16°

Bordeaux

23°

Palma

22°

Algier

28°

Nizza

18°

Trondheim


Oslo


Stockholm

12°

Kopenhagen

10°

Berlin

13°

Mailand

19°

Tunis

22°

Rom

17°

Warschau

13°

Wien

16° Budapest

16°

Palermo

21°

Kiruna


Oulu

11°

Dubrovnik

18°

Athen

22°

St. Petersburg

10°

Wilna

11°

Kiew

20°

Odessa

17°

Varna

16°

Istanbul

20°

Iraklio

20°

Archangelsk

11°

Moskau

24°

Ankara

18°

Antalya

20°

Acapulco 35° sonnig

Bali 33° Gewitter

Bangkok 39° wolkig

Barbados 28° heiter

Buenos Aires 18° bewölkt

Casablanca 23° heiter

Chicago 15° bewölkt

Dakar 30° bewölkt

Dubai 35° sonnig

Hongkong 27° bedeckt

Jerusalem 25° heiter

Johannesburg 23° heiter

Kairo 29° heiter

Kapstadt 20° wolkig

Los Angeles 16° bewölkt

Manila 35° wolkig

Miami 32° Gewitter

Nairobi 27° wolkig

Neu Delhi 42° sonnig

New York 25° heiter

Peking 29° heiter

Perth 22° heiter

Phuket 34° wolkig

Rio de Janeiro 31° sonnig

San Francisco 18° heiter

Santo Domingo 31° wolkig

Seychellen 31° heiter

Singapur 35° heiter

Sydney 24° sonnig

Tokio 18° bedeckt

Toronto 16° bewölkt


Berliner Zeitung · N ummer 104 · D ienstag, 7. Mai 2019 25 *

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Berlin

NACHRICHTEN

Verdächtiger Gegenstand

auf Bahngelände gesprengt

Aufeinem Bahngelände hinter dem

TierparkamRande vonBiesdorf–

zwischen Lichtenbergund Marzahn-Hellersdorf–,ist

am frühen

Montagabend ein verdächtiger Gegenstand

gesprengt worden. Der

Gegenstand habe gefährlich ausgesehen

und nach einem Röntgenbild

habe der Verdacht auf Sprengstoff

bestanden, sagte ein Polizeisprecher.Weil

man den Gegenstand

nicht vomOrt habe wegtransportierenkönnen,

sei er vorsichtshalber

dortgesprengt worden. Um was es

sich handelte,werde noch untersucht.

Während der Sprengaktion

sei die B1 zwischen Alt-Friedrichsfelde

und Gensinger Brücke zwischen

18.37 und 19.10 Uhrvoll gesperrtgewesen.

Am späteren Abend

seien die Sperrungen wieder aufgehoben

worden. (dpa)

RadioEins sendet keine

Blitzer-Warnungen mehr

DerSender RadioEins weist seit

Montag in seinen Nachrichten nicht

mehr auf Standorte vonBlitzernim

Stadtgebiet hin. DieZahl der Unfälle

sei im vergangenen Jahr in Berlin

erneut gestiegen, auf den Straßen

hätte es 144 000 Malgekracht,

teilte der Sender dazu mit. Da Rasereieine

der Hauptunfallursachen

sei, wolle man Autofahrer nicht

mehr dazu verleiten, „jenseits der

Kontrollpunkte vermeintlich ungestraft

aufs Gaspedal zu steigen“, wie

Nachrichtenchef JanVesper erklärte.Hinzu

komme,dass in letzter

Zeit immer weniger Hinweise auf

Blitzer vonHörerneingegangen

seien. (sd.)

Senatorin heißt nicht mehr

Kolat, sondernKalayci

Berlins Gesundheitssenatorin hat

wieder geheiratet und heißt nun Dilek

Kalayci. Dasgab die SPD-Politikerin,

die zuvor den Nachnahmen

Kolat getragen hatte,auf ihrem eigenen

Twitter-Account bekannt. Die

Senatsverwaltung bestätigte am

Montag auf Nachfrage die Eheschließung

der 52-Jährigen. AufTwitter

postete die Senatorin auch ein

Hochzeitsfoto.Dilek Kalayci war zuvormit

Kenan Kolat, dem ehemaligen

Bundesvorsitzenden der Türkischen

Gemeinde in Deutschland,

verheiratet. (dpa)

Ab jetzt Dilek Kalayci: Die Gesundheitssenatorin

hat geheiratet.

KALAYCI

LOTTO-QUOTEN

Gewinnzahlen

1-19-24-29-35-42, Sz. 8

QUOTEN

Klasse 1: Unbesetzt

Klasse 2: Unbesetzt

Klasse 3: 57 x13711,10 Euro

Klasse 4: 474 x4946,40 Euro

Klasse 5: 3556 x219,70 Euro

Klasse 6: 29 321 x53,30 Euro

Klasse 7: 68 317 x22,80 Euro

Klasse 8: 587 785 x11,90 Euro

Klasse 9: 552 024 x5,00 Euro

Alle Angaben ohne Gewähr!

Keine Diesel und Benziner mehr –nur Bahnen, Fußgänger,Radfahrer:Sostellen sich Klimaschützer das Berlin der Zukunft vor.

Aktivisten rufen den Klimanotstand aus

Berlin soll für Autos mit Verbrennungsmotoren gesperrt werden. Unterschriftensammlung hat begonnen

VonPeter Neumann

Wenn es nach Marko

Dörreund seinen Mitstreitern

ginge, dürften

in einigen Jahren

keine Fahrzeuge mit Benzin- oder

Dieselantrieb mehr durch Berlin

fahren. MitHilfe einer Volksinitiative

wollen sie erreichen, dass 2019 auch

in Berlin der Klimanotstand ausgerufen

wird. „Als starker symbolischer

Akt, dass das Thema ernst genommen

wird“, sagte Dörre amMontag.

„Die Berliner Landesregierung muss

in den Krisenmodus umschalten.

Noch in diesem Jahr müssen die Klimaschutzziele

verschärft werden.“

Der Klimanotstand sei längst da,

hieß es.„WennWälder brennen, Rinder

verdursten, alte Leute an Hitzschlag

im Sommer sterben –dann

entscheiden wir heute über Tatoder

Unterlassung. Weder Politik noch

Öffentlichkeit sind darauf vorbereitet“,

mahnte Radaktivist Heinrich

Strößenreuther, der die Initiative als

Vertrauensperson unterstützt.

Grüne wollen Turbo einlegen

„Wir müssen die Politiker zum Jagen

tragen“, sagte Dörre und meinte damit

auch Umweltsenatorin Regine

Günther (parteilos, für Grüne). „Aktuell

werden weder die Klimaschutzziele

für 2020 noch das Pariser Übereinkommen

eingehalten. Die sofortige

drastische Reduzierung des

VonMartin Klesmann

Die Aufgabenstellungen sollen zu

kompliziert, die Berechnungen

zu schwierig gewesen sein. Abiturienten

aus Berlin und mehreren anderen

Bundesländern wehren sich

gegen angeblich zu schwere Mathe-

Aufgaben in der schriftlichen Abiturprüfung,

die am vergangenen Freitag

geschrieben wurden.

„Die Aufgaben beim Mathematik-Abitur

am Freitag waren viel zu

schwer, genauso wie in anderen

Bundesländern“, heißt es in einer

Online-Petition von Schülern, die

sich an den Regierenden Bürgermeister

Michael Müller (SPD) richtet.

Innerhalb eines Tages haben

über 1000 Menschen unterschrieben.

Deshalb sollen, so die Forderung

der Schüler, die Klausuren weniger

streng bewertet, die Bewertungsmaßstäbe

nach oben korrigiert

werden. Irgendwie verständlich,

dass viele Abiturienten das unterschreiben,

möchte man meinen.

Doch was ist dran an der Kritik?

Bei den schriftlichen Mathematik-

Alarmstufe rot-rot-grün:

Unter diesem Motto wollen

Klimaschützer den Senat auf

Trab bringen. Benötigt werden

mindestens 20 000 Unterschriften

für eine Volksinitiativezur

Ausrufung des

Klimanotstands in Berlin.

Kohlendioxid-Ausstoßes ist nötig.“

Das Berliner Energie- und Klimaschutzprogramm

reiche nicht aus.

Um die Katastrophe zu verhindern,

müsse der Ausstoß auf Null sinken.

Dieses Ziel soll zwischen 2030 und

2035 erreicht werden. Dann sollte

Berlin für Fahrzeuge mit Verbrennungsmotoren

tabu sein, bekräftigte

Dörre. „Wir fordern, dass Berlin sofort

handelt, um den Treibhausgas-

Ausstoß drastisch zu reduzieren.“

In Los Angeles und London

wurde der „Climate Emergency“ bereits

proklamiert. Im deutschsprachigen

Raum sind Basel und Konstanz

die Vorreiter.Damit Berlin bald

folgt, werden jetzt Unterschriften für

eine Volksinitiativegesammelt.

Zu den Aktivisten gehören der

Verein Changing Cities, die Grüne

MEHR TEMPO IM SENAT

Auch Schüler zugelassen:

Unterschreiben darf jeder

Berliner,der 16 Jahre und

älter ist. Unterschriftenlisten

gibt es unter der Adresse

www.klimanotstand.berlin.

Unterschriftensammlungen

auf der Straße sind geplant.

Viele Unterstützer: Beteiligt

sind unter anderem Fridays

For Future Berlin, Fossil Free

Berlin, Parents4Future Berlin,

die Deutsche Allianz

Klimawandel &Gesundheit,

Gruppe Berlin, Changing

Cities und die Grüne Jugend.

Jugend Berlin und der Ärzteverband

IPPNW. Auch die Initiative „Fridays

for Future“, die Schüler zu Demonstrationen

aufruft, ist vertreten.

Ob als nächste Stufe ein Volksbegehren

folgt, sei noch nicht entschieden,

sagte Dörre. Jetzt gehe es erst

einmal um die Volksinitiative, für die

bis Mitte August mindestens 20 000

gültige Unterschriften gesammelt

werden sollen. Wenn sie zustande

gekommen ist, muss das Abgeordnetenhaus

öffentlich darüber beraten.

Dörre ist Rechtsanwalt in Berlin.

Seine Themen sind das Medien- und

Jugendschutzrecht, zu seinen Mandanten

gehören Webmaster und Firmen

der Erotikbranche.Die Zukunft

des Klimas bewegt ihn, seitdem er

Vater von zwei Töchtern ist. „Es ist

Zeit zu handeln“, so der 45-Jährige.

Mathe-Abitur angeblich zu schwer

Schülerproteste: Auch in Berlin starten Abiturienten eine Online-Petition

Prüfungen, die in Berlin und Brandenburg

als zentrale Prüfung gemeinsam

geschrieben werden, können

die Abiturienten zwischen zwei

verschiedenen Aufgabenstellungen

wählen. Einige Schüler berichten,

dass im Analysis-Teil beide zur Auswahl

stehenden Funktionen über

dem Schwierigkeitsgrad der vergangenen

Abiturprüfungen gelegen hätten.

In einem anderem Fall mussten

Schüler die bedingte Wahrscheinlichkeit

mit Hilfe eines Würfelspiels

ausrechnen. Das empfanden viele

als sehr schwer verständlich. Undim

Stochastik-Teil hatten einige arge

Probleme, eine kumulierte Tabelle

zu begreifen. Um die Note 4glatt zu

erreichen, müssen Abiturienten derzeit

mindestens 45 Prozent der Aufgaben

lösen.

Ralf Treptow, der Vorsitzende des

Berliner Gymnasialschulleiterverbandes,

widersprach den Schülern

am Montag.„Aus meiner Sicht waren

die Mathe-Aufgaben nicht zu

schwer“, sagte Treptow, Direktor des

Pankower Rosa-Luxemburg-Gymnasiums

und selbst Mathe-Lehrer.

So lange es aber keine zentralen Mathe-Prüfungen

für ganz Deutschland

gebe,würden die Beschwerden über

die Abi-Aufgaben weiter zunehmen.

Online-Petitionen seien ja schnell

geschrieben. „Gegenwärtig gibt es

für Berlin keine Anhaltspunkte, dass

unmittelbare Konsequenzen notwendig

sind“ sagte Thorsten Metter

vonder Bildungsverwaltung. Er wies

aber darauf hin, dass in der Vergangenheit

häufig behauptet worden

sei, die Berliner Abi-Prüfungen würden

immer einfacher.

Unmut in vielen Bundesländern

Berlin hat allerdings seit vielen Jahren

massive Probleme, überhaupt

genug qualifizierte Mathe-Lehrer zu

finden. In Mathematik und den naturwissenschaftlichen

Fächern werden

besonders viele Quereinsteiger

eingesetzt.

Auch in Bayern, Bremen Niedersachsen,

Hamburg, Thüringen,

Sachsen-Anhalt und weiteren Bundesländern

gab es Schülerproteste

und Online-Petitionen. „Es wurde

eine hohe Anzahl an Aufgaben ge-

GETTY IMAGES/ DENNIS JOSEPH

„Wir müssen mit den Koalitionspartnern

darüber sprechen, wie wir

beim Klimaschutz endlich den

Turbo einlegen können“, sagte Georg

Kössler von den Grünen. Auch

Berlin reduziert seine Emissionen

noch nicht schnell genug. „Wir finden

es gut, wenn die Berlinerinnen

und Berliner die Volksinitiative mit

ihrer Unterschrift unterstützen und

so ein Zeichen setzen“, so Tilmann

Heuser vom Bund für Umwelt und

Naturschutz Deutschland (BUND).

Zwar seien Klimaschutzziele in Landesgesetzen

verankert. Doch es fehle

ein Konzept zur Beschränkung des

„klimaschädlichen Luftverkehrs“.

„Aktionistisches Mittel“

Oliver Friederici (CDU) sieht die Initiative

dagegen als ein „aktionistisches

Mittel, sich beim Thema Klima

Gehör verschaffen zu wollen“. Bauprojekte

unterstünden langen Verfahren,

die jetzigen Regularien seien

ausreichend. „Der Klimaschutz wird

nicht dadurch befördert, dass man

immer drastischere Begriffe wählt

und sich immer stärker empört, sonderndadurch,

dass mit kühlem Kopf

diejenigen Maßnahmen umgesetzt

werden, die zur Einhaltung der verbindlichen

Klimaziele notwendig

sind“, sagte Henner Schmidt (FDP).

Es fehle nicht an ehrgeizigen Zielen

und dramatischen Stellungnahmen

–esfehle an einer zielgerichteten

Umsetzung und an klugen Ideen.

stellt, die so in ihrer Ausfertigung nur

schwer lösbar und nicht schülergerecht

konzipiert wurden“, hieß es in

der Petition aus Niedersachsen, die

über 10 000 Personen unterzeichneten.

MehrereKultusministerien kündigten

eine Überprüfung an. Auch

Brandenburg gehe den Schülerbeschwerden

nach, sagte der Potsdanmer

Ministeriumssprecher Ralph

Kotsch. Der Präsident des Deutschen

Lehrerverbandes,Heinz-Peter

Meidinger,berichtet indes,dass sich

die Prüfungsergebnisse in Bayern

zumindest nach ersten Erkenntnissen

im durchschnittlichen Bereich

bewegen würden.

In Berlin und Brandenburggibt es

gemeinsame Lehrerkommissionen,

die die Aufgabenvorschläge entwickeln.

Diese Aufgaben werden auch

geheim getestet. Sie orientieren sich

an den Bildungsstandards der Kultusministerkonferenz.

Dabei haben

die Bundesländer aber noch gewisse

Gestaltungsmöglichkeiten. Seit 2017

nutzen die Bundesländer zudem

den allgemeinen, länderübergreifenden

Aufgabenpool.

Radikale sollen

Ex-Radikale

betreuen

Staatssekretär: „Die werden

nicht bei den Jusos eintreten“

Umdie Gefahr islamistischen Terrors

zu bekämpfen, prüft der Senat

einen ungewöhnlichen Weg. So

könnte es passieren, dass sich um die

Rückkehrer aus Kampfgebieten wie

Syrien und dem Irak bald nicht nur

deutsche Sozialarbeiter kümmern.

DieInnenverwaltung überlegt, ob sie

Vereine, die den radikalen Muslimbrüdern

nahestehen, in die spätere

Betreuung einbindet –allerdings erst,

nachdem die Rückkehrer von deutschen

Sozialarbeitern deradikalisiert

wurden und nicht gewaltbereit sind.

Die Muslimbrüder werden vom

Verfassungsschutz beobachtet und

gelten als „legalistische“ Islamisten,

weil sie die Anwendung von Gewalt

ablehnen. Mit dem Prozess der Deradikalisierung

vonRückkehrernsollen

sie nach Angaben des Senats

nichts zu tun bekommen.

Laut Innenstaatssekretär Torsten

Akmann (SPD) am Montag im Innenausschuss

des Abgeordnetenhauses

sind in Berlin mehr als 1000 Salafisten

bekannt. Knapp die Hälfte gilt als

gewaltbereit. DieBehörde registrierte

130 Ausreisen in Krisengebiete. Etwa

60 Personen sind zurückgekehrt.„Die

Rückkehrer sind sehr heterogen“,

sagte Akmann. „Nicht alle sind hoch

radikalisiert. Es gibt auch Mitläufer

und Familien mit Kindern.“

Laut Akmann raten Akteure wie

das „Violence Prevention Network“,

die sich um Rückkehrer kümmern,

dazu, dass sich deradikalisierte Personen

irgendwo aufgenommen fühlen

müssen. „Die werden sicherlich

nicht in die Junge Union oder bei den

Jusos eintreten“, sagte er. „Deshalb

steht die Frage: Wo lassen wir sie? Da

sind wir gerade in der Prüfung, ob

man mit diesem Bereich spricht.“

Bereits im März hatte Innensenator

Andreas Geisel (SPD) im Abgeordnetenhaus

über die sogenannten Legalisten

gesagt: „Das sind keine

Freunde der freiheitlich-demokratischen

Grundordnung.“ Aber es seien

Menschen, die „ganz deutlich erklären“,

dass sie Gewalt ablehnen. Deshalb

sei es ein sinnvoller Schritt, diese

Strukturen zu nutzen, um Menschen,

die vorher gewaltbereit waren, „zumindest

erstmal in das nicht gewaltbereite

Spektrum zu überführen“.

In der Innenverwaltung wurde inzwischen

eine Arbeitsgruppe zur

strategischen Steuerung für Deradikalisierung

eingerichtet. Sie erarbeitet

ein Konzept zur Bekämpfung des

islamistischen Terrors.

Laut Akmann ist für 2020 „die

größte Antiterror-Übung Berlins“ geplant.

(kop.)

Restaurant will

AfD-Spitze nicht

bewirten

Absage für

Tischbestellung in Mitte

Ein Restaurant in Mitte hat sich

geweigert, AfD-Spitzenpolitiker

zu empfangen. Eine Tischbestellung

für Montagabend sei abgewiesen

worden, teilte das Restaurant auf Anfrage

mit. An dem Essen hätten Parteichef

Jörg Meuthen, Partei- und

Fraktionschef Alexander Gauland,

Co-Fraktionschefin Alice Weidel und

der parlamentarische Geschäftsführer

Bernd Baumann teilnehmen sollen,

wie Fraktionssprecher Christian

Lüth sagte. Auf die Frage nach dem

Grund für die Absage betonte einer

der Betriebsleiter des Restaurants

Bocca di Bacco,Martin Birnbaum, es

gebe die Annahme, dass Mitglieder

der AfD-Fraktion Menschen aufgrund

ihrer Herkunft „diskriminierenund

diskreditieren“. (dpa)


26 Berliner Zeitung · N ummer 104 · D ienstag, 7. Mai 2019

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Tagestipp

KALENDER

KALENDER

BÜHNE

Berliner Ensemble (✆ 28 40 81 55)

19.30: Endspiel

20.00 Kleines Haus: Aufder Straße

Deutsches Theater (✆ 28 44 12 25)

19.30: Der Menschenfeind

DT-Kammerspiele (✆ 28 44 12 25)

19.00: ugly duckling

HAU2(✆25 90 04 27)

20.30: Fúria (Wut) (Companhia de Danças)

Haus der Berliner Festspiele (✆ 25 48 91 00)

17.00, 21.00: Theatertreffen: GirlFrom The Fog

Machine Factory

17.00: Theatertreffen: Die Burg der Assassinen

18.30: Theatertreffen: Fall on Pluto

Komödie am Kurfürstendamm im Schiller Theater

(✆ 88 59 11 88) 20.00: Unterleuten

RambaZamba Theater (✆ 44 04 90 44)

19.30: MobyDick

Renaissance-Theater (✆ 312 42 02)

20.00: Ewig Jung

Schaubühne (✆ 89 00 23)

19.30, 19.30: Der Fremde

Schlosspark Theater (✆ 78 95 66 71 00)

20.00: SonnyBoys

ufaFabrik (✆ 75 50 30)

20.00: Chen Hsi-Huang Traditional Glove Puppet

Troupe

Volksbühne Berlin (✆ 24 06 57 77)

19.00, 21.30: Coming Society

KABARETT/VARIETÉ

Bar jeder Vernunft (✆ 883 15 82)

20.00: Liebén (Vladimir Korneev)

Cafe Spreeblick /Zille Stube (✆ 242 52 47)

15.00: Mit Zille in der juten Stube (Albrecht Hoffmann).

Anm. erf.

Distel (✆ 204 47 04)

20.00: Zwei Zimmer,Küche: Staat!

Friedrichstadt-Palast (✆ 23 26 23 26)

19.30: Vivid

StageBluemax Theater (✆ 018 05 44 44)

20.00: Blue Man Group –The Show

StageTheater des Westens (✆ 018 05 44 44)

19.30: The Band –Das Musical

TIPI am Kanzleramt (✆ 39 06 65 50)

20.00: Dominique Horwitz singtBrel

Wühlmäuse (✆ 30 67 30 11)

20.00: Und wie war dein Tag, Schatz? (Hans Gerzlich)

KLASSIK

Philharmonie (✆ 25 48 83 01)

13.00 Foyer: Martin Stegner (Viola), TomokoTakahashi

(Klavier), Lunchkonzert, Werkevon Johannes

Brahms

Philharmonie/Kammermusiksaal (✆ 25 48 81 32)

20.00: Seong-Jin Cho, Seong-Jin Cho

Staatsoper Unter den Linden (✆ 20 35 45 55)

20.00 Apollosaal: Musiker*innen der Staatskapelle

Berlin, KammerkonzertVIII, Ravel: Introduktion und

Allegro für Harfe, Flöte, Klarinette und Streichquartett;

Prokofjew: Prelude Op. 12 Nr.7für Harfe solo; Bartók:

Rumänische Tänze für Harfe und Viola; Martinu: Drei

Madrigale für Violine undViola;Dvorák: Klavierquintett

Nr.2A-Dur op. 81

KINDER

Atze Musiktheater (✆ 81 79 91 88)

10.00 Studio: Hans im Glück (ab 6bis 10 J.)

10.30: DieMinisterpräsidentin (ab 9J.)

Chamäleon (✆ 400 05 90)

20.00: Memories of Fools, Cirk La Putyka (ab 6J.)

Dasweite Theater (✆ 991 79 27)

10.00: DieLegende vonWilhelm Tell, Weltliteratur mit

Objekten und Material (ab 9J.)

Der Schauspieler,Schriftsteller und Chansonnier Dominique Horwitz.

Chanson

Verlass mich nicht

ANKE NEUGEBAUER

Der Schauspieler Dominique Horwitz wurde 1957 in Parisgeboren. Es ist

unmöglich, dann nicht mit dem Chansonnier Jaques Brel vertraut zu

sein, mit seinen Chansons wie „Nemequitte pas“, „Amsterdam“, „Quand on

aque l’amour“. Dass Horwitz selbst Brel singt, ist einem Zufall zu verdanken.

Er sollte bei einemTheaterfest einen Beitrag leisten und trug ohne groß nachzudenken

ein paar von Brels Liedern vor. Mit großem Erfolg. Seitdem hat er

Brel immer wieder gesungen. Es gefällt ihm, dass bei Brel um die ganz großen

Themen geht, Liebe,Enttäuschung, das Leben eben. Susanne Lenz

DominiqueHorwitz singt Brel 7.–11. Maium20Uhr,12. Mai um 19 Uhr, Tipi im Kanzleramt,

GroßeQuerallee,Kartentelefon:39066550

Die Wiesenburg (Wiesenstr.55)

10.00: Paired [Paarweise], KUDU Productions,

Performance (ab 2J.)

Grips Podewil (✆ 39 74 74 77)

10.00: Vier sind hier (ab 2J.)

LiteraturhausBerlin (✆ 88 72 86 -0)

10.00: Junges Literaturhaus: Das Mauerschweinchen,

Katja Ludwig,Reihe: Geteilte Geschichte(n)

Puppentheater Berlin (✆ 342 19 50)

10.00: Hänschen klein...(ab 3J.)

Schaubude Puppentheater (✆ 423 43 14)

10.00: SSST!, florschütz &döhnert, Theater mit

Puppen, Objektenund Live-Musik (ab2bis 5J.)

Zeiss-Großplanetarium (✆ /42 18 45 10)

11.00: Mit Raketen zu Planeten

14.00: Raumschiff Erde

LITERATUR/VORTRAG

Buchhandlung Braun &Hassenpflug

(✆ 802 93 04) 20.00: Ich binÖzlem, Dilek Güngör,

Lesung und Gespräch

exploratorium berlin (✆ 84 72 10 52)

18.00: Lesezirkel Improvisationsliteratur,mit Reinhard

Gagel. Anm. erf.

Haus für Poesie (✆ 48 52 45 -0)

19.30: OstseedialogeIV, Dimitri Dragilew, Galina

Rymbu, Moderation: Hendrik Jackson

Lido (✆ 69 56 68 40)

20.00: Kreuzberg Slam,Noah Klaus, Maik Martschinkowski,

Christian Ritter,Eva Mirasol

Literarisches Colloquium Berlin (✆ 816 99 60)

19.30: Kafkas letzter Prozess, Lesung und Gespräch

mit Benjamin Balintund ReinerStach

Literaturforum im Brecht-Haus (✆ 2822003)

20.00: Erzählte Zeit: Erinnerteuch an mich. Über

Nestor Machno, Mark Zak, Buchvorstellung und

Gespräch mit Annett Gröschner und dem Autor

Literaturhaus Berlin (✆ 88 72 86 -0)

19.30: Tschechien für Fortgeschrittene, mit Sylva

Fischerová, Zuzana Lazarová und Natálie Paterová,

Lesungen und Musik, Mod.: UlrikeAlmut Sandig

Pfefferberg Theater (✆ 939 35 85 55)

20.00: Literatur Live: Ost-Berlin. 30 Erkundungen.,

Buchpremiere und Gespräch mit Jürgen Danyel,

Marion Brasch, Peter Pragal und Regine Sylvester

Schokoladen Mitte (✆ 282 65 27)

20.30: LSD–Liebe Statt Drogen

KONZERT

b-flat (✆ 283 31 23)

21.00: Luca Sisera Roofer,StarlexComplex

Berghain/Kantine (Rüdersdorfer Str.70)

20.30: Barrie, Children

DT-Kammerspiele (✆ 28 44 12 25)

21.00 Bar:Popsalon: Sascha Ring (Apparat)

Gretchen (✆ 25 92 27 02)

21.00: La Yegros

Heimathafen Neukölln (✆ 56 82 13 33)

21.00: Selig spielt „Selig“

Huxleys Neue Welt (✆ 301 06 80 88)

20.30: Christina Stürmer

Mercedes-Benz Arena (✆ 20 60 70 88 99)

20.00: David Garrett mit Bandund der Neuen

Philharmonie Frankfurt

Quasimodo (✆ 318 04 56 70)

22.30: Joao Bosco Quartet

VertiMusic Hall (✆ 20 60 70 88 11)

20.30: Capital Bra

Volksbühne Berlin (✆ 24 06 57 77)

21.00 Roter Salon: Lolina (IngaCopeland), Jako

Maron (NyegeNyege)

BALLROOM

Clärchens Ballhaus (✆ 282 92 95)

21.00 Spiegelsaal: Argentinischer Tango, Gaia, Leandro

KINO

CHARLOTTENBURG

Astor Film Lounge (✆ 883 8551) Der Fall Collini

15.00,17.45, 20.30

Cinema Paris (✆ 881 3119) Der Flohmarkt von

Madame Claire (OmU) 13.30; Van Gogh: An der

Schwelle zur Ewigkeit 15.45, 20.30; Der Flohmarkt

von Madame Claire 18.15

Delphi Filmpalast (✆ 312 10 26) Der Flohmarkt

vonMadameClaire 15.40,20.30; Monsieur Claude

II 18.00

Delphi LUX (✆ 322 93 10 40)Atlas 13.30,15.50,

18.10, 20.30; Avengers: Endgame (OF) 16.15,

20.00; Das schönste Paar 13.45, 16.00, 18.20,

20.40; Liebesfilm 15.00, 17.00, 19.00, 21.00; Tea

with the Dames: Ein unvergesslicher Nachmittag –

Nothing Like aDame (OmU) 14.15, 17.00; Border

14.30, 19.00, 21.30; Van Gogh: An der Schwelle

zur Ewigkeit 13.40, 18.30; Fighting with MyFamily

(OmU) 16.00, 21.00; Christo –Walking onWater

(OmU)15.30, 17.45; GreenBook –Einebesondere

Freundschaft (OmU) 20.00

Filmkunst 66 (✆ 882 17 53) Zujeder Zeit: Lernwege

in der Pflege – De chaque instant (OmU)

17.45; Ein letzter Job 20.00; Tea with the Dames:

Ein unvergesslicher Nachmittag 18.00; The Sisters

Brothers 20.15

Kant Kino (✆ 319 98 66) Monsieur Claude II

15.50, 18.10, 20.30; Royal Corgi: Der Liebling der

Queen 14.10, 16.10; Ein Gauner & Gentleman

18.15, 20.30; Tea with the Dames: Ein unvergesslicher

Nachmittag 14.50, 16.50, 18.50; The Favourite

–Intrigen und Irrsinn 20.50; Die Berufung: Ihr

Kampf für Gerechtigkeit 14.45, 20.00; Vice –Der

zweite Mann 17.15; Wie ich lernte, bei mir selbst

Kind zusein 14.20; Green Book –Eine besondere

Freundschaft 17.15

Zoo Palast (✆ 018 05/22 29 66) 3D: Avengers:

Endgame 13.00; 3D: Avengers: Endgame 12.00,

16.00,20.00; DerFall Collini 13.15;Avengers: Endgame

16.10;RosaLuxemburg 20.00; 3D: Avengers:

Endgame 22.45; 3D: Captain Marvel 14.10; Der

Fall Collini 17.00, 19.45; 3D: Avengers: Endgame

(OF) 22.35; Dumbo 14.00; 3D: Avengers: Endgame

(OF) 16.30, 20.30; Green Book –Eine besondere

Freundschaft 12.15; Willkommen im Wunder Park

15.00; After Passion 17.15, 19.45; Avengers: Endgame

22.15; Van Gogh: An der Schwelle zur Ewigkeit

12.30, 15.00, 20.15;Ein letzterJob 17.40; Der

Fall Collini 22.50

FRIEDRICHSHAIN

b-ware!Ladenkino (✆ 20 07 88 88) Das schönste

Paar 11.00; Birds Of Passage: Das grüne Gold der

Wayuu –Pajaros de verano (OmU) 13.00; Willkommen

im Wunder Park 15.00; Bohemian Rhapsody

(OmU) 16.30; Berlin Bouncer (OmenglU) 18.45;

Border –Gräns (OmU) 20.15; Der Goldene Handschuh

22.10; Gegen den Strom –Kona fer istrio

(OmU) 11.00; Another Day ofLife –Jeszcze dzien

zycia (OmU) 12.45; 25km/h 14.15; Royal Corgi:

Der Liebling der Queen 16.15; Ein letzter Job –

King ofThieves (OmU) 18.00; Das schönste Paar

19.50;One Cut of the Dead 21.40; RoyalCorgi: Der

Liebling der Queen 11.00; Vice –Der zweite Mann

(OmU) 12.30; Der Junge muss andie frische Luft

14.50; Green Book –Eine besondere Freundschaft

(OmU) 16.30; Free Solo 18.45; Van Gogh: An der

Schwellezur Ewigkeit20.30; TheHoleinthe Ground

(OmU) 22.30

Tilsiter-Lichtspiele (✆ 426 8129) Christo –Walking

on Water (OmU) 16.00; Free Solo (OmU)

18.00; Ein Gauner &Gentleman –The Old Man

&the Gun (OmU) 20.00; Wir –Us (OmU) 21.50;

Spreeland. Fontane 16.10; Der Funktionär 17.45;

Christo –Walking onWater (OmU) 19.15; Lacasa

lobo –DasWolfshaus (OmU) 21.15

UCI Luxe Kino Mercedes-Platz IMAX 3D: Wildes

Madagaskar: Die Insel der Lemuren 13.45; Dumbo

13.45, 16.30; Die Goldfische 13.45; Willkommen

im Wunder Park 14.00; 3D: Avengers: Endgame

14.00, 16.15, 18.30, 20.30; Royal Corgi: Der Liebling

der Queen 14.15; 3D: Avengers: Endgame (OF)

14.30, 18.45; Asterix und das Geheimnis des Zaubertranks

14.30; Monsieur Claude II14.45,17.15,

19.30; IMAX 3D: Avengers: Endgame 15.00; Avengers:

Endgame 15.15, 16.30, 19.30, 19.45; Der

Fall Collini 15.30, 18.40, 21.30; Shazam! 15.40;

Die sagenhaften Vier –Marnies Welt 15.45; After

Passion 15.50, 18.30, 21.15; Im Netz der Versuchung

16.45, 19.30; 3D: Royal Corgi: Der Liebling

der Queen 17.00; Wenn du König wärst 18.00; 3D:

Captain Marvel 18.20; IMAX 3D: Avengers: Endgame

(OF) 19.00; Friedhof der Kuscheltiere 20.00;

Ein letzter Job 20.30; Captain Marvel 20.50; The

Hole inthe Ground 21.10

Zukunft (✆ 01 76/57861079) #Female Pleasure

(OmU) 18.00; Berlin Bouncer (OmU) 20.00; Birds

Of Passage: Das grüne Gold der Wayuu –Pajaros de

verano (OmU) 21.45; Asche ist reines Weiß –Ash

Is Purest White (OmU) 18.00; Liebesfilm 20.30;

One Cut ofthe Dead –Kamera otomeru na! (OmU)

22.10

HELLERSDORF

CineStar (✆ 04 51/703 02 00) Avengers: Endgame

13.10, 16.30, 19.45; Dumbo 13.15; 3D:

Avengers: Endgame 13.45, 16.00, 20.15; Wenn

du König wärst 14.00; Royal Corgi 14.15, 17.40;

Alfons Zitterbacke –Das Chaos ist zurück 14.20;

Willkommen imWunder Park 14.45, 17.00; 3D:

Shazam! 16.50; Monsieur Claude II17.00, 20.15;

After Passion 17.20, 20.20; 3D: Captain Marvel

19.40; Friedhof der Kuscheltiere 19.50; Der Fall

Collini 20.00

Kino Kiste (✆ 998 74 81) Van Gogh: An der

Schwelle zur Ewigkeit 14.00; Rocca verändert die

Welt 16.00; Hi, AI –Liebesgeschichten aus der Zukunft

18.00; Monsieur Claude II 20.00

HOHENSCHÖNHAUSEN

CineMotion (✆ 038 71/211 41 09) 3D: Avengers:

Endgame 14.00, 16.20, 20.00; Unheimlich perfekte

Freunde 14.10; Wenn du König wärst 14.20;

Royal Corgi: Der Liebling der Queen 14.20, 17.15;

Dumbo 14.40, 17.00; Willkommen im Wunder Park

14.45, 17.40; Die sagenhaften Vier14.50; Avengers:

Endgame 15.00, 16.30, 19.45; Alfons Zitterbacke

15.10; After Passion 17.10; Fighting with My

Family 17.20, 19.50; Die Goldfische 17.30; Captain

Marvel 19.30; Der Fall Collini 19.40; Friedhof

der Kuscheltiere19.50;Lloronas Fluch 20.00; Monsieur

ClaudeII20.10;The Holeinthe Ground20.20

KREUZBERG

Babylon (✆ 61 60 96 93) A Van Gogh: An der

Schwelle zur Ewigkeit –AtEternity‘s Gate (OmU)

17.00, 19.30, 22.00; B Atlas 16.45, 19.00,21.15

fsk amOranienplatz (✆ 614 2464) Zu jeder Zeit:

Lernwege inder Pflege (OmU) 18.00; AMan of

Integrity (OmU) 19.15; Streik –Statschka (OmU)

20.15; First Reformed (OmU) 21.30

Moviemento (✆ 6924785) TheHoleinthe Ground

(OmU) 14.00, 18.15, 20.30, 22.45; Checker Tobi

und das Geheimnis unseres Planeten 16.15;Alfons

Zitterbacke –Das Chaos ist zurück 10.00, 16.45;

Die Winzlinge: Abenteuer in der Karibik 12.15; Die

sagenhaften Vier –Marnies Welt 14.30; Monsieur

Claude II –Qu‘est-ce qu‘on aencore fait au Bon

Dieu? (OmU) 19.00; Birds OfPassage: Das grüne

Gold der Wayuu –Pajaros de verano (OmU) 21.15;

Monsieur Claude II–Qu‘est-ce qu‘on aencore fait

au Bon Dieu? (OmU) 10.45; Border –Gräns (OmU)

13.00,20.00; Unheimlich perfekte Freunde 15.30;

Zu jeder Zeit: Lernwege inder Pflege –Dechaque

instant (OmU) 17.45; The Favourite (OmU) 22.30

Sputnik (✆ 694 11 47) Der illegale Film (OmU)

18.00; Ein Gauner &Gentleman 19.45; Birds Of

Passage: Das grüne Gold der Wayuu –Pajaros de

verano (OmU) 21.30; Free Solo (OmU) 18.00; Die

Berufung: IhrKampf fürGerechtigkeit –Onthe Basis

of Sex (OmU) 19.45; Vice –Der zweite Mann (OmU)

21.45; Kinobar im Sputnik Filmclub (OmU) 20.30

Yorck (✆ 78 91 32 40) Royal Corgi: Der Liebling

der Queen 15.30; Van Gogh: An der Schwelle zur

Ewigkeit 17.30, 20.00; New Der Flohmarkt von

Madame Claire 14.30, 18.50; Monsieur Claude II

16.40,21.00

KÖPENICK

Kino Spreehöfe (✆ 538 9590) Royal Corgi: Der

Liebling der Queen 14.00, 16.00; Avengers: Endgame

14.00, 19.45; Willkommen im Wunder Park

14.45; Alfons Zitterbacke –Das Chaos ist zurück

14.45; 3D: Avengers: Endgame 15.30, 16.45,

19.30; Der Fall Collini 17.00, 20.15; After Passion

17.45; Monsieur Claude II 18.00, 20.15; Die

Goldfische 20.30

Union Filmtheater (✆ 65 01 31 41) Der Flohmarkt

von Madame Claire 13.00;Van Gogh: An der

Schwelle zur Ewigkeit 13.30; Ein letzter Job 13.30,

20.00; Unheimlich perfekte Freunde 15.15; 3D:

Avengers: Endgame 16.00, 20.00; Asterix und das

Geheimnis des Zaubertranks 16.00; Niemandsland

–The Aftermath 17.30; Der illegale Film 18.00;Tea

with the Dames: Ein unvergesslicher Nachmittag

20.00

MARZAHN

UCI Kinowelt am Eastgate (✆ 93 03 02 60)

Wenn du König wärst 14.00; 3D: Avengers: Endgame

14.00, 16.15, 18.30, 20.30; Shazam! 14.10;

Dumbo 14.15, 17.00; Drachenzähmen leicht gemacht

3: Die geheime Welt 14.15; Royal Corgi:

Der Liebling der Queen 14.30; Avengers: Endgame

15.15, 19.30; Die Goldfische 16.45; The Hole in

the Ground 17.00; 3D: RoyalCorgi: Der Liebling der

Queen 17.00; Captain Marvel 17.10, 20.00; Der

Fall Collini 20.00; After Passion 20.00; Monsieur

Claude II 20.15; Sneak Preview 20.30

MITTE

Acud (✆ 44 35 94 98) DiesagenhaftenVier –Marnies

Welt 17.00; Another Day ofLife 19.00; Vom

Bauen der Zukunft –100 Jahre Bauhaus (OmU)

18.00; Yuli (OmU) 20.00; Of Fathers and Sons –

Die Kinder des Kalifats (OmU) 21.45

Babylon (✆ 242 5969) Spain in aWeek: El autor

(OmenglU) 17.30; Spain inaWeek: Spain in a

Day (OmenglU) 17.45; Spain inaWeek: Dreaming

of aPlace (OmenglU) 18.30; Spain inaWeek: Wir

sind Champions (OmU) 19.30; Spain inaWeek:

Diana (OmenglU) 19.45; Spain in aWeek: Carmen

&Lola (OmenglU) 20.00; Spain in aWeek: Lucias

Reise (OmenglU) 21.45; Spain in aWeek: Julia ist

(OmenglU) 22.00; Spain inaWeek: La propera pell

(OmenglU) 22.00

Central Hackescher Markt (✆ 28 59 99 73) The

Hole in the Ground (OmU) 14.00, 18.15; Alfons

Zitterbacke 16.00; Border (OmU) 20.30; Almanya

9.45; Checker Tobi 12.45; Monsieur Claude

II (OmU) 14.30, 19.00; Border (OmU) 16.30; The

Hole in the Ground (OmU) 21.15

CineStar CUBIX (✆ 04 51/703 02 00) Royal Corgi:

Der Liebling der Queen 11.00, 13.15, 15.00;

Maschaund der Bär 11.00;3D: Avengers: Endgame

11.00,12.00,14.30,16.00,19.00,20.00,22.20;

3D:Dumbo 11.10; 3D: Willkommen im Wunder Park

11.30; Alfons Zitterbacke 11.45; Asterix 12.20;

Avengers: Endgame 13.00, 17.00, 21.00; Fighting

with My Family 13.50, 16.30, 19.20; Wenn duKönig

wärst 14.00; After Passion14.10, 17.20, 20.00,

23.00; Willkommen im Wunder Park 14.40; Monsieur

Claude II 15.30, 18.00, 19.45; Der Fall Collini

16.50, 19.50; Captain Marvel 16.50; Shazam!

17.00; ImNetz der Versuchung 20.20, 23.15; The

Hole in the Ground 20.30,23.00; Wir 22.30; Friedhof

der Kuscheltiere 22.40; Lloronas Fluch 23.15

Hackesche Höfe (✆ 283 4603) Niemandsland

(OmU) 14.45; Das schönste Paar 17.00, 19.00;

Atlas 21.00; Berlin Babylon (Omdt+englU) 14.30;

VanGogh (OmU)16.30,19.00;Ayka(OmU) 21.15;

Der Funktionär 14.30; Wie ich lernte, bei mir selbst

Kind zu sein 16.15, 19.15; Green Book (OmU)

22.15; Christo (OmU) 15.15; Der Flohmarkt von

Madame Claire (OmU) 17.30, 19.30; Free Solo

(OmU)21.30; Berlin Bouncer (OmU)15.00,21.30;

Auch Leben ist eine Kunst 17.00; Streik (OmU)

19.00

International (✆ 24 75 60 11) Van Gogh: An der

Schwelle zur Ewigkeit 14.45, 19.30; Der Flohmarkt

von Madame Claire 17.15; Siegessäule und Teddy

präs.MonGay: Ein Weg 22.00

Z-inema (✆ 28 38 91 21) Desierto entumente –

Desert inYour Mind (OmenglU) 20.00

Zeughauskino (✆ 20 30 47 70) Wilhelm Dieterle:

Die Weber 20.00

NEUKÖLLN

Cineplex NeuköllnArcaden (✆ 01 80/505 0644)

Wenn du König wärst 14.10; Misfit 14.10; Willkommen

imWunder Park 14.15, 16.50; Rafadan Tayfa:

Dehliz Macerasi (OmU) 14.15; Dumbo 14.15,

16.50; Royal Corgi: Der Liebling der Queen 14.30;

Avengers: Endgame 14.30, 15.00, 18.30, 19.00,

19.45; 3D: Avengers: Endgame 16.00, 20.00;

Shazam! 16.25; Monsieur Claude II16.30; Der Fall

Collini 16.40, 19.30; After Passion 17.00; Hababam

sinifi yeniden (OmU) 19.15; The Hole in the

Ground 19.30; Lloronas Fluch 19.30; Avengers:

Endgame (OF) 19.45

IL KINO (✆ 91 70 29 19)Van Gogh (OmU) 10.00;

Streik(OmenglU)12.15, 18.15; DerFunktionär (DFmenglU)

14.30; Birds OfPassage: Das grüne Gold

der Wayuu –Pajaros de verano (OmU) 16.00; AMan

of Integrity (OmU) 20.20; Border (OmU) 22.30

Neues Off (✆ 62 70 95 50) Fighting with My Family

(OmU) 16.30,19.00, 21.30

Passage (✆ 68 23 70 18) Das schönste Paar

16.00,18.15,20.30,22.20;Sneak Preview 22.30;

Wie ich lernte, bei mir selbst Kind zu sein 17.10;

Border 20.30; Atlas 17.40, 20.00; Liebesfilm

16.00,18.00,20.00

Rollberg (✆ 62 70 46 45) Avengers: Endgame

(OF) 16.00, 19.45; Avengers: Endgame (OF) 17.30,

21.15; Tea with the Dames: Ein unvergesslicher

Nachmittag –Nothing Like aDame (OmU) 16.00;

TheHole in the Ground (OF) 18.00,22.20; TheHole

in the Ground (OmU) 20.10; Im Netz der Versuchung

–Serenity (OmU) 17.00, 19.20, 21.40; Free

Solo (OF) 17.15; Border –Gräns (OmU) 20.10; Wir

–Us(OF) 22.30

UCI Luxe Gropius Passagen (✆ 66 68 12 34) 3D:

Avengers: Endgame 14.15, 16.15, 18.30, 20.30;

Dumbo 14.30; Royal Corgi: Der Liebling der Queen

14.40; Willkommen im Wunder Park 14.50; Avengers:

Endgame15.15, 19.30; DerFall Collini 17.00,

20.00; Shazam! 17.10; 3D: Royal Corgi: Der Liebling

der Queen 17.30; Monsieur Claude II19.45;

After Passion 20.15

Wolf (✆ 921 03 93 33) Baby Wolfgang präsentiert:

Liebesfilm (OmenglU) 11.00; Birds Of Passage: Das

grüne Gold der Wayuu –Pajaros de verano (OmU)

12.10;AMan of Integrity: Einintegerer Mann(OmU)

13.40, 21.00; Bildbuch 14.30; Kommissar Gordon

&Buffy 16.00; Tito, der Professor und die Aliens

16.20;Mid90s(OmU)17.20; Border(OmU) 18.50;

Zu jeder Zeit: Lernwege inder Pflege (OmU) 19.00;

Liebesfilm (OF) 21.10

PANKOW

Blauer Stern Pankow (✆ 47 61 18 98) Royal

Corgi: Der Liebling der Queen 13.45, 15.45; Der

Flohmarkt von Madame Claire 16.00, 17.45; Van

Gogh: An der Schwelle zur Ewigkeit 20.00; Alfons

Zitterbacke –Das Chaos ist zurück 14.00; Monsieur

Claude II 18.15, 20.30

PRENZLAUER BERG

FT am Friedrichshain (✆ 42 84 51 88) Avengers:

Endgame(OmU) 16.15, 20.00; Atlas 15.30,17.40,

20.30; Royal Corgi: Der Liebling der Queen 14.15,

16.15; Liebesfilm 19.00; Fighting with My Family

(OmU) 21.15; Das schönste Paar 14.00, 16.45,

21.00; Der Flohmarkt von Madame Claire 14.30,

19.00; Alfons Zitterbacke 14.30; Van Gogh 16.30;

Monsieur Claude II 18.15

Kino in der Kulturbrauerei (✆ 04 51/703 02 00)

Royal Corgi: Der Liebling der Queen 13.45, 15.50;

Dumbo 13.45; Wenn du König wärst 14.00; Die

Goldfische14.00;Das schönste Paar 14.20,19.00;

Alfons Zitterbacke –Das Chaos ist zurück 14.30;

Monsieur Claude II 14.50; Avengers: Endgame

(OmU) 15.30,17.00, 19.45, 21.15; Der Fall Collini

16.30, 20.00; Shazam! (OmU) 16.40, 22.40; Der

Flohmarkt von Madame Claire 16.40, 20.15; Green

Book –Eine besondere Freundschaft 16.50; Van

Gogh: An der Schwelle zur Ewigkeit 17.20, 19.45;

Tea with the Dames: Ein unvergesslicher Nachmittag

–Nothing Like aDame (OmU) 18.00; Sneak

Preview (OmU) 20.00; Once Again –Eine Liebe in

Mumbai 20.00; Im Netz der Versuchung 21.20;

Captain Marvel (OmU) 22.20; Ein letzter Job –King

of Thieves (OmU) 22.40; Der Goldene Handschuh

22.40; Im Netz der Versuchung –Serenity (OmU)

23.00

Krokodil (✆ 44 04 92 98) Der Funktionär 18.45;

Nachspiel goEast Filmfestival: Howbig is the Galaxy

(OmenglU; m.Vorfilm) 20.00; Ayka (OmU) 21.30

Lichtblick-Kino (✆ 44 05 81 79) Luft zum Atmen

–40Jahre Opposition bei Opel inBochum 17.15;

kurz gesehen: Dokumentarfilmprogramm (Togo–Ein

bisschen Geschichte und viel Gegenwart) 18.30;

Mietrebellen –Widerstand gegen den Ausverkauf

der Stadt (OmU) 20.00; Streik –Statschka (OmU)

22.15

UCI Kinowelt Colosseum (✆ 44 01 92 00)

Shazam! 14.15; Asterix und das Geheimnis des

Zaubertranks 14.15; Monsieur Claude II 14.20,

19.35; Alfons Zitterbacke –Das Chaos ist zurück

14.20; After Passion 14.20, 16.55, 19.55; Royal

Corgi: Der Liebling der Queen 14.25; Willkommen

im Wunder Park 14.30; Dumbo 14.35; 3D: Avengers:Endgame

14.45,16.15, 18.45, 20.15,22.30;

Avengers: Endgame 15.30, 19.45; Der Fall Collini

16.35, 19.30; Wenn duKönig wärst 16.40; 3D:

Royal Corgi 16.45; Im Netz der Versuchung 16.55,

19.40, 22.35; Captain Marvel 17.10; Fighting with

My Family 17.15, 19.55; Die Goldfische 19.40; 25

km/h 19.50; Hellboy 22.35; Friedhof der Kuscheltiere

22.35; 3D: Captain Marvel 22.35; The Hole in

the Ground 22.40; Lloronas Fluch 22.45

REINICKENDORF

CineStar Tegel (✆ 04 51/703 0200) Shazam!

13.30; Avengers: Endgame 13.30, 16.45, 20.15;

AfterPassion 13.40, 16.30, 19.20; RoyalCorgi: Der

Liebling der Queen 13.45, 17.30; Wenn du König

wärst 14.00; Die Goldfische 14.00;Willkommen im

Wunder Park 14.50;3D: Avengers:Endgame15.15,

16.00, 18.30, 19.30; Dumbo 15.40; Fighting with

My Family 16.50, 19.50; Der Fall Collini 17.00,

19.40; Monsieur Claude II 17.15, 19.45; Captain

Marvel 20.00; The Hole inthe Ground 20.45

SCHÖNEBERG

Cinema amWalther-Schreiber-Platz (✆ 852 30 04)

Die Goldfische 15.30; Ein letzter Job 18.00; Green

Book –Eine besondere Freundschaft 20.30

Cosima (✆ 85 07 58 02) Die Goldfische 18.00;

Monsieur Claude II 20.15

Odeon (✆ 78 70 40 19)Van Gogh: An derSchwelle

zur Ewigkeit (OmU) 15.45, 20.30; Der Flohmarkt

von Madame Claire (OmU) 18.15

Urania-Filmbühne (✆ 218 9091) Exhibition on

Screen: Der junge Picasso –Young Picasso (OmU)

16.30; This Mountain Life –Die Magie der Berge

(OmU) 19.00

Xenon (✆ 78 00 15 30)Spatzenkino: Aufder Wiese

10.00; RBG –Ein Lebenfür dieGerechtigkeit (OmU)

18.00; Free Solo (OmU) 20.15

SPANDAU

Cineplex Spandau (✆ 01 80/505 02 11)Willkommen

imWunder Park 10.00, 12.00, 14.00; Royal

Corgi: Der Liebling der Queen10.00, 12.30, 14.40;

Avengers: Endgame 10.00, 14.15, 15.00, 16.50,

18.30,19.00;Asterix und das Geheimnis des Zaubertranks

12.15;Drachenzähmenleicht gemacht 3:

Die geheime Welt 12.20; 3D: Avengers: Endgame

16.10, 20.15; After Passion 17.15, 19.50; Monsieur

Claude II20.45

Kino im KulturhausSpandau (✆ 333 60 81)Monsieur

Claude II 14.15, 18.15; Ein Gauner &Gentleman

16.15; Vice –Der zweite Mann 20.15

STEGLITZ

Adria (✆ 01 80/505 07 11) Monsieur Claude II

15.00, 17.40, 20.15

Cineplex Titania Palast (✆ 01 80/505 0520)

Willkommen im Wunder Park 10.00, 12.00; Royal

Corgi: Der Liebling der Queen 10.00, 12.30,

14.25; Rocca verändert die Welt 10.00, 12.20;

Drachenzähmen leicht gemacht 310.00, 12.00;

Checker Tobi 10.00; Avengers: Endgame 10.00,

14.00, 15.00, 16.30, 18.00,19.00, 22.00; Asterix

12.15; After Passion 14.00, 17.25, 20.00, 23.00;

Wenn du König wärst 14.30; Dumbo 14.40; 3D:

Avengers: Endgame 16.15, 20.15, 23.00; Der Fall

Collini 16.50, 19.45,22.40; Captain Marvel 17.15;

Friedhof der Kuscheltiere 20.15; Avengers: Endgame

(OF) 20.30; Lloronas Fluch 22.40

Thalia Movie Magic (✆ 774 34 40) 3D: Avengers:

Endgame 14.30, 20.30; Avengers:Endgame 15.15,

19.00; Willkommen im Wunder Park 15.45; Royal

Corgi: Der Liebling der Queen 15.45, 18.00; Alita:

Battle Angel 18.00,20.30; Der Fall Collini 20.30

TIERGARTEN

Arsenal (✆ 26 95 51 00) Commedia all‘italiana:

Mafioso (OmenglU) 20.00; Filmausschnitte (aus

dem Archiv der Cimatheque in Kairo; m. Einführung

u. Diskussion) 19.30

CinemaxX Potsdamer Platz (✆ 040/80 80 69 69)

Royal Corgi: Der Liebling der Queen 12.30, 15.00,

17.30; Avengers: Endgame 12.30, 14.00, 14.30,

16.30, 19.30, 21.15, 22.15; Captain Marvel

12.50, 16.20, 20.40; Van Gogh 13.20, 16.20;

Monsieur Claude II 13.20, 17.35, 19.30; Willkommen

imWunder Park 13.25, 14.10; Drachenzähmen

leicht gemacht 313.30; Der Junge muss

an die frische Luft 13.30; 3D: Avengers: Endgame

13.30,15.00, 16.15,17.00, 18.00,19.00, 20.30,

21.00, 22.00; Die sagenhaften Vier 13.35; Wenn

du Königwärst13.40; AlfonsZitterbacke –Das Chaos

ist zurück 13.40; Dumbo 14.00, 16.40, 19.00;

After Passion 14.20, 17.20, 19.40; Der Fall Collini

14.30, 16.50, 22.50; Vice –Der zweite Mann

16.10; Der Flohmarkt von Madame Claire 16.15,

19.50; Shazam! 16.20, 19.40; Fighting with My

Family 16.40,19.45, 22.50; Die Goldfische 16.40;

The Hole in the Ground 19.30, 22.20; Green Book

19.30; ImNetz der Versuchung 19.40, 22.40; Wir

20.00; Friedhof der Kuscheltiere 20.00, 22.45;

Glass 22.00; Bohemian Rhapsody 22.30; Hellboy

22.50; Lloronas Fluch 23.00; Escape Room 23.00

CineStar imSony Center (✆ 04 51/703 0200)

Willkommen im Wunder Park –Wonder Park (OF)

13.15; 3D: Avengers: Endgame (OF) 13.30, 15.40,

16.45, 19.50, 21.00, 23.00; Green Book –Eine

besondere Freundschaft (OF) 13.45; 3D: Captain

Marvel (OF) 13.45; Shazam! (OF) 14.00; After Passion

(OF) 14.00, 19.50; Avengers: Endgame (OF)

15.00, 19.20, 22.40; 3D: Shazam! (OF) 16.50,

20.00; 3D: Dumbo (OF) 17.00; Van Gogh: Ander

Schwelle zur Ewigkeit – At Eternity‘s Gate (OF)

17.10; Ein letzter Job –King of Thieves (OF) 17.20;

Teawiththe Dames:Ein unvergesslicher Nachmittag

–Nothing Like aDame (OF) 17.30; Sneak Preview

(OF) 20.00; Captain Marvel (OF) 20.10, 23.15;

Wir –Us(OF) 20.15; Lloronas Fluch –The Curse of

La Llorona (OF) 23.15; Hellboy –Call Of Darkness

(OF) 23.15

CineStar IMAX (✆ 04 51/703 0200) 3D: Avengers:

Endgame 10.00; 3D:Avengers: Endgame (OF)

14.10, 18.30,22.45

Filmrauschpalast (✆ 394 4344) Berlin Bouncer

(OmU) 18.00; One Cut of the Dead –Kamera o

tomeru na! (OmU) 20.00; Wir –Us (OmU) 22.00

TREPTOW

Astra (✆ 636 1650) Willkommen im Wunder Park

14.00, 16.00; Royal Corgi: Der Liebling der Queen

14.00; Avengers: Endgame 14.00, 16.00, 19.00;

Alfons Zitterbacke –Das Chaos ist zurück 14.00;

Dumbo 15.45; Monsieur Claude II 18.00, 20.15;

Der Fall Collini 18.00,20.30, 22.45; 3D:Avengers:

Endgame 18.00, 20.15, 22.00; Hellboy –Call Of

Darkness 22.30; Friedhof der Kuscheltiere 23.00

Casablanca (✆ 677 57 52) Spatzenkino: Auf

der Wiese 10.00; Alfons Zitterbacke –Das Chaos

ist zurück 16.15; Die Goldfische 18.15; Bohemia

Rhapsody 20.30

CineStar –Treptower Park (✆ 04 51/703 02 00)

Willkommen im Wunder Park 13.45; 3D: Avengers:

Endgame 14.00, 15.30, 18.00, 19.30; Alfons Zitterbacke

–Das Chaos ist zurück 14.15; Captain

Marvel 14.20; After Passion 14.25, 17.15, 19.20;

Dumbo 14.30; Royal Corgi: Der Liebling der Queen

14.40, 16.50; Fighting with My Family 14.40,

17.15, 19.55; Avengers: Endgame 16.00, 20.00;

Wenn du König wärst 16.40; Der Fall Collini 16.55,

19.45; Monsieur Claude II17.10, 19.30; 3D: Captain

Marvel 19.45; Friedhof der Kuscheltiere 20.10

WEDDING

Cineplex Alhambra (✆ 01 80/5050311) Rafadan

Tayfa: Dehliz Macerasi (OmU) 14.00, 16.10; Willkommen

im Wunder Park 14.10,17.15; RoyalCorgi:

Der Liebling der Queen 14.15; Avengers: Endgame

14.15,15.00,18.20, 19.00, 19.45; Dumbo 14.20,

16.30; 3D: Avengers: Endgame 16.00, 20.15;

Shazam! 16.30; After Passion 18.15; Avengers:

Endgame (OF) 19.20; Monsieur Claude II19.40;

The Hole in the Ground 20.45

City Kino Wedding (✆ 01 77/270 19 76) Ein

Gauner &Gentleman 19.00; Sneak Preview (OmU)

21.00

WEISSENSEE

BrotfabrikKino (✆ 471 40 01)Auch Leben ist eine

Kunst –Der Fall Max Emden (OmU) 18.00; Streik –

En guerre (OmU) 19.45; Border (OmU) 21.45

Toni &Tonino (✆ 92 79 12 00) Der Fall Collini

13.30; Der Flohmarkt von Madame Claire 16.00,

18.15, 20.30; Der Flohmarkt von Madame Claire

11.00; Asterix 13.15; Alfons Zitterbacke 15.15;

Monsieur Claude II 17.30; Der Fall Collini 19.45

WILMERSDORF

Bundesplatz-Kino (✆ 85 40 60 85) Christo (OmU)

15.30; Monsieur Claude II18.00;Van Gogh 20.30

Eva-Lichtspiele (✆ 92 25 53 05) Royal Corgi:

Der Liebling der Queen 13.15, 15.30; Tea with the

Dames: Ein unvergesslicher Nachmittag 17.45; Der

Fall Collini 20.15

ZEHLENDORF

Bali (✆ 811 46 78) Can You Ever Forgive Me?

18.00;Asche ist reines Weiß 20.30

Capitol (✆ 831 64 17)Van Gogh: An der Schwelle

zur Ewigkeit 15.45, 20.30; Der Flohmarkt von Madame

Claire 18.15

FREILUFTKINOS

Freiluftkino Kreuzberg Capernaum (OmU) 21.15

Pompeji –FLK am Ostkreuz (✆ 01 76/56709298)

Mandy (OmU) 21.00

POTSDAM

Filmmuseum Potsdam (✆ 03 31/271 81 12)

Hans Blumenberg –Der unsichtbare Philosoph (m.

Gespräch) 18.00

Thalia Potsdam (✆ 03 31/743 7020) KinderwagenKino:

Der Flohmarkt von Madame Claire 10.30;

Der Fall Collini 13.00, 15.30, 20.30; Tea with the

Dames: Ein unvergesslicher Nachmittag 14.15; Asterix

und das Geheimnis des Zaubertranks 14.30;

Alfons Zitterbacke 14.45; Das schönste Paar

16.15, 20.45; Monsieur Claude II16.30, 18.45;

Atlas 17.00; Van Gogh: An der Schwelle zur Ewigkeit

18.00, 20.45; AMan of Integrity: Ein integerer

Mann –Lerd (OmU) 18.20; Der Flohmarkt von Madame

Claire 19.00; Border 21.00

UCI Luxe Potsdam Center (✆ 03 31/233 72 33)

After Passion 13.45, 16.45,19.45; Willkommen im

Wunder Park 13.50; 3D: Avengers: Endgame14.00,

16.00, 18.30, 20.00, 20.30; Dumbo 14.15; Royal

Corgi: Der Liebling der Queen 14.30; Avengers:

Endgame 14.30, 15.15, 16.10, 19.30, 20.15; 3D:

Royal Corgi: Der Liebling der Queen 16.50; Monsieur

Claude II17.15; DerFall Collini 20.00; Friedhof

der Kuscheltiere 20.15

UMLAND

ALA Falkensee (✆ 033 22/279 8877) Dumbo

15.00; Willkommen im Wunder Park 17.40; Der

Flohmarkt von Madame Claire 20.00

CineStar Wildau (✆ 04 51/703 02 00) Royal Corgi:

Der Liebling der Queen 13.50, 16.45; Avengers:

Endgame 14.00, 17.00, 20.00; Ostwind 4–Aris

Ankunft 14.10; Dumbo 14.10; Asterix und das Geheimnis

des Zaubertranks 14.15; Wenn du König

wärst 14.30; Fighting with MyFamily 14.50, 17.30,

20.20; Drachenzähmen leicht gemacht 3: Die geheime

Welt 15.00; 3D: Avengers: Endgame 15.00,

16.00, 19.30; Willkommen imWunder Park 15.20;

3D: Shazam! 16.45; Monsieur Claude II 17.20,

20.00; Der Fall Collini 17.30, 19.50; After Passion

17.40, 20.30; 3D: Dumbo 17.50; Die Goldfische

19.50; ImNetz der Versuchung 20.15; 3D: Captain

Marvel 20.20;The Hole inthe Ground 20.50

Filmpalast Bernau (✆ 033 38/70 54 54) Alfons

Zitterbacke –Das Chaos istzurück 14.30; Avengers:

Endgame 15.00, 19.00; Royal Corgi: Der Liebling

der Queen 15.30; 3D: Avengers: Endgame 16.30,

20.30; Alita: Battle Angel 17.45; Beale Street

20.30

Filmpalast Oranienburg (✆ 033 01/70 48 28)

3D:Avengers: Endgame 14.00, 16.15, 20.00;Willkommen

im Wunder Park 14.15; Dumbo 14.30;

Royal Corgi: Der Liebling der Queen 15.30, 17.30;

Avengers: Endgame17.00,19.30; Monsieur Claude

II 17.45;AfterPassion19.45;Lloronas Fluch 20.30

Movieland Erkner (✆ 033 62/36 68) Dumbo

15.45; 3D: Avengers: Endgame 16.15, 20.00;

MonsieurClaude II 18.30; Friedhof derKuscheltiere

20.45


Berliner Zeitung · N ummer 104 · D ienstag, 7. Mai 2019 27

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TV-Programm

ARD

5.30 (für HG) ZDF-Morgenmagazin 9.00 (für

HG) Tagesschau 9.05 (für HG) Live nach Neun

9.55 (für HG) Sturm der Liebe 10.45 (für HG)

Meister des Alltags 11.15 (für HG) Wer weiß

denn sowas? 12.00 (für HG) Tagesschau

12.15 (für HG) ARD-Buffet 13.00 (für HG)

ARD-Mittagsmagazin 14.00 (für HG) Tagesschau

14.10 (für HG) Rote Rosen 15.00 (für

HG) Tagesschau 15.10 (für HG) Sturm der Liebe

16.00 (für HG) Tagesschau 16.10 (für HG)

Verrückt nach Meer 17.00 (für HG) Tagesschau

17.15 (für HG) Brisant 18.00 (für HG) Quizduell

18.50 (für HG) WaPo Bodensee 19.45 (für

HG) Quizzen vor acht 19.55 (für HG) Börse vor

acht 20.00 (für HG) Tagesschau

20.15 (für HG) Wahlarena zur Europawahl

Moderation: Moderation: Ellen Ehni,

Andreas Cichowicz

Gäste: Frans Timmermans (SPE),

Manfred Weber (EVP)

21.45 (für HG) Report Mainz

22.15 (für HG) Tagesthemen

22.45 (für HG) Mord mit Aussicht

Der Carport /Gulasch für den

Geiselnehmer.Krimiserie

0.20 (für HG) Nachtmagazin

0.40 (für HG) Befrei uns von dem Bösen

Thriller,DK/S/N 2009

RTL

6.00 Guten Morgen Deutschland. Moderation:

Wolfram Kons, Jennifer Knäble 8.30 (für HG)

Gute Zeiten,schlechte Zeiten. Daily Soap 9.00

Unter uns. Daily Soap 9.30 (für HG) Alles was

zählt. Soap 10.00 Der Blaulicht-Report 11.00

Der Blaulicht-Report 12.00 Punkt 12. Moderation:

Katja Burkard 14.00 Die Superhändler –

4Räume, 1Deal 15.00 Die Superhändler –4

Räume, 1Deal 16.00 Vorher Nachher –Dein

großer Moment 17.00 Freundinnen –Jetzt erst

recht 17.30 Unter uns. Daily Soap 18.00 Explosiv

–Das Magazin 18.30 Exclusiv –Das

Star-Magazin 18.45 aktuell 19.05 (für HG)

Alles was zählt. Soap 19.40 (für HG) Gute Zeiten,

schlechte Zeiten. Daily Soap

20.15 (für HG) Nachtschwestern

Vorurteile. Arztserie

Mit Ines Quermann, Mimi Fiedler, Oliver

Franck, Nassim Avat u.a.

21.15 (für HG) Sankt Maik

Schluckauf im Hirn.Dramaserie

22.15 Doc meets Dorf

23.10 Schmidt –Chaos auf Rezept

0.00 Nachtjournal

0.27 RTL Nachtjournal –Das Wetter

0.35 (für HG) Bones –Die Knochenjägerin

Ungeklärtes aus dem Klärtank

Krimiserie

ZDF

Sat.1

TV-Tipps RBB

Tagesschau 24

LesersHOP

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Der Trickbetrüger Maik (DanielDonskoy)

fällt insKoma, nachdemereineKugel

Hauptstadtschmuckmit abgefangenHerz

hat, die für diePolizistinEva bestimmt

des„Hoheliedder war.Als er wieder Liebe“findet erwacht, ihre leidetder

Diestilvolle Verbildlichung

schönste Form in dieser hochwertigen Edelstahlkette mit

Gauner unterAmnesie:Ihm fehlen jegliche

verstellbarer Bio-Ziegenlederkordelinschwarz.

DerBerlinerBär verleihtdem Erinnerungen Schmuckstück ausseiner Zeit in derGemeinde

Läuterburg, in dererunter falscher eineeinzigartigeVerbindung

Iden-

MDR WDR zur Hauptstadt. titätals Pfarrerlebte.Und so entdeckt er auf Arte

14.00 (für HG) MDR um zwei 15.15 (für HG)

Wer weiß denn sowas? 16.00 (für HG) MDR

um vier 17.45 (für HG) Aktuell 18.10 (für HG)

Brisant 18.54 (für HG) Sandmann 19.00 (für

HG) MDR Regional 19.30 (für HG) Aktuell

19.50 (für HG) Einfach genial 20.15 (für HG)

Umschau 21.00 (für HG) Der Osten –Entdecke

wodulebst 21.45 (für HG) Aktuell 22.05

(für HG) Orte der Arbeit (3/3) 22.50 (für HG)

Polizeiruf 110. Auftrag per Post. TV-Kriminalfilm,

DDR 1981 0.10 (für HG) Morden im Norden

1.00 (für HG) Umschau

Bayern

16.15 (für HG) Wir inBayern 17.30 Regional

18.00 (für HG) Abendschau 18.30 (für HG)

Rundschau 19.00 (für HG) Gesundheit! 19.30

(für HG) Dahoam isDahoam 20.00 (für HG)

Tagesschau 20.15 (für HG) Tatort. Das Haus

am Ende der Straße. TV-Kriminalfilm, D2015

21.45 (für HG) Rundschau Magazin 22.00 (für

HG) Capriccio 22.30 Neue AlpineArchitektur

in Südtirol 23.15 (für HG) Puzzle 23.45

KlickKlack 0.15 Jansons in Tokio. Der Beethoven-Zyklus

1.05 (für HG) Dahoam is Dahoam

1.35 (für HG) Wir inBayern

Vox

12.00 Shopping Queen 13.00 ZwischenTüll

und Tränen 14.00 Mein Kind, dein Kind –Wie

erziehst du denn? 15.00 Shopping Queen

16.00 4Hochzeiten und eineTraumreise

17.00 Zwischen Tüll und Tränen 18.00 First

Dates –Ein Tisch für zwei 19.00 Das perfekte

Dinner 20.00 Prominent! 20.15 Sing meinen

Song –Das Tauschkonzert 22.20 Die Wincent-

Weiss-Story 23.15 100 Songs, die die Welt

bewegten 0.10 nachrichten 0.30 (für HG) Medical

Detectives –Geheimnisse der Gerichtsmedizin.

Maskierte Verbrechen

Super RTL

14.05 Coop gegen Kat 14.35 Bugs Bunny und

LooneyTunes 15.00 Dragons –Auf zu neuen

Ufern 15.25 Tomund Jerry 15.50 Der gestiefelte

Kater –Abenteuer in San Lorenzo 16.20

Ritter hoch 3 16.45 Die Nektons –Abenteurer

der Tiefe 17.10 Barbie –Traumvilla-Abenteuer

17.40 Spirit: wild und frei 18.05 Bugs Bunny

und LooneyTunes 18.40 Woozle Goozle 19.10

Tomund Jerry 19.45 Angelo! 20.15 (für HG)

Sechs Tage,sieben Nächte. Abenteuerfilm,

USA 1998 22.20 Cold Justice –Verdeckte

Spuren 23.15 Cold Justice –Verdeckte Spuren

Sport1

15.00 StorageWars –Die Geschäftemacher.

Daves Gang 15.30 StorageWars –Geschäfte in

Texas. An der Grenze 16.30 Lost &Sold. Pokerface

17.00 Lost &Sold. Schweres Gepäck

17.30 StorageWars –Die Geschäftemacher.

Topform 18.30 Bundesliga aktuell. Die tägliche

News-Sendung für Fußballfans 18.45 Eishockey:Testspiel.

Deutschland –USA 21.15 Fußball:

U17-Europameisterschaft. Vorrunde: Spanien

–Deutschland (Live-Einstieg) 21.45 Fantalk

23.15 Bundesliga aktuell 0.00 Sport-Clips

5.30 (für HG) ZDF-Morgenmagazin 9.00 heute

Xpress 9.05 Volle Kanne –Service täglich 10.30

(für HG) Notruf Hafenkante. Ein neues Leben

11.15 (für HG) SOKO Stuttgart. Falsche Zeit, falscher

Ort 12.00 heute 12.10 drehscheibe 13.00

(für HG) ARD-Mittagsmagazin 14.00 heute –in

Deutschland 14.15 (für HG) Stadt, Land, Lecker

15.00 (für HG) heute Xpress 15.05 (für HG)Bares

für Rares 16.00 (für HG) heute –inEuropa 16.10

(für HG)Die Rosenheim-Cops 17.00 (für HG)heute

17.10 (für HG) hallo deutschland 17.45 (für

HG) Leute heute 18.00 (für HG) SOKO Köln. Alte

Meister 19.00 (für HG) heute 19.21 Parteien zur

Europawahl 19.25 (für HG) Die Rosenheim-Cops.

Mord im Kletterpark. Krimiserie

20.15 (für HG) Wir Deutschen und Europa

Dokumentation

21.00 (für HG) Der große Betrug –Wie

Kriminelle und Terroristen Europa

plündern

21.45 (für HG) heute-journal

22.15 (für HG) Glücklich erst als Junge –

Wenn aus derTochter ein Sohn wird

22.45 (für HG) Leschs Kosmos

Ernährungstrends: Wie gesund sind

Low, Slow &No

Mit Harald Lesch

23.15 (für HG) Markus Lanz

5.30 Frühstücksfernsehen. Moderation: Alina

Merkau, Matthias Killing 10.00 Im Namen der

Gerechtigkeit –Wir kämpfen für Sie! Mit Alexander

Hold, Stephan Lucas, Alexander Stephens,

Isabella Schulien 11.00 Im Namen der

Gerechtigkeit –Wir kämpfen für Sie! Mit Alexander

Hold, Stephan Lucas, Alexander Stephens,

Isabella Schulien 12.00 Anwälte im

Einsatz 13.00 Anwälte im Einsatz 14.00 Auf

Streife. Reportagereihe 15.00 Auf Streife –Die

Spezialisten. Reportagereihe 16.00 Klinik am

Südring 17.00 Klinik am Südring –Die Familienhelfer

17.30 Klinik am Südring –Die Familienhelfer

18.00 Endlich Feierabend! 19.00

Genial daneben –Das Quiz 19.55 Nachrichten

20.15 Navy CIS

Geduld und Beharrlichkeit. Krimiserie.

Mit Mark Harmon,Michael Weatherly,

David McCallum u.a.

21.15 Navy CIS

Begründete Zweifel. Krimiserie

22.15 Hawaii Five-0

Unter Wasser.Krimiserie

23.10 SpiegelTV–Reportage

Notruf Frankfurt –Rettungssanitäter im

Straßenkampf. Reportagereihe

0.15 Dinner Party –Der Late-Night-Talk

Lisa Feller

14.05 (für HG) In allerFreundschaft –Die jungenÄrzte

14.55 (für HG) In allerFreundschaft –

Die jungen Ärzte 15.45 (für HG) Aktuell 16.05

Hier und heute 18.00 (für HG) aktuell /Lokalzeit

18.15 (für HG) Servicezeit 18.45 (für HG)

Aktuelle Stunde 19.30 Lokalzeit 20.00 (für HG)

Tagesschau 20.15 (für HG) SuperhirnimFederkleid

–Kluge VögelimDuell 21.00 (für HG) Der

große Umbruch 21.45 (für HG) Aktuell 22.10

(für HG) Spider-Man. Actionfilm, USA 2002

0.00 (für HG) RedSonja. Fantasyfilm, NL/USA

1985 1.25 (für HG) Der große Umbruch

NDR

16.00 (für HG) aktuell 16.20 (für HG) Mein

Nachmittag 17.10 (für HG) Seehund, Puma &

Co. 18.00 Ländermagazine 18.15 (für HG)

NaturNah 18.45 (für HG) DAS! 19.30 Ländermagazine

20.00 (für HG) Tagesschau 20.15

(für HG) Visite 21.15 (für HG) Panorama –die

Reporter 21.45 (für HG) aktuell 22.00 (für

HG) Tatort. Narben. TV-Kriminalfilm,D2016

23.30 (für HG) Weltbilder 0.00 (für HG) Mission

Wahrheit –Die NewYorkTimes und Donald

Trump (1) 1.30 (für HG) MissionWahrheit –

Die NewYorkTimes und Donald Trump (2)

Kabel eins

7.35 Blue Bloods –Crime Scene NewYork

8.30 Blue Bloods –Crime Scene NewYork

9.25 Navy CIS: L.A. 10.20 Navy CIS 11.10

Without aTrace 12.05 Numb3rs 13.05 Castle

14.00 The Mentalist 14.55 Navy CIS: L.A.

15.50 News 16.00 Navy CIS 16.55 Abenteuer

Leben täglich 17.55 Mein Lokal, Dein Lokal –

Der Profi kommt 18.55 Achtung Kontrolle!Wir

kümmern uns drum 20.15 Absolute Power.

Thriller,USA 1997 22.45 Heartbreak Ridge.

Militärfilm, USA 1986 1.10 Late News 1.15

Absolute Power. Thriller,USA 1997

RTL 2

5.15 Der Trödeltrupp –Das Geld liegt imKeller

7.00 Die Kochprofis –Einsatz am Herd 8.00

Frauentausch 12.00 Die Geissens –Eine

schrecklich glamouröse Familie! 14.00 Die

Wollnys –Eine schrecklich große Familie!

15.00 Hilf mir! Jung,pleite, verzweifelt ...

17.00 News 17.10 Krass Schule –Die jungen

Lehrer 18.05 Köln 50667 19.05 Berlin –Tag

&Nacht 20.15 Armes Deutschland –Stempeln

oder abrackern? 0.10 Autopsie –Mysteriöse

Todesfälle 1.00 Autopsie –Mysteriöse Todesfälle

1.45 Autopsie –Mysteriöse Todesfälle

Eurosport 1

11.35 Radsport: Tour de Romandie 12.30 Snooker:

WM. Finale 15.00 Radsport: Tour de Romandie

16.15 Radsport: Tour de Yorkshire 17.30 Snooker:

WM 19.25 EurosportNews 19.30 Horse Excellence

20.00 Olympische Spiele. Legenden hautnah

20.30 Formel E: FIA-Meisterschaft 21.00 Motorsport:FIA-Langstrecken-WM

21.30 ERC All Access

22.00 Motorsport: Blancpain GT WorldChallengeEurope

22.30 Olympische Spiele. Legenden

hautnah 22.40 Radsport: Tour de Yorkshire 23.30

EurosportNews 23.45 Snooker:WM

VOX, 20.15 UHR SHOW

Sing meinen Song –Das Tauschkonzert

Wogesungen wird da lass Dichnieder …Zum sechsten Maltreffensich prominente

Stars und Popsternchen unter der Sonne Südafrikas zum musikalischenStelldichein.Der

Clou an der Sache:Man singtdie Lieder desjeweils anderenund

versuchtsie in ein möglichst originelles,neues Gewand zu kleiden.Inder

sechstenStaffel derMusikshowgeben sich MichaelPatrick Kelly, WincentWeiss,

Jeanette Biedermann, Milow, AlavaroSoler,JenniferHaben und Johannes Oerding

(v.l.n.r.) gegenseitig die Ehre. Jede Woche steht einerder Künstler mit seinen

größten SongsimFokus derSendung.Den Anfang machtWincentWeiss. Moderiertwirddie

Show zumerstenMal vondem Ex-Kelly-Family-MitgliedMichael

PatrickKelly,der dieNachfolge seinesVorgängersMarkForsterantritt.Vox strahlt

dieneun neuen Folgen jeweils dienstags um 20.15 Uhraus.

(Dtl./2019)

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RTL, 21.15 UHR DRAMASERIE

Sankt

Glaube,

Maik

Liebe,

Hoffnung, Berlin

Foto: VOX

Maße:3×1,5 cm (H/Dicke) den zweiten„ersten Blick“,dassihm Evaausnehmendgut

gefällt. Dochfür seine Gefühle

Lederkordel(biszu1mLänge)

Made in Germany

bleibt keineZeit, denn BruderKevin rückt

Art.-Nr. 1311030

Maiks Fokusauf diewichtigen Dinge: Jureks

Leiche muss entsorgt werden –dochdiese

verschwindet ersteinmal in einemgestohlenen

PKW. Startder zweiten Staffel.

(Dtl./2019)

Foto:RTL

NORMALVARIANTE -mittel

NORMALVARIANTE –MITTEL

8 7 6 1 4

4

4 8 5

2 6 1

9 7

3

3 1 7 5

4

8 2

MitDIAGONALEN-schwer

MIT DIAGONALEN –SCHWER

2 6

6

3 7 5

4

7 2

5 9

2 4 1

**inkl. MwSt., zzgl. €3,95Versand,ab€75,–versandkostenfrei. Ihnen

stehtein gesetzliches Widerrufsrechtzu. Alle Informationenüberdieses

Rechtund die Widerrufsbelehrung finden Sieunterwww.berlinerzeitung.de/shop.

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SUDOKU

3 8

€29,90 *

AUFLÖSUNG Auflösung

VOM vomXX. 6.5.2019

MITTEL mittel

1 9 7 4 8 3 2 5 6

3 6 4 5 2 9 1 8 7

5 8 2 1 6 7 4 3 9

8 4 1 6 9 2 3 7 5

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2 7 9 8 3 1 5 6 4

6 3 8 2 5 4 7 9 1

AUFLÖSUNG

Auflösung

VOM

vom

XX.

6.5.2019

5. 2019

SCHWER schwer

5 4 9 1 8 3 6 2 7

6 1 3 4 7 2 5 9 8

2 7 8 6 5 9 1 4 3

1 5 7 2 3 8 4 6 9

8 3 2 9 6 4 7 1 5

4 9 6 5 1 7 3 8 2

7 8 4 3 2 1 9 5 6

9 2 5 7 4 6 8 3 1

3 6 1 8 9 5 2 7 4

6.20 zibb. zuhause in berlin &brandenburg

7.20 Brisant 8.00 Brandenburg aktuell /

Abendschau 8.30 Brandenburg aktuell /

Abendschau 9.00 In aller Freundschaft 9.45

In aller Freundschaft 10.30 Rote Rosen 11.20

Sturm der Liebe 12.10 Tierärztin Dr.Mertens

13.00 rbb24 13.10 Verrückt nach Meer 14.00

Lichters Schnitzeljagd 14.45 Traumhäuser

15.15 Mit dem Luftschiff über Bayern 16.00

rbb24 16.15 Wer weiß denn sowas? 17.00

rbb24 17.05 Giraffe, Erdmännchen &Co.

17.55 Sandmann 18.00 rbb UM6 –Das Ländermagazin

18.30 zibb. zuhause in berlin &

brandenburg 19.30 Brandenburg aktuell /

Abendschau 20.00 (für HG) Tagesschau

20.15 Geheimnisvolle Orte

Der Flughafen Berlin-Tempelhof –

Airport mit Geschichte

21.00 Bilderbuch

Das Tempelhofer Feld. Reportagereihe

21.45 rbb24

22.00 Nuhr im Ersten

Gäste: Lisa Eckhart, Michael Mittermeier,Torsten

Sträter,Tahnee

22.45 Boning feiert Diether Krebs

Mit Wigald Boning

23.30 Talk aus Berlin

0.00 Abendshow

ProSieben

11.00 How IMet Your Mother 11.50 2Broke

Girls. Das Leben nach dem Tod/Die französische

Versuchung.Comedyserie 12.45 Mom.

Eine kulinarische Affäre. Comedyserie 13.05

Twoand aHalf Men. Tragen Schafe Lippenstift?/Mund

weg von meiner Tochter/Noch eine

Nacht mit Neil Diamond. Comedyserie 14.25

The Middle. Der zweite Muttertag/Der Schulball.

Comedyserie 15.15 The Big BangTheory.

Der Romantik-Ninja/Keiner ist so kaputt wie

ich/Prinzessinnen der Wissenschaft/Ordnung

in der Abstellkammer.Comedyserie 17.00 taff

18.00 Newstime 18.10 Die Simpsons. Der

Teufel trägt Nada/L wie Loser.Zeichentrickserie

19.05 Galileo. Moderation: Stefan Gödde

20.15 Big Countdown

Die 50 lustigsten Momente vor

laufender Kamera

Howard Carpendales Schwiegertochter

präsentiert Filmsequenzen mit witzigen

und ungewöhnlichen Szenen.

22.35 Palina in the Box

23.40 Die Simpsons

Butler bei Burns. Zeichentrickserie

0.05 Die Simpsons

Wer erfand Itchy und Scratchy?

0.35 Die Simpsons

Selma heiratet Hollywoodstar

13.50 Elefantenpfad. Abenteuerfilm, USA 1954

15.30 Die Bienenflüsterer 16.00 Ladakh –Es

war einmal ein Mädchen 16.55 (für HG) X:enius

17.20 (für HG) Heiraten inEuropa! (2/5)

17.50 (für HG)Ach, Europa! 18.35 Wenn Wildtiere

denWald verlassen 19.20 Arte Journal

19.40 (für HG) Re: 20.05 Anderswo in Europa

20.15 (für HG)Wahnsinn Lkw. Dokumentarfilm,

D2019 21.45 Russlands neue Söldner 23.15

Software-Rebellen –Die Macht des Teilens 0.15

Arte Journal 0.35 (für HG) Was vom Tage übrig

blieb. Drama, GB/USA 1993

3Sat

13.00 (für HG) ZIB 13.20 (für HG) Universum

14.50 (für HG) Universum 16.15 (für HG) Universum

17.45 (für HG) Universum 18.30 nano

19.00 (für HG) heute 19.20 Kulturzeit 20.00

(für HG)Tagesschau 20.15 (für HG) Ein Mord

mit Aussicht. TV-Kriminalfilm, D2015 21.40

kinokino 22.00 (für HG) ZIB 222.25 Neun

Leben hat die Katze. Frauenfilm, D1968

23.50 Bigger Than Life. Dokudrama, D/I/MAZ

2018 0.20 Die Hymnen Moskaus. Kurzfilm,

RUS 2017 0.35 Reporter 1.00 10vor10 1.30

(für HG) Universum

Phoenix

14.45 Aktuelles im Vorfeld der Fraktionssitzungender

im Bundestag vertretenenParteien

15.15 phoenix plus 16.00 Die großen Irrtümer

der Globalisierung –Handel, Kriege, Flüchtlinge

16.45 Die sieben größten Gefahren für dieEU

17.30 phoenix der tag 18.00 Betrügen leicht

gemacht 18.30 Unsere Städte nach '45 20.00

(für HG)Tagesschau 20.15 GeheimnisvolleOrte

21.00 Verschollen in der Ostsee 21.45 (für HG)

heute-journal 22.15 phoenix runde 23.00

phoenix der tag 0.00 phoenix runde 0.45 Geheimnisvolle

Orte 1.30 Verschollen in der Ostsee

Kika

13.40 (für HG) Tiere bis unters Dach 14.10

Schloss Einstein 15.00 (für HG)Dance Academy

–Tanzdeinen Traum! 15.50 (für HG)H2O –

Abenteuer Meerjungfrau 16.40 Ein Fall für TKKG

17.25 Kein Keks für Kobolde 17.50 (für HG)

Mascha und der Bär 18.00 (für HG)Wir Kinder

aus dem Möwenweg 18.10 (für HG)Der kleine

Drache Kokosnuss 18.35 Zacki und die Zoobande

18.50 Sandmann 19.00 Die Piratenvon nebenan

19.25 (für HG) Wissen macht Ah! 19.50

(für HG)logo! 20.00 (für HG)KiKA Live 20.10

Das erste Mal ... Asien! 20.35 Die Mädchen-WG

Dmax

12.15 Hardcore Pawn:Das härteste Pfandhaus

Detroits 13.15 YukonMen –Überleben in Alaska

14.15 Ed Stafford: Das Survival-Duell 15.15

Coast Guard Alaska –Rettung aus der Luft

16.15 HighwayPatrol 16.45 HighwayPatrol

17.15 Fast 'N' Loud 19.15 Steel Buddies –

Stahlharte Geschäfte 20.15 Steel Buddies –

Stahlharte Geschäfte 21.15 Helden derLüfte

22.15 Russlands härtesteTrucker-Route 23.15

Die Abholzer 0.15 Car Crash TV –Chaoten am

Steuer 1.10 Car Crash TV –Chaoten am Steuer

5.02 hessenschau 5.30 ZDF-Morgenmagazin 9.00

Tagesschau-Nachrichten 9.15 DickeLuft! –Der

Kampf gegen den Transitverkehr 10.00 Tagesschau-Nachrichten

10.15 Super.Markt 11.00 Tagesschau-Nachrichten

13.00 ARD-Mittagsmagazin

14.00 Tagesschau-Nachrichten 19.15 Gekaufte

Agrarpolitik? 20.00 Tagesschau 20.15 Hartaber

fair 21.32 Warumbin ich so allein? –Wege aus

der Einsamkeit 22.00 Wahlarena zur Europawahl

23.30 Tagesthemen 0.00 DieTagesschau vor 20

Jahren 0.15 ReportMainz 0.47 Extra 1.00 Nachtmagazin

1.20 Umschau 2.05 Schätze der Welt

2.20 SachsenSpiegel 2.50 Extra 3.02 SWR Landesschau

Rheinland-Pfalz 3.47 Extra

ONE

10.05 BezauberndeJeannie 10.30 Lindenstraße

11.00 In aller Freundschaft –Die jungenÄrzte

11.50 Sturmder Liebe 12.35 Sturm der Liebe

13.25 Um HimmelsWillen 14.15 Daheim in den

Bergen. TV-Drama,D2019 15.45 In aller Freundschaft–Die

jungen Ärzte 16.35 Bezaubernde

Jeannie 16.55 Bezaubernde Jeannie 17.20 Lindenstraße

17.50 Der Dicke 18.40 Sturmder Liebe

19.25 Sturmder Liebe 20.15 DoctorWho

21.00 DoctorWho 21.50 Hustle–Unehrlich währt

am längsten 22.40 Torchwood 23.30 Doctor Who

0.15 Doctor Who 1.05 Hustle –Unehrlich währt

am längsten 1.55 Torchwood 2.45 Nuhr im Ersten

3.30 Der Dicke 4.15 Lindenstraße 4.45 Telespiele

ZDF NEO

7.45 Topfgeldjäger 8.40 Lafer! Lichter! Lecker!

9.25 Baresfür Rares 10.15 Bares für Rares

11.10 Duell derGartenprofis 11.55 DieRettungsflieger

12.40 Die Rettungsflieger 13.25 Monk

14.05 Monk 14.50 Heldt 15.35 DieRettungsflieger

16.20 DieRettungsflieger 17.05 Monk 17.45

Monk 18.30 Bares für Rares 19.20 Bares für Rares

20.15 (für HG) Helen Dorn. Prager Botschaft.

TV-Kriminalfilm, D2018 21.45 EinFall fürzwei

22.45 heute-show 23.15 Shapira Shapira 23.45

Blockbustaz 0.20 Blockbustaz 0.50 Arne Dahl:

Totenmesse. TV-Kriminalfilm, S2015 2.40 Jussi

Adler-Olsen:Schändung. Thriller,DK/D/S 2014

4.35 Gätjensgroßes Kino 4.50 Letzte Spur Berlin

ZDF INFO

8.30 DasUniversum –EineReisedurch Raumund

Zeit 9.15 So tickt China 11.25 ChinasMarsch

nach Westen –Ein Wirtschaftsrieseerwacht 12.10

Das vergessene Amerika –Eine Stadt kämpftums

Überleben 13.00 LeschsKosmos 13.30 Geistesblitze

–Geniale Erfindungen 15.00 Legendäre

Schiffe der U.S. Navy 15.45 Auf denSpuren genialer

Forscher undErfinder 18.00 Vonder Keulezur

Rakete –Die Geschichte der Gewalt 18.45 Spuren

des Krieges 19.30 DieToten vonWaterloo –Auf

denSpuren derJahrhundertschlacht 20.15 Panzer!

23.15 Geheimnisseder Sowjet-Technik 0.00

Chruschtschows Baby 0.40 (für HG)heute-journal

1.10 Countdown zumUntergang

Radio

KLASSIK

20.03 Deutschlandfunk Kultur (89.6 MHz)

Konzert Mit Werken vonW.A. Mozart,Chopin,

Bartók, ca. 117 Minuten

20.04 RBB KULTURRADIO (92.4 MHz)

Klassik-Werkstatt SatiesWelt. Gegenüber den

schwelgenden Klängen der Spätromantik wirkte

die Klaviermusik von Erik Satie revolutionär

einfach und gleichzeitig mystisch verschlossen.,

ca. 56 Minuten

22.00 Deutschlandfunk Kultur (89.6 MHz)

Alte Musik Leipzig sucht den Super-Kantor.

Bachs langer Weg ins Thomaskantorat.,

ca. 30 Minuten

22.05 Deutschlandfunk (97.7 MHz)

Musikszene Heinrich Schütz im Panoramablick.

Hans-Christoph Rademann und sein

Dresdner Kammerchor legen die erste Schütz-

Gesamteinspielung vor.,ca. 45 Minuten

HÖRSPIEL

14.30 RBB KULTURRADIO (92.4 MHz)

Lesung Wolf Biermann: „Barbara” (10/18). Es

liest Manuel Soubeyrand, ca. 30 Minuten

20.10 Deutschlandfunk (97.7 MHz)

„Katzengeschrei” Mit Hilde Krahl, Gerd David,

Cornelia Froboess, Wolfgang Wahl. Regie: Adolf

Schröder,ca. 50 Minuten

MAGAZIN

9.05 Deutschlandfunk (97.7 MHz)

Kalenderblatt Vor 100 Jahren: Die argentinische

Politikerin Eva Perón geboren, ca. 5Min.

10.10 Deutschlandfunk (97.7 MHz)

Sprechstunde Emotionale Gewalt. Wenn Liebe

zerstörerisch wird. Gast: Dr. Wolfgang

Schwachula (Internist, Facharzt für Psychiatrie,

Psychotherapie und Psychosomatische Medizin,

Bonn). Mit Christian Floto, ca. 80 Minuten

19.15 Deutschlandfunk (97.7 MHz)

Das Feature Armeniens Stunde null. Innenansichten

der „Samtenen Revolution”., ca. 45 Min.

0.05 Deutschlandfunk Kultur (89.6 MHz)

Feature Texas Pattis Karnevalsparty.Besuch

beim Pornodreh. Mit Stefan Kaminski. Von Jan

Decker,ca. 55 Minuten

JAZZ /BLUES

19.30 RBB KULTURRADIO (92.4 MHz)

The Voice Marta Gómez., ca. 30 Minuten

21.04 RBB KULTURRADIO (92.4 MHz)

Musik der Kontinente Global Sitar:Anoushka

Shankar.Mit Peter Rixen, ca. 56 Minuten

21.05 Deutschlandfunk (97.7 MHz)

Jazz live Susan &Martin Weinert mit Leszek

Mozdzer (2/2). Mit Susan Weinert (akustische

Gitarre, Elektronik), Martin Weinert (Kontrabass),Leszek

Mozdzer (Piano)., ca. 55 Min.


Berliner Zeitung · N ummer 104 · D ienstag, 7. Mai 2019 – S eite 28 **

·························································································································································································································································································

Panorama

LEUTE

NACHRICHTEN

Sie setzt sich für

Minderheiten ein.

AP/EVAN AGOSTINI

Madonna ist am

Wochenende in

NewYorkfür Engagement

für die

Gleichstellung

Schwuler und

Lesben ausgezeichnet

worden.

Die60-Jährige

erhielt den

Medienpreis der

Schwulen- und Lesbenorganisation

GLAAD.Sie selbst habe sich als Heranwachsende

immer als Außenseiterin

gefühlt. Madonna würdigte in

ihrer Dankesrede ihren Tanzlehrer,

einen schwulen Mann, der ihr beigebracht

habe,ansich zu glauben –als

Mensch und als Künstlerin. Madonna

ist eben mehr als nur das

ewige „Material Girl“.

Jacinda Ardern trägt ihren Verlobungsring

am Mittelfinger und sorgt

damit in Neuseeland offenbar für

verbissenes Rätselraten. Jetzt hat die

Premierministerin des Landes das

Geheimnis gelüftet: DerRing passt

einfach nicht richtig, er sei ein Erbstück

und daher müsse er nun mit

dem Mittelfinger vorlieb nehmen.

Die38-jährige Politikerin hatte sich

an Osternmit ihrem Lebensgefährten

Clarke Gayfordverlobt. In den

vergangenen Wochen bekam Ardern

viel Lob dafür,wie sie auf den Terroranschlag

auf zwei Moscheen in

Christchurch mit 51 Todesopfern

reagierte.

Iker Casillas ist fünf Tage nach seinem

Herzinfarkt in Portugal aus dem

Krankenhaus entlassen worden. „Ich

muss dankbar sein, ich hatte viel

Glück“, so der Profi des

portugiesischen Topclubs

FC PortoamMontag nach

der Entlassung. Zu seiner

Zukunft konnte der

Weltmeister von2010

und zweifache Europameister,der

am 20.

Mai38wird, jedoch

noch nichts sagen.

„Ich weiß nicht, wie

meine Zukunft aussehen

wird. DasWichtigste ist

aber,dass ich heute hier

bin und sagen kann, wie

ich mich fühle“, so die spanische

Torwart-Ikone erleichtert.

(mpw./mit dpa)

Er ist wieder auf den Beinen

und freut sich sichtlich.

IMGAO/IVAN DEL VAL

TIERE

So könnte er ausgesehen haben:

Suskityrannus hazelae. DPA/A.ATUCHIN

Alarminder Dino-Abteilung der kleinen

Tierkastenredaktion: Forscher

haben in den USA eine bislang unbekannte

kleine Raubsaurier-Artidentifiziert.

Der Suskityrannus hazelae genannte

Dino lebte vorrund 92 Millionen

Jahren und war ein früherVerwandter

vonTyrannosaurus Rex, so

dieWissenschaftler im Fachblatt NatureEcology

and Evolution. DieSkelettreste

wurden bereits 1989 im US-

Bundesstaat NewMexico gefunden,

aber erst jetzt einer Artzugeordnet.

DieEchse soll eine Hüfthöhe vonweniger

als einem Meter gemessen und

zwischen 20 und 41 Kilogramm gewogen

haben. Roarrr! (schl.)

Die brennende Passagiermaschine bei ihrer Notlandung.41Menschen verlieren dabei ihr Leben.

„Vom bösen Blick getroffen“

Nach der Flugzeugkatastrophe mit 41 Toten in Moskau sind die Ursachen immer noch unklar

VonStefan Scholl, Moskau

VonKatrin Pribyl, London

Die freudigen Neuigkeiten vorneweg:

Das Royal Baby Number

Oneist endlich da.„It’saboy“, gab ein

strahlender und sichtlich bewegter

Prinz Harry amNachmittag höchstpersönlich

via Video-Interview bekannt.

Sie seien „außer sich vor

Freude“ und sein Sohn „absolut unwiderstehlich“

– „absolutely to die

for“, wie der 34-Jährige nachschob.

Am Montagmorgen um 5.26 Uhr

Ortszeit brachte die Herzogin von

Sussex in Anwesenheit ihres Mannes

eine Woche nach dem errechneten

Geburtstermin einen Jungen auf die

Welt –3260 Gramm schwer und gesund

sei er, wie es vom Palast hieß.

Undauch die Mutter sei wohlauf, berichtete

der frischgebackene Vater,

der das Erlebnis, der Geburt beizuwohnen,

als „fantastischste Erfahrung“

beschrieb, die er sich jemals

vorstellen konnte. „Wie Frauen das

Das ausgebrannte Flugzeug nach den Löscharbeiten.

Inferno und Überleben waren

nur wenige Meter voneinander

entfernt. Während riesige

Flammen das Heck des 30-Meter-Jets

verzehrten, konnten sich die

Passagiere imBug über schnell aufgeblasene

Notrutschen in Sicherheit

bringen.

Trotzdem endete die Notlandung

einer Aeroflot-Passagiermaschine

am Sonntagabend auf dem Moskauer

Flughafen Scheremetjewo katastrophal.

Ein nach Murmansk gestarteter

Sukhoi Superjet 100 bekam

wenige Minuten nach seinem Start

gegen 17 Uhr MESZ technische Probleme

und musste umkehren. Bei

der Landung sprang der SSJ-100

zweimal auf, fing nach dem zweiten

Aufprall Feuer und geriet in Brand.

Von78Menschen an Bord kamen

41 ums Leben, darunter zwei

Kinder und ein Flugbegleiter.

Das russische Ermittlungskomitee

hat ein Strafverfahren eröffnet.

Es prüft mangelhafte

Qualifikation der Piloten und

Fluglotsen, einen Defekt am

Flugzeug sowie widrige Wetterbedingungen

als mögliche Ursachen.

Der Telegram-Kanal Baza zitiert

Denis Jewdokimow, den Piloten

der Unglücksmaschine,ein

Blitz sei in den aufsteigenden Jet

eingeschlagen und habe den

Funkkontakt sowie andereBordsysteme

ausgeschaltet. Es sei gelungen,

die Funkverbindung

über eine Notfrequenz wiederherzustellen,

die Fluglotsen von

Scheremetjewo hätten die Maschine

auf eine Reservelandebahn geführt.

Nunfragen sich Experten, warum

der Jet sofort notlandete. Üblicherweise

kreisen Passagierflugzeuge in

solchen Situationen, um möglichst

viel Treibstoff zu verbrennen und so

die Feuergefahr bei einer Bruchlandung

zu verringern. Außerdem

herrscht Unklarheit, wie der Blitz das

Flugzeug und seine Systeme beschädigen

konnte. Russische Fachleute

verweisen darauf, dass der SSJ-100

wie andere moderne Jets ein System

zur Ableitung statischer Energie besitzt.„Eine

normale Maschine nimmt

einen Blitzeinschlag nicht einmal

wahr“, erklärt der Luftfahrtexperte

Vadim Lukaschewitsch.

Aber das Portal forbes.ru und die

Agentur Interfax zitieren Insider, die

sagen, die komplette Automatik der

Maschine sei ausgefallen. Deshalb

hätte die Besatzung eilig versucht zu

landen, aus 1400 Meter Höhe und

mit dem Übergewicht der vollen

Tanks. „Das Fahrgestell brach“,

schreibt Interfax, „seine Teile gerieten

vielleicht in ein Triebwerk, das Feuer

fing.“

Die Flugschreiber sind stark beschädigt

worden. Sie seien bei dem

Brand hohen Temperaturen ausgesetzt

gewesen, teilte das russische

Zwischenstaatliche Luftverkehrskomitee

(MAK) der Agentur Interfax zufolge

am Montagabend mit. Das Gerät,

das die Kommunikation an Bord

aufzeichnet, sei in einem „zufriedenstellenden

Zustand“.„Alle Fluginformationen

wurden kopiert.“ Die

Auswertung könne jedoch mehrere

Tage dauern.

Der SSJ-100 wird seit 2011 im

Kurz- und Mittelstreckenverkehr

eingesetzt und gilt als Vorzeigemodell

der russischen Luftfahrtindustrie:

Die erste Zivilmaschine russischer

Produktion seit dem Ende der

Sowjetunion und die erste, die ausschließlich

mit Hilfe digitaler Technik

entwickelt wurde.

Aber jetztverweisen Fachleute auf

den schon mystisch schlechten Ruf

des Jets..„Vielleicht hat man den SSJ-

Es ist ein Junge!

Das Warten hat ein Ende: Prinz Harry und Meghan sind zum ersten Mal Eltern geworden

Die offizielle Verlautbarung des Palastes und der glückliche Vater am Montag.

DPA

AFP/DPA

more Cottage in Windsor weilt. Kurz

nach der Verkündung knallten vor

Schloss Windsor die Champagnerkorken

und Jubel brach aus.

Anders als bei den Geburten der

drei Kinder der Herzogin von Cambridge

und Prinz William wählten

Meghan und Harry einen privateren

Ansatz. Anstatt bereits wenige Stun-

DPA

100 im Geburtsstadium zu oft gezeigt

und er wurde vombösen Blick getroffen“,

sagt die Luftfahrtexpertin Anastasia

Dagajewa dem Sender TV

Doschd. 2012 endete ein Präsentationsflug

über Indonesien damit, dass

die Maschine wegen eines Pilotenfehlers

einen Berg rammte. Zahlreiche

Pannen und Notlandungen danach

forderten zwar keine weiteren

Menschenleben. Aber weil Belüftungssysteme,TriebwerkeoderBordcomputer

streikten, mussten immer

wieder Flüge gestrichen werden.

Im November 2018 zogdie Fluggesellschaft

Brussels Airlines ihre SSJ-

100 wegen häufiger Pannen undnicht

übersetzter Gebrauchsanweisungen

aus dem Verkehr, laut der Wirtschaftsagentur

RBK erwägt die mexikanische

Firma Interjet angesichts

stockender Ersatzteillieferungen dasselbe.

„Die Maschine ist gut, die Piloten

loben sie“, sagt der Aeroflot-Flugkapitän

Andrei Litwinow. „Aber bei der

Organisation um das Flugzeug

herum herrscht Schlamperei, sowohl

bei der Wartung der Triebwerke wie

bei derVersorgung mit Ersatzteilen.“

In Russland aber ist eine Debatte

über jene Passagiere ausgebrochen,

die bei ihrer Rettung Koffer und

Handgepäck retteten. Obwohl deren

Bergung für andere Passagiere, die

sich weiter hinter in der brennenden

Kabine befanden, vielleicht den Tod

bedeutete.„Wie lebt es sich mit dem

Gedanken“, fragt Experte Lukaschewitsch,„dass

man seine Unterwäsche

auf Kosten anderer Menschenleben

gerettet hat?“

machen, was sie machen, ist unbegreiflich.“

Die königliche Familie inklusive

Königin Elizabeth II. war bereits informiert

und –was sonst? –alle sind

überglücklich angesichts der frohen

Kunde. Genauso natürlich die Mutter

der Herzogin, Doria Ragland, die

bei IhrerKöniglichen Hoheit in Frogden

nach der Geburt perfekt gestylt

und mit Baby im Armvor die wartenden

Anhänger und Journalisten zu

treten, wie das Kate in Perfektion

vollführte, wollen sich Meghan und

Harry erst am Mittwoch zeigen und

das Baby, dann wohl auch mit Namen,

präsentieren.

Wenn es um den künftigen Titel

des Nachwuchses geht, wirdeskompliziert.

EinDokument aus dem Jahr

1917 regelt die Verleihung eines Titels

oder eines Status, und demnach

gebührtessich nicht, dass die Kinder

des zweitgeborenen Sohnes, indiesem

Fall Prinz Harry, des Thronfolgers,

indiesem Fall Prinz Charles, in

den Genuss des Prinzen-Status kommen.

Und damit wird dem kleinen

Jungen der Prädikatstitel „Seine Königliche

Hoheit“ verwehrt. Vielmehr

könnte er als „Grafvon Dumbarton“

geführtwerden. DieGrafschaft leitet

sich von Prinz Harry ab, der auch

Earl of Dumbarton ist.

Unbekannte überfallen Café

mit Maschinengewehr

Beieinem bewaffneten Raubüberfall

auf ein Café im hessischen Oberursel

haben Unbekannte in der Nacht zum

Montag mehrereTausend Euro Bargeld

erbeutet.Wiedie Polizei am

Montag mitteilte,betraten mutmaßlich

fünf mit Sturmhauben maskierte

Männer,von denen einer ein Maschinengewehr

trug, das Café. Siebedrohten

die Anwesenden mit der

Waffe,versprühten Reizgas und forderten

Bargeld. Miteiner Beute von

etwa 8000 Euro flohen die Männer

mit dem Auto.Mindestens einer der

Gäste erlitt laut Polizeibericht Atemwegsreizungen

und musste im Krankenhaus

behandelt werden. (dpa)

Polizei findet fünftes Opfer

von Serienmörder auf Zypern

Ermittler haben auf Zyperndas

fünfte Opfer eines mutmaßlichen

Serienmörders entdeckt. DieLeiche

sei am Sonntag in einem Koffer auf

dem Grund eines Baggersees südwestlich

der Hauptstadt Nikosia gefunden

worden, sagte ein Polizeisprecher.Der

35-jährigeVerdächtige,

ein Offizier der zyprischen Armee,

soll die Tötung voninsgesamt sieben

ausländischen Frauen und Kindern

eingeräumt haben. DeramSonntag

gefundene Körper befinde sich „in

einem fortgeschrittenen Stadium

der Zersetzung“, sagte der Polizeisprecher.

(dpa)

Thailands frisch gekrönter

König Rama X. dankt Volk

König Maha Vajiralongkornwinkt huldvoll

seinem Volk zu.

DPA/SAKCHAI LALIT

Thailands frisch gekrönter König

MahaVajiralongkornhat sich am

Montag in Bangkok erstmals in einer

kurzenAnsprache ansVolk gewandt.

VomBalkon des Großen Palastes aus

dankte er für die vielen gutenWünsche.Der

66 Jahrealte Monarch und

seine neue Frau, Königin Suthida

(40), wurden vonmehrals 40000

Menschen bejubelt. ZumSchluss des

etwa fünfminütigen Auftritts winkten

beide kurzzurück. DerKönig –auch

Rama X. genannt –las seine Rede von

einemBlatt ab.Ersagte:„Ich und die

Königin sehen voller Freude,wie das

Volk so großzügig erschienen ist, um

mir anlässlich meiner Krönung im

Einklang seine gutenWünsche zu

überbringen. Möge jeder glücklich

sein und bekommen, was er sich

wünscht.“ DieRedegehörte zu den

letzten Programmpunkten der dreitägigen

Krönungsfeiern. (dpa)

Mindestens 58 Tote in Niger

bei Explosion von Tanklaster

Im westafrikanischen Niger sind bei

der Explosion eines Tanklasters mindestens

58 Menschen getötet worden.

Zu dem Unfall sei es in der Nähe

des Flughafens der Hauptstadt Niamey

gekommen, teilte Innenminister

Mohamed Bazoum mit. Der

Grund hierfür war zunächst unklar.

Mindestens 37 Menschen seien verletzt

worden und in Krankenhäuser

gebracht worden, teilte der Minister

mit. Vergangene Wochebesuchte

Bundeskanzlerin Angela Merkel den

westafrikanische Staat. (dpa)

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