VERITAS_26.2019

oberkircher

DAS GENUSSMAGAZIN

26 // 2019

Grinde-Hütte

Das richtige Bauchgefühl

Motorrad

Leidenschaft auf zwei Rädern

Wein trifft ins Herz

Weine zum

Wandern

Die Kolumne von

Vincenzo De Biase

Europa-Park-Sommelier

Titelthema

SCHÖNER WANDERN

IM RENCHTAL

BLOGGERIN VALERIE BOYER ERZÄHLT ÜBER IHREN LIEBLINGSWEG

DAS KUNDENMAGAZIN DER OBERKIRCHER WINZER

veritas-genuss.de


Liebe Weinfreundin,

lieber Weinfreund!

chließen wir für einen Moment die

Augen und erinnern wir uns an unseren

letzten Spaziergang oder an eine Wanderung irgendwo

im Renchtal. War die Luft würzig? War das Licht golden?

Welche Zeichen sind uns aufgefallen? Vielleicht haben wir

die rote Raute gesehen, ganz sicher aber die gelbe. Das

rote Zeichen steht für den Westweg, das gelbe für „örtliche

Wanderwege“. Die blaue Raute kennzeichnet „regionale

Wanderwege“, aber das nur nebenbei. Vielleicht haben Sie

auch die Zeichen für den Renchtalsteig oder den Brennersteig

bemerkt? Im Renchtal gibt es 800 Kilometer Wanderwege.

Die Zahl ist verbürgt, die Renchtäler Sektion des

Schwarzwaldvereins kümmert sich um jeden Meter Weg

oder Pfad. In Ausgabe 25 stellten wir bereits den Wegewart

vor (der mit der Heckenschere), jetzt geht es in die

Vollen. VERITAS geht wandern und mit dabei ist Bloggerin

Valerie Boyer, die uns auf Seite 8 ihren Lieblingsweg vorstellt.

Ein paar Seiten weiter „geht es grad so weiter“,

wie man im Badischen sagt. Wir sind dann noch ein

gutes Stück weiter hoch auf die Schwarzwaldhochstraße

und haben uns an die mondänen Zeiten erinnert,

an Mister Fernsehen Max Grundig, Ausfahrten mit heißen

Schlitten und Fahrten auf dem Schlitten und langen

Brettern. Aber nicht nur deswegen waren wir oben,

sondern auch weil uns BMW-Biker Theo Hund (Seite 12)

neugierig auf seine Hausstrecke gemacht hat und ein neuer

Gastronom kulinarische sowie architektonische Maßstäbe

auf der Hornisgrinde setzt. Gemütlich war’s auch, genauso

wie bei Ronny Marzin in Nesselried. Der Oberkircher

Sachse Marzin (Seite 14) ist ein toller Typ, kernig, witzig,

mutig. Dass er feine Küche kann, aber auch Kartoffelsalat,

spricht für ihn. Dazu gibt es den passenden Winzersekt und

tolle Weine, genauso wie für Wanderungen. Unser Tipp hier

und jetzt auf Wanderkilometer null: Probieren Sie mal einen

gut gekühlten Rivaner zum Picknick oder einen fruchtigen

Rosé, natürlich immer schön kühl. Ja, das ist super! Dabei

wollen wir es belassen. Viel Vergnügen beim Lesen unseres

Wein-trifft-Outdoor-Magazins! Wir sind dann mal weg.

Vielleicht begegnet man sich ja mal auf einem der

800 Kilometer Wanderwege. Wäre schön!

Herzlichst

Ihr VERITAS-Team

VORWORT

Definitiv happy! Ronny Marzin freut sich über seine neue Wirkungsstätte

und Yupanqui-Neuzugang Luisa Engel über ihre erste VERITAS-Ausgabe.

INHALT

In Wahrheit schön »SEITE 6

Titelgeschichte »SEITE 8

Motorrad »SEITE 12

Leibspeise »SEITE 14

Grinde-Hütte »SEITE 16

Wein-ABC »SEITE 18

Kolumne »SEITE 19

Weinbekenntnisse von Europa-Park-Sommelier Vincenzo De Biase »SEITE 20

Gewinnspiel »SEITE 21

Termine & Kalender »SEITE 22

Unterhaltung »SEITE 23

Titelbild: Jigal Fichtner – herrfichtner.de

IMPRESSUM:

Herausgeber: Oberkircher Winzer eG I Postanschrift Redaktion: YUPANQUI, Hauptstraße 57, 77652 Offenburg I Chefredakteur (v. i. S. d. P.): Rafael Yupanqui

Redaktion: Pascal Cames I Artdirektion: Luisa Engel I Fotos: Jigal Fichtner, Hubert Grimmig, Manfred Huber, Steffen Birk, Oberkircher Winzer I Produktion:

YUPANQUI GmbH, Offenburg I Anzeigenleitung: Martin Benz I Druck: B&K Offsetdruck GmbH, Gutenbergstraße 4–10, 77833 Ottersweier I Auflage: 16.000

Bei dieser Ausgabe haben mitgewirkt: Markus Ell, Martin Benz, Rafael Yupanqui, Luisa Engel, Jule Stiefelhagen, Pascal Cames, Jigal Fichtner I

VERITAS im Abo: Heftbestellung: 0 78 02 / 9 25 80


Käse ist nicht gleich Käse. Das lernt man bei einem Genussseminar

der Oberkircher Winzer. In diesem Fall liegt auf dem „Präsentierteller“

ein Ziegenfrischkäse aus einer Käserei in Österreich, der

mit Wildkräutern aromatisiert wurde. Einfach lecker! Aber erst mit

dem korrespondierenden Wein, einem Sauvignon blanc trocken,

schmeckt der Gaumen noch ein paar Aromen mehr. So wird aus

einem „Einfach lecker!“ ein „Wunderbar köstlich!“.


Probieren

mit GENUSS


IN WAHRHEIT SCHÖN

»Neuland

in Baden«

ZKM, KARLSRUHE

1989 fiel in Berlin die

Mauer, kam Bill Gates auf

die Idee, dass digitalisierte

Bilder ein gutes Geschäft

werden könnten und in

Karlsruhe wurde das

Zentrum für Kunst und

Medien (ZKM) in einer

ehemaligen Munitionsfabrik

eröffnet. Seitdem ist die badische Landeshauptstadt

so etwas wie Deutschlands heimliches digitales Zentrum.

Wer Neuland sehen und erleben will, geht nicht ins Internet,

sondern ins ZKM.

ZKM, Lorenzstraße 19, 76135 Karlsruhe, Mittwoch bis Freitag

10 – 18 Uhr, Samstag und Sonntag 11 – 18 Uhr, Montag und

Dienstag geschlossen, Eintritt: 6 Euro (ermäßigt: 4 Euro),

Freitag ab 14 Uhr Eintritt frei, www.zkm.de

»Heiße Kiste«

BEER BOX

FEUERKORB

Bekanntlich kennen

Weintrinker keine Berührungsängste

und so geht

ab und zu ein kühles Bier

auch in Ordnung. Aber

gleich einen ganzen Kasten?

Die Bierbox ist die

rühmliche Ausnahme. Wer

kann schon etwas gegen

einen Feuerkorb in Form einer Bierkiste sagen? Das Ding

ist unverwüstlich und sogar zum Grill ausbaubar. Klasse

Idee für Terrasse oder Garten, die 2018 mit dem Stahl-

Innovationspreis ausgezeichnet wurde.

Höfats Beer Box Feuerkorb, 99,90 Euro, erhältlich über

ikarus Design Handel GmbH,

www.ikarus.de/beer-box-feuerkorb.html

»Summ, Summ,

Summ, Bienchen…«

BUCH BIENENLEBEN

Sarah Wiener bekochte Film-Crews,

gründete Restaurants, schreibt

Kochbücher und natürlich ist sie

immer auch Köchin. Gute, gesunde

Nahrungsmittel sind ihr lieb und

teuer. Der Schritt lag also nahe:

Sarah Wiener widmet sich den

Bienen und hat ein spannendes

und lehrreiches Buch über das

„partnerschaftliche, fürsorgliche

Insekt“ geschrieben. Was können

wir von den Bienen lernen? Wer es liest, weiß zumindest,

was Sarah Wiener von den Bienen gelernt hat.

Sarah Wiener: Bienenleben – Vom Glück, Teil

der Natur zu sein, Aufbau Verlag, 22 Euro

»Kühle Flasche«

VINUM NOBILE ROSÉ

Wunder geschehen immer wieder. So ist es

mit dem Sommer, von dem man im Frühjahr

glaubt, er käme nie und dann ist er da. Und

der passende Wein dazu? Gehen wir mal in

den Keller… Wer für die heiße Zeit präpariert

sein will, schaut nach einem süffigen Rosé.

In diesem Fall handelt es sich um eine feine

Cuvée aus Spätburgunder und Merlot. Gut

gekühlt schmeckt sie zu allen Speisen oder

einfach so, aber am besten auf der Terrasse.

Vinum Nobile Rosé, 2018,

www.oberkircher-winzer.de

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»ERFOLGSGESCHICHTE 1«

DLG-BUNDESWEINPRÄMIERUNG 2017: MEDAILLENREGEN UND EITEL SONNENSCHEIN

Winzer wissen, es gibt solche Jahre und solche. 2017 war

so ein verregnetes Weinjahr, das Pflanze, Weingärtner

und Kellermeister alles abverlangte. Dass es doch noch

gut ausgegangen ist, zeigte sich bei der vergangenen DLG-

Bundesweinprämierung in Wiesbaden. Dort im Kurhaus

versammelte sich Deutschlands Weinprominenz, deren

Weine schon vier Prüfrunden gemeistert hatten. Baden

im Allgemeinen und die Ortenau im Besonderen waren

die großen Abräumer. Das drittgrößte Weinanbaugebiet

Deutschlands holte den 2. Platz im Medaillenspiegel. In

Baden war es dann das Weinparadies Ortenau mit den

meisten Medaillen. Die Oberkircher Winzer holten viermal

den „Goldenen Preis Extra“ und wurden mit dem DLG-

Bundesehrenpreis in Bronze ausgezeichnet, der Winzerkeller

Hex vom Dasenstein bekam den Bundesehrenpreis

in Silber sowie weitere drei Auszeichnungen. Die Medaillen

und Urkunden wurden von der ehemaligen Deutschen

Weinkönigin und aktuellen Bundesministerin für Ernähr-

ung und Landwirtschaft, Julia Klöckner, und der aktuellen

Deutschen Weinkönigin Carolin Klöckner überreicht. Trotz

Regen 2017 lacht am Ende doch die Sonne, zumindest in

Baden. Wo sonst?

Die Elite des

Deutschen Weines

»ERFOLGSGESCHICHTE 2«

JUBILÄUM: 85 JAHRE HÖHENFLÜGE MIT DER HEX VOM DASENSTEIN

Wer jemals auf der Badischen Weinstraße unterwegs war,

wird sich an einige lauschige Stellen erinnern, an Schlösser

und Burgen, Steillagen und Aussichtspunkte und auch

an Berge. Denken wir an das Massiv „Dasenstein“ im

Achertal, das so mächtig über Kappelrodeck thront. Dieser

„Stein“ ist zur Marke für eine außergewöhnliche Weinlage

geworden. Kenner schnalzen mit der Zunge. „Ja, die Hex!“,

womit eigentlich schon alles gesagt ist. Kappler Hex

bedeutet Steillage, Spätburgunder, Handlese, Holzfass

und Jahr für Jahr Auszeichnungen wie Goldmedaillen

und Ehrenpreise. Seit 85 Jahren genau fliegt die Hex ihre

Höhenflüge und der Radius wird immer größer. War’s

anfangs ein Wein aus der Ortenau für die Ortenau, ist

das Kappler Gewächs dank seiner Winzer und Kellermeister

(sowie Mutter Natur!) längst zur deutschlandweiten

Ikone des badischen Weins geworden. Mit einer Sonderedition

wird das jetzt gebührend gefeiert:

Die Flaschen sind mit einer Goldprägung im

Retrolook verziert. Das waren noch Zeiten,

als diese gruselige, aber halt auch charmante Hexe jede

Flasche zierte! Die Hexe soll es übrigens tatsächlich

gegeben haben, zumindest gibt es eine Sage über sie. Weil

sich die Tochter des Herrn von Rodeck in einen Bauernsohn

verguckte, wurde sie verstoßen. Das arme Fräulein

hauste dann beim Dasenstein. Als sogenannte „Hexe“

(man wusste es damals nicht besser) vertrieb sie sich

die Zeit mit Streichen und pflanzte rund um den Dasenstein

Reben an. Daraus erwuchs die berühmte Weinlage.

Aber: So schlecht kann es ihr dann doch nicht ergangen

sein. Es liegt ja kein Fluch über Tal und Wein,

sondern ein ganz besonderer Zauber. Vielleicht kamen

das Fräulein und der Bauer doch noch zusammen?

Was für eine sagenhafte Erfolgsgeschichte!

www.dasenstein.de

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TITELGESCHICHTE

Schöner wandern

im Renchtal

Wanderer haben Ziele, wissen aber auch immer: Der

Weg ist das Ziel. So ist es auch im Renchtal mit seinen

800 Kilometern Wanderwege. Wald, Weinberge und

Streuobstwiesen sowie zauberhafte Lichtstimmungen

und wunderbare Ausblicke sind gute Gründe für eine

Tour auf Schusters Rappen. Mit diesen drei Wanderungen

zeigt sich das Renchtal von seinen schönsten Seiten.

Eine davon beschreibt die Bloggerin Valerie Boyer –

ihren ganz persönlichen Lieblingsweg, den „Hexensteig“.

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Hexensteig

Panoramablick über das Tal!

Steckbrief

Name: Valerie Boyer

Alter: 33 Jahre

Herkunft: deutschkanadische

Wurzeln

Familie: zwei jüngere

Schwestern

27 Grad Schattentemperatur und 10 Sonnenstunden –

beste Voraussetzungen für eine ausgiebige Wanderung, um

den Kopf freizubekommen und sich vom Alltag zu erholen.

Diesen Samstag steht der Lautenbacher Hexensteig auf

dem Plan, ein 15,2 Kilometer langer Rundwanderweg. Meine

Entscheidung, diesen Weg zu gehen, sollte ausgiebig belohnt

werden. Manchmal ist man einfach zur richtigen Zeit am

richtigen Ort und an diesem Samstag sollte einfach alles

zusammenspielen. Bereits auf einigen Höhenmetern nach

dem Start am Bahnhof in Lautenbach, vorbei am Ringhotel

Sonnenhof, erwartet mich auf dem ehemaligen Rebberg

der erste Panoramablick über das Tal. Weiter am Waldrand

entlang konkurrieren die prachtvoll erblühten Obstbäume

miteinander. Nach einer kurzen Abkühlung am Brunnen

der Steighütte, zwischenzeitig ist es auch im Wald

sehr warm geworden, geht es dann immer weiter bergauf.

Plötzlich erscheint auf der rechten Wegseite, wie aus dem

Nichts, ein gigantischer Holzstamm in Form eines Hexenbesens.

Das ist noch nicht alles, die Stelle bietet wieder

eine unbezahlbare Aussicht bis hin zu den Vogesen. Gegen

Mittag, als sich der Hunger meldet, stärke ich mich im

Berggasthaus „Wandersruh“, das durch seine wunderschöne

Sonnenterrasse besticht. Im weiteren Verlauf stößt

man unterwegs immer wieder auf Schnapsbrunnen, wo man

mit heimischen Schnäpsen versorgt wird. Weiter im Wald

erreiche ich dann schließlich den Höhepunkt der Tour –

das Hexenhäuschen. Hier werden Kindheitserinnerungen

wach. Das verwinkelte Häuschen steht auf einem wunderschönen

Platz inmitten des Waldes und lädt zum Verweilen

und Entspannen ein. Entlang der Viehweiden und an Schutzhütten

vorbei geht es nun zum Simmersbacher Kreuz.

Von hier aus führt der Weg über eine Streuobstwiese zur

Bergvesperstube „Zum Fiesemichel“. Nach einem weiteren

kurzen Zwischenstopp geht es nochmals durch wunderschöne

Waldwege zurück nach Lautenbach. Als ich am

Abend den Tag Revue passieren lasse, gibt es einfach keine

Kritik – es war perfekt.

Länge: 15 Kilometer

Dauer: 5 Stunden

Strecke: Höhenkamm von Lautenbach

Schwierigkeit: schwer

Beruf: Modedesignerin in Balingen

Hobbys: Wandern, Fotografieren,

Sport, Zeichnen, Kunst

Blog: BlackForestDiary.com

Den ausführlichen Text über den

Hexensteig können Sie direkt auf

Valeries Blog nachlesen!

Höhenmeter: 559 hm 559 hm

Weitere Infos unter: www.renchtal-tourismus.de

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TITELGESCHICHTE

Brennersteig

Jetzt Schnaps!

Es war einmal ... Im Jahre 1726, als der Straßburger

Kardinal Armand Gaston de Rohan verkündete,

dass man in Oberkirch, das damals zu Straßburg

gehörte, Kirschbäume anzupflanzen habe. Die

Leute taten wie geheißen und heute ist Oberkirch mit

fast 900 Destillieranlagen die heimliche Brennhauptstadt

Europas. Die knapp 14 Kilometer lange Rundwanderung

führt rund um Hesselbach und steuert dabei markante

Punkte, wie den Geigerskopfturm, an. Von diesem japanisch

inspirierten Aussichtsturm gibt es einen prima Blick bis rüber

zum Straßburger Münster und etwas näher ins kleine

Bottenau und das große, weite Renchtal. So viel Wein! Und

was hat Wein mit Schnaps (gemeint sind Edelbrände) zu tun?

Viele Brenner sind auch Winzer und wer Kirschen, Birnen,

Mirabellen und Haferpflaumen hat, ist oft noch Imker dazu.

So ist es Tradition. Darum wundert es nicht, dass diese schöne

Berg-und-Tal-Wanderung als Sound nicht nur Kuckucksrufe

und Vogelgezwitscher hat, sondern auch das Summen

der Bienen. Damit es nicht im Kopf summt und brummt,

sei an dieser Stelle empfohlen, mit dem Kirschwasser ein

bisschen langsam zu machen, auch wenn’s schwerfällt.

Kurz nach dem Start am Wanderparkplatz Hesselbach

gäbe es schon die erste Gelegenheit für eine Degustation

an einem Schnapsbrunnen. Man sollte es sich wirklich

gut überlegen, ob man gleich auf den ersten Metern einen

Hochprozentigen probiert oder erst später, wenn die Tour

nach dem Heuberger Eck gemütlich ausläuft, zugreift. Der

Brennersteig zeigt die ganze Vielfalt des Renchtals, vom

dunklen Tannenwald über luftige Streuobstwiesen bis hin zu

Länge: 13,8 Kilometer

Dauer: 4 – 5 Stunden

Strecke: rund um das Hesselbacher Tal bei Oberkirch

Schwierigkeit: mittel

Höhenmeter: 454 hm 461 hm

Weitere Infos unter: https://brennersteig.renchtal.de

sonnigen Weinbergen und Almen, fast wie im Bayrischen.

Wer zur Kirschblüte kommt, erlebt ein Fest fürs Auge.

Aber auch später im Frühling oder im goldenen Herbst

hat diese Tour ihren ganz besonderen Reiz. Weil es viele

Gasthäuser hat, braucht's nicht unbedingt ein Vesper, aber

wer pick nicken will, findet viele tolle Plätze. Und danach ein

Kirschwasser? Die Gasthäuser haben natürlich auch Wein ...

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Turmsteig

Blick frei, Kopf frei!

W

as ist ein Wanderer? Ein Wanderer ist

einer, der die Natur liebt, seinem Bewegungs-

drang folgt und Steigungen nicht aus dem

Weg geht. Die Herausforderung ist auch

ein Grund, die Wanderschuhe zu schnüren. „Dieses kleine

Stück noch!“ Oder: „Kneipe in Sicht, bald Pause!“ Und so

weiter und so fort, denn Wanderungen sind auch dann ein

Genuss, wenn’s mal stramm bergauf geht und aus dem Weg

ein Pfad wird. Hallo Abenteuer! Ein bisschen Schweiß gehört

doch auch dazu, dann schmeckt’s später umso besser.

So erleben es alle, die in Oppenau auf dem Qualitätsweg

Maisacher Turmsteig immer schön bergauf zum Buchkopfturm

wandern. Dieser 2015 erbaute Turm hat so einiges zu

bieten. Zum einen ist er wirklich hoch. Auf 921 Höhenmetern

gelegen und mit 28 Meter Turmhöhe eröffnet er die Sicht

ins Tal und über den Schwarzwald – wirklich vom Feinsten.

Blick frei, Kopf frei. Manchmal liegt das ganze Rheintal

unter einer sahnigen Wolkendecke. Unten Wolken, oben

Sonne, das nennt man dann Inversionswetterlage und die

ist gar nicht mal so selten und immer wunderschön. Der

achtstöckige Turm ist mit Schwarzwälder Tannenholz verkleidet

und wird darum auch „Weißtannenturm“ genannt.

Die Wanderung ist abwechslungsreich und hat ein paar

schöne Überraschungen, wie zum Beispiel die Schnapsbrunnen

(auch der Oppenauer versteht sein Handwerk) und

den Regiomaten. Das ist ein Automat mit Produkten aus der

Region und sogar Sprudel. Ein kulinarisches Schmankerl

ist die Renchtalhütte, die zum Restaurant Dollenberg

gehört. Hier schmeckt’s wunderbar und satt wird man auch.

Kleiner Tipp: Wer’s lieber kürzer mag, also dem Spaziergang

nicht abgeneigt ist und trotzdem den Turm erleben

will, fährt bis zur Renchtalhütte oder auf den Parkplatz

Skilift Zuflucht. Von beiden Punkten ist der Buchkopfturm

problemlos zu erreichen. Aber die große Tour ist trotzdem

unschlagbar gut. Prädikat: Muss man mal gemacht haben!

Webcam: http://buchkopfturm.solar-webcam.de

Länge: 14,1 Kilometer

Dauer: 5 – 6 Stunden

Strecke: Maisacher Grat hinauf zum Buchkopfturm

Schwierigkeit: mittel

Höhenmeter: 656 hm 656 hm

Weitere Infos unter: https://turmsteig.renchtal.de

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MOTORRAD

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Kennzeichen B

HOBBY AUF ZWEI RÄDERN:

THEO HUND LIEBT DAS FAHRGEFÜHL

AUF DEM MOTORRAD

Natürlich zieht das Straßburger Münster den Blick

an. „Da drüben“, sagt Theo Hund (63) und zeigt

ins dunstige Rheintal. Dann schaut er über den

Haslacher Sommerbuckel und jetzt sprudelt

es aus ihm heraus. Er erzählt von der Trockenheit im

letzten Sommer, wie tief die Reben wurzeln und wie der

Berg vor der Flurneuordnung ausschaute. Hier ist er sehr

gerne, manchmal mit Frau oder Freunden und einer Flasche

Wein. Theo Hund weiß alles über Wein und Reben, oder fast

alles. Das verwundert nicht. Er war früher selbst mal Winzer

im Nebenerwerb und begann vor langer, langer Zeitbei den

Oberkircher Winzern als kaufmännischer Angestellter.

20 Jahre später wechselte der gelernte Großhandelskaufmann

zu Weinland Baden.* Hatte er vorher direkt mit

Fachhandel, Gastronomie und Endverbraucher zu tun, sind

jetzt die Entscheider des Lebensmitteleinzelhandels seine

Ansprechpartner. „Ich bin die Schnittstelle“, sagt er, das

Gebiet, das er betreut, ist riesig. Knapp 60 Prozent der

Weine bleiben in Baden-Württemberg, der Rest geht nach

Hessen, Bayern und in die anderen Bundesländer. Mit einem

Kollegen kümmert er sich darum, dass die Weine von

Weinland Baden in die Regale kommen und Erfolg haben,

wie zum Beispiel die Collection-O-Serie der Oberkircher

Winzer. Große Freude hat er auch mit dem Motorrad. Die

Geschichte geht so, dass er schon als junger Bursche

Motorrad fahren wollte, aber der Vater es nicht erlaubte. Der

sagte ihm klipp und klar, ich bezahl’ dir den Autoführerschein,

aber wenn du Motorrad fahren willst, dann geb

ich dir gar nichts. Theo Hund machte also nur den Autoführerschein,

was er bedauerte. Pünktlich zum Vierzigsten

überraschte er alle, denn er hatte heimlich den Motorrad-

führerschein gemacht. Die erste Maschine war eine Yamaha,

dann sattelte er um auf BMW mit ihrem typischen Boxersound.

Jetzt stimmt das Fahrgefühl und allein oder mit

Kumpel Marco oder mit seiner Frau Moni fährt er auf die

„Hausstrecke“ Oppenauer Steige und Schwarzwaldhochstraße

oder weiter weg. „Das ist seine Leidenschaft, das ist

gut!“, sagt seine Frau. Was liebt Theo Hund am Motorradfahren?

„Das Motorradfahren“, sagt er. Acht Stunden im

Sattel sind für ihn ein Genuss. Er schwärmt von Touren durch

Polen und die Slowakei und von Kroatien und Sardinien.

Landschaften und Städte sind schön, aber das Fahren ist

immer das Wichtigste. Witzigerweise fährt die Heimat

immer mit. Auf dem Kennzeichen steht neben dem D ein

B im gelben Kreis. Logisch, B wie Baden. In sechs Monaten

wird er nach 46 Jahren Arbeit in Rente gehen. Und dann?

„Eine Tour durch die Provence wäre schön.“ Südfrankreich

und die Seealpen sind ihm in guter Erinnerung geblieben.

Aber da gibt es noch mehr in seinem Leben. Der Musikverein,

die Brennerei (Kirschwasser etc.), Wanderungen und

Radtouren mit Frau Moni und die Enkel werden seinen

Unruhestand ganz sicher begleiten. Die BMW ist alles, aber

nicht jeden Tag.

* Weinland Baden ist eine Vertriebsorganisation mit Sitz in Freiburg,

die für die Oberkircher Winzer und sieben weitere Winzergenossenschaften

ein gebündeltes Sortiment an Wein, Winzersekt sowie

Edelbränden vertreibt. www.weinland-baden.com

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LEIBSPEISE

Text: Pascal Cames Foto: Jigal Fichtner

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Aromen, die unter

die Haut gehen

NEUE BADISCHE KÜCHE:

RONNY MARZIN KOCHT IM LANDGLÜCK EINFACH ANDERS UND SEHR FEIN

So ein Landglück aber auch! „Das ist mein Laden!“, sagt Ronny

Marzin (34) stolz wie Bolle über sein Restaurant Landglück

in Nesselried. Beim Anblick der grünen Landschaft freut er

sich riesig, ebenso beim Ausblick auf viele Gäste. „Ich bin

aus Oberkirch“, grinst der in der Ortenau bestens bekannte

Ronny Marzin. „Ich bin gebürtiger Sachse.“ Man hört’s raus,

woher er kommt, und man sieht es ihm an, was er ist.

Seine Arme sprechen Bände. Brandwunden, Narben und als

Tattoo seine Lieblingsgewürze: Vanille, Knoblauch, Sternanis

... Bei ihm geht der gute Geschmack unter die Haut.

Zum Beruf und zur Leidenschaft kam der aus Dippoldiswalde

im Erzgebirge (Sachsen) stammende Ronny Marzin

über seinen Vater, der einen Imbiss hatte. Ronny blieb die Wahl

nicht, also ging er auf eine überbetriebliche Hotelfachschule

in Pirna und wurde à la carte und in der Kantinenküche

firm. Drei große Praktika sollten ihn prägen. Das erste war

600 km weit weg im Westen, da war er der Ossi und bekam

eins auf den Deckel. Die nächsten Praktika waren besser

und die Stelle als Jungkoch bei Ulrich Hinkfuß auf der Insel

Sylt wurde zum Besten, was ihm passieren konnte. Dahin

hatte ihn sein Vater geschubst. Dieser hatte die glorreiche

Idee, beim Arbeitsamt in Flensburg anzurufen und für

seinen Sohn eine Stelle zu suchen. „Du, der mag dich“, sagte der

Vater und so wurde ihm eine ganz neue kulinarische Welt eröffnet.

Ronny Marzins Augen werden fast feucht, wenn er von

diesem „Künstler in seinem Reich“ erzählt und dessen Kunst

der Aromabilder. Nach ein paar Stationen (unter anderem

Köhlerstube, Traube Tonbach) landete Ronny Marzin in

Oberkirch. Mit einer kleinen Kochschule mit Fingerfood-

Service fing es vor acht Jahren in Oberkirch ganz klein an.

Nach und nach sprach es sich herum, aus Gästen wurden

Stammgäste und aus einerkleinen Kochschule wurde eine

richtige Firma, die auch Events mit 500, ja sogar 1.000

Leckermäulern aufs Feinste verköstigt. Ohne Freunde und

seine Frau hätte er es nicht geschafft. Merke: Ein Start-up

ist kein Ponyhof. Seit März hat er in Nesselried sein eigenes

Restaurant. Im Landglück will er „ganz einfach“ badische

Küche kochen. Natürlich kocht er feine Küche, so wie man

es von Ronny Marzin und seinem Motto „Einfach anders“

erwartet. Der Kartoffelsalat ist warm und mit etwas Trüffelöl

abgeschmeckt und dank seinem Kräuterwissen und ein

paar Tricks bringt er den Gaumen seiner Gäste auf den

Geschmack. Ronny Marzin, der sächsische Oberkircher,

würde es einfacher sagen: Es muss rund sein!

Ronny Marzins Kochschule | Bahnhofstraße 16 | 77704 Oberkirch |

www.ronnymarzin.de | Restaurant Landglück | Nußbacher Straße 8A |

77767 Appenweier-Nesselried

Ronnys „Variationen

vom Landglück“

SCHNITZELCHEN MIT KARTOFFELSALAT UND

ZITRONENGRASSUPPE (FÜR 4 PERSONEN):

Fleisch: 4 panierte Schnitzelchen (Reh oder Kalb).

Kartoffelsalat: 1 kg festkochende Kartoffeln, 1 TL Kümmel, 4 Lorbeerblätter,

50 g Salz, 500 ml Brühe (Geflügel oder Kalb), 150 ml guter

Balsamessig, ca. 50 g Salz, Lorbeer / Rosmarin / Thymian / 1 Knoblauchzehe

/ Ronnys Gewürzsalz No. 1 Bürkle / 5 Scheiben Ingwer

Zum Abschmecken: Gewürzsalz, Pfeffer, Muskatnuss frisch,

Curry-Anapurna, Petersilie oder Schnittlauch

ZUBEREITUNG:

Zum Kochwasser reichlich Salz geben, ein bisschen Kümmel und Lorbeer.

Gewaschene Kartoffeln mit der Schale ca. 25 Minuten darin kochen.

Brühe mit Essig, Kräutern und Ingwer in einem Topf auf kochen,

ca. 10 Minuten ziehen lassen. Die warmen Kartoffeln pellen und sofort

hobeln oder in sehr dünne Scheiben schneiden. Die heiße Brühe-Essig-

Mischung absieben und in die Kartoffeln geben, 10 Minuten richtig gut

durch schwenken. Mit Gewürzen und Kräutern abschmecken.

Tipp: Je nach Jahres zeit mit Pilzen oder Spargel sowie ein paar

Tropfen Trüffelöl verfeinern.

Zitronengrassuppe: 2 Liter Geflügelfond (oder Hühnerbrühe), 5 Stängel

Zitronengras geschnitten, Ingwerknolle ca. 100 g; 6 Blätter Kaffir-

Limette, 2 Knoblauchzehen, ca. 2 TL Kurkuma (echter Indischer),

200 ml Sahne, 200 g Kokosmilch (ungesüßt), etwas Stärke, Sesamöl,

Purple Curry.

ZUBEREITUNG:

Fond, Zitronengras, Ingwer, Limette, Knoblauch und Kurkuma in einem

Topf aufkochen und auf ein Drittel einkochen. Mixen und absieben.

Sahne und Kokosmilch dazugeben und aufkochen. Abschmecken, mit

Curry-Anapurna und frischem Zitronengras abrunden, mit Stärke abbinden.

Tipp: Einen Spritzer Sesamöl dazugeben und mit Purple Curry dekorieren.

SEKTEMPFEHLUNG:

Oberkircher Winzer, Sekt, Cuvée Royal Brut Nature

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GRINDE-HÜTTE

Text: Pascal Cames Fotos: Hubert Grimmig

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Kulinarisch und auch

sonst ganz oben

NEUES GASTRO- UND WANDERZIEL:

DIE GRINDE-HÜTTE AUF DER HORNISGRINDE

Wo der Schwarzwald liegt, hat sich herumgesprochen,

aber was macht den Schwarzwald

zum Schwarzwald? Sind es die Seen? Die

dunklen Tannen? Die Aussicht? Oder gar

der Ruf des Auerhahns? Wahrscheinlich all das zusammen.

Wer den Zauber der schwarzen Wälder als Ganzes erleben

will, fährt am besten auf die Schwarzwaldhochstraße. Hier

ist man mittendrin statt nur dabei. Deutschlands erste

und – wie viele sagen – schönste Panoramastrecke führt

durch ein Gebiet, das bereits 1911 zum Bannwald ausgerufen

wurde. Bannwald bedeutet: Hier wird kein Holz geschlagen.

Heute ist hier der Nationalpark, in dem die Natur noch viel

mehr Freiraum bekommt als früher. Die Schwarzwaldhochstraße

führt von Baden-Baden bis Freudenstadt und hat

etliche bemerkenswerte Plätze, wie zum Beispiel den

Panoramaparkplatz am Schliffkopf oder den sagenhaften

Mummelsee. Aber ob man nun hier oder am Schliffkopf hält

oder am Seibelseckle oder am Ruhestein, ein Gefühl stellt

sich immer ein. Hier möchte man wandern, zumindest aber

sich ein bisschen die Beine vertreten, Luft holen, entschleunigen

(Waldbaden!) oder eine kernige Tour mit dem Mountainbike

antreten. Was zeigen die Wanderschilder? „Wilder See“.

Der liegt geheimnisvoll in einer Talmulde. „Hornisgrinde“.

Die ist von weither gut zu sehen (1.155 Meter) und bietet

auch eine tolle Aussicht. (Zudem schaut die freie Heidefläche

mit ihren Mooren fast schon skandinavisch aus, aber das

nur nebenbei.) Dort, an ganz exponierter Stelle gibt es

mit der Grinde-Hütte einen neuen kulinarischen Hotspot.

Der Gastgeber der Grinde-Hütte heißt Nicolas Zepf, ist 28

Jahre jung und hat Hotel- und Gastronomiemanagement

studiert und in zig Tophäusern Erfahrungen gesammelt. Er

entstammt einer Baiersbronner Gastronomenfamilie (Forsthaus

Auerhahn) und fühlt sich hier wie im Paradies. Er

schwärmt von der Aussicht ins Rheintal und auf die Alpen

bei Inversionswetterlage, aber vor allem auch von der

Landschaft. Wenn er Zeit hat, wandert er auch. Der Name

„Hütte“ ist stark untertrieben, denn in Sachen Architektur

und Material (viel Glas, aber auch viel Holz) spielt man ganz

oben mit. Auf der Schwarzwaldhochstraße spielt die Grinde-

Hütte in einer eigenen Liga, so viel steht fest. Das zeigt sich

auch auf der Speisekarte mit Schwarzwälder Schinken,

Gulasch- und Nudelsuppe neben Grinden-Burgern oder

Riesengarnelen. Warum? Nicolas Zepf hat sich von der

Architektur inspirieren lassen, so einfach ist das. Tradition

muss sein, aber der Sinn steht auch nach moderner Küche.

Ob man nun ein klassisches Vesper oder ein in Thymiansoße

geschmortes Hirschgulasch bestellt, satt machen sie beide

und die Frage, ob es schmeckt: geschenkt. Seit der Eröffnung

wird die Grinde-Hütte als ein neues Wanderziel sehr gut

angenommen, erzählt Nicolas Zepf. Wie wird es erst sein,

wenn der letzte Schnee geschmolzen ist? Dann heißt das

Stichwort Terrasse! Davon gibt es sogar zwei. Da kann

man beruhigt seinem Bauchgefühl folgen und eine kürzere

oder längere Wanderung zur Grinde-Hütte unternehmen.

Gut einkehren gehört definitiv zum Schwarzwald.

GRINDE-HÜTTE

Kleiner Wandertipp von Nicolas Zepf:

vom Mummelsee über den Katzenkopf auf die

Hornisgrinde, 3 Kilometer, ca. 45 Minuten

Grinde-Hütte

Hornisgrinde 12

77889 Seebach

Tel. 07842 / 42 73 897

(Die Grinde-Hütte ist vom Mummelsee in 20 Minuten

zu Fuß zu erreichen. Gehbehinderte können mit dem

Auto anfahren.)

www.grindehuette.de

17


WEIN-ABC

W WIE WEINBERG

WEIN-ABC von:

Frank Männle

Qualitätsmanager

Weinbau

Oberkircher Winzer

Wie schon die Bibel (Gleichnis vom Weinberg

etc.) zeigt, gehört der Weinbau zu den

ältesten Errungenschaften der Menschheit.

In Europa machten sich die Römer um

den Wein verdient. Reben wurden zuerst

in den Flusstälern angepflanzt, als es dort an

Platz fehlte, wurde die Vorbergzone bestockt.

So entstand die Grundlage für guten Wein.

Ein Weinberg ist nicht nur schön fürs Auge

(Tourismus!), sondern hat auch viele

Standortvorteile. Zum einen ist

die Sonneneinstrahlung besser.

Weinberge sind meist nach Süden,

Westen und auch Osten ausgerichtet,

um möglichst viel Licht und

Wärme einzufangen. Gerade im

gemäßigten Klima sind Südlagen für wärmeliebende

Rebsorten vorteilhaft. Der noch

größere Vorteil eines Weinbergs im Vergleich

zu einer Tallage ist die viel bessere Durchlüftung. In Talsenken

sammelt sich Tau und diese Feuchtigkeit lässt Pilze wachsen,

die Trauben und Rebstock angreifen. Das geht auf Kosten der

Qualität. In bergigen Lagen entsteht weniger Tau und auch die

Abtrocknung nach Regen verläuft schneller.

Die Aufgabe eines Winzers ist es, für jede Lage die beste, also

passende Rebsorte zu finden. Boden, Ausrichtung, Höhenlage

und mehr spielen hier eine Rolle. Man stellte fest, das steinige

Böden wie zum Beispiel in der Ortenau (Granit) gute Weine

ergeben. Die Regel lautet: Je weiter nach oben auf den

Berg, desto steiniger wird es: nicht nur der Boden,

sondern auch die Arbeit.

Früher hatten die Winzer in Deutschland immer

wieder das Problem von unreifen Trauben. Seit

etwa drei Jahrzehnten ist das überhaupt kein

Thema mehr. Die Klimaerwärmung wirkt sich aus. Manche

Rebsorten müssen darum „umziehen“, Riesling wird in

höheren Lagen angepflanzt und die ganz heißen

Lagen sind jetzt für Chardonnay,

Syrah und Merlot reserviert. Im

Laufe der Zeit hat sich die Höhengrenze

im Weinberg mehrfach

verschoben. Es ist überliefert,

dass es anno 1383 im Hotzenwald

auf 720 Metern Reben hatte und 1569

wurde im damals württembergischen Hornberg

ein Rebberg anlegt. Beides ging aus wie das

Hornberger Schießen.

Aktuell liegt im Badischen (am Oberrhein) die Höhengrenze

bei 400 Metern. Die steilsten Weinberge sind in der Ortenau

(Engelsfelsen, Bühlertal) und die höchsten im Hegau mit

530 Metern (Olgaberg) sowie 562 Metern (Elisabethenberg) auf

dem Hohen twiel. Dass Weinbau im Weinberg zu exzellenten

Ergebnissen führt, ist bekannt und hat sich auch in den

Gewannnamen niedergeschlagen. Wenn eine Lage Goldenes

Loch (Neuweier), Sonnenglanz (Zellenberg) oder Paradies

(Oberkirch) heißt, kann das Ergebnis eigentlich nur gut werden.

18


In Wahrheit schön

DIE WEINKOLUMNE

MIT VINCENZO DE BIASE

Wein

Lesen

W EIN TRIFFT INS HERZ

E ST 1973

Weine

zum Wandern

in meiner Heimat Süditalien ist Wandern nicht ganz so ein

Volkssport wie in Baden, aber auch uns zieht es ab und

zu in die Berge oder in einen Kiefernwald. Der Himmel

ist blau, die Luft ist würzig, was gibt es Schöneres? Für

Italiener ist der Ostermontag der klassische Tag für eine

Wanderung oder ein Picknick im Grünen. Aber auch an

anderen Tagen gibt es dafür reichlich Gelegenheit. Mein

Heimatdorf liegt auf fast 1.000 Metern Höhe, somit kennen

wir jedes Wetter: im Sommer Hitze, im Winter Schnee und

zu jeder Jahreszeit eine wunderbare Aussicht.

Wenn wir wandern, dann natürlich mit einer guten Flasche

Wein im Rucksack. Wir gehen es gemütlich an und machen

alle zwei, drei Kilometer eine Pause und trinken einen

Schluck. Salute! Oder wir nehmen uns etwas mehr Zeit

für den Wein und picknicken gleich in einer Waldlichtung

oder an einem Fleck mit schöner Aussicht.

Was haben wir dabei? Natürlich das, was für unsere

Region so typisch ist. Wir lieben kernigen Speck, pikante

Salami, luftgetrockneten Schinken, würzigen Bergkäse,

Pecorino, dazu Trauben und Oliven, die wir vorher im Ofen

getrocknet haben. Bestimmt hat jemand eine Decke im

Rucksack, die breiten wir aus und machen es uns darauf

gemütlich. Gemeinsam macht es einfach mehr Spaß und

so wird manchmal aus einer langen Wanderung eine

etwas kürzere.

Da es bei uns im Sommer sehr heiß werden kann, müssen

wir den Wein kühlen. Auch ein Roter kann etwas kälter

als „Zimmertemperatur“ sehr gut schmecken. Bei 30 Grad

im Schatten ist Kühlung zwar ein bisschen schwierig, aber

zum Glück gibt es kalte Gebirgsbäche und Kühlelemente.

Auch gut ist der Trick, im Rucksack eine eiskalte Flasche

Wasser neben den Wein zu legen. Das Wasser wird mit

der Zeit wärmer, aber der Wein behält seine Temperatur.

Welcher Wein? Wie überall gehen die Geschmäcker auseinander.

Wer würzige Wurst und geräucherten Speck

liebt, ist mit einem Wein aus dem Barrique gut beraten. Ein

Pinot Noir aus dem Holzfass passt mit seinen Raucharomen

immer. Ein markanter Weißwein schmeckt dagegen prima

zum Käse. Ein Rosé mit Frucht ist natürlich auch immer

eine feine Sache für ein Picknick. Für alle Weine gilt: Sie

sollten nicht so stark sein. Bei Hitze muss man aufpassen!

Ich habe schon bemerkt, dass zu einem Wein sehr oft

die Produkte aus der gleichen Region passen. Das ist in

Italien genauso wie hier im Badischen, wo wir mit Rivaner

(Müller-Thurgau), Rosé und Spätburgunder eine gute Auswahl

für jeden Gaumen haben. Nach ein paar Kilometern

zu Fuß schmeckt das Essen mit dem Wein doppelt so

gut. Gemeinsam mit Freunden wird’s noch mal besser.

Probieren Sie es aus!

Herzlichst

Ihr

VERITAS-Kolumnist Vincenzo De Biase stammt

aus der Basilicata in Süditalien und lebt und liebt

Wein. „Würde ich noch mal auf die Welt kommen,

würde ich es wieder machen“, sagt er über

seinen Beruf als Sommelier im Europa-Park.


WEINBEKENNTNISSE

»... weil er so viele Facetten hat ...«

Nichts als Wahrheiten. VERITAS-Leser erzählen, was ihnen zum Wein schmeckt, und andere Bekenntnisse.

Name: Laura Springer // Alter: 25 //

Leibspeise: Lendchen in Morchelrahmsoße //

Wohnort: Kippenheim // Beruf: Europa-

Industriekauffrau // Wenn ich ein Glas zu

viel getrunken habe: Kann ich oftmals

nicht aufhören zu lachen.

Ich trinke Wein, weil ...

ein gutes Glas am Abend für

die richtige Entspannung sorgt

und er beim Feiern der beste

Begleiter ist.

Name: Wolfgang Krumhard // Alter: 61 //

Leibspeise: Filetsteak in Pfefferrahmsoße

mit Pommes und Salat //

Wohnort: Schutterwald // Beruf: Beamter

im Vorruhestand // Wenn ich ein Glas zu

viel getrunken habe: Dann hat er mir

zuvor bestimmt sehr gut geschmeckt.

Ich trinke Wein, weil ...

ein guter Wein ein tolles Genussmittel ist.

Name: Fabio Engel // Alter: 29 //

Leibspeise: Käsefondue, Steak

mit Pommes // Wohnort: Basel //

Beruf: Qualifizierungsingenieur

(Pharma) // Wenn ich ein Glas

zu viel getrunken habe: Dann

war der Wein wohl sehr lecker!

Ich trinke Wein, weil ...

ich die Korken sammeln muss.

Für ein Bastelprojekt, falls jemand fragt. ;-)

Name: Bärbel Bruder // Alter: 19 //

Leibspeise: Mexikanische Küche //

Wohnort: Ohlsbach // Beruf:

Auszubildende zur Mediengestalterin //

Wenn ich ein Glas zu viel getrunken

habe: War der Abend sehr lustig!

Ich trinke Wein, weil ...

er so viele Facetten hat

und mich damit immer

wieder überraschen kann.

20


Viel Glück!

TRINKEN & GEWINNEN

Frühstücksbrunch für zwei Personen

Gewinnen Sie einen Frühstücksbrunch für zwei Personen im

Restaurant „Wasser & Brot“ im Hotel Liberty in Offenburg.

FRAGE:

„Cuvée“

Aus welchen beiden Weinsorten

wird der neue Vinum Nobile Rosé

hergestellt?

MITMACHEN BIS

31. 07. 2019

Zu gewinnen gibt es einen Frühstücksbrunch für zwei Personen im Restaurant „Wasser & Brot“ im Hotel Liberty in Offenburg.

Und so geht’s: Einfach die Antwort auf unserer Facebook-Pinnwand (www.facebook.com/oberkircherwinzereG)

posten oder eine E-Mail an info@oberkircher-winzer.de senden.

Alternativ können Sie uns die Lösung auch auf einer Postkarte an folgende Adresse senden: Oberkircher Winzer eG, Renchener Straße 42, 77704 Oberkirch. Nur ausreichend

frankierte Einsendungen mit vollständiger Absenderadresse nehmen an der Verlosung teil. Einsendeschluss ist der 31. 07. 2019. Teilnehmen kann jeder mit Ausnahme der Mitarbeiter

der beteiligten Unternehmen und deren Angehörigen. Eine Barauszahlung des Gewinnes und der Rechtsweg sind ausgeschlossen. Der Gewinner wird schriftlich benachrichtigt.

Gewinner des letzten Gewinnspiels: Bernd Kellner aus Spraitbach

SCHÖN

„Beim Wein

kommt der Genuss

zu sich selbst“

WELTWEIT WEIN

Weil der damalige Bundestagspräsident

Wolfgang Thierse (SPD) 2002 italienischen

Prosecco ausschenken ließ,

gründete sich das „interfraktionelle

Weinforum“, um den Bekanntheitsgrad

des deutschen Weins im Bundestag

und darüber hinaus zu vergrößern.

(Quelle: Knut Bergmann: Mit Wein

Staat machen – Eine Geschichte

der Bundesrepublik Deutschland )

Arne Willander, Rolling Stone

GESAGT

21


TERMINE & KALENDER

TERMINE

THEMA DATUM ORT

Badische

Weinmesse

3. – 5. Mai 2019

Ortenauhalle &

Baden-Arena,

Offenburg

8. Oberkircher

Comedy-Night mit

Zeus & Wirbitzky und

Roberto Capitoni

30. Mai 2019

Oberkircher

Winzer eG

Fest der Sinne 2. Juni 2019

Oberkircher

Winzer eG

COMEDY-NIGHT

Burgunderfest

im Winzerkeller

Hex Vom Dasenstein

23. Juni 2019

Winzerkeller Hex

vom Dasenstein,

Kappelrodeck

Immer drauf! „Wer Kollegen hat, der braucht

keine Feinde“, wissen die aus dem Radio bekannten

Sascha Zeus und Michael Wirbitzky.

Ihre Figuren „Ützwurst & Osterwelle“, „Peter

Gedöns“ und „Kathrin Vierthaler“ sind schon

legendär. Als Gast bringen sie Roberto Capitoni

zur Comedy-Night mit. Das wird lustig!

Oberkircher

Weinfest

30. August –

2. September 2019

Oberkirch

Nähere Infos zu den einzelnen Veranstaltungen erhalten Sie auf

unserer Website unter: www.oberkircher-winzer.de

KALENDER 2019

© Jen Rosenstein

MUSIK & KUNST DATUM ORT

Les Brünettes

Donnerstag,

9. Mai 2019

E-Werk, Freiburg

Mark Knopfler

Sonntag,

12. Mai 2019

Le Zénith, Straßburg

Yellowjackets

Sonntag,

2. Juni 2019

Vaya Casa,

Kappelrodeck

KISS KOMMT!

Die New Yorker Band Kiss hat sich

mit „I Was Made for Lovin’ You“ verewigt.

Dieser Song bleibt! Die etwas in

die Jahre gekommene Band tourt wieder

und mit dabei sind The Starchild

alias Paul Stanley und The Demon,

das ist der Mann mit der langen

Zunge. Das ist ein Fest!

Kiss

Gisbert zu Knyphausen

SWR Bigband & Max Mutzke

Samstag,

6. Juli 2019

Sonntag,

4. August 2019

Mittwoch,

14. August 2019

Galopprennbahn,

Iffezheim

ZMF, Freiburg

Volksschauspiele

Ötigheim

22


UNTERHALTUNG

Humor

1

Rätsel 1. Wie nennt man eine 1,5 Liter fassende

Weinflasche?

2

2. Wie werden Gerbstoffe auch genannt?

1

3. Wie heißt die Weißwein-Rebsorte

„Pinot Grigio“ auf Deutsch?

3

4

4

4. Welche Angabe muss nicht zwingend

auf dem Weinetikett stehen?

5

5. Ein anderes Wort für Bouquet.

6. Was ist der Fachbegriff für ein

Weinfass aus Holz?

6

3

Lösung

2

1. 2. 3. 4.

Die Lösung finden Sie ab dem 31.07. 2019 auf unserer

Facebook-Seite oder unter: www.oberkircher-winzer.de

23


Erleben Sie eine

märchenhafte Zeit im Renchtal

Oberkirch | Lautenbach | Oppenau

Urlaub & Genuss zwischen der Badischen Weinstraße

und dem Nationalpark Schwarzwald

RENCHTAL TOURISMUS GMBH | Bahnhofstraße 16 | 77704 Oberkirch | Tel. 0 78 02 82 - 600 | www.renchtal-tourismus.de

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