Denkmalpflegepreis 2019

denkmalpflege
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Sonderdruck der Denkmalpflege des Kantons Bern und der Zeitschrift UMBAUEN+RENOVIEREN, Archithema Verlag AG

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einzelnen Akteurinnen und Akteure aus,

die mit hartnäckigem Einsatz zur Lancierung

des Lehrgangs beigetragen haben.

Breite Verankerung

Am Ursprung des Lehrgangs in seiner heutigen

Form stehen zwei Pilotlehrgänge, die der

Schweizerische Maler- und Gipserunternehmer-Verband

SMGV gemeinsam mit der Denkmalpflege

des Kantons Zürich 2005 und 2007

erfolgreich lancierte. Im Zusammenhang mit

der Umsetzung der Unesco-Übereinkommen

zur Bewahrung des immateriellen Kulturerbes

– dazu zählt das Fachwissen über traditionelle

Handwerkstechniken – arbeitete auch

das Freilichtmuseum Ballenberg an einem Bildungsangebot

in diesem Bereich. Man kam

überein, das Projekt «Handwerk in der Denkmalpflege»

gemeinsam und auf breiter Basis

weiterzuentwickeln.

Nach einer ersten konstituierenden Sitzung

mit Vertretern vieler Berufsverbände, Interessengemeinschaften,

Restauratorenverbände und

Denkmalpflegestellen formierte sich ein grosses

Gremium. Ein Ausschuss überarbeitete danach

den bestehenden Pilotlehrgang und die bestehende

Berufsprüfung. Nach dem Start des ersten

Lehrgangs 2012 erfolgte die Gründung eines

Vereins, der alle Trägerorganisationen umfasst.

Dazu gehören 2019 bereits 21 Institutionen.

Um den Zusammenhalt und den Erfahrungsaustausch

unter den Absolventinnen und Absolventen

zu gewährleisten, wurde mit dem «Forum

HiD» ein Alumni-Gefäss geschaffen.

4 Fachrichtung Stuck: Modellierung

der Ornamente einer

Stuckdecke.

5 Zu den historischen Dekorationstechniken

eröffnet sich ein

weites Feld mit teilweise komplexen

Techniken: farbliche Neufassung

eines Kunststeinfrieses.

6 Kenntnisse über historische

Bautechniken, Materialien und

Werkzeuge sind entscheidend.

7 Die Fachrichtung Holzbau

umfasst die Sicherung, Ergänzung

oder den Ersatz von Konstruktionen

und Ausstattungen:

Fertigung eines Fensters nach

historischem Vorbild.

Partner auf

dem Gerüst

Das Präsidium des

Trägervereins ging 2018

von Reto Kradolfer an

Thomas Beer über. Beide

wünschen sich, dass

der Lehrgang sich weiter

etabliert.

Das traditionelle Handwerk scheint

aus der modernen Berufsbildung zu

verschwinden. Weshalb ist das so?

RETO KRADOLFER (RK): Das Handwerk

befindet sich gegenwärtig in einer ähnlich tief

greifenden Umbruchphase wie während der

Industrialisierung im 19. Jahrhundert. Wir alle

erleben den Megatrend der Digitalisierung; die

Auswirkungen sind auf sämtlichen Ebenen der

Gesellschaft spürbar, auch im Handwerk. Ich

selber erlernte das Gipserhandwerk in den

1960er-Jahren von meinem Vater auf dem Bau.

Heute ist das Handwerk auf dem Bau meist

industrielle Systemarbeit, man montiert vorproduzierte

Systeme.

THOMAS BEER (TB): Wenn man heute in

seinem Betrieb Handwerker möchte, die das

alte Handwerk beherrschen, muss man die Leute

selber ausbilden. Der Lehrgang «Handwerk

in der Denkmalpflege» (HiD) ergänzt die Ausbildung

der Berufsschulen und Ausbildungszentren

optimal. Er eröffnet Handwerkerinnen

und Handwerkern, die sich für alte Bauten

interessieren, ein spannendes Berufsfeld.

Besteht denn eine Nachfrage für

traditionelles Handwerk?

TB: Wenn man sich überlegt, wie viele historische

Bauten es gibt, viele davon mit Sanierungsbedarf,

ist es sicher ein Vorteil, einen Spezialisten

für das Handwerk in der Denkmalpflege

in den eigenen Reihen zu haben. Ich denke,

gutes Handwerk wird immer gefragt sein.

Handwerksbetriebe, die es schaffen, sich zu

spezialisieren und sich damit von der grossen

Masse abzuheben, reduzieren ihr Risiko bei

wirtschaftlichen Umbrüchen.

RK: Ich finde es wichtig, dass wir als Partner bei

der Instandstellung von historischen Bauten

akzeptiert sind. Wir wollen auf dem Gerüst

gemeinsam mit der Denkmalpflege, den Restauratoren

und Bauherrschaften nach Lösungen

suchen. Die Handwerkerin, der Handwerker in

der Denkmalpflege soll seine Sicht einbringen

14 Denkmalpflegepreis · 2019

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