AJOURE´ Magazin Juni 2019

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AJOURE / PEOPLE

JENNIFFER KAE

MEHR LIEBE ZUM DETAIL GEHT NICHT

Wie in Berlin nicht unüblich, ist nicht

nur der Klamotten-Style einzigartig, nein,

auch Tonstudios sehen bisweilen einzigartig

aus. So unique wie Jenniffer Kae selbst

ist auch der Proberaum, wo wir uns mit

der talentierten Deutsch-Sängerin treffen.

Sie steht kurz vor der Fertigstellung ihres

neuen Albums und eine süße Nervosität

ist ihr durchaus anzusehen. Sie liebt Details,

von den Instrumenten bis hin zu den

Lyrics. „Es wird etwas ganz Besonderes“,

verspricht sie und freut sich unheimlich

auf die Kurz-Tour durch Deutschland,

die vom 16. bis 21. Mai stattfindet. Was

ihr neues Album so besonders macht und

wieso sie mittlerweile in Deutsch singt,

verrät sie uns jetzt.

Am 17. Mai erscheint nach 11 Jahren

dein zweites Album. Diesmal deutschsprachig.

Worauf dürfen sich deine

Fans freuen, die dich bislang nur durch

deine englische Musik kennen?

Ich glaube, dass es noch persönlicher

geworden ist. Mein Facettenreichtum ist

dieses Mal auf jeden Fall deutlicher geworden.

Die Produktion war ein großer

Schwerpunkt. Wir haben zwei intensive

Jahre damit verbracht. Jeder Mensch

und jeder Musiker, der an dieser Platte

mitgearbeitet hat, ist ein besonderer Musiker

für mich. Alleine aus dem Grund,

weil wir Freunde sind. Ich wollte schon

immer etwas machen, das aus einer Natürlichkeit

heraus entsteht.

Ich habe mich nie dazu genötigt gefühlt,

jetzt unbedingt eine Platte zu produzieren.

Es gab einfach einen Punkt, an

dem ich angefangen habe, Ideen zu sammeln,

nach denen ich aber nie aktiv gesucht

habe. Irgendwann begegnete mir

der Produzent und wir haben uns dazu

entschlossen zusammenzuarbeiten. Ich

habe ihm meine Arbeiten gezeigt und

Musiker vorgestellt, mit denen ich gerne

etwas machen würde. So haben wir in

einem natürlichen Prozess alle Fäden zusammengebracht.

Meiner Meinung nach

hört man, dass wir zwei Jahre ganz in

Ruhe an diesem Album gearbeitet haben.

Dieses Album hat eine Liebe zum Detail

und befreit von Trends. Für mich fließt

alles zusammen, was ich gerne höre. Außerdem

spielen die Menschen, die ich

liebe. Es sind einfach meine Texte und

meine Geschichten. Deshalb war es noch

nie so unverkopft, aber zeitgleich so ehrlich.

In den letzten Jahren ist Deutschrap

extrem hochgekommen. Du hast jedoch

deinen ganz eigenen Style, der alles

andere als Mainstream ist. Wie sieht

das dein Plattenlabel? Bekommst du

Vorgaben, dass du eher in den Mainstream

hinein produzierst?

Ich weiß es sehr zu schätzen, dass ich

meine Freiheiten habe. Ich glaube, das

hat damit zu tun, dass Michi Stockum,

der mich damals bei Four Music gesigned

hat, mich über eine lange Zeit hinweg

aus der Ferne in verschiedenen Konstellationen

beobachtet hat. Zum Beispiel

habe ich für meinen guten Freund Nisse

Chorarrangements gemacht und auch

gemeinsam mit ihm Songs für seine Platte

geschrieben. So hat sich das auf natürliche

Art und Weise entwickelt, dass ich

auf deren Radar auftauchte.

Es gab dabei nie den Ehrgeiz, dass aus

mir mal ein großer Popstar werden sollte.

Ich glaube, dass einfach Interesse an mir

da war. Micha hat immer gesagt, wenn

ich was zum Vorspielen habe, soll ich

immer als erstes bei ihm vorbeikommen.

Ich habe ihm die zwei Demos gezeigt,

die Hannes und ich in seinem Wohnzimmer

aufgenommen haben, weil er

damals noch kein Studio hatte. Das hatte

für Michi und Four Music wohl irgend-

eine Eigenständigkeit und hat deren

Nerv getroffen. Das ist eine unglaublich

große Chance für mich gewesen, dass ich

damit eine Tür aufgestoßen habe.

Ansonsten musst du dich groß beweisen

und anständig bewerben. Wir hatten

zum richtigen Moment etwas am Start

und konnten vorlegen. Normalerweise

ist das ein Prozess von vier bis fünf Jahren.

Er hat es sich angehört und wir hatten

einen Deal. Da war einfach ein Vertrauen

mir gegenüber da. Ich weiß nicht,

ob sie es schon bereuen (lacht).

Du singst als Backgroundsängerin von

Cro und Johannes Oerding schon eine

ganze Weile auf Deutsch. Was war der

Grund von deiner ursprünglichen englischsprachigen

Musik auf Deutsch zu

wechseln?

Beim Englischen bin ich irgendwann

an eine Grenze gestoßen. Nach dem Album

habe ich eine zweite EP gemacht

und habe im Nachhinein überlegt, was

das werden kann. Ich hatte noch ein

paar Songs auf der hohen Kante, aus

denen die EP dann auch entstanden ist.

Mit Johannes bin ich auf Tour gegangen

und habe verschiedene Tour-Supports

gespielt. Das war aufs ganze Jahr mit

verschiedenen Bands verteilt nur mit

englischen Songs. Trotzdem hatte ich ein

starkes Bedürfnis, den Leuten, die mich

noch nicht kennen, zu erklären, worum

es in meinen Liedern geht. Nicht alle

sprechen fließendes Englisch. Irgendwann

habe ich mich selbst dabei ertappt,

wie ich den Zuhörern immer einen Beipackzettel

mit zu den Songs geben wollte.

Ich habe vier bis fünf Minuten nur über

den Inhalt des Songs geredet. Dann

dachte ich, was für ein Quatsch. Gregor

Meyle meinte irgendwann zu mir, dass

ich so viele tolle Geschichte zu erzählen

hätte und ich solle doch endlich damit

AJOURE MAGAZIN SEITE: 53 | JUNI 2019

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