AJOURE´ Magazin Juni 2019

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AJOURE / PEOPLE

anfangen. Auch eine gute Freundin hat

mir gesagt, dass ich so eine schöne Sprache

habe und ich doch etwas daraus machen

soll. Nichtsdestotrotz bin ich mit

englischsprachiger Musik groß geworden.

Das prägt bis heute noch meinen Musikgeschmack.

Ich hatte einfach den Wunsch,

das zu erforschen. Auf einmal sind dann

die Songs dagewesen und im Studio hatte

ich das Gefühl, dass das alles so viel persönlicher

ist.

Danach habe ich auch gesucht. Es war keine

Challenge mehr für mich, krasse Noten

zu singen oder Gänsehaut durch meinen

Gesang zu erzeugen, sondern anzufangen,

meine Geschichte zu erzählen. Das geht in

keiner Sprache besser als in der, in der wir

groß geworden sind.

Gab es schon erste Resonanzen von

deinen Fans?

Das Abgefahrene ist, dass die Nachrichten,

die mir heute geschrieben werden, sehr

viel persönlicher sind. Ich merke, dass die

Menschen anders berührt sind. Die Leute

haben Lust zu den Konzerten zu kommen

und ich habe das Gefühl, es muss langsam

wachsen, denn es ist keine Musik, in die

du dich beim ersten Mal hören verliebst.

Es muss irgendetwas mit dir machen und

etwas in dir zum Klingen bringen. Wenn

das passiert, habe ich den Eindruck, dass

es den Leuten sehr nahekommt.

Das ist auch mein größter Wunsch. Ich

möchte nicht groß Eindruck schinden

oder die Über-Sängerin sein. Für mich

geht es darum, die Dinge zu vertonen, die

in meinem Herzen passieren und das ist

nicht immer vorhersehbar. Aber ich werde

immer mutiger darin, mich nicht hinter

einem Sound zu verstecken, sondern

mein Gefühl eins zu eins rüberzubringen.

Am 16. Mai startest du mit einer kleinen

Clubtour durch sechs deutsche Städte.

Mit dabei sind Köln, Stuttgart, München,

Leipzig, Berlin und Hamburg.

Wie aufgeregt bist du?

Ich bin extrem aufgeregt. Das ist für mich

gar kein Vergleich mehr. Wir haben teilweise

vor 25.000 Menschen auf dem Lollapalooza

Festival hier in Berlin gespielt.

Wenn du aber über drei oder vier Jahre bis

zu dreimal die Woche vor so vielen Menschen

stehst, dann ist es am Ende egal, wie

viele Leute vor dir stehen. Du merkst, dass

es etwas mit dir zu tun hat, denn auf der

Bühne zu stehen ist eine subjektive Erfahrung.

Die Anzahl der Zuschauer hat für

mich nichts mehr auszusagen. Es kommt

eher darauf an, was du da oben machst,

wie du dich erlebst und wie du dich mit

den anderen Leuten connectest, die mit

dir auf der Bühne stehen. Erst wenn das

passiert, springt ein Funke über.

Ich habe schon vor so vielen Leuten gespielt,

ohne dass dieser Funke übergesprungen

ist. In verschiedenen Konstellationen.

Jetzt kommt so langsam ein Punkt,

an dem ich mich nicht hinter Choreografien,

keinem anderen Sänger, keiner krassen

Lichtshow und keiner Monster-Leinwand

verstecken kann. Diese Animation

und dieses Extrovertierte ist ein Teil von

mir. Aber diese andere Seite macht mich

viel aufgeregter. Dort kann ich mich nicht

vor mir selbst verstecken, denn wenn ich

das tue, verliere ich die Verbindung. Diese

kleinen Club-Touren machen dieses Gefühl

viel deutlicher. Du hast keine Distanz

mehr und bist eins zu eins mit den Leuten

vor Ort. Du spürst deinen Flow und

merkst, wenn du die Zuschauer abgeholt

hast. Das ist dann keine Masse mehr, sondern

einzelne Gesichter. Und diese Vorstellung

macht mich soooooo nervös!

Werden ausschließlich Songs aus dem

neuen Album zu hören sein oder spielst

du auch deine damaligen Tracks wie

„Little White Lies“ und „Do You Love

Me“, die hierzulande ziemlich erfolgreich

waren?

Ich habe lange überlegt und glaube, dass

ich das noch gar nicht so verraten möchte,

wie ich mich am Ende entschieden habe.

Ich sag es aber mal so: es gibt nichts, hinter

dem ich mich verstecken muss, von

den Sachen, die ich vor elf Jahren gemacht

habe. In meinem Fall habe ich keinen

Grund, irgendwas zu verschweigen. Andererseits

ist es schon so lange her, dass

es eine Art Verjährung für die Leute hat,

die da sind. Ich glaube nicht, dass Leute da

sind, die „Little White Lies“ hören wollen,

sondern es sind eher neue Leute.

Aber ich habe trotzdem das Bedürfnis,

diesen Aspekt von mir auch zu zeigen. In

welcher Form das passieren wird, verrate

ich noch nicht.

Deine ganze Familie ist sehr musikalisch,

von deinen Eltern angefangen,

über deine jüngere Schwester, bis hin

zu dir. Gab es nie die Idee, mit deiner

Schwester gemeinsam aufzutreten?

Nein, wir haben so grundverschiedene

Geschmäcker und wir sind in dieser Hinsicht

wie Nord- und Südpol. Wir lieben

uns unglaublich und wir sind uns wahnsinnig

nahe. Sie ist die Art von Freundin

für mich, zu der ich sage: „Würde ich

niemals anziehen, aber steht dir!“ Unsere

Schnittmenge ist, dass wir beide gerne

singen, aber was wir singen, ist ein Unterschied

wie Tag und Nacht.

Ich muss aber sagen, dass ich mit keinem

Menschen so gut zweistimmig harmonieren

kann. Ich singe einen Ton und sie

singt ihn perfekt dazu. Ohne zu wissen,

wo es hingeht, klingt es zusammen immer

mega-gut. Wir konnten uns musikalisch

einfach noch nie einigen. By the way fährt

sie dieses Jahr zum ESC.

Wenn du ein paar Jahre in die Zukunft

sehen könntest, was würdest du am

liebsten wissen wollen?

Ich glaube, ich würde gar nichts aus meiner

Zukunft wissen wollen. Ich übe, in

mir zu ruhen und ich muss mich wirklich

dazu zwingen, das auch zu tun. Diese

Menschen sind im Hier und Jetzt verankert.

Wir kennen solche Leute. Die strahlen

so eine Gelassenheit aus. Du bist um

sie herum und denkst nur, dass es dir gut

geht, ganz egal, was dich gerade belastet.

Ich versuche immer mehr so ein Mensch

zu werden, indem ich mir selbst beibringe,

die Dinge im Hier und Jetzt zu tun und

meine Gedanken und meine Energie auf

den Punkt zu fokussieren, in dem ich jetzt

gerade bin.

Für mich ist das eine große Aufgabe. Mein

ganzes Leben lang bin ich gereist. Wir

waren immer auf der Hut, wo es uns als

nächstes hinziehen könnte. Wir haben

ständig unsere Zelte abgebaut. Die größte

Aufgabe in meinen Leben ist also Beständigkeit.

Deswegen wünsche ich mir das

eigentlich nicht zu wissen, sondern nur

darüber nachzudenken, was jetzt gerade

ist und den Moment anzunehmen. Die

Dinge so wie sie sind anzunehmen.

AJOURE MAGAZIN SEITE: 54 | JUNI 2019

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