Kreuzfahrt Triest - Dubai

gerhard.hochl

Auf den Spuren von Marco Polo

Auf Marco Polos Spuren

Triest - Dubai

08.03. - 27.03.2019

© Bilder und Layout

gerhard.hochl@gmx.at

© Text auch aus Reiseführern, Costa Ausflugsprogramm, Internet und Lexikonthek

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Fr. 08.03. Das Ablegen in Triest war um 20:00 geplant

Wir wurden von einer lieben befreundeten

Familie mit dem Auto nach

Triest gebracht. Als Costa Clubmitglied

Perla Diamante wurden wir

beim Einschiffen als prioritie Passagiere

behandelt.

Diesen Umständen konnten wir es

verdanken, dass wir gegen 13:00

bereits an Bord waren Viele andere

Passagiere hatten bei der Anreise

große Probleme und so kamen die

letzten erst gegen 22:00 an und das

verzögerte auch die Abfahrt .

In der Kabine machte uns der der

Bildschirm mit der Route und den Sicherheitseinrichtungen

bekannt. Der

Blick vom Kabinen-Balkon offenbarte

uns das Herz von Triest. Die geschichtsträchtige

Stadt gehörte vom

14.Jh. bis zum Ende des ersten Weltkrieges

zu Österreich. Sie war unter

der Habsburger Regentschaft ein

Die Venezia bei der Überstellung von Maghera / Venedig nach Monfalcone

Die Costa Venezia der Reederei

Costa Crociere ist ein Kreuzfahrtschiff

der neuen Vista-Klasse. Das

ist ein für den Carnival Konzern, zudem

auch Costa gehört, speziell entwickelter

Kreuzfahrtschiffstyp.

Den Auftrag bekam die Schiffswerft

Fincantieri, die größte europäische

Werft mit Werken in Marghera bei

Venedig und in Monfalcone. Drei

Schiffe dieses Typs sind fertig, davon

unternahm das letzte, die Venezia

ihre Jungfernfahrt ab 08.03.2019.

Das Schiff wurde speziell für den

chinesischen Markt entwickelt und

es wird ab Mai 2019 von Shanghai

aus, unter der Marke Costa Asia im

Chinesischen Meer eingesetzt werden.

Die Baukosten beliefen sich auf

etwa 700 Millionen Euro. Das 321m

lange und 37m breite Schiff hat auf

den 14 Decks 2116 Kabinen und

ist für über 5.200 Passagiere zugelassen.

Die Höchstgeschwindigkeit

beträgt 23 Knoten und die ökonomische

Marschfahrt liegt bei 18 - 20

Knoten, das sind im Mittel 36 h/km.

Die Taufzeremonie war am 1. März

2019 in Triest im Beisein der politischen

Prominenz. Als Taufpaten fungierte

die Chinesin Gan Beiye mit ihrer

Familie, Costa-Kunde seit 2011.

Die Costa Venezia ist Teil eines Expansionsplans

der Costa Gruppe.

Das Investitionsvolumen beträgt

über 6 Milliarden Euro für sieben

neue Schiffe. Ein baugleiches Schiff

wird 2020 fertiggestellt und soll ebenfalls

im asiatischen Raum kreuzen.

wichtiger Handelshafen

und ein bedeutender

Stützpunkt der österreichischen

Marine und

der Wirtschaft

Nach dem Zusammenbruch

der Österreichisch-Ungarischen

Monarchie fiel die kulturell,

sprachlich und ethnisch vielfältige

Region an Italien. Durch die für Waren

kaum durchlässige Grenze zum

damaligen Jugoslawien geriet sie in

eine wirtschaftliche Randposition, die

sich erst durch den Beitritt Sloweniens

zur EU auflöste.

Den Mittelpunkt von Triest bildet der

prächtige Platz Piazza della Unita de

Italia, unweit des Meeres, an dem

sich imposante neoklassizistische

Prachtgebäude wie der Palazzo del

Governo, das prunkvolle Rathaus,

der Palazzo Pitteri und viele mehr

aneinanderreihen. Ganz in der Nähe

ist der Opernplatz mit dem nach Guiseppe

Verdi benannten Opernhaus.

Hier steht auch die 1806 erbaute Alte

Börse, die heute die Handelskammer

beheimatet und eine Statue vom

Habsburger Kaiser Leopold I.

Die Borgo Theresiana mit ihrem großen

Kanal ist der wohl malerischste

Stadtteil. Er wird von schönen Cafes

und Lokalen entlang des Kanals beherrscht.

Premium Balkonkabine 8296 auf Deck 8

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09.03. Dubrovnik 15:00 - 22:00.

Eine große Geschichte hat die kroatische

Hafenstadt Dubrovnik, die

malerisch an der Adria liegt und mit

einem fantastischen mittelalterlichen

Stadtkern aufwartet, der unter dem

Schutz der UNESCO steht.

An der äußersten Spitze Kroatiens

gelegen ist Sie die kulturelle Hauptstadt

des Landes und wegen ihrer

einmaligen Schönheit ein viel besuchtes

touristisches Urlaubsziel.

Von einer mächtigen Stadtmauer

umgeben, hat das historische Zentrum

die Jahrhunderte nahezu originalgetreu

überstanden.

Auf Grund der kurzen Hafen-Liegezeit

und schon mehrerer ausgiebiger

Besuche in Dubrovnik innerhalb der

letzten Jahre, haben wir nur einen

kleinen Spaziergang im Hafengelände

vor dem Abendessen gemacht.

BARI die Provinzhauptstadt von Apullien

Bari war bereits um 1500 v. Chr. bewohnt.

Aber erst als Teil des Römischen

Reiches gewann die Stadt an

Bedeutung und konnte Gesetze erlassen

und eigene Münzen prägen.

Seit dem 4. Jahrhundert ist der Ort

Sitz eines Bistums.

Im Jahr 847 eroberte eine Flotte der

Sarazenen die Stadt, die dort ein islamisches

Emirat in Italien gründeten.

871 wurde Bari wieder vom Oströmischen

Reich (Byzantinischen Reich)

eingenommen, das dort das Zentrum

seiner italienischen Territorien

errichtete.

Nach dreijähriger Belagerung eroberten

1071 die Normannen die

Stadt, den zu dieser Zeit letzten Besitz

von Byzanz in Italien.

Unter Friedrich II., der von 1230 bis

1250 auch Kaiser des Römisch-Deutschen

Reiches war, erlebte Bari ab

1221 eine Blütezeit. Bei seiner Rückkehr

von seinem Kreuzzug im Jahr

1229 waren die Tore der Stadt verschlossen,

so dass er sich gewaltsam

Zutritt verschaffen musste. Daher

ließ er das Kastell bauen, um die

Stadt in Schach zu halten. Heute ist

dort das Museum mit wechselnden

Ausstellungen untergebracht.

Die Gebeine des heiligen Nikolaus

wurden 1087 von Myra nach Bari gebracht,

die in der Basilika San Nicola

als Reliquie verehrt werden

So 08.03. Bari 08:00 - 18:00

An diesem Tag wollten wir den SPA-Bereich aufsuchen.

Auszug aus der Beschreibung für Club Status Diamant:

Ein ganzer kostenloser Tag im SPA, sofern ein solches zur

Verfügung steht (während der Aufenthalte im Hafen, für das

Mitglied und eine Begleitperson aus derselben Kabine)

Leider wurde dieses Privileg, wie viele andere Club-Vorteile

auf diesem Schiff mit fadenscheinigen Ausreden

nicht gewährt. Für diesbezügliche Beschwerden fühlte

sich niemand zuständig und so wurden eine große Anzahl

von europäischen Gästen vor den Kopf gestoßen.

Für uns ergab sich die Frage - 3 Wochen ärgern oder

Die Basilika San Nicola wurde eigens

für diese Reliquie zwischen Pilgerstätte für römisch-katholi-

Sie ist seither eine viel besuchte

das Costa-Stamm-Kunden-Vertreibungsprogramm ausblenden

und die Reise genießen. Wir blendeten aus und

1087 und 1106 gebaut.

sche und orthodoxe Christen.

genossen dann gleich den Landgang in Bari.

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noch nicht Bischof und Erbe eines

größeren Vermögens, erfuhr von der

Notlage und warf in drei aufeinander

folgenden Nächten je einen großen

Goldklumpen durch das Fenster des

Zimmers der drei Jungfrauen. In der

dritten Nacht gelang es dem Vater,

Nikolaus zu entdecken, ihn nach seinem

Namen zu fragen und ihm dafür

zu danken. Aufgrund dieser Legende

wird der Heilige oft mit drei goldenen

Kugeln oder Äpfeln dargestellt.

Bei der Grablegung des heiligen Nikolaus

entsprang am Kopfende des

Sarkophags eine Quelle mit Salböl

und am Fußende eine mit Wasser.

Heutzutage ist der Ritus der Erhebung

der Santa manna Teil der alljährlichen

Feiern in Bari zum Gedenken

an die Reliquientranslation. Denn

die Manna, jene Flüssigkeit, die sich

im ursprünglichen Grab des Heiligen

in Myra bildete, entsteht auch im Reliquiengrab

in der Krypta der Basilika in

Bari. Im Jahr 1925 wurde die Flüssigkeit

von der Universität in Bari chemisch

analysiert und stellte sich als ziemlich

reines Wasser heraus. Es werden im

Wesentlichen zwei Erklärungen vertreten:

Während die einen von einem echten

Wunder sprechen, weil die Reliquien

das Jahr über verschlossen liegen

und nur am 9. Mai mit der Atmosphäre

in Kontakt kommen, vertreten andere

die Meinung, es handle sich um eine natürliche

Kondensation. Zwar bestätigen

Gläubige, sie hätten durch die Manna

Trost und Hilfe erfahren; dennoch wird

dieser Kult nicht propagiert oder gefördert,

damit der Unterschied zwischen

Erlebnissen, privaten Glaubens und allgemeingültigen

verpflichtenden Lehren

erhalten bleibt.

Nikolaus ist einer der bekanntesten Heiligen der

Ostkirchen und der lateinischen Kirche. In Russland,

wo Nikolaus der Landespatron ist, rangiert

er gleich hinter der Gottesmutter Maria. Sein

Gedenktag, der 6. Dezember, wird im gesamten

Christentum mit zahlreichen Volksbräuchen begangen.

Geboren wurde der spätere Bischof von Myra um

280 in Patara, das liegt in der heutigen Türkei. Seine

Eltern starben an der Pest - so besagt es die

Legende. Nikolaus erbte ihr Vermögen und verteilte

es an Arme.

Er gilt als Schutzpatron der Kinder, Reisenden

und Seeleute. Viele Legenden ranken sich um das

Leben und Wirken dieses Heiligen.

In Seenot geratene Schiffsleute riefen in ihrer gefährlichen

Lage den heiligen Nikolaus an. Ihnen erschien ein

mit Wunderkräften ausgestatteter Mann und übernahm

die Navigation, setzte die Segel richtig und brachte sogar

den Sturm zum Abflauen. Daraufhin verschwand

der Mann wieder. Als die Seeleute in der Kirche von

Myra zum Dank für ihre Rettung beteten, erkannten

sie den Heiligen und dankten ihm. Wegen dieser und

ähnlicher Erzählungen wurde Nikolaus zum Patron der

Seefahrer.

Wir ließen diesmal die sehenswerte Altstadt

unbeachtet. Von unserer Reise zu

den griechischen Inseln im Jahr 2018

gibt es ja schon einen ausführlichen Bericht

darüber. Wir schlenderten über die

ehemalige Stadtmauer mit bemerkenswerten

Ausblicken bis zum alten Hafen.

Dort erschließt sich am Rand der Neustadt

der Yachthafen und eine Vergnügungsmeile

mit netten Restaurants und

Bars.

Das Stadtviertel empfängt ihre Besucher

mit mediterraner Gelassenheit und der

landestypischen Gastfreundschaft, die

hier im Gegensatz zu anderen Regionen

Italiens noch nichts von ihrer Authentizi-

Ein verarmter Mann beabsichtigte, seine drei Töchter

zu Prostituierten zu machen, weil er sie mangels Mitgift

6 nicht standesgemäß verheiraten konnte. Nikolaus,

tät einbüßt hat.

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Rein zufällig erlebten wir den, an diesem Sonntag veranstalteten

Volkslauf quer durch die Stadt. Wie jedes Jahr

wurde die Veranstaltung vom Radiosender „DEE JAY“

organisiert. Die Reihe der Sponsoren war lang und die

Anzahl der Teilnehmer vom Baby bis zur Oma überstieg

sicher die 10.000er Marke.

Vorbei am Castello Svevo ging es Richtung neuem Hafen. Wie

schon erwähnt wurde das Kastell vom Normannen-Herrscher

Friedrich II im Jahr 1230 errichtet.

Nicht bei allen Einheimischen

rief der Lauf uneingeschränkte

Aufmerksamkeit hervor. Die

Seniora reinigte ihren Staubsauger

und entsorgte den Inhalt

gleich auf die Straße.

Auch wir nützten die Nähe

zum Hafen und gingen wieder

an Bord zurück um zu relaxen.

Leider hatten viele Passagiere

die gleiche Idee und der Poolund

Ruhebereich war schon

stark besetzt. Wir machten einen

Rundgang um den riesigen

Koloss näher kennen zu lernen.

Suchbild: Wer mehr als 4 Handys findet hat gewonnen!

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Auf dem Oberdeck finden wir ein

großes Kinderbecken und drei lange

Wasserrutschen. Ein Minigolfparcours,

ein Kleinfußballplatz und

ein Kletterpark vervollständigen das

Freiluftangebot.

Im Vorschiffsbereich auf Deck 14

wurde ein schöner Giardino Veneziano

geschaffen, der aber nur gegen

Extragebühr benutzt werden konnte.

Das Atrium soll an den Markusplatz

erinnern, die Restaurants die

typische Architektur venezianischer

Gassen und Plätze imitieren.

Das Kreuzfahrtschiff wurde speziell für das China-Geschäft

gestaltet und ausgestattet. Die Inneneinrichtung

der Costa Venezia soll die Passagiere an die Stadt Venedig

erinnern. Die Lagunenstadt gilt in China als eines

der begehrtesten Reiseziele überhaupt.

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Sogar echte Gondeln hat die Costa

Venezia an Bord, die von Handwerkern

im Squero di San Trovaso hergestellt

wurden. So beispielsweise

die 1983 gebaute Gondel der Familie

Russo, die auch schon beim Filmdreh

zu „Indiana Jones zum Einsatz

kam und jetzt auf der Costa Venezia

ins Restaurant Canal Grande auf

Deck 3 integriert wurde.

Das Theater ist Venedigs La Fenice

nach empfunden. Leider wurde hier

Schönheit und Prunk der Zweckmäßigkeit

geopfert. Eine gute Sicht auf

die Bühne ist nur in den ersten Reihen

im Parkett gewährleistet. Von

der Seite und vom Balkon aus konnte

man zwar die sehr laute Akustik

wahrnehmen, aber die Sicht war von

allen Sitzplätzen sehr eingeschränkt.

Fast jeden Abend gab es im Theater

eine Show. Artistik, Musik, Tanz

und am ersten Seetag wurden die

verantwortlichen Mitglieder der Crew

vorgestellt. Am Ende der ca. 40 Minütigen

Veranstaltung wurden die

Gäste vom Hoteldirektor und seiner

chinesischen Assistentin in 6 Sprachen

mit dem Nachtprogramm vertraut

gemacht.

In der Lounge delle Stelle sind

Wachsfiguren bekannter und berühmter

Persönlichkeiten aufgestellt.

Luciano Pavarotti, Daniel Craig als

James Bond, Marilyn Monroe, Daniel

Radcliffe als Harry Potter und Johnny

Depp als Jack Sparrow sind sehr

wirklichkeitsnah zu bestaunen.

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Mo 09.03. Tag auf See Di 09.03. Heraklion 08:00 - 18:00

Die Piano-Bar war für uns ein ruhiger

Rückzugsort. Die Kombination

Klavier und Saxophon ist zwar eher

selten, aber die beiden Damen hatten

die Instrumente sehr gut im Griff.

Die Terrasse am Heck war gediegen

ausgestattet und ein Refugium für

Gäste, die dem Trubel in den Bars

und auf den Tanzflächen und Discotheken

eher abgeneigt waren.

Reproduzierte venezianische Kunstwerke

sind im ganzen Schiff zu finden.

Für europäischen Geschmack

vielleicht etwas überladen, aber den

Chinesen gefiehl es.

Heraklion auf der Insel Kreta gilt als

die Wiege der europäischen Kultur

und der Kreuzfahrthafen war für uns

das Zugangstor zu dieser faszinierenden

Vergangenheit.

Als einen Glücksgriff erwies sich unser

Taxifahrer Stelios. Er sprach etwas

deutsch und sehr gut englisch.

Die erste Route führte uns zu den

Ausgrabungen in Knosos.

Seit 8000 Jahren lebten Menschen

auf der Mittelmeerinsel und vor etwa

4000 Jahren entstand dort die Siedlung

von Knossos, deren restaurierte

Ruinen wir besichtigten. Die Historiker

und Archäologen bezeichnen die

Ausgrabungsstätte als die Urform der

europäischen Stadt.

Ab 2000 v. Chr. begann die kretische

Hochkultur und es entstanden die sogenannten

Paläste, die in Knossos

ausgegraben wurden. Kreta war für

damalige Verhältnisse äußerst dicht

besiedelt. Dabei entsprach die Siedlungsdichte

in minoischer Zeit auf dem

Land etwa der heutigen, während die

Städte deutlich kleiner waren als die

modernen. Für Knossos schwanken

die Schätzungen zwischen 10.000

und 20.000 Einwohnern.

Mlnos Kalokalrlnos ein Geschäftsmann

aus Heraklion entdeckte bei

Erdarbeiten im Jahr 1878 einen Teil

des Palastes. Die systematischen

Ausgrabungen wurden aber erst im

14 Mlnos Kalokalrlnos

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März 1900 unter der Leitung des Archäologischen

Museums in Oxford

(England) begonnen und nach zwei

Jahren war der Palast freigelegt.

Ausgegraben wurden Wohnräume

mit Warmwasserheizung, Badezimmer

mit Sitzbadewannen und Klosetts

mit Wasserspülung. Der Regen

auf dem Palastgelände wurde

durch sorgfältig verlegte, konisch

geformte Röhren aus Terrakotta

und abgedeckte, steinerne Rinnen

aufgefangen, die Zisternen waren

vergleichsweise klein.

In der Minoischen Hochkultur wurde

von den Forschern, durch die unterschiedliche

Grabausstattung, eine

Spezialisierung des Sozialwesens

nachgewiesen.

Es gab Fischer, Ruderer, Kapitäne,

Soldaten, Schreiber, Handwerker

etc. Priesterinnen und adelige

Frauen hatten ein hohes soziales

Ansehen. Auf Fresken dargestellte

Stier- und Frauendarstellungen als

Fruchtbarkeitssymbol und Figuren

von Schlangen- und Erdgöttinnen

untermauern diese These.

Von oben nah unten:

Der Thronsaal innen, außen und

als Rekonstruktion im Museum.

raklion ausgestellt. Die beiden Figuren

der „Schlangengöttinen“. Sie

sind nach den Schlangen benannt,

die sich um den Körper und die Arme

der Figuren winden bzw. von der linken

Figur in ihren Händen gehalten

wird. Die Schlangen symbolisieren

den Götterkult, während die Katze

auf dem Kopf der rechten Figur ihre

Dominanz über die Tierwelt suggeriert.

Die Göttinnen tragen luxuriöse

Hüllen, bestehend aus einem langen

Rock, einer bestickten Schürze

und einem eng anliegenden

Oberteil, das die großen Brüste

zeigt, die für die Fruchtbarkeit der

Frau, der Göttin und damit auch für

die Natur selbst stehen.

Die im Thronsaal gefundenen flachen

Behälter wurden während der

Reinigungsrituale und Trinkopfer

verwendet.

Die Oberschicht muss damals ein

echtes Luxusleben geführt haben.

Die Vorratslager waren verglichen

mit der Bewohnerzahl sehr großzügig

ausgestattet.

gemälde stellen Frauen

dar, die mit Schmuck und

einer gediegenen Haartracht

abgebildet sind.

Im zentralen Teil des Palastes

wurden viele Relief-Wandgemälde

rekonstruiert.

Die Figur mit den

Lilien wird als Prinz oder

Priesterkönig gedeutet und gibt

Zeugnis von der hohen Kunstfertigkeit

der Minoer.

Zwei der wichtigsten Kultobjekte

aus den Knossos Tempel sind im

Viele Skulpturen, Reliefs und Wand-

Archeologischen Museum von He-

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Auffällig ist, dass die ganze Anlage

keine Befestigungsmerkmale wie

Mauern und Gräben hat. Zurückgeführt

wird das auf die unangefochtene

Seemacht der Minoer. Feinde

wurden schon auf See abgewehrt.

Immer wieder taucht die Doppelaxt,

als Symbol der Macht auf. Der

Name dieser Axt war Labrys aus

dem die Nordgriechen das Wort Labyrinth

formten. Der Ausdruck für

verschachtelten, unübersichtlichen

und uneinnehmbaren Ort. Wenn

man den Grundriss des Palastes anschaut,

erkennt man sehr leicht den

Zusammenhang zu einem Labyrinth.

Mit den Ägyptern hatten die Minoer

gute Handelsbeziehungen. Sie verbesserten

die Hieroglyphen-Schrift

und entwickelten die sogenannte

Linearschrift die als Silbenschrift

bisher nur wenig übersetzt werden

konnte.

Die Bestattung in Amphoren und

Sarkophagen, einbalsamiert und in

sitzender Position ist in vielen wesentlich

jüngeren Kulturen verbreitet.

Die Art der letzten Ruhestätte

lässt, wie schon erwähnt auf den gesellschaftlichen

Stand der Verstorbenen

schließen.

Der aus Kalkstein gefertigte Sarkophag

war die letzte Ruhestätte eines

Herrschers von 1370–1300 v.Chr.

Rechts ist der Tote mit einem langen

Gewand dargestellt. Er erhält

Opfergaben und Tiere, die er im

Jenseits braucht. Auf der linken

Seite gießen Pristerinnen Trankopfer

in einen Eimer, der zwischen

Doppeläxten (Labrys) befestigt ist.

Die Vögel auf den Axtspitzen symbolisieren

die Anwesenheit der

Götter.

Der Stier als Fruchtbarkeitssymbol

war schon in der Ägyptischen

Mythologie stark verbreitet. Auch

bei den Minoern finden sich viele

Hinweise auf diesen Kult.

Große Stierhörner aus Kalkstein zierten

bedeutende Gebäude in den Städten

Der gewaltige Vulkanausbruch von

Santorin (Thera) um 1500 v.Chr. (der

genaue Zeitpunkt ist nicht erforscht)

hat höchstwahrscheinlich das Ende

dieser Hochkultur eingeläutet. Direkte

Folgen der Thera-Eruption

waren Tsunamis an der Nordküste

Kretas, die Schäden an der minoischen

Flotte und den Küstensiedlungen

verursachten. Sie kann den

Untergang der Minoer jedoch nicht

direkt herbeigeführt haben, da die

minoische Kultur noch rund einhundert

Jahre nach dem Ausbruch existierte.

Die Minoer-Siedlung auf Santorin,

die komplett zerstört wurde,

hat indirekt einen länger währenden

Schaden an den Handelswegen der

Minoer herbeigeführt. Da die Handelsschiffe

der Bronzezeit nachts

nicht fuhren, war Thera daher der

notwendige Zwischenhafen für die

Verbindung zwischen Kreta und den

Märkten im Norden. Andere Inseln

auf denen man Stützpunkte hatte,

lagen nicht in der Tagesfahrt Entfernung.

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Stelios unser Taxifahrer schwärmte

von der Ortschaft Fodele, in dem der

berühmte Maler El Greco 1541 geboren

wurde. Dort gibt es ein kleines

Museum, in dem Reproduktionen

und ein nachgestellter Arbeitsraum

gezeigt werden. Leider war das Museum

geschlossen. Gegenüber und

mitten in den Orangenhainen fanden

wir eine byzantinische Kreuzkuppelkirche

aus dem späten Mittelalter,

also ca. 1300 n.Chr.

Leider war auch diese Tür verschlossen.

Das war Stelios sehr

peinlich und er lud uns auf einen

griechischen Kaffee in die einzige

Taverne des Ortes ein.

In Heraklion waren es besonders

die Bauwerke aus der Zeit der venezianischen

Herrschaft von 1200

bis 1670, die uns sehr beeindruckten.

Dies waren der alte Hafen samt

Festung und die auch heute noch

nahezu komplette Stadtmauer.

Direkt beim Hafen sind in der Stadtmauer

riesige Torbögen zu sehen.

Sie dienten den Venezianern um

ihre langen Galeeren über Rollen

schnell zu Wasser zu lassen bzw.

bei Angriffen hinter der Mauer zu

schützen.

Bei einem kleinen Spaziergang auf

der Stadtmauer zeigte uns Stelios

das Grab von Nikos Kazantzakis

eines bedeutenden griechischen

Schriftstellers. Die Grabinschrift lautet

übersetzt: „Ich erhoffe nichts. Ich

fürchte nichts. Ich bin frei.“

Schon von der Stadtmauer aus sahen

wir über die Dächer von Hera-

32 jähriger Bauzeit 1895 eingeweiht. mit den Motiven der byzantinischen

Die orthodoxe Kirche wurde nach an den Wänden und in der Kuppel

klion die Minas Kathedrale, unsere Das besondere des Gotteshauses Ikonen-Malerei. Erst 1964 wurden

nächste Sehenswürdigkeit.

liegt in den religiösen Darstellungen die Fresken vollendet.

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Mi 13.03. Tag auf See Do 14.03. Haifa 06:00 - 24:00

In der Morgendämmerung erreichten

wir den Hafen von Haifa, die

drittgrößte Stadt Israels nach Jerusalem

und Tel Aviv.

Kurz nach dem Frühstück bestiegen

wir einen der unzähligen Busse

die vor dem Kreuzfahrtschiff in Reih

und Glied Aufstellung genommen

hatten. Der gebuchte Ausflug führte

uns nach Nazareth, die Stadt der

Verkündigung. Dauer 4 Stunden.

Wir verließen den Hafen von Haifa

und fuhren die 45 km nach Nazareth.

Der Israelische Reiseführer sprach

sehr gut englisch und deutsch. Während

der Fahrt schilderte er einiges

vom Leben der Einwohner von der

Gründung des israelischen Staates

bis heute, erwähnte er die Funktion

und die Bedeutung der Kolchosen,

vermied aber sehr strikt die aktuelle

Politik anzusprechen.

Die Bronzeportale der

Basilika wurden von einem

deutschen Künstler

gestaltet. Auf dem Mittelportal

sieht man links

oben die Geburt Christi,

darunter die Flucht nach

Ägypten, um der Tötung

des Kindes durch

Herodes zu entkommen.

Links unten sieht man

den heranwachsenden

Jesus mit seinem Ziehvater,

der Zimmermann

war. Rechts unten ist die

Taufe im Jordan dargestellt,

darüber die Bergpredigt

und rechts oben

ist die Kreuzigung am

Ölberg zu sehen.

22 23


Es war ein eindrucksvoller Besuch

der Grotte, in der die Jungfrau Maria

vom Erzengel Gabriel die Verkündigung

der unbefleckten Geburt Jesus

Christus erfuhr. Dieser Ort wird Jahr

für Jahr von Tausenden von Gläubigen

besucht.

Die über der Grotte gebaute Basilika

ist die größte des mittleren Ostens

und gehört zu den wichtigsten

christlichen Glaubensstätten der

Welt. Sie ist bereits das fünfte Gotteshaus,

das an dieser Stelle gebaut

wurde.

Die christliche Geschichte überliefert,

dass diese moderne Kirche dort

entstanden ist, wo einst das Haus

der Jungfrau Maria stand. Sie wurde

von den Franziskanern bei dem Architekten

Giovanni Muzio in Auftrag

gegeben und im Jahr 1969 geweiht.

Trotz der vielen Menschen, die wie wir an der Verkündigungsgrotte

vorbei defilierten, war es ruhig und ohne Gedränge. Es

überkam auch uns eine ehrfürchtige Stimmung. Die große Kuppel

und der moderne Stil fügen sich sehr gut in das Ambiente

mit der über 2000 Jahre alten

Grotte.

Die Inschrift auf dem Altar:

Verbum caro hic factum est

Hier wurde das Wort Fleisch

In der Kirche und im Hof davor

fanden wir eine einzigartige

Ansammlung von künstlerischen

Darstellungen der

Jungfrau Maria mit dem Jesuskind,

wodurch eine heilige

und ökumenische Atmosphäre

entsteht.

Die Bilder wurden von den

Gläubigen der einzelnen

Ländern gestiftet. Österreich

spendete ein großes Kirchenfenster.

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Die besondere Bedeutung

von Nazareth für Christen

liegt darin, dass der Ort als

Heimatort und Vaterstadt

Jesu gilt. Nach Darstellung

des Evangeliums lebten hier

seine Mutter Maria und sein

Ziehvater Josef. In Nazareth

wurde ihr die Geburt des künftigen

Erlösers angekündigt.

Eine Art Volkszählung durch die damaligen

Machthaber den Römern

verpflichtete jedes männliche Familienoberhaupt

in seine Geburtsstadt

zu reisen, um sich zählen zu lassen.

Deshalb zog Josef mit der hochschwangeren

Maria nach Bethlehem

wo Jesus geboren wurde.

Die Familie kehrte aus Ägypten wieder

nach Nazareth zurück, wo Jesus

aufwuchs. Er verbrachte hier seine

Jugend und lernte, wie sein Ziehvater

den Beruf des Zimmermanns.

Schon als Kind gibt Jesus ein gutes

Beispiel: Er verhält sich seinen

Eltern gegenüber respektvoll und

interessiert sich sehr für Gott und

die Schriften. Im Tempel sitzt er oft

mitten unter den jüdischen Lehrern,

hört ihnen zu, stellt ihnen Fragen

und bringt sie durch sein Verständnis

zum Staunen.

Die Stadt Nazareth hatte außer der

Basilika nicht sehr viel zu bieten. Ein

Souvenir-Geschäft bot die üblichen

Haifa

Mitbringsel an, Café wurde in den

umliegenden Lokalen im Pappbecher

angeboten und nach Imbissen

war uns in Anbetracht der ausgezeichneten

Verpflegung an Bord

auch nicht gerade zumute.

Etwas höher gelegen, baulich angeschlossen befindet sich die Oberkirche. Sie enthält viele Mosaike, Fresken und

Skulpturen und ist für ökumenische Gottesdienste vorbereitet.

Haifa an der Mittelmeerküste besteht

seit Mitte des 18. Jahrhunderts

und bereits seit der Antike existierten

Siedlungen rund um diesen

Standort. Im Großraum Haifa leben

heute etwa 600.000 Menschen. Im

Jahr 1815 gab es hier nur 1.000 Einwohner

und 100 Jahre später auch

nur 15.000.

Erst in den 25 Jahren als Großbritannien

mit einem Mandat des

Völkerbundes die Verwaltung des

früheren Osmanischen Reichsteils

übernahm, begann der Aufstieg von

Haifa. Die Briten bestimmten die Geschicke

des Gebietes von 1922 bis

1947.

Die UNO fasste am 29. November

1947 den Beschluss, das Mandatsgebiet

Palästina in einen arabischen

und einen jüdischen Staat zu teilen.

Am 14. Mai 1948 erklärte David

Ben-Gurion mit der israelischen Unabhängigkeitserklärung

die Errichtung

des Staates Israel, mit allen

Folgen die sich in der Geschichte

dieser Region bis heute zeigen.

Aber um es mit den Worten unseres

israelischen Reiseführers auszudrücken,

soll Politik hier keine nähere

Erwähnung finden.

Die herausragende Sehenswürdigkeit

und das Wahrzeichen der Stadt

sticht schon von Bord der Venezia

aus ins Auge.

Die Terrassen des Bahai- Glaubens,

die als Hängende Gärten von Haifa

bekannt sind, auch Persische Gärten

bezeichnet, ziehen sich beinahe

über die ganze Höhe des Hangs.

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Im Zentrum der kunstvoll terrassenförmig angelegten

Gärten befindet sich der Schrein des

Bab, in dem der Religionsstifters der Bahai,

der 1850 öffentlich hingerichtet wurde, seine

letzte Ruhestätte gefunden hat. Der Turm

mit dem goldschimmernden Kuppeldach ist

Vormittags von 09:00 bis 12:00 Uhr bei freien

Eintritt geöffnet. Die Gärten sind bis 17:00

Uhr geöffnet und der Besuch der Terrassen

benötigt eine Anmeldung.

Neben dem Schrein des Bab befindet sich

auf dem Berg Karmel das Haus der Gerechtigkeit,

das Internationale Lehrzentrum, das

Internationale Archiv sowie das Zentrum für

das Studium der Heiligen Texte. Es ist das

administrative und geistige Weltzentrum der

Bahai.

Bahai ist eine „Religion“ mit 6 Millionen Anhängern,

die eine Art Ökumene ist und die

wichtigsten Punkte der größten Weltreligionen

vereint. Die Religion zielt auf humanistische

Werte. Der Bahai Glaube hat keine Priesterschaft.

Die Belange werden durch ein System

von mehr als 12.000 gewählten Räten auf allen

Ebenen verwaltet.

Von der Höhe des Karmelgebirges,

von den Einheimischen

Oberstadt genannt, eröffnet sich

ein herrlicher Rundblick auf den

Schrein und die Unterstadt mit

dem Hafen.

Eine unterirdische Seilbahn verbindet

Unter- und Oberstadt und

endet am Place de Paris.

Preis € 1,50

Vom Place de Paris schlenderten

wir durch die deutsche Kolonie

über den Ben-Gurion-Boulevard

wieder zum Hafen zurück.

Die deutsche Kolonie“ wurde von

der Tempelgesellschaft schon zu

osmanischer Zeit gegründet. Sie

liegt unterhalb der Bahai-Gärten.

Der zentrale Ben-Gurion-Boulevard

führt in der Sichtachse

der Gärten bis zum Meer. Am

Ben-Gurion-Boulevard liegen

das Tourist-Center Haifas und

eine Vielzahl von Speise- und

Szenelokalen.

Im Verlauf unserer Kreuzfahrt kamen

wir auch in arabische Staaten.

Ein israelischer Stempel in unseren

Pässen hätte dort sicher Probleme

verursacht. Das wurde sehr einfach

gelöst, indem ein Permit als loses Blatt

in unserem Pass eingelegt wurde.

Die Kontrollen beim Hafeneingang

waren sehr streng. Schon beim Gate

wurde Pass und Permit geprüft und vor

der Gangway gab es eine Überprüfung

strenger als am Flughafen.

28 29


Fr 15.03. Auf See Sa 16.03. Suezkanal von 04:00 bis 18:00

Der Suezkanal ist die Schifffahrtsverbindung

zwischen den Hafenstädten

Port Said und Port Sues. Er verbindet

das Mittelmeer mit dem Roten

Meer und erspart der Seeschifffahrt

zwischen Nordatlantik und Indischem

Ozean den Weg rund um Afrika.

Der Kanal bildet außerdem die Grenze

zwischen Afrika und Asien. Er wurde

am 17. November 1869 eröffnet.

Seine Länge beträgt seit der 2009

fertiggestellten Vertiefung 193,3 km.

2015 wurde ein neuer, parallel zum

existierenden Kanal verlaufender,

rund 37 km langer Kanalabschnitt

eröffnet, der den Gegenverkehr besser

regelt. Im Jahr 2015 passierten

17.483 Schiffe den Kanal. Zur Zeit

sind 115 km in beiden Richtungen

zugleich befahrbar.

Der Suezkanal ist ein schleusenloser

Meerwasserkanal, der – im Gegensatz

zu Kanälen wie dem Panamakanal,

die einen Höhenunterschied

überwinden – keinen ständigen Wassernachschub

und keine Schleusen

benötigt.

Der Bau des Kanals war immer wieder

in der Geschichte ein Thema.

Ganz besonders ab 1500 aber es

scheiterte immer wieder, da fälschlicherweise

angenommen wurde, dass

der Meeresspiegel im roten Meer wesentlich

höher sei, als im Mittelmeer.

Im Jahr 1846 wurde von dem Franzosen

Ferdinand de Lesseps die Compagnie

universelle du canal maritime

de Suez gegründet. Trotz der Widerstände

der Engländer und der Osmanischen

Herrscher in Konstantinopel

schaffte er es, mit der Ausgabe von

Aktien und der Hilfe des Ägyptischen

Vizekönig Muhammad Said Pascha

den Bau zu beginnen. Said Pascha

ist der Namesgeber des Einfahrthafens

Port Said im Mittelmeer.

Der Kanalplan war sozusagen von

der Natur vorgezeichnet. Die Landverbindung

bis zum Mittelmeer ist

eine dem Roten Meer nach Norden

folgende Bodensenkung mit geringen

Höhen und einer Reihe von

Seen. Die aus sandigem Boden bestehende

Schwelle von El Gisr hat

mit rund 16 m Höhe den höchsten

Punkt der Landenge. Es folgen Salzpfannen,

die früher unter dem Meeresspiegel

gelegenen waren. Diese

günstigen geografischen Gegebenheiten

ließen die Lageplanung relativ

einfach erscheinen.

Die Verwirklichung war dann doch

eine Herausforderung der besonderen

Art. Süß-Wassermangel, Arbeitskräftemangel,

Geldmangel, Anschläge

und politischer Gegenwind

ließen das Projekt mehrere Male an

die Grenze des Scheiterns herankommen.

Der Suezkanal wurde in den Jahren

1859 bis 1869 gebaut und von der

Companie bis zur Verstaatlichung

durch Ägypten im Jahre 1956 betrieben.

Seitdem untersteht er der

Suez Canal Authority, die dem ägyptischen

Staat jährliche Einnahmen

in der Höhe von über 5 Milliarden €

sichert. Bei 17.000 Schiffen pro Jahr

ergibt das eine durchschnittliche Gebühr

von 300.000 € pro Schiff.

Für das Kreuzfahrtschiff

zahlte die Reederei wegen

der großen Passagierzahl

mehr als € 500.000.

Ab Mitternacht lagen wir vor Port Um 4 Uhr früh startete der ganze unpassierbar machen.

Said am Eingang vor Anker. Reges Konvoi und lief in den Kanal ein. Dazwischen

immer wieder Schlepper. Alle Schiffe hatten einen Abstand

Treiben herrschte rund um unser

Der Sueskanal auch Suezkanal

geschrieben, kann von

Schiff. Eine große Zahl von anderen

Frachtschiffen formierten sich in wendig, da die großen Schiffe nur fuhren mit einer genau definierten

Diese Sicherheitsmaßnahme ist not-

von 1 Seemeile voneinander und

allen Schiffen (Handels- und

Sichtweite und ging auch vor Anker. lenkbar sind, wenn sie fahren. Bei Geschwindigkeit von 9 Knoten. Das

Kriegsschiffen) aller Staaten

Ein Lotsenschiff kam längsseits und einem eventuellen Maschinenausfall sind ca. 17 Stundenkilometer. Überholen

oder vorbeifahren wäre nicht

zu allen Zeiten (Friedensnachdem

zwei Lotsen an Bord gekommen

waren, legte es wieder ab Ufer auf Grund laufen und den Kanal möglich gewesen.

würde das Schiff in kurzer Zeit am

und Kriegszeiten) zu glei-

30 31

chen Bedingungen benutzt

werden. Für Kriegsschiffe

kriegführender Staaten gelten

jedoch bestimmte Einschränkungen,

zum Beispiel

Durchfahrt ohne Halt und

keine Versorgung. Dies wurde

in der nach wie vor geltenden

Konvention von Konstantinopel

vom 29. Oktober

1888 vereinbart.


Um 10:00 Uhr war ein kultureller Vortrag über unser

nächstes Ziel, die Ausgrabungen von Petra terminiert.

Schweren Herzens rissen wir uns von der faszinierenden

Kulisse los und lauschten den interessanten Vortrag

vom Bordlektor Prof. Scopelliti. Aber davon später. Die

„Große Feier“ der Passage des Suezkanals ließen wir

aus, um rechtzeitig die Durchfahrt unter der berühmten

Kanalbrücke zu erleben.

Anschließend passiert das Schiff

Ismailia und den Timsahsee, bevor

sich der Kanal zum Großen Bittersee

hin verbreitert.

Seit der Eröffnung war der Kanal bis

auf eine kurze Zeitspanne durchgehend

beschiffbar. Lediglich die Niederlage

Ägyptens beim 6-Tage Krieg

1967, bei dem das israelische Militär

nach 4 Tagen Blitzkrieg am Kanal

stand, gab es von Juni 1967 bis Juni

1975 keinen Verkehr am Suezkanal.

Um so etwas zu verhindern und

auch einer eventuellen Sabotage

vorzubeugen, wird das Ufer vom Militär

„streng“ bewacht.

Als unser Kreuzfahrtschiff

schließlich am Port Taufiq unweit

von Suez vorbeifuhr, hatten

wir den Kanal in seiner Gesamtlänge

von 193,3 Kilometer

passiert.

Die Lotsen und Begleitschiffe

verabschiedeten sich mit lautem

Hupkonzert. Die Venezia

nahm Kurs auf Aqaba.

Von Port Said aus führt der Kanal in südlicher

Richtung durch das fruchtbare Menzalehsee

- Schwemmland und vorbei an El

Qantara. Der kleine Ort heißt auf Arabisch

„Brücke“ und das aus gutem Grund, denn

ein Teil des Städtchens liegt auf der Ostder

andere auf der Westseite des Kanals.

Nicht nur eine riesige Brücke verbindet die

beiden Ufer, sondern auch ein Schwimmponton,

das bei Schiffsverkehr eingeklappt

wird und auch eine Fähre verkehrt laufend.

32 33


So 17.03. Aqaba 08:30 - 22:50

Aqaba

Der Golf von Aqaba bzw. der Golf von Eilat, je nach

Sichtweise der Nationalitäten, ist eine langgestreckte

Bucht am Nordostende des Roten Meeres. Der Golf

bildet die Fortsetzung des Großen Afrikanischen Grabenbruchs,

der vom Jordantal über das Tote Meer bis

weit nach Ostafrika also mehr als 6000 km reicht. Der

zwischen 20 Meter und 100 Kilometer breite Grabenbruch

fällt an seinen Rändern relativ steil ab. Seine Tiefe

schwankt zwischen knapp 100 Meter und mehr als

1800 Meter. Die Bewegung der Platten begann vor 35

Millionen Jahren. Auf den folgenden Seiten werden wir

noch einige Bilder sehen, deren Entstehungsgeschichte

auf diese, noch heute andauernde Bewegung zurückzuführen

ist.

Die Geschichte der Stadt ist aufs

Engste mit der des Nabatäerreichs

verknüpft, des ersten arabischen

Reichs der Geschichte. 500 v.Chr.

fassten die Nabatäer in dieser Region

Fuß.

Seine größte Machtentfaltung erfuhr

das Volk während der Regierungszeit

des Königs Aretas (87–62

v.Chr.). Die Römer unterwarfen es

zwar, aber es behielt trotzdem eine

innere Autonomie.

Nach mehreren schweren Erdbeben

in den Jahren 363 bis 747, sowie

nach der Eroberung der Region

durch die Muslime verließen die letzten

Einwohner die Stadt.

Im Frühmittelalter verfiel Petra zusehends.

Von den gemauerten Bauten

blieben großteils nur Ruinen und

wenige Grundmauern übrig.

Die monumentalen Felsgräber und

das Theater dagegen, die aus dem

roten Sandstein der Bergwände heraus

gemeißelt worden waren, überstanden

die Jahrhunderte.

Seit der Zeit der Kreuzzüge hatte

kein Europäer Petra mehr betreten

und der Ort geriet in Vergessenheit.

Für Europa wurde Petra 1812 von

dem Schweizer Arabienreisenden

Jean Louis Burckhardt neu entdeckt.

Archäologische Ausgrabungen gibt

es seit den 1920er Jahren und wenig

später kamen auch die Touristen.

Eliat

Aqaba ist eine Freihandelszone in Jordanien

mit 80.000 Einwohnern. Der Seehafen am Golf

von Aqaba, einem Seitenarm des Roten Meeres,

ist der einzige Seehafen von Jordanien.

Die Haupteinnahmequellen sind der Tourismus

und der Export von Phosphatdünger. Aqaba ist

auch der einzige jordanische Tauchort am Roten

Meer.

Die weltberühmte Ruinenstätte Petra, war in der

Antike die Hauptstadt des Reiches der Nabatäer.

Wegen ihrer monumentalen Grabtempel,

deren Fassaden direkt aus dem anstehenden

Fels gemeißelt wurden, gilt sie als einzigartiges

Kulturdenkmal. Seit 1985 steht Petra in der Liste

des UNESCO-Weltkulturerbes.

Mohamed, 98,9% der Jordanier heißen

wie der Prophet, war unser sehr

gut deutsch sprechender Reiseführer.

Die Größe der Gruppe war angenehm

überschaubar und das Programm

dicht gedrängt. Vom Eingang

bis in das Ausgrabungszentrum führte

ein ca. 2,5 km langer Fußmarsch.

Mit Reitpferd oder Kutsche wurden

von den Beduinen Alternativen angeboten,

die aber wenig einladend

aussahen.

Petra liegt ca. 100km nördlich von Aqaba auf einer

Seehöhe zwischen 800 und 1350 m in einem

weiten Talkessel im Bergland von Edom. Dank

ihrer strategisch günstigen Lage am Kreuzungspunkt

mehrerer Karawanenwege, die Ägypten

mit Syrien und Südarabien mit dem Mittelmeer

verbanden, war die Stadt vom 5.Jahrhundert

v.Chr. bis zum 3. Jahrhundert n.Chr. ein bedeutender

Handelsplatz. Insbesondere kontrollierte

Petra einen wichtigen Knotenpunkt der Weihrauchstraße.

Diese uralte Handelsroute führte

vom Jemen aus an der Westküste Arabiens

entlang und teilte sich bei Petra in einen nordwestlichen

Zweig, der nach Gaza und in einen

nordöstlichen, der nach Damaskus führte.

Allein von unserem Schiff

stürmten ca. 3000 Besucher

die Sehenswürdigkeiten. Davon

waren mindestens die

Hälfte Chinesen L

Ein enger, nach unten verlaufender

Weg, der ein Teil des

Grabenbruchs ist und bei starken

Regenfällen zum reißenden

Fluss wird, führt uns durch

den Siq bis zum sogenannten

Schatzhaus von Petra.

34 35


Auch wir kämpften uns gegen die Besucherströme

Richtung Zentrum, immer Gefahr laufend von den rasenden

Pferdekutschen überrollt zu werden.

Endlich gelangten wir zum Ausgang der Schlucht. Uns

stockte der Atem. Obwohl wir uns schon vorher informierten,

war der Anblick überwältigend.

Schatzkammer von Petra

Die Nabatäer hatten eine hohe Technik in der Wasserbewirtschaftung

entwickelt. Vom Eingang in die Schlucht

wurde bis ins Zentrum eine Wasserrinne aus dem Sandstein

geschlagen und damit wurden Zisternen gefüllt.

Wasser war und ist in dieser Gegend von essentieller

Bedeutung.

Von dem Beduinenstamm, der vor 2000 Jahren aus

dem Süden von Arabien, dem heutigen Jemen in diese

Gegend kam, wurde die Stadt zu einer Festung zum

Schutz der zahlreichen durchreisenden Karawanen. Die

engen Schluchten machten eine militärische Einnahme

fast unmöglich. Erst den Römern gelang es, mit dem

Herrscher Aretas 63 v. Chr. eine Friedensvereinbarung

zu schließen.

36 37


Nach der letzten Kurve erschien aus

der Dunkelheit die leuchtende Fassade

des Schatzhauses von Petra,

43m hoch und 30m breit aus festem

Gestein.

Laut Forschern wurde es einst als

Grabmal für einen nabatäischen

König erbaut, um später als Tempel

genutzt zu werden. Schätze wurden

hier nie gefunden.

Am Schatzhaus vorbei führte der

Weg durch eine breitere Schlucht

zur Fassadenstraße. Kutschen fahren

hier keine mehr, ab hier konnte

man auf Kamelen oder Eseln weiter

reiten.

Das römische Theater wurde nicht

von den Römern gebaut, sondern

von den Nabatäern für 7.000 Sitzplätze.

Der Bau wurde komplett aus

dem Felsen gehauen.

Römisches Theater

38 39


Auf dem Rückweg fanden wir auf einer kleinen Lichtung

einen Gedenkstein. Der Legende nach soll hier Moses

bei der Flucht aus Ägypten mit dem Schlag seines Stabes

eine Quelle aus dem Stein sprudeln lassen.

Der Ausflug enthielt auch ein Mittagessen in

einem typischen jordanischen Restaurant.

Die überdimensionalen Blöcke oben sind vermutlich

Gräber, deren Verwendung noch nicht ganz erforscht

ist. Daher nannten die Beduinen sie schlicht Djinn-Blöcke,

was soviel wie „Geistergräber“ heißt.

Gegenüber befindet sich das Obeliskengrab, darunter

ein klassisch nabatäisches Gebäude mit drei Räumen.

Das Triclinium. Die Verwendung der Halle diente als Ort

der Feste zur Totenverehrung, die sie jährlich zu Ehren

der Toten feierten.

Wer erkennt die hübsche

Lady?

Es ist die Saxophonistin

von Seite 14.

Siq el-Barid Klein Petra

Lange bevor die Touristen

kamen, hatten sich

aber schon die Bedu

Der nördlich gelegene Teil von Petra

ist unter dem Namen Siq el-Barid

bekannt und liegt 9 km nördlich von

Wadi Musa. Diese ehemalige Ansiedlung

ist hunderte Jahre älter als

das am Vormittag besuchte Gebiet.

(sesshafte Beduinen)

in Petra angesiedelt.

dehnung des Gebietes kam es zu

1980 kam es zu einer

kriegerischen Auseinandersetzungen.

Die unterlegene Sippe muss-

gewaltsamen Zwangsumsiedlung.

Bei den

Auseinandersetzungen

Unser Reiseführer erklärte uns die te ihr Gebiet abgeben und es blieb

mit der Polizei gab es

Entstehung. Im Süden der Arabischen

Halbinsel, dem heutigen Je-

Land Richtung Norden zu verlassen.

ihnen nichts anders übrig, als das

auf beiden Seiten blutige

Verluste. Erst der

junge Prinz Abdullah

konnte eine Verhandlungslösung

40 erzielen.

41

men, waren die Beduinenfamilien

auf eine, der Familien-Mitgliederanzahl

entsprechenden Größe ihres

Territoriums angewiesen. Bei Aus-

Die Wanderung dauerte viele Jahre,

ja sogar mehrere Generationen, bis

sie im Raum Klein Petra ankamen

um dort sesshaft zu werden. Sie betrieben

dort Handel und boten den

durchreisenden Karawanen Schutz

und Unterkunft. Dadurch konnten

sie für sich und ihren Familien einen

gehobenen Wohlstand erreichen.


Uns Besuchern bot sich eine fantastische

Mischung aus schmalen

Schluchten und in den Fels gehauenen

Objekten. Dieser Ort hat sich

eine Atmosphäre und Ruhe bewahrt,

die man nicht mehr im zentralen Teil

Petras findet. Beim Betreten des

Orts wurde uns klar, warum er Siq

el-Barid (der kalte Siq) genannt wird:

Das warme Sonnenlicht dringt kaum

in die Tiefe der Schlucht vor.

Auf nur 300 Meter Länge wechselten

sich im Siq el-Barid enge Passagen

mit breiteren ab.

Hier waren in den Fels gehauene

Treppen, Tempel und Speisezimmer,

die wahrscheinlich den Hunger

der Händler und Reisenden stillten,

zu finden. Jede freie Fläche war

ausgefüllt. Die in den Fels gehauenen

Treppen liefen in beide Richtungen

und ergaben so Wege in

unterschiedlicher Höhe, auf denen

sich einst das Leben und Treiben

abspielte.

ter gezeigt, da der Prinz als Frauenheld

galt. Erst ein Versuch mit belgischer

Schokolade, die der Prinz von

einer Tagung mitbrachte ließ das Eis

schmelzen. Die Ehe brachte bisher

4 Kinder, davon 2 Buben hervor. Die

Regentschaft wird in Jordanien an

den ältesten Sohn vererbt.

Im Gegensatz zu unseren israelischen

Reiseführer sprach Mohamed

ganz unbekümmert über Politik.

Königreich Jordanien

Jordanien hatte vor dem Irak-Krieg

und während der Iran – Irakischen

kriegerischen Auseinandersetzungen

sehr gute Beziehungen zu

Sadam Hussein, dem irakischen

Machthaber. Der Kriegshandlungen

gegen den Iran schnitten den Irak

vom Zugang zu den Ölhäfen im Persischen

Golf ab. In der Folge wurde

zwischen Jordanien und Irak ein

Pakt geschlossen, der es ermöglichte

das irakische Rohöl über Jordanien

nach Aqaba zu transportieren

und so, trotz Embargos und Krieg

am Weltölhandel teilzuhaben. Um

diesen Transportweg auszubauen

wurden Tag und Nacht in Jordanien

400 km Autobahn in Rekordzeit fertig

gestellt. Die Finanzierung erfolgte

von Hussein. Laut Aussage von

Mohamed fuhr eine durchgehende

Kolonne von Tankwagen die Strecke

von den Ölquellen in der Nähe

von Bagdad nach Aqaba. Jordanien

durfte sich 40% des Öls für den

Freundschaftsdienst behalten. Eine

Raffinerie in der Nähe von Aqaba

versorgte das Land und der Treibstoff

kostete damals € 0,20.

Diese Umgehung des Embargos,

von den USA gegen Hussein durchgesetzt,

dürfte auch der Anlass für

den Vernichtungskrieg durch die

Alliierten gewesen sein. Die fadenscheinige

Begründung, dass Husein

chemische und biologische Waffen

besitze, wäre durch eine einfache

Überprüfung der Lieferscheine der

US-Waffenlobby leicht an das Tageslicht

gekommen. Fakt ist, es wurden

damals offiziell keine diesbezüglichen

Kampfstoffe gefunden. Entweder

sind sie in Syrien verschwunden

oder die Amerikaner haben, die von

ihnen gelieferten Waffensysteme

nicht als solche identifiziert.

Die Rohöltransporte durch Jordanien

nahmen mit Beginn der Invasion

auf den Irak ein jähes Ende und die

Raffinerie musste sich nach einem

neuen Lieferanten umsehen. Es

wurde umgehend eine Öl-Pipeline

von den Emiraten finanziert und gebaut.

Die Versorgung war damit gesichert.

Aber mit dem Treibstoffpreis

von € 0,20 war es vorbei. Jetzt kostet

Diesel € 1,50 pro Liter und das

ca. 100 km von den Erdölquellen

entfernt.

Inzwischen waren wir am Hafen von

Aqaba angekommen. Mohamed

verabschiedete sich von uns mit der

Fragefloskel, die er im Laufe des Tages

sehr oft von sich gab:

Schon immer beschäftigt mich diese

Frage, hat es Ihnen gefallen?

Mo 18.03. Tag auf See Di 19.03. Tag auf See

Tag auf See! Antikreuzfahrer

vermuten dahinter endlose

Langeweile. Das stimmt nicht!

Es gibt viele Möglichkeiten den

Tag auf See zu verbringen: Wirlpool,

Sonnenbaden, Schwimm-

Während der zwei Stunden dauernden

Rückfahrt nach Aqaba erzählte Beziehungen zu den Nachbarlän-

Monarchie mit stabilen bilateralen Der jetzige Herrscher Abdullah II.

bad, Animation rund um die Uhr,

bin al-Hussein ist anders als sein

uns Mohamed interessante Geschichten

aus seiner Heimat. Bevölkerung sehr geschätzt und findern.

Das Herrscherhaus ist bei der

Essen und Trinken zu jeder Zeit,

Vater, der 4x verheiratet war, erst

Casino oder Spielclub, Tanzkurse,

ein gutes Buch oder faulen-

in seiner ersten Ehe. Seine Frau ist

det mit ihren friedvollen Ansichten in Palästinenserin und hat ihn bei den

Jordanien ist eine konstitutionelle der Regierung großen Anklang.

zen und mit der Seele baumeln.

ersten Treffen eher die kalte Schul-

Wir spielen sehr gerne Rummikub

42

oder Mexico Train Dommino.

43


Mi 20.03. Tag auf See Do 21.03. Tag auf See Fr 22.03. Salalah 08:00 - 18:00 Stadtbesichtigung mit Taxi

Wir einigten uns nach kurzer Verhandlung mit Mohamed,

wie könnte er auch anders heißen, auf € 50 für eine 3-stündige

Rundfahrt inklusive Stadtbesichtigung.

Vorbei am Palast des Sultans von Oman ging es zum Nahe

gelegenen Al-Husn Souk.

Der Sultanspalast, in dem sich Sultan Qaboos in den Sommermonaten

regelmäßig aufhält, ist für die Öffentlichkeit

nicht zugänglich. Der in neuerer Zeit erbaute Palast steht

auf den Resten einer ehemaligen Festung.

An Bord wurden laufend Film- und

Photoaufnahmen für Werbezwecke

gemacht. Die Modells waren vornehmlich

hübsche Chinesinnen.

Modernste Geräte und Equipment

kam zum Einsatz. Es gab ja

auch genügend Motive auf diesem

Schiff. Uns störte das nicht, aber

einige Gäste fanden das nicht so

lustig, warum wohl?

44 45


Der Husn Souk in der Innenstadt

war gut besucht. Die Geschäfte im

Souk boten neben den allgemeinen

Dingen des täglichen Bedarfs Goldund

Silberartikel, Schmuck, Dolche,

Weihrauch und andere Düfte. Salala

ist als Weihrauchstadt weltbekannt.

Weihrauch ist das luftgetrocknete

Gummiharz, das aus dem Weihrauchbaum

gewonnen wird. Der

beim Verbrennen entstehende

Rauch wird für kultische und medizinische

Zwecke verwendet. Weihrauchharz

ist grobkörnig bis stückig

Die elegante Shanfari Moschee

wurde vom Omanischen Ölminister

finanziert. Sie ist die

zweitgrößte Moschee in Salala.

und von durchscheinend braun-gelber

bis rötlich-brauner Farbe. Durch

Schnitte in Stamm und Äste des

Boswellia-Sacra-Baums tritt dort

eine klebrig-milchige Flüssigkeit

aus, die durch Trocknung an der Luft

das Weihrauchharz entstehen lässt.

Salala ist die zweitgrößte Stadt des

Sultanats Oman. Die Metropole, der

Provinz Dhofar liegt im Südwesten

des Landes, nahe der jemenitischen

Grenze. Inklusive Umland wohnen

hier 370.000 Menschen Sie sind traditionell

Sunniten.

Die flächenmäßige Ausdehnung

der Großstadt Salalah ist beachtlich.

Zwischen dem Hafen und dem Zentrum

liegen 15 Kilometer.

Die Stadt ist als Verwaltungszentrum,

Hafenstadt, Hochschul- und

Industriestandort von großer Bedeutung

für den Umkreis. Weitere wichtige

Wirtschaftszweige sind Fischerei

und Fischverarbeitung sowie die

Landwirtschaft.

Sehenswert ist die Sultan-Qaboos-Moschee

im Stadtzentrum.

Sie gilt als das exquisiteste Gotteshaus

des Oman. Errichtet wurde die

Moschee auf Geheiß des in Salalah

geborenen Regenten, Sultan Qaboos.

Geöffnet ist die Moschee für

Nicht-Muslime zwischen Samstag

und Donnerstag in der Zeit zwischen

8:00 und 11:00 Uhr. Die im Jahr 2009

fertiggestellte Große Moschee bietet

14.000 Gläubigen Platz zum Beten.

Leider kamen wir an einem Freitag

hier an. Da war die Moschee für uns

geschlossen.

In einem weitläufigen Grüngürtel der Stadt werden

in Plantagen hauptsächlich Bananen, Kokosnüsse

und Zuckerrohr angebaut und zum

Teil in Direktvermarktungssystem verkauft.

46 47


Der Abschluss der Stadtrundfahrt führte uns zum Fisch- und

Fleischmarkt. Da ist schon einiges anders als bei uns in Europa.

In der Abenddämmerung legten wir

von Salalah ab. Zeit die Eindrücke

des orientalischen Landes wirken zu

lassen und sich auf die Hauptstadt

Maskat vorzubereiten.

Oman hat etwas mehr als 4 Millionen

Einwohner und ist eine absolute

Monarchie. Sie besitzt zwar eine

Verfassung, aber die vom Sultan

ernannten Minister und die zwei nationalen

Parlamente haben nur beratende

Funktionen.

Das Land wird seit 1970 vom absolutistischen

Herrscher Sultan Qabus

ibn Said regiert. Die Herrscherfamilie

ist sehr aufgeschlossen und hat

in den letzten 40 Jahren den vormals

sehr rückständigen Staat zu

einem moderat wohlhabenden Land

gewandelt.

Der Schulbesuch und die medizinische

Versorgung sind für Omanis

kostenlos. Die sozialen Einrichtungen

sind sehr gut ausgebaut. Rauchen

ist in der Gesellschaft verpönt.

Sozialversicherungsbeiträge müssen

nur Raucher bezahlen.

Es gibt de facto keine Kriminalität

im Land. Die Polizei hat vornehmlich

die Aufgabe, den sehr dichten Verkehr

zu überwachen. Dieser Bereich

ist auch notwendig, da die Omanis

fahren, als gäbe es keine Vorschriften.

Treibstoff kostet € 0,50 pro Liter

und die Fahrzeuge sind dem entsprechend

motorisiert.

Sa 23.03. Tag auf See So 24.03. Maskat 08:00 - 18:00

48 49


Maskat ist die Hauptstadt des Sultanats

Oman, hat aber eine wechselvolle

Geschichte. Bereits 2000 v.Chr.

wurde die Gegend bewohnt und die

Menschen lebten von Kupferabbau

und vom Perlenfischen. Lange Perioden

wurden die Einheimischen

von den Persern und später von den

Portugiesen beherrscht.

Erst 1650 gelang es dem damaligen

Sultan das Land unter eigene

Verwaltung zu stellen. Durch diese

Erfahrungen verschloss sich das

ganze Land gegen äußere Einflüsse

und geriet durch diesen Konservatismus

bei Bildung und Wirtschaft in

großen Rückstand. Erst seit der junge

Quabus 1970 seinen Vater friedlich

entmachtet hat, begann die vorsichtige,

aber stete Modernisierung

des Landes.

Die positiven Wirtschaftsdaten sprechen

eine Sprache für sich. Was der

Export von Erdöl ausmacht, sehen

wir am Bild oben. Beim Einlaufen in

den Hafen von Maskat kamen wir

an den beiden „Yachten“ von Sultan

Quabus vorbei.

Der Qasr al-Alam Sultanplast

wurde 1972 von einer indischen

Baufirma fertiggestellt.

Er wurde auf das

Fundament des ca.

1830 errichteten

Palastes gebaut.

Die ganze Anlage

dient heute

nur mehr zur Repräsentation.

Die

Herrscherfamilie

wohnt hier nicht.

Die Große Sultan-Qabus-Moschee

ist die Hauptmoschee in Oman. Sie

gilt als eines der wichtigsten Bauwerke

des Landes und gehört zu

den weltweit größten Moscheen.

Die Fläche des Bauwerkes beträgt

mehr als 40.000 m². Es besteht aus

einer großen Männergebetshalle,

einer kleineren Frauengebetshalle,

fünf Minaretten (sie symbolisieren

die fünf Säulen des Islams), zwei

großen Bogengängen, einem islamischen

Informationszentrum sowie

einer Bibliothek.

Rund um den

Palast sind eine

große Anzahl von

Regierungsgebäuden

angeordnet.

Ganz in der

Nähe befinden

sich die Festungen

Mirani und

Jalali, die im 16.

Jahrhundert von

den Portugiesen

errichtet worden

sind.

50 51


52 53


Am Nachmittag waren wir bei unseren

Verwandten aus Kärnten eingeladen.

Sie holten uns vom Hafen ab.

Ines und Thomas haben in Maskat

ein erfolgreiches Unternehmen. Die

Eltern von Thomas waren gerade

auf Besuch im Oman. Es war ein toller

Zufall, dass sich die Termine so

ergeben haben.

So schön dieses Zusammentreffen als Highlight auch war, so mussten wir doch um 18:00 Uhr wieder an Bord sein.

Der Mutrah Souk ist sternförmig angeordnet

und sehr authentisch. Neben Gewürzen, Kleidung

und Spielsachen lassen sich hier auch

Souvenirs erstehen. Handeln ist dabei immer

Pflicht. Geht man durch den Souk wird man sogleich

von den Händlern angesprochen.

Ist man einmal in einem Laden drin, geht man

kaum, ohne etwas gekauft zu haben, wieder

heraus. Wenn man gehen will, wird jedes Mal

der Preis reduziert. Man kann also einiges

aus dem Preis machen, man muss nur standhaft

sein.

In der Abenddämmerung legte die Venezia ab und nahm Kurs auf Abu Dabi.

Mo 25.03. Tag auf See

Der Markt wird auch von den Einheimischen

stark frequentiert. Wir haben es sehr angenehm

An diesem Abend stand Gala auf dem Programm. Es ist immer gut, das Ta-

empfunden, dass die Verkäufer nicht so

gesprogramm zu lesen und den Dresscode zu befolgen, der für den Abend

aufdringlich waren wie sonst. .

empfohlen wird. Wenn man sich wohl fühlen möchte, sollte man zum Beispiel

nicht mit Bermudas und Zehensandalen zu Gala-Abenden erscheinen.

54 55


Di 26.03. Abu Dabi 08:00- 18:00 Ausflug gebucht: Tradition und Moderne

Die deutsche Reiseführerin Antje

begleitete uns bei dem Ausflug in

Abu Dabi. Sie lebt seit 5 Jahren hier

und möchte, ihren Angaben nach

eigentlich nicht mehr nach Deutschland

zurück.

Abu Dabi ist ein Teil der Vereinigten

Arabischen Emirate, eines Zusammenschlusses

von 7 Emiraten.

Viele wissen nicht, dass in Abu Dabi

auch der Sitz der Regierung ist und

der Scheich von Abu Dabi traditionell

den Präsidenten der VAE (Arabischen

Emirate) stellt.

Die Geschichte des Landes geht

weit zurück . Erst als 1892 zwischen

Großbritannien und einer Reihe von

Emiraten am Golf ein Vertrag abgeschlossen

wurde, geriet das Gebiet

in den Fokus der übrigen Welt.

Lange existierten die sieben Emirate

gänzlich unabhängig voneinander.

Jedes wurde von einem Stammesfürsten

regiert. Die Lebensbedingungen

waren hart, an der Küste

lebten die Menschen vom Fischfang

und von der Perlentaucherei.

Im Landesinneren versorgten die

Oasen mit ihren Dattelpalmen die

nomadisierenden Beduinen und die

wenigen sesshaften Bewohner.

Nach außen sicherte der Vertrag

mit England die Region ab. Das

Empire war an der Stabilität seines

Seewegs nach Indien interessiert.

Deshalb stationierten die Engländer

einen Vertreter der britischen Regierung

in Dubai und organisierten regelmäßige

Treffen der Scheichs, um

regionale Konflikte zu lösen.

Schwierig wurde die Situation ab

den 1950er Jahren. Der Iran und

Saudi-Arabien stellten immer wieder

territoriale Ansprüche und 1968

kam die Ankündigung Englands,

sich aus der Region zurückziehen

zu wollen. Den Emiren war rasch

klar, dass sie sich nur gemeinsam

gegen die mächtigen Nachbarn zur

Wehr setzen könnten.

Außer den sieben Emiraten saßen

zunächst auch Bahrain und Katar

mit am Verhandlungstisch. Letztere

entschieden sich jedoch dafür,

souveräne Kleinstaaten zu bleiben.

Zum Jahresende 1971 war man sich

über die Gründung eines gemeinsamen

Staats einig. Der neue Staat

zählte gerade einmal rund 180.000

Einwohner, heute sind es 9,5 Millionen

Menschen die hier leben.

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Von der Mole aus begannen wir unseren

Ausflug in das Stadtzentrum.

Es ist in eine kleine Halbinsel eingebettet

und von einer Inselgruppe umgeben.

Gegründet wurde die

Stadt 1761 vom Stamm der

Bani Yas. Ihr Name bedeutet

„Vater der Gazelle“ und geht

auf eine Legende zurück,

nach welcher das erste hier

eintreffende Volk von einer Gazelle

zu einer Süßwasserquelle geführt

wurde.

Einen ersten Fotostopp legten wir

am Al Ittihad-Platz ein, dessen Name

im Arabischen „Vereinigung“ bedeutet.

Hier konnten wir spektakuläre

Skulpturen bewundern, darunter

eine große Kaffeekanne und einen

Weihrauchbrenner, die für die berühmte

arabische Gastfreundschaft

und ihre lange Tradition stehen.

Ein Portrait vom 2004 verstorbenen Scheich Zayed

angefertigt aus lauter Briefmarken.

Sein Sohn Scheich Chalifa bin Zayid Al Nahyan ist

derzeit Herrscher im Emirat Abu Dhabi. (links)

Als nächstes besichtigten wir die

Scheich Zayed Ausstellung, ein Museum

und eine Hommage an den

Mann, der die Nation geprägt und

auch die Vereinigten Emirate gegründet

hat. Eine Fotogalerie der

Staatsbesuche und Portraits der

Scheichfamilie zieren die Wände

des Museums. Viele persönliche Erinnerungsstücke

wie die Lieblingsjagdgewehre

und die Fahrzeuge des

verstorbenen Präsidenten, mit Denen

er oft ohne Leibwächter durch

die Stadt fuhr, sowie Geschenke aus

aller Welt, wie ausgestopfte Löwen

und Geparden waren zu sehen.

Im Anschluss besuchten wir das Heritage

Village, eine nachgebaute Dorfanlage mit einem

kleinen Museum und Behausungen, die

uns das alltägliche Leben der Ansässigen

vor Augen führte, wie es bis zur Entdeckung

des Erdöls Ende der 1950er Jahre aussah.

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Wir beendeten unseren Ausflug

auf einem Wellenbrecher,

der einen wunderbaren Ausblick

auf die außergewöhnliche

Silhouette der Stadt bot.

Nach dem Kennenlernen dieser kosmopolitischen, pulsierenden

Stadt mit ultramodernen Straßen und Wolkenkratzern,

aber auch mit einer ausgeprägten Tradition hatten wir noch

eine Nachtfahrt nach Dubai. Dann hieß es Abschied nehmen

von der Costa Venezia. Die fast unbeschreiblichen Eindrücke

dieser 3-wöchigen Reise versuchte ich hier in Form zu bringen.

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Mi 27.03. Dubai 08:00 Heimreise Flug Nr. EK 125 Emirates 16:50 - 20:00

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