Berliner Zeitung 16.05.2019

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18 * Berliner Zeitung · N ummer 112 · D onnerstag, 16. Mai 2019

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Sport

NACHRICHTEN

Eisbären verpflichten

dänischen TorwartDahm

EISHOCKEY. DieEisbären

Berlin gehen mit dem Torwart-

Trio Marvin Cüpper,Maximilian

Franzreb und Sebastian Dahm in die

neue Saison. Dahm, 32, der derzeit

bei der WM das dänische Torhütet,

kommt vonden Iserlohn Roosters

für mindestens ein Jahr an die

Spree. Weil er mit einem deutschen

Pass spielt, wirdkeine Ausländerlizenz

nötig.

DFL lehnt Reformder

Champions League ab

FUSSBALL. Diedeutschen

Profivereine um die Branchenführer

Bayern München und Borussia

Dortmund haben den Zukunftsplänen

für eine Reformder Champions

League eine klareAbsage erteilt.

„Dieses hätte fatale und nicht

akzeptable Konsequenzen, weil es

mittel- bis langfristig die Existenz der

nationalen Ligen gefährden würde“,

sagte Geschäftsführer Christian

Seifert.

Wilmots wird neuer

Nationaltrainer im Iran

FUSSBALL. DerfrühereSchalker

Marc Wilmots wirdTrainer der

iranischen Nationalmannschaft.

Dasgab der Präsident des Verbands ,

Mehdi Tadsch, bekannt. Der

50-jährige Belgier werdenoch

diese Woche einen Vertragbis 2020

unterzeichnen.

Deutsche Olympia-Athleten

erhalten künftig mehr Geld

LEICHTATHLETIK. Bundesinnenminister

Horst Seehofer (CSU) stellt

den Sportlerndes Olympiakaders,

des Paralympics-Kaders,des Perspektivkaders

und Deaflympicskaders

für das Haushaltsjahr 2019 einen

deutlichen monatlichen Mittelanwuchs

in Aussicht. Athleten des

Olympiakaders erhalten demnach

künftig 800 statt 300 Euro proMonat.

ZAHLEN

Eishockey

WM in der Slowakei, Vorrunde

Gruppe A:

USA -Großbritannien 6:3 (1:1, 3:1, 2:1)

Deutschland -Slowakei 3:2 (0:0, 1:2, 2:1)

1. Deutschland 412: 512

2. USA 4 17:10 8

3. Finnland 3 9:6 7

4. Kanada 3 15:8 6

5. Dänemark 3 15:6 5

6. Slowakei 413:14 3

7. Frankreich 3 6:16 1

8. Großbritannien 4 4:26 0

Gruppe B

Schweiz -Norwegen 4:1 (1:0, 1:0, 2:1)

Russland -Italien 10:0 (4:0, 4:0, 2:0)

1. Schweiz 4 20: 212

2. Russland 4 23: 212

3. Schweden 3 19: 6 6

4. Tschechien 3 12: 7 6

5. Lettland 3 9: 5 6

6. Österreich 3 2:14 0

7. Norwegen 4 6:25 0

8. Italien 4 0:30 0

Basketball

Play-offs NBA, Halbfinale

Golden State Warriors -Portland Trail Blazers

116:94 Play-off-Stand: 1:0

Eishockey

Play-offs NHL, Halbfinale

Carolina Hurricanes -Boston Bruins 1:2

Play-off-Stand: 0:3

„Die Halle wird gegen uns sein“

Füchse-Spielmacher Fabian Wiede über das Final Four des EHF-Cup beim Bundesligarivalen THW Kiel

Fabian Wiede sitzt entspannt

beim Kaffee,während Silvio

Heinevetter und Mattias

Zachrisson Körbe werfen.

Der Rest der Mannschaft bereitet

sich auf die bevorstehende Trainingseinheit

vor. Die Stimmung im

Fuchsbau ist gelöst. Der32:20-Erfolg

am Sonntag gegen Ludwigshafen hat

die Mannschaft merklich aufgebaut

und die Lust auf das Final Four des

EHF-Cup am Wochenende in Kiel

weiter angetrieben. So auch bei dem

25-jährigen Spielmacher, der sein

Tief nach der WM überstanden hat

und wieder in gewohnter Manier die

Fäden zieht.

Herr Wiede, was überwiegt im Hinblick

auf den EHF-Pokal, Druck oder

Vorfreunde?

Ach, was heißt Druck? Der ist

beim Final Four immer etwas da.

Wenn man da steht, dann will man

es auch gewinnen. Wir wissen, dass

wir da die Möglichkeit haben, uns einen

internationalen Platz zu sichern,

gerade weil es in der Liga dieses Jahr

nicht optimal lief. Aber das wird extrem

schwer werden, da muss am

Wochenende alles klappen. Trotzdem

freuen wir uns natürlich auf das

Turnier.

Im Halbfinale wartet der FC Porto.

Wasmacht diese Mannschaft für Sie

aus?

Die haben zwei extrem schwere

Kreisläufer und clevere Rückraumspieler.Dann

hat Portoinletzter Zeit

viel sieben gegen sechs gespielt. Da

müssen wir Lösungen finden. Im

sechs gegen sechs haben wir,glaube

ich, gute Chancen.

Welche Lösungen könnten das sein?

Wirmüssen ihr Spiel unterbinden

und stören. Da müssen wir vorallem

in der Abwehr gut stehen, versuchen

Bälle abzufangen und Konter laufen.

Im Angriff müssen wir uns viel bewegen.

Versuchen, den Gegner zu überlaufen

und eine Überzahl zu schaffen.

Die leichten Tore könnten nicht nur

für das erste Spiel extrem wichtig sein,

sondern ebenso Kräfte sparen für ein

mögliches Finale am Sonnabend.

Das stimmt. Wir müssen versuchen,

gut zu regenerieren, auch weil

wir da dann zwei Stunden weniger

bis zum Finale haben als unser Gegner.

Bei der Motivation, die wir haben,

sollte es allerdings über die zwei

Tage kein Problem sein, die Kräfte zu

bündeln und Vollgas zu geben.

Fabian Wiede hat sein Tief nach der Heim-WM überwunden.

National: Fabian Wiede aus Belzig begann

1999 mit dem Handballspielen. Von2006

bis 2009 spielte er beim 1. VfL Potsdam, ehe

er zu den Füchsen wechselte. Seit der Saison

2013/2014 gehörte er zur Bundesligamannschaft,

gewann mit dem Klub seitdem zweimal

den EHF-Cup (2015/2018) sowie den

DHB-Pokal (2014).

ZUR PERSON

IMAGO IMAGES/ENGLER

International: Am 4. Januar 2014 gabder

Linkshänder sein Debüt für die deutsche Nationalmannschaft.ZweiJahre

später gehörte

Wiede zu den Bad Boys, die überraschend

den Europameistertitel holten. Er gehörte

auch zu der Mannschaft, die im gleichen Jahr

die Bronzemedaille bei den Olympischen

Spielen in Rio de Janeiro gewann.

Gestörtes Gleichgewicht

DieFüchse spielen erst 20.45 Uhr. Das

ist gewöhnungsbedürftig.

Da muss man schon überlegen,

wie man das am besten koordiniert

und den Taggut nutzt. Spätes Frühstück,

Video gucken und Spaziergänge

zum Beispiel. Auf der einen

Seite darf man sich nicht zu viel mit

anderen Dingen beschäftigen. Andererseits

ist der Kopf schnell voll,

wenn man nur an das Spiel denkt.

Wahrscheinlicher Finalgegner wird

Gastgeber Kiel sein. Das wäre die

vierte Begegnung in dieser Saison,

bisher hat es für keinen Sieg gereicht.

Erstmal denken wir nur an den

nächsten Gegner. Ansonsten müssen

wir uns auf uns konzentrieren.

Die letzten Spiele gegen Kiel waren

sehr knapp.Dahaben wir in Abwehr

und Angriff gut gestanden und uns

leider nicht belohnt. Da wirdesjetzt

endlich Zeit, dass wir gewinnen.

Beim DHB-Pokal in Hamburg scheiterte

die Mannschaft vor allem an

Niklas Landin zwischen den Pfosten.

Der ist momentan extrem gut

drauf und hat zuletzt gegen Flensburg

wieder super gehalten. Daher

wird das eine ordentliche Aufgabe,

an ihm vorbeizukommen. Vielleicht

müssen wir da den Abend vorher bei

ihm im Hotel etwas Lärm machen.

Nein, im Ernst, er macht das schon

gut. Und wir haben genauso ein gutes

Torhüter-Duo. Hoffen wir, dass

Heine einen guten Tagerwischt und

das Torzunagelt.

Wie sehr könnte die Arena zum Faktor

werden?

Ichbin gespannt, wie das mit den

Fanlagern wird. Wir kennen das ja

von uns und aus Magdeburg, dass

immer ein gewisser Heimvorteil da

ist. Doch ich glaube, dawerden genügend

Füchse-Fans mitkommen,

die Stimmung machen und uns nach

vornepushen.

In Magdeburg hat die Mannschaft

sich von den gegnerischen Fans antreiben

lassen.

Da war es noch extremer durch

das Ost-Derby. Aber ich glaube,dass

die Halle auch jetzt gegen uns sein

wird und Porto unterstützt. Das ist

oft der Fall unter deutschen Mannschaften.

Uns stört das meistens

nicht. Mich motiviert es. Umso lauter

die Gegner sind, desto schöner ist

es, die Fans ruhig zu stellen. Hoffen

wir,dass es wieder so wird.

DasGespräch führte Carolin Paul.

Alexander Zverev steckt in einer tiefen Formkrise, weil er die Balance aus Tennis und Geschäftlichem verloren hat

Alexander Zverevhat die Lust am Tennisspielen vorübergehend verloren.

Eshat ein wenig gedauert, doch

mittlerweile ist auch in Alexander

Zverev die Erkenntnis gereift:

So kann es nicht weitergehen! Die

Tenniskrise des erfolgsverwöhnten

Jungstars hat wenige Tage vor den

French Open (ab 26. Mai) derart

dramatische Ausmaße erreicht,

dass nur noch drastische Maßnahmen

helfen. „Erstmal fasse ich den

Schläger ein paar Tage nicht an“,

sagte Zverev nach seiner Auftaktpleite

in Rom: „Ich habe keine Lust,

Tennis zu spielen.“

Zumindest nicht in dieser Verfassung.

Die Probleme auf und neben

dem Platz sind ihm über den Kopf

gewachsen. Selbst vermeintliche

Kleinigkeiten bringen Zverev derzeit

aus der Fassung. Nach dem 5:7, 5:7

im Foro Italico gegen Lokalmatador

Matteo Berrettini klagte Zverev über

den Wind und die Match-Vorbereitung.

Dabei kritisierte er sein eigenes

Team. „Wir waren so weit entfernt

von aller Professionalität in dieser

Woche“, sagte er bei Sky. „Darüber

müssen wir reden.“

InsDetail ging Zverev nicht, dafür

war er zu „sauer und enttäuscht“, allerdings

ließ er durchblicken, dass er

abseits der Courts auf der Suche

nach dem Gleichgewicht ist. „Ich bin

auf den Platz gegangen und war vor

dem Spiel schon komplett tot“, sagte

er. Zuviele Termine, zuviele Pflichten

belasten ihn. Schon vor dem

Match gegen Berrettini hatte Zverev

gesagt: „Ich habe letztes Jahr aus einem

Grund so gut gespielt: Ichhatte

nichts anderes zu tun außer Tennis.“

GETTY/BRUNSKILL

2019 hat Zverev ganz andere

Dinge im Kopf. DieBeziehung zu seiner

Freundin ging in die Brüche,und

nach der Trennung von seinem Manager

Patricio Apey ist er noch immer

dabei, das Geschäftliche neu zu

ordnen. Immerhin will er nicht nur

ein erfolgreicher Tennisspieler, sondernauch

eine internationale Marke

sein. „In den letzten Jahren habe ich

Tennis gespielt, aber ein Leben ge-

lebt, in dem mir alles abgenommen

wurde. Jetzt habe ich übernommen

und mache alles selbst“, sagte er.

Mit 22 Jahren muss Zverev erwachsen

werden, er hat erkannt,

dass er sein Schicksal nur selbst bestimmen

kann. Die vielen Sandplatzturniere

nach dem holprigen

Saisonstart brachten nicht den erwarteten

Erfolg, dem Teufelskreis

aus Niederlagen und schwindendem

Selbstvertrauen entkam Zverev

nicht. Jetzt verordnet er sich eine

Pause, in der Hoffnung auf die

Trendwende. Denn trotz aller Rückschläge

glaubt Zverev „dass ich auch

die French Open gewinnen kann“.

In seiner Wahlheimat Monte

Carlo wird erversuchen, den Kopf

freizubekommen, ehe die Vorbereitung

auf den Höhepunkt der Sandplatzsaison

beginnt. In Paris wird

endlich auch wieder sein Trainer

Ivan Lendl zum Team stoßen, der das

bisherige Frühjahr wegen einer starken

Pollenallergie in Florida verbrachte.Esist

kaum vorstellbar,dass

der frühereMusterprofi Schlendrian

duldet. Aus der Krise kann sich Zverevjedoch

nur selbst befreien. (sid)

Draisaitls

Kunstschuss

ins Glück

NHL-Profi schießt

DEB-Auswahl zum Sieg

Esschepperte. Und das nicht nur

einmal. Die Partie zwischen der

deutschen Eishockey-Nationalmannschaft

und Gastgeber Slowenien

bei dieser Weltmeisterschaft,

die letztlich mit einem völlig verrückten

3:2 (0:0, 1:2, 2:1) aus deutscher

Sicht endete,hatte es so richtig

in sich. Viele Nicklichkeiten, viele

Zeitstrafen, mächtig Feuer war drin –

sogar der Schiedsrichter wurde,

wenn auch versehentlich, einmal zu

Boden gecheckt. Gegen Ende des

zweiten Drittel war es, als der deutsche

Angreifer Leon Draisaitl, der

sein Geld in der NHL bei den Edmonton

Oilers verdient, den Referee

zu Boden streckte. Dieser blieb für

einen Moment kurz liegen, schüttelte

sich und ging kurz darauf wieder

seiner Arbeit nach.

Nur einen Tagnach dem 4:1-Erfolg

über Frankreich hauten sich die

deutschen Eis-Adler,bis dato in allen

drei Spielen ungeschlagen, voll rein.

Marc Michaelis eröffnete die Partie

mit der 1:0-Führung in der 26. Minute.

Markus Eisenschmied hatte

zuvor von hinten das Torder Slowaken

umkurvt und passte auf Michaelis,

der Keeper Marek Ciliak

mit einem Beinschuss düpierte –

die Führung.

Gastgeber im Powerplay eiskalt

Doch die slowakischen Fans, noch

euphorisiertvom sensationellen 4:1-

Triumph über die USA und der

knappen Pleite gegen Favorit Kanada

(5:6), blieben davon unbeirrt

und trieben ihre Kufencracks lautstark

an. Die Eishalle in Kosice glich

einem Hexenkessel. Die Gastgeber

wurden besser, hatten in der Folge

gleich zwei Pfostenschüsse (27.).

Dann drehten sie innerhalb von nur

einer Minute das Spiel. Moritz Seider

und Moritz Müller wurden in der 27.

und 28. Minute runtergestellt, was

die Slowaken folglich eiskalt zu nutzenwussten.

Im Fünf-gegen-drei erzielten

sie zunächst durch Andrej Sekeraden

Ausgleich (28.), kurzdarauf

dann durch Libor Hudacek die Führung

(29.). Dem 2:1 war ein haarsträubender

Fehlpass von Benedikt

Schopper vorausgegangen.

Moritz Müller im Faustkampf mit dem SlowakenMarko

Dano.

PETER SCHATZ

Doch die deutsche Mannschaft

kämpfte sich zurück. Der Mannheimer

Markus Eisenschmied, der

Mann mit dem Hammer, zog in der

59. Minute aus dem linken Halbfeld

voll durch und traf zum 2:2. Dann

wurde es verrückt: 27 Sekunden waren

auf der Uhr, als Leon Draisaitl

den 3:2-Sieg eintütete. Der Ausnahmekönner

machte die gegnerische

Verteidigung mit einer Einzelaktion

nass und traf mit einem Schuss aufs

kurze Eck. Kurz darauf war Schluss.

Die deutsche Nationalmannschaft

holt damit im vierten WM-

Spiel den vierten Sieg und führt mit

zwölf Punkten die Tabelle der

Gruppe Aan. Damit steht sie so gut

wie sicher im Viertelfinale der WM

und hat auch die direkte Qualifikation

für die Olympischen Spiele 2022

so gut wie sicher. Vier Siege in den

ersten vier Spielen hatte es zuletzt

vor 89Jahren bei der ersten Weltmeisterschaft

im Jahr 1930 überhaupt

gegeben. Letzte theoretische

Zweifel am Einzug in die K.o.-Runde

kann die DEB-Auswahl in den drei

nun noch ausstehenden Vorrundenspielen

gegen Kanada und die USA

beseitigen. (pat)

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