Berliner Kurier 18.05.2019

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BERLINER KURIER, Sonnabend, 18. Mai 2019

Serhat

Mit „Say Na Na Na“: Der Zahnmediziner

singt bereits zum zweiten

Mal für SanMarino. Diesmal einen

Disco-Titel, geklaut aus den

späten 1970er-Jahren.

Nevena Bozovic

Mit „Kruna“: Eine klassische

ESC-Ballade, dramatisch vorgetragen

in der Landessprache,

mit ein paar englischen Zeilen

für das große Publikum.

Sergej Lazarev

Mit „Scream“: Ganz großes Kino

aufderBühne,mitBlitzundDonner,einem

geklonten Sänger auf

acht LED-Wänden. Die Russen

lassen sich die Showwaskosten.

Kobi Marimi

Mit „Home“: Wasfür ein Kontrast

zurVorjahressiegerinNetta.Statt

quietschbunter Knutschkugel ein

durch und durch sympathischer

Sänger mit markanter Stimme.

Tamta

Mit „Replay“: Eine Georgierin

aus Griechenland singt für Zypern,

lässt sich dabei ihr Lackjäckchen

vomKörper reißen für

einen simplen Dance-Pop-Song.

Selbst in Tel Aviv lebt der

ESC-Veranstalter, die European

Broadcasting Union

(EBU) weiter mit der Selbstlüge,

eine gänzlich unpolitische

Fernsehshow zu

produzieren. Auch wenn

noch vor vierzehn Tagen

Hunderte von Raketen rund

60 Kilometer südlich niedergegangen

und Menschen gestorben

sind, in Israel wie im

Gazastreifen.

Die EBU reagiert auch

nicht, wenn es bereits bei

den Vorentscheiden in den

Teilnehmerländern zu kleinen

politischen Skandalen

kommt.Dahetzt in Italien Innenminister

Matteo Salvini

von der fremdenfeindlichen

Legagegen Mahmood, Sohn

eines ägyptischen Vaters

und einer sardischen Mutter.Soeiner

könne doch Italien

nicht vertreten. In

Frankreich wiederum siegt

Bilal Hassani, ein schwuler

19-Jähriger mit marokkanischen

Wurzeln, und schon

wird auf allen Netzwerken

gegen

ihn geschossen, sein Todgefordert,

ihm das Recht abgesprochen,

für sein Heimatland

zu singen.

Aber der isländischen

Gruppe Hatari, die sich im

Vorfeld kritisch zur politischen

Situation in Israel geäußerthat,zeigt

die EBU die

rote Karte: Noch ein böses

Wort,und die Band fliegt aus

dem Wettbewerb. Schließlich

will man nur unterhalten

und ein friedliches Europa

zelebrieren.

Ein Highlight soll der Auftritt

von Madonna sein, sozusagen

als „Pausen-Act“. Die 60-

Jährige wird „Like aPrayer“

singen und einen Titel

ihres neuen Albums.

Elmar Kraushaar

Victor Crone

Mit „Storm“:Unterstütztvon

Streichern

und Elektrobeatsund

mitdünner Stimme, die

kaum einen Tontrifft.

KEiiNO

Mit „Spirit in the Sky“: NordlichtertanzeninsimplerPop-Manier.

Zum Glück wird zwischendrin

kraftvoll gejoikt (Gesang der

Samen: „He-lo eloi-la“).

S!sters

Mit „Sister“: Solidarität unter

Frauen, beschworen voneiner

Blonden und einer Brünetten.

Ein Lied mit Message, wie der

zuständige NDR mitteilt:

„Deutschlands Beitrag zur

Me-Too-Debatte.“

Michela

Mit „Chameleon“: Anpassungsfähig

wie ein Chamäleon, so soll

das Pop-Girl sein. Bereit,injede

Farbe zu wechseln, voneinem

Gefühl zum nächsten.

Bilal Hassani

Mit „Roi“: Ein junger Franzose,

der sein Geschlecht hinter

sich gelassen hat,auf den

Spuren vonConchitaWurst.

Aber stimmliche Schwächen.

Leonora

Mit „Love Is Forever“:

Kindlich-naiv vorgetragen

in vier Sprachen, voneiner

charmanten Sängerin

mit zauberhaftem Gebiss.

Luca Hänni

Mit „She Got Me“: Eine

junge Frau verführtden

DSDS-Sieger von2012

zu schmutzigem Tanz –

und er fällt darauf rein.

Zena

Mit „LikeIt“: Die 16-

jährige Sängerin ist die

Jüngste im Wettbewerb

und hat sich alles bei BritneySpears

abgeguckt.

Hatari

Mit „Hatrið mun

sigra“: Die lupenreine

Bondage-

Showerinnertan

Rammstein und ist

vonhohem Unterhaltungswert.

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