Berliner Zeitung 20.05.2019

BerlinerVerlagGmbH

Umjubelt: Die Götter des Rap in der Wuhlheide – Feuilleton Seite 21

Waswurde

aus dem

Vermögen

der SED?

Seite 4

14°/25°

Gewittrige Schauer

Wetter Seite 2

Siebtklässler ohne Schule:

Es wird eng in Berlin

Berlin Seite 9

www.berliner-zeitung.de

Höhere Zinsen locken:

Sparen für Kinder

Wirtschaft Seite 6

Montag,20. Mai 2019 Nr.115 HA -75. Jahrgang

Auswärts/D**: 1.70 €–Berlin/Brandenburg: 1.60 €

Dardais Pläne: Wasder

Trainer jetzt vorhat

Sport Seite 18

ESC

Oh,

Madonna

mia!

VonAnne Vorbringer

Das Urteil ist deutlich: „Dieser

ESC hat Madonnas Karriereruiniert“,

titelte eine große deutsche

Zeitung nach dem Eurovision Song

Contest. Waswar passiert?

Um es versuchsweise sachlich zu

formulieren: Madonnas millionenschwerer,

groß angekündigter und

im Vorfeld von viel Hin und Her begleiteter

Auftritt beim Eurovision

Song Contest am

Sonnabend in

Tel Aviv ging in

die Hose.

Stimmlich war

die Sängerin bei

der Performance

ihres Hits „Like a

Prayer“ eher

Madonna: dünn unterwegs,

Stilikone, Trendsetterin etliche Töne traf

und Superstar sie schlichtweg

nicht. Wobei Madonna

damit in bester ESC-Tradition

steht; der Sangeswettbewerb ist nun

mal eine Liveshow, da wirdregelmäßig

danebengehauen. Zudem gibt es

ohnehin die Superstar-Tradition,

große Auftritte zu versemmeln –erinnert

sei etwa an die fünffache

Grammy-Gewinnerin Christina Aguilera,

die beim Super Bowl patzte,oder

an Mariah Carey, die sich zu Silvester

2016 durch ihren Auftritt am NewYorker

Times Squareholperte.

Solch ein Auftritt ruiniert die Karrieren

gestandener Frauen nicht. Wie

könnte er auch? Dashieße ja, dass alle

Erfolge, die Madonna zum Superstar

machten, hinfällig wären. Es lohnt in

solchen Momenten der Blick zurück:

Madonna 1984, als sie mit „Like aVirgin“

ihre erste Nummer-eins-Single

herausbrachte –und für einen perfekten

Pop-Moment sorgte.

Es sollte nicht der einzige bleiben.

Zwei Jahrespäter„Papa Don’t Preach“

– ein Lied über eine Teenager-

Schwangerschaft, ein Lied vongesellschaftlicher

Relevanz, gesungen zu

einer Zeit, als man mit diesem Thema

noch alles andere als offen umging.

Oder eben „Like aPrayer“, das mit

erotischen Anspielungen 1989 für einen

handfesten Skandal sorgte. Das

dazugehörige Video wurde zum popkulturell

bahnbrechendsten Musikvideo

aller Zeiten gewählt, ihr Album

„Erotica“ gilt als das kontroverseste

Pop-Album der 90er-Jahre.

Madonna liebt die Provokation –

und versteht es, durch Inszenierung

Schwächen zu überspielen. Schon

vor dem ESC-Auftritt hätte niemand

ernsthaft behauptet, dass sie die begnadetste

Sängerin aller Zeiten wäre.

Darum ging es bei Madonna nie. Sie

hat Trends gesetzt, anstatt auf sie zu

warten. Sie inspirierte Künstlerinnen

wie Lady Gaga, Gwen Stefani und

Taylor Swift. Wermöchte,kann im Internet

genügend Beweise für gelungene

Liveauftritte Madonnas finden.

Beweise dafür, dass sie auch im Alter

von 60Jahren noch kräftezehrende

Shows abliefert. Trösten wir uns also

damit, dass Madonna noch nie etwas

davon abgehalten hat, ihren Wegzu

gehen –und Erfolg zu haben.

Panorama Seite 28

Nur ein Torfehlte für den Aufstieg: Fassungslos ist Sebastian Polter nach dem 2:2 in Bochum.

Neuwahl in Österreich

AFP/INA FASSBENDER

Nach Bekanntwerden eines Skandalvideos um FPÖ-Chef Strache sieht Kanzler Kurz keinen anderen Ausweg

Nach dem Bruch der

rechtskonservativen Koalition

in Österreich soll

Anfang September ein

neues Parlament gewählt werden.

Das kündigte Bundespräsident Alexander

Van der Bellen am Sonntag

nach einem Gespräch mit Bundeskanzler

Sebastian Kurz (ÖVP) an.

DasLand brauche möglichst bald einen

Neuaufbau desVertrauens in die

Politik, sagte Vander Bellen. Es gehe

um dasWohl des Landes und das Ansehen

Österreichs in der Welt.

Kurz sagte: „Die Neuwahlen warenkeinWunsch,

sie waren eine Notwendigkeit.“

In den Monaten bis zur

Wahl müsse ein Maximum an Stabilität

hergestellt werden. Dazu werde

er Gespräche mit allen Parteien führen,

kündigte der Regierungschef an.

Kurz hatte die Koalition seiner

ÖVP mit der rechtspopulistischen

FPÖ am Sonnabend aufgekündigt

und die Neuwahl vorgeschlagen. Vizekanzler

und FPÖ-Chef Heinz-

Christian Strache war zuvor zurückgetreten.

Auslöser war die Veröffentlichung

eines Videos, das zeigt, wie

Strache einer vermeintlichen russischen

Oligarchin 2017 auf Ibiza öffentliche

Aufträge in Aussicht stellte,

wenn sie seiner Partei zum Wahlerfolg

verhelfe. Dazu sollte sie die auflagenstärkste

Zeitung Österreichs,

die Kronen Zeitung, erwerben und

die FPÖ publizistisch unterstützen.

DerKanzler hatte am Sonnabend

gesagt, in den Gesprächen, die er mit

der FPÖ geführt habe, habe er nicht

den Eindruck gewonnen, dass die

Partei zu grundlegenden Veränderungen

bereit sei. Die FPÖ schade

Es ist noch nicht vorbei

Der 1. FC Union hat die Chance

zum direkten Aufstieg in die

Bundesliga knapp verpasst.

Nun spielen die Eisernen

in der Relegation gegen

den VfB Stuttgart

Seite 3, Sport Seite 20

dem Reformprojekt seiner Regierung.

„Sie schadet auch dem Ansehen

unseres Landes“, erklärte Kurz.

„Genug ist genug“, sagte er.

Damit ist das rechtskonservative

Bündnis schon rund 18 Monate nach

dem Start wieder am Ende. Welche

Auswirkungen das auf die Europawahl

in einer Woche hat, ist offen.

Umfragen zufolge konnte die konservative

ÖVP, die der Europäischen

Volkspartei (EVP) angehört, bisher

auf Zugewinne hoffen.

EVP-Spitzenkandidat Manfred

Weber lobte die Entscheidung des

österreichischen Kanzlers. Dieser

zeige damit Rückgrat, schrieb der

CSU-Politiker auf Twitter. „Die EVP

steht klipp und klar zu ihren Werten.

Die unpatriotischen Nationalisten

verkaufen ihre Länder und Werte.“

Zur Europäischen Volkspartei gehörenauch

CDU und CSU.

„Ich werde gegen die Nationalisten

und Populisten kämpfen“, sagte

Weber bei einem Wahlkampfauftritt

mit Kanzlerin Angela Merkel in Zagreb.

Erwarnte vor Salvini, Le Pen

und Co. „Sie wollen zerstören, was

wir in Europa aufgebaut haben.“ Zur

EVPgehörtallerdings auch die österreichische

Kanzlerpartei ÖVP,die die

FPÖ in die Regierung geholt hatte.

Österreichs Bundeskanzler Sebastian Kurz fürchtet um das Ansehen des Landes.

Van der Bellen verlangte eine

„klare, schonungslose, vollständige

Aufklärung“ der Vorfälle. Ersprach

mit Blick auf das Skandal-Video von

Bildern, die ein verstörendes Sittenbild

zeigten. „So ist Österreich einfach

nicht“, sagte der Bundespräsident.

Ausdrücklich lobte er die Rolle

der Medien, die Strache seinerseits

scharf kritisiert hatte. Am Abend

wurde bekannt, dass Verkehrsminister

Norbert Hofer Straches Nachfolger

als Parteichef werden soll.

AFP

Vertreter der neuen Allianz europäischer

Rechtspopulisten, zu der

auch die FPÖ gehört, reagierten zurückhaltend.

AfD-Chef JörgMeuthen

betonte am Rande einer Kundgebung

vonLega-Chef Matteo Salvini in Mailand,

er stehe weiter zur FPÖ. „Die

FPÖ ist uns ein enger Partner.“ Er

werde der Partei nun nicht „in den

Rücken fallen“ aufgrund einer „singulären

Angelegenheit“. Diefranzösische

Rechtspopulistin Marine Le Pen

erklärte,dies sei eine Sache der österreichischen

Innenpolitik.

Die CDU-Vorsitzende Annegret

Kramp-Karrenbauer bekräftigte mit

Blick auf das Skandal-Video ihr Nein

zu einer Zusammenarbeit mit Parteien

an den politischen Rändern.

„Der Fall Strache in Österreich zeigt:

Rechtspopulisten sind bereit, für ihr

persönliches Wohlergehen unsere

nationalen und europäischen Werte

zu verkaufen“, sagte sie den Zeitungen

der Funke Mediengruppe.„Deswegen

arbeiten wir für Regierungen

ohne Beteiligung von Rechts und

Links.“ SPD-Chefin Andrea Nahles

griff die CDU-Vorsitzende scharf an.

„Noch vor wenigen Wochen hat sich

auch die Union im zweifelhaften

Glanz der Konservativen-Rechts-Koalition

aus Österreich gesonnt“, sagte

sie im Spiegel. Plötzlich bekomme

Kramp-Karrenbauer kalte Füße und

warne vorRechtspopulisten. Dasmache

deutlich: „Auf die Konservativen

ist im Hinblick auf klare Kante gegen

Rechts kein Verlass.“ Linken-Chef

Bernd Riexinger nannte die FPÖ auf

Twitter „Partei der Reichen, korrupt

und dreist“. (dpa) Tagesthema Seite2,

Leitartikel Seite8

Ein Toter bei

Unfall von

Flixbus auf A9

Verunglücktes Fahrzeug

war in Berlin gestartet

VonMelain vanAlst

Auf dem Weg von Berlin nach

München ist ein Reisebus am

Sonntag schwer verunglückt. DiePolizei

berichtete am späten Abend,

dass sämtliche Insassen mehr oder

minder schwere Verletzungen davongetragen

hätten. Eine Person

kam ums Leben, mehrereMenschen

schwebten den Angaben zufolge in

Lebensgefahr. Der Bus des Unternehmens

Flixbus hatte sich zwischen

den Anschlussstellen Leipzig-

West und Bad Dürrenberg um17.28

Uhrüberschlagen, 70 Menschen waren

anBord. Anschließend blieb das

Fahrzeug auf der Seite liegen. Vier

Hubschrauber und zehn Rettungswagen

waren im Einsatz, um die Verletzten

in die umliegenden Krankenhäuser

zu bringen.

Die A9 war an der Unfallstelle

beidseitig stundenlang voll gesperrt.

Zur Unfallursache gab es zunächst

keine Informationen. Später wiesen

Ermittlungen darauf hin, dass der

Fahrer eingeschlafen sei, sagte eine

Polizeisprecherin der Deutschen

Presse-Agentur. „Der Bus war im

Auftrag von Flixbus planmäßig zwischen

Berlin und München unterwegs“,

teilte das Reiseunternehmen

mit. „Unser Mitgefühl gilt den betroffenen

Fahrgästen und Busfahrern

sowie deren Familien und

Freunden.“

Im vergangenen Jahr war ein Flixbus

auf dem Weg von Stockholm

nach Berlin in Mecklenburg-Vorpommern

verunglückt. Damals, im

August 2018, wurden 16 Menschen

zum Teil schwer verletzt. Das Unglück

ereignete sich auf der Autobahn

19 bei Linstow.

Einsatzkräfte der Feuerwehr arbeiten an

der Unfallstelle.

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2* Berliner Zeitung · N ummer 115 · M ontag, 20. Mai 2019

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Tagesthema

Österreich

Die rechts-konservative Regierung der Alpenrepublik zerbricht an einem heimlich aufgenommenen Video.

Es endet auch ein Versuch, Populisten in Regierungsverantwortung zu nehmen.

Video

Was

wusste

Böhmermann?

Noch immer ist unklar, wer

hinter dem Skandal-Video

steckt, das nun in Österreich Neuwahlen

zur Folge hat. Möglicherweise

weiß der Satiriker Jan Böhmermann

mehr. Zumindest war

ihm das Video offenbar schon seit

längerem bekannt. Denn in seiner

Sendung „Neo Magazin Royal“

am Donnerstag hatte der Youtuber

Gronkh am Ende des Gesprächs

gefragt: „Hast du wieder

etwas vorbereitet, wofür man

dich hasst?“ Böhmermann: „Für

mich ist es eine ganz normale

Sendung. Kann sein, dass morgen

Österreich brennt.“ Am Freitag

wurde das Video veröffentlicht.

Noch deutlicher war Böhmemann

bereits Mitte Aprilbeim österreichischen

Fernsehpreis

„Romy“ in Wien geworden. In einer

Videobotschaft entschuldigte

er sich, dass er sich einen Preis

nicht persönlich abholen könne,

weil er „gerade ziemlich zuge-

Jan

Böhmermann

DPA

kokst und

Red-Bull-betankt

mit ein

paar FPÖ-Geschäftsfreunden

in einer

russischen

Oligarchenvilla

auf Ibiza

rumhängt“

und „über die

Übernahme

der Kronen-Zeitung verhandelt“.

Böhmermanns Manager Peter

Burtz bestätigte am Sonnabend,

dass Böhmermann das heikle Video

bereits vor Wochen gekannt

hat. Er dementierte aber, dass die

Aufnahmen Böhmermann angeboten

worden seien. Da sie ihm

nicht angeboten worden seien,

habe er sie auch nicht abgelehnt.

Woher Böhmermann die Aufnahmen

kannte,wisse er nicht. Er reagierte

damit auch auf eine Aussage

der Journalistin Leila Al-Serori

vomRechercheteam der Süddeutschen

Zeitung, die im ORF erklärt

hatte: „Wir wissen, dass Herr Böhmermann

das Video auch zugespielt

beziehungsweise angeboten

bekommen hat, er hat es dann

aber abgelehnt, das zu recherchieren.“

DasVideos sei einem größeren

Personenkreis bekannt gewesen.

Mögliche Erklärung: Böhmermanns

Sendung ist auch Mitglied

der Rechercheplattform correctiv.de.

Dieser war das Video wohl

auch bekannt. (BLZ)

Die Pressekonferenz des

österreichischen Bundeskanzlers

Sebastian

Kurz wurde mehrfach

verschoben. Am Sonnabendabend,

kurz vor der deutschen Tagesschau,

war es dann soweit: „Genug ist genug“,

sagte Österreichs Kanzler.Der

Satz markierte das Ende der Koalition,

die der christkonservative Regierungschef

im Dezember 2017

mit der rechtspopulistischen FPÖ

eingegangen war. Es ist nicht das

Ende irgendeiner Regierung in Europa,

sondern das spektakuläre

Scheitern eines Versuchs, Populisten

in Regierungsverantwortung

einzubinden. Der 32-jährige Kanzler

Kurz stand für ein neues Modell

konservativer Politik. Jetzt befeuert

die Regierungskrise in Österreich

einen Europawahlkampf, der dahinplätscherte

und doch von Anfang

an voneinem Zweikampf lebte:

Es ist der Kampf der europafreundlichen

und freiheitlichen Politiker

gegen die Rechtsausleger in allen 28

Mitgliedsstaaten der EU.

Konservativer Shootingstar

Die Populisten haben nun auf den

letzten Metern ein prominentes Opfer.

Vizekanzler und FPÖ-Chef

Heinz-Christian Strache war ein

konservativer Shootingstar in Europa.

So spektakulär ist schon lange

kein Politiker mehr gescheitert. Wegen

des Videos, das den Vizekanzler

bloßstellt und die Politik in Österreich

auf dem Niveau einer Bananenrepublik

erscheinen lässt, tritt

Strache am Sonnabendvormittag

von allen Ämtern zurück. Stunden

später ist die Regierung am Ende.

DasVideo ist ein „Sittengemälde“

der österreichischen rechtspopulistischen

Partei, die seit 1986 einen Erfolg

nach dem anderen einfährt. Es

entlarvt die eigentlichen Interessen

vonStrache und seinen inneren Motivationen:

Kontrolle über Medien

sowie Geld und Macht. Verwundert

kann man darüber nicht sein, denn

jeder,der die österreichische Rechtspartei

in den vergangenen Jahrzehnten

beobachtete, konnte das Ausmaß

an Verantwortungslosigkeit,

brutalem Machtstreben und Korruptionsbereitschaft

deutlich erkennen.

Ende Juli 2017 wurden Strache

und sein Vertrauter Johann Gudenus

in eine Villa auf Ibiza gelockt und

heimlich gefilmt. Das Video zeigt,

wie Strache wenige Monate vor den

Parlamentswahlen bereit zu sein

schien, mit einer angeblichen russischen

Oligarchin einen Deal zu machen.

Für die Unterstützung sollte

sie im Fall einer Regierungsbeteiligung

der FPÖ öffentliche Aufträge

erhalten. Die Frau gab an, knapp

eine Viertelmillion Euro in Österreich

investieren zu wollen. Dabei

deutete sie mehrmals an, dass es sich

um Schwarzgeld handeln könnte.

Doch dies schien Strache nicht zu

Spektakuläres

Scheitern

Kritik: Baden-Württembergs

Datenschutzbeauftragter

Stefan Brink hat sowohl die

heimliche Aufzeichnung des

Videos mit dem FPÖ-Politiker

Heinz-Christian Strache sowie

die Veröffentlichungen

kritisiert.

VonAdelheit Wölfl, Regina Kerner und Tobias Peter

Aufgegeben: Heinz-Christian Strache erklärtseinen Rücktritt von allen Ämtern.

Aufgenommen: Screenshot aus dem Ibiza-Video. Zu sehen sind FPÖ-Fraktionschef Johan

Gudenus (links) und Österreichs Vizekanzler Heinz-Christian Strache (rechts). DPA

DATENSCHUTZ

Twitter: „Wenn wir politische

Gegner hintergehen, ihre Privatsphäre

verletzen und sogarkriminelles

Unrecht begehen,

schaden wir letzten

Endes unserer politischen

Kultur und damit uns allen“,

schrieb Brink auf Twitter.

Veröffentlichung: Die

Presse entscheide selbst,

was sie veröffentliche, sie

müsse aber auch gegenläufigeGrundrechte

beachten,

dazu gehörten auch die Persönlichkeitsrechte

und der

Datenschutz, sagte er.

AP

stören. Er schlug etwa vor, dass er für

lukrative Aufträge sorgen könne,

wenn die Frau in Österreich ein Unternehmen

gründe.

Strache spricht in dem Video

auch über angebliche Großspender

an die FPÖ. Deren Spenden gehen

laut Strache aber nicht direkt an die

Partei, sondernaneinenVerein.„Der

Verein ist gemeinnützig, der hat

auch nichts mit der Partei zu tun.

Dadurch hast du keine Meldungen

an den Rechnungshof“, so der Vizekanzler

weiter. Sollte dies stimmen,

wäreesillegal. Außerdem, so geht es

aus dem Video hervor, sollte die angeblich

schwerreiche Russin die Kronen

Zeitung kaufen, Österreichs auflagenstärkstes

Blatt, und dann die

FPÖ publizistisch massiv unterstützen.

„Dann machen wir nicht 27,

dann machen wir 34 (Prozent)“, sagt

Strache mit Blick aufs Wahlergebnis.

Undweiter sagt Strache über die vermeintliche

russische Investorin:

„Sobald sie die Kronen Zeitung übernimmt,

sobald das der Fall ist, müssen

wir ganz offen reden, da müssen

wir uns zusammenhocken. Da gibt

es bei uns in der Krone: Zack, zack,

zack. Drei, vier Leute,die müssen wir

pushen. Drei, vier Leute,die müssen

abserviert werden. Und wir holen

gleich mal fünf neue herein, die wir

aufbauen.“

Das Video wird nun von der

Staatsanwaltschaft auf juristische

Konsequenzen hin geprüft. Strache

sagte, dass es keine rechtswidrigen

Vorgänge und Handlungen gegeben

habe.Trotzdem entschuldigte er sich

für sein Verhalten. „Ja, es war dumm,

es war unverantwortlich, und es war

ein Fehler.“ Zugleich sprach er von

einem „gezielten politischen Attentat“.

„Der einzige strafrechtliche Verstoß,

der vorliegt, ist diese geheimdienstlich

inszenierte Lockfalle mit

illegalen Aufzeichnungen, wo man

zwei Jahre zugewartet hat, um diese

dann in Folge auch zu zünden.“ Er

werde alle medienrechtlichen und

strafrechtlichen Mittel ausschöpfen.

„Es war eine b’soffene G’schicht und

ich war in einer intimen Atmosphäre

verleitet, auch unreflektiert und mit

lockerer Zunge über alles und jedes

zu polemisieren. Und ja, meine Äußerungen

waren nüchtern gesehen

katastrophal und ausgesprochen

peinlich“, sagte Strache weiter.

Im öffentlichen Interesse

DasVideomaterial war der Süddeutschen

Zeitung und dem Spiegel zugespielt

worden. Vonwem, bleibt geheim.

DerZeitpunkt soll Zufall gewesen

sein. Die SZsoll nach eigenen

Angaben die Aufnahmen voretwa einer

Woche erhalten haben. Beide

Medien prüften zunächst, ob es sich

um manipuliertes Material handelte,

die russischen Passagen des Gesprächs

wurden übersetzt. Die Veröffentlichung

wurde mit öffentlichem

Interesse begründet.

Europa

„Zerstörer

unserer

Werte“

VonDamir Fras, Zagreb

Für einen Augenblick darf sich

Manfred Weber (CSU) an diesem

Nachmittag so vorkommen,

als hätte er den Job bereits. Denn

in Zagreb wird ihm der rote Teppich

ausgerollt. So, als wäre er

schon Chef der mächtigen EU-

Kommission in Brüssel.

Doch der rote Teppich liegt auf

dem Platz des Heiligen Markus,

weil wenig später die Bundeskanzlerin

Angela Merkel (CDU) eintreffen

wird. Merkel, die sich im deutschen

Europa-Wahlkampf auffallend

zurückhält, reist an diesem

Tagnach Kroatien, um Weber zu

helfen. Allein: DieVorgänge in Österreich

überlagern die Werbetour.Weber

und Merkel gehen in

den Angriffsmodus über. Ineiner

Basketballhalle vor etwa 6000

Anhängern der kroatischen Konservativen

wetterndie beiden Politiker

aus Deutschland gegen Nationalisten

und Populisten. „Der

Nationalismus ist der Feind des

europäischen Projekts“, ruft Merkel.„Ich

werdegegen die Nationalisten

und Populisten kämpfen“,

sagt auch Weber.

Die Vorgänge in Österreich

werden nur indirekt erwähnt. Sie

sind für die europäischen Konservativen

eine peinliche Angelegenheit.

Ihr bürgerlich-konservativer

Shootingstar Sebastian Kurz ist

vor gut anderthalb Jahren mehrfach

gewarnt worden, sich mit

den Rechtspopulisten von der

FPÖ einzulassen.

Merkel betont erst die Bedeutung

gemeinsamer europäische

Werte, dann sagt sie: „Wir haben

es mit populistischen Strömungen

zu tun, die in vielen Bereichen

das Europa unserer Werte zerstören

wollen. Dazu gehört, dass

Käuflichkeit vonPolitik eine Rolle

spielt.“

In gewisser Weise gerät die

Wahlveranstaltung in Zagreb zu

einer Art Gegenkundgebung zur

Regierungskrise in Wien und zu

dem ungefähr zeitgleich stattfindenden

Treffen der europäischen

Rechtspopulisten in Mailand. Patrioten

seien das nicht, die sich

da in Mailand träfen, sagt Weber.

Die rechten Extremisten und Populismus

seien bereit dazu,

„auch die Werte ihres Landes zu

verkaufen, nur um persönlichen

und politischen Profit daraus zu

ziehen“.

BERLIN UND BRANDENBURG WETTERLAGE REISEWETTER

Heute steigen die Temperaturen auf 22bis 25 Grad. Dazu wechseln sich

Wolken, Sonne sowie gewittrige Schauer ab. Der Wind weht nur schwach

aus nordöstlichen Richtungen. In der Nacht gibt es Wolken, Sternenhimmel

und Regenschauer, und es sind Tiefstwertevon 13 bis 10Grad zu erwarten.

Biowetter: Blutdruckschwankungen

ziehen Kopfweh, Migräne und

Schwindelgefühle nach sich. Die

Schlafqualität erreicht nicht ihre

Wittenberge

sonstige Form. Dadurch sind einige 12°/24°

Menschen schlecht gelaunt.

Pollenflug: Derzeit fliegen Pollen

von Gräsern inmäßiger Konzentration.

Zudem ist mit einigen Kiefern-,

Eichen-, Sauerampfer- und Spitzwegerichpollen

zu rechnen.

Gefühlte Temperatur: maximal 25Grad.

Wind: leichter Wind aus Nordost.

Min./Max.

des 24h-Tages

Brandenburg BERLIN

13°/23° 14°/25°

Luckenwalde

12°/22°

Cottbus

12°/22°

Dienstag

Mittwoch

Donnerstag

wolkig Regenschauer wolkig

13°/26° 14°/17° 7°/19°

Prenzlau

13°/23°

Frankfurt

(Oder)

13°/25°

Über Mitteleuropa herrscht weiterhin tiefer Luftdruck durch Axel. Damit sind in

teils schwüler Luft gewittrige Schauer verbunden. Auch das östliche und südöstliche

Europa erfassen insbesondere in den Nachmittagsstunden Gewittergüsse.

Zwischen den Britischen Inseln, Frankreich und dem westlichen Mittelmeerraum

ist es etwas kühler und wechselnd bewölkt.

Sylt

12°/17°

Hannover

12°/23°

Köln

12°/18°

Saarbrücken

10°/18°

Konstanz

11°/16°

Hamburg

11°/20°

Erfurt

12°/20°

Frankfurt/Main

12°/21°

Stuttgart

12°/19°

Rügen

12°/20°

Rostock

12°/15°

Magdeburg

14°/22°

Nürnberg

11°/21°

München

13°/14°

Dresden

15°/20°

Deutschland: Heute hat die Sonne

oft das Nachsehen. Mancherorts

sind Schauer unterwegs. Die Höchstwerte

belaufen sich zumeist auf

14 bis 25Grad, die Tiefsttemperaturen

auf 13 bis 10 Grad. Der Wind

weht schwach, inBöen mäßig aus

Nordost. Morgen sorgen viele Wolken

gelegentlich für Regenfälle.

Dabei machen die Höchstwerte bei

13 bis 23Grad halt, und der Wind

weht schwach bis mäßig aus nordwestlichen

Richtungen.

Meerestemperaturen:

Ostsee: 11°-15°

Nordsee: 11°-14°

Mittelmeer: 15°-25°

Ost-Atlantik: 11°-17°

Mondphasen: 26.05. 03.06. 10.06. 17.06.

Sonnenaufgang: 05:03 Uhr Sonnenuntergang: 21:03 Uhr Mondaufgang: 22:50 Uhr Monduntergang: 06:19 Uhr

Lissabon

23°

Las Palmas

24°

Madrid

22°

Reykjavik

14°

Dublin

15°

London

22°

Paris

21°

Bordeaux

17°

Palma

22°

Algier

25°

Nizza

18°

Trondheim

19°

Oslo

16°

Stockholm

19°

Kopenhagen

18°

Berlin

25°

Mailand

15°

Tunis

24°

Rom

18°

Warschau

25°

Wien

22° Budapest

24°

Palermo

22°

Kiruna

19°

Oulu

18°

Dubrovnik

19°

Athen

30°

St. Petersburg

24°

Wilna

23°

Kiew

25°

Odessa

21°

Varna

24°

Istanbul

28°

Iraklio

25°

Archangelsk

11°

Moskau

23°

Ankara

27°

Antalya

29°

Acapulco 34° heiter

Bali 34° heiter

Bangkok 39° heiter

Barbados 29° heiter

Buenos Aires 18° bewölkt

Casablanca 21° heiter

Chicago 14° bewölkt

Dakar 28° heiter

Dubai 39° heiter

Hongkong 33° Gewitter

Jerusalem 31° sonnig

Johannesburg 22° sonnig

Kairo 35° sonnig

Kapstadt 18° wolkig

Los Angeles 18° wolkig

Manila 35° heiter

Miami 31° Schauer

Nairobi 26° wolkig

Neu Delhi 42° sonnig

New York 29° bewölkt

Peking 26° wolkig

Perth 21° bewölkt

Phuket 34° wolkig

Rio de Janeiro 28° sonnig

San Francisco 16° heiter

Santo Domingo 31° Gewitter

Seychellen 30° wolkig

Singapur 34° wolkig

Sydney 24° bewölkt

Tokio 25° wolkig

Toronto 17° wolkig


Berliner Zeitung · N ummer 115 · M ontag, 20. Mai 2019 3 ***

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Seite 3

Das große Zittern

„Das ist ein Spiel wie eine Achterbahn, ich bin total fertig mit der Welt.“ Public Viewing im Stadion An der Alten Försterei.

FOTO: SEBASTIAN WELLS

An der Bar der „Abseitsfalle“, unter

einer Girlande aus Fußbällen, steht

ein Mann im Fan-T-Shirt, er blickt

über die Menschenmenge vor ihm

auf die Leinwand und überlegt, wie er seine

Gefühle in Worte fassen soll. Wie eressieht,

geht es hier um viel mehr als nur um ein

Spiel. „Union ist Heimat“, ruft er.„Hier kennt

jeder jeden. Dasist einfach so.“

Christian Großmann ist 59 Jahrealt, Taxifahrer,Union-Fan

seit 50 Jahren. Jetzt drückt

er sich gegen den Tresen, als noch mehr

Leute in den ohnehin überfüllten Raum

drängen; neben ihm steht ein wuchtiger

Mann, ebenfalls im Fan-Shirt, auf dem Rücken

steht: „Union verbindet. Schulter an

Schulter.“

In der „Abseitsfalle“, der Fankneipe am

Stadion, sind alle Plätze besetzt; selbst auf

dem Fußboden sitzen Leute,imHinterhof ist

ein Grill aufgebaut. Es riecht nach Bier und

Grillfleisch; unter der niedrigen Decke des

Flachbaus staut sich die Hitze.

Großmann sagt, er sitzt hier bei jedem

Auswärtsspiel seines Vereins, immer an derselben

Stelle an der Ecke des Tresens.„Ichbin

seit Tagen total aufgeregt“, sagt er.

Es ist ein Gefühl, das viele hier in der „Abseitsfalle“

teilen: Dass ihr Verein eine Chance

hat, die vielleicht so schnell nicht wiederkommt.

„Wenn wir das hier gewinnen, wird

Köpenick drei Tage lang brennen“, sagt Sebastian

Keil, ein Mann Mitte 30 mit Käppi

und Brille, der ganz vorne ander Leinwand

sitzt. „Das wäre ein Freudentaumel, ein Riesending.“

In der Kneipe wirdesstill

Als das Spiel in Bochum beginnt, wird esin

der Köpenicker Kneipe einen Moment still,

die jungen Männer an dem Tisch nahe der

Rückwand schauen so ernst und konzentriert

auf die Leinwand als verfolgten sie

eine Nachrichtensendung. Auf den Tischen

liegen ihre Handys; so können sie sehen,

was zur gleichen Zeit in Dresden geschieht.

„Schade, dass das heute auch so fremdbestimmt

ist“, sagt einer von ihnen. Aber wie

es auch ausgeht, sagt er: „Hauptsache

Union.“

Auswärts zu Hause –dieses Motto hat der

1. FC Union Berlin für diesen letzten Spieltag

der Zweiten Fußball-Bundesliga ausgerufen.

Dieser 34. Spieltag, der Union nach Bochum

führt und der als historisches Ereignis in die

Geschichtsbücher der Eisernen eingehen

sollt.

Und nicht nur in den Kneipen in Köpenick

wollen sie diesen Tagfeiern, sondern

auch im Stadion An der Alten Försterei.Während

5000 Union-Fans ins Ruhrgebiet gereist

sind, fiebertmehr als die doppelte Anzahl an

Fans hier mit: 11 000 Daheimgebliebene sind

zum gemeinsamen Fußballschauen ins Köpenicker

Stadion gekommen und sorgen für

eine Atmosphäre, die selbst Yves Meichsner

Gänsehaut bereitet. „Die Unioner können

mich eigentlich nicht überraschen, aber nun

bin ich doch etwas sprachlos“, staunt

Meichsner. „Hut ab, dass so viele Fans gekommen

sind!“

In den Köpenicker Kneipen und beim Public Viewing im Stadion

An der Alten Försterei: Tausende Union-Fans wollten

an diesem Sonntag ihren Verein aufsteigen sehen.

Es war ein Fest in Berlin –dochamEnde hat es für

die große Feier noch nicht gereicht

Meichsner arbeitet seit fast drei Jahren als

Leiter von Großveranstaltungen für den

1. FC Union Berlin und hat sich in den vergangenen

Tagen vorArbeit kaum retten können.

Erst am Dienstag hatte Rechteinhaber

Sky die Erlaubnis erteilt. Und sotummeln

sich bereits eine Stunde vor Einlass die rotweißen

Menschenmassen vor den beiden

Eingängen. 7000 Fans füllen den Parkplatz

vor dem Stadion, auf dem drei Getränkeund

zwei Essensstände stehen sowie zwei

Großbildleinwände angebracht sind. Die

Sonne knallt vonoben herab,der Geruch von

Bratwurst und Bier mischt sich ziemlich

schnell zur schwülen Luft dazu.

Um 15.37 Uhr, sieben Minuten nach

Spielbeginn, müssen die Verantwortlichen

um Yves Meichsner zu Plan Bgreifen. Weil

doch mehr Fans als ursprünglich erwartet

sind, werden die Tore in Sektor 2geöffnet.

4000 Anhänger strömen auf die „Waldseite“.

Nun gibt es also ein zweites Public Viewing

im Stadion.

Nicht weit entfernt, auf der Kneipen-

Leinwand in der „Abseitsfalle“, ist zu sehen,

wie die Union-Spieler in Bochum durch den

Regen laufen. „Vorwärts!“, brüllt jemand.

„EisernUnion“, skandieren die alten Herren

am Fenster dreimal.

„Wir spielen den besten Fußball der Zweiten

Liga“, sagt ein Mann an der Bar.

„Das wäreein Traum“

Stephan Meyer, 58 Jahre, mit grauem Zopf

und Bart, ist extra von der Ostsee hergekommen;

dort wohnt seine Freundin, aber

für ihn stand fest, dass er an diesem Tagin

Köpenick sein muss.„Union ist Kiezverbundenheit,

wie soll man es anders beschreiben?“,

der Rest von dem, was er sagt, geht

im Applaus unter, weil die Union-Spieler

sich gerade mit dem Ball dem gegnerischen

Tornähern. „Wenn es jetzt mit der Ersten

Liga klappen würde, das wäre ein Traum“,

sagt er noch. Aber dann fällt das erste Torfür

Bochum.

„Ohnein“, sagt Meyerleise.Dass der erste

Rückschlag so schnell kommen würde, haben

die meisten hier nicht erwartet. „Das ist

VonPatrick Berger und Gabriela Keller

doch nicht zu fassen“, schreit Sebastian Keil

vorne ander Leinwand und reißt sich das

Käppi vom Kopf. „Es läuft gegen uns, das ist

nicht gut.“ Trotzdem ist er sich sicher,dass es

seine Mannschaft noch hinkriegen wird.

„Gib niemals auf und glaub an dich selbst“,

sagt er,obzusich selbst oder zu den Spielern

ist nicht ganz klar.

Dann guckt er noch mal auf sein Handy,

in Dresden führt Dynamo, und das macht

den Rückstand von Union noch frustrierender.Die

Rufe der Leute klingen nun hartund

ungeduldig. Aber Stefan Meyer lässt sich

Kneipen-Blues. „Sie haben gekämpft bis aufs Messer

und sind trotzdem nicht weiter.“BLZ/MARKUS WÄCHTER

nicht aus der Ruhe bringen: „Eisern Union“,

sagt er,„egal, wo es hingeht.“

Wenige HundertMeter weiter,im„Hauptmann

von Köpenick“, ist die Stimmung

ebenfalls schon etwas gedrückt; auch hier ist

alles voll. Die Kellnerinnen reichen Biergläser

über den Tresen,Zigarettenrauch kringelt

sich über den Köpfen. Eine Gruppe junger

Männer, die in einer Ecke beisammen stehen,

zucken die Schultern. „Es läuft nicht

gut“, sagt einer von ihnen, „sie spielen eine

geile Saison, und dann, wenn es darauf ankommt,

liefernsie nicht.“

Ein älterer Herr kauert allein an einem

Tisch; er hat die Hoffnung noch nicht verloren.„Wir

haben doch noch 45 Minuten Zeit“,

sagt er.Und wenn Union an diesem Tagnicht

den Sprung in die Bundesliga schafft, wärees

für ihn auch nicht schlimm. „Man muss

nicht unbedingt aufsteigen. Die ganze Umgebung

würde nicht dazu passen, das Stadion,

die Infrastruktur.“

Solche vorsichtigen, skeptischen Töne

sind hier häufiger zu hören. Draußen vor der

Tür lehnt ein junger Mann an der Wand und

raucht. Ingo Schulz sagt, er nehme sich eine

kurze Auszeit von Spiel, „um runterzukommen“.

Er ist Union-Fan, aber er hofft nicht auf

den Aufstieg. „Union ist der Verein, wo viele

Leute hingehen, weil es familiär zugeht.“ Und

wenn der Verein aufsteigt, dann fürchtet er,

dass es bei Union bald kommerzieller wird.

Dass die Preise steigen und andereFanskommenals

bisher.„Erfolgsfans“, so nennt es Ingo

Schulz. „von denen kommen immer mehr,

weil Union jetzt Kult ist.“

Inzwischen ist das zweite Torfür Bochum

gefallen. In den Kneipen wirddaund dortÄrger

laut; die Atmosphäre wirkt jetzt angespannt.

„Mann ey,macht mehr Tempo“,ruft

einMann nahe einer Hintertür.

Kopfschütteln bei allen Unionern, Verzweiflung,

Ratlosigkeit.ImStadion An der Alten

Försterei lehnt sich ein Fan über das

graue Absperrgitter, schlägt die Hände über

den Kopf zusammen und schreit: „Verdammt!

Alles läuft für uns,aber unsereJungs

machen nicht mit.“

Wenig später gibt es dann einen Urschrei,

den man sicherlich auch bis nach Charlottenburg

zum Stadtrivalen Hertha BSC hört.

Um 17.10 Uhrgelingt Grischa Prömel der Anschlusstreffer,

Tausende rot-weiß gekleidete

Unioner an der Alten Försterei jubeln, werfen

ihreroten Fischerhüte in die Menge.Nur

drei Minuten später gibt es die nächste Ge-

Gabriela Keller

traf die Fans in den

Köpenicker Kneipen.

fühlsexplosion. Joshua Mees erzielt das 2:2,

die Fans an der Alten Försterei, die vomRegen

durchtränkt sind, werfen ihre vollen Bierbecher,die

sie zuvor noch für vier Euro erhalten

haben, in die Luft, liegen sich freudig in den

Armen.

Jetztfehlt nur noch ein Treffer. Es gibt fünf

Minuten Nachspielzeit. „Kämpfen und siegen“-Rufe,

bibbern, bangen, zittern. In der

„Abseitsfalle“ reißt es alle von den Sitzen.

„Union olé, olé, olé“, der Gesang der Menge

füllt den flachen Bau. „Das ist ein Spiel wie

eine Achterbahnfahrt“, sagt Stephan Meyer.

Christian Großmann, der Taxifahrer, murmelt:„Ich

bin total fertig mit derWelt.“

Kurz vordem Ende schüttelt die Frau neben

ihm wortlos den Kopf. Wie esihr geht?

„Naja“,sagt sie,„herzkaspermäßig.“ Marion

Hannemann, 49 Jahrealt, sagt, sie war unruhig

wegen dieses Spiels, „schon die ganze

Woche lang.“ Doch es bleibt beim Unentschieden.

Um 17.23 Uhrist das Spiel vorbei.

Jetzt wirkt Marion Hannemann doch etwas

ernüchtert.„Sie haben gekämpft bis aufs

Messer und sind trotzdem nicht weiter.

Schade.“

Dabei waren sie so nah dran. Um 16.51 Uhr

hatte der TV-Kommentator durchgegeben:

„Dresden führtmittlerweile mit 3:1 gegen Paderborn.“

Das hieß danoch für Union: Im

Falle eines eigenen Sieges hätte man den

Traum geschafft, würde erstmals überhaupt

in der Vereinsgeschichte ins Oberhaus aufsteigen.

Aber noch hat esnicht so kommen

sollen, nicht an diesem Sonntag.

„Eswar sehr intensiv“

Stolz weicht schnell derEnttäuschung an der

Alten Försterei. Die Fans, darunter auch

ThomasWiens ausKarlshorst, klatschenund

applaudieren. Nach demSchlusspfiff sei ihm

schon sehr viel durch den Kopf gegangen, erzählt

der 28-Jährige, weil man so nah dran

war. „Es war sehr intensiv. Aber enttäuscht

sind wir nicht. Wir haben in der Vergangenheit

oft genug gezeigt, dass wir gegen Bundesligisten

mithalten können.“ UndKumpel

Daniel Oberländer,34, aus Alt-Hohenschönhausen,

ergänzt: „Es ist noch nicht vorbei.

Wir haben eine Chance.“ Doch die direkte

Qualifikation für die Bundesliga ist verpasst.

Nach demAbpfiff tupft sich auch Torsten

Kerner, 42, mit seinem rot-weißen Union-

Schal den Schweiß und den Regen aus dem

Gesicht. „Das war ein großartiges Erlebnis“,

sagt der Köpenicker.„Natürlich ist es schade,

dass wir es noch nicht klargemacht haben.

Aber enttäuscht sind wir nicht.“

Für Donnerstag, wenn Union im ersten

von zwei Relegationsspielen beim VfB Stuttgart

gastiert(20.30 Uhr),wirdeswohlwieder

ein Public Viewing geben. Yves Meichsner

hat also auch in den kommenden Tagen

noch alle Hände voll zu tun an der Alten

Försterei.

Patrick Berger

war beim Public-Viewing

im Stadion dabei.


4* Berliner Zeitung · N ummer 115 · M ontag, 20. Mai 2019

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Politik

NACHRICHTEN

Werft nimmt „Gorch Fock“

als Pfand

Im Streit um offene Rechnungen bei

der Sanierung des Segelschulschiffs

„Gorch Fock“ will eine Bremerhavener

Werftdas Schiff als Pfand benutzen,

um einer drohenden Insolvenz

zu entgehen. Wieder Spiegel

schreibt, fordertdie Bredo-Werft 4,3

Millionen Euro vomBund. DasSchiff

liegt bei ihr im Dock, wo es im Auftrag

der inzwischen insolventen ElsfletherWerftrepariertwird.

Sollte der

Bund nicht zahlen, will die Werftdas

für den 21. Juni geplante Ausdocken

des Schiffes verhindern. (dpa)

Schweizer stimmen für

schärferes Waffenrecht

DieSchweizer haben sich für eine

Verschärfung des Waffenrechts sowie

für Änderungen bei der Gewinnbesteuerung

voninternationalen

Unternehmen in ihrem Land

ausgesprochen. Nach Auszählung

fast aller Stimmen wurden die Gesetzesänderungen

bei der Volksabstimmung

am Sonntag mit deutlicher

Mehrheit angenommen. Damit

kann die Schweiz wichtige EU-

Richtlinien umsetzen. DieSchweiz

ist zwar nicht EU-Mitglied, gehört

aber wie die meisten EU-Staaten

zum Schengenraum mit offenen

Grenzen, ist mit der Union überVerträge

verbunden und übernimmt

viele EU-Regeln. (dpa)

Mayverspricht „kühnes“

neues Brexit-Paket

Theresa Mayist bereits mehrfach mit Brexit-Vorlagen

gescheitert.

AP

Diewegen ihrer Brexitpolitik schwer

unter Druck stehende britische Premierministerin

Theresa Maywill den

Abgeordneten ein „kühnes“ neues

Brexit-Angebot vorlegen.„Ich glaube

immer noch, dass im Parlament eine

Mehrheit gewonnen werden kann,

um (die Europäische Union) mit einem

Deal zu verlassen“, schrieb May

in der Sunday Times. (dpa)

Weiterer Abschiebeflug

aus Deutschland erwartet

Einweiterer Abschiebeflug mit abgelehnten

afghanischen Asylbewerbernsteht

nach Angaben dortiger

Behörden bevor.Die Gruppe solle

am Mittwoch in Kabul eintreffen,

kündigte ein Mitarbeiter der afghanischen

Migrationsbehörde an. Seit

der ersten Abschiebung im Dezember

2016 sind insgesamt 565 Männer

in 23 Flügen vonder deutschen Regierung

zurück nach Afghanistan geschickt

worden. DieAbschiebungen

nach Afghanistan sind umstritten.

DerKrieg gegen die radikalislamischen

Taliban und die Terrormiliz Islamischer

Staat geht weiter,jeden

Tagwerden Menschen getötet oder

verletzt. (dpa)

Konservative gewinnen

Wahl in Australien

Entgegen aller Erwartungen hat sich

bei der Parlamentswahl in Australien

die liberal-konservativeRegierung

durchgesetzt. Dennoch nicht endgültigen

Ergebnissen zufolge konnte

sich die Koalition vonPremierminister

Scott Morrison zwar einen klaren

Sieg sichern, unklar war aber zunächst,

ob der Vorsprung für eine

Mehrheitsregierung reicht. (AFP)

Der Brückenbauer

Joe Biden führt das Feld der Trump-Herausforderer an. In Philadelphia verspricht er,die Nation zu einen

VonKarlDoemens, Philadelphia

Die Predigerin hat gebetet,

der Gospel-Chor gesungen,

und der Teleprompter

für den Redner ist

akkurat vor der eindrucksvollen Kulisse

der Skyline von Philadelphia

ausgerichtet.„Wir wollen Joe!“, skandiertdie

Menge.Doch statt des Kandidaten

erscheint zunächst seine

Frau Jill auf der Bühne. Ganz viele

Menschen hätten ihren Mann in den

vergangenen Monaten bedrängt, berichtet

sie: „Sie vermissen Hoffnung

und Optimismus. Heute beginnen

wir damit, das Land wiederherzustellen.“

Damit ist der Rahmen klar:Joe Biden

ist kein bunter Überraschungskandidat

und kein idealistischer

Himmelsstürmer im amerikanischen

Wahlkampf. Der 76-Jährige

steht für die Zeit, bevor der große

Zerstörer im Weißen Haus einzog.

Als er wenig später mit seiner notorischen

Pilotenbrille und dem blauen

Sport-Sakko aufs Podium springt,

schaut man unwillkürlich, wo Barack

Obama ist. Seit vier Jahrzehnten

ist der Sohn eines Autoverkäufers

eine feste Größe in der US-Politik,

acht Jahrewar erVizepräsident –und

vielleicht gerade deswegen hat er

laut Umfragen derzeit die besten

Chancen, den 45. Präsidenten im

nächsten Jahr herauszufordern.

Ruhig im Ton

„Wenn das Volk einen Präsidenten

will, der zur Spaltung beiträgt, der

mit geballter Faust, geschlossener

Hand und hartem Herzen führt, der

seine Gegner verteufelt und Hass

verbreitet, dann braucht man mich

nicht“, sagt Biden: „Dafür gibt es Donald

Trump.“ Zu Beginn seiner Rede

hat er mit Pathos die in Philadelphia

geschriebene US-Verfassung zitiert

und versichert, er werde nicht

schlecht über die 22 anderen demokratischen

Präsidentschaftskandidaten

reden. Das muss er auch gar

nicht, denn mit 20 Punkten Vorsprung

führt er das Bewerberfeld

deutlich an. Seine erste große Kundgebung

am heutigen Tag soll die

Kampagne offiziell eröffnen.

Obamas einstiger Stellvertreter

setzt auf den Kontrast: „Die Politik ist

so gemein, so kleinkariert, so wütend

geworden“, beschreibt er dieWirkung

von Trump: „Die Bedrohung für unsere

Nation und unsere Demokratie

ist real.“ Biden brüllt nicht, er erregt

sich nicht. Seine Stimme bleibt stets

ruhig und freundlich. Er präsentiert

sich als Vertreter des zivilisierten

Joe Biden ist seit vier Jahrzehnten eine feste Größe in der US-Politik.

Entscheidung: Der US-Bundesstaat

Alabama verabschiedete

am Dienstag vergangener

Woche ein strenges

Abtreibungsgesetz. Es verbietet

praktisch alle Eingriffe

auch nach Inzest oder Vergewaltigung.Ein

Abbruch soll

nur legal sein, wenn das Leben

der Mutter in Gefahr ist

oder der Fötus eine unheilbare

Krankheit hat.

RECHT AUF SCHWANGERSCHAFTSABBRUCH

Strafe undProtest: Ärzte, die

in Alabama Abtreibungen vornehmen,drohen

bis zu 99

Jahre Haft. Prominente reagierten

mit Wutauf das Gesetz.

„Game of Thrones“-Star

Lena Headey, SängerCharlie

Puth, Model Gigi Hadidoder

Rapper P. Diddyposteten:

„Männer sollten keine Gesetze

machen, die den Körper

vonFrauen betreffen“.

Ausnahmen: PräsidentDonaldTrump

hat sichamSonnabend

auf Twitter für ein

Recht auf Abtreibung nacheinerVergewaltigungausgesprochen.Trump

bezeichnete

sich selbstzwar als entschiedenenAbtreibungsgegner,

nannte aberInzest und Fälle,

in denen das Lebender Muttergefährdet

ist, als weitere

Ausnahmemöglichkeiten.

Ein bisschen Wahlkampf

Amerikas und preist die Fähigkeit

zum Kompromiss.Ein bisschen wirkt

er tatsächlich wie„Uncle Joe“ mit den

guten Manieren, den man bei einer

Familienfeier gerne dabeihat.

Doch vielen jungen Angehörigen

der Anti-Trump-Graswurzelbewegung

reicht das nicht. Siesehen in Biden

vor allem einen alten weißen

Mann, der zum Establishment gehört

und eine lange Vorgeschichte

hat. Tatsächlich finden sich unter

den 6000 Zuhörern inPhiladelphia

nur wenige Schwarze.Doch Shyvette

Brown ist gekommen und fegt die

Kritik mit einer Handbewegung zur

Seite: „Niemand ist perfekt. Jeder hat

sein Päckchen zu tragen“, sagt die

63-jährige Afroamerikanerin.

Obamacareauf freiwilliger Basis

So bleiben Bidens inhaltliche Versprechungen

moderat und teilweise

vage.Erwill die Gebühren an öffentlichen

Schulen abschaffen, Obamacare

auf freiwilliger Basis für alle öffnen

und die USA in das Pariser Klimaschutzabkommen

zurückführen. Von

einem Erlass aller Studienschulden,

wie ihn seine Mitbewerberin Elizabeth

Warren verspricht, von der Abschaffung

der privaten Krankenvollversicherung,

wie sie Bernie Sanders

anstrebt, oder dem radikalen Green

New Deal der linken Kongressabgeordneten

Alexandria Ocasio-Cortez

ist er weit entfernt. „Der wichtigste

Punkt in meinem Klimaplan ist es,

Trump zu schlagen“, sagt Biden.

Das klingt unambitioniert, spiegelt

aber die Realität des amerikanischen

Wahlkampfs: Mit radikalen

Forderungen kann ein Kandidat die

eigene Basis begeistern, aber kaum

Swing-States wie Pennsylvania, Michigan

oder Wisconsin erobern, die

für die Mehrheit bei der Wahl unverzichtbar

sind. Mit seinem Image als

„Middle Class Joe“ und viel Pragmatismus

will Biden bei der Arbeiterschaft

dort punkten: „Stop fighting,

start fixing!“ (Bringt die Sachen in

Ordnung, statt zu streiten) lautet

seine Devise.

Die Zuhörer klatschen. Aber euphorisch

ist die Stimmung nicht.

Austin Brunson findet die Strategie

trotzdem richtig. Der schlaksige 31-

Jährige hat die Kundgebung vom

Rand aus verfolgt. „Biden bringt die

Normalität zurück. Das ist gut“, sagt

der Anwalt.

Friedrich Merz zeigt wieder Präsenz in der Politik. Er stellt sich nicht in die erste Reihe. Aber er ist da

VonDaniela Vates, Jena

Friedrich Merz soll gleich kommen,

aber der Saal ist vielleicht

doch etwas groß. Gut100 Leute sind

in die Sparkassenarena in Jena gekommen,

sie verteilen sich sehr locker

im Raum. „Wir können ein bisschen

zusammenrücken“, sagt eine

Frau im weißen Blazer in ein Mikrofon.

Es beginnt etwas Geruckel, Kaffeetassen

klirren. Merz kommt durch

die Tür, erst merkt es keiner so richtig.

Als der Applaus beginnt, hat er

seine zwei Meter bereits auf einen

der wenigen Stühle gefaltet.

Voreinem halben Jahr wäre Merz

fast Parteichef geworden. In Thüringen

ist er angekündigt als„prominenter

Gast“ und künftiger Vize-Chef des

CDU-nahen Wirtschaftsrats. Er

kommt auch als Wahlkämpfer. Europawahl

und Kommunalwahl stehen

an und im Herbst die Landtagswahl.

„Gut, dass wir das nicht alleine

machen müssen“, sagt Parteichef

Mike Mohring und überlässt Merz

das Pult. „Aufbruch 2019“ steht auf

einer Stellwand hinter dem Podium.

„Wir sind wieder an einem Punkt,

wo sich die Welt fundamental verändert“,

sagt Merz und zählt auf: Krim,

Brexit, Trump,Flüchtlinge,China. Er

wirbt eindringlich für die Europawahl

und warnt vorNationalisten.

Merkel wirdnicht extraerwähnt

Vondakommt er zur Flüchtlingspolitik,

es war bei der Bundestagswahl

eines der Mobilisierungsthemen der

AfD. Kanzlerin Angela Merkel wurde

zum Feindbild. „Deutschland habe

„wahrscheinlich einen überproportionalen

Beitrag geleistet zu der

Krise“, sagt Merz. „Es war alles gut

gemeint, aber nicht alles gut gemacht.“

Merkel erwähnt er nicht extra.

Es wirdlaut applaudiert.

Keiner aus dem Publikum wird

später nach diesem Thema fragen,

die Leute erkundigen sich nach Russland,

dem Soli, der Zinspolitik, der

Grundsteuer.Ein Mann forderteinen

toleranten Umgang mit Homosexuellen.

Merz empfiehlt, Widerspruch

einzulegen gegen Steuerbescheide,

die den Soli noch beinhalten. Er bemängelt

die Uneinigkeit der EU im

Umgang mit der russischen Gaspipeline

Nord Stream 2. Er fordertdie Regierung

auf, die Europäische Zentralbank

in die Schranken zu weisen. So

richtig gut kommt Merkels Koalition

nicht weg. Für die Gesellschaftspolitik

übergibt Merz an Mohring.

Merz hatte sich zurückgezogen

nach seiner Niederlage gegen Annegret

Kramp-Karrenbauer.Eswar sein

zweiter verlorener Machtkampf, Angela

Merkel hat ihm vorüber 15 Jahren

den Unions-Fraktionsvorsitz

streitig gemacht. Merz wechselte in

die Wirtschaft. In der Union heißtes,

die Auseinandersetzung mit Merkel

wirke immer noch nach.

Seit einer Weile ist der 63-Jährige

wieder präsent: Er hält Reden und

gibt Interviews, ermacht ein bisschen

Wahlkampf. Merkel ist immer

ein Thema. IhrVerzicht auf mehr als

zwei Auftritte im Europawahlkampf?

„Ich hätte mir eine andere Antwort

vorstellen können“, sagt Merz in einem

Interview. Klimapolitik? Seit 15

Jahrestelle die Union die Klimakanzlerin.

Als offen kann man das bezeichnen

oder als Nadelstiche.

AP

KarlDoemens erlebte in

Philadelphia einen optimistischen

„Uncle Joe“.

Merz sagt, er wolle die CDU unterstützen

und mit Kramp-Karrenbauer

habe er guten Kontakt. Siebemüht

sich um Einbindung und ist

zum Europawahlkampfauftakt ins

Sauerland gekommen, Merz’ Heimat.

„Ich möchte, dass Annegret

Kramp-Karrenbauer erfolgreich ist“,

hat der dortbeteuert.

Schlechte CDU-Umfragewerte

Aber die Umfragewerte sind schlecht,

die von Kramp-Karrenbauer sinken.

Aus dem Wirtschaftsflügel der Union

drängen manche nach einem Austausch

von Ministern, mindestens.

Wenn nicht gleich auch der Kanzlerin.

Merz hätte vermutlich nichts dagegen.

Was wird dann seine Rolle? Wirtschaftsminister

unter einer Kanzlerin

Kramp-Karrenbauer? Seine Unterstützer

weisen darauf hin, dass er ja

nur sehr knapp verloren habe gegen

die Saarländerin. Das Rennen um die

Kanzlerkandidatur sei nicht eröffnet,

hat Merz in einem Interview gesagt.

Die Aktie Merz sei allerdings auch

nicht auf dem Markt. Das hat sich

schon einmal sehr schnell geändert.

Millionen aus

SED-Vermögen

für den Osten

Liberale vermissen

vollständige Aufklärung

VonThoralf Cleven

Die ostdeutschen Länder und

Berlin haben bis 2018 insgesamt

knapp 380 Millionen Euro aus

zusätzlich frei gewordenen Vermögenswerten

von Parteien und Massenorganisationen

der DDR erhalten.

Das geht aus der Antwort des

Bundesfinanzministeriums auf eine

parlamentarische Anfrage der FDP-

Bundestagsfraktion hervor, die der

Berliner Zeitung (Redaktionsnetzwerk

Deutschland) vorliegt.

Die mit dem Aufspüren versteckten

Parteivermögens beauftragte

Unabhängige Kommission zur

Überprüfung des Vermögens der

Parteien und Massenorganisationen

(UKPV)hatte bis zur Beendigung ihrerArbeit

im Jahr 2006 WerteimUmfang

von 1,6 Milliarden Euro aufgedeckt

und sicherstellen lassen. Mit

Stand Ende 2017 beträgt der aktuelle

Wert des festgestellten Parteienvermögens

laut Bundesregierung 1,98

Milliarden Euro.

Die zusätzlichen Gelder stammen

vorallem aus mehreren Rechtsstreitigkeiten.

Das Bundesfinanzministerium

teilte in der Antwort mit,

dass davon auszugehen sei, dass der

einzige noch offene Rechtsstreit zur

Rückführung vonVermögenswerten

aus DDR-Parteien und -Organisationen

„bis Ende 2020 abgeschlossen

sein wird“. Dabei geht es um eine

Auseinandersetzung mit dem

Schweizer Bankhaus Julius Bär um

rund 88 Millionen Euro, die 1990

durch Mitglieder der SED ins Ausland

geschafft worden sein sollen.

Gelder aus DDR-Vermögen flossen auch in

die Stasi-Gedenkstätte Lichtenberg. IMAGO

Die Auszahlungen an die Länder

erfolgen über die Bundesanstalt für

vereinigungsbedingte Sonderaufgaben

nach einem festgelegten Verteilungsschlüssel

–die Einwohnerzahl

Ende 1991. Die höchste Summe erhielt

demnach Sachsen mit insgesamt

knapp 131 Millionen Euro, das

wenigste Geld ging mit 18,1 Millionen

Euro nach Mecklenburg-Vorpommern.

Sachsen-Anhalt konnte

sich bis 2018 über einen Geldzufluss

von rund 77,6 Millionen Euro aus

Parteienvermögen der DDR freuen,

Brandenburg über 66,4 Millionen

Euro,Thüringen über 54,9 Millionen

Euro und Berlin über insgesamt fast

31,9 Millionen Euro.

Geld für Stiftung Berliner Mauer

In Berlin hatte der Senat zuletzt im

August 2018 16,3 Millionen Euro aus

diesemTopf an verschiedene Projekte

vergeben. Gut eine Million Euro ging

an die Stiftung Berliner Mauerfür die

Entwicklung einer Ausstellung an der

East Side Gallery. Für den Campus der

Demokratie auf dem Gelände der

Stasi-Zentrale in Lichtenberg waren

955 000 Euro vorgesehen. 829 000

Euro bekam das Archiv der DDR-Opposition,

um seine Bestände zu digitalisieren

und zu ergänzen.

Der FDP-Bundestagsabgeordnete

ReinhardHouben sagte,dass es

offenbar noch immer Unklarheit

über erhebliche Mengen des alten

DDR-Vermögens gebe.„DieBundesregierung

muss dafür Sorge tragen,

dass der Verbleib der Vermögenswerterestlos

aufgeklärtwird.“


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auf: Vergesslichkeit und

Konzentrationsschwäche

sind oft auf eine Verkalkung

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Diese sorgt

dafür, dass das Gehirn

mit weniger Sauerstoff

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6* Berliner Zeitung · N ummer 115 · M ontag, 20. Mai 2019

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Wirtschaft

NACHRICHTEN

Tiefensee fordert zweites

Opel-Modell

Thüringens Wirtschaftsminister

Wolfgang Tiefensee (SPD) erwartet

nach der Neuausrichtung des Opel-

WerksinEisenach eine stabile Auslastung.

„Es müssen mindestens

120000 Autos proJahr produziert

werden, um das Werk effizientzu

fahren“, sagte Tiefensee in Erfurt.

Ob das allein mit dem Geländewagen

Grandland in zwei Antriebsvarianten

gelingen könne,müsse sich

erst noch zeigen. Er bleibe deshalb

bei seiner Forderung, dass der französische

Opel-MutterkonzernPSA

noch ein zweites Modell nach Eisenach

bringen müsse.Anfang Mai

war das letzte Exemplar des Kleinwagens

Corsa in Erfurtvom Band

gerollt.

Bahn saniert Brücken

mit Milliardenaufwand

Nach jahrelangen Klagen über marode

Bahnbrücken geht die Deutsche

Bahn den Sanierungsstau mit

einem großen Kraftakt an. 875 Brücken

bundesweit sollen von2015 bis

2019 saniertwerden, 770waren Ende

vergangenen Jahres bereits erneuert,

teilte die Bahn mit. Etwa

25000 Eisenbahnbrücken betreibt

der Staatskonzern. Mehr als 9000

davon sind über 100 Jahrealt. Eine

davon ist die Brücke an der Klöntrupstraße

in Osnabrück an der

Hauptstrecke nach Münster,die bis

Ende Oktober durch einen Neubau

ersetzt wird. 12 Millionen Euro fließen

allein in diese Brücke,wobei der

Boom im Bausektor die Kosten zusätzlich

in die Höhe treibt. (dpa)

Milchbauern kämpfen

mit Verlusten

Der Kostendruck zwingt zu größeren

Ställen.

FOTO: HOLLEMANN/DPA

Diedeutschen Milchbauernarbeiten

trotz gestiegener Preise weiter

defizitär.Der Bund deutscher Milchviehhalter

(BDM) beziffertdie derzeitigen

Produktionskosten für konventionelle

Milch auf durchschnittlich

43 Cent proKilogramm. BeiBiomilchseien

es an die 60 Cent, sagt

BDM-Sprecher Hans Foldenauer.

EinBauer bekomme vonseiner Molkerei

im bundesweiten Schnitt jedoch

nur rund 34 Cent für konventionelle

Milch und 45 bis 50 Cent für

Biomilch. Beivielen Landwirten

wachse deshalb erneut der Schuldenberg.

(dpa)

Fast sieben Millionen

Langzeitarbeitslose

Fast die Hälfte der Erwerbslosen in

der EU ist seit mehr als zwölf Monaten

ohne Arbeit. Nach Angaben des

statistischen Amtes Eurostat in Luxemburgwaren

im vergangenen

Jahr fast sieben Millionen Menschen

in der Europäischen Union langzeitarbeitslos,das

seien 44,7 Prozent aller

Erwerbslosen. Deutschland lag

mit einem Anteil von42,6 Prozent

im Mittelfeld. DerAnteil war mit

70,6 Prozent in Griechenland am

höchsten und in Schweden mit

21,8 Prozent am niedrigsten. Angesichts

der hohen Zahlen forderte die

Linke im Bundestag unter anderem

eine Pflicht für die EU-Staaten,

staatlich bezahlte Jobprogramme

aufzulegen. (dpa)

Sparen auf den Namen des Kindes

Spezielle Minderjährigenkonten bieten oft höhere Zinsen. Die beste Wahl sind sie trotzdem nicht immer

Von Theresa Dräbing

Viele Banken und Sparkassen

bieten auf Kinderkonten

eine bessere Verzinsung

an, als es normalerweise

üblich ist. Sind es bei regulären

Sparkonten0,01bis0,05Prozent,bieten

Kindersparkonten auch schon

mal ein Prozent oder etwas mehr.So

liegt der Zins beim sogenannten Junior-Sparkonto

der Targobank derzeit

bei 1,5 Prozent, beim Kinder-

Sparplan der Cosmosdirekt immerhin

noch bei 1,2 Prozent.

„Kinder sollen fürs Sparen anders

belohnt werden“, sagt Hermann-Josef

Tenhagen, Chefredakteur des Verbraucherratgebers

„Finanztip“. „Das

tun die Geldinstitute, indem sie ein

bisschen mehr Zinsen zahlen, aber

gleichzeitig ist es natürlich auch ein

Marketinginstrument, um die ganz

jungen Kunden früh an sich zu binden.“

Da die Bank nichts verschenkt,

sind solche Angebote immer auch

eingeschränkt. So werden die

1,5 Prozent bei der Targobank nur für

ein Guthaben bis 1000 Euro gezahlt,

bei einem höheren Sparbetrag sinkt

der Zins.Bei der Cosmosdirekt ist der

maximale Zins von 1,2 Prozent auf

dreiJahrebegrenzt–danachkannder

Zinssatz von der Bank jährlich neu

festgelegt werden.

Während Tenhagen bei kleineren

Sparbeträgen solche Juniorkonten

trotzdem eher in Betracht ziehen

würde als das klassische Tagesgeldkonto,

rät Stefanie Kühn, Finanzberaterin

in Grafing bei München, dazu,

direkt auf Tages- oder Festgeld

auszuweichen: „Wer Festgeld mit

einer Laufzeit vonfünfJahren anlegt,

bekommt dafür bei einer guten Bank

immerhin noch bis zu 1,4 Prozent

Zinsen“, sagt sie. Die Maximalgrenzen

des Sparbetrags liegen hier

außerdem deutlich höher.

Sparformabhängig vomAlter

„Welche Sparform sich am besten

eignet, kommt aber auch darauf an,

wie alt das Kind ist“, sagt Kühn.

„Wenn das Kind schon 15 Jahrealt ist

und in zwei Jahren voraussichtlich

Geld für einen Führerschein braucht,

eignen sich langfristige Sparverträge

sicherlich weniger.“ Auch dann seien

Tagesgeld und kurzfristige Festgelder

die bessere Alternative. Wenn mit

dem Sparen hingegen bereits in der

Kleinkindphase begonnen und langfristiggeplantwird,würdensich

ETF-

Sparpläne gut eignen. VonVersicherungen

–seien es Kinderschutzbriefe

oder Ausbildungsversicherungen –

raten beide Experten wegen zu hoher

Kosten und unflexibler Produkte ab.

Auch beim Verbraucherratgeber

„Finanztip“ empfiehlt man daher für

längerfristiges Sparen einen ETF-

Fondssparplan. Bei einem solchen

Sparplan kauft man regelmäßig

Fondsanteile. Ein ETF-Fonds entwickelt

sich dabei immer so wie der jeweilige

Aktienindex, an den er gekoppelt

ist. Durch die Investition in

unterschiedliche Aktien verschiedener

Branchen sei das Risiko geringer

Von Andre Stahl

Falsches Training der Piloten gilt

als mögliche Ursache der beiden

Unglücke mit dem Passagierjet

737 Max. Nunhat der Hersteller Boeing

bestätigt, dass es einen Fehler am

Flugsimulatorfür dieses Modell gab:

Die Software für den Simulator sei

nachgebessert worden. Außerdem

sei die Software-Aktualisierung am

Steuerungssystems MCAS mittlerweile

abgeschlossen. Die 737 Max

werde damit „eines der sichersten

Flugzeuge sein, die jemals geflogen

sind“.

Kostenlos: Während die Banken und Sparkassen

für reguläre Girokonten immer öfter

Gebühren erheben, sind sie für Kinder und

Jugendliche tatsächlich in aller Regel noch

kostenlos. Auch bieten einigeBanken und

Sparkassen noch Guthabenzinsen vonetwa

einem halben Prozent an.

Der Simulator hatte den Piloten

im Training offenbar nicht korrekt

angezeigt, wie sich die Bedienung

eines manuellen Trimmrads im

Cockpit auswirkt. Nach den bisherigen

Untersuchungsergebnissen soll

in diesem Bereich die Unfallursache

gelegen haben: Die Piloten waren

demnach nicht in der Lage,eine fehlerhafte

automatische Steuerung zu

korrigieren.

Beim Absturz einer Boeing 737

Max von Ethiopian Airlines im März

und einer Maschine gleichen Typs

der indonesischen Fluglinie Lion Air

im Oktober waren insgesamt

JUNIOR-GIROKONTO

Beantragen: Auch wenn das Girokonto auf

den Namen des Kindes läuft, müssen Eltern

das Konto einrichten. Benötigt werden unter

anderem ein unterschriebenes Formular aller

Erziehungsberechtigten und eine beglaubigte

Kopie der Geburtsurkunde. Ein Junior-Girokonto

kann nicht überzogen werden.

Boeing räumt Fehler an Simulator ein

Trotz nachgebesserter Software dürfte die 737 Max noch monatelangamBoden bleiben

346 Menschen ums Leben gekommen.

In beiden Fällen war möglicherweise

die MCAS-Software verantwortlich.

Der Bordcomputer soll

die Nase der Boeing nach unten gedrückt

haben. In diesem Zusammenhang

war auch die Frage aufgekommen,

wie gut die Piloten über dieses

System Bescheid wussten –und wie

gut sie beim Training im Simulator

darauf vorbereitet worden waren.

Mit dem Trimmrad kann der Pilot

den Flugwinkel des Jets verändern.

Boeing sieht die Softwareproblemenungelöst.DieUS-Flugaufsichtsbehörde

FAAmuss die Änderungen

ILLUSTRATION: SASCHA JAECK

als beim Kauf einzelner Aktien. Zwar

müssten die Elternesaushalten können,

wenn es an der Börse auch mal

auf und ab geht, sagt Tenhagen.

„Aber wenn man früh anfängt und

15 Jahre Zeit hat, bis das Kind erwachsen

ist, dann ist das in der Vergangenheit

eine sehr renditeträchtige

Möglichkeit gewesen.“

EinSparplan auf einen börsengehandelten

Indexfonds,der den Weltaktienindex

MSCI World nachbildet,

hätte laut einer Rechnung von „Finanztip“

zwischen 2004 und 2018

eine durchschnittliche Rendite von

7,3 Prozent erzielt, nach Abzug der

Kaufkosten.

Auch ETF-Sparpläne werden speziell

für Minderjährige angeboten.

Die Wertpapierdepots heißen dann

Juniordepot oder Startdepot und laufen

auf den Namen des Kindes.

Vorteil für Hartz-IV-Empfänger

DaskannVor-und Nachteile haben.

Vorteile, wenn die Eltern Hartz-IV-

Empfänger sind. Denn das Vermögen

des Nachwuchses wirdnicht auf

das Vermögen der Eltern angerechnet,

wenn es auf einem Konto liegt,

das auf den Namen des Kindes läuft.

Auch steuerlich kann Sparen auf den

Namen des Kindes Vorteile haben:

Wie für jeden Erwachsenen würde

der Sparerpauschbetrag von

801 Euro im Jahr auch für das Kind

gelten –die Eltern müssten es nicht

auf den eigenen Freibetrag aufrechnen.

Allerdings muss dann auch für

das Kind ein Freistellungsauftrag bei

der Bank eingereicht werden, sonst

wirddie Kapitalertragssteuer vomFinanzamt

erst einmal abgezogen.

Es ist allerdings keine gute Idee,

das Kinderkonto nur wegen der etwas

höheren Zinsen und der Freibeträge

zu nutzen, obwohl das Gesparte

letztlich gar nicht für den Nachwuchs

vorgesehen ist. „Geschenkt ist

geschenkt“, macht Kühn deutlich –

auch im rechtlichen Sinne. „Eltern

können das Geld nicht einfach wieder

auf das eigene Konto zurücküberweisen.“

Bei höheren Beträgen

würden außerdem Schenkungssteuernfällig.

Nachteilig kann sich ein Konto,

das auf den Namen des Kindes geführt

wird, auswirken, wenn es um

die Krankenversicherung oder die

Ausbildungsförderung geht. Denn

Kinder dürfen nur so lange kostenlos

bei den Eltern inder Krankenversicherung

mitversichert sein, wie die

Einkünfte aus Kapitalvermögen

5220 Euro jährlich nicht übersteigen.

Undwenn das Vermögen des Kindes

insgesamt 7500 Euro übersteigt, hat

das Kind keinen Anspruch mehr auf

Bafög.

„Ich halte es deshalb für durchaus

legitim,dass Elterndas Konto auf den

eigenen Namen führen, wenn sie für

ihr Kind vorsorgen möchten“, sagt

Kühn. Ansonsten hätten sie zum Beispiel

auch keinen Zugriff, wenn der

Sohn oder die Tochter das Geld zum

18. Geburtstag unbedacht für ein

Auto ausgibt und nicht etwa weiter

für das Studium spart, so die Finanzberaterin.

allerdings noch zertifizieren, bevor

die Maschinen wieder starten dürfen.

Das„Wall Street Journal“ berichtet,

dass dies mindestens bis Mitte

August dauern dürfte. Damit stündendie

Maschinen für einen großen

Teil des Ferienverkehrs nicht zur Verfügung.

Unter anderem besitzt die

deutsche Tuifly mehrere Maschinen

dieses Typs. Boeing hat bisher rund

370 Maschinen ausgeliefert. Das

Flugzeug ist die modernisierte Neuauflage

des seit den Sechzigerjahren

gebauten Mittelstreckenjets 737. In

den Auftragsbüchern stehen Bestellungen

für rund 5000 Maschinen.

„Das höre

ich zum

ersten Mal“

Nach achtJahrzehnten will

Bahlsen NS-Zeit aufarbeiten

Von André Stahl und Heiko Randermann

Eine unbedarfte Äußerung seiner

Tochter bewegt den Chef des

Keksherstellers Bahlsen, Werner M.

Bahlsen, nun dazu, die Geschichte

seines Unternehmens während der

NS-Zeit aufarbeiten lassen. „Es soll

nichts verklärt, nichts weißgewaschen

werden“, sagte der Inhaber

und Chef des Verwaltungsrats des Familienunternehmens

der „Bild am

Sonntag“. „Es ist gut, dass jetzt alles

auf den Tisch kommt.“ Das Kapitel

müsse ausführlich aufgearbeitet

werden. Der damit beauftragte Historiker

Manfred Grieger solle „alles

aufdecken,auch diedunklenSeiten“.

Seine Tochter Verena Bahlsen, die

in Berlin das zum Konzern gehörende

Start-up „Hermann’s“ betreibt,

sah sich jüngst Vorwürfen wegen der

rund 200 Zwangsarbeiterinnen

gegenüber, die Bahlsen im Zweiten

Weltkrieg beschäftigte. Die Reaktion

der 26-Jährigen in einem

„Bild“-Interview: „Das war vor meiner

Zeit und wir haben die Zwangsarbeiter

genauso bezahlt wie die

Deutschen und sie gut behandelt.“

Später entschuldigte sie sich dafür.

„Meine Tochter hat etwas gesagt,

was falsch ist“, sagt Werner M. Bahlsen

nun. Grieger sei beauftragt worden,

ein unabhängiges Expertengremium

zusammenzustellen.Der Göttinger

Professor hat früher in VW-

Diensten bereits die Volkswagen-

Vergangenheit im Nationalsozialismus

untersucht.

Konfrontiert mit Aussagen ehemaliger

Zwangsarbeiterinnen kurz

nach dem Krieg, zeigte sich der 70-

jährige Bahlsen nun schockiert. Sie

erzählen, wie sie mit Gewalt in der

Ukraine unter der Anleitung des damaligen

Firmenchefs Werner Bahlsen,

dem Vater von Werner M.Bahlsen,

in Güterwaggons getrieben und

nach Hannovergebracht worden seien.

Angehörige,die den jungen Frauen

noch Kleidung und Essen zustecken

wollten, seien vonSoldaten mit

Gewehrkolben weggestoßen worden.

„Das höreich zum ersten Malund

das ist eine Katastrophe“, sagte Bahlsen

in dem Interview.Auch, dass sein

Vater und seine Onkel Mitglieder der

NSDAP und teilweise auch der SS waren,

habe er bis vor wenigen Tagen

nicht gewusst. „Das bringt mein Bild

deutlich ins Wanken. Umso wichtiger

ist es,dass wir dieses Kapitel jetzt

ausführlich aufarbeiten.“

Zu Informationen, wonach das

Unternehmen mit juristischen Tricks

gegen eine Entschädigungsklage

ehemaliger Zwangsarbeiter gekämpft

haben soll, sagte Bahlsen, die

Juristen hätten sich offenbar auf

Paragrafen zurückgezogen: „Dabei

haben wir unseremoralische Verantwortung

vergessen.“ Er selbst, damals

für das operative Geschäft verantwortlich,

habe sich nur am Rande

damit befasst. Laut den Akten hat die

Firmadamals versucht, die Entschädigungsansprüche

mit dem Argument

abzuwehren, dass die Frauen

kein Arbeitsverhältnis mit Bahlsen

gehabthätten,weiles keinenArbeitsvertraggegeben

habe. (mit dpa)

Werner MichaelBahlsen istinErklärungsnot.

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20052019


8* Berliner Zeitung · N ummer 115 · M ontag, 20. Mai 2019

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Meinung

CDU-Parteitag

ZITAT

Die CDU fürchtet die

eigene Schwäche

Annika Leister

ist erstaunt über die Auftritte einiger

Landespolitiker.

Spitzen der CDU haben am Sonnabend

auf ihrem Parteitag ein äußerst zweifelhaftes

Medienverständnis offenbart.

Zuerst erklärte Monika Grütters –zum

Zeitpunkt ihrer Abschiedsrede noch Landesvorsitzende

–, warum sie nicht erneut

gegen Herausforderer Kai Wegner kandidierte.

War es vielleicht der eigenen

Schwäche innerhalb der Partei geschuldet?

Der Tatsache, dass Netzwerker Wegner

die Parteifunktionäre auf seiner Seite

hatte und Kulturpolitikerin Grütters als

chancenlos galt?

Nein! Schuld allein haben aus Grütters

Sicht die Medien. In „knalligen Überschriften“

hätten „sensationslüsterne

Journalisten“ den Untergang der CDU beschworen

und sich „schon die Hände gerieben“.

Das habe für Wettstreit wenig

Raum gelassen, einen imageschädigenden

Machtkampf habe sie von der Partei

abwenden wollen und deswegen verzichtet.

Die heilige Grütters, Märtyrerin im

Namen der Partei, ein Opfer der Medien.

Ein paar Stunden darauf trat CDU-

Fraktionschef Burkard Dregger ans Mikrofon

und plädierte für weniger Transparenz

den Medien gegenüber.Essei gut, so

Dregger, „wenn wir der Versuchung widerstehen“,

Journalisten, die bei aktuellen

Neuigkeiten die Meinung der Parteien

abtelefonieren, „jede Geschichte brühwarm

zuerzählen“. Nach innen solle die

CDU diskutieren, aber sich nach außen

„stärken und verteidigen“. Verteidigen?

Gegen Journalisten?

Absurd klingt das aus dem Mund des

Mannes, der die Medien doch nur allzu

gerne nutzt, wenn sie Schlagzeilen in seinem

Sinne liefern. Man denke an Dreggers

Berlin-Tour mit BorisPalmer,bei der

der CDU-Fraktionschef den umstrittenen

Die Hoffnungen für

eine Wiederbelebung

der Berliner CDU

ruhen ganz allein auf

Kai Wegner.

grünen Oberbürgermeister unter anderemdurch

den Görlitzer Park führte –begleitet

vonzweiDutzend Journalisten und

Kameras. Die kamen, weil sie frühzeitig

und wiederholt vonder CDU-Pressestelle

eingeladen wurden. Da waren Dregger die

Medien äußerst lieb. Schließlich, so die

durchsichtige Hoffnung, würde Querdenker

Palmer ordentlich gegen die eigenen

grünen Parteifreunde in Berlin austeilen.

Verwunderlich scheinen diese Aussagen

auf den ersten Blick, weil Grütters wie

Dregger infrage stellen, was schon immer

Pflicht der Medien war und ein Pfeiler unserer

Demokratie ist: die alltägliche Berichterstattung

selbst und damit das

Transparentmachen von Politik für Leser

und Zuschauer,kurz: für die Bürger.

Wie gesagt, nur auf den ersten Blick.

Denn natürlich fordern diejenigen Intransparenz,

die Transparenz zu fürchten

haben. Natürlich jammern diejenigen

über die Medien, die deren Kritik nicht

aushalten können. Werschwach ist und

von der eigenen Schwäche ablenken will,

für den war Medienschelte schon immer

der einfachste Ausweg.

Die ehemalige Landesvorsitzende

Grütters erklärte so ihre Niederlage und

verabschiedete sich in die zweite Reihe.

CDU-Fraktionschef Dregger aber bleibt –

dass er dennoch den Weg der Medienschelte

einschlug, verrät mehr über seine

Position in der CDU als alles andere.

Auch ein Blick in den Zuschauerraum

während Dreggers Rede sprach Bände:

Die gut 300 Delegierten liefen teils zum

Rauchen oder Sonnetanken auf die Terrasse.

Wer im Raum blieb, plauderte fleißig

privat.

Die Hoffnungen für eine Wiederbelebung

der CDU ruhen ganz allein auf Kai

Wegner.Immerhin: Derteilte beim Parteitag

gegen Rot-Rot-Grün aus –und die Delegierten

lauschten eine Dreiviertelstunde

stumm und klatschten begeistert.

Dasist nicht viel, aber schon mal etwas.

Saubermanns plötzliche Erkenntnis

Einem Drehbuchautoren hätte man

ein solches Skript zurückgegeben:

zu abgeschmackt, zu viel düsteres

Klischee.

Da räkelt sich ein österreichischer Rechtspopulist

auf dem Liegestuhl in einer Luxusvilla

auf Ibiza und malt, zwischen Zigaretten

und Wodka-Red-Bull, einer vermeintlichen

russischen Milliardärsnichte alles Mögliche

aus: Wie die reiche Dame verdeckt der FPÖ

beim anstehenden Wahlkampf finanziell

helfen kann. Wie sie dann später an Staatsaufträge

für ihreUnternehmen kommt. Und

wie schön es doch wäre, wenn sie auch eine

einflussreiche österreichische Zeitung kontrollieren

würde,alles im Sinne der Freiheitlichen.

Es ist ein Ausverkauf des Rechtsstaats,

den Heinz-Christian Strache hier angeboten

hat. Bindung der Staatsgewalt ans Recht?

Kann weg. Freie, kritische Medien? Waren

immer schon ärgerlich, Schluss damit.

Strache nennt jetzt die Videoaufzeichnung

„ein gezieltes politisches Attentat“. Er

und seine Freunde sollten aufhören mit diesem

jämmerlichen Selbstmitleid. Ja, esgab

einen Anschlag auf die Demokratie –aber

der lag darin, dass ein Mann mit einem so

monströsen Verhältnis zur Rechtsstaatlichkeit

wie Strache überhaupt Vizekanzler werden

konnte in Österreich.

Eingibt ein ebenso schlichtes wie verlässliches

Gegenmittel gegen Peinlichkeiten aller

Art. Es hätte Strache auch die Erpressbarkeit

durch jene erspart, die seit dem Jahr

2017 über das Videomaterial verfügten. Dieses

Gegenmittel heißt Integrität. Es ist eigentlich

ganz einfach: Wer die Rechtsordnung,

die uns alle umgibt, auch gegen sich

selbst gelten lässt, kommt niemals in Verlegenheit.

Wer heute Studien liest oder sich Zahlen

zu Rechtsextremismus ansieht, wer

hört, dass Straftaten zu Antisemitismus um

fast 20 Prozent gestiegen sind, wer sich das

rechte Dauergerede über das Versagen von

„Eliten“ anhört, kann den Eindruck haben,

dass es nicht gut um die demokratischen

Grundwerte aussieht. Ich teile diesen Eindruck

nicht. Deutschland hat trotz aller Herausforderungen

durch Rechtsextreme, trotz

großer Fehler bei der Gestaltung der Einwanderung,

trotz mangelnden Mutes für die

wirklich großen Debatten unserer Zeit einen

guten Jobgemacht. DerRechtsstaat funktioniert.

Und die Bürgergesellschaft passt auf,

dass es auch so bleibt.

Dieses Grundgesetz, das am 23. Mai seinen

70. Geburtstag begeht, ist in einer Zeit

entstanden, in der es eines großen Optimismus

bedurfte, sich vorzustellen, wie dieses

zerstörte Land zu einer Demokratie heranwachsen

könnte. Seine Mütter und Väter

wollten unbedingt die größtmögliche Negation

des Nationalsozialismus in eine gesetzliche,

unveränderbare Norm gießen. Das

Grundgesetz gilt nun in guten wie in

schlechten Zeiten der Demokratie.

Vor 20Jahren war ich bei einer großen

Feier, die damals Hildegard Hamm-Brücher

organisiert und zu der sie alle eingeladen

hatte, die das Grundgesetz als zivilisatorische

Errungenschaft in Deutschland hervorheben

wollten. Als Ostdeutsche,die Ritualen

misstraute, war ich überrascht und beeindruckt

vonder Leidenschaft, mit der alle Be-

Österreich

Intrige statt

Integrität

Matthias Koch

sieht mit den Rechtspopulisten nicht nur Europa, sonderndie

Demokratie in jedem einzelnen Land in Gefahr.

Der Fall Strache muss jetzt nicht nur die

Österreicher, ermuss alle Europäer aufrütteln.

Allerorten treten Rechtspopulisten

breitbeinig auf die Bühne und reden vonLaw

and Order.Wenn es aber um eigene Angelegenheiten

geht oder die ihrer Partei, wollen

sie rechts sein jenseits des Rechts.

Ein Beispiel ist die Wahlkampffinanzierung

der AfD. InSpendenaffären verwickelt

sind derzeit unter anderem der Spitzenkandidat

für die Europawahl, Jörg Meuthen, die

Nummer zwei auf der Liste zur Europawahl,

Guido Reil, sowie die Chefin der AfD-Bundestagsfraktion,

Alice Weidel.

Wollte die AfD eine Rechtsstaatspartei

sein, könnte sie all diese Politikerinnen und

Politiker zum Rücktritt drängen und durch

KOLUMNE

Das Grundgesetz

schätzen und

schützen

Anetta Kahane

Amadeu Antonio Stiftung

teiligten dieses Grundgesetz feierten. Dieses

Jahr feiern wir zwei große Jubiläen: 70 Jahre

Grundgesetz und 30 Jahrefriedliche Revolution.

Rechtspopulisten und so manch

schwächelnde Vertreter aus Politik und Medien

tun gerade so, als wären Teile des

Grundgesetzes verhandelbar. Manche Ostdeutsche

rufen heute, dies sei gar nicht ihr

Grundgesetz. Ja, eine gemeinsame Verfassung

zurVereinigung, die Sinn und Ethos des

HEIKO SAKURAI

andere Kandidaten ersetzen. Doch das tut

sie nicht. Denn der AfD ist, wie der FPÖ, der

Rechtsstaat inWirklichkeit gar nicht so wichtig.

AfD-Leute träumen ebenso von Gleichschaltung

wie Strache und seine FPÖ. Auf

Ebene der Kreisvorsitzenden steigerten sich

manche in der Partei schon hinein in Visionen

vongroßen Säuberungen.

Viele glauben, die EU sei in Gefahr,wenn

die Rechtspopulisten stärker werden. Das

stimmt zwar,ist aber untertrieben. In Gefahr

ist in Wahrheit immer auch die Demokratie

in jedem einzelnen Nationalstaat. Bindung

aller Staatsgewalt an die Justiz? Die Rechtspopulisten

hätten eigentlich lieber einen

starken Mann –ihr Vorgehen gegen die Unabhängigkeit

der Justiz etwa in Polen beweist

es. Gleichheit aller vor dem Gesetz? Italiens

Innenminister und Chef der rechten Lega,

Matteo Salvini, ließ jüngst aufhorchen, als er

eine „Zählung“ aller seit langem in Italien lebenden

Sinti und Roma ins Gespräch

brachte.

Statt sich zu distanzieren vonall ihren ins

Faschistische tendierenden Freunden,

mischt die AfD weiter fröhlich im Bündnis

der Europa-Feinde mit. Auch der Strache-

Skandal macht den hartgesottenen deutschen

Rechtspopulisten nichts aus. Parteichef

und Spitzenkandidat Meuthen erklärte,

er wolle der FPÖ jetzt „nicht in den Rücken

fallen“ aufgrund einer „singulären Angelegenheit“.

Schon klar: Hier greift erneut die Vogelschiss-Logik

Alexander Gaulands. Wer die

Schrecken der Nazizeit relativiert, den muss

ein österreichischer Vizekanzler, der mal

eben vom Liegestuhl aus das rechtsstaatliche

Inventar Österreichs zerschmettert, erst

rechtnicht bekümmern. Alles halb so wild.

Grundgesetzes weitergetragen und sogar

verbessert hätte, wäre ein wichtiges Signal

für alle Bürger gewesen. Dass dies nicht geschah,

gehört zuden vielen Fehlern, die bei

der Vereinigung gemacht wurden.

Die Feier damals war eben nicht nur ein

Ritual, sonderndas Fazit eines Kampfes.Die

alte Bundesrepublik bekam die Verfassung

einst unter dem Schutz der Alliierten geschenkt.

Das Grundgesetz danach Stück für

Stück mit Leben zu erfüllen, erforderte harte

Auseinandersetzungen. Jeder einzelne Fortschritt

in der Nachkriegsrepublik musste gegen

den Widerstand des Alten, unseligen Erbes

des Nationalsozialismus erstritten werden.

Jedes Zipfelchen der Überwindung dieses

Erbes musste herausgerissen werden aus

der Verkrampfung und Vergiftung, von denen

dieses Landes durchzogen war.

Heute verstehe ich, weshalb die Leidenschaft

der Feiernden so groß war.Sie wussten,

was es sie an Anstrengungen gekostet hatte.

So wie der alten Bundesrepublik durch die Alliierten

dieses Grundgesetz als Startschuss geschenkt

worden war, soerhielten es die Bürger

der DDR durch die Vereinigung. Keine

vollkommen neue, gemeinsame Verfassung,

aber immerhin ein sehr gutes Grundgesetz.

Viele der Kämpfe um Gleichwertigkeit müssen

noch oder wieder ausgefochten werden.

Im Osten wie im Westen. Wirsind gerade mittendrin.

Dann kann die gesamte Gesellschaft

dieses großartige Grundgesetz neu schätzen

und schützen lernen. Als Einwanderungsgesellschaft

und als Ost-West-Gesellschaft.

„Ich fände es auch großartig

–dawage ich mich

jetzt mal vor –,wenn es zu

meinen Lebzeiten noch so

etwas Ähnliches wie die

Vereinigten Staaten von

Europa geben würde.“

Der Schauspieler Ulrich Matthes

macht sich für Europa stark.

AUSLESE

Bahn frei für

E-Scooter

Elektro-Tretroller, die sogenannten E-

Scooter,werden ab Sommer zum Straßenbild

in Deutschland gehören. Am Freitag

machte der Bundesrat dafür den Weg

frei. Mitzweiwichtigen Einschränkungen:

DieFahrer müssen mindestens 14 Jahrealt

sein, und das neue Fortbewegungsmittel

darf nicht auf Gehwegen benutzt werden.

„Mit E-Scootern lassen sich kurze Wege

nicht nur zügig, sondern auch mit einem

nicht zu vernachlässigenden Spaßfaktor

zurücklegen“, freut sich die Süddeutsche

Zeitung, umgleich einzuschränken: „Rollerfahrer

brauchen Platz. Die Befürchtungen

sind berechtigt, dass es zu mehr Konflikten

kommen wird, wenn sich Autofahrer,

Radler und Fußgänger den öffentlichen

Raum auch noch mit E-Scootern

teilen müssen.“ Eher philosophisch blickt

die Rhein-Zeitung aus Koblenz auf die Zulassung:

„Es sollten jetzt nicht gleich wieder

tausend Bedenken angemeldet werden.

Ja,man kann auch mit einemE-Scooter

stürzen, und ja, auch dieses Gefährt

birgt problematische Rohstoffe wie Lithium

und Aluminium. Undja, es werden

viele Roller das Stadtbild prägen, wie bereits

viele Leih-Räder. Soist das Leben.“

Um die Volksgesundheit sorgt sich die

Abendzeitung aus München. „Was dieses

Volk der bewegungsmüden Moppel wirklich

überhaupt nicht braucht, sind E-Scooter,

mit deren Hilfe dann auch noch die

letzten Geh-Meter des Tages ohne jeglichen

eigenen Energieverbrauch weg-ge-erollertwerden.“

Matthias Roch

PFLICHTBLATT DER BÖRSE BERLIN

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Berliner Zeitung · N ummer 115 · M ontag, 20. Mai 2019 – S eite 9 *

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Berlin

Das Königspaar und

die Bauern: Willem-

Alexander und Máxima

in Nauen Seite 14

Das Filial-Sterben: Sparkasse spart vor allem im Osten der Stadt Seite 10

Der Führungswechsel: Neuer CDU-Chef Kai Wegner teilt gleich aus Seite 10

Stadtbild

Mathe macht

glücklich

BarbaraWeitzel

und das Kind erstellen

eine schöne Liste.

Die Straße,auf der wir gehen, bietet

nicht viel. Sie ist lang. Sie ist

gerade. Beton und Grün links und

rechts. Ein paar Blumen im Streifen,

hier ein Bau-, dort ein Klettergerüst.

Autos.Das war’s.Ein verirrter Tourist

würde vermutlich den Reiseführer

zücken, um sich zu vergewissern,

dass er noch in Berlin ist. Aber auch

in Berlin muss man wohnen, und

deshalb gibt es Wohngebiete. Und

zwischen den immer gleichen Anund

Ausblicken ist Platz für interessante

Gedanken. Nichts lenkt ab.

Wieviele Sekunden ein Jahr habe,

fragt prompt das Kind. Ehe wir das

Handy heranziehen, wird der Rechenweg

geklärt. 365 Tage mal 24

Stunden mal 60 Minuten mal 60 Sekunden.

Schon bevor wir das Ergebnis

wissen, zappelt das Kind aufgeregt

in der Aussicht auf die Riesenzahl.

31 536 000. Jubel. Dann denkt

es kurznach. „Aber auch ganz schön

viele Stunden.“ „Mhm“, mache ich.

Denke: 8760. Wasman in denen alles

machen kann.

„Was man in denen alles machen

kann“, sagt das Kind. Ich: „Oder in

den Minuten.“ Skeptischer Blick. In

einer Minute? Der erste Vorschlag

klingt noch wie eine Frage: „Einen

Witz erzählen?“ Unddarüber lachen,

ergänzen wir fast gleichzeitig und nicken

sehr ernst. „Jemanden küssen“,

sage ich.„Ein paar Blumen pflücken“,

tönt es von unten, über den Grünstreifen

gebeugt. Jetzt ist kein Halten

mehr.Wir sammeln, kaum ein Zögern

oder Grübeln unterbricht den Strom:

Kopfüber ins Wasser springen und

losschwimmen. Ein Gummibärchen

essen (Kind: „Eins? Mehrere!“). Einen

Baum hochklettern. 31 536 000 Sonnenstrahlen

oder mehr einfangen. Etliche

Meter gehen und noch mehr mit

dem Fahrrad fahren. Eine leichte Rechenaufgabe

im Kopf lösen oder eine

schwere mit dem Taschenrechner.

Einbekanntes Lied pfeifen und allen,

die es hören, einen Ohrwurmverpassen.

Ein kurzes Gedicht lesen oder

vortragen. EinTor schießen. Einpaar

Tanzschritte machen. Oder einfach

hüpfen. Einen Purzelbaum schlagen.

„Jemandem sagen, dass man ihn

liebt“, sage ich. Streiche dem Kind

über den Kopf. Es guckt hoch, grinst

und erwidert: „Oder allen laut und

deutlich sagen, was man in einer Minute

alles Schönes machen kann.“

Und esaufschreiben, denke ich.

Daswirdzwar länger dauern, aber es

könnte sehr glücklich machen. Fast

kommt es mir vor, als ob die Straße,

die wir entlanggehen, mir zunickt.

Weil sie plötzlich gar nicht mehr eintönig

aussieht. Kein Wunder. Im

Lichte von525 600 Minuten, die man

im Jahr zur Verfügung hat. Selbst

wenn man alle abzieht, in denen man

lästige Pflichten erledigen muss, sich

streitet oder andereeher doofe Dinge

tut oder schläft (was ja auch ganz

schön ist): Es bleiben immer noch total

viele übrig. Unddie meisten Minutenglücke

sind völlig unabhängig davon,

wo man sich gerade befindet. Sie

liegen auf der Straße, wenn auch

manchmal versteckt. ZumBeispiel in

einer Rechenaufgabe.

BarbaraWeitzel liestam23. Mai auf der Lesebühne

„Des EselsOhr“ aus ihrenKolumnen.

Werk-Etage,Saarbrücker Str.24, Haus C

(Prenzlauer Berg). Beginn 20 Uhr, Eintritt frei.

Für ein Europa ohne Ausgrenzung

AnderVolksbühne haben sich am Sonntag Künstler undVertreter von

Kultureinrichtungen getroffen, um zum Platz des 18. MärzamBrandenburger

Torzuziehen. Unter dem Motto „Unite &Shine –Für ein Europa

der Vielen!“ demonstrierten sie anlässlich der bevorstehenden Europawahl

für eine offene, demokratische Gesellschaft. DieVeranstalter

Das große Schüler-Verschieben

Für 100 künftige Siebtklässler fehlen Plätze an weiterführenden Schulen –heute Krisensitzung

VonMartin Klesmann

Angesichts steigender Schülerzahlen

und zahlreicher

Bauarbeiten wirdesanden

Berliner Schulen immer

enger: Erstmals erhalten in diesem

Jahr nicht alle künftigen Siebtklässler

fristgerecht Bescheid, welche Schule

sie nach den Sommerferien besuchen.

Konkret geht um 75 Schüler

aus Treptow-Köpenick und 25 Kinder

aus Lichtenberg, für die immer

noch kein Schulplatz gefunden ist.

„Soetwas ist mir in meiner gesamten

Dienstzeit als Lehrerin und Schulleiterin

noch nie vorgekommen“, sagte

Cornelia Flader (CDU), heute Schulstadträtin

vonTreptow-Köpenick.

Nurein Zwischenbescheid

Am vergangenen Freitag sollten berlinweit

die Oberschul-Bescheide per

Post versandt werden. Dann endlich

sollte jedes Kind erfahren, welches

Gymnasium oder welche Sekundarund

Gemeinschaftsschule es ab dem

5. August besuchen wird. In Treptow-Köpenick

werden die Bescheide

wegen der unübersichtlichen Lage

nun erst am Montag versandt. Doch

für 75 Kinder wirdesnur „einen Zwischenbescheid“

geben, teilte Stadträtin

Flader mit. Siesprach voneiner

„Bankrotterklärung“ der Bildungsverwaltung.

Es gab in dieser Sache bereits zwei

Krisentreffen mit den beteiligten Bezirken

in der Schulverwaltung. An

diesem Montag findet die dritte dieser

„Ausgleichskonferenzen“ statt. ihre Möglichkeiten nutzen“, sagte

Besonders betroffen sind jeweils sie. Andiesem Montag soll nun eine

25 Schüler, die für die Merian-Sekundarschule

Lösung gefunden werden. Lemm

in Köpenick und für plant, eine zusätzliche Klasse an der

die Grünauer Gemeinschaftsschule Konrad-Wachsmann-Schule und

angemeldet wurden sowie um eine weitereaneiner noch nicht offiziell

15 Kinder, die an die Schule an der

Dahme sollten. „Übervoll sind insbesonderedie

Sekundarschulen“,

merkte Cornelia Flader an.

benannten Sekundarschule ein-

zurichten. Dafür müssten aber wieder

Schüler verschoben werden:

Dieses Malwürde es Flüchtlinge

Etliche der 100 Schüler

aus einer „Will-

sollten nach Plänen

kommensklasse“ treffen,

die in ein Ober-

Werden Sie Teil

der Bildungsverwaltung

in Marzahn-

stufenzentrum zu

der Berliner Zeitung

Hellersdorf untergebracht

verlegen wären. Al-

werden. An

ternativ könnten an

einer in spezieller

Schulen in Treptow-

Holzbauweise errich-

Köpenick noch ein

Machen Sie mit

teten Sekundarschule

in Mahlsdorf, die erst im

August eröffnet wird, sollten

zwei zusätzliche Klassen eingerichtet

werden. Doch Gordon Lemm (SPD),

Schulstadtrat von Marzahn-Hellersdorf,

war dagegen. Denn er plant,

dorthin Schüler der Mozart-Gemeinschaftsschule

auszulagern, weil deren

Gebäude saniert und umgebaut

werden muss.„Ab Februar 2020 läuft

dortder Brandschutz aus,damüssen

wir ran“, betonte Lemm. „Ich kann es

nicht verantworten, Schüler über diesen

Zeitpunkt hinaus dort zubelassen,

ohne etwas zu tun.“

Für seine Weigerung, die neu zu

eröffnende Schule gleich drastisch

überzubelegen, bekam Lemm viel

Schelte –auch von der neuen Bildungsstaatssekretärin

Beate Stoffers

(SPD). „Ich erwarte, dass die Bezirke

und holen Sie sich unsere App:

Sind die Berliner Schulen

übervoll? Schicken

Sie uns Ihre Bilder.Die

App bekommen Sie kostenlos

im Apple Store oder Google

PlayStore.

DPA/ANNETTE RIEDL

sprachen vonetwa 5000Teilnehmern. Zurgleichen Zeit bewegte sich ein

Zugvom Alexanderplatz zum Großen Stern, um für„Ein Europa für alle“,

gegen Nationalismus und Ausgrenzung zu demonstrieren. Nach Angaben

derVeranstalter beteiligten sich etwa 20 000 Menschen an der Demo.

Aufgerufen hatten zahlreiche Initiativen und Gruppen. (dpa)

Schüler mehr pro

Klasse aufgenommen

werden. Allerdings dürfen

Sekundarschulen rechtlich maximal

26 Schüler in einer Klasse haben. In

Marzahn-Hellersdorf hat Stadtrat

Lemm diese Höchstzahl wegen der

knappen Plätze bereits an vielen

Schulen erreicht. An einzelnen

Standorten wie der Marcana-Schule

wurde bereits eine ganze Klasse

mehr als geplant aufgenommen.

Wegen des Platzmangels hat sich

der Senat vorgenommen, in den

kommenden Jahren 67 neue Schulgebäude

zu bauen. „Schulbauoffensive“

nennt sich das Großprojekt,

auch sollen etliche Gebäude saniert

und erweitert werden. Kurzfristig

wirddas wegen der vielen Bauarbeiten

dazu führen, dass Schulplätze

erst einmal wegfallen oder ausgelagertwerden

müssen. Zudem kommt

dasVorhaben nur schleppend voran:

Im Jahr 2018 riefen die Bezirke nur

die Hälfte der für den Schulbau zur

Verfügung stehenden Investitionsmittel

überhaupt ab.Von 106 Millionen

Euro waren das nur 54 Millionen,

wie es in einem Bericht der

„Taskforce Schulbau“ an den Senat

heißt. Zwischen den Bezirken gab es

große Schwankungen. Während

Charlottenburg-Wilmersdorf sein

Soll übererfüllte, gab Tempelhof-

Schöneberg nur acht Prozent der

verfügbaren Summe aus.

Sanierung verschleppt

Baustadtrat Jörn Oltmann (Grüne)

begründete das mit der „Schlechtleistung“

eines Architekturbüros,

das die Großsanierung des Tempelhofer

Luise-Henriette-Gymnasiums

planen sollte. Durch hohe Fluktuation

in dem Bürohabe man es zuletzt

mit ganz jungen Planern zutun gehabt,

die kaum Praxiserfahrung hatten.

Underst nach fünf Monaten war

die nach Kündigung nötige Neuausschreibung

abgeschlossen. Ohnehin

sind die Auftragsbücher vieler Baufirmen

voll, viele Stellen in den Bezirksämtern

noch nicht besetzt.

FDP-Politiker Paul Fresdorf sprach

voneiner „Schulbaudefensive“.

Martin Klesmann

hat Mitleid mit Schülern,

die nicht wissen wohin.

NACHRICHTEN

Männliche Leiche im

Treptower Park entdeckt

Spaziergänger haben am Sonntag

eine Leiche am Sowjetischen Ehrenmal

im TreptowerParkentdeckt. Da

die Polizei einVerbrechen vermutet,

hat eine Mordkommission die Ermittlungen

übernommen. Unklar ist,

ob der Fundortauch der Tatortist.

„Die Ermittlungen zu dem Fall haben

gerade erst begonnen“, sagte eine Polizeisprecherin.

Eine Obduktion soll

nun klären, wie lange derTote dort lag

und was die Todesursache ist. (BLZ)

FDP fordertenglische Texte

zu Denkmälern

Denkmäler und Gedenktafeln sollen

nach demWillen der FDP für ausländische

Besucher verständlicher werden.

DieFDP-Fraktion im Abgeordnetenhaus

schlägt dazu vor, zu jedem

der Mahnmale englische Erläuterungstexte

zu verfassen und diese

per QR-Code über eine Webseite zugänglich

zu machen. (dpa)

Friedliche Demo gegen

sexuelle Übergriffe

In Kreuzbergsind am Sonnabend

laut Polizei einige HundertMenschen

gegen sexuelle Belästigung auf

die Straße gegangen. Unter dem

Motto „WeRise“ zogdie Demonstration

vomHermannplatz zum Oranienplatz.

DerProtestzug verlief störungsfrei,

sagte ein Sprecher der Polizei.

Seinen Angaben zufolge lag die

Teilnehmerzahl im niedrigen dreistelligen

Bereich. (dpa)

Karower Gymnasium

gewinnt Klimapreis

DasRobert-Havemann-Gymnasium

in Karowhat den Deutschen Klimapreis

der Allianz Umweltstiftung gewonnen.

Dasteilte die Stiftung jetzt

mit. Insgesamt fünf Schulen bekommen

ein Preisgeld von10000 Euro,

das sie nun in Klimaschutzprojekte

stecken können, mit denen sie sich

für den Preis beworben hatten. (dpa)

Mehr als tausend

Wahlplakate beschädigt

Wahlplakate der AfD sind deutlich

häufiger Ziel vonVandalismus als die

Werbung anderer Parteien, zumindest

in Berlin. Biszum vergangenen

Donnerstag wurden in der Hauptstadt

862 AfD-Plakate beschädigt

oder entwendet, sagte ein Polizeisprecher

am Sonntag und bestätigte

damit einen Bericht der Zeitung Die

Welt. Insgesamt zählte die Polizei bis

zum 16. Mai1006 beschädigte oder

entwendete Wahlplakate.Die Wahlwerbung

der CDU wurde demnach

27 MalZiel vonVandalismus,die der

Linken und der NPD jeweils 23 Mal,

die der SPD 15 Mal. Grüneund FDP

waren jeweils 8Mal betroffen. (dpa)

Abgerissen: Ein Wahlplakat der Linken in

Prenzlauer Berg.

WWW.IMAGO-IMAGES.DE


10 Berliner Zeitung · N ummer 115 · M ontag, 20. Mai 2019

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Berlin

Das Brandenburger Tor

wurde nicht abgerissen.

Obwohl es doch dem

Verkehr im Wege steht!

Ein Wunder. Nicht einmal verschoben

wurden die störenden Säulen –

irgendwohin in einen Park.Das wäre

Berliner Art: Ist jabloß Geschichte,

kann weg. Einbesonders krasser Fall

ragt aus der Reihe prominenter Abrisse

und Umsetzungen hervor: die

Berliner Gerichtslaube.Die Stadtverordneten

wussten, was sie taten, als

sie am 9. März 1871 der Beseitigung

des ältesten weltlichen Steinhauses

der Stadt zustimmten. Oberbürgermeister,

Kultusminister, Landeskonservator,

Fachleute und Bürger hatten

versucht, den Zeugen der Vergangenheit

zu retten.Vergeblich. Die

Pferdedroschke verlangte freie Bahn.

Der Bau des mächtigen Roten Rathauses

bedrängte die alte Gerichtsstätte

zwar, doch verlangte er nicht

nach dem zehn mal zehn Meter großen

Stück Boden.

Offen für die Bürgergemeinde

Das Schicksal der

Gerichtslaube –

Bürgersinn auf

Berliner Art

Die Stadtverordneten ließen 1871das Haus

früherRechtsprechung abreißen.Der Kaiser

retteteStücke davon,ein Wiedergänger der

Mittelsäule trägtden Rathausturm

VonMaritta Tkalec

Das Gemälde, das CarlGraeb 1868, vor dem Abriss, im Auftrag der Stadt von der Gerichtslaube anfertigte, zeigt die durch Fußbodenanhebung verkürzte Mittelsäule. Vondem

wertvollen Relief wurde ein Abdruck angefertigt, der Grundlage für die Nachbildung war, die heute am Nachbau der Säule im Rathauskeller zu sehen ist.

STIFTUNG STADTMUSEUM

Der Frevel bestand nicht nur darin,

ein 600 Jahrealtes hochgotisches Gebäude

zu tilgen, sondern auch das

Wahrzeichen bürgerlicher Selbstständigkeit

und Gerichtsbarkeit. Gebaut

wurde die Gerichtslaube zwischen

1270 und 1290, als das Gemeinwesen

Berlin/Cölln noch ohne dauernde

Präsenz eines dominanten

Landesherrn seine Ordnung etablierte.

Keine Stadt ohne Gerichtsgebäude,woSchöffen

und Ratsmänner

verhandeln konnten, wo mit Bürgerrechten

ausgestattete Einwohner auf

ihreGemeindevertreter trafen.

Die Gerichtslaube stand neben

dem Alten Rathaus an der damaligen

Königstraße, ihre Fundamente liegen

unter dem Asphalt an der Kreuzung

Spandauer/Rathausstraße.

Kern des quadratischen Backsteinbaus

war eine Halle mit runder Mittelsäule

und nach drei Seiten offenen,

ebenerdigen Spitzbögen. Die

Denkschrift, die Oberbürgermeister

Krausnick zur Grundsteinlegung für

das neue Rathaus am 11. Juni 1861

herausgeben ließ, teilte den damaligen

Bürgervertretern mit: „In dieser

Laube wurde das Schöffengericht

der Stadt öffentlich gehegt, so dass

alles vorderselben versammelteVolk

dem Gange des Prozesses folgen und

das von den Schöffen gefundene

und vom Richter verkündete Urteil

wohl vernehmen konnte.“ Zu diesem

Ort rief das Läuten der Glocke

die Bürger, wenn der Rat über wichtige

Angelegenheiten der Stadt befragt

und über dieVerwaltung öffentlich

Rechenschaft geleistet wurde –

hier wehte der Geist von Transparenz

und Mitsprache. Über dem offenen

Raum lag ein geschlossener

für die Magistratssitzungen, der sogenannte

Ratsstuhl. Wardas ein für

die Stadt zu bewahrender Ort?

Die Geschichte reicht sogar noch

tiefer zurück: Es ist kein Zufall, dass

die eine starke Säule, ausgestattet

mit einem figürlichen Kapitell, das

Zentrum der Laube bildet: Sie erinnert

andie Gerichtslinden (oder anderealte

Bäume), wo seit Menschengedenken

zur Befriedung der dörflichen

und frühstädtischen Gemeinschaft

„Dinge“ verhandelt wurden –

beim Thing.

Das kunsthistorisch besonders

wertvolle Relief der Mittelsäule

spricht Bände über die Funktion des

Ortes. Professor Friedrich Adler,

Kunsthistoriker und Baumeister, erkannte

1862 darin, „einen Affen, der

einen Baum plündert, zwei

Schweine, Eicheln fressend unter einem

Eichbaume, einen Raubvogel,

der einen Knochen hält, zwei menschenähnliche

Vogelgestalten, deren

Leiber in Schlangen endigen“, dazwischen

ein „gegürteter Büschel von

rundlich gesäumten Blättern, deren

innere Mittelrippen mit kleinen Diamantquadern

belegt sind“. Adler

meinte,dass der Fries demVolke„diejenigen

menschlichen Laster vorführe,

über die vonden Schöffen entschieden

werden sollte wie Völlerei,

Raub,Diebstahl, Unzucht“.

Delinquenten durften keinen zarten

Umgang erwarten: Hier wurde

gefoltert, hier standen Pranger und

Galgen für diejenigen, über die der

Richter den Stab gebrochen hatte.

Einen Versuch, die Abrissfreunde

umzustimmen, machte am 26. Mai

1870 der Architekt und Redakteur

Karl Emil Otto Fritsch in der Deutschen

Bauzeitung. Fritsch, ein

Schnitt durch den Turm des Roten Rathauses. Unten die Nachahmung der Säule aus

der Gerichtslaube –eine verborgene Verbeugung vor der Geschichte. VORLAGE: BARTMANN-KOMPA

Schwiegersohn Theodor Fontanes,

führte ethische Motivean,„die Pietät

gegen die Reste einer Vorzeit, auf der

wir und unsere Kultur fußen –der

historische Sinn“. Die„zu so mächtiger

Entwicklung gekommene Stadt“

sollte es sich wert sein, „sich den ältesten

Zeugen seiner kommunalen

Selbstständigkeit zu bewahren“,

fand er und ahnte zugleich: „Wenn

man über die Frage des Abbruchs

der Gerichtslaube ein kleines Plebiszit

in Szene setzen wollte, sowürde

es nicht der geringsten Anstrengung

bedürfen, um eine wahrhaft kolossale

Majorität für das lauteste und

freudigste Ja zu erzielen.“ Dass man

den Bau zu einer „inoffiziellen öffentlichen

Bedürfnisanstalt“, einer

„Geruchslaube“, hatte verkommen

lassen, akzeptierte Fritsch als Abrissmotiv

nicht, doch machte er voller

Einsicht für das Verkehrsproblem

den Vorschlag, die Laube einige Meter

in das Trottoir der Spandauer

Straße hinein zu verschieben. Das

hatte man gerade in Boston mit einem

siebenstöckigen Hotel gemacht:

„Können wir das nicht auch,

was die Amerikaner können?“

Obendrein erkannte der Weitsichtige

die „Gefahr des schlechten

Beispiels“. „Sollte alles abgebrochen

werden, was der Majorität missfällt,

so würde in dem kritischen Berlin

kein Stein auf dem anderen bleiben.“

So ist es gekommen. Ausgerechnet

der am 18. Januar 1871 in Versailles

zum Kaiser gekrönte Wilhelm I. bewirkte

eine Teilrettung des bürgerlichen

Erbes: Majestät ließ am 7.

März, zwei Tage vordem finalen Abrissbeschluss,

wissen, er wolle „das

Gebäude als ein denkwürdiges

Wahrzeichen aus der Vorzeit“ an einen

anderen Ort translozieren und

dafür Teile der Gerichtslaube kaufen.

Die Stadtverordneten überließen sie

ihm als Huldigungsgeschenk.

Per Havelkahn gelangten ausgewählte

Bauteile nach Babelsberg.

Dort wurden sie als Aussichtspavillon

mit Teestube Bestandteil der

Parkarchitektur.Immerhin liefertdie

recht grobe Nachbildung dort heute

eine ungefähreVorstellung von dem

ursprünglichen Backsteinbau.

Er blieb nicht die einzige Wiederkehr

von Gerichtslaube und Mittelsäule:

Wie von Scham über das

schmachvolle Geschehen erfasst,

bildete der Erbauer des Roten Rathauses,

Herrmann Friedrich Waesemann,

die Säule samt Kapitell nach.

Quasi zur Wiedergutmachung steht

sie heute als Stütze des Rathausturms

da –ineinem flachen achteckigen,

banal ausgestatteten Raum

des früheren Ratskellers (heute Senatskantine).Werhier

einen Hinweis

auf die Besonderheit der Säule erwartet,

der sucht vergebens.

Folgen des Phantomschmerzes

Fast 150 Jahre galt „Aus den Augen,

aus dem Sinn“, dann fand man bei

den archäologischen Grabungen

für die Verlängerung der U-Bahn-

Linie U5 ab Sommer 2010 auch

Reste der Gerichtslaube – das gesamte

Fundament. Umgehend

lebte die Debatte auf. Versuche, die

Linienführung der U-Bahn leicht zu

verschieben, nur um fünf Grad zu

schwenken, schlugen fehl. DasLandesdenkmalamt

nahm die Zerstörung

hin. Teile der bis dahin wohlverwahrten

Grundmauernsind verloren.

Die Geschichte wiederholt

sich. Immerhin wird man – vielleicht,

später,falls es Geld dafür gibt

–Teile des Kellers vom Alten Rathaus,

vor allem der Tuchhallen mit

ihren Gewölben, durch Glasfenster

betrachten können. Der Gedanke,

die Laube wieder am Originalstandortaufzubauen,

findet derzeit keine

Mehrheit. Es gilt mal wieder: Mobilität

first. Freie Fahrt für Motordroschken.

Doch werweiß, ob die Laubenlust

nicht wieder erwacht– geschehen ist

das mehrfach: 1896, 15 Jahre nach

dem Abriss des Originals,stand sie in

Holz und Gips in der Gewerbeausstellung

in Treptow. Kurz darauf stattete

man beim Baudes Märkischen Museums

(1901–1908) einen Saal mit einer

Gerichtslaubensäule aus. Und

schließlich hielt man beim Bau des

Nikolaiviertels eine Gerichtslaube für

unverzichtbar – als Gasthaus samt

Säule mit modern nachempfundenem

Relief. Es sieht so aus,als sei der

Phantomschmerz nicht erloschen.

Warum sonst sollte man so viel Wieder-Holung

brauchen?

DAS IST

DAS WAR

DAS KOMMT

Mittendrin 2019/20

Magerviehhof Friedrichsfelde

Modell Marzahn

Mitmachen und Ideen einreichen! Derdiesjährige Wettbewerb

„MittendrIn“ lädt ein, die vielfältigen Zentren

und traditionellen Geschäftsstraßen Berlins für Anwohner

und Besucher besser benutzbar zu machen, attraktiv

zu gestalten und Netzwerke zwischen örtlich Aktiven zu

unterstützen. Die Ideen der Preisträger werden umgesetzt.

2016/17 gelang das einer Interessengemeinschaft

zur „grünen“ Aufwertung der Potsdamer Straße, einem

„Gründerzeitladen“ in Weißensee und einem Straßenfest,

genannt „Boxenstopp Wilhelminenhofstraße“.

Das neue Wettbewerbsverfahren für Projekte im Berliner Zentrum

2019/20 startet. Mehr unter www.mittendrin-berlin.de/home

Anders als im zentralen Schlachthof an der Landsberger

Allee floss im Magerviehhof Friedrichsfelde nur selten

Blut –bei Notschlachtungen. Genossenschaftlich organisiertmachten

hier die Viehhändler ihreGeschäfte.Ihre

besten Zeiten hatte die Einrichtung bald nach ihrer

Gründung 1903: Damals wurden hier jährlich 24 000

Pferde, 104 000 Rinder, 6 800 Kälber, 25000 Schafe,

240 000 Schweine und 600 000 Stück Geflügel über die

Viehbörse verkauft: summa summarum eine Million

Tiere. Man achtete streng auf Seuchenvermeidung, betrieb

eine eigene veterinärmedizinische Abteilung, leitete

die Tierexkremente in eine eigene Kläranlage. Die

Gleise für den Bahnanschluss begrenzten das Areal

rechts und links und bildeten eine zusätzliche Seuchenbarriere.

Dieerste Krise kam im Ersten Weltkrieg; die Armee

nutzte das Areal als Umschlagplatz für die Versorgung

von Heer und Bevölkerung. Im Zweiten Weltkrieg

nutzte die Luftwaffe einen Teil des Areals,danach die sowjetische

Besatzungsmacht bis 1949. Vonhier wurden

Häftlinge nach Sibirien in die Gulags abtransportiert.

Hernach übernahm die NVA Gelände und Hallen. Die

am 17. Juni 1953 festgenommenen Aufständischen wurden

hier gesammelt. Für den Mauerbau zogman im Magerviehhof

mehr als 3000 Soldaten mit Kampfpanzern

und Schützenpanzerwagen zusammen. Auch die Militärparaden

im Zentrum wurden hier vorbereitet. (mtk.)

Entstanden im Marzahner Neubaugebiet „Arbeiterschließfächer“

oder preisgünstige, gute Wohnungen für

viele? Klar ist, Marzahn steht als Synonym für das ambitionierteWohnungsbauprogramm

der DDR, mit dem die

SED die „Wohnungsfrage als soziale Frage“ lösen wollte.

Aufeinem historischen Spaziergang mit Wolfgang Bauer

durch den Bezirkwirdman mehr und weniger Gelungenes

sehen. Angesichts der vor Berlin stehenden baulichen

Herausforderungen der nächsten beiden Jahrzehnte

kann Marzahn durchaus beispielsetzend wirken.

Aufden Spuren einer Vision: einhistorischer Spaziergang.25. Mai, 14 Uhr,

TreffpunktS-BahnhofSpringpfuhl, Ausgang Allee der Kosmonauten


Berliner Zeitung · N ummer 115 · M ontag, 20. Mai 2019 11 *

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Berlin

Sparkasse

schließt bis zu

zehn Filialen

Marzahn und Köpenick

ab Juli betroffen

VonMikeWilms

Bei der Berliner Sparkasse geht das

Filialensterben weiter. Indiesem

Jahr sollen erneut bis zu zehn Geschäftsstellen

geschlossen werden.

Bereits im Juli stehen die ersten vier

Schließungen an. Alle zunächst betroffenen

Filialen befinden sich im

Osten der Stadt –inMarzahn-Hellersdorf

und Köpenick. Das geht aus einer

Antwort der Wirtschaftsverwaltung

an den Linken-Abgeordneten

Kristian Ronneburghervor.

Geplant ist, in Marzahn die Filialen

in der Mehrower Allee 22, der Allee

der Kosmonauten 199 und der

Oberfeldstraße 138 aufzugeben. In

Köpenick wird der Standort Alt-Köpenick

38 geschlossen. Nach Angaben

der Berliner Sparkasse werden

Kunden der betroffenen Niederlassungen

derzeit schriftlich über die

Schließungen informiert.

Automaten sollen bleiben

Außerdem hat die Sparkasse für

Ende MaiKiez-Vertreter ausWeißensee,

Wedding und Spandau zu Gesprächen

eingeladen. Dies wertet

man in der Wirtschaftsverwaltung

als Hinweis darauf, wo in diesem

Jahr weitere Filialen aufgegeben

werden könnten.

Die Berliner Sparkasse begründet

die geplanten Schließungen in einer

Stellungnahme an den Senat mit verändertem

Kundenverhalten. Bankgeschäfte

würden zunehmend im Internet

oder per Smartphone erledigt –

und nicht mehr zwingend persönlich

in der Filiale.Auch dieWirtschaftlich-

Die Sparkassen-Filiale in der Mehrower

Allee 22 muss schließen. GERD ENGELSMANN/BLZ

keit einer Niederlassung fließe als

Faktor in die Entscheidung über derenZukunft

ein, hieß es.

Bereits in den vergangenen drei

Jahren hatte die Berliner Sparkasse

insgesamt 28 ihrer 117 Geschäftsstellen

dicht gemacht. Damit verringerte

sich deren Zahl auf 89. Nunheißt es,

dass nach den weitergehenden

Schließungen in diesem Jahr noch

„voraussichtlich mehr als 80“ Filialen

geöffnet bleiben werden.

Mit Blick auf die vier ab Juli geschlossenen

Geschäftsstellen in Köpenick

und Marzahn teilt die Sparkasse

mit, „dass an allen Standorten

Geldautomaten, Kontoauszugsdrucker

und SB-Terminals erhalten bleiben“.

Kunden, die nur Geld abheben

oder ihren Kontostand abfragen wollen,

werden demnach weiterhin entsprechende

Automaten vorfinden.

Außerdem will die Sparkasse das Angebot

ihres Beratungsbusses „Justav“

ausbauen. Ab Mitte des Jahres werde,

wie es heißt, ein zweiter Bus zur mobilen

Kundenberatung in den Berliner

Bezirken eingesetzt.

Die Sparkasse geht davon aus,

dass im Jahr 2020 keine weiteren Filialen

in Berlin geschlossen werden

müssen. Betrachtet man aber das gesamte

Bundesgebiet, ist ein Ende des

Filialensterbens nicht in Sicht. Allein

2018 wurden 485 mitarbeiterbesetzte

Sparkassen-Filialen dichtgemacht.

Bundeskanzlerin Angela Merkel

(CDU) rief deshalb am vergangenen

Mittwoch auf dem„Sparkassentag“ in

Hamburgdazu auf, nicht zu viele Niederlassungen

zu schließen. Sie sagte:

„Effizienz ist nicht alles,die Sparkasse

muss immer auch die Seele des Ortes

und ihrer Region sein.“

Angriff auf Rot-Rot-Grün

Der neue CDU-Landesvorsitzende Kai Wegner will seine Partei wieder ganz nach vorne bringen

VonAnnika Leister

Die CDU zeigt sich wieder

kampfbereit: Ihr neuer

Landesvorsitzender Kai

Wegner hat am Sonnabend

auf dem Landesparteitag seiner

Partei hartgegen den rot-rot-grünen

Senat ausgeteilt. Bausenatorin

Lompscher wurde ebenso Ziel seiner

Attacken wie der Regierende Bürgermeister.

Wegners Ziel ist, die CDU wieder

zur stärksten Partei in Berlin zu machen.

DerBlick ist auf die Abgeordnetenhauswahl

2021 gerichtet.„Wir treiben

Rot-Rot-Grün gemeinsam aus

dem Roten Rathaus“, sagte Wegner in

einer Rede,kurzbevor er mit 76,9 Prozent

Zustimmung zum neuen Landesvorsitzenden

gewählt wurde. 230

Delegierte im Neuköllner Hotel Estrel

stimmten für Wegner, 64gegen ihn.

Fünf Delegierte enthielten sich.

Wegner ist Kreisvorsitzender in

Spandau und seit 2005 Bundestagsabgeordneter.Der

46-Jährige galt bisher

eher als Strippenzieher im Hintergrund,

ein Mann mit Kontakt zur Basis.Wegner

hatte im Märzseine Kandidatur

für den Landesvorsitz

angekündigt und so die Landesvorsitzende

Monika Grütters herausgefordert.

Grütters verzichtete auf eine erneute

Kandidatur,weil sie nach eigenem

Bekunden der Partei einen

Machtkampf so kurzvor der Europawahl

ersparen wollte. Wahr ist aber

auch: Grütters galt als chancenlos.

Schwierige Zeit für die Partei

Wegner übernimmt in einer für die

CDU schwierigen Zeit: Die größte

Kraft in der Opposition sei politisch

kaum wahrnehmbar,monieren Kritiker.

InUmfragen erzielen die Christdemokraten

nur noch zwischen 17

und 19 Prozent Zustimmung. Wegner

will die CDU wieder aus diesem Loch

führen. Scharfund persönlich ging er

dieVertreterdes Senats an: DerRegierende

Bürgermeister Michael Müller

(SPD) sei „verkniffen, verdruckst, verbraucht“,

so Wegner. „Genauso wie

Müller aus der Wäsche schaut, genauso

regiert erdiese Stadt.“ Bausenatorin

Katrin Lompscher (Linke) sei

eine „schizophrene Persönlichkeit“,

FELIX BURDA

gab seinen Eltern Christa Maar und

Hubert Burda im Jahr 2001, kurz vor

seinem TodanDarmkrebs im Alter

von 33Jahren, einen Auftrag mit auf

den Weg. Er wünschte sich, dass sie

in seinem Namen eine Stiftung gründen,

die daran arbeitet, anderen

Menschen sein Schicksal zu ersparen.

Zu den ersten Unterstützerngehörte

der Regisseur Wim Wenders,

der im Gründungsjahr einen Fernsehspot

zum Thema drehte. Seit

2002 organisiert die Stiftung den

Darmkrebsmonat März, in dem für

Vorsorgeuntersuchungen geworben

wird. Seit 2003 wirdder Felix-Burda-

Award vergeben, der am Sonntagabend

mit prominenten Gästen im

Hotel Adlon verliehen werden sollte.

BERND ZIENKE

bekam den „Ehrenfelix“, eine Hommage

an den Namensgeber, für sein

Engagement, mit dem er sich als

selbst vom Darmkrebs betroffener

für andere Patienten einsetzt. Der

26-jährige Berliner ist Elektroniker

für Betriebstechnik und erkrankte

im Alter von 21Jahren. Einen Rückfall

im Herbst 2017 überstand er gut.

Heute steht Zienke auf Krebskongressen

und Patiententagen an Infoständen

und engagiertsich im Treffpunkt

der Deutschen Stiftung für

junge Erwachsene mit Krebs. Sein

Ratanalle,die mit der Diagnose konfrontiert

werden: „Hole dir Hilfe, du

bist nicht allein!“ Als Überraschung

gab es für den Hertha-Fan ein Video,

Kai Wegner und Monika Grüttersauf dem CDU-Landesparteitag.

230

der 299 Stimmberechtigten

votierten für Kai Wegner.

FAKTEN ZUM WECHSEL

76,9

Prozent Zustimmung bedeutet

das für den neuen CDU-Chef.

DPA/PAUL ZINKEN

58

von74Stimmen hatte Monika

Grütters 2016 erhalten.

Ehrenfelix für einen Berliner

Mit viel Prominenz werden

die Felix-Burda-Awards

im Adlon vergeben

Schauspielerin Jessica Schwarz hielt eine

Laudatio.

XWWW.IMAGO-IMAGES.DE

von Andreas Kurtz

ak@andreaskurtz.net

Inka Bause fand die Botschaft des Abens

unterstützenswert.

IMAGO STOCK&PEOPLE

die nicht neu baue,aber dann auf der

Straße wegen fehlender Wohnungen

demonstriere. Vonden Grünen und

deren Wirtschaftssenatorin Ramona

Pop sei er über die Positionierung in

der Enteignungsfrage tief enttäuscht.

„Wie will Frau Pop ihrer Aufgabe als

Wirtschaftssenatorin gerecht werden,

wenn sie gleichzeitig für Enteignung

wirbt?“

Auch mit anderen Reizthemen befasste

sich Wegner. Auf dem Tempelhofer

Feld setzeersich für eine Randbebauung

mit den „Stadtquartieren

der Zukunft“ ein, sagte er: grün, klimaneutral,

mit kurzen Wegen in die

Stadt. Im Görlitzer Park sei die Situation

unerträglich: „Wer Drogen verticktindieser

Stadt, der soll keineVerkaufsstelle

zugewiesen bekommen,

der braucht eine Zelle in Moabit.“ Der

rot-rot-grüneSenatsei in dieser Frage

nicht tolerant, sondern ignorant.

Wegner plädierte auch dafür, dass

Berlin Lehrer wieder verbeamte, so

wie„15 von16Bundesländern“.

Bilanz vonGrütters

Wegners Vorgängerin Monika Grütters

nahm in einer Rede Abschied

vom Posten der Landeschefin. Dabei

zog die Kulturstaatsministerin im

Kanzleramt eine positive Bilanz der

letzten zweieinhalb Jahre. In dieser

Zeit sei die CDU vielfältiger geworden

und habe mehr Junge und Frauen in

entscheidende Gremien gebracht.

Grütters sprach Wegner ihr Vertrauen

aus, gab sich aber auch kampfeslustig.

„Wenn eine Frau zurücktritt, tut

sie das, um besser Anlauf zu nehmen“,

sagte sie und kündigte an, als

Beisitzerin des Landesvorstands zu

kandidieren, um weiter an der Erneuerung

der CDU zu arbeiten. Mit

66 Prozent erhielt Grütters allerdings

den niedrigsten Zustimmungswert

der zwölf Beisitzer.

Stefan Evers wurde mit 77,3 Prozent

erneut zum Generalsekretär gewählt.

Stellvertretende Landesvorsitzende

wurden der Reinickendorfer

Bezirksbürgermeister Frank Balzer,

die Zehlendorfer Bezirksbürgermeisterin

Cerstin Richter-Kotowski, der

Neuköllner Stadtrat Falko Liecke und

Manja Schreiner aus dem Kreisverband

Pankow.

in dem ihm Spieler und der Manager

des Vereins danken.

JIMMY HARTWIG

hat als Vortragsreisender eine Mission.

Der ehemalige Fußballstar ist

mit dem begehbaren Darmmodell

der Felix-Burda-Stiftung, durch das

die Gäste der Preisverleihung das

Foyer des Ballsaals betraten, auf

Tournee. Und nutzt jede Gelegenheit,

um mit lockeren Sprüchen die

Atmosphäre aufzulockern. Kostprobe:

„Von den Chemotherapien

steckt noch so viel Chemie in meinem

Körper, dass ich im Dunkeln

leuchte.“

INKA BAUSE

fand die Botschaft des Abends unterstüzenswert:

„Wegen einer familiären

Vorbelastung gehe ich brav alle

zwei Jahre zur Darmspiegelung.

Spiegel an der Wand reicht einfach

nicht mehr!“

JESSICA SCHWARZ

hielt die Laudatio in der Kategorie

„Engagement des Jahres“. DieAufklärung

über Darmkrebs und die guten

Heilungschancen, wenn er früh erkannt

wird, sind der Schauspielerin

wichtig, seit sie ihren Vater vor zwei

Jahren an die Krankheit verlor. Für

das „Engagement des Jahres“ wurden

Cornel Wachter und Timo Belger ausgezeichnet,

die schon vorzweiJahren

gewonnen hatten und das Preisgeld

in die Weiterentwicklung ihrer Aufklärungskampagne

steckten.

POLIZEIREPORT

Mann angeschossen.

Ein32Jahrealter Mann ist in Kreuzbergdurch

einen Schuss schwer verletzt

worden. Zeugen hatten in der

Nacht zu Sonntag Schüsse in der

Schinkestraße gehörtund die Polizei

alarmiert. DasOpfer,ein Berliner,

wurde an der Hüfte getroffen. Lebensgefahr

besteht nach Angaben

der Polizei nicht. DerSchützeist

flüchtig. DieHintergründe der Tat

seien unklar.Nach Angaben eines

Polizeisprechers zeigt sich das Opfer

nicht kooperativ.Ermittler wollen

nun die Überwachungsvideos aus

dem nahe gelegenen U-Bahnhof

Schönleinstraße sichten. Möglicherweise

war der Täter mit der Bahn geflüchtet.

Radfahrer erfasst.

Durchdas rücksichtslose Verhalten

eines Fahranfängers ist in Kreuzberg

ein Radfahrer schwer verletzt worden.

Der18-jährige Autofahrer erfasste

am frühen Samstagabend den

69-Jährigen auf einem Fahrradweg,

nachdem er mit überhöhter Geschwindigkeit

links vonder Anhalter

Straße in die Wilhelmstraße abgebogen

war.Anschließend prallte der

Audi gegen einen Ampelmast, der

aus seiner Verankerung gerissen

wurde.Zeugenaussagen zufolge sei

der Autofahrer zuvor durch Drängeln

und dichtes Auffahren aufgefallen.

Zudem war er bei einem Überholmanöver

in den Gegenverkehr

gerast. Polizisten beschlagnahmten

den Audi und den Führerschein des

18-Jährigen.

Autorennen beobachtet.

Zivilpolizisten sind in Schöneberg

Zeugen eines verbotenen Autorennens

geworden. DieBeamten bemerkten

am Samstagabend an einer

roten Ampel auf der Bülowstraße,

wie sich zwei Autofahrer Blicke zuwarfen.

BeiGrün rasten beide mit

durchdrehenden Reifen und deutlich

überhöhter Geschwindigkeit in

Richtung Potsdamer Straße.Die Polizisten

konnten nach einer kurzen

Verfolgungsjagd einen der beiden

Raser, einen20Jahre alten Fahrer eines

Mercedes,stoppen. Gegen ihn

wirdwegen des Verdachts des verbotenen

Kraftfahrzeugrennens ermittelt.

DerVerdächtige legte Widerspruch

gegen die Beschlagnahmung

seines Autos und Führerscheins ein.

Polizisten bedroht.

EinPärchen ist in Friedrichshain

festgenommen worden, weil es Streifenpolizisten

beleidigt und bedroht

haben soll. Die50-Jährige und ihr 45

Jahrealter Begleiter beschimpften

am Sonnabend eine Polizistin und

ihren Kollegen an der Voigtstraße.

Zudemstreckten sie ihnen den Mittelfinger

entgegen. Als die Beamten

ihrePersonalien feststellen wollten,

drohte der Mann einem Polizisten,

ihm ins Gesichtzuschlagen. Als der

Mann und die Frau fliehen wollten,

hielten hinzugerufene Beamte sie

fest. Aufder Dienststelle setzten sie

ihreBeleidigungen fort.

Autos gerammt.

EinAutofahrerhat in Mariendorf

mehrereAutos beschädigt. Der

30-Jährige hatte am Sonntagmorgen

gegen 5Uhr aufdem Mariendorfer

Damm nach eigenen Aussagen die

Kontrolle über sein Fahrzeug verloren,

weil er in einen Sekundenschlaf

gefallen sei. Daraufhin prallte er mit

seinem Mitsubishi gegen fünf geparkte

Autos,woraufhin der Wagen

auf die linke Seite kippte.Der Fahrer

erlitt schwereVerletzungen am

Rumpf. Da er eine Atemalkoholmessung

ablehnte,wurde ihm im Krankenhaus

Blut entnommen.

Taubenschlag angezündet.

EinUnbekannter hatinReinickendorf

einen Taubenschlag in Brand

gesetzt. EinZeuge hatte in derNacht

zu Sonntag in derFinsterwalder

Straße denUmrisseiner Person beobachtet,

diesich demTaubenschlag

näherte.Wenig später stiegen Flammenaneiner

Wand desGebäudes

auf. Anwohner konnten dasFeuer

selbstständiglöschen. DerVerdächtige

flüchtete. (lex.)


12 Berliner Zeitung · N ummer 115 · M ontag, 20. Mai 2019

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Berlin

Das Rathaus vonMarzahn-

Hellersdorf befindet sich

in Helle Mitte, aneinem

zugigen, weitläufigen

Platz mit Büros, Geschäften und vielen

Gesundheitseinrichtungen. Von

ihrem Büro aus kann Bezirksbürgermeisterin

Dagmar Pohle (Linke) auf

die Alice-Salomon-Hochschule gegenüber

sehen, auf den Eingang zum

U-Bahnhof Hellersdorf und auf den

Platz vor dem Haus. Dort unten versammelt

sich gerade eine Hochzeitsgesellschaft.

Drinnen, im Rathaus,

eine Etage über dem Büroder Bürgermeisterin,

ist das Standesamt.

Frau Pohle, sehr romantisch sieht es

draußen vor dem wichtigsten Haus

Ihres Bezirkes nicht aus. Alles grau in

grau ...

Siekommen ein wenig zu früh, in

den nächsten Tagen werden hier die

Blumeninseln bepflanzt, dann sind

auch die Bäume richtig grün. Aber es

ist wirklich viel Beton, die Helle Mitte

ist Mitte der 90er-Jahre entstanden,

übriges nicht grau in grau, sondern

in gelbem Klinker.Und der Platz wird

gut besucht. Dort sitzen viele Jugendliche,

weil es freies WLAN gibt,

Familien treffen sich mit Freunden.

Und vor der Hochschule gegenüber

sitzen die Studierenden, wenn sie

Pause haben, gern inder Sonne.Wir

arbeiten gerade daran, den Platz

umzugestalten, und wollen eine Studie

in Auftrag geben, was können

wir, was dürfen wir machen, damit

die Helle Mitte angenehmer wird.

Ihr Bezirkfeiertindiesem Jahr seinen

40. Geburtstag. Die Menschen hier

wünschen sich mehr Restaurants

und hochwertigereLäden anstatt der

vielen Döner-Imbisse, wie kürzlich

eine Online-Umfrage ergab.

Solche Wünsche kann das Bezirksamt

leider nicht erfüllen. Viele

Gaststätten halten sich hier nicht,

weil es zu wenige Besucherinnen

und Besucher gibt. Hochwertige Läden

und Ketten waren ja mal da und

sind nach und nach wieder verschwunden,

weil die Nachfrage

nicht da war.Dafür gibt es heute eine

Klinik am Platz, Pflegeangebote,eine

Apotheke, Ärzte. Der Gesundheitsstandort

funktioniert gut, das hat

auch viel mit der Einwohnerstruktur

von Marzahn-Hellersdorf zu tun.

Aber auch ein großes Einkaufszentrum,

wenige Hundert Meter von

hier im Brandenburgischen, ist eine

große Hürde für den Einzelhandel in

der Hellen Mitte.Die Menschen hier

verdienen nicht zu viel.

Würde ich noch eine Wohnung in einem

Plattenbau finden? Bezahlbar?

Diewürden Siefinden, aber das ist

nicht mehr so einfach wie in den vergangenen

Jahren. Wir hatten Anfang

der 2000er-Jahreeinen Leerstand von

über zehn Prozent, das ist vorbei, wir

haben keinen Leerstand mehr. Und

es wirdwieder viel gebaut.

Waskostet dann so eine Wohnung?

Im sozialen Wohnungsbau so um

die sechs Euro Miete kalt, frei finanziertetwa

neun bis zehn Euro.

Siesind seit 2002 als Stadträtin beziehungsweise

Bürgermeisterin in Marzahn-Hellersdorf

tätig, insgesamt

17 Jahre–eine Hammer-Zeit!

Das finde ich auch. Ich hätte mir

im Leben nicht vorstellen können,

dass es mal so kommt.

Sie wohnen ja selbst in einem Plattenbau

am Helene-Weigel-Platz in

Marzahn. Haben Sie mal drüber

nachgedacht, wegzuziehen?

Nein, nie.Ich will da nicht weg.

Wasgefällt Ihnen so an Marzahn?

Hier hat sich über all die Jahre

meine Familiengeschichte abgespielt.

Und ich habe das Wachsen

und die dynamische Entwicklung

unmittelbar miterlebt. Die ,Gärten

der Welt’ sind so ein Lieblingsort,

aber auch, dass ich sehr viele Menschen

kenne und mit vielen gut ins

Gespräch kommen kann.

Die Stadt wächst rasant, Marzahn-

Hellersdorfauch?

Die letzte Einwohnerprognose

des Senats für das Jahr 2021 haben

wir jetzt schon erreicht. Es leben aktuell

über 268 000 Bewohnerinnen

„Wenn es

knirscht,

muss man

reden“

Dagmar Pohle, Bürgermeisterin

von Marzahn-Hellersdorf, über

den wachsenden Bezirk, die

Zusammenarbeit mit der

Deutsche Wohnen und ein

herbeigesehntes Freibad

und Bewohner in Marzahn-Hellersdorf.

Weil wir einer der Bezirke sind,

in denen aktuell die meisten Wohnungsneubauten

im sozialen Wohnungsbau

errichtet werden, rechnen

wir mit einem weiteren Einwohnerzuwachs.

Ich denke, dass wir jedes

Jahr 2000 bis 3000 Bewohnerinnen

und Bewohner dazubekommen.

Macht Ihnen das Angst?

Angst nicht, aber es ist eine große

Herausforderung. Menschen, die

seit vielen Jahren hier leben, haben

Ängste. Sie wollen keine Verdichtung,

wollen ihre Grünanlagen und

Parkplätzebehalten. Dieerste Generation,

die vor40Jahren hierher zog,

ist heute im Rentenalter. Die Kinder

sind lange ausgezogen. Jetzt kommen

plötzlich junge Familien ins

Quartier. Esgibt wieder Spielplätze,

es wird laut. Das sind Konflikte, mit

denen man umgehen muss.

Wie viele Wohnungen werden denn

aktuell im Bezirkneu gebaut?

Für Projekte mit mehr als 4300

Wohnungen wurden seit 2016 Baugenehmigungen

erteilt, die werden

auch aktuell gebaut.

Die Deutsche Wohnen hat knapp

15 000 Wohnungen in Marzahn-Hellersdorf,

die meisten ihres Berliner

Bestandes. Wie stehen Sie zur Deutsche

Wohnen?

Einerseits wissen wir,dass Mieterinnen

und Mieter nicht immer mit

der Deutsche Wohnen zufrieden

sind. Andererseits haben wir im Bezirk

zuihren beiden Verwaltungen

einen guten Arbeitskontakt. Vertreterinnen

arbeiten im Quartiersmanagement

mit, es gibt Austausch und

Zusammenarbeit. Das ist nicht konfliktfrei,

weil es unterschiedliche Interessen

gibt, aber wir finden immer

einen Weg. Wenn es knirscht, muss

man reden, und das machen wir.

„ “

Dagmar Pohle,65, hat Philosophie studiert. Vorder Wende arbeitete sie in der SED-Kreisleitung

des Bezirkes Marzahn. Nach der Wende war sie vonMai bis Dezember 1990 Mitglied in

der Berliner Stadtverordnetenversammlung,danach bis 1999 im Abgeordnetenhaus. Von

1992 bis Anfang 2002 war sie als Arzthelferin in einer Chirurgischen Praxis tätig.

Im Marzahner Bezirksamt arbeitete sie vonMärz 2002 bis November 2006 und von2011

bis 2016 als Stadträtin, unter anderem für Gesundheit und Soziales. Von2006 bis 2011 war

sie Bezirksbürgermeisterin und wurde 2016 wieder gewählt. Damals erreichte die Linkein

Marzahn-Hellersdorf 26 Prozent.

Ihre Partei, die Linke, hat sich unlängst

für eine Enteignung der Deutsche

Wohnen ausgesprochen. Wie

passt das zusammen?

Ichfinde den Diskussionsprozess

um die Enteignungen sehr wichtig,

weil private Wohnungsunternehmen

nicht nur ihre Renditeerwartungen

im Auge haben dürfen. Eigentum

verpflichtet, sie müssen

auch Verantwortung für die Menschen

übernehmen, die bei ihnen

wohnen. Ob so eine Enteignung erfolgreich

umgesetzt werden kann –

da schauen wir mal.

Anfang der 2000er-Jahre wurde vieles

abgerissen, auch Kitas und Schulen,

die heute dringend notwendig

wären.

Stadtumbau war ein wichtiger

Prozess für den Bezirk. DieGebäude

standen leer. Und leerstehende Gebäude

werden demoliert, sehen

nicht schön aus, ziehen einen Kiez

auch runter. Abriss war immer mit

Aufwertung verbunden. DieFlächen

wurden zum Teil begrünt, es entstanden

Mietergärten. Jetzt kommen

wir und wollen wieder bauen. Das

sorgt für Diskussionen.

Lassen

Sie uns

über Berlin

reden

Bürgermeister

spezial

Haben Siedenn jetzt genug Kitas und

Schulen?

Das ist das größte Problem. Wir

haben heute 127 Kitas im Bezirk, die

Hälfte davon ist in den letzten Jahren

neu entstanden. Plätzegäbe es,aber

es fehlen Erzieherinnen und Erzieher,

sodass nicht alle Plätze belegt

werden können. Bei den Schulen

wiederum fehlen Plätze. Das Bezirksamt

und der damalige Bezirksstadtrat

hatten in der letzten Legislaturperiode

den steigenden Bedarf

besonders im Grundschulbereich

nicht genug im Fokus, was dazu

führte,dass wir jetzt sehr volle Schulen

haben. So müssen wir ab September

Schülerinnen und Schüler

von hier mit Schülertransporten in

Schulen nach Marzahn-Nord bringen,

für ein oder zwei Jahre, weil es

dort noch Kapazitäten gibt. Erst

nach und nach wird esweitere neue

Schulstandorte geben.

SABINE GUDATH

Bekommen Sie genügend Unterstützung

vomSenat?

Ich würde mir noch mehr Unterstützung

vonder Senatsschulverwaltung

wünschen. Da gibt es Hindernisse.

ZumBeispiel?

Es gibt gerade Auseinandersetzungen

wegen der Errichtung von

mobilen Unterrichtsgebäuden, also

vonMEB (modulareErgänzungsbauten

d. Red.), zum Beispiel in der

Elsenstraße. Dort wird eine Schule

abgerissen und eine neue gebaut.

Für die Übergangszeit brauchen wir

die MEB für die Grundschulkinder.

Wir hatten bereits eine Zusage von

Mark Rackles, als er noch Staatssekretär

war. Jetzt ist er weg, und wir

haben den Eindruck, die Schulverwaltung

sucht nach Gründen, die

MEB nicht zu errichten. Angeblich

gibt es im Sommer eine zu hohe Geruchsbelästigung

durch einen Recyclinghof

in der Nachbarschaft.

Aber wir brauchen bis zum nächsten

Schuljahr dringend eine Lösung.

Unddakommt uns die Schulverwaltung

bisher nicht entgegen.

Apropos Zuzug, was sind das eigentlich

für Leute, die jedes Jahr nach

Marzahn-Hellersdorfziehen?

Interessant ist, dass Marzahn-

Hellersdorf imVergleich zu anderen

Bezirken die geringste Hin- und

Herfluktuation hat. Kurz gesagt: Wer

kommt, der bleibt. Unser Zuzugsüberschuss

kommt vor allem durch

Menschen mit Migrationshintergrund,

durch ältere Menschen, die

hier barrierearmen Wohnraum oder

Pflegeeinrichtungen finden, aber

auch durch junge Familien mit Kindern.

Undwir sind der Bezirkmit der

größten Anzahl von Alleinerziehenden.

Dengrößten Zugang haben wir

da aus Treptow-Köpenick und Lichtenberg.

Laut Statistik nimmt von

der Altersstruktur her gesehen am

meisten die Zahl der Kinder und die

Zahl der über 60-Jährigen zu, während

die Zahl der jungen Menschen

zwischen 18 und 30 rückläufig ist.

Leben denn auch Wessis im Bezirk?

Ja, inzwischen leben auch Menschen

im Bezirk, die aus den westlichen

Bezirken Berlins zu uns gekommen

sind oder aus den alten Bundesländern.

Und eskommen Menschen

nach Marzahn-Hellersdorf

zurück, die nach der Wende auf der

Suche nach Arbeit den Bezirk gen

Westen verlassen haben und jetzt,

wo sie in Rente sind, wiedergekommen

sind. Ichfinde,das spricht doch

für Marzahn-Hellersdorf, oder?

Wie hoch ist denn der Anteil der Bewohner

mit Migrationshintergrund?

Er ist auf 20 Prozent gewachsen,

aber immer noch der zweitniedrigste

aller Bezirke, Treptow-Köpenick

liegt noch hinter uns.Den größten

Anteil haben Menschen aus den

ehemaligen GUS-Staaten mit 19 500

Bewohnern und Bewohnerinnen,

die zweitgrößte Gruppe mit 5300

sind Migranten und Migrantinnen

aus dem arabischen Raum inklusive

Syrien. An dritter Stelle kommen polnische

Einwohner und Einwohnerinnen,

darunter auch Roma. Die

vietnamesische Gruppe ist auf Platz

vier gewandert.

Viele Kids wünschen sich endlich ein

Freibad. Es kann doch nicht sein: So

ein großer Bezirk, so viele Kinder,und

noch immer kein Freibad.

Alle wünschen sich ein Freibad. Als

die Großsiedlung vor 40Jahren entstand,

war auch ein Freibad unterhalb

des Kienbergs eingeplant. DiePlanungen

wurden nach 1990 aber aufgegeben.

Danach entstanden dortdie ,Gärten

der Welt’. Jetzt suchen wir nach einer

neuen Fläche, lassen dazu gerade

Untersuchungen laufen. Aber das ist

unheimlich schwer. Die Fläche muss

groß sein, verkehrsmäßig gut angebunden,

so ein Baddarfdie Anwohner

und Anwohnerinnen nicht stören,

Emissionsschutz, Natur- und Umweltschutz

müssen auch beachtet

werden. Undwenn wir die Fläche gefunden

haben, haben wir noch keine

Finanzierung. Für das Freibad sind

zirka 35 Millionen Euro nötig. So hoch

sind alle Investitionsmittel des Bezirks

für die nächsten fünf Jahre. Dann

könnten wir nichts anderes bauen,

keine Schule, keine Kita, nichts. Das

heißt, wir bräuchten das Geld vom

Land und hoffen natürlich darauf.

Seit längerer Zeit gibt es Probleme am

Eastgate. In dem großen Einkaufszentrum

und davor treffen sich Jugendgruppen,

die aufeinander losgehen.

Es kommt zu Pöbeleien, Diebstählen,

Schlägereien. Jetzt patrouilliert

dort die Polizei. Bekommen Sie

die Lage in den Griff?

DasProblem ist nicht bezirksspezifisch.

Dort treffen sich Jungsgruppen

mit eher migrantischem Hintergrund

aus mehreren Bezirken, die

vor allem nationale Konflikte untereinander

austragen. Kürzlich gab es

dazu ein Gespräch zwischen den

Bürgermeistern von Lichtenberg,

Köpenick und mir mit der Polizei.

DieLage hat sich nach Einschätzung

der Polizei beruhigt. Oft kommen

aber junge Mädchen zu diesen

Gruppen, die das spannend finden.

Wir überlegen jetzt, mit welchen

speziellen Angeboten der Jugendarbeit

wir auch sie besser erreichen.

Kommt es zu sexuellen Übergriffen?

Das ist dort eher kein Thema. Es

geht es mehr um Kraftmeierei bis hin

zu Straftaten wie Diebstahl, Zerstörung

oder Körperverletzung. Dagegen

geht die Polizei rigoros vor.

Bei der Bundestagswahl 2017 haben

Ihre Partei und die AfD etwa in Ahrensfelde-Süd,

Marzahn-West und

Marzahn-Ost ähnlich viele Stimmen

bekommen, meist zwischen 25 und

30 Prozent. Wie arbeiten Sie mit der

AfD zusammen?

Die AfD stellt die zweitstärkste

Fraktion in der Bezirksverordnetenversammlung

und einen Stadtrat.

Aber sie ist nicht in der Lage,sachlich

Kommunalpolitik zu machen. Als

Bürgermeisterin lebe ich damit

schlecht, weil ich für eine solidarische,

demokratische Gesellschaft

stehe und für eine Politik vorOrt,die

gemeinsam mit den Menschen den

Bezirkgestaltet.

DasGespräch führte

Sabine Deckwerth.


Berliner Zeitung · N ummer 115 · M ontag, 20. Mai 2019 13

· ·

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Berlin

Kollatz wirbt

für Müllers

Prestigeprojekt

Am 29. Mai Entscheidung

über Grundeinkommen

Vor dem Hintergrund ernster Bedenken

im Abgeordnetenhaus

hat Finanzsenator Matthias Kollatz

für einen raschen Start des Modellprojekts

zum solidarischen Grundeinkommen

geworben. „Ich würde es

für unverständlich halten, wenn es

blockiertwürde“, sagte der SPD-Politiker.Schließlich

seien alle drei Koalitionspartner

dafür, nach Perspektiven

zur Überwindung des Hartz-IV-

Systems zu suchen. „Und wenn man

es für richtig hält, dann ist es jetzt

auch sinnvoll, damit anzufangen.“

Der Start des von Regierungschef

Michael Müller (SPD) forcierten Modellprojekts,bei

dem bis zu 1000 Arbeitslose

sozialversicherungspflichtige

Jobs im gemeinnützigen Bereich

übernehmen sollen, ist für den 1. Juli

geplant. Allerdings gibt es Bedenken

und Fragen im Abgeordnetenhaus,

wo der Hauptausschuss Gelder freigeben

muss. Amvergangenen Mittwoch

verschob das Gremium die Beratung

des Themas auf den 29. Mai,

die letzte Sitzung vor der Sommerpause.

Bedenken haben vor allem

die Grünen.

Ein Kritikpunkt sind die Kosten,

die Rede ist von rund 30 Millionen

Euro im Jahr. Der Bund will bislang

kein Geld dazugeben.

An dem auf fünf Jahreangelegten

bundesweiten Modellprojekt sollen

Menschen teilnehmen können, die

noch kein Jahr arbeitslos sind, aber

absehbar keine Vermittlungschancen

auf dem ersten Arbeitsmarkt haben.

Siesollen nach Tarif- oder Mindestlohn

bezahlt werden und zum

Beispiel als Mobilitätsbegleiter,

Hausmeister oder als Unterstützung

in Pflegeheimen arbeiten. (dpa)

An dieser Stelle berichten

montags Berliner über ihren

Berufsalltag. Heute:

Eduard Shuravel. Er ist

Zahnarzt in einer Praxis in der Biesdorfer

Straße in Berlin-Marzahn und

bringt etwas Erstaunliches fertig:

Mangeht gernzur Behandlung.

Es gibt wohl kaum jemanden, der

gernzum Zahnarzt geht. Es sei denn,

man hat einen Arzt, der einem die

Angst nimmt und der zudem noch

wahreWunder vollbringt. Einsolcher

ist Eduard Shuravel, der in seiner eigenen

Praxis in Marzahn arbeitet.

Der Empfangsraum ist in Rot-

Weiß-Grau gehalten, formschön,

praktisch und schnörkellos. ImBehandlungsraum

nimmt sich Eduard

Shuravel erst einmal viel Zeit, zu erklären,

auf welche Weise er vorgehen

will. „Wenn der Patient weiß, was geschehen

wird, verliert erseine Angst

und fasst Vertrauen“, sagt der Arzt.

Manchmal dauerten die Erklärungen

länger als die Behandlung, meint er

und schmunzelt. Eduard Shuravel

kann selbst defekte Zähne wieder

aufbauen, vondenen manchmal nur

noch eine Seite steht.„Eine Brücke für

die Lücke, lautet ein alter Zahnarztspruch,“

sagt er.„Doch der trifft längst

nicht mehr zu.“ Es gebe inzwischen

viele Möglichkeiten, einen Zahn zu

retten oder einen Ersatz anzufertigen,

der dem natürlichen Zahn ähnlich ist.

Propylaxeist entscheidend

Tatsächlich hat die Zahnmedizin in

den vergangenen Jahren enorme

Fortschritte gemacht. Neue Instrumente,

Materialien und Methoden

wurden entwickelt. Vorallem aber

wurde die Prophylaxe immer wichtiger.

„Jeder kann entscheidend

selbst mitbestimmen“, sagt Eduard

Shuravel, „wie gut oder schlecht

seine Zähne sind. DiePflege ist entscheidend!“

DerZahnschmelz habe

viele Feinde: Zucker,Stress,Alkohol,

schlechte Mundhygiene. Täglich

putzen, gesund essen, die Angebote

zur prophylaktischen Reinigung

samt Zahnsteinentfernung nutzen –

das alles trage wesentlich dazu bei,

Ein Zahnarzt

des Vertrauens

Eduard Shuravel nimmt sich viel Zeit für seine

Patienten. Er kommt aus der Ukraine und

hat eine Praxis, in die man ohne Angst geht

VonMartina Doering

Kann sogar starkdefekte Zähne wieder aufbauen: Eduard Shuravel.

Name und Beruf: Eduard Shuravel, Zahnarzt

Wasverdient man in dem Beruf? Gut

MEINE WOCHE

Wiewar Ihre Ausbildung? Studium, Weiterbildungen, Prüfungen für die Zulassung zurBerufsausübung

Wielangearbeiten Sie pro Woche? 40 Stunden

GERD ENGELSMANN

Würden Sie diese Berufswahl wieder treffen? Ja! Mein Studium würde ich allerdingsetwas

konzentrierter absolvieren.

dass ein Gebiss bis ins hohe Alter in

gutem Zustand bleibt.

Eduard Shuravel wurde 1970 in

der Ukraine geboren, die damals

noch zur Sowjetunion gehörte. Ihm

sei schon sehr früh klar gewesen, sagt

er, dass er Zahnarzt werden wollte.

Nach erstem, noch nicht erfolgreichen

Anlauf und einer Lehreineinem

Maschinenbau-Kombinat bewarb er

sich an der UniinKiew, bestand die

Prüfung und studierte fünf Jahre

Zahnmedizin. Als „Arzt für Stomatologie“

erwarb er erste Erfahrungen.

Doch es waren schwere Jahre inder

Ukraine, sagt der Arzt, weshalb seine

Eltern mit den Kindern auswandern

wollten, nach Deutschland. Im Sommer

1994 trafen die Shuravels in Berlin

ein und wurden in einem Wohnheim

in Ahrensfelde untergebracht.

Eigene Praxis in Marzahn

Eduard Shuravel absolvierte einen

Deutschkurs, bekam die Berufserlaubnis,

machte eine Weiterbildung

sowie ein Praktikum bei einem Arzt in

Berlin. „Ich konnte noch nicht so gut

Deutsch, ich musste als Zahnarzt

noch einiges dazulernen“, erzählt er.

„In Russland wie auch der Ukraine

war Gold der bevorzugte Ersatz. Das

war hier doch etwas anders.“ Man

habe in dieser Praxis für ihn viel Geduld

undVerständnis aufgebracht.

Seine erste Anstellung verdankte

Eduard Shuravel einem Zufall. Eine

Bekannte seinesVaters war Zahnarzthelferin.

Sie empfahl ihm, sich in einer

Praxis zu bewerben, die viele russisch-sprechende

Patienten hatte.

1997 fing er dortan. 2003 erhielt er die

deutsche Staatsbürgerschaft und

2004, nach einer Prüfung vor der

Zahnärztekammer,die Berechtigung,

sich als Arzt niederzulassen.

Zuerst arbeitete er in einer Gemeinschaftspraxis.Doch

am 30. April

2014 schloss er den Kaufvertrag für

die Räume in Marzahn ab: für seine

eigene Praxis. Die erste Zeit sei nicht

leicht gewesen, sagt er.Die neue Praxis

musste wegen eines Kellerbrandes

einige Wochen schließen, die Renovierung

zog sich hin. Sein Patientenstamm

blieb ihm trotzdem treu.

Junge Leute

würden Grün

wählen

Simulierte Europawahl für

Kinder und Jugendliche

Bei den simulierten Wahlen zum

Europäischen Parlament haben

die Grünen bei den Berliner Kindern

und Jugendlichen am besten abgeschnitten.

Die Partei erreichte bei

den U18-Wahlen 30,86 Prozent der

Stimmen in der Hauptstadt, wie aus

den online veröffentlichten Daten

vomSonnabend hervorging. Es folgten

die SPD (16,28 Prozent), die

Linke (11,76 Prozent) und die CDU

mit 9,53 Prozent. Die AfD würden

5,05 Prozent wählen.

In Berlin hatten am Freitag rund

240 Wahllokale unter anderem an

Schulen, Jugendclubs und in Jugendverbänden

geöffnet, sagte ein

Sprecher des Deutschen Bundesjugendrings.

Ziel der Aktion sei es,

junge Leute „an die Politik heranzuführen,

ohne Hürden und Ängste“.

Exakt 26 940 Kinder und Jugendliche

nutzten die Gelegenheit und gaben

ihreStimme ab.

Auch bundesweit schnitten den

Angaben zufolge die Grünen mit

28,73 Prozent der Stimmen am besten

ab. Auf den weiteren Plätzen:

SPD (14,99 Prozent), CDU (12,73),

Linke (6,87) und AfD (6,76). (dpa)

Ergebnis der U18-Europawahl

Grüne 30,86 % SPD 16,28 %

Sonstige

13,02 %

FDP

3,88 %

Die Partei

4,39 %

AfD

5,05 %

Linke

11,76 %

CDU

9,54 %

Tierschutzpartei

5,23 %

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14 Berliner Zeitung · N ummer 115 · M ontag, 20. Mai 2019

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Brandenburg

Nauen

erwartet

Königspaar

Willem-Alexander und

Máxima zu Besuch

Das niederländische Königspaar

kommt am Dienstag zu einem

Arbeitsbesuch nach Brandenburg.

Willem-Alexander und Máxima werden

zunächst in Nauen (Landkreis

Havelland) auf Ministerpräsident

Dietmar Woidke (SPD) treffen. Gemeinsam

besuchen sie einen regionalen

Ackerbaubetrieb und diskutieren

mit jungen Agrarunternehmern

aus den Niederlanden und aus Ostdeutschland.

Am Nachmittag führt

die Weiterreise nach Potsdam. Geplant

ist ein Besuch des Führungskommandos

der Bundeswehr in der

Henning-von-Tresckow-Kaserne.

Am Mittwoch, dem zweiten und

letzten Tagdes Aufenthalts,wirddas

Königspaar die Potsdamer Staatskanzlei,

den Wissenschaftspark Albert

Einstein und die Medienstadt

Babelsberg besuchen. In den Neuen

Kammern imSchloss Sanssouci gibt

Ministerpräsident Woidke ein Essen

für seine Gäste. Nach Auskunft von

Protokollchef Oliver Schmidt wurde

Sternekoch Alexander Dressel vom

Bayerischen Haus in Potsdam für

das Catering gewonnen. Das Drei-

Gänge-Menü sehe eine Vorspeise

mit Zander und Aal vor, einen

Hauptgang mit Spargel und Kalbsfilet

sowie als Dessert eine Brandenburger

Panna cotta aus Büffelmilch.

Das niederländische Königspaar

besucht jedes Jahr ein oder mehrere

deutsche Bundesländer. Sowird der

Aufenthalt in Brandenburg unmittelbar

an einen Kurzbesuch in Mecklenburg-Vorpommern

am Montag

anschließen. Die Niederlande sind

nach Polen zweitwichtigster Außenhandelspartner

des Bundeslands.

König Willem-Alexander hat zudem

familiäre Wurzeln in Schwerin. Sein

Urgroßvater war Heinrich zu Mecklenburg(1876–1934).

(mow.,dpa)

Willem-Alexander,König der Niederlande,

und seine Frau Máxima IMAGO IMAGES/NORDPHOTO

Gift-Einsatz vorläufig gestoppt

Nach einer Beschwerde des Naturschutzbunds (Nabu) hat das Oberverwaltungsgericht

(OVG) Berlin-Brandenburg untersagt, dass das

umstrittene Insektizids„Karate Forst flüssig“ weiter versprüht wird. Seit

vergangener Woche versprühten Hubschrauber des Landesbetriebs

Forst Brandenburg über Wäldern imLandkreis Teltow-Fläming das

Mittel gegen den Kiefernschädling Nonne. Der Nabu forderte nach

WWW.IMAGO-IMAGES.DE

dem Gerichtsentscheid eine Neuausrichtung der Forstwirtschaft. Vorrang

müssten natürliche Formen des Pflanzenschutzes haben, sagte

der Landesvorsitzende Friedhelm Schmitz-Jersch. In seinen Augen

kommt dem OVG-Beschluss „grundsätzliche Bedeutung“ zu. Künftig

werde das Versprühen von Insektiziden nur unter erheblich engeren

Bedingungen und bei Sicherstellung des Artenschutzes möglich sein.

Die ILA scheint gerettet

Berlin und Brandenburg wollen sich künftig die Verluste der Luftfahrtmesse teilen

Die Luftfahrtmesse ILAinSchönefeld

hat voraussichtlich eine Zukunft.

Berlin und Brandenburghaben

sich offenbar darauf geeinigt, die erwarteten

Verluste künftig gemeinsam

zu tragen. Dies war der Knackpunkt

bei der Frage, obdie Internationale

Luft- und Raumfahrtausstellung

(ILA) auch nach 2020 veranstaltet

wird. Besucher müssen sich aber darauf

einstellen, dass es ab 2022 weniger

Flugschauen gibt. Bislang musste

die Berliner Messe für die defizitäre

Leistungsschau geradestehen.

Messe-Chef Christian Göke ist dazu

nicht mehr bereit, denn aus seiner

Sicht profitiert vor allem die Luftfahrtindustrie

in Brandenburg.

„Nach unserem Kenntnisstand

haben sich Berlin und Brandenburg

auf einen Letter of Intent verständigt“,

sagte Volker Thum, der Hauptgeschäftsführer

des Bundesverbands

der Deutschen Luft- und

Raumfahrtindustrie (BDLI). „Damit

ist die Grundlage für eine Rahmenvereinbarung

zur Durchführung der

ILAvon 2022 bis 2030 geschaffen.“

Dass Berlin und Brandenburg

halbe-halbe machen wollen, bestätigte

Brandenburgs Regierungssprecher

Florian Engels. „Wir wollen,

dass die ILAauch nach 2020 Bestand

hat.“ Dagegen sagte die Sprecherin

des Berliner Finanzsenators Matthias

Kollatz, Eva Henkel, die Gespräche

seien noch nicht beendet.

Sie versicherte aber:„Die Absicht aller

Beteiligten ist es, die ILA zusichern.“

Thum sagte: „Wenn die Welt der

Luft- und Raumfahrt nach Berlin

kommt, hat dies enorme positive

Auswirkungen auf die ganze Region,

die über betriebswirtschaftliche

Überlegungen weit hinausgehen.“

Allerdings erwarten die Partner dem

Vernehmen nach, dass auch der

BDLI einen Teil der Last trägt, etwa

indem er bei Zahlungen für Markenrechte

Abstriche macht.

DieLuftfahrtmesse lockt alle zwei

Jahre Zehntausende Privat- und

Fachbesucher nach Schönefeld.

Fluggesellschaften besiegeln dort

Millionengeschäfte. Schon vor 2010

war die Verlängerung des jeweils

zehnjährigen Vertrages unklar gewesen.

Der BDLI erwog damals sogar,

nach Leipzig abzuwandern.

Weniger Flugvorführungen

Heute heißt es: „Wir halten an der

ILA auch in Zukunft am Standort

Berlin-Brandenburg fest. Solche

strategischen Messen funktionieren

nur in der Hauptstadt –siehe Paris

und Singapur.“ Nun beginnen die

konkreten Verhandlungen für die

ILAbis 2030. „Ich denke,dass wir das

jetzt schnell regeln“, sagte Thum.

Dabei nehmen die Veranstalter in

Kauf, dass nicht mehr so viel geflogen

werden kann wie bisher –sollte

wie geplant im Oktober 2020 der

neue Hauptstadtflughafen eröffnen.

DieILA findet am BER-Gelände statt

und nutzt die Start- und Landebahn.

„Es wird geflogen werden können,

aber reduziert“, sagte Thum. Zwischen

den regulären Starts und Landungen

gebe es nur noch kleine Zeitfenster

für Flugschauen. Deswegen

spielen bei den Überlegungen auch

andere Flughäfen eine Rolle. „Für

Vorführungen muss auch nicht immer

am BER gestartet werden“, sagte

Thum. „Ein Airbus könnte beispielsweise

dafür auch aus Hamburg-Finkenwerder

kommen und dorthin zurückfliegen,

ein Eurofighter aus Rostock-Laage.“

(dpa)

NACHRICHTEN

Junger Motorradfahrer

stirbt bei Verkehrsunfall

Beieinem Frontalzusammenstoß

mit einem Auto auf der Bundesstraße

168 bei Turnow (Spree-Neiße)

ist ein 20-jähriger Motorradfahrer

ums Leben gekommen. Einweiterer

18-jähriger Motorradfahrer habe bei

dem Unfall am Sonnabend schwere

Verletzungen erlitten, berichtete die

Polizei. DieMotorradfahrer seien

beide mit ihren Maschinen aus noch

ungeklärter Ursache in einer Linkskurve

auf die Gegenfahrbahn geraten.

Der72-jährige Fahrer des Wagens

wurde leicht verletzt, der Beifahrer

erlitt einen Schock. (dpa)

Großer Umzug beschließt

das Trachtenfest

2500 Menschen aus ganz Deutschland,

Polen, den Niederlanden und

der Ukraine haben am Sonntag am

Trachtenumzug in Lübben (Spreewald)

teilgenommen. DerUmzug war

der Höhepunkt des dreitägigen Deutschen

Trachtenfestes.Etwa 70 Gruppen

zeigten unter dem Motto„Tracht

verbindet“ üppige Stickereien, prächtige

Hauben und riesige Röcke. (dpa)

GEWINNZAHLEN

Lottozahlen: 11 -26-32-39-43-47

Superzahl: 4

Spiel 77: 1655857

Landeslotterie Super 6: 259412

Glücksspirale: (Gewinner nach Endziffern)

5=10Euro

70 =25Euro

907 =100 Euro

7631 =1000 Euro

75 416 =10000 Euro

885 848 =100 000 Euro

886 887 =100 000 Euro

Prämie: Monatliche „Sofortrente“ in Höhe von

10 000 Euro auf die Nummer 1592 963.

ARD-Fernsehlotterie:

6515 272 gewinnt Audi A1 30 TFSI

6705 052 gewinnt Audi A3 Sportback

5589 017 gewinnt Reise nach Südtirol

0778 375 gewinnt Wochenende im Europa -Park

Prämienziehung (nur für Mega-Lose):

7922 881 gewinnt 1000 000 Euro

394 595 gewinnt 100 000 Euro

99 801 gewinnt 10 000 Euro

1827 gewinnt 1000 Euro

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größten Hits verzaubern. Singen und klatschen

Sie mit -eswerden unvergessliche

Momente für Sie.

Copyright fly&help für Fotos von Nicole, Claudia Jung und Michael Morgan. Copyright Manfred

Esser für Fotos von Michael Holm und Peter Orloff.


Berliner Zeitung · N ummer 115 · M ontag, 20. Mai 2019 15 *

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Lokalsport

Erst siegen, dann singen: Die Spieler von Lichtenberg 47 feierndie Meisterschaft in der Oberliga Nordost, Gruppe Nord.

OSTKREUZ/SEBASTIAN WELLS

Wahnsinn wird Wirklichkeit

Die Fußballer von Lichtenberg 47 steigen durch ein 2:0 über Tennis Borussia in die Regionalliga auf und erfüllen sich damit einen lang gehegten Traum

VonMichael Jahn

Um 15.20 Uhr amSonnabendnachmittag

hatte

Schiedsrichter Christopher

Musick aus Frankfurt/Oder

ein Einsehen. Nachdem

die vier Minuten Nachspielzeit endlich

abgelaufen waren, pfiff der Referee

ab und erlöste Spieler, Trainer

und Fans von Lichtenberg 47 und

damit das Gros der 1452 Zuschauer

im wunderschönen Hans-Zoschke-

Stadion, einer Arena ohne Laufbahn.

Der Spitzenreiter der Oberliga

Nordost hatte den Staffel-Favoriten

Tennis Borussia nach hartem Kampf

mit 2:0 (0:0) bezwungen und den

Aufstieg in die ersehnte Regionalliga

drei Spieltage vorSaisonschluss perfekt

gemacht. Die Reservisten und

der Trainerstab der Lichtenberger

stürmten auf den Platz, alle Spieler

des überglücklichen Aufsteigers lagen

sich in den Armen, bildeten im

Torvon Keeper Niklas Wollert, der

zuvor mit einigen starken Paraden

geglänzt hatte, eine Traube des

Glücks. Die Anhänger –viele waren

in roten Vereinstrikots gekommen –

skandierten „Lichtenberg! Lichtenberg!“

und „Nie wieder Oberliga!“

Aus den Stadionboxen dröhnte

„We are the champions“ und am

Mittelkreis tanzten die Spieler zusammen

mit Trainer Uwe Lehmann

und Sportchef Benjamin Plötz, den

beiden Protagonisten des kleinen

Fußball-Wunders. Auch 47-Präsident

Andreas Prüfer und Lichtenbergs

Bezirksbürgermeister Michael

Grunst mischten sich unter die feiernde

Gemeinde. Trainer Lehmann,

im sechsten Jahr im Amt, vergaß sein

Lichtenberg 47−TeBe 2:0 (0 :0)

BSC Süd −Torgelow 3:1 (1 :0)

Wismar−Lok Stendal 1:2 (1:1)

Malchow−Staaken 0:2 (0:1)

Hansa II−Neustrelitz 6:1 (1:1)

Hertha Zehlendorf−CFC Hertha 06 4:1 (1:1)

Altlüdersdorf−Strausberg 4:1 (2:0)

BW 90 Berlin −Greifswalder FC 4:2 (1:0)

1Lichtenberg 47 28 67: 1170

2 TeBe 28 65: 2661

3 Greifswalder FC 28 62: 3459

4 Hertha Zehlendorf 28 61: 3251

OBERLIGA, 28. SPIELTAG

Lichtenberg 47 steht für die sportlichen Erfolge, die der Berliner Stadtbezirk hervorbringt. Der

Traditionsklub geht jetzt in der Regionalligaauf Werbetour für Lichtenberg.

schmerzendes Knie (er muss unters

Messer) und jubelte: „Das ist unbeschreiblich

schön. Mentalität hat

Qualität geschlagen.“ Lichtenbergs

Anhänger hatten es mit Blick auf die

hohen Investitionen des bei den eigenen

Fans aus Charlottenburg umstrittenen

TeBe-Chefs Jens Redlich,

einem Fitness-Ketten-Betreiber,

ähnlich auf einem Transparent ausgedrückt:

„Herzschlägt Geld!“

Benjamin Plötz, der umsichtige

Sportliche Leiter von 47, gilt als Architekt

dieser Mannschaft, die eine

verschworene Gemeinschaft bildet.

Seit nunmehr acht Jahren ist er im

Amt. Noch unmittelbar vordem Duell

Erster (Lichtenberg) gegen Zweiter

(Tennis Borussia) gab sich Plötz

vorsichtig und sagte: „Sollten wir

5 Hansa II 28 62: 3549

6 BW 90 Berlin 27 48: 3438

7 Torgelow 28 41: 4437

8 CFC Hertha 06 28 42: 6037

9 Neustrelitz 28 36: 4336

10 Altlüdersdorf 27 42: 5535

11 Staaken 28 47: 4732

12 Lok Stendal 28 35: 6232

13 BSC Süd 28 49: 6031

14 Wismar 28 23: 4131

15 Strausberg 28 40: 6231

16 Malchow 28 23: 974

aufsteigen, ist das eigentlich unvorstellbar,wirklich

Wahnsinn!“

Dabei hatte sich eine Woche vor

dem Spitzenspiel die Ausgangsposition

für die Gastgeber deutlich zum

Positiven geändert. Tennis Borussia,

das von Vorstandschef Jens Redlich

die Maßgabe erhalten hatte, „unbedingt

aufzusteigen“, verlor überraschend

das Heimspiel gegen den SV

Altlüdersdorfmit 1:3, während Lichtenbergmit

2:0 beim 1. FC Lok Stendal

gewonnen hatte. Sechs Punkte

Vorsprung brachte das 47 ein und

das um 13 Treffer bessereTorverhältnis.

Der Aufstieg war plötzlich zum

Greifen nah. Doch Zweifel blieben.

Lichtenberg musste auf zwei verletzte

Stammspieler verzichten: Philipp

Grüneberg fehlte nach einem

SV Empor Berlin −FSV Spandauer Kickers 1:1

BFC Preussen −TuS Makkabi Berlin 1:2

SFC Stern−Türkiyemspor Berlin 3:3

Berliner SC −FSV Berolina Stralau 5:0

SC Charlottenburg −Frohnauer SC 1:1

Eintracht Mahlsdorf−SDCroatia Berlin 4:1

SV Sparta Lichtenberg−TSV Rudow 7:3

Hellas-Nordwest −Tasmania 1900 Berlin 0:3

1Tasmania 1900 Berlin 32 88: 3377

2 SV Sparta Lichtenberg 32 109: 4175

3 SFC Stern 32 68: 3359

4 Berliner SC 32 56: 4058

Kreuzbandriss und David Hollwitz

mit einem Muskelfaserriss.

Bei Kaiserwetter bildeten sich

lange Schlangen vor den Bierständen

und Wurstbuden –woesBuletten

für 2 Euro und Bratwürste für

2,50 Euro gab. Die Anhänger waren

in Feierstimmung. Unter die Zuschauer

hatte sich mit TomTrybull,

26, ein Profi gemischt, der als Jugendlicher

drei Jahre bei Lichtenberg

47spielte und nun in England

gerade mit dem Außenseiter Norwich

City in die Premier League aufgestiegen

war.Trybull hatte demVerein

ein kanariengelbes Trikot von

Norwich („die Canaries“) geschenkt.

Doch bevor der Aufstieg feststand,

mussten die Spieler die Gegenwehr

von TeBe brechen. Die

BERLIN-LIGA, 32. SPIELTAG

Sparta Lichtenberg kann anstelle des Nachbarnindie Oberliganachrücken. Der Klub wahrt

seine Chance auf den Aufstieg in die OberligaNordost.

5 Eintracht Mahlsdorf 32 68: 4356

6 SpVgg Hellas-Nordwest 32 63: 6449

7 SD Croatia Berlin 32 51: 6047

8 TSV Rudow 32 57: 6345

9 SV Empor Berlin 32 49: 5444

10 Türkiyemspor Berlin 32 50: 5040

11 Frohnauer SC 32 41: 5134

12 TuSMakkabi Berlin 32 45: 5233

13 FSV Spandauer Kickers 32 50: 7133

14 BSV Al-Dersimspor 32 42: 7333

15 Reinickendorfer Füchse 32 45: 6629

16 BFC Preussen 32 46: 7229

17 FSV Berolina Stralau 32 36: 6328

18 SC Charlottenburg 32 37: 7226

Gäste,die am 25. MaiimBerliner Pokalfinale

auf Viktoria 89 treffen, zeigten

lange die bessereSpielanlage.Sie

trainieren ja unter Profibedingungen.

Erst nach fast einer Stunde erlöste

Sebastian Reiniger mit einem

schönen Kopfball die 47er und

Christian Gawe schaffte nach 82 Minuten

das alles entscheidende 2:0.

Dann brachen alle Dämme. „Geil,

dass wir dabei waren“, schwärmte

ein Fan imüberfüllten Casino, wo

die Anhänger nach Abpfiff in dichten

Trauben am Tresen feierten.

Lichtenberg wird mit einem Etat

von rund 250 000 Euro in die Regionalliga

gehen und will mit dem Gros

der Mannschaft dort bestehen.

Punktuelle Verstärkungen soll es geben,

„aber wir werden keine abgehalfterten

Zweitligastars holen“,

kündigte Präsident Prüfer an. Kontinuität

wird weiter die Devise bei 47

sein. „Die Auflagen in der Regionalliga

sind enorm“, sagt Geschäftsführer

Henry Berthy. Bis 2021 soll eine

Flutlichtanlage entstehen und bald

entweder ein regionalligatauglicher

Kunstrasen oder ein neuer Naturrassen

in die Arena kommen. DerVerein

ist „alleiniger Hauptnutzer“ des

Zoschke-Stadions,das dem Stadtbezirkgehört.

Die Spieler, die alle einem Beruf

nachgehen oder studieren, feierten

lautstark in der Kabine, während

nebenan in der Pressekonferenz

TeBe-Trainer Dennis Kutrieb sehr

fair seinem Kollegen UweLehmann

gratulierte: „Ihr habt den Aufstieg

verdient und ihn euch hart erarbeitet.“

Lehmann, im Beruf Chef eines

Personaldienstleisters und Vater

von drei Kindern, dankte seiner

Frau („die muss es mit mir Fußballverrücktem

aushalten“) und Sportchef

Plötz. „Der ist vor allem dafür

verantwortlich, dass wir alle diesen

Tag erleben können.“ Bald trifft

Lichtenbergauf Teams wie den BFC

Dynamo,Lok Leipzig oder Rot-Weiß

Erfurt. „Ich freue mich auf jeden

Gegner“, behauptete Uwe Lehmann.

Dann erfuhr er, dass auch

Energie Cottbus –das Team war gerade

aus Liga drei abgestiegen –zu

den künftigen Kontrahenten gehört.

Der Trainer knapp: „Oh,

Wahnsinn!“

Michael Jahn

gönnt Lichtenberg 47 den

ersehnten Aufstieg.

Unterstützung vom Bäcker

Die Frauen des TTC Eastside holen im Finale gegen die DJK Kolbermoor den deutschen Meistertitel im Tischtennis zurück nach Berlin

VonMichael Jahn

Matilda Ekholm, der Nationalspielerin

aus Schweden, war es

am Sonntagabend vorbehalten, den

entscheidenden Punkt für den TTC

Eastside zu holen, der die deutsche

Meisterschaft sicherte und die Halle

in der Paul-Heyse-Straße in Prenzlauer

Berg zum Jubeln brachte. Die

36-jährige, immer sehr emotional

agierende Offensivspielerin, schlug

die Ukrainerin Katharina Michajlowa

mit 3:0-Sätzen. Schon zuvor

war Ekholm zur besten und nervenstärksten

Berliner Akteurin aufgestiegen.

Sie bezwang die Russin

Swetlana Ganina, eine Defensivspezialistin,

3:1 und gehörte mit Gina

Pota zum siegreichen Doppel. Ekholm

hielt –nach dem Triumph –

den Meisterpokal auch am längsten

umklammert und posierte für die

Fotografen. Doch der Reihe nach.

Fu Yu wechselt zu Eastside

Nach drei Stunden Spielzeit hatte

Eastside gegen den Titelverteidiger

und deutschen Pokalsieger DJK Kolbermoor

mit 6:3 gewonnen. Das

Hinspiel am zurückliegenden Freitag

war in Bayern nach einem dramatischen

Duell 5:5 ausgegangen.

Berlins Nina Mittelham, die sich in

Kolbermoor am Knie verletzte hatte

und dortein Spiel kampflos abgeben

musste, war von Spezialist Dr. Gunter

Frenzel in kurzer Zeit erfolgreich

Nervenstarkund erfolgreich: Eastsides

Schwedin Matilda Ekholm IMAGO IMAGES

rentermin wahrnehmen. Zwar versuchte

Kolbermoor noch, Liu Jia

nach Berlin einzufliegen, aber das

war am Ende nicht möglich.

So wurde Eastside in die Favoritenrolle

gedrängt, was nicht unbedingt

vonVorteil war.Zwar führte das

Team vonTrainerin Irina Palina nach

beiden Doppeln mit 2:0, aber danach

war irgendwie die Angst vor

dem Matchball zu spüren. Kolbermoor

wehrte sich tapfer vorden Augen

der Bundestrainerin Jie Schöpp.

Neben Ekholm gewannen auch Gina

Pota (gegen Kristin Lang), Nina Mittelham

(gegen Michajlowa und Ganina)

ihreEinzel.

TTC-Präsident Alexander Teichmann

war die Erleichterung anzusebehandelt

und wieder fit gemacht

worden.

Die erste Überraschung aber gab

es gestern schon nach der Ankunft

der Gäste. Ihre bekannteste Spielerin,

die Chinesin Liu Jia, die seit 1998

die österreichische Staatsbürgerschaft

besitzt und lange für Linz gespielt

hatte,fehlte.ImHinspiel hatte

die 37-Jährige das Doppel und ein

Einzel gewonnen. Die Europameisterin

von 2005 arbeitet bei einem

großen Bäckerei-Konzern in Linz,

der ausgerechnet am gestrigen Finaltag

ein großes Event veranstaltete.

DaLiu Jia Markenbotschafterin

für ihren Konzern ist, der auch auf

dem asiatischen Markt tätig ist,

musste sie den wichtigen Sponsohen.

„Das war ein hartes Stück Arbeit“,

sagte Teichmann,„aber nun ist

der Meisterpokal wieder da, wo er

hingehört–inBerlin.“

In der kommenden Saison wird

sich der nun fünfmalige deutsche

Meister personell breiter aufstellen.

Mit der gebürtigen Chinesin Fu Yu,

die seit 2013 die portugiesische

Staatsbürgerschaft besitzt, gelang

Manager Andreas Hain ein Coup auf

dem Transfermarkt. DieVizeeuropameisterin

im Einzel von 2016 unterschreibt

einen Einjahresvertrag.

Auch die aktuelle indische Meisterin

Achana Kamath wird das Berliner

Team verstärken. Auch der DJK Kolbermoor

kündigte schon namhafte

Zugänge an.


16 * Berliner Zeitung · N ummer 115 · M ontag, 20. Mai 2019

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Sport

Ein

paar Etagen

höher

Die Italiener triumphieren

bei den Super Finals in Berlin

VonKarin Bühler

Sonnabend, 12 Uhr, die italienische

Volleyballfeier war schon in

Gang: Auf dem Grünstreifen an der

Gaudystraße in Prenzlauer Berg hatten

Fans des Frauenteams vonImoco

Volley Conegliano zwei Grills aus ihrenWohnmobilen

gepackt. In gelben

Imoco-Trikots brieten sie Schweineschinken.

Auf dem Campingtisch lagen

eingelegte Zucchini. Wer sich

neugierig näherte,bekam –mille grazie

–einen Becher Aperol Spritz samt

Grillbrötchen in die Hand gedrückt.

La dolce vita bei den Super Finals

der Volleyball-Champions-League

setzte sich ein paar Meter weiter in

der ausverkauften Schmelinghalle

auf zauberhafte Weise fort: 9000 Zuschauer

wurden Teil einer Zelebration

aus Licht, Musik und Weltklasse-

Volleyball. Der europäische Verband

(CEV) hatte LED-Armbänder auf den

Plätzen verteilt und so funkelte es an

9000 Handgelenken in der abgedunkelten

Halle zu Laserlicht mal grün,

mal rot, mal lila. Unter den Zuschauern

saßen neben dem aktuellen Volleys-Coach

Cedric Enard auch die

früheren Trainer Roberto Serniotti

und Mark Lebedew.

Im rein italienischen Frauenfinale

bezwang Novara die Meisterinnen

aus Conegliano mit 3:1 (25:18, 25:17,

14:25, 25:22). Danach kamen die Volleyballer

vonMeister Cucine Luba Civitanova

und des russischen Titelverteidigers

Zenit Kasan über eine blaue

Brücke aufs Feld. Vomersten Punkt

an wurde deutlich: Dashier ist imVergleich

zur Volleyball-Bundesliga, zu

denTopspielen der BRVolleys,ein um

mehrereEtagen höheres Niveau.

Nachdem Kasan Satz eins gewonnen

hatte,drehte das italienische Ensemble

um den serbischen Kapitän

Dragan Stankovic und den Bulgaren

Cheese: Europas Könige und Königinnen

aus Civitanova und Novara. DPA/SOEREN STACHE

Tsvetan Sokolovauf, setzte die Russen

mit krachenden Aufschlägen unter

Dauerbeschuss: Osmany Juantorena

bewegte sich pumaartig immer dort,

wo er sein musste. Libero Andrea

Marchisio holte jeden Ball, Mittelblocker

Robertlandy „The Rock“ Simón

zerschmetterte Kasans Angriffe. Vor

jedem seiner gewaltigen Sprungaufschläge

ließ er den Ball sekundenlang

lang auf dem Mittelfinger rotieren.

Am Ende wirkte der 3:1 (16:25, 25:15,

25:12, 25:19)-Sieg der Italiener ebenso

leicht wie diese Übung.

„Hier sind die Besten der Besten“,

sagte Berlins Trainer Enard,„wenn du

das hier gesehen hast, ist es ein Ansporn,

hartzuarbeiten.“ Dauerchampion

Kasan war entthront, Civitanova

blieb in der Königsklasse unbesiegt.

Grüne Raketen, Feuerwerk, Goldfaden-Regen,

dazu: „Bella Ciao“. CEV-

Präsident Aleksandar Boricic sagte:

„Ich bin sehr zufrieden mit der Premiere

der Super Finals. Wir hatten

eine tolle Kooperation. Wenn Berlin

und der deutsche Verband unsere

Konditionen akzeptieren, bleiben wir

mit der Veranstaltung in Berlin.“ Robertlandy„The

Rock“ Simón fand:„Es

war ein Spektakel hier. Eine wunderschöne

Lichtershow, eine prima Organisation.

Die Super Finals können

gern weiter in Berlin bleiben. Hauptsache,wir

sind wieder dabei.“

Der Salto kommt später

Alba überrollt Ulms Basketballer zum Start der Play-offs –und hofft auf die Rückkehr von Spielmacher Siva

VonChristian Kattner

Eigentlich hatte er ja einen

Salto nach seinem nächsten

Korb versprochen. Gut,

das war sicher im Spaß gemeint,

doch konnte sich TimSchneider

an diesen Satz erinnern. Die Sache

mit dem Wurf zur 18. Donut-

Runde der Saison hatte Alba Berlins

Flügelspieler dagegen nicht auf dem

Schirm. „Ich hatte das gar nicht im

Kopf“, sagte Schneider zu seinem

Wurf zum 101:73. Donuts (für die

dreistelligen Punktzahl) statt Salto –

seinen Kollegen wird esrecht sein.

107:78 besiegte Alba Ulm imersten

vonmaximal fünf Play-off-Spielen.

Eine klare Angelegenheit war das

und für Tim Schneider eine Premiere.

Nachdem er sich im vergangenen

Jahr kurzvor Ende der Hauptrunde

verletzt hatte,durfte er mit einem

Jahr Verspätung seine erste

Play-off-Partie absolvieren. „Es hat

mega viel Spaß gemacht, es ist eine

ganz andere Atmosphäre. Man

merkt, dass die Jungs im Training

und im Spiel noch mehr Gasgeben“,

sagte der Power Forward.

EinTeamkollege hatte es mit dem

Gasgeben ausgerechnet im letzten

Training etwas übertrieben. Peyton

Siva war wenige Minuten vor dem

Ende der Abschlusseinheit mit dem

linken Fußumgeknickt und blieb am

Sonnabend Zuschauer. Der Unmut

darüber stand dem Aufbauspieler

ins das Gesicht geschrieben. „Wir

wissen nicht genau, wann er wieder

dabei sein kann. Wäre ich Hellseher,

hätte ich die Einheit drei Minuten

früher beendet“, sagte Trainer Aito

Garcia Reneses nach der Partie.

Regisseur ohne Krücken

Neun lange Jahre

Die Füchse unterliegen Kiel im EHC-Cup-Finale

Für die Füchse Berlin ist der THW

Kiel endgültig zum Alptraum geworden.

Nach der Halbfinal-Niederlage

im nationalen Pokal verloren die

Berliner Handballer auch das Endspiel

im EHF-Pokal gegen den Angstgegner

und verspielten durch das

22:26 am Sonnabend auch die letzte

Titelchance.„Ichbin es wirklich leid,

immer gegen Kiel zu verlieren.

In den vier Jahren,

die ich hier bin, haben wir

nie gegen sie gewonnen“,

sagte der Isländer Bjarki

Elisson, der mit sechs Toren

bester Berliner Werfer

war, frustriert. Damit

Muss jetzt Donuts kaufen: TimSchneider übertrifft die 100-Punkte-Marke.

setzte sich die traurige Bilanz

des Berliner Handball-Bundesligisten

gegen

Kiel fort. Vorneun Jahren

gab es den bislang letzten Sieg.

Mitder Final-Niederlage verpassten

die Füchse zunächst einen internationalen

Startplatz. Diesen müssen

sie sich nun in der Liga sichern.

„Das ist die Aufgabe für die restlichen

Spiele“, forderte Geschäftsführer

Bob Hanning. Nach dem EHF-

Triumph der Kieler würden Platz

fünf, nach Angaben Hannings auch

Rang sechs reichen. Melsungen, der

Bergische HC und die Füchse kämpfen

um diese Plätze und liegen nach

Punkten gleichauf. Die Berliner haben

zwar die beste Tordifferenz,

empfangen aber noch die Rhein-Neckar

Löwen und müssen zu Tabel-

DPA/FRANK MOLTER

lenführer Flensburg-Handewitt.

„Wir haben das schwerste Programm“,

warnte Hanning.

Der Traum von der Titelverteidigung

im EHF-Pokal zerschlug sich.

„Natürlich sind wir enttäuscht. Man

kämpft schließlich über

Monate, umins Finale zu

kommen“, gestand Trainer

Velimir Petkovic.Und doch

mussten die Berliner anerkennen,

dass sie gegen den

Favoriten chancenlos waren.

„Um hier zu gewinnen,

musste alles passen.

Frustriert: Bjarki Das war bei uns nicht der

Mar Elisson Fall. Wir haben verloren

gegen einen besseren und

stärkeren Gegner. Deswegen fällt es

uns leichter diese Niederlage zu akzeptieren“,

sagte Petkovic. AmEnde

fehlte den Füchsen gegen Kiel die

Energie.„DasschwereSpiel im Halbfinale

gegen Portohat uns richtig viel

Kraft gekostet. Kiel war spritziger

und schneller und wir haben zu viele

Fehler gemacht“, sagte Petkovic.

Auch wenn sich die Berliner in der

zweiten Hälfte steigernkonnten. Der

Einsatz stimmte. „Wir können noch

in den Spiegel schauen“, sagte deshalb

Manager Hanning. (dpa)

IMAGO IMAGES

Immerhin lief Siva ohne Krücken,

kein Humpeln, ein einseitiges Belasten.

Bei Alba hoffen alle, dass der

Point Guard nicht ein drittes Mal in

dieser Saison länger ausfällt. Auch

wenn die Berliner am Sonnabend

gegen Ulm Sivas Fehlen sehr gut

kompensierten. Derrick Walton

führte gekonnt Regie, brachte es am

Ende auf elf Punkte und zwölf Assists.

Sechs seiner Vorlagen für die

Teamkollegen hatte der Winter-Zugang

bereits in seinen ersten knapp

sieben Minuten Einsatzzeit verteilt.

Zudem zeichnete sich der US-

Amerikaner durch kluge Entscheidungen

aus, nahm keine wilden

Würfe, sondern hochprozentige Abschlüsse.

Von der Freiwurflinie und

bei seinen Zweiernblieb Walton perfekt,

zudem traf er einen seiner zwei

Dreierversuche. Und: Dem Aufbauspieler

unterlief lediglich ein Ballverlust

in fast 23 Minuten Einsatzzeit.

„Das ist ein Qualitätsspieler,woman

so langsam merkt, dass er die Dinge

verinnerlicht hat. Die Laufwege, die

Systeme, das sind Entscheidungen,

die in ganz kurzerZeit getroffen werden

müssen“, sagte MarcoBaldi.

Einerster Schritt

Albas Geschäftsführer und Sportdirektor

Himar Ojeda dürfen sich in ihrerEntscheidung,Walton

im Februar

nachverpflichtet zu haben, erneut

bestätigt gefühlt haben. „Man sieht

jetzt, wie wichtig es ist, dass wir Qualitätsspieler

geholt haben“, sagte

Baldi. Aber:„Wirwerden Peyton Siva

dringend brauchen, wenn wir weiterkommen

wollen.“

Im Duell mit Ulmhaben die Berliner

einen ersten Schritt gemacht.Vor

allem die Art und Weise dürfte Eindruck

beim Gegner hinterlassen haben.

Zu keinem Zeitpunkt ließen die

Gastgeber Zweifel daran aufkommen,

dass sie dieses erste Spiel gewinnen

wollen. „Wir hatten jetzt die

ganzeWoche Zeit, um uns vorzubereiten.

Mental und körperlich. Wir

waren alle mega heiß auf das Spiel“,

sagte TimSchneider.

Thorsten Leibenath, Ulms Trainer,

bezeichnete das als Play-off-

Härte. Die bekam er von seinem

Team nur phasenweise. Imzweiten

Viertel, das nur knapp mit 27:31 verloren

oder im dritten Abschnitt, der

mit 22:22 ausgeglichen gestaltet werden

konnte.Alba Berlin aber erhöhte

die Schlagzahl, wenn es sein musste

und vergrößerte den Vorsprung kontinuierlich.

Leibenath war auch deshalb

unzufrieden, sah, dass sein

Team sich gerade im Schlussabschnitt

seinem Schicksal ergab und

das Kämpfen einstellte.

Auch deshalb kam TimSchneider

erst in die Situation, dass er mit seinem

Dreier die Hundert-Punkte-

Marke knacken konnte. Die Runde

Donuts, seine zweite in dieser Saison,

kann er gleich am Montag zur

Reise nach Ulm mitbringen. Dort

geht es bereits am Dienstag mit Spiel

zwei der Serieweiter.

Die Reaktion stimmt

Bei der Eishockey-WM verliert Deutschland gegen die USA

Die deutschen NHL-Profis waren

erleichtert, diesmal hatte sie

keinen Grund, sich zu schämen.„Wir

haben Charakter gezeigt und zurückgeschlagen“,

sagte Dominik Kahun

nach dem achtbaren 1:3 (1:1,

0:0, 0:2) gegen die USA bei der Eishockey-WM

in der Slowakei. Verteidiger

Korbinian Holzer

sprach von einer „wichtigen

Reaktion“ auf das 1:8-

Debakel 24 Stunden zuvor

gegen Kanada: „Wir haben

gezeigt, dass wir mit den

Großen mithalten können.“

Dass es nicht zur

Überraschung reichte, lag

an der individuellen Klasse

der Amerikaner, die auch

das deutsche NHL-Trio

Leon Draisaitl, Kahun und Holzer

nicht stoppen konnten. Dennoch

gab die Leistung im sechsten WM-

Spiel der Mannschaft Selbstvertrauen

–für das letzte Gruppenspiel

am Dienstag (12.15 Uhr/Sport1) gegen

Finnland, dem nächsten scheinbar

übermächtigen Kontrahenten.

„Wir müssen immer härter arbeiten

als der Gegner“, formulierte Kahun

das Rezept, das gegen den zweimaligenWeltmeister

zum Erfolg führen

soll. Deutschland braucht die

Punkte: Bei einer weiteren Niederlage

droht ein Viertelfinalduell gegen

Rekordweltmeister und Olympiasieger

Russland.

Beinahe hätte sich die Auswahl

des Deutschen Eishockey-Bundes

(DEB) bereits gegen die USA belohnt,

doch das zweiteTurniertor des

Kölners Frederik Tiffels (12.) reichte

vor6293 ZuschauerninKosice nicht

zum Sieg. Die Mannschaft

von Bundestrainer Toni

Söderholm rutschte nach

Gegentreffern von James

van Riemsdyk (14.), Dylan

Larkin (51.) und Jack Eichel

(57.) in der Gruppe Aauf

GETTY IMAGES/MARTIN ROSE

Tabellenplatz vier.

Kapitän Moritz Müller

Fokussiert: hatte nach der Kanada-

Korbinian Holzer Pleite auf einen Weckruf

gehofft –Draisaitl und Co.

reagierten eindrucksvoll. Sie begannen

aggressiver und zweikampfstärker.

Die slowakischen Fans feuerten

sie mit Deutschland-Rufen an und

jubelten beim Führungstor durch

Tiffels.Nur bei einem deutschen Sieg

hätte der Gastgeber noch eine

Chance auf die K.-o.-Runde gehabt.

Deutschland hingegen hat mit der

vorzeitigen Viertelfinalteilnahme die

direkte Qualifikation für Olympia

2022 perfekt gemacht. „Das ist ein

riesiger Meilenstein“, sagte DEB-

Präsident Franz Reindl, „und bringt

Planungssicherheit“. (sid)

NACHRICHTEN

Hertha verlängertmit

Ibisevic und Mittelstädt

FUSSBALL. Hertha BSC hat die ersten

Personalentscheidungen für die neue

Saison getroffen. Derbelgische Nationalspieler

DedryckBoyata, 28, ist die

ersteVerpflichtung. DerAbwehrspieler

kommt vonCeltic Glasgownach

Berlin. Dasverkündete Manager Michael

Preetz am Sonntag. Zudem verlängertHertha

dieVerträge vonKapitänVedad

Ibisevic (um ein Jahr) und

Maximilian Mittelstädt.

Energie Cottbus fehlt ein

Torzum Klassenerhalt

FUSSBALL. Nach dem Abstieg aus

der Dritten Liga herrscht beim FC

Energie Cottbus große Leere. „Wir

sind alle unfassbar enttäuscht. Viele

Tränen sind geflossen“, sagte Trainer

Claus-DieterWollitz, 53.Wegen eines

fehlenden Toresmüssen die Lausitzernach

dem 1:1 bei Eintracht

Braunschweig nach nur einem Jahr

den Gang zurück in die Regionalliga

Nordost antreten. Wollitz, auf den

sich beim FCE fast alles fokussiert,

erklärte konsterniert: „Ich weiß

nicht, ob der Club nochmal die Voraussetzungen

hat, erneut eine Aufbruchsstimmung

wie vordreiJahren

zu erzeugen. Wollitz forderte: „Energie

Cottbus muss jetzt für sich festlegen:

Will der Verein zurück in den

Profifußball? Miteinem Etat von

800 000 Euro wirddas nicht möglich

sein. Du brauchst einen Etat von

zwei bis 2,5 Millionen Euro –nur für

die erste Mannschaft.“ So viel Geld

ist derzeit allerdings nicht in Sicht.

Auch die Zukunft des Coaches bei

Energie ist bislang noch offen.

FUSSBALL

Dritte Liga, 38. Spieltag

Karlsruher SC−Hallescher FC 2:3

FSV Zwickau −SCPreußenMünster 2:0

Fortuna Köln −SGSonnenhof Großaspach 0:2

FC CarlZeiss Jena −TSV 1860 München 4:0

1. FC Kaiserslautern−SVMeppen 4:2

Sportfreunde Lotte −Würzburger Kickers 1:2

VfL Osnabrück−SpVgg Unterhaching 1:4

KFC Uerdingen 05−SVWehen Wiesbaden 2:3

VfR Aalen −FCHansa Rostock 1:1

Eintracht Braunschweig −Energie Cottbus 1:1

1VfL Osnabrück 38 56: 31 76

2 Karlsruher SC 38 64: 38 71

3 SV Wehen Wiesbaden 38 71: 47 70

4 Hallescher FC 38 47: 34 66

5 Würzburger Kickers 38 56: 45 57

6 FC Hansa Rostock 38 47: 46 55

7 FSV Zwickau 38 49: 47 52

8 SC Preußen Münster 38 48: 50 52

9 1. FC Kaiserslautern 38 49: 51 51

10 SpVgg Unterhaching 38 53: 46 48

11 KFC Uerdingen 05 38 47: 62 48

12 TSV 1860 München 38 48: 52 47

13 SV Meppen 38 48: 53 47

14 FC CarlZeiss Jena 38 48: 57 46

15 SG Sonnenh. Großasp. 38 38: 39 45

16 Eintracht Braunschweig 38 48: 54 45

17 Energie Cottbus 38 51: 58 45

18 Sportfreunde Lotte 38 31: 46 40

19 Fortuna Köln 38 38: 64 39

20 VfR Aalen 38 45: 62 31

RegionalligaNordost, 34. Spieltag

Rot-Weiß Erfurt−Berliner FC Dynamo 2:0

VSG Altglienicke−Wacker Nordhausen 2:4

FSV Budissa Bautzen −ZFC Meuselwitz 1:2

1. FC Lok Leipzig −FCOberlausitz 1:2

Chemnitzer FC−Bischofswerdaer FV 7:0

Optik Rathenow−HerthaBSC II 2:2

Berliner AK 07 −Viktoria 89 Berlin 2:0

VfB Auerbach−SVBabelsberg 03 1:0

Germania Halberstadt−Union Fürstenwalde 4:0

1Chemnitzer FC 34 82: 36 77

2 Berliner AK 07 34 64: 36 70

3 Wacker Nordhausen 34 59: 38 64

4 Hertha BSC II 34 60: 43 57

5 Rot-Weiß Erfurt 34 57: 42 54

6 1. FC Lok Leipzig 34 51: 41 50

7 SV Babelsberg 03 34 53: 44 46

8 Germania Halberstadt 34 46: 38 46

9 VfB Auerbach 34 47: 53 46

10 ZFC Meuselwitz 34 52: 55 44

11 Viktoria 89 Berlin 34 50: 38 43

12 Berliner FC Dynamo 34 38: 61 42

13 Union Fürstenwalde 34 43: 60 40

14 VSG Altglienicke 34 54: 59 39

15 FC Oberlausitz 34 40: 64 37

16 Bischofswerdaer FV 34 29: 58 34

17 Optik Rathenow 34 36: 65 28

18 FSV Budissa Bautzen 34 21: 51 26


Berliner Zeitung · N ummer 115 · M ontag, 20. Mai 2019 17 *

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Sport

Gottes Werk und Kovacs Beitrag

Dass Franck Ribéry und Arjen Robben in ihrem letzten Bundesligaspiel für den FC Bayern treffen, sorgt für ein Happy End der Saison und die 29. Meisterschaft

VonMaik Rosner,München

Uli Hoeneß sprach von

Hollywood und sogar

von Gott als Regisseur.

Auch Niko Kovac zog

Quervergleiche zu Filmen aus der

Traumfabrik, zu Drehbüchern, die

zwar überzeichnet sind, aber auch

deshalb das Herz vieler so wärmen,

weil sie eigentlich zu schön sind, um

wahr zu sein. „Das kann man nicht

besser inszenieren, das kann man

nicht besser schreiben“, befand der

Trainer, nachdem Präsident Hoeneß

gemutmaßt hatte, dass „irgendeiner

da oben“ Autor dieses Rührstücks

gewesen sein musste.

Trainer als Randfigur

Wenn Manuel Neuer lächelt und Franck Ribérydie Meisterschale zum siebten Mal in Serie in die Luft recken darf, kann die Saison so schlecht nicht gewesen sein.

Es gab einige, die nach dem Gewinn

des siebten Meistertitels in Serieund

des 29. der Münchner insgesamt die

überbordenden Emotionen beim

letzten Bundesligaspiel von Franck

Ribéry und Arjen Robben samt ihrer

Abschiedstoreals perfekte Komposition

einstuften. Auch später noch,

auf der kleinen Meisterfeier am

Nockherberg, auf der allerdings erneut

jene Spannungen deutlich wurden,

die große Teile der Saison geprägt

hatten. Wie durch Jérôme

Boatengs Fehlen bei der Party. Oder

wie durch Kovac als Randfigur,die er

schon bei den Feierlichkeiten in der

Arena abgegeben hatte. Einig waren

sich die Münchner darin, dass ein

Hollywoodregisseur „das Spiel so gemacht

hätte wie heute“ (Hoeneß),

auch auf den Verdacht hin, ein bisschen

zu tief in die Kitschkiste gegriffen

zu haben. Undpassten die Pointen

des Ligafinals nicht gerade deshalb

so gut zu dieser Saison des FC

Bayern, weil dieser dem alten Image

vom FCHollywood im ersten Amtsjahr

Kovacs so nahe gekommen war?

Dieabschließenden Pinselstriche

fügten sich einerseits ins Gesamtbild.

Sie standen diesem aber auch

entgegen, weil es ja oft von Kampf

geprägt war,von internen Dissonanzen,

Spielerkritik am Trainer, durchgesteckten

Interna, vomschwierigen

Umbruch und der Dauerdebatte um

Kovac und dessen Vorgaben. Doch

beim 5:1 (1:0) gegen Eintracht Frankfurt

und nach der erfolgreichsten

Rückrunde der Vereinsgeschichte in

der Liga fand zumindest dieser

Handlungsstrang ein Happy End,

eine Woche vor dem Pokalfinale gegen

RB Leipzig. Spätestens nach den

Toren von Kingsley Coman (4.), David

Alaba (53.) und Renato Sanches

(58.) sowie dem zwischenzeitlichen

Ausgleich vonSébastien Haller (50.).

Ribéry, 36, wurde nach gut einer

Stunde eingewechselt, ehe er nach

einem Dribbling zwischen David

Abraham und Danny da Costa hindurch

mit einem kunstvollen Lupfer

über Torwart Kevin Trapp hinweg

traf (72.). Hoeneß brach auf der Tribüne

umgehend in Tränen aus,

sprach später von einem „Wahnsinnstor“.

Ribéry, mit neun Meistertiteln

nun Rekordhalter, hatte schon

davor geweint und schluchzte auch

später mehrmals,als er den Fans zurief:

„Ich liebe euch.“ Auch Robben,

35, traf noch (78.), wie Ribéryelf Minuten

nach seiner Einwechslung.

Zwar nicht so hübsch, aber für ihn

natürlich ebenso wertvoll.

DPA/DONATO

Kovac hatten auf der Pressekonferenz

nach dem Spiel wenige Sätze

genügt, um die Höhen und Tiefen

der Saison mit persönlichem Einschlag

zusammenzufassen. „Wir haben

Großes geleistet. Ichweiß nicht,

ob es so eine Aufholjagd schon einmal

gegeben hat“, erinnerte er an die

zwischenzeitlich neun Punkte Rückstand

auf den damaligen Tabellenführer

Borussia Dortmund. „Ich bin

total happy, ich bin total ausgelaugt“,

sagte Kovac weiter und ließ bei seinem

Dank für die Sprechchöre der

Fans zu seinen Ehren abermals erkennen,

wie sehr dieses Jahr mit dem

andauernden Zweifeln an seinen Fähigkeiten,

vor allem nach dem Aus

im Achtelfinale der Champions

League, anihm genagt hat. Die Unterstützung

der Anhänger sei nun

einfach schön, sagte er, „wenn man

Anerkennung bekommt, vielleicht

auch Trost“. Wohlgemerkt nach seinem

ersten Meisterstück als Trainer

und als Zweitem überhaupt nach

Klublegende Franz Beckenbauer,

dem das zuvor als Spieler und Coach

mit dem FC Bayern gelungen war.

Fehlende Bekenntnisse

Kovac hat dann noch seiner Überzeugung

Ausdruck verliehen, die

Mannschaft in der kommenden Saison

weiterhin anleiten zu dürfen. Er

habe „Informationen aus erster

Hand“, sagte er und verwies auf Gespräche

mit seinen drei Chefs. Sehr

gewiss klang das, doch weder der

ihm gewogene Hoeneß noch der

Vorstandsvorsitzende Karl-Heinz

Rummenigge oder Sportdirektor Hasan

Salihamidzic wollten bestätigen,

was Kovac andeutete, als er sagte:

„Wenn man redet, hört man schon

raus,inwelche Richtung es geht. Ich

glaube schon, dass ich das richtig interpretierthabe.“

Er gehe davon aus,

seinen Vertragbis 2021 „hoffentlich“

erfüllen zu dürfen. Doch erst nach

dem Pokalendspiel am Sonnabend

in Berlin gegen Leipzig dürfte klar

werden, ob all der Kitsch beim Ligafinale

nicht vielleicht zu schön war,

um wahr zu sein. Fürs gesamte

Drehbuch dieser Saison.

Meinen Ausbildungsplatz habe ich

auf azubis.de gefunden!


18 * Berliner Zeitung · N ummer 115 · M ontag, 20. Mai 2019

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Sport

Er ist dann mal weg

PalDardai wollte dieses Ende nicht. Er forderte mehr Zeit und Geduld bei der Spielerentwicklung,erwar ein Freund kleiner Schritte. Hertha reichte das nicht mehr.Der Abschied gerät eher kühl.

DPA/KAY NIETFELD

Es gab viele letzte Male für Pal Dardai.

Viele Gelegenheiten, seinem

Abschied den richtigen Tonzugeben,

das passende Bild, einen versöhnlichen

Subtext. Also etwas, das bleibt,

und etwas,andas er anknüpfen kann, wenn

seine zwangsverordnete Schaffenspause im

kommenden Sommer zu Ende geht. Oder:

falls Dardai überhaupt wiederkommt. So sicher

ist das ja nicht.

Dardais letzte Nahfanerfahrung fand am

vergangenen Dienstag im Stadion Wilmersdorf

statt, nach dem öffentlichen Kieztraining,

als Autogrammjäger und Selfieschützen

einen innigen Kreis um den Cheftrainer

vonHertha BSC schlossen. Um ihren Pal, den

Rekordspieler,die Klublegende,Ikone,Identifikationsfigur.

Die Fußballwelt neigt zu

Überhöhungen. Überhöhte Gefühle verkaufen

sich nun mal am besten.

Dardai unterschrieb auf Bällen, Trikots,

Stickeralben, gerahmten Porträtbildern. Ein

schwungvoller Bogen, zwei oder drei spitze

Hacken. „Du warst immer der Beste“, sagte

ein Mann um die sechzig. „Als Spieler, Trainer

–und als Mensch.“ Dardai nickte höflich,

knipste ein Lächeln an, ohne aufzublicken.

Dann noch ein Selfie, noch ein Autogramm,

diesmal auf einer ungarische Fahne, die Vater

und Tochter ihm entgegenstreckten, darauf

mit dicken, schwarzen Lettern: „Danke

Pal, erhol dich.“

Nach einer Viertelstunde verließ Dardai

den Fankreis,schlängelte sich an großen und

kleinen Trikotträgern vorbei, stieg in den

Mannschaftsbus und nahm seinen Platz ein,

wie immer vornelinks,amFenster,woerauf

Kopfhöhe in Spiegelschrift lesen konnte:

„Die Zukunft gehörtBerlin“.

Hertha hat ambitionierte Pläne. Dardai

gehörterst mal der Vergangenheit an.

Macho und Männerfußball

Vorfünf Wochen hat Pal Dardai, 43, sich einen

kurzen Moment der Schwäche erlaubt;

und der Öffentlichkeit dadurch einen seltenen

Einblick in sein Innerstes gewährt. Aber

vielleicht, wer weiß das schon so genau, war

auch ein bisschen Show dabei, hier ein listig

konstruierter Vorwand, dort eine passende

Legende, die er nun mal brauchte, umohne

tiefere Imagekratzer aus dieser Sache herauszukommen.

Es war jedenfalls das letzte Mal, dass Dardai

offen über seine Gefühle sprach. Unddas

vor all den Reportern, die doch mitschuldig

waren an seiner Entlassung. So sieht er das.

DIE Medien, als gäbe es sie nur im Plural,

würden die Meinungen manipulieren, sagte

er regelmäßig. Die Medien seien Schlangen.

Er habe ihnen den Giftzahn gezogen.

Zwei Tage waren seit der Ankündigung

von Dardais Entlassung für Ende Juni vergangen,

der Nochtrainer saß im Medienraum

auf dem Klubgelände, genau dort, wo

alles begonnen hatte im Februar 2015. Mikrofon,

Getränkeflaschen, bunte Sponsorenwand.

Augen zu strengen Sehschlitzen. Den

Mund zu einer schmalen Linie gepresst.

Viereinhalb Jahre lang war Pal Dardai Cheftrainer von Hertha BSC.

Er hat den Klub vor dem Abstieg bewahrt und in den Europapokal geführt.

Doch dann hat er sich verrannt. Er war nicht mehr offen für Kritik.

Am Wochenende hat sich Dardai von Fans und Vereinsmitgliedern

verabschiedet. Er macht jetzt ein Jahr Pause,

um sich zu erholen und fortzubilden. Ob er wirklich zurückkommt?

Dardai gestand, dass er müde sei, erschöpft

und letztlich auch erleichtert über

das Ende.Und das war schon außergewöhnlich

für einen bekennenden Macho, der daheim

immer ein warmes Essen auf dem Mittagstisch

fordert, und für einen Trainer, der

seinen Spielernnicht Fußball, sondernMännerfußball

abverlangt.

Es ist ein Ende,das Dardai nicht wollte,zu

dem er von Michael Preetz mit immer mehr

Nachdruck gedrängt werden musste. Der

Trainer forderte mehr Zeit und Geduld bei

der Spielerentwicklung, er war ein Freund

kleiner Schritte, ein Realist, seine Mannschaft

eine „kleine und fleißige“.

DerManager sah mehr Stagnation als Stabilität

und einen Mann an der Linie, der in

den vergangenen Monaten kaum noch zugänglich

war für Kritik, beratungsresistent,

hieß es. Noch am Tagvor seiner Entlassung,

nach fünf Niederlagen in Serie, war Dardai

voller Trotz und Zuversicht, er spüredas Vertrauen

des Vereins, sagte er, niemand habe

mit ihm über eine Trennung gesprochen. Die

von Hertha verbreitete Abschiedsfloskel

„einvernehmlich“ sollte man also auch in

diesem Fall nicht glauben.

Dardai hatte schon immer eine sehr eigene

Sicht auf die Dinge, und es war ihm

auch egal, dass niemand es ähnlich sah. Im

August 2001 erzählte er in einem Interview

mit dem Tagesspiegel: „Ich habe ein Tor

mehr gesehen als alle anderen. Da war noch

ein Treffer von Puskas, bloß hat der Linienrichterdie

Fahne gehoben. Daswar kein Abseits.“

Deutschland hat also nicht 3:2 gegen

Ungarngewonnen bei der Weltmeisterschaft

1954? „Genau. Für mich ist das Spiel 3:3 ausgegangen.“

Es muss anstrengend sein, immer

rechthaben zu wollen.

Er brauche jetzt eine Pause, sagte Dardai

auch noch, Zeit für die Familie, erfreue sich

auf einen langen Urlaub am Balaton. Sein

Haus, sein Boot, der Wein. Und erkündigte

an, sich ein Jahr lang fortbilden zu wollen.

Dasmachen Trainer so,seit PepGuardiola

nach seinen Massenerfolgen mit dem FC

VonPaul Linke

Barcelona ein Sabbatical einlegte. Kumpel

Thomas Tuchel machte es ihm nach, als Borussia

Dortmund ihm die Zusammenarbeit

aufkündigte.Und Zinédine Zidane,der dreimal

die Champions League mit Real Madrid

gewann und danach erst mal das Weite

suchte.Guardiola, Tuchel,Zidane–und Dardai.

Die ganz Großen der Branche –und einer

der Größten bei Hertha.

„Das Schönste waren die

letzten vier Wochen, als

die Medien uns in Ruhe

gelassen haben. Sogar

meine Frau hat gesagt:

Du brauchst keine

Pause, dusiehst

wieder gut aus.“

PalDardai spricht im gut besetzten Medienraum

über die letzten Tage seiner Amtszeit als

Cheftrainer von Hertha BSC.

Nach seinem öffentlichen Schwächeanfall

hat Dardai keine weitere Innenansicht

zugelassen, hat nichts mehr gefühlt, nichts

mehr gespürt. Behauptete er jedenfalls bei

jeder Gelegenheit. Auch nichts bei seinem

Abschiedsspiel am Sonnabend, das mit einem

1:5 gegen BayerLeverkusen endete.

Als es endlich vorbei war, stand Dardai

vorder Ostkurve im Olympiastadion: ein Mikrofon

in der Hand, eine knappe Dankesrede,eine

halbe Ehrenrunde,Tränenglanz in

den Augen. Später sagte er trotzdem: „Ehrlich,

Männer, ich spüre nichts, esist nichts

Besonderes für mich.“

Einen Sieg hatte sich Dardai natürlich

schon gewünscht zum Abschied. Er wollte ja

wenigstens auf Tabellenplatz zehn ins Ziel

kommen. Und dann wurde es doch wieder

so ein mieses Saisonfinale,letztlich Platz elf –

aber immerhin kein 2:6 wie in den vergangenen

beiden Jahren.

Dieses Spiel hatte noch einmal alles, was

die gesamte Saison auch hatte: mehr Tiefen

als Höhen, weniger Durchdachtes als schier

Zufälliges. Dardai ließ wieder ein System

spielen, an das sich nicht nur seine Spieler,

sondern auch ihre Gegenspieler gewöhnt

haben. Diese sportliche Entwicklung war ein

Hauptargument für die Entlassung des Trainers.Erselbst

war meistens zufrieden.

Für einen, der nichts mehr fühlte, nichts

spürte,war Dardai dann doch zu verhaltensauffällig

am Sonnabend. Immer wieder trieb

ihn der Ärger über Fehlpässe oder falsche

Läufe in die Ecke seiner Coaching Zone, immer

wieder ließ er seine Arme durch die Luft

fliegen, manchmal faltete er die Hände zum

Gebet. Erst nach dem dritten Gegentor wurden

seine Bewegungen ruhiger, seine Sitzzeiten

länger.

Nach dem Abpfiff umarmte er seine Trainerbanknachbarn,

betrat den Rasen und

musste erst mal dieses blaue Tapestück loswerden,

das herrenlos herumlag und sich an

Dardais Schuh geheftet hatte.Dann herzte er

links,erherzte rechts,bedankte sich bei den

Schiedsrichtern. Mankann Dardai so einiges

vorwerfen, aber eine Sache bestimmt nicht:

dass er angeschimpft hat gegen falsche Entscheidungen.

Sein Abschied als Spieler, imMai 2012,

war emotionaler, viel ausgelassener; Hertha

hatte das Zweitligajahr als Meister abgeschlossen.

Über der Ostkurve spannte eine

riesige Choreografie mit Dardais Konterfei,

über die Stadionboxen schepperte „Friends

will be friends“ von Queen. Ineiner Songzeile

heißt er: „Doctors on strike what you

need is arest.“ Die Ärzte sind sich einig, du

brauchst eine Pause. Das Sprunggelenk

schmerzt Dardai noch heute.

Damals trug er seinen jüngsten Sohn

Bence auf den Schultern. Das hatte Preetz

empfohlen. So hätte er Halt, für den Fall, dass

es wackelig werden sollte auf den letzten Meternseiner

Karriere. Es war ein guter Rat.

Am Sonnabend hatten die Ultras eine

Sammelbotschaft mitgebracht. „In euch

fließt blaues Blut, danke Pal und Fabian“

stand in der Kurve. DieAbschiedsparty war ja

eine geteilte. Nach zwölf Jahren hatte auch

Fabian Lustenberger seinen letzten Auftritt

für Hertha. Noch einmal als Kapitän, bevor er

sich ab Juli den YoungBoysBernanschließt.

Als die Niederlage gegen Leverkusen besiegelt

war, warf Lustenberger die Binde auf

den Rasen. Sauer über dieses Ende. Auch er

wollte unbedingt gewinnen. Später sagte er:

„Es wirdein paar Wochen dauern,bis ich begreife,

dass es zu Ende ist.“ Die Mannschaft

trug T-Shirts mit seiner Rückennummer 28

und der Aufschrift„Danke,Lusti“. IhrenTrainer

bedachte sie mit keiner besonderen Aufmerksamkeit

im Stadion.

Nursiebzig Sekunden zum Abschied

Am Sonntag, gezeichnet von einer kurzen

Nacht, erschienen alle in der Messehalle 11,

erstmals fand die Mitgliederversammlung an

einem Morgen statt. Auch Dardai trug leichte

Augenringe zum dunklen Anzug. Auf der

Bühne bekam er vonPreetz die Armbanduhr,

die er sich gewünscht hatte als Abschiedsgeschenk.

Seine Abschiedsrede dauerte nur

siebzig Sekunden. „Nie wäre ich hier viereinhalb

Jahre gewesen“, sagte Dardai, „ohne die

Unterstützung der Fans.“ Für einen Vertreter,

der bildhaften Sprache, der seine Metaphern

aus derTierwelt schöpft oder aus dem Bereich

Gartenarbeit („Wenn du kleine Bäume pflanzt

und willst im nächsten Jahr einhundert Kilo

Obst runterholen, ist das unmöglich“), war

das schon enttäuschend. Der Applaus für

Lustenberger, der sich mehr Gedanken über

seine finalen Worte gemacht hatte, dauerte

länger,erwar auch wärmer.

Am vergangenen Donnerstag hatte Dardai

wieder so eine Gelegenheit, seinem Abgang

einen Ton, ein Bild oder irgendeinen

Subtext zu geben. NiezuseinerAmtszeit warenmehrStühle

belegt im Medienraum.

Nach viereinhalb Jahren, fragte irgendwann

ein Reporter,was seidenn das Positive,

das er mitnehmen würde?

Dardai holteweitaus,stelltenoch einmal

klar,dassersich nicht selbst angeboten hatte

damals im Februar 2015, als Hertha wie ein

sicherer Absteiger aussah und noch mehr

wie einer spielte. Ersei auserwählt worden.

Unddannsagte er:„DasSchönste waren die

letzten vier Wochen, als die Medien uns in

Ruhe gelassen haben, das war traumhaft. Sogar

meine Frau hatgesagt: Du brauchst keine

Pause,dusiehst wieder gut aus.“

Paul Linke

wünscht PalDardai trotz allem einen

erholsamen Urlaub.


Berliner Zeitung · N ummer 115 · M ontag, 20. Mai 2019 19 *

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Sport

VfL Wolfsburg

BUNDESLIGA

Werder Bremen

Überm Zaun hängen?

Lieber nicht!

Wolfsburg ist kein

schlechter Ort, um

festgefahrene Trainerkarrieren

wieder in Schwung zu

bringen. Das hatten einst

schon Felix Magath und Dieter

Hecking erfahren. Bruno

Labaddia allerdings

war dafür der

denkbar unwahrscheinlichste

Kandidat.

Bitter verhöhnt

wurde er,als

er vor 15Monaten

das Amt beim VfL

übernahm und mit

dem auf Abstieg

programmierten

Team gerade noch

den Sprung in die Relegation

schaffte.„Wir steigen ab und

kommen nie wieder, wir haben

Bruno Labbadia“, sangen

damals die Fans und hätten

den ungeliebten Hoffnungsträger

am liebsten in

die Wüste geschickt.

Am Sonnabend hatten sie

einen anderen Aufenthaltsort

für den 53-Jährigen vorgesehen.

„Bruno auf den Zaun“,

riefen die Anhänger euphorisch

nach dem 8:1-Sieg gegen

träumende Augsburger.

Damit hatte Labbadia das

Team nach dem für viele unerwarteten

Relegationserfolg

gegen Holstein Kiel schnurstracks

auf einen noch unerwarteteren

sechsten Platz in

der Abschlusstabelle geführt

und seinem Nachfolger, dem

Österreicher Oliver

Glasner, ein nettes

Begrüßungsgeschenk

hinterlassen.

Der VfL darf

nun direkt in der

Gruppenphase der

Europa League

Ferngruß: Bruno

Labbadia GETTY

starten, lästige

Qualifikationspartien

im Juli bleiben

ihm erspart.

Den Zaun mied Labbadia

allerdings genauso wie vor

einem Jahr die Wüste, versprach

aber, mal wieder als

Zuschauer zu kommen, je

nachdem, wo er dann sei. In

Wolfsburg hört ertrotz aller

Heldengesänge nach Differenzen

mit Sportdirektor

Jörg Schmadtke auf, an Angeboten

fehlt es ihm nach eigener

Auskunft nicht. Vorher

hatte er aber noch etwas vor:

„Heute lassen wir die Sau

raus.“ Nach Wolfsburg klingt

das schon nicht mehr. (mali.)

Verein Sp S U N Tore Punkte

1 München 34 24 6 4 88: 32 78

2 Bor.Dortmund 34 23 7 4 81: 44 76

3 RB Leipzig 34 19 9 6 63: 29 66

4 Leverkusen 34 18 4 12 69: 52 58

5 M'gladbach 34 16 7 11 55: 42 55

6 VfL Wolfsburg 34 16 7 11 62: 50 55

7 Eintr.Frankfurt 34 15 9 10 60: 48 54

8 SV Werder Bremen 34 14 11 9 58: 49 53

9 Hoffenheim 34 13 12 9 70: 52 51

10 Düsseldorf 34 13 5 16 49: 65 44

11 Hertha BSC 34 11 10 13 49: 57 43

12 Mainz 05 34 12 7 15 46: 57 43

13 SC Freiburg 34 8 12 14 46: 61 36

14 FC Schalke04 34 8 9 17 37: 55 33

15 FC Augsburg 34 8 8 18 51: 71 32

16 VfB Stuttgart 34 7 7 20 32: 70 28

17 Hannover96 34 5 6 23 31: 71 21

18 Nürnberg 34 3 10 21 26: 68 19

Torjäger

22 Tore: Lewandowski (Bayern München)

18 Tore: Alcácer (Borussia Dortmund)

17 Tore: Havertz(BayerLeverkusen), Jovic

(Eintracht Frankfurt), Kramaric (1899

Hoffenheim), Reus (Borussia Dortmund),

Weghorst (VfL Wolfsburg)

16 Tore: Belfodil (1899 Hoffenheim),

Werner (RB Leipzig)

15 Tore: Haller (Eintracht Frankfurt),

Poulsen (RB Leipzig)

Topscorer

Lewandowski mit 35 Scorerpunkten (22

Tore/11 Vorlagen) vorden Dortmundern

Jadon Sancho (12/17) und Reus

(17/11). AufPlatz vier gleichauf der

Leipziger Werner (16/10) und Frankfurts

Haller (16/10).

Keine Panik ist

auch keine Lösung

Bremen ist ja schon lange

so etwas wie das Altersheim

der Bundesliga. Manni

Burgsmüller beendete dort

mit 40 Jahren seine Fußballkarriere,

Klaus Fichtel tat

dies vermeintlich, bis er

doch noch ein paar Jahrebei

Schalke dranhängte und mit

43 Jahren, sechs Monaten

und drei Tagen der bis heute

älteste Bundesligaprofi

wurde.Werders MirkoVotava

war lange Zeit der ältesteTorschütze,

abgelöst wurde er

von Claudio Pizarro. Der

schoss am Sonnabend als 40-

Jähriger mit dem Treffer zum

2:1 gegen RB Leipzig sein Abschiedstor

bei Werder, kurz

nachdem die jungen Küken

Franck Ribéry,36, und Arjen

Robben, 35, desgleichen

beim FC Bayern München

getan hatten.

Nur dass es bei Pizarro

bloß der Abschied bis zur

kommenden Saison war, ein

Auf-Wiedersehen-Treffer

also, noch kein Lebewohl.

Schon vor der Partie hatte

der Peruaner bekannt gegeben,

dass er ein weiteres Jahr

bleiben werde. Und warum

auch nicht?

Die Füße sind noch bestens

intakt, und die zehn

Abschied auf Zeit: Claudio Pizarro

kommt wieder.

GETTY/HARDT

oder zwanzig Minuten, für

die ihn Trainer Florian Kohfeldt

braucht, um gegnerische

Abwehrreihen mit seiner

listigen Umtriebigkeit in

helle Panik zu stürzen, steckt

er locker weg.

Klaus Fichtel jedenfalls

sollte sich nicht zu sicher

fühlen, schade nur, dass es

die NFL Europe inzwischen

nicht mehr gibt. Da war

Manfred Burgsmüller noch

bis zum 52. Lebensjahr als

Footballkicker beim zweimaligen

World-Bowl-Sieger

Rhein Fire aktiv, ein Karriereausklang,

gegen den auch

Claudio Pizarrosicher nichts

einzuwenden hätte. (mali.)

Der Sargnagelsmann

für die Stimmung

Wenn man darauf gewettet

hätte, welcher Trainer

nach dem letzten Spieltag

den größten Frust

schiebt, wäre man relativ

schnell auf Thomas Doll oder

Boris Schommers gekommen,

die mit Hannover 96

und dem 1. FC Nürnbergabgestiegen

sind. Auch Niko

Kovac oder Lucien Favre wärenindie

engereAuswahl gekommen,

weil ja nur einer

Deutscher Meister werden

kann. Geworden aber ist es

Julian Nagelsmann, der mit

1899 Hoffenheim ein Ende

mit Schrecken erlebte, so-

1899 Hoffenheim

wohl für den Klub als auch

für ihn persönlich.

Ein paar Wortspiele seien

erlaubt: Die Kraichgauer

konnten sich keinen Platz im

internationalen Geschäft unter

den Nagel reißen. Wie so

oft in dieser Saison hatte das

Team beim 2:4 in Mainz eine

Führung verspielt, der Sargnagel

für die gute Stimmung

nach einer spielerisch überzeugenden

Saison. Und vielleicht

traf Andrej Kramaric

mit seiner Kritik am System,

O-Ton: „Wir sind nicht bereit

dafür“, den Nagel auf den

Kopf. (pae.)

Frust zum Schluss: Julian Nagelsmann und Ishak Belfodil BONGARTS/GRIMM

Der Poker hat begonnen

Zwei Bier für die Männer von der Werksmannschaft?

Zwei Bier hat sich Lucas Alario allein

schon verdient. BayerLeverkusens Einzug in die

Champions League ging zu einem guten Teil auf

sein Konto. Beim 5:1 (2:1) in Berlin traf der 26

Jahrealte Argentinier,sechs seiner neun Saisontore

schoss er in den letzten fünf Saisonspielen.

AFP/ANDERSEN

Sein Berater macht schon mal Personalpolitik.

Vorallem in Spanien gebe es Interessenten für

den spielstarken Stürmer. Zwei Interessenten?

Einer jedenfalls soll Atlético Madrid sein. Doch

Bayers Sportchef Rudi Völler hat einen Wechsel

so gut wie ausgeschlossen: „Dagibt es keine Diskussionen.“

ZumErsten, zum Zweiten, ...

Fortuna Düsseldorf

Überleben als

Zähneknirscher

Fußballtrainer sind wie

Gladiatoren. Mit exakt

diesen Worten hat Friedhelm

Funkel das nicht gesagt, aber

zweifellos so gemeint, als er

den Umgang mit seinem Berufsstand

jetzt kritisierte:

Wenn der Daumen nach unten

zeigt, ist die Show vorbei.

Wieimalten Rom. Getreideknirscher

hießen dort die

Gladiatoren überwiegend

vegetarischer Prägung. Zähneknirscher

sind sie in der

modernen Ausführung

Friedhelm Funkel, weil sie alles

schlucken müssen: „Ich

will nicht unbedingt sagen,

dass wir die Mülleimer sind,

aber die Trainer haben es

schon schwer.“

Erst recht, wenn sie wie

der 65-Jährige im Zirkus Maximus

der Bundesliga antreten

müssen, in Düsseldorf

bei der Fortuna, deren Name

es ja schon mehr als deutlich

sagt: Joberhalt ist dort

Glückssache angesichts von

insgesamt 44 verschlissenen

Trainern. Nur der 1. FC

Nürnberg(60), der VfB Stutt-

gart (55), Hannover 96(54),

der FC Schalke (53) und Eintracht

Frankfurt (48) haben

einen höheren Verbrauch.

Im Januar hätte es Friedhelm

Funkel beinahe zur

Nummer 45 gebracht, von

den Rängen erschallte schon

der Ruf: Iugula! Abstechen!

Düsseldorfs Cäsar namens

Robert Schäfer verkündete

daraufhin, er werde Gladiator

Funkel im Sommer den

Dolch in den Rücken rammen.

Im übertragenen Sinne

natürlich. Ein Wort gab das

andere, die Gemüter erhitzten

sich, die Stimmung

kippte, der Daumen auch –

nach oben. „Aufgeblasen“,

schimpft nun Funkel und

meint den Profifußball im

Allgemeinen, nicht Düsseldorfs

Vorstandschef Schäfer

im Speziellen, auch nicht die

Bezahlung. Dielindertjaden

Trennungsschmerz im Fall

des Misserfolgs,immerhin.

Eins unterscheidet übrigens

den Zähneknirscher

vom Getreideknirscher. Sein

Jobist nicht todsicher. (cs.)

VIERUNDDREIßIGSTER SPIELTAG

5:1 (1:0)

BAYERN–FRANKFURT

0:0

SCHALKE–STUTTGART

0:2 (0:1)

M’GLADBACH–DORTMUND

2:1 (0:0)

DÜSSELDORF– HANNOVER

1:5 (1:2)

HERTHA–LEVERKUSEN

2:1 (1:0)

BREMEN–LEIPZIG

5:1 (2:0)

FREIBURG–NÜRNBERG

4:2 (0:2)

MAINZ–HOFFENHEIM

8:1 (3:0)

WOLFSBURG–AUGSBURG

Bayern München: Ulreich -Kimmich,

Süle, Hummels, Alaba -

Thiago-Müller,Goretzka (37.

Sanches) -Gnabry(67. Robben),

Lewandowski, Coman

(61. Ribéry)

Eintracht Frankfurt:Trapp -Abraham,

Hasebe, Hinteregger -de

Guzmán (46. Haller), G. Fernandes

-daCosta, Kostic -Gacinovic

-Rebic (64. Torró), Jovic

SR: Stegemann -ZS: 75 000

Tore: 1:0 Coman (4.), 1:1 Haller

(50.), 2:1 Alaba (53.), 3:1 Sanches

(58.), 4:1 F. Ribéry(72.),

5:1 Robben (78.)

Gelbe Karten: Thiago(5), F.

Ribéry(3) /Hinteregger (3), Hasebe

(4)

FC Schalke04: Nübel -McKennie,

Stambouli, Timotheou -D.

Caligiuri (89. Riether), Rudy, Oczipka

-Serdar (80. Konopljanka),

Boujellab -Embolo (63.

Matondo), Burgstaller

VfB Stuttgart: Zieler -Pavard,

Baumgartl, Badstuber,Insua -

Gentner (46. Castro), Aogo-

Esswein, Didavi (46. Akolo),

Sosa -Mar.Gomez (69. Gonzalez)

Schiedsrichter:Schröder

Zuschauer:61676

Gelbe Karten: -/Castro (4)

Bor.Mönchengladbach: Sommer

-Beyer,Ginter,Elvedi,

Wendt -Zakaria, C. Kramer (63.

Strobl), Hofmann -Traoré (66.

Pléa), Drmic, T. Hazard (75. P.

Herrmann)

Borussia Dortmund: Bürki -

Piszczek, Weigl, Akanji, Guerreiro

-Witsel, Delaney-Pulisic,

Reus (83. Schmelzer), Sancho

(87. Dahoud) -M.Götze (75.

Alcácer)

Schiedsrichter:Gräfe

Zuschauer:54022

Tore: 0:1 Sancho (45.), 0:2

Reus (54.)

Gelbe Karten: C. Kramer (6) /

Delaney(7)

Fortuna Düsseldorf: Rensing -

Mat. Zimmermann, Ayhan, Kaminski,

Gießelmann -Stöger

(89. Morales),A. Hoffmann -Lukebakio

(79. Barkok), Karaman

(79. O. Fink), Raman -Hennings

Hannover96: Sahin-Radlinger -

Sorg,Anton, Ostrzolek -

Schwegler -Haraguchi, Maina

(77. Albornoz) -Prib (70. Muslija),

Walace (70. N. Müller) -

Bebou, Weydandt

Schiedsrichter:Cortus

Zuschauer:50000

Tore: 1:0 Hennings (56.), 2:0

Karaman (61.), 2:1 N. Müller

(78.)

GK: Ayhan (10), Stöger (8) /

Prib (1)

Hertha BSC: T. Kraft -Klünter

(45.+2 Mittelstädt), Lustenberger,

Rekik, Plattenhardt -Skjelbred

(46. Dilrosun), Grujic -Lazaro,

Duda, Kalou -Ibisevic (73.

Köpke)

BayerLeverkusen: Hradecky -

Tah, S. Bender (59. Dragovic),

Wendell -Baumgartlinger,Ch.

Aranguiz (75. L. Bender) -Weiser

(81. Kohr), Havertz, Brandt,

K. Volland -Alario

Schiedsrichter:Fritz

Zuschauer:59287

Tore: 0:1 Havertz(28.), 1:1 Lazaro

(34.), 1:2 Alario (38.), 1:3

Brandt (54.), 1:4 Alario (72.),

1:5 Alario (88.)

GK: Duda (7) /K.Volland (4)

Werder Bremen: Pavlenka -

Friedl, Veljkovic, Moisander,Augustinsson

-N.Sahin (46. J. Eggestein)

-M.Eggestein, Klaassen

-Möhwald (87.

Jóhannsson), Osako(74. Pizarro)

-Rashica

RB Leipzig: Mvogo-Mukiele, Ilsanker,Upamecano,

Saracchi -

Laimer (70. Forsberg), Adams

(64. Smith Rowe)-Haidara,

Bruma -Augustin (70. Poulsen),

Matheus Cunha

Schiedsrichter:Brych

Zuschauer:42100

Tore: 1:0 Rashica (35./FE), 1:1

Mukiele (86.), 2:1 Pizarro (88.)

GK: Friedl (3), Augustinsson (5)

/Ilsanker (5), Saracchi (2)

SC Freiburg: Flekken -P.Stenzel,

R. Koch, Heintz, Günter -Höfler,

Frantz (68. Abrashi) -Terrazzino

(75. Sallai), Grifo (81. Höler) -

L. Waldschmidt, Petersen

1. FC Nürnberg: Mathenia -Ro.

Bauer,Margreitter,Mühl, Leibold

-Erras, Rhein (46. Tillman) -

Löwen, Behrens, Kerk (62. Ilicevic)

-Ishak (74. Knöll)

Schiedsrichter:Schmidt

Zuschauer:24000

Tore: 1:0 Terrazzino (7.), 2:0 L.

Waldschmidt (34.), 3:0 Petersen

(54.), 4:0 Petersen (56.),

5:0 Grifo (61.), 5:1 Löwen (69.)

Gelbe Karten: Heintz (5), P.

Stenzel (4) /Ilicevic (1)

Mainz: Zentner -Brosinski,

Niakhaté, Bungert, Martín -Malong

(56. Maxim) -Gbamin, Latza

(81. Öztunali) -Boetius -Mateta,

Ujah (56. Onisiwo)

Hoffenheim: Baumann -Vogt,

Grillitsch, Bicakcic -Brenet (85.

Nelson), Baumgartner,Schulz -

Demirbay, Kramaric -Belfodil (32.

Szalai), Joelinton (66. Rupp)

SR: Aytekin -ZS: 29 305

Tore: 0:1 Belfodil (12.), 0:2 Kramaric

(34.), 1:2 Brosinski

(66./FE), 2:2 Boetius (83.), 3:2

Boetius (90.), 4:2 Mateta

(90.+3)

GK: Malong (6), Boetius (8) /

Joelinton (5), Vogt (5)

GRK: -/Baumgartner (41.)

Wolfsburg: Pervan -William, Knoche,Tisserand,

Roussillon (69.

Brekalo) -Arnold -Gerhardt,

Rexhbecaj (81. Klaus) -Mehmedi

(56. Malli) -Ginczek,Weghorst

FC Augsburg: Kobel -Asta, Gouweleeuw

(46. Danso), Oxford,

Schmid -Janker (46. Moravek),

Baier -Hahn, Ji (60. Schieber) -

M. Richter,Gregoritsch

SR: Zwayer-ZS: 24 486

Tore: 1:0Weghorst (21.), 2:0

Weghorst (37.), 3:0 Knoche

(41.), 4:0Weghorst (55.), 5:0

Ginczek (57.), 6:0 Rexhbecaj

(60.), 6:1 Schieber (82.), 7:1

Brekalo (85.), 8:1 Danso

(89./ET)

GK: -/Hahn (7), Asta (1)


Berliner Zeitung · N ummer 115 · M ontag, 20. Mai 2019 – S eite 20 *

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Sport

FC Bayern

Ein Fall

für Mourinho

Matti Lieske

hat eine Idee, wie den Münchnernbeizukommen

ist.

Die spannendste Frage, welche

die Zukunft des FC Bayern betrifft,

lautet natürlich: Waswird aus

Franck Ribéry? Uli Hoeneß hatte

dem Franzosen ja einen Job beim

Klub in Aussicht gestellt für die Zeit

nach seiner Karriere, und was dem

Präsidenten dabei gemeinhin vorschwebt,

weiß man, seit er Lothar

Matthäus eine diesbezügliche Absage

erteilte. „Nicht mal als Greenkeeper“

würde er diesen beschäftigen,

so Hoeneß damals. Busfahrer

wäre auch eine Möglichkeit, daran

hatte sich Ribéry schon kurz nach

seiner Verpflichtung mit durchschnittlichem

Erfolg versucht. Zeugwart

könnte ebenfalls eine hübsche

Alternative sein. Womit wir bei José

Mourinho wären.

Der Portugiese hatte einst Richtung

Pep Guardiola gelästert, in

manchen Ligen würde man auch mit

dem Zeugwart als Trainer Meister,

und eindeutig die Bundesliga gemeint.

Er hingegen liebe die Herausforderung,

sagte er, deswegen arbeite

er in England. Gut möglich,

dass er das ein wenig anders sieht

nach der zermürbenden Herausforderung

Manchester United und der

Erkenntnis, dass Manchester City

nicht mit dem Zeugwart, aber mit

seiner ewigen Nemesis Guardiola

zweimal Meister werden konnte.

BizarreMenschenrechtsdebatte

Könnte also sein, dass Mourinho inzwischen

reif ist für die Bayern, vorausgesetzt,

diese sind wahnwitzig

genug, jemanden zu holen, der in

der Lage ist, einen Klub auf Jahre

hinaus zu zerrütten. Für die Bundesliga

wäreesein Hoffnungsschimmer,

dass es vielleicht irgendwann einen

anderen Deutschen Meister geben

könnte als die Münchner.Dass diese

sich nur selbst zu Fall bringen können,

ist nach der abgelaufenen Saison

jedenfalls endgültig klar.

Dabei hatten sie dafür schon

diesmal einiges getan. Mit Niko Kovac

einen Trainer geholt, dem von

Anfang an keiner beim Klub über

den Wegtraute. Seltsame Kaderentscheidungen

getroffen. Eine bizarre

Menschenrechtsdebatte in eigener

Sache angestoßen und insgesamt

ziemlich verwirrt gewirkt. Eine „Saison

des Umbruchs“, sei es gewesen,

behauptete Hoeneß nach dem 5:1

gegen Frankfurtund dem siebten Titelgewinn

in Serie, womit er vermutlich

meinte, dass Ribéry und Arjen

Robben häufiger als früher auf der

Bank saßen. Genützt hat all das

nichts, außer dass diesmal nicht Ostern,

sondern erst am 17. Mai klar

war,wer Meister wird.

DieDortmunder und auch die am

Titelkampf seltsam uninteressierten

Leipziger müssen sich dennoch vorwerfen,

eine große Chance verpasst

zu haben, die so bald wohl nicht wiederkehren

wird. Vermutlich auch

dann nicht, wenn der FC Bayern José

Mourinho oder einen anderen Quertreiber

als Trainer holt. Oder den

Zeugwart.

Alle neune: Niemand waröfter Meister in

der Bundesliga als Franck Ribéry. DDP/

Enttäuscht, ratlos, ohne Worte: Marvin Friedrich, Christopher Trimmel, RobertZulj, Grischa Prömel (v.l.)

Dem Wunder so nah

Unionverpasst mit einem 2:2 in Bochum den direkten Aufstieg und muss nun in die Relegation gegen Stuttgart

VonDaniel Theweleit, Bochum

Ohne jeden Zweifel wäre

das gute alte Ruhrstadion

am Sonntagnachmittag

ein großartiger

Ort gewesen für Union Berlin, um

den letzten Schritt in Richtung Bundesliga

zu machen. Es schüttete, der

Geruch von Bier und Zigarettenrauch

lag in der feuchten Frühlingsluft,

Bochum bot eine Bilderbuchkulisse

für Fußballromantiker –als solche

betrachten die Anhänger von

Union sich bekanntlich. Sogar der

SC Paderborn spielte mit und verlor

1:3 in Dresden, mit einem Sieg in dieser

finalen Partie gegen ein Team, für

das es um nichts mehr ging, hätten

die Köpenicker sich in einen Bundesligaverein

verwandelt. Doch die

Mannschaft von Trainer Urs Fischer

spielte nach einer dramatischen

Schlussphase nur 2:2 (0:1) und muss

nun auf die Relegation gegen den

VfB Stuttgarthoffen.

„Das tut so weh“

Hamburger SV -MSV Duisburg 3:0 (1:0)

Arminia Bielefeld -Holstein Kiel 1:0 (0:0)

Jahn Regensburg -SVSandhausen 2:2 (1:1)

VfL Bochum -1.FCUnion Berlin 2:2 (1:0)

Darmstadt 98 -ErzgebirgeAue 1:0 (1:0)

1. FC Heidenheim -FCIngolstadt 4:2 (2:0)

Dynamo Dresden -SCPaderborn 3:1 (2:1)

SpVgg Greuther Fürth -FCSt. Pauli 2:1 (0:0)

1. FC Magdeburg -1.FCKöln 1:1 (0:1)

1. 1. FC Köln 34 84:47 63

2. SC Paderborn 34 76:50 57

3. 1. FC Union Berlin 34 54:33 57

4. Hamburger SV 34 45:42 56

Nach Spielschluss hockte Sebastian

Polter auf dem Rasen, die Hände

vors Gesicht geschlagen. Minutenlang

saß er so da, bis Christopher

Trimmel zu ihm kam, ihn auf den

Hinterkopf küsste.„Wir haben alles

reingeworfen, alles versucht, du

kannst keinem Spieler etwas vorwerfen

heute. Das war Leidenschaft

pur“, sagte der Kapitän. Torwart Rafal

Gikiewicz hatte sein Trikot übers

Gesicht gezogen. „Das tut so weh“,

sagte der Pole. Dann hockte auch er

auf dem Rasen, enttäuscht. Michael

Parensen musste ihm aufhelfen. Gikiewicz

trottete zur Gegengeraden,

kletterte über den Zaun und ließ sich

von seiner Familie und den Fans

trösten. „Man muss die Jungs jetzt

erst einmal auch in Ruhe lassen. Da

ist nur Leere. Die müssen mit ihrer

Enttäuschung jetzt selber erst einmal

fertig werden“, sagte Fischer.

Beim Relegations-Hinspiel am

Donnerstag in Stuttgart können die

Unioner ihr „Gib niemals auf und

Glaub an Dich“-Banner inklusivegereckterübermenschlicher

Faustnun

noch mal aufhängen, das zum Anpfiff

die eine Stirnseite des Stadions

zierte. Die Fans wirkten an diesem

Tagimposanter als ihreMannschaft,

und als Herbert Grönemeyers Bochum-Hymne

verklungen war,

konnte die rote Menschenmasse

auch akustisch locker mit den Bochumern

mithalten. Denn natürlich

waren die Gäste aus der Hauptstadt

aktiver als die Anhänger des VfL, für

die es nur noch um ein bescheidenes

Ziel ging: einen fröhlichen Saisonabschluss.

Und natürlich um die Umsetzung

des Plans,die Berliner Feierlichkeiten

zu stören.

DerbesondereZauber dieser Partie

war also allen bewusst, und die

Berliner hatten sich sogar zu einer

ganz besonderen Vorbereitung entschieden.

Die Delegation hatte bereits

am Freitag –einen Tagfrüher als

bei Auswärtsspielen üblich – ein

hübsches Hotel in Castrop-Rauxel

bezogen. Mit einem Restaurantbesuch

und einem gemeinsamen

Nachmittag vor der Bundesligakonferenz

im Fernsehen am Sonnabend

sollte ein letztes Mal der Gemeinschaftssinn

gestärkt werden. Trainer

Fischer war zum Showdown in Liga

Eins natürlich auf Schalke im Stadion,

um den VfB Stuttgart zubeobachten.

ZWEITE LIGA

5. 1. FC Heidenheim 34 55:45 55

6. Holstein Kiel 34 60:51 49

7. Arminia Bielefeld 34 52:50 49

8. Jahn Regensburg 34 55:54 49

9. FC St. Pauli 34 46:53 49

10. Darmstadt 98 34 45:53 46

11. VfL Bochum 34 49:50 44

12. Dynamo Dresden 34 41:48 42

13. SpVgg Greuther Fürth 34 37:56 42

14. ErzgebirgeAue 34 43:47 40

15. SV Sandhausen 34 45:52 38

16. FC Ingolstadt 34 43:55 35

17. 1. FC Magdeburg 34 35:53 31

18. MSV Duisburg 34 39:65 28

Aber natürlich wollten sie viel lieber

ohne die Zusatzpartien gegen die

Schwaben aufsteigen, doch die Bochumer

waren ein zäher Gegner.

Pünktlich zum Spielbeginn fegte ein

kalterWind über Bochum, es begann

heftig zu regnen, und auf dem Platz

wurde zunächst ein rustikaler Zweitligastil

gepflegt; aber der Fußballtag

begann nicht gut für Union, denn

nach zehn Minuten machte die

Nachricht von der Führung des SC

PaderborninDresden die Runde.

Aufdem Rasen wurde derweil gestochert,

ein Fehlpass folgte auf den

nächsten, die Zweikämpfe waren intensiv,Torsituationen

blieben selten.

Bochums SilvéreGanvoula hatte immerhin

mal eine Kopfballmöglichkeit,

während Union allenfalls bei

Flanken gefährlich wirkte.Aufregender

als das Geschehen in Bochum

war daher Mitte der ersten Hälfte die

Kunde vom 1:1 in Dresden, das Dynamo

gegen Paderborn gelungen

war und das die Ausgangslage für die

Berliner deutlich verbesserte. Aber

die Freude währte nur kurz, denn

nach 24 Minuten ging derVfL in Führung.

Danilo Soares hatte einen

nicht besonders gefährlichen Querpass

auf Anthony Losilla gespielt, der

allerdings viel zu zaghaft vonMarvin

CONTRAST/O.BEHRENDT

Friedrich unter Druckgesetzt wurde.

Plötzlich war die Lücke da, Losilla

hatte freie Bahn für einen Schuss in

die lange Ecke (24.).

Dieses Tor weckte die Eisernen

auf, sie spielten nun druckvoller,und

vor allem strukturierter. Nach dem

Rückstand schafften sie es auch mal,

sich mit flachen Bällen dem Bochumer

Torzunähern, und sie erarbeiteten

sich eine richtigguteMöglichkeit

zum Ausgleich: Felix Kroos flankte in

den Strafraum, wo Sebastian Andersson

aus acht Meternunbedrängt

köpfen konnte.Der Torabschluss des

besten Berliner Schützen dieser Saison

war jedoch zu zentral platziert,

so dass VfL-Torhüter Manuel Riemann

den Ball abwehren konnte.

SpektakuläreAufholjagd

Mittlerweile lagen die Paderborner

sogar 1:2 in Dresden zurück, die Köpenicker

schienen den großen Coup

damit zur Halbzeit in der eigenen

Hand zu haben. Doch dann vertändelte

Grischa Prömel einen Ball im

eigenen Strafraum und hielt dann

den enteilenden Lukas Hinterseer

am Trikot fest. Der Elfmeterpfiff

musste folgen, Ganvoula traf zum 2:0

(49.). „Beim ersten Gegentor verteidigen

wir nicht konsequent. Das

zweite ist ein Geschenk“, sagte Trainer

Fischer.Schließlich waren in diesem

Moment die Chancen auf den

großen Coup eines direkten Bundesligaaufstieges

weiter geschwunden,

die Eisernen brauchten nun drei

Treffer.Sie griffen immer verzweifelter

an, doch Prömel (56.), Andersson

(57.) und FlorianHübner (60.) vergaben.

Erst eine Gelb-Rote Karte für

Ganvoula nach einem Ellenbogenstoß

(72.) gegen Trimmel leitete eine

spektakuläreAufholjagd ein.

Ein brillanter Fernschuss von

Prömel führte zum 2:1 (83.), Joshua

Mees gelang mit einem Schuss aus

dem Hinterhalt das 2:2 (86.), nun

fehlte noch ein Treffer zum Fußballwunder.

Doch der wollte den Eisernen

nicht mehr gelingen. „Was soll

ich der Elf sagen, wir hatten unsere

Möglichkeiten. 27:7 Torschüsse. Wir

haben genug unternommen“, urteilte

Fischer.

Das

Ende einer

Odyssee

Paderborn marschiert von

der Dritten in die Erste Liga

Das zweite Bundesliga-Abenteuer

kann starten: Der SCPaderborn

verlor am letzten Spieltag

zwar bei Dynamo Dresden mit 1:3,

folgte aber nach dem 2:2 von Union

Berlin in Bochum dank der besseren

Tordifferenz dem 1. FC Köln als Tabellenzweiter

ins Oberhaus. Damit

gelang den Ostwestfalen der zweite

Aufstieg nach 2014 und der Durchmarsch

von der Dritten Liga in die

ErsteLiga.

Philipp Klement brachte Paderborn

inFührung, ehe Baris Atik die

Dresdner per Dreierpack auf die Siegerstraße

führte. Vor 30 000 Zuschauern

imausverkauften Rudolf-

Harbig-Stadion verletzte sich Paderborns

Keeper Leopold Zingerle nach

einem Zusammenprall und musste

zur zweiten Halbzeit durch Michael

Ratajczak ersetzt werden.

Der SC Paderborn war anfangs

spielerisch überlegen, hatte mehr individuelle

Klasse und ging nach einer

Einzelaktion von Klement verdient

in Führung. Doch Dresden

hielt mit Kampf dagegen und hatte

Glück beim Ausgleich. Nach Atiks

Fernschuss prallte der Ball vomPfosten

an den Rücken von SCP-Keeper

Zingerle und vondortins Tor.

Paderborns Trainer Steffen

Baumgart, der auf dieselbe Startelf

wie beim 4:1 in der Vorwoche gegen

den Hamburger SV setzte,trieb seine

Elf immer wieder nach vorne. Vor

dem Tor agierten die Paderborner

aber plötzlich zu verspielt, nicht

zwingend genug. Nach einem bösen

Schnitzer von Sven Michel am gegnerischen

Strafraum startete Atik

zum Konter undschob zum 2:1 ein.

Partyauf dem Rathausplatz

Paderborn kam trotz des Torwartwechsels

gut aus der Kabine und

drängte auf den Ausgleich. Es folgte

eine Ecke auf die nächste doch Uwe

Hünemeier und Christopher Antwi-

Adjei vergaben aus kurzer Distanz.

In der 61. Minute fiel dann aber die

Vorentscheidung aus Sicht der Gastgeber

durchAtiksdritten Streich.

Paderborn will den zweiten Aufstiegindie

Bundesligaausgiebig feiern.

Direkt nach dem Spiel ging es

fürMannschaft undTrainerteam per

Charterflug zurück nach Ostwestfalen.

Dort soll am Montag ab 17 Uhr

aufdem Rathausplatz diegroße Aufstiegsfeierstarten.

Nach demEintrag

ins Goldene Buch der Stadt werden

die Aufstiegshelden auf einer Partybühne

präsentiert. Rund 15 000 Fans

werden erwartet.

DerAufstieg istder vorläufigeHöhepunkt

einer Odyssee. Seit 2014 ist

derKlub fünfmal auf- oder abgestiegen.

2015 sorgte das missglückte Intermezzo

von Stefan Effenberg als

Trainer für Wirbel, 2017 war Paderborn

schon in die vierte Liga abgestiegen.

Nurdurch die Lizenzverweigerung

an1860 München blieb der

SCP in Liga drei und arbeitete sich

seitdem wieder nach oben. (sid)

Danke, Leute: Trainer Steffen Baumgart

feiertden Aufstieg. GETTY IMAGES/THOMAS EISENHUTH


Berliner Zeitung · N ummer 115 · M ontag, 20. Mai 2019 – S eite 21

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Feuilleton

Torsten Wahl über

einen „Landkrimi“

des ORF

Seite 23

„Front war gestern, Feminismus ist hip geworden im Theater.“

Petra Kohse über die Burning-Issues-Konferenz beim Theatertreffen Seite 22

Europäisches Filmmanifest

Vielfalt als

kulturelles Erbe

PetraKohse

guckt zum Berliner Medienausschuss

in Cannes.

Unite &Shine –Für ein Europa

der Vielen!“, hieß es am Sonntag

auf der Glitzerdemo der Kulturschaffenden

in Berlin –und ausgerechnet

die Abgeordneten des Ausschusses

für Europa- und Bundesangelegenheiten

sowie Medien

konnten nicht dabei sein (wenn sie

es denn gewollt hätten). Denn diese

sind schon am Freitag zum Filmfestival

nach Cannes gereist, um dort

bis heute Abend unter Kollegen und

Kolleginnen der Städte und Regionen

für ein europäisches Bündnis in

Sachen Filmförderung zu werben.

Anne Helm von der Linken ist etwa

dabei, Notker Schweikhardt vonden

Grünen, der Initiator des Ganzen,

oder Karin Halsch von der SPD, um

nur einige zu nennen.

In dem Manifest, das sie in drei

Sprachen mitbringen (Französisch,

Englisch und Deutsch), in gelber

Schrift auf blauem Grund gedruckt,

steht unter anderem: „Europäische

Filme sind so vielfältig wie unsere

kulturellen Identitäten. Filme prägen

Kulturräume, erzählen der ganzen

Welt unsere Geschichten und

bewahren unser kulturelles Erbe.

Dafür stehen und arbeiten unsere

nationalen und regionalen Filmförderinstitutionen.

Sie sind politisch

unabhängig und werden über Umlagen

und Steuern finanziert. Sie ermöglichen

individuelle künstlerische

Entwicklung, unterstützen eine

vitale und innovative Zukunftsbranche,

vernetzen Europas Filmmetropolen

und sind weltweit Botschafter

europäischer Kultur. Sich zur europäischen

Filmförderung zu bekennen,

sie zu stärken und zu schützen,

ist uns kulturelles Vermächtnis und

politische Verpflichtung zugleich.“

Was für deutsche Ohren selbstverständlich

klingt, dass die Politik

nämlich unabhängig zu verteilendes

Geld für den Film zur Verfügung

stellt, ist auf ganz Europa bezogen

eine Utopie –packen wir sie an! Was

kann man erreichen als Lokalpolitiker?

Jeder Stadtrat, der sich zukünftig

für den Erhalt eines Arthouse-Kinos

einsetzt, ist ein Gewinn.

Massiv,drängelnd und bejubelt

Einziges Deutschlandkonzert der „Gods of Rap“-Tour von De La Soul, Public Enemy und dem Wu-Tang Clan

VonMarkus Schneider

Auch HipHop ist in die Jahre

gekommen. Er ist –inklusive

der paar deutschen

Battle-Idioten –das mehr

oder weniger einflussreichste Genre

im aktuellen Pop. Wenn sich also mit

HipHop-typischer Untertreibung De

La Soul, Public Enemy und der Wu-

Tang Clan auf „Gods of Rap“-Tour

begeben, dann ist das im globalen

Popmaßstab schon ein wenig, als ob,

sagen wir: die Beatles, die Stones

und, nun ja, vielleicht die Byrds ein

Rockwochende ausrichten würden.

Dasspiegelt sich naturgemäß im Publikum

wieder. Und doch auch der

Ästhetik.

32 Jahre, Chuck Dweist mit einigem

Stolz beim sonnabendlichen

Konzert in der fast ausverkauften

Wuhlheide darauf hin, liegt „Yo, Bum

Rush the Show“, das Debütalbum

Public Enemys zurück. Aber noch

immer springt einem die Wucht ihresvon

allen möglichen Seiten zugebratzten

Sirenen-Sounds sehr unmittelbar

ins Gesicht. Public Enemy

waren die lauteste Band des Planeten

–als Repräsentanten des lärmigen

Sounds vonDef Jam, dem wichtigsten

Label des HipHop dieser

Tage, aber auch als entschlossenes

und kämpferisches Sprachrohr für

die afroamerikanische Gemeinde.

Noch heute wiegt der Druck von

Chuck Ds Rap, wie die Uziindem berühmten

frühen Stück, mit dem er

als einziger Verbliebener der frühen

Besetzung, den Set beginnt, eine

Tonne. Chuck Dhat sich über die

Jahreals eine ArtHipHop-Intellektueller

etabliert, selbstkritisch, aber

ungebrochen politisch entschieden:

Auch mit 58 haut er Titel wie „Don’t

Believe the Hype“ oder „Fight the

Power“ überzeugend raus, mit emblematischen

Zeilen wie: „Elvis was a

hero tomost/ but he never meant

shit to me/ Straight up racist that sucker

was/… Most of my heroes don’t

appear on stamps“. Es zeigt sich ja

gerade, wie wenig sich trotz der ästhetischen

Dominanz des schwarzen

Genres am Anlass des Public

Enemy-Zorns geänderthat.

Im Gegensatz zu den beiden anderen

Acts passte bei Public Enemy

auch der recht mumpfige Sound eigentlich

gut –erunterstützte sowohl

den rappelnd-perkussiven Krach als

Spürbar die Headliner des Abends: die Rapper vom Wu-Tang Clan.

auch Chuck Ds charismatische Megaphonstimme.

Für De La Soul, die

den Abend begannen, kann man das

so nicht sagen. In dem Götter-Line-

Up stehen die drei als die Leiseren,

Humorvolleren und Melodischen.

Sie wirkten am frühen Abend, während

das Publikum noch eintrudelte,

leider etwas verheizt.

Im Gegensatz zur grimmigen

Bühnenshow PEs, mit den in Wespencamouflage

gekleideten, etwas

ROLAND OWSNITZKI

schwerfälligen Tanzherren von S1W,

kamen Posdnous und Trugoy (und

ihr DJ Maseo) allein aus. An ihre

Funktion als gleichsam versöhnlicher

Part des Ostküsten-Raps erinnerten

sie mit bunt gemaltem Gänseblümchenrieseln

auf den Screens

und beschworen noch einmal ihr

friedlich hippie-eskes Daisy Age.

Ihre virtuosen Samples, die sie aus

den abgelegensten Musikecken zusammenbauten,

lassen sich praktisch

nicht ausmachen. Umso ansteckender

wirkten die beiden MCs im

gut gelaunten Zusammenspiel, im

hellen Hüpfen vonHits wie „Me, Myself

&I“und natürlich dem ehemals

komplett totgenudelten „Ring, Ring,

Ring“, das 1991 auf jedem AB zu hören

war. Die Leute erinnerten sich

hörbar gut und gerndaran.

Der Wu-Tang Clan bildet auf gewisse

Weise das Scharnier zur Hip-

Hop-Neuzeit. Sie verbinden, angeführt

vom ewig hypercoolen RZA,

den lärmig düsteren Straßen-Hip-

Hop –„Bring the Ruckus“ erinnerte

als Einstieg daran. Wobei man die

schiefen und leidenden Piano- und

Streicherschlaufen eigentlich mehr

ahnte, die einem damals so aufregend

fremd und aufgeschürft aus ihrer

Shaolin-Superhelden-Festung

der Einsamkeit in Staten Island entgegen

krochen. Method Man, der lispelnde,neben

RZAund Raekwon erfolgreichste

Solo-Wu-Tang, fehlte

leider unentschuldigt; gedacht

wurde des 2004 verstorbenen Ol’

DirtyBastards,der vonseinem Sohn

YoungDirty Bastardvertreten wurde.

Sie waren mit ihren anderthalb

Stunden spürbar die Headliner des

Abends. Niemand störte sich daran,

dass die Dramaturgie wie stets bei

den Auftritten der sieben Rapper im

Mittelteil etwas verfranste. Umso

massiver, drängelnder, bejubelter

packten sie ihren Auftritt zum Ende

hin zu, mit dem unerwarteten Höhepunkt

einer Beatles-„Come-Together“-Variation.

Als nicht ganz heimlicher Star des

Abends entpuppte sich indes Gang-

Starr-DJ Premier. Der einflussreichste

Beatlieferant des sogenannten

goldenen HipHop-Zeitalters der

Neunziger nahm seine Pausenfüllerfunktion

denkbar selbstbewusstest

an und führte das Publikum mit großer

Seele durch seine Ära. So war es

am Ende kein göttlicher Abend. Aber

auch mehr als eine nostalgische Reminiszenz:

Die Künstler behaupteten

mit Nachdruck ihre Verdienste.

Undwiesen damit doch auch darauf

hin, wie reich und weitverzeigt die

Geschichte seit damals weiterging.

Markus Schneider

bereut nicht, in der Wuhlheide

gewesen zu sein.

NACHRICHTEN

Auszeichnung I: Döblin-Preis

geht an Ulrich Woelk

DerSchriftsteller Ulrich Woelk erhält

den diesjährigen Alfred-Döblin-

Preis.Das teilte die Akademie der

Künste in Berlin am Sonnabendabend

mit. Der58-Jährige wirdfür

sein Manuskript „Für ein Leben“ geehrt,

die Auszeichnung ist mit 15 000

Euro dotiert. DasRomanprojekt erzähle„am

Beispiel zweier Frauen aus

unterschiedlichen sozialen Milieus

rund ein halbes JahrhundertBerliner

und europäischer Geschichte“, teilte

die Jury mit. „Detailgenau, lebensnah,

tragisch und komisch geht Ulrich

Woelk den großen Fragen des

Lebens nach: Liebe und Tod.“ Derin

Bonn geborene Woelk ist promovierter

Physiker und arbeitete von1988

bis 1995 an der TU Berlin. Seit Mitte

der 90er-Jahrelebt er in Berlin. (dpa)

Auszeichnung II: Kerr-Preis

für Johannes Nussbaum

Johannes Nussbaum ist auf dem Berliner

Theatertreffen mit dem Alfred-

Kerr-Darstellerpreis ausgezeichnet

worden. Schauspieler Franz Rogowski

(„Transit“,„Inden Gängen“) entschied

dieses Jahr über den Preisträger.Erverlieh

am Sonntag die mit

5000 Euro dotierte Auszeichnung an

den 1995 in Österreich geborenen

Schauspieler.Mit dem Preis wird

jährlich eine junge Schauspielerin

oder ein Schauspieler geehrt, der mit

einer„herausragenden Leistung“ in

einem der eingeladenen Stücke aufgefallen

ist. ZumTheatertreffen werden

die zehn„bemerkenswertesten

Inszenierungen“ aus dem deutschsprachigen

Raum eingeladen. (dpa)

Berlin: Journalistenverbände

stimmen für Fusion

Nach mehr als 14 Jahren beenden

der Deutsche Journalisten-Verband

(DJV)und der Journalistenverband

Berlin-Brandenburg(JVBB) ihre

Trennung. DieMitglieder beider Verbände

stimmten am Sonnabend im

neuen taz-Redaktionshaus einer Fusion

zu, wie der DJV mitteilte.Der

DJV in Berlin hatte sich 2004 im Streit

über interne Wahlen, Kritik an der

Amtsführung des Vorstandes sowie

an dessen Umgang mit Mitgliederbeiträgen

gespalten. (dpa)

UNTERM

Strich

Stadtflucht

Sparen

in der Pampa

VonTomo MirkoPavlovic

Eigentlich hätte es ein gemütliches

Abendessen beim Italiener werden sollen,

zu viert. Zwei Paare, unterbezahltes Kulturproletariat,

in einer süddeutschen Großstadt.

Die Pizza soll für diese durchgentrifizierte

Gegend angeblich gut und günstig

sein, also immer noch teurer als etwa in Berlin,

wo viele besitzlose Kulturmenschen

schon laut über Enteignungen nachdenken

und wegen angeblich unzumutbarer Quadratmeterpreise

bei Mietwohnungen auf die

Straße gehen, über die man in Stuttgartoder

Freiburgnur hysterisch keckernkann.

Im Vergleich zu anderen Großstädten ist

Berlin bei Mieten weiterhin ein Schnäppchen,

weshalb Jens über einen Wegzug in

Richtung Norden nachdenkt. Stichwort:

Stadtflucht. Denn Jens ist freischaffender

Theaterregisseur, ein kompromissloser

Künstler, allerdings ohne eigene Immobilie

und Aussicht auf ein rettendes Erbe materieller

Art. Jens ist schon Mitte fünfzig. Letztens

fischte er seine Renteninformation aus

dem Briefkasten. Schockierend. Eine dreistellige

Summe wirdihm in Aussicht gestellt,

viel zu wenig, findet Jens,umindieser „völlig

überteuerten Stadt“ mittelfristig wohnen

bleiben zu können. „Das reicht schon jetzt

nicht einmal mehr für die Kaltmiete“, murmelt

er und bestellt eine armselig belegte

Pizza. Und: Bier stattWein. Istjabilliger.Aber

Sparen bleibt zwecklos bei den Zinsen.

HENDRIK JONAS

Jens spielt Überlebensalternativen durch.

Vielleicht die Karriere imPlattenbau eines

Berliner Außenbezirkausklingen lassen? Anheuern

auf einem Musical-Dampfer inklusive

Kost und Logis? Oder doch zurück zur

greisen Mutter, die irgendwo in der norddeutschen

Tiefebene haust? Eine Viertelstunde

sind’s von ihrem Bauernhof bis zur

nächsten Busstation, und zwar mit dem Rad.

„Was sollen zwei wie wir auf einem Kartoffelacker?“

herrscht seine Frau ihn empört an,

die Leute vonden Nebentischen gucken. Das

pekuniäreProblem: Sieist ebenfalls Künstlerin.

Aber eine mit urbanen Ansprüchen. „Ich

will nicht in der Pampa bei deiner Mutter

versauern“, keift sie. Ich versuche beide zu

trösten, indem ich erzähle, wie ein befreundeter

Journalist kürzlich eine Festanstellung

bei einer Zürcher Zeitung angenommen hat

–und trotz Redakteursgehalt in einer Wohngemeinschaft

vegetieren muss, Restaurants

meidet und sich selbst gemachtes Bärlauch-

Pesto von der schwäbischen Großmutter

schicken lässt. Ich zähle weitere Künstler

und Autoren auf, die die Stadt verlassen haben,

um in Kleinststädten mit unaussprechlichen

Namen oder Dörfern, die auf „-ingen“

enden, sogenannte „Ateliers“ zu mieten und

seitdem einfach verschwunden sind.Wietot.

Und falls sie krank sind, wird ihnen kein

Hausarzt mehr helfen, denn die praktizieren

nun alle in der Stadt und bestellen flaschenweise

Chianti beim Italiener.

Jens und seine Frau hören nicht zu. Sie

streiten. Die Pizza ist kalt. Ich unternehme

noch einen Versuch: Wir könnten doch ein

Theaterprojekt zum künstlerischen Braindrain

aus den deutschen Großstädten angehen,

Text kommtvon mir,ihr kümmerteuch

um Regie und Perfomance. Nein, nein, sagt

Jens. Das interessiere keinen Menschen, behauptet

er,und außerdem gebe es für solche

Projekte keine Kunstförderungen. Stattdessen

will Jens endlich seine Adapation einer

antiken Tragödie zum Thema Flucht und Migration

übers Mittelmeer umsetzen. Seine

Frau lächelt mit wässrigen Augen. Toitoitoi.

Zahlen,bitte.


22 Berliner Zeitung · N ummer 115 · M ontag, 20. Mai 2019

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Feuilleton

„Und jetzt mal alle schön an die Schwesternankuscheln, nach vorne schauen und das zweite Sbitte nicht wieder zum Fragezeichen umdrehen!“ (Lisa Jopt) –Gruppenbild vor dem Haus der Berliner Festspiele.

PETRA KOHSE

Heute sagen die Frauen „Ja!“

Die Burning-Issues-Konferenz zur Geschlechter(un)gerechtigkeit im Theater zeigte, dass die Frauenbewegung diesmal nicht so einfach zu stoppen sein wird

VonPetraKohse

Als die Theaterkritikerin und

Dramaturgin Renate Klett

das Programm der Burning-Issues-Konferenz

im

Rahmen des Theatertreffens studierte,

hatte sie ein Déjà-vu: „Ich las

die gleichen Fragen, wie wir sie

schon damals hatten“, erzählte sie

am Freitagabend bei der Eröffnung

der Veranstaltung zu „Geschlechter(un)gleichheit“

im Haus der Berliner

Festspiele.

Damals,das war 1983, als Klett die

Initiative „Frauen im Theater“ mitgründete,weil

ihr und einigen Kolleginnen

die Anzahl von nur zehn

Frauen unter 400 Regisseuren plötzlich

nicht mehr als ein natürlich gegebener

Prozentsatz vorkam. Man

bildete Arbeitsgruppen, sammelte

Fragen, erstellte Statistiken – und

diffundierte irgendwann wieder in

seinen weiter geschlechterungerechten

Alltag. „Das ist das Phänomen

der Frauenbewegung“, so die

72-Jährige auf der kleinen Bühne im

Garten des Hauses.„Sie flammt auf,

und dann gibt es keine Kontinuität.“

Andererseits gibt es durchaus Anzeichen,

dass die heutige Bewegung,

in die die Frauenfrage im Theater

wieder geraten ist, vielleicht doch

nicht so schnell wieder stoppen

wird. Als Klett schon 1980 in Köln das

1. Internationale Frauentheaterfestival

initiiert hatte, war sie vor den

Stadtrat zitiert worden, weil sie auf

Wunsch der Theatermacherinnen in

den ersten drei Tagen im Publikum

nur Frauen zulassen wollte.Tatsächlich

wurde es dem Theater verboten,

in diesen drei Tagen als Veranstalter

aufzutreten, die Kölner Frauenbuchläden

übernahmen. Bei Burning Issues

2019 indessen war die Ansage

„Ladies Only“ bei der eröffnenden

„Sister Session“ für niemanden ein

Problem –weder für die Männer,die

trotz der Aufforderung, zu gehen,

blieben, noch für die Frauen, die sie

neben sich stehen ließen.

Wir sind hier, wir sind relaxt, wir

sind uns einig –auch der nach den

Eröffnungsreden und dem Gruppenfoto

gemeinschaftlich betrachtete

Zusammenschnitt solidarischer

Videobotschaften zu den brennenden

Fragen der Theaterrealität zeigte

Frauen, Männer und nicht-binäre

Personen derTheaterszene in kollektiver

Empörung über Körperklischees,

familienfeindliche Arbeitsbedingungen,

schlechtere Bezahlung

von Frauen und die Tatsache,

dass eine Studie von2016 nur 22 Prozent

weibliche Leitungstätigkeit verzeichnen

konnte.

Letzteres mag sich in den letzten

Jahren schon etwas geänderthaben,

denn der Deutsche Bühnenverein ist

zwar nach wie vor „ein Mann“, wie

die Dramaturgin Nicola Bramkamp

formulierte,die die zum zweiten Mal

stattfindende Burning-Issues-Konferenz

gemeinsam mit der Schauspielerin

Lisa Jopt und der Theaterschaffendenvertretung

Ensemblenetzwerk

initiierte. Aber dieser

Mann gibt sich eifrig und willig in der

Frauenfrage.Und der Regisseur Milo

Rau rief aus Gent oder von sonstwo

in seine Handykamera gar:„Seid radikal!

Warum nur 50 Prozent Frauen

beim Theatertreffen in den nächsten

beiden Jahren? Wieso nicht 100 Prozent

für fünf Jahre?“ Front also war

gestern, Feminismus ist hip geworden

im heutigen Theater. Nach der

„Sister Session“ legte am Eröffnungsabend

der Schauspieler Lars

Eidinger für alle Geschlechter im

oberen Foyer auf, und zwar mit Aufklebernimganzen

Gesicht und üblichem

Spängchen im Haar –auchdie

Pose istschließlich eine Haltung.

Außerdem ist statt des Arbeitsgruppenwesens

der Achtziger jetzt

die internetgetriebene Schlagkraft

des fröhlich einpeitschenden Ensemblenetzwerks

am Zuge („Kill the

Theaterfolklore!“, „Gebt eure Kinder

zur Adoption frei!“), an der kein Intendant

auf die Dauer vorbeikönnen

wird. Und: Die Beauftragte der Bundesregierung

für Kultur und Medien,

„Wenn du nicht

mit am Tisch sitzt,

stehst du

auf der Speisekarte.“

Maria Fleming,Geschäftsführerin des Dublin Theatre Festival,

bei einer Podiumsdiskussion im Delphi-Kino

Monika Grütters, hat die Frauensache

zu der ihren gemacht. Und: Es

gibt inzwischen eine Praxis .

Zu der Frage, wie andere esgeschafft

haben, die gläserne Decke im

Bereich des Theaters anzukratzen,

versammelten sich am Sonnabendvormittag

auf der Bühne des Delphi-

Kinos fünf Frauen mit Erfahrung:

Nele Hertling, die 1989 als Leiterin

des Hebbel-Theaters die erste Intendantin

in Berlin wurde, Barbara

Mundel, die lange das Theater Freiburgleitete

und jetzt Intendantin der

Münchner Kammerspiele wird,

Franziska Werner, die Leiterin der

Sophiensäle, die Geschäftsführerin

des Dublin Theatre Festival Maria

Fleming und Nina Röhlcke,

Kulturattachée der Schwedischen

Botschaft in Berlin.

In Schweden, berichtete Röhlcke,

nahm 2004 der damalige Kulturminister

Leif Pagrotsky, der aus der

Wirtschaft gekommen war,die Sache

in die Hand. Dass die 37 Theater des

Landes nur in zwei Fällen von

Frauen geleitet wurden, fand er

mehr als befremdlich. Sieben Jahre

später wurden 20 der 37 Theater von

Frauen geleitet. Einziges Mittel der

Wahl war ein intensives Mentoring-

Programm für interessierte Frauen,

das ein stabiles Netzwerk hervorbrachte

und der Szene klarmachte,

wie ernst die Politik es meinte.

In Irland, so indessen Maria Fleming,

war es die Schwarmintelligenz,

die eine Wende einläutete. Als

das nationale Abbey Theatre 2015

sein Programm für 2016 vorstellte,

dem 100-jährigen Jubiläum der irischen

Unabhängigkeitsbewegung,

waren acht Stücke vonMännerndabei

und eines von einer Frau –ein

Kinderstück für die Schulen. Einen

Tagspäter fragte eine Frau im Netz,

ob es auch andere gäbe, die dieses

Verhältnis misslich fänden, und der

Hashtag WakingTheFeminists war

geboren. Zwei Wochen später standen

auf der Bühne des Abbey Theatres

zahlreiche Frauen, die ihre Geschichte

erzählten. Eine solidarische

Adresse der US-Schauspielerin

Meryl Streep tat das ihre, und heute

haben sich schon zehn Theater in

der Republik Irland auf eine Genderpolitik

verpflichtet. „Ich bin für die

Quote“, grinst Maria Fleming auf

dem Podium, „weil sie wirkt.“

Barbara Mundel wiederum wies

darauf hin, nicht nur das künstlerische

Personal im Theater im Auge zu

haben. Als das Theater Freiburg(mit

Beate Kahnert) eine Technische Direktorin

bekam, habe sich „die Dialogfähigkeit

des Hauses“immens erhöht.

Führen Frauen also anders?

Besser? Reicht esnicht, dass sie Intendantinnen

werden, müssen sie

auch in jedem Fall das System verändern?Welche

Rolle kommt den Männern

indiesem Prozess zu? Wie verändert

Macht den Charakter? Wie

genau lassen sich denn nun Familie

und Führungspositionen vereinen?

Und vor allem: Braucht es in

Deutschland nicht auch ein Mentoring

für die Kulturpolitik?

Als man auseinanderging und

Richtung Festspielhaus strebte, wo

mit zehn partizipativ kuratierten Gesprächen

und Workshops die „Burning

Issues Academy“ stattfand,

blieben naturgemäß mehr Fragen

offen als gestellt worden waren. Was

aber gut ist, weil es weiter an den

Tisch zwingen wird. Und, wie eine

Frau aus der irischen Army einmal

zu Maria Fleming sagte: „Wenn du

nicht mit am Tischsitzt, stehst du auf

der Speisekarte.“ Fortsetzung folgt

gewiss. Denn noch etwas ist anders

an der Frauenbewegung von heute.

Wiederum MariaFleming brachte es

auf den Punkt:„Als ich jung war,protestierte

ich gegen das,was mich behinderte.

Die heutigen Kampagnen

sind positiv. Heute sagen die Frauen

,Ja!‘ zu dem, was sie wollen.“

PetraKohse

trägt zuhause auch gern

malSpängchen im Haar.

Musik von fast bildhafter Qualität

Schubert im direkten Hier und Jetzt: Der Pianist Shai Wosner gestaltet den Auftakt des 7. Berliner Klavierfestivals im Konzerthaus Berlin

VonGerald Felber

Die Saaltüren sind noch nicht

ganz zu, und schon ist Shai

Wosner am Tun–Auftritt, kurze Verbeugung

im Vorbeigehen, erster Akkord.

Der inIsrael geborene Pianist

mag es hurtig, und das nicht nur in

der Wahl seiner Tempi: Zwischen

den Sätzen bleibt nicht einmal ein

tiefer Atemzug Pause, und noch die

Zugaben werden gut geölt und ohne

überflüssiges Verweilen in den herzlichen

Schlussapplaus gestreut.

Etwas verblüfft fragt man sich,

wieso sich ein solcher Pianist ausgerechnet

auf Franz Schubert fokussiert,

der doch wie kaum einer vor

ihm Instabiles, Zweideutiges und

fragmentarisch Offenes und damit

das genaue Gegenteil straff getakteter

Abläufe in die Musik gebracht

hat. Doch aus dem anfänglichen lei-

Sportlich, offensiv und herzensfroh: der israelische Pianist Shai Wosner.

JAMIE JUNG

schenlaute – Vogelrufe, Hornquinten,

Wind- und Wasserspiele oder

vorbeiwehende Tanzfragmente –

klarfarbig, scharf umrissen und

sinnlich direkt erscheinen.

Doch hier lösen sie nicht, wie

man das bei Alfred Brendel oder

Radu Lupu hören kann, meditativ

verlorene Traumsequenzen aus,

sondern bleiben Stationen einer mit

wachen Ohren und neugierig-mitfühlenden

Sinnen durchwanderten

Umwelt, die fast bildhafte Qualitäten

erlangt. Auch dynamisch gibt es viel

häufiger kraftvolle als leise Töne;

eine freudige Inbesitznahme der

Welt selbst da, wo sich Schatten und

trübe Erinnerungen ins Bild mischen.

Wasalles ja dennoch auch lyrische

Empfindsamkeit und Poesie

einschließen darf, die im Laufe des

Programms immer mehr Raum gewinnen:

von der noch eher konsta-

sen Befremden kann schnell Faszination

erwachsen. Denn wie immer

man zu Wosners eher sportlich-athletischer

und sehr offensiv angegangener

Begegnung mit seinem Lieblingskomponisten

stehen mag: Er

verfolgt sein Konzept mit beeindruckender

Konsequenz.

Da begegnet einem ein Schubert,

der sich nicht in süß träumerischen

Weltfluchten verliert, sondern wie

ein Romancier das Sein der Menschen

in ihrer Umwelt mit seinen

Aufschwüngen und Ermattungen,

Glücksgefühlen und Verstörungen

beobachtet und dessen Sonaten –an

diesem Abend sind es die in a-moll

(D 845), D-Dur (D 850) und G-Dur (D

894) –imGegensatz zu Beethovens

oft utopisch überhöhten Konzepten

immer im direkten Hier und Jetzt

spielen. Das heißt zuerst, dass die

eingefangenen Natur- und Mentierenden,

relativ trockenen Sachlichkeit

der Moll-Sonate zum abschließenden

G-Dur-Stück, das ganz

ohne Sentimentalität in frei und natürlich

entfalteter Gefühlstiefe erklang.

Passagen wie der abendrötlich

aufblühende und dann still nachleuchtende

Schluss in deren Eingangssatz

oder das zauberisch lockend

vorbeiwehende Menuett-Trio

ließen Vorfreude auf Wosners zweiten

Abend am 26. Mai aufkommen,

der dann die drei letzten Sonaten

Schuberts umfassen wird. Mit diesem

Auftakt aber war Barnaby Weilers

Projekt eines von privatem Enthusiasmus

getragenen Klavierfestivals

nach einjähriger Pause sofort

wieder voll da.

Berliner Klavierfestival,bis 5. Juni,Konzerthaus

Berlin, Programm www.berliner-klavierfestival.de


Berliner Zeitung · N ummer 115 · M ontag, 20. Mai 2019 23

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Feuilleton

Ein Western

in

Ost-Österreich

ZDF zeigt einen weiteren

„Landkrimi“ des ORF

Vorbotin

der

Kolonialzeit

Die Cape-Cross-Säule geht

zurück nach Namibia

VonTorsten Wahl

Brigitte Kren als Kommissarin (links) und

Magdalena Kronschläger.

ZDF

Der füllige Dorfpolizist Hans Boandl

(Christoph Krutzler) weiß,

wo der Mörder des toten Mädchens

aus dem Dorf zusuchen ist. Da sich

seiner Meinung nach die Einheimischen

und die Fremden nicht untereinander

umbringen würden, kann

es nur einer „von denen“ gewesen.

„Die anderen“ –das sind junge Syrer,

die im Sommer 2015 über Ungarn

ins Burgenland kamen und seither in

einer Pension hausen. Einer von ihnen

war tatsächlich mit der stummen

Renate befreundet und ist seither

auf der Flucht.

„Grenzland“ heißt ein weiterer

„Landkrimi“ des ORF, der vom ZDF

übernommen wurde. Die Reihe

spielt immer in einem anderen Bundesland,

diesmal ist es das Burgenland

an der östlichen Grenze. Der

Fall fragt gar nicht in erster Linie danach,

wer der Täter ist, sondern wie

sich Stimmungen im Land ausbreiten

–das ist hochpolitisch. Denn die

Einstellungen des Dorfpolizisten

und der Männer vom Stammtisch

werden ja vonder Freiheitlichen Partei

Österreichs vertreten –und die

FPÖ gehörte sowohl im Burgenland

als auch in Österreich der Regierung

an, jedenfalls als gedreht wurde.

Wie inden meisten „Landkrimis“

des ORF kommt der verantwortliche

Ermittler von außen in die Provinz.

Hier ist es die resolute Eisenstädter

Kommissarin Elfriede Jandrasits –

Brigitte Kren spielt unter der Regie

ihres Sohns Marvin Kren. Dieenergische

Frau ist wahrlich keine „Fremdenfreundin“.

Doch sie lässt sich

von einer Übermacht Männer nicht

beeindrucken, hat zuvor sogar gegen

ihren Chef ermittelt, der seine Frau

misshandelte. Und auf die Handgreiflichkeit

des schließlich aufgefundenen

Syrers Achmed (Hassan

Akkouch) findet sie ihre eigene Antwort:

eine deftige Ohrfeige.Auch auf

die Vorhaltungen der Männertrupps

reagiertdie Kommissarin direkt. Der

burgenländische Dialekt, der fürs

ZDF-Publikum in der Synchronisation

entschärft wurde, ist dabei prägend.

Die Wienerin Kren ließ sich

hier von einheimischen Mitspielern

wie Christoph Krutzler helfen.

IhrSohn Marvin Kren, der als Regisseur

der Neukölln-Gangsterserie

„4 Blocks“ aufgefallen ist und gerade

für Netflix eine Sigmund-Freud-

Thrillerserie dreht, überrascht in der

ersten Hälfte mit einer betont ruhigen

Inszenierung, die nicht nur die

Stimmung unter den Einheimischen,

sondern auch die der nebligen

burgenländischen Landschaft

einfängt. In der zweiten Hälfte wandelt

sich „Grenzland“ dann zu einem

packenden Western – sowohl der

Mob der Dörfler als auch der flüchtige

Achmed streifen mit Jagdgewehrendurch

die Felder und lauerneinander

auf. Mit seinem politischen

Schwerpunkt sind die „Landkrimis“

des ORF den allermeisten Regionalkrimis

des ZDF voraus –am12.Juni

folgt mit „Höhenstraße“ schon der

nächste Fall dieser starken Reihe.

Grenzland –Mo, 20.5., 20.15, ZDF

Deutschland ist in Cannes nur mit Werner Herzogs Film „Family Romance, L.L.C.“ vertreten, allerdings nicht im Wettbewerb.

Pfeifen gegen digitale Überwachung

Jessica Hausner,Werner Herzog, Pedro Almodóvar und der Rumäne Corneliu Porumboiu in Cannes

VonDaniel Kothenschulte

Die Macht bewegter Bilder –auch

in Cannes musste man am Wochenende

anerkennen, dass der

kühnste hier gezeigte Film sie nicht

besser beweisen könnte als ein kleines

Video aus Ibiza. Werimmer mit

versteckter Kamera den österreichischen

Vizekanzler Heinz-Christian

Strache und die Regierungskoalition

zu Fall brachte, war ein Meister der

Inszenierung von Realität. Doch

Cannes wärenicht die bedeutendste

Filmschau, wenn nicht wenigstens

ein Film im aktuellen Programm den

passenden Kommentar bereithielte.

Wanzen überall

Nicht nur führt der Rumäne Corneliu

Porumboiu mit seinem Spionagethriller

„La Gomera“ ebenfalls auf

eine spanische Insel. In diesem Katzund

Mausspiel korrupter Staatsdiener

mit der Mafia lebt jeder im Bewusstsein,

ständig gefilmt und abgehört

zuwerden. DieVilla, in der sich

der Polizeispitzel mit einer vermeintlichen

Informantin trifft, ist

ebenso verwanzt wie das Polizeihauptquartier,woeine

Chefin ihreillegalen

Methoden plant. Weil aber

jeder davon weiß, wirdeine Geheimsprache

zum zentralen Thema dieses

herrlich vertrackten Spiels mit

dem Absurden. „The Whistlers“, Die

Pfeifenden, lautet der internationale

Titel, denn die Geheimsprache ist

eine Pfeif-Sprache. Es ist ein Film

voller filmischer Referenzen. Kon-

VonChristiane Oelrich

Der britische Akademiker Gerard

Cheshire will innerhalb von

zwei Wochen entschlüsselt haben,

worüber die besten Forscher der

Welt seit mehr als 100 Jahren erfolglos

gebrütet haben: dasVoynich-Manuskript.

Niemand gelang es bisher,

Schrift oder Sprache des Dokuments

zu erkennen. Nur eins ist klar: Eine

Karbonanalyse hat das Pergament

mit 240 Seiten und zahlreichen Illustrationen

auf 1404 bis 1438 datiert.

Seit Jahren werden Durchbrüche

verkündet und vonden meisten Forschern

als Unsinn abgetan. Gewicht

bekam Cheshires Artikel aber,weil er

in der Fachzeitschrift Romance Studies

erschien. Doch seit die Universität

Bristol den Artikel vorein paar Tagen

bekannt gemacht hat, hagelt es

Kritik. „Cheshire hat seine Thesen

spirative Treffen finden in einer verwaisten

Westernstadt oder dem Kinosaal

einer Kinemathek statt, die

gerade John Fords Klassiker „The

Searchers“ zeigt. Auch auf dieser gespenstischen

Reise auf den Spuren

einer indianischen Kultur wird einmal

vielsagend gepfiffen.

„Wie lange wirdesnoch ein Publikum

geben, das filmische Referenzen

versteht“, fragt Alexander Horwath,

der frühereDirektor des österreichischen

Filmmuseums.Wir sprechen

über die

Wettbewerbsteilnehmerin Jessica

Hausner, deren österreichischer

Science-Fiction-Film „Little Joe“ in

einem Treibhaus spielt. Im Genre-

Klassiker „Lautlos im Weltraum“

überlebten ausgewählte Pflanzen

unter der künstlichen Sonne eines

fliegenden Gewächshauses. Bei

Hausner wird die unselige Zukunft

auf der Erde gemacht. Ein Genlabor

hat eine Blume erfunden, die auf die

emotionale Ansprache ihrer Besitzer

reagiert und sich mit ihrem Duft tief

im Gehirn der Menschen einnistet,

die für sie gespenstische Schutzgefühle

entwickeln –und darüber auch

engsten Verwandten die kalte Schulter

zeigen. Diefrappierende Idee fügt

sich in eine Tradition gesellschaftskritischer

Science-Fiction-Filme ein.

Werner Herzog, als einziger Deutscher

offiziell vertreten, wenn auch

nur als „Special Screening“, wurde

diesmal von Japan angezogen mit

seiner für Europäer ungewohnten

Vorliebe für Simulationen und Inszenierungen

vonWirklichkeit. In semidokumentarischer

Inszenierung,

vonHerzogselbst sichtlich mit Amateurtechnik

gefilmt –sein Sohn Simon

besorgte den dagegen untadeligen

Ton–geht es um eine Firma, bei

der man sich Familienmitglieder

mieten kann: „Family Romance,

L.L.C.“, so der Titel. Eine alleinstehende

Mutter hat sich für ihre 12-

jährige Tochter einen falschen Vater

von der Agentur bestellt, doch der

macht seine Sache so gut, dass sie

ihn am Ende gerne zu ihrem echten

Partner machen möchte. Unterlegt

mit Cello-Improvisationen von Herzogs

Stammmusiker Ernst Reijseger

gelingt dem 76-Jährigen der wohl

leichteste Spielfilm in seiner langen

Karriere. Auch die manchmal amateurhafte

Bildgestaltung fügt sich in

das Konzept dieses ungewöhnlichen

Familienfilms.

Noch privater zeigt sich Pedro

Almodóvar in seinem jüngsten Spielfilm

„Pain and Glory“. Sein treuer

Hauptdarsteller Antonio Banderas

spielt als von einer kreativen Blockade

gebeutelter Autorenfilmer Salvador

Mallo sein alter ego. Schonungslos

klagt Banderas’ Filmfigur

über das Altwerden, idealisierende

Kindheitserinnerungen führen zurück

zum Ursprung der kreativen Berufung.

Penelope Cruz spielt in den

Kindheitsszenen die idealisierte Mutter,

auch wenn man der Nostalgie

nicht immer folgen mag –etwa wenn

sie mit anderen Müttern singend im

Fluss die Wäsche säubert. Willkom-

Ein Rätsel seit 100 Jahren

Britischer Forscher will das Voynich-Manuskript entschlüsselt haben

seit längerem an Fachkollegen verschickt,

und er wurde zwei Jahre

nicht ernst genommen“, sagte Jürgen

Hermes, Computerlinguist an

der Universität Köln, der das Voynich-Manuskript

2012 in seiner Dissertation

behandelt hat, der Deutschen

Presse-Agentur.Die Romanistin

SandraHajek vonder Universität

Göttingen wirft Cheshire unwissenschaftliches

Arbeiten vor.

Dominikanische Nonne als Autorin

Dieser machte eine dominikanische

Nonne als Autorin aus,die ein Nachschlagewerkfür

Mariavon Kastilien,

Königin von Aragon, und ihren Hofstaat

(1401–1458) geschrieben habe.

Das schließt er aus Landkarten in

dem Manuskript, auf denen er eine

von Maria von Kastilien dirigierte

Rettungsaktion nach einem Vulkanausbruch

1444 ausmachte. Esgehe

um Kräuterheilmittel, therapeutische

Bäder, Fortpflanzung und Kindererziehung.

DerFernsehjournalist

Nicholas Gibbs hatte 2017 inhaltlich

ähnliche Angaben gemacht. Er zog

seine Schlüsse aus den Illustrationen

und entzifferbaren lateinischen Abkürzungen.

Gibbs Erkenntnisse

seien reine Interpretationen, seine

nicht, schrieb Cheshire der dpa per

E-Mail. „Es ist simpel: Es geht nicht

um eine Interpretation. Die Lösung

brauchte ein Alphabet, eine Schrift

und eine Sprache. Jetzt ist es möglich,

jedes Wort, jede Formulierung

und jeden Satz zu nehmen und

folgerichtig zu übersetzen.“ Neben

einem Pflanzenbild entziffert Cheshire

als Text etwa „la naza éo eme

ona oma nor nais t“ und übersetzt:

damit die Schwangerschaft/das

Baby gutes Wachstum für eine normale

Geburtschafft.

FILMFESTIVAL CANNES

men in Francos Spanien. Erst der

Kontrast zur bitteren Selbstbetrachtung

gibt dieser Stilisierung ihren

Platz –ein langer Handlungsstrang

erzählt vonDrogenexperimenten des

alternden Kreativen auf der Suche

nach Inspiration. Im Programm ist

Almodóvars fiktionalisierte Autobiografie

das introvertierte Gegenstück

zu Elton Johns selbsterrichtetem

Denkmal„Rocketman“.

Bögen der Globalisierung

ImWettbewerb dominieren sonst publikumswirksame

Genrefilme mit

künstlerischem Touch. Der visuell

imponierendste kommt aus China:

„The Goose Lake“ vonDiao Yinan erzählt

vom Kräftemessen der Polizei

mit der Bandenkriminalität. Man

staunt, dass die chinesische Zensur

an der Darstellung der Behördenwillkür

nichts auszusetzen hatte, vielleicht

findet sie das brutale Vorgehen

der Behörden gegen harmlose Motorraddiebe

angemessen. Doch die

Handlung ist nur der Rahmen für einen

atemberaubend fotografierten

Film. Wong Kar-wai kommt einem in

den Sinn. Eine der schönsten Szenen

ist eine Tanzparty in der billigen Vergnügungsmeile

einer Vorstadt. Die

Musik stammt von zwei Bands aus

Deutschland, der vertraute Klang beweist,

welche Bögen die Globalisierung

spannt: Boney M. und Dschinghis

Khan. Hier ist er also,der gemeinsame

Nenner der Weltkultur: „Lasst

noch Wodka holen, denn wir sind

Mongolen.“

Für ihn ist das Voynich-Manuskript

das einzige bekannte Dokument

in der Sprache Protoromanisch,

einem Vorläufer romanischer

Sprachen wie Spanisch, Französisch

oder Italienisch. Die Schrift sei ausgestorben.

Er habe aber das Alphabet

entschlüsselt, ebenso Symbole

und Abkürzungen.

Für die renommierte Mittelalterforscherin

Lisa Fagin Davis ist die

Cheshire-Theorie „Unsinn“: „Sorry

Leute, Protoromanisch gibt es

nicht“, twitterte sie. Hayek sagt, die

ältesten in romanischen Sprachen

überlieferten Texte stammten aus

dem 9. und 10. Jahrhundert. „Sie zeigen

keinerlei Ähnlichkeit mit der

Sprache des vonCheshirerekonstruierten

Textes.“ Es sei fast ausgeschlossen,

dass sich eine ArtProtoromanisch

bis ins 15. Jahrhundert erhalten

habe. (dpa)

VonGerd Roth

Deutschland gibt mit der aus

dem heutigen Namibia stammenden

Säule von Cape Cross ein

bekanntes Kolonialobjekt zurück an

das afrikanische Land. DieRückgabe

der Kreuzsäule ist aus Sicht der Bundesregierung

ein „markantes Zeichen“

in der anhaltenden Diskussion

um die Restitution von Kolonialobjekten.

„Das ist eine zukunftsweisende

und wichtige

Entscheidung“, sagte Kulturstaatsministerin

Monika Grütters. Viel zu

lang sei die Auseinandersetzung mit

der Kolonialzeit Deutschlands ein

„blinder Fleck“ gewesen.

Das Kuratorium des Deutschen

Historischen Museums in Berlin

hatte vergangene Woche einem Vorschlag

von Museumspräsident Raphael

Gross zugestimmt, die Säule

an Namibia zurückzugeben. Die 1,1

Tonnen schwereSäule aus Kalkstein,

errichtet von portugiesischen Seefahrern,

Vorboton der Kolonialzeit,

wurde Ende des 19. Jahrhunderts aus

der damaligen Kolonie Deutsch-

Südwest-Afrika ins Kaiserreich gebracht.

DerBotschafter der Republik Namibia,

Andreas Guibeb, sieht in der

Rückgabe einen „deutlichen Fortschritt“.

„Das Original der Säule ist

untrennbar verbunden mit der Geschichte

Namibias“, sagte Guibeb in

Berlin. Auch Namibias Kulturministerin

Katrina Hanse-Himarwa begrüßte

die Rückgabe.„Das bedeutet

für Namibia viel“, sagte die MinisterininWindhuk.

DasKreuz könne jedoch

keinesfalls einen Endpunkt der

historischen Aufarbeitung darstellen.

„Das Kreuz ist nur eines der

Kunstwerke, und das bedeutet, dass

Deutschland bereit ist, die Schandtaten

der Vergangenheit anzuerkennen.

Es braucht eine Entschuldigung,

Rückgaben und Wiedergutmachung,

um eine gemeinsame Kultur

der Erinnerung für unsere

gemeinsame Geschichte und Zukunft

zu finden“, sagte sie.

Der Kolonialismus-Experte Jürgen

Zimmerer forderte eine öffentliche

Debatte über Kolonialobjekte in

Deutschland. Er erinnerte auch an

den Völkermord: „Deutschland und

Namibia verhandeln seit Jahren über

die Anerkennung des Genozids an

den Herero und Nama, ohne dass es

hier einen Erfolg gibt.“ (dpa)

Mehr als 530 Jahre alt ist die Herrschaftssäule.

Im August soll sie zurück. AFP

TOP 10

Sonnabend, 18. Mai

1 ESC-Finale, TelAviv ARD 7,59 34 %

2 Tagesschau ARD 6,24 27 %

3 München Mord ZDF 4,98 18 %

4 Sportschau ARD 4,71 27 %

5 ESC-Countdown ARD 4,58 17 %

6 heute journal spez. ZDF 4,38 18 %

7 ESC-Countdown ARD 3,90 15 %

8 heute journal ZDF 3,27 11 %

9 heute ZDF 2,51 13 %

10 das akt. sportstudio ZDF 2,29 9%

ZUSCHAUER IN MIO/MARKTANTEIL IN %


24 Berliner Zeitung · N ummer 115 · M ontag, 20. Mai 2019

·························································································································································································································································································

Tagestipp

KALENDER

BÜHNE

Berliner Kriminal Theater (✆ 47 99 74 88)

20.00: Passagier 23

Deutsche Oper Berlin (✆ 34 38 43 43)

19.30: Der Barbier vonSevilla

Deutsches Theater (✆ 28 44 12 25)

19.30: Zeiten des Aufruhrs

DT-Kammerspiele (✆ 28 44 12 25)

19.30 Box: Fabian. Die Geschichte eines Moralisten

20.00: Die Umsiedlerin

Estrel Convention Center (Sonnenallee 225)

16.00: NSU-Monologe(Bühne für Menschenrechte)

Haus der Berliner Festspiele (✆ 25 48 91 00)

19.00: Theatertreffen: Das große Heft (Staatsschauspiel

Dresden)

Schaubühne (✆ 89 00 23)

19.30: RichardIII.

Schlosspark Theater (✆ 78 95 66 71 00)

20.00: Mörder und Mörderinnen

Vaganten Bühne (✆ 313 12 07)

20.00: Der Nazi &der Friseur

KABARETT/VARIETÉ

1820 Bar (Rosa-Luxemburg-Str.41)

20.15: Cosmic ComedyBerlin Open-Mic –English

Comedy(Dharmander Singh, Neil Numb u. a.)

Bar jeder Vernunft (✆ 883 15 82)

20.00: Die Vorteile des Lasters (Lisa Eckhart)

BKA (✆ 202 20 07)

20.00: TheatersportBerlin: Das Match

Distel (✆ 204 47 04)

19.30 Studio: Wirhaben genug (Ruwe&Valenske)

20.00: Zirkus Angela

TIPI am Kanzleramt (✆ 39 06 65 50)

19.45: Die große radioeins Satireshow(Florian

Schroeder &Gäste)

Wühlmäuse (✆ 30 67 30 11)

20.00: Hurra, ab Montag istwieder Wochenende!

(Bernd Stelter)

KLASSIK

Hochschule fürMusik Hanns Eisler im Neuen Marstall

(✆ 203 09 21 01)19.00 Galakutschen-Saal II:

Vortragsabend Violinklasse Prof. Kolja Blacher

19.00 Krönungskutschen-Saal: Vortragsabend

Klarinettenklassen Prof. Ralf Forster,Prof. Martin

Spangenberg

Konzerthaus Berlin (✆ 203 09 21 01)

20.00 Kl. Saal: ATOS Trio, Akkordarbeit, Mozart:

Klaviertrio C-Dur;Brahms: Klaviertrio c-Moll op. 101;

Tschaikowsky: Klaviertrio a-Moll op. 50

20.00: Julia Fischer

Philharmonie (✆ 25 48 83 01)

20.00: Orchestre de Paris, Ltg.Daniel Harding,

Antoine Tamestit (Viola), Berlioz: „Harold en Italie“

op. 16; Beethoven: Symphonie Nr.6F-Dur op. 68

„Pastorale“

UdK Konzertsaal Hardenbergstraße

(✆ 31 85 23 74) 19.30: Bodo Wartke (Solo am Klavier),

Gast: Melanie Haupt, crescendo –Musikfestival:

Unvollendet –was man mit einemabgebrochenem

Musikstudium alles anfangen kann, Ein musikalischer

Querschnitt aus seiner Zeit an der UdK

KINDER

Atze Musiktheater (✆ 81 79 91 88)

10.30: Rico, Oskar und dieTieferschatten (ab 8J.)

11.00 Studio: Bei der Feuerwehr wird der Kaffee kalt,

Das Weite Theater (ab 3J.)

Computerspielemuseum (✆ 60 98 85 77)

10.00: Aufschlag Games. Wiedigitale Spiele in unser

Leben traten, Videogames

FELD –Theater für Kinder und Erwachsene

(✆ 54 08 69 48) 10.00: Einmal Schneewittchen,

bitte, Anna Rampe,Puppentheater (ab 4J.)

FEZ/Astrid-Lindgren-Bühne (✆ 53 07 12 50)

10.00: Du hastangefangen! Nein, du!, puppen.etc,

Grips Hansaplatz (✆ 39 74 74 77)

10.00: Antonmacht’sklar (ab 8J.)

Jugendmuseum Schöneberg (✆ 902 77 61 63)

14.00: Heimat Berlin, Projektschau und Aktionsraum

14.00: Villa Global. The Next Generation

14.00: Wunderkammern–Wunderkisten

14.00: Welcome to diversCITY! Queer in Schöneberg

und anderswo

Labyrinth Kindermuseum (✆ 800 93 11 50)

9.00:1,2,3,Kultummel –Die Ausstellung mit dem

Vielfalter,Lernvielspaß für Mitmachkinder (ab 3bis

11 J.)

me Collectors RoomBerlin (Auguststr.68)

12.00: Art&Kids, Offenes Kinderprogramm

Schaubude Puppentheater (✆ 423 43 14)

10.00: Theaterfestival der Erika-Mann-Grundschule:

Gegensätze, Schüler*innen der Erika-Mann-Grundschule

(ab 6bis 13 J.)

Schwartzsche Villa (✆ 902 99 22 12)

10.30: Der kleine Rabe: Nanu, werbist denn du?,

Theater Vagabunt (ab 3J.)

SO36 (✆ 61 40 13 06)

17.00: Roller Kidz, Rollschuhdiskofür Kinder

Theater an der Parkaue (✆ 55 77 52 52)

10.00: Bambi. Eine Lebensgeschichte aus dem

Walde (ab 8bis 12 J.)

10.00: Zinnober in der grauen Stadt, United Puppets

(ab 4J.)

Theater MorgensternimRathaus Friedenau

(✆ 92 35 59 50) 10.00: Buddy&Carl(ab 5J.)

LITERATUR/VORTRAG

Columbia Theater (Columbiadamm 9-11)

20.00: Podcast Liveshow: Klatsch &Tratsch

Danziger 50 (✆ 41 71 58 87)

19.00: Erzählbühne, Kathleen Rappolt;Sven Tjaben

Dussmann (✆ 20 25 11 11)

20.00KulturBühne: Warumwir unsere Grundrechte

schützen müssen, Sabine Leutheusser-Schnarrenberger

und Gregor Gysi, Buchvorstellung und

Gespräch

HAU1(✆25 90 04 27)

20.00: Schwarzer Feminismus, Natasha A. Kelly,

Buchpremiere

Haus für Poesie (✆ 48 52 45 -0)

17.00: SelbstVERSuche: Fake News, Bullshit, Betrug –

Dichten zwischen Wahrheit und Lüge, Asmus Trautsch,

Lyrikwerkstatt

Ingeborg-Drewitz-Bibliothek (✆ 902 99 24 10)

18.30: Venus AD,Gabriele Borgmann

Italienisches Kulturinstitut (✆ 26 99 41 -0)

19.00: Trauer und Licht. Lampedusa, Sciascia, Camilleri

und die Literatur Siziliens, MaikeAlbath, Lesung

und Gespräch mitder Autorin

Lettrétage (✆ 692 45 38)

19.30: Berlin Writers’ Workshop Reading,Teilnehmer*innen

des Berlin Writers’ Workshop und Rebecca

Rukeyser,EnglischsprachigeLesung mit Teilnehmer*innen

des Berlin Writer’sWorkshop, Moderation:

Rebecca Rukeyser

Literaturhaus Berlin (✆ 88 72 86 -0)

19.30: Eurovision Poetry: Vorder Wahl, Dean Atta und

Miruna Vlada im Gespräch mitMax Czollek; Musik:

L.ME.RA

21.00: Wortservierung: Werhat meinen Vater umgebracht,

vonEduard Louis mit Richard Burger

Monarch (Skalitzer Str.134)

20.00: Guerilla Slam #68, PoetrySlam

Schwartzsche Villa (✆ 902 99 22 12)

20.00 Kl.Salon: Autorenforum: Lesen –Zuhören –

Diskutieren, Vorlesen unveröffentlichter Texte

Volksbühne Berlin (✆ 24 06 57 77)

19.00 Roter Salon: Franz Anton Cramer &Astrid

Kaminski, Letters Of...PartII: Ein Leseabend zu

Briefwechseln der Berliner Tanzszene

Z-Bar (✆ 28 38 91 21)

20.00: Freihafen –offene Lesebühne, Offene

Lesebühne

Konzert

Indische

Ragas

zum Abend

Die Indische Botschaft an

der Tiergartenstraße ist

allein als Gebäude einen Besuch

wert. Schon das Material

ist reizvoll, es handelt sich um

roten Sandstein aus Rajasthan,

es ist derselbe Stein, wie er

auch zum Baudes Roten Forts

in Agra verwendet worden ist.

Herzstück der Anlage in Berlin

ist der innenliegende Gartenhof.

Im großen Veranstaltungssaal,

der sich zum Garten

öffnet, finden immer wieder

Kulturveranstaltungen statt.

An diesem Abend geben im

Rahmen der Asia-Pazifik-Wochen

der vielfach ausgezeichnete

Sitarspieler Supratik Sen

Gupta und der ihn begleitende

Tabla-Spieler Angshubha Banerjee

ein Raga-Konzert. Diese

Melodien der klassischen indischen

Musik sind Tageszeiten

zugeordnet, sodass an diesem

Abend evening ragas zu hören

sein werden. Susanne Lenz

Classical Evening Ragas IndischeBotschaft,Tiergartenstr.

17, 18 Uhr. Der Eintritt

ist frei, ein Personalausweis muss vorgelegt

werden.

Die Autorin Daniela Krien

wurde 1975 in Neu-Kaliß

geboren, lebt und

schreibt in Leipzig.

DIOGENES VERLAG/MAURICE HAAS

Nicht jedes Buch passt zu

jedem Leser, das weiß

man ja, aber manchmal

trifft man auch zur falschen

Zeit auf ein Buch. Das sollte

man sich vorAugen halten, wenn die

Freundin herumdruckst, weil ihr das

Geschenk nicht gefiel, wenn beim

Kind die elterliche Begeisterung am

Wachs der Langeweile abperlt. Ich

habe das an mir erlebt mit Daniela

Kriens Roman „Die Liebe im Ernstfall“,

den ich mir Wochen vor dem

Erscheinungstermin Ende Februar

als Leseexemplar vornahm. Der

Klappentext verhieß: „Fünf Frauen,

die das Leben beugt, aber keinesfalls

bricht.“ Doch mein Lesezeichen

blieb nach dem ersten Drittel stecken.

Ich hatte Urlaub und wollte

nur lesen, was mich bewegt. Daniela

Krien ließ mich kalt. Mit Abstand

muss ich sagen: Wahrscheinlich ging

es mir gerade zu gut.

Je länger das Buch auf der Bestsellerliste

zwischen den Plätzen 5und

10 hin- und herwanderte (elf Wochen

sind es jetzt), desto häufiger

habe ich mich gefragt, ob ich dem

Roman nicht noch eine Chance geben

sollte.Ausschlaggebend war das

Cornelia Geißler

legt Bücher manchmal nach 50 Seiten

weg, weil so viele andere warten und die

Lebenszeit für all die zu lesenden Bücher

zu kurz ist. Aber manchmal fällt die Entscheidung

zu schnell, ist ungerecht. Eine

Lesung bietet die Möglichkeit, vorab zu

hören, ob das Buch zu einem passt.

Misstrauen mir selbst gegenüber,als

ich sah, dass die Autorin am Dienstag

im Literaturhaus in der Reihe

„Eine Frau wirdälter“ zu Gast ist. Die

Reihe an sich, benannt nach einem

Buch Ulrike Draesners, ist eine

prima Erfindung, ist doch das Reifen

vonFrauen bis heute mit Makeln behaftet.

Das Thema steckt in dem

Buch: Wie kann eine Frau aus der

Mädchen-Unbeschwertheit ihren

Platz in der Gesellschaft finden,

wenn sie a) lieben und geliebt sein

will, b) Kinder haben möchte und c)

Erfüllung im Beruf sucht? Also: Ich

habe vonvornangefangen und nicht

wieder aufgehört. Man muss sich

mit diesen Frauen nicht identifizieren(auch

wenn ihr Leben im Leipzig

der Gegenwartdas manches Malnahelegt).

Es gibt viele Momente,indenen

man sich über die eine schrecklich

aufregen kann, die nächste in

den Arm nehmen würde, die eine in

ein Gespräch verwickeln möchte,für

die andereeinen Rathätte –kalt lässt

mich das nicht mehr.Indem Roman,

als Geschichtenreigen erzählt, in

dem es zunächst Anknüpfungspunkte

von einer Heldin zur nächsten

gibt, bald aber auch Kreuz- und

KINO

CHARLOTTENBURG

Astor Film Lounge (✆ 883 85 51) Van Gogh: An

der Schwelle zur Ewigkeit 15.15; Der Fall Collini

17.45,20.30

Cinema Paris (✆ 881 31 19) Das Familienfoto –

Photo de famille (OmU) 13.30; Das Familienfoto

15.45, 20.30; Der Flohmarkt von Madame Claire

18.15

Delphi Filmpalast (✆ 312 10 26) Nur eine Frau

15.50,18.10,20.30

Delphi LUX (✆ 322 931040) Das Ende der Wahrheit

13.30, 15.50, 18.15, 20.40; Klasse Deutsch

14.30; Tea with the Dames: Ein unvergesslicher

Nachmittag –Nothing Like aDame (OmU) 16.40;

Greta (OmU) 18.45, 21.00; Preview: All My Loving

(m. Gästen) 20.30; Der Boden unter den Füßen

15.00, 17.30, 20.00; Der Flohmarkt von Madame

Claire 15.30; Das schönste Paar 17.45; Border

14.30,19.00;Die Kinder der Utopie 17.00; Liebesfilm

21.20; Van Gogh:Ander Schwelle zur Ewigkeit

15.30, 18.00, 20.30; Atlas 14.45, 17.00, 19.15;

Mid90s (OmU) 21.30

Filmkunst 66 (✆ 882 17 53) Stan &Ollie 20.00;

Ein letzter Job 17.45; Under the Tree 20.15

Kant Kino (✆ 319 98 66) Urfin: Der Zauberer von

Oz 14.00;Monsieur ClaudeII16.00, 18.15, 20.30;

Stan &Ollie (m. Kurzfilm) 14.50, 17.40, 20.30;

Tea with the Dames: Ein unvergesslicher Nachmittag

14.50, 16.50, 18.50; The Favourite –Intrigen

und Irrsinn 20.50; Das Ende der Wahrheit 15.30,

17.50, 20.15; Royal Corgi: Der Liebling der Queen

15.30; Gundermann 17.20; Ein Gauner &Gentleman

20.00

Zoo Palast (✆ 018 05/22 2966) 3D: Pokemon

Meisterdetektiv Pikachu 14.00; 3D: Avengers: Endgame

16.30, 20.30; 3D: Pokemon Meisterdetektiv

Pikachu 15.30; Glam Girls: Hinreißend verdorben

18.00, 20.20, 22.45; Glam Girls: Hinreißend verdorben

15.00; Der Fall Collini 17.20; The Sun Is

Also a Star 20.10; Pokemon Meisterdetektiv Pikachu

23.00; The Sun Is Also aStar 14.45; 3D:

Pokemon Meisterdetektiv Pikachu 17.30, 20.00;

3D: Pokemon Meisterdetektiv Pikachu –Pokemon

Detective Pikachu (OF) 22.30; 3D: Avengers: Endgame

14.45, 18.30, 22.30; After Passion 15.40;

Greta (2019 USA) 18.10, 20.35, 23.00; Tea with

the Dames: Ein unvergesslicher Nachmittag 14.50;

The Sun Is AlsoaStar17.00;Der Fall Collini 19.45;

3D: Avengers: Endgame (OF) 22.30

FRIEDRICHSHAIN

b-ware!Ladenkino (✆ 20 07 88 88) Birds Of Passage:

Das grüne Gold der Wayuu –Pajaros deverano

(OmU) 11.00; La casa lobo –Das Wolfshaus

(OmU) 13.00; Kleine Germanen 14.15; Willkommen

im Wunder Park 15.45; Das schönste Paar

17.15; Berlin Bouncer (OmenglU) 18.45; Border

20.15; Der Goldene Handschuh 22.10; Of Fathers

and Sons –Die Kinder des Kalifats (OmU) 11.00;

Hi, AI –Liebesgeschichten aus der Zukunft (OmU)

12.45; Streik –Enguerre (OmU) 14.15; Ray &Liz

(OmU) 16.15; Once Again –Eine Liebe in Mumbai

(OmU) 18.15; Dave Made aMaze (OmU) 20.00;

Atlas (OmenglU) 21.30; Antiporno – Antiporuno

(OmU) 23.15; Die Wiese –Ein Paradies nebenan

11.00; Vice –Der zweite Mann (OmU) 12.30; Der

Junge muss andie frische Luft 14.50; Green Book

–Eine besondere Freundschaft (OmU) 16.30; Royal

Corgi: Der Liebling der Queen 18.45; Van Gogh: An

der Schwelle zur Ewigkeit –AtEternity‘s Gate (OmU)

20.30;The Hole inthe Ground (OmU) 22.30

Tilsiter-Lichtspiele (✆ 426 8129) Christo –Walking

on Water (OmU) 16.00; Van Gogh: An der

Schwelle zur Ewigkeit –AtEternity‘s Gate (OmU)

18.00; Roma (OmU) 20.10; Border –Gräns (OmU)

22.45; Der Funktionär 16.15; Familie Brasch

17.45;RBG –Ein Leben für dieGerechtigkeit(OmU)

19.45; La casa lobo –Das Wolfshaus (OmU) 21.40

UCI Luxe Kino Mercedes-Platz Willkommen im

Wunder Park 13.45; Pokemon Meisterdetektiv Pikachu

13.45; IMAX 3D: Hubble 13.45; Avengers:

Endgame 14.00, 16.30, 20.15; Shazam! 14.15;

Royal Corgi: Der Liebling der Queen 14.15; Urfin:

Der Zauberer von Oz14.30, 17.00; Asterix und das

Geheimnis des Zaubertranks14.45;IMAX 3D:Avengers:

Endgame 15.00,19.00;Wenn duKönig wärst

15.15; Monsieur Claude II 15.15; Der Fall Collini

15.20, 18.15, 21.15; Dumbo 15.30, 17.50; 3D:

Pokemon Meisterdetektiv Pikachu 16.00, 18.30,

20.45; Avengers: Endgame (OF) 16.00; 3D: Avengers:

Endgame 16.15, 17.00, 20.30, 21.00; The

Sun Is Also aStar 17.15, 20.00; Nur eine Frau

17.30; Greta (2019 USA) 17.45, 20.00; After

Passion 18.00; The Silence 18.10, 20.45; The Silence

(OF) 20.15; Sneak Preview 20.30; Das Ende

der Wahrheit 20.30; 3D: Avengers: Endgame (OF)

20.45; Preview: Rocketman (OF) 21.00

Zukunft (✆ 01 76/57 86 10 79) Free Solo (OmU)

18.00; Border –Gräns (OmU) 20.00; Birds Of Passage:

DasgrüneGold der Wayuu –Pajarosdeverano

(OmU) 22.10; Jibril 18.00; Under the Tree –Undir

trenu (OmU)19.45;AManofIntegrity: Ein integerer

Mann –Lerd (OmU) 21.30

HELLERSDORF

CineStar (✆ 04 51/703 02 00) Avengers: Endgame

16.00, 19.10; 3D: Avengers: Endgame 16.20,

20.15; The Silence 16.40, 20.20; Pokemon Meisterdetektiv

Pikachu 17.00; 3D: PokemonMeisterdetektiv

Pikachu 17.00, 20.00; After Passion 17.15;

Glam Girls: Hinreißend verdorben 17.50, 20.00;

Monsieur Claude II19.50; Der Fall Collini 20.10

Kino Kiste (✆ 998 74 81) Spreeland. Fontane

14.00; Manou –flieg‘ flink! 16.00; Der Fall Collini

17.45; Bohemian Rhapsody 20.00

HOHENSCHÖNHAUSEN

CineMotion (✆ 038 71/211 41 09) Avengers:

Endgame 14.00, 16.30, 19.45; Royal Corgi: Der

Liebling der Queen 14.10; 3D: Pokemon Meisterdetektiv

Pikachu 14.15,16.45,19.30;Willkommen

im Wunder Park 14.20; Pokemon Meisterdetektiv

Pikachu 14.30, 17.10; Dumbo 14.40; Glam Girls:

Hinreißend verdorben 14.50, 17.15, 19.40; 3D:

Avengers: Endgame 16.10,20.00; Fighting with My

Family 17.20; The Silence 17.50, 20.10; Friedhof

der Kuscheltiere 19.50; Monsieur Claude II20.20

KREUZBERG

Babylon (✆ 61 60 96 93) A Nur eine Frau 17.15,

19.30, 21.45; B Van Gogh: An der Schwelle zur

Ewigkeit –AtEternity‘s Gate (OmU) 16.40, 19.00,

21.20

fsk am Oranienplatz (✆ 614 24 64) Jibril 17.45;

Klasse Deutsch 18.00; Der Boden unter den Füßen

19.30,21.45; Ray &Liz (OmU) 19.45,21.45

Moviemento (✆ 692 47 85) Greta (OmU) 13.45,

16.00, 18.15, 20.30, 22.45; Die sagenhaften Vier

–Marnies Welt 11.15; Unheimlich perfekte Freunde

13.30; Checker Tobi und das Geheimnis unseres

Planeten 15.45; Under the Tree 17.45, 19.45; Under

the Tree –Undir trenu (OmU) 21.45; Monsieur

Claude II–Qu‘est-ce qu‘on aencore fait au Bon

Dieu? (OmU) 10.15, 19.00; Under the Tree –Undir

trenu (OmU) 12.30; Die Winzlinge: Abenteuer inder

Karibik 14.30; Alfons Zitterbacke –Das Chaos ist

zurück 16.45; Border –Gräns (OmU) 21.15

Regenbogen Kino (✆ 69 57 95 17) Die Maske –

Twarz (OmU) 20.30

Sputnik (✆ 694 1147) Klasse Deutsch (OmU)

17.00; Von Bienen und Blumen (OmenglU) 18.30;

Ray &Liz (OmU) 20.15; Border –Gräns (OmU)

22.00; Was kostet die Welt 17.15; Naprotiv levogo

berega –Dem linken Ufer gegenüber (OmenglU)

19.00; Macht das alles einen Sinn? –Und wenn ja

–warum dauert es so lange? 20.45; B-Movie: Lust

&Sound in West-Berlin (OmenglU) 22.30;

Kinobar im Sputnik Berlin Bouncer 20.45

Yorck (✆ 78 91 32 40) Nur eine Frau 15.30,

17.45, 20.00; New Der Boden unter den Füßen

15.50; Das Familienfoto 18.15; Van Gogh: Ander

Schwelle zur Ewigkeit 20.30

KÖPENICK

Kino Spreehöfe (✆ 538 95 90) Urfin: Der Zauberer

von Oz 14.00; Avengers: Endgame 14.00,

19.45; Pokemon Meisterdetektiv Pikachu 15.00;

Alfons Zitterbacke –Das Chaos ist zurück 15.15;

3D: Avengers: Endgame 15.30, 19.30; Glam Girls:

Hinreißend verdorben 16.00, 18.00, 20.15; 3D:

Pokemon Meisterdetektiv Pikachu 17.15, 20.00;

Monsieur Claude II 17.30; Stan &Ollie 17.45; Der

Fall Collini 20.00

Union Filmtheater (✆ 65 01 31 41) Green Book

–Eine besondere Freundschaft 13.00; Der Junge

muss andie frische Luft 13.00; Das Familienfoto

13.00, 18.00; 3D: Dumbo 15.15; Greta (2019

USA) 15.30, 20.00; Pokemon Meisterdetektiv Pikachu

15.45; 3D: Pokemon Meisterdetektiv Pikachu

18.00; Gestorben wird morgen 18.00; Under the

Tree 20.15; Das Ende der Wahrheit 20.15

MARZAHN

UCI Kinowelt am Eastgate (✆ 93 03 02 60)

Willkommen im Wunder Park 14.00; 3D: Avengers:

Endgame 14.00, 16.15, 19.45; Shazam! 14.10;

Alfons Zitterbacke –Das Chaos ist zurück 14.15;

Royal Corgi: Der Liebling der Queen 14.30, 17.00;

Pokemon Meisterdetektiv Pikachu 14.30; Glam

Girls: Hinreißend verdorben 14.45, 17.15, 20.15;

Avengers: Endgame 15.15, 19.30; Die Goldfische

16.45; 3D: Pokemon Meisterdetektiv Pikachu

17.00, 20.15; After Passion 17.15; The Silence

18.00,20.15; Friedhof der Kuscheltiere 20.00; Der

Fall Collini 20.00; Monsieur Claude II 20.15

MITTE

Acud (✆ 44 35 94 98) Die sagenhaften Vier –

Marnies Welt 17.00; Preview: Der Stein zum Leben

(m. Gästen) 19.00; Der Fall Sarah &Saleem –The

Reports on Sarah and Saleem (OmU) 20.45; Der

illegale Film (OmU) 18.00; Under the Tree –Undir

trenu (OmU) 19.45; Liebesfilm (OmenglU) 21.30

Babylon (✆ 242 5969) Anime Berlin: Akira KurosawasTräume–Konna

yume wo mita(OmU)17.15;

Anime Berlin: Nausicaä aus dem Tal der Winde –

Kaze no tani no Naushika (OmenglU) 17.15; Was

kostet die Welt (OmU) 18.15;

Anime Berlin: Ein Brief an Momo –Momo eno

tegami (OmenglU) 19.30; IndoGerman Film: De

de pyaar de (OmenglU) 19.30; Anime Berlin: Mademoiselle

Hanamura #2: Eine Romanze in Tokyo

–Gekijoban Haikara-san ga Toru Zenpen: Tokyo Dai

Roman (OmU) 20.00; Anime Berlin: VampireHunter

D: Bloodlust 21.45; Anime Berlin: Kusama: Infinity

(OmU) 22.15; Anime Berlin: Digimon Adventure tri.

V: Coexistence (OmU) 22.30

CentralHackescherMarkt (✆ 28 59 99 73) Greta

(OmU) 13.15, 15.15, 17.15, 19.30, 21.45; Alfons

Zitterbacke –Das Chaos ist zurück 10.15, 16.30;

Monsieur Claude II–Qu‘est-ce qu‘on aencore fait

au Bon Dieu? (OmU) 12.15,18.45; Border –Gräns

(OmU) 14.15, 21.00

CineStar CUBIX (✆ 04 51/703 02 00) 3D:

Avengers: Endgame 11.00, 12.00, 15.00, 16.00,

19.10, 20.00, 22.20; Mascha und der Bär –Die

neuen Abenteuer 11.10; Royal Corgi: Der Liebling

der Queen 11.15, 13.30,15.45; Pokemon Meisterdetektiv

Pikachu 11.30, 14.10; Alfons Zitterbacke

–Das Chaos ist zurück 11.30;Willkommen im Wunder

Park 11.50; Drachenzähmen leicht gemacht

3: Die geheime Welt 11.50; 3D: Dumbo 12.10;

Avengers: Endgame 13.00, 17.00, 21.00; Shazam!

13.50; Glam Girls: Hinreißend verdorben 14.15,

17.45, 20.15, 23.00; After Passion 14.30, 17.10;

Breakthrough –Zurück ins Leben 14.50; 3D: Pokemon

Meisterdetektiv Pikachu 16.50, 19.30, 23.15;

Greta (2019 USA) 16.55, 19.50, 22.30; Monsieur

Claude II 17.30; The Silence 18.00, 20.30, 23.00;

Der Fall Collini 19.40; Sneak Preview 20.00; The

Hole inthe Ground 22.40; Lloronas Fluch 22.50

Hackesche Höfe (✆ 283 46 03)Der Flohmarkt von

Madame Claire 14.45; Klasse Deutsch (DFmenglU)

17.00; Under the Tree –Undir trenu (OmU) 19.00,

21.00; Berlin Babylon (Omdt+englU) 14.30; Van

Gogh: Ander Schwelle zur Ewigkeit –AtEternity‘s

Gate (OmU) 16.30; Der Boden unter den Füßen

19.00; Berlin Bouncer (OmU) 21.30; Nur eine Frau

(OmU) 15.15, 19.30; Das schönste Paar 17.30;

Free Solo (OmU) 21.45; Der Funktionär 15.30;

Das Familienfoto –Photo defamille (OmU) 17.15,

19.30; Atlas (DFmenglU) 21.45; Wie ich lernte,bei

mir selbst Kind zu sein (DFmenglU) 14.30; Kleine

Germanen (DFmenglU) 17.30; Das Ende der Wahrheit

19.30, 21.45

International (✆ 24 75 60 11) Nur eine Frau

15.00, 17.15, 19.30; Siegessäule und Teddy präs.

MonGay: Jonas –Vergiss mich nicht (OmU) 22.00

NEUKÖLLN

Cineplex Neukölln Arcaden (✆ 01 80/505 06 44)

Royal Corgi: Der Liebling der Queen 14.00, 16.00;

Rafadan Tayfa: Dehliz Macerasi (OmU) 14.00;

Dumbo 14.10; Urfin: Der Zauberer von Oz14.25;

Willkommen im Wunder Park 14.30; Glam Girls:

Hinreißend verdorben 14.30, 17.00, 19.30; Pokemon

Meisterdetektiv Pikachu 14.35, 16.00, 17.10,

19.45; Avengers: Endgame 14.50, 18.40, 20.00;

3D: Avengers: Endgame 16.00; The Silence 17.00,

19.45; Pokemon Meisterdetektiv Pikachu –Pokemon

Detective Pikachu (OF) 17.00; Kapi (OmU)

17.00; Greta (2019 USA) 18.05, 20.30; Avengers:

Endgame (OF) 19.50; Sneak Preview (OF) 20.00;

Sneak Preview 20.00

IL KINO (✆ 91 70 29 19)Van Gogh: An der Schwelle

zur Ewigkeit –AtEternity‘s Gate (OmU) 10.00;

FreeSolo(OmU) 12.00, 23.15; Greta(OmU)13.50,

21.30;AMan ofIntegrity: Ein integerer Mann–Lerd

(OmU) 15.45; Border –Gräns (OmU) 18.00

Neues Off (✆ 62 70 95 50) Greta (OmU) 17.10,

19.30,21.50

Passage (✆ 68 23 70 18) Das Ende der Wahrheit

15.40, 18.00, 20.30; Der Boden unter den Füßen

15.30, 18.00, 20.30; Atlas 16.45, 21.00; Liebesfilm

19.00; Das schönste Paar 16.45; Border

19.00; The Favourite –Intrigen und Irrsinn (OmU)

21.20

Rollberg (✆ 62 70 46 45)Avengers: Endgame(OF)

16.45, 19.45; Pokemon Meisterdetektiv Pikachu

–Pokemon Detective Pikachu (OF) 17.10, 19.30,

21.50; Stan & Ollie (OmU; m.Vorfilm) 17.45,

20.30; Border –Gräns (OmU) 17.45, 20.10; Tea

with the Dames: Ein unvergesslicher Nachmittag –

Nothing LikeaDame (OmU)16.30;Vice–Der zweite

Mann (OmU) 18.30; Wir –Us (OF) 21.20

UCI Luxe Gropius Passagen (✆ 66 68 12 34) Alfons

Zitterbacke –Das Chaos ist zurück 14.00; Glam

Girls: Hinreißend verdorben 14.20, 17.35, 20.05;

Pokemon Meisterdetektiv Pikachu 14.30; Royal

Corgi: Der Liebling der Queen 14.40; Willkommen

im Wunder Park 14.50; Avengers: Endgame 15.15,

19.30; 3D: Avengers: Endgame 16.15, 19.50; Der

Fall Collini 16.50; Greta (2019 USA) 17.00; 3D:

Pokemon Meisterdetektiv Pikachu 17.15, 19.40;

After Passion 20.00; Sneak Preview 20.15

Wolf (✆ 921 03 93 33) Ray &Liz (OmU) 12.10;

Liebesfilm (OmenglU) 12.20, 19.20; Von Bienen

und Blumen (OmenglU) 14.10, 21.10; Mid90s

(OmU) 14.20; Border –Gräns (OmU) 16.10; Pippi

Langstrumpf 16.20; Oberhausen On Tour 2019

–Award Winners (OmenglU) 19.00; Under the Tree

–Undir trenu (OmU) 21.00


Berliner Zeitung · N ummer 115 · M ontag, 20. Mai 2019 25

· ·

·······················································································································································································································································································

Tagestipp

KALENDER

Kinder,Kunst

und Karriere.

Freunde, Mann

und Zeit allein

Daniela Krien erfindet weibliche Lebensläufe

von heute und ist mit „Die Liebe im Ernstfall“

zu Gast in der Reihe „Eine Frau wird älter“

LITERATUR

Volker Braun 20.5., 19 Uhr,Literaturladen

Wist, Potsdam, Dortusstr.17

Daniela Krien 21.5., 19.30 Uhr,Literaturhaus,

Fasanenstr.23

JanBrandt 23.5., 19 Uhr,Zimt &Zucker,

Potsdamer Str.103

Sissel-JoGazan 25.5., 18 Uhr,Buchhandlung

Herschel, Anklamer Straße 38

Querverbindungen entstehen, stecken

etliche wichtige Fragen. DieAutorin

stellt der Leserin hier keine

Freundinnen zur Seite, wie es die

Wohlfühlliteratur macht, die sich ja

auch auf den Bestsellerlisten findet.

Sielegt Lebensentwürfe aus,die von

vielen äußeren Einflüssen bestimmt

sind –Wohnungssuche,Arbeitsmöglichkeiten,

Arbeitsmöglichkeiten mit

Kind, dem Verhältnis zu den eigenen

Eltern. Es gibt die große Liebe, aber

kann die für immer sein? Und was

bedeutetdas für die Kinder? Können

Paare sich wirklich einvernehmlich

trennen? Ein Mann spricht aus, was

die Leserin beschäftigt: „Ob sie

ernsthaft gedacht habe, sich Kinder

und Kunst und Kultur und Freunde

und Mannund Sexund Zeit zum Lesen

und Zeit zum Nichtstun und

spontane Fluchten und wer weiß

was noch alles nehmen zu können,

ohne einen Preis zu bezahlen?“

Nichts im Leben ist umsonst. Und

deshalb unterhält dieses Buch und

gibt zu denken, mit bemerkenswerten

Frauen in den Dreißigern und

Vierzigern.

DieWoche beginnen kann man in

Potsdam, wo Volker Braun mit seinen

beiden neuen Büchern zuGast

ist –bevor er zumLesen nach Bayern

und Nordrhein-Westfalen reist. Volker

Braun kann mit nur einem Satz

(in den „Handstreichen“ ist manch

ein Text nur einen Satz lang!) mehr

Gedankenketten auslösen als andere

Leute mit langen Reden. Man kann

die Lesungswoche fortsetzen mit einer

Frage, die für viele Berliner an

Bedeutung gewinnt –der Gentrifizierung.

Jan Brandt erzählt in „Ein

Haus auf dem Land /Eine Wohnung

in der Stadt“ aus der Wirklichkeit,

vom Haus seines Urgroßvaters, das

vordem Abriss steht, und vonseiner

Berliner Wohnung, aus der ihn eine

Eigenbedarfskündigung vertreibt.

Diese zwei Seiten der Heimat, des

Zuhauses,erzählt er vonzweiSeiten

her: Man kann das Buch vorn und

hinten anfangen.

Die Woche geht zu Ende mit Sissel-Jo

Gazan, einer Dänin, die in Berlin

lebt und inderen Roman „Alles,

was Du vonmir wissen solltest“ Berliner

und dänische Gegenwart und

Geschichte miteinander verknüpft

sind. Das habe ich noch nicht gelesen.

Aber der Anfang in einer Arztpraxis

ist verheißungsvoll.

Stadtplanung

Theater +

Schule =

Zukunft

Dem Theater ist ja nichts

Menschliches fremd. Und

es gibt auch kein Thema, das

hier nicht umgewälzt oder vorformuliert

werden könnte –

die Kernkompetenz des Als-

Ob macht es möglich. Im

Theater an der Parkaue geht es

ab heute um Stadtplanung.

Und zwar aus der Sicht Berliner

Schüler und Schülerinnen.

(Die Parkaue ist ja unser Kinder-

und Jugend-Staatstheater.)

Unter dem Titel„Die klügere

Stadt“ werden bis Donnerstag

Ideen zum besseren

Wohnen, Atmen und digitalen

Zusammenleben gesammelt

und weiterentwickelt. Künstler,

Stadtplaner und Programmiererer

(aller Geschlechter)

stehen den Jugendlichen (ab

Klasse 7) zur Seite.Abends gibt

es Gespräche oder Theater,am

Freitag wird präsentiert, und

am Wochenende schließt sich

ein Stadtfest an. PetraKohse

ParkaueCity.Die klügere Stadt,Bühne

3, Parkaue29, viele Termine, zu denen

Besichtigung oder Mitmachenmöglich ist

www.parkaue.de.

FÜHRUNG

Arbeitskreis altes Regierungsviertel

(✆ 01 76 25 29 15) 13.30: VomWilhelmplatz zum

Führerbunker –Eine Stadtführung durch das alte

Regierungsviertel, Treff: Wilhelmstr./Mohrenstr.am

Denkmal für Leopold vonAnhalt-Dessau

Berlinische Galerie (✆ 78 90 26 00)

14.00: Kuratorenführung in den aktuellen Ausstellungen

14.00: Kuratorenführung in den aktuellen Ausstellungen

14.00: Kurator*innenführung: Lotte Laserstein. Von

Angesicht zu Angesicht.

Bärentouren (✆ 46 06 37 88)

14.00: Bunker und Botanik im Humboldthain –

Geschichts- und Biologieführung im Stadtbiotop vom

2. Weltkrieg bis heute, Treff: Eing.S-Bhf. Humboldthain,

Hochstr.. Anm. erf.

14.00: Berlin on the Second View –Berlin insider tour to

famous historical sights, Meeting point: ‚Granitschale’ (big

stone bowl), Lustgarten, Führung in engl. Spr.. Anm.erf.

16.00: Berlin zur Zeit der Romantik –Literaturführung

vonE.T.A. Hoffmann über die Brüder Grimm bis

AdalbertChamisso, Treff: Schillerdenkmal, Gendarmenmarkt.

Anm. erf.

20.00: Fledermaustour –Alt-Berliner Sagen und

Anekdoten: Romantiktour zwischen Hackeschem

Markt und Klosterviertel, Treff: Klosterruine –Klosterstr./Grunerstr.(Nähe

U-Bhf. Klosterstraße). Anm. erf.

22.00: Nachtwächtertour –Auf denSpuren vonSagenund

GespensternimNikolaiviertel und Alt-Berlin,

Treff: Eing.Nikolaikirche, Propststr.. Anm.erf.

22.00: The Ghost Tour with Nightwatchman –Tracing

theghosts andsagas of Old-Berlin, Meeting point:

Entrance Nikolaikirche, Propststr.(Mitte), English

guided tour.. Anm. erf.

Dalí Berlin (✆ 07 00 32 54 23)

12.30, 14.00, 15.30, 17.00, 18.30: Dalí–Die Ausstellung

am Potsdamer Platz, Treff: Im Museum

Deutsches Historisches Museum (✆ 20 30 40)

10.00: Demokratie-Labor,Führungen für Schulklassen

und Gruppen. Anm. erf.

12.00: Highlighttour:German HistoryinImages and

Artifacts, in engl. Spr.

14.00: Weimar:Vom Wesen und Wert der Demokratie,

Treff: Ausstellungshalle

15.00: Deutsche Geschichte im Blick,Treff: Zeughaus

15.00: Demokratie-Labor, Treff: Ausstellungshalle

Meyers Stadtgänge (✆ 442 32 31)

11.00: VomCharlottenburger Torzur Kgl. Prozellanmanufaktur,zum

Hansaviertel: Gründerzeit-Ikonen,

und die Weltdorfsiedlung der Architekturmoderne,

Bernd S. Meyer, Treff: Straße des 17. Juni/ Ecke

Salzufer.Anm. erf.

Olympiastadion (✆ 30 68 86 18)

11.00, 13.00, 15.00: Tour durchs Olympiastadion

11.30, 13.30, 15.30: Tour durchs Olympiastadion

(in English)

Secret Tours Berlin (✆ /82 09 67 51)

14.00: Lost Place Teufelsberg (ab Potsdamer Platz),

Secret Tours Berlin, Treff: vordem Hotel „Ritz-Carlton“

am Potsdamer Platz 3. Anm. erf.

Stadt im Ohr (✆ 20 07 88 41)

9.00:Hörspaziergang Friedenau –Eine Reise durch

15 Dekaden deutscher Geschichte, stadt im ohr,Treff:

Süßkramdealer,Varziner Str.4

11.00: Zwischen Schlangeund Schwan. Audiospaziergang

über das Leben in DDR-Baudenkmälern, stadt

im ohr,Treff: Concierge,Platz der Vereinten Nationen 1

11.00: Wege nach Queertopia. Gehen, wie wir

leben wollen, Treff: Café Blume an der Hasenheide,

Fontanestr.32

12.00: Audiotour Mitte-Schritte–Hörspaziergang

durch Berlins historisches Zentrum, stadt im ohr,Treff:

ausberlin –Kaufhaus für Berlinprodukte, Karl-Liebknecht-Str.9

16.00: Hörspaziergang Friedrichshain, Der Hörspaziergang

Friedrichshain ist ausleihbar im CafeSibylle,

Karl-Marx-Allee 72

Stasi-Zentrale. Campus für Demokratie –Haus 7

(Ruschestr.103) 15.00: Einblick ins Geheime, Treff:

Foyer

KONZERT

b-flat (✆ 283 31 23)

21.00: Hannes Dunker Trio

Badehaus (✆ 95 59 27 76)

20.00: TiaGostelow

20.00: Joey Landreth

Berghain/Kantine (Rüdersdorfer Str.70)

20.00: JennifferKae,special guest:Charlene Soraia

Cassiopeia (✆ 47 38 59 49)

20.00: Dope Saint Jude +Support

Huxleys Neue Welt (✆ 301 06 80 88)

20.00: Foals, Yak

Orania.Berlin (✆ 69 53 96 80)

20.00: Orania.Piano Series: LarryPorter

Philharmonie/Kammermusiksaal (✆ 25 48 81 32)

19.00: Schulkonzertdes Heinz-Berggruen-Gymnasiums

mit Chören, Bigbands, Orchester und

Tanz-Ensemble

PrivatClub (✆ 61 67 59 62)

20.00: Hyphen Hyphen

Rickenbacker’s (✆ 81 89 82 90)

21.00: MondayNight Pro Jam Session mitJürgen

Bailey

Schlot (✆ 448 21 60)

21.00: Superrocket 3000

Zimmer 16 (✆ 48 09 68 00)

19.30: Die offene Liederbühne –Singer-Songwriter-Forum

CLUB

KitKat/Sage-Club (Köpenicker Str.76)

23.00: Electric Monday, AlexMonster,Christ Burstein,

Frankie Flowerz

Kulturbrauerei/Alte Kantine (✆ 44 31 50)

22.00: Hungry Monday

Monster Ronson’sIchiban Karaoke

(✆ 89 75 13 27) 19.00: Multisexual Boxhopping

22.00: Sing on stagewith Ripsy

Schokoladen Mitte (✆ 282 65 27)

21.00: StrangeTunes on Monday!

SO36 (✆ 61 40 13 06)

19.00: Roller Skate Disko, Rollers HiFi

Soulcat Musik-Bar (Pannierstr.53)

19.00: Vinylsounds

Tresor Club (Köpenicker Str.70)

23.59 Globus: House of Waxx, John Osborn, Langenberg,Elie

Eidelman

BALLROOM

Clärchens Ballhaus (✆ 282 92 95)

21.00: Salsa, Flori, Wilbert, Naudy

MUSEEN

Berlin StoryBunker (Schöneberger Str.23a)

10.00: Geschichte der Hauptstadt, Di-Fr 10-19, Sa/

So/Feiert. 12-20 Uhr;23.12.-26.12./31.12. geschl.,

ab 1.1. tgl. 10-19 Uhr

Botanisches Museum (✆ 83 85 01 00)

9.00: Geliebt, gegossen, vergessen: Die Zimmerpflanzen

der Deutschen, tgl. 9-19 Uhr

Brücke-Museum (✆ 831 20 29)

11.00: Flucht in die Bilder?Die Künstler der Brücke

im Nationalsozialismus, Mi-Mo 11-17 Uhr

Dalí Berlin (✆ 07 00 32 54 23)

12.00, 12.00: Dalí–Die Ausstellung am Potsdamer

Platz, tgl. 12-20 Uhr

Deutsches Spionagemuseum (✆ 398 20 04 51)

10.00: Hauptstadtder Spione, tgl. 10-20 Uhr

Keramik-Museum Berlin (✆ 321 23 22)

13.00: grotesk –skurril –anders, Fr-Mo 13-17 Uhr

13.00: Helmut Krüger Porzellan-Manufaktur (Moabit

1954-1971), Fr-Mo 13-17 Uhr

13.00: 100. Ausstellung des KMB –ein Rückblick,

Fr-Mo 13-17 Uhr

KINO

PANKOW

Blauer Stern Pankow (✆ 47 61 18 98) Urfin:

Der Zauberer von Oz15.45; Nur eine Frau 17.45,

20.00; Der Fall Collini 15.30, 20.30; Das Familienfoto

18.15

PRENZLAUER BERG

FT am Friedrichshain (✆ 42 84 51 88) Das Familienfoto

15.30, 17.45, 20.00; Sneak Preview 22.00;

Der Boden unter den Füßen 16.00; Greta (OmU)

18.30, 20.45; Das Ende der Wahrheit 15.40,

18.00, 20.20; Stan &Ollie (m. Kurzfilm) 15.00,

20.00; Stan &Ollie (OmU; m. Kurzfilm) 17.45; Urfin:

Der Zauberer von Oz15.30; Van Gogh: An der

Schwelle zur Ewigkeit 17.30, 20.30

Krokodil (✆ 44 04 92 98)Von Bienen und Blumen

17.15; Svideteli Putina –Putin‘s Witnesses: Putins

Zeugen (OmU) 19.00; Macht das alles einen Sinn?

–Und wenn ja –warum dauert essolange? 20.45

Lichtblick-Kino (✆ 44 05 81 79) Supa Modo

17.00; Get Me Some Hair! 18.30; Audre Lorde: The

Berlin Years 1984 to 1992 –Audre Lorde: Die Berliner

Jahre 1984-1992 (OmenglU) 20.00; Ray &Liz

(OmU) 22.00

UCI Kinowelt Colosseum (✆ 44 01 92 00)Asterix

und das Geheimnis des Zaubertranks 14.15; Royal

Corgi: Der Liebling der Queen 14.20; Pokemon

Meisterdetektiv Pikachu 14.20; Wenn du König

wärst 14.25; Monsieur Claude II14.25; Willkommen

imWunder Park 14.30; Glam Girls: Hinreißend

verdorben 14.30, 17.05, 19.45, 22.35; Urfin: Der

Zauberer von Oz 14.35; Alfons Zitterbacke –Das

Chaos ist zurück 14.35; Avengers: Endgame 15.15,

19.30; 3D: Avengers: Endgame 16.15, 19.45,

22.20; Der Fall Collini 16.30, 19.25; 3D: Royal

Corgi: Der Liebling der Queen 16.45; The Silence

16.50, 19.40, 22.45; Die Goldfische 16.50; Captain

Marvel 16.50; 3D: Pokemon Meisterdetektiv

Pikachu 17.05, 20.15, 23.00; Greta (2019 USA)

17.05, 19.40, 22.40; After Passion 19.40; The Silence

(OF) 20.00; Preview: Rocketman (OF) 21.00;

Friedhof der Kuscheltiere 22.40; The Hole in the

Ground 22.45

REINICKENDORF

CineStar Tegel (✆ 04 51/703 02 00) Avengers:

Endgame 13.30, 16.40, 20.15; Royal Corgi: Der

Liebling der Queen 13.40, 17.40; Glam Girls: Hinreißend

verdorben 13.45, 16.50, 19.50; Pokemon

Meisterdetektiv Pikachu 14.00; The Sun Is Also a

Star 14.10, 20.10; Die Goldfische 14.20;

Dumbo 14.40;Willkommen imWunder Park 15.00;

3D: Avengers: Endgame 15.15, 16.10, 18.30,

19.30; After Passion 15.50; 3D: Pokemon Meisterdetektiv

Pikachu 17.00, 19.50; Der Fall Collini

17.20; Monsieur Claude II 17.30; Sneak Preview

20.00; Greta(2019 USA)20.15; TheSilence 20.45

SCHÖNEBERG

Cinema amWalther-Schreiber-Platz (✆ 852 30 04)

Der Fall Collini 14.35, 17.30, 20.30

Cosima (✆ 85 07 58 02) Van Gogh: An der Schwelle

zur Ewigkeit 18.00; Der Fall Collini 20.15

Odeon (✆ 78 70 40 19) Stan&Ollie(OmU) 15.45,

20.30; Van Gogh: An der Schwelle zur Ewigkeit –At

Eternity‘s Gate (OmU) 18.00

Urania-Filmbühne (✆ 218 90 91) Exhibition on

Screen: Der junge Picasso –Young Picasso –Exhibition

on Screen: Young Picasso (OmU) 16.30, 19.00

Xenon (✆ 78 00 15 30) Free Solo (OmU) 18.00;

Der Boden unter den Füßen 20.15

SPANDAU

Cineplex Spandau (✆ 01 80/505 02 11) Willkommen

im Wunder Park 10.00, 12.00, 14.00; Unheimlich

perfekte Freunde 10.00; Pokemon Meisterdetektiv

Pikachu 10.00, 12.20, 14.50, 17.20, 20.15;

Avengers:Endgame10.00,16.20, 19.00; Drachenzähmen

leicht gemacht 3: Die geheime Welt 12.10;

Royal Corgi: Der Liebling der Queen 14.00; Glam

Girls: Hinreißend verdorben 14.40, 17.15, 19.50;

3D: Avengers: Endgame 16.10, 20.15; Sneak Preview

20.15

Kino im Kulturhaus Spandau (✆ 333 60 81)

Monsieur Claude II14.00, 16.00; Van Gogh:Ander

Schwelle zur Ewigkeit 18.00; Ein letzter Job 20.15

STEGLITZ

Adria (✆ 01 80/505 0711) Stan &Ollie 15.00;

Monsieur Claude II17.40, 20.15

Cineplex Titania Palast (✆ 01 80/505 05 20)

Royal Corgi: Der Liebling der Queen 10.00, 12.30,

14.10; Pokemon Meisterdetektiv Pikachu 10.00,

12.40, 13.50,14.20, 14.45,17.30, 19.45,22.40;

Checker Tobi und das Geheimnis unseres Planeten

10.00; Avengers: Endgame 10.00, 15.30, 16.30,

18.00, 20.15, 22.00; Willkommen im Wunder Park

12.00; Drachenzähmen leicht gemacht 3: Die geheime

Welt 12.00; Glam Girls: Hinreißend verdorben

14.00,16.30,20.20;

Dumbo 15.00; 3D: Avengers: Endgame 16.20,

19.00, 22.20; The Sun Is Also aStar 17.00, 19.55;

Avengers:Endgame (OF)20.30; Sneak Preview(OF)

23.00; Sneak Preview 23.00

Thalia Movie Magic (✆ 774 3440) Royal Corgi:

Der Liebling der Queen 15.45; Pokemon Meisterdetektiv

Pikachu 15.45; Monsieur Claude II 15.45;

Avengers: Endgame 16.30; 3D: Pokemon Meisterdetektiv

Pikachu 18.00, 20.30; Glam Girls: Hinreißend

verdorben 18.00, 20.30; Ein Gauner &Gentleman

18.15; 3D: Avengers: Endgame 20.15; Greta

(2019 USA) 20.30

TIERGARTEN

Arsenal (✆ 26 95 51 00) Cinepoetics Lectures:

Adieu au langage –Goodbye to Language (OmU)

20.00; Cinepoetics Lectures: Chronik eines Sommers

–Chronique d‘un ÈtÈ (OmenglU) 21.30; Magical

History Tour: Snowpiercer –Seolguk-yeolcha

(OmU) 19.30

CinemaxX Potsdamer Platz (✆ 040/80 80 69 69)

Willkommen im Wunder Park 12.30, 16.30; 3D:

Avengers: Endgame 12.30, 14.00, 16.00, 18.00,

20.30, 22.00; Pokemon Meisterdetektiv Pikachu

12.45, 14.10; Royal Corgi: Der Liebling der Queen

13.00, 15.30; Ostwind 4 – Aris Ankunft 13.00,

13.30; Dumbo 13.10, 16.20; Drachenzähmen

leicht gemacht 3: Die geheime Welt 13.20; Van

Gogh: Ander Schwelle zur Ewigkeit 13.30, 16.15;

DerFall Collini 13.30, 16.40,19.50; DieGoldfische

13.45; After Passion 13.50, 16.40,19.30; The Sun

Is Also aStar 14.00, 14.10, 16.40, 19.40; Misfit

14.00; Glam Girls: Hinreißend verdorben 14.00,

17.10, 19.30, 23.00; Monsieur Claude II 14.10,

16.40, 19.15; Avengers: Endgame 15.00, 17.00,

19.10, 21.15, 22.20; Stan &Ollie 16.20; 3D:Pokemon

Meisterdetektiv Pikachu 16.30, 19.40, 22.40;

The Silence 16.50, 19.45, 22.10; Shazam! 16.50;

Nur eine Frau 16.50, 19.40, 22.30; Der Junge

muss andie frische Luft 16.50; Der Flohmarkt von

Madame Claire 18.00; Green Book –Eine besondere

Freundschaft 19.15; Skagerrak (OmU) 19.30;

Friedhof der Kuscheltiere 19.30; Greta (2019 USA)

19.50,22.40; Sneak Preview 20.00; Das Ende der

Wahrheit 20.00; Captain Marvel 20.45, 22.40; Bohemian

Rhapsody22.00;Wir 22.25; Lloronas Fluch

22.30; Hellboy –Call Of Darkness 22.30; ImNetz

der Versuchung 22.40; Escape Room 22.50

CineStar imSony Center (✆ 04 51/703 0200)

3D: Avengers: Endgame (OF) 13.30, 16.00,16.30,

20.15; Dumbo (OF) 13.40; Glam Girls: Hinreißend

verdorben –The Hustle (OF) 14.15, 17.30, 19.30;

After Passion (OF) 14.15; Pokemon Meisterdetektiv

Pikachu –Pokemon Detective Pikachu (OF) 14.25;

Avengers: Endgame (OF) 14.45, 19.00; The Sun

Is Also aStar (OF) 14.55, 20.30; Breakthrough –

Zurück ins Leben (OF) 16.40; Greta (OF) 16.55,

19.35; 3D: Pokemon Meisterdetektiv Pikachu –Pokemon

Detective Pikachu (OF) 17.00, 19.45; 3D:

Captain Marvel (OF) 17.30; Wir –Us(OF) 20.00;

Stan &Ollie (OF) 20.30

CineStar IMAX (✆ 04 51/703 02 00) 3D: Avengers:

Endgame (OF) 10.00, 18.30; 3D: Avengers:

Endgame 14.15

Filmrauschpalast (✆ 394 4344) Antiporno –Antiporuno

(OmU) 18.30; Matrix (OF) 20.00; One Cut

of the Dead –Kamera otomeru na! (OmU) 22.30

TREPTOW

Astra (✆ 636 1650) Royal Corgi: Der Liebling der

Queen 14.00; Pokemon Meisterdetektiv Pikachu

14.00, 16.30; Alfons Zitterbacke –Das Chaos ist

zurück 14.00; Urfin: Der Zauberer von Oz 14.30;

Avengers: Endgame 15.00, 19.00; Glam Girls: Hinreißend

verdorben 16.00, 18.00, 20.15, 22.30;

3D: Avengers:Endgame 16.00, 20.15, 21.30; Monsieur

ClaudeII17.00;3D: PokemonMeisterdetektiv

Pikachu19.00,21.30;Der Fall Collini 19.00, 22.30

Casablanca (✆ 677 57 52) Atlas 18.30;Van Gogh:

An der Schwelle zur Ewigkeit 20.30

CineStar –Treptower Park (✆ 04 51/703 02 00)

Royal Corgi: Der Liebling der Queen 13.55; 3D:

Avengers: Endgame 14.00, 15.30, 18.00, 19.30;

Wenn du König wärst 14.15; Pokemon Meisterdetektiv

Pikachu 14.15; Willkommen im Wunder Park

14.20; Captain Marvel 14.20; Dumbo 14.30; Glam

Girls: Hinreißend verdorben 15.00, 17.30, 20.15;

Avengers: Endgame 16.00, 20.00; Breakthrough

–Zurück ins Leben 16.45; 3D: Pokemon Meisterdetektiv

Pikachu 17.00, 19.40; Monsieur Claude

II 17.10, 19.45; The Silence 17.15, 19.50; After

Passion 17.15; Sneak Preview 20.00; Friedhof der

Kuscheltiere 20.15

WEDDING

Cineplex Alhambra (✆ 01 80/505 03 11) Willkommen

im Wunder Park 14.00; Pokemon Meisterdetektiv

Pikachu 14.00, 15.00, 16.45, 17.40,

19.30; Royal Corgi: Der Liebling der Queen 14.20,

16.10;

Glam Girls: Hinreißend verdorben 14.20, 16.50;

Avengers: Endgame 15.00, 20.15; 3D: Avengers:

Endgame 16.00, 19.00; Dumbo 16.40; TheSilence

18.20, 20.40; Pokemon Meisterdetektiv Pikachu –

PokemonDetectivePikachu (OF) 19.30; Sneak Preview

20.00; Sneak Preview (OF) 20.10

WEISSENSEE

BrotfabrikKino (✆ 471 4001) Ray &Liz (OmU)

18.00; Under the Tree –Undir trenu (OmU) 20.00;

Antiporno (OmU) 21.45

Toni &Tonino (✆ 92 79 12 00) Das Familienfoto

18.30, 20.45; Der Fall Collini 11.00, 20.15; Das

Familienfoto 13.30; Alfons Zitterbacke –Das Chaos

ist zurück 15.45; Monsieur Claude II18.00

WILMERSDORF

Bundesplatz-Kino (✆ 85 40 60 85) Das Haus am

Meer 15.30; Der Flohmarkt von Madame Claire

18.00; Das Ende derWahrheit 20.30

Eva-Lichtspiele (✆ 92 25 53 05) Monsieur Claude

II 15.15; Tea with the Dames: Ein unvergesslicher

Nachmittag 18.00; Under theTree 20.15

ZEHLENDORF

Bali (✆ 811 46 78) Die Berufung: Ihr Kampf für

Gerechtigkeit 18.00; Citizen Kane 20.30

Capitol (✆ 831 64 17) NureineFrau 15.45, 20.30;

Van Gogh: An der Schwelle zur Ewigkeit 18.00

FREILUFTKINOS

Freiluftkino Insel im Cassiopeia (✆ 35 12 24 49)

Mid90s (OmU) 21.30

Freiluftkino Kreuzberg Christo –Walking on Water

(OmU) 21.30

Freiluftkino Rehberge BlacKkKlansman 21.30

Open Air Kino Mitte (✆ 28 59 99 73) Mid90s

(OmU) 21.15

Pompeji –FLK am Ostkreuz (✆ 01 76/56 70 92 98)

Macht dasalleseinen Sinn? –Und wenn ja –warum

dauert essolange? 21.15

Radio EINS-Freiluftkino Friedrichshain Widows –

Tödliche Witwen 21.30

POTSDAM

Thalia Potsdam (✆ 03 31/743 70 20) Van Gogh:

An der Schwelle zur Ewigkeit –AtEternity‘s Gate

(OmU) 14.00; Urfin: Der Zauberer von Oz 14.30;

Das Familienfoto –Photo de famille (OmU) 14.30,

18.45; Nur eine Frau 14.45, 18.45;

Exhibition onScreen: Rembrandt: Aus der National

Gallery, London und dem Rijksmuseum, Amsterdam

(OmU) 16.30; Monsieur Claude II–Qu‘est-ce

qu‘on aencore fait auBon Dieu? (OmU) 16.30;

Von Bienen und Blumen 16.45; Klasse Deutsch

16.45; Der Boden unter den Füßen 18.30; Was

kostet die Welt (m. Gast) 18.45; Der Fall Collini

20.45; Das schönste Paar 20.45; Das Ende der

Wahrheit 21.00; Under the Tree – Undir trenu

(OmU) 21.15

UCI Luxe Potsdam Center (✆ 03 31/233 72 33)

Alfons Zitterbacke 13.40; Willkommen im Wunder

Park 13.45; Pokemon Meisterdetektiv Pikachu

14.00; Glam Girls: Hinreißend verdorben 14.00,

17.00,20.15; Royal Corgi: Der Liebling der Queen

14.15; Avengers: Endgame 14.15, 15.15, 16.00,

19.30, 20.15; Urfin: Der Zauberer von Oz 14.30;

3D: Avengers: Endgame 15.50, 20.00; 3D: Pokemon

Meisterdetektiv Pikachu 17.00, 19.45; Monsieur

Claude II17.00; The Silence 17.30, 20.15;

Der Fall Collini 19.30; Preview: Rocketman (OF)

21.00

UMLAND

ALA Falkensee (✆ 033 22/279 88 77) Pokemon

Meisterdetektiv Pikachu 14.30, 17.00; Der Fall Collini

19.30

CapitolKönigs Wusterhausen (✆ 033 75/46 97 77)

Die Goldfische 17.15;Trautmann 20.00

CineStar Wildau (✆ 04 51/703 02 00) 3D: Avengers:

Endgame 16.15,19.30; DerFall Collini 16.50,

20.00; Avengers: Endgame 17.00, 20.00; Glam

Girls: Hinreißend verdorben 17.10, 20.15; Royal

Corgi: Der Liebling der Queen 17.15; 3D: Pokemon

Meisterdetektiv Pikachu 17.15, 19.50; Breakthrough

17.20; Fighting with MyFamily 17.40;After

Passion 17.40; The Silence 17.45, 20.50; The Sun

Is AlsoaStar19.45;ImNetz der Versuchung 20.10;

Monsieur Claude II 20.20;Greta (2019 USA)20.30

Filmpalast Bernau (✆ 033 38/70 54 54) Glam

Girls: Hinreißend verdorben 15.30, 20.30; Pokemon

Meisterdetektiv Pikachu 15.30; Avengers:Endgame

16.00; 3D: Pokemon Meisterdetektiv Pikachu

18.00,20.30; Ein Gauner &Gentleman 18.00; 3D:

Avengers: Endgame 20.15

Movieland Erkner (✆ 03362/36 68) VanGogh:An

der Schwelle zur Ewigkeit 14.00, 21.00; Avengers:

Endgame 15.00, 20.00; After Passion 17.30; Der

Fall Collini 18.30


26 Berliner Zeitung · N ummer 115 · M ontag, 20. Mai 2019

·························································································································································································································································································

Spreewild

Klartext

Wohnraum darf

kein Luxus sein

VonJulien Hoffmann, 25 Jahre

Wohnungsbesichtigungen

mit

mehr als 50 anderen sind keine

Seltenheit mehr, Mieten unter

500 Euro sind längst zur Rarität geworden.

Für junge Menschen, die

während der Ausbildung oder des

Studiums inder Regel wenig Geld

haben, kann die Suche nach einer

Wohnung da zum Martyrium werden.

Eine stärkere

Regulierung

des Wohnungsmarktes

ist daher

unumgänglich.

Wirtschaftliche

Interessen sollten

sozialer Gerechtigkeit

niemals

übergeordnet

sein!

Julien will

das Stadtleben Berlinerinnen

gerechter gestalten. und Berliner diskutieren

gerade

das Volksbegehren „Deutsche Wohnen&Co

enteignen“, bei dem es darum

geht, große Immobilienkonzerne

–alsosolche,die mehrals 3000Wohnungen

besitzen –zu verstaatlichen.

Ziel ist es, die verantwortungslose

Spekulation mitWohnraum zu beenden

und die Mieten wieder auf ein

gerechtes Niveau zu senken. Die

enormeResonanz zeigt, dass wir uns

als Gesellschaft nicht alles gefallen

lassen, was im Zeichen des Profits

steht und auf Kosten gering verdienender

Menschengeht. Gutso!

PRIVAT

Wieso nicht auch enteignen?

Um dem unkontrollierten Gewinnstreben

skrupelloser Unternehmen,

bei dem der einfache Mieter oft genug

auf der Strecke bleibt, Einhalt zu

gebieten, könnte es also durchaus

sinnvoll sein, bestimmte Wohnungen

in Gemeineigentum zu überführen

und so das Stadtleben etwas gerechter

zu gestalten. Das sieht sogar

das Grundgesetz mit seinem Artikel

15 vor, auf den sich das Volksbegehren

mit seiner Forderung stützt.

Wohnraum ist nun mal kein Luxusgut,

sondern ein menschliches

Grundbedürfnis. Hierüber sollten

wir alle –demokratisch –entscheiden

dürfen.

Hörprobe

Mac DeMarco –„Here Comes The

Cowboy“

Dass der junge Mann mit der

markanten Zahnlücke und dem

schelmischen Grinsen es versteht,

verträumte Gitarrensounds mit dahinschlurfenden

Rhythmen zu kombinieren,

ist bekannt. Auch auf der

neuen Platte stellt MacDeMarco das

wieder unter Beweis: Sieist gewohnt

seicht und minimalistisch, doch

streckenweise leider fast schon zu

einschläfernd. Thematisch dreht

sich diesmal viel um die Liebe,Fernweh

und die Ziellosigkeit unserer

Generation. Verpackt in Songs, die

sich nicht allzu ernst nehmen und

einem manchmal sogar ein Schmunzeln

entlocken. Julien Hoffmann

Fazit Das Album für Tagträumer und ziellose

Millennials.

Zeina Nassar boxt als gläubige Muslima natürlich verhüllt. Weil sie sich dafür eingesetzt hat, dürfen Frauen mittlerweile offiziell mit Kopftuch in den Ring.

Von Alma Dewerny, 20 Jahre

Sie stieg als erste Frau in

Deutschland mit Kopftuch

in den Boxring, wurde fünffache

Berliner Meisterin und

schließlich deutsche Meisterin im

Federgewicht.Nichtsdavon kam ihr

zugeflogen.

Zeina Nassars Weg zum Erfolg

beginnt im Alter von 13Jahren –bei

einem Probetraining. „Ich bin in

eine Sporthalle gekommen, in der

nur Frauen trainiert haben. Sie haben

Liegestütze und Klimmzüge gemacht,

sind Seil gesprungen und haben

geboxt“, erzählt sie.„Diese Stärke

und das Training haben mich so

beeindruckt, dass mir klar war,wenn

die das können, kann ich das auch.

Seit diesem Tagwollte ich boxen.“

Sportwar der gebürtigen Berlinerinschon

immer wichtig. Dass sie jemals

aufgrund ihres Aussehens oder

ihrer Religion auf Vorurteile stoßen

wird,kann sie sich im Jahr 2013 noch

nicht vorstellen. Auch heute ist sie

überzeugt: „Letztendlich ist es doch

egal, welche Religion ich ausübe,wie

Gut gekämpft

Der Glaube stand ihrem sportlichen Erfolg erst im Weg, doch Zeina Nassar hat nicht aufgegeben

VonMinou Becker, 18Jahre

Die junge Polin Olga schaut mich

nur verdattert an, als ich sie in

der Hostelküche auf die Europawahl

anspreche: Habe sie noch nichts von

gehört. Auch Teresa aus Tschechien

scheint verwundert. In ihren Länderngebe

es so etwas nicht, da würden

nur die Abgeordneten der nationalen

Parlamente gewählt. Dassei ja

auch das einzig Wichtige, erklären

die beiden mir.

Polen und Tschechien belegten

bei der vergangenen Europawahl im

Jahr 2014 mit einer Wahlbeteiligung

von 23,8 und 18,2 Prozent den drittletzten

und vorletzten Platz. Zu diesen

Zahlen passt das Unverständnis

der zwei: Warumsich mit der EU beschäftigen?

Bringe doch eh nur Probleme

mit sich.

Trotzdem ist meine Verblüffung

groß. Wir sind drei Europäerinnen

um die 20 mit ähnlichen Ambitionen,

Träumen und Lebensweisen,

aber unsere Diskussion zeigt: Wir

ich aussehe oder welche Sprache ich

spreche. ImBoxen geht es um die

Leistung.“ Ihren ersten offiziellen

Wettkampf kann sie nicht antreten.

Die Wettkampfbestimmung verbietet

der gläubigen Muslima noch, mit

Kopfbedeckung und langer Kleidung

zu boxen.

DerVerband verbot das Kopftuch

„Ich wurde oft gefragt, warum ich

denn das Kopftuch nicht einfach abnehmen

würde. Aber warum sollte

ich das denn abnehmen? Es spricht

nichts dagegen, dass ich mit Kopftuch

an Boxkämpfen teilnehme“,

findet sie. Zeina und ihre Trainer

wollen den Ausschluss von den offiziellen

Kämpfen nicht akzeptieren,

sie engagieren sich für eine Regeländerung

–monatelang: DerDeutsche

Boxsport-Verband solle seine Kleiderordnung

anpassen. Und der tut

es. Das Medienecho bleibt dennoch

ziemlich überschaubar.

Die Boxerin darf nun mit Hijab,

wie das muslimische Kopftuch im

Arabischen heißt, Longsleeve und

Leggings ihr sportliches Können

könnten nicht unterschiedlicher

über die Europäische Union denken.

Das zeigt auch eine Studie der

Bertelsmann Stiftung und des polnischen

Instituts fürÖffentliche Angelegenheiten

aus dem Jahr 2017: Junge

Polen zwischen 18 und 34 Jahren

sehen das größte Problem der Europäischen

Union im islamistischen

Fundamentalismus und Terror,dicht

gefolgt von der Zuwanderung von

Flüchtlingen. Junge Deutsche sorgen

sich ebenfalls am meisten um

islamistischen Terror, aber fast genauso

viele sehen den Klimawandel

und daraus folgende Naturkatastrophen

als das größte Problem der EU

an. Top3:der wachsende Nationalismus.

Dieser Wert ist bei Polen und

Tschechen nicht so ausgeprägt.

Flüchtlinge sind ein Streitthema

Als ich Olga auf die strikte Antiflüchtlingspolitik

ihres Landes anspreche,

nickt sie und erklärt mir, dass Menschen

anderer Kulturen nur die eigene

zerstören würden und daher

unter Beweis stellen. Ihren ersten

Kampf verliert sie. Doch sie lernt,

dass es im Sport nicht nur um das

Gewinnen geht. Sie trainiert fokussierter.

„In einem Wettkampf geht

es um mentale Stärke und Taktik“,

erklärt Zeina. „Ich versuche, meine

Gegnerin in einem Kampf kennenzulernen,

ihre Stärken und Schwächen

zu erkennen und dann mit

einer guten Taktik den Kampf zu

steuern. Ich muss meine Gegnerin

und auch mich selbst respektieren.

Dasist spannend und macht Spaß.“

Und mit ihrer Taktik, ihrem Können

und ihrem Ehrgeiz wird sie fünf

Jahre nach ihrem ersten Amateurkampf

deutsche Boxmeisterin 2018.

Ein Titel, der ihr Aufmerksamkeit

verschafft, und so nominiert sie der

Deutsche Boxsport-Verband für die

Europameisterschaften. Doch Zeina

wird –wieder –abgelehnt, da sie in

internationalen Kämpfen nicht mit

langen Sachen antreten darf. „Das

war enttäuschend, aber für mich

war nach wie vorklar,dass ich boxen

möchte“, sagt sie. Und diesmal ärgern

sich nicht nur die Boxerin und

Nicht alle wollen wählen

nicht willkommen seien in Polen. Als

ich erzähle, dass viele junge Deutsche

der Meinung seien, Europa

habe die Pflicht, Menschen in Notzu

helfen, lacht sie und sagt, man könne

doch auch einfach Geld in die

Länder schicken, das würde doch

PICTURE ALLIANCE/DPA

ihr Team, mittlerweile interessiert

das auch die Öffentlichkeit.

Und tatsächlich beschließt der

Internationale Box-Verband AIBA

im Februar 2019, dass Frauen künftig

auch mit einem Hijab und langer

Kleidungantreten dürfen.„Es ist offiziell:

Alle Frauen auf der ganzen Welt

dürfen an Boxkämpfen teilnehmen“,

erklärtZeina stolz. DieEntscheidung

bringt Zeina diesmal international in

dieMedien.

Chancengleichheit –endlich

Zeinas nächstes großes Ziel sind die

Olympischen Spiele 2020 in Tokio.

„Ich habe gemerkt, dass man viel

verändern kann – aber nur, wenn

man dranbleibt. Ichhabe ab jetzt die

gleichen Chancen wie alle anderen“,

sagt sie. Das war überfällig: Dass die

ungestörte Religionsausübung gewährleistet

wird, steht schließlich

schon seit nunmehr 70 Jahren im

Grundgesetz. Ein Grund, warum

sie als Botschafterin der Deutschlandstiftung

Integration dafür wirbt.

Nicht nur mit ihrem Gesicht, sondernauch

mit ihrer Geschichte.

Junge Deutsche scheinen sich auf die Europawahl zu freuen. Und unsere Nachbarn? Ein Gespräch am Küchentisch

Nur ein Eindruck: Hängt die Nationalflagge in

Polen etwa höher als die der EU? PICTURE ALLIANCE

reichen. IhrFreundeskreis sei derselben

Meinung. Flüchtlinge müssen

draußen bleiben –ich erneut baff.

Immerhin: Alle sind pro EU

Zumindest glauben wir alle, dass es

das Bestefür unsereLänder wäre,in

derEUzubleiben. So sehen es auch

unsere Altersgenossen mehrheitlich.

Unsere Diskussion dauertbis in

die späten Abendstunden und neben

zahlreichen Uneinigkeiten lassensich

auch immer mehr Gemeinsamkeiten

finden, wie beispielsweise

die Möglichkeit zu haben, in den

verschiedensten EU-Ländern arbeiten,

studieren und lebenzukönnen.

Wir hören einander zu, diskutieren,

beginnen zu verstehen und am Ende

sind wir drei einerMeinung.Die EU

ist uns wichtig, weil sie eben genau

das ermöglicht: Eine Polin, Deutsche

und Tschechin diskutieren

über eine Wertegemeinschaft, der

sie sich zugehörig fühlen –das verbindet.

Auch wenn es nicht alle in

dieWahlkabine treibt.

DIEERFAHRUNGLEHRT

Es ist okay,

einfach nur du

selbst zu sein

Wichtige Lektion: So wirst

du selbstbewusst genug

Von Annalena Schwobe, 20 Jahre

Was muss ich tun, damit die anderen

mich mögen? Diese Frage

schwirrte mir früher täglich durch

den Kopf und verunsicherte mich

total. Schon in der Grundschule war

ich die Stille, die sich der Meinung

anderer angeschlossen hat, anstatt

selbst einen Vorschlag zu bringen –

aus Angst, dieser könnte abgelehnt

oder ich ausgelacht werden. In der

weiterführenden

Schule wurde es

nur noch schlimmer.

Und dann

beging ich einen

schweren Fehler:

die Schuld dafür

bei mir selbst zu

sehen und mich

zu hassen.

Von solchen

Annalena steht

endlich wieder zu

sich selbst.

RAUFELD

Gedanken muss

man wegkommen.

Meiner Erfahrung

nach ist

es ganz wichtig zulernen, dass es

okay ist, eine andereMeinung, andere

Interessen und Ansichten als seine

Mitmenschen zuhaben. Eskommt

nicht darauf an, viele Freunde zu haben.

Undeshat nichts mit Egoismus

zu tun, von sich zu behaupten, dass

man mit sich selbst zufrieden ist und

sich selbst so akzeptiert, wie man ist!

Der Weg zu dieser Einsicht ist

natürlich nicht immer einfach. Oft

muss man über seinen Schatten

springen. Obein Schulwechsel, ins

Ausland gehen oder einfach aktiv auf

fremde Leute zugehen: Es gibt viele

Wege, sein Selbstbewusstsein nach

und nach wieder aufzubauen. Gib

dich nicht mit Menschen ab, die dir

das Gefühl geben, nicht gut genug zu

sein. Sprich aus, was dich stört, und

rede mit deinen Eltern und Freunden

darüber. Falls dir das zu unangenehm

ist, ist es natürlich auch nie

verkehrt, sich dabei professionelle

Unterstützung zu suchen.

Die Erfahrung lehrt: Steh zu dir selbst

und strebe nicht danach, von jedem

gemocht zu werden.

MELDUNG

Zum Lernen mit der Schule

ins Kino gehen

Noch einen Tagläuft die Anmeldung

fürs Projekt „Klassiker sehen

–Filme verstehen“ für alle Berliner

Klassen, Kurse oder AGsabJahrgangsstufe

9. Es beinhaltet vier

Kinobesuche (einen proHalbjahr)

sowie Vor- und Nachbereitung, Analyse

und Kreativaufgaben. Alle Infos

und den Bewerbungsbogen finden

interessierte Lehrerinnen und Lehrerauf

filmklassiker-schule.de. SW

Mit freundlicher Unterstützung von:

Das Projekt „Spreewild“

im Internet unter:

Die Beiträge dieser Seite werden von

Jugendlichen geschrieben.

KONTAKT

Berliner Zeitung

Jugendredaktion

Telefon: 030/695 66 50

blz-jugendredaktion@berliner-zeitung.de

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Berliner Zeitung · N ummer 115 · M ontag, 20. Mai 2019 27

· ·

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TV-Programm

ARD

5.30 (für HG) ZDF-Morgenmagazin 9.00 (für HG)

Tagesschau 9.05 (für HG) Livenach Neun 9.55

(für HG) Sturmder Liebe 10.45 (für HG) Meister

des Alltags11.15 (für HG)Wer weiß denn sowas?

12.00 (für HG) Tagesschau 12.15 (für HG)

ARD-Buffet 13.00 (für HG) ARD-Mittagsmagazin

14.00 (für HG) Tagesschau 14.10 (für HG) Rote

Rosen 15.00 (für HG) Tagesschau 15.10 (für

HG) Sturmder Liebe 16.00 (für HG) Tagesschau

16.10 (für HG)Die Tierärzte –Retter mit Herz

17.00 (für HG) Tagesschau 17.15 (für HG) Brisant

18.00 (für HG) Quizduell 18.50 (für HG)

Großstadtrevier. Showdown im Revier.Krimiserie

19.45 (für HG)Quizzen voracht 19.55 (für HG)

Börse voracht 20.00 (für HG) Tagesschau

20.15 (für HG) Kassensturz Europa

21.00 (für HG) Die Parteichefs im Gespräch

Mit Annegret Kramp-Karrenbauer,

Andrea Nahles, Jörg Meuthen, Christian

Lindner,Annalena Baerbock, Bernd

Riexinger,Markus Söder

22.30 (für HG) Tagesthemen

23.00 (für HG) Rabiat (2/3) Deutschland

den Deutschen? Reportagereihe

23.45 (für HG) Ethik oder Etikettenschwindel?

Biofleisch zwischen

Tierwohl undTrittbrettfahrern

0.30 (für HG) Nachtmagazin

RTL

5.10 Explosiv –Weekend 6.00 Guten Morgen

Deutschland. Mod.: Wolfram Kons, Susanna

Ohlen 8.30 (für HG) Gute Zeiten, schlechte

Zeiten. Daily Soap 9.00 Unter uns. Daily Soap

9.30 (für HG) Alles was zählt. Soap 10.00 Der

Blaulicht-Report 11.00 Der Blaulicht-Report

12.00 Punkt 12 14.00 Die Superhändler –4

Räume, 1Deal 15.00 Mensch Papa! Väter

allein zu Haus 16.00 Vorher Nachher –Dein

großer Moment 17.00 Freundinnen –Jetzt erst

recht. Unterhaltungsserie 17.30 Unter uns.

Daily Soap 18.00 Explosiv –Das Magazin

18.30 Exclusiv –Das Star-Magazin18.45 aktuell

19.05 (für HG)Alles was zählt. Soap 19.40

(für HG) Gute Zeiten, schlechte Zeiten

20.15 Wer wird Millionär?

Quiz-Show.

Moderation: Günther Jauch.

Mit seiner gewitzten Art hat der Moderator

Günter Jauch schon somanchen

Kandidaten aus der Fassung gebracht.

22.15 Extra –Das RTL Urteile zu Eigenbedarfskündigungen

/Die geschlechtsangleichenden

Operation von Karlheinz

22.50 SpiegelTVArmes Europa.

Moderation: Maria Gresz

0.00 Nachtjournal

0.30 Die Alltagskämpfer Reportagereihe

ZDF

Sat.1

TV-Tipps RBB

Tagesschau 24

12.30 (für HG) Bezaubernde Marie. TV-Familienfilm,

D2007 14.00 (für HG) MDR um zwei

15.15 (für HG) Wer weiß denn sowas? 16.00

(für HG) MDR um vier 17.45 (für HG) Aktuell

18.10 (für HG) Brisant 18.54 (für HG) Sandmann

19.00 (für HG) MDR Regional 19.30

(für HG)Aktuell 19.50 (für HG) Mach dich ran!

20.15 (für HG) Polizeiruf 110. Schatten.TV-

Kriminalfilm, D2010 21.45 (für HG) Aktuell

22.05 (für HG) Fakt ist! 23.05 (für HG) Bis

dass der Todeuch scheidet. Drama, DDR 1979

0.35 (für HG) Siebenpunkt. Drama, D2018

Bayern

15.30 (für HG) Schnittgut. Alles aus dem Garten

16.00 (für HG) Rundschau 16.15 (für HG)

Wir inBayern 17.30 Regional 18.00 (für HG)

Abendschau 18.30 (für HG) Rundschau 19.00

(für HG) Querbeet 19.30 (für HG) Dahoam is

Dahoam 20.00 (für HG) Tagesschau 20.15

(für HG) Liebe geht durch den Magen 21.00

(für HG) Daheim in ... 21.45 (für HG) Rundschau

Magazin 22.00 (für HG) Lebenslinien

22.45 Zur Freiheit 23.05 Zur Freiheit 23.30

Zur Freiheit 23.55 Kabarett aus Franken 0.45

Ringlstetter 1.35 (für HG) Dahoam is Dahoam

Vox

10.55 Mein Kind, dein Kind 12.00 Shopping

Queen 13.00 ZwischenTüll und Tränen 14.00

Mein Kind, dein Kind 15.00 Shopping Queen

16.00 4Hochzeiten und eineTraumreise

17.00 Zwischen Tüll und Tränen 18.00 First

Dates –Ein Tisch für zwei 19.00 Das perfekte

Dinner 20.00 Prominent! 20.15 Guidos Masterclass.

Aufgabe: „Emotionen” 22.00 Goodbye

Deutschland! Die Auswanderer. Miriam

Höller,Kanada /AnnaLena Groß, Fuerteventura

/Katrin Gray,Australien 23.55 nachrichten

0.15 (für HG) Medical Detectives

Super RTL

13.10 Spirit: wild und frei 13.40 Angelo!

14.05 Coop gegen Kat 14.35 Bugs Bunny und

LooneyTunes 15.00 Dragons 15.25 Tomund

Jerry 15.50 Der gestiefelte Kater 16.15 Zig &

Sharko –Meerjungfrauen frisst man nicht!

16.45 Ninjago –Garmadons Motorrad-Gang

17.15 Voll zu spät! 17.40 Spirit: wild und frei

18.10 Bugs Bunny und LooneyTunes 18.40

Woozle Goozle und dieWeltentdecker 19.10

Tomund Jerry 19.45 Angelo! 20.15 On the

Case –Unter Mordverdacht 22.15 On the

Case –Unter Mordverdacht 0.20 Infomercials

Sport1

9.00 Teleshopping 14.30 StorageWars –Die

Geschäftemacher 15.30 StorageWars –Geschäfte

in Texas 16.30 Fußball: U17-EM 16.55

Fußball: U19-Bundesliga. Halbfinale, Rückspiel:

VfL Wolfsburg –VfB Stuttgart 19.00 Fußball:

U19-Bundesliga. Halbfinale, Rückspiel:

Borussia Dortmund –FCSchalke 0420.45

Eishockey:WM.Gruppe A: Kanada –Dänemark

22.30 Eishockey –N.ICE –Goldis Eishockey-

Welt 23.00 Goooal! –Das internationale Fußball-Magazin

23.30 3. Liga pur (bis 0.15)

5.30 (für HG) ZDF-Morgenmagazin 9.00 heute

Xpress 9.05 Volle Kanne –Service täglich

10.30 (für HG) Notruf Hafenkante. DieTangotänzerin.

Krimiserie 11.15 (für HG) SOKO Stuttgart.

Mein Spätzle. Krimiserie 12.00 heute

12.10 drehscheibe 13.00 (für HG) ARD-Mittagsmagazin

14.00 heute –inDeutschland

14.15 Die Küchenschlacht 15.00 (für HG) heute

Xpress 15.05 (für HG) Bares für Rares 16.00

(für HG) heute –inEuropa 16.10 (für HG) Die

Rosenheim-Cops. Ruhe in Frieden. Krimiserie

17.00 (für HG) heute 17.10 (für HG) hallo

deutschland 17.45 (für HG) Leute heute 18.00

(für HG)SOKO 5113. Strahlemann. Krimiserie

19.00 (für HG) heute 19.25 (für HG) WISO

20.15 (für HG) Landkrimi

GrenzlandTV-Kriminalfilm, A2018.

Mit Brigitte Kren, Christoph F. Krutzler,

Wolfram Berger, Martin Weinek u.a.

Regie: Marvin Kren

21.45 (für HG) heute-journal

22.15 (für HG) Fast &Furious 7

Actionthriller,USA/CHN/J 2015.

Mit Vin Diesel, Paul Walker u.a.

0.20 heute+

0.35 (für HG) Die Einsamkeit des Killers

vor dem Schuss Krimikomödie,

B/D 2014. Mit Benno Fürmann u.a.

5.30 Frühstücksfernsehen. Mod.: Matthias

Killing,Marlene Lufen 10.00 Im Namen der

Gerechtigkeit –Wir kämpfen für Sie! 11.00 Im

Namen der Gerechtigkeit –Wir kämpfen für

Sie! Mit Alexander Hold, Stephan Lucas, Alexander

Stephens, Isabella Schulien 12.00 Anwälte

im Einsatz.Doku-Soap 13.00 Anwälte

im Einsatz 14.00 Auf Streife. Reportagereihe

15.00 Auf Streife –Die Spezialisten. Reportagereihe

16.00 Klinik am Südring.Doku-Soap

17.30 Klinik am Südring –Die Familienhelfer.

Doku-Soap 18.00 Endlich Feierabend! Mod.:

Simone Panteleit, Daniel Boschmann 19.00

Genial daneben –Das Quiz. Moderation: Hugo

Egon Balder 19.55 Nachrichten

20.15 Der Schuh des Manitu –Extra Large

Westernkomödie, D2001.

Mit Michael „Bully” Herbig,Christian

Tramitz, Sky du Mont, Marie Bäumer,

Hilmi Sözer, Rick Kavanian u.a.

Regie: Michael „Bully” Herbig

22.15 Kindsköpfe

Komödie,USA 2010. Mit Adam Sandler,

Kevin James, Chris Rock u.a.

Regie: Dennis Dugan

0.15 Der Schuh des Manitu –Extra Large

Westernkomödie, D2001. Mit Michael

„Bully” Herbig,ChristianTramitz u.a.

13.05 (für HG) Planet Wissen 14.05 (für HG)

In aller Freundschaft –Die jungenÄrzte 14.55

(für HG) In aller Freundschaft –Die jungen Ärzte

15.45 (für HG) Aktuell 16.05 Hier und heute

18.00 (für HG) aktuell /Lokalzeit 18.15

(für HG) Servicezeit 18.45 (für HG) Aktuelle

Stunde 19.30 Lokalzeit 20.00 (für HG) Tagesschau

20.15 (für HG) Meuchelbeck 21.45 (für

HG) Aktuell 22.10 (für HG) Unterwegs im Westen

22.40 (für HG) Westart 23.10 (für HG)

Kunst für alle. Das Ruhr Ding 23.40 (für HG)

Nuhr im Ersten 0.25 (für HG) Meuchelbeck

NDR

15.15 (für HG) Wer weiß denn sowas? 16.00

(für HG) aktuell 16.20 (für HG) Mein Nachmittag

17.10 (für HG) Seehund, Puma &Co.

18.00 Ländermagazine 18.15 (für HG) Die

Nordreportage 18.45 (für HG) DAS! 19.30

Ländermagazine 20.00 (für HG) Tagesschau

20.15 (für HG) Markt 21.00 (für HG) Die Tricks

der Discounter 21.45 (für HG) aktuell 22.00

(für HG) 45 Min 22.45 (für HG) Bremen

wählt – Kandidaten amtlich getestet 23.15 (für

HG) Kulturjournal 23.45 (für HG) W.E. Drama,

GB 2011 1.35 DAS! Kochstudio

Kabel eins

6.40 The Mentalist 7.35 Blue Bloods –Crime

Scene NewYork 9.25 Navy CIS: L.A. 10.20

Navy CIS 11.15 Without aTrace 12.10 Numb3rs

13.05 Castle 14.00 The Mentalist 14.55

Navy CIS: L.A. 15.50 News 16.00 Navy CIS

16.55 Abenteuer Leben täglich 17.55 Mein

Lokal, Dein Lokal –Der Profi kommt 18.55

Achtung Kontrolle! Wir kümmern uns drum

20.15 Fantastic Four. Fantasyfilm, D2005

22.25 Fantastic Four –Rise of the Silver Surfer.

Sci-Fi-Film, USA/D/GB 2007 0.05 Fantastic

Four. Fantasyfilm, D2005 1.50 Late News

RTL 2

6.00 Der Trödeltrupp –Das Geld liegt im Keller

7.00 Die Kochprofis –Einsatz am Herd 8.00

Frauentausch 10.00 Frauentausch 12.00 Die

Geissens –Eine schrecklich glamouröse Familie!

14.00 Die Wollnys –Silvia allein zu Haus

15.00 Hilf mir! Jung, pleite, verzweifelt ... 17.00

News 17.10 Krass Schule –Die jungen Lehrer

18.05 Köln 50667 19.05 Berlin –Tag &Nacht

20.15 Wir sind jetzt (1) 21.15 Wir sind jetzt

22.10 Naked Attraction –Dating hautnah

23.15 exklusiv –Die Reportage 0.05 exklusiv –

Die Reportage 1.00 exklusiv –Die Reportage

Eurosport 1

8.30 Radsport: Giro d'Italia. 9. Etappe: Riccione

–San Marino 10.00 Tennis: French Open.

1. Qualifikationstag 12.00 Tennis: French

Open 14.00 Tennis: French Open 16.00 Tennis:

French Open. 1. Qualifikationstag 18.00

Tennis: French Open. 1. Qualifikationstag

20.00 Springreiten: Global Champions League

20.30 News 20.45 Tourenwagen: Weltcup

21.15 Tourenwagen: Weltcup 22.05 Tennis:

French Open 23.30 News 23.35 Radsport:

Giro d'Italia 0.30 Tennis: French Open

ZDF, 20.15 UHR TV-KRIMINALFILM

Landkrimi

Die Ermittlerin Elfriede Jandrasits (Brigitte Kren) stehtkurzvor ihrerPensionierung,

als mit der Aufklärungeines Mordfalls an der österreichischen

Grenzebeauftragtwird. Hier wurde die 18-jährigeRenatetot in einem Waldstück

aufgefunden. Jandrasits stelltNachforschungenanund muss feststellen, dasses

im grenznahen Dorf sehr unterschiedliche Versionen über den möglichen Tathergang

kursieren. In einem sind sich die Bewohner jedoch einig, dass nurder

jungeGeflüchtete Achmet als Täter in Fragekommen kann.Die Ermittlungen

gestalten sichindem vonHass und Rassismus geprägtenUmfeld fürJandrasits

schwierig. Als es dann zu einem brutalen Übergriffauf Achmet kommt, kann dieserfliehen.

Doch nunist es an Jandrasits den jungen Mann zu finden, bevor es

der aufgebrachteMob tut. Hartes Krimidrama.

(Österr./2018)

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wölf Monatesind mittlerweile vergangen,

seit DominicToretto und Brian

AusZinninklusiveLederpatch

O’Conner (PaulWalker) den Söldner Owen

DasGeschenk Shawzur fürweltoffene Strecke gebracht Berlin-Fans haben, alsmit

Ein Modellder einem Weltzeituhraus Maldessen Zinn, Bruder perfektfür Deckardauf denTisch der

oder die Fensterbank. Bildfläche EinBlickfang erscheint. und Kein gutesZeichen für

Statementdie fürdie beiden Hauptstadt Haudegen, und denn Deckardwill vor

ihre multikulturelle Gesellschaft.

MDR WDR allem eins:Rache fürseinenBruder. Wäh-

Arte

Maße:6,5 ×11cm(B/H)

rend denDreharbeiten zu „Fast&Furious7“

Gewicht:180 g

kamHauptdarstellerPaulWalker beieinem

Art.-Nr. 1040001 Autounfall umsLeben. DerFilm wurde mit

Hilfevon Doubles und CGI-Technikvollendet.Mit

„Fast &Furious:Hobbs &Shaw“ soll

diesen Sommerder neunte Teil derActionfilmreiheindie

Kinos kommen.

(USA/Chin/Jap./2015)

Foto:ZDF

SUDOKU

NORMALVARIANTE -mittel

NORMALVARIANTE –MITTEL

4 7 9 1

7 5

9 3

2 3

8 6

6 9 8

8 4 2

7 4

6 1

MitDIAGONALEN-schwer

MIT DIAGONALEN –SCHWER

7 6

9

3

3

2 9 1 8

1 9

7 5

8 4

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VOM vom18./19. 18.5.2019

MITTEL mittel

1 7 8 9 3 5 2 4 6

5 3 2 6 4 8 1 7 9

4 9 6 1 2 7 5 8 3

2 8 3 5 7 1 6 9 4

9 1 5 4 6 3 8 2 7

6 4 7 2 8 9 3 1 5

3 6 4 7 1 2 9 5 8

8 5 1 3 9 4 7 6 2

7 2 9 8 5 6 4 3 1

AUFLÖSUNG

Auflösung

VOM

vom

18./19.

18.5.2019

5. 2019

SCHWER schwer

4 3 7 5 6 9 1 2 8

5 8 9 1 2 3 6 7 4

2 6 1 4 8 7 3 9 5

6 5 4 9 3 1 7 8 2

3 1 2 7 5 8 4 6 9

7 9 8 2 4 6 5 1 3

8 7 6 3 9 4 2 5 1

1 4 5 8 7 2 9 3 6

9 2 3 6 1 5 8 4 7

5.50 Potsdam erwacht 6.00 Streetphilosophy

6.30 rbb Praxis 7.30 Gartenzeit 8.00 Brandenburg

aktuell /Abendschau 9.00 In aller

Freundschaft 9.45 In aller Freundschaft –Die

jungen Ärzte 10.30 Rote Rosen 11.20 Sturm

der Liebe 12.10 Tierärztin Dr.Mertens 13.00

rbb24 13.10 Verrückt nach Meer 14.00 Land

und lecker 14.45 Einfach genial 15.10 Landschleicher

15.15 Urlaubsland Bayern (3/3)

16.00 rbb24 16.15 Wer weiß denn sowas?

17.00 rbb24 17.05 Giraffe, Erdmännchen &

Co. 17.55 Sandmann 18.00 rbb UM6 –Das

Ländermagazin 18.30 zibb. zuhause in berlin

&brandenburg 19.30 Brandenburg aktuell /

Abendschau 20.00 (für HG) Tagesschau

20.15 Super.Markt

Neues für Verbraucher

21.00 Berlin putzt! Dreckige Zeiten

Von Helden mit Wischmopp, Besen und

Kehrschaufel

21.45 rbb24

22.00 Tatort Der schwedische Freund

TV-Kriminalfilm, D2006. Mit Eva

Mattes, Sebastian Bezzel u.a.

23.30 Polizeiruf 110 Treibnetz

TV-Kriminalfilm, DDR 1985. Mit Peter

Borgelt, Jürgen Frohriep u.a.

0.45 Alles Klara Krimiserie

ProSieben

7.05 Baby Daddy 8.00 Last Man Standing

8.45 The Middle 9.35 Fresh off the Boat

10.30 Mike &Molly 10.55 How IMet Your Mother

11.50 2Broke Girls. Comedyserie 12.40

Mom Comedyserie 13.00 Twoand aHalf Men.

Wie die Büffel/Spüren Sie meinen Finger?/

Weiche von mir,Mary Poppins. Comedyserie

14.20 The Middle. Der dritte Valentinstag/Das

Konzert. Comedyserie 15.15 The Big Bang Theory.

Der Mann, der beide im Bett hatte/Das

Vegas-Weekend/Festgehalt statt Taschengeld/

Das Mississippi-Missverständnis. Comedyserie

17.00 taff 18.00 Newstime 18.10 Die Simpsons.

Blut und Spiele/Die Lisa-Studie. Zeichentrickserie

19.05 Galileo

20.15 The Big Bang Theory Probewohnen

bei Muttern /Such dir eine Inderin!

21.15 Mom Der verschwundene Obstgarten.

Comedyserie

21.45 The Big Bang Theory

Ab nach Baikonur! Comedyserie

22.15 The Big Bang Theory

Mamis Liebling /Ein guter Kerl.

Comedyserie

23.10 Late Night Berlin

Moderation: Klaas Heufer-Umlauf

0.10 The Big Bang Theory Comedyserie

2.20 Mom Comedyserie

13.50 (für HG) Die Kinder des Fechters. Drama,

FIN/EST/D 2015 15.25 Die Bienenflüsterer

15.50 (für HG) Metropolen des Balkans

(1/5) 16.45 (für HG) X:enius 17.10 Neben-,

gegen-, miteinander: Deutsch-französische

Geschichten 17.35 Tibet –Ritoma,ein Dorf im

Basketballfieber 18.35 (für HG) Universum

(1/2) 19.20 Arte Journal 19.40 (für HG) Re:

Filmreihe: Filmfestspiele Cannes 2019

20.15 (für HG) The Salesman. Drama,IRN/F

2016 22.15 Haltung bewahren! Komödie, F

2016 23.55 Rosita. Drama, USA 1923

3Sat

12.45 Schätze der Welt 13.00 (für HG) ZIB

13.25 Wilde Inseln 14.10 Wilde Inseln 14.50

Wilde Inseln 15.35 Wilde Inseln 16.20 Wilde

Inseln 17.00 (für HG) Terra X(1/2) 17.45 (für

HG) Terra X(2/2) 18.30 nano 19.00 (für HG)

heute 19.20 Kulturzeit 20.00 (für HG) Tagesschau

20.15 Netz Natur 21.05 Netz Natur

22.00 (für HG) ZIB 222.25 Anders als die

Väter. Dokumentarfilm,CH2017 23.50 (für

HG) Vickys Traum vom Sehen 0.20 10vor10

0.50 Sendung ohne Namen 1.40 The Alan

Parsons Symphonic Project: Live inColombia

Phoenix

9.00 phoenix vor ort 9.30 phoenix plus 10.00

phoenix vor ort 10.30 phoenix plus 12.00

phoenix vor ort 12.45 phoenix plus 14.00

phoenix vor ort 14.45 phoenix plus 16.00

Anne Will 17.00 Für Europa 17.30 phoenix der

tag 18.00 planet e. 18.30 Geheimnisvoller

Garten. Frühlingserwachen 20.00 (für HG) Tagesschau

20.15 Terra X.Die Magie der Farben

(1/2):Von Höhlenrot und Göttergelb 21.45

(für HG) heute-journal 22.15 unter den linden

23.00 phoenix der tag 0.00 unter den linden

0.45 Terra X2.15 Basare der Welt

Kika

13.40 (für HG) DiePfefferkörner 14.10 Schloss

Einstein 15.00 H2O –Plötzlich Meerjungfrau

15.45 Sherlock Yack –Der Zoodetektiv 16.20

Zoom –Der weiße Delfin 16.45 Ein Fall für TKKG

17.35 Kein Keks für Kobolde 18.00 (für HG)Wir

Kinderaus dem Möwenweg 18.10 (für HG) Der

kleine Drache Kokosnuss 18.35 Beccas Bande –

Mit Mut wird alles gut! 18.50 Sandmann 19.00

(für HG) Lassie 19.25 (für HG) Diebeste Klasse

Deutschlands 19.50 (für HG) logo! 20.00 (für

HG) KiKA Live 20.10 (für HG) Schnitzeljagd

durch Frankreich 20.35 Die Mädchen-WG

Dmax

12.15 Hardcore Pawn: Das härteste Pfandhaus

Detroits 13.15 Yukon Men –Überleben in Alaska

14.15 Das Survival-Duo: Zwei Männer,ein

Ziel 15.15 Coast Guard Alaska –Rettungaus

der Luft 16.10 Highway Cops 17.15 Fast 'N'

Loud 19.15 A8 –Abenteuer Autobahn (1)

20.15 Die Gebrauchtwagen-Profis 21.15 Die

Gebrauchtwagen-Profis 22.15 Classic Remise –

Das Haus der Traumautos 23.15 Mexicanicos –

Die Schrauber von Guadalajara 0.15 Die Gebrauchtwagen-Profis

1.10 Classic Remise

5.00 Tagesschau 5.02 hessenschau 5.30 ZDF-

Morgenmagazin 9.00 Tagesschau-Nachrichten

9.15 45 Min 10.00 Tagesschau-Nachrichten

10.15 Odysso 11.00 Tagesschau-Nachrichten

13.00 Mittagsmagazin 14.00 Tagesschau-Nachrichten

19.20 Weltspiegel 20.00 Tagesschau

20.15 Anne Will 21.17 Extra 21.30 Westpol

22.00 Markt 22.45 DieTagesschau vor20Jahren

23.00 Tagesthemen 23.30 Dierbb-Reporter 0.00

sport inside 0.30 Europamagazin 1.00 Nachtmagazin

1.20 Kowalski &Schmidt 1.50 Brandenburg

aktuell 2.20 Thüringen Journal 2.50 Extra 3.02

SWR Landesschau Baden-Württemberg 3.47 Extra

4.02 Abendschau 4.30 aktueller bericht

ONE

11.05 In aller Freundschaft –Die jungenÄrzte

11.55 Sturmder Liebe 12.40 Sturmder Liebe

13.30 Um Himmels Willen 14.15 UttaDanella –

Die Hochzeit aufdem Lande. TV-Liebesdrama, D

2001 15.45 In aller Freundschaft –Die jungen

Ärzte 16.35 Bezaubernde Jeannie 16.55 Bezaubernde

Jeannie (1) 17.20 Lindenstraße 17.50 Der

Dicke 18.40 Sturmder Liebe 19.25 Sturm der

Liebe 20.15 DerWolf. Dasvermisste Mädchen.

TV-Kriminalfilm, N2007 21.45 extra 3 22.30 Clique

23.10 Clique 23.55 DerWolf. Dasvermisste

Mädchen. TV-Kriminalfilm, N2007 1.25 Lindenstraße

1.55 Clique 2.40 Clique 3.25 DerDicke

4.10 Lindenstraße 4.45 Um Himmels Willen

ZDF NEO

8.50 Lafer!Lichter!Lecker! 9.30 Baresfür Rares

11.15 Duell derGartenprofis 12.00 DieRettungsflieger

13.30 Monk 14.55 Heldt 15.35 DieRettungsflieger

17.05 Monk 18.30 Bares fürRares

19.20 Bares fürRares 20.15 (für HG) Inspector

Barnaby. Grab desGrauens. TV-Kriminalfilm, GB

2004 21.50 Inspector Barnaby. DerClubder toten

Autoren. TV-Kriminalfilm, GB 2003 23.25 (fürHG)

InspectorBanks. Die letzte Rechnung.TV-Kriminalfilm,

GB 2012 0.10 (fürHG) InspectorBanks. Die

letzteRechnung.TV-Kriminalfilm,GB2012 0.55

Spooks –ImVisier des MI5 1.50 heute-show 2.20

Shapira Shapira 2.50 Callin' Mr.Brain 3.40 Die

glorreichen104.25 TerraXpress 4.55 TerraX

ZDF INFO

6.10 LeschsKosmos 6.40 TerraXpressXXL

12.45 Das Universum Mensch 15.00 (für HG)Der

Dino-Planet 17.15 Die vergessenenVorfahren der

Menschheit 18.00 Sex in der Steinzeit 18.45 GeheimesParis

–Unterirdische Megabauten 19.30

GeheimesParis –Monumente, Macht, Magie

20.15 Kriegder Bunker –Westwall gegen Maginot-

Linie 21.00 (fürHG) Deutschlandvon unten 22.25

GeheimesRussland–Moskaus Unterwelten

23.10 (für HG)Superbautender Geschichte 23.55

Die geheimenBunker der DDR und derSchweiz

0.40 (für HG)heute-journal 1.05 (fürHG) Kaisersturz.

TV-Dokudrama, D2018 2.35 „Verrat!” –Das

Ende der HabsburgerimErstenWeltkrieg

Radio

KLASSIK

18.04 RBB KULTURRADIO (92.4 MHz)

Alte Musik Exotismus pur –Les Indes galantes

von Jean-Philippe Rameau. Mit Bernhard

Schrammek, ca. 56 Minuten

20.04 RBB KULTURRADIO (92.4 MHz)

Schöne Stimmen Der Bassist Martti Talvela.

Mit Rainer Damm. Er war einer der großen

Menschendarsteller der Musikbühne, Berlin

verbunden seit dem Beginn seiner Weltkarriere

in den sechziger Jahren.Hinter dem bärenhaften

Äußeren des fülligen Zweimeterriesen verbarg

sich aber auch eine zart besaitete Natur.

Als „Bass mit der Kinderseele” hat August

Everding ihn beschrieben, ca. 56 Minuten

21.04 RBB KULTURRADIO (92.4 MHz)

Musik der Gegenwart Heinz Holliger zum 80.

Geburtstag.Mit Andreas Göbel. Er ist eine

Mehrfachbegabung: Als Oboist hat Heinz Holliger

die Möglichkeiten seines Instruments wesentlich

erweitert. Als Dirigent setzt er sich für

wichtige, oft vernachlässigte Werke, nicht nur

der Neuen Musik, ein. Und als Komponist hat

er u.a. mit seinem Scardanelli-Zyklus Musikgeschichte

geschrieben. ''Man muss Neue Musik

nicht verstehen, man muss sie fühlen'', so der

Musiker.Morgen ist der 80. Geburtstag von

Heinz Holliger., ca. 56 Minuten

21.05 Deutschlandfunk (97.7 MHz)

Musik-Panorama Neue Produktionen aus dem

Deutschlandfunk Kammermusiksaal. Eden. Mit

Susann El Kassar,ca. 105 Minuten

HÖRSPIEL

21.30 Deutschlandfunk Kultur (89.6 MHz)

„Wer ist wer?” Kriminalhörspiel nach Rod Beacham.

Mit Heiner Kollhoff, Wolfgang Höper,

Bruno Scheffner,Peter Fricke, Karin Schröder,

Hans Groth, Gerd Andresen,Horst Naumann,

Michael Thomas, Klaus Miedel. Regie: Wolfgang

Nied, ca. 60 Minuten

23.04 RBB KULTURRADIO (92.4 MHz)

Lesung Siri Hustvedt: „Damals” (1/34),

ca. 31 Minuten

JAZZ /BLUES

19.30 RBB KULTURRADIO (92.4 MHz)

The Voice Charles Brown. Mit Susanne Papawassiliu,

ca. 30 Minuten

20.03 Deutschlandfunk Kultur (89.6 MHz)

In Concert Dotschy Reinhardt &Ensemble.

Moderation: Holger Beythien, ca. 87 Minuten

0.05 Deutschlandfunk Kultur (89.6 MHz)

Neue Musik „I have nothing to say, and Iam

saying it”. John Cages Poetik des Unbestimmten.

Von Michael Rebhahn, ÄsthetischeTraktate,

Anekdoten, Wortkunstwerke: John Cage fand

zahlreicheWege, um zu sagen, was nicht einfach

sagbar ist, ca. 55 Minuten


Berliner Zeitung · N ummer 115 · M ontag, 20. Mai 2019 – S eite 28 *

·························································································································································································································································································

Panorama

LEUTE

NACHRICHTEN

Kim Kardashian und Kanye West

müssen noch sehr viele Kinder bekommen.

Nicht, dass wir ihreelterlichen

Qualitäten beurteilen könnten,

aber die Namensgebungen des

Promi-Paares sind einfach zu schön.

Nach NorthWest (5), Saint West (3)

und Chicago West (1) heißt der

jüngste Spross der Familie nun

Psalm West. Halleluja!

Thomas Gottschalk muss seine Gedanken

zum hiesigen Zeitschriftenmarkt

eventuell neu sortieren. Immerhin

wirdder 69-Jährige beim

diesjährigen Finale von„Germany’s

next Topmodel“ auf der Bühne stehen.

In dieser Show winkt der Gewinnerin

ein Foto auf der Titelseite

der Harper’s Bazaar –laut Eigenbeschreibung

ein Magazin, das die

„wichtigsten Modenschauen, Trends

und Shopping-Tipps für die Frau mit

Stil“ zeigt. Also bitte nicht wieder von

„irgendwelchen Weiberzeitungen“

sprechen, lieber Herr Gottschalk.

Sonst wirdHeidi Klum böse,und das

kann nun wirklich niemand wollen.

Arnold Schwarzenegger ist ein Fels in

der Brandung, einfach unerschütterlich.

Daszeigte sich einmal mehr bei

einer Sportveranstaltung in Südafrika,

wo der Schauspieler voneinem

polizeibekannten Mann attackiertund

ihm mit beiden

Beinen heftig in den Rücken

getreten wurde.

Aufnahmen zeigen,

dass der Angreifer

den 71-Jährigen

mit Anlauf anspringt

–aber auch,

dass Schwarzenegger

nach kurzerIrritation

einfach

weiter Autogramme

schreibt.

Er habe den Tritt

für einen Rempler

gehalten, sagte der

„Terminator“ später.

„Ich bin nur froh, dass

der Idiot nicht meinen

Snapchat unterbrochen

hat.“ EinMann

aus Stahl! (avo./mit dpa)

Kein Grund zur Sorge:

Arnie geht es gut.

TIERE

DPA/PETER LECHNER

Das warknapp: gerettete Entenküken.

POLIZEI DORTMUND

Liebe Entenvögel! Es muss an dieser

Stelle noch einmal die dringliche

Warnung ausgesprochen werden:

Bitte nicht auf die Straße watscheln!

Undschon gar nicht auf eine viel befahrene

Autobahn. Denn nicht jeder

hat am Ende so viel Glück wie die Entenfamilie

auf der A45 bei Dortmund.

Dortüberquerte eine Mutter

mit ihren vier Küken die Fahrbahn

und saß dann auf dem Mittelstreifen

fest. Wiegut, dass alle Autofahrer

ausweichen konnten und die zur

Rettung herbeigeeilten Beamten einen

Karpfenkescher dabei hatten.

Damit fingen sie die Küken ein. Die

kleinen Piepmätzewurden in einem

Pappkarton unverletzt in eine Vogelaufzuchtstation

gebracht. „Die Entenmama

hatte sich dem polizeilichen

Zugriff leider durch Flucht entzogen“,

so die Beamten. (avo.)

Mit Gegenlichtstrahler und Wehmut im Blick: Der Niederländer Duncan Laurence gewinnt den Eurovision Song Contest in TelAviv.

Das ganz große Gefühl

Ein leises Lied gewinnt den Eurovision Song Contest 2019. Und der deutsche Beitrag fällt mal wieder durch

VonElmar Kraushaar

Da kommt einer daher,

ohne Pyrotechnik und

LED-Wände, ohne Farborgien

und ohne Tänzer

und Artisten, und gewinnt den Pott.

Duncan Laurence heißt der Sieger

beim diesjährigen ESC, ausgetragen

im israelischen TelAviv.Der

25-Jährige, der eigentlich Duncan

de Moor heißt, kommt aus

der Provinz Südholland, hat

mal Gesang studiert an der

Rock Academy in Tilburg und

war Kandidat bei der Castingshow

„The Voice of Holland“.

Keine lange Karriere, und trotzdem

ist er schon Europas neue

Nummer 1, aus der Perspektive der

weltweit größten TV-Live-Musikshowbetrachtet.

Mitgeringem Aufwand betörte er

sein Publikum, verschanzt hinter einem

kleinen Klavier, inblaues Licht

getaucht, und mit zwei kurzenelegischen

Blicken in die Kamera. Sonst

nichts.Und dann singt er auch noch

„Arcade“, ein trauriges Lied, eines,

das vom Verlust eines lieben Menschen

handelt, voneinem, der viel zu

früh gestorben ist. „Das Lied handelt

von Emotionen, von Sehnsucht und

Trauer, von Eifersucht und Wut“, hat

er vorab das Lied erläutert, dessen

Text er mit verfasste.

Schreien, lachen, umarmen

Dasalso kommt an beim großen Publikum,

wenn einer ganz persönlich

wird, authentisch in der Selbstdarstellung,

glaubhaft im Vortrag. Das

war auch schon der Grund für den

guten vierten Platz im Vorjahr für

den deutschen Vertreter Michael

Schulte,der den Verlust seines Vaters

besang. Und das war erst recht der

Wegzum Sieg vorzweiJahren für den

Portugiesen Salvador Sobral, der sich

komplett allen üblichen Sehgewohnheiten

entzog und nur auf das

ganz große Gefühl setzte.

Dass Duncan Laurence mehr

kann als nur traurig sein, beweist er

nach seinem Sieg. Er schreit und

lacht, umarmt jeden, der ihm begegnet,

und weint auch ein paar Tränen

der Erleichterung. Er ist so stolz auch

darauf, den Sieg nach 44 Jahren wieder

einmal in seine Heimat geholt zu

haben. Mit „Ding-A-Dong“ gewann

1975 die Gruppe Teach-In die Trophäe

für die Niederlande, nachdem

bereits in den ganz frühen Jahren des

Festivals der erste Platz schon dreimal

an Deutschlands Nachbarn im

Westen vergeben worden war.

Eine ESC-Bilanz, die sich sehen

lassen kann, ganz im Gegensatz zu

Deutschland, das sich in diesem Jahr

wieder ganz hinten anstellen

Mit Fetisch-Fummel auf Platz 10: Hatari aus Island.

Das schmerzt: S!stersaus Deutschland landen auf dem drittletzten Platz.

musste.32Punkte bekam das Retorten-Duo

S!sters von den Juroren der

Teilnehmerländer,und keinen einzigen

Punkt vonden Televotern. Nicht

einen Zuschauerpunkt aus ganz Europa,

das muss man erst mal schaffen.

Dabei hatte der für den Wettbewerbsbeitrag

zuständige NDR alles

aufs Beste geplant. Eine deutsche

Antwort auf die weltweite #MeToo-

AP/SEBASTIAN SCHEINER

AP/S. SCHEINER

Der ESC, eine unpolitische Veranstaltung? Madonnas Tänzer zeigen Flagge. AFP/ORIT PNINI

Debatte wollte man liefern, dafür

hatte man einen Song eingekauft,

der dieser Message nahekam, hatte

zwei junge, fast völlig unbekannte

Sängerinnen zusammengecastet,

die eine blond, die andere brünett,

die eine mit hoher Stimme, die anderemit

einer tiefen. EinProjekt, wie

es nun mal am Reißbrett entsteht, eines,

mit dem man nichts riskieren

will, aber den europäischen Massengeschmack

treffen, mit hohen

Downloadzahlen und maßlosen

Einsätzen in den Formatradios.

Nichts von alledem ist eingetroffen,

das Lied fand von Beginn an keine

Beachtung, weder bei den Buchmachern

noch bei den einflussreichen

Fan-Organisationen.

Dabei hatte der NDR sich eine

ständig wachsende PR-Truppe an

die Seite geholt, Journalisten, Moderatoren

und einen Musikwissenschaftler,

die immer bereit standen,

„His Master’s Voice“ nach außen zu

vertreten. Aber selbst diese Expertentruppe

war zurückhaltend in diesem

Jahr, sprach nicht in höchsten

Tönen vondem Schwestern-Projekt,

lobte eher und zu Recht die Titel der

Konkurrenz.

Auswahl auf dem Prüfstand

AFP/JACK GUEZ

Thomas Schreiber, der oberste Chef

beim NDR für die ganze Veranstaltung,

ist Profi durch und durch. Eine

Stunde nach Bekanntgabe des niederschmetternden

Ergebnisses steht

er bereits vor der Kamera und lässt

sich keinerlei Enttäuschung anmerken.

Gratuliert dem Sieger:„Für den

habe ich auch abgestimmt“, und bedankt

sich bei Carlotta Truman und

Laurita Spinelli, den S!sters: „Die haben

eins agesungen und eine sehr

glaubwürdige Performance abgeliefert.

Aber unser Auswahlverfahren,

mit dem wir erfolgreich waren im

vergangenen Jahr, müssen wir uns

jetzt anschauen, ob das immer noch

der richtige Weg ist.“ Die Vorentscheid-Auslese

steht also wieder auf

dem Prüfstand.

DenAbend überstrahlen sollte eigentlich

ein Weltstar, eine lebende

Legende, die man teuer eingekauft

hatte aus Übersee: Madonna. Die

Künstlerin, die sich angeblich ständig

neu erfindet, enttäuschte diesmal

auf ganzer Linie. Eine Augenklappe

und ein Paar Zöpfe, das war

das neue Image; dazu eine großspurige

Performance mit viel Personal

und noch mehr Kostümen, aber einer

mehr als bescheidenen Gesangsdarstellung.

„Nicht abgeliefert“,

würde man im Musikgeschäft sagen.

Dafür gab es dann doch noch eine

kleine politische Provokation, was

nicht schwerfällt auf dem Pulverfass

Nahost. Beim Verlesen der Televoting-Punkte

zeigten die Kameras

ganz kurz die isländische Band Hatari

imBild, wie sie mehrere Palästina-Banner

schwenkte. Unmittelbar

danach kündigte derVeranstalter

des großen Ganzen, die EBU, Konsequenzen

an für Island. Nureine Verwarnung

oder doch der Ausschluss

des Landes im kommenden Jahr?

Noch sind die Sanktionen nicht entschieden.

Lügde: Gericht plant Prozess

ab dem 27. Juni

DerProzess um den massenhaften

Kindesmissbrauch auf einem Campingplatz

in Lügde soll laut Landgericht

Detmold am 27. Juni beginnen.

Voraussetzung sei, dass die Anklage

gegen einen dritten Verdächtigen

noch rechtzeitig eintreffe und alle

Anklagen zugelassen werden, so ein

Sprecher.MehrereOrganisationen

forderten unterdessen weitergehende

Konsequenzen aus dem Missbrauchsfall.

DasVersagen staatlicher

Institutionen habe erneut unvorstellbares

Leid zahlreicher Kinder ermöglicht,

kritisierte der Deutsche

Kinderverein in Essen. Dies müsse

kritisch und unabhängig aufgearbeitet

werden. Dazu solle eine Enquete-

Kommission eingesetzt werden, die

das Vorgehen der Behörden in Lügde

und Hameln aufarbeite. (dpa)

Fallschirmspringer kommen

bei Absturz ums Leben

Beieinem Fallschirmsprung am

Flugplatz im oberschwäbischen Bad

Saulgau sind am Wochenende zwei

Männer tödlich verunglückt. Laut

Polizei stürzten sie am Sonnabendvormittag

aus etwa 50 MeternHöhe

ab und schlugen auf dem Boden auf.

Dabei wurden sie so schwer verletzt,

dass sie kurzdarauf starben. Dergenaue

Hergang des Unfalls und die

Ursache waren auch am Sonntag

noch unklar.Die 49 und 32 Jahrealten

Männer seien erfahrene Springer

gewesen. Ob sich ihreSchirme nicht

richtig öffneten oder eine Kollision in

der Luft zum Absturzführte,müsse

noch untersucht werden. (dpa)

Explosion in Wohnhaus:

Suche nach Verschütteten

Helfer tragen Teile des zerstörten Wohnhauses

ab.

DPA/KARL-JOSEF HILDENBRAND

Rettungskräfte im Allgäu suchen

nach der Explosion eines Wohnhauses

nach zwei Verschütteten. Dabei

handelt es sich laut Polizei um einen

Vater mit seinem Kind. DieMutter

wurde am Sonntagmittag schwer

verletzt aus den Trümmerngeborgen.

Zunächst hatte die Polizei befürchtet,

dass bei der Explosion des

dreistöckigen Gebäudes in einem

Wohngebiet in Rettenbach am Auerbergsogar

sieben Menschen verschüttet

sein könnten –denn so viele

Menschen waren als wohnhaft in

dem Haus gemeldet. Wiesich herausstellte,war

jedoch eine vierköpfige

Familie zum Zeitpunkt des Unglücks

außer Haus.Durch die Detonation

aus noch ungeklärter Ursache

stürzte das Dach des Hauses bis

auf das Erdgeschoss herunter. (dpa)

Diebe plündern

Erdbeerfeld

In Lambsheim im Rhein-Pfalz-Kreis

haben Diebe ein Erdbeerfeld fast

komplett leergepflückt. DiePolizei

ging am Sonntag vonmehreren Täternaus.Bei

dem Diebstahl in der

Nacht zum Freitag müssten die

Diebe Fahrzeuge zum Abtransport

der Beute benutzt haben, teilte die

Polizei mit. Sieschätzt den entstandenen

Schaden auf 700 Euro. (dpa)


www.berliner-zeitung.de/sonderbeilagen

BERLIN BEWEGER

SICHERHEIT

Augenauf! 04

Gefahren rechtzeitig erkennen

Runder Tisch 06

Sicherheit aus vielen Perspektiven

Abgesichert 10

So schützen Sie Ihr Zuhause

Herausforderungen 02

Obwohl die Fallzahlen der Straftaten in Berlin sinken, fühlen

sich viele Menschen unsicher. Worin liegen die Ursachen und

was sind die dringendsten Aufgaben der Berliner Polizei?

Anzeigen-Sonderveröffentlichung Nr. 41|20. Mai 2019


BERLIN BEWEGER

Anzeigen-Sonderveröffentlichung |20. Mai 2019

„Esgibt einen deutlichen

Optimierungsbedarf“

Der Polizeivizepräsident Marco Langner verrät im Gespräch, welches die drängendsten Herausforderungen der

Berliner Polizei im Hinblick auf die Sicherheit in der Hauptstadt sind. Er erklärt, mit welchen Maßnahmen seine

Behörde die anstehenden Aufgaben bewältigen will. Im Fokus steht dabei immer wieder das Thema Prävention

Das Mottodes diesjährigen Deutschen Präventionstageslautet

„Prävention und Demokratieförderung“.Was sind in IhrenAugen

auf demGebiet derPräventiondie größtenHerausforderungen,

vordenen dieBerlinerPolizei aktuell steht–vor allem im Hinblick

auf dieThemen„Diebstahl und Einbruch“,„Amok und Terror“

sowie„Cyberkriminalität“?Und wiewollenSie diese meistern?

Sie haben mit den Themen schon einige unserer Schwerpunkte

angeführt. Auch wenn wir Einbruchstateneindämmen konnten

und nun einen Rückgang der Fallzahlen feststellen, bleibt„der Einbruch“

in unserem Fokus. Einbrüche ziehen nichtnur einen finanziellen

Schaden nach sich, sondernverängstigen auch. Zuhause

möchte sich jede und jeder sicher fühlen. Es ist unsereAufgabe,

das zu gewährleisten. Eine Aufgabe,die allerdings nichtuns allein

zufällt.Deshalb beraten wir –kostenlos –zum Thema Sicherung

der eigenen vier Wände.Wir stellen fest,dass Täterimmer häufiger

an der Sicherung vonWohnungen bzw. Häusernscheiternund ihre

Tatabbrechen. Wasden Bereich der Cyberkriminalitätbetrifft, muss

ich sagen, dass dieDigitalisierung des alltäglichen Lebens Tatgelegenheiten

schafft. UnsereAufgabe ist es –ganz klar –auch hier

unserePrävention fortzusetzen und an die Entwicklungen anzupassen.

Unser Spektrum reichtbereits vonPräventionund Kampagnen

gegen Cybermobbing,über Cyberstalking und Cybergrooming bis

hin zu (Online-) Betrugstatenund vielem mehr.Wichtig ist,dass wir

mit unsererTechnik und unserem Wissen bei den digitalen Entwicklungen

mithalten, um die Bürgerinnen und Bürger unserer Stadt zu

beraten und zu schützen. Im Punkt der Prävention vorAmoktaten

arbeiten wir sehr eng –imSchulterschluss –mit der Senatsverwaltung

für Bildung,Jugend und Familie zusammen. Wirberaten

unmittelbar in Schulen, aber auch auf Ebene der Senatsverwaltung,

wenn es zum Beispiel um bauliche Veränderungen zur Sicherung

geht. Darüber hinaus werden wir auch bei unserer Präventionsarbeit

weiterhin unser Hauptaugenmerkauf dem Themenfeld Terror belassen.

Es geht hier um mannigfaltige Aspekte, wie ein frühzeitiges

Erkennen und Intervenieren bei Anzeichen für eine Radikalisierung,

aber auch um Sensibilisierung und Schutz vongefährdeten Personen,

Objekten, Einrichtungen. Darüber hinaus müssen wir weiterhin

mit den Kolleginnen und Kollegen mögliche Einsatzsituationen

beüben, um auchinZukunftbestmöglich schnell,konsequentund

effizienthandeln zu können. Das ist zwar aufwendig,aber zwingend

notwendig.Umall das,aber auch Aspekteder Ermittlungen zu verbessern,

sind wir derzeit auf dem Wegunterschiedliche Bereiche des

Landeskriminalamteszusammenzuziehen undineiner neugeschaffenen

Abteilung des LKAzusammenzufassen.

GefühlteUnsicherheitund Wirklichkeit liegen häufigweit

auseinander.Nun solldie„gefühlteSicherheit“ wissenschaftlich

untersuchtwerden. Wasversprechen Sie sichdavon?

Im Detail gehtesumeine bundesweiteBefragung,inder die

Teilnehmenden unteranderem zu ihrem Sicherheitsgefühl,ihrem

Anzeigeverhalten und ihren Opfererfahrungen befragt werden. Das

Bundeskriminalamtübernimmtdabei die Federführung.Von der

Studie„Sicherheit und KriminalitätinDeutschland“ erhoffen wir uns

unteranderem das sogenannte Dunkelfeld zu erhellen. Vielleicht

kurz zur Erklärung: Im Hellfeld befinden sich alle Straftaten die wir

ermitteln, vondenen wir Kenntnis erlangen. Im Dunkelfeld hingegen

verbergen sich alle weiteren Straftaten.Beginnen wirddas

Ganzevoraussichtlich im Frühjahr 2020.

Ein viel diskutiertesThemainBerlin istdie so genannte Clan-

Kriminalität. Miteiner Politikder Nadelstiche soll dasProblemangegangen

werden.Wie effektiv ist dasVorgehen auspolizeilicher

Sicht –und wasbedeutetesfür die BeamtenimDienst?

Vielleichteines vorweg,weileskaum bekanntist: Wirhaben bereits

Mitteder 90er-Jahredas Phänomen der in Teilen Organisierten

Kriminalitätdurch Straftäter aus arabischstämmigen Strukturen erkanntund

strukturell,aber auch ermittlungstaktisch darauf reagiert.

Um aber langfristig die„Clankriminalität“ erfolgreich bekämpfen zu

können, müssen viele Behörden mit der Polizei Berlin zusammenarbeiten.

Mitder politischen Unterstützung,dem gesellschaftlichen

Rückhalt und der behördenübergreifenden Zusammenarbeit können

wir nun ein klares Zeichen dagegensetzen und verdeutlichen,

dass Rechtund Gesetz für alle gilt.Die„Politik der Nadelstiche“ stellt

dabei nureinen Teil unserer Ansätzegegen die„Clankriminalität“

„Wir wollen noch mehr

Polizistinnen und

Polizistenauf die

Straße bekommen.“

Polizeivizepräsident

Marco Langner

dar.Ein ebenso klares Zeichen setzt der am 26.November2018 durch

die Senatorenfür Inneres und Sport, Finanzen sowieJustiz, Verbraucherschutz

und Antidiskriminierung und den Bezirksbürgermeister

vonBerlin-Neukölln verabschiedete 5-Punkte-Plan. Dieser siehtunter

anderem die Intensivierung vonGewerbe-und Finanzkontrollen,

insbesonderezur Aufdeckung vonGeldwäsche- und Steuerdelikten,

vor. Dieser behördenübergreifende Ansatz findetsich nun auch

strukturell in der Polizei Berlin wieder. Am 1. April2019haben wir das

Zentrum für Analyse und Koordination zur Bekämpfung krimineller

Strukturen beim LKA4eingerichtet. Hier laufen die entscheidenden

Fäden zusammen.

Eines IhreraktuellenProjekteist die Umstrukturierung derBerlinerPolizeidirektionen,

teilsüber Bezirksgrenzen hinweg.Was

versprechenSie sich vondem Vorhaben?

Wirleben heuteinäußerst anspruchsvollen und sehr dynamischen

Zeiten. Organisationen wie die Polizei Berlinmüssen sich diesen

Bedingungen auchschnell anpassen, um Schritt halten zu können.

Es wäre fatal für die Sicherheit in unserer Stadt,wenn wir das nicht

täten. Die aktuelle Analyse unserer Strukturen hateinen deutlichen

Optimierungsbedarfergeben. Intern müssen wir Entscheidungsprozesse

beschleunigen,umz.B.schneller die dringend notwendige

Ausrüstung für die Kolleginnen und Kollegen beschaffenzukönnen.

Auch das LKAerfährtVeränderungen, um der Terrorbekämpfung

besser gewachsen zu sein. Und wir wollen noch mehr Polizistinnen

und Polizisten auf die Straße bekommen. Zumeinen an den zentralen

Hot Spots in Berlin und zum anderen auch an den Brennpunkten