Bahnsport 06/2019

mce71

Mal Licht, mal Schatten - von Nadine Pfeiffer - Liebe BSA-Leser, wir heißen Sie willkommen zu unserer Juni-Aus- gabe. Das heißt die Sommersaison ist in vollem Gange und das ein oder andere Highlight be- reits schon wieder Geschichte. Während mitunter die Bundesliga angelaufen ist, fand ebenso bereits – und das sehr erfolg- reich für unser Team – das Speedway of Nations in Landshut statt, genauso wie die neue Nach- wuchsserie Speedway Friendship Cup in Die- denbergen und natürlich ist auch der Speedway GP gestartet, in Warschau. Es läuft also ...

GP-Auftaktsieger Leon Madsen gegen

Bartosz Zmarzlik und Antonio Lindbäck

Madsen

Auch der fünfte Grand Prix im PGE Narodowy

Stadion war erwartungsgemäß wieder

ein großes Speedwayspektakel und

eröffnete (endlich) die diesjährige GP-

Saison. Natürlich wieder mit rund 54.000

verkauften Eintrittskarten ausverkauft!

Warschau setzt nach wie vor Maßstäbe.

Die Erwartungen der einheimischen Fans an ihre

Fahrer waren wieder erwartungsgemäß sehr

hoch. Dieses Jahr sollte endlich auch einmal

ein Pole ganz oben auf dem Siegerpodest stehen,

denn bislang reichte es nur für Maciej Janowski

in den beiden letzten Jahren für 2. Plätze.

Aber Magic konnte diesmal wegen seiner

Verletzung nicht starten. Für ihn rückte Breslau-Mannschaftskollege

Max Fricke nach. Erwartungsgemäß

ging auch Greg Hancock nicht

an den Start, weil er seiner Ehefrau in den USA

beistehen will, die schwer an Brustkrebs erkrankt

ist. Für ihn kam King’s Lynns Robert

Lambert ins Fahrerfeld. Lambo steigerte sich

von Lauf zu Lauf. Im ersten Semifinale hatte er

dann keine Chance. Bis auf GP-Neuling Janusz

Foto links: Lindgren, Madsen, Dudek (v.l.)

Kolodziej hatten die Polen im ersten Durchgang

einen maximalen Auftakt. Auch Bartosz

Smektala, der für dieses Rennen die Wildcard

erhielt. Von diesen vier polnischen Fahrern

schaffte es allerdings nur einer in den Endlauf.

Polens letzte Hoffnung, Patryk Dudek, kam im

Finale von der Außenbahn startend aber viel zu

schlecht aus den Bändern. Das gleiche Problem

hatte auch der hoch gehandelte Niels-

Kristian Iversen, der auf der selbstgewählten

blauen Bahn startete. Der Däne wurde gleich

am Start von Freddie Lindgren auf der Innenbahn

und von seinem Teamkollegen in Czestochowa,

Leon Madsen, ins sogenannte Sandwich

genommen. Er fiel chancenlos auf den

letzten Platz, nachdem ihn noch Dudek überholte.

Die Pace aber machte Fredrik Lindgren,

der hier 2017 den Grand Prix einmal gewinnen

konnte. Der Europameister blieb Fast Freddie

zwar auf den Fersen, aber die wenigsten hatten

wohl bereits nach einer Runde daran gezweifelt,

dass der Schwede dieses Finale hier

nicht gewinnen würde. Dann aber machte Lindgren

zu Beginn der zweiten Runde aufgrund einer

Bahnunebenheit einen folgenschweren

Fahrfehler, den Madsen sofort ausnutzen

konnte und diesen Grand Prix unerwartet gewann.

Bis dahin hatte der Däne nicht einen

einzigen Lauf gewinnen können! Auch der amtierende

Weltmeister Tai Woffinden konnte

nicht einen Lauf für sich entscheiden und beendete

den GP mit einem für ihn inakzeptablen

1-2-1-0-2 auf dem 12. Platz. Wie er sagte, fand

er nie die richtige Abstimmung für seine Maschine.

Er, Max Fricke und Bartosz Zmarzlik

konnten am Freitag wegen des Ligarennens

Gorzow gegen Wroclaw nicht am Training und

dem Qualifying teilnehmen. Über das neu eingeführte

Qualifying gab es geteilte Meinungen.

Letztlich war es Matej Zagar, der mit

13,143 Sekunden die schnellste Runde fuhr.

Damit durfte er als erster seine Startnummer

für den GP wählen. Jason Doyle war zwar der

Langsamste im Training, im Qualifying fuhr er

jedoch mit 13,266 Sekunden die zweitbeste

Zeit. Der Australier wollte unbedingt an diesem

GP teilnehmen, obwohl er sich zuvor bei seinem

Sturz in Torun eine gebrochene Rippe und

eine perforierte Lunge zugezogen haben soll.

Diese Verletzung sah man dem Exweltmeister

am Samstag nicht unbedingt an. Doyle begann

den GP mit zwei guten 2. Plätzen, baute dann

aber stark ab. Auch Martin Vaculik begann

stark mit 7 Punkten aus drei Läufen. Zudem

fuhr er in Heat 6 mit 55,35 Sekunden die

schnellste Zeit des Abends. Jedoch folgten

zwei enttäuschende Null-Punkte-Fahrten. Das

alles reichte nicht für ein Halbfinalticket.

Und Bartosz Zmarzlik fuhr nicht in Bestform.

Man spürte förmlich den Druck, der auf dem Vizeweltmeister

lastete. Nach seinem Auftaktsieg

bot der Pole eine recht wechselhafte Performance.

Das zweite Halbfinale war dann für

beide polnische „Bartosz-e“, Zmarzlik und

Smektala, die Endstation in diesem Rennen.

Der Gorzow-Star, der einmal mehr nicht optimal

aus den Bändern kam, lieferte sich einen

atemberaubenden Kampf über drei Runden mit

Grand-Prix-Neuling, Leon Madsen, den der Däne

letztendlich gewinnen konnte. Einen schweren

Stand hatten die beiden Russen. Emil Saifutdinow

startete sehr schwerfällig ins Rennen

und blieb in den ersten beiden Läufen ohne

Punkte. Er fand dann aber gut ins Rennen. Seine

7 Punkte aus den verbleibenden Durchgängen

waren aber zu wenig für einen Platz in den

Halbfinals. Artem Laguta begann das Rennen

verhalten, baute dann aber ungewohnt stark

ab. • Texte: Andreas Fahldiek; Fotos: Jarek Pabijan

AM RANDE

Um kurz vor 13:00 Uhr gab es nur noch ganze

37 Eintrittskarten im oberen Rang zu kaufen!

Die begehrten Tickets im unteren Rang waren

fast binnen Stunden nach Beginn des Vorverkaufs

vergriffen.

Nachdem die 13 Fahrer nach dem Qualifying ihre

Startplätze gewählt hatten, loste CCP-Chef

Armando Castagna die Startpositionen für Max

Fricke, Tai Woffinden und Bartosz Zmarzlik

selbst aus. Die drei konnten wegen Ligaverpflichtungen

nicht am Training/Qualifying teilnehmen.

Weltmeister Tai Woffinden und Vizechampion

Bartosz Zmarzlik trafen somit in Heat

4 aufeinander, den der Pole für sich entscheiden

konnte. Das erstmals ausgetragene Qualifying

rief bei den TV-Sendern großes Interesse

hervor. Zumindest BT Sport in Großbritannien

und Canal+ in Polen übertrugen live!

Zum ersten Mal in der Funktion als FIM-Präsident

war Jorge Viegas Gast beim Großen Preis

von Polen im PGE Narodowy Stadion. Der Portugiese

war begeistert von dem Publikum und

der Atmosphäre in Warschau. „Speedway hat

enormes Potenzial!“, bemerkte Viegas.

Leon Madsen: „Ich habe die ganze Zeit über

nach mehr in meinen Maschinen gesucht. Es

war sehr schwer. Oft auf der Strecke befand ich

mich „im Stau“ und musste aus einiger Entfernung

hart kämpfen. Ich bin sehr froh, dass ich

gewonnen habe. Ich möchte meine Anerkennung

für die Atmosphäre, die die Fans im Stadion

erzeugt haben, zum Ausdruck bringen.

Vielen Dank an meine Fans aus Dänemark,

aber auch an die polnischen Fans. Ich habe

auch viele Fans von Wlokniarz Czestochowa auf

der Tribüne gesehen, denen ich auch sehr danken

möchte.“

Tai Woffinden: „Dies war mein zweitschlechtester

Grand Prix. Natürlich bin ich enttäuscht. Ich

habe immer nach der optimalen Abstimmung

meiner Maschinen gesucht. Aber von Beginn

an habe ich nie das optimale Set-up gefunden.

Aber die Saison ist noch sehr jung. Zurzeit bin

ich nicht in der Position des Gejagten, sondern

in der des Jägers. Das ist gar nicht mal so

schlecht. Und ich bin sicher, dass ich in Kürze

meine gewohnte Form wiederfinden werde.“

SPEEDWAY-WM

(nach 1 von 10 Grand Prix)

Pl./Name

Nat. GP1 Ges.

1. Patryk Dudek PL 16 16

2. Fredrik Lindgren S 15 15

3. Niels-Kristian Iversen DK 14 14

4. Leon Madsen DK 13 13

5. Bartosz Zmarzlik PL 10 10

6. Antonio Lindbäck S 10 10

7. Bartosz Smektala* PL 10 10

8. Robert Lambert GB 8 8

9. Matej Zagar SLO 7 7

10. Martin Vaculik SK 7 7

11. Tai Woffinden GB 6 6

12. Emil Saifutdinow RUS 6 6

13. Jason Doyle AUS 5 5

14. Artem Laguta RUS 4 4

15. Janusz Kolodziej PL 4 4

16. Max Fricke AUS 3 3

GP1 - Warschau/PL - SF1: Lindgren, Dudek, Lindbäck,

Lambert; SF2: Iversen, Madsen, Zmarzlik, Smektala;

Finale: Madsen, Lindgren, Dudek, Iversen.

Juni '19 BAHNSPORT AKTUELL 7

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