Berliner Kurier 21.05.2019

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BERLINER KURIER, Dienstag, 21. Mai 2019

Zweckentfremdungmal anders

Aktivisten besetzen Ferienwohnung

Und die Polizei hilft ihnen ganz schnell beim Auszug

Von

NORBERT KOCH-KLAUCKE

Berlin – Dringend benötigte

Wohnungen, die als Ferienbleibe

zweckentfremdet

werden –inBerlin ist das ein

großes Problem. Aktivisten

haben nun aus Protest den

Spieß umgedreht. Sie besetzten

in Neukölln eine Airbnb-

Ferienwohnung, die sie für

eine Ausstellung zweckentfremdeten.

Das Dumme: Die

Ferienwohnung ist legal. Am

Ende kam die Polizei.

Die Ferienwohnung im Erdgeschoss

eines Mietshauses an

der Hobrechtstraße: Für 1300

Euro Monatsmiete steht sie auf

dem Vermieter-Portal Airbnb.

Am Sonntag waren in der Wohnung

aber keine Touris. Aktivisten

der Initiative „Airbnb &

Co. enteignen“ hatten sie geentert.

Unter den Fenstern stellten

sie Plakate auf, die Besucher

zu einer „Ausstellungseröffnung“

mit Sekt einluden.

Wer wollte, konnte über eine

kleine rote Holztreppe durchs

Fenster in die Räume steigen.

Und das taten laut der Initiative

viele neugierige Berliner. Zu

sehen bekamen sie unter anderem

Infotafeln, die die Aktivisten

an den Wänden der Touri-

Schlafzimmer hängten. Eine

hatte viele Punkte, die angeblich

die Anzahl der Ferienwohnungen

in Neukölln und

Kreuzberg zeigen.

Die zweite Tafel informierte

über den Wohnungsbesitzer.

Ein

Mann namens Mario,

der wohl insgesamt acht

Wohnungen bei Airbnb

anbietet. „Ferienwohnungen

klauen notwendigen

Wohnraum und

treiben die Mieten in die

Höhe“, sagt Aktivistensprecher

Max Gebhardt.

Der Neuköllner Vermieter

wäre das beste Beispiel

dafür.

Doch die Aktivisten

hatten den Falschen gewählt.

„Die Ferienwohnung

in der Hobrechtstraße

ist legal“, teilte

das Bezirksamt Neukölln mit.

„Es sind genehmigte Gewerberäume,

die keinen benötigten

Wohnraum wegnehmen.“

Die Schau der Aktivisten sollte

eigentlich einige Tage dauern.

Doch die Polizei verhinderte

dies, versiegelte die Räume.

Ärger droht. „Wir ermitteln

wegen des Verdachts des Wohnungseinbruches

und des Verstoßes

gegen das Versammlungsrecht“,

sagte ein Polizeisprecher

dem KURIER.

Fotos: RubyImages/Goljewski

Dieser Spruch

der Aktivisten

steht auf dem

Bad-Spiegel.

BERLIN 9

Aktivisten und

Besucher steigen

beim „Einzug“ in

die Neuköllner

Ferienwohnung.

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