Berliner Zeitung 21.05.2019

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2* Berliner Zeitung · N ummer 116 · D ienstag, 21. Mai 2019

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Tagesthema

Unfall

Auf der A9 verunglückt ein Fernbus.

Eine Tote ist zu beklagen. Wie sicher

ist das beliebte Verkehrsmittel?

Aus der Spur

geraten

VonMichael Bertram, Bad Dürrenberg

Der Bus des Unternehmens Flixbus hatte sich auf der A9 zwischen den Anschlussstellen Leipzig-West und Bad Dürrenberg überschlagen.

DPA

Einen Tagnach dem schwerenBusunglück

auf der Autobahn

9bei Bad Dürrenberg

mit einer Toten und

mehr als 70 Verletzten wird immer

noch intensiv nach der Unfallursache

gesucht. Bis zum frühen Montagmorgen

war die Spurensicherung

der Polizei am Unfallort. „Der Bus

wurde geborgen und für weitereUntersuchungen

sichergestellt“, sagte

Ulrike Diener, Sprecherin der Polizeiinspektion

Halle der Berliner Zeitung.

An Spekulationen, wonach der

59 Jahrealte Fahrer am Steuer eingeschlafen

sein könnte, wollte sich die

Sprecherin nicht beteiligen. Der

Mann habe bislang noch nicht befragt

werden können.

Auch beim betroffenen Unternehmen

Flixbus hielt man sich zur Unfallursache

am Montag bedeckt. „Wir

stehen in engem Kontakt mit den ermittelnden

Behörden, deren Untersuchungen

aktuell noch andauern“,

teilte das Unternehmen auf Anfrage

schriftlich mit.„Auch unsereinternen

Untersuchungen dauern weiter an

und sind noch nicht abgeschlossen“,

hieß es weiter. Opfer des Busunfalls

oder deren Angehörige könnten sich

nach wie vor anFlixbus wenden, um

Auskünfte und Hilfeleistungen zu erhalten.

Mitarbeiter des Unternehmens

würden sich demnach unter

anderem um den Weitertransport an

die jeweiligen Zielorte kümmern.

Der Bus war im Auftrag von Flixbus

vonBerlin nach München unterwegs

gewesen, wie das Unternehmen

bestätigte. Das Fahrzeug sei im

April inspiziert worden, Beanstandungen

habe es keine gegeben, sagte

ein Flixbussprecher.„Für uns hat die

Sicherheit der Fahrgäste und Fahrer

oberste Priorität.“ Ob der Unfallbus

einen Aufmerksamkeitsassistenten

hat, konnte der Unternehmenssprecher

nicht sagen. Solche Systeme

sollen Sekundenschlaf erkennen

und den Fahrer frühzeitig warnen.

Die Einhaltung der vorgeschriebenen

Lenk- und Ruhezeiten wirdnach

Angaben des Sprechers regelmäßig

kontrolliert, auch mithilfe vonSatellitendaten.

Nach spätestens viereinhalb

Stunden ist ein Busfahrer gesetzlich

verpflichtet, 45 Minuten

Marktanteil

bei Fernbussen gemessen an angebotenen

Streckenkilometern inProzent, 1/2019

Flixbus

95,4

Altersverteilung

der Fernbuskunden in Prozent, 2017

in Jahren

16-19 3

20-24

11

25-29

30-34

35-39

40-44

45-49

50-54

55-59

60-64

über 65

3

3

3

7

8

10

Eurolines

2,6

15

16

IC Bus

1,1

RegioJet

0,9

20

Reisezweck

von Fernbusreisenden in Prozent, 2017

günstiger Fahrpreis

hoher Komfort

WLAN verfügbar

einfache

Gepäckmitnahme

kein Umstieg

Günstige Lage

der Haltestellen

häufig/passende

Abfahrten

kurze Reisezeit

Umweltfreundlich

Gründe

zur Wahl des Fernbusses in Prozent, 2017

privater Besuch

39

keine

Angaben

2

Sonstiges

8

33

31

30

24

20

20

18

39

83

Kurztrip/Tourismus

23

Urlaub

23

Dienst-/

Geschäftsreise

5

BLZ/HECHER; QUELLE: IGES

Pause zu machen. DieRuhezeit kann

auch aufgeteilt werden. Zweimal wöchentlich

darf ein Busfahrer zehn

Stunden hinter dem Steuer sitzen, an

den anderen Tagen höchstens neun

Stunden. Bei Nachtfahrten sind laut

Flixbus zwei Fahrer an Bord.

Nach einer Reihe vonBusunfällen

in der jüngeren Vergangenheit, betonte

der Automobilclub ADAC am

Montag, dass er grundsätzlich keine

Zweifel an der Sicherheit im Busverkehr

habe.Der Bussei ein vergleichsweise

sicheres Verkehrsmittel für

rund 5,6 Milliarden Fahrgäste im

Jahr, davon rund 24 Millionen Reisende

im Fernbuslinienverkehr,hieß

es.„Wenn es dann aber zu einem Unfall

kommt, dann ist dies häufig mit

einer hohen Zahl von Opfern verbunden“,

sagte ADAC-Sprecherin

Alexandra Kruse. Sobrannte im Juli

2017 auf der A9inBayernein Reisebus

nach einem Auffahrunfall auf einen

Sattelzug in kürzester Zeit komplett

aus. Dabei kamen 18 Insassen

ums Leben, 30 wurden verletzt. Im

August vergangenen Jahres war zudem

ein Fernbus auf einer Autobahn

in Mecklenburg-Vorpommern

verunglückt, 22 Insassen waren dabei

zum Teil schwer verletzt worden.

Auf Personenkilometer bezogen

erreicht der Buslaut Berechnung des

ADAC mit 0,12 Getöteten Insassen

proeiner Milliarde Personenkilometer

annähernd den Wert des Schienenverkehrs

mit einem Wert von

0,05. Die häufigsten Fehler, die den

unfallbeteiligten Busfahrern seien

Abstandsfehler sowie Fehler beim

Abbiegen, Wenden, Rückwärtsfahren

sowie Ein- und Anfahren. Die

Zahlen des Statistischen Bundesamtes

hingegen ergeben kein so positivesBild.

So hat seit 1992 die Zahl der

Unfälle mit Personenschaden unter

Beteiligung von Bussen um 1,2 Prozent

zugenommen. Die Gesamtzahl

der Personen, die in Bussen verunglückten,

erhöhte sich seitdem um

30,7 Prozent. Allerdings nahm auch

die Verkehrsdichte in dieser Zeit

enorm zuund der Fernbusverkehr

hat mit der Liberalisierung des

Marktes sprunghaft zugenommen.

Das Unternehmen Flixbus ist in

Deutschland Marktführer.

VonLutz Schnedelbach

Unaufmerksamkeit des Fahrers

könnte die Ursache für den

schweren Busunfall auf der Autobahn

9bei Leipzig gewesen sein. Das

schließt der Chef der Unfallforschung

der Versicherer, Siegfried

Brockmann aus Berlin nicht aus.

Nach Brockmanns Informationen

fuhr der Unfallbus der FirmaFlixbus

im Linienverkehr. Busreisen gelten

nach dem Zugverkehr als sicherstes

Verkehrsmittel. Nach ersten Untersuchungen

ist der Bus nach 2013

hergestellt worden. Seit jenem Jahr

sind sogenannte Spurverlassungswarner

vorgeschrieben. Das heißt,

so der Unfallforscher, dass ein Piepton

zu hören ist, wenn aus irgendeinem

Grund das Fahrzeug seine Spur

verlässt. Der Fahrer hat dann die

Möglichkeit rechtzeitig in die Spur

zurückzulenken. Eine Frage der

technischen Untersuchung ist es

herauszufinden, ob das System aktiv

war oder nicht. DieweitereEntwicklungsstufe

dieses Sicherheitssystems

wäre ein sogenannter Spurhalteassistent,

der das Fahrzeug in der Spur

hält und einen ungewollten Spurwechsel

verhindert. Das System

helfe somit auch dann, wenn der

Fahrer plötzlich ein gesundheitliches

Problem erleide, sagt der Unfallforscher.

Beide Systeme hält der

Gurtpflicht ist überlebenswichtig

Fachmann für nötig. Die

Zahl der Passagiere mit

Omnibussen hat seit 2012

stetig zugenommen. Nach

Informationen des Statistischen

Bundesamtes stieg

das Passagieraufkommen

im Linienverkehr von drei

Millionen im Jahr 2012 auf

16 Millionen im Jahr 2012

und auf rund 24 Millionen

2016. NeuereZahlen liegen nicht vor.

In den Jahren 2006 bis 2012 war

die Zahl mit drei Millionen Passagieren

auf gleichem Niveau. Im Jahr

2016 verunglückten in Deutschland

5532 Personen bei Busunfällen im

Linien- und Fernreiseverkehr.

Verkehrssicherheit

Forscher Siegfried

Brockmann

DPA

Für Unfallforscher Siegfried

Brockmann ist die

Einhaltung der Gurtpflicht

ein entscheidendes Mittel

zur Verbesserung der Verkehrssicherheit.

Das

werdevon vielen Passagieren

noch nicht eingehalten,

sagt der Versicherungsexperte.

In ganz Europa müssen

Busse mit Gurten ausgerüstet sein.

In der Regel würden Fahrer das Anlegen

der Gurte vor Fahrbeginn nicht

kontrollieren, wissen Polizisten.

Dazu seien sie als Chef im Bus aber

verpflichtet. Bei langen Strecken

sind immer zwei Fahrer an Bord.

Derjenige, der nicht

hinter dem Steuer sitzt,

könnte das auch während

der Fahrt kontrollieren,

schlagen Polizisten vor. „Gurte sind

überlebenswichtig. Nicht nur beim

Frontalaufprall sondern auch beim

Überschlagen.“ Denn viele schwere

Verletzungen kommen daher, dass

Passagiere bei einem Unfall durch

den Innenraum geschleudert werden.

„Da braucht es kein neues Gesetz,

sondern ein entscheidendes

Bewusstsein der Busunternehmer

und deren Fahrer“, betonen Polizisten.

Die Berliner Polizei weiß das.

„Wir werden auch in diesem Jahr

wieder Busse kontrollieren, bevor sie

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Machen Sie mit

die Stadt verlassen“,

sagten Beamte der Verkehrspolizei.

2018 wurden

von ihnen 441 Busse inspiziert.

Ein Jahr zuvor waren es sieben

Kontrollen mehr. Insgesamt

wurden jeweils mehr als 100 gravierende

Mängel entdeckt, so dass die

Weiterfahrtder Busse untersagt werden

musste.

Zuletzt waren im April bei einem

Busunfall auf der Insel Madeira 29

deutsche Touristen getötet worden.

DerFahrer kam vonder Fahrbahn ab

und stürzte einen Abhang hinab.Ob

er in technisch einwandfreiem Zustand

war,ist noch nicht zweifelsfrei

geklärt.

BERLIN UND BRANDENBURG WETTERLAGE REISEWETTER

Heute laden Wolken in der zweiten Tageshälfte Regenschauer ab. Die

Temperaturen steigen auf Wertevon 21 bis 25Grad, und der Wind weht

nur schwach aus Nord. Inder Nacht haben Wolken die Oberhand. Sie lassen

mitunter Schauer zurück. Dabei werden Tiefstwerte von 13 bis

11 Grad gemessen.

Biowetter: Witterungsbedingt werden

Kopfweh und Migräneattacken

verstärkt. Wetterfühlige Menschen

neigen daher häufig zu Beschwerden.

Auch Schwindelgefühle können 13°/21°

Wittenberge

das Wohlbefinden beeinträchtigen.

Pollenflug: Derzeit fliegen Pollen

von Gräsern mäßig bis stark. Die

Belastung durch Kiefern-, Sauerampfer-

und Spitzwegerichpollen ist

schwach bis mäßig.

Gefühlte Temperatur: maximal 25Grad.

Wind: leichter Wind aus Nord.

Min./Max.

des 24h-Tages

Brandenburg BERLIN

12°/23° 15°/25°

Luckenwalde

10°/24°

Prenzlau

13°/22°

Cottbus

11°/25°

Mittwoch

Donnerstag

Freitag

Regen heiter stark bewölkt

13°/16° 7°/20° 11°/22°

Frankfurt

(Oder)

12°/25°

Tief Axel bestimmt das Wetter in Mitteleuropa. Vielerortsist es trüb mit Unwettergefahr

durch teils heftige und länger anhaltende Regenfälle. Die warme und

gewitterträchtige Frühsommerluft wird ins östliche Zentraleuropa zurückgedrängt.

Dabei können sich lokale Unwetter bilden. Ebenfalls wechselhaft, aber

spürbar kühler ist es im Westen des Kontinents.

Sylt

11°/15°

Hannover

12°/16°

Köln

12°/15°

Saarbrücken

11°/15°

Konstanz

11°/15°

Hamburg

13°/18°

Erfurt

14°/18°

Frankfurt/Main

12°/14°

Stuttgart

12°/13°

Rügen

14°/21°

Rostock

13°/16°

Magdeburg

16°/21°

Nürnberg

12°/14°

München

11°/11°

Dresden

12°/22°

Deutschland: Heute teilen sich

etwas Sonne und viele Wolken den

Himmel. Stellenweise gibt eskräftige

Regengüsse, und die Temperaturen

steigen am Tage auf 11bis 25 Grad.

Nachts gehen die Wertedann auf

14 bis 8Grad zurück. Der Wind weht

schwach bis mäßig aus Nordwest,

im Süden stark böig aus West. Morgen

pendeln sich die Höchsttemperaturen

bei 13bis 20 Grad ein. Dazu

ist es stark bewölkt, gebietsweise

regnet es. Der Wind weht schwach

bis mäßig aus Nordwest.

Meerestemperaturen:

Ostsee: 12°-14°

Nordsee: 11°-13°

Mittelmeer: 15°-25°

Ost-Atlantik: 11°-17°

Mondphasen: 26.05. 03.06. 10.06. 17.06.

Sonnenaufgang: 05:02 Uhr Sonnenuntergang: 21:04 Uhr Mondaufgang: 23:51 Uhr Monduntergang: 06:59 Uhr

Lissabon

23°

Las Palmas

23°

Madrid

24°

Reykjavik

14°

Dublin

15°

London

22°

Paris

20°

Bordeaux

20°

Palma

25°

Algier

26°

Nizza

20°

Trondheim

23°

Oslo

25°

Stockholm

23°

Kopenhagen

17°

Berlin

25°

Mailand

23°

Tunis

28°

Rom

17°

Warschau

21°

Wien

20° Budapest

21°

Palermo

24°

Kiruna

11°

Oulu

24°

Dubrovnik

19°

Athen

29°

St. Petersburg

22°

Wilna

21°

Kiew

22°

Odessa

21°

Varna

23°

Istanbul

26°

Iraklio

25°

Archangelsk

14°

Moskau

23°

Ankara

26°

Antalya

31°

Acapulco 33° wolkig

Bali 34° heiter

Bangkok 38° wolkig

Barbados 28° wolkig

Buenos Aires 17° Regen

Casablanca 21° heiter

Chicago 11° Regen

Dakar 29° wolkig

Dubai 35° sonnig

Hongkong 29° Schauer

Jerusalem 34° sonnig

Johannesburg 23° sonnig

Kairo 39° sonnig

Kapstadt 18° sonnig

Los Angeles 17° wolkig

Manila 36° wolkig

Miami 31° Schauer

Nairobi 26° heiter

Neu Delhi 42° sonnig

New York 23° wolkig

Peking 30° wolkig

Perth 20° bewölkt

Phuket 34° wolkig

Rio de Janeiro 31° sonnig

San Francisco 15° Regen

Santo Domingo 31° wolkig

Seychellen 30° Gewitter

Singapur 34° wolkig

Sydney 27° heiter

Tokio 23° Regen

Toronto 17° heiter

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