Berliner Kurier 23.05.2019

BerlinerVerlagGmbH

*

BERLIN

Am Haken

Er ist im Hungerstreik

Polizei schleppt

Kokain-Taxi ab

SEITE 8

DER

ROTE

TEPPICH

Ehre, wemEhregebührt!

ElkeSauermann

ist die gute Seele

vomPankower

Wochenmarkt.

Fragen?

Wünsche?

Tipps?

Redaktion: Tel. 030/63 33 11 456

(Mo.–Fr. 10–18 Uhr)

10969 Berlin, Alte Jakobstraße 105

E-Mail: leser-bk@dumont.de

Abo-Service: Tel. 030/232777

Foto: Engelsmann

Echt Berliner Schnauze

und echt Berliner

Schrippen –eskommt nicht

oft vor, dass diese Kombination

ein Vierteljahrhundert

lang so wunderbar

funktioniert. Doch genau

heute vor 25 Jahren begann

Elke Sauermanns zweite

Karriere. Seit dem 23. Mai

1994 steht sie dreimal die

Woche auf dem Pankower

Wochenmarkt im Wagen

der Bäckerei Wilhelm und

bringt Knüppel, Zuckerkuchen

und im Winter Dominosteine

an den Mann und

die Frau. Die oft ellenlange

Schlange geduldiger Käufer

hat sie resolut im Griff. Die

Kunden, kleine wie große

lieben ihre Elke. Nicht nur,

weil sie stets leckeren Kuchen

oder Splitterbrötchen

im Angebot hat. Für ihre

Kunden hat die Bäckersfrau

auch immer einen netten

Spruch auf den Lippen. Elke

kennt ihre Pappenheimer.

„Wie immer“, fragt sie

und packt das warme Brot

ein. Seit über 50 Jahren arbeitet

Elke Sauermann im

Handel. In der DDR war sie

bei der „HO Bereich Kultur

und Sport“, verkaufte in der

„Ski-Hütte“ in den Rathauspassagen

Wander-,

und 20 Jahre in der Schönhauser

Allee auch Kletterschuhe.

Dann kam die

Wende und das Schrippen-

Glück. Ans Aufhören denkt

Elke noch lange nicht. SHI

Fotos: Volkmar Otto, Daniel Bockwoldt,dpa

und keinen interessiert’s

Julian (37)protestiertseit fünf Tagen gegen Fehlbehandlungen in Berliner Kliniken

Steglitz –An der Albrechtstraße

sitzt ein junger Mann und

hat die Beine gekreuzt. Neben

ihm steht ein Schild: „Hungerstreik“.

Der Berliner KURIER

erzählt die sehr persönliche

Geschichte von Julian (37),der

gegen seine schlechten Erlebnisse

in Berliner Kliniken protestiert.

Sein Protest scheint

kaum jemanden zu interessieren.

Passanten laufen an ihm

vorbei.

Julian sitzt

nahe dem

S-Bahnhof

auf dem

Bürgersteig

und protestiert

hungernd.

Von

KERSTIN HENSE

„Ich freue mich, dass sich jemand

für mich interessiert. Das

tun nicht viele“, sagt er. Warum

er hier sitzt? Er wünschtsich Gerechtigkeit

und faire

Prozesse für Fehlbehandlungen

in Berliner Kliniken, wie er

sagt. Er gibt den Ärzten die

Schuld für sein Leiden.

Julian lächelt freundlich, als

die KURIER-Reporter auf ihn

zukommen. Er wirktauf den ersten

Blick nicht wie jemand, der

sterben möchte. Aber das könnte

passieren, denn er verweigert

seit fünf Tagen jede feste Nahrung.

Julian,der in einem„guten

Elternhaus

in

Grunewald“ aufgewachsen ist,

hat viele Klinikaufenthalte hintersich.Ärztehättenbei

ihmeine

Essstörung diagnostiziert. „Ich

habe nur noch Obst und Gemüse

gegessen“,sagt er. Er wird in der

geschlossenen Abteilung

zwangsernährt und fixiert, bekommt

schwere Psychopharmaka.

„Die

Zwangsbehandlung hat mich

erst richtig krank gemacht. Richtig

interessiert, hat sich für mich

niemand“, klagt Julian. Die

schwere Krise begann vor 14

Jahren. „Da hat sichmeinBruder

das Leben genommen. Er hat mir

so

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