Berliner Kurier 24.05.2019

BerlinerVerlagGmbH

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HINTERGRUND

Die größte Wahl

des Planeten

Die Europawahl ist laut

EU-Kommission die „größte

grenzüberschreitende

Wahl auf dem Planeten“.

Rund 418 Millionen Menschen

in 28 Mitgliedsländern

können 751 neue EU-

Abgeordnete bestimmen.

Deutschland wählt,wie die

meisten anderen Staaten,

am Sonntag. Den Anfang

machten gestern die Niederlande

und Großbritannien

–obwohl die Briten

Berlin dürfen an der

Ab in die Wahlurne! In

die EU verlassen wollen.

Europawahl 2499805

Menschen teilnehmen.

UnsereStimme

für Europa

Im KURIER erklären Promis, Politiker und Normal-Berliner,

warum sie am Sonntag auf jeden Fall zur EU-Wahl gehen wollen

Schon allein der Wahlzettel

ist eine Wucht.Ihn mal selbst

zu sehen und in die eigenen

Hände zu nehmen, sollte als

Anreiz zum Urnengang am

Sonntag ausreichen. Denn:

Der EU-Stimmzettel ist so

lang wie nie –ermisst 94

Zentimeter! So viel Papier

war nötig, um Ankreuz-Platz

für 40 verschiedene Parteien

zu schaffen. All dieser Wahlmöglichkeiten

zum Trotz wird

es wieder Leute geben, die zu

Hause bleiben. Warum das

keine gute Idee ist,steht hier.

Die insgesamt 751 von den

Bürgern gewählten Abgeordneten

des EU-Parlaments

haben viel Macht und viel Gestaltungsspielraum

im Sinne

ihrer Wähler: Ohne ihre ausdrückliche

Zustimmung kann

ein Großteil der EU-Gesetzesvorhaben

nicht umgesetzt

werden. Die Abgeordneten

kontrollieren zudem

den Brüsseler Haushalt und

das Personal der EU-Kommission.

Bisher billigt das

Parlament etwa 60Prozent

der EU-Gesetzgebung, nach

Inkrafttreten des Reformvertrags

von Lissabon wären

es sogar 90 Prozent.

Trotzdem stehen Europawahlen

zu Unrecht in dem

Ruf, nebensächliche Wahlen

zu sein. Daszeigt die Wahlbeteiligung:

Im Jahr 2014 lag

sie in Berlin bei gerade einmal

46,7 Prozent. ImJahr 2009

waren essogar nur 35,1 Prozent.

Fast zwei Drittel der

Wahlberechtigten schwänzten

den Gang ins Wahllokal –

und verzichteten so auf ihr

demokratisches Recht.

Das wäre den Promis in der

KURIER-Umfrage (s. rechts)

niemals passiert. Mike Wilms

Der Stimmzettel zur Wahl

am Sonntag misst 94

Zentimeter.40Parteien

treten gegeneinander an.

Umweltsenatorin Regine

Günther (parteilos, für Grüne)

geht wählen, „weil ich

davonüberzeugt bin, dass

wir die großen Herausforderungen

unserer Zeit,

wie Klimaerhitzung oder

Digitalisierung, nur gemeinsam

mit unseren europäischen

Nachbarn bewältigen

können“. Europa

stärken bedeute, das friedliche

Miteinander zu stärken.

SchauspielerUlrichMatthes

(60, „Der Untergang“) sagt

über sich,dasserzutiefstan

die europäische Idee glaubt.

Mehr noch: „Ich fände es

großartig –da

wage ich mich jetzt mal vor

–, wenn es zu meinen Lebzeiten

noch so etwas Ähnliches

wie die Vereinigten

Staaten vonEuropa geben

würde.“ Jeder sei aufgerufen,

am Sonntag wählen zu gehen.

Sänger Wolfgang Niedecken

(68) hält die Europawahl

für eine „Schicksalswahl“.

Wenn man jetzt das Einfallstor

für die Rechtspopulisten

offen lasse,

„dann könnte es wirklich

vorbei sein mit Europa“,

sagt Niedecken.

Die Briten hätten es beim

Brexit-Votum als erste erlebt,was

passiert, wenn zu

wenige Leute wählen gehen.

Schauspieler Jan Josef

Liefers (54, „Tatort“) unterstützt

die Kampagne „One

Vote EU“. Er warnt davor,

sich vomEuropa-Überdrusspacken

zu lassen.

„Wir schmeißen doch

keine geniale Idee über

Bord, nur weil sie noch

nicht perfekt funktioniert“,

sagt Liefers. „Für ein

friedliches Europa, das global

denkt und handelt!“

Karoline Melcher (38),Angestellte

in der Versicherungsbranche,

will am Sonntag auf

jeden Fall wählen gehen –

und so ihreGrundrechte

wahrnehmen. „Man kann

sich nicht nur aufregen

und nichts tun, sondern

muss selbst mitgestalten

und selbst mitbestimmen“,

sagt die Berlinerin. Wählen

sei ein guter Weg, am politischen

Leben teilzunehmen.

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