#Fenster zum Ammertal 06-2019 web

20teddy03

Museen und Ausstellungen – Oberammergau

20

Passionstheater

Am Beginn der Tradition

der weltberühmten

Oberammergauer Passionsspiele

steht ein Gelübde aus

der Zeit des Dreißigjährigen

Krieges. Während des Schwedeneinfalls

war Bayern von

einer verheerenden Pestepidemie

heimgesucht worden,

der im Ort mehr als 80 Menschen

zum Opfer fielen.

In der Hoffnung auf die

Hilfe Gottes gelobten 1633

die Gemeindevorsteher, „die

Passions-Tragödie alle zehn

Jahre zu halten“, wenn das

Dorf von der Pest befreit

würde. Die Seuche kam zum

Heimatmuseum

Es ist ein besonderer Moment,

wenn man von der Dorfstraße

aus durch die schwere grüne

Tür das Museum betritt. Unvermutet

steht man in einem hohen

und sehr hellen Kapellenraum,

in dem moderne Stahl- und

Glaskonstruktionen mit einem

Deckengewölbe, alten Rundbogenfenstern

und hölzernen

Treppengeländern Freundschaft

geschlossen haben. Dieses Ambiente

weckt Neugier - auf Vergangenheit

und Gegenwart.

Ein Teil der Vergangenheit ist

über 100 Jahre alt: Im Jahr 1905

beauftragte der Oberammergauer

Schnitzwarenverleger Guido

Lang (1856-1921) den Münch-

Pilatushaus

Die

Hinterglasbildersammlung

des Museums wird im

Pilatushaus präsentiert, dessen

Außenfassade 1784 von Franz

Seraph Zwink mit Fresken geschmückt

wurde.

Die Bedeutung der Sammlung

basiert u.a. darauf, dass Wassily

Kandinsky und Franz Marc von

diesen Bildern inspiriert wurden

und 1912 neun davon im Almanach

„Der Blaue Reiter“ veröffentlichten.

Das aus dem 18. Jahrhundert

stammende Pilatushaus

erhielt seinen Namen durch die

eindrucksvollen perspektivischen

Fresken des Lüftlmalers Franz Seraph

Zwink (1748 - 1792). Es ist

Stillstand und bereits 1634

lösten die Oberammergauer

ihr Versprechen zum ersten

Mal ein, verlegten das Spiel

ab 1680 jedoch auf die runden

Zehnerjahre. Führungen

zur Geschichte der Passion

können im Rahmen der Öffnungszeiten

gebucht werden.

Täglich zwei deutsche und

eine englische Führung. Dauer

ca. 45 Minuten.

ner Architekten Franz Zell mit

der Errichtung und Ausgestaltung

des Museumsgebäudes. 1910

wurde das Haus als „Verleger

Lang´sches kunst- und kulturgeschichtliches

Oberammergauer

Museum“ eröffnet.

1953 erwarb die Gemeinde das

einzigartige Gebäude und erweiterte

in der Folgezeit die Sammlungen

beträchtlich. Nach einer

grundlegenden Sanierung präsentieren

sich die Ausstellungen seit

2004 mit einem neuen Konzept.

das wohl bekannteste Lüftlmalerei-Haus

Oberammergaus, und

beherbergt neben der Hinterglasbildersammlung

im 1. Stock die

„Lebende Werkstatt“ im Erdgeschoss,

in der man Kunsthandwerkern

bei ihrer Arbeit über die

Schulter schauen kann. Es befindet

sich schräg gegenüber des

Heimatmuseums, in der Ludwig-

Thoma-Straße 10.

Der schwarze Tod –

Seuchen, Angst und Glaube

Ausstellung vom 13.4. – 3.11.2019

Vom Ausbruch großer

Seuchen wird bereits in

der Bibel berichtet, die Pest

war über Jahrhunderte eine

der schlimmsten Seuchen der

Menschheit. Die Epidemien

und Pandemien dieser Krankheit

haben über Jahrhunderte

den Lauf der Geschichte beeinflusst.

Die Pest hat heute ihren

Schrecken für uns verloren,

auch wenn sie noch immer

nicht ganz besiegt ist. Z.B.

in Madagaskar gibt es jedes

Jahr noch Pesttote. Dennoch

verbinden auch wir mit dem

„Schwarzen Tod“ mythische

Bilder des Schreckens. Das

Versagen von Regierungen

und Behörden. Aus der Literatur

die Bücher - Boccaccios

„Dekameron“ oder Albert

Camus “Roman die Pest“

seien hier genannt, die über

das Thema berichten. Aus

der bildenden Kunst - Albrecht

Dürers Apokalyptische

Reiter oder auch Altäre mit

Sebastians- und Rochus-Darstellungen

in vielen Kirchen

und Kapellen unserer unmittelbaren

Umgebung. Nicht

zuletzt erinnern Bräuche und

3 x Kultur – 1 Karte

Rituale wie der Schäfflertanz,

der dieses Jahr wieder stattgefunden

hat, an Zeiten, als

diese Seuche als Geißel Gottes

gefürchtet war.

Mit einem Pestgelübde beginnt

auch die Geschichte

der Oberammergauer Passionsspiele

im Dreißigjährigen

Krieg 1633. Im Jahr vor den

nächsten Passionsspielen

2020 geht die Ausstellung

der Frage nach, welche Strategien

die Menschen im Mittelalter

und der frühen Neuzeit

entwickelt haben, um im

Alltag mit den existentiellen

Ängsten vor Leid, Verlust und

Tod zu leben.

Die Exponate von privaten

Leihgebern und aus dem Diözesanmuseum

Freising wie

ein Pestsarg, Amulette und

Darstellungen von Pestheiligen

verbildlichen die damaligen

Erfahrungen und den daraus

resultierenden Umgang

mit Pest, Angst und Glaube.

Oberammergau Museum,

Dorfstr. 8, 82487 Oberammergau,

www.oberammergaumuseum.de

Geöffnet: Dienstag bis Sonntag

von 10:00 -17:00 Uhr

Öffnungszeiten Museum und Passionstheater:

Dienstag – Sonntag 10:00 - 17:00 Uhr

Passionstheater:

11:00 Uhr: Führung in englischer Sprache

14:00 Uhr: Führung in deutscher Sprache

16:00 Uhr: Führung in deutscher Sprache (diese Führung

findet jedoch erst ab 3 Personen statt)

Pilatushaus: Hinterglasbilder-Ausstellung 1. Stock und

Lebende Werkstatt, Dienstag bis Sonntag, 13:00 – 17:00 Uhr

Info unter 08822/949511

Eintritt: Einzelpreis Museum oder Passionstheater normal:

€ 3,50; Kind: € 1,50; Kombiticket Museum und Passionstheater

€ 6,00; ermäßigt € 5,00; Kind: € 2,00

Oberammergau Museum, Dorfstraße 8

Tel. 08822-94136, www.oberammergaumuseum.de

Ortsführung

Der geschichtsträchtige Ort

hat viel zu bieten. Bei einer

Führung erfahren Sie die Hintergründe

zur Lüftlmalerei, einiges

über die Kirche St. Peter und

Paul u.v.a.m.

Kosten: Erwachsene 6,00 €,

Kinder bis 17 Jahre 2,00 €

Termine: jeden Samstag 14:00

Uhr, Dauer ca. 90 Minuten

Treffpunkt: Museum Oberammergau

Weitere Magazine dieses Users