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architektur - architektur fachmagazin - gratis - Architektur zum Lernen - Ausgabe 04/2019 - Bauwirtschaft - Planer - Innenarchitekt - Projekte - Retail - Magazin - Kirchen - Gebäude - Museen - Häuser - Architekten

architektur FACHMAGAZIN

04 2019

FACHMAGAZIN

WISSEN, BILDUNG, INFORMATION FÜR DIE BAUWIRTSCHAFT

Erscheinungsort Perchtoldsdorf, Verlagspostamt 2380 Perchtoldsdorf. P.b.b. 02Z033056; ISSN: 1606-4550

04

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Mai/Juni 2019

Architektur zum Lernen

Architektur

zum Lernen


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stehen bleiben hart.

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Lebenslanges Lernen

3

Editorial

Seit den 1990er Jahren prägt lebenslanges oder lebensbegleitendes Lernen als

Konzept die Bildungspolitiken in der Europäischen Union und den Mitgliedsstaaten.

Zukunftsforscher gehen jedoch davon aus, dass im Jahr 2030 Bildung zum allgemeinen

(Konsum-)Gut wird. Durch neue Techniken des Lernens wie e-books oder

Onlinekurse wird es keine Frage des Geldes oder der sozialen Herkunft mehr sein,

Zugang zu Wissen zu erlangen, sondern allein eine Frage des Engagements. Einige

Projektbeispiele in der vorliegenden Ausgabe zeigen, wie dies auch durch architektonische

Maßnahmen unterstützt werden kann.

Dem Architektenteam des Studio Labics

ist es in Mailand gelungen, einen zwar designorientierten

Kindergarten zu gestalten,

der aber trotzdem nicht einfach nur ein Ort

für die temporäre Unterbringung von Kindern

ist. Hier wird die Entwicklung der Heranwachsenden

durch Spiel und Interaktion

gefördert.

Ein Paradigmenwechsel in der Lernarchitektur

lässt sich in der Erweiterung der

Isenberg School of Management durch die

Architektenkooperative BIG-Bjarke Ingels

Group und Goody Clancy Architekten in

Massachusetts erkennen – Lernen als „hyper-collaborative

study“.

Für einen späteren Bildungsweg empfehlen

sich die „Plaza Biblioteca Sur“ von Architekt

Oscar Gonzalez Moix in Lima, Peru oder „De

Petrus“ in Vught, Holland vom Büro Kade

als Lernort, Bibliothek, Museum und/oder

Gemeinschaftszentrum.

Aber auch neuere Museen haben es in sich:

Den 33.000 m 2 umfassenden Komplex des

„Binhai Science Museum“ haben Bernard

Tschumi Architects in Tianjin, China entworfen

und das „Eperon d‘Or National Museum

of Shoes and Brooms“ in Izegem von

Compagnie-O Architects, Sabine Okkerse

und Geert Pauwels, zeigt, dass das Alltägliche

bei entsprechender Aufbereitung auch

lehrreich sein kann.

Fachbeiträge über Arbeitswelten und

Akustik, eine sehr vielfältige Strecke mit

Retailarchitektur, die internationalen Magazinbeiträge,

Kolumnen und die Produkt

News vervollkommnen die diesmal sehr

facettenreiche Ausgabe des Fachmagazin

architektur.

Viel Neues und Interessantes beim Lesen

und Studieren wünscht

Peter Reischer

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architektur FACHMAGAZIN

Editorial 03

Start 06

The Bird‘s-eye View

Magazin 10

Büro 36

Architekturszene 48

Bau & Recht 52

Der Anstoß 54

Isenberg School of Management

Business Innovation Hub / Amherst

BIG-Bjarke Ingels Group,

Architect Goody Clancy

Vom Gedanken der 60

Gemeinschaft

Jacarandà / Mailand / Labics

Die Bücherkiste 66

Community Library in La Molina /

Lima / Oscar Gonzalez Moix

Ein gigantischer Raketenstadl 72

Binhai Science Museum / Tianjin /

Bernard Tschumi Architects

Lernen und Wissen 78

in einer Kirche

Library, Museum, Community Centre „De

Petrus“ / Vught / Büro Kade

Von Schuhen und Besen 84

Eperon d‘Or National Museum of Shoes

and Brooms / Izegem / Compagnie-O

Architects + Sabine Okkerse +

Geert Pauwels

RETAIL architektur 90

Licht 98

Produkt News 100

edv 136

Rugged-Hardware

54 60

66

72

78

84

MEDIENINHABER UND HERAUSGEBER Laser Verlag GmbH; Hochstraße 103, A-2380 Perchtoldsdorf, Österreich

CHEFREDAKTION Ing. Walter Laser (walter.laser@laserverlag.at) n REDAKTIONSLEITUNG mag. arch. Peter Reischer (rp)

MITARBEITER Dolores Stuttner, Mag. Heidrun Schwinger, DI Marian Behaneck, DI Linda Pezzei, Mag. Matthias Nödl, Ing. Mag. Julia Mörzinger

GESCHÄFTSLEITUNG Silvia Laser (silvia.laser@laserverlag.at) n LTG. PRODUKTREDAKTION Nicolas Paga (nicolas.paga@laserverlag.at) Tel.: +43-1-869 5829-14

MEDIASERVICE RETAILARCHITEKTUR Marion Allinger (marion.allinger@laserverlag.at)

GRAFISCHE GESTALTUNG Andreas Laser n WEB Michaela Strutzenberger n LEKTORAT Helena Prinz n DRUCK Bauer Medien & Handels GmbH

ABONNEMENTS Abonnement (jeweils 8 Ausgaben/Jahr): € 86,- / Ausland: € 106,-, bei Vorauszahlung direkt ab Verlag n Studentenabonnement (geg. Vorlage einer gültigen Inskriptionsbestätigung):

€ 56,- / Ausland: € 83,- (Das Abonnement verlängert sich automatisch, sofern nicht mind. 6 Wochen vor Erscheinen der letzten Ausgabe eine schriftliche Kündigung bei uns einlangt.)

EINZELHEFTPREIS € 12,- / Ausland € 13,50

BANKVERBINDUNG BAWAG Mödling, Konto Nr. 22610710917, BLZ 14000, IBAN AT 87 1400022610710917, BIC BAWAATWW n Bank Austria, Konto Nr. 51524477801, BLZ 12000

IBAN AT 231200051524477801, BIC BKAUATWW; UID-Nr. ATU52668304; DVR 0947 270; FN 199813 v; n ISSN: 1606-4550

Mit ++ gekennzeichnete Beiträge und Fotos sind entgeltliche Einschaltungen. Die Redaktion haftet nicht für unaufgefordert eingesandte Manuskripte und Fotos. Berichte, die nicht von einem Mitglied

der Redaktion gekennzeichnet sind, geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion wieder. Das Magazin und alle in ihm enthaltenen Beiträge sind urheberrechtlich geschützt.

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6

Start

The Bird‘s-eye View

Ob mit einem Paragleiter, einer Drohne oder mit Google Earth – der Blick von oben

auf unsere Welt ist faszinierend. Kasimir Sewerinowitsch Malewitsch (1878-1935,

Maler und Hauptvertreter der russischen Avantgarde, Wegbereiter des Konstruktivismus

und Begründer des Suprematismus), der sich schreibend intensiv mit

Ästhetik, Philosophie und moderner Kunst auseinandergesetzt hat, bezeichnete

den Blick von oben – als Gegensatz zum üblichen horizontalen Blickpunkt – als ein

„geniales, neues und radikalisierendes Paradigma“ der Kunst des 20. Jahrhunderts.

Seiner Ansicht nach brachten Flugreisen und speziell die Fotografie von oben einen

Bewusstseinswechsel mit sich. Auch die italienischen Futuristen waren von diesen

Landschaftsaufnahmen aus der Luft fasziniert.

Text: Peter Reischer Fotos: Márton Mogyorósy


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7

Start

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DIE BESSERE LÖSUNG

PERFEKT KOMBINIERT: DIE VORTEILE EINER EMAILLIERTEN

DUSCHFLÄCHE MIT DEM DESIGN EINER RINNENDUSCHE.

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8

Start

Manchmal basiert Kunst nicht auf einer

direkten Beobachtung, sondern auf Luftaufnahmen

oder Karten, die auf Satellitenfotos

beruhen. Diese Gattung der Land-Art

existierte vor dem 20. Jahrhundert nicht.

Sie entwickelte sich mit dem menschlichen

Fortschritt und der Mobilität in die Lüfte.

Ein Blick aus 10.000 Meter Höhe kann die

Grundlage so mancher Kunstwerke sein.

Nicht nur Malewitsch, sondern auch Künstler

wie Georgia O´Keeffe, Susan Crile, Jane

Frank, Richard Diebenkorn, Yvonne Jacquette

und Nancy Graves ließen sich davon

inspirieren. Das geografische Layout unserer

Erde und der Städte ist voll von Mustern

und Formen – aber man benötigt schon das

Auge eines Experten (oder einer Drohne)

um sie zu identifizieren und zu deuten.

Die frühesten Darstellungen von Luftbildern

sind Landkarten, oder ähnliche Kunstwerke,

welche die Landschaft aus der Vogelperspektive

zeigen. Die Aborigines in Australien

haben schon sehr früh begonnen, Karten

ihrer Landschaft zu zeichnen. Darin hielten

sie Pfade zu den Wasserstellen und heilige

Plätze fest, und zwar Jahrhunderte vor der

Luftfahrt. Auch die Europäer entwickelten

schon früh Karten der Kontinente, basierend

auf mathematischen Kalkulationen, Ergebnissen

von Forschungsreisen und astronomischen

Kenntnissen.

Im Gegensatz zu traditionellen Landschaften

kann man bei Luftaufnahmen meistens

keinen Horizont festmachen, keinen Himmel

sehen. Auch gibt es hier nicht den berühmten

Blick in die Unendlichkeit. Eine Seelenverwandtschaft

tritt allerdings in der Kunst

zwischen Luftaufnahmen und abstrakter

Malerei auf, nicht nur weil oft keine realen

Gegenständlichkeiten mehr zu erkennen

sind, sondern auch, weil es bei diesen Bildern

kein „oben“ und „unten“ mehr gibt.

(Deutlich kann man das bei Werken von Jackson

Pollock oder Mark Tobey feststellen.)

Es gibt keinen Fokussierungspunkt mehr.

Auch werden aus der Höhe betrachtet so

manche Teile der Architektur, wie wir sie für

selbstverständlich erachten, zu fast nicht

mehr begreifbaren Elementen, fast zu Mustern,

die sich nach manchmal kaum erkennbaren

Schemata erstrecken.

Dasselbe Phänomen der Orientierungslosigkeit

(im Sinne von oben, unten, links oder

rechts) wie bei Pollock und Tobey tritt auch

bei den fotografischen Arbeiten von Márton

Mogyorósy auf. Er hat eine Serie von

Luftaufnahmen der Küstenstadt Barcelona

gemacht, bei denen er die geometrischen

Muster und seriellen Merkmale der Architektur

und der Landschaft festhält. Nicht

nur die Stadt hat es ihm angetan, auch die

Küstenlinie und das Meer geben genug

Motive her. Von hoch oben im Himmel ergeben

die Fotos eine neue Perspektive. Sie

eröffnen einen neuen Zugang zur Umwelt,

zur Architektur und man kann zum Beispiel

für die katalonische Hauptstadt ganz neue

Sichtweisen von kleineren Blockbebauungen

im urbanen Gewebe feststellen.

Mogyorósy hat zuerst mittel Google Earth

seine groben Areale fixiert und dann im

Jänner dieses Jahres in Barcelona die

Aufnahmen mit einer Drohne gemacht. Er

wollte absichtlich abseits der touristischen

Hotspots fotografieren und eine ungesehene

Seite der Stadt aufdecken: die schönsten

Muster einer urbanen Landschaft, vergleichbar

mit Dekoren. Als freiberuflicher

Fotograf aus Budapest gilt sein Interesse

schon lange der Architektur aus einer ungewöhnlichen

Perspektive.


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DIE SENSATION

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und –menge mit integriertem Schlauchanschluss. Die Bedienung ist einfach, die Armatur einzigartig. www.ixmo.de


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10

Magazin

Zeitgenössische

Ingenieurskunst

Mit dem National Veterans Memorial and Museum wurde in Columbus im US-Bundesstaat

Ohio heuer ein spektakulärer Museumsbau eröffnet. Die Einrichtung stammt

aus der Hand des Architekturbüros Allied Works und den Tragwerksplanern Kippers

Helbig und soll als Zentrum für Dialog, Bildung und Erinnerungsarbeit dienen.

Fotos: Kippers Helbig

Das Gebäude selbst beinhaltet nicht nur Ausstellungs-

und Veranstaltungsräume, sondern auch Büros

und Schulungszimmer. Die Dachterrasse ist über eine

ringförmig angeordnete Rampe begehbar und kann

für Gedenkfeiern und Veranstaltungen genutzt werden.

Das Museum ist in eine großzügige Grünanlage

beim Scotio River eingebettet und befindet sich in der

Nähe des Stadtzentrums. Ganz natürlich bettet sich

dieses in die vorgegebenen Strukturen ein und nimmt

die im Park vorhandene Wegführung nahtlos auf.

Das Bauwerk umfasst eine Fläche von rund 5.000

Quadratmetern und erstreckt sich über drei Ebenen.

Dabei stützt sich die Gestaltung des Grundrisses

auf elliptische und kreisförmige Geometrien, deren

maximaler Durchmesser bei 61 Metern liegt. Drei

konzentrische, frei geformte Ringe aus Ortbeton bilden

so das Haupttragewerk des Gebäudes. Ihr ausgeklügeltes

Zusammenspiel verleiht dem Bau einen

skulpturähnlichen Charakter. Die architektonische

Außendarstellung sowie der Innenraumcharakter

werden durch frei entwickelte Sequenzen aus Bögen

mit bis zu 43 Meter Spannweite definiert. Ein System

aus Stahlträgern und Stahlverbunddecken bildet das

Dach mit seinen Zwischendecken. Zwei Ringe aus

Stahlbeton bilden dabei die Stütze des Konstrukts.

Mit dem Museumsbau schafften es die Architekten,

das statische System des Bogens neu zu definieren.

Die errichteten Bögen stehen nämlich nicht um das

Gebäude herum, sondern winden sich in gekippter

Haltung um den Bau. Diese architektonische Finesse

bringt die Konstruktion zunächst aus dem Gleichgewicht.

Erst das übergreifende Bauwerk, das sich aus

einem Tragwerk aus verschiedenen Bögen zusammensetzt,

sorgt für Stabilität. Die einzigartige Bauweise

fungiert dabei nicht nur als Stütze, sondern ist

zugleich das visuell prägende Element des Museums.

Für die Umgebung ist die Ästhetik der Architektur

durchaus prägend – trotzdem fügt es sich harmonisch

in seine Umgebung ein.


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Weltneuheit ONE by Josko.

11

Kompromisslos symmetrisch und nur halb so breit wie gewöhnliche Fenster und Türen.

Magazin

Die neue Avantgarde-Familie von


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12

Magazin

Architektur als

Leitschiene

Mit 76.000 Studierenden ist die FernUniversität in Hagen die größte Bildungseinrichtung

Deutschlands. Mitte der 1970er-Jahre erhielt diese ihren eigenen Campus

– das Kernstück dessen ist auch heute noch das Allgemeine Verwaltungszentrum.

Da es sich bei jener Einrichtung nicht um eine Präsenzuniversität handelt,

besuchen Studenten diese nur für einzelne Veranstaltungen.

Fotos: Axel Hartmann

Die meisten Besucher sind mit dem Campus

somit nicht sehr vertraut und haben erhöhten

Orientierungsbedarf. Daraus entstand

das Bedürfnis nach einem Leitsystem, das

im Zuge der Neustrukturierung der Campusanlage

implementiert wurde. Der Entwurf

geht auf das Konto der Osnabrücker

Agentur Kuhl|Frenzel.

Die größte Herausforderung bestand darin,

trotz unregelmäßiger Topografie eine

gute Orientierung zu gewährleisten. Da die

Region um Hagen zum rheinischen Schiefergebirge

gehört, ist der Campus nicht

ebenerdig und daher auch von zentralen

Stellen aus unüberschaubar. Eine neue, intuitive

Namensgebung aller Gebäude und

Parkplätze bringt Ordnung in das topografisch

vielschichtige Areal und bildet die

Leitstruktur des Orientierungssystems. Im

Zuge der Umbenennung wurden alle Standorte

so durchnummeriert, dass auf den ersten

Blick eine Logik erkennbar ist – Besucher

finden sich fortan schneller zurecht.

In puncto Gestaltung bleibt das Orientierungssystem

einer Linie treu – da es an das

Corporate Design der Universität anknüpft,

bietet es hohen Wiedererkennungswert

und unterstreicht dadurch die identitätsstiftende

Wirkung des Campus. Auch das

Logo und die Hausfarbe der FernUniversität

– ein blau ausgefüllter Kreis mit runden

Bahnen – greift das Leitsystem auf. So sind

alle wegweisenden Elemente mit abgerundeten

Ecken und dem charakteristischen

Blauton versehen. Damit sind die Kommunikationselemente

auf den ersten Blick erkennbar

und leiten die Besucher lückenlos

zum Ziel. Die Leitfunktion weist Studenten

nicht nur im Außenbereich, sondern auch

im Inneren der Gebäude den Weg. Mehr als

700 Elemente führen die Besucher zu den

Räumen, wobei Nutzer direkt beim Eingang

abgeholt werden.

Beim Entwickeln des Systems spielte Barrierefreiheit

eine zentrale Rolle. Über mehrere

Jahre hinweg identifizierten die Planer

Hindernisse und entwickelten Lösungen

zur Überwindung dieser. Daneben wurden

die Schilder gemäß dem Zwei-Sinne-Prinzip

entwickelt. Die Begrüßungselemente sind

sowohl mit Braille- als auch mit einer erhabenen

Profilschrift versehen – diese sind in

einer dezenten Farbe gehalten, sodass sie

von Sehenden erst bei näherer Betrachtung

bemerkt werden. Um Orientierung bei jeder

Tageszeit zu gewährleisten, sind die Stelen

und die Nummerierungen der Gebäude mit

energiesparenden LED-Leuchten versehen.

Auch die Laufwege und die Eingänge der

Institute wurden auf diese Weise ausgeleuchtet.

Das neue Leitsystem bietet damit

nicht nur bessere Orientierung, sondern es

macht den Campus der FernUniversität Hagen

gleichzeitig sicherer.


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13

Magazin

Mehr vom Leben sehen.

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MEHR INNOVATION: Koppelbar mit Fingerprint, Funk oder iPad.

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14

Magazin

Lebensdauer von mehr als 40 Jahren

Lärmschutzwände sind Bauwerke, für

die es einer hohen Ingenieurskunst bedarf.

Ihr Bau erfordert eine fachgerechte

Planung, Berechnung, Herstellung

und Bauausführung.

Allerdings sind die Bezeichnungen, Anforderungen,

Anwendungen und Eigenschaften

in unterschiedlichen Richtlinien und

Vorschriften niedergeschrieben. Der Verband

Österreichischer Beton- und Fertigteilwerke

(VÖB) hat nun eine neue Richtlinie

erstellt, in der die technischen Spezifikationen

für die Herstellung und Verwendung

von Lärmschutzwänden aus Beton geregelt

sind. Da die Bezeichnungen, Anforderungen,

Eigenschaften und Anwendungen in unterschiedlichen

Richtlinien und Vorschriften

beschrieben sind, hatte eine zusammenfassende

Darstellung bislang gefehlt. Zugleich

wurde von den VÖB Mitgliedsbetrieben

unter Mitwirkung der AUVA nun auch eine

Montageanleitung für Lärmschutzwände

erarbeitet und veröffentlicht. Auf der VÖB

Website sind ab sofort nicht nur die technischen

Spezifikationen für Lärmschutzwandelemente

aus Beton abrufbar, sondern auch

eine übersichtliche und verständliche Mon-

tageanleitung. Der Verband wird auch in

Zukunft alles daran setzen, den Service für

seine Mitgliedsbetriebe und deren Kunden

weiter auszubauen.

Verband Österreichischer Betonund

Fertigteilwerke

T +43 (0)1 4034800

www.voeb.com

Josef Frank reloaded

© Gottfried & Söhne

Als Architekt war er ein wesentlicher Protagonist

(neben Adolf Loos und Josef Hoffmann)

der „zweiten Wiener Moderne“ bzw.

der „gemäßigten Moderne“, die ihre weltweite

Nachwirkung bis weit in die zweite Hälfte

des 20. Jahrhunderts hinaus entfaltete. 1931

schrieb Frank über das Haus: „Es ist nicht

zum Kochen, Essen, Arbeiten und Schlafen

da, sondern zum Wohnen. Zwischen den

Begriffen Kochen, Essen, Arbeiten, Schlafen

und dem des Wohnens liegt das, was wir Architektur

nennen.“

Schon im Jahr 1925 gründete er gemeinsam

mit Oskar Wlach das Einrichtungshaus

„Haus und Garten“ in Wien. Das Angebot

reichte damals von der Planung von Häusern

über die Einrichtung von Wohnräumen, die

Adaptierung alter Räume und Wohnungen

bis zur Gestaltung von Einzelgegenständen,

Möbeln und Stoffmustern etc. Frank bzw.

Wlach trugen damit wesentlich dazu bei,

dass das „Wiener Möbel“ Weltruhm erlangte.

Der 1885 in Baden bei Wien geborene Architekt

emigrierte 1933 nach Schweden, wo er

in kurzer Zeit zum Star wurde. Vor allem seine

textilen Kreationen für die Stockholmer

Firma Svenskt Tenn sind weltberühmt und

heute noch gefragt.

Das Jüdische Museum Wien bringt nun den

emigrierten Designer mit neuem Impuls in

dessen ursprüngliche Heimat zurück. Für

die sogenannte PEPI-KOLLEKTION (nach

Josef = Pepi) wurden einige ausgewählte

Stoffdesigns von Frank verarbeitet. Die

Kopfbedeckung, die „Pepi Kippa“ ist Gebetszwecken

vorbehalten, der Pepi Bag ist

fröhlich, das Ziffernblatt bunt und der Blumentopf

brauchbar.


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Lösung in Sicht?

Bereits im November vergangenen

Jahres hat die Fachvereinigung Mineralwolleindustrie

(FMI) auf das Entsorgungsdilemma

rund um Mineralwolle

in Österreich aufmerksam gemacht

(architektur berichtete darüber).

15

Magazin

Die nun abgeschlossene Forschungsarbeit

von Univ. Prof. DI Dr. Roland Pomberger,

Leiter des Lehrstuhls für Abfallverwertungstechnik

an der Montanuniversität Leoben,

kommt zu einem klaren Schluss: Aus

fachlicher Sicht sind für eine praxistaugliche

Lösung eine eigene Abfallart (Schlüsselnummer)

für gefährliche („alte“ = vor

1996 hergestellte) Mineralwolleabfälle und

eine Ausnahme vom Deponierungsverbot

nach Deponieverordnung erforderlich. In

der Begründung führt das Gutachten u.a.

folgende Fakten an, denn Mineralwolle und

Asbest und somit auch Mineralwolleabfälle

und Asbestabfälle unterscheiden sich

aus chemischer, physikalischer, mineralogischer

und anwendungstechnischer Sicht

grundlegend voneinander.

Aus fachlicher Sicht der Abfallwirtschaft

© Fachvereinigung Mineralwolleindustrie/Richard Tanzer

ist die gemischte Ablagerung von „alter“

Mineralwolle mit Asbestabfällen nicht sinnvoll.

Die Vermischung widerspricht darüber

hinaus dem abfalltechnischen Grundsatz,

dass Abfälle mit unterschiedlichen Eigenschaften

und unterschiedlichem Verwertungspotenzial

getrennt zu halten sind. Die

zukünftige Verwertbarkeit (Recycling) von

Mineralwolleabfällen ist sehr wahrscheinv.l.n.r.:

MMag. David Suchanek (Rechtsanwalt, Niederhuber & Partner Rechtsanwälte GmbH), Udo

Klamminger, MBA (FMI-Vorstandsvorsitzender), DI Dr. Roland Pomberger (Universitätsprofessor

und Leiter des Lehrstuhls für Abfallverwertungstechnik an der Montanuniversität Leoben),

Dipl.-Ing. Mag. Thomas Kasper (Vorsitzender des Österreichischen Baustoff-Recycling-Verbands)

lich. Sowohl die derzeitige als auch die

geplante Zuordnung verhindern die Rückholbarkeit

und damit zukünftige Verwertungsmöglichkeiten.

Arge Fachvereinigung

Mineralwolleindustrie (ARGE FMI)

T +43 (0)590 9003534

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schafft, mit maximaler Transparenz mehr Helligkeit und Komfort bietet und mit maximaler

Nachhaltigkeit zum Klimaschutz beiträgt – das ist ein Fenster für die Stadt der Zukunft.


architektur FACHMAGAZIN

16

Magazin

Minimalistisch,

symmetrisch, wandelbar

Aller guten Dinge sind bekanntlich drei. Nicht aber, wenn es um den begehrtesten

internationalen Designpreis Red Dot geht. Dann sind es fünf. ONE by Josko

begeistert die Fachwelt und bringt Josko den bereits fünften Red Dot Award

innerhalb von zehn Jahren.

Fotos. Florian Stöllinger, Josko

Der Red Dot Award: Product Design ist einer

der größten Designwettbewerbe weltweit.

2019 reichten Gestalter und Hersteller

aus 55 Nationen mehr als 5.500 Produkte

ein. Internationale Experten unterschiedlicher

Fachbereiche testen diese in einem

mehrtägigen Bewertungsprozess und beurteilen

die gestalterische Qualität der Einreichungen.

Getreu dem Motto „In search of

good design and innovation“ legen sie bei

der Evaluierung Wert auf Innovationsgrad,

Funktionalität, formale Qualität, Langlebigkeit

und Ergonomie.

Nach dem integrativen Ganzglassystem

Fixframe Blue Vision und den mauerbündigen

MET-Innentüren 2009, dem Composite-/Alu-Fenster

Safir 2012 und der Nevos

Glass Haustüre im Avantgarde-Design 2015

überzeugte nun die wohltuende Symmetrie

von ONE die Jury. Auch Johann Scheuringer,

CEO und Chefdesigner bei Josko, sieht in

ONE eine echte Revolution mit völlig neuen

Möglichkeiten, wie Fenster und Schiebetüren

mit der Architektur und auch mit der Innenraumgestaltung

harmonieren.

Die Elemente des preisgekrönten Systems

sind wie Bilderrahmen, die als Inspiration

dienten, immer an allen Seiten nur fünf

Zentimeter breit und damit kompromisslos

symmetrisch. Über die revolutionäre

App-Konzeption werden Fenster und Ganzglas-Elemente

zu einem Interieur-Teil, der

bis ins Detail an jeden Wohnstil anpassbar

ist – da die Aluminiumrahmen innen mit

speziellen Inlays in unterschiedlichen Holz-,

Beton-, Glas oder Stahl-Optiken gestaltet

werden können.

Josko Fenster & Türen GmbH

T +43 (0)7763 2241-0

office@josko.at

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17

Raum

für die schönsten Momente im Leben.

Magazin

Und der Hauptdarsteller ist Beton.

Räume aus Beton bieten nicht nur Platz für die ganze

Familie, sie sind auch etwas Besonderes, wenn es um

Design und Modernität geht. Und für Hobbykünstler

eignen sich Wände mit Sichtbeton hervorragend als

Hintergrundkulisse.

www.betonmarketing.at


architektur FACHMAGAZIN

18

Magazin

Buntes und

offenes Lernen

Das Ensemble der Ayb-Schule liegt in Yerevan, Armenien und wurde vom Storaket

Architectural Studio entworfen. Die Schule ist privat. Ihr Name leitet sich vom

ersten Buchstaben des armenischen Alphabets Ayb ab.

Fotos: Sona Manukyan & Ani Avagyan

Der C-Teil der dreiteiligen Schulanlage dient momentan

als Volksschule und soll später auch als Mittelschule

genutzt werden. Er kann bis zu 240 Schüler

aufnehmen und, genauso wie die beiden anderen

Teile, ist sein Konzept auf ein offenes, multifunktionales

Raumprogramm gerichtet, das ein Lernen an

verschiedenen Orten ermöglicht. Das Erdgeschoss

enthält einen komplett offenen, fließenden Raum mit

einem Amphitheater, welches gleichzeitig als Eingang

zu den Workshopbereichen und dem Keller funktioniert.

Durch versteckte Öffnungen und Gänge ist die

Ebene mit dem Außenraum und der Natur verbunden.

So können die Kinder schnell ins Freie gelangen. Auf

dieser (optisch) dunklen Ebene „sitzt“ ein großer weißer

Block, der das zweite und dritte Geschoss enthält.

Hier sind die weiteren Klassenräume situiert.


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19

Magazin

Ayb C ist mit modernsten pädagogischen Einrichtungen

und Technologien bestückt, verschiedenste Laboratorien,

Kunst- und Handwerksstudios, Spiel- und

Erholungsbereiche und eine Bibliothek ermöglichen

ein vielfältiges Lernen. Die Wände sind fast durchgehend

unverputzt in Sichtbetonqualität und auch

mit Farbe wurde sehr sparsam umgegangen. Einzig

eine wasserabweisende Beschichtung wurde auf den

Beton aufgebracht und ein strenges Farbkonzept

zieht sich durch das Gebäude. Durch das Absenken

des untersten Erdgeschosses im Geländeverlauf

entstand ein großzügiges, begehbares Gründach für

die oberen Geschosse. Die Struktur ist im Hinblick

auf Energieeffizienz entwickelt und enthält auch

ein nachhaltiges System einer Klimatisierung: Auf

der Südfassade sind Solarpaneele an der Außenseite

montiert. Eine vom Team der Architekten eigens

entwickelte Technologie benutzt Sensoren, um die

Position der Paneele – wenn die Sonneneinstrahlung

zu stark wird – zu verändern. Dann dienen sie zur

Verschattung der Fenster.

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architektur FACHMAGAZIN

20

Magazin

Eine Ausstellungshalle,

die verbindet

Eine Erweiterung, die nicht mit den anderen Ausstellungsbereichen konkurriert

und dabei trotzdem bleibende Akzente setzt, ist der neue Zubau des Museums

Heldenberg in Niederösterreich. Der Grundgedanke der Architekten Peter Ebner

and Friends war, einen Platz für Exhibitionen, die nicht in Zusammenhang mit der

Kriegsgeschichte Österreichs stehen, zu schaffen.

Fotos: Margarita Spillutini

Als Quintessenz des Projekts gilt die freie Verfügbarkeit

und flexible Gestaltung des Raumes. Die Erlebniswelt

Heldenberg bot zur Umsetzung der Prämisse

mit ihren vielseitigen Topografien die flächenmäßig

besten Voraussetzungen. Das nunmehr fertiggestellte

Museum bietet Künstlern die Möglichkeit, ihre Bilder

in einem unterirdischen, großzügig angelegten

Raum zu präsentieren. Die dabei verfügbaren Flächen

sind auf das Wesentliche reduziert – die Hallen im Inneren

des Museums wirken wie ein unbeschriebenes,

aber wohlgeformtes Blatt Papier. Und das nicht nur

wegen der strahlend weißen Wandfarbe. Große Areale

mit verspielten Winkeln sorgen für ein spannendes

Raumerlebnis, ohne dass sie von der Kunst ablenken.

Bemerkenswert ist dabei die Führung der Decke, die

sich in unregelmäßigen Intervallen hebt und senkt.

Die Integration von natürlichem und künstlichem

Licht akzentuiert die Ausstellungsflächen und rückt

sie damit in den Vordergrund.


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Magazin

we

ove

ivefor

light

Während der Großteil der Ausstellungsflächen unterirdisch

liegt, ist der kubische Eingang im Außenbereich

angesiedelt. Er dient der visuellen Orientierung

und gibt Passanten einen Vorgeschmack

darauf, was sie im Inneren des Konstrukts erwartet.

Der erste Abschnitt des Eingangsbereichs ist durch

Glaswände visuell freigelegt. Dabei können Besucher

diesen durch eine Rampe auch barrierefrei erreichen.

Der hintere Teil wird von Betonmauern umfasst, die

schließlich im Erdreich münden.

Aus dem Ausstellungsbereich führen zwei Ausgänge

– einer leitet Besucher zum alten Verwaltungsgebäude

samt den Büsten alter Kriegshelden, während der

andere zu den neu gestalteten Teilen des Heldenbergs

samt seinen prähistorischen Ausstellungen führt. Der

Zubau steht somit nicht nur für sich selbst, sondern

wirkt gleichermaßen als Verbindung zwischen zwei

Ausstellungen – Besuchern wird dadurch eine Reise

durch die Geschichte Österreichs ermöglicht.

Mit dem Projekt war es den Architekten einerseits

möglich, einen innovativen unterirdischen Raum für

experimentelle Ausstellungen und gleichzeitig eine

räumliche Erweiterung und notwendige Verbindung

zwischen den verschiedenen Ausstellungsbereichen

am Heldenberg zu schaffen. Diese Tatsache macht

das Projekt zu einer wahren Bereicherung.

Wir lieben das Licht in all seinen Facetten.

Mit unseren Leuchten rücken wir das Leben

ins Zentrum und sorgen für Lichtblicke. Als

wesentlicher Baustein eines architektonischen

Gesamtkonzeptes garantiert die perfekte Beleuchtungslösung

angenehme Atmosphäre,

funktionale Individualität und ansprechende

optische Wirkung.

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Tauchen Sie in die wunderbare Welt des Lichts ein,

besuchen Sie uns: Schauraum 4600 Wels, Europastraße 45

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22

Magazin

Weiche Schale,

harter Kern

Indem sie dem Zeitgeist des gedanklichen Uniformismus entgegenwirkt, vermag

die Fähigkeit der Kunst, unsere gewohnten Sichtweisen – wenn auch nur für einen

Moment – auszusetzen, ihren größten Wert darstellen.

Fotos: Benedikt Markel, Petr Hájek ARCHITEKTI

Unter diesem Motto entstand 2005 auf einem mehr als

100 Jahre alten Industriegelände in dem Prager Bezirk

Holešovice das Zentrum für zeitgenössische Kunst

(Centrum pro současné umění) DOX. Im vergangenen

Jahr wurde das von Ivan Kroupa realisierte und international

viel beachtete Vorzeigeprojekt für moderne

Architektur in der Tschechischen Republik von Petr

Hájek ARCHITEKTI um einen Komplex aus drei miteinander

verbundenen Gebäudeteilen erweitert.

Unter dem Namen DOX + ergänzen ein experimenteller

Musik- und Tanzsaal, ein Tanzproberaum

sowie das Verwaltungsgebäude der angegliederten

Architekturschule ARCHIP die bestehenden

Ausstellungsräume. Eine skulpturartige, elastische

Membranhülle stülpt sich wie ein Sofabezug über

die neuen Trakte, die auf diese Weise als kompositionelles

Ganzes wahrnehmbar werden. Die Fassade

erfüllt dabei mehrere Funktionen, sie wirkt nicht nur

thermisch isolierend und wasserabweisend, sondern

auch akustisch, indem sie den Restschall aus den

Hallen absorbiert und dessen Reflexionen im Wohnhof

auf diese Weise verhindert.

Die Akustik der Experimentierhalle ist aber auch von

innen heraus variabel und lässt sich ähnlich einem

Musikinstrument stimmen und somit individuell an

jedwede Produktionsanforderung adaptieren. Unter

der Betondecke des quadratischen Raumes (aufgrund

dieser Form können die Sichtbetonwände von

Absorbern frei bleiben) sind dreiseitige, mechanisch

bewegliche Paneele angebracht, die als Diffusor,

Absorber oder Reflektor dienen. In Kombination mit

der Zu- oder Wegschaltung der ringförmig angeordneten,

angrenzenden Foyers sind auf diese Weise

Nachhallzeiten von 1 bis 1,6 Sekunden justierbar. Der

550 Personen fassende Raum verfügt über eine ausfahrbare

Tribühne.


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Magazin

Während die Hülle wie eine weiche Wolke anmutet,

bildet das Innere des Saals den krassen Kontrast zur

kuscheligen Sofahülle: rohe Betonwände, nackte Industrieböden,

unter der Decke sichtbare Konstruktionselemente

und eine wirre Ansammlung an Technikelementen.

Dennoch wirken die Räumlichkeiten

hell und freundlich, füllen sich mit dem Betreten der

Zuschauer und Künstler mit Leben und treten als

stille Kulissen bescheiden vor den großen Inszenierungen

zurück.

Das zum Teil mit Kunstrasen bestückte Dach des

Saals ist begehbar und bietet neben der Möglichkeit

zur Entspannung auch Platz für Outdoor-Installationen

oder Open-Air-Vorstellungen. Zu diesem Zwecke

wurde über dem Zuschauerraum eine kleine Hängebrücke

für akrobatische Einlagen platziert. Das für

den europäischen Mies van der Rohe Award 2019

nominierte Projekt besticht durch seine schlichte

Schönheit. Man möchte die Augen schließen, sich wie

auf einem überdimensionalen Sofa zurücklehnen und

ganz bei sich den künstlerischen Klängen lauschen.


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24

Magazin

Flexible Flächen

für Moderne Kunst

Als flexible Bühne für Kunst wurde im ostchinesischen Tianjin das Binai Cultural

Center errichtet. Das im Stadtteil Binai gelegene Gebäude ist Teil des durch die

gmp – Architekten von Gerkan, Marg und Partner realisierten Kunst- und Kulturkomplexes.

Stilmittel wie mobile Wandelemente und ein offener, einladender

Grundriss machen das Museum zu einer vielseitigen, wandlungsfähigen Ausstellungsfläche

für Moderne Kunst.

Fotos: Christian Gahl


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Magazin

Insgesamt 26.500 Quadratmeter Bruttogeschossfläche

verteilen sich auf fünf Stockwerke, wobei sich

das Gebäude nach oben hin öffnet – mit steigender

Geschosshöhe nehmen auch die Fensteröffnungen

zu. Doch offene Strukturen sind auch im Erdgeschoss

vorzufinden. Die Eingänge gewähren Passanten bereits

aus größerer Distanz erste Einblicke. Durch die

Glasfassade wirkt die Lobby einladend und schafft

es, Besucher noch vor dem Betreten des Museums

in ihren Bann zu ziehen. Der übrige Außenbereich ist

von einer hellen Natursteinfassade umgeben – diese

legt sich geradezu schützend um den Bau, ohne dabei

erdrückend zu wirken.

Im Inneren wurde das Gebäude wie ein klassischer

Museumsbau konzipiert. Sofort nach dem Betreten

werden Besucher vom Foyer ins Zentrum geleitet, in

dem sich der Empfang sowie die Auktions- und Multifunktionshalle

befinden. Von hier aus sind die zwei

symmetrischen Ausstellungsflügel – die Herzstücke

der Einrichtung – begehbar. Während im Empfangsbereich

noch der Beige-Farbton der Natursteinfassade

und natürliches Licht dominieren, wirken die

Ausstellungshallen minimalistischer, aber gleichzeitig

kompromissloser. Geradlinige Leuchtmittel dominieren

die Galerien, wobei schwarze Decken und

weiße Wände die Kunst in den Vordergrund rücken.

Die Ausstellungsflächen erinnern dabei an Lofts. Diese

lassen sich durch die mobilen Wandelemente nach

Belieben gliedern und neu ordnen.

Durch die flexible Organisation des Grundrisses und

die imposante Raumhöhe von sieben Metern eignen

sich die Räume auch für größere Kunstinstallationen.

Leuchtrahmen unter den Raumdecken leuchten die

Flächen flexibel aus – dank variabler Lichtspots ist es

auch möglich, durch gezielte Belichtung der Kunstwerke

an den Wänden Akzente zu setzen.

Auch die Museumsverwaltung wurde im Gebäude –

und zwar im vierten Obergeschoss – untergebracht.

Um zwei Dachgärten wurden Konferenzräume, Büros

und Sozialbereiche angeordnet. Das begrünte Dach

dient den Angestellten als Pausenhof.


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Magazin

Farbenfroher

Minimalismus

Die Perse School in Cambridge zeichnet sich durch ein umfangreiches Musik- und

Schauspielprogramm aus. Die alten Räumlichkeiten wurden der großen Nachfrage

nicht mehr gerecht. Aus diesem Bedürfnis heraus wurde das Performing Arts Center

entwickelt.

Fotos: Philip Vile

Das Projekt von Haworth Topkins setzt sich aus einem

Theater mit 400 Sitzen, einem Probestudio,

mehreren Unterrichtsräumen, einer Ausstellungsfläche,

einem Foyer sowie einem durch Tageslicht erhellten

Proberaum – zweifelsohne das Herzstück der

filigranen Einrichtung – zusammen.

Klare Linien mit einem Hang zum Minimalismus

kennzeichnen die Innenraumgestaltung des Objekts.

Aufenthalts- und Schulungsräume sind frei von Ballast

und fördern so die Konzentration. Ausgleichend

wirkt dabei das Mobiliar, das mit seinen hellen Farben

spielend Akzente setzt. In Kombination mit beruhigenden

Holzelementen wirken die Stühle mit ihrer

abwechselnd gelb-orangen Farbgebung harmonisch

und legen sich im Theater wie bunte Schuppen über

den Zuschauerraum.

Das Innenraumdesign ist modern, ohne dabei kalt zu

wirken. Intime Aufenthaltsflächen wurden in Form

von frei stehenden Bänken, aber auch Nischen in den

Wänden geschaffen. Zwischenmenschliche Begegnungen

sind damit nicht nur in den Klassen und im

Theater möglich.


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Magazin

Nicht weniger interessant fällt die Gestaltung der

Außenhaut aus. Durch das gekonnte Zusammenspiel

von Holz, Ziegel und Glas gelang es den Planern,

dem Gebäude bei simpler, rechteckiger Struktur ein

vielschichtiges Aussehen zu verleihen. Die Rückseite

aus Glas gewährt von außen einen Blick in die dahinter

liegenden Räume, wobei die großzügig angelegten

Flächen mit ihrer hellen Beleuchtung für ein

ansprechendes Lichtspiel sorgen. Akzentuiert wird

dieses durch eine hölzerne Gitterstruktur an der Decke

der Einrichtung. Das dreidimensional angelegte

Element schafft nicht nur bei künstlicher Beleuchtung,

sondern auch bei Tageslicht ein vielseitiges

Wechselspiel aus Licht und Schatten.

Auch in Bezug auf die Energieversorgung zeigt das

Projekt praktische und bisweilen innovative Ansätze.

Eine Erdwärmepumpe sorgt sowohl für die Beheizung

als auch für die Kühlung der Einrichtung.

Zusätzlich ist das Gebäude mit Fotovoltaikpaneelen

ausgestattet. Einen wichtigen Beitrag zum Raumklima

leistet auch die Dachbegrünung – im Sommer

schützt sie vor Hitze, während sie das Gebäude im

Winter isoliert.


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Magazin

Das Schwalbenei

T IJ ist ein holländischer Wortwitz: Tij bedeutet Flut aber schnell ausgesprochen

auch das Ei. Es handelt sich dabei um das größte einer Serie von Objekten

zur Vogelbeobachtung, die speziell zur Feier der Eröffnung der Haringvliet-Schleusen

im November 2018 kreiert worden sind.

Fotos: Katja Effting

Diese Schleusen wurden geöffnet, um die Biodiversität

und die Qualität des Wassers zu verbessern, auch

um den Fischzug von der Nordsee in das Deltasystem

von Maas und Rhein in Holland wieder zu ermöglichen.

Es soll ein neues, robusteres Ökosystem entstehen.

Um den Menschen die Möglichkeit zu bieten, diese

Veränderungen zu erleben und auch daraus zu lernen,

hat man eine Reihe dieser Vogelbeobachtungsstationen

in der Gegend von Haringvliet errichtet.

Diese eiförmige Vogelstation befindet sich in Scheelhoek,

einem Naturschutzgebiet in der Nähe von

Stellendam. Das Observatorium ist Teil einer größe-

ren Landschaftsgestaltung, in der die Menschen die

Natur vom Scheelhoek-Reservat auf dem Weg vom

Parkplatz zum Ei beobachten können. Auf dem Weg

dahin sieht man eine Reihe von Biotopen mit speziellen

Vogelarten. Um die Vögel jedoch nicht zu stören,

ist der letzte Teil des Weges eigentlich ein Tunnel

– gestaltet aus wiederverwendeten Befestigungspfosten

und Azobebrettern (Tropenholz), die einmal

bereits in der Ziegelfabrikation verwendet worden

sind. Der Tunnel ist mit Sand bedeckt, der wiederum

Nestplätze für Vögel bietet.


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Das Ei selbst ist wie ein Schwalbenei modelliert, sitzt

auf einem Nest aus Sand – genau wie eine Schwalbe

es auch erbaut hätte. Es besteht aus vertikalen „Federn“

aus Kastanienpfosten, Schilf und Sanddünen.

Es ist parametrisch entworfen um ein gutes Verhältnis

zwischen Form, struktureller Integrität, Holzdimensionen

und Öffnungen zu erzielen. Die Struktur

ist eine sogenannte File-to-Factory-Produktion, bei

der aus dem Computer heraus direkt in die Maschine

gearbeitet wird, um große Spannweiten mit kleinen

Holzteilen zu erzielen. 402 Einzelteile wurden produziert

und vor Ort zusammengebaut. (Natürlich kann

die Konstruktion auch wieder vollständig zerlegt und

recycelt werden.) Der untere Teil – der mehrmals im

Jahr überflutet wird – ist aus widerstandsfähigem

Accoyaholz. Der obere Teil – der immer im Trockenen

ist – aus Fichtenholz. Gedeckt ist das Ei mit lokal

gewonnenem Schilf. Das schilfgedeckte Dach hört

genau über dem höchsten Wasserstand auf. Der Boden

im Inneren des Eis funktioniert als statischer Stabilisator,

eine hybride Holz-Betonmischung, und von

ihr aus hat man eine wunderbare Aussicht auf die

Inseln, die Haringvliet-Schleuse, Wasser und die Natur.

Mensch und Natur kommen hier zusammen und

können ein Teil der jeweils anderen Welt sein und so

auch erfahren werden.

29

Magazin

WAS WIR DER UMWELT

TÄGLICH AN HEIZÖL

ERSPAREN!

Jedes Jahr helfen unsere Kunden mit unseren Dämmstoffen rund 57 Mio. Liter

Heizöl einzusparen oder anders gesagt: 720 Fässer Heizöl täglich! Damit

tragen sie dazu bei, dass unsere Umwelt ein bisschen „grüner“ wird.


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Magazin

Ökologische

Holzschule

Das Projekt der Volksschule „La Ruche“ bezieht seine Inspiration von den typischen,

geometrischen Formen der Stadthäuser der historischen Stadt Perthes-en-Gatinais

im Süden der Region Seine & Marne. Die für das „Haus“ archetypische Giebelform

wird von den Tracks Architectes verwendet, um ein erkennbares Zeichen zu setzen.

Fotos: Guillaume Amat

15 Giebel sitzen auf der lang gestreckten Form, welche

die notwendigen Programme, Klassen und Nebenräume

enthält. Die Dreiecksformen der Dächer

sind alle unterschiedlich in Höhe und Gestaltung,

aber eines ist ihnen gemeinsam: Sie sind alle aus Holz

und das hat seine speziellen Gründe.

Die gesamte Schule mit ca. 1.000 Quadratmeter Nutzfläche

wurde in 10 Monaten aufgebaut. Die Stadt, in

der sich das Projekt befindet, ist Teil des regionalen

Naturschutzparkes und das führte zu sehr hohen Ansprüchen

an Umwelt, Nachhaltigkeit und Ökologie.

Die Architektur wurde komplett in Holzbauweise und

mit einer Holzverkleidung errichtet. Der Bau hat eine

durchgehende Ebene, ist linear ausgerichtet und das

erlaubt es, volumetrisch idente Räume, aber mit eigenständigen

Erscheinungsbildern im Inneren zu

gestalten. Die Räume sind gegen den Spielplatz weit

geöffnet, große Fenster bringen genügend Licht ins

Innere. Als hinteren Abschluss gibt es eine hölzerne

„Promenade“ zur Erschließung der Räume. Die Tiermotive,

die in den Giebelverkleidungen der Außenseite

angebracht sind, dienen im Inneren weiter als

Orientierung und Kennzeichnung der einzelnen Klassenzimmer.

Die Dachform mit ihren 45 Grad-Winkeln

bestimmt auch die Innenräume und gibt den Kindern

das Gefühl „zu Hause“ zu sein.

Hinter der Schule liegt ein pädagogischer Garten mit

Hochbeeten für die Kinder. Ein Teil des Areals umfasst

ein Regenwassersammelbecken, um den Kindern bereits

im jungen Alter Wissen über Wassernutzung zu

vermitteln und alles zusammen soll das Interesse für

Biodiversität und Natur in der Schulbildung fördern.


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Magazin

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Magazin

„Muskeln ohne Fett“...

… mit diesen Worten beschreibt die Architektin Liz Diller das neueste Projekt

von Diller Scofidio + Renfro. Es trägt den Namen „The Shed“ und ist mitten im

ebenso neuen New Yorker Viertel Hudson Yards gelegen.

Fotos: Timothy Schenck

Das wandlungsfähige Gebäude verfügt über insgesamt

acht Stockwerke mit mehreren Veranstaltungsräumen.

Letztere dienen als Plattform für Kunstprojekte

des 21. Jahrhunderts. Ein kleines Kunstwerk

ist aber auch das Gebäude – das gilt vor allem im

Hinblick auf die silbrig schimmernde Außenhülle. Die

fast 40 Meter hohe Kombination aus Dach und Fassade

lässt sich bei Bedarf ausfahren und kann so das

vorhandene Raumgefüge fast verdoppeln. Bei maximaler

Größe finden im Gebäude bis zu 3.000 Besucher

Platz.

Auf den ersten Blick wirkt das Kulturzentrum wie

ein Flugzeughangar – dies gilt vor allem dann, wenn

sich der Betrachter dem Objekt von der High Line,

der stillgelegten Bahntrasse und heutigen Fußgängerzone

im Herzen der Metropole, nähert. Die bewegliche

Hülle erscheint mit ihren kissenartigen

Strukturen wie eine Daunendecke, die aufgrund ihrer

Beweglichkeit einen Wandel zwischen Freiluftarena

und Konzerthalle ermöglicht. Das Objekt folgt ganz

dem Leitsatz „Form folgt Funktion“ und hebt sich

trotzdem – oder gerade deshalb – von der Masse an

Hochhäusern im New Yorker Trendviertel ab.


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Magazin

Neben der Praktikabilität wird aber auch die

Wandelbarkeit großgeschrieben. Tatsächlich ist

das Projekt bewusst auf Weiterentwicklung ausgelegt.

Künstlern soll die Einrichtung mit ihrer

Ausstattung als Werkzeug dienen und sich den

Bedürfnissen der Kreativen stetig anpassen. Damit

wurde eine Grundlage, zeitgemäße Kunst aller

Art aufzuführen, geschaffen – im Kulturzentrum

sollen Musik, Tanz, Malerei, Schauspiel und Architektur

zusammentreffen.

Doch nicht nur der Kunst, sondern auch den Besuchern

kommt die neue Kultureinrichtung entgegen.

Eine Veranstaltungshalle für die breite

Öffentlichkeit zu realisieren, war eines der Hauptziele

der Planer – so sollen sich die Eintrittspreise

in einem erschwinglichen Rahmen bewegen.

Understatement ist aber auch in Bezug auf die

Architektur Programm. Der Eingang befindet sich

bewusst zu den Füßen der Skyline und damit auf

Straßenhöhe. Im Vergleich zu den umliegenden

Bauten wirkt die Ausstellungs- und Veranstaltungshalle

durchaus kompakt – und das ist beabsichtigt.

Immerhin soll das Projekt als Gegenpol

zu der rasant in die Höhe wachsenden Skyline

New Yorks fungieren.

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Magazin

Brausebad

wird Familienidyll

In Wien waren die traditionellen Brausebäder bis in die 1980er-Jahre notwendige

Sanitäreinrichtungen. Denn damals waren Wohnungen mit Bad keine Selbstverständlichkeit.

In diesen Brausebädern wurden der Bevölkerung Wiens Wannen

und Duschen zur Verfügung gestellt –dazu gehörte auch das Einsiedlerbad im

5. Wiener Gemeindebezirk.

Fotos: Hertha Hurnaus


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Magazin

Heute sind Wohnungen ohne Dusche und WC eine

Seltenheit. Daher nutzen auch immer weniger Menschen

die Brauseabteilungen der Volksbäder. Das

veranlasste die Stadt Wien dazu, im Einsiedlerbad

über einen Umbau und eine Generalsanierung der

nunmehr kaum genutzten Bereiche nachzudenken.

Aus dem 2016 ausgeschriebenen Architekturwettbewerb

ging das Wiener und Züricher Architekturbüro

illiz architektur als Sieger hervor. Dieses schaffte es,

auf den innerstädtischen Kontext des Bads Bezug

zu nehmen und trotz begrenztem Platzangebot eine

massive Landschaft aus Beckenanlagen zu schaffen.

Auf einer kompakten Fläche, die einer nassen Schublade

gleicht, fassten die Architekten Freibecken,

Wasserattraktionen und Spritzdüsen zusammen.

Die größte Herausforderung bestand darin, den

knappen Raum auf erfinderische Weise seiner neuen

Nutzung zuzuführen – diese meisterten die Architekten

durch einen kreativen Umgang mit den

örtlichen Gegebenheiten. So höhlten die Planer Teile

des ursprünglichen Erdgeschosses aus, um eine

Wasserrutsche zu realisieren. Der Niveauunterschied

zwischen Freiflächen und Hochparterre wurde hier

bewusst genutzt. Daneben schufen sie notwendige

Flächen zur Sicherung der Barrierefreiheit. Ein hellgrüner

Pflasterbelag kennzeichnet dabei Strecken

und Areale, die Menschen mit eingeschränkter Mobilität

durch das Bad leiten. Im Inneren des Bades

wurde viel Ballast entfernt, sodass es möglich war,

eine offene Struktur zu schaffen. Die typische Kappendecke

wurde bis zu deren ursprünglicher Höhe

freigelegt. Auch die vermauerten Oberlichter wurden

wieder hergestellt. Um den Innen- und Außenraum

miteinander zu verschränken, ersetzten die Architekten

an der Front zum Rutschbecken die Außenmauer

durch eine Verglasung. Das Stiegenhaus wurde hingegen

nur behutsam saniert, wobei der Fokus vor allem

auf Erhaltung der ursprünglichen Struktur samt

ihren historischen Elementen lag.

Charakteristisch für das Bad ist auch die dezente

Farbwahl. Mit ihr bildet es eine zurückhaltende und

dabei umso entspannendere Kulisse für das vielseitige

Badegeschehen. Prägend wirkt lediglich das, für

zahlreiche Wiener Gebäude, charakteristische Resedagrün.

Mit dem als Otto-Wagner-Grün bekannten

Farbton setzten die Planer an Fenstern, Geländern

und Portalen durchgehende Effekte.


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Büro

Trends in der

Arbeitswelt

Angeblich sind die viel gerühmten Co-Working-Spaces das geistige Kind der europäischen Hacker-Szene

der 90er Jahre, wurden aber im Silicon Valley um die Jahrtausendwende erst wirklich

relevant. Hier teilten sich selbstständige Programmierer Büroräume, wo sie zusammenarbeiten

und Wissen austauschen konnten. Ob dieses Arbeitsprinzip ein sogenannter „Megatrend“ ist,

sein wird oder war – wird die Zukunft weisen. Megatrends sind vielfältig, komplex und vernetzt.

Genau wie auch die Büroszene.

Fotos: Paul Ott


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37

Büro

Abgesehen davon gibt es aber eine Menge

bereits benennbarer „Megatrends“ im

Arbeitsbereich, an denen wir heute bereits

nicht mehr vorbeikommen. M.O.O.CON hat

sich, zusammen mit Experten wie Harry

Gatterer vom Zukunftsinstitut und Harald

Katzmair von FAS research, intensiv mit diesen

Fragen auseinandergesetzt und zwölf

Megatrends festgemacht.

Megatrends sind langfristige Entwicklungen

mit hoher Relevanz für alle Bereiche

von Wirtschaft und Gesellschaft, die sich

mit hoher Verlässlichkeit in die Zukunft

„verlängern“ lassen. Es handelt sich um

zentrale Treiber des Wandels, vor deren

Hintergrund die Dynamik in Teilbereichen

von Wirtschaft und Gesellschaft verständlich

wird. Sie eignen sich darüber hinaus

gut, um einzuschätzen, welche aktuell beobachtbaren

Einzeltrends – etwa in den

Lebensstilen, in der Arbeitswelt, im Handel

etc. – auch in Zukunft Bestand haben

werden. Als Denk- und Arbeitsinstrument

ist die Megatrend-Map eines der zentralen

Tools des Zukunftsinstituts.

Was hier wie ein komplizierter Fahrplan für

ein U-Bahnnetz aussieht, ist eine Verbildlichung

von Veränderungsprozessen. Sie

schafft einen Rahmen, um die vielen gleichzeitigen

Abläufe in ihrer Komplexität greifbar

zu machen. Sie zeichnet Vernetzungen,

Parallelen und Schnittpunkte nach, an denen

vieles zusammenkommt, um ein besseres,

intuitives Verständnis für Einzelphänomene

und Zusammenhänge zu bekommen.

Sie kann den 360-Grad-Blick gegen blinde

Flecken ermöglichen. Nicht, weil sie den

Anspruch auf Vollständigkeit aktueller

Entwicklungen erhebt, sondern weil sie als

Raster für unterschiedliche Zukunftsfragen

dienen kann. Aus ihr lassen sich auch

Trends ablesen. Wo Trends ihren Ursprung

haben, lässt sich oft kaum eindeutig beantworten.

Vielfach bilden sie sich aus mehreren

ähnlichen und gleichzeitig verlaufenden

Phänomenen heraus, die sich im Laufe der

Zeit gegenseitig verstärken.

Der Megatrend Wissenskultur wirkt immer

noch ungebrochen. Insbesondere das

Zusammenspiel mit dem Megatrend Konnektivität

verändert unser Wissen über

die Welt und die Art und Weise, wie wir mit

Informationen umgehen. Städte sind die

Staaten von morgen und daraus ergibt sich

der Megatrend Urbanisierung. Immer mehr

Menschen leben weltweit in Städten und

machen sie zu den mächtigsten Akteuren

und wichtigsten Problemlösern einer globalisierten

Welt. Individualisierung ist das

zentrale Kulturprinzip der westlichen Welt

und entfaltet seine Wirkungsmacht zunehmend

global. Der komplexe Megatrend hat

in vielen Wohlstandsnationen seinen vorläufigen

Peak erreicht und ist Basis unserer

Gesellschaftsstrukturen geworden. Der Megatrend

Neo-Ökologie reicht mit Bio-Märkten,

EU-Plastikverordnung, Energiewende

in jeden Bereich unseres Alltags hinein. Der

Megatrend Globalisierung mit Handelskriegen,

diplomatischen Krisen, Cyber-Angriffen,

internationalen Konzernmächten wird

heute allzu oft als Problem wahrgenommen.

Megatrend-Map-Web

© Zukunftsinstitut


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Büro

Durch den Megatrend Gender Shift schlägt Innovation

die Tradition, das Geschlecht verliert das Schicksalhafte,

die Zielgruppe an Verbindlichkeit. Der Megatrend

Gesundheit ist ein Synonym für ein gutes

Leben. Als zentrales Lebensziel hat er sich tief in das

Bewusstsein, die Kultur und das Selbstverständnis

von Gesellschaften eingeschrieben und prägt sämtliche

Lebens- und Arbeitsbereiche.

New Work beschreibt als Megatrend einen epochalen

Umbruch, der mit der Sinnfrage beginnt und die

Arbeitswelt von Grund auf umformt. Das Zeitalter

der Kreativökonomie ist angebrochen – und es gilt

Abschied zu nehmen von der rationalen Leistungsgesellschaft.

Der Megatrend Mobilität ist nicht nur

durch einen weiter wachsenden Mobilitätsbedarf gekennzeichnet,

sondern vor allem durch eine zunehmende

Vielfalt an Mobilitätsformen. Rund um den

Globus wird die Bevölkerung älter, die Zahl Älterer

steigt und der Megatrend Silver Society entfaltet

weltweit seine Wirkung. Megatrend Sicherheit entsteht

daraus, dass wir in den sichersten aller Zeiten

leben. Zugleich strebten wir aber noch nie so sehr

nach Sicherheit wie heute.

Viennovation

Mit neuem Büro startet SAP in die Arbeitswelt der

Zukunft, so lautet der Titel einer Presseaussendung

im letzten Monat. In einem Dreivierteljahr wurden

mehr als 8.000 Quadratmeter Bürofläche auf sechs

Stockwerken vom Architekturbüro INNOCAD einem

radikalen Re-Design unterzogen, das auf das Zusammenspiel

zwischen Technologie und Natur setzt.

Logistisch war das sicherlich eine Herausforderung.

Nun wurde das neue Büro mit begrünten Kommunikations-

und Kollaborationszonen, einer Cafeteria

und dem ersten SAP Customer Experience Center in

der CEE-Region feierlich eröffnet.

„Wer seine grauen Zellen anstrengen möchte, sollte

nicht in einer grauen Zelle sitzen“, sagt Trendforscher

Franz Kühmayer über die Konzeption. Der

Trendforscher hat SAP von der Vision und Bedarfsermittlung

über das Change Management bis hin zur

Erfolgsmessung durchgehend begleitet. Gemeinsam

mit dem Architekturbüro wurde daher ein Design

erarbeitet, das sich an den grünen Erholungszonen

vom New Yorker Central Park inspiriert: Man setzt

die Mitarbeiter eben in eine grüne Zelle. Die dicht organisierte

Struktur der 415 Arbeitsplätze entlang der

Außenwände des Gebäudes grenzt in der Mitte an

offene, parkähnliche Erholungs- und Kommunikationszonen

mit mehr als 3.000 Pflanzen. Geschwungene

grüne Gehwege zu lichtdurchfluteten Plätzen und

strategisch platzierte Parkbänke und Wasserbecken

verstärken den Eindruck, „outdoor“ zu sein. In regelmäßigen

Abständen sind Lounges, Kaffeebars und

Besprechungsräume verteilt.


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Büro

Sitzen neu gedacht

Begriffe wie „Arbeitswelt 4.0”, „Co-Working” und „Smart Office“ bestimmen

immer häufiger die Schlagzeilen, wenn es um die Veränderungen in der Bürowelt

geht. Neue Arbeitsplatzkonzepte und Arbeitsmodelle sind gefragt und erfordern

ein Umdenken – von Raumkonzepten bis hin zu neuen Produktlösungen.

Der klassische, fest an einem Arbeitsplatz platzierte Bürodrehstuhl ist für viele

dieser neuen Arbeitswelten nicht mehr optimal geeignet. Junge Menschen in

Co-Working-Spaces und agile Büroarbeiter ohne fest zugewiesene Arbeitsplätze

verlangen einfache, flexible und intelligente Lösungen.

Sedus hat sich dieser Aufgabe gestellt und mit dem

Projekt se:motion das Sitzen neu gedacht. Der neue

Bürodrehstuhl soll sich seinem Nutzer anpassen und

nicht umgekehrt. Alle zeitverschwendenden Einstellungen

entfallen, denn der Stuhl stellt sich automatisch

auf den Nutzer ein. Die intelligente Auslegung

der neuen Kinematik wandelt die Gewichtsbelastung

des Besitzers in den optimalen Anlehndruck der Rückenlehne

um. Der neue Drehstuhl kommt ohne herkömmliche

Mechanik aus, ermöglicht ergonomisches,

agiles Arbeiten und ist auch für jedermann erschwinglich.

Einfacher gesagt: hinsetzen und wohlfühlen!

Die innovative Geometrie des Stuhls ist aber nicht

nur die intelligente technische Lösung, deren Federkraftspeicher

als Kraftumlenker agiert. Sie ist

auch das Designstatement, welches dem Produkt

seine Leichtigkeit verleiht. Der Materialeinsatz ist

deutlich geringer, weil auf eine konventionelle Mechanik

komplett verzichtet werden konnte. Auch

ohne Polsterung sorgt die ergonomische Form für

optimale Unterstützung. Im Sinne der Nachhaltigkeit

sind aber auch die optionalen Polsterbezüge von Rücken

und Sitz konzipiert, denn diese lassen sich im

Handumdrehen austauschen. Somit lässt sich jede

Arbeitsumgebung, ob im Smart- oder Homeoffice,

einfach individuell gestalten und anpassen.

Mit dem legendären Federdreh, dem ersten gefederten

und weltweit patentierten Drehstuhl (1926), dem

ersten Drehstuhl mit Schwenkrollen (1929) und unzähligen

richtungsweisenden Patenten wie der Similarmechanik

(1973) und der Similar- Swing-Mechanik

(2012) setzte der Hersteller Standards, die rund um

den Globus Gültigkeit haben. Im Herbst 2018 brachte

man zur Bürofachmesse Orgatec mit se:motion eine

neue Kinematik auf den Markt, welche die Geschichte

des Bürodrehstuhls fortschreiben wird.

Sedus Stoll GmbH

Showroom Wien

Gumpendorfer Straße 15/9

1060 Wien

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40

Büro

DAS TRIEST setzt wieder Segel

Das Wiener Hotel DAS TRIEST, gestaltet von Sir Terence Conran + Conran & Partners,

präsentiert sich heute als erste Adresse in Sachen Hotel- und Gastrodesign.

Hoch über Wien, mit Blick auf den Stephansdom, wurde in diesem Design Hotel nun

zusätzlich eine außergewöhnliche Eventlocation geschaffen, wobei die dafür verantwortlichen

HD Architekten beim Interior auf Objektmöbel von Selmer setzten.

Mit der SMS Novara gelang die einzige Weltumseglung

der österreichischen Marine. Das Schiff startete

seine Expedition 1857 im Hafen von Triest. Passend

also, dass DAS TRIEST seine Eventlocation hoch über

Wien angelehnt an das Segelschiff SMS Novara entwerfen

ließ. Große Glasflächen interpretieren die Segel

und lassen die Räume in ihrer Gesamtheit luftig wirken.

Für die Ausstattung der neu geschaffenen NOVA-

RA Eventräume suchten die Planer den A-Chair und

ultraleichte Klapptische von Selmer Objekteinrichtungen

GmbH aus.

Selmer GmbH

T +43 (0)6216 20210

info@selmer.at

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Anspruchsvolle Architektur trifft im DAS TRIEST auf

Interior-Design und Top-Lage. Das Interior muss hohen

Erwartungen standhalten sowie das Design in der

Eventlocation unterstreichen. Den A-Chair – die weiße

Kunststoffschale mit dem blau mellierten durchgängigem

Polsterdoppel – konnte man perfekt an

das Design der Seminarräume anpassen. Durch das

durchgängige Polsterdoppel ist der Stuhl bequem und

stylish zugleich. Zudem lässt er sich leicht stapeln und

ist somit hervorragend geeignet für eine Location,

die Raum für die unterschiedlichsten Veranstaltungen

bietet. Der A-Chair wird komplettiert durch die

ultraleichten Klapptische sleight. Einfaches Handling

im Auf- und Abbau, geringe Lagerfläche und eine einnehmende

Optik machen sleight zur Idealbesetzung in

den Räumlichkeiten hoch über Wiens Dächern.


www.architektur-online.com

41

Produkt News

Der Wohlfühlfaktor

beim Arbeiten

Eine Insel der Ruhe inmitten höchster Betriebsamkeit im

Open Space Office, eine informelle Besprechungszone in der

Creative Zone, eine wohltuende Massage in der Lobby, ein

vollausgestatteter Arbeitsplatz im heimischen Wohnzimmer

– der neue Schalensessel Wooom von Klöber kombiniert das

Beste aus Effizienz und Entspannung. Die Sesselvariante mit

Ohren ist mit einem dimmbaren LED-Leselicht mit wählbarer

Farbtemperatur ausgestattet. Das großzügige Schreibtablar

bietet ausreichend Platz für Laptop, Smartphone, Notizbuch

und vieles mehr. Schnelles Aufladen aller gängigen Geräte

gewährleistet der im Sessel eingebaute USB 2-Anschluss. Die

Bedienung aller elektronischen Funktionen geschieht komfortabel

via App. Nie war Arbeiten entspannter. Doch der Sessel

kann noch mehr: Die Sitzheizung sorgt für ein angenehmes

Wohlgefühl. Der Nutzer kann die Temperatur von Sitz und

Rücken selbst regulieren. Für noch mehr Entspannung sorgt

die Drei-Zonen-Massagefunktion: Vier Einstellungen regeln

die Intensität im oberen Rückenbereich, der Rückenmitte und

dem Lendenbereich. Den Schalensessel gibt es in dunkel- und

hellgrauem Formvlies.

Klöber GmbH

dagmar.wien@kloeber.com

www.kloeber.com

STREAM.

RAUM WIRD LICHT.

Deckenlicht ohne Deckenleuchte: Stream ist anders. Der

hochwertige Leuchtenkörper ist Lichtquelle, aber nicht

Mittelpunkt der Lichtwahrnehmung. Die Decke selbst ist

die Reflexionsfläche, auf der sich diffuses Licht entfaltet

und für eine ganz besondere Atmosphäre sorgt. Stream

schafft mit rein indirekter Beleuchtung – garantiert

blendfrei – genug Raumhelligkeit und entspricht dabei

den Normvorgaben für Bürobeleuchtung.

www.regent.ch


architektur FACHMAGAZIN

42

Büro

Aktives Sitzen wird neu definiert

Mit dem PUREis3 läutet Interstuhl ein neues Zeitalter des aktiven Sitzens ein.

Der hochinnovative Drehstuhl unterstützt die Bewegungen des Sitzenden in alle

Richtungen. Diese 360-Grad-Beweglichkeit wird durch eine neue, einzigartige

Materialität erreicht. Die spezielle Zusammensetzung aus Polyamid und Glasfaser

wurde aufwendig entwickelt und erprobt. Das Ergebnis ist dynamisch, agil und

passt sich allen, die auf ihm Platz nehmen, intuitiv an.

Das biomechanische Gutachten der Eidgenössischen

Technischen Hochschule (ETH) Zürich belegt die

volle Beweglichkeit des Drehstuhls und verweist auch

auf seine besondere Elastizität im oberen Bereich

des Rückens. Ein Ergebnis des hochinnovativen Materials,

das in den Forschungslaboren des Herstellers

entwickelt wurde und bei der „Smart-Spring-Technologie“

des Stuhls eingesetzt wird. Die weltweit einzigartige

Zusammensetzung des faserverstärkten

Kunststoffes macht ihn anpassungsfähig, agil, dynamisch

und leicht.

Die positiven Wirkungen des aktiven Sitzens auf

beispielsweise die Wirbelsäule, Bandscheiben und

das Herz-Kreislauf-System sind vielfach belegt. Nun

liefert man eine hochinnovative und zugleich preisgünstige

Lösung gegen die negativen Folgen des

sogenannten „Sedentary Lifestyles“ unserer Zeit.

Statt starr zu sitzen, hält der Stuhl den Sitzenden

in jedem Moment beweglich. Denn er ermöglicht

vollumfängliche Bewegungsfreiheit und fördert so

Haltungs- und Positionswechsel. Dabei stützt er den

Sitzenden trotzdem immer genau im richtigen Maß.

Komplementiert wird die Lösung durch Anleitungen

für leicht umsetzbare Office-Workouts und Aufforderungen

zu Haltungswechseln. Der von Interstuhl und

Garmin entwickelte Sensor S 4.0 kann mittels einer

kleinen Halterung mit einem Handgriff an diesem

Produkt – und auch an vielen anderen Bürostühlen –

angebracht werden.

Jeder, der auf diesem Stuhl Platz nimmt, sitzt von der

ersten Sekunde an spürbar richtig und gut – und das

ohne weitere Einstellungen. Denn auch hier wirkt die

innovative Materialität – die Smart-Spring-Technologie

passt sich dem Sitzenden intuitiv an. So wird er

sofort zum persönlich passenden Stuhl. Und weil das

Material den Verzicht auf eine aufwendige Mechanik

erlaubt, ist der Drehstuhl zugleich überraschend

leicht. So lässt er sich ohne Aufwand dorthin bewegen,

wo er benötigt wird, denn er eignet sich ebenso

für Konferenzräume und spontane Teammeetings

wie für konzentriertes Arbeiten am Schreibtisch.

Interstuhl Büromöbel GmbH & Co. KG

T +43 (0)1 61 64 113

oesterreich@interstuhl.com

www.interstuhl.at


www.architektur-online.com

43

Produkt News

Für mehr Komfort

Zwei von drei ÖsterreicherInnen verbringen

mehr Zeit im Büro als zu Hause.

Nicht verwunderlich, dass der eigene Arbeitsplatz

und die Möglichkeiten, diesen

selbst zu gestalten, eine entscheidende

Rolle für die Arbeitszufriedenheit spielen.

Das belegt eine aktuelle, repräsentative

Studie.

Durchdacht, individuell und detailverliebt

– mit MyMotion, der neuen multifunktionalen

Produktlinie, schafft

Neudoerfler mehr Spielraum für die persönlichen

Bedürfnisse der Menschen im

Büro. Aus bislang ungenutzten Flächen

entsteht zusätzlicher Stauraum und

hilft, den Arbeitsplatz spielerisch einfach

zu organisieren. Variantenreiche

Farbwelten bringen Vitalität und Wohlfühl-Atmosphäre

ins Büro. Ob im Großraumbüro

oder im Home Office – das

neue Möbel schafft viel Platz, ohne zu

viel davon in Anspruch zu nehmen. Als

Raumwunder überrascht auch der neue

kompakte Rollcontainer: Die Front lässt

sich ganz einfach nach vorne kippen,

das Innenleben bietet reichlich Platz für

Tasche, Trinkflasche, Naschereien oder

die praktische Toolbox für Büro-Utensilien.

Diese wandert mit einem Griff vom

Rollcontainer auf den Tisch und wieder

zurück. Mit optionalem Polster wird der

wendige, absperrbare Rollcontainer zudem

zur spontanen Sitzgelegenheit für

Kolleginnen und Kollegen.

Auch die Garderobe der Kollektion

steckt voller durchdachter Funktionen.

Displayfront, Spiegel und Whiteboard

an den Außenseiten machen sie

zum praktischen Schmuckstück für

den Empfangs-, Seminar-, Büro- oder

Kommunikationsbereich. Als echtes Organisationstalent

bringt die Pinnwand

spielerisch einfach Ordnung ins Chaos.

Die Arbeits- und Besprechungstische

bestechen durch ihre gestalterische

Klarheit und sind auf das Wesentliche

reduziert. Gleichzeitig lassen sie die

Wahl: Tischbeine mit Echtholzelementen,

die für mehr Wohnlichkeit im Büro

sorgen, oder durchgängig aus Metall

gefertigt für Puristen. Alle Tischplatten

sind mit runden oder eckigen Konturen

und in drei Basis-Farbtönen erhältlich.

Auch die Schränke überzeugen mit findigen

Details. Auf den Schrankfronten

angebrachte Displaysets – bestehend

aus Metallleisten in Kombination mit

Flexbändern – schaffen attraktiven und

praktischen Zusatzstauraum. Folder,

Magazine oder Notizen lassen sich damit

ideal in Szene setzen.

Neudoerfler Office Systems GmbH

T +43 (0)2622 774 44

bueromoebel@neudoerfler.com

www.neudoerfler.com

MEHR LICHT,

MEHR RAUM,

MEHR RUHE

Mit dem Trennwandsystem

Variflex gestalten Sie Räume

schnell und kom for tabel

genau nach Bedarf. Die Kombination

mit Glas-Elementen

ermöglicht eine Raumteilung

mit maximaler Transparenz und

gleichzeitigem Schallschutz.

T +43 732 600451

office@dorma-hueppe.at

www.dorma-hueppe.at


architektur FACHMAGAZIN

44

Büro

Büro-Kapsel

Eleven high back work ist ein informeller, individueller

Arbeitsraum, der die Ansprüche moderner

Globetrotter erfüllt, indem er sich den unterschiedlichen

Umgebungen anpasst und selbst in den Lounge-Räumen

von Flughäfen und Hotels Privatsphäre

ermöglicht. Das von PearsonLloyd entwickelte Design

kombiniert ein Volumen aus gebogenem Holz

mit einer feststehenden Fläche aus MDF in Furnier

oder lackiert. Die Arbeitsfläche ist mithilfe eines

Griffs von Hand höhenverstellbar.

alias.design/de

Rückzug im Kokon

BuzziSpark, entworfen von Alain Gilles, fördert die

Privatsphäre und Konzentration selbst in offenen

Räumen und schafft einen privaten Besprechungsraum

oder einen alternativen Arbeitsplatz ohne Ablenkung.

BuzziSpark ist mit mittlerem oder hohem

Rücken erhältlich. Während dieser Schall absorbiert,

ermöglichen offene Enden die Art von spontanen Interaktionen,

die ein Gefühl von Gemeinschaft schaffen

und Kreativität fördern. Auch für Überraschungen

sorgt das neue Möbel, denn bis man selbst im

Kokon ist, weiß man nicht, ob sich jemand auf der

anderen Seite befindet.

www.design4architects.com

www.buzzi.space

Struktur im Raum

Skulptural in der Form und architektonisch in der

Ausführung, gliedert Paravan von Arper den Raum

und schafft mit seinen lärmabsorbierenden Paneelen

zugleich Intimität in offenen Räumen. Das Begrenzungselement

ist in zahlreichen Farben und

Oberflächenmaterialien wahlweise mit geraden oder

abgerundeten Ecken erhältlich und harmonisch mit

anderen Kollektionen der Arper-Familie kombinierbar.

Im Zusammenspiel mehrerer Elemente lassen sich

Räume einfach neu strukturieren. Als Zubehör ist außerdem

eine Garderobe oder ein Regal integrierbar.

Der Paravan kommt idealerweise im Lounge-, Coworking-

oder geschäftlichen Bereich zum Einsatz.

www.arper.com


www.architektur-online.com

Vielseitige Raumskulptur

Polstermöbel gelten nicht nur als Sinnbild für Wohlfühlkomfort,

sondern können auch Räume zonieren

und die Akustik verbessern. Auch in den neuen Arbeitswelten

werden vermehrt Polstermöbel eingesetzt,

um einerseits Rückzugszonen zu bilden und

andererseits Austausch und Zusammenarbeit zu fördern.

In Zusammenarbeit mit Designer Wolfgang C.R.

Mezger führt Wilkhahn die klassische Polsterbanktypologie

in ein universell einsetzbares Sitzprogramm,

das die professionellen Anforderungen moderner Arbeitswelten

reflektiert. Mit einer Sitzhöhe von 45 cm

ermöglicht Insit Arbeiten, Kommunizieren und Essen

an normalen Tischhöhen. Die Polsterung ist straff

und ergonomisch ausgebildet und fördert so agiles

und dynamisches Arbeiten. Charakteristisch sind die

als eigene Formkörper ausgebildeten Rückenlehnen

auf den voll umpolsterten Sitzflächen, die über den

eleganten, A-förmigen Fußgestellen zu schweben

scheinen. Die integrative Formensprache macht Insit

als Einzelmöbel zur Raumskulptur.

www.wilkhahn.com/de

45

Produkt News

Innovative und hochflexible Aluminiumprofilsysteme

mit unendlichen Möglichkeiten.

Wir bringen Visionen von Architekten und Lichtdesignern

in nahezu jede denkbare Form.

H-80 Profil | H-140 PROFIL

Dome

Design trifft Licht

LICHT FOLGT FORM - FORM FOLGT ARCHITEKTUR

RIDI Leuchten GmbH, Industriepark Nord, Rudolf-Hausner-Gasse 16, 1220 Wien

Tel.: 01/73 44 210, Fax: 01/73 44 210 5; E-Mail: office@ridi.at, www.ridi.at


architektur FACHMAGAZIN

46

Büro

Vom Arbeitsplatz

zum Workspace

In einem groß angelegten Veränderungsprozess löste die Wiener Wirtschaftskammer

historisch gewachsene Verwaltungs- und Organisationsstrukturen auf

und fasste ihre zehn bisherigen Standorte in einem zentralen „Haus der Wiener

Wirtschaft“ beim Wiener Praterstern zusammen. Ein großer Schritt, mit dem

künftigen Herausforderungen flexibel und ohne Zeitverlust begegnet werden soll.

Entsprechend effizient und schnell erfolgte auch die Realisierung des Großprojekts

innerhalb von nur 14 Monaten.

Im neuen „Haus der Wiener Wirtschaft“

der Wirtschaftskammer Wien wurden auf

22.000 m 2 offene Arbeits- und Kommunikationsbereiche

mit viel Platz für die Beratung

und Servicierung der Mitgliedsbetriebe

geschaffen. Durchdacht, formschön

und mit klarem Design sind die Büroflächen

gestaltet. Gelegenheiten für den Austausch

mit Kollegen und Führungskräften, für

die Arbeit im Team oder fürs konzentrierte

Nachdenken finden sich überall – ob in

den offenen Team-Bereichen, in Konzentrationszonen,

in einer der zahlreichen

Sitzecken oder an den Kaffeetheken der

großzügigen Lounge-Bereiche auf zwei

Ebenen. Pastellfarben, Echtholz-Elemente

und Pflanzen sorgen für eine wohnliche

und gleichzeitig ausgesprochen modern

wirkende Atmosphäre.

Es wurden ausschließlich Arbeitsplätze realisiert,

die ihre Nutzer zu mehr körperlicher

Aktivität stimulieren. Jeder Arbeitsplatz wurde

mit einem elektrisch höhenverstellbaren

Tisch des Büromöbelherstellers Neudoerfler

ausgestattet – dieser bringt im wahrsten

Sinn des Wortes gesunde Bewegung in den

Arbeitsalltag der MitarbeiterInnen.

In modernen Bauten mit schallharten Materialien

wird häufig die Wichtigkeit der

Raumakustik unterschätzt. Nicht so im

„Haus der Wiener Wirtschaft“. Hier wurde

der Einsatz maßgeschneiderter Wandverkleidungen

von vorneherein gezielt in die

Planung miteinbezogen. Man entwickelte

und verbaute ästhetisch sehr ansprechende

Akustikpaneele in charakteristischen

Farben, welche die Raumakustik spürbar

optimieren und einen stilistischen Kontrast

zum weitgehend dezent gehaltenen Mobiliar

setzen. Für diese verarbeitete man Stoffe

von vier Kilometern Länge, was fast exakt

der Strecke der gegenüberliegenden Prater-Hauptallee

entspricht. Darüber hinaus

leisten akustisch wirksame, am Farbkonzept

des Gebäudes ausgerichtete Leuchten

einen zusätzlichen Beitrag zum störungsund

stressfreien Miteinander.

Neudoerfler Office Systems GmbH

T +43 (0)2622 774 44

bueromoebel@neudoerfler.com

www.neudoerfler.com


www.architektur-online.com

Happy and

smart working

Bürotische von hali lassen sich den individuellen

Anforderungen optimal anpassen. Besonders

flexibel wird das Arbeiten dabei mit

dem neuen hali Tischprogramm s 570: Der

Consultertisch mit integrierter Stauraumanbindung

lässt sich in der Höhe zwischen 695

mm bis 1180 mm stufenlos verstellen. Ob lieber

im Stehen oder im Sitzen gearbeitet wird

– die Position der Tischplatte kann jederzeit

auf Knopfdruck, individuell, schnell und einfach

angepasst werden – je nach Anforderung,

Tageszeit oder Lust und Laune. Erhältlich ist

der elektrifizierte Bürotisch mit der eleganten

Bodenplatte von 550 mm Durchmesser, der

schlanken 70 mm Rundsäule und mit Tischgestellen

in den Farben Grau, Schwarz oder Weiß.

Damit sieht der höhenverstellbare Consultertisch

nicht nur gut aus, er ist auch enorm

praktisch, wenn es um abwechslungsreiches

Arbeiten, Face-to-Face-Gespräche und Kommunikation

direkt am Arbeitsplatz geht – einfach

smart für mehr Freude beim Arbeiten.

47

hali gmbh

T +43 (0)7272 3731-0

headoffice@hali.at

www.hali.at

Büro

PURE IS3

READY. SIT. GO!

DREIDIMENSIONALES SITZERLEBNIS FÜR

JEDEN UND JEDE SITUATION. INTERSTUHL.COM/PURE


architektur FACHMAGAZIN

48

architekturszene

Planen in der Krise

– planen für die Zukunft

„Heute kommt es nicht darauf an, die Welt zu interpretieren,

sondern sie zu reparieren.“ – Elke Krasny

Text: Dolores Stuttner

Um den Planeten ist es nicht gut bestellt

– und die Architektur befindet sich in der

Krise. Durch den Menschen verursachte soziale

und ökologische Katastrophen drohen,

die Erde in absehbarer Zeit unbewohnbar

zu machen. Durch die enge Verstrickung

von Architektur und Kapitalismus und damit

verbundene starre Strukturen hat sich in die

Bauplanung Trägheit eingeschlichen – um

ihre Existenz zu sichern, richten sich viele

Planer nach den Wünschen der Wirtschaft.

Mit der Ausstellung „Critical Care“ will das

Architekturzentrum Wien (AZW) aufzeigen,

dass es auch anders geht. Mit welchen Ansätzen

der Urbanismus heute zur Rettung

des Planeten beitragen kann, verdeutlichen

21 Beispiele, die stellvertretend für das 21.

Jahrhundert stehen. Die erfolgreich durchgeführten

Maßnahmen zeigen auf, dass

sich weder Architektur noch Raumplanung

dem Diktat der Ausbeutung unterwerfen

müssen, um lebenswerte Projekte zu realisieren.

Jedes der gezeigten Beispiele widmet

sich der Lösung eines konkreten und

lokalen Problems. Sowohl die Herausforderungen

städtischer Gebiete als auch die

Missstände in ländlichen Regionen werden

hierbei beleuchtet.

„Mit unserer Ausstellung wollen wir nicht

alarmieren, sondern Lösungswege aufzeigen

– es geht darum, einen Gegenpol

zu Katastrophendenken und Lethargie zu

schaffen“, sagt Elke Krasny, die als Kuratorin

„Critical Care“ gemeinsam mit AZW-Direktorin

Angelika Fitz ins Leben gerufen

hat. Mit greifbaren Projekten wollen die

Kuratorinnen deutlich machen, dass Architekten

selbst unter marktwirtschaftlich

herausfordernden Bedingungen, sozial und

ökologisch verträgliche Projekte umsetzen

und so ihrerseits zu Aktivisten werden kön-

nen. Zur anschaulichen Darstellung werden

in jedem der ausgestellten Bauprojekte die

neu bestimmten Beziehungen zwischen Arbeit,

Ökonomie und Ökologie aufgezeigt.

Architektur schafft Zukunft –

Zukunft schafft Architektur

„Die Architektur ist eine Disziplin, die auf

die Zukunft ausgerichtet ist. Paradoxerweise

muss der Planet repariert werden, damit

es überhaupt eine Zukunft und damit die

Architektur geben kann“, erläutert Krasny.

Einer Hauptaufgabe der Planer muss heute

in der Reparatur der Umwelt, aber auch der

damit in Zusammenhang stehenden, sozialen

Komponenten liegen.

Diese Meinung unterstützt auch die Philosophin

Donna Haraway, die das aktuelle,

durch den Kapitalismus entstandene Zeitalter

als Anthropozän betitelt. Dieses ist mit

vereinten Kräften und nicht zuletzt mit der

© Ernesto Robles

Care-Perspektive der Architektur so kurz

wie möglich zu halten. Doch was genau

beschreibt der Begriff „Care“ in der Bauplanung?

Konkret handelt es sich hier um einen

Ansatz, der sich für die Bewahrung von

Landschaften, Kulturen, Fertigkeiten aber

auch baulicher Strukturen einsetzt. Es geht

darum, Projekte in Hinblick auf zukünftige

Generationen und mit möglichst geringer

Ausbeutung vorhandener Ressourcen zu

realisieren – auch die Reparatur von Objekten

oder Bewahrung von Landstrichen fällt

in diesen Bereich. Großen Stellenwert hat

hier eine Zusammenarbeit, die eine Kooperation

möglichst vieler Disziplinen fördert.

„Heute haben wir es mit multiplen Krisen zu

tun. Das ist eine große Herausforderung für

die Architektur und Stadtplanung“, erzählt

Krasny. Zu bewältigen seien diese nur, wenn

Inhalte – und nicht die Form – im Vordergrund

stehen.


www.architektur-online.com

49

architekturszene

© Philippe Ruault © Ana Mello

Sorge tragen trotz Kapitalismus

„Gute“ Architektur ist also nicht nur umwelt-,

sondern auch menschengerecht.

Die meisten Fachkräfte sind sich dessen

bewusst. Die Ziele, welche die Stadt- und

Bauplanung der heutigen Zeit erreichen

will, haben hohe Relevanz – jetzt mehr denn

je. Paradoxerweise sind sie gleichzeitig in

weite Ferne gerückt. Schuld daran ist nicht

zuletzt der symbolische „Tod der modernen

Architektur“ in den 1970er-Jahren. Groß angepriesene

Maßnahmen brachten nicht den

gewünschten Erfolg – dem Abriss einiger

gescheiterter Projekte folgte die Desillusionierung.

Nicht nur die Bevölkerung, sondern

auch Fachkräfte verloren den Glauben

an das Prinzip: „Form folgt Funktion“. Laut

der Architekturkritikerin Krasny resultierte

dies letzten Endes in einer funktionsbefreiten

Bauweise. Als Konsequenz ist die Architektur

ungleich verteilt, wobei Maßnahmen

des Sorgetragens – also das Schaffen einer

lebenswerten und auf sozialen Ausgleich

ausgerichteten Umgebung – viel zu selten

Anwendung finden.

Um den Planeten aus der Krise zu holen,

ist achtsame, kooperative Planung aber

unverzichtbar. Doch wie lässt sich „Sorge

tragende Architektur“ heute umsetzen?

Die Antwort ist nicht etwa in einer großflächigen

Rettungsaktion, sondern vielmehr

in kleinmaßstäblichen Projekten zu finden.

Insbesondere unter den Bedingungen des

Neo-Kapitalismus sind konkrete Maßnahmen

gefragt. Vor der Umsetzung einer

Idee ist stets auf die spezifischen, lokalen

Verhältnisse Rücksicht zu nehmen. Gemäß

Krasny gehe es insbesondere darum, ein

„Miteinander“ zu schaffen. Denn nur durch

Zusammenarbeit, die eine Identifikation von

Problemen und Lösungswegen beinhaltet,

ist es möglich, die kommenden Epochen

zu kultivieren. Es reiche dabei längst nicht

mehr aus, den Urbanismus und die Architektur

unter dem Gesichtspunkt der Nachhaltigkeit

zu betrachten. Vielmehr muss die

Bauplanung heute dazu in der Lage sein,

neben der ökologischen auch soziale Fürsorge

zu betreiben.

Rettung durch Wiederbelebung

Laut der Kuratorin besteht die zentrale

Aufgabe des Planers also darin, Sorge zu

tragen. Doch die Faktoren Geld, Zeit und

Prestige üben heute viel Druck auf die Architekten

aus. Als Konsequenz musste der

Leitsatz „Form folgt Funktion“ vielerorts

den Gesetzen der Marktwirtschaft weichen.

Aus der modernistischen Planung

heraus entwickelte sich der Star-Architekt

und mit ihm eine Bauweise, die pflegebedürftig

und damit alles andere als ressourcenschonend

ausfällt. Doch ist es möglich,

einen Sektor, der schon seit Jahrzehnten

auf Gewinnmaximierung ausgerichtet ist,

zum Umdenken zu bringen? Gemäß Elke

Krasny liege der Schlüssel darin, Architekten

und Urbanisten deutlich zu machen,

dass sie bei der Rettung des Planeten eine

zentrale Rolle spielen. Dies bekräftigt ihrer

Meinung nach die Ausstellung im AZW. Sie

macht deutlich, dass es bereits mit kleinen

Maßnahmen möglich ist, die Bewahrung

der Lebensbedingungen auf der Erde einzuleiten.

Auch neue Strukturen braucht es

hierzu nicht – ein Beispiel aus Spanien zeigt

auf, wie durch die Belebung historischer Bewässerungssysteme

ganze Landstriche vor

dem Austrocknen bewahrt werden können.

Mit den richtigen Maßnahmen lassen sich

auch soziale Spannungen abbauen. Einige

der vorgestellten Projekte verdeutlichen,

wie durch die Realisierung durchmischter

Stadtquartiere in Metropolen wie London,

Wien und Nairobi Vorurteile abgebaut wurden

und sich Segregationstendenzen verhindern

ließen.

„Critical Care“ beweist mit seinen erfolgreichen

Beispielen, dass Planung und Ethik

auch heute nicht im Widerspruch zueinander

stehen müssen. Eine Architektur,

die im Dienste des Planeten steht, schafft

nicht nur Infrastruktur und Lebensräume,

sondern auch soziale Inklusion. Des Weiteren

muss sie den Menschen als materielle

Stütze ihres Handelns dienen. Es geht

darum, Beziehungen zwischen Ökonomie,

Ökologie und Arbeit zu überdenken und

damit die soziale Verantwortung der Architektur

neu zu definieren. Zu sehen ist die

Ausstellung im AZW noch bis Montag, den

9. September 2019.

© Sergio Gómez © Wang Ziling


architektur FACHMAGAZIN

50

architekturszene

© Obias Adam

Damals – heute – morgen

Die Lehre an der Bauhaus-Universität Weimar

1919, vor 100 Jahren, wurde Walter Gropius zum Gründungsdirektor des Staatlichen

Bauhaus Weimar berufen. Für das Fachmagazin architektur unterhielt sich Linda

Pezzei mit Julia Heinemann, akademischer Mitarbeiterin am Lehrstuhl Bauformenlehre

und Doktorandin an der Fakultät Kunst und Gestaltung der Bauhaus-Universität

Weimar, über ihre Sicht auf die Geschichte, Gegenwart und Zukunft der Lehre an

der Bauhaus-Universität Weimar.

Text: Linda Pezzei

Welche Gedanken in Bezug auf die Lehre

haben an der Bauhaus-Universität Weimar

bis heute Bestand?

Ich kann natürlich nicht für die gesamte

Hochschule sprechen, beziehe mich aber

– wie sicherlich meine Kollegen auch – auf

Ansätze von Gropius und überführe diese

in neue Methoden und Lehrkonzepte. Im

Bezug auf seinen Erziehungsplan leitete

Gropius für sich die These ab, dass erfolgreiches

Lernen auf der Basis von objektiven

Tatsachen aufgebaut werden sollte, die uns

allen gleichermaßen zugänglich sind. Das

heißt, es muss erst einmal ein Common

Sense als Basis der gemeinsamen Kommunikation

geschaffen werden.

Ziel sei es, so Gropius, durch eigene Beobachtung

und praktische Versuche zur

Kenntnis einer objektiven Gesetzmäßigkeit

des Ausdrucks zu gelangen.

Die Aufgabe des Erziehers sollte daher

nach Gropius darin bestehen, seinen Schüler

aus dem Zustand intellektueller Ver-

© Bauhaus-Universität

stopfung zu befreien und ihn zu ermutigen,

seinem unterbewussten Empfinden mehr

Raum zugeben.

Meine Rolle als Dozentin und Wissenschaftlerin

an der Bauhaus-Universität Weimar sehe

ich darin, Vermittlungsmethoden und Anschauungsmodelle

zu entwickeln, um genau

diesen Anspruch des eigenständigen Erarbeitens

und Erfahrens von Sinnzusammenhängen

basierend auf substanzieller Sinneswahrnehmung

anzuregen, um daraus resultierend

eine eigene Urteilsfähigkeit zu ermöglichen.

Wie spiegelte sich der viel zitierte Satz von

Gropius bzgl. der Einheit von Kunst und

Technik damals im Lehrangebot wider? Wie

hat er sich bis heute gewandelt und wie soll

er in Zukunft die Lehre beeinflussen?

Damals bezogen sich Kunst und Technik

vornehmlich auf die Möglichkeiten der Industrialisierung.

Das bedeutet, dass bereits

im Vorfeld der Massenproduktion das

Endprodukt soweit durchdacht und künstlerisch

gestaltet ist, dass dieses entsprechend

nachhaltig ist und durch seine gute

Form den Alltag sowohl als Kunst- als auch

als Nutzobjekt bereichert.


www.architektur-online.com

Der Tatsache, dass der heutige Mensch von

Anbeginn an zu sehr der traditionellen Spezialausbildung

ausgeliefert ist, durch die er

lediglich spezialisiertes Wissen erwerben

kann, ihm aber weder Sinn und Zweck seiner

Arbeit, noch seine Beziehung zur Umwelt

begreiflich macht, trat das Bauhaus

dadurch entgegen, dass es zunächst nicht

den Beruf in den Vordergrund der Ausbildung

stellte, sondern den Menschen in seiner

natürlichen Bereitschaft, das Leben als

Ganzes zu verstehen.

Gropius erkannte also bereits damals das

Problem des Unverständnisses für Produktionsprozesse

durch das Separieren in

Teilaspekte. Der Unterschied zwischen Industrie

und Handwerk lag damals wie heute

weniger in der Verschiedenheit der Produktionswerkzeuge

– heute verstärkt durch

den Verlust des körperlich-sinnlichen aufgrund

der Digitalisierung – als vielmehr in

der Arbeitsteilung der Industrie gegenüber

der ungeteilten Kontrolle des gesamten

Arbeitsvorganges im Handwerk. Gropius

erkannte in der zwangsläufigen Beschränkung

persönlicher Initiative die drohende

kulturelle Gefahr der damaligen modernen

Wirtschaftsform. Hinzu kommt heute, dass

die nicht-nachhaltige Produktionsweise

und unser mangelndes Vermögen derartige

Gesamtzusammenhänge zu erfassen,

um nachhaltige Entscheidungen zu treffen,

sogar die Existenz unseres Planeten aufs

Spiel setzen.

Das Hauptanliegen der Bauhäusler war es,

den Menschen auf eine demokratiebasierte

© Nathalie Mohadjer

51

Zukunft vorzubereiten, die vorausschauender

und kluger Köpfe bedarf, die den technischen

Fortschritt zum Wohle aller nutzen

sowie Entwicklungen nachvollziehen, weiterdenken

und darauf sinnvoll reagieren

können. Solch allseitig gebildete Menschen

hervorzubringen, so hoffe ich, wird immer

Ziel der Lehre an der Bauhaus-Universität

Weimar bleiben.

Wie hat sich das Universitätsgebäude

selbst als physischer Ort der Lehre im Laufe

der Jahre gewandelt?

Genau genommen gibt es in Weimar so gut

wie keine Bauhaus-Gebäude. Dreh- und Angelpunkt

ist allerdings, das vom Jugendstil

geprägte van de Veldsche Hauptgebäude,

welches im Zuge des Jubiläums renoviert

wurde. Die historischen Atelier- und Werkstatträume

und die heutigen Seminarräume

architekturszene

im Hauptgebäude mit ihren enormen Deckenhöhen

und den riesigen Fenstern werden

von den Studierenden und Lehrenden

nach wie vor sehr wertgeschätzt.

Läuft man an einem so geschichtsträchtigen

Ort wie der Bauhaus-Universität nicht

unweigerlich Gefahr, zu sehr im Alten zu

verharren, mit neuen Ansätzen das Erbe

vielleicht gar zu verraten?

Um es mit den bekannten Worten zu sagen:

„Tradition ist die Weitergabe des Feuers und

nicht die Anbetung der Asche.” Nur durch

die Nutzung bleibt das Erbe lebendig, Verrat

am Erbe findet dann statt, wenn Räume

aus konservatorischen Gründen verschlossen

bleiben und nur für elitäre Delegationen

oder touristische Zwecke und damit aus

marktwirtschaftlichen Aspekten unterhalten

werden.

© Nathalie Mohadjer


architektur FACHMAGAZIN

52

Bau & Recht

Standort-Entwicklungsgesetz –

öffentliches Interesse im Fokus

In jüngster Vergangenheit ist im Zusammenhang mit der dritten Piste des Flughafen

Wien öffentlich darüber diskutiert worden, ob das Interesse an Umweltschutz – und

damit einhergehend die lange Dauer insbesondere von Umweltverträglichkeitsprüfungen

(UVP-Verfahren) – dem Interesse an einem prosperierenden Wirtschaftsstandort

Österreich vorgehen könne.

Text: Mag. Matthias Nödl, Ing. Mag. Julia Mörzinger

Gemäß dem UVP-Bericht 2018 haben

UVP-Verfahren im Zeitraum 2009 bis 2017

vom Antrag bis zur Entscheidung der

UVP-Behörde durchschnittlich 16,4 Monate

in Anspruch genommen, wobei die Verfahrensdauer

in den letzten Jahren jedoch

eine steigende Tendenz aufweist. Gerade

bei Infrastrukturvorhaben (Schiene, Straße,

Luftfahrt, Energie, etc.), die für den Wirtschaftsstandort

Österreich besonders relevant

sind, ist aber eine überlange Verfahrensdauer

als kritisch zu betrachten.

Die österreichische Bundesregierung hat

sich zum Ziel gesetzt, die Attraktivität des

Wirtschaftsstandortes Österreich durch

standortspezifische Vorhaben und die Beschleunigung

der Verfahren zu fördern. Vor

diesem Hintergrund ist das Bundesgesetz

über die Entwicklung und Weiterentwicklung

des Wirtschaftsstandortes Österreich

(Standort-Entwicklungsgesetz – StEntG)

mit 01.01.2019 in Kraft getreten. Mit diesem

StEntG hat der Gesetzgeber im Wesentlichen

ein neues Verfahren geschaffen, das

einem Projektwerber die Bestätigung der

Republik Österreich verschaffen kann, wonach

sein Projekt im besonderen öffentlichen

Interesse gelegen ist. Dieses neue

Verfahren bzw. die entsprechende Bestätigung

soll Projektwerbern, Investoren und

Betroffenen von standortrelevanten Projekten

rascher Planungs- und Rechtssicherheit

verschaffen und insbesondere die darüber

zu führenden Verfahren beschleunigen.

Entscheidend für die Erlangung einer solchen

Bestätigung ist, ob ein standortrelevantes

Vorhaben und dessen Umsetzung

außerordentlich positive Folgen für den

Wirtschaftsstandort Österreich erwarten

lassen, wobei das StEntG für die Beurtei-

lung der zu erwartenden außerordentlichen

positiven Folgen der standortrelevanten

Vorhaben eine demonstrative Aufzählung

von Kriterien enthält.

Diese Kriterien sind insbesondere

• die für überregionale Kreise der Bevölkerung

relevante oder strategische Bedeutung

des standortrelevanten Vorhabens;

• die direkte oder indirekte Schaffung und

Sicherung von Arbeitsplätzen am österreichischen

Arbeitsmarkt in einem für die jeweilige

Region relevanten Ausmaß;

• ein maßgebliches Investitionsvolumen;

• eine durch das standortrelevante Vorhaben

zu erwartende gesteigerte volkswirtschaftliche

Leistungsfähigkeit.

Die Prüfung des besonderen öffentlichen

Interesses eines potenziell standortrelevanten

Vorhabens erfolgt einzelfallbezogen,

weshalb auch andere als die genannten Kriterien

relevant sein können und daher erheblicher

Interpretationsspielraum besteht.

Entscheidend ist jedoch, dass der Projektwerber

eines potenziell standortrelevanten

Vorhabens die Erteilung einer Bestätigung

des besonderen öffentlichen Interesses der

Republik Österreich nicht beantragen, sondern

nur beim jeweiligen Bundesminister

für Digitalisierung und Wirtschaftsstandort

(BMDW) anregen kann. Der Projektwerber

eines eingereichten Vorhabens hat daher

keinen Rechtsanspruch auf Erledigung seines

Anbringens.

Einer solchen Anregung sind vom Projektwerber

bereits eine Darstellung der

wesentlichen Eckpunkte des Projekts und

eine begründete Stellungnahme anzufügen,

warum das dargestellte Projekt standortrelevant

bzw. im öffentlichen Interesse

gelegen sein soll. Der BMDW kann diese

Anregung sodann aufgreifen und darüber

unter Mitwirkung der fachlich zuständigen

Bundesminister und des Standortentwicklungsbeirats

ein Verfahren durchführen.

Die fachlich zuständigen Bundesminister

haben diesfalls innerhalb von vier Wochen

nach Erhalt der Unterlagen eine Stellungnahme

zu verfassen, ob die Erteilung der

Bestätigung des besonderen öffentlichen

Interesses befürwortet wird oder nicht. Der

Standortentwicklungsbeirat (ein Expertengremium

bestehend aus sechs ehrenamtlichen

Mitgliedern, welche für eine Funktionsdauer

von fünf Jahren bestellt werden)

hat ebenfalls binnen vier Wochen eine Empfehlung

zum Vorhaben abzugeben.

Die endgültige Entscheidung, ob einem potenziell

standortrelevanten Vorhaben die

Bestätigung des besonderen öffentlichen

Interesses der Republik Österreich erteilt

wird, hat im Einvernehmen zwischen dem

BMDW und dem Bundesminister für Verkehr,

Innovation und Technologie (BMVIT)

zu erfolgen. Die Bundesminister haben zumindest

einmal im Kalenderhalbjahr über

die Erteilung oder Nichterteilung solcher

Bestätigungen bei Vorliegen von begründeten

Empfehlungen für standortrelevante

Vorhaben zu entscheiden. Die Entscheidung

wird jedoch nicht in Bescheidform

erteilt, sondern ist durch öffentliche Kundmachung

der Standort-Entwicklung-Vorhaben-Verordnung

zu veröffentlichen. Eine

Verständigung des Projektwerbers erfolgt

nur bei Ablehnung seiner Anregung.

Abgesehen von den vorgenannten Verfahrensbestimmungen

regelt das StEntG Sonderbestimmungen

für Genehmigungsverfahren

von standortrelevanten Vorhaben,


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somit ein an die Bestätigung des besonderen öffentlichen

Interesses der Republik Österreich anknüpfendes

Sonderverfahrensrecht. Dieses soll den Bestimmungen

des allgemeinen Verfahrensrechts (AVG,

VwGVG, etc.) sowie des UVP-Gesetzes vorgehen und

insbesondere eine Verfahrensbeschleunigung bezwecken.

So soll die zuständige Behörde demnach die

Entscheidung über ein standortrelevantes Vorhaben

ohne unnötigen Aufschub, spätestens zwölf Monate

nach Antragstellung treffen. Nach Ablauf dieser Frist

hat die Behörde die Genehmigung zu erteilen, es sei

denn, das Vorhaben ist gemäß § 11 Abs 6 StEntG nicht

genehmigungsfähig. Die Bestimmungen des StEntG

führen daher nicht – wie vielfach fälschlich kritisiert –

zu einem Genehmigungsautomatismus.

Für den Fall, dass die zuständige Behörde über das

Vorhaben nicht binnen zwölf Monaten ab Antragstellung

entscheidet, ist der Projektwerber zudem

zu einer Säumnisbeschwerde an das zuständige Verwaltungsgericht

berechtigt. Das Verwaltungsgericht

hat diesfalls in der Sache selbst zu entscheiden. Ein

Auftrag an die säumige Behörde zur Nachholung der

Entscheidung bei einem bestätigten besonderen öffentlichen

Interesse der Republik Österreich an dem

standortrelevanten Vorhaben ist sohin nicht mehr

möglich, was ebenfalls der Verfahrensbeschleunigung

und Effizienzsteigerung dienen soll.

Darüber hinaus normiert das StEntG eine Verfahrensförderungspflicht

der Parteien, was ebenfalls

zur Beschleunigung der Verfahren beitragen soll.

Genehmigungsverfahren über standortrelevante

Vorhaben, welchen das besondere öffentliche Interesse

bestätigt wurde, sind per Edikt im Amtsblatt zur

Wiener Zeitung und im Internet (auf der Homepage

der jeweiligen Behörde) kundzumachen. Einwendungen

gegen solche Vorhaben können dann schriftlich

binnen 30 Tagen erhoben werden. Bei schuldhaft

verspätetem Vorbringen soll der jeweilige Verfahrensbeteiligte

zum Kostenersatz der zusätzlich entstandenen

Verfahrenskosten verpflichtet werden, um

die Verfahrensparteien zu einem rascheren Tätigwerden

zu veranlassen und eine Verfahrensverzögerung

durch Projektgegner hintanzuhalten.

Die Intention des Gesetzgebers, die Attraktivität des

Wirtschaftsstandortes Österreich durch raschere Behördenentscheidungen

zu fördern, ist aus den Bestimmungen

des StEntG sohin deutlich erkennbar. Ob und

inwieweit sich diese Intention tatsächlich durchsetzt

und das StEntG einen verfahrensbeschleunigenden

Effekt auf die Entscheidungspraxis der Behörden hat,

bleibt jedoch abzuwarten. Ganz generell wäre eine

Beschleunigung behördlicher Entscheidungen auch

über Vorhaben, für die das besondere öffentliche Interesse

der Republik Österreich nicht bestätigt ist,

durch Steigerung der Effizienz der Behördenstrukturen

und der Verfahrensabläufe zu begrüßen.

| BA12-15G |

Bau & Recht

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Gewerke stehen vordefi nierte Softwarebausteine zur Verfügung,

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Modulare

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Bibliotheken


architektur FACHMAGAZIN

54

Architektur zum Lernen

Der Anstoß

Isenberg School of Management Business Innovation Hub / Amherst

BIG-Bjarke Ingels Group, Goody Clancy

Fotos: Max Touhey & Laurian Ghinitoiu

Die BIG-Bjarke Ingels Group in Zusammenarbeit mit

Goody Clancy Architekten als Büro vor Ort haben die

ehemalige, seit 1964 bestehende Isenberg School of

Management mit einem Business Innovation Hub als

Erweiterung versehen. Damit werden die Flächen für

Studenten und Lehrpersonal fast verdoppelt und der

Anbau aus „fallenden“ kupferfarbenen Dominosteinen

ist gleichzeitig eine Landmark für den Campus.


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55

BIG-Bjarke Ingels Group, Goody Clancy


architektur FACHMAGAZIN

56

Architektur zum Lernen

Es ist ein Spiel, allerdings in einem sehr großen Maßstab.

Die BIG-Bjarke Ingels Group, in Zusammenarbeit

mit Goody Clancy Architekten als Büro vor Ort,

hat den Anstoß gegeben und eine Reihe aus Dominosteinen

fällt gerade um. So präsentiert sich der Anbau

des Business Innovation Hub an die University of

Massachusetts in Amherst.

BIG und Goody Clancy hatten 2015 den Auftrag

erhalten, flexible und inspirierende Räume für die

Isenberg-Studenten zu schaffen. 6.500 Quadratmeter

Flächen für ein „hyper-collaborative study“* und

Gemeinschaftsbereiche sind mit dieser Architektur

an die bestehende Struktur einer der Top 30 Wirtschaftsschulen

der USA angefügt worden. Die Erweiterung

(zusammen mit einer teilweisen Renovierung)

verdoppelt fast den verfügbaren Raum, um weiteren

150 Mitarbeitern und 5.000 Studenten ein vernetztes

und innovatives Studieren zu ermöglichen.

Prominent situiert, in der Nähe des Eingangs zum

Campus, begrüßt eine dramatische, dreiecksförmige

Glasfassade mit einem Dominoeffekt. Die Außenhülle

des Gebäudes wird nämlich von vertikalen, geraden,

mit Kupfer verkleideten Säulen gebildet und diese

neigen sich (oder fallen) sanft in Richtung Haupteingang.

Hier bildet die letzte Säule die obere Begrenzung

der großen, gläsernen Eingangsfront. So

entsteht ein gekurvtes Bild, ohne jedoch gebogene

Elemente zu verwenden.

Das Business Innovation Hub ist direkt an die seit

1964 existierende Schule angebaut. Die Erweiterung

schließt an die Nordseite des Baukörpers an,

schwenkt in einem 270-Grad-Bogen nach Osten und

schafft dort wieder eine Verbindung mit der bestehenden

Substanz. Der Bogen vereint Mitarbeiter und

Lehrkörper unter einem Dach, schafft eine neue Eintrittssituation

zugleich mit einer starken, visuellen

Identität für das Isenberg-Management.

Im Zentrum des Bogens entsteht ein offener, begrünter

Hof zur Nutzung für alle Anwesenden. Ein offener

Garten und Steinbänke laden hier zum Sitzen, Nachdenken

und auch zur Entspannung ein. In der Nacht

glüht der Körper von innen und wird so zu einem einladenden

Wahrzeichen für die Schule. Er schafft auch

eine bleibende Identität und Erinnerung für Studenten,

Mitarbeiter und Lehrer.

Aus Gründen der Baugesetze und des Feuerschutzes

ist der Anbau etwas vom ursprünglichen Volumen

abgesetzt und nur durch Brücken mit ihm verbunden.

Das Äußere der Architektur ist mit Kupferpaneelen

verkleidet, zwischen den Säulen liegen Glasflächen.

Die Verwitterung wird dem Metall eine Färbung vom

dunklen Ocker hin zu einer bleibenden Patina verleihen.

Im Bezug auf Langlebigkeit und Nachhaltigkeit

versucht das Projekt auch, die LEED Silber Zertifizierung

zu erreichen.

u


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57

BIG-Bjarke Ingels Group, Goody Clancy


architektur FACHMAGAZIN

58

Architektur zum Lernen

Vom Eingang gelangen die Studenten in die ca. 500

Quadratmeter großen Lernbereiche. Das Tageslicht

dringt hier zwischen den einer Ziehharmonika gleichenden

Zwischenräumen der Fassade ein und belichtet

das mehrgeschossige Atrium. Hier ist das

Herz der Schule mit Lernen, Netzwerken und Essen

angesiedelt und diese hellen und geräumigen Bereiche

dienen auch als Bühne für Gastvorträge, Feste,

Bankette und Abschlussfeiern.

Jeder der Räume in den Obergeschossen wird entweder

von außen oder vom zentralen Hof her, natürlich

belichtet. Im ganzen Business Innovation Hub sind

alle Räume auf Interaktion und Teamwork gerichtet.

Polstersessel schmücken die Gänge, Sitzbänke gibt

es auf der großen Stiege und die Bestuhlung der

Klassenzimmer kann jederzeit und leicht für Vorträge

oder kleine Gruppenarbeiten umgestellt werden.

Auf der zweiten und dritten Ebene befinden sich die

Forschungslabors, Unterrichtsräume und die Verwaltung.

Um die Karriere der Studenten zu fördern,

ist jeder Klassenraum auch mit einer Technologie

für „externes Lernen“ ausgestattet. Neue Lehr- und

Lernmöglichkeiten beinhalten zwei „hybride“ Klassenräume,

einen Raum für finanzielle Analysen und

einen Bereich für Börsensimulationen, 15 Interviewräume,

zahlreiche Konferenzräume, Pausenbereiche

etc. sind auch in dem Bogen untergebracht.

Der Innenhof verbindet sich über zwei Ausgänge

wieder mit dem Campus, sie führen unter den Verbindungsbrücken

hindurch. Die größere der Brücken ist

auch mit Kupfer verkleidet und bildet die Hauptverbindung

zum ursprünglichen Gebäude und auch den

Eingang in den Hof von außen, die kleinere – nur mit

Glas geschützt – sorgt für eine optische Kontinuität

in der Rundung des Innenhofes.

(rp)

Überall sind Sitzgelegenheiten

und Orte für

Kommunikation – so wird

ein „hyper-collaborative

study“ ermöglicht.


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BIG-Bjarke Ingels Group, Goody Clancy

3

5

4

5 6

4

1

2

1

3

2

7

6

3

5

4

5 6

4

1

2

1

3

2

7

6

SECTION THROUGH ATRIUM

1_ Learning Commons

2_ 3-Stories Atrium

3_ Sloped Facade

4_ Interior Glazing Facade

5_ North Bridge

6_ Existing ISOM

N

5’ 10’ 20’ 40’

NORTH - SOUTH SECTION

1_ Courtyard

2_ Student Gathering Nook

3_ Tranding Classroom

4_ Grand Stairs

5_ Boardroom

6_ Ecc Center

7_ Egress Stairs

N

5’ 10’ 20’ 40’

SECTION THROUGH ATRIUM

5’ 10’ 20’ 40’

NORTH - SOUTH SECTION

5’ 10’ 20’ 40’

1_ Learning Commons

2_ 3-Stories Atrium

3_ Sloped Facade

4_ Interior Glazing Facade

5_ North Bridge

6_ Existing ISOM

N

1_ Courtyard

2_ Student Gathering Nook

3_ Tranding Classroom

4_ Grand Stairs

5_ Boardroom

6_ Ecc Center

7_ Egress Stairs

N

2

4

4

2

5

1

1

3

6

3

7

4

5

8

5

6

1

GROUND LEVEL PLAN

1_ Learning Commons

2_ Student Gathering Nooks

3_ Trading Room

4_ Tiered Classroom

5_ Food Service

6_ Ecc center

7_ Courtyard

8_ Existing ISOM

N

5’ 10’ 20’ 40’

3RD LEVEL PLAN

1_ Dean’s Suite Reception

2_ Dean’s Suite

3_ Dean’s Office

4_ Boardroom

5_ Bridge to Existing ISOM

6_ Existing ISOM

N

5’ 10’ 20’ 40’

Isenberg School of Management Business Innovation Hub

Amherst, Massachusetts, USA

Bauherr:

Planung:

Mitarbeiter:

Statik:

Bebaute Fläche: 6.500 m 2

Planungsbeginn: 2015

Fertigstellung: 2019

University of Massachusetts Building Authority

BIG-Bjarke Ingels Group,

Ausführendes Architekturbüro: Goody Clancy

Richmond So Engineers, BIG IDEAS, Nitsch, VAV,

Towers Golde, Haley & Aldrich, Acentech, HLB,

SGH, PEER, WIL-SPEC, VGA, Lerch Bates,

LN Consulting, Mohar Designs

Arup

*Der Begriff „hyper-collaborative study“ basiert auf

dem grundsätzlichen Gedanken eines innovativen

Ökosystems. Nicht Einzelgesellschaften werden

die notwendigen Lösungen, auf die die Welt wartet,

erarbeiten, sondern man ist dazu aufgefordert,

Ökosysteme als das, was sie sind, wahrzunehmen:

Keine Einkaufsläden voller Möglichkeiten zur Selbstbedienung,

sondern Kampfgebiete, in denen Gesellschaften

um die besten Partner ringen, um mit diesen

Netzwerke und Technologien zu entwickeln und

einen Mehrwert zu generieren. Das bedeutet auch,

dass – bis das Gegenteil bewiesen ist – immer schon

irgendwo, irgendwer die beste Lösung gefunden hat,

aber wahrscheinlich befindet sich die Person nicht in

der Firma, in der man gerade arbeitet.


architektur FACHMAGAZIN

60

Architektur zum Lernen


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61

Labics

Vom Gedanken

der Gemeinschaft

Jacarandà / Mailand / Labics

Fotos: Marco Cappelletti, Delfino Sisto Legnani

Ringsum ragen die Mailänder Wohnbauten anonym

in den Himmel. Dazwischen, fast schwebend, leuchtet

hell und transparent ein anmutiger Baukörper.

Was von dem Industrieobjekt aus den 1950er Jahren

geblieben ist, ist die solide Stahlbetonkonstruktion

mit den anmutigen Bögen, die ein halbrundes Dach

ausbilden. Viel Glas, Grün und kräftige Farbakzente

haben das bis vor kurzem verlassene Gebäude

in einen fröhlichen Ort der Begegnung verwandelt.

Für das Architektenteam des Studio Labics bot die

ehemalige Parkgarage die perfekten Voraussetzungen

für ihr Konzept eines Kindergartens und offenen

Nachbarschaftszentrums.

Das Ziel der Architekten und der Forschungsinstitution

für Kindererziehung „Reggio Children“ war von

Beginn an klar, einen Raum von hoher pädagogischer

Qualität zu schaffen. Die Idee der Gemeinschaft, des

Teilens und der Teilnahme korrespondieren dabei

bestens mit den bestehenden, lichtdurchfluteten und

offenen Strukturen der Industriearchitektur. Symbolisches

Herz ist ein überhöht ausgebildetes Atrium,

das als Knotenpunkt aller horizontalen wie vertikalen

Erschließungswege und Blickbezüge fungiert. Agora

getauft, unterstreichen die Architekten in Anlehnung

an den zentralen Fest- und Versammlungsplatz im

antiken Griechenland, wortgewandt die Intention ihrer

Raumgestaltung.

u

Dass eine verlassene

Parkgarage aus den 50er

Jahren den perfekten

Rahmen für ein ambitioniertes

Kindergartenprojekt

bieten kann, hat

das Team von Labics

unlängst mit dem Projekt

Jacarandà bewiesen.

Viel Tageslicht, offene

Raumstrukturen und ein

feinfühliges pädagogisches

Konzept sorgen für

ein echtes Gemeinschaftserlebnis

und jede Menge

Interaktion und Kommunikation

zwischen Groß

und Klein.


architektur FACHMAGAZIN

62

Architektur zum Lernen

Mit viel Fingerspitzengefühl ist es den Architekten

gelungen, den Kindern und Erziehern nicht nur eine

Hülle zum Spielen und Lernen zur Verfügung zu stellen,

sondern vielmehr eine lose Struktur mit öffentlichen

und geschützten Bereichen, die Begegnungen

fördern, aber auch fordern. Neugier und Interaktion

sollen bewusst provoziert werden. Es geht dabei um

die Kommunikation und den Austausch unter den

Kindern selbst wie auch mit den Erziehern. Das Projekt

basiert auf der Überzeugung, dass Raum sowohl

materiell als auch entmaterialisiert, beispielsweise

in Form von zwischenmenschlichen Beziehungen,

aufgespannt und wahrgenommen werden kann. Die

Kinder im Alter von sechs Monaten bis sechs Jahren

lernen somit von klein auf die Bedeutung und die

positiven Aspekte einer funktionierenden Gemeinschaft

und Gesellschaft kennen.

Die Möbel wirken in

ihren runden, organischen

Formen als stimmige

Ergänzung der architektonischen

Raumgestalt.

Durch Löcher in den

Tischen wachsen nicht nur

die Kabel, sondern auch

unterschiedliche grüne

Pflanzen nach oben auf die

Spiel- und Bastelflächen.


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63

Labics

Gemeinschaft bedeutet Schutz und Sicherheit. Die

gebogene und runde Formensprache, die sich konsequent

von der Konstruktion über die baulichen

Details bis hin zu den Einbauten und Möbeln zieht,

vermittelt ein Gefühl der Geborgenheit und des Urvertrauens.

Die höhlenartige Dachkonstruktion wirkt

dabei nicht schwer und erdrückend, sondern transparent

und leicht, bietet Schutz, lässt aber gleichzeitig

Freiraum zum Wachsen und Lernen. Diese kleine

Gemeinschaft stellt sozusagen einen Mikrokosmos

inmitten der sie umgebenden Stadtstruktur dar. Dabei

geht es nicht um Abgrenzung, sondern - ganz im

Gegenteil - um Offenheit, Transparenz und den Austausch

mit der Umgebung. Um Teilen und Teilhabe

für alle. Labics symbolisieren dies durch den nahezu

verschwenderisch anmutenden Einsatz von Glasflächen,

die das Licht und die Natur von außen nach

innen holen, gleichzeitig aber auch eine Kommunikation

mit der Nachbarschaft ermöglichen.

Die Materialien wie Kunstharzböden, verputzte Wände,

großflächige Aluminiumfenster und die offene

Stahlkonstruktion sprechen eine ehrliche und zurückhaltende

Sprache. Im Gegensatz dazu stehen

die in Zusammenarbeit mit Play+ entworfenen farbenfrohen

Möbel, die zum Benutzen und Angreifen

animieren. Dazwischen finden sich immer wieder

Grünpflanzen, welche die Regale und Böden bevölkern

oder sogar in die Tischmöbel integriert sind. u


architektur FACHMAGAZIN

Während sich in der Erdgeschossebene die Ateliers

und Begegnungszonen befinden, wurden die Gruppenräume

sozusagen eine Etage höher verlegt. Um

das Gefühl der Weitläufigkeit und der Auflösung

räumlicher Grenzen zu bewahren, haben die Architekten

eine weitere Ebene in Form von drei Hängebrücken

mittels Zugankern in den Raster der

Stahlbogenkonstruktion der Kuppel eingefügt. Vollflächige

Glasfenster ermöglichen eine optimale Belichtung

sowie vielfältige Blickbeziehungen. Von den

oberen Räumen gelangen die Kinder direkt auf eine

Dachterrasse, die auf über 600 Quadratmetern einen

natürlichen Outdoor-Spielplatz mit mobilen Möbeln,

ein kleines Theater sowie einen pädagogischen Garten

für die kleinen Entdecker bereithält.

An zwei Stellen strecken sich wie aus dem Nichts

die grünen Zweige eines Baumes verwegen durch

Löcher in der Bodenplatte der Sonne entgegen. Jacarandà

heißt dieser argentinische Laubbaum, Namensgeber

für das Projekt, dessen Initiatoren aus

dem südamerikanischen Land stammen.

Die Wurzeln dieser beiden Bäume lassen sich treffenderweise

im Fundament, also dem Untergeschoss

des Bauwerks finden, wo neben dem Kindergarten

in nur 17 Monaten Bau- und Planungszeit ein öffentliches

Schwimmbad eingeplant wurde. Wo früher

Autos parkten, befinden sich heute drei Becken, die

separat zugänglich sind. Dieses kann auch von den

Kindern verwendet werden und bietet somit einen

weiteren Kontaktpunkt zur Nachbarschaft.

Jacarandà symbolisiert dabei nicht nur die physische

Verbindung der verschiedenen Raumstrukturen

und Lebenswelten, der Baum selbst steht mit seinen

prächtigen Blüten für das Leben und die Entwicklung.

So langsam aber stetig, wie diese Baumart wächst, so

sollen auch die Kinder sich in ihrem Tempo mit viel

Selbstvertrauen entfalten, nach den Sternen greifen

dürfen und dabei mit beiden Beinen fest und sicher

auf dem Boden stehen.

64

Mit diesem Projekt ist es dem Architektenteam von

Labics gelungen, mitten im Herzen Mailands einen

Ort der Transzendenz zu schaffen. Luftig, leicht,

lichtdurchflutet. Einen Ort zum Spielen, Staunen und

Entdecken, an dem sich Natur und Stadt verschränken,

innen und außen beinahe nahtlos ineinander

übergehen, öffentliche und private Bereiche zu Treffpunkten

der Kommunikation und Interaktion verschmelzen.

Ein Ort der sozialen Gemeinschaft. (lp)

Architektur zum Lernen

Der industrielle Charakter

der ehemaligen Werkstatt

und Garage im Untergeschoss

wurde beim Umbau

zu einem Schwimmbad

erhalten. Über einen

separaten Zugang sind

die Pools unabhängig

vom Kindergarten für

jedermann zugänglich.


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Labics

0 2 6 m

179.AGS sezione trasversale 1.200 A3

OG

pianta p+1 1.200 A3

0 2 6 m

179.AGS sezione longitudinale 1.200 A3

EG

0 2 6 m

179.AGS pianta pt 1.200 A3

pianta pt 1.200 A3

UG

Jacarandà

Mailand, Italien

0 2 6 m

179.AGS pianta p-1 1.200 A3

Bauherr:

Planung:

Projektleitung:

Statik:

Scuola Innovativa Srl

Studio Labics, Maria Claudia Clemente, Francesco Isidori

Sara Sosio

Studio Speri

Grundstücksfläche: 2.000 m 2

Planungsbeginn: 05/2017

Bauzeit: 10/2017 - 09/2018

Fertigstellung: 09/2018


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66

Architektur zum Lernen

Die Bücherkiste

Community Library in La Molina / Lima / Oscar Gonzalez Moix

Fotos: Ramiro Del Carpio

Einen ganz einfachen Köper hat Architekt Oscar

Gonzalez Moix für die öffentliche Bibliothek in

Lima gewählt. Jedoch antwortet das Projekt auf

alle Bedürfnisse der Nachbarschaft und lässt die

Umgebung ins Innere eindringen. Eine Bücherkiste

für alle!


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Oscar Gonzalez Moix

Das Projekt der „Plaza Biblioteca Sur“ befolgt alle

veröffentlichten Richtlinien der Stadtverwaltung zur

Erhöhung von Lebensqualität und Gemeinschaft, die

besagen, dass diese Werte durch Erziehung, Freizeit

und Kultur angestrebt werden sollen. Eine interessante

Voraussetzung und deshalb geht der Entstehung

dieser Architektur auch ein acht Jahre dauernder

Prozess des Managements und eines Wechsels

verschiedener Bürgermeister voraus – ohne jedoch

jemals den Geist der Kontinuität verloren oder der

Politik eine zu große Wichtigkeit gegeben zu haben.

Der Entwurf zu dieser öffentlichen Bibliothek stammt

von Architekt Oscar Gonzalez Moix.

Entstanden ist der Bau aus der Auseinandersetzung

mit den verschiedensten Nachbarschaften und der

Verwaltung, so vervollkommnete sich sein Programm

durch eine ständige Anpassung an die Notwendigkeiten

und Wünsche. Sogar jetzt, nachdem die Bibliothek

bereits im Vollbetrieb steht, ist man immer

noch auf der Suche nach weiteren Bedürfnissen der

Anwohner. Die Bevölkerung ist begeistert und wild

darauf, an den verschiedensten Aktivitäten teilzunehmen,

um so eine Koexistenz zu zelebrieren: Es ist

ein ständiger Prozess des Lernens und der dynamischen

Erweiterung und Erfahrung. Gelernt wird und

wurde also nicht nur in der Bibliothek, sondern auch

im Entstehungs- und Meinungsbildungsprozess.

In den Wohngebieten der Stadt Lima ist es ein allgemeiner

Brauch, einen bestimmten Prozentsatz der

öffentlichen Flächen erzieherischen und kulturellen

Belangen zu widmen. So wie in diesem Fall auch, sind

diese Flächen oft ungenutzt, aber immer in der Nähe

der Wohnblöcke. Deshalb hat man dieses Projekt in

die Nähe eines Parks – die Bevölkerung nennt ihn

Lunge des Häuserblocks – platziert. Die Nachbarschaft

ist hier sehr dicht, bestehend aus den typischen

offiziellen und inoffiziellen Erweiterungen und

Bauten mit den unterschiedlichsten Werten und Gemeinschaftskulturen.

u


architektur FACHMAGAZIN

68

Architektur zum Lernen


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Oscar Gonzalez Moix

Der Baukörper liegt parallel zum Park, in Verbindung

zu zwei angrenzenden Schulbauten, umrundet von

diversen Wohnbauten und alle zusammen mit dem

Park als Zentrum. Die Architekten entschlossen sich

zu einem streng formalen, einfachen Körper mit einer

simplen architektonischen Präsenz, konzeptuell

geschlossen und würdevoll. Eine zeitlose Architektur,

die als soziale Referenz für die Gemeinschaft wirken

sollte. Eine weitere Charakteristik ist, dass Autos auf

einem Parkplatz bleiben und der Park, die Bibliothek

und die Umgebung als eine Fußgängerzone genutzt

werden – eine neue Erfahrung in der Stadt Lima.

Durch die Orientierung entlang der Grünzone erzielten

die Planer die bestmögliche Belichtung für den

Bau, aber auch eine entsprechend angenehme Aussicht.

Die Längsfassaden bestehen aus einer Reihe

von Betonsäulen, die mit dem modularen Raster der

Innenräume korrespondieren. Dieser entwickelt sich

aus der Größe der Tische im Lesesaal. So wird als äußeres

Bild ein zeitloser Rhythmus von Leere und Geschlossenheit

kreiert. Dieses Image entspricht auch

der Reihung von in den Regalen stehenden Büchern,

und wenn zwei von ihnen aneinander gelehnt sind,

weil das mittlere fehlt – wird die Ordnung gebrochen.

In der Ansicht öffnet sich in diesem Fall der Eingang

in die Bibliothek. Die beiden Längsfassaden sind miteinander

durch die Betonträger vernäht, gleichsam

zusammengeheftet. Dadurch entsteht auch ein flexibler

und offener Innenraum. Zwei „Holzkisten“ aus

furniertem, einheimischen Holz bilden jeweils den

Abschluss des lang gezogenen Körpers und wirken

als warm getönte Schmalfassaden.

u

Viel Holz und ganz sparsam

verwendete andere

Materialien prägen die

Atmosphäre der Innenräume.


architektur FACHMAGAZIN

70

Architektur zum Lernen

Das Innere antwortet nun erfolgreich auf diese Struktur

der Fassaden. Es benutzt das eintretende Licht

wie eine rohe Materie und generiert daraus die unterschiedlichsten

Wahrnehmungen im Tagesverlauf.

Architekt Moix versuchte die Innengestaltung von

der Tätigkeit des Lesens an einem Tisch aus zu entwickeln.

So kann der Umraum von beiden Seiten in

das Innere transitieren und vice versa. Der Außenraum

wird von zwei Realitäten bestimmt: auf der

einen Seite die pazifische Natur des Parkes und auf

der anderen Seite die Wohngebäude mit ihren lokalen

Identitäten.

Die Überlappung und Verbindung dieser beiden Realitäten

hat auch Auswirkungen auf den Innenraum.

Die Farbigkeit und Materialität ist sehr bescheiden

und zurückhaltend. Betonflächen in Sichtqualität,

weiße Metallteile und ganz wenig Holz bringen eine

ruhige, kontemplative Atmosphäre mit sich. Im Außenraum

versucht eine umlaufende, in einem zarten

Pinkton gehaltene Umfassungsmauer, die Schwere

des Baukörpers zu mildern, ihn am Ort zu verankern

und ihn quasi auf einen Sockel zu setzen. (rp)


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Oscar Gonzalez Moix

Erdgeschoss

Community Library in La Molina

Lima, Peru

Bauherr:

Planung:

Municipality of La Molina

Oscar Gonzalez Moix

Grundstücksfläche: 1.300 m 2

Planungsbeginn: 2010 - 2016

Bauzeit: 2016

Fertigstellung: 2017


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Architektur zum Lernen

Den 33.000 m 2 umfassenden Komplex des Exploratorium

haben Bernard Tschumi Architects in Tianjin

entworfen. Der mit rötlichen, perforierten Aluminiumpaneelen

verkleidete Bau fügt sich wie ein exotischer

Dominostein in eine großflächige Bebauung aus

weiteren Teilen des Tianjin Binhai New Area Culture

Centers ein. Da das Museum zwar fertig, aber noch

nicht eröffnet ist, darf man gespannt sein: Denn China

ist berüchtigt dafür, astronomisch teure Kultureinrichtungen

zu bauen, die nur selten ihrer Bestimmung

entsprechend genutzt werden.

Ein gigantischer

Raketenstadl

Binhai Science Museum / Tianjin / Bernard Tschumi Architects

Fotos: Kris Provoost


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Bernard Tschumi Architects

Als in den 80er Jahren einige der „jungen wilden“

Architekten gegen den Formalismus der Postmoderne

zu protestieren begannen, war Bernard Tschumi

einer von ihnen. Sie (Peter Eisenman, Frank Gehry,

Zaha Hadid, Rem Koolhaas, Daniel Libeskind, etc.)

machten sich einen Namen, als sie – inspiriert von

Jacques Derridas poststrukturalistischer Philosophie

und dem sowjetischen Konstruktivismus – die

Zerschlagung traditioneller architektonischer Formen

begannen. Über die Fachkreise hinaus wurden

sie als Dekonstruktivisten bekannt. Eine Ausstellung,

die von Philip Johnson und Marc Wigley im Sommer

1988 im New Yorker Museum of Modern Art kuratiert

wurde, machte diese neue architektonische Richtung

mit einem Schlag bekannt und salonfähig.

Bernard Tschumi (*1944) hatte damals bereits einen

großen Erfolg, den Gewinn des Wettbewerbes für

den Parc de la Villette aufzuweisen. Bei diesem Projekt

verteilte er 26 sogenannte „Folies“ (Verrücktheiten)

als rote, architektonische Objekte in einem

Raster über den Park. Verbunden waren sie durch

eine Serie von Übergängen, Brücken, Treppen und

anderen Wegführungen. Es war eine Architektur der

„Theorie und der Bewegtheit“, nicht der Bilder und

Fassaden, und somit ein Ergebnis seiner theoretischen

Forschungen in den Jahren nach der Beendigung

seines Studiums.

u


architektur FACHMAGAZIN

74

Architektur zum Lernen

Einen ziemlichen Kontrast

bildet der, wie eine Skulptur

geformte, kupferfarbene

Körper mit der

technoiden Umgebung.

Von 2013 bis 2014 arbeiteten Bernard Tschumi Architects

am Entwurf des Binhai Science Museum

in Tianjin, China, zusammen mit dem Tianjin Urban

Planning and Design Institute (TUPDI). Dieses Museum

mit dem etwas sperrigen Namen „The Modern

City and Industrial Exploratorium of Tianjin Binhai

New Area Culture Center“ soll Ende 2019 eröffnet

werden und ist bereits jetzt fertiggestellt. Auf 33.000

Quadratmetern werden hier Werke der industriellen

Vergangenheit der Region durch eine großformatige

zeitgenössische Technologie sowie spektakuläre

Schauobjekte aus der Weltraumfahrt und -forschung

ausgestellt. Die Architektur ist ein Teil des Kulturzentrums

der Region Binhai und enthält neben Ausstellungs-

und Kulturbereichen auch Galerien, Büros,

Restaurants und Verkaufslokale.

Tschumi hat sich bei diesem Projekt endgültig vom

Dekonstruktivismus zu einem Pragmatismus weiter

entwickelt. Allerdings nimmt er gewisse, in seinen

Theorien erarbeitete, Kriterien weiter mit. Das Exploratorium

ist eine Verbindung aus der vielschichtigen,

industriellen Geschichte der Gegend, der Industrieproduktion

im großen Maßstab und der Forschung.

In Tianjin errichtete er einen rechteckigen Kubus, der

von mehreren konischen Volumina durchdrungen

wird. Diese sind teilweise an der Fassade sichtbar

– konvex oder konkav, teilweise ragen sie über die

Dach ebene hinaus. Der zentrale Hauptkegelstumpf,

von oben belichtet, verbindet alle drei Ebenen miteinander.

Eine spiralförmig angelegte Rampe führt an

seiner Hüllform entlang (ganz wie im Konzept vom

Parc de la Villette), ermöglicht ständig neue Ein- und

Ausblicke und verbindet unterschiedlichste Bereiche

wie in einer modernen, vertikalen Stadt. Dieser Kegel

hat die doppelte Höhe des Innenraums des Guggenheimmuseums

in New York. Gleichzeitig ist diese

Schaustellung eine Interpretation einer alten Industrietypologie.

Das Dach des Gebäudes ist als Promenade

für die Besucher zugänglich und bietet tolle

Aussichten über die umgebende Stadtlandschaft.


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Bernard Tschumi Architects

Das Zentrum des Ausstellungskomplexes ist die zentrale

Lobby auf der Erdgeschossebene des größten

Kegels, sie bietet Zugang zu allen öffentlichen Bereichen

des Baus. Der riesige Konus verbindet alle

rundherum liegenden Zonen und erlaubt es den Besuchern,

sich spiralförmig durch die riesigen Ausstellungshallen

von einem Ende zum anderen zu bewegen.

Große Bullaugen und Oberlichten sichern die

Belichtung der Innenräume und geben jedem Raum

seinen eigenen, individuellen Charakter. Mehrere dreigeschossige

Lufträume definieren die Hauptrichtungen

des Besucherstromes und die Konfiguration der

Lichterkuppeln und der Fensteröffnungen vermitteln

ein eher außerirdisches „feeling“ im Inneren. u


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Architektur zum Lernen

Eine perforierte, rötliche Aluminiumfassade vereinheitlicht

das Erscheinungsbild des Komplexes. Sie gibt

ihm ein unverwechselbares Bild und trotz der Größe

der Architektur wirkt der Körper noch fassbar. Allerdings

nur optisch, denn im Vergleich mit der Größe

eines Menschen treten die Mächtigkeit und der Repräsentationsanspruch

dieser Architektur klar zutage.

Die in unregelmäßigen Abständen an der Hülle verteilten

Bullaugen belichten die Innenräume, zusammen

mit den Oberlichten reduzieren sie den Bedarf

an elektrischem Licht in den Ausstellungsräumen. Die

Kegelformen der Räume sammeln auch, wie bei einem

Kamin, die warme Luft und führen sie nach oben ab.

Sie wird entweder im Sommer nach außen geleitet,

oder im Winter wieder in die Galerien eingeblasen. Von

unten kann ständig kühlere Luft nachströmen und die

perforierten Fassadenpaneele tragen ebenfalls dazu

bei, den Hitzeeintrag zu reduzieren und damit die Kosten

für die Klimatisierung zu senken.

Was man auf den „schönen“ Architekturfotos allerdings

nicht sieht (oder was nicht gezeigt wird), ist

die Einbettung dieser Architektur in eine kastenförmige,

gleichhohe, uniforme, an ein Hochregallager erinnernde

Bebauung, die wahrscheinlich die weiteren

Teile des Kulturzentrums der Tianjin Binhai New Area

enthält. Wie ein exotischer Dominostein liegt das Exploratorium

direkt angebaut an diesen Kasten. Dieser

Masterplan für das Binhai Cultural Center wurde übrigens

vom deutschen Büro Gerkan, Marg und Partner

(GMP) entwickelt und ist das typische Beispiel eines

europäischen Architekturexportes ohne Berücksichtigung

jeglichen kulturellen Kontextes. (rp)

Lange Rampen erschließen

die konischen Körper

und bieten gute Ein- und

Überblicke über die

angrenzenden Räumlichkeiten.


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Bernard Tschumi Architects

Binhai Science Museum

Tianjin, China

Bauherr:

Planung:

Statik:

Tianjin Binhai Municipality

Bernard Tschumi Architects

Tianjin Urban Planning and Design Institute (TUPDI)

Bebaute Fläche: 6.900 m 2

Nutzfläche: 33.000 m 2

Planungsbeginn: 2013

Bauzeit: 2015 bis 2018

Fertigstellung: 2019


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Architektur zum Lernen

Lernen und Wissen

in einer Kirche

Library, Museum, Community Centre „De Petrus“ / Vught / Büro Kade

Fotos: Stijn Poelstra

Bibliotheken sind Orte des Lernens und als solche

werden sie auch im postdigitalen Zeitalter noch gefragt

sein. Ihr gesellschaftlicher Wert ist und bleibt

unbestritten. Das beweisen auch immer neue, durchaus

manchmal auch provozierende Beispiele in der

Architektur.

Die Geschichte

In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts wuchs das

Selbstbewusstsein der Katholiken in den Niederlanden

stark an. Die Zeit der kleinen Scheunenkirchen

war mit diesem Erstarken endgültig vorbei. Um 1880

war der Bau der großen Kirche „De Petrus“ in einer

kleinen Landstadt wie Vught das Resultat von zwei

Jahrhunderten der Unterdrückung und dem Wunsch

der Katholiken, einen Schritt nach vorne zu tun. Sie

wurde um 1884 vom deutschen Architekten Carl Weber

in einem neoromanischen Stil entworfen. Es war

ein Schlüsselwerk dieses Architekten – ein kreuzförmiger

Grundriss mit Mittel- und Querschiff. Die Malereien

in ihrem Inneren stammten von dem lokalen

Künstler Charles Grips. In den 60er Jahren begann

der Zug der Säkularisierung in Holland und um 2000

wurde die Kirche bereits nicht mehr genutzt. 2001

erhielt sie den Status eines Kulturdenkmals, hauptsächlich

aufgrund ihrer prominenten Lage im Zentrum

der Stadt. 2005 musste man die Kirche wegen

ihres schlechten Bauzustandes komplett schließen.

Man versuchte eine neue Nutzung für die Architektur

zu finden und die Bedingungen der Diözese waren,

dass diese Funktion nur eine soziale oder/und kulturelle

sein durfte. So wurden schließlich die Bibliothek,

das Museum und verschiedene Gemeinschaftseinrichtungen

in den Räumen untergebracht. u

Eine säkularisierte Kirche

in Holland wurde vom

Büro Kade in eine Bibliothek,

ein Museum und

Gemeinschaftszentrum

transformiert. Durch ein

sensibles Konzept der

Architekten bleibt, trotz

weltlicher Nutzung, ein

gewisser transzendenter

Eindruck erhalten und

es wird der großartige

Raum eindruck nicht

zerstört.


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Büro Kade


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80

Architektur zum Lernen

Die Transformation

2010 begann man mit der Renovierung und der Umgestaltung

mit dem Ziel, einen Ort des Lernens, der

Arbeit, Inspiration und der Konzentration zu schaffen.

Auch einen Ort der Stille, der Diskussion, Reflexion

und des Wissens. Die Transparenz des Raumes

bei einer gleichzeitigen Verbindung und/oder Integration

der verschiedenen Nutzer war ein wichtiger

Ausgangspunkt. Die Architekten benutzten deshalb

ein Konzept des „shared space“ statt des „built space“

um die Kirche so offen wie möglich zu halten. Alle

Nutzer teilen sich dieselbe, visuelle Identität und das

resultiert in einem allgemeinen Zugang, einer Vision

und Philosophie, in der die Architektur das verbindende

Element darstellt.


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Büro Kade

Die neu eingezogene Zwischenebene

schafft Überblick,

verbindet und ist für

den Innenraum prägend.

Nach einer sehr intensiven Renovierung wurde die

Kirche zu einem lebendigen Gemeinschaftszentrum,

das sowohl die Bibliothek, Museum wie auch eine Bar

und Geschäfte enthält. Bei der Renovierung konzentrierte

man sich auf den Erhalt des ursprünglichen

Layouts der Kirche und erzielte so einen weit offenen

Innenraum mit einer atemberaubenden Bibliothek,

deren Regale auf Schienen laufen und verschiebbar

sind. Menschen werden schon allein durch diese

Möglichkeiten dazu ermuntert, hereinzukommen. u


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82

Architektur zum Lernen

Alle Funktionen vereinen sich in diesem, für die Öffentlichkeit

zugänglichen Raum. Das aufregendste

Element ist die neue Zwischenebene. Durch dieses

raumbestimmende Element erhält der Bau seine neue

Identität und erfüllt auch alle notwendigen neuen

Funktionen. Auf ihren 500 Quadratmetern befinden

sich die Studierbereiche und Veranstaltungsräume.

Auch die Technikräume für Akustik, Beleuchtung,

Heizung und diverse Nebenräume konnten hier untergebracht

werden. Diese Mezzaninebene erstreckt

sich hauptsächlich in den Seitenschiffen, sodass der

Hauptraum der Kirche in seiner ganzen Pracht unberührt

bleibt und seine spektakulären Ausblicke gewähren

kann.

Die Bücherregale sind auf einem Schienensystem

angeordnet und können in den Achsen der Kirche

verschoben werden. So lässt sich der Raum auch für

Veranstaltungen, die mehrmals im Jahr stattfinden,

flexibel nutzen. Die geschwungene Mezzaninebene

dehnt sich auch durch die Kirchenwände in den Außenraum

aus, hier bildet sie die Dachflächen von vier

– an die Kirchenmauern angebauten – Pavillons. Das

Restaurant befindet sich im Gartenpavillon an der

Südseite der Kirche.

(rp)


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Büro Kade

Library, Museum, Community Centre „De Petrus“

Vught, Niederlande

Bauherr:

Planung:

Statik:

DePetrus B.V.

Büro Kade

H.J.G. Spierings

Grundstücksfläche: 3.000 m 2

Planungsbeginn: 2010

Bauzeit:

1 Jahr

Fertigstellung: 04/2018

Baukosten:

1,7 Mio. Euro


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Architektur zum Lernen

Von Schuhen

und Besen

Eperon d‘Or National Museum of Shoes and Brooms

Izegem / Compagnie-O Architects + Sabine Okkerse + Geert Pauwels

Fotos: Tim Van De Velde

Ein skurril anmutendes Thema für ein Museum wurde

von den Compagnie-O Architects + Sabine Okkerse +

Geert Pauwels in Izegem in Belgien verwirklicht: Sie

haben das National Shoe and Broom Museum in einem

ehemaligen Art-déco-Fabriksgebäude installiert. Dabei

haben sie auf den Bestand Rücksicht genommen und

doch auch neue Elemente eingeführt – sehr zum Vorteil

der alten Architektur.


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Compagnie-O Architects + Sabine Okkerse + Geert Pauwels


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Architektur zum Lernen

Sehr ungewöhnlich aber

durchaus interessant

und aufschlussreich sind

die Innenräume dieses

Museums.


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Compagnie-O Architects + Sabine Okkerse + Geert Pauwels

Man kann auch von Schuhen und Besen etwas lernen

– vor allem, wenn sie in einem Museum stehen. Dieser

außergewöhnliche Ort des Lernens befindet sich in

der Industriezone des Hafens der kleinen belgischen

Stadt Izegem. Ein eher eigenartiges Monument mit

einer Art-déco-Schauseite und angrenzenden Fabrikbauten.

Während der Zwischenkriegszeit errang

die „Eperon d‘Or“-Fabrik jahrzehntelang internationale

Aufmerksamkeit, aufgrund ihrer exquisiten und

luxuriösen Schuhproduktion. Nach weiteren Jahren

der Missachtung beschloss die Gemeinde, den Komplex

zu renovieren, zu revitalisieren und darin das

„National Shoe and Broom Museum“ zu errichten.

Eine Kuriosität schlechthin!

Mit der Ausführung des Projektes wurden die Compagnie-O

Architects + Sabine Okkerse + Geert Pauwels

betraut und die gingen mit einer Mischung von

Passivität und Aggressivität an die Aufgabe heran.

Die zu behandelnde Art-déco-Perle stand alleine inmitten

einer unattraktiven Ansammlung von Schwerindustriebauten.

Diese Spannung, dieser Kontrast

und der ganze Kontext führten die Architekten zu

der Lösung, das Monument nicht mit einer übergroßen

Sorgfalt und besonders sanfter Hand zu behandeln.

Denn dieser Vorgang, der oft – wenn Denkmalschutz

im Spiel ist – angewandt wird und damit die

Architektur „tot pflegt“, sollte vermieden werden. Es

wurden sämtliche formalen und expressiven Qualitäten

festgestellt, neu bewertet und mit neuen, modernen

Einflüssen und Elementen kombiniert. u


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88

Architektur zum Lernen

So entstanden eine neue Wegführung durch die Anlage,

ein kleines Theater hinter einem großen Fenster

an der Rückseite des Gebäudes und eine geräumige

Dacherweiterung. Ein Besuch in diesem Museum

beginnt nun an der ehemaligen Verladerampe, die

sich als ein idealer Verkehrsknoten anbot. Von hier

aus nimmt man den Aufzug zur Dacherweiterung

mit Aussicht und Panoramadeck. Von hier geht es

hinunter durch eine Reihenfolge von restaurierten

und neuen Räumen, welche die Ausstellung beherbergen.

Man endet, wo man begonnen hat: in der

ehemaligen Garage.

Die Dacherweiterung stellte sich als ein unentbehrlicher

Extrabereich heraus, denn er befreite den

Museumskurator von der Last der unzähligen Artdéco-Einrichtungen

und bietet gleichzeitig einen

guten Überblick über die – hauptsächlich industrielle

– Skyline der Stadt. Das einem Schuhkarton ähnliche

Volumen ist so weit zurückgesetzt, dass es die typische

Silhouette der Architektur nicht stört, aber doch

als aufregender Kontrast, der die Vergangenheit mit

der Zukunft verbindet, wahrgenommen wird. Die Box

ist mit einem goldenen Gewebe überspannt, dahinter

befindet sich rot lackierter Stahl. Diese beiden Materialien

stellen eine Referenz an die Art-déco-Richtung

und die textile Geschichte der Region dar.

Ein kleines, blaues Theater als Einschub in das Volumen

des Museums überblickt die angrenzenden Industrie-

und Fabriklandschaften und verbindet es so

mit seiner eigenen, kontextuellen Geschichte. Neben

der Fabrik bietet eine neue, mit Fliesen bekleidete

Terrasse die Möglichkeiten für Orientierung und Freiluftausstellungen.

Diese Revitalisierung ermöglicht

den Besuchern eine Reihe räumlicher Erfahrungen,

ein gutes Verstehen der Zusammenhänge und der

Geschichte samt eines interessanten Spaziergangs

durch ein Museum und seiner Kollektionen. (rp)


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Compagnie-O Architects + Sabine Okkerse + Geert Pauwels

SNEDE

0 5

10

25m

GELIJKVLOERS

niveau +0.00

0 5

10

25m

IJKVLOERS

u +0.00

0 5 10

25m

Eperon d‘Or National Museum of Shoes and Brooms

VERDIEPING 1

Izegem, Belgien

niveau +2.78

0 5

10

VERDIEPING 3

niveau +10.51 0 5 10

25

25m

Bauherr:

Planung:

Statik:

City of Izegem

Compagnie-O Architects + Sabine Okkerse

+ Geert Pauwels

Norbert Provoost

Grundstücksfläche: 2.443 m 2

Nutzfläche: 2.221 m 2

Planungsbeginn: 4/2010

Bauzeit: 2014 - 2018

Fertigstellung: 10/2018


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RETAIL architektur

Am Meeresboden

Europas erstes Unterwasserrestaurant heißt seine Gäste seit März 2019 in Lindesnes,

Norwegen willkommen. Am südlichsten Punkt der norwegischen Küste, wo

sich Nord- und Südstürme treffen, ist das schon eine extravagante Idee. Man isst,

was draußen vorbei schwimmt, um es schnoddrig auszudrücken.

Fotos: Ivar Kvaal, Inger Marie Grini/Bo Bedre Norge

Die 34 Meter lange, röhrenförmige Hülle ruht an einem

Ende in fünf Meter Tiefe und das andere Ende

ragt als Eingang ins Freie empor. Die dicke Betonkonstruktion

soll die rauen Zustände an dem Ort unbeschadet

für längere Zeit überstehen. Wie ein versunkenes

Schauglas bieten die Fenster des Restaurants

einen Ausblick auf den Meeresboden mit seinen sich

– je nach Witterungslage – ständig verändernden

Oberflächen. Die oft mehrmals am Tag wechselnden

Wetterverhältnisse vergisst man schnell, wenn man

aus dem Außenraum in das mit Eiche vertäfelte Foyer

gelangt ist. Auf den Stufen hinunter in den Speisesaal

wird man von textilen Deckensegeln in den Farben

eines Sonnenunterganges begleitet. Das Ende des

Saals wird von einem elf Meter breiten und 3,4 Meter

hohen Fenster abgeschlossen – ein außergewöhnlicher

Ausblick. Der Raum kann pro Nacht 35 bis 40

Gäste unter seinen einen halben Meter dicken Betonwänden

aufnehmen. Der aus Dänemark stammende

Chefkoch (aus dem Restaurant Måltid in Kristiansand)

sorgt hier mit seinem 16-köpfigen Team für kulinarische

Erlebnisse eines Top Michelin Restaurants.

Das von Snøhetta entworfene Restaurant fungiert

auch gleichzeitig als Forschungszentrum für das

Meeresleben. Im Restaurant treffen sich zeitweise

Teams von Meeresbiologen und Forschern. Über Kameras

und Sensoren an der Außenseite der Betonhülle

können sie die Zustände der Meeresfauna und

der Fischwelt studieren, diese werden auch durch das

Glasfenster angezogen und so zu Studienobjekten.


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91

RETAIL architektur


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RETAIL architektur

Shabby Chic

und Design

Einer der ältesten McDonald‘s im Bezirk Austerlitz in Paris ist nun renoviert worden.

Die italienische Architektin Paola Navone hat das Lokal mit viel Geschick und

Gespür für Feinheiten in einen Platz verwandelt, an dem man sich wohlfühlen kann

– vor allem die jüngeren Gäste.

Fotos: Sylvie Becquet

Eine Mischung aus Versatzstücken, Kreativität, Plastik

und Design schafft Offenheit und Einfachheit im

Raum. Bereits beim Eintreten in diesen, bereits 1989

eröffneten Hamburgerladen entdeckt der Kunde

Neues, noch nie in Paris Gesehenes. Die Atmosphäre

ist zeitgemäß und man fühlt sich auf Anhieb wohl.

Es gibt lauter verschiedene Sessel, so kann sich der

Kunde wie zu Hause fühlen und seinen eigenen Stuhl

besetzen. Die Tische erinnern mit ihren Dekors an

die Tapeten der Wände, die wiederum aufgrund ihrer

Wasserfarben ähnlichen Struktur wie handgemalt wirken.

Kleine Einheiten von Sitzgelegenheiten sind wie

winzige Hütten angeordnet. Es ist eine Verbindung

von Materialität, Design, Handarbeit und Imperfektion

aber auch technische Ausgereiftheit, die hier Stimmung

vermittelt. Möglich wurde das Resultat durch

die Zusammenarbeit der Teams sowohl von Auftraggeberseite

wie auch von Architektenseite. Die Chemie

stimmte einfach und das spürt man auch.


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93

| BA12-17G |

RETAIL architektur

Das Gebäude der Zukunft

kann auch so aussehen.

Ideal für Modernisierungen: Die offene,

PC-basierte Gebäudeautomation

von Beckhoff.

www.beckhoff.at/building

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gemacht: Mit der integralen Gebäudeautomation von Beckhoff

implementieren Sie alle Möglichkeiten der Kommunikations- und

Steuerungstechnik – angepasst an die individuellen Bedürfnisse der

Immobilie. Alle Gewerke werden von einer einheitlichen Hard- und

Softwareplattform gesteuert: Ganz gleich, ob es um die nutzungsgerechte

Beleuchtung, die komfortable Raumautomation oder

die hocheffi ziente HLK-Regelung geht. Für alle Gewerke stehen

vordefi nierte Softwarebausteine zur Verfügung, die das Engineering

enorm vereinfachen. Funktionserweiterungen oder -änderungen sind

jederzeit möglich. Das Ergebnis: Durch die optimale Abstimmung aller

Gewerke werden die Energieeinsparpotenziale voll ausgeschöpft und

die Effi zienz der Bewirtschaftung deutlich erhöht.

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Visualisierung/

Bedienung

Skalierbare Steuerungstechnik,

modulare I/O-

Busklemmen

Modulare

Software-

Bibliotheken


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94

RETAIL architektur

Ausgezeichnete

Details in Holz

Immer wieder beweisen Storekonzepte aus dem Osten, dass Qualität und Design

durchaus Hand in Hand gehen. Vor allem die Details mancher Ladeneinrichtungen

sind beachtlich. So auch in dem, von den RMDK Architects in einem Einkaufsbezirk

von Delhi-NCR neu eröffneten Shop für festliche indische Kleidung mit dem

Namen Shakuntlam.

Fotos: Saurabh Suryan & Lokesh Dang

Vom Konzept her als eher ländlich angelegt, überzeugt

die Einrichtung mit Stimmung, feinen Details

und vor allem durch die verwendeten Holzarbeiten.

Schon das Eingangsportal ist beachtlich. Die zarten,

fast arabisch anmutenden Gitter, die manche der

Felder füllen, lassen die Luft ins Innere strömen, die

selben Gitterstrukturen findet man auch weiter beim

Verkaufspult und bei diversen Displays.

Der Innenraum ist in ein eher neutrales Farbschema in

Weiß gehalten, gemischt mit Holztönen. Ein in Platten

verlegter Steinboden und die mit geschnitzten Balken

versehene Decke erzeugen einen altmodischen, rustikalen

Touch, der aber gut zu den ausgestellten Kleidern

im Stile der indischen Kultur passt. Der ganze

Raum entwickelt sich – trotz seiner Einfachheit – zu

einer Expertise zeitgemäßen handwerklichen Luxus

aus Holz, Messing und Korbgeflecht in einem steten

Kontrast dieser Texturen und des Lichts. Rohes

und poliertes Holz werden von kleinen Details aus

Messing ergänzt und hauchen förmlich ein Leben in

diesen Shop hinein. Jedes Element ist peinlich genau

überlegt und durchgedacht und in seiner Ausführung

drückt es die Mühelosigkeit des modernen indischen

Handwerks aus. Motive aus der traditionellen Architektur

und Stickmuster wurden neu interpretiert und

in Einrichtungen für dieses Verkaufslokal umgearbeitet.

Auch Punkte, an denen zwei verschiedene Materialien

zusammenkommen, wirken wie verschmolzen im

Auge des Besuchers.


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95

RETAIL architektur


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96

RETAIL architektur

Nur für Sensible!

Betritt ein Kunde einen Aesop Store, werden ihm von ausgebildeten Handwäschern

zuerst einmal die Hände gewaschen. Die Marke nähert sich der Körperpflege halb

wissenschaftlich, halb sakral. Deshalb sieht der Store auch aus wie eine Apotheke.

Fotos: Aesop

In New York, Brooklyn hat die Firma, die vor

dreißig Jahren in Melbourne vom Friseur

Dennis Paphitis erfunden und gegründet

wurde, mit der mexikanischen Architek tin

Frida Escobedo nun schon den dritten Store

eröffnet. Auch diesmal sind die Innengestaltung

und das Design der Displays ein

Ausdruck der Firmenphilosophie: Ziegel,

Rammed Earth-Steine, braune Flaschen

mit lediglich Inhaltsangaben auf minimalistischen

Brettern und zwei Becken zum „die

Hände gewaschen Bekommen“. Der Laden

ist eigentlich eine Teststrecke für die Sinnesorgane,

keine extravaganten Ablenkungen,

kein Design, reine Konzentration auf

die Produkte, ein Duft nach Kräutern und

weiteren angenehmen Substanzen.

In einem Ecklokal, in einer Nachbarschaft

aus den traditionellen Ziegelbauten des 19.

Jahrhunderts mit deren sich wiederholenden,

eckigen Fassaden und den typischen

Ziegelverbänden, betritt man einen nüchternen,

in Rottönen gehaltenen Verkaufsraum,

roter Boden aus Fliesen, rote Wände

aus speziellen, in Mexiko, Oaxaca, gefertigten

Rammed Earth-Ziegeln. Die Wand zum

Nachbarhaus knickt nach einigen Metern

leicht ins Rauminnere – dahinter ist Raum

für Produkte und für das Personal. Escobedo

hat für die Wandgestaltung ein Muster

der textilen Arbeiten von Anni Albers aus

dem 20. Jahrhundert verwendet. Obwohl

eigenständig, bewirkt es doch eine gewisse

Referenz an die Ziegelbauten der Nachbarschaft.

Die verwendeten, handgeformten

und gebrannten Steine sind unregelmäßig,

sowohl in Textur als auch in Farbe und

Form. Zwei weiße, pulverbeschichtete

Waschbecken mit verchromten Auslässen

kontrastieren die Sprache des Formalen.

Installationen laufen weiß gestrichen an

der unverkleideten Decke entlang und alles

sagt: „Das Produkt zählt!“


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RETAIL architektur

Tradition und Moderne

im architektonischen Dialog

Baurechtliche Anforderungen aufgrund des Bestandsschutzes aus den 1950er

Jahren sowie die Einbettung in ein Wohngebiet machten die Modernisierung des

Edeka-Marktes in Flensburg zu einer Herausforderung für das Architekturbüro

Hansen. In Abstimmung mit der Edeka-Zentrale entwickelten die Architekten einen

neuen Anbau in Stahl-Glas-Konstruktion. Der Anbau und das Bestandsgebäude

wurden als ein großer Markt mit fließenden Übergängen konzipiert, dennoch

mit klarer, optischer Trennung zwischen Alt und Neu.

Die visuelle Klammer zwischen dem „alten“

und dem „neuen“ Markt vermittelt ein einheitlicher

Bodenbelag aus hochwertigen

Keramikfliesen. Die Wahl fiel auf die bewährte

Feinsteinzeug-Serie New Market (Version

Inside Out) von Agrob Buchtal. Sie ist ein äußerst

robuster und belastbarer Bodenbelag,

der als „überstarke“ 15 Millimeter dicke Keramikfliese

gefertigt wird und damit mühelos

dem Befahren mit Gabelstaplern, Hubwagen

oder ähnlichen rollenden Lasten trotzt.

Ein besonderes gestalterisches Highlight

schufen die Architekten im Bereich der

Fleischtheke. Hier verwendeten sie Fliesen

desselben Produzenten, aber im repräsentativen

XXL-Format von 60 x 120 Zentimeter –

sie wurden hochkant verlegt. Die Kollektion

Streetlife ist eine keramische Kreation aus

hochwertigem Feinsteinzeug mit raffinierten

Strukturen, Unebenheiten und Texturen,

die sich zu einer reizvollen Gesamtkomposition

verbinden. In der hier verwendeten

Farbe Rost entsteht darüber hinaus durch

den Auftrag eines Glanzgranulats ein ganz

besonderer Effekt, der an metallische Oberflächen

erinnert.

Insgesamt wurden rund 1.500 Quadratmeter

Feinsteinzeug-Fliesen der Serie New Market

(Version Inside Out in Anthrazit) im Format

30 x 60 Zentimeter geliefert. Während im

Bestandsbau Fliese auf Fliese verlegt wurde,

kam im gläsernen Anbau die sogenannte

Rüttelmethode zum Einsatz. Bei diesem

speziellen Verfahren wird der Bettungsmörtel

vorverdichtet, ebenflächig abgezogen

sowie Zementschlämme als Kontaktschicht

aufgebracht. Nach Einbringen der Fliesen

überfahren vibrierende Spezial-Flächenrüttler

mit definierter Kraft mehrfach kreuzweise

die Keramikfliesen und drücken diese in

das Bett. Das mehrstufige Vorgehen führt

zu einem hohlraumfreien Verbund, bei dem

keramischer Belag und Untergrund eine

kompakte Einheit bilden. Der Fliesenboden

verfügt über hohe Stabilität, überragende

Gewichtsbelastbarkeit sowie besondere

Ebenflächigkeit und kann unkompliziert maschinell

gereinigt werden. Dank werkseitiger

Rektifizierung (präzises Schleifen der Kanten

auf genaues Maß) sind darüber hinaus

die Abmessungen der einzelnen Fliesen so

exakt, dass mit sehr engen und filigranen

Fugen gearbeitet werden kann.

Ansprechpartner in Österreich siehe

www.agrob-buchtal.de (Rubrik Kontakte)


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98

Licht

Die Bildung

im Rampenlicht

Licht wirkt immer visuell, emotional und biologisch. Licht wirkt sich somit auf das

Wohlbefinden und die Leistungsfähigkeit eines Menschen aus. Der Mensch hat sich

über Millionen Jahre hinweg in Einklang mit seiner natürlichen Umgebung entwickelt.

Gutes Licht ist nicht nur die Voraussetzung für gutes Sehen, sondern steuert

auch die innere Uhr. Die ganze Kraft des Tageslichts lässt sich jedoch nicht auf die

künstliche Beleuchtung umlegen. Viele wissenschaftliche Untersuchungen belegen

inzwischen aber, dass eine an der Natur orientierte Beleuchtung Wohlbefinden und

Motivation steigern kann.

Text und Fotos: DI Gunther Ferencsin

Bei Architektur zum Lernen denkt man sofort

an seine Schulzeit zurück. Spannende

Zeiten, vermutlich schon das eine oder andere

Jahrzehnt her. Doch wie ist das eigentlich

mit dem Lernen? Der lateinische Spruch

„Non scholae, sed vitae discimus“ – frei

übersetzt: „Nicht für die Schule, sondern für

das Leben lernen wir.“ – hat nichts an Gültigkeit

verloren. Wir lernen nie aus. Gelernt

wird vielerorts, in Schulen, an Universitäten,

in Seminarzentren, bei Tagungen.

Dementsprechend muss auch das Licht auf

diese Aufgaben bestmöglich reagieren. Human

centric Lighting ist seit einiger Zeit zu

einem wichtigen Begriff in der Lichtbranche

geworden und hat es sich zum Ziel gesetzt,

zu jedem Zeitpunkt des Tages, das zu diesem

Zeitpunkt passende Licht bereitzustellen.

So hat Licht einen maßgeblichen

Einfluss auf hormonelle Stimulationen im

menschlichen Körper (und natürlich auch

bei Tieren). So erhöht der Blauanteil im

Licht Aktivität und Muntersein, verringert

aber oft das wohlige und gemütliche Empfinden.

Auch das Auge benötigt Pausen.

Veränderungen in der Lichtintensität oder

Lichtfarbe führen ebenfalls zu einer Erhöhung

der Aufmerksamkeit. Das passende

Licht kann beispielsweise genutzt werden,

um ein Leistungstief nach dem Mittagessen

abzufangen, oder auch um nach einem

angeregten Meeting die Gemüter wieder

in gemäßigtere Bahnen zu lenken. All dies


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99

Licht

wurde durch die technischen Entwicklungen

auf dem Lichtsektor, speziell durch die

Weiterentwicklung der LED möglich. LEDs

mit den verschiedensten Farbtemperaturen,

mit diversen spektralen Zusammensetzungen,

Dimmbarkeiten, Steuerungen und

exzellenter Fokusierbarkeit durch kleine

Lichtpunkte eröffnen schier unbegrenzte

Anwendungsmöglichkeiten.

Architektur für Bildung, sei es bei Kindern,

Jugendlichen oder Erwachsenen, und somit

auch das dazu gehörende Licht, hat durch

seine Qualität die Lernenden zu schützen.

Dies betrifft sowohl die passende Helligkeit

für Sehaufgaben als auch die passende

Stimmung, genauso wie die Schonung des

Sehapparates durch die Vermeidung von

extremem Blauanteil im Licht – also einer

Vermeidung des Blue Hazard.

Im Gegensatz zum klassischen Lernen,

welches primär durch eine Informationsweitergabe

mittels geschriebenem Text auf

Papier stattgefunden hat, findet die Informationsweitergabe

vermehrt auf digitale

Weise wie durch Laptops, Tablets, Beamerpräsentationen

usw. statt – und da schauen

wir noch nicht in die Zukunft.

Gutes Licht zum Lernen hat somit heute

schon weit mehr Aufgaben als noch vor einigen

Jahren. Die Norm schreibt das Mindestlichtniveau

und eine Mindestqualität

des Lichtes am Arbeits- bzw. Lernplatz vor.

Der aktuelle Planungsstand sollte aber zumindest

auch Punkte wie Spiegelung und

Lichtrichtung berücksichtigen, die Dimmung

muss flimmerfrei sein und im Falle

von Filmaufnahmen – die zum Beispiel für

Analysen oder auch für Erinnerungs- und

Pressezwecke genutzt werden – noch genauer

auf die Aufnahmegeräte (betreffend

Frequenz) abgestimmt werden.

Das Beispiel des Seminarhotels Gabrium

im Kloster St. Gabriel zeigt, wie der Veranstaltungssaal

in die ehemalige Aula integriert

werden konnte. Der historische Saal

wurde in seiner Orientierung und Architektur

belassen bzw. wieder instand gesetzt

und durch modernste Technik akustisch,

raumklimatisch und lichttechnisch auf den

aktuellen Stand der Technik gebracht. Die

Beleuchtung des Hauptraumes teilt sich in

den Mittelteil als Hauptschiff und die beiden

Seitenschiffe. Dadurch lässt sich die wahrgenommene

Raumgröße auf die jeweilige

Nutzerzahl in ihrer Erscheinung anpassen.

Wenn der Saal nicht komplett bespielt wird,

treten die Seitenschiffe durch Lichtreduktion

in den Hintergrund und die Seminarbesucher

fühlen sich in einem gut gefüllten Raum.

Die Bühnenbeleuchtung wird von der Galerie

aus – die sich schon im Altbestand über dem

Eingangsbereich befand – durch einen Lichtund

Tontechniker gesteuert.

Durch die richtige Beleuchtung fällt es

dem Nutzer leichter, sich auf die Inhalte

von Seminaren und Vortragsreihen zu konzentrieren

und den verschiedensten Programmpunkten

die nötige Aufmerksamkeit

zu schenken. Licht und seine Veränderung

leistet hier neben Akustik und Luftqualität

einen wichtigen Beitrag.

Zur Abrundung der Erscheinung der Aula

im Seminarhotel Gabrium sind auch die

historischen Besonderheiten, wie die fein

gestalteten Holzornamente auf der Innenansicht

der Dachflächen, illuminiert. Durch

lineare Lichtelemente, die auf den Dachsparren

angebracht sind, wird auf sehr zarte

und subtile Weise dieser Bereich in Szene

gesetzt, wodurch sich dem Besucher neben

der Funktionsbeleuchtung auch das Raumerlebnis

erschließt.

Die weiteren Bereiche des Seminarhotels,

wie Lobby, Gänge, Speisesäle und Hotelzimmer

nehmen sowohl in ihrer Ausstattung

als auch lichttechnisch auf den historischen

Kontext und Traditionsreichtum des Klosters

Rücksicht und unterstreichen diesen.

Mit Licht wird immer eine Geschichte erzählt.

Geprägt sind wir durch die ursprünglichste

aller Lichtquellen, die Sonne. Im Laufe

des Tages (und auch der Jahreszeiten)

verändert sie die Lichtstimmung in schier

unerreichter Weise. Ebenso spannend und

veränderbar ist es uns nun auch durch

künstliche Beleuchtung möglich, den jeweiligen

Raum verschiedene Geschichten

erzählen zu lassen.


architektur FACHMAGAZIN

100

Produkt News

Pole Position

Der Ende 2018 eröffnete Auto- und Motorrad-Showroom „Pole Position“ steht

direkt an der Einfahrt ins Tiroler Ötztal. Die Söldner Architekten Riml & Thaler

achteten bei dem Entwurf für den Neubau darauf, dass die Autos immer im Vordergrund

stehen. So gibt schon von weitem eine zweigeschossige Glasfront den

Blick auf die Luxuswagen frei.

Von innen aus gesehen ermöglicht die großflächige

Verglasung wiederum, dass das Bergpanorama zur

atemberaubenden Kulisse für die Autopräsentation

wird. Zugleich sorgen Glas und Metall, Schwarz, Weiß

und Grau für einen ruhigen Material- beziehungsweise

Farbkanon, der Boden, Wände und Decke in den

Hintergrund treten lässt. Einziger Eyecatcher außer

den Autos und Motorrädern: die runden Leuchten

GLORIOUS von Prolicht. Scheinbar schwerelos im

Raum schwebend, lenken sie im zweigeschossigen

Präsentationsbereich des Showrooms alle Aufmerksamkeit

auf Ferrari, Lamborghini & Co.

Bei der Leuchtenwahl haben die Elektroplaner auf

die gleichen Eigenschaften gesetzt, wie passionierte

Motorfans bei ihrer Autowahl. Wer sich dazu entscheidet,

das Geld für einen Luxussportwagen in die

Hand zu nehmen, der möchte all seine individuellen

Wünsche erfüllt haben und das in einwandfreier Qualität.

Präzision und Konfigurierbarkeit sind deshalb

das A und O. Aus tausenden Kombinationsmöglichkeiten

kann der Planer bei Prolicht sein eigenes, maßgeschneidertes

Produkt erstellen, das im Anschluss

akkurat und in Rekordzeit produziert wird. Aktuell

besteht das Sortiment aus 22 individuellen Familien.

Dazu zählt auch die GLORIOUS-Serie mit der gleichnamigen

kreisförmigen Leuchte, wie sie in der Pole

Position hängt. Die dreieckige Variante VICTORY

und die viereckige Ausführung QUANTUM gehören

ebenso dazu. Alle Modelle gibt es entweder als Einbau-,

Anbau oder Pendelleuchten und in 25 Farben.

Im Pole-Position-Showroom entschieden sich Planer

und Kunde für acht Pendelleuchten in drei Durchmessern:

5.400 Millimeter, 4.000 Millimeter und 3.100

Millimeter. Frei angeordnet und in unterschiedlichen

Höhen abgehängt, ergeben sie ein spannungsvolles

Lichtspiel, das über den Autos zu schweben scheint.

Das Gehäuse in der Farbe Black Velvet tritt dabei in

den Hintergrund. Mit einer warmweißen Farbtemperatur

von 3.000K zaubern die Lichtringe ein angenehm

warmes Licht im Showroom, das sich in den auf

Hochglanz polierten Karosserien der Sportwagen widerspiegelt.

Die Leuchten sind dimmbar ausgeführt,

sodass die Lichtstimmung je nach Tageszeit oder

Event angepasst werden kann. Besonders bei Nacht

wirken sie über die Gebäudehülle hinaus und ziehen

alle Aufmerksamkeit auf den Showroom.

PROLICHT GmbH

T +43 (0)5234 33499

info@prolicht.at

www.prolicht.at


www.architektur-online.com

Performance for Simplicity

Produkte für mehr Energieeffizienz, Komfort und Sicherheit

im Gebäudebereich entwickelt, produziert und

vertreibt ESYLUX. Den Schwerpunkt bilden die sensorbasierte,

bedarfsgesteuerte Automation sowie die Beleuchtung.

Das Ziel ist eine Verbesserung der Lebensqualität

des Menschen mit ebenso intelligenten wie

benutzerfreundlichen Lösungen, die komplexesten Anforderungen

gerecht werden und sich dennoch immer

einfach umsetzen lassen.

Mit zwei Sonderausführungen erweitert der Hersteller

sein Tasterprogramm, das speziell für die intelligenten

Lichtsysteme mit der Steuerungstechnologie Light Control

entwickelt wurde. Der Push Button 8x Classroom

ELC dient dem Übersteuern im Lehrbetrieb, der Push

Button 8x Patient Room ELC dem individuellen Anpassen

der Beleuchtung in Zweibett-Patientenzimmern.

Beide ermöglichen das intuitive Abrufen anwendungsorientierter

Szenen sowie der SymbiLogic für ein energieeffizientes

Human Centric Lighting über insgesamt

acht Einzeltastflächen. Die neuen Pushbuttons sind in

den vorkonfigurierten, einbaufertigen Classroom- bzw.

Patientroom-Sets enthalten oder einzeln erhältlich für

frei konfigurierbare Systeme.

101

ESYLUX Österreich GmbH

T +43 (0)732 788188-0

info@esylux.at

www.esylux.com

Produkt News

Silica ®

Das flexible Linearsystem für dezentes Lichtdesign

in der Office-Beleuchtung.

www.siteco.at


architektur FACHMAGAZIN

102

Produkt News

Von der Idee zum Licht

CSP – Customer Specific Projects by Regent: Besondere Projekte verdienen

besondere Leuchten. Ein Lichtkonzept, das zum einen die normativen Aspekte

berücksichtigt, zum anderen gestalterisch auf die Architektur abgestimmt ist,

kann durch den Einsatz individualisierter Sonderleuchten perfektioniert werden.

Ob Muster oder endgültiges Produkt – das gesamte

Know-how sowie die umfassenden Erfahrungen aus

anderen Projekten fließen hier ein. Für das markante

Asklepios-Gebäude auf dem Novartis Campus galt

es, nicht nur eine besondere Leuchte zu erschaffen,

sondern die Vision der Architekten Herzog &

de Meuron als Teil eines Gesamtprojektes zu verwirklichen.

In einem kooperativen Prozess zwischen

den Architekten und dem CSP-Team gelang es, die

strukturellen Anforderungen an die Beleuchtung genau

so in einer Leuchte zu verwirklichen, dass diese

den Vorstellungen der Architekten und der Bauherrschaft

zu 100 % entspricht.

Die dabei entstandene Einbauleuchte fügt sich perfekt

in die feinmaschige Deckenstruktur ein, greift

mit der eigenen filigranen Gitterstruktur das Deckengewebe

auf und führt es fort. Die Beleuchtung

passt dennoch zu den vielfältigen Anforderungen der

kommunikativen Räume. Und ohne dass dies sichtbar

wäre, handelt es sich um verschiedene Varianten

der Leuchte. Wie unter freiem Himmel unterstützt die

CSP-Leuchte die Kommunikation der Mitarbeitenden

in jedem Winkel des Gebäudes. Selbst in der öffentlich

zugänglichen Bar. Asklepios, der griechische

Gott der Heilkunst, hätte seine Freude daran.

REGENT Licht GmbH

T +43 (0)1 879 12-10

info@regent-licht.at

www.regent.ch


www.architektur-online.com

103

Produkt News

Leuchten für die Bildung

Technische Leuchten, Lichtbänder, Rasterleuchten und LED-Leuchtmittel von

RIDI zeichnen sich durch höchste Funktionalität, innovative Technik und maximale

Effizienz aus. Alles Eigenschaften, auf die auch bei der Beleuchtung von

Bildungseinrichtungen gesetzt wird.

Wie etwa beim neuen „5G Building“ auf dem Campus

der University Of Surrey in UK, einem bedeutenden,

internationalen Entwicklungszentrum, das

der nächsten Generation des Mobilfunks gewidmet

ist – 5G.

Die F-LINE von RIDI mit schmaler Mikroprismenscheibe

kommt im gesamten Gebäude zum Einsatz.

Die Leuchte spendet sowohl direktes, als auch indirektes

Licht und bildet mit ihrer flachen Bauweise

zusammen mit den abgehängten Akustikpanels ein

homogenes Erscheinungsbild.

Der Neubau der Bedford Modern School in UK wird

hauptsächlich für wissenschaftlichen Unterricht genutzt.

Es besteht aus einem zentralen Atrium für flexiblen

Unterricht und beheimatet überdies 17 Labore

und die dazugehörigen Vorbereitungsräume.

RIDI lieferte für die Beleuchtung der Laborbereiche

EBRME-DPS Einbauleuchten in Schutzart IP54, bestückt

mit je zwei RIDI-TUBEs, dem LED-Leuchtmittel

aus eigener Fertigung. Runde und quadratische

LED-Einbaudownlights (EDLR, EDLQ) beleuchten die

angrenzenden Flure. In den Treppenhäusern und im

Atrium kommen sowohl die quadratischen Wannenleuchten

LF-LED, AOCA von Spectral, als auch das

lineare Leuchtensystem VENICE zum Einsatz. Der

VENICE Lichtkanal wurde flexibel als Anbauleuchte,

Wandleuchte und Einbauleuchte eingesetzt.

RIDI Leuchten GmbH

T +43 (0)1 7344 210-0

office@ridi.at

www.ridi-group.com


architektur FACHMAGAZIN

104

Produkt News

Leuchten für

höchsten Sehkomfort

Hohe Lichtleistungen bei kompakten Baumaßen und eine außergewöhnlich hohe

Gesamtqualität ermöglichen die neuen LED-Hallen-Tiefstrahler von BEGA. Sie

stellen damit eine ideale Beleuchtungslösung für große und hohe Räume – für eine

Aula ebenso wie für eine Sporthalle, aber auch eine Werk- oder eine Abflughalle –

dar. Die Leuchten aus Aluminiumguss, Aluminium, Edelstahl und Sicherheitsglas

sind ballwurfsicher und DALI steuerbar.

Für eine individuelle Planungsarbeit stehen hocheffiziente

Reflektoren in drei Lichtstärkeverteilungen

zur Verfügung: symmetrisch-bündelnd, symmetrisch-streuend

oder asymmetrisch-streuend

sorgen die LED-Hallen-Tiefstrahler für herausragende

High-Bay-Beleuchtungsresultate, die perfekt auf die

jeweilige Beleuchtungsanforderung abgestimmt sind.

Das optische System dieser Tiefstrahler setzt insbesondere

bezüglich der Entblendung Maßstäbe und

sorgt für höchsten Sehkomfort. Die Materialien zur

Lichtlenkung und Wirkungsgradoptimierung sind nahezu

verschleißfrei. Der Hersteller setzt ausschließlich

auf Glas, Silikon und Aluminium – nicht auf

Kunststofflinsen, deren Alterungsbeständigkeit und

thermische Stabilität fraglich sind.

Das geschützte Warenzeichen BEGA Thermal Management

® garantiert optimale thermische Schutzeinrichtungen

für temperaturempfindliche Bauteile.

Die thermische Regulierung wirkt sich positiv auf die

Lebensdauer der elektronischen Bauteile aus. Die

Langlebigkeit der Leuchten und der damit einhergehende

sehr geringe Wartungsaufwand sind gerade

in Hinblick auf etwas kompliziertere Montagehöhen

und -orte ein deutlicher Pluspunkt.

High-Bay-Leuchten können wahlweise mit einem

Montagerahmen direkt unter Decken oder Kragplatten

montiert oder von hohen Decken mit einem

Stahlseil-Set abgehängt werden – beide sind als Ergänzungsteile

bestellbar. Auch eine Abhängung der

Leuchten mit bauseitigen Befestigungen ist möglich:

Die Leuchten verfügen über entsprechende Aufhängevorrichtungen.

BEGA Leuchten GmbH

Competence Center

Innsbruck

T +43 (0)512 343150

info-austria@bega.com

www.bega.com


www.architektur-online.com

105

Produkt News

Energieeffizientes

Lüftungssystem

Der markante Körper der vom Aachener Architekturbüro kadawittfeldarchitektur

entworfenen Halle 12 erweitert das Messehallen-Ensemble in Frankfurt im Westen,

setzt inspirierende Akzente auf dem Marktplatz der globalen Wirtschaft und sorgt

für neue Blickwinkel im Frankfurter Europaviertel. Die Ausstattung mit innovativer

Raumlufttechnik sorgt für ein hohes Niveau an Wohlbefinden und Sicherheit.

Insgesamt 97.620 m² begehbare Fläche,

33.600 m² Ausstellungsfläche, eine Größenordnung

von sechs Fußballfeldern, ein

umbauter Raum von nahezu 340.000 m 3

und eine Besucherkapazität von fast

24.000 Personen: Die neue Halle 12 ist ein

Messebau der Superlative. Wenn so viele

Menschen CO 2 ausstoßen und Wärme

verbreiten, zudem Messestände durch Beleuchtung

und Technik Wärme eintragen,

muss die raumlufttechnische Anlage nicht

nur große Volumina aufbereiteter Frischluft

bereitstellen, sondern auch hohe thermische

Lasten abführen.

Die Klimatisierung der beiden Ausstellungsebenen

erfolgt mit einer Gesamtluftmenge

primär von ca. 840.000 m³/h, durch die Induktion

werden insgesamt ca. 3.500.000 m³/h

Luft mit einer Kälteleistung von ca. 10 MW

bewegt. Die Heiz- und Kühlleistung wird zu

zwei Dritteln mittels Sekundärluft durch

das Medium Wasser erbracht.

Luft-Wasser-Systeme haben den großen

Vorteil, dass Energie „auf dem Wasserweg“

sehr viel effizienter als über Luft transportiert

wird. Im Vergleich: Ein Nur-Luft-System

benötigt für die Raumkühlung den

dreifachen Primärluftvolumenstrom. Erfahrungswerte

aus der Halle 11, die in der Breite

ähnliche Ausmaße aufweist, allerdings

ganze 60 m länger ist, und die Ergebnisse

des Energiemonitorings dort gaben den

Planern wertvolle Hinweise.

Wie in Halle 11 hat die INNIUS GTD GmbH

Dresden komplexe Simulationsrechnungen

(CFD – Computational Fluid Dynamics)

durchgeführt. Um optimale Ergebnisse und

Luftqualität zu erreichen, wurden Planung,

Auslegung, Anordnung und Ausrichtung

der TROX-Induktionsdurchlässe präzisiert

und dadurch erheblich erleichtert.

Der Bauherr „Messe“ hat auf nachhaltiges

Bauen Wert gelegt. Neben einer energieeffizienten

Klimatisierung durch das Luft-Wasser-System

sorgt eine Fotovoltaikanlage

auf dem Dach für eine Energieerzeugung,

die dem durchschnittlichen Jahresver-

brauch von 241 Vierpersonenhaushalten

entspricht. Mit einer voraussichtlichen Abdeckung

von 1,5 MW werden mit der Solarenergie

rund 20 % der elektrischen Grundlast

erzeugt.

TROX Austria GmbH

T +43 (0)1 25043-0

trox@trox.at

www.trox.at


architektur FACHMAGAZIN

106

Produkt News

Zielgruppe: jung und ambitioniert

Im Herzen der Universitätsstadt Erlangen entsteht ein ganz besonderes Viertel:

Mit „Brucklyn“ wird ein Gebäude-Komplex gebaut, der jungen Menschen, Studenten

und Gründern ein Zuhause bieten soll. Es verfügt über komplett ausgestattete

Premium-Apartments, Gastronomie- und Einzelhandelsflächen sowie einem Business-

und Gründerzentrum auf insgesamt 20.800 m².

Die Idee, im selben Quartier zu wohnen, zu

arbeiten und zu leben, strebte die Jost Unternehmensgruppe

bei diesem Projekt an.

Mit Erfolg: In den 303 Einheiten lebt man

inmitten stylisher Designs, technischer

Annehmlichkeiten und hochwertiger Ausstattungen

und in Brucklyn setzt man auf

kurze Wege, denn die Bewohner haben das

Fitnessstudio, die Sauna oder das Kino unter

demselben Dach.

Die Innenausstattung bietet Luxus und

Komfort auf kleinstem Raum: Gekonnt

wurden Schlaf- und Arbeitszimmer, Küche

und Bad in den Apartments arrangiert. Eine

multifunktionale und maßgeschneiderte

Einrichtung, die keine Wünsche offen lässt.

Die exklusiven Bäder mit hochwertigen

Materialien und Oberflächen überzeugen

mit pfiffigen Details, wie Nischen zur Ablage,

exakt angepassten Waschtisch-Stauraum-Kombinationen

und minimalistischen

Armaturen von KEUCO. Die Duscharmatur

IXMO_solo passt perfekt in das Konzept:

Maximale Funktion verbirgt sich hinter reduziertem

Design. Die Armatur vereint auf

einzigartige Weise Einhebelmischer und

Schlauchanschluss in nur einem Modul auf

der Wand. Das spart Platz und überzeugt

die Bewohner durch eine äußerst einfache

Handhabung.

Auf Qualität wird auch am Waschplatz mit

verchromten PLAN blue Armaturen besonderer

Wert gelegt und ein weiterer Aspekt

war für die Produktwahl ausschlaggebend:

Mit einer durchschnittlichen Durchflussmenge

von nur 6 l/min wird im Haus auf

Nachhaltigkeit gesetzt. Obwohl sie der Umwelt

zuliebe Wasser und Energie einspart,

ist der Strahl durch den Einsatz spezieller

Strahlregler schön voll und trotzdem kräftig.

Die Armaturen in der Dusche und am

Waschtisch haben noch eine besondere

Note durch die Lasergravur des Brucklyn

Logos bekommen. Liebe zum Detail bis in

jeden Winkel.

Am WC setzt sich die konsequent stilvolle

und hochwertige Ausstattung mit Accessoires

desselben Herstellers fort. Der PLAN

Toilettenpapierhalter und die Toilettenbürstengarnitur

sind designstark und pflegeleicht.

Der Lotionspender am Waschtisch

und die Haken für Handtücher oder den Bademantel

runden das Bild im Bad ab.

KEUCO GmbH

T +43 (0)662 45 40 56-0

office@keuco.at

www.keuco.com

www.ixmo.de

www.the-brucklyn.de


www.architektur-online.com

107

Produkt News

Eine permanente

Weiterentwicklung

Seit 51 Jahren stellt VOLA seine Innovationsfähigkeit mit Produktneuheiten unter

Beweis. Dieses Jahr präsentiert man eine neue Farbe in der Palette: die Farbnummer

28, Weiß matt. Wunderbar rein und unverkennbar matt ist sie die perfekte

Erweiterung zu den bisherigen 27 anderen Farben.

Im Jahr 1968, also vor mehr als fünf Jahrzehnten,

stellte Arne Jacobsen die allerersten Armaturen

in lediglich zwei Farben – grau und

orange – der Öffentlichkeit vor. Kurz darauf

waren alle Produkte des Herstellers in zehn

Farben erhältlich, bezeichnet als 01 bis 10. Es

war das erste Mal, dass farbige Armaturen bei

der Badgestaltung eingesetzt wurden. Auf diese

Weise schuf Jacobsen den Präzedenzfall für

einen Trend in der Innenraumästhetik, der heute

aktueller denn je ist.

Seit Jahren werden die Produkte in Schwarz

matt von Architekten und Designern als bewusstes

Stilelement in ihren Planungen eingesetzt

und schaffen eine außergewöhnliche Atmosphäre.

Die neue Farbe Weiß matt besticht

durch ihre einzigartige Brillanz und erweitert

nicht nur das umfangreiche Farbspektrum,

sondern schafft viele Möglichkeiten der individuellen

Badplanung.

Die Entscheidung, der sorgfältig kuratierten

Farbpalette eine neue Farbe hinzuzufügen,

fällt nicht leichtfertig. Monatelange ausführliche

Tests, Vergleiche und Überprüfungen von

Farbe, Oberflächenbeschaffenheit und Haltbarkeit

führten zu diesem stimmigen abschließenden

Ergebnis. Inspiriert von den taktilen

Formen der Natur ist der Produzent überzeugt,

dass die neue Oberfläche die Gestaltungsvielfalt

verbessern wird. Und weil die Produkte mühelos

mit einer Vielzahl von kreativen Themen

und Materialien kombinierbar sind, kann man

sie in verschiedenen Umgebungen einsetzen.

Dass man bei VOLA noch nie einen Farbton verändert

hat, verlängert die Lebensdauer der Produkte

entscheidend. Selbst Systeme, die in den

1970er Jahren verbaut wurden, lassen sich heute

noch aktualisieren und sanieren. Dieses Bekenntnis

zu einem nachhaltigen, schönen und

modularen Design ist die Basis des Konzepts.

VOLA Vertriebs GmbH

T +43 (0)1 526 39 71-0

info@vola.at

www.vola.at


architektur FACHMAGAZIN

108

Produkt News

Ein originelles

Seventies-Revival-Setting

Anlässlich der Design Week 2019 in Mailand

aktualisiert Kartell by Laufen Schaufenster

und Dekoration in seinem Flagship Store an

der Via Pontaccio in Brera und präsentiert

aufmerksamkeitsstark die neuesten Kreationen

der Kollektion.

Das komplette Sortiment an Einrichtungsgegenständen,

Accessoires, Badelementen und

Armaturen bildet zusammen ein perfekt aufeinander

abgestimmtes Ensemble. Inspiriert von den

1970er-Jahren zeigen die neuen Auslagen Farbkombinationen,

die damals im Trend lagen und

heute in Mode und Design ein Comeback erleben.

Wände in Farbtönen von leuchtend Grün bis Hellrosa

erzeugen interessante Kontraste oder Harmonien

mit den Keramikstücken und den bunten

Accessoires. Die Atmosphäre ist eine Reminiszenz

an eine Zeit voller lebendiger, fröhlicher Farben

und kultureller Experimente.

Qualität, Innovation, Vielseitigkeit, Design, Stofflichkeit,

Farbe, Transparenz sind als die Schlüsselwörter

der Marke erlebbar. Deutlich werden

auch die Synergien von Einrichtung, Badelementen,

Armaturen und Zubehör aus Methacrylat,

das als vielseitiges, dynamisches Element eine

temperamentvolle persönliche Note einbringt.

Gemeinsamer Nenner der von Ludovica und Roberto

Palomba entworfenen Kollektion sind ein

geometrisches Vokabular und Formen von zeitloser

Gelassenheit. Der Showroom mutiert zur perfekten

Bühne für die Keramikobjekte in den Farben

Weiß, Glänzend Schwarz und Mattgrau. Zu

sehen sind bodenstehende und Aufsatz-Waschtische,

Wand-WCs und die frei stehende Badewanne

mit Standsäulen-Bademischer. Schränke

in verschiedenen Größen und Ausführungen sind

in den Farben Mattweiss, Hellgrau und dunklem

Schiefergrau erhältlich. Hocker, Spiegel, Regale,

Handtuchhalter, Lampen brillieren mit faszinierenden

Transparenzen und in den Farben Puderrosa,

Smaragdgrün, Bernstein, Mandarin, Blau,

Rauchgrau, Gold, Silber, Kupfer, Mattweiss oder

Mattschwarz. Mehr denn je offenbart man in

diesem Jahr den chamäleonhaften Charakter der

Produkte und die sinnliche, emotionale Dimension

von Lösungen.

LAUFEN Austria AG

T +43 (0)2746 6060-0

office.wi@at.laufen.com

www.laufen.co.at


www.architektur-online.com

109

Produkt News

Neue Aufsatzwaschtische

mit integrierter Montagedichtung

Die neuen Aufsatzwaschtische RONDAtop

und QUADROtop aus Mineralgranit verleihen

Waschräumen ein exklusives Ambiente.

Sie bieten außerdem eine von außen nicht

sichtbare, einmalige Besonderheit. Eine von

unten im Aufsatzrand integrierte Dichtung

sorgt für die schnelle und saubere Montage

des Waschtischs auf der Trägerplatte. Eine

zusätzliche Abdichtung mit Silikon ist nicht

mehr notwendig.

Die Waschtische mit der eleganten Kreisform

sind mit oder ohne Armaturenbank

erhältlich und durch eine klare Linienführung

im Einklang mit der weich fließenden

Formgebungen charakterisiert. Zusammen

mit erhöhten F5 Armaturen ist der moderne

Waschplatz perfekt.

Das Waschtischmaterial MIRANIT steht

für die stabile Verbindung aus ca. 80 %

natürlichen Mineralien, wie Marmormehl,

Sandstein und Quarzsand und ca. 20 % eines

hochwertigen ungesättigten Polyester-

harzes. Trotz der filigranen Materialstärke

und der elegant fließenden Mulden sind

Produkte aus dem Verbundwerkstoff Mineralgranit

äußerst stabil und bruchfest. Das

glatte, porenfreie Gelcoat verleiht den aus

einem Guss gefertigten Waschtischen ihr

glänzendes Finish. Diese farbgebende, reinigungsfreundliche

Außenhaut ist äußerst

widerstandsfähig.

Franke GmbH

T +43 (0)5574 67350

ws-info.at@franke.com

www.franke.at

Bau auf Uponor

mit Thermatop M*

Das fugenlose Gipskarton Heiz-/Kühldeckensystem

für besondere architektonische Ansprüche

Schnelle Montage, flexible

Installation dank einfacher

Klickmontage

Hohe Heiz- und Kühlleistungen,

große thermisch aktive

Rohroberfläche,

hohe Schallabsorptionsgrade

Klare Gewerketrennung zwischen

Trockenbau und Haustechnik

* Der neue Name für Uponor Varicool Eco S

www.uponor.at


architektur FACHMAGAZIN

110

Produkt News

Bewertung, Planung und

Gestaltung von Gebäuden

Wir erwarten heutzutage eine komfortable, sichere und effiziente Personenbeförderung.

Um diesem Anspruch gerecht zu werden, müssen Gebäude funktional

und anpassungsfähig sein, und den Nutzern eine simple Navigation ermöglichen.

Mit den neuen KONE Smart People Flow Consulting Services gelingt der optimale

People Flow.

Smarter und reibungsloser Personenfluss fängt

in der Lobby an, und setzt sich bis zum Ziel im gewünschten

Stockwerk fort. Das System des Produzenten

hilft dabei, Bewegungsströme zu verstehen

und sowohl neue als auch bestehende Gebäude optimal

zu planen. Dabei werden horizontale und vertikale

Verkehrsströme analysiert, Richtlinien zur Orientierung

entwickelt und Anlagen sowie Services unter

Berücksichtigung der Öko-Effizienz geplant. Durch

kontinuierliches Monitoring der Bewegungsmuster

sind Anpassungen über den gesamten Lebenszyklus

des Gebäudes möglich.

Die Planungsservices basieren auf vier Schlüssel-Elementen,

die zusammen für einen optimalen People

Flow sorgen: Personenfluss, Nutzererlebnis, Sicherheit

und Öko-Effizienz. Experten von KONE analysieren

und planen die Bewegungsströme im Gebäude,

indem sie ihr Know-how mit der neuesten Technologie

und Sensordaten kombinieren. In bestehenden

Gebäuden werden an den Hotspots Sensoren installiert,

um relevante Daten zu erhalten. Bei Neubauten

wird das Design anhand der Vision des Eigentümers

festgelegt und absehbare Bewegungsrouten werden

berücksichtigt. In beiden Fällen können für ein besseres

Verständnis der Nutzung zusätzliche Interviews

mit verschiedenen Zielgruppen geführt werden.

Das Ziel ist es Lösungen zu entwickeln, um auf intelligente

Art und Weise den Personenfluss zu managen

und visualisieren. Wenn der Gebäudezutritt bzw. die

-zufahrt, Sicherheitsschleusen wie etwa Drehkreuze

sowie die Fördertechnik selbst wie Aufzugsanlagen

und Rolltreppen so vernetzt und betrieben werden,

dass einerseits die Benutzer ein Maximum an Komfort

und Effizienz erleben und andererseits die Betreiber

ein Höchstmaß an Transparenz erhalten,

dann wird dadurch ein wesentlicher Beitrag zum Erlebnis

eines „smarten“ Gebäudes geleistet. Die neuen

Services eignen sich ideal bei Veränderungen der

Gebäudefunktion, der Nutzergruppen oder vorheriger

Routinen, ebenso wie bei Renovierungsvorhaben

und der Planung eines Neubauprojektes.

KONE AG

T +43 (0)1 863 67-0

office.at@kone.com

www.kone.at


www.architektur-online.com

111

Produkt News

Auf komfortable Art Räume variieren

Tagungsräume, die ihren Teilnehmern täglich ein abwechslungsreiches Programm

bieten, müssen flexibel reagieren können. Mal ist der große Raum gefragt, mal soll

es auf der Fläche kleinere Parallelveranstaltungen geben. Die Trennwandsysteme

von Dorma Hüppe ermöglichen vielfältige intelligente Lösungen, um Räume permanent

an veränderte Nutzungen und Gruppengrößen anzupassen.

Zur Verfügung steht eine große Auswahl an Elementtypen

und Oberflächen für praktisch jede Anwendung

– sowohl schalldämmend als auch transparent.

Und sie lassen sich entweder zu den Seitenwänden

öffnen oder zur Decke. Mit einer vollautomatischen

Steuerung bietet sowohl das horizontale System Variflex

als auch das vertikale System Skyfold höchsten

Bedienkomfort.

Je komplexer die Anforderungen desto mehr punktet

Variflex mit der großen Variabilität, der technischen

Raffinesse und der Vielfalt der Systemkomponenten.

In der Kombination aus Glas- und blickdichten Elementen

können multifunktionale Räume mit großer

Offenheit und hohem Schallschutz realisiert werden.

Mit der vollautomatischen Steuerung ComfortDrive

mit moderner BUS-Technologie erfolgt die Bedienung

schnell und komfortabel auf Knopfdruck.

Skyfold ist die innovative vertikale Trennwand des

Herstellers, die sich komplett in den Deckenbereich

öffnet. Sie ist platzsparend und benötigt keine Führungs-

oder Laufschienen. Sie bietet einen hervorragenden

Schallschutz und lässt sich mit der vollautomatischen

Steuerung komfortabel, zuverlässig und

sicher verfahren. Nicht selten gibt es spontanen Applaus,

wenn die Trennwand wie ein Bühnenvorhang

hoch- oder runtergefahren wird.

DORMA Hüppe Austria GmbH

T +43 (0)732 600-451

office@dorma-hueppe.at

www.dorma-hueppe.at


architektur FACHMAGAZIN

112

Schall und Lärm

Produkt News

Eines der wohl prominentesten und bekanntesten Beispiele für Akustik in der

Architektur ist die „weiße Haut“ im großen Konzertsaal der Hamburger Elbphilharmonie.

Hier kann man die Gestaltungsmöglichkeiten bei der raumakustischen

Planung sehr gut erkennen. Die diesem Resultat zugrunde liegenden Planungsbzw.

Beratungsleistungen werden üblicherweise in die fachlichen Teilbereiche

Bauakustik und Raumakustik unterteilt. Diese bau- und raumakustischen Eigenschaften

sind ein wichtiges Qualitätsmerkmal für Gebäude und Architektur.

Bauakustik

Mit dem Begriff Bauakustik beschreibt man

den Schallschutz in Gebäuden, vor allem

den Schutz von Aufenthaltsräumen gegen

Geräusche aus fremden Räumen, gegen Geräusche

aus gebäudetechnischen Anlagen

und gegen Außenlärm. Auf Grundlage der

Bauordnungen sind hierbei Mindestanforderungen

zur Sicherstellung des Gesundheitsschutzes

einzuhalten. Bei darüber hinausgehenden

Ansprüchen kann für Wohnräume

bei Planungsbeginn ein erhöhter Schallschutz

vereinbart werden. Bei der Planung

stehen die bauakustischen Systemgrenzen

im Vordergrund, z. B. Wohnungstrennwände,

Treppenhauswände, Wohnungstrenndecken

oder Außenbauteile.

Raumakustik

Ziel der Raumakustik ist die Sicherstellung

der gewünschten akustischen Qualität für

die geplante Nutzung. Im Vordergrund stehen

zumeist die einwandfreie Sprachkommunikation

und die hierzu erforderliche

Begrenzung der Nachhallzeit. Schallabsorbierende

Systeme ermöglichen inzwischen

auch gestalterisch anspruchsvolle

Lösungen, sodass die Raumakustik in der

Architektur eine zunehmend größere Beachtung

erfährt. Prominentes Beispiel ist

die Oberfläche im großen Konzertsaal der

Gewellte Holzverkleidungen im Kleinen Saal

© Michael Zapf

Die berühmte „weiße Haut“ im Großen Konzertsaal

Hamburger Elbphilharmonie. Aber auch in

der täglichen Planungspraxis kann durch

geeignete Maßnahmen die Wirkung schallreflektierender

Oberflächen (Sichtbeton,

große Verglasungen, harte Bodenbeläge)

gemindert werden, um den unbefriedigenden

akustischen Eindruck „halliger“ Räume

zu dämpfen. Besondere Anforderungen bestehen

bei der Realisierung inklusiver Nutzungsformen,

z. B. in Schulen.

Bauphysik

Für den Bauphysiker steht das Wohlbefinden

und der Schutz des Menschen vor

schädlichen Umwelteinflüssen im Mittelpunkt.

Der Wärme- und Schallschutz in

einem Gebäude ist für das Wohlbefinden

und die Zufriedenheit der Bewohner von

besonderer Bedeutung. Bei „Lärmquellen“

wird in der Bauakustik zwischen Luftschall,

Trittschall, Körperschall und Installationsgeräuschen

unterschieden.

Schall breitet sich in mechanischen Schwingungen

und Druckwellen aus. Die vom Menschen

hörbaren Schallschwingungen liegen

im Frequenzbereich von 20 bis 20.000 Hz.

Der Frequenzbereich von 200 bis 5.000 Hz

ist für den Schallschutz von besonderer

© Michael Zapf

Bedeutung, da dieser Bereich vom Gehör

besonders deutlich wahrgenommen wird.

Schalldruck wird ab einer Hörschwelle bei

10 dB(A) wahrgenommen und ab einer

Schwelle von 100 dB(B) als Schmerz empfunden.

Befinden sich Sender und Empfänger

im selben Raum, wird Schall durch

Schallabsorption verringert. Dabei spielen

neben der im Raum vorhandenen Luft insbesondere

die Beschaffenheit des Bodenbelags

sowie Einrichtungsgegenstände

eine wichtige Rolle. Bauliche Schalldämmung

ist möglich, wenn Sender und Empfänger

räumlich getrennt sind.

Störschall wird in Luftschall und Körperschall

unterschieden. Beim Körperschall

wird ein Feststoff (z. B. eine Wand) direkt

angeregt. Erfolgt die Anregung eines Feststoffs

(z. B. einer Raumdecke) durch Gehbewegungen,

spricht man von Trittschall.

Die Schallausbreitung in der Luft erfolgt als

Längswelle mit einer Geschwindigkeit von

340 m/s. In Feststoffen breitet sich Schall

als Biegewelle in Abhängigkeit von der

Dichte, Schichtdicke und Frequenz aus. Die

Grenzfrequenz eines Feststoffs ist die Frequenz,

bei der die Ausbreitungsgeschwin-


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digkeit der Biegewelle im Feststoff 340 m/s

beträgt und der Übergang von Luft- und

Körperschall besonders verlustarm ist.

113

Produkt News

Baulicher Schallschutz wird gemeinhin anhand

von Simulationen und Erfahrungswerten

während der Planungs- und Bauphase

installiert und kann nach Fertigstellung des

Gebäudes nur noch mit großem Aufwand

angepasst werden. Der bauliche Schallschutz

ist jedoch die einzige Möglichkeit,

die Schallübertragung per Körperschall

zwischen verschiedenen Räumen und/oder

Stockwerken zu verhindern. Nachträglicher

Schallschutz hingegen kann exakt auf die

Anforderungen der jeweiligen Räumlichkeit

angepasst werden und ist daher sehr

flexibel. Er wird primär eingesetzt, um den

Schallschutz in Fällen zu gewährleisten, in

denen sich Schallquelle und Empfänger im

selben Raum befinden.

Schallversuche zur besseren Prognose von Schallschutzmaßnahmen

Forschung

Der Bau.Energie.Umwelt Cluster Niederösterreich,

ein Research-Projekt der ecoplus

GmbH hat im Moment den zweiten Durchgang

ihres Forschungsprojektes „Schall.

HOCH.bau“ zur genaueren schallschutztechnischen

Prognose von Fassadensystemen

mit einem Schwerpunkt auf mehrgeschossigem,

großvolumigem Holzbau

laufen. Das primäre Ziel ist dabei, eine

genauere Voraussage des Schallschutzes

von ein- und mehrschaligen Außenwandkonstruktionen

und Entwicklung eines Rechenmodells

für Kombinationen von verschiedenen

Dämmsystemen (WDVS und

vorgehängte Fassaden) mit verschiedenen

massiven Wandkonstruktionen (Beton

und Ziegelmauerwerk) zu entwickeln. Man

trachtet, dadurch die Prognosegenauigkeit

mit Fokus auf den tiefen Frequenzbereich

(um Überdimensionierungen zu vermeiden)

© ecoplus

und damit der akustischen Qualität herauszufinden.

Alles im Hinblick auf eine mögliche

Senkung der Baukosten.

Auf Basis der in den Versuchen generierten

validierten Daten und der bisherigen Untersuchungen

aus dem europäischen Raum

wird ein Rechenmodell (Algorithmus) entwickelt,

auf den aufbauend, ein für Planer,

Ausschreibende, Architekten, Bauphysiker

und Ausführende geeignetes Prognosetool

erstellt werden kann. Das Rechenmodell

kann später durch Softwarehersteller in

bestehende Bauphysik-Programme implementiert

werden.

TEKTALAN MACHT SCHULE

Schule am See, Volks- und Mittelschule in Hard am Bodensee

Die Deckendämmplatte Tektalan A2-SD bewährt sich nicht nur in

der Tiefgarage durch hohe Wärmedämmung und optimalen Brandschutz.

Speziell ihre sehr gute raumakustische Wirkung überzeugt ebenso im Schulbau

und sorgt in den Klassenräumen, Sälen und Gängen für angenehme Ruhe. Eingesetzt

als sichtbare Deckenplatte macht diese Holzwolle-Mehrschichtdämmplatte mit Steinwollekern

auch optisch was her. Sie wird einfach in die Schalung eingelegt und mitbetoniert. Für

gestalterische Akzente kann die Platte auch eingefärbt werden.

Heraklith ® ist eine registrierte Marke von


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114

Produkt News

Endlich Ruhe

Dass Lärm an uns nicht spurlos vorübergeht, beweist eine neue Umfrage unter

629 PflichtschullehrerInnen. 60 Prozent der Befragten empfinden den Unterricht

aufgrund des Lärmpegels massiv erschwert. Mehr als die Hälfte (56 %) gibt an,

dass ihre Stimme oft überanstrengt ist. Und ein Drittel ist nach dem Unterricht

heiser. Laut dieser neuen Studie sind zwei Drittel der Lehrer mit der Akustik in den

Klassenzimmern unzufrieden. Das muss nicht sein, wie ein erfolgreiches Projekt

von Rigips Austria zeigt.

Der Hersteller hat in Zusammenarbeit mit

dem Sacré Coeur Pressbaum und den Experten

des TGM ein Musterklassenzimmer

akustisch aufgerüstet. Nach der Messung

der Nachhallzeit und anschließender Computersimulation

erfolgte die Ertüchtigung

mit Gyptone Quattro 20 sowie Gyptone

Akustikpaneelen. Die Messergebnisse bestätigen

den Erfolg. Die Nachhallzeiten im

nicht ertüchtigten Klassenraum lagen in

einem Frequenzbereich von durchschnittlich

500 bis 2.000 Hertz bei über zwei Sekunden.

Viel zu hohe Werte für einen Klassenraum

– annähernd die Verhältnisse wie

in einer Kirche. Im ertüchtigten Klassenzimmer

hingegen beträgt die Nachhallzeit

unter 0,6 Sekunden, was einem optimalen

Ergebnis gleichkommt.

Der Sprachverständlichkeitsindex (STI)

weist nicht nur in der ersten Reihe ein sehr

gutes Messergebnis auf, sondern durchgehend

bis zum letzten Platz.

Eine schlechte Raumakustik beeinträchtigt

maßgeblich den Lernerfolg und die Arbeit

der Lehrenden, wie die neueste Studie

zeigt. Diese Problematik beschränkt sich

nicht nur auf Schulen, sondern wird häufig

auch in Meetingräumen, Großraumbüros

etc. vorgefunden. Der Produzent verfügt

über eine Fülle an innovativen Systemen,

wie beispielsweise die Rigiton SichtFase.

Die Platten lassen sich einfach montieren,

und dank der offenen Fase gehören Risse

im Fugenbereich der Vergangenheit an.

Saint-Gobain RIGIPS Austria GesmbH

T +43 (0)3622 505-0

rigips.austria@saint-gobain.com

www.rigips.com


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115

Produkt News

Akustikdecken für

bessere Lernatmosphäre

Im Zuge der Reformation, 1528 als Lateinschule vom Rat der Reichsstadt Lindau

gegründet, hat das Bodensee-Gymnasium Lindau eine fast fünfhundert Jahre währende

Geschichte aufzuweisen. Die Pausenhalle der Schule hatte sich aufgrund des

unerträglich hohen Lärmpegels dauerhaft als unbenutzbar erwiesen.

OWA-Akustikexperten errechneten für die

rund 850 Quadratmeter große Halle eine

Nachhallzeit von 5,5 Sekunden. Die längsten

Nachhallzeiten in Gebäuden weisen in

der Regel Kirchen auf. So kommt beispielsweise

die St. Michaelis Kirche in Hamburg

auf einen Nachhall von 6,3 Sekunden, der

Mainzer Dom auf 10 Sekunden, der Kölner

Dom auf 13 Sekunden. Eine derart tragende

Akustik führt dazu, dass etwa bei der

Aufführung von Chor- oder Orgelwerken

einzelne Töne in Akkordfolgen kaum noch

identifiziert werden können.

Um hier eine ausreichende Lärmminderung

und Sprachverständlichkeit zu gewährleisten,

gilt – unabhängig von der jeweiligen

Raumgröße – als Sollwert für den Nachhall

eine Obergrenze von zwei Sekunden. Dieser

war bei den baulichen Voraussetzungen

in der Pausenhalle um das fast Dreifache

überschritten.

Ausschlaggebend dafür, dass die Wahl des

Bauherrn auf eine Akustikdecke von OWA

der Marke Sinfonia fiel, war die spezifische

Kombination von Vorteilen. Neben ihren

hervorragenden schallabsorbierenden Eigenschaften

bietet sie als Deckenverkleidung

einen hohen optisch-stilistischen

Wert und erfüllt dazu sämtliche Anforde-

rungen bezüglich Schadstofffreiheit, Recyclingfähigkeit

und Nicht-Brennbarkeit. Darüber

hinaus weist sie ein ausgezeichnetes

Preisleistungsverhältnis auf.

Im Anschluss an die Berechnung der Nachhallzeit

wurde die Renovierung des Deckenbereichs

der Pausendecke beauftragt.

Es wurden dabei insgesamt 750 Quadratmeter

der Akustikdecke Premium Sinfonia

verbaut. Darin eingefasst sind sechs runde

Lichtkuppeln, zehn Rundsäulen zur Abstützung

und – in der Funktion als Deckensegel

– 80 Quadratmeter der Akustikdecke.

Als Resultat der Renovierung der Pausenhalle

konnte die Nachhallzeit im leeren

Raum auf 0,84 Sekunden gesenkt werden.

Bei einer mit 200 Schülern besetzten Vortragsveranstaltung

konnte dieser Wert mit

einer Zeit von 0,77 Sekunden sogar noch

unterschritten werden. Zur Einhaltung der

DIN 18041 wären hier nur 0,93 Sekunden

notwendig gewesen. Dabei sollte man gerade

die subjektiv wahrgenommene Minderung

des Lärmpegels von sechs Dezibel

nicht unterschätzen. Zwar entspricht diese

rechnerisch-mathematisch etwa einer Halbierung

der Lautstärke. Sie werden aber

vom menschlichen Gehör subjektiv als sehr

viel intensiver wahrgenommen.

Odenwald Faserplattenwerk GmbH

T +49 (0)9373 201-0

info@owa.de

www.owa-ceilings.com


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116

Produkt News

Beruhigende Raumakustik

und Transparenz

Die neue gemeinsam geführte Volks- und Mittelschule in Hard am Bodensee wird

zum Vorzeigeprojekt für außergewöhnliche Raumakustik. Die Aufgabenstellung

der Gemeinde als Bauherr und Schulleitung war die Entwicklung eines innovativen,

architektonischen Konzepts für eine Schule fernab der Standard-Pädagogik.

Das Vorarlberger Architekturbüro Baumschlager Hutter Partners erfüllte die

hohen Ansprüche der Ausschreibung und schuf eine Schule zum Wohlfühlen.

Für eine lockere Atmosphäre im gesamten Schulgebäude

wählten die Architekten eine bewusst großzügige

Raumhöhe mit stattlichen 3,20 Metern. Die Kombination

mit viel Glas erforderte in den Klassen, Sälen

und Gängen eine besonders gute Schalldämmung,

die auf Wunsch der Gemeinde noch über die Norm

hin ausreichen sollte. Deshalb setzten die Planer auf

die Heraklith Deckendämmplatte Tektalan A2-SD.

Diese optisch ansprechende Holzwolleplatte mit

Steinwollekern wurde für die Sichtanwendung gleich

in den Decken mitbetoniert. Die hervorragende raumakustische

Wirkung dieser Dämmplatte machte es

möglich, dass nun etwa 80 Prozent der Schallabsorption

über die Decke und 20 Prozent über Möbel bzw.

Wandpaneele erfolgen. Durch diese mitbetonierte

Dämmlösung sparte man auch Zeit und Bauvolumen,

denn die Grundlüftung konnte hier platzsparend

gleich in der Betondecke mit eingebaut werden. Bereits

beim Einlegen in die Schalung wurden die erforderlichen

Ausnehmungen für die Deckenbeleuchtung

in die Tektalan-Platten geschnitten.

In der Fassade sorgt die Knauf Insulation Glaswolle-Fassaden-Dämmplatte

TP 432 B dank ihrem sehr

guten Lambdawert ʎ D = 0,031 W/mK für effiziente

Wärmedämmung. Ausgeführt als hinterlüftete Fassade

erreichte dieses Schulgebäude Passivhausstandard.

Darüber hinaus ist diese Glaswolle-Fassadendämmung

mit dem natürlichen Bindemittel ECOSE

Technology nicht nur ökofreundlich, sondern bietet

auch den erforderlichen hohen Brandschutz nach Euroklasse

A1.

Knauf Insulation GmbH

T +43 (0)4257 3370-0

info.at@knaufinsulation.com

www.knaufinsulation.at


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117

Produkt News

Gutes Lernen braucht

exzellente Akustik

Perfekte Sprachverständlichkeit ist in Bildungsstätten eines der wichtigsten

Kriterien, um Wissen zu vermitteln. Studien der vergangenen Jahre

bestätigen, dass Sprachverständlichkeit für die Gesundheit und das Konzentrationsvermögen

der Lernenden und Lehrer unabdingbar ist. Konfrontiert

mit Lärm schüttet unser Organismus Stresshormone aus, welche das

Konzentrationsvermögen und die Ruhephasen im Schlaf reduzieren und

somit die Unterrichtsqualität beeinträchtigt.

Bei der Gestaltung müssen die Bedürfnisse jedes

Raumes individuell mit einem Akustikexperten evaluiert

werden. Eine ausgewogene Planung über sämtliche

Frequenzen ist das Fundament für konzentriertes

Lernen. Natürlich spielt auch das Design eine essenzielle

Rolle. Die fugenlosen BASWA Akustiklösungen

passen sich der Architektur an und somit sind die

Gestaltungsmöglichkeiten für Planer nahezu unbegrenzt

– glatt, bunt, fugenlos, gewölbt. Die fugenlosen

Breitbandabsorber BASWA Phon kombinieren hervorragende

Schallabsorption mit Designfreiheit und

fördern ein angenehmes und gesundes Raumklima.

Im Rolex Learning Center (EPFL, Universität Lausanne)

in der Schweiz konnte, aufgrund der langjährigen

Erfahrung als Pionier für fugenlose Akustiksysteme,

das Wohlbefinden sowie die Produktivität der Lernenden

erheblich gesteigert werden. Große, offene

Lernflächen und Begegnungszonen mit durchgehenden

reflektierenden Fensterfronten werden dank der

ausgezeichneten Raumakustik rege genutzt. Um die

Gesundheit weiter zu fördern, wurde die fugenlose,

homogene Akustikdecke zusätzlich auch als Strahlungsdecke

geheizt oder gekühlt installiert, wodurch

unter anderem die Luftzirkulation von Bakterien verringert

werden konnte. Um langlebige Oberflächen

zu gewährleisten und instand zu halten, bietet der

Hersteller auch ein vollständiges Reinigungs- und

Sanierungskonzept an.

BASWA acoustic AG

T +41 (0)41 9140222

info@baswa.com

www.baswa.com


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118

Produkt News

Fotos: Frank Aussieker

Kautschukböden

für ungestörtes Lernen

Flexible Lernlandschaften statt konventioneller Klassenzimmer: Neue Unterrichtsformen

erfordern veränderte Architekturkonzepte und Raumentwürfe – und

die passenden Baumaterialien. Ein wichtiger Aspekt, der durch die offene Bauweise

zunehmend in den Fokus rückt, ist die Akustik.

Beim Neubau und der Sanierung werden in vielen

Schulen Bodenbeläge aus Kautschuk von nora flooring

systems eingesetzt. Durch ihre hohe Dauerelastizität

dämpfen sie die Gehgeräusche und unterstützen so

eine ruhige Lernatmosphäre. Dass die Art des Bodenbelags

großen Einfluss auf die Sprachverständlichkeit

und den Hörkomfort hat, wurde auch beim Erweiterungsbau

der Beruflichen Schule Hamburg-Eidelstedt

(BS 24) mit ihren drei rund 400 Quadratmeter

großen Lern-Clustern berücksichtigt. Hier minimiert

der Kautschukboden des Herstellers die Schallausbreitung

zwischen den einzelnen Arbeitsgruppen und

gewährleistet so ein ungestörtes Lernen.

nora flooring systems GesmbH

+43 (0)7242 74001-0

www.nora.com

nora systems ist weltweit führend auf dem Markt für

Kautschuk Bodenbeläge und darf sich durch den Firmensitz

und die Produktion in Deutschland mit dem

Prädikat „Made in Germany“ betiteln. Qualität, hervorragender

Service sowie das Streben nach Innovation

sind Aspekte, die bei dem Kautschuk Bodenbelag-Hersteller

eine entscheidende Rolle spielen.

Mit dem herausragend flexiblen Material Kautschuk

steht nora systems seit 1950 für beste Qualität und

besten Service.


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119

Produkt News

Lichterspiele im

natürlichen Ambiente

An der Grenze zwischen Hamburg und Schleswig-Holstein, eingebettet in eine

ländliche Umgebung, liegt die Grundschule Rahewinkel. Der moderne Neubau vom

Architektur- und Ingenieurbüro pbr Planungsbüro Rohling AG, Niederlassung Hamburg,

passt sich mit seiner Holzfassadenkonstruktion der parkähnlichen Natur optisch

an. In das visuelle Konzept reiht sich der Sonnenschutz von Warema nahtlos ein und

verbindet dabei Design und Funktionalität mit Energieeffizienz und Sicherheit.

Die für die Verschattung gewählten Raffstoren führen

die Lamellenstruktur der Holzfassade am Fenster

fort und verstärken so das einheitliche Erscheinungsbild

des Baukörpers. Neben der eleganten Optik kam

bei der Entscheidung für diese Sonnenschutzlösung

insbesondere auch die Wirkungsweise der Raffstoren

zum Tragen, die sie beim Einsatz in Bildungseinrichtungen

voll ausspielen. Die Produkte ermöglichen

eine flexible Lichtgestaltung, die blendfrei genauso

viel Sonne ins Innere lässt, wie es gewünscht wird.

Die Steuerung des Sonnenschutzes erfolgt automatisch

via Wisotronic 3-Kanal des Herstellers. Das bewährte

Zentralsteuerungssystem fährt komfortabel

verschiedene Sonnenschutzprodukte je nach Umwelteinflüssen

wie Helligkeit, Temperatur oder Windgeschwindigkeit

hoch und hinunter.

Auch der Aufbau der Schule, an der rund 500 Schülerinnen

und Schüler aus 27 Nationen unterrichtet werden,

ist besonders ausgeklügelt. Die kreuzförmige Anordnung

der vier Gebäudeflügel erstreckt sich in alle

Himmelsrichtungen rund um ein zweigeschossiges

Forum mit einem Glasdach. Dieses dient nicht nur als

Pausenhalle, sondern eignet sich dank einer tribünenartig

gestalteten Sitztreppe auch als Veranstaltungsraum.

Damit sich das Atrium durch die einfallende

Sonnenstrahlung nicht zu stark aufheizen kann, wurde

es mit Horizontal-Markisen von Warema ausgestattet,

die zuverlässig Sonne und Hitze abhalten.

Die Rettungswege spielten bei der Planung der

Schule eine besondere Rolle. In ihrem Umfeld verzichteten

die Architekten aus Brandschutzgründen

auf die Lärchenholzfassade und ersetzten sie durch

Keramikziegel. Damit im Falle eines Falles nicht der

Sonnenschutz für die Kinder und das Schulpersonal

zum Hindernis wird, sind die Horizontal-Markisen vor

der RWA-Öffnung sowie die Raffstoren in der Mensa

mit dem Notstrom-Kit ausgestattet. Diese Komfortsteuerung

gewährleistet bei Gefahr das automatische

Hochfahren des Sonnenschutzes und somit den

freien Weg nach draußen, selbst wenn die reguläre

Stromversorgung unterbrochen sein sollte.

WAREMA Austria GmbH

T +43 (0)662 853015-0

info@warema.at

www.warema.at


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120

Produkt News

Nachhaltig erlebnisreich bauen

Mithilfe der nachhaltigen und handwerklich sorgfältig erstellten Systembauteile

aus Holz und Stahlbeton der Wilhelm NUSSER GmbH Systembau, werden Bildungsund

andere Kommunalbauten kostengünstig und in kürzester Zeit errichtet.

Auch die NUSSER STADTMÖBEL GmbH & Co. KG,

ebenfalls Teil der NUSSER-GRUPPE, hat sich bestens

darauf verstanden, erfolgreich auf der Unternehmenstradition

des Bauens mit Holz aufzusetzen.

Die hochwertigen Landschafts- und Gartenbänke,

Abfalleimer, Sperrpfosten und Fahrradständer sind

in Deutschland und Europa geradezu allgegenwärtig.

Mit ihrem guten Gespür für Design und der hohen

Ausführungsqualität überzeugen die versierten

Stadtmöbelhersteller kommunale Instanzen und

Schulvorstände gleichermaßen. Neben stilistisch differenzierten,

modularen Banksystemen aus Holz mit

Unterkonstruktionen aus Stahl oder Beton, setzte

das Unternehmen frühzeitig auf coolen Edelstahl für

die Herstellung hochmoderner Sitz- und Lehnmöbel.

Langlebigkeit, Qualität, Innovation und Individualität

sind Eigenschaften, die auch das österreichische

Schwesterunternehmen STAUSBERG STADTMÖBEL

seit Jahrzehnten prägen. In Kematen an der Krems

legt man bei der Entwicklung von Stadtmöbeln be-

sonderen Wert auf deren Einklang mit ihrer natürlichen

Umgebung und strebt danach, den öffentlichen

Raum abwechslungsreich und zielgruppengerecht

zu gestalten. Für Kinder und Jugendliche bedeutet

das, sich auch mit ihrem Bewegungsdrang und ihrer

Spielfreude auseinanderzusetzen. Weshalb die Firma

eine große Auswahl an Spielgeräten verschiedenster,

namhafter Hersteller und aus Eigenproduktion anbieten

kann - zusätzlich zu den hauseigenen Parkbänken,

Abfallbehältern, Fahrradständern und Blumentrögen

auch individuelle Spielanlagen aus Holz

und Stahl.

Nicht nur hinsichtlich der Vielfalt und Qualität – das

hohe Maß an Erfahrung und das in den Produktionsstätten

vorhandene Material-Know-how erlaubt den

Planern von Schulhöfen, Kindergärten-, Kindertagesstätten

und anderen Outdoor-Treffpunkten jede Freiheit.

Rundbänke, zum Beispiel, oder ganze verwinkelte

Sitzlandschaften mit unterschiedlichen Sitzhöhen,

die zum Sprungbrett für die anschließenden Spielgeräte

werden.

Stausberg

Stadtmöbel GmbH

T +43 7258/5711

info@stausberg.at

www.stausberg.at


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121

Produkt News

Kindergarten Regenbogen

In der Obersteiermark liegt auf 658 Meter Seehöhe die Stadt Trofaiach. Inspiriert

von der umgebenden Landschaft wählte die Stadt einen leuchtenden Grünton als

Leitfarbe für ihr Corporate Design. Das Trofaiach-Grün, wie es genannt wird, gibt

nun auch bei dem städtischen Kindergarten „Regenbogen“ den Ton an. In enger

Abstimmung mit der Gemeinde entwarf die Malerei Leitner GmbH ein Farbkonzept,

welches das Trofaiach-Grün um einen weiteren Grünton und zwei Grautöne

ergänzt. Die Reinacrylat-Fassadenfarbe Evocryl 200 mit höchster Farbtonbeständigkeit

sorgt dafür, dass die Fassade auch lange so farbenfroh bleibt.

Der mit der Fassadensanierung beauftragte

Malerbetrieb setzte den Kindergarten basierend

auf der Leitfarbe Grün einprägend

in Szene. Den passenden Grünton wählten

die Maler in Abstimmung mit der Stadt aus

dem Scala Farbfächer „Fassade und Detail“

aus. In Kombination mit einem dunkleren

Grünton und zwei hellen Grautönen wirkt

die ansonsten weiß gehaltene Fassade so

frisch und fröhlich, dass sie alle Blicke auf

sich zieht. Zugleich schafft die ausstrahlungsstarke

Fassade damit die besten Voraussetzungen,

um Kindern wie Erziehern

eine anregende und inspirierende Spielund

Lernumgebung zu bieten. Der Eingangsbereich

des Gebäudes ist durch das

Vordach markant hervorgehoben und wird

durch die Gestaltung zum Markenzeichen

des städtischen Kindergartens.

Bei Wind und Wetter – die 100% Reinacrylat-Fassadenfarbe

Evocryl 200 bietet

umfassenden Fassadenschutz und kam

daher als Schlussbeschichtung für die gesamte

Fassade zum Einsatz. Die überlegene

Schutzfunktion verdankt das Produkt

der einzigartigen Evoflex-Technologie auf

Basis einer äußerst wirkungsvollen Rohstoffkombination

aus weichen organischen

Bindemittelsträngen und harten anorganischen

Bestandteilen. Das Ergebnis ist eine

Oberfläche, an der sich größere Schmutzpartikel

nicht mehr festsetzen können,

sodass die Fassade lang anhaltend sauber

bleibt. Auch kleinsten Schmutzpartikeln

wie Ruß und Staub bietet sie keine

Angriffsfläche, denn die enthaltene Solartect-Technologie

baut sie dank Fotokatalyse

ab. Bei dieser Selbstreinigung werden

die Schmutzpartikel durch Sonnenlicht

und dem in der Farbe enthaltenen Pigment

Titandioxid zersetzt – die wohl beste Abwehr

von Verschmutzungen.

Brillux Farben GmbH

T +43 732 370740-0

info@brillux.at

www.brillux.at


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122

Produkt News

Beton-Optik als

dekorativer Kontrapunkt

50 Jahre hatte die alte Volksschule in Hallwang auf dem Buckel. 2016 und 2017

wurde das neue Schulgebäude auf 3.810 m² Nutzfläche im Salzburger Flachgau nach

den Entwürfen des Architekten Tom Lechner vom Büro lparchitektur in 14 Monaten

Bauzeit errichtet.

Beim Neubau der Schule wurde auf eine hybride Bauweise

geachtet: So steht der Baustoff Beton in den

unteren Stockwerken in Kombination mit dem Holzbau

im Obergeschoss. Die neun Klassenräume sind

aus unbehandeltem Holz, was eine behagliche Atmosphäre

erzeugt und ein leichtes und entspanntes Lernen

in einer wohngesunden Umgebung ermöglicht.

Als nüchterner Kontrast wurden Wandabschnitte mit

einer kühlenden Beton-Optik versehen. Dreh- und

Angelpunkt der Volksschule ist eine annähernd quadratische

Eingangs- und Pausenhalle, die zum Toben

und Spielen, aber auch für Veranstaltungen genutzt

werden kann.

Das Gebäude ist nicht nur wegen seiner baubiologischen

Bauweise ein Vorzeige-Objekt. Auch das

Energie-System ist vorbildlich und innovativ. Geheizt

und gekühlt wird das Gebäude ausschließlich mithilfe

der Sonne. Auch die Deckenkühlung wird über

die Solaranlage am Dach betrieben. Über die zentrale

Lüftungssteuerung herrscht zu jeder Jahreszeit eine

angenehme Raumtemperatur. Für diese Nachhaltigkeits-Strategie

gab es eine Nominierung für den

Energy Globe-Award 2018.

Neben dem beispielhaften Ökoenergie-Konzept

spiegelt auch die Gestaltung der Außen- und Innenflächen

mit mineralischen Produkten das Umweltbewusstsein

der Verantwortlichen wider. Für

die dekorative Wandgestaltung kamen mineralische

Produkte aus dem Hause Synthesa zum Einsatz. Um

einen delikaten Kontrast zwischen der ländlichen Natürlichkeit

des Holzes und der Urbanität der stadtnahen

Umgebung herzustellen, erhielten die Betonflächen

des Erdgeschosses und Teile der Innenflächen

mit einer speziellen Kreativtechnik eine elegante und

zugleich kindertaugliche Oberfläche. Die Technik

nennt sich „Autentico“ und basiert auf einem mineralischen

Edel-Putz auf Kalk/Zement-Basis (Capatect

MK Uniputz). Beim Auftrag sollten die Strukturierungen

im Putz nicht ganz zugezogen werden. Löcher

bzw. Krater in der Oberfläche sind erwünscht und

ergeben die charakteristische Oberflächenoptik. Als

Abschluss wird die Fläche mit einem Lasurkonzentrat

nach dem Vorbild historischer Beschichtungen (Histolith

Antik-Lasur) in einem betongräulichen Farbton

überarbeitet. Sie gibt den Flächen eine weiche Glätte,

bei der die Struktur allerdings erhalten und haptisch

wahrnehmbar bleibt.

Synthesa Chemie

Gesellschaft m. b. H.

T +43 (0)7262 560-0

office@synthesa.at

www.synthesa.at


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Produkt News

VIELSEITIGE

DACH-

ABDICHTUNG.

MAXIMALE

PLANUNGS-

SICHERHEIT.

Unsere Dachabdichtungssysteme

basieren auf Flüssigkunststoff.

Sie eignen sich für einfache, detailreiche oder komplizierte

Dachkonstruktionen, sind flexibel einsetzbar, dichten

die Bausubstanz dauerhaft ab und bieten vielfältige

Gestaltungsmöglichkeiten. Und sie erfüllen dabei alle

Anforderungen der Flachdachrichtlinie. Vor allem aber

lösen wir Projekte immer gemeinsam.

www.triflex.com


architektur FACHMAGAZIN

124

Helle Schule –

helle Köpfe

Produkt News

Vier von zehn ÖsterreicherInnen verbringen

kaum eine Stunde täglich im Freien. Dies ergab

die neue VELUX Studie „Coming Generation“,

die im Auftrag des führenden Dachfensterherstellers

durch das YouGov Institut 2019 in

Österreich und 14 weiteren Ländern durchgeführt

wurde.

„Wir verbringen bis zu 90% unseres Lebens in Innenräumen

und sind zu einer wahren ‚Indoor Generation‘

geworden. Zunehmende Urbanisierung, die Omnipräsenz

von Bildschirmen und weitere Spezifika der

modernen Gesellschaft unterstützen das Anwachsen

dieser globalen Thematik“, erläutert Dr. Carina

Grafetstätter, Ecomedicine-Wissenschaftlerin an der

Paracelsus Universität Salzburg.

Tageslicht für Psyche und Körper

Die negativen Auswirkungen und Gesundheitsrisiken

durch einen Mangel an Tageslicht und frischer Luft

lassen sich dank klinischer Studien mittlerweile gut

einschätzen und sind auch der überwiegenden Mehrheit

der Studienteilnehmer durchaus bewusst. Etwa

80 Prozent der rund 1.000 befragten ÖsterreicherInnen

bestätigen, dass sich Tageslicht, frische Luft und

eine natürliche Umwelt im Allgemeinen positiv auf

die körperliche Gesundheit auswirken und die Qualität

des Schlafes, die mentale Gesundheit und den Vitamin

D Status signifikant positiv beeinflussen. Etwa

die Hälfte der Befragten ist auch von einem direkten

Einfluss auf unsere Kreativität überzeugt.


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Produkt News

Die „Coming Generation“ lebt indoor

Um so besorgniserregender ist die Tatsache, dass

gerade Kinder und Jugendliche heutzutage viel weniger

Zeit an der frischen Luft verbringen als früher.

„Diese ‚Coming Generation‘ ist zum Teil zum Aufenthalt

in Innenräumen gezwungen, zum Teil fehlt es ihr

an Motivation, sich bei natürlichem Licht an der frischen

Luft zu bewegen. Eine besondere Bedeutung

muss in diesem Zusammenhang auch der immensen

Schadstoffbelastung in Innenräumen beigemessen

werden“, so Dr. Grafetstätter.

Wege, die Natur wieder stärker in unser Leben und

unseren Alltag bzw. den Alltag unserer Kinder zurückzuholen,

sind unter anderem große Fenster ins

Grüne, Pflanzen im Haus sowie ausreichend Frischluftzufuhr

und Tageslicht im Innenraum. „Wir müssen

darauf achten, dass die kommende Generation den

Bezug zur Natur nicht verliert, sondern diese wieder

zu einem zentralen Bestandteil des Lebens wird“, bestätigt

auch VELUX Österreich Geschäftsführer DI

Michael Walter.

Tageslicht macht Schule

Da natürliches Licht und frische Luft nicht nur das

psychische Wohlbefinden, sondern auch die Konzentrations-

und Leistungsfähigkeit nachweislich verbessern,

sind diese Faktoren auch bei der Planung

oder Sanierung von Schulgebäuden heute verstärkt

zu berücksichtigen.

In der Vorarlberger Volksschule Bütze war beispielsweise

der überdachte Innenhof bisher kaum für Tageslicht

erreichbar. Nach der jüngsten Sanierung

steigert das modulare Oberlichtband VELUX Modular

Skylights hier die Stimmung und Lernfreudigkeit

der Kinder wesentlich. Das bestätigt auch Direktor

Bernd Dragosits: „Offene Lernlandschaften und eine

helle, von Tageslicht durchflutete Atmosphäre – das

wollten wir für unsere Kinder erreichen. Mit VELUX

ist das gelungen. Wir haben eine helle Freude damit!“

VELUX Österreich GmbH

T +43 (0)2245 3235-0

tageslicht@velux.com

www.velux.at

F E E L GO O D FA S S A D E N

IPASOL – STOPRAY - STOPSOL – SUNERGY

Ästhetische Fassadenverglasungen mit exzellentem

Sonnenschutz, hoher Wärmedämmung, perfekter

Sicherheit und maximaler Tageslichttransmission sind

seit vielen Jahren unser Antrieb und unsere Passion.

Denn natürliches Tageslicht kurbelt die Produktion von

Glückshormonen an, macht uns wach und hält gesund.

Darüber hinaus sammeln Sie mit unseren nach Cradleto-Cradle

zertifizierten Isolierglas-Produkten wertvolle

Punkte für LEED oder BREEAM.

Wir unterstützen die initiative-tageslicht.de

INTERPANE GLAS INDUSTRIE AG

Telefon: +49 5273 8090

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architektur FACHMAGAZIN

126

Produkt News

Große Augen für Graz

Nach dem Entwurf von Zaha Hadid entsteht derzeit in der Grazer Altstadt ein

serviciertes Apartmenthaus für Kurz- und Langzeitgäste. Die Jury sah in Hadids

Entwurf eine „zeitgemäße Antwort auf das gründerzeitliche Nachbarhaus“. Dank

des ebenso zeitgemäßen Stahlprofils Janisol Arte 2.0 konnten die „Argusaugen“

in der von der Architektin angestrebten Filigranität realisiert werden.

Die Architektur gliedert sich in eine zweigeschossige

Sockelzone, ausgeführt als zurückgesetzte Structural

Glazing Fassade und eine darüber liegende

Lochfassade mit asymmetrisch angeordneten, nach

außen gewölbten Fensterlaibungen, den sogenannten

„Bubbles“ (engl. für „Blasen“) – Zaha Hadids

unkonventionelle Interpretation einer zeitgemäßen

Lochfassade. Der Projektname „ARGOS“ ergab sich

in Anlehnung an den Mythos vom griechischen Riesen

Argos mit seinen hundert Augen – durch die hindurch

die Gäste des Boardinghouses einen einzigartigen

Ausblick auf die Grazer Innenstadt genießen.

Die aufwendige Konstruktion der verglasten Erker

und Loggien war eine große Hürde, ein „nicht ganz

billiges Geduldspiel“, wie WEGRAZ-Geschäftsführer

Dieter Johs anlässlich eines Interviews äußerte. Erst

mit der Kulmer Holz-Leimbau Ges. m.b.H. und Metallbau

Sauritschnig fand man Partner, die mit langjähriger

Erfahrung die „Argusaugen“ genauso ausführten,

wie die Architektin sie sich vorgestellt hatte: als eine

aufs Äußerste reduzierte Konstruktion aus Stahl,

Glas und glasfaserverstärktem Kunststoff (GFK) in

einer organisch fließenden Form. Mit Janisol Arte 2.0,

als das schmalste am Markt erhältliche thermisch

getrennte Stahlprofil, konnten die Metallbauer diese

Vorstellung realisieren.

Auf der in Ortbeton erstellten Hauptfassadenebene

wurde zunächst eine Unterkonstruktion aus Brettschichtholz

montiert. Die Außenhülle der „Bubbles“

ist aus glasfaserverstärktem Kunststoff (GFK) gefertigt

und wurde mit zwischenliegender Wärmedämmung

auf die Unterkonstruktion aufgesetzt; deren

innenliegende Verkleidung wird mit Gipsplatten ausgebildet.

In die Holzkonstruktion eingesetzt ist eine

tragende Verglasung aus Zweifach-Isolierglas, teils

mit Sonnenschutz- und teils mit Wärmeschutzfunktion

ausgerüstet. Die Fensterelemente mit den öffenbaren

Klappflügeln wurden in einen millimetergenauen

Ausschnitt der raumabschließenden Verglasung

eingepasst und mit Glasleisten fixiert. Dass die 48

Klappflügel mit abgerundeten Ecken gefertigt werden

sollten, war nur eine weitere Herausforderung,

die man mit dem Profil meistern konnte: Es lässt sich

auch problemlos biegen.

ALUKÖNIGSTAHL GmbH

T +43 (0)1 98130-0

office@alukoenigstahl.com

www.alukoenigstahl.com


www.architektur-online.com

127

Produkt News

Das neue Außenrollo zur

schraubenlosen Montage

Mit dem neuen, weiterentwickelten Außenrollo zur bohr- und schraubenlosen

Montage bietet die Schlotterer Sonnenschutz Systeme GmbH ab Mai 2019 die

ideale Sonnenschutzlösung für Mieter.

Das neue BLINOS ROLLO ist für nahezu alle Fenster

und Türen einsetzbar, die aus Kunststoff oder Holz/

Alu hergestellt sind und braucht dafür fast keinen

Platz. Das kompakte System wird mittels patentierter

Klemmvorrichtung wind- und wetterfest am Fensterrahmen

montiert – Fenster und Fassade bleiben dabei

unbeschädigt. Das kunststoffummantelte Fiberglasgewebe

des Rollos reduziert den Wärmeeintrag deutlich,

lässt dennoch viel Tageslicht in den Raum, ermöglicht

eine gute Durchsicht nach draußen und kann auch mit

einem Insektenschutz kombiniert werden!

Das Rollo wird mittels patentierter Klemmvorrichtung

verlässlich auf den Fensterrahmen montiert. Für

die Montage muss weder gebohrt noch geschraubt

werden – die Klemmen greifen an der Innenseite

des Rahmenprofils, wodurch das Rollo bei geschlossenem

Fenster auch sicher vor Diebstahl von außen

geschützt ist.

Das kunststoffummantelte, anthrazitfarbene Fiberglasgewebe

reduziert den Wärmeeintrag im Sommer

um ca. 90%, lässt dennoch in etwa 20% des Tageslichts

in den Raum und ermöglicht zugleich eine gute

Durchsicht nach draußen. Es lässt die Hitze gar nicht

erst bis an das Fenster heran. Im Vergleich dazu gelangen

mit einem Innenrollo rund 75% der Sonnenstrahlung

und somit ein Vielfaches an Wärme durch

das Fenster in den Raum. Und auch die Bedienung

erfolgt mühelos und unkompliziert: Es lässt sich mit

einem einfachen Handgriff nach unten ziehen und

fixieren. Ein kurzer Druck nach unten genügt, um es

wieder zu lösen und hochzufahren.

Das neue System eignet sich für nahezu alle Kunststoff-

und Holz/Alufenster sowie Türen bis zu einer

maximalen Breite von 200 cm und einer maximalen

Höhe von 240 cm. Der Rollo-Kasten, die Führungsschienen

und die Abschlussleisten sind aus pulverbeschichtetem

Aluminium gefertigt und in sämtlichen

RAL-Farben ausführbar.

Schlotterer Sonnenschutz Systeme GmbH

T +43 (0)6245 85591-100

office@schlotterer.at

www.schlotterer.at/de


architektur FACHMAGAZIN

128

Produkt News

Faltschiebetür

in neuer Dimension

Lichtdurchflutete Räume von großer Transparenz und hoher Flexibilität in der

Gestaltung liegen im Trend. Sie sollen Wohn- oder Arbeitsbereiche auf ebenso

elegante wie innovative Weise weit in die Umgebung öffnen. Das gelingt mit

dem neuen Faltschiebetürsystem WICSLIDE 75FD von WICONA – ein prägendes

Stilelement in der Fassade, welches die Grenzen zwischen drinnen und draußen

überwindet. Nutzer von Verwaltungs- und Wohngebäuden, Läden, Kultur- und

Freizeiteinrichtungen profitieren von mehr Freiheit, mehr Naturnähe und mehr

Lebensqualität – besonders in urbaner Umgebung.

Mit nur wenigen unterschiedlichen Bauteilen können

Faltschiebetüren mit bis zu zehn Flügeln und über

12.000 mm Elementgesamtbreite bei einer Höhe von

über 3.000 mm entstehen, die sich barrierefrei einwärts

oder auswärts öffnen lassen. Die aufwendige

Verarbeitung sorgt sowohl in geöffneter wie auch

in geschlossener Stellung für ein harmonisches Erscheinungsbild.

In geöffneter Stellung sind alle Elemente

schwarz, die Schraubenköpfe und die unteren

Laufwagen sind durch schwarze Abdeckungen verborgen.

In geschlossenem Zustand sind die Profile

bündig und ihre Ansichtsbreiten weisen eine klare

und ausgewogene Linienführung auf. Die Türbänder

verschmelzen mit der senkrechten Linie der Dichtungsfuge.

Alle Bänder und Dichtungen sind schwarz,

die Ziehgriffe in der Farbe der Profile beschichtet

und zusätzlich am Band montiert. Für Flachgriffe

in Profilfarbe gibt es speziell angepasste Schlüssel,

denn jeder Flügel lässt sich einzeln abschließen. Der

neue Beschlag überzeugt durch die komfortable Bedienung.

Charakteristisch sind die hohe Dichtigkeit

durch eine umlaufende Dichtung und die aktiv steuerbaren

Verriegelungspunkte.

Die Elemente lassen sich leicht bewegen. Möglich

sind bei diesem Beschlag hohe Flügelgewichte bis

150 kg bei Flügelbreiten von 600 mm bis 1200 mm

und Flügelhöhen von 700 mm bis 3000 mm. Die

Faltschiebetür ist in zwei Versionen erhältlich: als

Standardversion (mit Ansichtsbreiten von 63 mm)

oder als Version mit verstärkten Flügelprofilen (mit

Ansichtsbreiten von 73 mm) für XXL-Abmessungen.

Im Bereich der Schwelle befinden sich Bürsten, für

höhere Anforderungen Dichtungen. Jeder der Laufwagen

wird von vier Edelstahlrollen bewegt.

Hydro Building

Systems Austria GmbH

T +43 (0)6212 20000

info@wicona.at

www.wicona.at


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129

Produkt News

SCHNELL

AM ZIEL.

Qualität ist wichtig,

Design auch

Das Thema Outdoor Living ist in aller Munde und unangefochten das Trendthema

Nr. 1 in der Rollladen- und Sonnenschutzbranche. Während den

Endkunden auf seiner heimischen Terrasse in erster Linie das Design, Beleuchtung,

Wetter- und Sichtschutz zum Nachbarn interessiert, geht es in

der Gastronomie um große Flächen mit entsprechender Standsicherheit und

Windbeständigkeit. Die Konstruktionen und die Produktion der verschiedenen

Systeme unterscheiden sich bei HELLA nur in der Anwendung und den

möglichen Dimensionen, nicht aber in den technischen Details und der Herstellung.

Bei der Dachkonstruktion dürfen es drehbare Aluminium-Lamellen,

wie bei dem Modell VENTUR sein, das als bioklimatische Pergola mit einem

waagerechten Dach bis zu einer Baugröße von 4,5 x 6,2 m konzipiert wurde.

Soll oder muss die Überdachung – wie z. B. durch behördliche Vorgaben –

komplett geöffnet werden können, bietet sich das Modell SINTESI an. Die

textile Bespannung aus stabilem PVC-Gewebe kann zusammengefahren

werden und benötigt so für die Parkposition des gerafften Behangs 20% weniger

Platz als vergleichbare Modelle. Mit einer max. Baugröße von 6 x 5,1 m

bzw. 5,5 x 7 m pro Modul können auch hier große Flächen mit koppelbaren

Modulen überdacht werden. Eine Dachschräge von min. 7° ist obligatorisch,

um den sicheren Ablauf von Regenwasser zu gewährleisten.

HELLA Sonnen- und

Wetterschutztechnik GmbH

T +43 (0)4846 6555-0

office@hella.info

www.hella.info

HOCH ERGIEBIG

UND FLEXIBEL

OPTIMALE VERARBEITUNGS-

EIGENSCHAFTEN

LEICHTES EINFUGEN

UND NACHWASCHEN

› Profi Dichtfolie Schnell

Maximo PSM 1K

› Supraflex SFS 2

› Schnellflexfuge Ultra

SFU 77

Die Profi Dichtfolie Schnell

Maximo PSM 1K ist extrem

ergiebig, sehr gut spachtel-, rollund

streichfähig und erlaubt die anschließende

Verfliesung bereits nach

drei Stunden. Zusammen mit dem

Supraflex SFS 2 und der Schnellflexfuge

Ultra SFU 77 lässt sich

schnell und flexibel arbeiten.

Murexin. Das hält.


architektur FACHMAGAZIN

130

Produkt News

Kunst und Keramik

Nach vierjähriger Bauzeit feiert Regensburg am 4. Juni die Fertigstellung seines

neuen Museums für Bayerische Geschichte. Das Gebäude, geplant vom Frankfurter

Architekturbüro Wörner Traxler Richter, schließt hiermit eine Lücke –

städtebaulich zwischen Donau und Altstadt und kulturhistorisch zwischen 1806

und Gegenwart. Für die Fassadengestaltung ließen sich die Architekten von den

umliegenden mittelalterlichen Bauten inspirieren und wählten hierfür individuell

gefertigte, strukturierte Keramikplatten von Moeding.

Städtebauliche Anpassungen und die umfangreiche

architektonische Auseinandersetzung mit der

Altstadt verhalfen 2013 dem Frankfurter Architekturbüro

zum ersten Preis bei dem internationalen

Architekturwettbewerb. So finden sich Farb- und

Materialcharakteristika des Kontextes in der Keramikfassade

des Neubaus wieder. Der Produzent fertigte

hierfür sieben unterschiedliche Plattentypen

mit gekämmter Oberflächenstruktur, die im Wechsel

mit 4.300 Vierkantbaguettes das skulpturale Erscheinungsbild

des Gebäudekörpers hervorheben.

Eine fein rhythmisierende, vertikale Textur überdeckt

konsequent die meisten Fassadenöffnungen zur

Wahrung dieses Eindruckes. So reagiert die Fassade

mit unterschiedlichen Geschlossenheitsgraden auf

die Anforderungen der Nutzung als Museum.

Zur Herstellung der Keramikplatten wurden sieben

Mundstücke von 150 - 495 Millimeter Breite gefertigt.

Die unterschiedlichen Ausformungen erzeugen das

filigrane Relief, das individuell und in enger Abstimmung

mit den Architekten für das Gebäude entworfen

wurde. Auch die gekämmte Oberfläche der Ziegelelemente

entwickelten sie eigens für das Objekt. Als

Basis für die Keramikplatten dient das Alphaton Rapid

System, das keine Montagereihenfolge vorgibt – ein

großer Vorteil bei vielen verschiedenen Plattentypen.

Gepaart mit der ebenso individuell entwickelten

grauen seidenmatten Glasur verändert sich das Erscheinungsbild

der Gebäudehülle je nach Witterung

und Lichteinfall und reflektiert dabei dezent die um-

gebende Lichtstimmung. Material und Farbigkeit der

Keramik adaptieren Charakteristika der Überreste

des römischen Legionslagers „Castra Regina“ an der

oberen Donau, der Keimzelle der Stadt Regensburg.

Mit dem Bau des Museums für Bayerische Geschichte

ist den Architekten in Regensburg eine moderne

Altstadtverdichtung gelungen, die sich in Strukturalität,

Farbigkeit, Materialität und Rhythmik einfügt.

In nur 80 Kilometer Entfernung wurde die langlebige

und natürliche Keramikfassade im Werk von Moeding

gefertigt und stellt auch deswegen eine besonders

nachhaltige Wahl dar.

Moeding

Keramikfassaden GmbH

T +49 (0)8732 2460-0

info@moeding.de

www.moeding.de


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Produkt News

Fundamente und Sockel

regelkonform abdichten

Neue Abdichtungstechnologien, die in den vergangenen Jahren

entwickelt wurden und die sich in der Baupraxis bewährt

haben, machten eine Überarbeitung der lange geltenden

ÖNORM B3691 erforderlich. Für die Abdichtung von erdberührten

Bauteilen ist die ÖNORM B3692 maßgeblich. In der

Baupraxis bewähren sich dafür Systemlösungen mit Flüssigkunststoffen,

die mit Einführung der neuen Norm für Abdichtungen

in diesem Bereich zugelassen sind. Das gilt auch

für durchfeuchtete Untergründe, wie es in erdberührten Bereichen

häufig der Fall ist. Eine passende Lösung insbesondere

für den Schutz von Fundamenten und Gebäudesockeln

ist Triflex SmartTec. Das Bindemittel auf Polyurethan-Basis

haftet auf mineralischen Untergründen, selbst wenn sie stark

durchfeuchtet sind. Ebenso ist auf Konstruktionen aus Holz

keine Grundierung erforderlich. Darüber hinaus ist das System

diffusionsoffen und ermöglicht ein nachträgliches Austrocknen

der Substanz. Triflex SmartTec bietet überall dort einen

zuverlässigen, regelkonformen Bauwerksschutz, wo andere

Technologien oftmals keine nachhaltigen Ergebnisse liefern.

Triflex GesmbH

T +43 (0)6233 20089

info@triflex.at

www.triflex.at


architektur FACHMAGAZIN

Ein Kleber, der hält!

Mit einem hartelastischen Universalklebstoff, der

über hohe Scherfestigkeit und starke Anzugskraft

verfügt, punktet Murexin beim Parkettklebstoff

X-Bond MS-K539. Der moderne Klebstoff der X-Bond

Serie verfügt über ausgezeichnete Eigenschaften: Er

ist 1-komponentig, physiologisch unbedenklich, lässt

sich einfach verstreichen und damit leichtgängig verarbeiten.

Seine ausgeprägte Anzugskraft verhindert

Hohlstellen und macht die Parkettverlegung sicherer.

Außerdem ist er sehr emissionsarm nach EC1 PLUS R,

wasser- und lösemittelfrei, frei von migrationsfähigen

Bestandteilen und trägt damit wesentlich zum

Schutz der Verarbeiter und einem gesunden Raumklima

bei. Außerdem gibt es keine schädlichen Wechselwirkungen

mit Parkettlacken. Selbst Parkettarten

mit erhöhtem Quell- und Schwundmaß können mit

dem Kleber verklebt werden, da seine hohe Endhärte

eine Fugenbildung minimiert. Er haftet auf saugfähigen

und nicht saugenden Untergründen und wird

damit zum Allrounder auch im Renovierungsbereich.

Die Klebstoffe dieser Serie sind Produkte der modernen

Generation auf MSP-Basis. Sie zeichnen ihre

hervorragenden Verarbeitungseigenschaften aus

ebenso wie ihre unbedenklichen Inhaltsstoffe, die sie

besonders anwender- und umweltfreundlich machen.

132

Murexin GmbH

T +43 (0)2622 27401-0

info@murexin.com

www.murexin.com

Produkt News

Wohnen „im Grünen“

Das architektonisch wie energetisch gelungene Bauprojekt der NEU-

EN HEIMAT TIROL (NHT) im Innsbrucker Stadtteil Saggen erreichte

mit den hocheffizienten Fassaden-Dämmplatten von Steinbacher

Klimaaktiv-Bronze-Standard. Zwei Jahre lang wurden die Wohnhäuser

aus den 50er Jahren in Richtung Passivhausstandard saniert,

komplett barrierefrei gestaltet und modern aufgestockt. Zu den 50

bestehenden Wohnungen kamen 32 Neubau-Mietwohnungen unterschiedlicher

Größe mit Balkon oder Terrasse hinzu. Eine Fotovoltaikanlage

am Dach sorgt für günstigen Sonnenstrom. Fast 1.000 m³

hocheffiziente graue steinopor® Dämmplatten mit Infrarotreflektoren

des Tiroler Dämmstoff-Spezialisten stecken in der Fassade und sorgen

unter anderem für die hervorragende Energiebilanz.

Steinbacher Dämmstoffe verfügt über eigene Produktionsstätten in

Polen sowie in Deutschland. Die Exportquote beträgt ca. 45%. Sämtliche

Produkte werden zum Schutz von Klima und Umwelt nach dem

neuesten Stand der Technik produziert. Mit regelmäßiger Investition

in moderne Standorte, nachhaltige Produktinnovationen und die

Weiterbildung der Mitarbeiter hält man sich fit für die Zukunft als

vorausdenkende Dämmstoff-Familie.

Steinbacher Dämmstoff GmbH

T +43 (0)5352 700-0

office@steinbacher.at

www.steinbacher.at


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PURLINE

Bioböden

Das nachhaltige Produktkonzept

für alle Anforderungen - frei von PVC,

Weichmachern oder anderen Schadstoffen.

Produkt News

Neuer Zement für

Hoch- und Tiefbau

Zement hat aufgrund seiner hohen Herstellungskosten nicht

gerade den besten Ruf. Die Produktion von Zementklinker erfolgt

bei 1.450 °C, benötigt somit viel Energie und führt zu einem

hohen Klimafußabdruck. Jetzt hat Holcim zusammen mit der

ETH Zürich einen neuen, klimaschonenderen Zement im Praxistest

ausprobiert. Er verursacht durch Einsparung von Klinker

deutlich weniger CO 2 -Emissionen. Getestet wurde auf der Baustelle

des B12 Illside in Nüziders. Bei der Planung des 30 m hohen

Baus der neuen Firmenzentrale von GANTNER Electronic

und Tomaselli Gabriel Bau entschied man sich für Heizung und

Kühlung mittels Betonkernaktivierung und die Nutzung von

Grundwasser. 180 m 2 Fotovoltaikzellen sind in die Verglasung

integriert. Das Dach ist extensiv begrünt.

Ein Teil des Gebäudes besteht aus einem neu entwickelten Zement

von Holcim Schweiz, dessen Klinkeranteil bei unter 50%

liegt. Dieser niedrige Wert ist weltweit einzigartig für Zement

im Hochbau. Zum Vergleich: Der in Österreich verwendete

Zement enthält durchschnittlich rund 70% Klinker. Verglichen

mit 1990 ist der CO 2 -Ausstoß der Zementproduktion bereits

um 30% geringer. Der neue Zement schafft eine zusätzliche

CO 2 -Reduktion von mehr als 20%.

Als Ersatz für den Klinker enthält das neue Produkt eine Mischung

aus hochwertigem Kalkstein, gebranntem Schiefer

und Flugasche, einen rein natürlichen Aktivator und sorgfältig

abgestimmte Betonzusatzmittel.

Alle Labortests zu den Eigenschaften von Frisch- und Festbeton

sowie Dauerhaftigkeit und Korrosion hat der Beton

bestanden. Ein Team der ETH Zürich platzierte dazu hochauflösende

Sensorsysteme in den Betonwänden. Aus den

übertragenen Daten lassen sich nun die Entwicklung des

pH-Wertes, der Chloridkonzentration sowie der Feuchte kontinuierlich

ablesen und auch der Karbonatisierungsfortschritt

des Betons abschätzen. Ein niedriger Klinkeranteil kann die

Karbonatisierung und die damit zusammenhängende Korrosion

der Stahlbewehrung im Beton verstärken.

Man geht davon aus, dass der Klinkeranteil im Zement noch

weiter gesenkt und damit auch der CO 2 -Fußabdruck weiter

verringert werden kann. Zudem möchte das Unternehmen

den Klinker in Zukunft vermehrt mit lokalen, erneuerbaren,

bereits recyclierten Ressourcen ersetzen. Umfassende Untersuchungen

im Labor laufen bereits.

www.holcim.co.at

© Holcim (Schweiz) AG

PURLINE

2.0

Für Zuhause

- Zum Kleben & Klicken

- auch als Multilayer

- Nutzungsklasse 23 / 32

- 28 Designs

SONNHAUS GmbH

Ginzkeystraße 38 ∙ 4600 Wels ∙ www.sonnhaus.at

Tel: +43 7242 634-100 ∙ office@sonnhaus.at

www.sonnhaus.eu

PURLINE

concept

Für das Objekt

- Zum Kleben

- Nutzungsklasse 23 / 32 / 43

- Als Bahnen-, Planken- oder

Fliesenware

- 5 verschiedene Formate

- 108 Dekore

- R10 Oberfläche (optional R11)

- Beste Akustikwerte durch

Trittschallreduzierung (bis zu

17 dB)


architektur FACHMAGAZIN

Dämmen mit vier Vorteilen

134

Produkt News

Die neuen ISOVER Kontur KP 1 Mineralwolle-Dämmplatten

decken alle vier wesentlichen

Dämmstoff-Anwendungsbereiche des

modernen, nachhaltigen Wohnbaus mit nur

einem Produkt ab: Die formstabilen Platten

können im Dachausbau, im Holzriegelbau,

im Trockenbau und in der hinterlüfteten

Fassade eingesetzt werden. Dies führt zu

einer Vereinfachung der Baustellenlogistik

und einer wesentlichen Reduktion des

Schadstoffausstoßes im Bauprozess. Die

Dämmplatte wird aus 80 Prozent recyceltem

Altglas unter besonders ressourcenschonenden

Bedingungen produziert.

Sie sind gemäß ihrem Brandverhalten als

„nicht brennbar“ in die höchste Euroklasse

„A1“ eingestuft. Es werden keinerlei brandhemmende

Substanzen verwendet und es

besteht auch kein Risiko durch Rauchentwicklung

oder Abtropfen. Eine besonders

schnelle und passgenaue Verarbeitung runden

die Eigenschaften der neuen Mineralwolle-Dämmplatten

ab.

Saint-Gobain ISOVER Austria GmbH

T +43 (0)2266 6060

isover-at.marketing@saint-gobain.com

www.isover.at

Professionelles Bildaufmaß

On-Site Photo ist ein Präzisionsverfahren

zur Ermittlung von Maßen aus digitalen Bildern.

Das besondere Merkmal dieser Software

ist die einfache Bedienung. Sie bietet

universelle Anwendungsmöglichkeiten wie:

• Ermitteln von Mengen in digitalen Fotos

und Plänen

• Nachzeichnen von Ansichten auf digitalen Fotos

• Zeichnen von 3D-Bauteilen auf digitalen Plänen

• Verlegen und Visualisieren von

Solarmodulen in digitalen Fotos

• Fotos mit Farben und Texturen gestalten.

On-Site Photo ermöglicht die Nutzung der

Vorteile fotogrammetrischer Verfahren für

Jedermann und ist ein universelles Werkzeug

für Planer, Gutachter, Bauleiter und

Handwerker. Es erzeugt fertig gelayoutete

Auswertungen zu Längen, Umfängen,

Flächen und Volumen, die bei Bedarf zu

MS-Excel exportiert werden können. Für

den CAD-Export stehen leistungsfähige Direkt-Schnittstellen

zu Allplan und AutoCAD

zur Verfügung. Zusätzlich bietet es eine

DXF-Schnittstelle und eine -isb cad-Schnittstelle.

Ebenso entzerrt es Bilder oder Bildausschnitte

und speichert diese mit wählba-

ren Auflösungen ab. Die Basic-Version bietet

zu einem reduzierten Preis alle Funktionen

jedoch ohne die Arbeitsbereiche Hüllflächen,

3D-Bauteile, Solarmodule, Gestalten

Farben, Gestalten Texturen.

DI Kraus & CO GmbH

T +43 (0)2622 89497-13

office@dikraus.at

www.dikraus.at

www.arcon-cad.at


www.architektur-online.com

135

Produkt News

OpenBIM – der flexible

Weg zur Standardlösung

Die Methode BIM findet in der Projektabwicklung bereits Anwendung, sobald es

aber darum geht, BIM unternehmensübergreifend einzusetzen, wird es schwierig.

Nur die Methode OpenBIM ist geeignet, den durchgängigen Datenfluss – von der

Planung bis zur Abrechnung – mittels Verwendung von offenen, softwareneutralen

Standards sicherzustellen. Hier bieten sich das internationale Format IFC (Industry

Foundation Classes) für den CAD-Bereich und das Format ÖNORM A2063

für den AVA-Bereich an.

Der Ausschreiber erhält eine geprüfte IFC4-Datei, die

den Anforderungen für Ausschreibung, Vergabe und

Abrechnung (AVA) entspricht. Daraus entwickelt er

mithilfe eines standardisierten Elementkataloges

und frei zusammengesetzter Elemente eine vollständige

Projektelementliste. Diese Liste beinhaltet alle

modellierten BIM-Elemente und zusätzlich auch nötige

Planungsleistungen, Vorarbeiten, Baustellengemeinkosten

und Vorbemerkungen. Mit der eindeutigen

Identifikationsnummer zum BIM-Element bleibt

die Verbindung zum Gebäudemodell in allen Phasen

erhalten und es wird eine visuelle Darstellung der

Projektelementliste möglich. Aus dieser Liste wird

schlussendlich ein Leistungsverzeichnis generiert.

Als Ausschreibungsunterlagen werden die IFC4-Datei,

die Projektelementliste und das Ausschreibungs-LV

dem Bieter für die Angebotslegung übergeben.

Der Bieter kalkuliert nun sein Angebot wie

gewohnt. Zusätzlich werden die ausgeschriebenen

Mengen anhand des beiliegenden Modells visualisiert.

Die Projektelementliste gibt Aufschluss über

die anteiligen Positionsmengen. Falls erforderlich,

trägt der Bieter die angebotenen Produkte in die Projektelementliste

ein. Auch hier werden die Daten mit

dem beiliegenden IFC-Modell visualisiert.

Elementkataloge reduzieren derzeit den Bearbeitungsaufwand

von Kostenplanern. Ein wesentlicher

Schritt beim Aufbau eines standardisierten Elementkataloges

ist die Zuordnung der richtigen Leistungspositionen

aus den entsprechenden Leistungsbeschreibungen

zu den Elementen. Ziel muss sein, dass

bei intelligenten Elementen aufgrund der hinterlegten

Bedingungen die passenden Positionen weitgehend

automatisiert zugeordnet werden. Damit das gelingen

kann, bedarf es prinzipiell einer sehr disziplinierten

und strukturierten Arbeitsweise am Gebäudemodell,

damit dieses auch alle notwendigen Informationen für

die betreffende Aufgaben liefern kann.

ib-data GmbH

T +43 (0)1 492 5570-0

abkinfo@abk.at

www.abk.at


architektur FACHMAGAZIN

136

edv

Rugged-Hardware

Robuste Rechner für die Baustelle

Spezielle Rugged-Hardware verträgt nicht nur Staub, Schmutz, Nässe, Regen oder

einen Sturz auf den Betonboden. Sie ist auch zuverlässiger, langlebiger und damit

nachhaltiger.

Text: Marian Behaneck

Mobilhardware ist ein wichtiger Bestandteil

der digitalen Transformation im Bauwesen

und ein zentraler Baustein des Mobile

Computing, der mobilen Nutzung von IT,

Software und Dienstleistungen. Die digitale

Erfassung, Zuordnung und Anzeige von

Daten unterwegs oder direkt vor Ort sorgt

dafür, dass Medienbrüche vermieden und

Arbeitsprozesse rationalisiert werden. Für

Einsätze unter rauen Umgebungsbedingungen,

auf nassen, feuchten und staubigen

Baustellen, offerieren einige Hersteller

spezielle „rugged“ Hardware (engl. für

„robust“, „stabil“). Lohnt sich diese etwas

teurere Technik oder ist konventionelle

Mobilhardware mit zusätzlicher Schutzausstattung

ebenso gut?

Was macht „robuste“ Hardware aus?

Robuste Hardware verfügt meist über ein

schlagfestes Leichtmetall- und/oder ein besonders

stabiles Kunststoffgehäuse. Manchmal

federt zusätzlich eine Gummierung an

den Ecken und Kanten Stöße ab und macht

das Gehäuse griffiger. Bei Rugged-Notebooks

oder Convertibles verwandelt sich

das zugeklappte Gehäuse in einen Hartschalenkoffer

mit praktischem, versenkbarem

Tragegriff. Tastatur, Touchpad und Display

sind spritzwassergeschützt, Schnittstellen

durch Gummiabdeckungen abgedichtet. Die

Festplatte ist durch eine Gel- oder Gummilagerung

vor Stößen und durch eine zusätzliche

wasserdichte Ummantelung vor Nässe

geschützt. Bei besonders robusten Geräten

sorgt eine Heizung dafür, dass Festplatten

auch bei extremen Minusgraden funktionieren.

Lüfterlosen Rugged-Modellen macht

auch feinster Baustaub nichts aus und in

ruhiger Büroumgebung stört kein Lüftergeräusch

beim Arbeiten.

Eingesetzt wird robuste Hardware von der

Industrie, vom Militär, der Polizei, Feuerwehr,

von Außendienstmitarbeitern oder

Wartungsfirmen. Im Baubereich hat sich

Robuste Smartphones, Tablets und Notebooks vertragen auch schon mal

einen Absturz oder ein kurzes Bad. © Handheld

Rugged-Hardware in besonders unwirtlicher

Baustellenumgebung, wie etwa im

Tief- und Tunnelbau, in der Geodäsie und

beim Gebäudeaufmaß bewährt. Bauplaner

und Bauunternehmer sind zwar eine Randzielgruppe,

was nicht zuletzt am höheren

Preis liegt. Je nach Einsatzbereich können

sich die höheren Investitionskosten aber

schnell bezahlt machen.

Gradmesser für Robusheit:

IP und MIL-STD

Den Grad der Robustheit und Widerstandsfähigkeit

gegen äußere Einflüsse geben

der sogenannte IP-Code und der US Military

Standard (MIL-STD) an. Schutzarten

nach dem IP-Standard teilen elektrische

Geräte im Hinblick auf ihre Eignung für

unterschiedliche Umgebungsbedingungen

ein. IP steht für Ingress Protection (Eindring-Schutz)

und gibt den Schutzgrad des

Gehäuses gegen Berührung, Fremdkörper

und Wasser an. Der vom US-Militär definierte

MIL-STD unterzieht Geräte Temperatur-,

Feuchtigkeits-, Korrosions-, Fall- und Stoßund

anderen, für den Bausektor eher irrelevanten,

Tests.

Eingeteilt werden Outdoor-taugliche Geräte

meist in „Semi-“, „Fully-“ und „Ultra-Rugged“.

Semi-Rugged-Hardware widersteht

bestimmten äußeren Einwirkungen eingeschränkt,

wie etwa Spritzwasser, Staub oder

Stürzen/Stößen und verfügt immer über

einen Lüfter. Eingeschränkt bedeutet zum

Beispiel, dass die Hardware zwar nach IP

54 staub- und spritzwassergeschützt, aber

nicht dicht ist. Fully-Rugged-Hardware ist

nahezu vollständig gegen äußere mechanische

oder klimatische Einflüsse abgeschottet

und verfügt über keinen Lüfter. Sie ist

nach IP65 staub- und strahlwasserdicht

sowie nach den jeweiligen MIL-Standards

(MIL-STD 810F, MIL-STD 810G, MIL-STD

461F etc.) gestestet und zertifiziert. Stürze


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137

edv

aus Hüft- oder Tischhöhe werden auch in

aufgeklapptem Zustand klaglos hingenommen,

ebenso wie extreme Temperaturen

(-20°C bis +60 °C). Einen Sturz aus großer

Höhe auf Stein oder Beton kann allerdings

auch robuster Technik den Garaus machen.

Man sollte sich die Robustheitsangaben

der Hersteller genauer anschauen, denn sie

sind nicht immer transparent und kaum vergleichbar.

Von einigen Anbietern wie Getac,

Panasonic oder Xplore wird auch vollständig

gekapselte, explosionsgeschützte – und

damit beispielsweise für den Tunnelbau geeignete

„Ultra-Rugged“-Hardware offeriert.

Ob im Büro oder auf der Baustelle – robuste

Hardware ist flexibel und zuverlässig.

© Logic Instrument

Außen hart, innen smart

Das Herz von Rugged-Mobilrechnern bilden

stromsparende, für den mobilen Einsatz besonders

geeignete Mehrkern-Prozessoren.

Dual-, Quad- und Octacore-Prozessoren, die

in vielen aktuellen Mobilrechnern verbaut

sind, ermöglichen auch rechenintensivere

Anwendungen, aber keine anspruchsvollen

CAD-/BIM-Anwendungen. Rugged-Notebooks

verfügen meist über modulare, teilweise

auch während des Betriebs austauschbare

Festplatten oder SSD-Speicher. Ein wichtiges

Auswahlkriterium für Outdoor-Hardware

ist eine matte Bildschirmoberfläche,

die Spiegelungen vermeidet und eine große

Variabilität der Bildhelligkeit, die sich sowohl

an absolute Dunkelheit als auch an eine direkte

Sonneneinstrahlung anpassen lässt.

Bei hoher Lichtintensität kommt teilweise

die sogenannte transflektive Displaytechnik

zum Tragen, bei der das Umgebungslicht

genutzt wird, sodass die interne Lichtquelle,

das LCD-Backlight, reduziert oder komplett

abgeschaltet werden kann, was zusätzlich

Akkustrom spart. Ein wichtiges Maß ist die

Leuchtdichte in Cd/qm (Candela pro Quadratmeter),

die zwischen 500 und 1.000 Cd/qm

(und mehr) liegen sollte. Dieser technische

Wert sagt jedoch wenig aus – besser ist ein

Ausprobieren des Monitors bei unterschiedlichen

Lichtverhältnissen. Eine Digitalkamera-Funktion

auf der Gehäuse-Rückseite ist

ab einer Auflösung von 5 Megapixeln sinnvoll,

darunter sind Dokumentationsfotos

unbrauchbar. Eine zusätzliche Frontkamera

kann man geschäftlich beispielsweise für die

Videotelefonie nutzen. Sehr gut ausgestattet

ist robuste Mobilhardware meist im Hinblick

auf Erweiterungssteckplätze, Datenund

Kommunikationsschnittstellen. Ebenso

wie ein LAN-Anschluss für die Anbindung

an das Telefon- und Computernetz gehören

Anschlüsse für externe Monitore sowie mehrere

USB-Schnittstellen für den Anschluss

von Maus, Drucker, USB-Stick oder externe

Tastatur und Festplatte etc. dazu. Für die

schnelle Übertragung von Digitalkamera-Fotos

auf den Rechner sorgt ein eingebauter

Multiformat-, mindestens aber ein SD-Speicherkartenleser.

Mobilität beim Zugriff auf

Netzwerke und beim Austausch von Informationen

bieten unter anderem drahtlose

Netzwerke für die Datenübertragung auf

kurze und größere Entfernungen (WLAN,

WWAN), Bluetooth für die drahtlose Kommunikation

zwischen Drucker, Notebook und

Desktop-PC. Bereits enthaltene oder optionale

Mobilfunkstandards ermöglichen den

mobilen E-Mail- und Internet-Zugang.

Auch robuste Hardware

hat Schwachstellen

Mit den Fortschritten in der Akkutechnik

wuchs leider auch der Strombedarf – etwa

Das Leichtmetallgehäuse ist stoßgeschützt,

staubdicht und spritzwassergeschützt,

Schnittstellen sind durch Gummiabdeckungen

abgedichtet. © Panasonic

durch größere Displays oder mehr Hardware-Funktionen.

Deshalb kann, trotz leistungsfähiger

Akkus, bei einem realistischen

Nutzungsprofil auch robuste Hardware

teilweise schon nach etwa 3 bis 4 Stunden

schlapp machen. Herstellerangaben sind

häufig irreführend, denn die angegebenen

6, 8, 10 oder gar mehr Akku-Betriebsstunden

sind nur bei einem praxisfernen Nutzungsprofil

mit heruntergedimmtem Display,

sparsamem Speicherzugriff, geringer

CPU-Auslastung, ohne aktivierte WLANoder

Buetooth-Funktion etc. zu erreichen.

Behelfen kann man sich aber mit einem

zweiten Akku-Satz, der bei einigen Modellen

auch im Betrieb gewechselt werden

kann. Ein weiterer Schwachpunkt sind die

Abmessungen und das Gewicht, denn der

Zusatzschutz macht Rugged-Hardware

nicht nur robust, sondern auch groß und

schwer. Mit 3 bis 5 Zentimetern Bauhöhe

und 3 bis 5 kg Gewicht sind beispielsweise

Fully-Rugged-Notebooks mindestens doppelt

so dick und schwer wie konventionelle

Modelle. Semi-Rugged-Geräte sind kompakter

und leichter. Bei Convertible-Modellen

lässt sich das LC-Display um 360

Grad drehen und mit der Displayoberfläche

nach oben auf die Tastatur klappen oder

ganz abnehmen. Dadurch wird aus dem

Bildschirm ein Tablett, das auch eine grafische

Dateneingabe per Stift ermöglicht.

Ein teilweise im Lieferumfang enthaltener

Schultergurt erleichtert Eingaben im Ste-


architektur FACHMAGAZIN

138

edv

hen. Für den wechselnden Einsatz zwischen

Büroarbeitsplatz und Baustelle sollte man

eine optional erhältliche Docking-Station

verwenden. An dieser sind im Büro externe

Geräte wie Drucker oder Scanner sowie das

Büro-Netzwerk angeschlossen, sodass man

das Tablet oder Notebook nur noch einstecken

muss. Auch für Fahrzeuge gibt es spezielle

Halterungen und Akku-Ladegeräte.

Wann lohnt sich Rugged Hardware?

In der Rugged-Version kosten Smartphones,

Tablets, Netbooks oder Convertibles

schnell mal das Doppelte und Dreifache

dessen, was man von vergleichbaren konventionellen

Business-Modellen gewohnt

ist. Semi Rugged-Modelle sind etwas

günstiger. Der Mehrpreis macht sich aber

schnell bezahlt, weil konventionelle Mobilhardware

viele Schwächen hat. Ausgeleierte

oder gebrochene Scharniere, hakende

oder nicht funktionierende Tasten, defekte

Netz-Anschlussbuchsen oder Netzteile,

gesprungene Displaygläser oder kaputte

Akkus sind häufige Schadensbilder schon

nach wenigen Jahren. Das kommt bei Rugged-Geräten

praktisch nicht vor – dank

hochwertigen und langlebigen Bauteilen

und Materialien, einer guten Verarbeitung

und der besonderen Rugged-Technik. Wer

in diesem Preisniveau allerdings auch die

neueste Prozessortechnik erwartet, wird

enttäuscht: Rugged-Geräte hinken aktuellen

Prozessor-Standards technisch immer

etwas hinterher. Das liegt daran, dass die

Modellzyklen der Rugged-Hardware längerfristig

angelegt sind, als die von Prozessoren.

Für die Zielgruppe von Rugged-Herstellern

ist das nur ein marginaler Nachteil.

So spielen für Planer, Hoch- und Tiefbauunternehmer

oder Handwerker Aspekte wie

Modellkontinuität, Zubehörauswahl, modulare

Ausbaumöglichkeiten für individuelle

Anpassungen, ein guter Service oder die

langjährige Verfügbarkeit von Zubehör und

Ersatzteilen eine größere Rolle als die neueste

Prozessortechnik. Wer dem latenten

Druck, immer das neueste Smartphone-Modell

besitzen zu müssen, nicht widerstehen

kann, wird Rugged-Geräte eher meiden und

sich mit einer zusätzlichen Schutzausstattung

behelfen. Für konventionelle Smartphones,

Tablets und Notebooks offerieren

diverse Anbieter eine reiche Auswahl an

staub- und wasserdichten Schutzhüllen

aus Neopren oder anderen Materialien, die

auch vor Stößen und Kratzern schützen

(siehe Anbieterliste). Allerdings wird das

teilweise mit Einschränkungen bei der Geräte-Zugänglichkeit

und beim Bedienkomfort

erkauft.

Fazit: Rugged-Hardware

ist nachhaltiger

Wer Wert auf ein robustes Arbeitswerkzeug

legt, das nahezu allen Widrigkeiten trotzt

und über viele Jahre zuverlässig seinen

Dienst tut, findet in speziellen Rugged-Geräten

verlässliche Begleiter. Bessere Geräte-,

Bauteil- und Materialqualitäten sowie

ein in der Regel sehr guter Service machen

die Geräte langlebiger und damit auch nachhaltiger.

Doch nicht alles, was als „rugged“

offeriert wird, ist es auch. Bezeichnungen

wie „ruggedized“ deuten auf eine niedrigere

Robustheitsstufe hin und viele Anbieter

konventioneller Mobilhardware, die einzelne

Modelle unter diesem Label anbieten, fehlt

das langjährige Know-how von ausschließlich

auf die Rugged-Technik spezialisierten

Herstellern. Leider setzen Prozessor- und

Betriebssystemzyklen, insbesondere bei

Smartphones, der Langlebigkeit von Rugged-Geräten

Grenzen. Wird die neueste

App nur ab einer bestimmten Betriebssystem-Version

unterstützt, respektive der

Support für ein Betriebssystem abgekündigt

(wie aktuell von Windows 7 zum 14. Januar

2020), wird man meist doch zu einem

Wechsel gezwungen, obwohl die Hardware

noch viele Jahre ihren Dienst tun würde.

Weitere Infos

de.wikipedia.org/wiki/Schutzart

IP-Schutzarten

en.wikipedia.org/wiki/United_States_Military_Standard MIL-Standard

www.notebookinfo.de

Markt, Forn

www.notebookcheck.com

Testberichte

www.ruggedpcreview.com

Online-Magazin

Anbieter Rugged-Hardware

www.acturion.com, www.agmmobile.com, www.bit-industrial.com, www.blackview.hk,

www.catphones.com, www.dell.at, www.doogee.cc, www.durabook.com, www.ecom-ex.

com, www.getac.at, www.handheldgermany.com, www.isafe-mobile.com, www.kontron.

com, www.kyoceramobile.com, www.logic-instrument.com, www.motorola.at, www.pokini.de,

www.roda-computer.com, www.ruggear.com, www.samsung.at, www.toughbook.

eu, www.wortmann.de, www.xploretech.com

Anbieter Schutzhüllen

www.catalystlifestyle.com, www.easyacc.com, www.hama.at, www.iharbort.com, www.

kensington.com, www.outdoorcover.de, www.pelican.com

* Ohne Anspruch auf Vollständigkeit

Einige Rugged-Modelle verfügen über spezielle

Sensoren, etwa einen Infrarot-Sensor für

Wärmebilder.

© CAT Phones

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Zwei ARCHICAD Schulungen,

und es lief.

Stefan Meyfarth AC.ARCHCONCEPT, GÖTTINGEN

WIR

STEIGEN

UM.

Büros wie aC.archConcept wechseln zu ARCHICAD.

Gründer Stefan Meyfarth: „Das Programm ist sehr intuitiv zu bedienen.

Nach zwei Schulungen waren fast alle Mitarbeiter auf

demselben Level, um damit richtig umzugehen.“ Das Team war es

auch, das sich für ARCHICAD als CAD-Software entschieden hatte.

Partner Matthias Meise: „Wir ließen mehrere Anbieter bei uns

präsentieren, und dann war klar, womit wir hier arbeiten möchten.“

Mehr über den Umstieg unter

wir-steigen-um.at


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Kurve gedacht.

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