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The Red Bulletin Juni 2019

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DEUTSCHLAND<br />

JUNI <strong>2019</strong>, € 2,50<br />

ABSEITS DES ALLTÄGLICHEN<br />

FESTIVAL-<br />

SPECIAL<br />

Insider-Tipps<br />

für den Sommer<br />

deines Lebens<br />

EMMA<br />

STONE<br />

„Ich bin<br />

nicht ganz<br />

richtig<br />

im Kopf –<br />

und das ist<br />

gut so“<br />

WER<br />

BIN<br />

ICH?<br />

BILDERBUCH-Sänger<br />

Maurice Ernst<br />

über Selbstbewusstsein,<br />

Mamas Tricks und<br />

den Reiz des Risikos<br />

Für Abonnenten der<br />

JETZT ABONNIEREN!<br />

GETREDBULLETIN.COM


E D I T O R I A L<br />

WILLKOMMEN<br />

AB INS<br />

WASSER<br />

ZUM SPIELEN<br />

OLAF BLECKER<br />

Von Angela Merkel bis<br />

Marilyn Manson: Der<br />

Fotograf setzt regelmäßig<br />

die ganz Großen<br />

in Szene. Für uns lichtete<br />

er Cornelia Geppert ab,<br />

eine Game-Designerin,<br />

die in einer persönlichen<br />

Krise die Idee zum Spiel<br />

ihres Lebens entwickelte.<br />

Ihre Story ab Seite 56<br />

ZUM GESPRÄCH<br />

NINA<br />

KALTENBÖCK<br />

Wenn die Autorin zu Tisch<br />

bittet, muss ihr Gegenüber<br />

mit scharfzüngigen<br />

Fragen rechnen: Bilderbuch-Sänger<br />

Maurice<br />

Ernst stellte sich ihnen<br />

schlagfertig. Das Interview<br />

über Nächstenliebe,<br />

Selbstbewusstsein und<br />

eigene Wege: ab Seite 38<br />

Je wärmer das Wetter, desto sommerlicher die<br />

Metaphern: „Wer gegen den Strom schwimmt,<br />

kommt dahin, wo er hinwill, und nicht dorthin,<br />

wo es ihn hintreibt“, sagt Bilderbuch-Frontmann<br />

Maurice Ernst. Der Dreißigjährige weiß, wovon<br />

er spricht. Seit Jahren bricht er mit seiner Band<br />

gängige Regeln der Musikbranche. Und hat damit<br />

außergewöhnlichen Erfolg. Der etwas andere<br />

Schwimmkurs: ab Seite 38.<br />

Im wahrsten Sinne des Wortes<br />

abgetaucht ist unser Autor Andreas<br />

Rottenschlager auf den Philippinen.<br />

Als blutiger Anfänger hat er sich dem<br />

Abenteuer Apnoe-Tauchen gestellt.<br />

Begleite ihn bei seinem atemberaubenden<br />

Selbstversuch ab Seite 44.<br />

Viel Spaß mit der neuen Ausgabe<br />

von <strong>The</strong> <strong>Red</strong> <strong>Bulletin</strong>!<br />

Die <strong>Red</strong>aktion<br />

ZUM GENIESSEN<br />

FISCHKRUSTE<br />

FÜR PROFIS<br />

Food-Forscher Dr. Stuart Farrimond<br />

erklärt, wie dein Fisch (und vor<br />

allem seine Haut) in der Pfanne<br />

zum Gedicht wird: ab Seite 84<br />

SATZ DES MONATS<br />

„Ich suche<br />

Anerkennung<br />

als geiler Typ,<br />

der jungen<br />

Menschen hilft.“<br />

Wie Skateboard-Pionier Titus<br />

Dittmann, 70, selbst jung<br />

bleibt, erklärt er auf Seite 36.<br />

ZUM STAUNEN<br />

MARY JANE PAULA<br />

Die 28-Jährige lehrt ihre Schüler<br />

Apnoe-Tauchen und verspricht<br />

Tiefen bis zu 20 Meter. Ob das<br />

klappt, haben wir auf den Philippinen<br />

selbst getestet: ab Seite 44<br />

LEONARDO SCOTTI (COVER), HEIKO LASCHITZKI OLIVIER KUGLER<br />

6 THE RED BULLETIN


FÜR DIESES GEFÜHL<br />

GEBEN WIR ALLES<br />

Neu in unserem<br />

Brandstore.<br />

SCOTT<br />

E-Genius 710<br />

ALLACH — FÜRSTENFELDBRUCK<br />

Firmensitz: bittl Schuhe + Sport GmbH, Georg-Reismüller-Str. 5, 80999 München-Allach.<br />

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INHALT<br />

<strong>The</strong> <strong>Red</strong> <strong>Bulletin</strong><br />

<strong>Juni</strong> <strong>2019</strong><br />

COVERSTORY<br />

38 BILDERBUCH-KARRIERE<br />

Bandleader Maurice Ernst<br />

spricht über die Vorteile,<br />

im Leben öfter mal gegen<br />

den Strom zu schwimmen.<br />

UNTERNEHMER<br />

36 IGNORIERE DIE<br />

BEDENKENTRÄGER<br />

Skateboard-Pionier Titus<br />

Dittmann weiß, wie dich<br />

Neuanfänge jung halten.<br />

32<br />

GELASSEN IM INNEREN Wie Hollywood-<br />

Superstar Emma Stone ihre Zweifel besiegte<br />

MOTORRAD<br />

22 ZWEI RÄDER UND<br />

GANZ VIEL BERG<br />

Faszinierende Bilder von der<br />

Enduro-Challenge Erzbergrodeo<br />

– alias <strong>Red</strong> Bull Hare Scramble.<br />

HOLLYWOOD<br />

32 DIE NEUE EMMA STONE<br />

Früher plagten Panikattacken<br />

die Schauspie lerin, heute hat<br />

sie inneren Frieden gefunden.<br />

Wie, erzählt sie im Interview.<br />

FILM<br />

34 AUF DEN SPUREN<br />

EINER IKONE<br />

Zwischen Drogensumpf und<br />

Jahrhunderthits: Taron Egerton<br />

glänzt als Elton John.<br />

10 GALLERY<br />

16 ZAHLEN, BITTE!<br />

18 KOLUMNE<br />

19 FUNDSTÜCK<br />

20 LIFE HACKS<br />

62 INNOVATOR<br />

TAUCHEN<br />

44 HALT DIE LUFT AN!<br />

Der <strong>Red</strong> <strong>Bulletin</strong>-Selbstversuch:<br />

So schlägt sich ein völliger<br />

Anfänger beim Freediving<br />

auf den Philippinen.<br />

GAMING<br />

56 DIESE FRAU SPIELT<br />

MIT GEFÜHLEN<br />

Wie das Adventure-Game „Sea<br />

of Solitude“ dessen Entwicklerin<br />

Cornelia Geppert rettete.<br />

FESTIVALS<br />

64 DER SOMMER<br />

DEINES LEBENS<br />

Insider sagen dir, wie du das<br />

Beste aus dem Musik-Festival-<br />

Sommer <strong>2019</strong> holen kannst.<br />

96 IMPRESSUM<br />

98 PERFEKTER ABGANG<br />

38<br />

OHNE NETZ IM POPZIRKUS Wie die Band<br />

Bilderbuch ihren eigenen Regeln vertraut<br />

64<br />

SURROUND-SOUNDCHECK Wie dein<br />

Musik-Festival-Sommer legendär wird<br />

ART STREIBER/AUGUST, LEONARDO SCOTTI, WOODYPHOTOGRAFIX, HEIKO LASCHITZKI<br />

8 THE RED BULLETIN


44<br />

YES, YOU CAN!<br />

20 Meter ohne Sauerstoffgerät<br />

mit nur<br />

zwei Tagen Training?<br />

Der Selbstversuch.<br />

„Ich bin<br />

ein kleiner<br />

Schauspieler.<br />

Er ist<br />

Elton John.“<br />

TARON EGERTON über die<br />

Herausforderungen seiner<br />

jüngsten Rolle. Seite 34<br />

guide<br />

DEIN PROGRAMM<br />

78 REISEN<br />

Mit Destination <strong>Red</strong> Bull<br />

zum Klippenspringen<br />

auf den Azoren<br />

82 FITNESS<br />

Der Power-Bauer und<br />

sein rustikales Workout<br />

84 FOOD<br />

Schritt für Schritt:<br />

So gelingt die perfekte<br />

Fischkruste.<br />

86 EVENTS<br />

Pflichttermine für die<br />

kommenden Wochen<br />

88 ENTERTAINMENT<br />

<strong>Red</strong> Bull TV-Highlights,<br />

live und on demand<br />

90 GADGETS<br />

Technisches Update<br />

für deine vier Wände<br />

THE RED BULLETIN 9


G A L L E R Y<br />

Triglav, Slowenien<br />

ÜBER ALLE BERGE<br />

3. Juli 2017: Christian „Chrigel“ Maurer schwebt<br />

über dem Triglav-Massiv, aber das Härteste<br />

hat der Schweizer Seriensieger noch vor sich:<br />

<strong>Red</strong> Bull X-Alps führt 1138 Kilometer über die<br />

Alpen, von Salzburg nach Monaco – die Athleten<br />

dürfen die Strecke nur zu Fuß und per Gleitschirm<br />

zurücklegen. Am 16. <strong>Juni</strong> startet die neunte Auflage,<br />

die du dank innovativem Trackingsystem<br />

von überall ver folgen kannst: redbullxalps.com<br />

10 THE RED BULLETIN


SEBASTIAN MARKO/RED BULL CONTENT POOL<br />

THE RED BULLETIN 11


G A L L E R Y<br />

Kapstadt,<br />

Südafrika<br />

DANCING QUEEN<br />

Khetsiwe Morgan, auf dem Bild in der Mitte,<br />

versteht es, das Tanzbein zu schwingen –<br />

den Soundtrack dafür liefert sie selbst. Als<br />

DJ Doowap ist die 29-Jährige aus Swasiland<br />

seit Jahren eine Szenegröße. Hier begeistert<br />

sie die Besucher beim Cape Town Electronic<br />

Music Festival (CTEMF), einem der wichtigsten<br />

Musik-Events in Afrika. ctemf.com<br />

12 THE RED BULLETIN


JONATHAN FERREIRA/RED BULL CONTENT POOL<br />

THE RED BULLETIN 13


G A L L E R Y<br />

14 THE RED BULLETIN


Bilbao, Spanien<br />

KUNST-SPRUNG<br />

Gerade ist der Mexikaner Jonathan Paredes<br />

aus 27 Meter Höhe abgesprungen, gleich<br />

wird er in den Nervión eintauchen. Wir sind<br />

beim <strong>Red</strong> Bull Cliff Diving-Stopp in Bilbao,<br />

ganz in der Nähe des Guggenheim-Museums.<br />

Aber auch auf der Puente La Salve, von der<br />

Paredes springt, prangt Kunst. Wir fühlen<br />

uns plötzlich wie im Museum, bewundern<br />

das Bild – grandiose Sport-Art, nicht wahr?<br />

redbull.com/cliffdiving<br />

DEAN TREML/RED BULL CONTENT POOL<br />

THE RED BULLETIN 15


Z A H L E N , B I T T E<br />

Rekordjäger<br />

SUPERHELDEN<br />

DER SUPERLATIVE<br />

Wo Marvel draufsteht, ist ein Blockbuster drin: Aktuell läuft „Avengers: Endgame“, im Juli folgt<br />

„Spider-Man: Far From Home“ – hier die Zahlen zum erfolgreichsten Franchise der Filmgeschichte.<br />

2870<br />

Minuten würde es dauern,<br />

sich alle 22 bisherigen Marvel-<br />

Filme am Stück anzusehen.<br />

1972<br />

hieß der Superheld Black Panther<br />

kurzzeitig Black Leopard, um<br />

nicht mit der US-Bürgerrechtspartei<br />

verwechselt zu werden.<br />

40,8<br />

Kilo wog die Rüstung, die Robert<br />

Downey Jr. im ersten „Iron Man“-Film trug.<br />

1<br />

Marvel-Superheldin bekam<br />

bisher ihren eigenen Film:<br />

Captain Marvel (Brie Larson).<br />

35<br />

Jahre waren Kinos in Saudi-Arabien<br />

verboten. Im April 2018 wurde das<br />

Gesetz aufgehoben. Der erste Film,<br />

der gezeigt wurde: „Black Panther“.<br />

80<br />

Prozent Umsatzplus verzeichneten<br />

arabische Imbissbuden in L. A. nach<br />

dem Start von „<strong>The</strong> Avengers“, in dem<br />

die Helden Schawarma snacken.<br />

2008<br />

produzierte Marvel seinen ersten<br />

Film selbst. Davor hatte man die<br />

Rechte an seinen Comic-Helden<br />

an Hollywoodstudios vergeben.<br />

6<br />

Helden verlieren im Laufe<br />

der Filme eine Hand – als<br />

Hommage an „Star Wars“,<br />

wo Darth Vader Luke<br />

Skywalker die Hand abhackt.<br />

2009<br />

verriet Marvel-Mastermind<br />

Stan Lee, dass Michael Jackson<br />

den Verlag in den 1990ern<br />

hatte kaufen wollen, um selbst<br />

Spider-Man spielen zu können.<br />

365.000.000<br />

Dollar kostete die Produktion von<br />

„Avengers: Age of Ultron“, was den<br />

Film zum zweitteuersten aller Zeiten<br />

macht, nach „Pirates of the Caribbean<br />

– Fremde Gezeiten“ (379 Mio. $).<br />

30<br />

Kilo nahm Chris Pratt<br />

in sechs Monaten ab, um<br />

Peter Quill in „Guardians<br />

of the Galaxy“ zu spielen.<br />

17.528.287.709<br />

Dollar haben die ersten 20 Filme im Kino eingespielt. Der erfolgreichste der Serie,<br />

„Avengers: Infinity War“, ist gleichzeitig der vierterfolgreichste Streifen, seit es Filme<br />

gibt. Davor liegen „Avatar“, „Titanic“ und „Star Wars: Das Erwachen der Macht“.<br />

GETTY IMAGES, IMAGO, MARVEL STUDIO (3) CLAUDIA MEITERT<br />

16 THE RED BULLETIN


K O L U M N E<br />

Thilo Mischke<br />

BEGEGNUNGEN<br />

Die Nachmittagssonne zeichnet Schatten auf die<br />

Wand. Die Sonne zwingt sich durch ein kleines,<br />

vergittertes Fenster eines Tankstellen-Hinterzimmers<br />

in San Salvador, der Hauptstadt von El Salvador.<br />

Fünf Menschen sitzen um einen Tisch herum, es ist heiß.<br />

Fünf Menschen, die schwitzen, und einer von ihnen hat<br />

Angst, echte, richtige Angst. Die Person, die sich fürchtet,<br />

bin ich.<br />

Der Schweiß läuft mir den Rücken<br />

hinab, panisch blicke ich immer wieder<br />

zur Tür, zum kleinen Fenster. Ich<br />

erwarte jeden Moment eine Handgranate,<br />

hereingeworfen, um uns<br />

alle zu töten, warte auf maskierte<br />

Männer, die mit Maschinenpistolen<br />

hereinstürmen. Ich sitze an diesem<br />

Tisch mit Vertretern der drei größten<br />

Gangs El Salvadors. Ein tätowierter<br />

Mann, Mitglied der Maras;<br />

einer von MS-13, der Nikes als sein<br />

Erkennungszeichen trägt; und ein<br />

dritter, Mitglied der Gang Barrio 18,<br />

im typischen blauen T‐Shirt seiner<br />

Bande. Sie morden, sie vergewaltigen,<br />

sie foltern. „Das ist das, was wir<br />

können“, sagt einer im Interview. Er<br />

sagt auch: „Gäbe es keinen 72-stündigen<br />

Waffen stillstand, hätte jeder<br />

von uns dich getötet. Wir reden mit<br />

niemandem, schon gar nicht mit<br />

Journalisten.“<br />

Er ist 200 Tage im Jahr unterwegs,<br />

Jetlag ist bei Korrespondent und<br />

Reisereporter Thilo Mischke (TV-<br />

Dokureihe „Uncovered“) ein Dauerzustand.<br />

Auf seinen Expedi tionen<br />

trifft der 38-jährige Berliner immer<br />

wieder Menschen, die ihn faszinieren.<br />

Dieses Mal: Juan Carlos,<br />

der ihn im Angesicht dreier Mörder<br />

lehrte, seine Furcht zu überwinden.<br />

Ich wollte sie sprechen, weil niemand<br />

mit ihnen spricht. Ein einfacher Grund, ich weiß.<br />

Ich habe Juan Carlos gefragt, ob er mir hilft. Er ist Fotograf<br />

und Salvadorianer, der in den USA lebt. Er übersetzt.<br />

Und Juan Carlos hat mir etwas beigebracht, mir die Angst<br />

genommen. Von ihm habe ich gelernt, dass Furcht dich<br />

umbringt, besonders wenn du etwas erreichen willst.<br />

„Würde ich ängstlich auf Gesprächspartner zugehen“,<br />

sagte er, „dann wäre ich schon längst im gelben Boden<br />

dieses Landes verscharrt.“<br />

Mehr musste er nicht sagen, ich habe mich zusammengenommen,<br />

als wir im Auto zur Tankstelle fuhren, habe<br />

„Wäre ich ängstlich“,<br />

sagte Juan Carlos, „dann<br />

hätte man mich schon<br />

im gelben Boden dieses<br />

Landes verscharrt.“<br />

meine feuchten Hände an der Hose getrocknet. „Hilfst<br />

du mir, alle drei Gangs an einen Tisch zu bekommen?“,<br />

fragte ich ihn, als wir zwei Tage zuvor erfuhren: Es<br />

herrscht Waffenstillstand, für 72 Stunden. Und er nickte.<br />

Er blickte mich an. „Das ist aber gefährlich“, sagte er.<br />

Es sind nicht die Politiker, die in diesem Land das Sagen<br />

haben, es sind die Gangs. Gangs, die mystifiziert werden,<br />

die als Inspiration für Rapsongs dienen, als Vorbilder. Ich<br />

mag Hip-Hop, aber ich fand es falsch, solche Vorbilder<br />

zu wählen. Das wollte ich zeigen. Vorbilder, wie diese drei.<br />

Sie haben aus El Salvador, einem kleinen, unscheinbaren<br />

Land in Mittelamerika, einen Unort gemacht. „Mach dir<br />

keine Sorgen“, sagt Juan Carlos, als ich vor ihm laufe, wir<br />

die Tür aufstoßen und ich in die maskierten Gesichter<br />

dreier Mörder sehe.<br />

„Lasst uns anfangen“, habe ich gesagt. Die Angst<br />

weicht meiner Neugierde, die Sonne verschwindet, und<br />

es wird Nacht, die Temperatur in diesem Raum bleibt<br />

unangenehm. Wir haben die Klimaanlage<br />

ausgemacht, damit die Tondokumente,<br />

die wir aufzeichnen,<br />

verständlich bleiben. Wir reden<br />

fast vier Stunden miteinander, Juan<br />

Carlos übersetzt, ich frage. Warum<br />

die Verzweiflung und, vor allem,<br />

warum die Brutalität? Je mehr Zeit<br />

verstreicht, umso weniger Angst<br />

habe ich. Irgendwann sind wir alle<br />

erschöpft, hungrig. Wir sind uns sogar<br />

nahegekommen, Hände werden<br />

geschüttelt, es werden die Masken<br />

abgenommen, und ich sehe in die<br />

Gesichter dieser Männer, an denen<br />

nichts Gutes ist.<br />

Und sie sind mir nahe. Ich habe<br />

keine Angst mehr, sondern sehe in<br />

die Augen von Menschen, die vielleicht<br />

Mitte zwanzig sind. Augen,<br />

die keine Kindheit kennen, sondern<br />

nur den Tod.<br />

Aus meiner Angst zu sterben wurde<br />

eines der besten Gespräche, die ich<br />

je geführt habe. Sie haben sich mir geöffnet, sie erklärten<br />

mir ihre Ausweglosigkeit. Sie halten das gegenseitige<br />

Ermorden selbst für Wahnsinn – nur wissen sie einfach<br />

nicht weiter. Sie leben in einer Welt, die sie geschaffen<br />

haben, sie spielen nach den Regeln der Gewalt, und sie<br />

finden keinen Ausweg. Ihre Freunde sterben, ihre Frauen<br />

und Kinder sterben, sie erklären mir, dass Worte nichts<br />

helfen: „Trauer heißt hier Rache.“ Hätte ich mich gefürchtet,<br />

hätte ich nichts erfahren.<br />

Ich fürchte mich nicht mehr, damit ich mehr von<br />

Menschen erfahren kann.<br />

VICTOR PEÑA BLAGOVESTA BAKARDJIEVA THILO MISCHKE<br />

18 THE RED BULLETIN


F U N D S T Ü C K<br />

James Deans Geldbörse<br />

MILLIONENERBE<br />

Eine abgegriffene Lederbörse der Marke Rolfs. Neun gülden geprägte<br />

Buchstaben sagen, wem sie gehört hat: James Dean leistet sich das<br />

Portemonnaie 1955. In diesem Jahr dreht er „Giganten“. Noch bevor<br />

die letzte Klappe fällt, stirbt er bei einem Autounfall – und plötzlich<br />

dreht sich alles nur noch ums Geld. Damit gewinnt diese Börse an<br />

Symbolkraft. Der Streifen, in dem Dean zum Ölbaron aufsteigt, wird<br />

für die Produktionsfirma Warner Brothers ein Segen. Sie hält den Film<br />

ein Jahr zurück, heizt den Hype an und scheffelt Millionen.<br />

James Dean starb<br />

am 30. September 1955<br />

bei einem Autounfall.<br />

Er wurde nur 24 Jahre alt.<br />

HENRY LEUTWYLER, PICTURE DESK.COM<br />

THE RED BULLETIN 19


L I F E H A C K S<br />

Science-Bastler<br />

DER SOMMER IST HEISS –<br />

SO BLEIBST DU COOL!<br />

Tricks und Hacks für den Alltag, Volume 9: wie du deine Füße mit Babypuder sandfrei<br />

bekommst, Wertsachen mit Sonnencreme schützt und dein eigenes Eis designst.<br />

EIS AM STIEL<br />

Doppeldecker für<br />

Feinschlecker<br />

Wer braucht Eislutscher aus dem Supermarkt, wenn du<br />

dir – mit Becher, Stiel und Gummibändern – deine eigene<br />

Lieblingssorte ganz einfach selber kreieren kannst?<br />

COOL IM POOL<br />

Die Bar als Boje<br />

Null Bock, für einen Drink den Pool zu verlassen?<br />

Kein Problem – mit der schwimmenden Kühlbox!<br />

Plastikbox abmessen,<br />

Poolnudeln entsprechend<br />

teilen, auffädeln und um<br />

die mit Eis befüllte Box<br />

herumspannen.<br />

1<br />

Fixiere den Holzstiel mit zwei überkreuzten<br />

Gummibädern im Plastikbecher,<br />

sodass dessen Spitze den<br />

Becherboden berührt.<br />

2<br />

Befülle den Becher<br />

bis zu einem Drittel<br />

mit einem Drink<br />

deiner Wahl und<br />

stell ihn für zwei<br />

Stunden ins<br />

Gefrierfach.<br />

DIE KOHLE IN DER TUBE<br />

Hoher Schutzfaktor<br />

Keiner klaut die Creme! Daher am Strand: leere Tube<br />

aufschneiden, Wertsachen rein, schwimmen gehen.<br />

3<br />

Für optimalen Farbeffekt<br />

den Becher<br />

mit einem anderen<br />

Getränk auffüllen,<br />

noch einmal ins<br />

Gefrierfach geben<br />

– guten Appetit!<br />

SAND IM SCHUH?<br />

Sauberer Abgang<br />

Nach dem Strand: Babypuder hilft dabei,<br />

Schuhe, Auto und Quartier sandfrei zu halten.<br />

Füße waschen, trocknen, Puder auftragen,<br />

pinseln: So fällt jedes Sandkorn ab.<br />

SASCHA BIERL FLORIAN OBKIRCHER<br />

20 THE RED BULLETIN


Willst<br />

du ein<br />

Held<br />

sein?<br />

Echte Helden tragen keinen Umhang – sie retten Leben!<br />

Registrier’ Dich jetzt als Stammzellspender, denn noch immer findet<br />

jeder 10. Blutkrebspatient in Deutschland keinen geeigneten Spender.<br />

Mund auf. Stäbchen rein. Spender sein.<br />

Registrier’ Dich jetzt auf dkms.de


QUALEN<br />

IN ZAHLEN<br />

25 JAHRE des Umfallens, Sich-Überschlagens und<br />

Wieder-Aufstehens, der ramponierten Knochen<br />

und zerschundenen Maschinen, des Scheiterns,<br />

Leidens und Dennoch-Wiederkommens: harte<br />

Daten zur Jubiläumsauflage des RED BULL<br />

HARE SCRAMBLE, des genussvollen Motorrad-<br />

Masochismus am steirischen Erzberg.<br />

Text WERNER JESSNER


MARKUS BERGER/RED BULL CONTENT POOL<br />

45.000<br />

FREIWILLIGE<br />

HELFER<br />

So viele Zuschauer finden sich<br />

jedes Jahr an den vier Tagen<br />

am Erzberg ein. Mit Seilen<br />

und Gurten, mit Tröten und<br />

vollen Lungen, mit Blasen<br />

an den Händen und Schotter-<br />

Ausschlag an den Schienbeinen<br />

helfen sie den Fahrern<br />

über die Schlüsselstellen. Sie<br />

leben den Geist des Erzbergs<br />

so intensiv wie die Fahrer.<br />

23


1500<br />

ATHLETEN<br />

AM START<br />

Du glaubst, du kannst ordentlich<br />

Motorrad fahren? Hand<br />

aufs Herz: Wie weit bist du<br />

letztes Jahr am Erzberg gekommen?<br />

Die Zahl der dort<br />

absolvierten Checkpoints<br />

ist eine harte Währung in der<br />

internationalen Offroad-<br />

Community. Die härteste.<br />

SEBASTIAN MARKO/RED BULL CONTENT POOL<br />

24


500<br />

ERREICHEN DIE<br />

NÄCHSTE STUFE<br />

An den Prolog-Tagen vor<br />

dem Erzbergrodeo – <strong>Red</strong> Bull<br />

Hare Scramble hüllt eine<br />

gigantische Staubwolke den<br />

Berg ein. 1500 in 30-Sekunden-<br />

Intervallen startende Fahrer<br />

brettern über die Erz-Trassen<br />

bergwärts, 13 Kilometer weit.<br />

Nur das schnellste Drittel<br />

darf beim Wettkampf am<br />

Sonntag ran.<br />

T.GROMIK<br />

26


3<br />

GRÖBERE<br />

VERLETZUNGEN<br />

pro Jahr rapportiert der<br />

Rennarzt im Schnitt. Wobei<br />

„gröber“ bedeutet, dass der<br />

Fahrer den Ort des Gemetzels<br />

nicht selbständig verlassen<br />

kann und auf seinem Weg<br />

ins Krankenhaus auf fremde<br />

Hilfe angewiesen ist. Nicht<br />

in die Kategorie „gröbere<br />

Verletzung“ fallen übrigens<br />

Platz-, Fleisch- und Schürfwunden,<br />

Bänderrisse oder<br />

Knochenbrüche.<br />

SEBASTIAN MARKO/RED BULL CONTENT POOL<br />

28


97 %<br />

MAXIMALE<br />

STEIGUNG<br />

Das steilste Stück ist<br />

der oberste Teil des Checkpoints<br />

„Wasserleitung“,<br />

gefolgt von „Badewanne“<br />

und „Dreikönig“. Warum<br />

Letztgenannter unter den<br />

Fahrern dennoch am meisten<br />

Schrecken verbreitet: Du<br />

musst quasi aus dem Stand<br />

losfahren, während du an<br />

den anderen beiden ein wenig<br />

Schwung holen kannst.


4<br />

STUNDEN<br />

RENNDAUER<br />

Völlig egal, wo du bist,<br />

wie viele Reserven du<br />

noch in dir vermutest,<br />

welche intelligente Linie<br />

du soeben ent deckt zu<br />

haben glaubst: Nach<br />

exakt vier Stunden wird<br />

die Flagge geschwenkt.<br />

Wer bis jetzt nicht<br />

im Ziel ist, ist raus.<br />

25<br />

MAL HAT DER<br />

BERG GERUFEN<br />

Das bedeutet: Eine<br />

komplette Generation<br />

an Bikern ist mit dem<br />

Erzberg aufgewachsen.<br />

Noch bemerkenswerter:<br />

55 Prozent aller Teilnehmer<br />

sind unter<br />

dreißig Jahre alt. Das<br />

härteste Motorrad-<br />

Enduro der Welt wird<br />

also immer jünger.<br />

Happy Birthday, Gigant!<br />

T.GROMIK<br />

Erzbergrodeo –<br />

<strong>Red</strong> Bull Hare Scramble,<br />

29. Mai bis 2. <strong>Juni</strong> <strong>2019</strong>,<br />

redbull.com/erzbergrodeo<br />

Live auf <strong>Red</strong> Bull TV und<br />

ServusTV<br />

THE RED BULLETIN 31


Stürmische Erfolge<br />

dank innerer Ruhe:<br />

Oscarpreisträgerin<br />

Emma Stone, 30,<br />

hat sich neu entdeckt.


H E R O E S<br />

ART STREIBER/AUGUST RÜDIGER STURM<br />

Emma Stone<br />

DAS GROSSE<br />

ICH BIN ICH<br />

Bevor US-Schauspielerin Emma Stone in Hollywood<br />

auftrumpfte, kämpfte sie mit sich selbst. Und<br />

gewann, indem sie ihre eigenen Zweifel besiegte.<br />

Sie war dreimal für den<br />

Oscar und viermal für<br />

einen Golden Globe<br />

Award nominiert – mit „La La<br />

Land“ räumte sie 2017 beide<br />

Trophäen ab, dank ihrer Leistung<br />

in „<strong>The</strong> Favourite“ wurde<br />

sie bei den Hollywood-Buchmachern<br />

auch <strong>2019</strong> als Favoritin<br />

gehandelt. Für eine junge<br />

Frau, die gerade erst ihren<br />

Dreißiger gefeiert hat, blickt<br />

Emma Stone bereits auf eine<br />

erstaunliche Karriere zurück.<br />

Dennoch spricht sie lieber<br />

über die Schattenseiten ihres<br />

Lebens – weil diese nicht nur<br />

eine große Charakterdarstellerin<br />

geformt haben, sondern<br />

auch einen großen Charakter.<br />

the red bulletin: Wenn<br />

man so eine Karriere hinlegt,<br />

gehen alle davon aus,<br />

dass man klare Perspektiven<br />

verfolgt. Du hingegen sagst,<br />

du hättest zeitweise den<br />

„Ich bin nicht<br />

ganz richtig im Kopf –<br />

und das ist okay.“<br />

Durchblick verloren. Wie<br />

passt das zusammen?<br />

emma stone: Eigentlich gar<br />

nicht. Aber es war so. Ich<br />

hatte tatsächlich das Gefühl,<br />

als wären Teile meines inneren<br />

Selbst weggebröckelt.<br />

Ich dachte mir: Ich verstehe<br />

diese neue Version meines<br />

Ichs nicht.<br />

Wie hast du in die Spur<br />

zurückgefunden?<br />

Durch Psychotherapie. Und<br />

durch intensive Gespräche mit<br />

Freunden. Auf diese Weise<br />

habe ich Teile von mir wiederentdeckt.<br />

Das war ein Prozess,<br />

der sich vor allem in meinen<br />

Zwanzigern abgespielt hat.<br />

Wie würdest du dieses neue<br />

Ich beschreiben?<br />

Auf jeden Fall habe ich mehr<br />

innere Ruhe gefunden. Ich<br />

weiß, es gibt etliche Erfahrungen,<br />

die ich noch zum ersten<br />

Mal machen muss. Aber – und<br />

das ist das Schöne am Älterwerden<br />

– es sind nicht mehr<br />

so viele wie früher. Also denke<br />

ich mir: Hey, ich habe das<br />

schon mal erlebt. Ich weiß,<br />

das werde ich überstehen.<br />

Das Leben ist immer eine Reise<br />

voller Höhen und Tiefen, für<br />

beides bin ich jetzt besser<br />

gerüstet.<br />

Hattest du in dieser Zeit<br />

auch mit Panikattacken<br />

zu kämpfen?<br />

Leider ja. Wenn du so viel<br />

überschüssige Energie hast<br />

wie ich, dann richtet die sich<br />

automatisch mal nach innen.<br />

Gegen dich. Du denkst zu viel<br />

nach, und irgendwann – zack!<br />

– flippst du aus. Für solche<br />

Situationen brauchst du ein<br />

Ventil, um den Druck rauszunehmen.<br />

Du kannst reiten<br />

gehen, mit engen Freunden<br />

sprechen oder meditieren. Da<br />

muss jeder seine individuelle<br />

Lösung finden. Was das betrifft,<br />

habe ich wirklich Glück,<br />

denn mein bestes Ventil ist<br />

mein Job – das Schauspielen.<br />

Der größte Druck kommt<br />

also meist von einem selbst?<br />

Definitiv. Im Lauf der Zeit<br />

habe ich aber gelernt, nicht<br />

so hart mit mir zu sein.<br />

Hilft der Erfolg, netter zu<br />

sich selbst zu sein?<br />

Das glaube ich nicht. Denn<br />

Erfolg ist etwas Äußeres.<br />

Das verstärkt meine Beklemmungsgefühle<br />

sogar noch.<br />

Es geht nicht um Lob wie „Du<br />

bist die Beste“. Im Gegenteil.<br />

Du musst dir denken: Ich bin<br />

nicht ganz richtig im Kopf,<br />

und das ist okay. Du musst<br />

dich deshalb nicht selbst<br />

geißeln. Diese Änderung in<br />

meinem Denken kann nur ich<br />

beeinflussen. Niemand sonst,<br />

kein netter Spruch, keine Auszeichnung.<br />

Das zu begreifen<br />

hat mir viel geholfen.<br />

Bist du jetzt weniger<br />

sensibel als früher?<br />

O Gott, nein. Lange Zeit<br />

dachte ich, dass meine Sensibilität<br />

ein Fluch wäre. Weil<br />

mir eben Dinge so sehr wehtun.<br />

Aber eigentlich ist sie<br />

ein Segen. Es ist gut, sensibel<br />

zu sein. Anstatt mich deshalb<br />

fertig zumachen, versuche ich,<br />

mich so zu akzeptieren, wie<br />

ich bin. Ja, ich verhalte mich<br />

manchmal nicht richtig, denn<br />

ich bin ein Mensch. Aber ich<br />

mache einfach weiter.<br />

Im Kino ist Emma Stone wieder Ende<br />

<strong>2019</strong> in „Zombieland 2“ zu sehen.<br />

THE RED BULLETIN 33


H E R O E S<br />

Taron Egerton<br />

RAKETEN-<br />

START<br />

Der 29-jährige Brite verkörpert<br />

in „Rocketman“ Musiklegende<br />

Elton John, 72. Der war so<br />

beeindruckt, dass er ihm sogar<br />

seine Tagebücher zu lesen gab.<br />

34<br />

<strong>The</strong> red bulletin: Wie<br />

alt warst du, als du<br />

Elton John zum ersten<br />

Mal am Schirm hattest?<br />

taron egerton: Schwer zu<br />

sagen, er war mein ganzes<br />

Leben irgendwie präsent.<br />

Mein Stiefvater und ich haben<br />

im Auto, auf dem Weg zur<br />

Schule, oft „I Guess That’s<br />

Why <strong>The</strong>y Call It the Blues“<br />

gesungen. Da muss ich so 12<br />

gewesen sein. Und mit 17, bei<br />

der Aufnahmeprüfung für die<br />

Schauspielklasse, habe ich<br />

dann „Your Song“ zum Besten<br />

gegeben. Schon schräg, dass<br />

ich ihn nun leibhaftig spiele.<br />

Wie bereitet man sich darauf<br />

vor, eine lebende Legende<br />

zu verkörpern?<br />

Das Wichtigste ist: Du musst<br />

dich von dem Gedanken verabschieden,<br />

dich komplett in<br />

den anderen zu verwandeln.<br />

Egal wie sehr du dich auch<br />

bemühst, so was klappt nicht.<br />

Ich kann nur meine Interpretation<br />

von Elton John<br />

abliefern – einer Person mit<br />

vielen Facetten, manche davon<br />

sind schwierig und extrem,<br />

aber in Summe ist er eine<br />

unglaubliche Persönlichkeit.<br />

Hast du keine Angst gehabt,<br />

es zu versauen?<br />

Wer hätte das nicht? Ich bin<br />

ein kleiner Schauspieler aus<br />

Wales, der bisher in fünf oder<br />

sechs Filmen mitgespielt hat.<br />

Er ist Elton John!<br />

Hast du ihn persönlich<br />

kennengelernt?<br />

Ja. Wir sind sogar Freunde<br />

geworden. Ich weiß, das klingt<br />

wie schnöde PR für den Film.<br />

Aber es stimmt tatsächlich.<br />

Ich darf mich glücklich schätzen,<br />

dass Elton mich in sein<br />

Leben gelassen hat. Darum ist<br />

es mir auch<br />

so wichtig,<br />

die Rolle<br />

gut hinzukriegen:<br />

Ich mag ihn<br />

sehr.<br />

„Ich weiß nicht, ob<br />

Elton versucht hat,<br />

sich zu schützen.“<br />

Stimmt es, dass er dir seine<br />

Tagebücher zum Lesen gegeben<br />

hat?<br />

Ja, ich durfte sie lesen, als<br />

ich bei ihm zu Hause war.<br />

Die Aufzeichnungen sind von<br />

1971 bis 1976. Elton dachte<br />

erst, die Tagebücher seien verschollen,<br />

aber er konnte sie<br />

letztlich wieder auftreiben.<br />

Ein Eintrag ist mir besonders<br />

in Erinnerung: „Aufgewacht<br />

– Wäsche gewaschen – habe<br />

einen Song mit dem Titel<br />

‚Honky Cat‘ geschrieben.“<br />

Und am nächsten Tag fand<br />

sich etwas ähnlich Geschichtsträchtiges<br />

(lacht).<br />

Der Film geht offen mit Elton<br />

Johns Drogenproblemen<br />

in der Vergangenheit um.<br />

Kannst du seinen Absturz<br />

nachvollziehen?<br />

Sehr gut sogar. Drogen findest<br />

du in der Unterhaltungsindustrie<br />

überall. Du kannst ihnen<br />

kaum entkommen. Und man<br />

darf nicht vergessen: Künstler<br />

sind oft sehr emotionale<br />

und verletzliche Menschen;<br />

ständig kritisiert zu werden –<br />

dafür braucht man ein dickes<br />

Fell. Bei Elton John kam dazu:<br />

Er war mit 23 schon Elton<br />

John, er steht seit 50 Jahren<br />

im Rampenlicht, jeder kennt<br />

ihn. Das bringt Druck.<br />

Fühlst du den auch?<br />

Teilweise, ja. Nach Interviews<br />

kann ich nicht allein in meiner<br />

Wohnung rumsitzen. Ich<br />

bin aufgekratzt, muss Leute<br />

an rufen, was unternehmen.<br />

Auch wenn ich in Interviews<br />

ehrlich und authentisch sein<br />

will – ich spiele dennoch<br />

zwangsweise eine Rolle. Als<br />

Schauspieler will man gefallen.<br />

Nur bei meiner Mutter<br />

ist das anders:<br />

Wenn ich Rat<br />

brauche, ruf<br />

ich sie an. Sie<br />

ist eine sehr<br />

rationale Frau,<br />

sie hat die besten<br />

Weisheiten parat. Ich weiß<br />

nicht, ob Elton John auch so<br />

eine Mutter oder andere Leute<br />

hatte, denen er sich anvertrauen<br />

konnte.<br />

Wie kann man sich vor dem<br />

Absturz schützen?<br />

Nachdem ich nicht Elton bin,<br />

kann ich auch nicht sagen, ob<br />

er in den schlimmsten Phasen<br />

überhaupt versucht hat, sich<br />

zu schützen. Er landete in<br />

der Entzugsklinik, und das<br />

hat ihn gerettet. Eigentlich<br />

hat er sich selbst gerettet.<br />

Auch darum geht’s im Film.<br />

Er zeigt, wie Elton John sich<br />

selbst gerettet hat.<br />

„Rocketman“ läuft ab 30. Mai<br />

im Kino.<br />

PARAMOUNT PICTURES RÜDIGER STURM UND JULIA ZIMANOFSKY


Was Taron Egerton<br />

laut Eigenaussage mit<br />

Elton John gemeinsam<br />

hat? „Ein großes Ego<br />

und die emotionale<br />

Verletzlichkeit.“


H E R O E S<br />

Titus Dittmann<br />

„IGNORIERE<br />

DIE BEDENKEN-<br />

TRÄGER“<br />

Deutschlands Skateboard-Pionier<br />

erklärt, wie du jung bleibst, indem<br />

du nie aufhörst, neu anzufangen.<br />

Mit seinem Unternehmen<br />

Titus prägte<br />

Titus Dittmann die<br />

deutsche Skateboard­ Szene<br />

wie kein Zweiter. Mittlerweile<br />

ist der Pädagoge, Renn fahrer,<br />

Drachenflieger und Entwicklungshelfer<br />

siebzig Jahre alt.<br />

the red bulletin: Titus,<br />

Erfolgs-Coaches empfehlen,<br />

alle Energie in ein Ziel zu<br />

stecken. Du machst Neuanfänge<br />

in Serie. Warum?<br />

titus dittmann: Weil ich<br />

sehr begeisterungsfähig bin<br />

und es so guttut, selbst gesteckte<br />

Ziele mit brennendem<br />

Herzen zu erreichen. Ich bin<br />

krass leistungs- und leidensfähig<br />

– solange mich eine intrinsische<br />

Motivation antreibt.<br />

Dieser folgst du konsequent.<br />

Meine Biografie sieht chaotisch<br />

aus, folgt aber immer<br />

dem gleichen Antrieb: Sinnstiftung<br />

und Suche nach Anerkennung.<br />

Nicht als reicher<br />

Angeber, sondern als geiler<br />

Typ, der jungen Menschen<br />

hilft. Das erfüllt mich.<br />

„Ehrlich gesagt bin ich<br />

von Haus aus sogar<br />

ein richtiger Schisser.“<br />

Macht es dir nie Angst, ins<br />

kalte Wasser zu springen?<br />

Ehrlich gesagt bin ich von<br />

Haus aus sogar ein richtiger<br />

Schisser. Mein Trick: Ich lebe<br />

jedes Abenteuer erst mental<br />

durch. Vor meinem ersten<br />

Drachenflug habe ich mich<br />

im Geist tausendmal den Berg<br />

hinuntergestürzt. Zudem habe<br />

ich gelernt, Bedenkenträger<br />

zu ignorieren.<br />

Du bringst Kindern Skaten<br />

bei – in Afghanistan. Sind Bedenken<br />

da nicht berechtigt?<br />

Auch hier hilft Vorbereitung:<br />

Dann kannst du ausrechnen,<br />

dass du eher in Münster auf<br />

dem Rad als in Kabul bei<br />

einem Anschlag stirbst.<br />

Einmal wurdest du fast zum<br />

Neuanfang gezwungen, als<br />

die Titus AG in einer Existenzkrise<br />

war. Was half?<br />

Ich habe wieder auf meinen<br />

inneren Antrieb gehört. Meine<br />

Frau und ich fragten uns,<br />

wann wir im Leben am glücklichsten<br />

waren. Wir kamen<br />

schnell drauf: damals, als<br />

wir mit der Citroën-Ente die<br />

Sahara durchquert haben. Da<br />

wussten wir: Zur Not können<br />

wir wortwörtlich wieder in die<br />

Wüste gehen. Wer mit dieser<br />

Einstellung mit Banken verhandelt,<br />

findet Lösungen.<br />

Weiser Skater: Mehr<br />

Infos rund um den<br />

Unternehmer und<br />

Aktivisten gibt’s auf<br />

titus-dittmann.de<br />

LERNEN AUF RÄDERN<br />

In diesem Buch erklärt Dittmann, wie<br />

Skateboarden Kinder stark macht.<br />

„Man glaubt nicht, wie Kinder aufblühen,<br />

wenn sich nicht der Schatten<br />

der Erwachsenenwelt auf sie<br />

legt“, schreibt Dittmann in seinem<br />

zweiten Buch. Speziell die aufgedrehten<br />

ADHS-Jungs könnten<br />

bei richtigem Einsatz ihrer Energie<br />

„die stille Kraftreserve einer Gesellschaft“<br />

sein. Der Pädagoge zeigt Wege, Lernen<br />

mit Begeisterung, Freiheit und Entfaltung zu verknüpfen,<br />

und erklärt, wie Skaten helfen kann.<br />

„Lernen muss nicht scheiße sein“, Benevento, 20 €<br />

MARTIN LUKAS KIM OLIVER USCHMANN<br />

36 THE RED BULLETIN


W W W . R A D O N - B I K E S . C O M<br />

THE MOBILITY SOLUTION FROM 1817 TILL INFINITY.


Bilderbuch tanzen aus<br />

der Reihe. Die Band<br />

aus Kremsmünster in<br />

Oberösterreich macht<br />

seit 2005 Musik fernab<br />

des Mainstreams.<br />

„WEIL ES SICH<br />

RICHTIG ANFÜHLT“


Zwei Alben in drei Monaten, Verzicht auf Werbekampagnen, schrillen Style sowie<br />

Genre- und Stimmungswechsel. Die Musiker von BILDERBUCH schwimmen gegen<br />

den Strom. Das kostet Kraft, ergibt aber Sinn – schwört Sänger Maurice Ernst.<br />

Text NINA KALTENBÖCK<br />

Fotos LEONARDO SCOTTI<br />

39


Freiheit. Frohsinn. Frisbee. Nach der<br />

Melancholie des Vorgängeralbums „Mea<br />

Culpa“ feiern Maurice Ernst und seine<br />

Band Bilderbuch mit „Vernissage My<br />

Heart“ eine Art Auferstehung. Emo tional<br />

betrachtet ist das neue Album der aktuell<br />

aufregendsten deutschsprachigen Band<br />

ein radikaler U-Turn, Frühlings gefühle<br />

sind angesagt. Doch wie gehabt, erfreuen<br />

sich Bilderbuch daran, gegen alle Regeln<br />

zu musizieren. „Wenn du das Hirn ausschaltest,<br />

entdeckst du wieder Sachen<br />

in dir“, so der Dreißigjährige über seine<br />

wiedergefundene Leichtigkeit.<br />

Aber blättern wir zu Kapitel eins:<br />

Die Bilderbuch-Karriere beginnt im<br />

Teenie alter. Vier Klosterschüler aus Kremsmünster<br />

in Oberösterreich gründen 2005<br />

die Band und singen Kinderbuchtexte.<br />

Acht Jahre und einen Genrewechsel von<br />

Rock zu Pop später gelingt mit der Single<br />

„Maschin“ der Durchbruch, mit dem<br />

Album „Magic Life“ stürmen sie 2017<br />

auf Platz acht der deutschen Charts. Ihr<br />

Schaffen beschreiben sie als „trotzig, naiv,<br />

manchmal abstrakt, aber sehr bildlich<br />

in dem Sinn, dass man die Dinge auch<br />

gut sehen kann, die gesungen werden“.<br />

Euphorisch und melancholisch gehörten<br />

zusammen, die Kunst lebe schließlich von<br />

beiden Teilen.<br />

Bevor Bilderbuch, neu gewandet als<br />

Outta-Space-Cowboys, auf große Tour<br />

gehen (u. a. am 21. <strong>Juni</strong> auf dem Hurri cane<br />

Festival, siehe Seite 68), unterhielten wir<br />

uns mit Sänger Maurice über sein partielles<br />

Selbstbewusstsein, Mamas Energie-<br />

Tricks und den Reiz des Risikos.<br />

the red bulletin: Bist du auf der Bühne<br />

selbstbewusster als abseits davon?<br />

maurice ernst: Ja, das glaub ich schon.<br />

Es ist ein anderes Selbstbewusstsein, ein<br />

überzogenes. Eines, wo der Kopf nicht<br />

eingeschaltet ist. Auf der Bühne darf man<br />

nicht denken.<br />

Kannst du den Schalter für „sehr<br />

präsent und selbstbewusst sein“<br />

auch in anderen Lebenssituationen<br />

umlegen und nützen?<br />

Nicht so wie auf der Bühne. Ich würde<br />

mir wünschen, ich könnte diese Leichtigkeit<br />

und Selbstverständlichkeit überall<br />

anwenden. Aber so läuft das nicht: Das<br />

funktioniert nur bei Dingen, die man<br />

am öftesten oder am liebsten macht.<br />

Was bedeutet dir Style?<br />

Er bedeutet mir viel. Das hat bereits früh<br />

angefangen. Mit vierzehn hab ich die<br />

Kleiderschränke meiner Großeltern ausgeraubt,<br />

viel herumprobiert und mich<br />

schon in der Schule ausgesucht schlecht<br />

angezogen. Es ist nicht so, dass ich der<br />

stilsicherste Mensch bin, aber Kleidung<br />

in Kombination mit Musik – wie man das<br />

stilisiert und wie das dann wirkt – hat<br />

mich immer schon interessiert. Oft geht<br />

es einfach darum, seinem Gefühl nachzugehen.<br />

Will man gerade schrill sein wie<br />

ein Papagei oder einfach nur still.<br />

Hat dich modetechnisch auch deine<br />

Mama beeinflusst?<br />

Ich bin allein bei meiner Mutter aufgewachsen,<br />

seit ich elf oder zwölf war.<br />

Der Style war ein spaßiges Element. Nie<br />

verkrampft, nie zu markenbezogen, nie<br />

zu etepetete. Meine Mutter hat so ziemlich<br />

alle Styles gemischt, auch mit alten<br />

Sachen, und so hab ich das spielerisch mitgekriegt.<br />

Bis ich dann meinen eigenen Stil<br />

in dem ganzen Wahnsinn gefunden hab.<br />

Von der Mode zur Musik: Habt ihr euch<br />

von Marketingzwängen befreit, indem<br />

ihr es gewagt habt, das Album „Mea<br />

Culpa“ über Nacht auf den Markt zu<br />

bringen, ohne große Vorab-Promotion?<br />

Sucht ihr den Reiz des Risikos?<br />

Es ist eine Mischung. In Amerika ist ein<br />

Overnight Release gängiger. Wir sind<br />

„ICH WILL AN<br />

DIE NÄCHSTE<br />

PLATTE DENKEN<br />

UND NICHT AN<br />

DIE NÄCHSTE<br />

KAMPAGNE.“<br />

Musiker. Wir haben uns gefragt: Wollen<br />

wir zwei Monate lang etwas verkaufen,<br />

bevor eigentlich der Song da ist? Einfach<br />

ein Album rauszuhauen ist zeitgeistig. Es<br />

fühlt sich richtig an, wenn man’s macht.<br />

Wie waren die Reaktionen?<br />

Manche Leute haben das Album anfänglich<br />

nicht ernst genommen, nur weil<br />

sie von einer „Nicht-Kampagne“ auf die<br />

Musik schließen. Da sieht man, wie konditioniert<br />

wir sind. So auf die Art: „Es<br />

kann nicht ernst gemeint sein, es wurde<br />

mir nicht oft genug angepriesen.“ Ich will<br />

aber an das nächste Musikstück, an die<br />

nächste Platte denken – und nicht an die<br />

nächste Kampagne.<br />

Nur elf Wochen später folgte euer<br />

sechstes Album „Vernissage My Heart“.<br />

Dachten da manche, das ist jetzt<br />

die Nachgeburt, die muss einfach<br />

schlechter sein als „Mea Culpa“?<br />

Eine Art Reste verwertung?<br />

Hundertprozentig. Aber da bin ich dann<br />

wieder recht romantisch. Meine Traumvorstellung<br />

war, dass sich Leute darüber<br />

unterhalten, welche Platte man warum<br />

besser findet.<br />

Hat euch irgendjemand von diesen<br />

Aktionen abgeraten?<br />

Nicht unser Manager. Der möchte auch<br />

Sachen probieren. Es ist momentan einfach<br />

eine Zeit des wunderbaren Chaos<br />

– nichts funktioniert wirklich, und alles<br />

funktioniert.<br />

Seid ihr abseits der Musik ebenfalls<br />

mutig?<br />

Ich glaub, dass wir tendenziell unseren<br />

ganzen Mut und unsere ganze Waghalsig-<br />

40 THE RED BULLETIN


„ICH WÜSSTE GAR NICHT, WER ICH BIN,<br />

WENN ICH NICHT BILDERBUCH WÄRE.“<br />

Maurice Ernst, Gesicht von Österreichs neuer Musikergeneration,<br />

umarmt seinen Gitarristen Michael Krammer.


„WENN DU GEGEN DEN STROM SCHWIMMST,<br />

KOMMST DU DAHIN, WO DU HINMÖCHTEST –<br />

UND NICHT DORTHIN, WO ES DICH HINTREIBT.“<br />

Maurice Ernst (rechts) findet mit Gitarrist Michael Krammer, Bassist Peter Horazdovsky<br />

und Schlagzeuger Philipp Scheibl (von links) stets eigene Wege.


keit in der Musik und der Kunst ausleben.<br />

Strategisch machen wir dermaßen destruktive<br />

Moves, dass man sagen könnte:<br />

„Jungs, wollts ihr Geld verdienen auch<br />

mit dem, was ihr machts?“ Wir sind da<br />

viel mutiger als im Privatleben. Abseits<br />

der Musik kommt man heim und schläft,<br />

dann steht man auf und isst ein Brot und<br />

geht wieder in den Proberaum.<br />

Schwimmt man gegen den Strom<br />

schneller?<br />

Nein! Auf keinen Fall. Es ist furchtbar<br />

mühsam, bewusste Veränderungen<br />

herbeizuführen. Das kostet Kraft, wird<br />

manchmal missverstanden und dauert<br />

länger. Aber man muss das machen, was<br />

man fühlt. Es zahlt sich aus, wenn man<br />

den langen Pass spielt und an sich glaubt.<br />

Kannst du mir Beispiele nennen?<br />

Wir haben drei verschiedene Bühnenbilder<br />

zu dem Album „Magic Life“ gehabt.<br />

Diesen Aufwand, auch in finanzieller<br />

Hinsicht, betreiben wir, weil wir das einfach<br />

so wollen. Oder dass wir „Bungalow“,<br />

den Hit, erst nach drei anderen Nummern<br />

serviert haben.<br />

Was ist das Ergebnis davon,<br />

gegen den Strom zu schwimmen?<br />

Du kommst dahin, wo du hinmöchtest,<br />

und nicht dorthin, wo es dich hintreibt.<br />

Und wo möchtest du hin?<br />

Dorthin, wo ich hingehöre. Wenn man<br />

seine Ideen lange genug verfolgt hat,<br />

ohne bei jedem leisesten Zweifel gleich<br />

einzuknicken, kann man zurückschauen<br />

und sagen: Wenn was schiefgelaufen ist,<br />

dann war das unser Fehler und nicht der<br />

von irgendeinem Deppen, dem wir das<br />

dann vorwerfen könnten. Es ist eine harte<br />

Schule, etwas anzufangen und es auch<br />

durchzuziehen. Man geht das Risiko ein,<br />

sich nackt auszuziehen.<br />

Aktuell seid ihr auf Tour. Was macht<br />

diese Phase angenehm?<br />

Dass wir so eine eingespielte Crew sind.<br />

Positiv bleiben und auch Partys können<br />

das Tourleben erträglicher machen.<br />

Wenn du’s zu sportlich angehst, so Marcel­<br />

Hirscher-Style, dann könnt ich mir vorstellen,<br />

dass man ein bissl leer wird.<br />

Inwiefern?<br />

Es ist einfach unfassbar, wie Kopf und<br />

Körper zusammenspielen. Wenn du darüber<br />

nachdenkst, dass dir der Hals wehtut,<br />

triffst du keinen Ton. Bei den allerersten<br />

Konzerten dachte ich oft: „Hach,<br />

morgen ist ein Auftritt. Ich glaub, ich werd<br />

krank. Ich kann das nicht dersingen.“ Du<br />

empfindest jeden Schnäuzer als kleinen<br />

Weltuntergang. Jetzt, wo die Konzerte<br />

größer werden, denk ich nur: „Ja, ich war<br />

zwar ein bissl unfit, und ich bin ein bissl<br />

heiser, aber egal. Geht schon!“ Es ist jedes<br />

Mal eine Lehrstunde, wie mächtig deine<br />

Einstellung ist.<br />

Du hast auch einmal Psychologie<br />

studiert. Hast du davon – im Hinblick<br />

auf diese Kopf-Körper-Sache – etwas<br />

mitgenommen?<br />

Ich glaube eher von meiner Mutter.<br />

Sie hat gesagt: „Wenn du daran glaubst,<br />

kannst du es erreichen.“ Wenn ich in der<br />

Volksschule Angst vor einer Prüfung gehabt<br />

hab, hat sie ihre Hände aneinandergerieben,<br />

bis sie warm waren, mir vor<br />

meine geschlossenen Augen gehalten<br />

und mir „Energie“ gegeben. Das war ihr<br />

kleiner Trick. Warm und elektrisch geladen.<br />

Das ist für mich jetzt das Sinnbild,<br />

mir selbst zu sagen: „Hey, du hast die<br />

Energie. Du musst sie nur aktivieren.“<br />

Wirst du bei all der Energie womöglich<br />

zum Solo-Artisten?<br />

Ich hab keine Brüder oder Schwestern.<br />

Meine Bandkollegen liebe ich, als wären<br />

sie meine Familie. Ich könnte nicht so<br />

schnell eine Soloplatte machen, denn ich<br />

liebe es, in der Gruppe für eine Idee zu<br />

arbeiten. Ich wüsste auch gar nicht, wer<br />

ich bin, wenn ich nicht Bilderbuch wäre.<br />

Wie sieht die Bilderbuch-Familienaufstellung<br />

aus? Wer hat welchen Platz<br />

in der Band?<br />

Die Jungs haben mich mal als Häuptling<br />

bezeichnet. Sie sind die besseren Instrumentalisten,<br />

ich bin der, der das Ganze<br />

formt und sich vor die Band stellt. Peter<br />

(Peter Horazdovsky; Anm.) ist der weise<br />

Großvater, sehr reflektiert. Der Sturste<br />

und Naivste ist Mike (Michael Krammer),<br />

der Autoritäten hasst, Schulabbrecher,<br />

mit siebzehn nach Wien. Zu ihm geh ich,<br />

wenn mir die Frechheit fehlt. Pille (Philipp<br />

Scheibl), der Jüngste und Schlagzeuger,<br />

ist von der Mutterfigur nicht weit entfernt.<br />

Er ist der ruhende Pol, die stabile Mitte.<br />

Die brauchen wir, denn – na ja – ich bin<br />

ja auch nicht ganz normal. Aber ich bin<br />

der Kommunikative, das hab ich sicher<br />

von meinen Eltern. Die waren Wirten.<br />

Welche brauchbaren Erkenntnisse hast<br />

du von der Klosterschule mitgenommen<br />

und welche aus dem Nachtlokal<br />

deiner Eltern?<br />

„ICH FINDE<br />

NÄCHSTENLIEBE<br />

SPANNEND UND<br />

DENKE, DASS<br />

WIR DIE WIEDER<br />

EIN BISSL MEHR<br />

ÜBEN KÖNNTEN.“<br />

Den Pathos und die große Geste aus der<br />

Klosterschule. Und dass ich etwas Tiefes<br />

oder den Sinn hinter allem suche. Das<br />

Nachtlokal hat mir den humorvollen Umgang<br />

mit Musik, Entertainment und Gastfreundlichkeit<br />

vermittelt. Im Prinzip ist<br />

ein Konzert zu geben und Gäste dazu einzuladen<br />

eh sehr nahe an dem, was meine<br />

Eltern in ihrem Lokal gemacht haben.<br />

Welche Tendenz in der Gesellschaft hat<br />

dich zuletzt nachdenklich gestimmt?<br />

Ich finde Ideale wie Nächstenliebe spannend<br />

und denke, dass wir die wieder ein<br />

bissl mehr üben könnten. Das mein ich<br />

nicht im katholischen Sinn. Es gibt wirklich<br />

viele Leute, die vermeintlich intellektuell<br />

und reflektiert sind, aber unglaublich<br />

viel Scheiße ins Internet stellen. Ich<br />

versteh gar nicht, was das für Menschen<br />

sind, die Menschen wehtun, die sie nicht<br />

einmal kennen.<br />

In eurem Song „Europa 22“ sprecht ihr<br />

euch für mehr Weltoffenheit aus.<br />

Man könnte mich mit einem Anwalt,<br />

einem Installateur und einem Maurer in<br />

einen Raum setzen, und ich hätte eine<br />

gute Zeit. Warum muss man andere immer<br />

so schnell aburteilen? Man muss einfach<br />

den Stolz ablegen und aufhören, mit<br />

Negativem Aufmerksamkeit erzeugen zu<br />

wollen. Es gibt ja das Bibelzitat: Bevor man<br />

den Splitter im Auge des anderen sucht,<br />

sollte man den Balken im eigenen Auge<br />

suchen und herausziehen. Den Spruch<br />

hab ich mir mein Leben lang gemerkt. Alle<br />

Menschen, die so kotzig und negativ sind,<br />

sollen sich das auf die Hand tätowieren.<br />

bilderbuch-musik.at<br />

THE RED BULLETIN 43


DER<br />

RED BULLETIN<br />

DU WIRST<br />

ÜBERRASCHT<br />

SEIN<br />

Die meisten von uns ahnen nicht, was sie alles schaffen.<br />

Zum Beispiel binnen zweier Tage lernen, wie man<br />

ohne Sauerstoffgerät in 20 Meter Tiefe abtaucht.<br />

Wir machten den Test und schickten einen blutigen<br />

Anfänger zum FREEDIVING auf die Philippinen.<br />

SELBST-<br />

VERSUCH<br />

Text ANDREAS ROTTENSCHLAGER<br />

Fotos HEIKO LASCHITZKI<br />

44


Amateur<br />

taucht ab<br />

Unser Autor beim Freediving<br />

auf Coron Island,<br />

Philippinen. Trainerin<br />

Mary Jane Paula eilt<br />

lieber gleich zu Hilfe.


Unsere<br />

Expertin<br />

Apnoe-Coach Mary Jane<br />

Paula, 28, lehrt Schüler<br />

aus der ganzen Welt,<br />

mit einem Atemzug zu<br />

tauchen. Sie sagt: „Die<br />

meisten wundern sich,<br />

wie viel sie schaffen.“


ISTOCK/GETTY IMAGES<br />

Eine Minute<br />

vor meinem letzten Tauchgang<br />

klammere ich mich mit beiden<br />

Händen an der orangen Plastikboje<br />

fest und versuche, ruhig zu<br />

atmen. Ich treibe in der Mitte<br />

eines smaragdgrünen Sees auf der<br />

philippinischen Insel Coron. Rings<br />

um mich glitzert Sonnenlicht im<br />

Wasser. Paula, meine Trainerin,<br />

schwimmt neben mir und fixiert<br />

mich durch die Gläser ihrer<br />

Taucherbrille.<br />

In wenigen Sekunden soll ich<br />

zwanzig Meter tief in den See abtauchen.<br />

Nur mit der Luft eines<br />

Atemzugs, ohne zusätzliche Geräte.<br />

Meine Abschlussprüfung im<br />

Freediving: Der Versuch klappt<br />

nur, wenn ich mental ausgeglichen<br />

und absolut entspannt bin.<br />

Ich atme tief ein und langsam<br />

aus und versuche, den Lärm der<br />

chinesischen Reisegruppe auszublenden,<br />

die dummerweise gerade<br />

jetzt durch den See planscht.<br />

Dann gebe ich Paula das Zeichen<br />

zum Start.<br />

Rückblende: Meine Karriere als<br />

Freitaucher beginnt zwei Wochen<br />

davor, als ich mich, nur mit Unterhosen<br />

und Socken bekleidet, auf<br />

die Behandlungsbank einer Wiener<br />

Tauchärztin lege. An meiner<br />

Brust kleben Sensoren, die meine<br />

Herzfrequenz messen. Später<br />

muss ich möglichst fest und lange<br />

in ein Plastikröhrchen blasen, wie<br />

bei der Alkohol-Verkehrskontrolle.<br />

„Tauchtauglich“, sagt die Ärztin<br />

nach 50 Minuten. Nur beim Lungenvolumen<br />

hätte ich – es klingt<br />

wie ein Wortwitz – noch etwas<br />

„Luft nach oben“.<br />

Das ist meine Aufgabe: als<br />

absolute Tauch-Niete binnen zwei<br />

Tagen Freitauchen lernen – zwanzig<br />

Meter tief mit einem Atemzug,<br />

Bizarr schön: Kalksteinfelsen, wie hier an der Nordküste von Coron Island, prägen die Inselwelt der<br />

Philippinen. An Bord der landestypischen Auslegerboote (re.) kann man sie am besten erkunden.<br />

ohne zusätzlichen Sauerstoff.<br />

Der Freediving-Kurs für Anfänger<br />

findet 300 Kilometer südlich von<br />

Manila auf der Philippinen-Insel<br />

Coron statt, die laut „Forbes<br />

Traveler“ zu den zehn schönsten<br />

Tauchrevieren der Welt zählt.<br />

Das Problem: Meine bisherige<br />

Unterwasser-Karriere ist eine<br />

Ansammlung von Peinlichkeiten.<br />

Die einzige Atemtechnik, die ich<br />

beherrsche, ist heftiges Hyperventilieren.<br />

Ohrenstechen bekomme<br />

ich schon ab zwei Meter Tiefe.<br />

Und statt beim Schnorcheln auf<br />

die Schönheit der Natur zu achten,<br />

halte ich panisch Ausschau nach<br />

Quallen oder seltsam anmutenden<br />

Fischen.<br />

Zwanzig Meter tief zu tauchen<br />

klingt für mich völlig unvorstellbar.<br />

Was, wenn mir ganz unten die<br />

Luft ausgeht? Es gibt nur wenige<br />

Gewissheiten in meinem Leben.<br />

Eine lautet: Wer nicht atmet, stirbt.<br />

Andererseits gilt Freitauchen<br />

als Mentalsport, bei dem man<br />

lernt, sich seinen Ängsten zu<br />

stellen. Es geht um Achtsamkeit,<br />

Entspannung und das Ausloten<br />

geistiger Grenzen. Ein weiterer,<br />

entscheidender Grund, es zu versuchen:<br />

Google spuckt unfassbar<br />

schöne Bilder aus, wenn man<br />

„ Coron Island“ eintippt.<br />

Um mich optimal auf mein Tauchabenteuer<br />

vorzubereiten, kaufe<br />

ich zwei schmale Bücher, die ich<br />

„Es gibt nur wenige<br />

Gewissheiten in meinem<br />

Leben. Eine lautet:<br />

Wer nicht atmet, stirbt.“<br />

Südchinesisches<br />

Meer<br />

Busuanga<br />

Coron<br />

Coron<br />

Island<br />

Tauchziel<br />

im Pazifik<br />

Die Insel Coron liegt<br />

300 Kilometer südlich<br />

von Manila in der Sulusee.<br />

Die Anreise erfolgt<br />

über den Airport der<br />

Nachbarinsel Busuanga.<br />

Sulusee<br />

Manila<br />

Calamian-<br />

Inseln<br />

Philippinensee<br />

PHILIPPINEN<br />

Celebessee<br />

THE RED BULLETIN 47


während der 19-stündigen Anreise<br />

im Flugzeug lese: Frei- oder<br />

Apnoe tauchen (die Begriffe werden<br />

synonym verwendet) wird<br />

von Speerfischern seit mehr als<br />

zweitausend Jahren praktiziert.<br />

Profi-Wettkämpfe gibt es seit den<br />

1960ern. Die aktuelle Bestleistung<br />

in der Disziplin Free Immersion –<br />

das Abtauchen an einem Seil ohne<br />

Flossen – liegt bei unvorstellbaren<br />

125 Metern. Der Rekordhalter,<br />

Alexei Moltschanow aus Russland,<br />

kann seinen Atem mehr als<br />

acht Minuten lang anhalten.<br />

Ich klappe das Buch zu, schiebe<br />

meinen Becher Weißwein zur Seite<br />

und hole im Flugzeugsitz tief<br />

Luft. Als ich eine gefühlte Ewigkeit<br />

später mit hochrotem Kopf<br />

los pruste, zeigt die Stoppuhr auf<br />

meinem iPhone 1:05 Minuten.<br />

So viel zum <strong>The</strong>ma erfolgreiche<br />

Selbstmotivation.<br />

Coron Town, Provinz Palawan,<br />

Philippinen, ein<br />

lichtdurchfluteter Seminarraum<br />

am nächsten<br />

Morgen: Die Trainerin, die während<br />

der nächsten 48 Stunden<br />

über mein Leben wacht, heißt<br />

Mary Jane Paula Jumuad-Craciun,<br />

28, rabenschwarze lange Haare.<br />

Eine kleine, selbstbewusste Frau,<br />

die gerne lacht. Mary Jane, die<br />

alle nur „Paula“ nennen, ist ehemalige<br />

Landesmeisterin im Freediving,<br />

Mutter eines einjährigen<br />

Sohnes und hat seit 2016 mehr als<br />

300 Schüler aus der ganzen Welt<br />

unterrichtet. Das Motto der<br />

Tauchschule, die sie mit ihrem<br />

Mann führt, lautet: „Zwei Tage,<br />

zwanzig Meter, ein Atemzug“.<br />

„Du musst kein Top-Athlet sein,<br />

um die zwanzig Meter zu schaffen“,<br />

sagt Paula. „Viel wichtiger<br />

als Muskelkraft ist die Fähigkeit,<br />

auf Knopfdruck zu entspannen.“<br />

In den nächsten zwei Stunden<br />

lerne ich von Paula, wie man den<br />

Druckausgleich durchführt, der<br />

vor Ohrenstechen unter Wasser<br />

schützt (beide Nasenlöcher zuhalten,<br />

sanft pusten). Und dass<br />

panisches Hyperventilieren nicht<br />

zu den empfohlenen Atemtechniken<br />

im Freitauchen zählt.<br />

„Wir atmen erst tief in den<br />

Bauch und in die Brust ein und<br />

dann sehr langsam wieder aus“,<br />

sagt Paula, formt ihren Mund zu<br />

einem kleinen „O“ und saugt Luft<br />

ein. Ihr langsames Ausatmen danach<br />

klingt, als würde man ein<br />

Schlauchboot ausquetschen:<br />

tssssssssssssssssssss.<br />

Die Atem-Vorbereitung, der<br />

sogenannte Breath-up, soll den<br />

Herzschlag senken und die Gefäße<br />

mit möglichst viel Sauerstoff versorgen.<br />

Das Ein- und Ausatmen<br />

wird dafür fünfmal wiederholt.<br />

Danach folgt der Final Breath, der<br />

letzte lange Atemzug. Dann geht<br />

es ab in die Tiefe.<br />

Zum Abschluss der <strong>The</strong>orieeinheit<br />

zeigt Paula ein Demonstrationsvideo,<br />

in dem sich ein sehr<br />

Techniktraining<br />

Apnoe-Anfängerkurs,<br />

Tag 1: Trainerin Mary<br />

Jane Paula verzweifelt<br />

am Flossenschlag<br />

unseres Autors.<br />

Bitte festhalten: Vor jedem Tauchgang wird an der Boje tief ein- und ausgeatmet.<br />

48


„Ich muss<br />

unvorstellbar<br />

tief getaucht<br />

sein.“<br />

„Vier Meter“,<br />

sagt Paula.


Kraft aus<br />

der Lunge<br />

Trainerin Paula unterrichtet<br />

unseren Autor<br />

in der Pranayama-Atemtechnik.<br />

Ziel: mehr Gelassenheit<br />

unter Wasser<br />

Die Ruhe vor<br />

dem Start<br />

Mit dem „Breath-up“, der<br />

Atemvorbereitung, senkt<br />

unser Autor vor dem Tauchgang<br />

seinen Herzschlag.


Apnoe-Tipp für den Alltag:<br />

So atmest du Stress weg<br />

Pause<br />

6 sec<br />

einatmen<br />

(durch die Nase)<br />

6 sec<br />

6 sec<br />

6 sec<br />

ausatmen<br />

(durch den Mund)<br />

Luft anhalten<br />

„Quadratatmen“ zählt zu den Standardübungen<br />

der yogischen Pranayama-Atemschule. Apnoe-<br />

Coach Mary Jane Paula: „Es beruhigt dich binnen<br />

Sekunden. Sogar während nerviger Meetings.“<br />

durchtrainierter Mann sehr<br />

elegant an einem Seil Richtung<br />

Ozeanboden hangelt, bis er in<br />

der Dunkelheit verschwindet.<br />

„Free Immersion“, sagt Paula,<br />

„das machen wir als Nächstes.“<br />

Ich versuche, selbstbewusst zu<br />

lächeln.<br />

Die quälend lange Anreise,<br />

sieben Stunden Zeitverschiebung,<br />

mein peinlicher<br />

Versuch, Luft anzuhalten:<br />

All das ist vergessen, als<br />

ich zum ersten Mal am Barracuda<br />

Lake stehe, unserem Tauchrevier<br />

auf Coron Island, zehn Motorbootminuten<br />

südlich von Coron Town<br />

(das verwirrenderweise nicht auf<br />

der Insel Coron liegt).<br />

Klares, grünes Wasser, umringt<br />

von steil aufragenden Kalksteinzacken:<br />

Jedes Foto hier wäre ein<br />

Postkartenmotiv. Für Tauch-Anfänger<br />

herrschen beste Bedingungen:<br />

28 Grad warmes Wasser und<br />

freie Sicht bis 14 Meter Tiefe.<br />

„Dein Gehirn sagt dir, dass du nicht<br />

tiefer gehen kannst“, sagt Paula und<br />

tippt sich an die Stirn. „Also musst du<br />

gegen dein Gehirn rebellieren.“<br />

Ich zwänge mich in den hautengen<br />

Wetsuit, putze meine<br />

Taucherbrillengläser mit Spucke,<br />

wie Paula es mir gezeigt hat, und<br />

springe zu ihr ins Wasser. Paula<br />

zieht eine orange Boje neben sich<br />

her – unsere Tauchbasis. An der<br />

Unterseite hängt ein 30 Meter<br />

langes Seil, dessen Ende Paula<br />

am Boden beschwert, als wir die<br />

Mitte des Sees erreichen.<br />

Zu Paulas Stärken als Coach<br />

zählt, dass sie ihren Schülern keine<br />

Zeit für Selbstzweifel lässt.<br />

„Auf geht’s“, sagt sie.<br />

Für meinen ersten Versuch<br />

hangle ich mich mit den Füßen<br />

voran am Seil nach unten. Paula<br />

taucht neben mir.<br />

Zwei Züge, Druckausgleich.<br />

Zwei Züge, Druckausgleich. Erste<br />

große Erkenntnis: Wer den Druckausgleich<br />

präventiv ausführt, bekommt<br />

kein Ohrenstechen.<br />

Die Sicht unter Wasser ist<br />

fantastisch: senkrecht abfallende,<br />

bizarre Felswände, überlagert von<br />

einem grünen Filter. Keine Quallen<br />

weit und breit.<br />

Als ich die Wasseroberfläche<br />

wieder durchbreche, bin ich stolz.<br />

Ich muss unvorstellbar tief gewesen<br />

sein. „Vier Meter“, sagt<br />

Paula und zeigt auf das Display<br />

des Tauchcomputers, den sie an<br />

ihrem linken Handgelenk trägt.<br />

Wir wechseln in die Disziplin<br />

Constant Weight. Das freie Tauchen<br />

mit Flossen ist die ideale<br />

Technik für Erkundungstouren im<br />

Urlaub. Statt an der Boje führe ich<br />

den Breath-up im Wasser treibend<br />

mit dem Schnorchel durch. Abgetaucht<br />

wird per Duck Dive. In<br />

der <strong>The</strong>orie kippe ich dafür den<br />

Oberkörper um neunzig Grad<br />

nach unten, strecke meinen Körper<br />

kerzengerade durch und gleite mit<br />

sanften Flossenkicks in die Tiefe.<br />

Leider vergesse ich nach dem<br />

Abtauchen die Schwimmtempi.<br />

Kopf und Oberkörper stecken<br />

unter Wasser, meine Beine strampeln<br />

in der Luft.<br />

Ich sehe aus wie ein Idiot.<br />

Wieder hilft mir Paula mit<br />

ihrer Mischung aus Lockerheit<br />

und Strenge. Sie korrigiert unter<br />

Wasser meine Beinstellung und<br />

ermuntert mich, unten zu bleiben,<br />

wenn ich nach kurzer Zeit wieder<br />

auftauchen will. Trotzdem liegt<br />

mir das Abtauchen am Seil besser.<br />

Am Ende des Tages schaffe ich<br />

zehn Meter. Viel mehr, als ich erwartet<br />

habe. Aber weit entfernt<br />

von meinem Ziel.<br />

„Tag eins war für die Technik“,<br />

sagt Paula, als wir wieder am Steg<br />

sitzen. „Morgen fordern wir deinen<br />

Willen.“ Meinen Einwand, dass<br />

ich mir die zwanzig Meter trotzdem<br />

nicht zutraue, kontert Paula<br />

mit ihrer eigenen Geschichte.<br />

„Bis 2014 war ich Nichtschwimmerin“,<br />

erzählt sie. „Dann lernte<br />

ich meinen Mann kennen, einen<br />

Apnoe-Trainer. Ich sah ihm zu und<br />

dachte: Warum soll ich das nicht<br />

auch schaffen, wenn er es kann?<br />

Wir sind ja beide Menschen.“<br />

Fünf Monate nachdem Paula<br />

ihren Job als Buchhalterin gekündigt,<br />

schwimmen gelernt und wie<br />

eine Besessene geübt hatte, stellte<br />

sie 2015 mit 32 Metern einen<br />

nationalen Damenrekord in der<br />

Disziplin „Constant Weight“ auf.<br />

„Dein Gehirn sagt dir, dass du<br />

nicht tiefer gehen kannst“, sagt<br />

Paula und tippt sich mit dem Zeigefinger<br />

an die Stirn. „Also musst<br />

du gegen dein Gehirn rebellieren.<br />

Denk nicht an Zahlen, sondern<br />

trainiere deine Atemtechnik. Das<br />

wird dir helfen, zu entspannen.“<br />

Der nächste Tag, 4.15 Uhr. Dank<br />

eines mustergültig ausgeprägten<br />

Jetlags sitze ich putzmunter auf<br />

meinem Bett und übe Breath-ups.<br />

Apnoe-Taucher nutzen für ihr<br />

Training mehrere tausend Jahre<br />

alte Pranayama-Atemübungen<br />

aus dem Yoga. Es gibt Techniken,<br />

die das Zwerchfell stärken oder<br />

die Lungen aufwärmen. Oder helfen,<br />

sich binnen Sekunden zu entspannen<br />

(siehe Kasten oben).<br />

Tatsächlich beruhigt das tiefe<br />

Ein- und langsame Ausatmen und<br />

vertreibt, zumindest für einige<br />

Momente, negative Gedanken.<br />

Selten war ich vor fünf Uhr früh<br />

so gut gelaunt.<br />

THE RED BULLETIN 51


Trainerin Paula zählt die „Bottom Time“, die beim nächsten Tauchgang in Extra-Tiefe umgewandelt wird.<br />

Mein entscheidender Kurs-Nachmittag<br />

beginnt mit einer Überraschung.<br />

Zwei weitere Schüler<br />

fahren mit uns an den See. Chen,<br />

22, aus China und Henry, 28, aus<br />

England. Beide erfahrene Apnoe-<br />

Taucher. Statt allein von Paulas<br />

Unterricht zu profitieren, hängen<br />

Chen, Hendrik und ich nun zu dritt<br />

an der autoreifen großen Boje.<br />

Während meines Breath-ups muss<br />

ich ihre Gesprächsfetzen ausblenden.<br />

Eigentlich eine gute<br />

Übung, denke ich. Der nächste<br />

Moment, in dem ich Gesprächsfetzen<br />

anderer Leute ausblenden<br />

will, kommt bestimmt.<br />

Trotzdem wird der Druck nun<br />

größer. Durch meine Taucherbrille<br />

kann ich beobachten, wie<br />

Hendrik gleich bei seinem ersten<br />

Versuch jenseits der Sichtgrenze<br />

in 14 Meter Tiefe verschwindet.<br />

Ziemlich sicher hat er gerade<br />

beim Aufwärmen mein Tagesziel<br />

geknackt.<br />

Ich schaffe beim Warm-up<br />

neun Meter. Meilenweit entfernt<br />

von meinem Ziel.<br />

Wieder einmal heißt<br />

meine Hoffnung Paula,<br />

die unter Wasser<br />

die Ruhe einer Zen-<br />

Meisterin ausstrahlt. Mit sparsamen<br />

Handzeichen korrigiert sie<br />

meine Kopfhaltung (zu schräg),<br />

die Zug-Geschwindigkeit (zu<br />

langsam) und zählt meine Bottom<br />

Time – jene Extra-Sekunden, die<br />

ich am tiefsten Punkt meines<br />

Tauchgangs anhänge –, um sie<br />

Ganz unten<br />

Anfänger- und Profi-Tiefen der<br />

Apnoe-Disziplin „Free Immersion“<br />

(Tauchen am Seil) im Vergleich:<br />

0 m<br />

25 m<br />

50 m<br />

75 m<br />

100 m<br />

125 m<br />

Anfängerkurs<br />

Tag 1, ca. 10 m<br />

Anfängerkurs<br />

Tag 2, ca. 20 m<br />

Master-Freediver<br />

(3 – 5 Wochen<br />

Training)<br />

ca. 50 m<br />

Weltrekord<br />

Damen: 97 m,<br />

Sayuri Kinoshita,<br />

Japan<br />

Weltrekord<br />

Herren:<br />

125 m, Alexei<br />

Moltschanow,<br />

Russland<br />

beim nächsten Versuch in noch<br />

mehr Tiefe umzuwandeln.<br />

Bei 14 Metern und 10 Sekunden<br />

Bottom Time stoße ich an<br />

meine Grenze. „Sehr gut“, sagt<br />

Paula, als ich sie davon in Kenntnis<br />

setze. „Ab jetzt wird der Kurs<br />

für dich spannend.“<br />

Ich erfahre nun am eigenen<br />

Leib, was Paula heute morgen im<br />

<strong>The</strong>orie-Referat erklärt hat: Hält<br />

ein Mensch die Luft an, erhöht<br />

sich der Kohlenstoffdioxid-Gehalt<br />

in seinem Blut, und der Körper<br />

sendet einen Atemreiz aus. Es<br />

folgt der entscheidende mentale<br />

Kampf, den jeder Freediver früher<br />

oder später führen muss: dein<br />

Wille, die Luft anzuhalten, gegen<br />

deinen Wunsch, zu atmen.<br />

Interessanterweise befindet<br />

sich meine mentale Grenze genau<br />

in jener Tiefe, in der sich der Barracuda<br />

Lake merklich erwärmt.<br />

Vulkanische Aktivität im Inselinneren<br />

heizt ihn ab 14 Meter<br />

Tiefe auf. Paula macht daraus eine<br />

Aufgabe: Sobald ich das warme<br />

Wasser an den Zehenspitzen spüre,<br />

soll ich mich vier weitere Armlängen<br />

nach unten ziehen.<br />

„Vier?“, frage ich verdutzt.<br />

„Fünf, wenn du dich fordern<br />

willst.“ Paula möchte mich an die<br />

Zwanzig-Meter-Marke bringen.<br />

Weil ich mich nicht vor ihr blamieren<br />

will, sage ich zu.<br />

Eine Minute vor meinem letzten<br />

Tauchgang klammere ich<br />

mich also mit beiden Händen an<br />

der orangen Plastikboje fest und<br />

versuche, ruhig zu atmen.<br />

Es ist jener Moment, in dem<br />

die chinesische Reisegruppe vor<br />

mir auftaucht.<br />

Während meines Breath-ups<br />

spüre ich tief in meinen Körper<br />

hinein. Die Welt an der Oberfläche<br />

atme ich einfach weg. Die<br />

planschenden Chinesen. Chen<br />

und Hendrik, die an meiner Boje<br />

hängen. Ich fühle mich wohl mit<br />

meinem Bauch, der sich mit immer<br />

mehr Sauerstoff füllt. Mein Selbstvertrauen<br />

wächst mit jedem<br />

Atemzug. Ich mache den „Final<br />

Breath“ und gebe Paula das Zeichen<br />

zum Start.<br />

Zügig hangle ich mich nach<br />

unten: zwei Armlängen, Druckausgleich.<br />

Zwei Armlängen, Druckausgleich.<br />

Paula schwebt als Begleitschutz<br />

mit mir in die Tiefe.<br />

52 THE RED BULLETIN


„Was ist stärker?<br />

Dein Wille, die Luft<br />

anzuhalten, oder<br />

dein Wunsch,<br />

zu atmen?“<br />

Jeder<br />

Meter<br />

zählt<br />

Unser Autor hangelt<br />

sich am zweiten Kurstag<br />

immer tiefer in den<br />

See. Ein zusätzlicher<br />

Kick: Ab 14 Metern<br />

steigt die Wassertemperatur<br />

auf 38 Grad.


„Hastig ziehe<br />

ich mich am Seil<br />

hoch. Und blicke<br />

dabei nach oben.<br />

Ein Fehler.“


Fokussiert: Coach Paula bei der Tauch-Nachbesprechung am Steg des Barracuda Lake<br />

Pause an<br />

der Boje<br />

Autor und Trainerin<br />

an der Oberfläche<br />

des Barracuda Lake.<br />

Für Anfänger perfekt:<br />

Es herrschen weder<br />

Wellengang noch<br />

Strömung.<br />

Irgendwann fühlen meine<br />

Zehenspitzen warmes Wasser.<br />

Ab nun wird die Sicht schlechter.<br />

Die Unterwasserwelt verschwindet<br />

hinter einem grünen Schleier.<br />

Eine weitere Armlänge.<br />

Noch eine.<br />

Noch eine.<br />

Das Wasser muss mittlerweile<br />

deutlich mehr als 30 Grad haben.<br />

Ich fühle mich, als würde ich in<br />

eine heiße Badewanne tauchen.<br />

Noch eine Armlänge.<br />

Paula blickt mir in die Augen.<br />

Sie zeigt noch eine Armlänge an.<br />

Ich ziehe mich nach unten und<br />

halte meine Position.<br />

Genau jetzt setzt der Atemreflex<br />

ein. Eine Kontraktion im<br />

Brustkorb. Ich will Luft holen.<br />

Kurz bekomme ich Panik. Paula<br />

gibt das Okay zum Auftauchen.<br />

Ich beginne, mich hastig am<br />

Seil nach oben zu ziehen. Raus<br />

aus dem heißen Badewasser.<br />

Eine goldene Regel von Paula<br />

lautet, beim Auftauchen nie nach<br />

oben zu schauen, um sich nicht<br />

von der restlichen Wegstrecke<br />

einschüchtern zu lassen. Genau<br />

das mache ich jetzt. Ein Fehler.<br />

Meine Boje, die die Wasseroberfläche<br />

markiert, schwebt als klitzekleiner<br />

Kreis unerreichbar weit<br />

über mir.<br />

Ich hangle mich jetzt schnell<br />

und ungeschickt nach oben. Mit<br />

jedem Meter verringert sich der<br />

Druck auf meiner Brust. Als ich<br />

die Wasseroberfläche erreiche,<br />

schnappe ich nach Luft.<br />

Paula leitet, wie nach jedem<br />

Auftauchen, sofort das Recovery<br />

Breathing ein – das bedeutet: vollständiges<br />

Ein- und etwa fünfzig<br />

Prozent Ausatmen, um den<br />

Sauerstoff gehalt im Blut schnellstmöglich<br />

wieder anzuheben.<br />

„Schätz mal, wie tief du warst“,<br />

sagt sie, als wir fertig sind, und<br />

setzt ihr Pokerface auf.<br />

Ich bin noch nicht in der Lage<br />

zu sprechen.<br />

Paula zeigt auf das Display<br />

ihres Tauchcomputers. „12:43“<br />

lese ich – weniger als 13 Meter.<br />

Das kann nicht stimmen. Es dauert<br />

einige Augenblicke, bis ich merke,<br />

dass ich die falsche Zeile am Display<br />

abgelesen habe.<br />

„12:43“ ist die Uhrzeit.<br />

Ich schaue ein zweites Mal auf<br />

Paulas Handgelenk.<br />

„22,4 m“ – meine Tauchtiefe.<br />

Paula gibt mir ein nasses<br />

High-Five.<br />

Später am Abend, Abschiedsessen<br />

in Coron<br />

Town. Draußen knattern<br />

Dreirad-Taxis durch verstopfte<br />

Straßen. Drinnen erzählt<br />

mir Paula von einem Schüler, der<br />

ihr besonders in Erinnerung geblieben<br />

ist. Marc aus England, der<br />

mittlerweile 42 Meter tief taucht.<br />

Marc ist 63 Jahre alt.<br />

„Die meisten Anfänger unterschätzen<br />

sich“, sagt Paula. „Aber<br />

am Ende sind sie überrascht, welche<br />

Tiefen sie schaffen, wenn sie<br />

sich selbst mental fordern.“<br />

„Ging mir genauso“, sage ich.<br />

„Aber dank dir kenne ich jetzt<br />

mein Limit.“<br />

„Falsch“, sagt Paula und grinst.<br />

„Du entdeckst gerade erst dein<br />

Potenzial.“<br />

Freediver werden: freediving-coron.com;<br />

Apnoe-Trainerin Mary Jane Paulas<br />

Abenteuer auf Instagram: @mj_paula<br />

55


SPIEL MIT<br />

DEINER<br />

ANGST<br />

In den düstersten Stunden<br />

ihres Lebens entwickelte<br />

CORNELIA GEPPERT die Idee<br />

zu „Sea of Solitude“. Nun<br />

erscheint das Computerspiel<br />

bei einem der größten<br />

Publisher weltweit – und<br />

beweist: Wenn du deine<br />

Dämonen umarmst, machen<br />

sie dich stärker als je zuvor.<br />

Text MAXIMILIAN GAUB<br />

Fotos OLAF BLECKER<br />

56


ENDGEGNER<br />

EINSAMKEIT<br />

Mit ihrem Spiel will<br />

Geppert Menschen<br />

helfen, das Monster der<br />

Einsamkeit zu besiegen.


GEPPERTS<br />

STRATEGIE<br />

GEGEN<br />

DIE ANGST:<br />

Blick ihr in die Augen,<br />

geh mutig auf sie zu,<br />

überwinde sie – und<br />

vergiss nicht zu lachen.


Wer Cornelia Geppert an diesem Vormittag<br />

erlebt, mag nicht glauben, dass sie noch<br />

vor kurzem ein Schattenwesen war. Sie<br />

lacht viel, schneidet auf Wunsch des Fotografen<br />

Grimassen, sprudelt über vor Energie.<br />

Wir befinden uns beim Fotoshooting<br />

für <strong>The</strong> <strong>Red</strong> <strong>Bulletin</strong> in einem Hinterhofgebäude<br />

in Berlin-Schöneberg – und<br />

Computerspielentwicklerin Geppert hat<br />

allen Grund zur Euphorie. Im Spätsommer<br />

dieses Jahres wird „Sea of Solitude“ für<br />

die Konsolen PlayStation und Xbox auf<br />

den Markt kommen, ein Spiel, das sie hier<br />

in diesen Räumen entwickelt hat und das<br />

für ihr Label Jo-Mei Games den Durchbruch<br />

bedeuten könnte. Vor allem aber<br />

ist es ein Spiel, das Geppert aus der bisher<br />

düstersten Phase ihres Lebens rettete.<br />

Im Trailer gleitet ein zerzaustes Schattenwesen<br />

mit einem kleinen Holz boot<br />

durch eine überschwemmte Geisterstadt.<br />

Seine Augen leuchten fiebrig rot, genau<br />

wie jene der Monster, die plötzlich vor ihm<br />

auftauchen. Eine Riesin mit dolch artigen<br />

Zähnen, ein gigantischer Greif vogel, ein<br />

gefiedertes Seeungeheuer: Willkommen<br />

in der Welt von Kay, der Heldin dieser<br />

Reise. Das Besondere: Beim Schattenwesen<br />

Kay handelt es sich um eine gepeinigte<br />

Version von Cornelia Gep perts Ich.<br />

Und die Monster sind nicht irgend welche<br />

Monster, sondern die vir tu ellen Inkarnationen<br />

von Gep perts tiefsten Ängsten.<br />

Die Geschichte hinter „Sea of Solitude“<br />

beginnt mit ein paar Skizzen, die Geppert<br />

in einer tiefen Lebenskrise zeichnete, und<br />

sie findet ihren vorläufigen Höhepunkt<br />

mit dem Release des Spiels bei Electronic<br />

Arts (EA), einem der weltweit größten<br />

Gaming- Konzerne. Vor allem aber hält<br />

diese Geschichte zwei Lektionen bereit:<br />

1. Games können dir helfen, dich selbst<br />

besser kennenzulernen – und sogar<br />

Krisen zu überwinden. 2. Wenn du deine<br />

Dämonen umarmst, kommst du weiter,<br />

als du je zu träumen gewagt hast.<br />

Hier kommt Cornelia Gepperts<br />

Geschichte in fünf Kapiteln:<br />

DIE KRISE<br />

Es ist das Jahr 2014, als Cornelia Gepperts<br />

Leben in sich zusammenstürzt. Bisher ist<br />

sie von größeren Rückschlägen verschont<br />

geblieben. Über Deutschlands Wiedervereinigung<br />

freut sie sich nach ihrer Achtziger-Jahre-Kindheit<br />

in Greifswald in<br />

Mecklenburg-Vorpommern vor allem aus<br />

einem Grund: weil sie nun endlich den<br />

langersehnten Amiga-Computer bekommt.<br />

Sie zeichnet Comics, besucht eine Akademie<br />

für Game-Entwickler und gründet<br />

in einem Hinterhof in Berlin Schöneberg<br />

Jo-Mei Games, ihr eigenes Computerspiellabel,<br />

das beliebte Browsergames wie<br />

„Koyotl“ und „Deep Space Banana“ herausbringt.<br />

Es ist ihr langjähriger Freund<br />

– „die Liebe meines Lebens“, wie Geppert<br />

sagt –, der ihr Leben ins Wanken bringt.<br />

Er leidet an einer seelischen Krankheit, von<br />

der auch ihre Beziehung nicht verschont<br />

bleibt: Einmal bekundet er wortreich<br />

seine Liebe, dann wieder verschwindet er<br />

tagelang ohne Erklärung. „Ich war verwirrt,<br />

verzweifelt, verletzt und verdammt<br />

wütend – warum ist der von mir geliebte<br />

Mann, wie er ist?“, erzählt Geppert.<br />

Sie zieht sich selbst immer mehr zurück,<br />

versinkt in düsteren Gedanken.<br />

RAUS<br />

AUS DEM<br />

SCHATTEN<br />

Kay, allein in der Geisterstadt:<br />

In „Sea of Solitude“<br />

sucht Hauptfigur Kay<br />

einen Ausweg aus der<br />

gefluteten City. Dafür<br />

muss sie sich mit<br />

Monstern verbünden,<br />

die sich als ihre eigenen<br />

Ängste entpuppen.<br />

THE RED BULLETIN 59


DIE IDEE<br />

Cornelia Geppert wälzt Psychologiebücher,<br />

begibt sich sogar selbst in eine<br />

Psychoanalyse. Sie will verstehen, was<br />

ihrem Freund widerfährt – vor allem<br />

aber, wie ihre eigenen Ängste so groß<br />

werden konnten, dass sie unbeherrschbar<br />

erscheinen und sie von ihren Freunden,<br />

von der Außenwelt abschneiden. Besonders<br />

bedrohlich macht ihre Ängste, dass<br />

sie nicht greifbar sind. In ihrer Verzweiflung<br />

besinnt sich Geppert irgendwann<br />

auf das, was sie am besten kann: Fantasy-<br />

Welten entwerfen. Intuitiv beginnt sie,<br />

Skizzen der verängstigten Version ihres<br />

eigenen Ichs zu scribbeln.<br />

Es ist die Geburtsstunde von Kay, ihrer<br />

Schattenschwester. Gep pert ahnt: Mit<br />

Kays Hilfe könnte sie schaffen, woran sie<br />

im wahren Leben scheitert – ihren Ängsten<br />

in die Augen zu sehen. Sie zeichnet<br />

tierhafte Monster, entwirft die Kulisse<br />

der untergegangenen Stadt – und lädt<br />

einen ersten animierten Prototyp auf<br />

Twitter hoch. Der erste Slogan ihres<br />

Spiels: „Wenn Menschen zu einsam werden,<br />

verwandeln sie sich in Monster.“<br />

DIE REAKTION<br />

Was in den Tagen nach ihren ersten Posts<br />

geschieht, wird Cornelia Geppert nie<br />

vergessen. Ihre vage Idee, ein Spiel über<br />

Ängste und Einsamkeit zu entwickeln, löst<br />

einen Tsunami an positiven Reaktionen<br />

aus. Aus der ganzen Welt greifen Menschen<br />

ihre ersten Bilder auf und zeichnen<br />

eigene Entwürfe. Die ein gesandte<br />

Fan­ Kunst bedeckt heute in den Jo‐Mei­<br />

Studios eine komplette Wand. Außerdem<br />

schicken die User zahllose Direktnachrichten<br />

an Geppert. Der Tenor ist immer<br />

der gleiche: Danke, dass du <strong>The</strong>men wie<br />

Angst und Einsamkeit in der Welt der<br />

Computerspiele aufgreifen willst.<br />

Geppert hatte offensichtlich einen<br />

bloßliegenden Nerv unserer Zeit getroffen.<br />

Während uns Instagram und<br />

Facebook einen globalen Dorfplatz vorgaukeln,<br />

auf dem wir alle immer näher<br />

zusammenrücken, tut sich hinter dieser<br />

digitalen Kulisse ein seelischer Abgrund<br />

auf, in dem die Einsamkeit regiert. Das<br />

überwältigende Feedback verleiht Geppert<br />

neuen Mut – im Umgang mit ihren<br />

Ängsten und in der Absicht, die aus der<br />

Not geborene Kay zur Heldin eines wirklichen<br />

Spiels zu machen.<br />

VIER WAHRE<br />

HELDINNEN<br />

Diese Frauen<br />

erobern ebenfalls<br />

die Gaming-Welt:<br />

Philomena Schwab<br />

Die Strategin<br />

Komplexe Abenteuer sind die<br />

Spezialität der Zürcherin: In<br />

„Niche“ hilfst du einer Fantasie-<br />

Tierart, auf unserem Planeten<br />

zu überleben. In „Nimbatus“<br />

(erscheint <strong>2019</strong>) musst du aus<br />

hunderten Teilen ein Raumschiff<br />

konstruieren und fortan Missionen<br />

im All bestehen.<br />

Sonja Hawranke<br />

Katharina Kühn<br />

Die Märchen-Königinnen<br />

Alte Geschichten zu neuem<br />

Leben erwecken, das ist das<br />

Markenzeichen der Gründerinnen<br />

des Start-ups Golden Orb.<br />

Unter diesem Namen veröffentlichten<br />

sie bereits die interaktiven<br />

Märchen „Siebenstreich“<br />

und „Aschenputtel“.<br />

Brenda Romero<br />

Die Vermittlerin<br />

Sagen, wie’s geht: Darin ist die<br />

Entwicklerin (u. a. „Wizardry“)<br />

besonders gut und verschafft<br />

so immer neuen Menschen Zugang<br />

zum Gaming – ob mit ihren<br />

Vorträgen über spielerisches<br />

Lernen oder mit ihrem Ratgeberbuch<br />

„Breaking into the Game<br />

Industry“.<br />

DER WEG<br />

Noch handelt es sich bei Kay und den<br />

Monstern um lose Ideen. Gemeinsam mit<br />

ihrem Geschäftspartner Boris Munser<br />

beschließt Geppert, auf dieser Basis ein<br />

Spiel zu entwickeln, das die Nutzer dazu<br />

bewegt, sich mit sich selbst und den<br />

eigenen Ängsten auseinanderzusetzen.<br />

Weiterhin teilt sie neue Prototypen in den<br />

sozialen Medien – und ihr unglaubliches<br />

Abenteuer erreicht das nächste Level.<br />

Mit ihrem Spiel über Einsamkeit hatte<br />

sich Geppert höchstens Chancen bei<br />

einem kleinen Independent-Label ausgerechnet.<br />

Doch als die positiven Reaktionen<br />

auf die neuen Entwürfe nicht<br />

abreißen, werden plötzlich die Global<br />

Player der Gamingwelt auf sie aufmerksam.<br />

Milliardenschwere Publisher wie<br />

Square Enix, Ubisoft und Microsoft melden<br />

sich bei Jo-Mei Games. „Plötzlich<br />

werde ich in die ganze Welt eingeladen,<br />

um meine Prototypen zu präsentieren.“<br />

Sie zeigt ihre Idee in San Francisco,<br />

in New York, in London und schließlich<br />

in Stockholm bei EA Originals, einem<br />

Zweig des Mutterkonzerns EA, der unter<br />

anderem die weltweit erfolgreiche<br />

Fußball simulationsserie „FIFA“ vertreibt.<br />

Als Geppert in Schweden erklärt, dass sie<br />

selbst hinter Kay steckt, sagt EA-Chef<br />

Patrick Söderlund nur einen Satz: „I need<br />

to have this game.“ Damit steht fest: Kay<br />

könnte nicht nur Geppert aus der Finsternis<br />

führen, sondern ihrem Studio Jo-Mei<br />

Gaming zu dessen erstem globalen Hit<br />

verhelfen.<br />

DAS ERGEBNIS<br />

Noch will Geppert die genaue Funktionsweise<br />

des Spiels nicht preisgeben. „In<br />

‚Sea of Solitude‘ zeigen wir, wie Menschen<br />

verschiedene Arten von Einsamkeit erleben.“<br />

Genau wie es Geppert selbst half,<br />

ihre eigenen Ängste in der Geschichte von<br />

Kay und den Monstern zu verarbeiten,<br />

sollen sich darin auch die Spieler wiederfinden<br />

können. „Umarme deine destruktive<br />

Art genauso wie deine hoffnungsvolle:<br />

Euphorie, Selbstzweifel, Angst,<br />

Zorn – in unserem Spiel geht es um einen<br />

gesunden Umgang mit unseren Emotionen“,<br />

sagt Geppert. Ziel wird es sein,<br />

dem Schattenwesen Kay dabei zu helfen,<br />

wieder ein Mensch zu werden. Und, so<br />

viel sei ver raten: Die Monster sind nicht<br />

Kays eigentliche Gegner.<br />

„Sea of Solitude“ erscheint im Spätsommer.<br />

Infos unter: ea.de<br />

Styling DOREEN REGEL @ BASICS.BERLIN<br />

Hair & Make-up TINA FISCHBACH @ BASICS.BERLIN<br />

DAN CERMAK, CHRIS LUEHRMANN, REUTERS<br />

60 THE RED BULLETIN


WIEDER GANZ<br />

BEI SICH<br />

Auch dank der Entwicklung<br />

von „Sea of Solitude“ hat<br />

Cornelia Geppert ihre<br />

Lebens krise heute endgültig<br />

überwunden.


INNOVATOR<br />

START-UPS,<br />

PIONIERE UND<br />

GENIALE<br />

ERFINDUNGEN<br />

Rasse-Robo<br />

Ein „Hund“<br />

als Postbote<br />

Dieser elektronische Vierbeiner<br />

könnte bald Pakete zustellen.<br />

Oder auch wirklich gefährliche<br />

Aufgaben übernehmen.<br />

Er gibt Pfote, macht Platz<br />

und bringt die Zeitung:<br />

ANYmal kann vieles,<br />

was ein echter Hund auch<br />

kann – aber noch mehr.<br />

Bis zu 10 Kilo schwere Lasten<br />

trägt der dobermanngroße<br />

Roboter und geht damit dank<br />

den um 360 Grad drehbaren<br />

Aluminiumbeinen sowie Sensoren<br />

und 3D-Kameras trotz<br />

Hindernissen seinen Weg,<br />

zielstrebig und autonom.<br />

Ob dieser Fähigkeiten<br />

sah der Automobilzulieferer<br />

Continental Potenzial für den<br />

Einsatz als Warenlieferant und<br />

schloss sich mit dem Zürcher<br />

Start-up ANYbotics, den Entwicklern<br />

des ANYmal, zusammen.<br />

Gemeinsam verblüfften<br />

sie Anfang <strong>2019</strong> Besucher<br />

der Elektronikfachmesse CES<br />

in Las Vegas, als ihr Superhund<br />

von einem Lieferwagen<br />

hüpfte, zur Eingangstür eines<br />

inszenierten Vorstadthauses<br />

spazierte, an der Türe klingelte<br />

und ein Paket hinterlegte.<br />

Dabei ist ANYmal mit<br />

Botendiensten unterfordert.<br />

Nachgerüstet mit Wärme- oder<br />

Gas-Sensoren eignet er sich<br />

nämlich perfekt für Katastro<br />

pheneinsätze – der beste<br />

Freund des Menschen eben.<br />

anybotics.com<br />

62 THE RED BULLETIN


„ANYmal kann<br />

überall helfen, wo<br />

es für Menschen<br />

unangenehm oder<br />

gefährlich ist.“<br />

Péter Fankhauser,<br />

Co-Founder von ANYbotics<br />

IN ALLER<br />

KÜRZE<br />

GEH DEM<br />

PLASTIK<br />

AN DIE<br />

WÄSCHE<br />

Der Einsatz für<br />

saubere Gewässer<br />

beginnt in deiner<br />

Waschmaschine.<br />

Dieser bohnenförmige Polster stimuliert eine gleichmäßige<br />

Atmung, wodurch ein tiefer Schlaf gefördert werden soll.<br />

Ein Roboterhund<br />

aus Aluminium und<br />

Carbon: 70 Zentimeter<br />

groß, 30 Kilo schwer<br />

Schon gewusst? Bei<br />

fast jedem Waschgang<br />

gelangen kleine Kunststo≠fasern<br />

synthetischer<br />

Kleidung in unsere<br />

Gewässer und somit<br />

in die Tier- und Umwelt.<br />

Da dies gravierende<br />

Schäden hinterlässt,<br />

haben Alexander Nolte<br />

und Oliver Spies den<br />

„Guppyfriend“ entwickelt.<br />

Der Waschbeutel<br />

filtert kleinste Fasern<br />

und bewahrt sie im<br />

Inneren auf. Von dort<br />

können sie händisch<br />

entfernt und entsorgt<br />

werden – im Müll, wo<br />

Plastik auch hingehört.<br />

guppyfriend.com<br />

Mehr Inspiration für<br />

Zukunftsmacher gibt es<br />

im aktuellen INNOVATOR.<br />

Infos und Abo unter:<br />

redbulletininnovator.com<br />

ANYBOTICS, STOP! MICROWASTE, SOMNOX LEA WIESER<br />

Smarter Polster<br />

Die Revolution im Bett<br />

Ein niederländisches Start-up will Schlaflosigkeit<br />

bekämpfen. Mit buddhistischem Wissen,<br />

vertrauten Formen und der Kraft des Meeres.<br />

Schlafprobleme?<br />

Die Lösung für alle<br />

Bettenwälzer kommt<br />

in Form einer überdimensionalen<br />

gepolsterten Bohne.<br />

Das behauptet zumindest<br />

Julian Jagtenberg, Mitgründer<br />

des niederländischen<br />

Start-ups Somnox.<br />

Der gleichnamige Schlafroboter,<br />

wie das Gadget<br />

genannt wird, bedient sich<br />

uralter buddhistischer<br />

Atemtechniken: Indem sich<br />

Somnox langsam zusammenzieht<br />

und ausdehnt, gibt es<br />

einen Atemrhythmus vor,<br />

der ideal für erholsamen<br />

Schlaf ist. Wer sich an den<br />

smarten Polster anschmiegt,<br />

imitiert automatisch dessen<br />

ruhiges, gleichmäßiges<br />

„ Atmen“ – und das ist laut<br />

dem Start-up der Schlüssel<br />

zur Entspannung und somit<br />

zum Einschlafen.<br />

Die Bohnenform ist übrigens<br />

von jener eines Fötus<br />

Der Schlafroboter<br />

Somnox<br />

wird über die<br />

Smartphone-<br />

App gesteuert<br />

und kostet<br />

599 Euro.<br />

inspiriert. „Du hast das Gefühl,<br />

dass du mit etwas kuschelst,<br />

was lebendig ist“, so<br />

Jagtenberg, der zuvor selbst<br />

lange mit Schlafproblem zu<br />

kämpfen hatte.<br />

Gesteigert wird die beruhigende<br />

Wirkung von<br />

Somnox durch Geräusche<br />

wie Vogelgezwitscher oder<br />

Meeresrauschen, die über<br />

eine App programmiert<br />

werden können. Und da wir<br />

selbst aus dem erholsamsten<br />

Schlaf wieder einmal erwachen<br />

müssen, ist ein Lichtwecker<br />

ebenso integriert.<br />

meetsomnox.com<br />

THE RED BULLETIN 63


PTYRONE BRADLEY/RED BULL CONTENT POOL


MACH ES<br />

ZU DEINEM<br />

FESTIVAL!<br />

SOMMER, SONNE, ROCK ’N’ ROLL:<br />

Die Festival-Saison steht vor der Tür.<br />

Wir haben die treuesten Stammgäste<br />

nach ihren Insider-Tipps gefragt.<br />

Hier erfährst du, wo du einen Graben<br />

um dein Zelt schaufeln solltest,<br />

was du in deinen Rucksack packst<br />

und wie du im Moshpit überlebst.<br />

Text MARC BAUMANN<br />

Besser als Wellenreiten im Atlantik:<br />

Crowdsurfen im Festival-Sommer<br />

65


ICS FESTIVAL SERVICE


Gute Mähne zum bösen Spiel: Mötley-Crüe-Sänger<br />

Vince Neil an der Publikumsfront, Drummer Zoltan Chaney<br />

in voller Fahrt, Wacken 2018<br />

67


FESTIVAL-GEBOT 1<br />

Teile deine Getränke.<br />

Auf einigen Festivals werden<br />

Sekt, Cocktails und andere<br />

Getränke auch in 1-Liter-<br />

Pitchern verkauft. Die kann<br />

man einfach mit Freunden<br />

teilen: Das rechnet sich, und<br />

man steht seltener an.<br />

HIER SCHREIBST DU<br />

MUSIK-GESCHICHTE<br />

HURRICANE<br />

Empfohlen von Evelyn Narciso,<br />

Stammgast seit 1997<br />

Für eine Kleinstadt hat<br />

Scheeßel eine beeindruckende<br />

Rock-Geschichte:<br />

Mitte der 70er-Jahre gab es<br />

hier schon Festivals mit<br />

Rock ’n’ Roll-Legenden<br />

wie Chuck Berry, seit 1997<br />

findet auf der Motorrad-<br />

Sandrennbahn Eichenring<br />

das Hurricane statt.<br />

Rammstein, INXS und Bad<br />

Reli gion waren die ersten<br />

Headliner, seitdem gab es<br />

22 Festivals. Und Evelyn<br />

Narciso, 39, hat nur ein<br />

Jahr verpasst. <strong>2019</strong> haben<br />

sich etwa die Toten Hosen,<br />

Mumford & Sons und die<br />

Foo Fighters angekündigt,<br />

70.000 Fans werden ihnen<br />

von 21. bis 23. <strong>Juni</strong> folgen.<br />

362 Tage im Jahr sagen sich im Städtchen Scheeßel Fuchs<br />

und Hase gute Nacht – aber an den drei Tagen des Hurricane-<br />

Festivals steppt der Bär (und der Fuchs und der Luchs).<br />

EVELYNS INSIDER-TIPPS<br />

1. Nimm einen Spaten<br />

mit. Egal, was die Wettervorhersage<br />

meint: Pack deine<br />

Gummistiefel ein, das Auto<br />

vorausschauend nicht auf<br />

dem tiefsten Acker parken<br />

und einen Graben rund um das<br />

Zelt ziehen, damit das Wasser<br />

ablaufen kann – sollte es doch<br />

regnen.<br />

2. Geh ins Moor.<br />

Das Hurricane dauert drei<br />

Tage, da braucht man auch<br />

mal ruhige Momente. Das<br />

Festivalgelände liegt in der<br />

Nähe des Naturschutzgebiets<br />

Lüneburger Heide, im Ort<br />

Schneverdingen kann man<br />

über Holzstege durchs Moor<br />

wandern. Und hab keine Hemmungen,<br />

in Festivalklamotten<br />

durch die Dörfer zu laufen, die<br />

Leute hier sind das gewöhnt.<br />

3. Werde zum Tier.<br />

Auf dem Hurricane sieht man<br />

öfter Besucher in Onesies,<br />

also Ganzkörper-Tierkostümen.<br />

Das fand ich anfangs albern,<br />

aber heute weiß ich, dass die<br />

voll praktisch sind. Die Bären-,<br />

Tiger- oder Froschkostüme<br />

sind eine Art Schutzkleidung<br />

für deine normalen Klamotten,<br />

und man kann sie nach<br />

dem Festival einfach wegschmeißen.<br />

ALEXANDER SCHLIEPHAKE, WOODYPHOTOGRAFIX<br />

68 THE RED BULLETIN


ERIKS INSIDER-TIPPS<br />

1. Hol dir ein Upgrade.<br />

Kauf dir ein Premium-Ticket mit<br />

Zugang zum V. I. P.-Campinggelände.<br />

Das ist echt wichtig.<br />

Der normale Campingplatz wird<br />

nicht ohne Grund „die Favela“<br />

genannt. Die Kids sind echt<br />

verrückt, die schlafen drei Tage<br />

nicht, springen über alle Tische<br />

und Zelte, früher haben wir<br />

da sogar Zelte abgefackelt.<br />

Und es ist immer, immer laut.<br />

2. Komm auf Rollen.<br />

Der Weg zum Gelände ist wirklich<br />

richtig lang. Nimm dir ein<br />

altes Fahrrad mit oder ein<br />

Skateboard oder sonst was<br />

mit Rollen, um vom Zelt zum<br />

Festival zu kommen. Ich hatte<br />

vor zwei Jahren ein Moped<br />

dabei. Du kannst dein Vehikel<br />

vorm Eingang absperren, ein<br />

Skateboard passt vielleicht<br />

gar in eins der Schließfächer.<br />

3. Feier das Bauhaus.<br />

Das splash! findet in der Nähe<br />

von zwei Weltkulturerbe-<br />

Stätten statt. In Dessau wird<br />

dieses Jahr hundert Jahre<br />

Bauhaus gefeiert, und im<br />

„Gartenreich Dessau-Wörlitz“<br />

gibt es barocke Schlösser<br />

und Statuen, alles sehr schick<br />

– also ein krasses Gegenprogramm<br />

zum Festival-Flair:<br />

staunen statt stunten.<br />

HIER FEIERST DU MIT<br />

MONSTER-MASCHINEN<br />

SPLASH!<br />

Empfohlen von Erik Zipfel,<br />

Stammgast seit 2004<br />

Zum splash! (11. bis 13. 7.)<br />

kommen die Nische und die<br />

Spitze der Hip-Hop-Szene:<br />

Stars, aufstrebende Bands,<br />

aber auch Künstler, die<br />

nie breite Masse werden.<br />

Früher, in Chemnitz, in den<br />

ersten Jahren des Festivals,<br />

war der Groove entspannter,<br />

damals lief auch Reggae.<br />

Heute, auf dem neuen<br />

Gelände in Ferropolis,<br />

inmitten der gigantischen<br />

Tagebau-Bagger, ist ein<br />

anderer Vibe spürbar. Zum<br />

Abkühlen reicht die Badehose:<br />

Das Festivalgelände<br />

liegt auf einer Halbinsel<br />

inmitten des Gremminer<br />

Sees, wo Erik Zipfel, 31,<br />

schon als Kind baden war.<br />

Heftiges Baggern vor heftigen Baggern: Das Hip-Hop-<br />

Festival splash! ist längst kein Männerding mehr.<br />

FESTIVAL-GEBOT 2<br />

Reise früher an,<br />

als du geplant hast.<br />

Selbst Donnerstagmittag<br />

musst du aus dem Stau zusehen,<br />

wie die besten Plätze<br />

belegt werden. Wer kann,<br />

baut Mittwoch auf und genießt<br />

die Ruhe und die langsam<br />

steigende Vorfreude.<br />

So muss gute Livemusik sein: zwanzig Hände<br />

oben – und nur ein Handy in der Luft!<br />

69


HIER KRIEGST DU DIE<br />

VOLLE DRÖHNUNG<br />

WACKEN<br />

OPEN AIR<br />

Empfohlen von Rüdiger Vinschen,<br />

Stammgast seit 2002<br />

Über Wacken (1. bis 3. 8.)<br />

hat schon jede Zeitung<br />

Deutschlands berichtet,<br />

alle lieben die Geschichte<br />

von den Metal-Fans, die<br />

ins Bauerndorf einfallen,<br />

und der Feuer wehrkapelle,<br />

die das Festival eröffnet.<br />

Der Hype hat einige Leute<br />

abgeschreckt, denen das<br />

Festival zu groß geworden<br />

ist. Rüdiger Vinschen mag<br />

es genau des wegen: So viel<br />

Heavy Metal gibt’s nirgendwo<br />

sonst, meint er, und<br />

als stellvertretender Chefredakteur<br />

des Heavy-Metal-<br />

Magazins „Reaperzine“<br />

kennt er sich wirklich aus.<br />

FESTIVAL-GEBOT 3<br />

Schlaf später.<br />

Nach dem letzten Headliner<br />

ist der Festivaltag<br />

zwar offiziell zu Ende,<br />

aber die besten Partys<br />

beginnen oft erst dann:<br />

auf dem Campingplatz, in<br />

kleineren Zeltbühnen oder<br />

am Baggersee ums Eck.<br />

Schlafen? Kannst du, wenn<br />

du tot bist. Hat Bon Jovi<br />

mal gesungen – auch wenn<br />

der auf diesen Partys<br />

sicher nicht gespielt wird.<br />

70


Bierdusche kann jeder,<br />

Bierfass-Dusche kann<br />

nur Wacken.<br />

Wild angezogen, aber<br />

gut erzogen: Zwischen<br />

Stagedive und Headbang<br />

schnell eine Postkarte<br />

an Oma schreiben<br />

ICS FESTIVAL SERVICE<br />

Spiel mir das Lied vom Tod:<br />

die artgerechte Crowd in Wacken<br />

RÜDIGERS<br />

INSIDER-TIPPS<br />

1. Komm vor dem<br />

Sturm. Samstag und<br />

Sonntag ist der Ort Wacken<br />

überlaufen, da fühlt man sich<br />

begafft. Mittwoch und Donnerstag<br />

sind die Einheimischen<br />

noch entspannt. Ich empfehle<br />

Svens Wurstbude.<br />

2. Stürz dich ins<br />

Unbekannte. Konzentrier<br />

dich nicht bloß auf die<br />

eigenen Helden. Wacken bietet<br />

musikalisch derart viel Abwechslung<br />

– vom derbsten<br />

Black Metal bis zu abgespaceten<br />

Folksachen. Darum kann<br />

ich nur den Tipp geben, sich<br />

gerade Bands anzusehen, die<br />

man nicht kennt.<br />

3. Keine Angst vor<br />

den Moshpits. Da tobt<br />

mal der eine oder andere wilde<br />

Kerl rum, aber wenn du hinfällst,<br />

wird dir aufgeholfen. Und<br />

bei Konzerten auch auf Crowdsurfer<br />

aufpassen: Immer mal<br />

einen Blick nach hinten werfen<br />

und die Leute vor dir warnen,<br />

falls einer ankommt. Einen<br />

herunterfallenden Crowdsurfer<br />

samt Stiefel in den Nacken<br />

zu kriegen kann einem echt<br />

das Konzert vermiesen.<br />

71


ALLE<br />

EINSTEIGEN!<br />

Hier kommt dein Fahrplan für die Festival-<br />

Saison <strong>2019</strong> – und für jede Musikrichtung<br />

ist garantiert eine Station dabei.<br />

METAL<br />

ROCK<br />

HIP-HOP<br />

POP<br />

SPLASH!<br />

11. – 13. Juli<br />

Gräfenheinichen<br />

DEICHBRAND<br />

18. – 21. Juli<br />

Cuxhaven<br />

Das Bad in der Nordsee<br />

fast um die Ecke (13 Kilometer<br />

bis zum Strand),<br />

Top-Acts in Serie auf der<br />

Bühne: <strong>2019</strong> zum Beispiel<br />

Thirty Seconds to Mars<br />

und Chemical Brothers.<br />

RED BULL<br />

CAMPUS<br />

TOUCHDOWN<br />

14. <strong>Juni</strong>, Mainz<br />

Das wird der heißeste<br />

Uni-Tag des Jahres: Zum<br />

<strong>Red</strong> Bull Campus Touchdown<br />

kommen Top-Acts<br />

wie Dendemann oder<br />

Josi Miller – gratis und<br />

draußen beim Asta<br />

Sommerfest auf dem<br />

Gelände der Uni Mainz.<br />

ROCKHARZ<br />

OPEN AIR<br />

3. – 6. Juli<br />

Ballenstedt<br />

HAPPINESS<br />

FESTIVAL<br />

11. – 13. Juli<br />

Straubenhardt<br />

Gestartet im Jugendzentrum,<br />

heute mit knapp<br />

10.000 Gästen immer<br />

noch entspannt. <strong>2019</strong> dabei:<br />

AnnenMayKantereit<br />

und GZUZ. Henning May<br />

und Kristoffer Klauß – das<br />

wäre mal ein reizvolles<br />

Duett auf der Bühne.<br />

ROCK AM RING<br />

7. – 9. <strong>Juni</strong><br />

Nürburgring<br />

HURRICANE<br />

21. – 23. <strong>Juni</strong><br />

Straubenhardt<br />

PAROOKAVILLE<br />

19. – 21. Juli<br />

Weeze<br />

ELECTRONIC<br />

AIRBEAT ONE<br />

10. – 14. Juli<br />

Neustadt-Glewe<br />

„Eine Reise nach Indien“<br />

ist das Motto des Elektro-<br />

Festivals – die Ankündigung<br />

zieren Elefanten.<br />

Wer an vier Festivaltagen<br />

mit DJs wie Steve Aoki<br />

nicht genug kriegt, kann<br />

auf der Second Stage<br />

fast 24 Stunden durchfeiern.<br />

Spätestens dann<br />

siehst du auch Elefanten.<br />

HELENE BEACH<br />

25. – 28. Juli<br />

Helenesee<br />

Helene ist keine Festivalleiterin,<br />

sondern ein<br />

schöner See, eine Stunde<br />

von Berlin entfernt. Sich<br />

seereif tanzen kann man<br />

dieses Jahr etwa zu<br />

Sven Väth oder Kontra K.<br />

LOLLAPALOOZA<br />

7. und 8. September<br />

Berlin<br />

SONNE MOND<br />

STERNE<br />

9. – 11. August<br />

Saalburg<br />

WACKEN<br />

1. – 3. August<br />

Wacken<br />

TAUBERTAL<br />

8. – 11. August<br />

Rothenburg o. d. Tauber<br />

SUMMER BREEZE<br />

14. – 17. August<br />

Dinkelsbühl


FESTIVAL-GEBOT 4<br />

Vergiss Bargeld.<br />

Chips am Festivalbändchen<br />

(etwa mit „Ca$hless“ beim<br />

splash!-Festival) verliert<br />

man nach dem fünften Bier<br />

nicht so leicht wie Münzen.<br />

Aber: Den Chip kriegt man<br />

zu Stoßzeiten schwer aufgeladen,<br />

der Andrang vor<br />

den Kassen ist zu groß. Man<br />

kann die Bändchen aber<br />

schon daheim in Ruhe aufladen<br />

und kriegt mit Glück<br />

sogar kleine Rabatte.<br />

RALF JUERGENS/GETTY IMAGES, SEBASTIAN GOESS, FLORIAN TRYKOWSKI<br />

Rockstar im Anflug: Die einzigartige Taubertal-<br />

Atmosphäre kickt auch die Künstler.<br />

Ruhe vor dem Raufen: Gleich geht er los, der große<br />

Moshpit – friedlich bleibt’s natürlich trotzdem.<br />

DIRKS INSIDER-TIPPS<br />

1. Gönn dir ein echt<br />

bayerisches Bier-<br />

Frühstück. Der Biergarten<br />

„Unter den Linden“ liegt neben<br />

dem Festivalgelände. Da sitzt,<br />

trinkt und isst man direkt an<br />

der Tauber. Immer wieder gut<br />

ist das Weißwurstfrühstück<br />

mit Hefeweizen – mal eine<br />

Alternative zu zwei Tage<br />

altem Baguette mit Nutella.<br />

2. Triff deine Helden.<br />

Beim familiären Taubertal-<br />

Festival hat man vor allem<br />

nachmittags eine realistische<br />

Chance, Bands oder einzelnen<br />

Künstlern über den Weg zu<br />

laufen. Manche verstecken<br />

sich hinter Sonnenbrillen oder<br />

wollen unbemerkt übers Gelände<br />

kommen – dann lässt<br />

man die Leute besser in Ruhe.<br />

Aber es kommt auch vor, dass<br />

man sich unterhalten kann.<br />

HIER ERLEBST DU<br />

STARS HAUTNAH<br />

TAUBERTAL-<br />

FESTIVAL<br />

Empfohlen von Dirk Adler,<br />

Stammgast seit 1999<br />

Für Festivalgefühle braucht<br />

man keine 80.000 Besucher.<br />

15.000 schaffen in Taubertal<br />

eine so tolle Atmosphäre,<br />

dass Dirk Adler seit 1999 dabei<br />

ist. Zudem leitet er die<br />

Fanpage tauberplanscher.<br />

de. Dort findet man eine<br />

Historie, die beweist, dass<br />

in Rothenburg genauso<br />

gute Bands auftreten wie<br />

bei dreimal so großen<br />

Festivals. Für <strong>2019</strong> (8. bis<br />

11. 8.) haben sich die Fantastischen<br />

Vier und Trettmann<br />

angesagt, besser<br />

wird es live eh nicht mehr.<br />

3. Geh auf Zeitreise.<br />

Man muss nicht auf Mittelalterbands<br />

stehen, um die weltbekannte<br />

historische Alt stadt<br />

von Rothenburg schön zu<br />

finden. Für gerade einmal fünf<br />

Euro gibt es Stadtführungen.<br />

Danach am besten auf dem<br />

Festival gelände ein kühles Bier<br />

trinken: Das kann man auf der<br />

Web seite sogar vorbestellen.<br />

73


CHRISTOPHS INSIDER-TIPPS<br />

1. Halt dich an Plan B.<br />

Der beste Zeltplatz liegt zwischen<br />

B5 und B6: Der Boden<br />

ist relativ eben, die Waschstätten<br />

sind recht nah beim<br />

Festivalgelände, und zum<br />

Badesee sind es je nur fünf<br />

Minuten. Zudem ist ruhig, man<br />

muss sich also keine Sorgen<br />

um sein Zelt machen. Die<br />

Campingplätze sind übrigens<br />

in „laut“ und „leise“ unterteilt.<br />

2. Freunde dich mit<br />

dem Kater an. Die<br />

beste der kleineren Bühnen<br />

war über die letzten Jahre die<br />

„Kater Muck“-Stage unten<br />

am Strand. Da kann man Tag<br />

und Nacht hingehen und findet<br />

immer anspruchsvolle Musik.<br />

Außerdem gibt es dort auch<br />

eine Bar mit wenig Wartezeit.<br />

3. Bade bei jedem<br />

Wetter. Egal ob Sonnenschein<br />

oder kalter Regen –<br />

wir sind jedes Mal im Stausee<br />

bei der Bleilochtalsperre<br />

schwimmen gegangen. Das<br />

ist einfacher, schneller und<br />

lustiger, als sich beim Duschhäuschen<br />

anzustellen.<br />

Bussi-Bussi-Gesellschaft: Auf dem SonneMondSterne<br />

musst du jederzeit mit Konfetti rechnen.<br />

Völlig verstrahlt: Spektakuläre Lichtshows gehören<br />

zum Wochenende wie die internationalen Star-DJs.<br />

HIER ELEKTRISIERST<br />

DU DICH<br />

SONNE MOND<br />

STERNE<br />

Empfohlen von Christoph Ringer,<br />

Stammgast seit 2005<br />

Wenn DJ-Legende Sven<br />

Väth seit 20 Jahren auf<br />

einem Festival auflegt, zuletzt<br />

dreimal in Folge und<br />

auch im August <strong>2019</strong> (9. bis<br />

11.), dann hat man als Veranstalter<br />

den Ritterschlag<br />

schon bekommen. Bemerkenswert<br />

am SonneMond-<br />

Sterne-Festival ist aber gerade<br />

auch, welche Bands zu<br />

dem Elektro-Festival kommen,<br />

obwohl sie mit dieser<br />

Musik gar nichts am Hut<br />

haben: <strong>2019</strong> etwa Marteria<br />

& Casper, in den Jahren davor<br />

spielten zwischen Paul<br />

Kalkbrenner, David Guten<br />

und Felix Jahn etwa Deichkind,<br />

Seeed und Jan Delay.<br />

FESTIVAL-GEBOT 5<br />

Sonnenbrille aufsetzen.<br />

1. Wenn es regnet, machen<br />

bunte Scheiben die Welt<br />

weniger trist. 2. Bei Sonne<br />

siehst du die Bühne, ohne<br />

geblendet zu werden. 3. Auf<br />

dem Heimweg bilden Shades<br />

den dringend benötigten<br />

Schutzschild zur Realität.<br />

74


HIER BIST DU AUF<br />

STAATSBESUCH<br />

PAROOKAVILLE<br />

Empfohlen von Diana van<br />

Wickeren, Stammgast seit 2015<br />

Das Parookaville ist nicht<br />

nur eines von Europas<br />

größten Festivals für elektronische<br />

Musik, von 19. bis<br />

21. Juli entsteht sogar eine<br />

eigene Stadt: mit Postamt,<br />

Kirche und Standesamt,<br />

Gefängnis, Riesenrad und<br />

Rathaus samt eigenem Pass.<br />

Neben der puren Masse –<br />

250 DJs und zehn Bühnen<br />

– ist es diese Liebe zum<br />

Detail, die Parooka ville<br />

ausmacht, sagt Diana van<br />

Wickeren, die seit dem<br />

ersten Jahr 2015 dabei ist:<br />

von den selbst gebauten<br />

Mülltonnen über die alten<br />

Lampen im Waldstück bis<br />

zum Sterne-Restaurant mit<br />

Blick auf die Main Stage.<br />

Blick vor die Kulissen: Um die Bühne ragt die aufwendig<br />

gestaltete Fassade einer Fantasie-Stadt empor.<br />

FESTIVAL-GEBOT 6<br />

Pack deine Boxen ein.<br />

Am Zeltplatz tönt aus jedem<br />

Zelt andere Musik, denn nur<br />

weil ihr aufs gleiche Festival<br />

geht, heißt das nicht, dass<br />

ihr die gleiche Musik mögt.<br />

Dagegen hilft nur: sich<br />

selber beschallen. Und für<br />

die Nacht: gute Ohrstöpsel.<br />

DIANAS INSIDER-TIPPS<br />

MDRSPUTNIK/FLAD, RALPH-LARMANN<br />

1. Komm mit leeren<br />

Händen. Anfänger nehmen<br />

viel zu viel mit. Die Leute<br />

schleppen palettenweise Bier<br />

mit, völlig unnötig. Ein Discounter<br />

baut extra Zelte auf<br />

und hat 24 Stunden offen, da<br />

gibt es alles zu Supermarktpreisen.<br />

Also: Zelt, Luft -<br />

matratze, ein paar Klamotten<br />

und Panzertape reichen.<br />

2. Schreib eine Postkarte.<br />

Parookaville hat ein<br />

eigenes Postamt, sehr schöne<br />

Postkarten und sogar einen<br />

eigenen Parookaville-Poststempel.<br />

Nach drei Tagen<br />

Festival hat man auch ganz<br />

sicher genug zu schreiben.<br />

3. Setz auf Flowerpower.<br />

Es gibt auf dem<br />

Gelände einen Stand, wo man<br />

sich Blumenkränze flechten<br />

lassen kann. Die sind wirklich<br />

schön. Ich trage zwar lieber<br />

Festivalshirts und Snapback<br />

Caps, aber wenn man der Typ<br />

ist, dem Blumenkränze stehen,<br />

sieht es wirklich schön aus.<br />

THE RED BULLETIN 75


RUSH HOUR? EINFACH<br />

VORBEIRAUSCHEN!<br />

ALLE ZÄHLEN MIT.<br />

JETZT GEMEINSAM AUF<br />

STRAVA 1 MILLION<br />

KILOMETER SAMMELN<br />

UND PREISE SICHERN.<br />

redbull.com/<br />

kilometerzaehler


guide<br />

Dein Programm<br />

AUF EINEN SPRUNG<br />

IN EINE NEUE WELT<br />

Mach deine nächste Reise<br />

außergewöhnlich: mit<br />

Destination <strong>Red</strong> Bull und<br />

Cli≠-Diving-Ikone Orlando<br />

Duque auf den Azoren.<br />

SEITE 78<br />

SAMO VIDIC/RED BULL CONTENT POOL<br />

FIT WIE DER<br />

POWER-BAUER<br />

Ein Brite macht<br />

den Bauernhof<br />

zum Fitnessstudio.<br />

SEITE 82<br />

KNUSPRIG<br />

WIE BEIM PROFI<br />

So gelingt die Fischkruste<br />

garantiert –<br />

ein kleiner Guide.<br />

SEITE 84<br />

SCHLAU<br />

WIE NOCH NIE<br />

Diese intelligenten<br />

Gadgets bieten<br />

beste Unterhaltung.<br />

SEITE 90<br />

THE RED BULLETIN 77


Reisen<br />

Raue Natur: die <strong>Red</strong> Bull Cliff Diving World-Tour 2018 beim Stopp auf dem Inselchen Ilhéu de Vila Franca<br />

ATLANTIKINSEL SÃO MIGUEL<br />

SO WIRST DU<br />

KLIPPENSPRINGER<br />

Bei Destination <strong>Red</strong> Bull kannst du Weltklasse-Athleten als<br />

Reiseführer buchen. Hier erzählt Cliff Diver Orlando Duque,<br />

was er seine Gäste über Höhenangst und Wale lehrt.<br />

Als professioneller Cliff<br />

Diver reise ich seit mehr<br />

als zwei Jahrzehnten zu<br />

Wettkämpfen auf der ganzen<br />

Welt: in den Dschungel von Yucatán,<br />

in die Antarktis oder auf die<br />

Oster insel – über die Jahre waren<br />

da einige legendäre Spots dabei.<br />

Auf die Azoreninsel São Miguel,<br />

Ziel unserer Destination <strong>Red</strong> Bull-<br />

Reise, komme ich immer wieder<br />

gern zurück – vor allem wegen<br />

ihrer faszinierenden Natur.<br />

Die neun Azoreninseln liegen<br />

rund 1300 Kilometer westlich von<br />

Portugals Küste völlig abgeschie-<br />

Dein Reisebegleiter: Weltklasse-Cliff-Diver Orlando Duque<br />

78 THE RED BULLETIN


guide<br />

REISE-INFO<br />

FALSCHE VÖGEL<br />

UND HEISSER BODEN<br />

Wo die Azoren liegen, warum sie einen<br />

falschen Namen haben und was du dort<br />

essen musst: Wir präsentieren Basiswissen,<br />

um in der Hotellobby aufzutrumpfen.<br />

Cliff Diver Duque beim Absprung: „Ich lehre dich, wie du Klippenspringen genießt.“<br />

Die Azoren liegen 1369 Kilo meter<br />

westlich von Portugal und<br />

1930 Kilometer östlich von<br />

Neufundland (Kanada) im<br />

Atlantischen Ozean. Die Hauptinsel<br />

São Miguel ist mit 744,7 km 2<br />

etwa so groß wie Hamburg.<br />

Corvo<br />

Flores<br />

Graciosa<br />

Faial<br />

Pico<br />

São Jorge<br />

Azoren<br />

Terceira<br />

São Miguel<br />

Santa Maria<br />

Ribeira Grande<br />

São Miguel<br />

Ponta Delgada<br />

Ilhéu de Vila Franca<br />

ROMINA AMATO/RED BULL CONTENT POOL, DEAN TREML/RED BULL CONTENT POOL, RED BULL MEDIA HOUSE GMBH/RED<br />

BULL CONTENT POOL, GETTY IMAGES ANDREAS ROTTENSCHLAGER<br />

Die Ilhéu de Vila Franca und ihre Kraterlagune von oben. Dahinter: die Insel São Miguel<br />

den im Atlantik und sind geprägt<br />

von Vulkangesteinküsten und<br />

grünen Hängen. Dass dir dort<br />

beim Schwimmen Delfine oder<br />

Pott wale Gesellschaft leisten, ist<br />

durchaus keine Seltenheit. Kurz:<br />

Die Azoren sind ein sehr guter<br />

Ort, um den Atlantik in all seinen<br />

Facetten kennenzulernen. Und<br />

genau das ist unser Plan.<br />

Die Homebase der Reise, das<br />

Santa Barbara Resort, liegt an<br />

der Nordküste von São Miguel.<br />

Von hier aus werde ich mit meinen<br />

Gästen fünf Tage lang in das<br />

Element Wasser eintauchen –<br />

mit unter auch recht tief, denn<br />

die richtige Technik beim Sprung<br />

von den Klippen ist selbstverständlich<br />

Teil des Programms.<br />

„Ich passe mich an<br />

euer Level an. Es gibt<br />

rund 100 Absprungorte<br />

auf der Insel.“<br />

Für den Workshop setzen wir am<br />

zweiten Tag auf die Mini-Insel<br />

Ilhéu de Vila Franca über, die nur<br />

500 Meter südlich von São Miguel<br />

liegt. Wer sich Luftaufnahmen<br />

des Eilands ansieht, dem sticht<br />

sofort die kreisrunde Lagune ins<br />

Auge, die sich in dem erloschenen<br />

Vulkankrater gebildet hat. Ein<br />

Naturjuwel – allein die Überfahrt<br />

ist ein magischer Moment. Obwohl<br />

GESCHICHTE<br />

NAME<br />

Portugiesische Seefahrer gaben ihrer Entdeckung<br />

den Namen Habichtsinseln (Ilhas dos Açores).<br />

Blöd nur, dass die Habichte eigentlich Bussarde waren.<br />

EIN- UND AUSWANDERER<br />

Nach Jahrhunderten portugiesischer Einwanderung<br />

zogen 60 Azorer-Paare weiter und gründeten 1752<br />

in Brasilien Porto Alegre, heute eine Millionenmetropole.<br />

STÜTZPUNKT<br />

Völkerverbindung: Frühe Unterseekabel und Linienflüge<br />

zwischen Europa und Amerika verliefen über die Azoren.<br />

GERICHTE<br />

COZIDO<br />

Vulkanischer Boden fungiert als natürlicher Herd<br />

für diesen Schmortopf aus Fleisch und Gemüse.<br />

BOLO LÊVEDO<br />

Süßes Hefeteigbrot, das an einen Muffin erinnert<br />

und zu jeder Tageszeit verzehrt wird.<br />

ANANAS-CHUTNEY<br />

Die seit dem 19. Jahrhundert in Gewächshäusern<br />

angebaute Frucht wird in vielerlei Form verzehrt.<br />

Das Ananas-Chutney passt ideal zum Käse der Inseln.<br />

THE RED BULLETIN 79


Reisen<br />

guide<br />

DESTINATION RED BULL<br />

DEINE ABENTEUER<br />

MIT TOP-ATHLETEN<br />

Mit ehemaligen MotoGP-Profis auf<br />

exklusiven Privatstrecken trainieren oder<br />

mit einem zu neuer Ruhe gekommenen<br />

Extremläufer segeln? Diese (und noch mehr)<br />

Reisen warten auf dich.<br />

LESOTHO<br />

MIT ALFIE COX<br />

Südafrikas Enduro-Legende erkundet mit dir eine<br />

Woche lang die schönsten Motorrad tracks entlang<br />

der Route der legendären Rallye Roof of Africa.<br />

„Das Gefühl beim Auftauchen überwältigt“, sagt Orlando Duque. Wir glauben ihm.<br />

SALOMONEN<br />

MIT CHRISTIAN SCHIESTER<br />

Wie im Paradies: Der ehe malige Extremläufer und<br />

heutige Welt umsegler nimmt dich auf seiner 58-Fuß-<br />

Jacht „El Toro“ mit auf den Törn deines Lebens.<br />

MUMBAI<br />

MIT DEN RED BULL BC ONE-STARS<br />

Triff die weltbesten B-Boys beim <strong>Red</strong> Bull BC One World<br />

Final, lerne ihre Moves in eigenen Trainings-Sessions<br />

und tauch in Mumbais faszinierendes Nachtleben ein.<br />

BARCELONA<br />

MIT SETE GIBERNAU UND DANI PEDROSA<br />

Ein professionelles Motorradtraining auf der<br />

exklusiven Privat rennstrecke von Sete Gibernau<br />

plus VIP-Paket für den Gran Premi de Catalunya.<br />

der Zutritt auf die Insel auf wenige<br />

Besucher pro Jahr beschränkt<br />

wurde, können wir sie einen ganzen<br />

Tag lang erleben, die pitto resken<br />

Kraterwände erklimmen oder<br />

schnorchelnd die Felstunnel am<br />

Fuß der Insel erforschen.<br />

Was beim Betrachten der Ilhéu<br />

de Vila Franca ebenfalls sofort auffällt,<br />

sind die rauen, steil abfallenden<br />

Felsklippen – und das blieb<br />

auch der globalen Cliff-Diving-<br />

Community nicht verborgen.<br />

Eines gleich vorweg: Niemand<br />

muss sich aus 27 Metern in die<br />

Tiefe stürzen wie die Topathleten.<br />

Auf der Insel finden sich mehr<br />

als 100 Absprungplätze in allen<br />

Höhen. Bei unserem Workshop<br />

richte ich mich individuell nach<br />

dem Fitness-Level und den Wünschen<br />

meiner Gäste. Natürlich<br />

geht es darum, sich selbst ein<br />

wenig zu überwinden, im Vordergrund<br />

steht aber immer der Spaß.<br />

Klippenspringen ist eine mentale<br />

Herausforderung. Der – im<br />

wahrsten Wortsinn – springende<br />

Punkt dabei ist, sich in der Luft<br />

wohlzufühlen. Viele Menschen<br />

springen ab und … verkrampfen<br />

sich. Dagegen hilft das Wissen,<br />

dass du deine Haltung in der<br />

Flugphase korrigieren kannst. Ich<br />

zeige meinen Gästen die richtige<br />

Flug- und Eintauchtechnik und<br />

führe sie Schritt für Schritt so<br />

hoch, wie sie wollen – bis zirka<br />

14 Meter ist an diesem Tag alles<br />

möglich. Im besten Fall lernst du<br />

dabei auch etwas über dich selbst:<br />

nämlich dass man nur vor Dingen<br />

Angst hat, über die man nicht<br />

genug weiß. Es ist normal, Angst<br />

zu haben, wenn man zum ersten<br />

Mal auf dem Absprungfelsen steht.<br />

Aber die Glücksgefühle, die einen<br />

nach dem Auftauchen umfangen,<br />

sind überwältigend. Apropos tauchen:<br />

Zwei Profitaucher begleiten<br />

uns und untersuchen jede Eintauchstelle<br />

vorab. Es sind dieselben<br />

Jungs, die die Weltklassespringer<br />

der <strong>Red</strong> Bull Cliff Diving<br />

World Series betreuen, deren Bewerb<br />

wir zwei Tage später an Bord<br />

eines 14-Meter-Katamarans verfolgen<br />

werden. Abends treffen wir<br />

die Athleten zum Dinner, um über<br />

den Sport zu fachsimpeln.<br />

Wir wissen ja jetzt, wie Klippenspringen<br />

funktioniert.<br />

Informationen zu den Reisen und Buchungen unter:<br />

destination.redbull.com oder +43/664/88 11 07 06<br />

PREDRAG VUCKOVIC/RED BULL CONTENT POOL<br />

80 THE RED BULLETIN


NATÜRLICH ERFRISCHEND – KEINE ENERGY DRINKS


Fitness<br />

guide<br />

TIPP<br />

WORKOUT<br />

IM<br />

GRÜNEN<br />

Genug von der Kraftkammer?<br />

Hier verrät<br />

dir Fitness-Farmer Tom<br />

Kemp, wie du deinen<br />

Garten mit einfachsten<br />

Mitteln in ein Gym<br />

verwandelst:<br />

DAS GEWICHT<br />

Geeignet ist alles, was<br />

du finden kannst – ein<br />

Sandsack, ein Sixpack<br />

Wasserflaschen oder<br />

dein schwer beladener<br />

Rucksack. Sei kreativ!<br />

Fitness-Experte Tom Kemp beim Training auf dem Bauernhof: „Studios waren mir<br />

immer zu beengt. Mein Leben spielt sich draußen ab.“<br />

DIE ÜBUNGEN<br />

Stemme das Gewicht<br />

5-mal vom Boden bis<br />

überkopf, laufe damit<br />

an schließend 30-mal eine<br />

Strecke von 25 Metern<br />

hin und her und beende<br />

das Set mit 10 Burpees.<br />

FARM FITNESS<br />

DER POWER-BAUER<br />

Wenn Kornsäcke Hanteln ersetzen: Der Brite Tom Kemp<br />

krempelt mit einer simplen Idee die Fitness-Szene um.<br />

Selten liegen Herkunft und<br />

Erfolgsrezept so nah beieinander<br />

wie bei Tom Kemp.<br />

Der 26-jährige Personal Trainer<br />

wuchs auf einer rund 250 Hektar<br />

großen Farm in Südengland auf.<br />

„Mein Leben spielte sich fast<br />

immer draußen ab. Ständig war<br />

Action“, sagt Kemp. Als Jugendlichem<br />

reichte ihm der Besuch im<br />

Fitnessstudio nicht. So kreierte<br />

er sein eigenes Zirkeltraining auf<br />

der elterlichen Farm. „Geräte“<br />

dafür gab’s genug, vieles auf dem<br />

Bauernhof lässt sich für Kemps<br />

Trainingsmix aus Strongman-,<br />

Bodybuilding-, Calisthenics- und<br />

Cardio-Elementen verwenden.<br />

2016 ging er mit Farm Fitness<br />

an den Start.<br />

Schon ein Jahr später wurde<br />

das Konzept von „Men’s Health“<br />

als eines der besten Gyms weltweit<br />

gepriesen. Profis wie Kanu-<br />

Olympiasieger Joe Clarke oder<br />

die Rugby-Champions der Wigan<br />

Warriors trainieren bei ihm: Sie<br />

stemmen gefüllte Kornsäcke in<br />

die Höhe, wuchten und ziehen<br />

gigantische Traktorreifen von A<br />

nach B oder schwingen ellenlange<br />

Metallketten. „Wer fit werden<br />

will, braucht dafür weder hochkomplexe<br />

Geräte noch minutiös<br />

ausgefeilte Trainingspläne“, sagt<br />

Kemp. „Back to basics“ ist sein<br />

Motto. Einfache Übungen –<br />

maximaler Ertrag. Aber es gilt:<br />

Malochen bis zum Umfallen.<br />

farm-fitness.co.uk<br />

„Du brauchst<br />

keine<br />

kompli zierten<br />

Geräte, um<br />

dich maximal<br />

auszupowern.“<br />

Tom Kemp, Gründer<br />

von Farm Fitness<br />

DIE WIEDERHOLUNGEN<br />

Absolviere so viele Runden<br />

wie möglich innerhalb<br />

von 15 Minuten und lege<br />

zwischen jedem Set einen<br />

100-Meter-Sprint ein.<br />

Reifen-Training: Die Bootcamps auf seiner Farm leitet Kemp selbst.<br />

CHRIS PARKES FLORIAN STURM<br />

82 THE RED BULLETIN


Spendenlauf mit<br />

Partner<br />

des<br />

Offizieller<br />

Wings For Life<br />

World Run <strong>2019</strong><br />

München<br />

MEHR UNTER<br />

gerolsteiner.de<br />

DAS WASSER MIT STERN.


Food<br />

DAS GEHEIME REZEPT FÜR …<br />

DIE PERFEKTE FISCHKRUSTE<br />

Von Stuart Farrimond<br />

DR. STUART<br />

FARRIMOND<br />

Der Mediziner<br />

schreibt Bücher,<br />

moderiert und hält<br />

Vorträge über Lebensmittelchemie.<br />

Er ist<br />

Autor von „Kochen<br />

in Perfektion“ (Verlag<br />

Dorling Kindersley)<br />

und häufig zu Gast<br />

im britischen TV<br />

und Radio.<br />

Für butterzarten Fisch, der schon bei der leisesten Berührung<br />

der Gabel auseinanderfällt, lohnt es sich meiner Meinung nach<br />

durchaus, zu sterben. Leider gelingt unsereinem Restaurantqualität<br />

nur selten. Der Fisch wird zu gar oder zu trocken,<br />

schmeckt fad oder enttäuscht mit schlaffer Haut und Quallen-<br />

Konsistenz. Das muss alles nicht sein: Wer den delikaten Balanceakt beherrscht<br />

und den Wettlauf gegen die Zeit gewinnt, holt ein goldbraunknuspriges<br />

Meisterstück aus der Pfanne.<br />

Der erste Schritt: Schnuppere an deinem Fisch, bevor du ihn in die<br />

Nähe der Herdplatte lässt. Ein frischer Süßwasserfang – Forelle etwa –<br />

riecht „grün“, ein bisschen wie gehäckselte Blätter. Meeresfisch wiederum<br />

duftet nach Brandung – genau wie die zuvor vom Fisch verspeisten<br />

Algen. „Fischiger“ Geruch hingegen ist ein Alarmzeichen. Es bedeutet:<br />

Das Tier wurde vor zwei oder drei Tagen gefischt und hat seine beste Zeit<br />

hinter sich. Den Gestank verantworten Bakterien, die sich ins Fleisch<br />

gefressen haben. (Deinen frischen, eiskalt gekauften Fisch lagerst du<br />

übrigens am besten ganz hinten im Kühlschrank.)<br />

Ist das mit der Frische geklärt, geht’s ans Braten: Herd einschalten, Pfanne<br />

drauf und den magischen Prozess der sogenannten Maillard-Reaktion<br />

einleiten. Die unglaublich aromatische, knusprige Fischkruste entsteht<br />

nämlich durch eine biochemische Reaktion: Bei eiweißhaltigen Lebensmitteln<br />

– und Fisch enthält vor allem Protein – verbinden sich ab 140 °C<br />

an der Oberfläche Aminosäuren und Zucker. Die gleiche Wunderreaktion<br />

passiert auch bei gebackenem Brot, gebratenem Steak, gegrilltem Speck<br />

und gerösteten Nüssen.<br />

Der Zaubertrick gelingt allerdings nur, wenn die Haut des Fisches<br />

gut abgetrocknet ist, sonst wird sie beim Braten nicht heißer als 100 °C.<br />

Doch der Siedepunkt ist für die gewünschte Reaktion nicht genug. Darum<br />

muss die Pfanne richtig gut angeheizt sein, bevor der Fisch hineinkommt,<br />

damit die in der Haut eingeschlossene Flüssigkeit sofort wegbrutzelt.<br />

Jetzt beginnt das Rennen: Du musst die gesamte Haut auf mindestens<br />

140 °C erhitzen, bevor der restliche Fisch durchgebraten ist. Zu heiß darf<br />

es aber auch nicht werden. Wenn die Temperatur der Oberfläche auf<br />

über 180 °C ansteigt, brennt der Fisch an – ein Prozess, den die Chemiker<br />

Pyrolyse nennen. Wenn nötig, musst du die Temperatur reduzieren oder<br />

etwas Öl hinzufügen, wenn du das Gefühl hast, dass der Fisch kleben<br />

bleibt. Taste dich mit einem Pfannenwender und etwas Öl oder Butter<br />

in Griffweite an die feine Linie zwischen fettigem, schwabbeligem Etwas<br />

und scharf gebratener Kruste heran. Die Belohnung ist Gold wert.<br />

GAREN IM<br />

GESCHIRRSPÜLER<br />

Falls der Herd kaputt ist:<br />

Geschirrspülen ist eine<br />

gute und energiesparende<br />

Garmethode für Fisch.<br />

Knusprig wird die Haut so<br />

zwar nicht, aber gut gewürzt<br />

mit Zitronen, Kräutern<br />

und Butter schmeckt<br />

der Fisch ja auch gedämpft<br />

wunderbar. So geht’s:<br />

Lege den fest in Alufolie<br />

gewickelten, marinierten<br />

Fisch ins obere Fach der<br />

Geschirrspülmaschine<br />

und lass das Standardprogramm<br />

durchlaufen.<br />

Für einen großen Fisch<br />

reichen zwei Stunden bei<br />

70 °C – also das Programm<br />

für stark verschmutzte<br />

Töpfe und Pfannen.<br />

84 THE RED BULLETIN


guide<br />

DO & DON’T<br />

Bevor die Fischhaut knusprig<br />

werden kann, muss die gesamte<br />

Feuchtigkeit verdampfen. Darum<br />

lohnt es sich, den Fisch vor dem<br />

Braten mehrmals trocken zu tupfen<br />

und zu salzen. Die Haut mit der<br />

Messer-Rückseite aufzurauen<br />

entzieht zusätzlich Flüssigkeit.<br />

Spezialtipp für saftige<br />

Filets und Lachs: Gönne<br />

dem Fisch ein zehn -<br />

minütiges Salzwasserbad<br />

(Formel: vier Esslöffel<br />

Salz auf einen Liter<br />

Wasser), damit das Fleisch<br />

auch beim Braten an den<br />

Rän dern fest bleibt. Dieser<br />

Trick funk tioniert sowohl<br />

bei weißen als auch bei<br />

öligen Fischen.<br />

Sobald das Öl zu rauchen beginnt, kannst du das gewürzte<br />

Fischfilet vorsichtig mit der Haut nach unten in die Pfanne<br />

legen. Es zischt nicht? Dann alles nochmals herausnehmen<br />

und weiter aufheizen lassen. Wichtig: Drücke das Filet flach<br />

in die Pfanne, damit sich die Ränder wegen der sich zusammenziehenden<br />

F asern nicht aufwölben können. Dann: Hitze auf<br />

mittlere Stufe stellen und das Filet brutzeln lassen. Gib Öl dazu,<br />

wenn du das Gefühl hast, dass der Fisch festklebt oder anbrennt.<br />

3MZ OLIVIER KUGLER<br />

Dreh das Filet nicht zu früh um: Die Haut muss gründlich Wasser lassen,<br />

damit sie sich auf 140 °C erhitzen kann. Erst dann reagieren die Proteine<br />

und Zucker auf der Hautoberfläche miteinander und bilden eine knusprige<br />

goldbraune Haut voll mit Röstaromen. Sobald das Filet zu zwei<br />

Dritteln gar ist, kannst du es vorsichtig und ohne die Haut zu verletzen<br />

mit einem dünnen Pfannenwender aus Metall umdrehen. Jetzt nur noch<br />

ganz kurz auf der anderen Seite anbraten – dann servieren oder, im Fall<br />

eines mehr als 2,5 Zentimeter dicken Filets, noch einmal für sieben bis<br />

zehn Minuten bei 180 °C in den heißen Ofen geben.<br />

Im Gegensatz zu rotem Fleisch (z. B. Rindfleisch)<br />

muss Fisch nach dem Braten nicht rasten. Er hat<br />

eine andere Proteinzusammensetzung und kann<br />

sofort heiß serviert werden.<br />

SABRINA CREATIVE DESIGN | www.stilkunst.de<br />

DIN A4 | 5 x 5 mm | LIGHT GREY<br />

THE RED BULLETIN 85


Events<br />

guide<br />

17<br />

bis 19. Mai<br />

Cross-Country-<br />

Stars auf der Alb<br />

2020 steigt in Albstadt die UCI Mountainbike-Weltmeisterschaft,<br />

schon dieses<br />

Jahr treffen sich hier die Weltstars<br />

zum achten Mal zum UCI World Cup. Mit<br />

dabei sind unter anderem die Weltmeister<br />

Kate Courtney (USA) und Nino Schurter<br />

(Schweiz). Neben der Königsdisziplin<br />

Cross Country auf dem großen Rundkurs<br />

treten die Fahrer auch wieder in der<br />

neuen, ebenso kurzen wie spektakulären<br />

Variante Shortrace gegeneinander an.<br />

Albstadt; world-cup-albstadt.de<br />

30 6<br />

Mai bis 2. <strong>Juni</strong><br />

Downhill-Asse<br />

im Sauerland<br />

Es ist Europas größtes Mountainbike-Freeride-Festival:<br />

Beim Dirt Masters in Winterberg<br />

messen sich die Stars<br />

der Downhill- und Slopestyle-<br />

Szene in spektakulären Wettbewerben.<br />

Fein, dass auch der<br />

Nachwuchs nicht vergessen<br />

wird: Beim „Specialized Rookies<br />

Downhill Cup“ können<br />

Talente Erfahrung sammeln.<br />

Bikepark Winterberg;<br />

dirtmasters-festival.de<br />

<strong>Juni</strong><br />

Die X-Men im<br />

inneren Kampf<br />

Ein Gegner, mächtiger als alle,<br />

die sie je erlebt haben. Genauer<br />

gesagt: eine Gegnerin – Jean<br />

Grey (Sophie Turner, „Game of<br />

Thrones“), eigentlich eine der<br />

Ihren. Die X-Men stehen erneut<br />

vor einer Zerreißprobe, weil<br />

Jean mit Kräften ringt, die sie<br />

nicht kontrollieren kann. Kein<br />

Wunder: In „Dark Phoenix“<br />

wird sie von Aliens als tödliche<br />

Waffe genutzt.<br />

foxmovies.com<br />

30<br />

Mai bis 2. <strong>Juni</strong><br />

START IN DIE<br />

KITE-SAISON<br />

Wer ist Deutschlands bester Kitesurfer?<br />

Beim Opening der Multivan<br />

Kitesurf Masters in Westerland<br />

treffen die Top-Stars (im Bild Tom<br />

Maurer) bei der ersten von vier<br />

Regatten aufeinander. Das Masters<br />

wird in den drei Disziplinen<br />

Racing, Slalom und Freestyle<br />

an den schönsten Stränden von<br />

Nord- und Ostsee ausgetragen.<br />

Westerland, Sylt; kitesurf-masters.de<br />

Weitere Stationen: Usedom (21. – 23. 6.),<br />

Heiligenhafen (2. – 4. 8.), St. Peter-Ording<br />

(21. – 25. 8.)<br />

7<br />

bis 9. <strong>Juni</strong><br />

Butcher Jam: wo mit<br />

dem BMX getanzt wird<br />

Wozu BMX-Künstler wie Paul Thölen (Bild) imstande<br />

sind, wissen alle, die ihn schon mal bei einer<br />

seiner artistischen Fahrten beobachten konnten.<br />

Beim alljährlichen Butcher Jam, einem Contest<br />

samt Familienfest auf dem Schlachthof in Flensburg,<br />

darfst du dich auf spektakuläre Tricks<br />

freuen. Ausgetragen werden die Disziplinen Pool/<br />

Park, Street, Highest Air, Miniramp und Dirt.<br />

Schlachthof, Flensburg; sportpiraten.com<br />

CHOPPYWATER/THOMAS BURBLIES, SEBAS ROMERO/RED BULL CONTENT POOL<br />

86 THE RED BULLETIN


JAHRESABO<br />

getredbulletin.com<br />

€ 25,90<br />

BEYOND THE ORDINARY<br />

Erhältlich am Kiosk, im Abo, als E-Paper, auf theredbulletin.com oder als Beilage in einer Teilauflage von:<br />

RICARDO NASCIMENTO / RED BULL CONTENT POOL


Entertainment<br />

guide<br />

Ausgewählte<br />

Musik und<br />

inspi rierende<br />

Interviews.<br />

Unsere aktuelle<br />

Empfehlung:<br />

RICHTIG<br />

AUF­<br />

DREHEN<br />

Auf japanischen<br />

Dancefloors, azorischen<br />

Klippen und<br />

salzburgischen Trails:<br />

neue Ideen zur Selbstverwirklichung<br />

nach<br />

Art von <strong>Red</strong> Bull TV.<br />

SO SIEHST DU<br />

RED BULL TV<br />

ÜBERALL<br />

<strong>Red</strong> Bull TV ist deine globale<br />

digitale Destination für<br />

Entertainment abseits des<br />

Alltäglichen, empfangbar<br />

rund um die Uhr an jedem Ort<br />

der Welt. Geh auf redbull.tv,<br />

hol dir die App oder connecte<br />

dich via Smart-TV.<br />

Alle Infos: redbull.tv<br />

1<br />

Hip-Hop-Tänzer<br />

Leo bei dem<br />

Qualifier-Event in<br />

Tokio, <strong>Juni</strong> 2018<br />

<strong>Juni</strong> LIVE<br />

RED BULL DANCE YOUR<br />

STYLE: FINALE IN JAPAN<br />

Bei <strong>Red</strong> Bull Dance Your Style gibt es nur eine Regel:<br />

Begeistere das Publikum! In den ultimativen Manngegen-Mann-Streetdance-Battles<br />

ist jeder Stil erlaubt,<br />

Per formance und Show zählen mehr als perfekte Technik.<br />

Diesen Monat auf dem Programm: das nationale<br />

Finale der Streetdance-Großmacht Japan in Tokio.<br />

22<br />

<strong>Juni</strong> LIVE<br />

RED BULL CLIFF<br />

DIVING, PORTUGAL<br />

Bereit für Cliff-Diving-Action? Wer für den<br />

Destination <strong>Red</strong> Bull-Trip mit Orlando<br />

Duque (siehe Seite 78) nicht freibekam,<br />

kann zumindest via TV dabei sein.<br />

9<strong>Juni</strong> LIVE<br />

UCI MTB WORLD<br />

CUP IN LEOGANG<br />

Generalprobe für die weltbesten Downhiller:<br />

Weil auf diesem Kurs 2020<br />

die WM stattfindet, will dieses Jahr<br />

jede/r in Leogang gute Figur machen.<br />

THIS<br />

SIDE OF<br />

NOWHERE<br />

17<br />

<strong>Juni</strong><br />

ON AIR<br />

Jeden dritten Montag<br />

im Monat folgt<br />

Veronica Vasicka den<br />

Spuren elektronischer<br />

Underground-<br />

Künstler. In ihrer<br />

<strong>Red</strong> Bull Radio-Show<br />

um 20 Uhr holt<br />

die New Yorker<br />

Electro-Queen und<br />

Minimal-Wave-Label-<br />

Gründerin rebellische<br />

Klangbastler vors<br />

Mikro. Und spannt<br />

den Bogen von legendären<br />

Drum Machines<br />

bis zu den Wurzeln<br />

der Synthesizer-<br />

Musik, von japanischen<br />

Synth Tracks<br />

bis zu australischem<br />

Post-Punk.<br />

AUFDREHEN:<br />

REDBULLRADIO.COM<br />

JASON HALAYKO/RED BULL CONTENT POOL, DEAN TREML/RED BULL CONTENT POOL, BARTEK WOLINSKI/RED BULL CONTENT POOL<br />

88 THE RED BULLETIN


Advertorial<br />

Du liebst es, die Hotspots<br />

der angesagtesten Städte<br />

anzusteuern und auf urbane<br />

Entdeckungstour zu gehen.<br />

Dein perfektes Fahrzeug:<br />

der Camper Van. Mit ihm<br />

bist du immer mitten im Geschehen<br />

und hast gleichzeitig<br />

ein bequemes Nachtquartier.<br />

Für dich braucht es nur<br />

wenige Zutaten für den<br />

idealen Urlaub: Sonne,<br />

ein kühles Getränk und<br />

chillige Musik. Dein perfektes<br />

Fahrzeug: der Alkoven.<br />

Zudem spendiert er dir<br />

über das Dachfenster jede<br />

Nacht einen gratis Blick<br />

in den Sternenhimmel.<br />

Egal ob Bike, Surfboard<br />

oder Gleitschirm – du liebst<br />

es, bei deinen sportlichen<br />

Aktivitäten an deine Grenzen<br />

zu gehen. Deine perfekten<br />

Fahrzeuge: der kompakte<br />

Van und der Teilintegrierte.<br />

Beide bieten Platz<br />

für all dein Equipment und<br />

zum Erholen nach deinen<br />

Abenteuern in der Natur.<br />

Ohne deine Buddies oder<br />

deine Family geht gar nichts.<br />

Kein Problem, nimm sie<br />

einfach mit. Dein perfektes<br />

Fahrzeug: der Integrierte.<br />

Das Raumwunder bietet so<br />

viel Platz, dass ihr ausgiebig<br />

kochen und quatschen könnt<br />

und der Lieblingsschlafplatz<br />

ist auch garantiert.<br />

www.sunlight.de


HAMMER-HEIM<br />

Dein Home ist mehr als nur dein Castle.<br />

Diese Gadgets helfen dir, es frisch zu definieren:<br />

als Rennstrecke, Tonstudio oder Kinosaal.<br />

Text WOLFGANG WIESER<br />

Fünf Rohre mit<br />

tollen Schweißnähten<br />

liefern<br />

200 Watt Sound,<br />

steuerbar per App<br />

und Smartphone.<br />

iXOOST<br />

XILO ALL BLACK<br />

GIB DIR DEN SOUND<br />

AUS ALLEN ROHREN<br />

Wenn Italiener ihre Leidenschaft<br />

für Formel 1 und formidables<br />

Handwerk in Einklang<br />

bringen, steht ein Monster<br />

vor dir: 18 Kilo schwer, einen<br />

halben Meter hoch, 60 Zentimeter<br />

breit. Dieses Audiosystem<br />

beschallt dich aus<br />

fünf Auspuffrohren – und dein<br />

Sofa wird zur Klangwolke.<br />

¤ 5000,–; ixoost.it<br />

90 THE RED BULLETIN


H O M E E N T E R T A I N M E N T<br />

LG POCKET<br />

PHOTO SNAP<br />

MACH DIR EIN BILD<br />

Mit dieser Sofortbildkamera<br />

kannst du dank eingebautem<br />

Drucker jedes Bild kurz nach<br />

dem Auslösen anfassen – und<br />

so zum Beispiel einzigartige<br />

Erinnerungen an deine letzte<br />

Hausparty fabrizieren. Auch<br />

für deine Smartphone-Fotos<br />

kann die Kamera als mobiler<br />

Drucker dienen.<br />

lg.com; Bezug z. B. via real.de<br />

Fotos teilen – analog und digital: Diese Kamera kann Bilder<br />

selbst ausdrucken und auch ans Smartphone schicken.<br />

BCON GAMING WEARABLE<br />

BESCHLEUNIGE DEIN GAME<br />

Der Bcon wiegt 40 Gramm, ist 63 Millimeter lang und<br />

50 Millimeter breit – ein unspektakuläres schwarzes<br />

Ding. Doch wenn du es dir erst um den Fuß gebunden<br />

hast, wird es zur Wunderwaffe, mit der du deine Games<br />

im Blitztempo steuerst – fabelhaft für deine Spielhöhle.<br />

¤ 129,–; bcon.zone<br />

MONTBLANC AUGMENTED PAPER<br />

SCHREIB’S DIREKT IN DIE CLOUD<br />

Du liebst es, mit der Hand zu schreiben – auf Papier?<br />

Du willst deine Notizen aber auch digital zur Verfügung<br />

haben? Dieses rote Buch ist die Lösung. Dank<br />

Augmen ted Paper und einem speziellen Stift wird<br />

alles, was du notierst, in deine digitale Welt übertragen<br />

– willkommen in der Schreibstube der Zukunft!<br />

¤ 730,–; montblanc.com<br />

THE RED BULLETIN 91


FASETECH<br />

RC4 4DOF<br />

SPÜR DIE STRECKE<br />

Wenn du dich erst einmal<br />

angeschnallt hast, weißt du,<br />

was es heißt, wirklich in<br />

einem Boliden unterwegs zu<br />

sein. Du spürst die Kurven,<br />

hebst bei jeder Erschütterung<br />

ab. Und wenn es mal wieder<br />

knapp war, presst dich<br />

die Anspannung zusätzlich<br />

in den Sitz. Zum Durch starten<br />

– auf dem Heimatring.<br />

¤ 8749,–; fasetech.com<br />

Dieser Stuhl<br />

ist heiß:<br />

Er macht dein<br />

Zuhause zur<br />

Rennstrecke –<br />

und dich zum<br />

Top-Piloten.<br />

Das Wunder<br />

geschieht, wenn<br />

du sie aufsetzt:<br />

Noch nie klang<br />

Spielen schöner.<br />

LG OLED65B8<br />

SCHÄRFE DEINEN BLICK<br />

Wenn das Pixel-Rauschen verschwindet, die Kontraste<br />

grandios und die Farben brillant sind, liegt das am<br />

Alpha-7-Prozessor in deinem LG Oled TV. Gemeinsam<br />

mit einer Bilddiagonale von 65 Zoll (165 cm) und einem<br />

feinen Soundsystem macht er dein Zuhause zum Kino.<br />

¤ 1999,–; lg.com<br />

SENNHEISER GSP 550<br />

FÜHL DEN KLANG<br />

Dolby Surround Sound in<br />

bester Qualität, kristallklare<br />

Sprachübertragung dank<br />

Mikro mit Geräuschunterdrückung:<br />

Diese Sennheiser-<br />

Kopfhörer machen Gaming<br />

zum Klangerlebnis – sie<br />

lassen dich Geräusche fühlen,<br />

als wärst du im Tonstudio.<br />

¤ 249,–; sennheiser.com<br />

92 THE RED BULLETIN


H O M E E N T E R T A I N M E N T<br />

TOSHIBA RENKFORCE SOUNDBASE<br />

STÄRKE DEINE BASIS<br />

Kraftvollen 60-Watt-Sound mit satten Bässen liefert die<br />

Renkforce Soundbase von Toshiba. Sie trägt übrigens<br />

Fernsehgeräte bis zu einem Gewicht von 50 Kilo – ein<br />

grundsolides Fundament für dein Home Entertainment.<br />

¤ 79,99; conrad.at<br />

TEUFEL STEREO L<br />

EROBERE DIE BÜHNE<br />

Zwei Lautsprecher mit dem Selbstbewusstsein eines<br />

Rockstars: „In ihnen schlägt das Herz brillanter Vollblutmusiker,<br />

die revolutionär aufspielen und mit kraftvollem<br />

Sound alles von der Bühne fegen“, heißt es bei<br />

Teufel. Für dich heißt das: My home is my stage.<br />

¤ 1499,99; teufel.de<br />

THE RED BULLETIN 93


H O M E E N T E R T A I N M E N T<br />

ACER TRAVELMATE X5<br />

MACH ES DIR LEICHT<br />

Dieses Notebook hat eine<br />

harte Schale und einen flotten<br />

Kern: Das 15 Millimeter<br />

schlanke Travelmate X5 hat<br />

ein Gehäuse aus Magnesiumlegierungen.<br />

Das macht es<br />

robuster, trotzdem wiegt es<br />

weniger (unter 1 kg) als seine<br />

Alu-Kollegen. So macht es dir<br />

die Arbeit um einiges leichter<br />

– auch im Homeoffice.<br />

¤ 1099,–; acer.com<br />

Schlanker<br />

Begleiter mit<br />

schnellem Kern,<br />

einem i5 Core<br />

Prozessor<br />

Die virtuelle Welt lässt sich<br />

mit Handarbeit kontrollieren.<br />

SENSORYX VR FREE GLOVES<br />

WERDE ZUM HANDHELD<br />

Sobald du deine VR Free Gloves übergezogen hast,<br />

hast du dein Gaming-Leben in der Hand: ohne Controller,<br />

ohne Kabel. So wird das Dirigieren der virtuellen Realität<br />

zur lockeren Fingerübung.<br />

Preis auf Anfrage; sensoryx.com<br />

SONY XPERIA 10<br />

GÖNN DIR DIE BREITSEITE<br />

Es gibt Momente, in denen Größe doch eine Rolle spielt.<br />

Zum Beispiel wenn du dieses schlanke (8,4 mm) und<br />

leichte (162 g) Smartphone in die Hand nimmst. Denn<br />

es macht mit seinem 21:9-Display sogar dein Badezimmer<br />

zum Kinosaal (mit Filmen im Breitbildformat).<br />

¤ 349,–; sonymobile.com<br />

94 THE RED BULLETIN


LEXIP PU94<br />

SPIEL MIT DER MAUS<br />

Eine Maus im Haus kann eine wunderbare Sache sein.<br />

Vor allem dann, wenn sie gleich zwei Joysticks an Bord<br />

hat wie dieses Modell. Einer sitzt unsichtbar am Boden,<br />

der andere seitlich links und wird mit dem Daumen<br />

gesteuert. Belebt dein Spiel, bringt Schwung ins Heim.<br />

¤ 129,90; lexip.co<br />

JABRA EVOLVE 65T<br />

HÖR, WAS DU WILLST<br />

Immer verbunden – dank<br />

einer Akkulaufzeit von bis zu<br />

15 Stunden kannst du etwa<br />

beim Hometraining Heavy<br />

Metal hören, ohne deine Mitbewohner<br />

zu stören. Wenn<br />

du selbst deine Ruhe willst,<br />

kannst du den Trubel der<br />

anderen per Noise-Cancelling<br />

quasi ausschalten.<br />

¤ 362,–; jabra.com<br />

HARMAN SOUNDSTICKS<br />

DURCHSCHAUE DEINE MUSIK<br />

Ihre transparente Optik machen die SoundSticks zum<br />

ab so luten Hingucker. Ihre 40 Watt mit perfekter Abstimmung<br />

von Subwoofer und Satelliten verwandeln<br />

jede Listening-Session in ein Klangerlebnis – egal ob die<br />

Musik vom Smartphone, MP3-Player oder Laptop kommt.<br />

¤ 279,–; harmankardon.at<br />

THE RED BULLETIN 95


IMPRESSUM<br />

THE RED<br />

BULLETIN<br />

WELTWEIT<br />

Aktuell<br />

erscheint<br />

<strong>The</strong> <strong>Red</strong> <strong>Bulletin</strong> in<br />

sieben Ländern. Die<br />

Coverstory unserer<br />

Frankreich-Ausgabe<br />

zeigt Diablo, den<br />

neuen Tanz-Star aus<br />

unserem Nachbarland,<br />

dessen Geschichte<br />

in einem<br />

Armenviertel in<br />

Nizza begann.<br />

Mehr Storys abseits des<br />

Alltäglichen gibt’s auf:<br />

redbulletin.com<br />

Chefredakteur<br />

Alexander Macheck<br />

Stv. Chefredakteure<br />

Waltraud Hable, Andreas Rottenschlager<br />

Creative Director<br />

Erik Turek<br />

Art Directors<br />

Kasimir Reimann (Stv. CD),<br />

Miles English, Tara Thompson<br />

Head of Photography<br />

Fritz Schuster<br />

Deputy Head of Photography<br />

Marion Batty<br />

Photo Director<br />

Rudi Übelhör<br />

Chefin vom Dienst<br />

Marion Lukas-Wildmann<br />

Managing Editor<br />

Ulrich Corazza<br />

Freie Mitarbeiter<br />

Jakob Hübner, Werner Jessner,<br />

Alex Lisetz, Nina Treml, Stefan Wagner<br />

Grafik Marion Bernert-Thomann, Martina de<br />

Carvalho-Hutter, Kevin Goll, Carita Najewitz<br />

Fotoredaktion Susie Forman, Ellen Haas,<br />

Eva Kerschbaum, Tahira Mirza<br />

Global Head of Media Sales<br />

Gerhard Riedler<br />

Head of Media Sales International<br />

Peter Strutz<br />

Head of Commercial & Publishing Management<br />

Stefan Ebner<br />

Publishing Management<br />

Sara Varming (Ltg.), Bernhard Schmied,<br />

Melissa Stutz, Mia Wienerberger<br />

Communication<br />

Christoph Rietner<br />

Head of Creative<br />

Markus Kietreiber<br />

Creative Solutions Eva Locker (Ltg.),<br />

Verena Schörkhuber, Edith Zöchling-Marchart<br />

Commercial Design<br />

Peter Knehtl (Ltg.), Sasha Bunch,<br />

Simone Fischer, Martina Maier<br />

Anzeigendisposition<br />

Manuela Brandstätter, Monika Spitaler<br />

Herstellung<br />

Veronika Felder<br />

Produktion<br />

Walter O. Sádaba, Friedrich Indich,<br />

Sabine Wessig<br />

Lithografie<br />

Clemens Ragotzky (Ltg.), Claudia Heis, Nenad<br />

Isailović, Maximilian Kment, Josef Mühlbacher<br />

Office Management<br />

Yvonne Tremmel (Ltg.), Alexander Peham<br />

MIT-Experte Michael Thaler<br />

Abo und Vertrieb Peter Schiffer (Ltg.), Klaus<br />

Pleninger (Vertrieb), Nicole Glaser (Vertrieb),<br />

Victoria Schwärzler, Yoldaş Yarar (Abo)<br />

Verlagsanschrift<br />

Heinrich-Collin-Straße 1, A-1140 Wien<br />

Telefon +43 1 90221-0<br />

Fax +43 1 90221-28809<br />

Web redbulletin.com<br />

Medieninhaber, Verlag & Herausgeber<br />

<strong>Red</strong> Bull Media House GmbH,<br />

Oberst-Lepperdinger-Straße 11–15,<br />

A-5071 Wals bei Salzburg, FN 297115i,<br />

Landesgericht Salzburg, ATU63611700<br />

General Manager & Publisher<br />

Andreas Kornhofer<br />

Geschäftsführer<br />

Dkfm. Dietrich Mateschitz, Gerrit Meier,<br />

Dietmar Otti, Christopher Reindl<br />

THE RED BULLETIN<br />

Deutschland,<br />

ISSN 2079-4258<br />

Länderredaktion<br />

David Mayer<br />

Lektorat<br />

Hans Fleißner (Ltg.), Petra Hannert,<br />

Monika Hasleder, Billy Kirnbauer-<br />

Walek, Belinda Mautner, Klaus Peham,<br />

Vera Pink<br />

Country Project<br />

Management<br />

Natascha Djodat<br />

Anzeigenverkauf<br />

Matej Anusic,<br />

matej.anusic@redbull.com<br />

Thomas Keihl,<br />

thomas.keihl@redbull.com<br />

Abo<br />

Abopreis: 21,90 EUR,<br />

10 Ausgaben/Jahr,<br />

www.getredbulletin.com,<br />

abo@de.redbulletin.com<br />

Druck<br />

Prinovis GmbH & Co. KG,<br />

Betrieb Nürnberg,<br />

90471 Nürnberg<br />

THE RED BULLETIN<br />

France, ISSN 2225-4722<br />

Länderredaktion<br />

Pierre-Henri Camy<br />

Country Coordinator<br />

Christine Vitel<br />

Country Project Management<br />

Alessandra Ballabeni<br />

THE RED BULLETIN<br />

Großbritannien, ISSN 2308-5894<br />

Länderredaktion<br />

Tom Guise (Ltg.),<br />

Lou Boyd, Florian Obkircher<br />

Lektorat<br />

Davydd Chong (Ltg.),<br />

Nick Mee<br />

Publishing Manager<br />

Ollie Stretton<br />

Anzeigenverkauf<br />

Mark Bishop,<br />

mark.bishop@redbull.com<br />

THE RED BULLETIN<br />

Mexiko, ISSN 2308-5924<br />

Länderredaktion<br />

Luis Alejandro Serrano (Ltg.),<br />

Marco Payán, Inmaculada<br />

Sánchez Trejo<br />

Lektorat<br />

Alma Rosa Guerrero<br />

Country Project Management<br />

Giovana Mollona<br />

Anzeigenverkauf<br />

Humberto Amaya Bernard,<br />

humberto.amayabernard@redbull.com<br />

THE RED BULLETIN<br />

Österreich, ISSN 1995-8838<br />

Länderredaktion<br />

Christian Eberle-Abasolo<br />

Lektorat<br />

siehe entsprechenden Eintrag<br />

bei Deutschland<br />

Publishing Management<br />

Bernhard Schmied<br />

Sales Director<br />

Alfred Vrej Minassian<br />

Media Sales<br />

Gerald Daum, Vanessa Elwitschger,<br />

Franz Fellner, Mario Filipovic, Thomas<br />

Hutterer, Franz Kaiser, Alexander<br />

Kopellos, Stefanie Krallinger, Christopher<br />

Miesbauer, Nicole Okasek-<br />

Lang, Valentina Pierer, Jennifer<br />

Sabejew, Phillip Schleussner,<br />

Elisabeth Staber, Johannes<br />

Wahrmann-Schär<br />

anzeigen@at.redbulletin.com<br />

THE RED BULLETIN<br />

Schweiz, ISSN 2308-5886<br />

Länderredaktion<br />

Arek Piatek<br />

Lektorat<br />

siehe entsprechenden Eintrag<br />

bei Deutschland<br />

Country Channel Management<br />

Meike Koch<br />

Anzeigenverkauf<br />

Marcel Bannwart (D-CH),<br />

marcel.bannwart@redbull.com<br />

Christian Bürgi (W-CH),<br />

christian.buergi@redbull.com<br />

THE RED BULLETIN USA,<br />

ISSN 2308-586X<br />

Länderredaktion<br />

Peter Flax (Ltg.),<br />

Nora O’Donnell<br />

Lektorat<br />

David Caplan<br />

Director of Publishing<br />

Cheryl Angelheart<br />

Anzeigenverkauf<br />

Todd Peters, todd.peters@redbull.com<br />

Dave Szych, dave.szych@redbull.com<br />

Tanya Foster, tanya.foster@redbull.com<br />

96 THE RED BULLETIN


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Auseinandersetzung mit den<br />

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Perspektiven und kontroverse<br />

Standpunkte für eine selbstbestimmte<br />

Meinungsbildung.<br />

Von Montag bis Samstag sorgfältige<br />

Auswahl und Einordnung<br />

des relevanten Geschehens<br />

in Deutschland und der Welt in<br />

einer täglichen Ausgabe.<br />

Für alle Endgeräte optimiert,<br />

für eine schnelle und<br />

intuitive Nutzung.<br />

Die digitale Ausgabe der F.A.Z.<br />

schon ab 20 Uhr am Vorabend<br />

verfügbar.<br />

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F.A.Z.<br />

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Perfekter Abgang<br />

Gut abgehangen<br />

Er kann einfach nicht anders: Selbst beim Strandbesuch in Santa Monica, Kalifornien,<br />

sucht der bayerische Extremkletterer Alexander Megos immer den nächsten Kick –<br />

und lässt für den Fotografen am Muscle Beach die Muskeln spielen.<br />

Megos’ Expeditionen: redbull.com<br />

Die nächste<br />

Ausgabe des<br />

RED BULLETIN<br />

erscheint<br />

am 11. <strong>Juni</strong><br />

<strong>2019</strong>.<br />

KEN ETZEL/RED BULL CONTENT POOL DAVID MAYER<br />

98 THE RED BULLETIN


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