The Red Bulletin Juni 2019

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H E R O E S

ART STREIBER/AUGUST RÜDIGER STURM

Emma Stone

DAS GROSSE

ICH BIN ICH

Bevor US-Schauspielerin Emma Stone in Hollywood

auftrumpfte, kämpfte sie mit sich selbst. Und

gewann, indem sie ihre eigenen Zweifel besiegte.

Sie war dreimal für den

Oscar und viermal für

einen Golden Globe

Award nominiert – mit „La La

Land“ räumte sie 2017 beide

Trophäen ab, dank ihrer Leistung

in „The Favourite“ wurde

sie bei den Hollywood-Buchmachern

auch 2019 als Favoritin

gehandelt. Für eine junge

Frau, die gerade erst ihren

Dreißiger gefeiert hat, blickt

Emma Stone bereits auf eine

erstaunliche Karriere zurück.

Dennoch spricht sie lieber

über die Schattenseiten ihres

Lebens – weil diese nicht nur

eine große Charakterdarstellerin

geformt haben, sondern

auch einen großen Charakter.

the red bulletin: Wenn

man so eine Karriere hinlegt,

gehen alle davon aus,

dass man klare Perspektiven

verfolgt. Du hingegen sagst,

du hättest zeitweise den

„Ich bin nicht

ganz richtig im Kopf –

und das ist okay.“

Durchblick verloren. Wie

passt das zusammen?

emma stone: Eigentlich gar

nicht. Aber es war so. Ich

hatte tatsächlich das Gefühl,

als wären Teile meines inneren

Selbst weggebröckelt.

Ich dachte mir: Ich verstehe

diese neue Version meines

Ichs nicht.

Wie hast du in die Spur

zurückgefunden?

Durch Psychotherapie. Und

durch intensive Gespräche mit

Freunden. Auf diese Weise

habe ich Teile von mir wiederentdeckt.

Das war ein Prozess,

der sich vor allem in meinen

Zwanzigern abgespielt hat.

Wie würdest du dieses neue

Ich beschreiben?

Auf jeden Fall habe ich mehr

innere Ruhe gefunden. Ich

weiß, es gibt etliche Erfahrungen,

die ich noch zum ersten

Mal machen muss. Aber – und

das ist das Schöne am Älterwerden

– es sind nicht mehr

so viele wie früher. Also denke

ich mir: Hey, ich habe das

schon mal erlebt. Ich weiß,

das werde ich überstehen.

Das Leben ist immer eine Reise

voller Höhen und Tiefen, für

beides bin ich jetzt besser

gerüstet.

Hattest du in dieser Zeit

auch mit Panikattacken

zu kämpfen?

Leider ja. Wenn du so viel

überschüssige Energie hast

wie ich, dann richtet die sich

automatisch mal nach innen.

Gegen dich. Du denkst zu viel

nach, und irgendwann – zack!

– flippst du aus. Für solche

Situationen brauchst du ein

Ventil, um den Druck rauszunehmen.

Du kannst reiten

gehen, mit engen Freunden

sprechen oder meditieren. Da

muss jeder seine individuelle

Lösung finden. Was das betrifft,

habe ich wirklich Glück,

denn mein bestes Ventil ist

mein Job – das Schauspielen.

Der größte Druck kommt

also meist von einem selbst?

Definitiv. Im Lauf der Zeit

habe ich aber gelernt, nicht

so hart mit mir zu sein.

Hilft der Erfolg, netter zu

sich selbst zu sein?

Das glaube ich nicht. Denn

Erfolg ist etwas Äußeres.

Das verstärkt meine Beklemmungsgefühle

sogar noch.

Es geht nicht um Lob wie „Du

bist die Beste“. Im Gegenteil.

Du musst dir denken: Ich bin

nicht ganz richtig im Kopf,

und das ist okay. Du musst

dich deshalb nicht selbst

geißeln. Diese Änderung in

meinem Denken kann nur ich

beeinflussen. Niemand sonst,

kein netter Spruch, keine Auszeichnung.

Das zu begreifen

hat mir viel geholfen.

Bist du jetzt weniger

sensibel als früher?

O Gott, nein. Lange Zeit

dachte ich, dass meine Sensibilität

ein Fluch wäre. Weil

mir eben Dinge so sehr wehtun.

Aber eigentlich ist sie

ein Segen. Es ist gut, sensibel

zu sein. Anstatt mich deshalb

fertig zumachen, versuche ich,

mich so zu akzeptieren, wie

ich bin. Ja, ich verhalte mich

manchmal nicht richtig, denn

ich bin ein Mensch. Aber ich

mache einfach weiter.

Im Kino ist Emma Stone wieder Ende

2019 in „Zombieland 2“ zu sehen.

THE RED BULLETIN 33

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