SPORTaktiv Juni 2019

Sportaktiv.Magazin

Motor funktioniert optimal bei 80 Umdrehungen

pro Minute“, sagt Instruktor

Christoph Joch. Dass nicht alle optimale

Zahlen fahren, erklärt er sich mit der

„Schaltfaulheit“ der E-Biker, weil ja der

Motor eh so wahnsinnig stark ist. „Die

Kräfte sind aber so groß, dass die Ketten

oft zu tauschen sind. Das kleinste Ritzel

am Zahnkranz hinten ist abgefahren,

und die größeren haben die Kette noch

gar nie gesehen“, schmunzelt er. Tests

zur Reichweite hat er selbst gemacht:

„Mit dem richtigen, leichteren Gang

und höherer Kadenz kamen wir bis zu

zehn Prozent weiter.“ Bei Händlerschulungen

ist das ein zentrales Thema. „Am

besten verstehen es die Leute beim Vergleich

mit dem Auto. Ungeachtet der PS

muss man auch beim Auto schalten, um

den idealen Wirkungsgrad zu haben.

Man kann nicht im sechsten Gang den

Berg hochfahren.“ Eine Frequenzanzeige

im Display (wie bei anderen Herstellern

auch) sollte helfen.

Es ist Physik

Bosch hat sogar einen Reichweitenrechner

auf der Website, wo man die Zusammenhänge

zwischen Gewicht, Rad (z. B.

richtiger Reifendruck), Unterstützungsstufe,

Geschwindigkeit, Umwelt (Gelände,

Wind) und Trittfrequenz sehr anschaulich

als Grafik bekommt. Wer die

Physik des Bikens mit Motor versteht,

fährt wohl anders.

Einen anderen Weg beschreiten die

Münchener von Fazua. Ihr Konzept beinhaltet

einen kleineren Motor, einen

kleineren Akku und etwas weniger Power.

„Bei uns sind schon 60, 65 Umdrehungen

der Idealwert“, sagen Fazua-Mitgründer

Fabian Reuter und Entwicklungsingenieur

Stephan Happ.

Deutlich niedriger als die Konkurrenz.

Damit kommen viele auf Anhieb klar.

Nur Rennradfahrer, die 100 bis 110

Umdrehungen gewohnt sind, müssen

sich anpassen.

Anpassungsbedarf haben auch noch

die Schaltungshersteller, denn bei vielen

Bikes ist es gar nicht möglich, richtig

steile Passagen mit hoher Frequenz zu

fahren, weil der leichteste Gang das

nicht packt. Selbstversuch auf einem

steilen Trail: Im leichtesten Gang

schafft man trotz Motorpower gerade

45, 50 Umdrehungen. Größere Kassetten

bzw. kleinere Kettenblätter würden

helfen. Oder die Antriebshersteller senken

die Drehmomentkurve noch weiter

nach unten. Bis dahin: fleißig kurbeln.

DIE

GRUNDREGELN:

UM MOTOR UND AKKU MÖGLICHST EFFIZIENT ZU NUTZEN, SOLLTE MIT

BESTIMMTEN TRITTFREQUENZEN GEKURBELT WERDEN. ALLGEMEINER

RICHTWERT: ZWISCHEN 70 UND 90 UMDREHUNGEN PRO MINUTE. DAS IST FÜR VIELE RADFAHRER HÖHER ALS

GEWOHNT. NUR DIE MOTORUNTERSTÜTZUNG HOCHZUDREHEN, IST DER FALSCHE ANSATZ.

SPORTAKTIV-TIPP: LEICHTERE GÄNGE FAHREN, MEHR FREQUENZ TRETEN, AUCH WENN SICH DAS FÜR UNGEÜBTE

RADFAHRER MERKWÜRDIG ANFÜHLT. MIT DISPLAY, UHR ODER RADCOMPUTER GEGENCHECKEN.

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