Leseprobe stahl und eisen 05/2019

stahlundeisen

Leseprobe stahl und eisen 05/2019

ISSN 0340-4803

5/2019

Mai 2019

Zeitschrift für die

Herstellung und

Verarbeitung von

Eisen und Stahl

Maenken Kommunikation GmbH

Von-der-Wettern-Straße 25 · 51149 Köln

PVSt, Deutsche Post AG, Entgelt bezahlt, 6447


FORGING

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Ring- und Räderwalzen

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Kollektiv oder Kapital?

Das Duell der Systeme hatte eigentlich der Kapitalismus gewonnen.

So war nach dem Fall des Eisernen Vorhangs jedenfalls die einhellige

Meinung. Der US-Politologe Francis Fukuyama rief 1992 gar das „Ende

der Geschichte“ aus. Und heute? Da feiert der Sozialismus (mal wieder)

fröhliche Urstände: Der junge Sozialdemokrat Kevin Kühnert fordert

ungeniert die Verstaatlichung von Unternehmen wie BMW und die Reaktionen

darauf sind bezeichnend. Aus der Riege der führenden SPD-Vertreter regt sich

offiziell kein Widerstand, dafür regen sich bei Teilen des Wahlvolks die Hände

zum Applaus. Kühnert bekam beim Wahlkampfauftakt der SPD in Saarbrücken

deutlich mehr akustische Unterstützung als die etablierte Garde seiner Partei.

In eine dirigistische Richtung driftet auch Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier

von der CDU: Er wünscht sich den Auf bau „europäischer Champions“ und

skizziert in seiner „Nationalen Industriestrategie 2030“ eine Position, die sich auch

als allwissender und klug planender Staat interpretieren lässt. Dabei zeigen doch

schon die rechtlichen und steuerlichen Rahmenbedingungen, dass der Politik

Einschränkungen wichtiger sind als Rückenwind. Wie wenig übergeordnetes Interesse

augenscheinlich an großen, kontinental wettbewerbsfähigen Unternehmen

besteht, zeigt sich auch an der abgesagten Fusion von thyssenkrupp mit Tata Steel

Europe, die uns kurz vor Drucklegung ereicht hat. Die EU-Wettbewerbskommissarin

Margrethe Vestager hatte so viele „Wünsche“, dass den Unternehmen ein

Zusammenschluss ökonomisch nicht mehr sinnvoll erschien.

Wäre das jetzt nicht ein guter Anlass für Altmaier und Kühnert, als hiesiges

Pilotprojekt die Sache mit Kollektivierung und staatlicher Lenkung bei thyssenkrupp

konsequent umzusetzen? Ich meine: nein. Kurzfristig behielten je 2 000

Mitarbeiter der Stahlsparte, von sonstigen Bereichen in Deutschland sowie im

Ausland ihre Stellen. Aber alles bliebe wie es ist und langfristig wäre der Niedergang

ein realistisches Szenario. Wie haben hierzulande mit der DDR historisch

und aktuell auf die Distanz mit Venezuela zwei gute Beispiele, wie sich durch

staatlichen Einfluss ganze Länder abwirtschaften lassen. Insofern ist es besser,

thyssenkrupp selbst den Umbau zu einer Holding zu überlassen.

Torsten Paßmann,

Redaktionsleiter

Passend zur METEC

empfehle ich Ihnen

den Besuch von

www.messe-daily.de.

Melden Sie sich zum

Newsletter an, dann

sind Sie zum Messe-

Event des Jahres stets

aktuell informiert.

Aber wie stehen Sie zu zur Frage „Kollektiv oder Kapital“? Sprechen Sie uns auf

Twitter oder Facebook an. Wir freuen uns über Ihre Meinung! Ansonsten wünsche

ich Ihnen im Namen des gesamten Redaktions teams eine angenehme Lektüre.

Torsten Paßmann

Redaktionsleitung

PS: Wenige Tage nach Erscheinen dieser Ausgabe findet die Europawahl statt.

Wir verzichten bewusst auf eine Wahlempfehlung. Bis dato ist das Parlament

eher schwach, während die wahre Macht in den Kommissionen sitzt. Und deren

Leitung wird bekanntlich von den Länderregierungen ausgekungelt.

stahl und eisen 139 (2019) Nr. 5

3


Mai 2019

Zeitschrift für die

Herstellung und

Verarbeitung von

Eisen und Stahl

ISSN 0340-4803

01-02-U1-U4-0519.indd 1 13.05.19 14:20

28

48

Komplexe Strömungs simulation

industrieller Großöfen mittels CFD

Eine Studie hat sich damit beschäftigt, Potenziale für die

Konstruktion von und Prozessoptimierung in Industrieöfen

aufzudecken.

Mehrzweckrichtmaschine mit

mehr Flexibilität

Um unterschiedliche Bleche richten zu können

und die Investitionskosten niedrig zu halten,

braucht es entsprechende Richtanlagen.

INHALT

Ausgabe 5/2019

AKTUELLES

INNOVATION + ENTWICKLUNG

stahl und eisen 5/2019 Umformung ∙ Ofenbau · Messen 139. Jahrgang

5/2019

Maenken Kommunikation GmbH

Von-der-Wettern-Straße 25 · 51149 Köln

PVSt, Deutsche Post AG, Entgelt bezahlt, 6447

6 Namen + Nachrichten: thyssenkrupp,

voestalpine und mehr

8 Wirtschaft + Industrie: GMTN, Salzgitter,

Heraeus, Ländermeldungen und mehr

TECHNIK + TRENDS

Umformung / Metal Forming

48 Neue flexible Mehrzweckrichtmaschine

für (Warm-) Grobbleche und Stahlbänder

New Flexible Multi-Purpose (Hot) Plate Leveler

for Thin and Thick gauges

Alexander Meyer, Babak Taleb Araghi,

Enrico Zambon, Kerry Winklhofer

© Titel-/Coverphoto:

Brunnhuber

Gießpfannenkran im

Einsatz

Ofenbau / Furnace Building

28 Complex numerical flow simulation of

industrial large-scale furnaces using

Computational Fluid Dynamics

Komplexe numerische Strömungssimulation

von industriellen Großöfen mittels

Computational Fluid Dynamics

Niklas Wichmann, Dr. Krzysztof Hornig

36 GMNT: Digitalisierung, Messlösungen

und technische Innovationen

54 Gezielte Lenkung des Materialflusses

erweitert Formenvielfalt im Freiformschmieden

Controlling the material flow in open-die

forging to increase the range of producible

geometries

Martin Wolfgarten, Fridtjof Rudolph, Gerhard Hirt,

Hanno Schäfer, Reinhard Schwarz

60 3D-Metalldruck für den Schreibtisch

40 Steuerung und Überwachung von

Maschinen mit 5G-Mobilfunkstandards

4

stahl und eisen 139 (2019) Nr. 5


54 92

Foto: WZV

Erweiterte Formenvielfalt im

Freiformschmieden

Mit einem neuen Verfahrensansatz ist es möglich,

durch variable Biegeachsen das Formenspektrum im

Freiformschmieden signifikant zu erhöhen.

Berghütten aus Edelstahl

Im Hochgebirge sind vormals spartanische

Schutzhütten aus Holz moderner, oftmals

spektakulärer Architektur gewichen.

UNTERNEHMEN + MÄRKTE

68 ArcelorMittal testet neue Technologie zur

Rückgewinnung von Wasser

70 Praxisbericht: Automatisierung im Stahlwerk

74 210-t-Gießpfannenkran für den

Dauertransport von Flüssigeisen

RECHT + SERVICE

80 Geschäftsgeheimnisse schützen

84 Verschärfung im Datenschutz durch

ePrivacy-Verordnung

BERUF + KARRIERE

86 Mitarbeitergesundheit und die „Generation Z“

PRISMA

94 Edelstahl in den Bergen

STANDARDS

03 Editorial

90 Termine

90 Mitglieder Stahlinstitut VDEh

96 Digital

98 Themen im nächsten Heft

98 Impressum

Automatic Klein 9

BM Group (iSmartsteel) 23

Bobe Industrie-Elektronik 25

Combilift69

Glama Maschinenbau 21

Grünewald21

Mat19

MEORGA 43

Messe Düsseldorf 11

Anzeigen in dieser Ausgabe

Optris27

Otto Junker 85

RHI Magnesita 99

Ruebsamen61

R + W 89

Siempelkamp100

SMS group 2

Stahlinstitut VDEh 95

Untitled Exhibitions 7

stahl und eisen 139 (2019) Nr. 5 5


AKTUELLES

Namen + Nachrichten

Siegfried Russwurm vervollständigt Aufsichtsrat bei thyssenkrupp

Kompetenz als Fertigungstechniker

und umfangreiche

Konzernerfahrung – das sind

zwei der Eigenschaften, die

Prof. Dr. Siegfried Russwurm

auszeichnen und die er als neues

Mitglied in den Aufsichtsrat

von thyssenkrupp mitbringt.

Prof. Dr. Siegfried Russwurm gilt als einer „der Wegbereiter

der Digitalisierung der Industrie“.

Fotos: www.siemens.com/presse

Der langjährige Siemens-Mann

Russwurm hat in dem bayerischen

Industriekonzern eine Karriere bis

in den Vorstand absolviert. Der

promovierte Fertigungstechniker

war unter anderem zuständig für

den Sektor Industrie und zuletzt für

die Medizintechniksparte Siemens

Healthineers. Er fungierte auch als

Chief Technology Officer von Siemens

und hat in dieser Funktion

die digitale Transformation des Unternehmens

vorangetrieben. Darüber

hinaus war er unter anderem

Vorsitzender von Gesellschafterausschuss

und Aufsichtsrat bei Voith.

Der Nominierungsausschuss und

das Präsidium des Aufsichtsrats

von thyssenkrupp hatten im April

vorgeschlagen, Russwurm in den

Aufsichtsrat von thyssenkrupp zu

berufen. Nötig wurde dieser Schritt

aufgrund des freiwilligen Ausscheidens

von Hans-Peter Keitel ein Jahr

vor Ablauf seines Mandats. Aufsichtsratsvorsitzende

Martina Merz

begrüßt die Einigung auf und mit

Russwurm: Der Aufsichtsrat sei

davon überzeugt, dass Russwurm,

der „international als einer der

Wegbereiter der Digitalisierung der

Industrie gilt“, das Gremium „mit

seiner industriellen und technologischen

Kompetenz bereichern“

werde. Es sei vorgesehen, die Bestellung

durch das Registergericht

kurzfristig zu beantragen.

thyssenkrupp

www.thyssenkrupp.com

Helmut Gruber wird neuer Technikvorstand der Steel Division

von voestalpine

Die Nachfolgeregelung für den

voestalpine-Gesamtvorstand

Wolfgang Eder hat eine Rotation

in Gang gesetzt, die sich nun

dem Ende zuneigt.

Helmut Gruber: bei voestalpine

seit 1997 an Bord

Mit dem zum 3. Juli avisierten

Aufstieg von Herbert Eibensteiner

an die Konzernspitze wurde dessen

Position als Vorstandsvorsitzender

der Stahlsparte frei, die

planmäßig Hubert Zajicek übernehmen

soll. Damit wurde im

vierköpfigen Vorstand der Steel

Division seine Position als Technik-Chef

frei, die nun Helmut

Gruber übernehmen wird. Der

47-jährige hatte zuletzt die technische

Leitung für die Bandproduktion

inne und wird ab Anfang

Juli die Verantwortung für den

gesamten Bereich Technik in der

umsatzstärksten Division von

voestalpine übernehmen.

Gruber begann seinen Berufsweg

mit einer Lehre in Betriebselektrik,

absolvierte berufsbegleitend

die HTL für

Elektrotechnik und trat 1997 als

Betriebsingenieur bei voestalpine

Stahl in Linz ein. Als Projektleiter

der Großinvestition „Feuerverzinkungsanlage

4“ und anschließend

als Betriebsleiter des elektrotechnischen

Zentrums des

Gesamtstandortes Linz konnte

Gruber Projekt- und Führungserfahrung

in der Division sammeln.

In der Folge war er Geschäftsführer

von voestalpine Standortservice,

bevor er mit Jahresbeginn

2019 die technische Leitung des

Unternehmensbereiches „Band“,

der sämtliche Wertschöpfungsschritte

der Bereiche Walzen und

Veredelung von höchstqualitativen

Stahlbändern umfasst, übernommen

hat. Berufsbegleitend

absolvierte er in den vergangenen

Jahren das Studium „Mechatronik

und Wirtschaft“ an der Fachhochschule

Wels und ein Global Executive

MBA Studium. Hubert Zajicek

als Chef der Division und

Gruber als Techniker vervollständigen

Pauline Seidermann (Finanzen)

und Wolfgang Mitterdorfer

(Vertrieb) das Gremium.

voestalpine

www.voestalpine.com

6

stahl und eisen 139 (2019) Nr. 5


Andreas Kersch ist neuer Supply-Chain-

Manager bei Wuppermann

Ab sofort übernimmt Andreas

Kersch die neugeschaffene

Position als Geschäftsführer

Supply-Chain-Management

(SCM) bei der Wuppermann

Stahl GmbH in Leverkusen. In

dieser Funktion koordiniert

er für das traditionsreiche

Familienunternehmen in der

Stahlbranche gruppenübergreifend

die Versorgungskette.

Andreas Kersch hat seine gesamte

berufliche Lauf bahn im SCM-Bereich

verbracht. Seit 2012 hatte

der 45-Jährige fast durchgehend

Positionen als Geschäftsführer

inne. Zuletzt war der der Jurist

beim Spezialisten für Entwässerungstechnik

ACO Passavant

GmbH tätig. Mehr als ein Jahrzehnt

internationale Erfahrung

sammelte Kersch zudem in China

und Korea.

Andreas Kersch

Neue Zusammensetzung des Verwaltungsrats

bei Schmolz + Bicken bach

Auf der Generalversammlung

der Schmolz + Bickenbach AG

aus Luzern, Schweiz, wurden

alle sich zur Wiederwahl

stellenden Verwaltungsratsmitglieder

im Amt bestätigt:

Michael Büchter, Martin

Haefner, Isabel Corinna Knauf

und Dr. Oliver Thum. Zudem

wurden Jens Alder als neuer

Verwaltungsratspräsident

sowie Alexey Moskov und

Adrian Widmer neu in den

Verwaltungsrat gewählt.

Auch der Vergütungsausschuss

setzt sich neu zusammen aus dem

bisherigen Mitglied Isabel Corinna

Knauf sowie den neu ins Gremium

gewählten Alexey Moskov

und Jens Alder, der zudem dem

Ausschuss vorsitzt.

Jens Alder ist neuer Verwaltungsratspräsident

bei Schmolz +

Bicken bach

stahl und eisen 139 (2019) Nr. 5 7


AKTUELLES

Namen + Nachrichten

Neue Stahlköpfe im Saarland

In der saarländischen Stahlindustrie

hat Martin Baues

eine Doppelfunktion übernommen.

Reinhard Störmer

stieg in der Montan-Stiftung

Saar vom Stellvertreter zum

Vorsitzenden auf.

Der Aufsichtsrat von Dillinger

hat jüngst Martin Baues für die

Dauer von fünf Jahren zum Vorstandsmitglied

verantwortlich

für Technik ernannt. Zudem hat

der Aufsichtsrat der SHS – Stahl-

Holding-Saar Baues gleichfalls für

die Dauer von fünf Jahren zum

Mitglied der Geschäftsführung ernannt.

Baues, der bereits seit 2012

auch Mitglied des Vorstands von

Saarstahl ist, war von April 2016

an Sprecher der Geschäftsführung

der Saarschmiede GmbH Freiformschmiede,

aus der er Ende Februar

ausgetreten ist. Baues verantwortet

zukünftig in Personalunion den

Bereich Technik von Dillinger und

von Saarstahl. Das setze u.a. den

eingeschlagenen Kurs fort, dass die

Stahlunternehmen Dillinger und

Saarstahl weiter zusammenwachsen,

heißt es.

Reinhard Störmer, Vorsitzender

des Aufsichtsrates der SHS – Stahl-

Holding-Saar, wurde im März zum

Vorsitzenden des Kuratoriums der

Montan-Stiftung-Saar als Nachfolger

des plötzlich verstorbenen Dr.

Fotos: Dirk Martin/Saarstahl AG

Michael H. Müller (siehe stahl und

eisen 3/19, S. 12) gewählt. Störmer

ist bereits seit November 2010 Mitglied

des Kuratoriums und war ab

August 2016 auch stellvertretender

Vorsitzender.

Saarstahl

www.saarstahl.de

Reinhard Störmer (li.) ist neuer Vorsitzender der Montan-Stiftung, eine

Doppelfunktion bei Dillinger und SHS übernimmt Martin Baues.

Stahlrecycling mal anders

André Rieu möchte die Stahlgerüste von seiner 2008er

Konzerttour für die Restauration von Notre Dame spenden.

Der Brand des französischen

Kulturdenkmals Notre Dame

war nicht nur ein Schock für

jeden Franzosen, auch international

hat die Katastrophe

tiefe Bestürzung ausgelöst.

So ist es nicht verwunderlich,

dass Spenden aus der ganzen

Welt für den Wiederaufbau

eingetroffen sind. Eine Spende

der besonderen Art hat der

niederländische Starviolinist

André Rieu im Sinn. Über

seinen Twitter-Account unterbreitet

er den Vorschlag, 700 t

Stahl zu spenden.

Bei dem Stahl handelt es sich nicht

um irgendwelches Altmetall, sondern

um Stahlgerüste, die für den

Nachbau des Schloss Schönbrunn

auf der 2008er Konzerttour verwendet

wurden. Die damalige

Nachbildung des Schlosses annähernd

in Originalgröße war eines

der größten Sets, das jemals für eine

Wanderausstellung gebaut wurde.

Es war 125 Meter breit, 30 Meter

tief und 35 Meter hoch. In Paris

sollen nach Rieus Vorstellung die

Stahlgerüste des legendären Bühnensets

bei der Restauration von

Notre Dame zum Einsatz kommen.

8

stahl und eisen 139 (2019) Nr. 5


Wirtschaft + Industrie

Verringerte CO 2

-Emissionen durch Wasserstoffverfahren

Neues Dekarbonisierungs-

Projekt von thyssenkrupp

erhält Fördermittel

Thyssenkrupp Steel Europe startet ein wegweisendes Projekt für eine klimafreundliche

Stahlproduktion in Duisburg: Der Konzern will die Dekarbonisierung mit Wasserstoff

statt Kohle vorantreiben. Die Landesregierung NRW fördert das Vorhaben im Rahmen der

Initiative IN4climate.NRW.

Den ersten Förderbescheid im

Rahmen der neuen Initiative IN-

4climate.NRW, mit der die Landesregierung

innovative Transformationsprozesse

in der Industrie

unterstützt, übergab Landeswirtschaftsminister

Andreas Pinkwart

(FDP) Mitte April an thyssenkrupp

Steel Europe. Bei dem Projekt am

Standort Duisburg geht es darum,

die Dekarbonisierung der Stahlproduktion

durch den Einsatz

von Wasserstoff zu unterstützen.

In der ersten Projektphase soll

zunächst der Einsatz von Wasserstoff

an einer von 28 Blasformen

eines Hochofens getestet werden.

„Das ist ein Novum und so bislang

in der Industrie noch nicht umgesetzt

worden. Wir werden die

Ergebnisse dieser Testphase genau

analysieren und wollen dann in

einer zweiten Projektphase den gesamten

Hochofen auf diese Weise

umstellen,“ erläuterte Arnd Köfler,

Produktionsvorstand von thyssenkrupp

Steel Europe. Somit sollen

die bei der Produktion anfallenden

CO 2

-Emissionen bis 2050 um

80% verringert werden. Wasserstoff

ist ein zentraler Treiber für

das Erreichen des ambitionierten

Ziels, da er am Einsatzort keine

klimaschädlichen Emissionen

verursacht.

CO 2

-neutrale Stahl pro duktion

durch Wasser stoff

„Es ist mir eine besondere Freude,

heute den Förderbescheid für

das erste Projekt der Initiative IN-

4climate.NRW übergeben zu können,

mit dem wir einen wichtigen

Schritt in Richtung einer klimaneutralen

Industrie gehen“, erklärte

Andreas Pinkwart. Den für

das Projekt benötigten Rohstoff

liefert der Weltmarktführer für

Industriegase Air Liquide. Das

VDEh-Betriebsforschungsinstitut

BFI fungiert als wissenschaftlicher

Begleiter. Aufgrund seiner Vielseitigkeit

hat Wasserstoff eine zentrale

Bedeutung beim Übergang zu einem

sauberen, kohlenstoffarmen

Energiesystem. Am Hochofen soll

das Einblasen von Wasserstoff bei

der CO 2

-neutralen Stahlerzeugung

statt Kohlenstaub als Reduktionsmittel

helfen. Es kann in flüssiger

oder gasförmiger Form gespeichert

und transportiert werden.

NRW-Wirtschaftsminister Andreas Pinkwart (Mitte) überreicht

den Förderbescheid des Landes NRW an Premal Desai,

Finanzvorstand thyssenkrupp Steel (links) und Dr. Arnd

­Köfler, Technikvorstand thyssenkrupp Steel

Lösungswege. Mit dem bereits gestarteten

Projekt Carbon2Chem

werden entstehende Treibhausgase

in Chemieprodukte umgewandelt

und sind somit als Rohstoff

nutzbar. Das neue Wasserstoffprojekt

am Hochofen beschreitet nun

einen weiteren Technologiepfad,

bei dem vermieden werden soll,

dass schädliche Treibhausgase

überhaupt entstehen.

thyssenkrupp Steel Europe

www.thyssenkrupp-steel.com

IN4climate.nrw

www.in4climate.nrw

Roheisenprobe am Hochofen:

Horst Gawlik von thyssenkrupp

Steel Europe mit Wirtschaftsminister

Andreas Pinkwart

Technologieoffenes

Unternehmen

Um die Vorgaben der Pariser Klimaschutzziele

zu erreichen, setzt

thyssenkrupp auf verschiedene

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AKTUELLES

Wirtschaft + Industrie

Hochlauf des neuen Stalatube-Edelstahlwerkes in Polen

Stalatube ist der welt weit drittgrößte Hersteller von quadratischen

und rechteckigen Edelstahlhohlprofilen in der

Branche sowie der weltweit führende Hersteller von quadratischen

und rechteckigen Hohlprofilen aus ferritischem und

Duplex-Edelstahl.

Foto: Stalatube

Die neue Produktionsanlage

des finnischen Konzerns Stalatube

in Polen tritt in die Hochlaufphase.

Am Standort Lodz

sollen Edelstahlhohlprofile in

Sonderdimensionen sowie weiterverarbeitete

Edelstahlprodukte

gefertigt werden.

Zusammen mit der neuen Produktionsanlage

in Finnland will Stalatube

mit der Investition in den

Standort im polnischen Lodz die

Wettbewerbsfähigkeit steigern.

Neben einer Kapazitätserhöhung

und einer wesentlichen Reduzierung

der Lieferzeiten und verspricht

sich das Unternehmen eine

größere Nähe zu den zentraleuropäischen

Märkten.

20 Millionen Euro

investiert

Konkret sollen die Investitionen

die Produktion von maßgefertigten

I-Trägern und weiterverarbeiteten

Produkten wie beispielsweise

Edelstahlhohlprofilen steigern,

die jeweils für die Endanwendung

im anspruchsvollen Hochbau

vorgesehen sind. Zusätzlich wird

Produktion vorgefertigter Komponenten

für die wachsende Transportbranche

ebenfalls erweitert.

Das polnische Werk erfülle dank

aktueller Technologien und eines

hohen Grads an Automation in

sämtlichen Phasen der Produktion

sowohl die Umweltkriterien als

auch Energieeffizienzanforderungen.

Insgesamt hat das finnische

Unternehmen 20 Millionen Euro

investiert. „Strategie ist es, unseren

Kunden näher zu kommen

und bei der Erfüllung der Kundenbedürfnisse

möglichst flexibel

zu sein“, skizziert Jukka Nummi,

CEO von Stalatube, die Pläne des

Unternehmens. Als weiteren Vorteil

führt er an, dass speziell die

Maßfertigung von Produkten, um

den genauen Anforderungen der

Endnutzer zu entsprechen, zu

Ersparnissen bei Material- und

Transportkosten führe und zudem

die Weiterverarbeitungszeit

beim Endnutzer reduziere. Auf

einen strategischen Vorteil für das

eigene Unternehmen weist Sami

Packalén hin, bei Stalatube für

Marketing und Vertrieb verantwortlich:

„Edelstahl ist ein weitgehend

wartungsfreies Produkt.

Durch die wettbewerbsfähigen

Lebenszykluskosten eröffnen sich

beträchtliche Chancen für unsere

Edelstahlprodukte in Bereichen

wie Transport, Erdöl und Gas,

Hochbau sowie bei weiteren anspruchsvollen

Endanwendungen.“

Stalatube

www.stalatube.com

Bundesimmissionsschutzgesetz: VDM begrüßt Anpassungen

Um die Gesundheit der Bürger zu

schützen, stehen die Kommunen

stehen in der Pflicht, die Luftbelastung

zu verringern – und das

Bundesimmissionsschutzgesetz

gibt ihnen das Werkzeug dazu in

die Hand. Mit einer Änderung des

Gesetzes sind nun bundesweit

einheitliche Regelungen für Fahrverbote

vorgesehen. Gleichzeitig

wurden unter anderem Ausnahmen

für Fahrzeuge eingeführt, die

nachträglich mit einem Stickstoffoxidkatalysator

ausgestattet oder

„nachgerüstet“ wurden und anschließend

nachweislich weniger

Stickstoffoxide ausstoßen.

Der Verband Deutscher Metallhändler

(VDM) begrüßt die Anpassungen,

da nun auch nachgerüstete

Nutzfahrzeuge Fahrzeuge

privater Entsorger von Fahrverboten

ausgenommen sind. Dies sei

nach Meinung des Verbands eine

Maßnahme für Chancengleichheit

gegenüber den kommunalen

Entsorgern. Dennoch gebe es „weiteren

Nachholbedarf“ im Bereich

der Förderrichtlinien, so Ralf

Schmitz, VDM-Hauptgeschäftsführer.

Auch hier müssten die

Bestimmungen auf private Fuhrparks

ausgeweitet und eine Wettbewerbsgleichheit

angestrebt

werden.

Verband Deutscher Metallhändler

www.vdm.berlin

Rechtlich mit der öffentlichen

Hand gleichgestellt: nachgerüstete

Fahrzeuge privater Entsorger

10

stahl und eisen 139 (2019) Nr. 5


metec.de

tbwom.de

BDI zur Lage der Stahlindustrie

im April 2019

Die Stahlmengenkonjunktur in Deutschland

hat 2018 den Rückwärtsgang eingelegt: Die

Marktversorgung mit Walzstahl ging nach

Informationen des Bundesverbandes der Deutschen

Industrie im Jahresdurchschnitt um

vier Prozent zurück, die Lieferungen sanken

um fünf Prozent, für die Rohstahlproduktion

ergab sich ein Minus von zwei Prozent.

Zu dieser Entwicklung beigetragen haben dürften

Sonderfaktoren wie insbesondere die Umstellung

des Prüfverfahrens in der Automobilindustrie sowie

das Niedrigwasser am Rhein im Schlussquartal

des vergangenen Jahres, heißt es im Industriebericht

des BDI-Industriepolitik-Dossiers 04/2019.

Auch im ersten Quartal blieb die Stahlkonjunktur

demnach verhalten: Dies zeige sich zum einen

an der ifo-Geschäftsumfrage, nach der die Stahlunternehmen

ihre Geschäftslage im März zum

ersten Mal seit knapp anderthalb Jahren wieder

mehrheitlich eingestuft haben. Zum anderen seien

die Auftragseingänge Walzstahl – Angaben

des Statistischen Bundesamtes zufolge – zu Jahresbeginn

deutlich rückläufig. „Auf der Positivliste

steht jedoch, dass sich die Erwartungen im

ifo-Konjunkturtest zuletzt wieder stabilisiert haben.

Allerdings bleiben die Unternehmen weiterhin

skeptisch hinsichtlich ihrer Erwartungen für

die nächsten sechs Monate“, teilte der BDI mit.

Auch weltweit habe sich seit dem zweiten Halbjahr

die konjunkturelle Grundtendenz in der Stahlindustrie

abgeschwächt. Zudem sei der Konjunkturausblick

mit erheblichen Abwärtsrisiken

verbunden. „Schließlich bestehen der jüngsten

Einschätzung der OECD zufolge die strukturellen

Probleme in der globalen Stahlindustrie in Form

von verfestigten Überkapazitäten, der Ausbreitung

protektionistischer Tendenzen sowie Wettbewerbsverzerrungen

als Folge staatlicher Subventionen

weiter fort“, so der BDI.

Vor dem Hintergrund der konjunkturellen Gesamtsituation

sei es aus Sicht der Stahlindustrie

ein notwendiger Schritt der EU gewesen, endgültige

Schutzklauselmaßnahmen einzuführen, um

Handelsumlenkungen im Zuge der US- Strafzölle

in den EU-Markt zu begrenzen. Kritisch sei aus

Sicht der Stahlindustrie hingegen, dass bereits im

Juli trotz der bestehenden fragilen konjunkturellen

Lage erste Schritte zur Lockerung der Zollkontingente

eingeführt werden sollen und damit die

Wirksamkeit der Maßnahmen spürbar eingeschränkt

werde, schließt der Bericht.

Bundesverband der Deutschen Industrie

www.bdi.eu

Metals

EFFICIENT PROCESS SOLUTIONS

10. INTERNATIONALE METALLURGIE-

FACHMESSE MIT KONGRESSEN

Schlüsseltechnologie Metallurgie

Die METEC mit dem Bereich Schmiede technik

ist das global führende Event für die Herstellung und

Verarbeitung von Roheisen-, Stahl- und NE-Metallen.

Theorie trifft Praxis

Rahmenveranstaltungen wie die 4th European Steel

Technology and Application Days (ESTAD) sind

Diskussionsforen für neue Stahltechnologien und

-anwendungen auf weltweit höchstem Niveau.

Willkommen in Düsseldorf!

Messe Düsseldorf GmbH

Postfach 10 10 06 _ 40001 Düsseldorf _ Germany

stahl und eisen 139 (2019) Nr. 5

Tel. +49 211 4560-01 _ Fax +49 211 4560-668

11

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