sporting hamburg JUNI 2019

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Stadtsportmagazin

Vereinssport

© Fotos: Handschuh/Wesemann

Mit einem Atemzug möglichst lange, weit oder tief zu tauchen muss sinnigerweise geübt werden.

Verein selber

gründen

Vereinssport hat ja nicht immer den besten Ruf: altbacken, zu unflexibel. Aber: Verein

kann deutlich mehr als zusammen Sport treiben. Gemeinschaft, Integration, Miteinander,

solidarisch den Sport auch für Finanzschwächere ermöglichen, Talentsichtung,

Ehrenamt sind nur einige Stichworte. Die deutsche Vereinslandschaft ist in ihrer Bedeutung

als tragende Säule unserer Gesellschaft keinesfalls zu unterschätzen.

Und Vereine sind kein Auslaufmodell. Über eine halbe Million Mitglieder

haben Hamburgs Sportvereine, dabei sind sportspaß und Betriebssport

noch nicht mal mitgerechnet. Tendenz steigend. Ende 2018 zählt der

Hamburger Sportbund insgesamt 830 Mitgliedsvereine. Auch hier mit

steigender Tendenz. Denn wer im Vereinsangebot nicht das Richtige

findet, hat eine weitere Option: selbst einen Verein gründen.

Eingetaucht in die Tiefen des Themas „Vereinsgründung“ ist vergangenes

Jahr Klaus Handschuh, und zwar im wahrsten Wortsinne: Zusammen mit

rund einem Dutzend Mitgründern schuf er den Tauchverein Freediver-

Hamburg e. V. „In Hamburg gibt es zwar bereits einige Tauchvereine, die

sind aber eher Gerätetauch-fokussiert“, erklärt er seine Motivation. Bei

ihm und seinen Mitstreitern steht das trainingsintensive Apnoe-Tauchen,

also das Tauchen ohne Gerät, im Mittelpunkt. Mittlerweile hat der Verein

über 50 Mitglieder. Das zeitintensive Training zahlt sich auch bereits in

Erfolgen aus: Eine Athletin holte bei den nationalen Titelkämpfen Silber,

ein weiteres Mitglied erreichte Platz vier. Im Juni fährt eine Taucherin der

Freediver mit dem Nationalteam zur Europameisterschaft nach Istanbul.

Bevor es als Verein ins Wasser der Trainingsstätten ging, sprangen die

Freediver erst mal ins kalte Wasser der Vereinsgründung: „Rückblickend

empfehle ich jedem Verein, seine Satzung noch vor der Gründung dem

Finanzamt zu zeigen oder einem Notar. Das kostet nicht viel und spart

Arbeit.“ Die Freediver mussten ihre Satzung drei Mal auf Mitgliederversammlungen

ändern, da ihnen sonst die notwendige Gemeinnützigkeit

nicht anerkannt worden wäre – obwohl sie die Satzung eines anderen

Vereins als Vorlage genommen hatten.

Von solchen Erlebnissen

sollte sich aber kein Gründer

abschrecken lassen, sagt

auch Maarten Malczak vom

Hamburger Sportbund (HSB).

„Eine Gründung ist erst mal

recht formal und man macht

auch mal den einen oder anderen

Formfehler.“ Nacharbeiten sei zwar lästig, aber kein Beinbruch.

Beratend stehe auch der HSB zur Seite, unter anderem mit einer

Muster-Satzung. Maarten Malczak sagt auch, warum nach der Gründung

der Beitritt zum HSB lohne: „Mitgliedsvereine erhalten über den HSB

eine Sportversicherung und können von diversen Förderprogrammen

profitieren. Außerdem werden sie bei der Vergabe von Hallenzeiten ab

17 Uhr bevorzugt.“ Trainingszeiten waren auch für Klaus Handschuh

und seine Mitstreiter ein Grund für die Vereinsgründung. „Die Stadt ist

interessiert daran, dass Leute organisiert Sport betreiben und fördert

das.“ So können die Freediver mittlerweile sonntags in der Klausewitz-

Kaserne trainieren. Und auch Bäderland sei dem Verein gegenüber

sehr wohlwollend

aufgetreten und ermögliche

so Training.

Ob er die Vereinsgründung

je bereut habe?

„Ganz im Gegenteil“,

sagt Klaus Handschuh.

Sein Verein

bereichere Hamburg

nicht nur mit Training

für Apnoe-Tauchen

auf Wettkampfniveau,

sondern sei zudem

„wie eine große Familie“.

Vereinsgründung in

5 Schritten

1. Vereinssatzung erarbeiten.

2. Mit mindestens sieben Personen die

Gründungsversammlung abhalten. Dabei

die Gründung beschließen, die Satzung

verabschieden und einen Vorstand wählen.

Von allem ein Protokoll führen und

von allen Gründern unterzeichnen lassen.

3. Unterschriften des Vorstands vom

Notar beglaubigen lassen und mit von

allen Gründern unterschriebener Satzung

und Protokoll die Eintragung im Vereinsregister

beantragen.

4. Beim Finanzamt die vorläufige Gemeinnützigkeit

beantragen.

5. Ggf. die Aufnahme im Hamburger

Sportbund und dem entsprechenden

Fachverband beantragen.

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Freediving, Apnoe oder Freitauchen nennt sich das Tauchen ohne Gerät.

Klaus Handschuh ist einer der Gründer von Freediver-Hamburg, wo neben Apnoe-Training

auch Scubadiving (mit Gerät) gelehrt wird.

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