sporting hamburg JUNI 2019

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Stadtsportmagazin

Schwimmen

© Foto: Max Baier

© Foto: UNHCR/Jordi Matas

Sie schwimmt einfach!

© Foto: sporting hamburg

kann Yusra sowieso nix mehr. „Man muss doch die Chancen nutzen,

die sich einem im Leben bieten“, meint sie zu Recht, „das mache ich

auch.“ Auf der WM in Südkorea startet sie für das „FINA Independent

Athletes“-Team. Schon ’ne schräge Vorstellung, nicht für die alte, aber

auch nicht für die neue Heimat an den Start gehen zu können, hier bei uns

genießt sie nämlich bislang lediglich ein Bleiberecht. Nebenbei ist Yusra

als Botschafterin für das Flüchtlingshilfswerk der Vereinten Nationen

(UNHCR) am Start und hält hier Vorträge, um anderen Geflüchteten

Mut zu machen, und im Mut-Bereich hat sie ja einiges zu bieten. Am

Wochenende ist sie aber erstmal in Sachen Schwimmen unterwegs,

denn es geht ins Trainingslager nach Teneriffa. Unterwegs ist ein gutes

Stichwort. Yusra sagt: „Wenn man nirgendwo hingeht, kann einen auch

niemand willkommen heißen.“ Und sie weiß

absolut, wovon sie spricht.

Yusra erschwamm 2012 den Syrischen Landesrekord in 400m Freistil, wurde 2016 sogar

vom TIME-Magazin in der Liste der 30 einflussreichsten Teenager geführt.

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Schon mehrfach wurde über Yusra Mardini in den Medien berichtet. Das „Flüchtlingsmädchen

aus Syrien“, sie ist inzwischen 21, das für das Refugee-Team in

Rio startete, das aber vielmehr auf ihrer Flucht über das Mittelmeer kraft ihrer

Willens stärke und dann dramatischerweise auch dank ihrer Fähigkeiten als

Leistungs sportlerin zur Rettung aller Schlauchbootinsassen beitragen konnte.

Im Grunde möchte sie nicht mehr nach all diesen Geschehnissen

befragt werden. Erinnerungen, die sie natürlich traurig machen, werden

wieder präsent – muss also nicht sein. Schon gar nicht will sie auf das

Flüchtlingsthema reduziert werden. Yusra ist Leistungssportlerin, die

schon im Alter von 15 Jahren für ihr Land auf Weltmeisterschaften

startete, und als Sportlerin will sie auch verstanden werden. Nicht mehr,

aber auch nicht weniger. Inzwischen ist sie, über Berlin, in Hamburg

gelandet und trainiert fleißig am Olympiastützpunkt. In diesem Jahr

ist es die WM in Südkorea, auf die sie sich vorbereitet, und eigentlich

hat sie auch Olympia in Tokio auf dem Zettel, dazu aber später mehr.

Wir treffen Yusra am OSP, die Haare

nach der ersten Einheit des

Tages frisch gefönt, und überhaupt

ist sie erfrischend aufgeräumt,

spricht super Deutsch und fühlt

sich in Hamburg pudelwohl. Nach

Hamburg ist sie gewechselt, weil

hier das Umfeld für sie besser

© Foto: Max Baier

passt. Die Trainingsgruppe bei Bundesstützpunkttrainer

Veith Sieber ist größer,

Konkurrenz belebt das Geschäft, und das ist

genau das, was sie suchte. „Das ist hier eine

tolle Mannschaft“, schwärmt sie. „Ich bin die

Schlechteste“, ergänzt sie aufrichtig, „aber

ich kann mich immer weiter verbessern.“

Und da sind ambitionierte, schnelle Trainingspartnerinnen

wichtig, denn: „Ich muss jetzt

im Training erst recht immer alles geben.“ Sie

lebt in WG mit Leonie Welsch, der Beachvolleyballerin, beide verstehen

sich super, Yusras Eltern sind inzwischen mit den Schwestern in Berlin.

Fast täglich trainiert Yusra zweimal und wird dabei vom Hamburger

Schwimmverband und vom Olympiastützpunkt Hamburg/Schleswig-

Holstein unterstützt. Eine Extrawurst will sie nicht, kriegt sie auch nicht,

und „Mitleid wollte ich nie“, sagt sie. „Ich mache das für mich“, wie jeder

so sein Ding macht bzw. machen sollte, und sie nutzt dabei die Chancen,

die sich ihr bieten, um ihr Leben als Schwimmerin zu gestalten. Natürlich

sagt sie nicht nein, wenn ein großer Sportartikel-Riese aus den Staaten

sie sponsern will, wer würde das? Und dennoch stellt sie fest, dass

ihre Situation auch Neider auf den Plan ruft. „Das macht mich wirklich

traurig“, sagt sie. „Ich denke immer

zu viel“, beschreibt sie ihr Problem,

sich diese Dinge zu Herzen zu

nehmen. „Viele Menschen wissen

gar nicht, wie gut es ihnen

eigentlich geht“, findet sie und

lässt sich deswegen hoffentlich

nicht beeindrucken. Erschüttern

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