Classic for Twens FLIPBOOK

simoser18

Nachgefragt

Katharina Wildförster und

David Rene Steike

im Haydn-Institut

Köln

„Im Anfange schuf Gott Himmel und Erde,

und die Erde war ohne Form und leer,

und Finsternis war auf der Fläche der Tiefe.“

So steigt Raphael singend ein,

gleich nach der rein instrumentalen Vorstellung des Chaos

(Einleitung)

On top of the top – Papa Haydn und Die Schöpfung

Amy Winehouse, Kurt Cobain und sogar Wunderkind Mozart –

Musiker, die allesamt viel zu jung starben. Was wäre noch alles

gekommen, wenn sie älter geworden wären?

Joseph Haydn, Komponist der Schöpfung, wurde dagegen 77

Jahre alt. Mehr als 40 Jahre arbeitete er als Kapellmeister am

Hofe der Adelsfamilie Esterházy. Er ist heute vor allem für seine

Streichquartette und über 100 Sinfonien bekannt. Ja, genau:

Einhundert Stücke allein einer Gattung. Schon Mozart nannte ihn Papa

Haydn, denn er war einer der ganz großen formgebenden Komponisten

seiner Zeit – ein Vorbild und musikalischer Experimentator zugleich.

Wir haben uns gefragt, wer und natürlich wie man heute ein solch

umfassendes Werk aufarbeitet. Eine Antwort gab uns Dr. Armin

Raab, der wissenschaftliche Leiter des Haydn-Instituts in Köln.

Er berichtete von der langjährigen Aufgabe, die vielen Stücke

in Form einer Gesamtausgabe herauszugeben. Dabei muss man

wissenschaftlichen Ansprüchen gerecht werden, Nachforschungen

zu den handschriftlichen Dokumenten Haydns anstellen und einen

detailgetreuen Blick auf die Noten wahren – immerhin sind Fake-

Stücke, die Haydn falsch zugeordnet werden, gar nicht so selten.

Sein Oratorium “Die Schöpfung” war laut Raab im Musikleben der

Zeit eine Sensation: „Die Steigerung im Leben eines berühmten

Komponisten, von dem keine Steigerung mehr zu erwarten war“.

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