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6 DAS FAHRRADMAGAZIN IM VEST

MITKISTE AUFDIE PISTE

Lastenräder sindimKommen

VonBurkhardFraune

Eine Waschmaschine mit dem Fahrrad kaufen? Ja, auch das geht. Mit dem nötigen Willen. Und dem passenden Fahrrad.

Lastenräder sind inden Städten immer häufiger zusehen. Kleinkinder, Pakete, Wocheneinkauf und Werkzeug –vieles passt

in die große Kiste zwischen Lenker und nach vorn gestrecktem Vorderrad. Deshalb steigen nicht nur Eltern, Postdienste und

Handwerkerum.

Allein 40.000 Elektro-Lastenräder mit Elektromotor wurden

im vergangenen Jahr verkauft, außerdem ungezählte Modelle

ohne Motor. „Die Tendenz ist stark steigend“, heißt es bei

Herstellernund Handel. Dochwer einender Laster aufzweiRädern

steuert, findet längstnicht überall optimaleBedingungen.

Immerhin: Lastenräder haben Rückenwind. Denn sie gelten als

einMittel, inden StädtenStraßen undLuftzuentlasten. „Gerade

das Thema Schadstoffe hat extreme Auswirkungen –impositivenSinn

fürden Radverkehr“, sagt Thomas Kunz,der Geschäftsführer

des Handelsverbands Zweirad. Die Fachhändler machen

derzeit gute Geschäfte, auch mitden sogenanntenCargobikes.

Von München über Darmstadt und Bielefeld bis Berlin kann

man erste Fahrzeuge ausleihen. Der Bund und die Hauptstadt

geben Kaufzuschüsse. Die Paketdienste DHL, GLS, Hermes und

UPS betreiben in Berlin-Prenzlauer Berg einen gemeinsamen

Umschlagplatz. Für den letzten Kilometer laden die Boten die

Pakete dortauf Fahrräder.

Am früheren Flughafen Tempelhof gibt esCargobike-Rennen.

Undzuweilen erntet in der Hauptstadt neidvolleBlicke, wermit

so einem zweieinhalbMeter langen Radwegkreuzer vorder Kita

vorfährt.„Gerade in den Städtenwirdoft der Zweitwagenauch

ersetztdurch einLastenrad“, istSiegfriedNeuberger überzeugt,

der Geschäftsführer des Zweirad-Industrie-Verbands. Auch die

professionelle Nutzung nehme zu. „Wir sehen indiesem Markt

einstarkes Wachstumspotential.“

Leistungsplus: ElektrounterstützeLastenräder kommen vielseitig zum Einsatz. Foto:r-m.de/pd-f

Doch wer Cargobike fährt, hat esnicht immer leicht. Sichere

Abschließmöglichkeiten für die langen und teils mehrere tausendEuro

teurenFahrzeugesindselten. Das Gefährtindie Bahn

mitzunehmen istoft schwierig, etwaweilesamBahnhofnicht in

den Fahrstuhl passtoder es im Zugnicht erwünschtist,wie bei

der Berliner S-Bahn.

Bei passender Infrastruktur würden auch insgesamt viel mehr

Räder gekauft, ist der Allgemeine Deutsche Fahrradclub

überzeugt. „Die schlechten oder ganz fehlenden Radwege

und Fahrradparkanlagen sind nicht nur eine Bremse für die

dringend nötige Verkehrswende, sondern sie deckeln auch

das Wachstum der deutschen Fahrradindustrie“, sagt Bundesgeschäftsführer

Burkhard Stork. Die Niederlande machten vor,

wieesbesser gehe.

Wegen der Trockenheit–und damit guten Radelwetters –wurden

2018 immerhin 4,2Millionen Fahrräder in Deutschlandverkauft,

derzweithöchsteWertindiesemJahrzehnt. DieUmsätze

der Hersteller und Importeure wachsen, weil inzwischen schon

jedesvierte neue Fahrrad einElektrorad ist. Denn fürdie geben

die Käufer meist 2.000 bis 2.500 Euro aus. Über alle Modelle

hinweg ließen sich die Deutschen ihr neues Fahrrad im letzten

Jahr im Schnitt756 Euro kosten.

Lebensmitteltransportauf einem mit einem Elektromotor unterstütztenLastenfahrrad.FotoWolfram Kastl

„2018 war hervorragend“, bilanziert Verbandschef Neuberger

fürdie Branche. Auch er wünschtsichmehrInvestitionen in Radwege.

Zuoft würden in den Ländern noch Fördermittel nicht

abgerufen,weildie Planer fehlten.Fortschritte seien aber sichtbar.

„Das Themaist in der Politik angekommen“,sagtNeuberger.

Er spüreRückenwindaus dem Bundesverkehrsministerium.

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