Motocross Enduro Ausgabe 07/2019

mce71

„Betarocker statt Betablocker“

nen Weg zu antizipieren, um rechtzeitig entsprechende

„Killerauffahrten“ vermeiden zu

können. Denn bei allem Fahrspaß und allen Fähigkeiten,

die dieser kleinvolumige Viertakter

bietet, ist es wenig erfolgversprechend, (zu)

lange und (zu) steile Auffahrten in Angriff zu

nehmen. Hierfür bräuchte es schon einen größeren

Reitstall als die 15 Pferdchen unter dem

Benzintank …! Auf flüssig zu fahrenden Singletrails

ohne größere Höhenunterschiede fühlt

sich die RR 125 LC jedoch pudelwohl. Hier kann

man das gelungene Zusammenspiel aus (wenn

auch geringer) Durchzugskraft und agilem

Chassis voll ausnutzen, was unter den genannten

Voraussetzungen eine erstaunlich flüssige

und relaxte Fahrweise ermöglicht. Definitiv ein

Triebwerk, das besonders fein auf die Anforderungen

unseres Lieblingssports abgestimmt

wurde. Letzteres wird bestens durch ein Getriebe

unterstützt, dessen Abstufung hervorragend

mit der gegebenen Leistungsentfaltung

harmoniert, sich locker und präzise schalten

lässt und bei dem man auch stets auf Anhieb

den Leerlauf auffindet – keine Selbstverständlichkeit

bei so manchem Mitbewerber. Auch

die Kupplung erfordert nur geringe Betätigungskräfte,

dafür eine umso längere Eingewöhnungszeit,

denn sie greift erst sehr spät

gegen Ende des Hebelweges. Aber lasst uns

nicht vergessen, worum es hier letztendlich

geht … denn derart geringer Spritverbrauch

(der locker das Doppelte an Autonomie wie ’ne

große Geländesportenduro ermöglicht …!) in

Kombination mit dem ultra-leisen Endschalldämpfer

lässt einem ganz diskret und genussvoll

Stunde um Stunde draußen im Grünen verbringen.

Aber irgendwie will sich dann das

CBS-Bremssystem nicht so recht ins überzeugende

(Enduro)Bild einfügen. Zumindest ist

dies nicht der Fehler von Beta, sondern beruht

auf aktuellen EU-Bestimmungen. Um nämlich

das Euro-4-Label und damit eine Straßenzulassung

zu erhalten, benötigen Leichtkrafträder

der Führerscheinklasse A1 (also von 50 bis 125

ccm) nämlich entweder ein ABS-Bremssystem

(hier jedoch zu teuer in der Umsetzung) oder

das genannte CBS-Kombibremssystem. Letzteres

mag seine Meriten auf Asphalt und in den

Händen von Fahranfängern haben, aber wer

die typischen Enduro-Fahrtechniken wie beispielsweise

Brakeslide zum Wenden einsetzt

oder einzusetzen lernen will, für den hält dieses

CBS-Bremssystem so manch unangenehme

Überraschung parat. Wenn man bei der Einfahrt

in eine sehr enge Kehre zu fest auf das

Bremspedal tritt (dieses aktiviert zeitgleich die

Vorderradbremse …!), kann das Vorderrad urplötzlich

blockieren, was in einem sofortigen

Sturz resultiert. Und nein, das sind keine theoretischen

Schilderungen, sondern eigene

schmerzhafte Erfahrungen aus dem Testalltag.

Selbst jahrzehntelange Erfahrung im Dirtbiken

konnte uns nicht vor mindestens einem solchen

Sturz pro Testausritt bewahren … )-:

Fazit: Vorteil Enduro

Klar könnt ihr mit Betas kleinster 4-Takt-Enduro

täglich von A nach B und später wieder von

B nach A zurückfahren. Ihr könnt mit ihr stilvoll

vor der Schule aufkreuzen und am Nachmittag

nebst Freundin zum nächsten Baggersee aufbrechen.

Aber auch wenn die RR 125 LC unbestreitbare

Alltagsqualitäten aufweist, so fühlt

sie sich doch erst so richtig draußen in der

Pampa zuhause. Denn dort kann sie all ihre besonderen

Qualitäten anwenden und ausspielen,

generiert förmlich zum motorisierten Wanderstiefel

für jeden abenteuer- und unternehmungslustigen

Enduro-Einsteiger und beweist

somit ganz nebenbei, dass die Bezeichnung

Enduro vom Begriff Endurance (dt. Ausdauer)

abstammt. Kurzum, die kleine rote aus der Toskana

ist geradezu eine Enduro mit besonders

großem E …!

• Text u. Fotos: Alexander „Auf ’ner 125er fühl

ich mich gleich jünger“ Stephan

• Actionpilot: Sebastien „Ich bin zumindest

schon mal wirklich jünger als du“ Diss

MOTOCROSS ENDURO 21

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