Motocross Enduro Ausgabe 07/2019

mce71

Die ersten Sekunden eines Motocross-Grand-Prix

sind packend, spannend, nervenaufreibend, essenziell

und gefährlich. Die Explosion von hochdrehenden

Motoren und deren Lärm drückt eine

Reihe von zirka 300 Kilogramm schweren Motorrädern

zusammen, die sich, manchmal mit einem

Abstand von nur wenigen Zentimetern, in die erste

enge Kurve stürzen. Diese trennt dann die Mutigen

von den Schwätzern, die Glückspilze von

den Stürzenden und die Guten von den Verlierern.

Der laute Krach der Motorräder schwächt

schnell in ein leises Whoosh ab, wenn die Fahrer

vom Gas gehen, bevor sie am Kurvenende in einem

Crescendo des Motorendonners wieder voll

aufdrehen: Das Rennen beginnt.

Für die Fans, Kameras und Teams ist der Start einer

der aufregendsten Momente eines MXGP. Der

Fahrer mit der Poleposition von der Qualifikation

am Samstag darf sich als Erster einen Slot im Tor

mit dem Metallboden aussuchen. Der Startprozess

an sich sieht ziemlich einfach aus (den Gang

einlegen, die Start-Suspension einstellen, die

Launch Control betätigen und warten, bis das Metall

fällt), aber die Fahrer verbringen eine Menge

Zeit damit, diese Kunst bis zur Perfektion zu

üben. Der Aufbau vom Motorrad wird auch beeinflusst,

die Investition ist es wert. Auf einigen der

älteren und engeren FIM-World-Championship-

Strecken erfolgt das Kopf an Kopf der besten

Teams, Maschinen und Athleten durch die ersten

Meter nach dem Start, die man durch einen Holeshot

bekommt. Eine sehr wertvolle (und sicherere)

Technik.

Die meisten erfahrenen Pros der MXGP werden

das Gefühl kennen, einen Reifen mit Profil abzubekommen,

an einer Fußraste hängenzubleiben

oder wenn ein Teil der eigenen Anatomie von einem

Motorradteil geschluckt wird. Seit vielen

Jahren sind Rücken- und Brustprotektoren bei der

FIM obligatorisch im Grand Prix, um sich gegen

solche Kratzer und Verletzungen zu schützen.

Oder einfach gesagt: Der Start ist nicht der Zeitpunkt,

bei dem man in einen Rivalen fahren oder

sich verfangen möchte (auch wenn so etwas oft

passiert, glücklicherweise meistens ohne ernstere

Verletzungen). Beim MXGP starten die Fahrer

im Durchschnitt fast 60-mal in einer Saison, die

zwei Motos pro Grand Prix und die kürzeren Heat-

Sprints zur Qualifikation am Samstag mit eingerechnet.

Für einen tieferen Einblick in das Denken und die

Methoden dieser essenziellen Komponente des

Sports haben wir Monster Energy Yamahas Fahrer

Jeremy Seewer nach mehr Details gefragt …

Beim Streckengang starten die Rituale …

Beim MXGP, wo es auf präzises Timing ankommt

– auf die Minute oder sogar auf die Sekunde –

beginnt der Startprozess schon beim Ablaufen

der Strecke. Die gleichen Bewegungen und Rituale

fangen an, wenn man den ersten langsamen

Blick auf die Strecke wirft und sich anschaut, wie

es nach dem MX2-Rennen aussieht. Wenn man

vom Streckengang zurückkommt, gehen die

meisten Fahrer, mich inbegriffen, erstmal auf die

Toilette! Hinter dem Tor gibt es immer welche,

manchmal bildet sich sogar eine Schlange! Wenn

man wieder beim Motorrad ist, bleibt für gewöhnlich

nur noch eine Minute bis zum Start, also

tauscht man letzte Worte mit dem Mechaniker. Er

hat ein Headset und ist mit den Leuten vom Team

verbunden, die andere Blickwinkel auf die Strecke

haben, also ist das auch der Zeitpunkt für

schnelle, kurze Tipps. Man zieht die Brille auf,

richtet sie nochmal und startet dann die Maschine.

Man geht sicher, dass alles bereit ist und versucht,

seinen Kopf freizubekommen und die gesamte

Konzentration auf diesen Moment zu richten.

MOTOCROSS ENDURO 49

Weitere Magazine dieses Users
Ähnliche Magazine