Motocross Enduro Ausgabe 07/2019

mce71

Müller/Hofmeier kolumne

Foto: Steffen Mayer

Erster WM-Lauf – erste Qualifikation

Zunächst ging es für uns in die nächste DM-Runde nach Geisleden. Für eine

super Infrastruktur sorgte Markus Prokesch, der nicht nur 1. Vorstand

beim MSC Geisleden ist, sondern auch die komplette Seitenwagen-DM

bestreitet. Die Strecke war vom vielen Regen stark gezeichnet. Das freie

Training verlief zunächst problemlos, jedoch fuhr sich nur eine Spur heraus.

Im Zeittraining hängten wir uns hinter Martin Walter, um uns für eine

schnelle Runde ziehen zu lassen. Der rutschige Steilhang war für die

Linksgespanne jedoch schwierig zu fahren und so kam es, dass sich Martin

mit seinem österreichischen Beifahrer Johannes Vonbun am Ende des

Steilhangs überschlug. Nur knapp konnten wir den beiden ausweichen.

Johannes zog sich dabei eine Schulterverletzung zu und fällt leider bis auf

weiteres aus. Das Zeittraining wurde daraufhin abgebrochen und später

neu gestartet. Im ersten Rennlauf konnten wir nach dem Start ein gutes

Tempo fahren und uns auf Platz 7 einreihen. Zehn Minuten vor Rennende

brach uns dann plötzlich das Heck in einer Rechtskurve ungewöhnlich

stark aus. In den folgenden Kurven lief es nicht besser, sodass Heiko das

Gas rausnehmen musste. Er dachte, dass es vom Mouse kam, doch wie

sich herausstellte, versagte die Dämpfung im hinteren Stoßdämpfer. In

der Pause bauten wir einen gebrauchten Ersatzstoßdämpfer ein, den wir

bis dato jedoch nicht testen konnten. Im zweiten Lauf belegten wir dann

noch einen 9. Platz und somit im Tagesklassement Platz 9.

Mit dem Rennen in Geisleden war die englische Woche beendet und wir

konnten uns auf den ersten WM-Lauf in Kramolin konzentrieren. Bei den

angereisten 42 Teams trauten wir uns schon gar nicht, von einer Qualifikation

zu träumen. Für die Rennläufe am Sonntag qualifizieren sich lediglich

30 Teams plus zwei Reserveteams. Am Samstagmorgen belegten wir unter

Topbedingungen im Zeittraining Platz 19, womit eine Qualifikation unerreichbar

schien. Vor den Qualifikationsrennen setzte dann starker Regen

ein und flutete die Strecke im Handumdrehen. Im Qualirennen ging es

dann hart zur Sache. Einige Teams bekamen aufgrund der tiefen Wasserlöcher

Motorenprobleme und mussten das Rennen aufgeben. Wir kämpften

uns nach vorne bis auf die Qualifikationsplätze und konnten uns trotz

einem Zusammenstoß mit dem Team Kops/Lambrechts auf dem 12. Platz

durchs Ziel katapultieren. Wir konnten es gar nicht fassen. Erster WM Lauf

und die erste Qualifikation direkt geschafft ohne den Weg übers Last

Chance. Damit hatten wir schon mehr erreicht, als wir uns erhofft hatten.

Etwas ernüchternd war jedoch die Tatsache, dass ich beim Zusammenstoß

mit dem Team Kops/Lambrechts mein Knie und meinen Oberschenkel etwas

lädiert hatte. Zeitweilig waren die Schmerzen so stark, dass ich nicht

wusste, ob wir am Sonntag würden starten können. In den Qualirennen

geht es einfach etwas härter zur Sache als sonst. Besonders im Kampf um

Platz 12. Dem letzten Platz für eine Direktqualifikation und somit zu den

500,- Euro Qualigeld.

Nach der Nacht ging es dann aber einigermaßen, sodass wir an den Start

gehen konnten. Unser Ziel war es, zweimal sauber ins Ziel zu fahren. Beide

Male konnten wir das voll umsetzen und jeweils den 25. Platz einfahren.

Trotz leichter Blessuren konnten wir damit einen kleinen Traum verwirklichen:

Unsere erste WM-Teilnahme inklusive einer Direktqualifikation.

Am darauffolgenden Wochenende war kein Rennen geplant und wir konnten

die Zeit zur Regeneration nutzen.

Weiter ging es in Neiden beim MSC Pflückuff. Die Strecke war top präpariert

und machte uns wie letztes Jahr richtig Spaß. Im freien Training am

Morgen hatte ich keinen klaren Kopf und dazu leichte Bauchschmerzen,

die mir den ganzen Tag Probleme bereiten sollten. Im Zeittraining brauchten

wir etwas länger, um uns genügend Freiraum für eine schnelle Runde

zu suchen. Beim anschließenden Starttraining hatte Heiko wieder das Gefühl,

dass die Kupplung rutscht. Er wechselte vor dem Rennen noch eine

Stahlscheibe und die Kupplungsfedern. Damit war die Kupplung wieder

voll einsatzbereit und wir wurden beim Start zum ersten Lauf etwas vom

vielen Vortrieb überrascht. Wir konnten uns zügig an Joachim Reimann mit

seinem neuen Beifahrer Brian Anthony aus Australien hängen. Nach ein

paar Runden konnten wir die beiden passieren und schafften es sogar,

Martin Walter zu überholen, der mit Philipp Reimann einen Ersatz für Johannes

Vonbun finden konnte. Zwei Runden vor Schluss konnten wir dann

noch am Team Sieber/Klooz vorbeispringen und uns auf Platz 4 vorbeischieben.

Somit unser bestes Laufergebnis in der DM bis jetzt. Im zweiten

Lauf konnte Heiko einen genialen Start aus dem Gatter zaubern. Auf Platz

2 gingen wir durch die erste Kurve. Die Platzierung konnten wir auch die

ersten 15 Minuten behaupten, doch als wir vom Team Engelbrecht/Karnatz

überholt wurden, brach ich konditionell komplett ein. Ich musste Heiko

bitten, das Gas rauszunehmen. Bis dahin war Heiko einen super Speed gefahren

und hätte ihn bestimmt auch halten können. Vermutlich war es ein

Zusammenspiel aus meinen Magenproblemen, weshalb ich den ganzen

Tag fast nichts mehr gegessen hatte, und Konditionsproblemen, die mich

in die Knie zwangen. Wir waren beide enttäuscht, dass wir das Rennen nur

mit geringer Geschwindigkeit ins Ziel fahren konnten. Da nicht ganz so

viele Teams vor Ort waren, konnten wir dennoch einen 8. Platz holen und

somit Tagesrang 6 einfahren.

Mit gemischten Gefühlen traten wir dann den Heimweg an. Zum einen

konnten wir ein super Tempo fahren und zeigen, dass wir noch Potenzial

haben, zum anderen konnte ich das Tempo nicht bis zum Ende durchhalten.

Aktuell sind wir auf dem Weg zu unserem zweiten WM-Lauf nach Plomion

in Frankreich. Wir sind schon gespannt, was uns dort erwartet und hoffen

auf eine erneute Qualifikation auf der harten und schnellen Strecke. Das

nächste Ziel sind nun die ersten WM-Punkte ;-)

Sportliche Grüße

Heiko und Pirmin

MOTOCROSS ENDURO 69

Weitere Magazine dieses Users
Ähnliche Magazine