Berliner Kurier 08.06.2019

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Bild: Lagerbox

EINIGES

AUF

LAGER

In Zeiten knappen Wohnraums

und flexibler Lebensentwürfe

boomt der Selfstorage-Markt

Die Japanerin Marie Kondo sorgt

derzeit auch in Deutschland mit

ihrer TV-Sendung für Furore, bei

der sie Tipps und Tricks für das Ausmisten

des heimischen Kleiderschrankes gibt. Von

einem „Aufräumwahn“ sprechen manche

Kritiker bereits –dabei hat, wer in den eigenen

vier Wänden Platz schaffen möchte,

längst andere Möglichkeiten. „Selfstorage“

heißt der Gegenentwurf zum Aufräumhype

–und ist ebenfalls ein Trend. Die Vermietung

einfach zugänglicher und sicherer

Lagerräume sei „ein Boom-Markt, auch in

in Berlin“, sagt etwa Michael Galka von

der Lagerbox Holding GmbH. Das Unternehmen

hat gerade einen neuen Standort

in Spandau eröffnet –den dritten an der

Spree. Die bereits bestehenden Lagerräume

in Neukölln und Hohenschönhausen seien

zu 90 Prozent ausgelastet –Tendenz steigend.

Denn auch Gewerbetreibende entdecken

das Selfstorage zunehmend für sich.

In ganz Berlin freuen sich

Selfstorage-Anbieter über eine

hohe Auslastung.

Berliner Platzmangel. Dass sich derzeit aber

vor allem noch Privatnutzer für Selfstorage

in Berlin begeistern, hat viel mit den Besonderheiten

der Hauptstadt zu tun. „Der

Wohnraum ist knapp, also werden etwa

Dachböden ausgebaut und dienen nicht

mehr als Lagermöglichkeit. Auch die steigenden

Mieten führen dazu, dass sich ein

Lagerraum oftmals eher lohnt als eine größere

Wohnung“, sagt Catherine Adler von

der Pickens Selfstorage GmbH, die ebenfalls

drei Standorte in Berlin betreibt. Beim

Verband deutscher Selfstorage Unternehmen

e.V. sehe man Berlin sogar als Branchenhotspot,

berichtet der Vorstandsvorsitzende

Christian Lohmann. Neben dem knappen

Wohnraum würden in der multikulturellen

Millionenstadt zudem die „vier D‘s“ eine

Rolle spielen, die für die englischen Begriffe

Death (Tod), Divorce (Scheidung), Dislocation

(Ortswechsel) und Downsizing (Verkleinerung)

stehen. „Menschen, die sich aus

verschiedenen Lebenssituationen heraus verändern,

suchen nach Lösungen für Platzprobleme“,

so Lohmann. Und solche Lösungen

biete eben Selfstorage. Als „das Selbst-Einlagern

von Gegenständen in abgeschlossenen,

sicheren, sichtgeschützten und bequem zugänglichen

individuellen Mieteinheiten unterschiedlicher

Größe bei sehr flexiblen Mietzeiten“

definiert der Verband „Selfstorage“,

das sich so von Lagerhäusern unterscheidet,

in denen die Nutzflächen nur durch ein Absperrband

getrennt sind. Mittlerweile gibt es

eine eigene DIN-Norm (DIN EN 15696) für

die Selbsteinlagerung, die Premium-Anbieter

in der Branche auszeichnet.

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