Berliner Kurier 08.06.2019

BerlinerVerlagGmbH

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WieObjekte stehen die Möbel frei im Raum: Sie

gliedern und erzeugen eine warme Atmosphäre

Die Palisanderhölzer sind an den Eckender

Möbel gebogen, die dadurch anschmiegsam

werden wie ein vomWassergeschliffener Stein.

IM GESPRÄCH MIT

CARSTEN WIEWIORRA

Architektund ProfessorCarstenWiewiorrahat schon vorJahren seine Leidenschaft für die Innenarchitektur entdeckt.

Die Berliner Architektenkammer nahm seine „MeublesàlaMies“ in die aktuelle Jahresausstellung „DA!“auf.

Herr Wiewiorra, Sie sind von der Ausbildung her

klassischer Hochbau-Architekt. Beschäftigen

sich aber in Ihrem Berliner Büro auch intensiv

mit Innenarchitektur.Was reizt Sie daran?

Carsten Wiewiorra: Menschen erleben die

meiste Zeit Ihres Lebens ein Gebäude von

innen, nicht von außen, da die meisten sich

mehr als 16 Stunden am TaginInnenräumen

aufhalten. Im Hochbau geht es vor allem

um städtebaulichen Kontext, Fassade und

Hülle für Räume. Der Schwerpunkt der Innenarchitektur

liegt darauf, die Bedürfnisse

der Menschen zu erkennen und in eine Formensprache

zu bringen. Wichtig sind dabei

Materialität und Haptik sowie Farbe und

Licht. Für InnenarchitektInnen fängt die Inneraumgestaltung

da an, wo sie für Architekten

längst aufgehört hat.

Wassteckt hinter den „Meubles àlaMies“?

Der Kunde hat eine sehr sachlich-nüchternes

Penthouse-Maisonette erworben. Die Einrichtung

und Ausstatuung ist sehr modern

orientiert. Der Raum hat einen minimalistischen

Loftcharakter mit einer Weite, die

durch freistehende Möbel gegliedert werden

sollten. Die Möbel machen den Raum

für den Menschen fassbarer, sie gliedern ihn

ohne dass das Fließende verloren geht und

geben diesem eine warme Materialiät.

Bilder:Allardvon der Hoek

Die Möbel sind eine sehr individuelle Anfertigung.

Warum hat die Architektenkammer sie in

ihre Jahresausstellung aufgenommen?

Die Auswahl zeigt, dass Innenarchitektur als

wichtige Disziplin und Bestandteil von Architektur

stärker als vor Jahren wahrgenommen

wird. Das macht sich auch in der Branche

bemerkbar: Immer mehr Büros arbieten

mit Innenarchitekten zusammen oder eröffnen

eigene Innenarchitektur-Abteilungen.

Wie kamen Sie dazu, in der I

mmobilienbranche zu arbeiten?

Ich bin mit dem Handwerk aufgewachsen,

das hat auf mich abgefärbt. Schon immmer

wollte ich in die Gestaltung und Planung. Als

Kind habe ich meine ersten Grundrisse von

Phantasiegebäuden gezeichnet.

Wasschätzen Sie an Berlin?

In Metropolen wie Berlin gibt es wahnsinnig

große Nischen und daher auch sehr spezielle

Bauaufgaben. Leider wird bei den meisten

Planungen auf den „kleinsten gemeinsamen

Nenner“fokussiert. Dabei könnte man gerade

in Berlin sehr spezielle Wohnungskonzepte entwickeln,weilesauch

fürUngewöhnliches, das

sich jenseits des Standards befindet, sogar eine

grossen Markt gäbe. Dies erfordert aber auch

mehr Mut auf der Bauherrenseite.

Waswar die größte Veränderung in

Ihrer Branche in den letzten zehn Jahren?

Wir planen sehr viel schneller aber auch intensiver,

ummaximal gut in die Ausschreibungsphase

zu gehen. Das Planen ist vernetzter,

denn es sind mehr Fachplaner beteiligt

als früher. Insbesondere die Haustechnik ist

komplexer geworden und die Anforderungen

an Brandschutz und Energetisch optimiertes

Bauen sind immens.

Waswünschen Sie sich für Berlin?

Die Heterogenität, die soziale Mischung

macht Berlins Charme aus. Berlin sollte deshalb

auch im Kern eine bewohnbare Stadt mit

dort real existierenden Menschen bleiben.

Das Interview führte Ingrid Bäumer

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