Sprungbrett_Ausgabe 2019_01

blutsbruder2

Das Netzwerkmagazin des APOLLON Alumni Network e.V. Die aktuelle Auflage beschäftigt sich mit dem Thema "Buurtzorg" - ein niederländisches Pflegemodell und ob man so etwas auch in Deutschland implementieren kann. Wer Lust auf verschieden Sichtweisen dazu hat, ist in diesem Heft goldrichtig :-).

Lernen wir endlich von anderen?

Lernen wir endlich von anderen?

Alexandra Berendes

Der Pflegenotstand und die Unzufriedenheit eines ganzen Berufsstandes lassen sich nicht mehr wegdiskutieren. Ist

ein niederländisches Vorbild mit hoher Mitarbeiter- und Kundenzufriedenheit bei nachgewiesener Effizienz für den

deutschen Markt adaptierbar?

Auch in der Pflege gilt

der Grundsatz: ambulant

vor stationär. In Anbetracht

des Wunsches

der allermeisten Menschen,

auch als Pflegefall

in ihrem eigenen

Zuhause alt zu werden,

[1] durchaus sinnvoll.

Ein Blick auf die aktuellen

Verhältnisse

Unsere demografische

und auch die soziale

Entwicklung bedingen

allerdings, dass immer

mehr alte und potenziell

damit auch kränkere Menschen

alleine leben.

Gerade in städtischen Ballungsräumen

drohen genau diese Menschen

absurderweise zu vereinsamen: die

sozialen Gefüge sind hier weniger

existent, geschweige denn belastbar.

Der Mensch wird zum anonymen Wesen.

Der „Nachbar“ hat nicht denselben

Stellenwert wie noch in ländlich

geprägten Strukturen.

Reflex dieser Entwicklungen sind rasant

steigende Pflegebedarfe, vor

allem in der ambulanten Pflege.

Demgegenüber stehen bereits Mitte

2018 36.000 unbesetzte Stellen

in der Alten- und Krankenpflege, [2]

Tendenz steigend. Dabei hat sich in

der ambulanten Pflege die Anzahl

der Beschäftigten zwischen 2001 und

2017 mehr als verdoppelt. Allerdings

arbeiten gerade mal 28% der ambulant

tätigen Pflegenden in Vollzeit. [3]

Die Altenpflege verzeichnet zudem

im Vergleich der Gesundheitsberufe

Jeder dieser Pflegedienste

muss einen eigenen

Vertrag mit den

Pflegekassen abschließen,

um Leistungen

der ambulanten Pflege

abrechnen zu können.

Die Pflegekassen haben

sich zwar im Gegensatz

zu den gesetzlichen

Krankenkassen

zusammengeschlossen,

haben aber die Zuständigkeiten

– je nach

Bundesland variierend

Abbildung 1 aus: 6. Pflegebericht, S. 27.

– aufgeteilt: Für den

Vertrag mit den Pflegekassen

im Kreis Münster (Stadt) ist also

die meisten Arbeitsunfähigkeitstage.

[4] Auch steigen viele Pflegende aus eine andere Kasse zuständig als etwa

ihrem Beruf aus.

für einen Vertrag im Kreis Steinfurt.

Deutschlandweit agieren mehr als Die Abrechnung der Leistungen erfolgt

nach sog. Leistungskomple-

14.000 ambulante Pflegedienste, die

im Schnitt je 59 Pflegebedürftige betreuen,

allein in NRW sind 2.823 tätig Kleine Körperpflege etc. Hier muss

xen, wie etwa Hilfe beim Aufstehen,

mit einer durchschnittlich betreuten alles einzeln dokumentiert und vom

Anzahl von 64,5 Kunden. [5]

Leistungsempfänger gegengezeichnet

werden. Und natürlich muss für

Abbildung 2 aus: 6. Pflegebericht, S. 26.

4

Sprungbrett01/2019

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