Sprungbrett_Ausgabe 2019_01

blutsbruder2

Das Netzwerkmagazin des APOLLON Alumni Network e.V. Die aktuelle Auflage beschäftigt sich mit dem Thema "Buurtzorg" - ein niederländisches Pflegemodell und ob man so etwas auch in Deutschland implementieren kann. Wer Lust auf verschieden Sichtweisen dazu hat, ist in diesem Heft goldrichtig :-).

Lernen wir endlich von anderen?

jede diese Leistungen ein Zeitrahmen

eingehalten werden, damit die Pflege

rentabel bleibt.

Aber nicht alles an ambulanter Pflege

wird mit den Pflegekassen abgerechnet.

Ambulante Pflegeleistungen lassen

sich in zwei große Bereiche unterscheiden:

zum einen die Leistungen

nach SGB XI, dem Sozialgesetzbuch

zur Sozialen Pflegeversicherung. Der

Anspruch auf diese Leistungen begründet

sich in der Feststellung eines

Pflegegrades. Diese Leistungen werden

als Grundpflege bezeichnet und

umfassen Körperpflege, Ernährung,

Mobilität, Vorbeugung (Prophylaxen),

die Förderung von Eigenständigkeit

und Kommunikation. Ist der Pflegegrad

durch die Pflegekasse bewilligt

und hat der ambulante Pflegedienst

seinen Vertrag mit den Pflegekassen,

muss jetzt zusätzlich ein Vertrag mit

dem Pflegebedürftigen abgeschlossen

werden, ggf. auch ein zusätzlicher

Vertrag zur Privatliquidation sollten

die Leistungen den Rahmen der bewilligten

Pflege nach SGB XI überschreiten.

Zum anderen werden Leistungen

nach SGB V abgerufen, die also die

Abbildung 3: Leistungskomplexe und Punkte – Beispielbild aus: Übersicht über ambulante

Leistungskomplexe 2015, Anlage H zum sechsten Pflegebericht

gesetzliche Krankenkasse trägt. Diese

sog. Behandlungspflege beinhaltet

ausschließlich medizinische Leistungen,

die ein Arzt bzw. eine Ärztin

verordnet haben muss. Ausgeführt

werden dürfen diese nur durch examinierte

Pflegekräfte, die aber im

Gegensatz zur Betreuung im Rahmen

des SGB XI keinerlei Einfluss darauf haben,

was angemessen ist.

Die meisten ambulanten Pflegedienste

müssen daher mit zwei Abrechnungsstellen

und ggf. zusätzlich

den Pflegebedürftigen oder deren gesetzlichen

Vertretern kommunizieren.

Das Modell Buurtzorg

Im Zentrum der seit 2006 nach dem

Vorbild der community nurses arbeitenden

Buurtzorg-Teams stehen die

Bedürfnisse des Patienten.

Im Idealfall hat der Patient Kontakt zu

genau zwei zuständigen Pflegenden,

die um ihn herum ein Netzwerk aus

Familie, Quartiersangeboten, Ärzten

und Therapeuten aufbauen.

Die kleinen Teams mit maximal 12

Mitgliedern und einem klar begrenzten

örtlichen Zuständigkeitsbereich

organisieren sich komplett selbst, unterstützt

durch den Einsatz von IT und,

bei Bedarf, durch einen Coach. Pflegedienstleiter

sind in diesem Konzept

überflüssig. Der Einsatz wird stundenweise

vergütet.

Der Erfolg ist überwältigend. Inzwischen

hat die „Nachbarschaftshilfe“

über 900 Teams, die Effizienz konnte

nachgewiesen werden, Mitarbeitende

und Betreute zeigen hohe Zufriedenheitswerte.

[6] Inzwischen werden

40% der ambulanten Leistungen in

den Niederlanden nach diesem Modell

erbracht.

Auffällig ist, dass die Pflegekräfte eine

hoch eigenständige Verantwortung

für die Betreuten übernehmen. Auch

wenn sie nicht Gemeindeschwester,

VERAH oder case manager betitelt

werden, letztendlich sind die Pflegenden

hier genau die „Kümmerer“, nach

denen in vielen Diskussionen unter

immer anderen Namen und in unterschiedlichen

Positionen im Gesundheitswesen

verlangt wird. Und vielleicht

meint diese Position genau das,

was im Grunde jeder Pflegende nach

seiner ursprünglichen Vorstellung in

seinem Beruf leisten will.

Buurtzorg Deutschland

Natürlich ist das niederländische Modell

nicht 1 zu 1 auf unsere deutschen

Verhältnisse übertragbar.

Um ein besseres Bild von Buurtzorg

Deutschland über die im Netz zu

findenden Infos hinaus zu erhalten,

führte die Autorin ein Gespräch mit

dem Geschäftsführer, Herrn Technau.

Die wesentlichen Informationen sollen

hier zusammengefasst und teilweise

ergänzt wiedergegeben werden.

In NRW wagen Teams der Sander Pflege

und des Impulse Pflegedienstes

das Modell Buurtzorg.

Die ländlichen Projekte laufen seit

2017, seit Oktober 2018 hat auch ein

Team in Münster die Arbeit aufgenommen.

Insgesamt sind es 4 Projekte

im Großraum Münster bzw. in ganz

NRW. Problematisch ist die Vertragsgestaltung

für Modellprojekte in Bezug

auf die Pflegekassen-Beteiligung.

Eine Lösung scheint aber gefunden,

so dass vielleicht noch in diesem Jahr

weitere Teams in NRW entstehen können.

Zwischenzeitlich ist in Sachsen in

Leipzig ein 5. Team gestartet.

www.apollon-alumni.de 5

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