Sprungbrett_Ausgabe 2019_01

blutsbruder2

Das Netzwerkmagazin des APOLLON Alumni Network e.V. Die aktuelle Auflage beschäftigt sich mit dem Thema "Buurtzorg" - ein niederländisches Pflegemodell und ob man so etwas auch in Deutschland implementieren kann. Wer Lust auf verschieden Sichtweisen dazu hat, ist in diesem Heft goldrichtig :-).

Lernen wir endlich von anderen?

Betreuungszeiten durch Anleitungen

zum Selbstmanagement oder Drittmanagement

verkürzt werden. Hilfe

zur Selbständigkeit beinhaltet wegen

der mangelnden informellen Netzwerke

oft auch die Vermittlung in

Angebote von Stadtteilen oder Pflegeeinrichtungen.

Manche Patienten

haben Angst zu lernen, sich z.B. den

Blutdruck zu messen oder die Augentropfen

einzuträufeln, denn dann

kommt keiner mehr. Dazu muss die

soziale Integration gelingen, um die

Leistungen der Pflege zurückfahren zu

können, der Patient muss sich aufgehoben

fühlen. Der Einbezug existenter

Zentren der Quartiere für Betreuungsleistungen,

wie Gemeindezentren, ist

also erklärtes Ziel. Der Kontakt zum

Buurtzorg-Pflegedient bleibt zusätzlich

vorhanden, es werden turnusmäßige

Kontrollbesuche vereinbart. In

der herkömmlichen Pflege ist der Vertrag

an der Stelle, an der die Selbstversorgung

gelernt wurde, beendet, und

wenn nochmal ein Bedarf entsteht,

muss neu nach einem Pflegedienst

mit freiem Kontingent gesucht werden.

Ambulante Pflege ist gemeinhin eher

als Teilzeitjob ausgelegt und die Beschäftigten

sind Großteils Frauen. Oft

wird z.B. wegen der Familie in Teilzeit

zu arbeiten gewünscht. Die Mitarbeiter

der Buurtzorg-Teams sollen

idealerweise in Vollzeit arbeiten. Dabei

werden 60% der Arbeitszeit beim

Patienten geleistet, 22% wesentlich

am Schreibtisch, aber hierin sind auch

Zeiten für Wege und Netzwerkarbeit

subsummiert. Die übrigen 18% werden

für Abwesenheit gerechnet, wegen

Urlaub, Krankheit, Feiertag und

Fortbildung. [7]

Eventuell wird durch diese Vollzeitoption

der Job auch attraktiver für

Männer, in der klassischen Rolle als

Familienernährer. Zum Ist-Zustand der

Zusammensetzung der Teams gibt es

aber noch keine Erhebung.

Nach Einschätzung von Herrn Technau

ist Buurtzorg vielleicht nicht die

Lösung für den Pflegenotstand, aber

für viele ein Weg zurück in das System

Pflege, da der soziale Aspekt, den Pfleger

in ihrer Ausbildung berücksichtigen

gelernt haben, und der für viele

wichtig ist bei der Berufswahl, zurück

in den Fokus genommen wird, und

auch weil mehr eigene Organisation

und Entscheidung möglich ist.

Herzlichen Dank an den Geschäftsführer

von Buurtzorg Deutschland, Herrn

Johannes Technau, für das interessante

Gespräch!

Literaturverzeichnis:

[1] www.presseportal.de/pm/52278/3666109 (28.02.2019).

[2] www.zeit.de/wirtschaft/2018-04/pflege-kranke-altenheime-kliniken-notstand-bundesregierung (28.02.2019).

[3] https://www.destatis.de/DE/ZahlenFakten/GesellschaftStaat/Gesundheit/Pflege/Tabellen/PersonalPflegeeinrichtungen.

html;jsessionid=C5C4A607A2C5857992F8964D37EF94F7.InternetLive1 (28.02.2019).

[4] Kliner K, Rennert D, Richter M (Hrsg.) (2017). BKK Gesundheitsatlas 2017. MWV Medizinisch Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft, Berlin.

[5] Statistisches Bundesamt (Destatis) (2018). Pflegestatistik. Pflege im Rahmen der Pflegeversicherung Ländervergleich – Ambulante Pflegedienste.

[6] https://awblog.at/das-buurtzorg-modell/ (28.02.2019).

[7] CAREkonkret 32/2018.

[8] Scharfenberg E (2016). Was beschäftigt Pflegekräfte? Ausgewählte Ergebnisse der Umfrage von Elisabeth Scharfenberg, MdB, 2016.

Erhebungszeitraum: 05.04. bis 16.05.2016.

[9] Bundesministerium für Gesundheit (2016). Sechster Bericht der Bundesregierung über die Entwicklung der Pflegeversicherung und den Stand der

pflegerischen Versorgung in der Bundesrepublik Deutschland.

[10] Bundesministerium für Gesundheit (2016). Sechster Bericht der Bundesregierung über die Entwicklung der Pflegeversicherung und den Stand

der pflegerischen Versorgung in der Bundesrepublik Deutschland. Anlage H zum sechsten Pflegebericht. Übersicht über vereinbarte ambulante

Leistungskomplexe in den Ländern (Stand: 31.12.2015)

www.apollon-alumni.de 7

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