Berliner Zeitung 12.06.2019

BerlinerVerlagGmbH

Anja Reich über den Besuch der Berliner Rütli-Schule in Israel – Seite 3

Politik als

Fernsehserie

Hauptstadt

Seite 6

22°/31°

Vereinzelt Gewitter

Wetter Seite 2

WM: Gegen Spanien

ohne die Spielmacherin

Sport Seite 20

www.berliner-zeitung.de

Die Babyboomer nehmen

Abschied von der Macht

Leitartikel Seite 8

Mittwoch, 12. Juni 2019 Nr.133 HA -75. Jahrgang

Auswärts/D*: 1.70 €–Berlin/Brandenburg: 1.60 €

Nachtflug oder Nachtruhe:

Viel Lärm um Tegel

Berlin Seite 11

Aufruhr

in

Görliwood

VonChristian Seidl

Ostdeutsche

Kommunalpolitik

schafft es normalerweise nicht

nach Hollywood.Vermutlich hätte es

die Meldung, dass am 16. Juni in Görlitz

ein neues Stadtoberhaupt gewählt

wird, nicht einmal bis außerhalb

von Sachsen geschafft –wenn

nicht ein Novum drohte: der erste

AfD-Oberbürgermeister Deutschlands.

Sebastian Wippel, Kandidat

der Rechtspopulisten,

geht bei

der Stichwahl

am kommenden

Sonntag als Favoritins

Rennen.

„Geschockt“

von dieser Aussicht

startete der

Michael Simon de Filmproduzent

Normier, Michael Simon

Filmproduzent de Normier eine

spektakuläre Aktion:

Er trommelte mehr als 30 deutsche

und internationale Film- und

Kulturschaffende zusammen, die

sich nun in einem offenen Brief an

die Einwohner von Görlitz wenden:

„Gebt Euch nicht Hass und Feindseligkeit,

Zwietracht und Ausgrenzung

hin“, heißt es in dem am Montag veröffentlichten

Schreiben. Unterzeichner

wie der oscarprämierte Regisseur

Stephen Daldry, die Schauspieler

Daniel Brühl, TomWlaschiha und

Burghart Klaußner, aber auch die

Schriftsteller Bernhard Schlink und

Daniel Kehlmann bitten die Görlitzerdaher,„bitte

weise“ zu wählen.

„Ausgerechnet in Görlitz“ wäre

ein AfD-Bürgermeister ein „verheerendes

Signal“, sagt Normier, Co-

Produzent des in Görlitz gedrehten

Welterfolgs„DerVorleser“.Wegen ihrerAltstadtfassaden

ist die östlichste

Stadt Deutschlands regelmäßig Kulisse

großer Filmproduktionen: von

„Inglorious Basterds“ etwa oder„The

Grand Budapest Hotel“; auch Terrence

Malicks in Cannes ausgezeichnetes

Drama „A Hidden Life“ entstand

zu großen Teilen in „Görliwood“.

Normier sagt:„Wir alle lieben

diese Stadt.“ Aber Schauspieler und

Produzenten würden sich nicht mehr

wohlfühlen, wenn die AfD regieren

würde „und ein Klima von Ausgrenzung

und Ablehnung entstünde“.

Der 45-Jährige weiß, wovon er

spricht: Als kürzlich bekannt wurde,

dass Normier einen Beethoven-Film

plane und bei der Besetzung die auffallend

dunkle Haut des Komponisten

berücksichtigen wolle,schlug die

AfD in Beethovens Heimat Bonn

Alarm: Es müsse alles getan werden,

um diesen Film zu verhindern.

Film

Das Lächeln

der Madonna

Ein Gespräch mit der Musikerin

und Provokateurin über

ihr neues Album Seite 21

Der Countdown läuft

Berliner Mieterverein erwartet nach Haus &Grund-Initiative eine Wellevon Mieterhöhungen in der Stadt

VonJochen Knoblach

Für den Sozialwissenschaftler

Andrej Holm kommt der

Aufruf des Immobilienbesitzervereins

Haus &Grund an

seine Mitglieder zur eiligen Mieterhöhung

nicht überraschend. Es gehe

schließlich um eine Prinzipienfrage.

Darum, ob sich dieWohnungsversorgung

in dieser Stadt allein nach

Marktmechanismen richten soll oder

dafür eine öffentliche Verantwortung

wahrgenommen wird. „Klare Kante

gegen linke Politik in Berlin“, nennt

der Stadtsoziologe die Vermieter-Initiative.

Dabei solle niemandem etwas

genommen werden, so der Stadtsoziologe.

„Sie sollen nur nicht noch

mehr bekommen.“

AufderWebsite der Berliner Regionalvertretung

des deutschen Immobilienbesitzervereins

Haus &Grund

tickt seit dem Wochenende der

Countdown. Es werden die Tage,

Stunden, Minuten und Sekunden heruntergezählt.

„Die womöglich letzte

Chance,die Miete zu erhöhen, endet

am 17. Juni“, steht darüber. Esist die

besondereArt,mit der der hauptstädtische

Vereinsableger auf das Eckpunktepapier

zum angekündigten

„Mietendeckel“ reagiert. Am 18. Juni

will der Senat darüber entscheiden

und möglicherweise einen Gesetzentwurf

verabschieden, nach dem

die Mieten in Berlin fünf Jahre lang

nicht erhöht werden dürfen.

Für Wohnungssenatorin Katrin

Lompscher ist der Aufruf ein„verheerendes

Signal“. „Wer Mieterhöhungen

gezielt einsetzt, um die Politik auf

Kosten vonMieterinnen und Mietern

unter Druck zu setzen, entlarvt sich

selbst“, so die Linken-Politikerin.

Beim Berliner Landesverband von

Haus & Grund in der Potsdamer

Straße wird die Initiative zur eiligen

Mieterhöhung indes verteidigt. „Das

ist keine Empfehlung, sondern eine

Aufforderung“, stellt Landesverbandschef

Carsten Brückner klar.Die

Mieterhöhungen seien nötig, um

Wohnungen weiterhin bewirtschaften

zu können. Laut Brückner befindet

sich derzeit etwa ein Drittel der

insgesamt 1,4 Millionen privat vermieteten

Wohnungen in Berlin im

Besitz von Haus & Boden-Mitgliedern.

Wie diese auf die Aufforderung

reagieren, war am Dienstag noch un-

„Essoll niemandem etwas genommen werden.

Sie sollen nur nicht noch mehr bekommen.“

Andrej Holm, Sozialwissenschaftler an der Humboldt-Universität und

früherer Staatssekretär in der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Wohnen

klar. „Es hat sich keiner beschwert“,

sagt der Fachanwalt für Miet- und

Wohnungseigentumsrecht, der die

geforderte Mieterhöhung als letzte

Chance betrachtet: „Ich gehe davon

aus,dass der Mietdeckel nicht nur für

fünf Jahregedacht ist.“

Derweil scheint man imübergeordneten

Zentralverband etwas erstaunt,

ob des Tons seines Berliner

Landesvorsitzenden. „Momentan

gibt es in Berlin nicht mehr als ein

Eckpunktepapier zum Mietendeckel.

Wir glauben nicht, dass es Frau

Lompscher gelingen wird, daraus einen

verfassungskonformen Gesetzentwurf

zu entwickeln. Und eswird

erst recht keinen bundesweiten Mietendeckel

geben. Daher haben wir

keinen Grund, Empfehlungen an unsere

Mitglieder auszusprechen“, so

Vereinspräsident KaiWarnecke. Auch

der Bundesverband Freier Immobilien,

der in Berlin etwa 290 000 Wohnungen

verwaltet, will hier keinen

vergleichbaren Aufruf starten.

Muss man auch nicht mehr.Beim

Berliner Mieterverein sind die Folgen

jedenfalls schon jetzt klar:„Wir erwarteninden

nächsten Tageneine Welle

von Mieterhöhungen“, sagt Vereinsgeschäftsführer

Reiner Wild und rät,

diese „nicht kampflos“ hinzunehmen,

sondernprüfen zu lassen. Wird

eine Mieterhöhung bis zum 18. Juni

zugestellt, hat der Mieter bis Ende August

Zeit für einenWiderspruch.

Stadtsoziologe Holm betrachtet

die Mieteinnahmen für die Vermieter

ohnehin als auskömmlich. Undwenn

nicht, dann werde esimMietendeckel

Ausnahmen geben. Zehn Jahre

sei es mit den Mieten in dieser Stadt

nur aufwärts gegangen, sagt Holm.

„Damussnun auch malgut sein.“

IMAGO IMAGES

Pollesch wird

Intendant der

Volksbühne

Lederer verkündet

Personalentscheidung

VonUlrich Seidler

Der Dramatiker und Regisseur

René Pollesch soll Intendant der

Volksbühne werden, berichtete der

RBB. Die Personalie soll an diesem

Mittwoch von Kultursenator Klaus

Lederer (Linke) bekanntgegeben werden,

bis dahin will die Kulturverwaltung

den Namen nicht offiziell bestätigen.

Die Nachricht kommt allerdings

erwartet,

das Gerücht gibt

es seitWochen.

Pollesch arbeitete

lange als

Spielstättenleiter

DPA

René Pollesch

und Hausregisseur

an der

Volksbühne und

wurde zum dritten

Fixpunkt des

von Frank Castorf

und Bert Neumann geleiteten

Hauses.NachdemTodvon Neumann

und der Abberufung von Castorf

hatte Pollesch eine Zusammenarbeit

mit dem Castorf-Nachfolger Chris

Dercon und später auch eine Übernahme

der Intendanz abgelehnt. Inzwischen

ist Dercon zurückgetreten.

Der Geschäftsführende Direktor

Klaus Dörr führtdas Haus bis 2021.

Pollesch hat in den 80er-Jahren an

der Gießener Universität den neuen

Studiengang Angewandte Theaterwissenschaften

absolviert. Nach einemguten

KarrierestartamFrankfurter

TATmusste ersich als Drehbuchcoach

durchschlagen. Der künstlerische

Durchbruch kam, als er 2001

den Prater der Volksbühne übernehmen

konnte und für ein neues,junges

Publikum erschloss. Pollesch hat

Freunde und Bewunderer auf allen

Seiten der im Volksbühnenstreit aufgerissenen

Gräben.

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2* Berliner Zeitung · N ummer 133 · M ittwoch, 12. Juni 2019

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Tagesthema

CDU

Annegret Kramp-Karrenbauer trat an, die

Christdemokraten zu neuem Erfolg zu

führen. Nun beginnt ihr Stern zu sinken.

Die (AK)K-Frage

VonDaniela Vates

Annegret Kramp-Karrenbauer,noch Vorsitzende der CDU.

GETTY IMAGES EUROPA

BIOGRAFIE

Geboren: am 9. August 1962 in Völklingen(Saarland),

aufgewachsen mit fünf

GeschwisterninPüttlingen

CDU-Mitglied: seit 1981

Studium: Jura und Politik in Trier und

Saarbrücken 1982 bis 1990

CDU Saar: 1991 bis 1998 Grundsatzreferentin,

damals unter dem Vorsitz von

Bundesumweltminister Klaus Töpfer

Bundestag: vonMärz 1998 bis zur Wahl

im Oktober Nachrückerin für Töpfer

Landtag: ab 1999 verschiedeneTätigkeiten,

unter anderem als persönliche Referentin

vomdamaligen Fraktionschef Peter

Müller

Innenministerin: ab 2000 im Saarland –

als erste Frau in diesem Amt in Deutschland,

später folgen weitere Ministerämter

im Saarland: Bildung/Familie/Kultur,

später Arbeit, dann Justiz, schließlich

Wissenschaft/Forschung,darunter ab

2009 in einer Jamaika-Koalition unter

Ministerpräsident Peter Müller

CDU-Präsidium: seit 2010

Ministerpräsidentin des Saarlands:

2011 bis 2018, ab 2011 auch CDU-Chefin

CDU-Generalsekretärin: Am 29. Februar

2018 wird sie mit 98 Prozent gewählt.

CDU-Chefin: Am 7. Dezember 2018 setzt

sie sich mit 51 Prozent in einer Stichwahl

gegenFriedrich Merz durch.

Katholisch: Mitglied im Zentralkomitee

Deutscher Katholiken

Verheiratet: mit einem Bergbau-Ingenieur,drei

erwachsene Kinder

Nach einer Klausur des

CDU-Vorstands, in dem

über das schlechte Europawahlergebnis

geredet

wird und über die KommunikationsundThemenprobleme

der Partei, tritt

Annegret Kramp-Karrenbauer vordie

Kameras und sagt, sie habe deutlich

gemacht, dass sie Dinge ändern

werde, dass der Kurs klarer werden

müsse. „Die Führungsgremien sind

bereit, das mitzugehen –und zwar gemeinsam

mit mir“ fügt sie hinzu. Ihre

Stimme bleibt flach dabei.

Gemeinsam mit mir? Eigentlich

ist das eine Selbstverständlichkeit:

Kramp-Karrenbauer ist schließlich

Parteivorsitzende. Wenn die Selbstverständlichkeit

ausgesprochen

werden muss, zeigt das: Es gibt ein

Problem. DieChefin hat eine Bewährungsfrist

bekommen.

Sie hat dabei auch ein bisschen

Glück. Eine andere Parteivorsitzende

ist gerade zurückgetreten, Andrea

Nahles von der SPD. Die Koalition

steht in Frage und die SPD führt

vor, dass ein Rücktritt nicht gerade

Klarheit bringt. DieTurbulenzen lassen

die Union zusammenrücken.

In den Tagen darauf wirdFriedrich

Merz die große Koalition in Frage stellen:

Diewerde nicht über den nächsten

Jahreswechsel hinaus halten.

NRW-Ministerpräsident Armin Laschet

wird in einem Interview der

Frage ausweichen, ob er CDU-Kanzlerkandidat

werden wolle. Unions-

Fraktionschef Ralph Brinkhaus wird

sich festlegen, Kramp-Karrenbauer

werde„unserenächste Kanzlerkandidatin

sein“. Die Werteunion, eine

lautstarke rechtskonservative Splittergruppe

der Partei, die schon den

Parteivorsitz lieber in Händen von

Merz gesehen hätte, fordert eine Urwahl

des Kanzlerkandidaten.

Die K-Frage der CDU, die Kanzlerkandidatenfrage,

ist also wieder

da. Als Parteichefin gilt Kramp-Karrenbauer

als natürliche Anwärterin.

Unbestritten wie in ihren ersten Monaten

im Amt ist sie nicht mehr.

„Sie muss aufpassen“, sagt ein

Vorstandsmitglied. „Kann sie die Partei

und den Staat führen? Da muss sie

anders performen“, sagt ein anderer.

„Es geht nicht mehr um die Frage,

wann Kramp-Karrenbauer mit Angela

Merkel den Posten tauscht, sondernobsie

es kann.“ Ausder K-Frage

ist eine AKK-Frage geworden.

Man kann das bemerkenswert

finden –schließlich ist Kramp-Karrenbauer

ja vor einem Jahr noch bejubelt

worden in der CDU, als sie ihr

Amt als saarländische Ministerpräsidentin

aufgab, umCDU-Generalsekretärin

zu werden. In ihrer Antrittsrede

rief sie: „Ich kann, ich will und

ich werde“, und beschwor das

Mannschaftsspiel. Ein halbes Jahr

später zogsich Merkel als Parteichefin

zurück. Nach der Bundestagswahl

war die Union auch bei der

Hessenwahl abgesackt. Kramp-Karrenbauer

übernahm eine Partei im

Abwärtstrend. Sie verkündete, die

CDU müsse sich eher an den 40 als

an 30 Prozent orientieren. Bei der

Europawahl sackte die CDU ab von

30 auf 22,6 Prozent. In den Umfragen

haben die Grünen gerade die Union

überrundet und Grünen-Parteichef

Robert Habeck liegt in der Frage

nach dem nächsten Kanzler vor

Kramp-Karrenbauer.

Offen ist, ob die CDU-Chefin die

Kraft und die Zeit haben wird für einen

Umschwung. Oder ob sie den

Trend womöglich sogar beschleunigt

hat.

Das Ganze hängt auch mit diesem

Internet zusammen. Neue Themen

kommen dadurch nach oben,

die Debatten entwickeln eine turbulente

Schnelligkeit und eine gnadenlose

Heftigkeit.

Entwicklungen wie diese passen

nicht recht zu den etwas trägeren

Kommunikationsstrukturen der Parteizentrale.

Und sie passen nicht zu

Kramp-Karrenbauers Strategie,eszumindest

in der Union allen recht zu

machen. Denn damit sind Kompromisse

und Abwarten verbunden.

Auch deswegen ging die Reaktion

der CDU-Zentrale schief, als der You-

Tuber Rezo per Video mit der Klimapolitik

der CDU abrechnete,und dies

millionenfach geklickt wurde. Schon

zuvor hatte dieWucht des Protests gegen

die von der EU-geplanten Uploadfilter

die CDU unerwartet erwischt.

Umfragewerte der CDU/CSU in der Amtszeit von AKK als CDU-Chefin

30% 31% 29% 29%

30%

28% 29% 29% 29% 29% 28% 25%

6.12. 13.12. 10.1. 24.1. 14.2. 21.2. 14.3. 21.3. 4.4. 17.4. 2.5. 6.6.

2018

2019

BLZ/GALANTY; QUELLE: INFRATEST

Die „Fridays-for-Future“-Demonstrationen

wiederum setzten den Klimaschutz

auf die Agenda. Die CDU-

Chefin hingegen verschob die Positionierung

auf die Zeit nach der Europawahl

und wand sich im Versuch,

das Wort CO 2 -Steuer zu vermeiden.

Schließlich war der Wirtschaftsflügel

dagegen, die wahlkämpfenden ostdeutschen

Verbände warnten, es

gebe wichtigereThemen.

Stattdessen hat sich Kramp-Karrenbauer

mit der CSU versöhnt. Sie

versuchte, das konservative Lager

einzufangen, indem sie die Flüchtlingspolitik

zum Thema machte und

sich für die Option der Grenzschließungen

aussprach. Einen verunglückten

Karnevalswitz überToiletten

für Intersexuelle verteidigte sie alsTeil

einer schützenswerten Karnevalskultur.Sie

positionierte die Partei alsVerteidiger

von Silvesterfeuerwerk,

Fleischessen und Autofahren.

Im Saarland haben solche Signale

vor zwei Jahren gewirkt – Kramp-

Karrenbauer gewann die Landtagswahl.

Nach der Europawahl merkte

sie erschrocken an, die CDU sei als

nach rechts gerückt wahrgenommen

worden.

Beim Klimaschutz habe die CDU

das Problem, „dass wir konkrete Antworten

nicht liefernkönnen, weil wir

in den letzten Jahren nicht mit Intensität

daran gearbeitet haben“, sagt

Kramp-Karrenbauer. Friedrich Merz

formulierte es kurz darauf prägnanter:

Die CDU müsse sich „fragen,

warum wir nach 14 Jahren Klimakanzlerin

unsere Klimaziele verfehlen.“

Merz ist einer, der profitieren

könnte, wenn Kramp-Karrenbauer

schwach bleibt. Er positioniert sich

nicht gegen sie.Aber er zeigt Präsenz.

Und dann ist da noch Armin Laschet.

In der CDU wird registriert,

dass er sich in der CO 2 -Frage gegen

die Parteichefin positioniert hat,

dass er auf die Meinungsfreiheit hingewiesen

hat, nachdem die Parteichefin

Regeln für Meinungsmache

im Internet anregte. Dass er sagt:

„Diese Frage steht zur Zeit nicht an“,

wenn er nach einer eigenen Kanzlerkandidatur

gefragt wird.

Einer versucht, sich aus den Debatten

möglichst herauszuhalten:

Jens Spahn, der als erstes aus dem

Rennen um den CDU-Vorsitz ausgeschieden

ist. Er hat sich in sein Gesundheitsministerium

zurückgezogen

und wartet ab. ImZweifel ist er

konservativ wie Merz und internetaffiner

als alle drei anderen zusammen.

Der Andenpakt in der CDU, dem

viele Merz-Unterstützer angehören,

versuche seit Jahren „erfolglos, die

Weltherrschaft an sich zu reißen“, hat

Kramp-Karrenbauer bei der Karnevalsveranstaltung

gesagt, vonder der

Toilettenspruch berühmt geworden

ist. Es sei nur so, dass diese Männer

„jedes Mal aneiner Frau scheitern“.

Es spricht einiges dafür, dass sie das

nicht unbedingt alsWitz gemeint hat.

ZITIERT

„Wenn wir

diese Definition

öffnen in eine auf

Dauer angelegte

Verantwortungspartnerschaft

zweier

erwachsener

Menschen, sind andere

Forderungen nicht

auszuschließen: etwa

eine Heirat unter

engen

Verwandten oder von

mehr als zwei

Menschen.

Wollen wir das

wirklich?

Am 3. Juni 2015 in der Saarbrücker Zeitung

über die Ehe

„Und die Frage stellt

sich schon mit Blick auf

das Thema Meinungsmache,

was sind

eigentlich Regeln aus

dem analogen Bereich

und welche Regeln

gelten eigentlich für den

digitalen Bereich,

ja oder nein.“

Am 27. Mai 2019 über das Wahl-Video von

Rezo und 70 anderen YouTubern

BERLIN UND BRANDENBURG WETTERLAGE REISEWETTER

Heute gehen vereinzelt heftige Schauer oder Gewitter nieder. Sonst

herrscht zeitweise Sonnenschein. Dabei werden 29 bis 33 Grad gemessen,

und der Wind weht schwach bis mäßig aus südlichen Richtungen. In

der Nacht strahlen von einem teils wolkigen, zeitweise aber auch nahezu

wolkenlosen Himmel oft die Sterne. Die Wertesinken auf 17 bis 12Grad.

Biowetter: Witterungsbedingt gibt

es oft Kopfweh, Schwindelgefühle

und Migräne. Diese Beschwerden

stehen mit einem niedrigen Blutdruck

und Kreislaufproblemen in Zu-

16°/29°

Wittenberge

sammenhang.

Pollenflug: Derzeit fliegen Pollen

von Roggen, Linden, Sauerampfer,

Spitzwegerich und Gräsern mäßig

bis stark, Brennnesselpollen mäßig

durch die Luft.

Gefühlte Temperatur: maximal 32Grad.

Wind: schwach aus Süd.

Min./Max.

des 24h-Tages

Brandenburg BERLIN

19°/30° 22°/31°

Luckenwalde

19°/30°

Cottbus

19°/32°

Donnerstag

Freitag

Sonnabend

wolkig sonnig wolkig

17°/26° 17°/32° 22°/33°

Prenzlau

20°/32°

Frankfurt

(Oder)

22°/33°

Weiterhin dominiert Höhenkaltluft über dem westlichen Europa. Tief Klaus lenkt

kühlere Luft bis ins westliche Mitteleuropa. Im Übergangsbereich zu heißer Luft

nordöstlich der Elbe und über Osteuropa bilden sich teils kräftige Schauer und

Gewitter. Örtlich besteht Unwettergefahr. Schwülheiß ist es auch über Italien

und den Ostalpen.

Sylt

13°/23°

Hannover

14°/22°

Köln

15°/21°

Saarbrücken

11°/19°

Konstanz

14°/22°

Hamburg

15°/25°

Erfurt

16°/23°

Frankfurt/Main

15°/22°

Stuttgart

12°/21°

Rügen

19°/30°

Rostock

18°/29°

Magdeburg

18°/24°

Nürnberg

15°/18°

München

13°/22°

Dresden

20°/30°

Deutschland: Heute zeigt sich ab

und zudie Sonne. Gewittrige

Schauer gibt es jedoch auch, und die

Temperaturen klettern am Tage auf

18 bis 33Grad. Nachts gehen die

Wertedann auf 17 bis 10 Grad zurück.

Der Wind weht regional mit

starken bis stürmischen Böen aus

südlichen Richtungen. Morgen gibt

es zeitweise Sonnenschein, ab und

zu aber auch Wolken, und es werden

Höchstwertevon 22 bis 27 Grad erreicht.

Der Wind weht schwach aus

Süd.

Meerestemperaturen:

Ostsee: 15°-18°

Nordsee: 14°-16°

Mittelmeer: 19°-29°

Ost-Atlantik: 12°-17°

Mondphasen: 17.06. 25.06. 02.07. 09.07.

Sonnenaufgang: 04:43 Uhr Sonnenuntergang: 21:29 Uhr Mondaufgang: 15:31 Uhr Monduntergang: 02:41 Uhr

Lissabon

25°

Las Palmas

23°

Madrid

26°

Reykjavik

17°

Dublin

13°

London

18°

Paris

19°

Bordeaux

17°

Palma

25°

Algier

28°

Nizza

25°

Trondheim

21°

Oslo

12°

Stockholm

18°

Kopenhagen

21°

Berlin

31°

Mailand

29°

Tunis

29°

Rom

30°

Warschau

31°

Wien

32° Budapest

32°

Palermo

35°

Kiruna

14°

Oulu

14°

Dubrovnik

28°

Athen

33°

St. Petersburg

17°

Wilna

32°

Kiew

31°

Odessa

32°

Varna

30°

Istanbul

29°

Iraklio

26°

Archangelsk


Moskau

28°

Ankara

25°

Antalya

28°

Acapulco 34° heiter

Bali 34° wolkig

Bangkok 33° wolkig

Barbados 29° heiter

Buenos Aires 21° bewölkt

Casablanca 24° heiter

Chicago 20° Schauer

Dakar 28° wolkig

Dubai 44° sonnig

Hongkong 33° Gewitter

Jerusalem 31° sonnig

Johannesburg 19° sonnig

Kairo 34° sonnig

Kapstadt 15° Regen

Los Angeles 28° sonnig

Manila 35° wolkig

Miami 34° heiter

Nairobi 25° wolkig

Neu Delhi 43° wolkig

New York 24° wolkig

Peking 33° wolkig

Perth 16° Regen

Phuket 34° wolkig

Rio de Janeiro 31° sonnig

San Francisco 26° heiter

Santo Domingo 32° wolkig

Seychellen 28° Gewitter

Singapur 34° wolkig

Sydney 24° wolkig

Tokio 27° wolkig

Toronto 24° heiter


Berliner Zeitung · N ummer 133 · M ittwoch, 12. Juni 2019 3 *

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Seite 3

Heba bekam ihr Visum erst, als sie

schon nicht mehr damit rechnete.

Es war Sonntagabend,

noch 12 Stunden bis zum Abflug.

IhrLehrer suchte bereits nach neuen Flügen

für die 17-Jährige aus Syrien. Aber dann, um

20 Uhr, kam der ersehnte Anruf von der israelischen

Botschaft: DasVisumsei fertig.

Narges, 18, aus Afghanistan, musste bei

der Einreise drei Stunden am TelAviver Flughafen

warten. Als der Grenzbeamte das Iran-

Visum in ihrem Reisepass sah, schickte er sie

zur Befragung in einen Sonderraum. IhrLehrerhatte

sie vorbereitet, ihr erklärt, warum es

diese Kontrollen in Israel gibt. Aber in diesem

Moment half das nicht viel. „Ich hatte solche

Angst“, sagt sie.

Dann war da noch die Sache mit dem

Gastgeschenk. Jeweils zwei Schüler sollten

einem Gesprächspartner in Israel ein Mitbringsel

aus Berlin kaufen. Ein Junge aber

weigerte sich. Israel war für ihn der Feind,

der seine Großeltern aus Palästina vertrieben

hat, und Feinden macht man keine Geschenke.

Der Lehrer erklärte dem Jungen,

was Gastfreundschaft ist und dass in Israel

Menschen leben, die selbst vertrieben wurden.

Kurz vor dem Abflug kaufte er doch

noch ein Gastgeschenk: eine Schneekugel

mit Berlin-Motiven.

Man könnte noch mehr solcher Geschichten

erzählen über die vielen Unwägbarkeiten

dieser unglaublichen Reise: 15

Schüler der Neuköllner Rütli-Schule fahren

nach Israel. Alle kommen aus Flüchtlingsoder

Einwandererfamilien. Alle sprechen zu

Hause eine andere Sprache, und was dort

über Israel erzählt wird, ist nicht immer das

Beste. Mehmet Can, Lehrer für Geschichte

und Politik, formuliert esso: „Palästina und

der Nahostkonflikt spielen in vielen Familien

eine große Rolle. Die Großeltern kommen

vondort, sie haben dortVerwandte,bezeichnen

sich als Palästinenser und Jerusalem als

ihreHauptstadt.“

Gemeinsamkeit beim Musikgeschmack

An einem heißen Junitag steht Can genau

dort, in der Heiligen Stadt Jerusalem. Es ist

der siebte Tagder Reise,fast schon das Ende,

morgen geht es zurück nach Berlin. Erst jetzt

ist der Lehrer zu einem Treffen bereit. „Wir

wollten die Öffentlichkeit eigentlich ganz

raushalten“, sagt er, „um die Schüler zu

schützen, sie sollen für sich alleine herausfinden,

was dieses Land, diese Stadt für sie

bedeutet.“ Er hat gefragt, wer bereit sei, von

den Israel-Erfahrungen einer Zeitung zu berichten.

Der einzige palästinensische Junge,

der zugesagt hatte,sagte wieder ab,seine Elternwaren

dagegen, und nun sitzen Heba Jakish

und Narges Tavakkoli, Flüchtlingsmädchen

aus Syrien und Afghanistan, alleine in

einem Café zum Interview. Hebas’ Mutter

war einverstanden. Narges ist 18 und kann

selbst entscheiden, mit wemsie spricht.

Heba sagt, sie habe es zum Anfang gar

nicht glauben können: eine Schulreise nach

Israel! Ihre Mutter dachte, sie habe sich vielleicht

verhört, oder es gebe in Brandenburg

Orte, die Bethlehem und Jerusalem heißen.

Narges sagt, sie sei vorFreude in die Luft gesprungen.

Wie inder Schule sitzen sie am

Cafétisch, stille, freundliche Mädchen, denen

man nicht anmerkt, was sie schon erlebt

haben. Heba ist mit 14 aus Syrien nach Berlin

geflohen. Narges hat erst drei Jahre inNorwegen

gelebt und sollte zurück nach Afghanistan

abgeschoben werden, bevor sie nach

Deutschland kam. Sielebt in einem Heim in

Marzahn, bis zu ihrer Neuköllner Schule

braucht sie anderthalb Stunden. Beide sprechen

fast akzentfrei Deutsch.

Als sie vorein paar Tagen mit ein paar Mitschülern

auf den Tempelberg wollten, erzählt

Heba, konnte der israelische Soldat, der

den Eingang für Muslime kontrollierte, gar

nicht glauben, dass sie aus Deutschland

kommen. Bei der Kontrolle der Waqf-Behörde,die

den Tempelbergverwaltet, sollten

sie ihrePässe zeigen und Arabisch sprechen.

Mehmet Can, der Lehrer, spricht kein Arabisch

und sieht auch nicht besonders religiös

aus in seinen kurzen Hosen und der großen

schwarzgerahmten Brille. Aber die Schüler

redeten so überzeugendauf den Wachmann

ein, dass das nicht weiter auffiel. Der Lehrer

durfte mit.

Hinterher waren sie stolz, wie sie das geschafft

hatten. Zu HauseinBerlin werden ihr

Glaube und ihreMuttersprache oft als Makel

angesehen, hier war es plötzlich vonNutzen.

Jedes arabische Straßenschild können sie lesen,

sich in Jerusalem und Bethlehem mit

Leuten auf der Straße unterhalten und für

ihre Lehrer Gespräche übersetzen. Juliana

Kohl, Musiklehrerin, hat ihre Schüler selten

so erlebt, sagt sie,sooffen, so selbstbewusst.

Vielleicht ist das ja eine der wichtigsten Erfahrungen

für die Jugendlichen überhaupt:

zu begreifen, wer sie sind, wo ihre Familien

herkommen. Wenn man seine eigene Lebensgeschichte

kennt, ist es leichter,die von

anderen zu verstehen.

„Denn diese

Gelegenheit ist

eine große“

Die Berliner Schülerinen Narges Tavakkoli (links), die in Afghanistan zur Welt kam, und Heba Jakish, die aus Syrien stammt.

Fünfzehn Schüler der Neuköllner Rütli-Schule fliegen für acht Tage nach

Israel. Alle kommen aus Flüchtlings- und Einwandererfamilien, genau

wie ihr Lehrer.Bericht einerunglaublichen Reise

Heba sagt, vieles hier erinnere sie an ihre

Heimatstadt Damaskus: die Häuser, das

Wetter, die Zitronen- und Orangenbäume.

Narges schwärmt von der „Ruhe auf dem

Tempelberg“ und dem Toten Meer,„wie man

darauf schweben kann“. Am besten hat es

den Mädchen in der TelAviver Schule gefallen,

dabei hatten sie davor am meisten

Angst. Eine direkte Begegnung mit gleichaltrigen

Juden. „Wir dachten, sie hassen uns,

weil wir Muslimesind“,sagt Nargen.

Die Deutschen hatten einen arabischen

Tanz vorbereitet, die Israelis Spiele: Werhat

welche Augenfarbe? Werhörtwelche Musik?

Wer hat wie viele Geschwister? Es ging

darum, Gemeinsamkeiten zu finden, und

alle waren überrascht, wie viele es gibt. „Die

Israelis haben gesagt, sie hassen Menschen

nicht wegen ihrer Herkunft“, sagt Nargen.

„Meine Schüler haben festgestellt, dass sie

auf die gleiche schlechte Musik stehen wie

die anderen“, sagt Mehmet Canund lacht. Er

VonAnja Reich, Jerusalem

ist stolz auf seine Schüler,erweiß selbst, wie

schwer es ist, Einstellungen zu verändern.

Mehmet Can, 38, kommt aus einer türkischen

Familie und ist im Ruhrgebiet aufgewachsen.

Über den Nationalsozialismus

wusste er als Kind nicht viel, sein deutscher

Nachbar sagte: Es war schlimm, aber die Juden

waren selber daran schuld. In der zehnten

Klasse, als er im Geschichtsunterricht

lernte, wie es wirklich war, fragte er sich, wie

Lügen und Vorurteile entstehen. Er wurde

Lehrer für Geschichte und Politik und schloss

sich in Berlin der Kreuzberger Initiativegegen

Antisemitismus an. 2006 fuhr er das erste Mal

nach Israel, ein Jahr später gleich nochmal.

„Ich habe eine Leidenschaft für das Land“,

sagt Mehmet Can. Als er vor einem Jahr von

einem Köpenicker Gymnasium auf die Rütli-

Schule wechselte, beschloss er, soeine Reise

mit SchülerninAngriff zu nehmen.

Die Schulleitung fand die Idee gut. Die

Musiklehrerin fragte,obernoch eine Beglei-

JONAS OPPERSKALSKI

tung brauche. Die Teilnahme war freiwillig,

jeder konnte sich bewerben, musste aber

schriftlich begründen, warum er mitreisen

wollte.„Meine Elternstammen ursprünglich

aus Palästina und wir hatten noch nie eine

Gelegenheit, dorthin zu reisen. Meine Eltern

haben keinen deutschen Pass. Ich würde

mich zutiefst freuen, denn diese Gelegenheit

ist eine große“, schrieb ein Junge. „Mein

Großvater erzählte mir, wie schön die Landschaften

seien. Einmal auf dem Tempelberg

zu beten, wäre wundervoll“, ein anderer.

Und ein Dritter:„Mich interessiert auch der

Nahostkonflikt. Ich verstehe beide Seiten

und hoffe auf eine Lösung (ich wärefür eine

Zwei-Staaten-Lösung).“

Visa und Pässe mussten beantragt, Flüge

und ein Hostel in Jerusalem gebucht werden.

Stiftungen finanzierten die Reise, aber auch

die Schüler halfen mit Kuchenbasaren mit.

Sawsan Chebli, Berlins Staatssekretärin für

Internationales, Tochter palästinensischer

Eltern, kam in die Schule,erzählte ihreFamiliengeschichte

und bot an, selbst für ein paar

Tage mitzukommen. Mehmet Can zögerte,

er kennt Cheblis Tweeds und die Hassreaktionen,

die sie in den sozialen Medien bekommt,

und eigentlich wollte er gar nicht so

viel Aufmerksamkeit. Aber Sawsan Chebli

kann man schlecht von Dingen abhalten,

von denen sie begeistert ist. Inder Nacht zu

Sonnabend landete sie in Israel. Am selben

Abend teilte sie ihren 47 000-Followern auf

Twitter mit,„heute den ganzen Tagmit Schülern

des Campus Rütli aus Berlin in Jerusalem

unterwegs“ gewesen zu sein. Die Reaktionen

ließen nicht lange auf sich warten.

„Rütli-Schule? Sagt mir doch was. Ist doch

die weltberühmte Aso-Brennpunktschule

mit 99 Prozent Vollpfostenanteil“, ist nur

eine davon.

„Mir erzählen andere immer, was da für

hasserfüllte Reaktionen kommen. Ich lese

das meist gar nicht“, sagt Chebli. Siesitzt mit

ihrer Berliner Senatsreferentin in einem

Straßencafé am Damaskustor in Jerusalem,

blütenweißes Kleid, schwarzes Haar, inder

Hand eine E-Zigarette, zuden Füßen Tüten

mit Gewürzen und Süßigkeiten, die sie mit

nach Hause nehmen will. Zwischen arabischen

Obst- und Gemüseständen eilen

Ultraorthodoxe in Festtagskleidung entlang.

DieJuden feiernihrWochenfest, die Christen

Pfingsten, gerade ist das muslimische Zuckerfest

vorbei. Sawsan Chebli gefällt es hier,

die Vielfalt, das Chaos, und mittendrin auch

noch die Neuköllner Schülergruppe. Sie

möchte,dass solche Reisen öfter stattfinden,

dass es Austausch und Begegnungen gibt

zwischen Menschen, die anders denken, anders

glauben. Auch deshalb ist sie hier.Sie erzählt,

wie sie bei ihrer ersten Reise nach Israel

sechs Stunden am Flughafen warten

musste, aber wie ihre Erlebnisse in Jerusalem,

der Besuch im Felsendom und der Altstadt,

sie dafür entschädigt haben. Es geht

ihr wie den Neuköllner Schülern. „Das Gefühl

lässt sich gar nicht richtig inWorte fassen“,

sagt sie.„Wiegut das tut, zu spüren, wo

man herkommt.“

Sawsan Cheblis ehrgeizige Ziele

Heute Abend will sie einen Berater des Bürgermeisters

von Jerusalem treffen, morgen

früh den Bürgermeister selbst, danach die

deutsche Botschafterin in TelAviv und dann

will sie noch einen AbstecherzuGivat Haviva

machen, einer Organisation, die sich für die

jüdisch-arabische Verständigung einsetzt.

Die Referentin hört Cheblis ehrgeizigen Plänen

still zu. Keiner der Termine ist bisher bestätigt.

DerBürgermeister meldet sich nicht,

bei der Botschafterin sollte sie eigentlich

gleich morgens gemeinsam mit den Schülern

sein, Givat Haviva liegt auf dem Weg

nach Haifa, und am Nachmittag geht schon

wieder der Rückflug nach Berlin. Wiewill sie

das alles schaffen?

Am nächsten Morgen um neun Uhr hält

ein großer weißer Bus vor der Privatresidenz

der deutschen Botschafterin Susanne Wasum-Rainer

in Herzliya. 15 Schüler steigen

aus, Sawsan Chebli ist nicht dabei. Der Bürgermeister

hat doch noch zugesagt, sie

kommt später nach. DieMädchen setzen sich

nach links, die Jungs nach rechts. Esist ihr

letzter Termin dieser Reise. Sie essen Croissants,trinken

Apfelsaft und berichten vonihren

Eindrücken. Jerusalemer Altstadt, der

Tanz mit den jüdischen Schülern, der Besuch

der Holocaustgedenkstätte YadVashem, die

Begegnung mit einem palästinensischen und

einem israelischenVater,die ihreSöhne verloren

haben, das tolle Essen, die letzte Nacht.

Die Mädchen zeigen Fotos auf ihren Smartphones,

die Jungs erzählen von ihren Geschenken:

für die Mutter ein arabisches Kleid,

für die Schwestern Armreifen, für die Oma

Gewürze. Drei Kilo Zumach hat ein Junge in

seinem Koffer verstaut. Er sagt, er will seine Eltern

davon überzeugen, im nächsten Sommer

nicht wieder zu denVerwandten nach Libanon

zu fahren, sondernlieber nach Israel.

Die Botschafterin hört zu, stellt Fragen.

Am Ende sagt sie, sie sei „sehr beeindruckt

vonden Kindern, wie reflektiertsie über das

jüdische Israel sprechen, aber auch über die

Konflikte mit den Palästinensern. Solche

Schüler, soeine Reise verdienen jede Förderung

der Welt“. Noch ein Abschiedsfoto im

Garten, dann ist es an der Zeit, zum Flughafen

zu fahren. DerAbflug nach Berlin ist zwar

erst in vier Stunden, aber Mehmet Can, immer

noch ein bisschen nervös, will lieber

früh da sein. Wegen der Kontrollen.

Am Abend schreibt der Lehrer eine Mail

aus Berlin:„Wir sind gut angekommen.“ Und

Sawsan Chebli twittert ein Foto vom Friedensbaum

in Givat Haviva. Sie hat es tatsächlich

noch dorthin geschafft.

Anja Reich

ist beeindruckt, was aus der einst so

verrufenen Rütli-Schule geworden ist.


4* Berliner Zeitung · N ummer 133 · M ittwoch, 12. Juni 2019

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Politik

NACHRICHTEN

Spahn für Verbot der

„Konversionstherapien“

Für seinenVorstoß, sogenannte Konversionstherapien

zur„Umpolung“

vonHomosexuellen zu verbieten, hat

Gesundheitsminister Jens Spahn

(CDU) Unterstützung erhalten.„Es ist

gut, dass dieVorbereitung einesVerbots

der menschenverachtenden

Umpolungstherapien Fahrtaufnimmt“,

sagte der für Lesben- und

Schwulenpolitik zuständige FDP-

Bundestagsabgeordnete Jens Brandenburg.

(dpa)

Unicef: 152 Millionen Kinder

müssen weltweit arbeiten

Hilfsorganisationen haben Regierungen

und Unternehmen aufgefordert,

die Ursachen vonKinderarbeit stärker

zu bekämpfen. DasUN-KinderhilfswerkUnicef

teilte mit, dass weltweit

immer noch 152 Millionen Kinder

–fast jedes zehnte Kind weltweit –

arbeiten müssen, um zum Überleben

der Familie beizutragen. (AFP)

Einsatz auf Fähren hing mit

Fall Lübckezusammen

DerPolizeieinsatz auf zwei Nordsee-

Fähren in Niedersachsen am Sonnabend

steht im Zusammenhang mit

dem Fall des erschossenen Kasseler

RegierungspräsidentenWalter Lübcke.Das

haben das Hessische Landeskriminalamt

und die Kasseler Staatsanwaltschaft

am Dienstag bestätigt.

„Indiesem Zusammenhang wurde

eine Person in Gewahrsam genommen“,

teilten die Behörden mit. Bei

der Befragung hätten sich aber keine

Anhaltspunkte ergeben, dass der

Mann an der Tatbeteiligt war. (dpa)

Halbbruder von Kim Jong Un

warangeblich CIA-Quelle

Kim Jong Nam pflegte vor seinem Todwohl

Kontakte zum US-Geheimdiensten. DPA

DerinMalaysia ermordete Halbbruder

vonNordkoreas Machthaber Kim

Jong Un war offenbar CIA-Informant.

DasWall Street Journal berichtete,

KimJong Namhabe sich vorseinem

Todmehrfach mit Agenten des US-

Auslandsgeheimdienstes getroffen.

KimJong Namwar vorzweiJahren an

dem NervengiftVX gestorben. (AFP)

Russischer Journalist

kommt auf freien Fuß

Derrussische Journalist Iwan Golunowkommt

nach internationalem

Protest wieder auf freien Fuß. Alle Anschuldigungen

gegen ihn würden fallengelassen,

sagte Innenminister

Wladimir Kolokolzew der Agentur Interfax

zufolge.Esgebe keinen Hinweis

auf eine Straftat. DerJournalist,

der Korruption bei Polizei und Geheimdienst

aufgedeckt hatte,war wegen

eines mutmaßlichen Drogendelikts

festgenommen worden. (dpa)

Gewerkschaft unterstützt

Pläne für Digitalpakt II

Lehrergewerkschaften unterstützen

die Forderung des Präsidenten der

Kultusministerkonferenz, Alexander

Lorz, nach einem Digitalpakt II.„Der

Pakt muss verstetigt werden“, sagte die

Vorsitzende der Gewerkschaft Erziehung

undWissenschaft, Marlis Tepe,

der Berliner Zeitung (Redaktionsnetzwerk

Deutschland). (BLZ)

Auf einer Wellenlänge: Michael Kretschmer und Wladimir Putin in St. Petersburg.

Fusionsfantasien

Oskar Lafontaine wünscht sich einen Zusammenschluss von Linke und SPD. Doch beide Parteien sind skeptisch

VonMarkus Decker

Der ehemalige Vorsitzende der

SPD und spätere Mitbegründer

der Linkspartei, Oskar Lafontaine,

hält eine Fusion beider Parteien

schon seit längerem für notwendig.

Das erfuhr die Berliner Zeitung (Redaktionsnetzwerk

Deutschland) aus

dem Umfeld des 75-Jährigen. Allerdings

vermisst er in beiden Parteien

das Personal, das eine Fusion realisieren

könnte.

DerVorsitzende der Internationalen

Kommission der Linken und

langjährige Lafontaine-Vertraute

Heinz Bierbaum sagte: „Er hat mit

der Bewegung Aufstehen versucht,

auf die Sozialdemokratie einzuwirken.

Dashat nicht so geklappt, wie er

sich das vorgestellt hat. Aber er wird

an diesem Gedanken festhalten.“ Als

früherer SPD-Chef bedauere Lafontaine,„in

welchem Zustand die SPD

ist. Deshalb liegen solche Überlegungen

bei ihm sehr nahe.“

„Bedingungen stimmen noch nicht“

Kritik aus den eigenen Reihen

Mit der Forderung, die Russland-Sanktionen abzubauen, verärgert Sachsens Ministerpräsident seine Partei

VonMarkus Decker

Sachsens Ministerpräsident

Michael Kretschmer (CDU)

hat mit seiner Forderung

nach einem Sanktionsabbau

gegenüber Moskau eine heftige

Debatte ausgelöst. Die schärfste

Kritik kam aus der eigenen Partei –

und von den Grünen. Kretschmer

war beim Wirtschaftsforum in St.Petersburg

mit Russlands Präsident

Wladimir Putin zusammengetroffen

und hatte einen schrittweisen Abbau

der Wirtschaftssanktionen gegen

Russland gefordert. Zugleich lud er

Putin nach Dresden ein.

Aus der CDU/CSU-Fraktion hieß

es zur Sanktionsfrage am Dienstag,

zunächst müsse Moskau sein Vorgehen

ändern. „Inden letzten Monaten

haben wir leider in der russischen Position

eher eineVerhärtung gesehen“,

sagte der außenpolitische Sprecher

der Union im Bundestag, Jürgen

Hardt(CDU), dem Deutschlandfunk.

Er verwies auf die Schließung der

Meerenge im Asowschen Meer und

Bierbaum sagte,erselbst könne sich

einen Zusammenschluss „gut vorstellen.

Aber ich sehe noch nicht die

politischen Bedingungen dafür.“ Zunächst

„sollten die progressiven

Kräfte zusammenfinden und zu gemeinsamen

Projekten kommen.

Eine Vereinigung käme jetzt viel zu

früh. Vorher müsste sich die SPD

programmatisch und in der praktischen

Politik deutlich bewegen.“

Der einstige Linksparteichef

Klaus Ernst erklärte: „Die Sozialdemokraten

sollten zunächst ihren

Kurs festlegen und wieder wirklich

sozialdemokratisch werden. Wenn

die Sozialdemokratie wieder sozialdemokratisch

würde, dann könnte

und müsste man auch wieder darüber

nachdenken, ob es sinnvoll ist,

zwei Parteien in demselben Spektrum

zu haben.“ Lafontaine und er

seien an der Stelle nicht weit auseinander.„Langfristig

kann man gar

nichts ausschließen“, betonte

Ernst.

auf russische landgestützte Mittelstreckenwaffen,

die verboten seien.

Zuvorhatte CDU-Chefin Annegret

Kramp-Karrenbauer Kretschmer widersprochen.

Die Sanktionen gingen

auf das völkerrechtswidrigeVerhalten

auf der Krim und in der Ostukraine

zurück, sagte sie der Bild. „Solange

sich am russischen Verhalten dort

nichts ändert, gibt es auch keinen

Spielraum für eine Änderung in der

wirtschaftlichen Zusammenarbeit.“

Kretschmer hatte die Kritik seinerseits

bereits am Wochenende zurückgewiesen.

Nachdem der Chef

der Münchner Sicherheitskonferenz,

Wolfgang Ischinger, ihm auf

Twitter vorgeworfen hatte,erschade

sich und den deutschen außenpolitischen

Interessen, antwortete

Kretschmer im MDR: „Diejenigen,

die sich nun mit erhobenem Zeigefinger

zu Wort meldeten, sollten

auch zur Kenntnis nehmen, dass es

in den neuen Bundesländern eine

eigene Meinung zu dieser Frage

gibt.“ In Ostdeutschland gebe es eine

gemeinsame Vergangenheit mit Osteuropa

so Kretschmer. „Manches in

der Debatte,zum Beispiel auch über

Nordstream 2, hat den Zungenschlag

von amerikanischen Interessen. Auf

den Riss, der bei dem Thema durch

Deutschland und die Union geht,

wies am Dienstag Innenminister

Horst Seehofer (CSU) hin: Es gebe

„in der Bevölkerung der neuen Länder

eine andere Sicht auf Russland

als in den alten Bundesländern“,

sagte er der Bild. „Damit müssen wir

uns ernsthaft und unaufgeregt befassen.“

Rückendeckung aus dem Osten

Lafontaine war 1999 als Bundesfinanzminister

des rot-grünen Kabinetts

unter Kanzler Gerhard Schröder

sowie als SPD-Vorsitzender zurück

getreten und hatte im Zuge der

Agenda 2010, die eine Abkehr von

der damaligen sozialdemokratischen

Sozialpolitik bedeutete, gemeinsam

mit führenden Vertretern

„Als früherer SPD-Chef bedauert Lafontaine,

in welchem Zustand die SPD ist. Deshalb liegen

solche Überlegungen bei ihm sehr nahe.“

Heinz Bierbaum, Vorsitzender der Internationalen Kommission der Linken, über Oskar Lafontaines

Wunsch nach einer Verinigung von SPD und Linken

der ostdeutschen PDS und weiteren

enttäuschten Sozialdemokraten die

Linke aus der Taufe gehoben. Siewar

in der Anfangsphase sehr erfolgreich.

Mittlerweile ist Lafontaine

aber auch auf Distanz zur Linken gegangen,

der er vorwirft, zu sehr dem

Kurs der Grünen zu folgen.

Hinzu kommt die aktuelle Schwäche

beider Parteien in den Umfragen.

Das Umfrageinstitut Infratest

dimap gab die SPD zuletzt mit zwölf

Prozent an und die Linke mit sieben

Prozent. Bei der Bundestagswahl

2009 kamen beide Parteien noch auf

zusammen 35 Prozent.

Wagenknecht hat Zweifel

AFP

Aus Ostdeutschland hatte Kretschmer

Rückdeckung erhalten, etwa

von seinen Kollegen aus Thüringen

und Brandenburg, Bodo Ramelow

(Linke) und Dietmar Woidke (SPD).

Mecklenburg-Vorpommerns Ministerpräsidentin

Manuela Schwesig

(SPD) sagte,80Prozent der Bürger in

ihrem Land befürworteten mehr Zusammenarbeit

mit Russland. „Was

wir brauchen, sind kontinuierliche

Zusammenarbeit und kritischer Dialog“,

so Schwesig. Lediglich die Grünen

reagierten in Ost und West geschlossen.

„Herr Kretschmer sollte

sensibler sein – gerade angesichts

der Erfahrungen, die wir selbst in der

DDR gemacht haben“, sagte Claudia

Müller,Sprecherin der ostdeutschen

Grünen-Bundestagsabgeordneten.

Die Fokussierung auf Russland sei

falsch. Es sei auch „keine Fokussierung

auf die Menschen, sondernnur

auf die Regierung“, so Müller. „Mit

den osteuropäischen Staaten teilen

wir mindestens genauso viele Erfahrungen

wie mit Russland – wenn

nicht noch mehr.“

Die Ostukraine ist seit 2014 umkämpft

zwischen prorussischen, von

Moskau unterstützten Separatisten

und Regierungstruppen. Daran änderte

auch ein Friedensabkommen

nichts. Die Sanktionen waren 2014

wegen der russischen Annexion der

ukrainischen Halbinsel Krim eingeführtworden.

Sieumfassen ein Waffenembargo,

Einreiseverbote gegen

weit über 100 Personen und Handelsbeschränkungen.

(mit dpa)

Die Linksfraktionsvorsitzende Sahra

Wagenknecht sagte unterdessen:

„Wenn man die SPD, von der die

Wähler aktuell nicht wissen, wofür

sie eigentlich steht, mit der heutigen

Linken, in der wichtige Strategiefragen

ebenfalls ungeklärtsind, einfach

zusammen wirft, kommt ganz sicher

kein Erfolgsprojekt heraus.“ Man

könne die jetzigen Umfragewerte

beider Parteien auch nicht einfach

addieren. Das sei „eine Milchmädchenrechnung“,

die die Ursachen

für den Wählerverlust verkenne.

Denn Parteien bräuchten „ein klares

Profil“. Aktuell bringe eine Fusions-

Debatte nichts.

Auch die SPD-Linke Hilde Mattheis

reagierte zurückhaltend. Siewäre

nach eigenen Worten auf lange Sicht

offen für den Gedanken eines Zusammenschlusses,

hält ihn gegenwärtig

aber für unsinnig. „Was wir

aufzeigen müssen, ist, dass ein linkes

Reformbündnis eine realistische

Umsetzungschance hat“, sagte

Mattheis.„Es ist Zeit.“

Das „Modell

Riace“ vor

Gericht

Umstrittene Flüchtlingshilfe

eines Bürgermeisters

VonRegina Kerner,Rom

Domenico Lucano sagt, er habe kein Geld

veruntreut, nur Schwachen geholfen. AFP

Seit acht Monaten lebt Domenico

Lucano in gerichtlich verordneter

Verbannung. DerfrühereBürgermeister

vonRiace darfnicht mehr in

sein kalabrisches Heimatdorf, das er

mit seinem erfolgreichen Integrationsprojekt

für Flüchtlinge und Asylbewerber,

genannt „Modell Riace“,

international bekannt gemacht

hatte. Am Dienstag nun saß

„Mimmo“, wie Lucano genannt

wird, erstmals auf der Anklagebank

im Gericht der 40 Kilometer entfernten

Kleinstadt Locri.

Die dortige Staatsanwaltschaft

legt ihm und 26 seiner früheren Mitarbeiter

Veruntreuung, Betrug und

Amtsmissbrauch zur Last. Fünf Millionen

Euro öffentliche Gelder seien

in Riace in privaten Taschen verschwunden,

so der Vorwurf. Außerdem

habe der Ex-Bürgermeister

Scheinehen von Einwohnern mit

Flüchtlingen arrangiertund die Müllabfuhr

von Riace an Flüchtlingskooperativen

vergeben, die nicht ordnungsgemäß

registriert waren. Sie

sammelten den Abfall mit Eseln ein.

Lucanos Unterstützer, von denen

zum Verhandlungsauftakt mehrere

Hundert aneiner Solidaritätskundgebung

in Locri teilnahmen, sprechen

voneinem politischen Prozess.

Das „Modell Riace“ solle endgültig

zerstörtwerden –unter der Regie des

rechtsnationalen, fremdenfeindlichen

Innenministers und Lega-

Chefs Matteo Salvini. DieErmittlungen

gegen Lucano hatten schon

2017, unter der sozialdemokratischen

Vorgängerregierung begonnen.

Aber nur vier Monate,nachdem

Salvini Minister wurde, war Lucano

Anfang Oktober vorübergehend verhaftet

und dann aus Riace verbannt

und angeklagt worden.

Die Eröffnung der Verhandlungen

wurde am Dienstag gleich einmal

auf kommende Woche vertagt.

Bis zueinem rechtskräftigen Urteil

könnten wegen der Berufungsinstanzen

Jahre vergehen. „Es ist ein

Prozess, der sehr viel mit der Politik

zu tun hat“, sagte Lucano auf dem

Wegins Gericht. Er glaube aber an

Gerechtigkeit. Keinen einzigen Euro

habe er in die eigene Tasche gesteckt,

sondern immer für die Schwachen

und Ausgegrenzten gearbeitet. Mehrere

andereRichter hätten sich auch

schon zu seinen Gunsten ausgesprochen,

betonte Lucano. „Sie haben

festgestellt, dass wir keine Spekulation

betrieben haben, dass wir uns

nicht bereichert haben.“ Tatsächlich

hatte zuletzt auch das italienische

Kassationsgericht Lucano entlastet.

Es entschied, dass zumindest die

Vergabe der Müllabfuhr nicht

rechtswidrig gewesen sei und dass

Lucano auch keine Scheinehen arrangiert

habe. Staatsanwalt Luigi

d’Alessio hielt trotzdem an allen Vorwürfen

fest. Dabei hatte er Anfang

Mai der Zeitung La Repubblica gestanden,

er habe Angst, dass sich der

Prozess letztlich nicht gegen Lucano

richte. Sondern gegen dessen Idee

der Flüchtlingsaufnahme –„die auch

meine ist“, wie der Staatsanwalt versicherte.


Berliner Zeitung · N ummer 133 · M ittwoch, 12. Juni 2019 5 *

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Politik

Auf dem Weg

in die

Downing Street

In Großbritannien wählen die Konservativen

einen neuen Parteichef –und regeln damit die

Nachfolge von Premierministerin Theresa May

VonKatrin Pribyl, London

Vorbereitungen für den Wechsel: In Downing Street No 10 wird in wenigen Wochen der Umzugswagen vorfahren.

IMAGO-IMAGES

Nach dem offiziellen

Rücktritt von Theresa

May als Vorsitzende der

konservativen Partei am

vergangenen Freitag wird nun ein

Nachfolger gesucht. Bis Montagabend

konnten sich Kandidaten aus

dem Kreis der Parlamentarier bewerben.

Als formale Grundvoraussetzung

galt lediglich, mindestens acht

Abgeordnete als Unterstützer hinter

sich zu haben. Zuletzt waren es zehn

Bewerber auf der Liste, drei sprangen

aus offensichtlicher Chancenlosigkeit

bereits vorAblauf der Frist ab.

Ab dieser Woche wird der Kreis

der Kandidaten nun von der Fraktion

durch Wahlen –die erste findet

an diesem Donnerstag statt –sukzessive

verkleinert. Es gibt mehrere

Abstimmungsrunden, bis schließlich

zwei Kandidaten übrig bleiben,

die dann hinaus in den finalen

Wahlkampf ziehen. Meistens wird

er zur Schlammschlacht.

Vermutlich ab Ende Juni dann

entscheiden rund 160 000 Parteimitglieder,

vornehmlich europaskeptisch

eingestellt, per Briefwahl,

wensie lieber in der Downing Street

Nummer 10 sehen wollen. Da die

Tories derzeit in einer Minderheitsregierung

unter Duldung der nordirischen

Unionistenpartei DUP regieren,

übernimmt der neue Parteichef

auch das Amt des Premierministers.

Mit einem Ergebnis wird inder

Woche ab dem 22. Juli gerechnet,

wobei der Gewinner der Kür auch

bereits früher feststehen könnte –

dann nämlich, wenn einer der beiden

Kandidaten sich vorzeitig freiwillig

aus dem Rennen zurückzieht,

wie etwa im Sommer 2016 geschehen,

als Theresa Maytriumphierte.

Boris Johnson

meinte einmal,

seine Chancen

auf den Job des

Premierministers

stünden in

etwa so gut wie

AP (10)

jene,„Elvis Presley

lebend auf dem Mars

zu finden“. Natürlich kokettierte der

54-Jährige, niemand will so unbedingt

in die Downing Street wie das

„blonde Gift“, wie ihn eine Biografin

nannte. Dafür ändert Alexander Boris

de Pfeffel Johnson auch gerne

seine Meinung, je nachdem wie hilfreich

welcher Standpunkt für die eigenen

Karriereaussichten erscheint.

Trotz etlicher Pleiten, Pannen und

Peinlichkeiten als Chefdiplomat verzeiht

ein Teil der Briten dem Klassenclown

aber immer wieder.

Jeremy Hunt

beerbte Boris

Johnson als Chefdiplomat

und

steht ihm in

nichts nach,

wenn es um das

berühmte Fähnchen

imWind geht.Vor

dem Referendum EU-Freund, tritt er

nun als Brexit-Befürworter auf. Mit

besonders harschen Aussagen – er

verglich die EU mit der Sowjetunion –

will er die Europaskeptiker überzeugen.

Auch sonst möchte er offenbar

am erzkonservativen Rand fischen.

Der 52-Jährige verkündete, erbefürworte

eineVerschärfung des liberalen

Abtreibungsgesetzes, das in Ausnahmefällen

Abtreibungen innerhalb einer

Frist von24Wochen legal ermöglicht.

Michael Gove

Vor drei Jahren

hätte selbst im

Land der Zocker

niemand auf

sein Comeback

gewettet. Im

Sommer 2016

wollte der Umweltminister

schon einmal in die Downing

Street, doch nach Intrigen und perfiden

Hinterhältigkeiten zog erseine

Kandidatur zurück. Nun ist der Brexit-Anhänger,

der Theresa May loyal

zur Seite stand, wieder da. Vermutlich

nicht für lange. Denn nach seiner

Beichte,früher bei mehreren Gelegenheiten

Kokain geschnupft zu

haben, fallen seine Beliebtheitswerte.

Trotz unzähliger Entschuldigungen

dürfte es das für den 51-Jährigen

endgültig gewesen sein.

Dominic Raab

Vor ihm fürchten

sich sogar

viele Abgeordnete

der Tories.

Doch der ehemalige

Brexit-

Minister, der aus

Protest gegen Mayseinen

Jobaufgab,gilt als Ideologe beim

Thema EU, dazu als nicht gerade detailverliebt.

So bleibt etwa unvergessen,

dass dem 45-Jährigen erst im

Amt als Chefunterhändler klar

wurde, wie viele Lastwagen täglich

mit Zügen und auf Fähren in der Hafenstadt

Dover ankommen. Raab

klang zwar beeindruckt vom Ausmaß

der Bedeutung des Ärmelkanals

für den Handel im Königreich. Das

änderte aber keineswegs seine Position

als absoluter Hardliner.

Sajid Javid

Matt Hancock

Rory Stewart

Andrea Leadsom

Esther McVey

Mark Harper

wurde unter

traditionellen

Konservativen

lange als nächster

Premierminister

gehandelt,

doch mangelndes

Charisma könnte für

den 49-Jährigen zunehmend zum

Problem werden. DerSohn eines pakistanischstämmigen

Busfahrers arbeitete

sich seinen Wegnach oben,

erst in einem gut bezahlten Jobinder

Londoner City bei der Deutschen

Bank, bevor er in die Politik wechselte.

Angeblich spricht der amtierende

Innenminister gerne in der

dritten Person von sich. „The Saj“

wandelte sich vom EU-Befürworter

zum Brexiteer. Imjetzigen Wettbewerb

gilt er als Außenseiter.

dürfte nach

Rory Stewart am

ehesten den Realitätstest

in Sachen

Brexit bestehen,

was ihn

wiederum ebenfalls

zum Außenseiter

im Rennen um das höchste Amt

macht. Eine Scheidung ohne Austrittsabkommen

lehnt der Gesundheitsminister

ab und gilt auch sonst

als smart und kompetent. Doch um

diese Eigenschaften scheint es auf

der Insel in diesem Sommer nicht zu

gehen. Der 40 Jahre alte Ökonom,

vordemWechsel in die Politik bei der

Bank of England tätig, sitzt seit 2010

im Parlament und hatte sowohl unter

David Cameron als auch MayRegierungsposten

inne.

wirdvon Experten

als vernünftigster

Kandidat

gehandelt –und

habe aus exakt

diesem Grund

keine Chance. Der

Entwicklungshilfeminister

tourte als Chef-Cheerleader

des Austrittsabkommens von May

durch das Land, was ihn für viele

Brexit-Anhänger bereits disqualifiziert.

Eigentlich EU-Freund, akzeptiert

der 46-Jährige das Ergebnis des

Referendums, will aber einen Austritt

ohne Deal vermeiden. Er stieß

die Diskussion um die Drogenvergangenheit

von Politikern an, nachdem

er zugab, einmal bei einer

Hochzeit im Iran Opium geraucht zu

haben.

war auch bereits

einmal da

und sogar

schon weiter

als im weiten

Feld der Kandidaten.

Vor drei

Jahren kam die 56-

jährige Brexit-Befürworterin unter

die letzten zwei –ihre Widersacherin

hieß Theresa May. Nach einem

mehr als ungeschickten Interview,

in dem sie behauptete, sie wäre für

den Posten tauglicher als May, weil

sie Mutter sei, zogein Sturmder Kritik

über sie. Leadsom gab ihre Kandidatur

auf. Später zeigte sie sich

loyal gegenüber May, wurde Sprecherin

der Fraktion, trat jedoch im

Mai aus Protest gegen Mays Brexitkurs

zurück.

lancierte ihren

Wahlkampf und

fand es offenbar

eine gute Idee,

am Rednerpult

das Porträt des

Tory-Urgesteins

Margaret Thatcher

aufzustellen. Sieht sich die 51-Jährige

in der Tradition der Eisernen

Lady? Sie präsentiert sich jedenfalls

als Brexit-Hardlinerin und fiel nach

ihrem Rücktritt als Arbeitsministerin

im vergangenen Jahr vor allem als

scharfe Kritikerin von Theresa May

auf.Viele Ideen hat die ehemalige Arbeitsministerin

nicht, nur in einem

Punkt ist sie klar:Am31. Oktober soll

das Königreich unter allen Umständen

die EU verlassen –obmit Deal

oder ohne.

kennen im Königreich

wohl

nur –aufgerundet

–rund 0,01

Prozent der Bevölkerung,

was

vermutlich seine

Kandidatur erklärt.

Bekanntheit ist alles in Westminster,

wenn es unter einem neuen Premierminister

um die Vergabe von

Kabinettsposten geht. Dabei dürften

ihn vorallem die Rebellen in den Reihen

der Tories kennen. Der ehemalige

Staatssekretär im Innenministerium

war für einige Zeit der„Einpeitscher“,

Chief Whip, der Fraktion,

dürfte aber als größter Außenseiter

zu den ersten Bewerbern gehören,

die aus dem Rennen gewählt werden.

Der Präsident pokert

Weil Erdogan ein russisches Raketenabwehrsystem kaufen will, drohen die USA mit Sanktionen. Damit steht der türkische Staatschef vor einem Dilemma

VonFrank Nordhausen

ImStreit Ankaras mit Washington

über den geplanten Kauf des russischen

S-400-Raketenabwehrsystems

droht sich der schleichende Ausstieg

der Türkei aus dem Nato-Verteidigungsbündnis

weiter zu beschleunigen.

Am Montag forderte das US-Repräsentantenhaus

die Türkei in einer

einstimmigen Resolution auf, den Erwerb

zu stornieren oder mit Sanktionen

zu rechnen. Die Abgeordneten

appellierten an den türkischen Präsidenten

Recep Tayyip Erdogan, im

Verhältnis zu Russland alles zu vermeiden,

das die US-türkische Partnerschaft

und die Rolle der Türkei in

der Nato gefährden könnte. Dies sei

eine „Schwarz-oder-weiß-Entscheidung“,

sagte der demokratische Vorsitzende

des Auswärtigen Kongressausschusses,

Eliot Engel. Ein Kompromiss

sei nicht möglich.

DieResolution bekräftigte ein Defacto-Ultimatum

der USA an die Türkei,

sich bis zum 31. Juli aus dem Geschäft

mit dem Nato-Erzrivalen zurückzuziehen.

Falls dieTürkei an dem

Deal festhalte,werde sie aus dem modernen

F-35-Kampfjetprogramm der

USA ausgeschlossen und müsse

Sanktionen gewärtigen, hatte der geschäftsführende

US-Verteidigungsminister

Patrick Shanahan bereits am

Freitag an seinen türkischen Amtskollegen

geschrieben. Das türkische

Außenministerium in Ankaraerklärte

dazu am Dienstag, die Sprache von

Drohungen, Ultimaten und Sanktionen

sei„nicht akzeptabel“.

Gleichwohl hat Washington erste

Maßnahmen beschlossen. Am Montag

mussten sechs türkische Piloten

das F-35-Trainingsprogramm in den

USA verlassen. Die Türkei werde

keine Fertigungsaufträge für Bauteile

des F-35-Programms mehr erhalten,

hieß es bereits zuvor aus dem

Pentagon. Damit ist eine neue Eskalationsstufe

in dem Nato-internen

Konflikt erreicht. Spätestens seit

dem gescheiterten Putschversuch

vom Juli 2016 manövriert der türkische

Staatspräsident Recep Tayyip

Erdogan sein Land schleichend aus

dem Bündnis. Ein wichtiger Grund

dafür ist seine Überzeugung, dass

die USA den Staatsstreich direkt und

indirekt unterstützt hätten –wofür

es bis heute keine Belege gibt.

Erdogan nutzte den Putschversuch

nicht nur zur Säuberung des

Staatsapparats,sondernauch des Militärs

von vermuteten Dissidenten.

Viele der mehr als 16 000 entlassenen

„Dies ist eine Schwarz-oder-weiß-Entscheidung,

ein Kompromiss ist nicht möglich.“

Eliot Engel, demokratischer Vorsitzender des Auswärtigen Kongressausschusses

oder verhafteten Soldaten galten

schon deshalb als verdächtig, weil sie

in Nato-Gremien arbeiteten oder eine

Ausbildung in den USA erhalten hatten.

Geschasste Offiziere sagen, das

Misstrauen gelte auch umgekehrt.

Neuzur Nato entsandte türkische Militärs

würden oft als potenzielle „U-

Boote Moskaus“ angesehen.

Tatsächlich weckt die immer engere

Zusammenarbeit Erdogans mit

Russlands Präsident Wladimir Putin

erheblichen Argwohn im Westen. Im

September 2017 unterzeichneten

die beiden Autokraten einen Vertrag

zum Kauf von vier S-400-Systemen

über 2,5 Milliarden US-Dollar –ein

Deal, den Erdogan zunächst wohl im

Verhandlungspoker über einen

möglichen Erwerb von Patriot-Flugabwehrraketen

aus US-Produktion

einsetzen wollte. Die Patriots wurden

erheblich teurer angeboten als

das russische Gegenstück und ohne

einen Technologietransfer, den die

Türken forderten.

Putin nutzte den Deal seinerseits

dazu, Zwietracht in die Nato zu tragen.Washington

befürchtet, dass der

Kreml das S-400-System dafür benutzen

könnte, mögliche Schwächen

der F-35-Tarnkappenjets auszuspionieren.

Bei der Nato hatte

man das Geschäft zunächst aber nur

als Bluff im Patriot-Poker betrachtet

und darauf gesetzt, dass es letztlich

nicht zustande kommen würde, da

die Türkei bereits mehr als 1,25 Milliarden

Dollar in das F-35-Programm

investierthat.

Bisher besteht Erdogan auf dem

Geschäft mit Moskau. Er steckt in

dem Dilemma, mit seiner Entscheidung

eine der beiden Großmächte

zu verprellen. Platzt der Deal mit

Moskau, muss er Regressforderungen

und russische Vergeltungsmaßnahmen

in Syrien befürchten. Andererseits

sind sich der US-Kongress

und das Pentagon einig, dass ein

Nato-Land keine modernen russischen

Abwehrraketen besitzen darf.

Der türkische Präsident scheint

jetzt bis zuletzt zu pokern. Hinter

den Kulissen versucht er seit Wochen,

einen gesichtswahrenden

Kompromiss zu erreichen. Möglicherweise

geht es ihm jetzt vorallem

darum, Zeit zu gewinnen und die

Entscheidung bis nach der Wiederholung

der Kommunalwahl in Istanbul

am 23. Juni zu verschieben. Tatsächlich

hat Erdogan mehrfach bewiesen,

dass er zu fundamentalen

Kehrtwenden fähig ist –wenn es nur

seinem Machterhalt dient.


6 Berliner Zeitung · N ummer 133 · M ittwoch, 12. Juni 2019

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Hauptstadt

Seit 30 Jahren im Bundestag: Hans-Josef Eichwald, alias Bernhard Schütz,

hat es sich hinter seinem Schreibtisch gemütlich gemacht.

ZDF/MAOR WAISBURD (3)

Über

Am Freitag startet

die zweite Staffel der

Polit-Satire-Serie

„Eichwald, MdB“. Im

Interview spricht

Hauptdarsteller

Bernhard Schütz

über britischen

Humor,

glaubwürdige

Politiker und den

täglichen

Realitätsschock in

Brandenburg

dem Abgrund

ImJahr 2015 traute sich das ZDF

was –und schickte Bernhard

Schütz als fiktiven Abgeordneten

Hans-Josef Eichwald, kurz

Hajo, in den Bundestag. Dort tritt

Eichwald, MdB, voneinem Fettnäpfchen

ins nächste und überlebt trotzdem

irgendwie,„weil er die Fähigkeit

hat, sofortzuvergessen“, wie Hauptdarsteller

Schütz sagt. Eine Eigenschaft,

die der Schauspieler auch bei

realen Politikernbeobachtet hat.

Herr Schütz, hat Sie das andauernde

Echo auf das Rezo-Video überrascht?

Es hat mich überrascht, dass solche

Themen offensichtlich so lange

nicht angesprochen werden konnten:

Rente, Klima, Cum-Ex-Geschäfte,

Mieten. Als Politiker müsste

man diese aktuellen Themen eigentlich

skandalisieren. Gerade damit

eine Debatte entsteht. Ichbin glücklich

darüber,dass es passiertist.

DieReaktion der CDU?

Ein Riesenfehler. Das könnte fast

Eichwald sein.

Die zweite Staffel von „Eichwald,

MdB“ startet am 14. Juni. Über vier

Jahre sind seit der gelobten ersten

Staffel vergangen. Wollte man eine

Legislaturperiode warten?

Der Sendeplatz am Freitagabend

statt der „heute show“ (macht Sommerpause,

Anmerk. der Red.) ist super.Das

andereist die BlackboxZDF.

Die erste Staffel wurde ausgestrahlt,

dann hieß es: Wir haben es gezeigt,

vielen Dank. Dann kam zwei Jahre

nichts. Wenig später kam etwas Bewegung.

Geld fand sich. Eigentlich

sollten wir 2018 in der Weihnachtspause

laufen.

Funktioniert die Serie streng nach

Drehbuch oder ist viel spontan

entstanden?

Stefan Stuckmann

ist ein

obsessiver

Autor,der

gut die

britische

Setzung

der Pointe versteht. Sie steht

meist am Ende des Satzes. ImDeutschen

ist das nicht einfach. Stefan

hat das perfektioniert. Das kann

man vom Blatt spielen. Wir haben

viel geprobt. Das gibt es sonst beim

Fernsehen nicht. Wir machen uns

nicht über die Politiker lustig, sondernversuchen,

die Situation zu verstehen

und von innen heraus zu

spielen. Die Absurdität entsteht

durch die Dynamik der Szenen.

Ihr Alter Ego, Hajo Eichwald, ist ein

Polit-Dinosaurier, ewig im Bundestag

und ein Fettnäpfchen-Magnet...

Weil er die Fähigkeit hat, sofortzu

vergessen. Er ist wie eine Comicfigur,

die über den Abgrund geht und nicht

merkt, dass sie abstürzt. Nachdem

sie abgestürzt ist, läuft sie weiter,

wenn auch angeschlagen. Ihn treibt

die Frage: Wenn ich etwas verändern

will, wie setze ich das politisch um?

Doch er landet sofortinder Scheiße.

Er kann nur alles falsch machen.

IstEichwald, dessen Wahlkreis in Bochum

liegt, eine Art fleischgewordener

Strukturwandel?

Er führtein Leben, das er gar nicht

führen will. Er ist nur in Sachzwänge

verwickelt. All das hat nichts mehr

mit ihm zu tun. Das können viele

Leute verstehen. Mankommt an den

Punkt, an dem man denkt, das Außen

ist man selbst. Diese Entfremdung

macht Eichwald zu einem modernen

Menschen. Seine Rolle reicht über

das Biotop Bundestag hinaus.

Er ist ein Opferder Politik?

Undein totaler Opportunist.

Wiehaben sie sich auf die Rolle vorbereitet?

Meine Mutter war Kommunalpolitikerin

in Leverkusen. Ich bin, seit

ich denken kann, politisch aktiv.

Etwa in der Anti-AKW-Bewegung

oder in mehreren Genossenschaften,

die versuchen, etwas anders zu

machen. Die Europawahlergebnisse

in Brandenburg konnte ich voraussagen.

Der Rassismus verteilt sich

dortüber alle Parteien hinweg. Er ist

in der Gesellschaft verankert.

Wird das zu selten thematisiert?

DieBerlinerhaben keine Ahnung,

was um sie herum

passiert. Die Kirchen

sind weg, die

Block-Gegensätze

des Kalten Krieges

sind weg. Es fehlt etwas.

Denn: Die Leute wollen

glauben. Deswegen funktionieren

die Lügen. Es geht nicht

um wahr oder unwahr.Esgehtum

Glauben. Nur umGlauben. Diesen

Platz hat das Nationale eingenommen.

Regionale Politik und die Debatten

laufen also an diesem Thema vorbei?

IchlebeinBrandenburg. Ichhabe

jeden Tagden Realitätsschock. Es ist

EICHWALD, MDB

In der Satire-Serie „Eichwald,MdB“

kämpft Hans-Josef Eichwald,kurz Hajo,

Mitglied des Bundestages,ständig ums

politischeÜberleben. Und stolpertvon einem

Skandalinden nächsten,während

seine drei Mitarbeiter stetsversuchen, das

Schlimmste abzuwenden. Gespieltwird

der Klischee-Politikervon Bernhard

Schütz.Der 59-Jährige war bis 2008unter

Frank Castorf Ensemblemitglied an der

Volksbühne.Erwar und ist in zahlreichen

Film- und Fernsehproduktionen zu sehen.

Die zweite Staffel startet am Freitag um

22.30 Uhr im ZDF.Die erste ist in der ZDF-

Mediathek verfügbar.

Mainstream. Ich stehe in einem Laden

auf dem Land, Gartenbedarf.

Ein Typ kommt rein. Keine Tattoos,

nichts auf dem T-Shirt. Dasist selten.

Er braucht einen Keilriemen, schaut

und schreit: „Wat, aus Indien? Vonna

Mulucka?“ DerVerkäufer zurück: „Ja,

ist billiger.“ Er schreit wieder:„Viehzeuch“.

Das passiert mittags um 12

Uhr. Über die grundsätzlichen Dinge

kann man gar nicht mehr sprechen.

Das Grundgesetz würde mir schon

reichen.

Sind Nationalismus und Fremdenfeindlichkeit

auch in der zweiten

Staffel

präsent?

Zu der Zeit, als das Drehbuch geschrieben

wurde, war die SPD noch

bei 27 Prozent. Da sagte man sich

eher:Wir tauschen den Vorsitzenden

aus,dann sind wir wieder bei 35 Prozent.

Die Situation hat sich in den

letzten Jahren deutlich verschärft.

Das Flüchtlingsthema taucht auf,

sollte auch noch intensiver erzählt

werden, wurde aber gestrichen, weil

es kein Geld gab. Einen rechten You-

Tuber gibt es aber.

Inwieweit hat sich die politische Kultur

im Bundestag durch die AfD geändert?

Der große Wechsel in der Debattenkultur

liegt darin, dass die AfD

ausschließlich auf die persönlich

herabsetzende Schiene setzt. Es wird

nicht mehr inhaltlich diskutiert.

Leute werden runtergemacht, verächtlich,

darum geht es.Selbstbei so

jemandem wie Walter Lübcke post

mortem. Das Strache-Video zeigt,

worum es diesen Leuten wirklich

geht. Dasist ihrenWählernaber egal.

Gab esFeedback von Spitzenpolitikern

auf die Serie?

Andrea Nahles hat mich vor kurzem

nicht darauf angesprochen, als

wir zusammen im Flugzeug saßen,

ist aber zwei Tage später zurückgetreten,

genauso wie Oskar Lafontaine

1999, als er „Berliner Republik“

in der Volksbühne besucht hatte.

Liegt das an mir?

Der Ton, die Wut und das Vulgäre

sind für eine deutsche Serie ungewöhnlich.

Tempoist sehr wichtig.

Deutsche Serien

sind oft viel zu

gemütlich.

Warum

sind die

Sender nicht

mutig?

Im Moment ändert

sich viel. ZDF und ARD sind eigentlich

schon abgeschafft. Sie nehmen

das auch einfach nur hin –wie

die SPD. Espassiert. Niemand guckt

mehr Fernsehen. Auch Netflix und

Amazon Prime stehen unter Druck,

weil die nächsten Anbieter schon um

die Ecke kommen. In Deutschland

müsste man sich stärker fragen: Was

ist unsere Kompetenz zu erzählen?

Derletzte,der so etwasinnovativgebracht

hat, war – Schimanski.

Schmutz, Schnelligkeit, Schnodderigkeit.

Das angelsächsische Fernsehen

lebt vom Sport, alles zu geben.

Man will eine geile Serie raushauen.

Der Hessische Rundfunk ist hierzulande

noch mutig.

Gibt es einen Politiker, den sie glaubwürdig

finden?

Ströbele. Aber der ist leider weg.

Sabine Leutheusser-Schnarrenberger.Eine

absolut authentische Figur.

Wird Rezos Video nachhaltig etwas

verändern?

Er ist nur der Überbringer der

Botschaft. Dass sich Politiker erst regen,

wenn ein YouTuber um die Ecke

kommt, ist bezeichnend. Dann

kommt nur technisches Gelaber.

Auch durch die Bewegung Fridays

for Future kommt Neues. Vielleicht

gerade, weil alles sehr naiv begonnen

hat.

Wenwürde Eichwald gut finden?

Es gab eine Zeit, da hätte er Merkelgut

gefunden. Dieist aber vorbei.

DasGespräch führte

JanScheper.

Eichwald macht alles falsch und trotzdem immer weiter.Das gibt’sauch in

der Realität: Die Reaktion der CDU auf das Video des YouTubersRezo etwa

nennt Schütz einen Riesenfehler:„Das könnte fast Eichwald sein.“

Dass er alles im Griff hat, dessen ist sich Hajo Eichwald eigentlich immer

sicher.„Er ist wie eine Comicfigur,die über den Abgrund geht und nicht

merkt, dass sie abstürzt“, sagt Bernhard Schütz über seine Figur.

PLATZ DER REPUBLIK

Vorsichtig

feiern

Christine Dankbar

über die Tücken politischer Sommerfeste

Dieses Jahr hatte auch Michael

Müller wieder Glück. Nicht mit

den Wahlergebnissen für seine Partei,

sondern mit dem Wetter. Das

Hoffest des Regierenden Bürgermeisters,das

seinen Gästen in früheren

Jahren häufiger wetterfeste und

auch warme Kleidung abverlangte,

fiel 2019 wieder auf einen wunderbar

lauen Abend. So schön war es, dass

sogar der Regierende mit guter

Laune feierte.Das ist nicht selbstverständlich,

weshalb es der Tagesspiegel

völlig zu Recht schon in der Überschrift

des Artikels zum Fest erwähnte.Womit

bereits ein Grund erwähnt

ist, weshalb es diese Feste

gibt: Sie sind für alle Parteien in erster

Linie ein Mittel der Öffentlichkeitsarbeit.

Also Arbeit.

Neue Bekanntschaften macht

man auf diesen Festen, zu denen alle

Parteien und auch viele Landesvertretungen

einladen, übrigens selten.

Meist sind nämlich so viele Leute

eingeladen, dass man den Abend

dann doch mit denen verbringt, die

man kennt. Auffällig dabei, dass

Journalisten eher unter sich bleiben

als Politiker. Bei letzteren gibt es –

grob vereinfacht –zwei Typen: Die

einen suchen sich mit dem Bier in

der Hand schnell einen Platz zum

Sitzen und bleiben dann dort am

liebsten den ganzen Abend. Der andere

Typus flaniert von Gruppe zu

Gruppe, um mit möglichst vielen

Menschen ins Gespräch zu kommen.

Dabei wird gerne auch über

Parteikollegen gelästert, in der Regel

aber nur gegenüber gut informierten

Journalisten, die den innerparteilichen

Zwist bereits zur Genüge kennen.

Der Neuigkeitswert derartiger

Feste tendiert daher in der Regel

konsequent gegen null.

Es lohnt sich daher,bei jedem Fest

zielstrebig zu versuchen, neue Bekanntschaften

zu machen. Bei der

Berliner FDP etwa konnte man in den

vergangenen Jahren viele Taxifahrer

kennenlernen. Die Berliner Taxifahrerhaben

vermutlich zu 98 Prozentliberal

gewählt, da sich die FDP bekanntlich

die Offenhaltung

des Flughafens

Tegel auf die Fahnen geschrieben

hat. Das aber würde keinem

mehr gefallen als den Berliner

Taxifahrern, die von der Eröffnung

des BER nichts zu erwarten haben.

Das Geschäft dort geht nach heutigem

Stand nämlich vor allem an die

Brandenburger Kollegen. Die gewerbliche

Personenbeförderung und

ihre Probleme füllen mühelos und

äußerst unterhaltsam einen ganzen

Abend. Ichhabe das selbst erlebt.

Es gibt allerdings auch risikobehaftete

Gesprächsthemen an den

weiß gedeckten Stehtischen der Politiksommerfeste.

Zu denen ist eindeutig

die Familienplanung

des

Gegenübers zu rechnen.

Eine junge Grünen-Politikerin berichtete

kürzlich ein wenig fassungslos,

dass ihr auf dem Hoffest des Regierenden

freundlich zur erneuten

Schwangerschaft gratuliert wurde.

Malabgesehendavon,dassder Gratulant

im Irrtum war: Dies ist auch in

Zeiten harmonischer Regierungsbündnisse

selbst in der liberalen

Hauptstadt ein absolutes No-Go.

Ebenso wie die Frage, obman denn

in absehbarer Zeit Kinder plane.

Dann lieber zugeben, dass man Uber

fährt.


Berliner Zeitung · N ummer 133 · M ittwoch, 12. Juni 2019 7 *

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Wirtschaft

MÄRKTE

NACHRICHTEN

DAX-30 in Punkten

12.3.19

12.3.19

▲ 12155,81 (+0,92 %)

Rohöl je Barrel Brent in US-Dollar

Euro in US-Dollar

12.3.19

Stand der Daten: 11.06.2019 (21:50 Uhr)

Alle Angaben ohne Gewähr

Gewinner

11.6.19

▼ 62,31 (–0,02 %)

11.6.19

▲ 1,132 (+0,17 %)

Quelle

aus DAXund MDAX vom11.06.zum Vortag

11.6.19

Osram Licht NA 26,32 +4,82 WWWWWWW

thyssenkrupp 12,23 +4,76 WWWWWWW

Siltronic NA 63,80 +4,52 WWWWWW

Hugo Boss NA 55,90 +4,25 WWWWWW

Kion Group 52,60 +4,20 WWWWWW

Dialog Semic.NA 31,35 +4,15 WWWWWW

Verlierer

ausDAX und MDAXvom 11.06. zumVortag

Dt. Pfandbriefbank 11,01 WWWWWWWWWWW –8,25

Puma 54,90 WWW –1,44

Adidas NA 262,10 WW –1,19

Rocket Internet 24,58 WW –1,05

RWESt. 23,24 WW –0,98

Telefonica Deutschl. 2,54 WW –0,63

Leitbörsen im Überblick

52-Wochen Hoch/Tief 11.06. ±% z. 10.06.

Euro Stoxx 50(EU) +0,43

3541/2909 3401,10

CAC 40(FR) +0,48

5601/4556 5408,45

S&P UK(UK) +0,34

1569/1323 1497,67

RTS (RU) +0,57

1348/1033 1343,33

IBEX (ES) –0,13

9986/8286 9282,10

Dow Jones (US) –0,08

26952/21713 26042,54

Bovespa (BR) +1,36

100439/69069 98366,19

Nikkei (JP) +0,33

24448/18949 21204,28

Hang Seng (HK) +0,65

31024/24541 27776,20

Stx Singap. 20 (SG) +0,80

1635/1350 1550,29

Ratenkredite 10.000 Euro

Kreditzinsen, bonitätsunabhängig bzw.2/3 Zins

Kundenkontakt 36 Mon. 48 Mon. 60 Mon.

PSD Bank Nürnberg

psd-nuernberg.de 2,93 2,93 2,93

Deutsche Skatbank

skatbank.de 2,94 2,94 2,94

EthikBank

ethikbank.de 2,95 2,95 2,95

DKB Deutsche Kreditbank

dkb.de 3,49 3,49 3,49

SWK Bank

couchkredit.de 3,49 3,49 3,49

Targobank

targobank.de 3,10 3,10 3,10

Commerzbank

069/98660966 3,74 4,98 4,74

Postbank

postbank.de 3,79 3,79 3,79

Deutsche Bank

deutsche-bank.de 3,79 3,79 3,79

ING

ing.de 3,99 3,99 3,99

PSD Berlin-Brandenburg

psd-bb.de 3,49 3,69 3,69

Sparda-Bank Berlin

sparda-b.de 4,95 5,95 6,25

ABK Allgemeine Beamten Bank

030/28535200 4,49 4,49 3,39

BBBank

030 202480 5,82 5,61 5,40

Mittelbrandenburgische Sparkasse

0331/898989 8,99 8,99 8,99

Mittelwert von 70 Banken 4,22 4,31 4,39

ERLÄUTERUNGEN Wechselnde Darstellung: Tagesgeld (Dienstag), Ratenkredit

(Mittwoch),Sparbriefe (Donnerstag), Festgeld (Freitag), Baudarlehen (Samstag).

Quelle:FMH-Finanzberatung

„Die Sponsorenlassen wasliegenund unterschätzen dasPotenzial“: Die deutsche Frauen-Nationalelf spielt beider WM in Frankreich.

Freie Bahn für die Planung von Schienenprojekten

Von Rasmus Buchsteiner

Das Bundesverkehrsministerium

hat nach Gesprächen mit der

Bahn grünes Licht für die Planung

von fünf neuen Schienenprojekten

gegeben. Das geht aus der Antwort

des Bundesverkehrsministeriums

auf eine Anfrage der Grünen-Bundestagsfraktion

hervor, die dem RedaktionsNetzwerk

Deutschland

(RND) vorliegt.

Demnach soll nun unter anderem

mit den Planungen für die Strecke

zwischen Regensburgund Mühldorf

in Bayern begonnen werden. Zu den

neu zu planenden Projekten zählt

auch der Knoten Hannover. Dabei

geht es konkret um den Neubau eines

Verbindungs- und eines Durchfahrgleises

in Lehrte sowie ein zusätzli-

Frauen ohne Förderer

Sponsoren zeigen der WM in Frankreich die kalte Schulter –Werbeexperten halten das für fahrlässig

Von Thomas Magenheim

SELBST DIE VERBÄNDE MACHEN UNTERSCHIEDE

DFB: Der Deutsche Fußball-

Bund passt ins allgemeine

Bild. Wären die Männer im

vergangenen Jahr in Russland

Fußball-Weltmeister geworden,

hätten sie vomVerband

350000 Euro je Spieler

erhalten. Die deutschen

Frauen könnten jetzt in

Frankreich höchstens

75000 Euro einstreichen.

Es ist Fußball-Weltmeisterschaft.

Aber Autos auf deutschen

Straßen sind ohne

schwarz-rot-goldene Wimpel

unterwegs, imBaumarkt gibt es

keine Fanartikel. Sponsoren machen

sich rar. In Frankreich kicken nicht

Männer, sondern Frauen um die

WM-Krone. „Die Sponsoren lassen

was liegen und unterschätzen das

Potenzial“, sagt Matthias Fifka. Er ist

Betriebswirtschaftsprofessor an der

UniErlangen-Nürnbergund Experte

für Sportsponsoring.

Wasmedial inder Werbung geht,

zeige der provokante Werbeclip der

Commerzbank mit dem deutschen

Frauenteam. „Wir brauchen keine

Eier, wir haben Pferdeschwänze“,

heißt es dort. „Der Clip wurde in sozialen

Medien millionenfach geteilt,

der Werbewertist gigantisch“, urteilt

Fifka. Die Commerzbank ist einer

von fünf Nationalelfsponsoren des

Deutschen Fußball Bunds (DFB), die

ihre Werberechte zur diesjährigen

Frauen-WM überhaupt aktiviert haben.

Die anderen sind VW, Coca-

Cola, Samsung und Adidas. Die

Mehrheit der insgesamt 13 DFB-

Sponsoren zeigt dem Turnier in

Frankreich die kalte Schulter –darunter

Konzerne wie SAP, Lufthansa,

Deutsche Telekom und Rewe.

Sogar auf der Ebene der eigentlich

bei so einem Ereignis in der ersten

Reihe stehenden Sportartikelhersteller

ist das Engagement im Vergleich

zu einer Männer-WM –zumindest

durch die deutsche Brille betrachtet –

überschaubar. Adidas rüstet bei der

Frauen-WM sechs Teams aus.Bei der

Männer-WM 2018 in Russland waren

es doppelt so viele. Der fränkische

Lokalrivale Puma hat in Frankreich

sogar nur die italienische Elf unter

Vertrag. In Russland bei den Männernwaren

es vier Mannschaften.

DieWerbekampagne vonPumain

sozialen Medien sei aber durchaus

mit anderen sportlichen Großveranstaltungen

vergleichbar,erklären die

Herzogenauracher. Zahlen für Etats

nennen sie nicht. Zu Umsatzeffekten

oder Verkaufszahlen für Trikots äußernsich

weder Puma noch Adidas.

Fifa: Auch der Weltfußballverband

Fifa macht Unterschiede

zwischen den Geschlechtern.

Zur Männer-

WM 2018 schüttete der Verband

an die teilnehmenden

Mannschaften 400 Millionen

Euro aus. Bei der jetzigenFrauen-WM

sind es nur

57 Millionen Euro –alsoein

Siebtel der Männersumme.

Verkehrsministerium schiebtfünf Maßnahmen an, die Opposition fordert deutlich mehr

Protest: Ursprünglich habe

die Fifa für die Frauen nur

30 Millionen Euro eingeplant,

sagt Sponsoringexperte

Matthias Fifka. Erst nach

dem Einspruch des australischen

Verbands wurde aufgestockt.

In Australien werden

beide Geschlechter vom

Verband finanziell gleich behandelt.

Engagierter ist der weltgrößte

Sportartikler Nike aus den USA. In

dessen Trikots kicken in Frankreich

14 Teams gegenüber zehn Mannschaften

2018 in Russland. Gemessen

an TV-Einschaltquoten bei einer

Frauenfußball-WM von im Schnitt

30 Prozent setzt Nike auf das richtige

Pferd. Das zeigt auch ein Vergleich.

Am Samstag lag die Einschaltquote

im Frauenspiel nachmittags gegen

China bei 34 Prozent, abends die

beim Männerqualifikationsspiel zur

Europameisterschaft gegen Weißrussland

bei 28 Prozent.

„Frauenfußball hat global gesehen

enorm an Bedeutung gewonnen“,

sagt Fifka. In Frankreich, den

USAundSkandinavienseidasaberin

ches Gleis 15/16 im Hauptbahnhof

Hannover. Außerdem vorgesehen

sind Planungen für den Knoten Köln,

konkret der Ausbau des Abzweigs

Flughafen bis Köln-Steinstraße.Grünes

Licht gibt es auch für die Planungen

zum Ausbau der „Gäubahn“ in

Baden-Württemberg für den Güterverkehr

und einige Teilvorhaben am

Knoten Hamburg.

Beiallen diesen Projekten geht es

um Vorplanungen mit dem Ziel eines

rechtskräftigen Planfeststellungsbeschlusses.Eine

Finanzierungszusage

des Bundes besteht dabei noch nicht.

Nicht ausgeschlossen ist, dass die

Planungen für den Ausbau der Strecke

Hannover-Bielefeld-Hamm zur

Hochgeschwindigkeitsstrecke auch

in diesem Jahr konkret begonnen

werden können. „Nach Klärung offener

Punkte“ gilt das Projekt als möglicher

Nachrücker.

Die Entscheidungen gehen zurück

auf die sogenannte Fulda-Runde

–eine alljährliche Besprechung

zwischen Bundesverkehrsministerium

und Bahn. Konkrete Finanzierungszusagen

soll es im laufenden

Jahr für 13 Vorhaben mit einem Gesamtvolumen

von gut 2,41 Milliarden

Euro geben. Dazu zählen unter

anderem die Ausbaustrecke Leipzig–

Dresden mit der dritten Baustufe

zwischen Zeithain und Leckwitz, die

Hinterlandanbindung für die Fehmarnsundquerung

sowie der Knoten

Köln mit dem Ausbau südlich der

Gummersbacher Straße.

DieGrünen halten die Projektentscheidungen

des Bundesverkehrsministeriums

nicht für ausreichend.

FOTO: SEBASTIAN GOLLNOW/DPA

stärkerem Ausmaß geschehen als

hierzulande. Der Abstand beim

Sponsoring bleibe dennoch riesig.

Auch Verbraucher sind mit der

Frauen-WM kaum zu locken. Das

zeigt ein Blick in den hiesigen Sportfachhandel.

„Umsatzmäßig geht die

Frauen-WM an uns vorbei“, sagt

Werner Haizmann, Präsident des

Verbands Deutscher Sportfachhandel.

Auch bei Männern nehme der

WM-Effekt für Fachgeschäfte immer

mehr ab, weil die großen Sportartikler

das Geschäft immer mehr selbst

über eigene Onlinekanäle machen

oder Produkte im Handel frühzeitig

zu Billigpreisen verramscht würden.

Aber bei der Frauen-WM komme

so gut wie überhaupt nichts an. Deshalb

habe er jetzt Fußball im eigenen

Laden aussortiert. „Jogging läuft,

Fußball ist tot“, stellt Haizmann klar.

Adidas hat mangels Nachfrage für die

Frauen-WM nicht einmal eine Männerversion

des DFB-Trikots aufgelegt.

Beieiner Fußball-WM der Männer

gibt es dagegen traditionell Trikots

für beide Geschlechter.

„Fußball spiegelt die gesellschaftliche

Diskussion um Gleichberechtigung

wider“, betont Fifka. Es werde

wohl noch lange dauern, bis FußballerinneneinenähnlichenStellenwert

wie Fußballer erreichen. Wersich der

WM als Sponsor verweigert habe,

müsse aber durch erfolgreiche Werbekampagnen

vonKonkurrenten erkennen,

welche Chance vorallem bei

Kundinnen verpasst worden ist.

„Für ganze fünf Teilprojekte zum

Ausbau desSchienennetzes willBundesverkehrsminister

Andreas Scheuer

in diesem Jahr grünes Licht geben,

sodass demnächst die Planungen

starten könnten. Dasist eindeutig zu

wenig, um verkehrspolitische Ziele

wie die Verdoppelung der Fahrgastzahlen

bis 2030 zu erreichen“, sagte

Grünen-Bahnexperte Matthias Gastel

dem RND.„Undesist völlig unzureichend,

um die Schiene zum Rückgrat

der Verkehrswende zu machen.“

Erforderlich sei „eine Investitionsoffensive

beim Neu- und Ausbau von

Schienenwegen“. Wenn es die Bundesregierung

mit ihren bahnpolitischen

Bekenntnissen ernst meine,

dann müsse sie umgehend für höhere

Planungskapazitätenbei derDeutschen

Bahn sorgen.

Amazon-Beschäftigte in

Leipzig zu Streik aufgerufen

DieGewerkschaft Verdihat Amazon-Beschäftigte

in Leipzig für diesen

Dienstag zum Streik aufgerufen.

DenBeschäftigten würden branchenübliche

Tarifbedingungen verweigert,

erklärte Verdi. DieGewerkschaft

fordertdie Einstufung der

Mitarbeiter in den Handelstarif,

während Amazon sie als Logistikmitarbeiter

sieht. Amazon erklärte,

der Streikaufruf werdekeine Auswirkungen

auf die Einhaltung des Lieferversprechens

haben. Diegroße

Mehrheit der Beschäftigten arbeite

normal. DerOnlinehändler hat in

Deutschland rund ein Dutzend Warenlager

und beschäftigt nach eigenen

Angaben rund 13000 Festangestellte.

(dpa)

Dax-Chefs verdienen 52-mal

so viel wie ihre Mitarbeiter

DasGehaltsgefälle in der ersten Börsenliga

ist nach wie vorgewaltig.

Vorstände der Dax-Konzerne verdienen

einer Studie zufolge im Schnitt

52-mal so viel wie ein durchschnittlicher

Angestellter ihres Unternehmens.Damit

war der Abstand 2018

genauso groß wie ein Jahr zuvor,wie

aus einer Studie der Deutschen

Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz

(DSW)und der Technischen

Universität München hervorgeht.

Im Schnittkam einVorstandsmitglied

im Deutschen Aktienindex –

inklusiveder Konzernchefs –demnach

auf eine Gesamtvergütung von

3,51 Millionen Euro.Das waren

3,5 Prozent weniger als ein Jahr zuvor.

(dpa)

Aldi verlangt für Obstbeutel

aus Plastik künftig Geld

Die dünnen Beutel kosten bald einen

symbolischen Cent pro Stück.

FOTO: MARCEL KUSCH/DPA

Aldi-Kundenmüssen vomSommer

an für die dünnen Obst- und Gemüsebeutel

aus Plastik einen Cent pro

Stück zahlen. In den vergangenen

Jahren ist zwar der Verbrauch an

„klassischen“ Plastiktüten deutlich

zurückgegangen, weil sie kaum

noch umsonst abgegeben werden.

DerVerbrauch an den sogenannten

Knotenbeuteln, wie sie an den Obsttheken

ausliegen, hat sich dagegen

kaum verringert, wie das Bundesumweltministerium

kürzlich mitteilte.Die

Erfahrungen belegten,

dass die Bepreisung der Plastiktaschen

Verbraucher zum Umdenken

bewegt habe,erklärte Aldi. (dpa)

Deutschland hinkt bei

digitaler Behörde hinterher

Deutschland rangiertinSachen digitale

Behördengänge weit hinten.

Diegrößte digitale Herausforderung

der Bundesrepublik sei, die Online-

Kommunikation zwischen Behörden

und Öffentlichkeit zu verbessern,

heißt es in einem Bericht der

EU-Kommission. Nur43Prozent der

deutschen Internetnutzer erledigten

auch Behördenkontakte online,im

EU-Schnitt sind es 64 Prozent. Damit

landet Deutschland bei diesem

Punkt auf Platz 26 der 28 EU-Staaten.

Das2017 verabschiedete Onlinezugangsgesetz

soll aber dafür

sorgen, dass Bürger und Unternehmen

ihreAnliegen bei der Verwaltung

bis spätestens 2022 online erledigen

können. (dpa)


8* Berliner Zeitung · N ummer 133 · M ittwoch, 12. Juni 2019

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Meinung

Stadtteilmütter

ZITAT

Gut angelegtes

Geld

Elmar Schütze

über eine erfreuliche Nachricht aus

der Integrationspolitik.

Die Arbeit der Stadtteilmütter

wird über Jahre hinaus gesichert.

Das ist eine gute Nachricht.

In den vergangenen Jahren

wurde das Programm aus unterschiedlichen

Töpfen finanziert. So etwas

ist immer gefährlich, weil die Stadtteilmütter

auf diese Weise unweigerlich immer

wieder in Konkurrenz zu –ebenfalls

förderungswürdigen – Initiativen und

Programmen gerieten.

Es war der so populärewie umstrittene

Bezirksbürgermeister Heinz Buschkowsky,

der das Programm im Jahr 2004

einführte – zunächst in „seinem“ Neukölln.

Später kamen Mitte und Kreuzberg

hinzu. Der Sozialdemokrat vom ganz alten

Schrot und Korn machte sich dafür

stark, dass eingewanderte Frauen anderen

Einwanderinnen helfen, sich in der

neuen Heimat zurechtzufinden. Schließlich,

so die Idee, wusste niemand besser

als sie selbst, wie hoch die Hürden für Migrantinnen

in Berlin sein können –sei es

bei der Suche nach einem Kitaplatz für die

Kinder oder auch nur nach einem geschützten

Ort für den Austausch untereinander.

Auf diese Weise waren –und

sind –Stadtteilmütter vonAnfang an auch

Integrationslotsinnen.

Derzweite Effekt ist bis heute,dass das

Programm explizit Frauen stärkt. Schließlich

sind es noch immer die Mütter, die

die Hauptarbeit in den Familien verrichten.

Das gilt auch für die patriarchalisch

geprägten Kulturen der Türken und Araber,die

in Neukölln, Mitte und Kreuzberg

das Milieu bestimmen. Natürlich sind 43

Millionen Euro,mit denen das Programm

für die nächsten Jahre gesichert werden

soll, viel Geld. Doch nach allem, was man

weiß, wirdjeder Cent davon sehr sinnvoll

ausgegeben.

Linksbündnis

Weniger

ist mehr

Markus Decker

könnte einer Fusion aus Linken und

SPD etwas abgewinnen.

Als vor über zehn Jahren die Linke gegründet

wurde, dageschah dies auch

unter Mitwirkung einstiger Sozialdemokraten

und mit dem Ziel, die SPD der

Agenda 2010 entweder zu verdrängen

oder zumindest auf einen anderen Kurs

zu zwingen. Im Sommer 2019 steht die

SPD imWesentlichen noch da, wo man sie

seinerzeit fand. Nur ist sie wesentlich

schwächer geworden. Auch die Linke

selbst wirdschwächer.Inder letzten Umfrage

von Infratest dimap kommen beide

Parteien zusammen auf 19 Prozent. Dies

sollte Sozialdemokraten und Linken zu

denken geben.

Zwar gibt es nach wie vor bedeutende

Unterschiede zwischen beiden Parteien.

Vorallem die Bindung an den„Westen“ ist

für die SPD essenziell, für die Linke nicht.

Überdies darf inder linken Bundestagsfraktion

eine Handvoll Irrlichter ein fröhliches

Schattendasein führen. Abgesehen

davon jedoch ist zu erwarten, dass die

SPD die große Koalition demnächst verlässt

und weiter nach links rückt. Spätestens

dann wird sich die Frage stellen, ob

zwei linke Parteien in demselben politischen

Spektrum noch eine Existenzberechtigung

haben –zumal in ihrer jetzigen

Umfragen-Größe –oder ob es nicht besser

wäre, aus zwei schwachen Parteien eine

stärkere zu machen. Längst kann man

sich Kevin Kühnert jaauch in der Linken

vorstellen, während man sich Dietmar

Bartsch auch in der SPD vorstellen kann.

Nein, eine Vereinigung wird nicht

heute kommen und nicht morgen. Doch

übermorgen vielleicht. Ohnehin zeigt

sich, dass das öffentliche Aufmerksamkeitsreservoir

für sechs im Bundestag vertretene

Fraktionen im Grunde nicht

reicht. Weniger wäremehr.

Konrad-Adenauer-Haus, 16 bis 16.30 Uhr Antipanik-Therapie

Tausendmal diskutiert, nie ist was

passiert –doch nun hat es „Boom“

gemacht. So lässt sich ein wenig

flapsig die jüngste Entwicklung der

Zukunftsdebatten in Deutschland zusammenfassen.

Seit Jahren beschäftigen sich Soziologen

mit einem tiefgreifenden gesellschaftlichen

Wandel, bisher fast unbemerkt.

Bisher. Die Rede ist vomAbschied der Babyboomer,

jener mächtigen Bevölkerungsgruppe

der zwischen Mitte der 50er und

Ende der 60er Geborenen.

Für Jahrzehnte waren sie die bestimmende

Generation –und sie sind es noch. Sie

machen 30 Prozent der Bevölkerung aus,beherrschen

den Arbeitsmarkt und besetzen

alle entscheidenden Positionen, sie sind das

Rückgrat vonWirtschaft, Politik und Gesellschaft.

Sie stellen allein mehr als 50 Prozent

der Bundestagsabgeordneten. Noch.

Denn die ersten starken Jahrgänge der

Babyboomer beginnen, in den Ruhestand zu

gehen. Das war bisher ein leiser Prozess, allenfalls

begleitet vonStudien über die Folgen

für den Arbeitsmarkt und, natürlich, vor allem

für das Rentensystem. Ausall den vielen

Berufstätigen mit ungebrochenen, ordentlich

bezahlten Beschäftigungsbiografien

werden schließlich Rentner mit entsprechenden

Ansprüchen.

Doch plötzlich ist aus dem leisen Prozess

eine ziemlich laute Debatte geworden. Vor

allem die junge Generation der um die Jahrtausendwende

Geborenen fragt so dringlich

wie keine zuvor:Was für eine Welt hinterlasst

ihr uns eigentlich? Sicher, die Babyboomer

haben über Jahrzehnte das Land gestaltet,

Wohlstand geschaffen, Frieden gehalten. Sie

waren alles in allem eine glückliche Generation,

geprägt von einer Zeit ohne Kriegserlebnisse,

guter sozialer Absicherung, stetig

Alle reden vom Artensterben. VonRoten

Listen, auf denen die Namen von Lämmersalat

und Hasenohr verzeichnet sind,

von Feldhamstern und Rotkopfwürgern.

Aber auf keiner Liste steht Armin, obwohl

auch Armin bedroht ist. Armin gehört zueiner

Reihe vonNamen, die in der Generation

meiner Elternnoch außerordentlich populär

waren, zusammen mit Rudolf oder Gustav,

Erna oder Hilde. Sie scheinen das Schicksal

der Bodenseesaiblings und seines Kumpels,

des Bodensee-Kilchs, zu teilen: ausgestorben

und nicht wiedergesehen.

Statt Armin stehen auf den ersten drei

Plätzen der Top-Ten deutscher Vornamen im

Jahr 2018 nun Emma, Mia und Hannah. Bei

den Jungs: Ben, Paul und Finn. Namen, die in

meiner Schulklasse allerhöchstens für

Hohngelächter gesorgt hätten. Bei uns hieß

man Susanne oder Angela, Frank oder Thomas,

ein Peter ging gerade noch durch, war

aber schon leicht veraltet und roch nach den

50ern. Außerdem gab es jede Menge Volkers.

Woher die Vorliebe für Volker im West-

Deutschland der 60er Jahre kam, kann ich

nicht sagen. MeinVater wollte mich Heinrich

nennen, was meine Mutter nicht zuließ, die

August bevorzugte,wogegen mein Vater sein

Veto einlegte.Sowurde Volker aus mir.

Aktuell befindet sich Volker nicht unter

den hundert beliebtesten Vornamen, genauso

wenig wie Kevin, der noch Anfang der

90er Jahre als Spitzenreiter die männlichen

Charts beherrschte,was zwei Filmen geschuldet

war:„Der mit dem Wolf tanzt“ mit Kevin

Generationenwechsel

Der lange

Abschied

Holger Schmale

sieht, wie die jungeGeneration die Macht der Babyboomer aus

den 50er- und 60er-Jahren in Deutschland in Fragestellt

KOLUMNE

Kevin

kehrt

zurück

Volker Heise

Filmemacher und Autor

Costner und „Kevin –Allein zu Haus“ ohne

Kevin Costner.Allerdings war der Namen mit

einem Makel behaftet. Er klang nach bildungsfernem

Aufmerksamkeitsdefizit-Syndrom,

nach schlecht ernährten Ballerspielen

auf zu viel Ritalin. Kevin, hieß es damals, sei

kein Name, sondern eine Diagnose, und sie

lautete Unterschicht, jenseits des Mindestlohns,

was für Kevin Kühnert von der SPD

wiederum Bürde und Möglichkeit ist. Denn

BERLINER ZEITUNG/THOMAS PLASSMANN

wachsendem Wohlstand. Das ist die eine

Perspektive, die der Älteren. Ausder Sicht der

Jungen, der Erben, stellt sich die Lage womöglich

anders dar.

Haben die Babyboomer nicht Jahrzehnte

lang nur an sich gedacht und hinterlassen ihren

Kindern nun eine Klima- und eine Rentenkatastrophe?

Eine verantwortungslose

Generation, die diese Probleme zwar erkennt,

aber zu wenig tut. Oder, schlimmer

noch, ihre Machtposition ausnutzt, sich

auch jetzt noch das Beste zu sichern. Zum

Beispiel mit den aktuellen Rentenplänen,

ausgearbeitet von einer Kommission, in der

fast ausschließlich Älteresaßen. Ähnlich verhält

es sich mit dem halbherzigen Kompromiss

zum Kohleausstieg, ebenfalls ausgehandelt

vonMenschen, die die wirklich fatalen

Folgen des Klimawandels selbst wohl gar

nicht mehr erleben werden.

Die Demonstranten der „Fridays-for-Future“-Bewegung

haben diese Fragen auf die

Straße getragen, wie es einst ihre (Groß-) Eltern

bei den mächtigen Demonstrationen

gegen Atomkraftwerke und Nachrüstungsraketen

vorgemacht haben. Undsie haben mit

dem Internet ein noch viel mächtigeres Instrument

der Mobilisierung. Sie haben binnen

kurzer Zeit die politische Debatte in

Deutschland verändert und der etablierten

Politik neue Prioritäten gesetzt. Neben den

konkreten Fragen nach Klimaschutz, sozialer

Sicherheit oder demokratischer Digitalisierung

rückt damit aber auch eine andere

Frage in den Vordergrund: Wiesoll der große

Generationswechsel vonstattengehen?

Brauchen wir einen neuen Generationenvertrag?

Können sich Alte und Junge zum

Beispiel für eine gewisse Zeit Jobs teilen, um

Erfahrungen weiterzugeben, die sonst verloren

gingen? Laut jüngsten Berichten planen

Konzerne in großem Maßstab die vorzeitige

Ablösung der Babyboomer, dasie dem digitalen

Wandel nicht gewachsen seien. Wie

lässt sich das klug gestalten? Wie lässt sich

das Wissen der Babyboomer durch ehrenamtliche

Tätigkeit als Berater nutzen, weitergeben

und quasi digitalisieren?

Jene politische Parteien, die sich diesen

Themen zuwenden, nicht im Hinterzimmer

sondernimDialog mit interessierten Jungen

und Alten, tun etwas für die Zukunftssicherung

unseres Landes –und für sich. Denn sie

zeigen, dass sie auf der Höhe der Zeit sind, in

der es immer auch darum geht, unsere demokratischen

Strukturen zu schützen, zu erhalten

und weiter zu entwickeln. Darüber

könnte auch die SPD mal nachdenken.

wenn nicht ein Kevin, wersolldann all die Zurückgebliebenen

des neoliberalen Zeitalters

mobilisieren und in ihr Recht setzen?

Allerdings ist KühnertEnde der 80er Jahre

geboren, vor der großen Kevin-Welle, und

soll nach dem Fußballspieler Kevin Keegan

benannt worden sein, der im Abklingbecken

seiner Karriere beim HSV spielte und viele

weibliche Fans hatte, was vielleicht an seinen

langen Haaren lag, vielleicht aber auch

an seinemVornamen. Kevinkommt ausdem

Altirischen und bedeutet: anmutig, hübsch

von Geburt an. Die 80er hatten sowieso ihr

eigenes Kevin-Moment. Außer KevinKeegan

gab es auch noch Super-Kevin, eine Comic-

Figur des Erdölkonzerns British Petrol, der

mit dem Slogan auftrat: „Offenbar haben die

Menschen Energieprobleme –Arbeit für unseren

besten Mann, für Super-Kevin“.

Bei sovielen Einflüssen ist es kein Wunder,

wenn auf dem Titelblatt des aktuellen

Spiegel Kevin Kühnert den potenziellen Leser

anschaut wie ein junges Super-Mario-

Teufelchen, dem bald die Hörner wachsen

werden, umdas Establishment zu erschrecken

und die Macht zu erobern. Und damit

wären wir bei der guten Nachricht der auch

diesmal wieder frohen Kolumne: Alles

kommt wieder,nichts ist für immer verloren.

Kevin kehrt zurück, Volker kehrt zurück und

vielleicht auch Armin. DerHSV kehrtzurück

in die Bundesliga und die Sozialdemokraten

stellen den nächsten Bundeskanzler. Nur

Bodenseesaibling und -Kilch sind für immer

verschwunden.

„Die Welt da draußen, so

verroht sie manchmal ist,

so schlampig und vulgär,so

sexistisch und rassistisch

und antisemitisch,

ist in der Welt der Kinder

angekommen.“

Simone Fleischmann, Vorsitzende des Bayerischen

Lehrer- und Lehrerinnenverbands, über soziale Medien

AUSLESE

Boris Johnson

und der harte Brexit

Wie weiter in Großbritannien? Diebelgische

Zeitung De Tijd rechnet unter

jedem Nachfolger vonTheresa Maymit einem

harten Brexit: „Egal wer eswird, es

bleibt eine Tatsache,dass der Brexit auf einem

Abstellgleis steht“, schreibt das Blatt.

„Das macht eineVereinbarung mit Europa,

die vomUnterhaus abgesegnet wird, auch

immer schwieriger. Die Schlussfolgerung

daraus lautet, dass ein harter Brexit ohne

Deal immer realistischer wird.“ „Alle Augen

richten sich nur auf einen Bewerber:

Boris Johnson“, schreibt die Straßburger

Zeitung Dernières Nouvelles d’Alsace.

„Nachdem er sein Land mit falschen Statistiken

indoktriniertund aktiv zum Bruch

mit Brüssel beigetragen hat, will er seine

Karriere als hochbegabter Manipulator

fortsetzen. Diesmalverspricht er,das Geld

nicht zurückzuzahlen, das Großbritannien

vonder Europäischen Unionerhalten hat.

Man wäre versucht zu lachen –wenn der

faule Trick nicht erneut große Aussichten

aufErfolg hätte.“

Dielinksliberale slowakische Tageszeitung

Pravda ist der Meinung, dass ein Politiker

vom Schlage Johnsons bei der EU

nichts erreichen wird: „Die Chancen, dass

die EU-27-Führer bereitwillig ihre Meinung

zugunsten von jemandem ändern

werden, der schon droht, bevor erüberhaupt

eineVerhandlungsposition bekommenhat,

kann sogar einVorschüler richtig

abschätzen. Es sei denn, er gehört zur

Führungsgarnitur der heutigen Tories.“

Christine Dankbar

PFLICHTBLATTDER BÖRSE BERLIN

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Berliner Zeitung · N ummer 133 · M ittwoch, 12. Juni 2019 – S eite 9 *

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Berlin

Knochenflöten und

Steintrommeln: Wiedie

Urahnen musizierten

Seite 17

Gewitterhimmel –InBerlin waren besonders viele Blitze zu sehen Seite 10

Traditionsstätte –Der Jahnsportpark wird bald komplett umgebaut Seite 12

Stadtbild

Roller

rückwärts

Torsten Landsberg

freut sich auf den

technischen Fortschritt.

Inein paar Tagen ist die Genehmigung

durch, und dann dauert es

nicht mehr lange,bis bei uns endlich

die ersten E-Tretroller legal über

Radwege und Straßen heizen. Wurde

ja auch Zeit: Diedeutsche Rückständigkeit

mal außen vor gelassen,

konnte sich gerade Berlin als hippe

Metropole neben Städten wie Paris

oder San Francisco kaum mehr blicken

lassen.

Überraschend viele Leute sind

sogar schon mit den Elektroflitzern

unterwegs, obwohl bei den bislang

erhältlichen Modellen angeblich

fraglich ist, ob sie überhaupt eine Betriebserlaubnis

erhalten werden.

Das ficht hier niemanden an, unbekümmert

lassen sich die „Revoluzzer“

in diesen schwülen Tagen den

kühlenden Fahrtwind ins Gesicht

wehen, die sich abstrampelnden

und vonSchweiß gepeinigten Radler

aufschneiderisch passierend.

DieVermeidung von Schweißbildung

scheint angesichts von Reichweiten

bis 25 Kilometer proAkkufüllung

das überzeugendste Argument

für die E-Tretroller zu sein. Neben

der Reichweite lässt doch vor allem

die witterungsbedingte Nutzung den

Schluss zu, dass der E-Roller eher

dem Fahrrad Konkurrenz machen

wird als dem Auto. Was bedeutet,

dass sich der Mensch bald gar nicht

mehr selbstständig bewegt.

Unkenrufer meinen dagegen, das

Thema könne sich sowieso schnell

von selbst erledigen. Paris will die

vor gerade mal einem Jahr genehmigte

Nutzung der Zweiräder nämlich

deutlich beschränken: Die Geschwindigkeit

soll ebenso reduziert

werden wie die Zahl der Anbieter –

ein Dutzend sind es momentan, die

zusammen zwischen 15 000 und

20 000 Tretroller zur Miete anbieten.

Der Grund für das Einschreiten der

Stadtoberen ist auch in Berlin nicht

unbekannt: Die geliehene Mobilität

steht im Weg, viele Nutzer kümmert

es nicht, ob jemand an dem Gefährt

vorbeikommt, sobald es einmal abgestellt

ist. Nach mir die Sintflut,

„Verleih mir!“, statt „Verzeih mir!“

DiePariser Bürgermeisterin Anne

Hidalgo spricht von„Anarchie“ und

hat ein Parkverbot auf allen Bürgersteigen

ausgerufen – die Zuwiderhandlung

soll 35 Euro kosten. Über

so viel Kleinbürgertum kann der Berliner

nur lachen. Könnten die Behörden

hier wild geparkte Roller überhaupt

kontrollieren oder gar eine

Strafe vollstrecken? 30 000 Leihräder

beweisen glaubhaft das Gegenteil.

Wir sind ja hier nicht in Paris. Also:

Aufdie Roller,fertig, los!

Nun kommt sie,die neue Konkurrenz im

öffentlichen Straßenraum. DPA/CHRISTOPH SÖDER

Sandra Scheeres (SPD), Senatorin für Bildung,Jugend und Familie, spricht mit den Stadtteilmüttern.

Die Brückenbauerinnen

Der Senat sichert die Zukunft der Stadtteilmütter.Bis 2025 soll es berlinweit 300 Stellen geben

VonMelanie Reinsch

Wie schwer die Suche

nach einem Kitaplatz

ist, weiß in Berlin jede

Mutter.Wenn das Kind

dann noch nicht mal perfektes

Deutsch spricht, wird es oft noch

schwerer.„Ich freue mich jedes Mal,

wenn es geklappt hat, einen Kita-

Platz für eine Familie zu finden“, sagt

Selma S., Stadtteilmutter aus Mitte.

Seit drei Jahren begleitet Selma S. Familien

bei Behördengängen, bietet

Unterstützung bei der Kita- oder

Schulsuche an oder hilft bei Sprachbarrieren.

„Ich mache das mit Leib

und Seele“, sagt sie.

Aber von Leidenschaft kann keiner

leben. Lange stand das bundesweit

einzigartige Berliner Modellprojekt

auf keinem finanziell festen

Gerüst. Das hat nun ein Ende. Am

Dienstag stellte Bildungssenatorin

Sandra Scheeres (SPD) das neue

Landesprogramm Stadtteilmütter

vor. Und das sind gute Nachrichten:

Für die Frauen auf der einen Seite.

Undfür die Familien auf der anderen

Seite.Das Programm sichertdie dauerhafte

Finanzierung der Arbeit der

Stadtteilmütter.Bis 2025 soll die Zahl

verdoppelt werden. Der Senat hatte

das Programm vergangene Woche

beschlossen.

43 Millionen für Stadtteilmütter

„Das Projekt ist ein Erfolgsmodell für

Berlin. Wir können sehr stolz sein,

dass es jetzt einen festen Rahmen

bekommt“, sagte Scheeres. Damit

wertschätzeman auch die Arbeit der

Frauen. Dazu nimmt der Senat bis

einschließlich 2024 insgesamt 43

Millionen Euro in die Hand. „Die

Stadtteilmütter sind Brückenbauerinnen

zwischen den Kulturen. Sie

leisten einen wichtigen Beitrag zur

Integration und Überzeugungsarbeit“,

so Scheeres. Die Frauen, die

selbst einen Migrationshintergrund

haben, trügen durch ihre Arbeit zur

Integration und Teilhabe bei. „Sie

nehmen Ängste und machen den Familien

deutlich, wie wichtig Bildung

und frühkindliche Förderung ist“,

sagte Scheeres weiter. Aktuell arbeiten

in Berlin 157 Stadtteilmütter.Die

Selma S. arbeitet als Stadtteilmutter in Mitte.

meisten davon in Neukölln, Mitte

und Friedrichshain-Kreuzberg. In

den anderen Bezirken ist bisher nur

jeweils eine Stadtmutter tätig. Das

soll sich ändern, denn das Projekt

wirdnun mit dem neuen Landesprogramm

auf das ganze Stadtgebiet

ausgedehnt. Biszum Jahr 2015 sollen

300 Stadtteilmütter-Stellen finanziert

werden. Bisher wurden die

Frauen über verschiedene Programme

unterstützt, einige Programme

sind bereits ausgelaufen –

oder würden es demnächst –sodass

die Arbeit der Frauen gefährdet war.

Dass die Finanzierung nun sicher ist,

beschreibt Ulrike Koch, Leiterin des

Interkulturellen Familienzentrums

tam, wo Scheeres am Dienstag das

Programm vorstellte, so: „Ein Traum

ist endlich wahrgeworden.“

Selma S. wurde bisher über das

Landesrahmenprogramm Integrationslotsinnen

finanziert und freut

MELANIE REINSCH

„Das Projekt ist ein Erfolgsmodell für Berlin.

Wirkönnen sehr stolz sein, dass es jetzt einen

festen Rahmen bekommt.“

Sandra Scheeres (SPD), Senatorin für Bildung, Jugend und Familie

sich ebenso über die neue Entwicklung.

Die Mutter dreier Kinder hat

selbst keine leichte Geschichte hinter

sich. Siewurde in Berlin geboren,

aber als Baby zu ihren Großeltern in

die Türkei geschickt. Ihre Mutter,damals

22 Jahre jung, musste arbeiten,

konnte sich nicht kümmern. Rund

zehn Jahre später kam Selma S. zurück

nach Deutschland und arbeitet

nun als Stadtteilmutter.Umwie viele

Familien sie sich kümmert, kann sie

gar nicht sagen. Manche betreut sie

über Monate. Dabei geht es nicht

darum, dass sie den Familien alles

abnimmt, sondern, dass sie die Familien

auch motiviert, Dinge selbst

in die Hand zu nehmen: Beim

Schreiben für die Behörde mal ein

paar Sätzeeigenhändig zu verfassen,

den Brief selbst zur Post zu bringen.

„Das wollen die meisten auch gern“,

sagt Selma S.. Aber die Sprachbarriere

verunsichere viele Mütter und

Väter.Vor allem hätten die Mütter einen

großen Wunsch: Dass es ihren

Kindernmal besser geht und dass sie

mit Kindernaus Deutschland gleichgestellt

sind, die gleichen Chancen

bekommen.

Beianderen ist Bildung und frühkindliche

Erziehung allerdings erst

der zweite Schritt. Da gibt es dramatische

Lebenssituationen, bei denen

erst einmal die Existenz gesichert

werden muss, damit zum Beispiel

eine alleinerziehende Mutter auf eigenen

Beinen stehen kann. Selma S.

erzählt von einer alleinerziehenden

Frau mit vier Kindern, die eine Zeit

lang Berlin verlassen musste und der

während ihrer Abwesenheit Kitaplätze

und Wohnung gekündigt, das

Elterngeld gekürzt worden sei. „Da

mussten wir wieder ganz von vorn

beginnen“, sagt sie. Bei anderen Familien

geht es um gesunde Ernährung:

Wieviel Zucker istinder Limonade?

Warumist Fast Food nicht gut

fürs Kind? „Das wissen viele nicht.“

Das Projekt zeugt auch deshalb

von gelebter Integration, weil es den

Stadtteilmütternselbst eine Perspektive

bietet. Sie werden nun nicht nur

nach Tarif bezahlt und sozialversicherungspflichtig

angestellt, sie können

sich zudem qualifizieren. Zur

Ausbildung gehören 200 Theoriestunden

und 50 Praxisstunden. Am

Ende erhält jede Frau ein Zertifikat.

Vorbild Niederlande

DPA/WOLFGANG KUMM

Ursprünglich gab es das Projekt nur

im Neuköllner Schillerkiez–eine Erfindung

des damaligen SPD-Bezirksbürgermeisters

von Neukölln, Heinz

Buschkowsky. Also dort, wo der Anteil

an Familien mit Migrationshintergrund

besonders hoch ist. AlsVorlage

diente das „Rucksackprinzip“

aus Holland: Mütter besuchen Mütter

mit einem Rucksack mit Lehrund

Kinderbüchern und Spielen. In

Berlin sind rote Tasche und roter

Schal das Erkennungszeichen der

Stadtteilmütter.

Melanie Reinsch

wohnt in dem Kiez, in dem

das Projekt initiiertwurde

NACHRICHTEN

Vermögen zu groß: Kein

Anspruch auf Wohngeld

EinPhilosoph mit einem Bankvermögen

vonrund 115 000 Euro hat

keinen Anspruch auf Wohngeld. Die

Klage des 78-Jährigen sei abgewiesen

worden, teilte das Verwaltungsgericht

am Dienstag mit. DerPhilosoph

und Literaturwissenschaftler

wollte für sich und seine 75-jährige

Ehefrau wegen geringer Rente einen

staatlichen Zuschuss bekommen,

was vomBezirkCharlottenburg-Wilmersdorfabgelehnt

wurde.Das war

rechtens,befand das Gericht. Nach

dem Wohngeldgesetz des Bundes sei

die Vermögensgrenzevon 90 000

Euro überschritten (Aktenzeichen:

VG 21 K901.18). Laut Gericht ist

maßgeblich, ob dem Antragsteller

zugemutet werden kann, die Mietbelastung

aus seinem Vermögen zu

bestreiten. Zudem müssten familiäre,

gesundheitliche und soziale

Verhältnisse der Haushaltsmitglieder

berücksichtigt werden. DieEheleute

seien gesund, hätten keine Unterhaltsverpflichtungen

und monatliche

Einkünfte,hieß es. (dpa)

Tempelhofer Feld

für Hertha?

In der Dauerdebatte um eine mögliche

neue Fußball-Arena vonBundesligist

Hertha BSC soll Sportsenator

Andreas Geisel einen Standort

am Tempelhofer Feld nicht völlig

ausgeschlossen haben. DieInitiative

dafür könne aber nicht vomSenat

kommen, sagte der SPD-Politiker

dem Radiosender Spreeradio bereits

voreiner Wochebeim Hoffest. Wenn

der Club allerdings eine Diskussion

darüber starten würde,„warum

nicht“. Geisel Sprecher Martin Pallgen

bemühte sich am Dienstagabend

klarzustellen, dass der Senator

die falsche Person sei, um Änderungsinitiativen

zu starten. Dassogenannte

Tempelhof-Gesetz

verbietet aufgrund des erfolgreichen

Volksentscheid von2014 eine Bebauung

des Felds. (dpa)

Klimaaktivisten ketten sich

an Zaun des Kanzleramts

Rund 30 Umweltaktivisten haben

sich am Dienstag an den Zaun des

Bundeskanzleramts gekettet. Einige

vonihnen trugen die Ketten um den

Hals.„Wirhaben die Schlüssel an die

Minister und das Kanzleramt geschickt

und warten, bis sie uns losschließen“,

sagte eine Sprecherin

vonExtinction Rebellion. DiePolizei

brach am frühen Nachmittag die

Schlösser auf, die Demonstranten

reagierten mit Sprechchören. Extinction

Rebellion (auf Deutsch etwa

„Rebellion gegen das Aussterben“)

ist eine Bewegung mit Ursprung in

Großbritannien, die mehr Klimaund

Umweltschutz fordert. (dpa)

Die Forderung der Stunde: In viele Kommunen

wird darüber diskutiert. DPA/ZINKEN


10 * Berliner Zeitung · N ummer 133 · M ittwoch, 12. Juni 2019

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Berlin

Gewitter nach großer Hitze

Die Sonne erhitzt

den Erdboden und

die unteren

Luftschichten.

1 Feucht-warme Luft

steigt empor und trifft

auf stark abkühlende

Luft in den oberen

Schichten. Es bilden

sich Wolken.

2

Aufsteigende

Wassertropfen

reiben sich

an Eiskristallen

in großer Höhe.

Positiv und

negativ geladene

Tropfen trennen

sich. Die Wolke

lädt sich auf.

positive Ladung am Erdboden

Positive Ladung

Negative Ladung

12 000m

800m

3 Die schweren

Eiskristalle

fallen als

Hagel oder

Regen zur Erde.

Die Spannung

entlädt sich

innerhalb der

Wolke oder

zwischen Wolke

und Erdboden.

BLZ/GALANTY; QUELLE: DWD, FU BERLIN, AFP, DPA

Schutz vor

Blitzschlag

Schutz

in Autos

suchen

3Meter Abstand

zu anderen

Personen

Nicht unter freistehenden

Bäumen

Schutz suchen

Nicht

aufrecht

stehen

Keine Metallteile

und Leitungen

berühren

Keine Metallgegenstände

tragen

Nicht auf

Sportplätzen

bleiben

Badewasser

verlassen/in die

Hocke gehen

Fernseher und

Computer abschalten,

Kabel trennen

Am Himmel ist die Hölle los

Tausende Blitze erhellten in der Nacht zu Dienstag die Stadt. Das ist ungewöhnlich, aber wie entstehen solche Unwetter eigentlich?

Blitze über HäusernamSpreeufer –Entladungen innerhalb der Wolken.

Blitzeinschläge

Stand 16 Uhr

SPANIEN

FRANKREICH

NORWEGEN

DEUTSCHLAND

ITALIEN

SCHWEDEN

POLEN

RUMÄNIEN

GRIECHENLAND

WEISSRUSS.

DPA/PAUL ZINKEN

UKRAINE

BULGARIEN

TÜRKEI

BLZ/GALANTY; QUELLE: LIGHTNINGMAPS.ORG

Regionen mit den häufigsten Blitzeinschlägen von Sonntag bis Dienstagnachmittag.

VonTorsten Harmsen

Mit Tausenden Blitzen

gingen die Gewitter

einher, die sich in der

Nacht zum Dienstag

über der Region austobten. Zwar blieben

größere Schäden aus, wie ein

Sprecher der Berliner Feuerwehr mitteilte,

aber die Blitzdichte war sehr

groß –vor allem im Osten Berlins, in

Ostbrandenburg und Teilen der Lausitz.

Man zählte bis zu 50 000 Blitze.

Bis Donnerstag hat der Deutsche

Wetterdienst (DWD) weitere, teils unwetterartige

Gewitter vorhergesagt.

Die Ursache liegt laut DWDineinem

„Tiefdruckkomplex über Mitteleuropa“.

Aus dem Südosten strömt

warme,feuchte Luft heran. DieSonne

erwärmt den Boden zusätzlich. Die

Luft steigt in höhere Schichten auf,

kühlt dort ab. An winzigen Staubteilchen

lagertsich kondensiertes Wasser

an. Wolken entstehen. Je wärmer und

feuchter die Luft ist, desto größer können

dieseWolken werden.

Sie nennen sich Cumulonimbus

und türmen sich

bis zu zwölf Kilometer

auf. Im Innern des

Wolkenturms, der 20

bis 100 Millionen

Tonnen Wasser binden

kann, kommt es

zu wilden Turbulenzen.

In großen Höhen

bilden sich Eiskristalle,

die wie im Fahrstuhl hoch

und runter jagen und sich zusammenballen.

Durch Reibung entsteht

Hochspannung in derWolke.Schließlich

entlädt sich alles im Gewitter:mit

Blitzen, Starkregen und auch Hagel.

Vorhersagen lässt sich der genaue

Ort eines einzelnen Gewitters nicht,

nur das Gewitterrisiko für einzelne

Regionen und der Verlauf der sogenannten

Zugbahn bereits entstandener

Gewitterzellen.

Wie häufig es in den verschiedenen

Regionen blitzt, kann man im Internet

auf einer Weltkarte betrachten

– und zwar live (www.lightningmaps.org).

Hierfür werden Daten von

Wetterstationen auf der ganzen Welt

verarbeitet. Die Blitzchronik reicht

bis zu 48 Stunden zurück. An ihr sieht

Werden SieTeil

der Berliner Zeitung und

holen Sie sich unsereApp: Das

Wetter bleibt noch bis

Donnerstag etwas rauer.

Zeigen Sie uns Ihre Bilder!

DieApp bekommen Sie

kostenlos imApple Store oder

Google PlayStore.

Machen Sie mit

man, dass Berlin und Brandenburg

derzeit mitten in einer Zone von Gewittern

liegen, die vom Mittelmeer

bis zur Ostsee reicht. Besonders heftig

krachte es auch auf dem Balkan, in

der Türkei, in Russland, dem Osten

der USA und in Mittelamerika.

Bevor man im Jahre 1925 mit der

Erfassung vonBlitzen überWetterstationen

begann, dachte man, dass es

auf dem Globus etwa 100-mal proSekunde

blitzt. Inzwischen weiß man:

Es sind im Schnitt 44-mal. Deutschland

kommt dabei im globalen Vergleich

recht glimpflich weg. Am meisten

kracht es in tropischen Regionen

rund um den Äquator. InVenezuela

schlagen pro Jahr und Quadratkilometer

bis zu 232 Blitze ein. In

Deutschland sind es gerade mal ein

bis zwei Blitze. Gemeint sind Entladungen,

die den Erdboden erreichen.

Wie der Blitz-Informationsdienst

vonSiemens (Blids) in seinem Blitzatlas

zeigt, lag Berlin 2016 und 2017 auf

Platz drei der blitzreichsten Bundesländer

–einmal hinter Nordrhein-

Westfalen und Hamburg,

das andere Mal hinter

Sachsen und Hessen.

In Berlin schlugen in

den beiden Jahren

1,5 bis 1,79 Blitzepro

Quadratkilometer

ein. Insgesamt 1340

bis 1600. Eine Ursache

für die relative

Häufigkeit könnte laut

Meteorologen sein, dass die

bebaute Stadt als Wärmespeicher

für zusätzlichen Auftrieb der feuchtwarmen

Luft sorgt. Für 2018 gibt es

noch keinen Blitzatlas.

Auch im Jahresvergleich findet

man Unterschiede.Von 2006 bis 2009

wurden in Deutschland jährlich etwa

eine Million Blitzeinschläge registriert,

2017 waren es„nur“ 443000.

Eine direkte Verbindung zwischen

Klimawandel und Blitzhäufigkeit

lässt sich also kaum ziehen. Aber Meteorologen

beobachten durchaus

eine Zunahme der Heftigkeit vonGewittern

mit Starkregenfällen, Stürmen

und Hagel. Denn je wärmer die

Luft ist, desto mehr Wasser kann eine

Wolke speichern und desto größer

und energiereicher wirdsie.

Ein Blitz schlägt in die Dresdner Altstadt ein.

Große Hagelkörner im oberbayerischen

Hechendorf.

DPA/BEATRIX TA

DPA/ROBERT MICHAEL

Scheiben einer bayerischen Rettungswache

nach Hagelbeschuss. DPA/RAINER BERTRAM

BUNDESWEITE GEWITTERFOLGEN

Eine Gewitterzelle zieht über einen WindenergieparkinBrandenburg.

DPA/PATRICK PLEUL

Bayern. Hier kam es in der

Nacht zu Dienstag zu Gewitternmit

Orkanböen vonbis

zu 120 Kilometernpro

Stunde, heftigen Blitzen und

Hagelkörnernmit einem

Durchmesser vonbis zu

sechs Zentimetern. In mehreren

Orten im Großraum

München seien durch den

Hagel Autoscheiben und

Dachfenster zu Bruch gegangen,

sagten Sprecher von

Polizei und Feuerwehr.Häuser

stünden unter Wasser.Im

Stadtgebiet vonMünchen

wurden etwa 550 Einsätze

vonHilfskräften gezählt.

Sachsen. Im Süden des

Bundeslandes fielen 30 bis

50 Liter Regen pro Stunde,

der Deutsche Wetterdienst

registrierte Hagelkörner mit

einem Durchmesser vonbis

zu vier Zentimetern. Im Erzgebirgskreis

meldete die Polizei

mehrere überflutete

Straßen. Im Kirnitzschtal in

der Sächsischen Schweiz

gabesnach Angaben der

Feuerwehr mehrere kleinere

Erdrutsche. Die Kirnitzschtalbahn,

die Touristen zu den

Wanderorten bringt, muss

bis voraussichtlich Mittwoch

den Betrieb einstellen.

Bahnverkehr. LautDeutscher

Bahn kam es in Bayern zwischenLandshut

und München

zu Einschränkungen

durch Bäume auf den Gleisen.

Die Zügekonnten jedoch

Umleitungen fahren. Deswegengab

es auchimFernverkehr

bis in die frühen Morgenstunden

keinen kompletten

Ausfall. Bei der Münchner S-

Bahn warenlaut einer Sprecherin

der DeutschenBahn

drei Linienvon den Sturmschäden

betroffen.ZuleichtenVerzögerungenkam

es im

Güterverkehr zwischen Berlin

und Dresden.

Folgen des Gewittersturms in Denklingen im Allgäu.

CHRISTIAN RUDNIK


Berliner Zeitung · N ummer 133 · M ittwoch, 12. Juni 2019 11

· ·

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Berlin

Fluglärm raubt Tegel-Anwohnernden Schlaf

Neue Statistik zeigt: Die nächtliche Belastung ist im Vergleich zu früheren Jahren deutlich gestiegen. Koalition fordert höhere Flughafengebühren

VonPeter Neumann

Wenn es Abend wirdauf

dem Flughafen Tegel,

zieht dort keine Ruhe

ein. In TXL darf auch

zu später Stunde gestartet und gelandet

werden. Eine neue Statistik

zeigt nun, wie groß die Belastung der

Anlieger ist. Danach gab es auf dem

am stärksten genutzten Flughafen

dieser Region im vergangenen Jahr

10 123 Starts und Landungen zwischen

22 und 5.59 Uhr – deutlich

mehr als in früheren Jahren. Davon

fanden 1547 nach 23 Uhr statt. „Ich

finde diese Zahlen extrem“, sagte

Jörg Stroedter, SPD-Fraktionsvize

und Abgeordneter aus Reinickendorf.

Rot-Rot-Grün fordert die Flughafenentgeltordnung

zu ändern, um

für Spät- und Nachtflüge hohe Zuschläge

festzulegen: bis 700 Prozent.

Flugzeug deckt Dach teilweise ab

In Reinickendorf, Pankowund Spandau

finden Anwohner nachts keinen

Schlaf, oder sie werden frühmorgens

durch Turbinenkrach geweckt.

Zwar war die Zahl der Spät- und

Nachtflüge nicht so hoch wie im Jahr

davor.Doch den damaligen Spitzenwert

(10 305) erklären Beobachter

mit einem „Sondereffekt“: 2017 ging

Air Berlin in die Insolvenz, und die

letzten Wochen vor der Betriebseinstellung

waren durch Verspätungen

gekennzeichnet. Das heißt, dass die

Zahl der Flüge,die sich in die späten

Ein Flugzeug unterwegs in der Nacht. Lärmzuspäter Stunde ist für Anwohner eine besondersstarke Belastung.

Abend- und Nachtstunden hinein

verschoben, 2017 relativ hoch war.

Fachleute raten deshalb,die aktuellen

Werte mit vorangegangenen

Jahren zu vergleichen. 2016 wurden

in Tegel 9633 Spät- und Nachtflüge

registriert, 2015 waren es noch 8862.

Waskaum jemand weiß: In Tegel

gibt es kein striktes Nachtflugverbot.

Zwar dürfen Flugzeuge zwischen 23

und 6Uhr dort eigentlich gar nicht

starten und landen. Doch wenn sich

Linienflüge verspäten, kann die Luftaufsicht,

nach Mitternacht die

oberste Luftfahrtbehörde, Ausnahmen

erlauben –was meist geschieht.

Nächtliche Starts und Landungen

in Berlin-Tegel, Flugbewegungen

zwischen 22.00 und 5.59 Uhr

davon ab 23 Uhr *Januar bis April

7930

8862 9633 10 305 10 123

1484

1239 1792 1547

1185

3119

389

2014 2015 2016 2017 2018 2019*

BLZ/GALANTY; QUELLE: FBB

Besonders häufig wurden diese

Möglichkeiten 2018 von Easyjet, Eurowings

und Laudamotion genutzt.

Postflüge dürfen in Tegel ebenfalls

nach 23 Uhr stattfinden, sogar

ohne Genehmigung im Einzelfall. Im

vergangenen Jahr wurden 488 Starts

und Landungen von Postflügen registriert–immer

nach Mitternacht.

Auch Ambulanzflüge sind nachts

erlaubt: 2018 wurden 171 Flugbewegungen

zu später Stunde gezählt.

Nicht zu vergessen die Militär-, Polizei-,

Regierungs- und Bundespolizeiflüge:

Vergangenes Jahr gab es 173

Starts und Landungen nach 22 Uhr.

IMAGO IMAGES/ JOCHEN TACK

Immer wieder müssen die Anwohner

unter weiteren Belastungen

leiden, sagte Rolf-Roland Bley von

der Initiativegegen das Luftkreuz auf

Stadtflughäfen. So finden in der

Nacht zum kommenden Sonnabend

erneut Vermessungsflüge statt: „Mit

zweimotorigen Turboprops, die besonders

ätzende Geräusche vonsich

geben.“ Zudem werden oft Gebäude

beschädigt, weil Flugzeuge Wirbelschleppen

hinter sich herziehen. Am

Pfingstsonntag passierte es wieder

mal: Gegen 18 Uhr wurde ein Dach

in der Siedlung am Hohenzollernkanal

teilweise abgedeckt –dieser Be-

reich ist besonders häufig betroffen.

Wahrscheinlich war ein Easyjet-Flug

aus Kopenhagen schuld, sagte Bley.

„Dass die Lärmbelastung auf hohem

Niveau bleibt, liegt auch daran,

dass Tegel überlastet ist“, so Stroedter.

Für acht Millionen Passagiere

pro Jahr geplant, musste Tegel im

vergangenen Jahr 22 Millionen Fluggäste

verkraften. SPD, Linke, Grüne

und Initiativen setzen sich dafür ein,

dass Tegel geschlossen wird –gleich

nach der Eröffnung des BER, die derzeit

für Oktober 2020 geplant ist.

Auch in Schönefeld ist es laut

Das bedeutet, dass Schönefeld-Anwohner

zusätzlich belastet werden.

Zwar wird am BER anders als am

heutigen Schönefelder Airport ein

Nachtflugverbot gelten, doch planmäßige

Linienflüge sind nur zwischen

23.30 und 5.30 Uhrverboten.

Die FDP fordert, Tegel weiter zu

betreiben. „Mit der Kombination

von BER und TXL würden die Starts

und Landungen in Tegel rapide zurückgehen“,

sagte Fraktionschef Sebastian

Czaja. Eine Start- und Landebahn

reiche dann aus.„Miteinem

Nachtflugverbot von 22 Uhr bis

6Uhr und den immer leiser werdenden

Maschinen nimmt auch die Geräuschkulisse

ab“, so Czaja. „Zudem

haben Anwohnerinnen und Anwohner

ab 2020 ein Recht auf Lärmschutz.

Das benötigte Geld hat der

Senat aber bis heute nicht im Doppelhaushalt

zur Verfügung gestellt.“

Ex-Staatssekretär Rackles

kritisiert SPD-Führung

Berliner Landesvorstand legt eigenes Punktepapier vor

VonMelanie Reinsch

„Nicht Andrea

Nahles ist gescheitert,

der gesamte

Parteivorstand ist

gescheitert!“

Mark Rackles, Ex-Staatssekretär

Vor zwei Monaten wurde der damalige

Staatssekretär Mark

Rackles von Bildungssenatorin

Sandra Scheeres (SPD) in den einstweiligen

Ruhestand versetzt, doch

Ruhe geben will der vonGrünen und

Linken geschätzte SPD-Mann noch

lange nicht. Nun hat der profilierte

Partei-Linke und ehemalige Müller-

Vertraute einen Brief an die Genossen

verfasst und Kritik am Parteivorstand

geübt. Mission: Nichts weniger

als die SPD aus ihrem Tief befreien.

Am Sonntagnachmittag verschickte

Rackles an einige Parteimitglieder

einen Brief mit sieben Anmerkungen,

die er gern amDienstagabend

auf der Sitzung des SPD-

Landesverbandes diskutiert haben

möchte und der der Berliner Zeitung

vorliegt.

Es ist eine Auflistung vonThemen

unter dem Titel „Aus Fehlern lernen?“,

die seiner Meinung nach seit

der Bundestagswahl 2017 falsch liefen

und die man nun verbessern

müsse, nachdem die Bundes-SPD

nach dem Rücktritt vonAndrea Nahles

führungslos durch Fahrwasser

treibt. Angelehnt ist die Denkschrift

an die Analyse „Aus Fehlernlernen“,

die der damalige Parteichef Martin

Schulz nach dem Wahldebakel 2017

in Auftrag gegeben hatte.

Allerdings sei auch er selbst ratlos,

wie man aus der „doch mehr oder

weniger existenziellen Krise heraus-

kommen“ könne, schreibt Rackles.

Es sei jedoch eindeutig an der Zeit,

den „Mittelbau“, also die zweite und

dritte Reihe der Funktionäre und

Funktionärinnen in Ländern und

Kommunen, einzubeziehen. Wenn

nicht endlich wirksame Schlussfolgerungen

aus den Fehler- und Wahlanalysen

gezogen würden, sei die

Frage nach einer Doppelspitze, dem

konkreten Parteitagstermin oder gar

dem Einläuten eines neuen Grundsatzprogrammprozesses

„schlicht

egal, weil unserePartei weiter an Vertrauen

verlieren wird“, schreibt Rackles

weiter. „Die angestrebte Erneuerung

innerhalb der Großen Koalition

ist mit Stand heute gescheitert“, so

der SPD-Mann. Der gesamte Parteivorstand

sei gescheitert.

Nicht zum ersten Mal macht sich

Rackles Luft: Vorziemlich genau einem

Jahr hatte der damalige Vize-

Landesvorsitzender in einem Brief

erklärt, die Führungsstrukturen der

Landespartei seien von„Mehltau befallen“,

und die Parteispitze sei

durch „ein personelles Stillhalteabkommen“

geprägt. Gleichzeitig erklärte

er damals seinen Rückzug aus

dem Landesvorstand.

Am Dienstagnachmittag zog nun

der geschäftsführende Landesvorstand

der SPD mit einem eigenen

Punkte-Papier nach, das der Berliner

Zeitung vorliegt und das als Vorlage

für die Sitzung am Abend dienen

soll. Die Landesverbände sind vom

Bundesvorstand aufgerufen, Ideen

einzureichen.

Die Berliner fordern, dass der

Bundesparteitag vorgezogen wird.

Zudem solle der Parteitag die Voraussetzungen

für eine Doppelspitze

schaffen. Die SPD Berlin erwartet

schließlich eine ehrliche Analyse

darüber, obdie SPD in der Koalition

ihre inhaltlichen Kernanliegen

durchsetzen konnte. „Ist dies nicht

der Fall, muss die Koalition beendet

werden“, heißt es. Außerdem solle

ein neues Grundsatzprogramm erarbeiten

werden, weil das zwölf Jahre

alte Hamburger Programm keine

zeitgemäße Grundlage mehr biete.

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12 * Berliner Zeitung · N ummer 133 · M ittwoch, 12. Juni 2019

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Berlin

Radfahrer

schwer

verletzt

Bereits zwei Unfälle in

dieser Woche

Ein 35 Jahrealter Radfahrer ist am

Dienstagmorgen in Tiergarten

von einem Kipper erfasst worden.

Der Mann wurde schwer verletzt in

ein Krankenhaus gebracht. Der Unfall

ereignete sich kurz nach 8Uhr

auf der Tiergartenstraße zwischen

Klingelhöferstraße und Hiroshimastraße.

Die näheren Umstände sind

noch unklar.Esist bereits der zweite

Verkehrsunfall in dieser Woche, bei

dem ein Radfahrer schwer verletzt

wurde. AmPfingstmontag hatte ein

31 Jahre alter Autofahrer in Prenzlauer

Berg mit seinem BMW eine 36-

jährige Radfahrerin angefahren. Die

Frau war gegen 16.20 Uhr auf dem

Radwegestreifen der Otto-Braun-

Straße in Richtung Greifswalder

Straße unterwegs.Dabei kam ihr der

31-Jährige Autofahrer rückwärtsfahrend

auf dem Radwegestreifen entgegen

und erfasste mit dem Heck des

Autos die Frau. Sie stürzte und verletzte

sich schwer an einem Armund

einem Fuß. (ls.)

POLIZEIREPORT

Biker gestürzt.

Aufder Autobahn 100 ist am Pfingstmontag

ein 63 Jahrealter Motorradfahrer

auf die Fahrbahn gestürzt. Er

war gegen 11.40 Uhrauf seiner Triumph

in Richtung Süden unterwegs.

Zwischen den Anschlussstellen

Kreuz Schönbergund Alboinstraße

berührte er bei einem Spurwechsel

mit dem Vorderrad des Motorrades

die Begrenzungssteine der räumlichen

Trennung der Fahrstreifen. Dadurch

verlor er die Kontrolle über

seine Maschine.Der Mann stürzte

auf die Fahrbahn und rutschte mehr

als 40 Meter weit. Er brach sich beide

Arme und ein Bein. Lebensgefahr

besteht dem Vernehmen nach nicht.

Seniorin beraubt.

Eine 89 Jahrealte Frau ist am Montagvormittag

voneiner Unbekannten

überfallen und ausgeraubt worden.

DieTäterin hatte an der Wohnungstür

der Seniorin in der Koloniestraße

in Gesundbrunnen

geklingelt und das Opfer um Waschmittel

gebeten. DieMieterin ließ die

Unbekannte ein. Kurz darauf stieß

die Täterin ihr Opfer zu Boden, fesselte

und knebelte es.Dann raubte

die Frau Geld und flüchtete.Das Opfer

konnte sich selbst befreien und

die Polizei rufen. DieFraukam mit

schweren Verletzungen am Kopf und

am Armineine Klinik.

Autos in Flammen.

Unbekannte haben in der Nacht

zum Dienstag in Hellersdorfeinen

Opel Zafiraangezündet. DerWagen

brannte aus.Kurznach Mitternacht

hatte ein Anwohner auf einem Parkplatz

in der Eisenacher Straße Rauch

und Flammen bemerkt. Er informierte

die Feuerwehr,die kurzdarauf

die Flammen löschte.Ein daneben

geparkter Opel Corsa wurde

durch das Feuer ebenfalls beschädigt.

Verletzt wurde niemand. Die

Polizei geht vonvorsätzlicher Brandstiftung

aus.Hinweise auf ein politisches

Motiv hat das Landeskriminalamt

nicht.

Monteure verletzt.

Zwei Männer sind am Dienstag bei

Wartungsarbeiten an einem Aufzug

in Mitte schwer verletzt worden. Aus

unbekannten Gründen seien Teile

des Aufzugs abgesprungen, wie die

Feuerwehr mitteilte.Die Techniker

wurden an Gesicht und Oberkörper

getroffen und kamen schwer verletzt

in ein Krankenhaus.Der Aufzug in

einem vierstöckigen Wohnhaus in

der Mulackstraße wurde vonder

Feuerwehr gesichert. (ls.)

Das Große Stadion im Friedrich-Ludwig-Jahn-Sportpark. Das Areal ist 22 Hektar groß und befindet sich im Gleimviertel gleich neben der Max-Schmeling-Halle.

100 Millionen für eine Sportstadt

Der Jahnsportpark in Prenzlauer Berg wird abgerissen und neu gebaut –barrierefrei

VonElmar Schütze

Der Jahnsportpark in

Prenzlauer Berg ist ein

Symbol für die teils desaströse

Situation großer

Sportstätten in der Stadt. Dietraditionsreiche

Arena –siehe Chronik –ist

zwar das meistgenutzte Stadion Berlins,

bestreiten dort doch die Regionalliga-Fußballer

vom BFC Dynamo

und der VSG Altglienicke sowie die

American Footballer der Berlin Adler

(aktuell 3. Liga) ihre Heimspiele vor

durchschnittlich knapp 1000 Zuschauern

pro Partie. Und auch auf

den Nebenplätzen herrscht stets reger

Betrieb durch unterklassige Fußballer,

Sportunterricht von Schulen

oder Individualsportler wie Läufer.

Im Laufe der Jahrzehnte wurde

immer wieder am Stadion und dem

Gelände ringsum herumgefrickelt,

dennoch gilt es erneut als sanierungsbedürftig.

Zuletzt hatte ein Kabelbrand

die historischen Flutlichtmasten

außer Betrieb gesetzt, zwischenzeitlich

stand eine weitere Betriebsgenehmigung

in Frage.

Das soll nun ein Ende haben: Im

nächsten Jahr soll mit dem Abriss begonnen

werden. Zum Frühsommer

2023, wenn vom16. bis zum 25. Juni

die Special Olympics in Berlin gastieren,

soll ein völlig neues, barrierefreies

Stadion bereitstehen.

DieSpecial Olympics ist die weltweit

größte, vom Internationalen

Olympischen Komitee offiziell anerkannte

Sportbewegung für Menschen

mit geistiger und mehrfacher

Behinderung. Diese Spiele finden

alle zwei Jahre statt. In diesem Jahr

war AbuDhabi der Gastgeber.

500 000 Zuschauer erwartet

Inzwischen haben sich die Special

Olympics zu einer internationalen

Großveranstaltung gemausert. So

treten mittlerweile 7000 Athleten

aus 180 Nationen zu Wettkämpfen in

25 Sportarten an. In vier Jahren in

Berlin sollen Wettkämpfe unter anderem

im Olympiastadion und im

benachbarten Olympiapark stattfinden,

aber etwa auch in den Messehallen

unterm Funkturm, im Velodrom,

der Max-Schmeling-Halle,

aber auch auf und in der Spree. Für

Leichtathletik ist der Jahnsportpark

vorgesehen. Berlin rechnet insgesamt

mit 500 000 Zuschauern.

Um den Jahnsportpark für das

Sportereignis fit zu machen, wird

kaum ein Stein auf dem anderen

bleiben. So müssen nicht nur die

Toiletten und Rettungswege umgebaut

werden, sondern auch ausreichend

Rollstuhlaufstellplätzegebaut

werden. Geplant ist zum Beispiel,

schiefe Ebenen aber auch Raum für

mobile Aufzüge zu schaffen. Da aber

nur ein relativ kleiner Prozentsatz

CHRONIK

1825 1954 1998

• • •

Das Militär kaufte das Areal

1825 und machte es zum

Exerzierplatz. Ende des 19.

Jahrhunderts wurde der

„Exer“ zum Sportplatz. Anfangs

spielte dortunter anderem

auch Hertha BSC (damals

BFC Hertha 1892).

Nach drei Jahren Bauzeit

wurde 1954 das Friedrich-

Ludwig-Jahn-Stadion eröffnet.

Anlass waren die Weltjugendfestspiele.

Dabei entstand

ein Fußball- und

Leichtathletikstadion mit

Platz für 30000 Zuschauer.

Seine heutigen bunten

Schalensitze erhielt das Stadion

1998, bereits in den

60er-Jahren war die Flutlichtanlageerrichtet

worden.

Zum Champions-League-Finale

der Frauen 2015 wurde

die Arena erneut saniert.

Der Jahnsportparkist eine klassische Arena für Fußball und Leichtathletik.

Rustikaler Charme zum Champions-League-Finale der Frauen 2015. BLZ/ENGELSMANN (2)

Auch das neue Stadion soll Tribünen erhalten, jedoch deutlich funktionaler werden.

IMAGO

BLZ/GERD ENGELSMANN

der Special-Olympics-Athleten im

Rollstuhl sitzt, muss zum Beispiel

auch ein komplettes Wegeleitsystem

entstehen, in dem sich auch Blinde

oder mental eingeschränkte Menschen

zurechtfinden können.

Damit nicht genug. So müssen

die Hinweisschilder bei der BVGund

der S-Bahn umgestaltet werden, damit

Athleten und Besucher den Weg

zum neuen Stadion finden.

Allein für die Special Olympics

sind 82 Millionen Euro eingeplant:

Jeweils 35 Millionen Euro zahlen

Bund und Land, 12 Millionen Euro

schießen die Special Olympics zu.

Insgesamt rechnet der Senat mit

100,8 Millionen Euro für die vollständige

Sanierung der Arena.

Dafür ist nur eine Minimal-Variante

zu haben. Vonder ursprünglich

geplanten Zuschauerkapazität von

30 000 sind die Planer auf 20 000 heruntergegangen.

Möglich wurde das,

weil Sportsenator Andreas Geisel

(SPD) sich voriges Jahr darauf festlegte,

das Olympiastadion mit der

charakteristischen blauen Laufbahn

als Leichtathletikstadion zu erhalten

–sokonnte der neue Jahnsportpark

eine Nummer kleiner ausfallen.

Weiterer Umbau geplant

Doch bei dem Ausbau zum barrierefreien

Stadion soll es ohnehin nicht

bleiben. Eine vom Senat beauftragte

Machbarkeitsstudie beschäftigt sich

mit den Sportflächen im Umfeld.

Derzeit gibt es dort das sogenannte

Kleine Stadion, ausgestattet mit Naturrasen

und Leichtathletik-Anlagen

sowie einem Funktionsgebäude mit

Umkleiden. Hinzu kommen zwei

Kunstrasenplätze für Hockey und

Fußball, Tennisfelder sowie Beachvolleyballplätze.

DieStudie schlägt weitereBeachfelder

vor, aber etwa auch einen Fitnessparcours

und Laufstrecken außerhalb

der Stadien. Dergrößte Eingriff

wäre aber eine doppelstöckige

Sporthalle mit je drei Spielfeldernsowie

Gymnastik- und Mehrzweckräumen,

die auch vonSchulen und Kitas

genutzt werden können. Inzwischen

hat auch Basketballbundesligist Alba

Berlin Interesse bekundet, mit seiner

Zentrale in einen Neubau zu ziehen.

Auch diese Anlagen sollen sämtlich

barrierefrei sein.

Vorigen Freitag wurde die Machbarkeitsstudie

dem Sportausschuss

des Abgeordnetenhauses vorgestellt.

Ein Kosten- und ein Zeitrahmen liegen

nach Angaben der Verwaltung

noch nicht vor. Nur eines ist nach

Angaben von Sportstaatssekretär

Aleksander Dzembritzki sicher: Die

Sanierung kann nicht zeitgleich mit

der des großen Stadions erfolgen. Es

kann also gut sein, dass während der

Special Olympics im Juni 2023 nebenan

die nächste Baustelle ist.

Mieter wehren

sich gegen

Clan-Mitglied

Nachbar terrorisierte

Bewohner in Spandau

Jahrelang terrorisierte Abdulkadir

O. in Spandau seine Nachbarn.

Das Mitglied eines berüchtigten

Clans bedrohte sie,warfEier auf Balkone,

soll Briefkästen aufgebrochen

und Fäkalien auf die Abtreter vorden

Türen geschüttet haben. Vier Wohnungsbesitzer

sind schon ausgezogen.

Jetzt wehren sich die Verbliebenen

gegen den Horror-Nachbarn.

Am Dienstag im Spandauer

Amtsgericht: Die Bewohner des

Hauses an der Falkenhagener Straße

haben die Eigentümerin der Wohnung

auf Unterlassung verklagt. Sie

wollen, dass ihr 36-jähriger Mieter

Abdulkadir O. niemanden mehr mit

Eiern zubewerfen hat. Dass er niemanden

mehr anbrüllt und niemanden

mehr bedroht. Der mehrfach

vorbestrafte Abdulkadir O. soll für

265 Vorfälle im Haus verantwortlich

sein (wir berichteten).

MitVerwandtschaft gedroht

Vor Gericht erschien am Dienstag

nur die Vermieterin vonO.Die Wohnungseigentümerin

beteuerte, dass

sich ihr Mieter doch nun ordentlich

benehme.Und dass alles gar nicht so

schlimm sei.

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Mitte Maihatten mehrereMedien

über das Gebaren des Nachbarn berichtet.

Die Bewohner vermuten,

dass der Clan, dem Abdulkadir O. angehört,

durch Dauerterror die Bewohner

verdrängen und die Wohnungen

übernehmen will.

Vier Wohnungsbesitzer hielten es

bereits nicht mehr aus, verkauften

und zogen weg. Mehrmals soll Abdulkadir

ihnen mit seinen zahlreichen

Cousins und Brüdern gedroht

haben.

Seitdem die Sache öffentlich ist,

reißt er sich zusammen: Er gibt sich

lammfromm, hat sogar den Innenhof

aufgeräumt, den er für seine

sechs Kinder allein in Beschlag genommen

hatte.

Die Bewohner halten das für vorgeschoben

und vermuten, dass

Clanchef Issa R. ihm eine Ansage gemacht

hat. Tatsächlich hatte dieser

über O. gesagt: „Das ist ein Idiot.“

Eine Nachbarin will auch Schadenersatz

geltend machen. Denn auf

ihrem Balkon landeten nicht nur

zahllose Eier, die auch die Fassade

verdreckten. O. habe auch mit Büchsen

voll Fassadengrundierung geworfen.

Die kann nicht einfach so

beseitigt werden.

Nach der Sommerpause will die

Richterin entscheiden, ob sie der

Vermieterin glaubt oder den Nachbarn.

Ob sie also der Unterlassungsklage

stattgibt. (BLZ)


Berliner Zeitung · N ummer 133 · M ittwoch, 12. Juni 2019 13

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Berlin

Tempo, Feuer und Spezialeffekte: Das Leben von Sos und Victoria Petrosyan dreht sich um die Zauberkunst.

PRIVAT

Die Kunst der schnellen Verwandlung

Sos und Victoria Petrosyan sind Zauberkünstler und wechseln binnen Sekunden ihre Kostüme. Nun gastieren sie mit einer großen Show in Berlin

VonFlorian Thalmann

Victoria Petrosyan steht in

einem gelben Kleidchen

auf der Bühne, das ihr nur

bis zu den Knien reicht.

Eine Windmaschine wirbelt Konfetti

auf. Nur für den Bruchteil einer Sekunde

verschwindet Petrosyan dann

in einer Wolke aus flimmernden

Schnipseln –und plötzlich trägt sie

ein langes,glitzerndes Abendkleid.

Wie konnte sie sich so schnell

umziehen? Das Zauberwort heißt

„Quickchange“ – Victoria und ihr

Ehemann Sos Petrosyan beherrschen

die Kunst der schnellen Kostümwechsel.

Einmagisches Paar

Natürlich geht nicht alles mit rechten

Dingen zu, denn die beiden sind

Profi-Zauberkünstler,das flinke Umziehen

ist ein Trick, mit dem sie in

den vergangenen Jahren die Bühnen

der Welt eroberten. Derzeit vertreten

sie Deutschland sogar am Broadway,

denn die Petrosyans gehören zum

Cast der Zaubershow „The Illusionists“,

die in den nächsten Tagen

auch in Berlin gastiert.

Die Karriere der beiden begann

vor vielen Jahren. „Mein Vater war,

als ich noch klein war, Direktor des

armenischen Staatszirkus“, sagt Sos

Petrosyan. „Irgendwann begann ich

auch mit dem Jonglieren und lernte

erste Zaubertricks.“ Die ersten Kostümwechsel

führte er gemeinsam

mit seiner Schwester vor, für die Familie.

Die Tricks hatte der Vater ihnen

beigebracht. „Wir waren nicht

gut, aber es machte großen Spaß.“

Beim Zirkus traf er später dann

Victoria. „Ihre Mutter arbeitete als

Beleuchterin –und wir lernten uns in

der Caféteria kennen.“ Heute treten

sie zusammen auf, sind verheiratet,

leben in der Nähe von Mannheim,

haben zwei Söhne – und bilden

Deutschlands magischste Familie.

Denn SosJunior (22) und Tigran (19)

traten in die Fußstapfen der Eltern,

zauberten bereits in der Jugend. Und

stehen nun, nach dem Schulabschluss,

ebenfalls als Zauberer auf

der Bühne. „Wir wussten erst nicht,

ob es der richtigeWegfür sie ist“, sagt

Sos Petrosyan. „Sie sollten ein anderes

Standbein haben, nicht nur die

Zauberei kennen –deshalb war es

uns sehr wichtig, dass sie ihren

Schulabschluss machen.“

Die Petrosyans führen ein Leben,

das komplett der Magie verschrieben

ist. „Bei uns wird jeden Taggezaubert.

Nicht darüber zu reden, ist

eigentlich unmöglich“, sagt der

stolze Vater und lacht. „Wir versuchen,

an Sonntagen auch mal nicht

über Zauberei zu sprechen. Undwir

nehmen keine Arbeit mit nach

„Wir versuchen, an Sonntagen

auch mal nicht über Zauberei zu sprechen.“

Sos Petrosyan, Zauberkünstler, steht mit seiner Frau Victoria auf der Bühne –

und auch die beiden gemeinsamen Söhne haben ihr Leben der Magie verschrieben.

Hause.“ Schließlich stehen nicht

viele Paare jeden Tagzusammen auf

der Bühne.„Es ist nicht immer leicht,

natürlich gibt es schwierige Tage.

Aber auf der Bühne sind wir Profis.“

Gibt es Konflikte, dürfen die Zuschauer

nichts merken.

Stattdessen sollen sie staunen –

über die Kostümwechsel, die den

beiden in Sekunden gelingen. Er-

funden wurde diese Kunstform angeblich

von Leopoldo Fregoli, einem

italienischen Verwandlungskünstler,

der Ende des 19. Jahrhunderts

auf der Bühne stand. Die

Petrosyans reicherten die alte Darstellungsform

mit einem enormen

Tempo an. „Wir wollten uns nicht

nur umziehen auf der Bühne, es

sollte spektakulärer werden. Und

dann dachten wir: Wenn wir schon

so schnelle Kostümwechsel vorführen,

müssen wir das ganze zum Rekordmachen“,

sagt er.

Insgesamt fünfmal schaffte es das

Paar ins Guinness-Buch der Rekorde

–mit bis zu 16 kompletten Verwandlungen

in zwei Minuten. „Wir haben

allerdings jedes Mal unsere eigenen

Rekorde gebrochen, denn die Konkurrenz

in dem Gebiet ist nicht sehr

groß.“ Nicht immer habe aber alles

reibungslos funktioniert. Bei den

Proben für die Rekordversuche habe

es immer Pannen gegeben. „Nur bei

den Auftritten hat alles funktioniert.

Victoria hat vorFreude geweint.“

Nun touren sie mit den „Illusionists“

durch die Welt und stehen von

Mittwoch bis Sonntag in der Verti

Music Hall auf der Bühne. Anihrer

Seite treten unter anderem der Entfesselungskünstler

Andrew Basso,

der portugiesische Zauberer Luís de

Matos und Englands Star-Magier

James More auf. „Wir freuen uns,

wieder in Berlin zu sein.Wirsind früher

auch im Varieté Wintergarten

aufgetreten, haben hier Freunde und

Familie“, sagt SosPetrosyan.

Die einzigen deutschen Vertreter

Die Show kommt direkt vom Broadway

–und die Petrosyans sind die

einzigen deutschen Vertreter in der

Gruppe. „Das macht uns natürlich

stolz“, sagt er. Der größte Erfolg der

beiden ist das Engagement aber

nicht, auch nicht der Weltrekord im

Umziehen. „Sondern dass unsere

Söhne so selbstständig sind, dass sie

auch so viel Zeit in die Zauberkunst

stecken. Und damit auch unseren

Namen weitertragen.“

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14 * Berliner Zeitung · N ummer 133 · M ittwoch, 12. Juni 2019

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Berlin

Jelbi kommt auf Touren

Die erste Version der neuen BVG-App ist jetzt online. Eine Anmeldung genügt, um Fahrzeuge mehrerer Anbieter mieten zu können. Doch nicht jeder macht mit

VonPeter Neumann

Elektrische Tretroller stehen

bereit –aber erst mal nur

fürs Foto, dann werden sie

wieder weggeräumt. Doch

in einigen Wochen können am S-

Bahnhof Schönhauser Allee auch E-

Scooter gemietet werden, wie jetzt

schon Fahrräder, Elektromotorroller

und Autos. Dort haben die Berliner

Verkehrsbetriebe (BVG) ihren zweiten

Mobility Huberöffnet –solautet

die neudeutsche Bezeichnung für

die bunt bestückte Ausleihstation.

Ebenfalls am Dienstag ging die Jelbi-

Apponline: eine App, mit der man in

ganz Berlin all diese Vehikel nutzen

kann, ohne sich bei jedem der über

20 Anbieter registrieren zu müssen.

Zum Ortstermin auf dem kleinen

Parkplatz abseits der Greifenhagener

Straße,der vonApcoa betrieben wird,

ist auch Christof Schminke gekommen.

Er ist Manager bei Trafi Commercial,

einem Ableger des einstigen

Start-ups Trafi, das im heimischen

Vilnius in Litauen mit einer ähnlichen

AppFuroregemacht hat.

Einige Daten werden registriert

„Wir sind stolz, dass wir in nur neun

Monaten die Pilotversion der Jelbi-

App inRekordzeit realisieren konnten“,

sagte er.Und riet, das multimodale

Angebot zu erproben. Normalerweise

müsste man sich bei jedem

Fahrzeugvermieter einzeln registrieren

–in der Summe eine aufwendige

Startklar für die nächste Fahrt: An der neuen Ausleihstation am S-Bahnhof Schönhauser Allee hinter dem Einkaufszentrum steht ein Elektroauto bereit.

Angelegenheit. Das Besondere an

der neuen Appist nun, dass eine einzige

Registrierung sowie ein Nachweis

der Fahrerlaubnis genügen, um

alle Fahrzeuge mieten zu können.

Zum Start sind das Carsharing-

Unternehmen Miles, Emmy mit seinen

Elektromotorrollern sowie Deezer

Nextbike mit 2600 Mieträdern

dabei –und natürlich die BVG, deren

Tickets sich ebenfalls buchen lassen.

Der Name Jelbi geht auf die berlinerische

Version des Wortes Gelb zurück,

und Gelb ist die Farbe der BVG.

„Das Basisangebot ist jetzt live,

früher als geplant“, sagte BVG-Digitalvorstand

Henrik Haenecke. Nach

und nach werden weitereFirmen dazugeschaltet:

im Sommer der Berlkönig,

der Ridesharing-Fahrdienst

der BVG, im Spätsommer Taxi Berlin.

DieVerordnung, die Elektrotretroller

zulässt, soll Mitte Juni in Kraft treten.

„Danach wird esein paar Tage dauern,

bis auch E-Scooter des Anbieters

Tier an diesem Mobility Hubbereitstehen“,

so Haenecke.

BVG

Bis Herbst soll das App-Angebot

weiter anwachsen. Auch Mobike,

Donkey Republic, Jump, Lime und

Mobike sind Partner der BVG, außerdem

Carsharing-Anbieter wie DB

Flinkster, Mobileeee sowie Oply.

Nicht dabei sind Car2Go und Drive-

Now, die inzwischen unter dem Namen

ShareNow firmieren.„Die Automobilkonzerne

machen lieber ihr eigenes

Ding“, meinte Sigrid Nikutta,

die BVG-Chefin. Undwie sieht es mit

dem Datenschutz aus? „Wir sind in

engem Kontakt zur Datenschutzbehörde“,

sagte Henrik Haenecke. Klar

sei aber auch: Um die Fahrten abrechnen

zu können, sind Anfangsund

Endpunkte zu registrieren.

Nachfrage hält sich in Grenzen

Die Mobility Hubs sind ein weiterer

Teil der Digitalstrategie des Landesunternehmens

–auch wenn sie mit

Blech, Gummi und Kunststoff analog

daherkommen. Sie sollen es Fahrgästen

erleichtern, Mietfahrzeuge

für die letzte Meile zum Ziel zu nutzen.

Die erste Ausleihstation dieser

Art wurde wie berichtet im April in

Kreuzberg eröffnet, an der Skalitzer

Straße 64. „Mit der Nutzung sind wir

sehr zufrieden“, so Haenecke. Ein

Fahrzeuganbieter zog dagegen eine

nüchterne Bilanz. Die Nachfrage

halte sich in Grenzen, sagte er.

„Die nächsten beiden Mobility

Hubs sind in Bau“, teilte der BVG-Digitalvorstand

mit. „Auch sie entstehen

auf Gewobag-Gelände.“ Nach

einer internen Liste soll die Ausleihstation

am Klausingring in Charlottenburg,

unweit vom U-Bahnhof Jakob-KaiserPlatz,

im Juli oder August

fertig werden. Die nächste wird den

Plänen zufolge im August oder September

an der Landsberger Allee 83

in Prenzlauer Berg eröffnet. In der

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ist es uns leider nicht möglich, alle Briefe zu

beantworten oder abzudrucken.

Die Redaktion behält sich das Recht

sinnwahrender Kürzungen vor.

Stellen Sie eine Frage

an Manuela Schwesig

Im kommissarischen SPD-Führungstrio

ist Manuela Schwesig neben

Malu Dreyer undThorsten Schäfer-Gümbel

die dritte im Bunde. Als

Ministerpräsidentin von Mecklenburg-Vorpommern

leitet sie wichtige

Diskussionen und beeinflusst

Entscheidungen im nördlichen Bundesland.

Eine Frau, die viel plant,

denkt und erfährt,

das macht

ein Gespräch mit

ihr interessant.

Zehn unserer Leserinnen

und Leser

können ihr

jetzt persönlich

Manuela

Schwesig (SPD)

IMAGO/PHOTOTHEK

Fragen stellen.

Das Redaktionsnetzwerk

Deutschland

(RND) der Madsack Mediengruppe,

mit dem die Berliner Zeitung kooperiert,

veranstaltet das politische Talkformat

Berliner Salon“ am 17. Juni

um 18.30 Uhr inBerlin-Mitte. Leserinnen

und Leser bekommen exklusive

Einblicke und können bei den

Diskussionsrunden kritisch teilnehmen.

Werdabei sein möchte, sendet

seine Frage mit Kontaktdaten und

Telefonnummer tagsüber bis 16. Juni

bitte an:

leser-blz@dumont.de

Bäcker –ein aussterbender Beruf?

Mitschuld auch bei der Handwerkskammer

Mietendeckel: Das ist 100 Prozent DDR

Facebook: „Wegen Mietendeckel: Eigentümerverband

ruft Vermieter zur

kurzfristigen Mieterhöhung auf“ von

Ulrich Paul

(11. Juni)

Das sollten sich die Vermieter nicht

gefallen lassen. Das, was jetzt kommen

soll, ist 100 Prozent DDR. Am

besten sollten die Vermieter nicht

mehr Geld in Immobilien investieren

und nichts mehr an ihren Häusernmachen.

Dann haben wir wie in

der DDR bald nur noch Wohnungen,

in die keiner einziehen möchte. Außerdem

hätten die Handwerker

kaum noch Aufträge und müssten

somit Leute entlassen.

Hans-Dieter Hertel

Soll derVermieter sich jemand anderes

zum Auspressen suchen! Das

lasse ich notfalls meinen Mietrechtschutz

klären. Dafür ist der da.

Jan Dominic Potthoff

Wir vermieten selbst ein Haus und

sind immer fair zu Mietern.Wenn Erhöhungen

nötig sind, wird das entsprechend

kommuniziert. Wenn mir

die Politik vorschreiben würde, dass

IMAGO/ALLOVER-MEV

Wirtschaft: „Die Jagd nach billigem Brot“ von Mechthild Henneke

(31. Mai)

Es ist ein Teufelskreis: Zum einen findet man kaum Bäcker, die nicht

nur aufbacken. Ich wohne derzeit in Mariendorf und bin meistens

nicht bereit, mit dem Auto zu fahren, um hochwertiges Brot zu kaufen.

Aufmeiner Route zur Arbeit, immerhin 20 Kilometer,gibt es fast keinen

Handwerksbäcker.Ich bedaueredie fehlende Auswahl sehr.Was bleibt

mir da übrig, als Fertigware imEinzelhandel zu kaufen? Zum anderen

sehe ich eine Mitschuld auch bei der Handwerkskammer, die den Begriff

„Bäcker“ zu weit auslegt und nicht sinnvoll schützt. Auch die unterdurchschnittliche

Ausbildungsvergütung hat hier zur Unattraktivität

des Berufs geführt.Vomjetzigen Ausbildungsgehalt kann ein Auszubildender

nicht vernünftig leben. DieBranche hat über Jahrzehnte versagt.

Jetzt kommen Menschen aus der ganzen Welt und zeigen uns,wie

man gutes Brot backt und vermarktet –aber leider nur in den Hipster-

Bezirken. Auch die Förderung von Selbstständigkeit scheint in Berlin

ein Problem zu sein. Viele alteingesessene Einzelhändler investieren

nicht in ihre Geschäfte und wundern sich dann, warum keine neuen

Kunden bei ihnen kaufen. Hier muss mit Fortbildungsangeboten und

Kleinkrediten gefördert werden. Die Einkaufsstraßen veröden sonst,

und Fachgeschäfte werden durch ewig gleiche Imbissbuden ersetzt.

Max Seitz, per E-Mail

ich fünf Jahre nicht erhöhen darf,

würde ich jetzt auch den rechtlichen

Rahmen ausnutzen. Fair muss es immer

von beiden Seiten zugehen.

Stressmieter kann keiner brauchen.

Jörg Engmann

Typisch Vermieter, jetzt versuchen

die alles,ummehr Geld zu holen.

Jose Raphael Kühle

Weltgeschichte hätte eine

andere Wendung genommen

Berlin: „Die Rosinenbomber kommen

nun doch“

(7. Juni)

Zu welch einer erbärmlichen Gesellschaft

sind wir geworden, in der der

Berliner Senat mit beschämender

Verwaltungsarroganz die Landung

von Douglas-Maschinen in Tempelhof

verbietet. Allen, die jetzt auf dem

Tempelhofer Feld Freizeitvergnügen

nachgehen, oder keine Häuser dort

haben wollen, sollte vor Augen geführtwerden,

was aus Tempelhof geworden

wäre: Wenn nicht Kerle in

fliegenden Blechkisten Berlin vor einer

humanitären Katastrophe bewahrthätten.

DieWeltgeschichte hätte eine andere

Wendung genommen. Hier ist

die Politik gefragt, eine Sondergenehmigung

zu erwirken. Die Landung

von Rosinenbombern inTempelhof

wäreein Ausdruck vonDankbarkeit

und eine tiefe Verbeugung

denen gegenüber, die ihr Leben riskierten

und es gaben. Zum anderen

würde es viele aus ihrer derzeitigen

Komfort- und Wohlfühloase holen

und zum Nachdenken anregen.

Heute ist das Leben im Vergleich zu

damals süß. Aber eigentlich ist es bittersüß,

denn es ist teilweise auch bitter

errungen worden.

Andreas Schork,

Waldesruh

Unverantwortlich, dass

Netflix dritte Staffel plant

Spreewild: „Wenn tote Mädchen zu

Vorbildernwerden“ von Anastasia Barner

(3. Juni)

Nicht erst seit Goethes „Werther“,

sondern auch bei den modernen

Massenmedien ist immer wieder

nachgewiesen, dass Berichte über

Suizide mitunter ganze Nachahmungswellen

im Verbreitungsgebiet

der Medien auslösen. Es ist unverantwortlich,

dass Netflix eine dritte

Staffel der Serie„Tote Mädchenlügen

nicht“ plant, obwohl der tödliche

Einfluss der bisherigen zwei Staffeln

bei zehn- bis 17-Jährigen in den USA

klar erkennbar ist. Gerade diese Altersgruppe

ist durch derartige Nachahmungsvorbilder

besonders gefährdet.

Solchem Medienverhalten

muss unbedingt ein Riegel vorgeschoben

werden.

Hans-Volker Pürschel, per E-Mail

Reisen in einem ganz besonderen Licht.

Der nächste Urlaub beginnt amSamstag –mit dem Reisemarkt der Berliner Zeitung.


16 * Berliner Zeitung · N ummer 133 · M ittwoch, 12. Juni 2019

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Brandenburg

NACHRICHTEN

Taxifahrer protestieren

gegen Uber &Co.

Taxifahrer haben am Dienstag gegen

eine geplante Neuregelung für Konkurrenten

wie den Fahrdienstanbieter

Uber in Potsdam demonstriert.

Mitzehn Taxis und bedruckten Bannernstanden

die mehr als 20 Teilnehmer

gegenüber dem Landtag.

„Das,was da passiert, ist ein Willkommensgeschenk

für alle,die Rosinenpickerei

betreiben wollen“, sagte

der Präsident des Bundesverbandes

Taxi und Mietwagen, Michael Müller.Die

Mahnwache sei die erste von

einer Reihe,die in 16 Bundesländern

stattfinden und am 28. Juni in Berlin

enden soll. Mitdem Protest wenden

sich die Taxifahrer gegen die von

Bundesverkehrsminister Andreas

Scheuer (CSU) geplante Liberalisierung

des Fahrdienstmarktes.Uber &

Co.würden ihren Service nur im urbanen

Zentrum anbieten, wo das

Geschäft gut sei, so die Kritik. (dpa)

Das Land übernimmt nun

zentral die Abschiebungen

Wenn Asylbewerber ausreisepflichtig

sind und dies auch juristisch vollziehbar

ist, wirddie Rückführung

künftig wieder zentral durch das

Land Brandenburgvorgenommen.

Damit entfällt die Zuständigkeit der

Landkreise.Das Ganzewirdals

„Hochzonung der Aufgabe“ bezeichnet.

Eine entsprechende vomInnenministerium

vorgelegte Verordnung

hat das rot-rote Kabinett am Dienstag

beschlossen. „Es geht dabei vor

allem um eine größereEffizienz und

die dringend notwendige Entlastung

der kommunalen Ausländerbehörden“,

sagte Innenminister Karl-

Heinz Schröter.„Ichhalte die zentrale

Wahrnehmung dieser sehr aufwendigen

Aufgabe für richtig.“ (bla.)

Umfrage: AfD und Grüne

legen zu

Knapp drei Monate vorder Landtagswahl

gewinnen AfD und Grüne

in der Wählergunst. Dies zeigt der

neue Brandenburg-Trend des Meinungsforschungsinstituts

infratest

dimap im Auftrag des RBB.Die AfD

wäremit 21 Prozent stärkste Kraft

(plus zwei Punkte). DieGrünen erreichen

ein Plus von5Prozentpunkten

und kämen auf 17 Prozent. Das

regierende rot-rote Lager hätte keine

Mehrheit mehr.Die SPD erreicht mit

18 Prozent (minus 4Punkte) Platz

zwei. Gefolgt vonder CDU (minus 3

Punkte) bei 17 Prozent und den Linken

bei 14 Prozent (minus 2Punkte).

DieFDP käme mit 5Prozent ebenfalls

in den Landtag. (dpa)

Fälschungen „Made in China“

Der Zoll kämpft gegen Markenpiraterie. Dabei geht es vor allem um Nachahmung teurer Kosmetika

VonJeanette Bederke, Frankfurt(Oder)

Martin Ruppmann ist

sichtlich geschockt.

Der Geschäftsführer

des Kosmetikverbandes

(VKE) steht vor 16Paletten mit

gefälschten Markenparfüms in einer

Aservatenhalle des Hauptzollamtes

Frankfurt (Oder). Er hält zwei Flakons

in den Händen. „Das ist erschreckend

beeindruckend, teuflisch

gut gemacht“, sagt er. Auf den

ersten Blick sind die kompliziert aus

Metall und Glas zusammengesetzten

Parfümbehälter nicht zu unterscheiden.„Doch

bei der Kopie wurde

schlampiger gearbeitet“, sagt er fast

triumphierend.„Dasieht man Nähte

und Fehler im Metall. Außerdem ist

der Original-Duft deutlich dunkler

und riecht viel intensiver.“

Ruppmann ist vom Fach. Sein

Verband vertritt 60 namhafte Kosmetika-Hersteller.

Erhat täglich mit

der Bekämpfung von Markenpiraterie

zutun. „Die Billigkopien stammen

allesamt aus China“, sagt er.

Original nur auf dem Tresen

Finden Sie das Original: Es ist die Parfümflasche, die rechts steht.

MILLIARDENSCHÄDEN

DPA/PATRICK PLEUL

Fälschungen: Der Handel mit gefälschten Markenprodukten nimmt rasant zu, heißt es beim

Aktionskreis gegenProdukt- und Markenpiraterie. Studien zeigen, dass 6,6 Prozent aller in die

EU importierten Waren gefälscht sind. Der Wert der Fälschungen stieg allein von2013 bis

2016 um 36 Milliarden auf 121 Milliarden Euro. Das ist nicht nur ein Verlust für die Markenhersteller,sondernauch

gefährlich für Verbraucher:40Prozent der beschlagnahmten Fälschungen

haben Zollbehörden bisher als potenziell gesundheitsgefährdend eingestuft.

Schäden: Allein für deutsche Unternehmen liegt der Schaden geschätzt bei etwa 50 Milliarden

Euro pro Jahr.Das Problem: Die Hersteller der Originale investieren in die Forschung und

Entwicklung neuer Produkte und das Marketing,die Fälscher haben diese Kosten nicht. Sie

kopieren alles, was Profit verspricht.

Verbraucher werden am 31. August erstmals beim Tagder Offenen Tür im Hauptzollamt Frankfurt(Oder)

auch über Markenpiraterie aufgeklärt. Zum Beispiel über unbekannte Inhaltsstoffen

in Kosmetik-Fälschungen, die zu Gesundheitsproblemen führen können.

Für den Laien seien Original und

Plagiat nur schwer zu unterscheiden.

„Und selbst wenn: Da steht auf

dem Verkaufstresen das Original

zum Probieren, dann greift der Verkäufer

eine geschlossene Verpackung

unter dem Tisch und verkauft

diese Kopie an den Kunden“. Im Internet

boome das Geschäft, aber

auch bei fliegenden Händlern. „Vieles

kommt als Fracht über den Hamburger

Hafen, aber auch über große

Flughäfen ins Land.“

Auch auf den Märkten entlang

der Brandenburger Grenze zuPolen

werden fast nur Billigkopien verkauft:

Bekleidung, Sonnenbrillen,

Spielzeug, Uhren oder Parfüm. „Solange

jemand nur für den eigenen

Bedarf ingeringer Stückzahl kauft,

darf eresnach Deutschland einführen“,

sagt Astrid Pinz, Sprecherin des

Frankfurter Hauptzollamtes.

Der bislang größte Fund waren

etwa 24 000 Flakons,die Zöllner 2015

auf einem polnischen Laster auf der

Autobahn A12entdeckt hatten. „Ursprünglich

bestand die Ladung aus

50 000 Parfümpackungen, einen

Großteil haben wir bereits vernichten

lassen“, sagt die Sprecherin.

Ruppmann sagt, dass die Kombination

unterschiedlicher Marken auf

einem Transporter bereits ein wichtiger

Anhaltspunkt sei. „Parfümproduzenten

machen keinen Gemischtwarenhandel,

jedes Unternehmen

hat eine eigene Logistik.“ Die Hersteller

vonMarkenwaren haben sich

bei der Zentralstelle für gewerblichen

Rechtsschutz in München registriert.

Im Auftrag dieser Unternehmen

achtet der Zoll gewissermaßen

als Dienstleister an der Grenze

bei der Einfuhr von Waren ins Bundesgebiet

auf mögliche Verstöße.

Und wenn dann der Rechteinhaber

anordnet, dass die Plagiate vernichtet

werden müssen, sorgt ebenfalls

der Zoll dafür –allerdings auf Kosten

des jeweiligen Auftraggebers.

Dass die 24 000 Kopie-Flakons

und Creme-Döschen noch in der

Aservatenhalle lagern, liege auch an

der komplizierten Entsorgung, erklärt

die Zollsprecherin. „Bisher haben

wir die Flakons schreddern lassen.

Die Firma bekommt die Reste

aber anschließend nicht verkauft.

Nun muss das gefälschte Parfüm als

Sondermüll wohl in eine Müllverbrennungsanlage,

was die Entsorgung

teurer macht und mit den

Rechteinhabern erst abgestimmt

werden muss.“

Sechs Millionen Zigaretten

Der süßliche Parfümgeruch mischt

sich in dem Lager mit dem markanten

Duft von Tabak –noch immer

Hauptschmuggelgut an der deutschpolnischen

Grenze. Sechs Millionen

Zigaretten beschlagnahmten Bedienstete

des Frankfurter Hauptzollamtes

insgesamt im vergangenen

Jahr. 2019 entdeckten sie bereits auf

einem einzigen Transporter zwei

Millionen Zigaretten, sagt Pinz.

Markenpiraterie spiele nur eine

untergeordnete Rolle. „So ein

Glücksgriff wie 2015 ist bloßer Zufall.

Die meisten Plagiate entdecken wir

im Postverkehr“, sagt sie. Die mobilen

Zoll-Kontrollgruppen können an

der 260 Kilometer langen Grenze

zwischen Gartz (Uckermark) und

Forst (Spree-Neiße) nur stichprobenartig

agieren. Deswegen sei die

Dunkelziffer hoch, sind sich die Zollsprecherin

und Ruppmann einig.

Und VKE-Geschäftsführer Ruppmann

hat noch eine ganz andereBefürchtung.

„Wenn China seine Neue

Seidenstraße umsetzt, kommen die

Züge aus Asien über Frankfurt

(Oder) nach Deutschland. Wer will

da noch kontrollieren, was da wirklich

transportiert wird?“ Die Neue

Seidenstraße ist ein milliardenschweres

Projekt der Chinesen, um

Zugtrassen nach Europa zu bauen.

Um Verbraucher über Markenpiraterie

aufzuklären, ist der VKE am

31. August erstmals beim Tagder Offenen

Tür im Hauptzollamt Frankfurt(Oder)

dabei. Dortwirdauch gewarnt

vor unbekannten Inhaltsstoffen

in den Fälschungen. „Die Käufer

tragen sich das Zeug bedenkenlos

auf die Haut auf, ohne zu wissen, was

drin ist“, sagt Ruppmann. Die Folge

können Gesundheitsprobleme sein.

Millionen für

Merkels

„Spukschloss“

Gästehaus in Meseberg

wird kaum genutzt

VonJan Sternberg,Meseberg

Anheißen Tagen ist die Badestelle

am Huwenowsee gegenüber von

Schloss Meseberg (Oberhavel) immer

gut besucht. Vonhier aus können

die Schwimmer die Gärtner im

Gästehaus der Bundesregierung beobachten,

die unermüdlich Rasen

und Rabatten wässern. Der Garten

sieht immer top gepflegt aus –nur

betritt ihn kaum jemand: In vier Jahren

hat Kanzlerin Angela Merkel

(CDU) ihr „Landschloss“ nur an 32

Tagen genutzt. Übernachtungsbesuch

gab es nur dreimal. Ausgebucht

war das Schloss nur bei den Klausurtagungen

des Bundeskabinetts 2016

und 2018. Das Schloss gehört der

Messerschmitt-Stiftung, die es der

Regierung bis 2020 für einen symbolischen

Mietpreis überlässt.

Jedes Hotel wäre bei dieser Belegung

längst pleite. Meseberg wird

aber aus dem Etat des Kanzleramts

bezahlt: Jährlich fällt eine Million

Euro für Bewirtschaftung, Unterhalt

und Personalkosten des Kanzleramts

an. Der größte Posten: 3,8 Millionen

Euro pro Jahr stellt die Bundespolizei

für die Bewachung dem

Kanzleramt in Rechnung. Das geht

aus der Antwort der Regierung auf

eine Anfrage des FDP-Abgeordneten

Benjamin Strasser hervor.

Strasser sagte der Berliner Zeitung

(Redaktionsnetzwerk Deutschland):

„Meseberg ist eher ein Spukschloss.Ein

Gästehaus vorden Toren

der Stadt macht nur Sinn, wenn es

auch genutzt wird.“ Die Regierung

solle ein nachhaltiges Nutzungskonzept

präsentieren oder sich die Frage

stellen, ob man es noch braucht. Er

störtsich vorallem an den Ausgaben

für die Sicherheit des meist leer stehenden

Gemäuers. „Die millionenschweren

Kosten, die allein durch

die Bewachung durch die Bundespolizei

im Schichtbetrieb anfallen,

kann man auch gut an anderer Stelle

verwenden“, sagt er.

Auffällig ist: Die Regierung nutzt

Meseberg fast nur im Sommer. Zwischen

August und April klafft eine

riesige Lücke – würde nicht jedes

Jahr ein Weihnachtsbaum im

Schlosshof aufgestellt, in Anwesenheit

eines Staatsministers.

Es ist einer von zwei jährlichen

Terminen, bei denen auch Gäste

hinter den Zaun dürfen. Der zweite

ist der Tagder offenen Tür, der wieder

am Sonnabend dieser Woche ansteht.

Dann ist wirklich etwas los im

„Spukschloss“ der Kanzlerin.

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Berliner Zeitung · N ummer 133 · M ittwoch, 12. Juni 2019 17

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Wissenschaft

Lange Nacht der Wissenschaften

Teil 3–Südwesten

15. Juni 2019, 17 bis 24 Uhr

GETTY IMAGES

Highlights der FU

Humboldts Pflanzen: Der Naturforscher

Alexander vonHumboldt hat vonseiner

Amerikareise Tausende Pflanzen mitgebracht,

die in der Sammlung des Botanischen

Gartens aufbewahrtsind. Eigentlich

stehen diese Originalbelegenur Forschern

offen, in der Langen Nacht werden sie im

Rahmen einer Führung gezeigt. Botanischer

Garten und Museum/Freie Universität (FU),

17 bis 21.30 Uhr,alle 30 Minuten.

Kommunikation: WieZellen Informationen

kodieren und Signale weiterleiten. Die Aufgaben

der Körperzellen sind komplex, da ist

es nur logisch, dass zur Bewältigung viel

Kommunikation zwischen den Zellen notwendig

ist. Infos über seltene genetische

Krankheiten, Bioreaktoren und Mikroskopiertechniken.

Biochemie, Hahn-Meitner-

Bau der FU,ab17Uhr.

Schöne neue Menschheit? Die gezielteVeränderung

der menschlichen DNA birgt

Chancen und Risiken. Einerseits könnte vielen

Krankheiten vorgebeugt werden, andererseits

droht die unregulierte Optimierung

des Menschen bis hin zum Designer-Baby.

Eine ethisch-moralische Sicht auf die Genom-Editierung.Vortrag,Philosophie

der FU,

17 Uhr.

Das Undenkbare denken: Außerirdisches

Leben und seine Folgen. Eine Diskussion

über den „First Contact“, das erste Aufeinandertreffen

unserer Spezies mit außerirdischem

Leben: Wiesehen die sozialen und

politischen Folgen aus? Dazu auch aktuelle

Forschungsergebnisse zum Thema. Vortrag

und Diskussion. Salon Futur,Rostlaube der

FU,18Uhr.

Historisch: Instrument, das die Sonnenscheindauer

bestimmt. B. WANNENMACHER

Wetterbeobachtung mit Blick über Berlin:

Im 6. Stock des Wetterturms zeigen Studierende,

wie das Wetter beobachtet wird und

informieren über die Projekte Aktion Wetter-

Pate und Wetter-Informations-Dienst Berlin

des FU-Instituts für Meteorologie. Wetterturm,

ab 17 Uhr.

Audioquakes –Erdbebenhörbar gemacht:

Wiesich Erdbeben anhören. Forscherbearbeiten

registrierte Bodenbewegungen, um sie

hörbarzumachen, und vergleichen den Klang

zum Beispiel mit dem vonKernwaffentests.

Geophysik, Silberlaube/FU,ab17Uhr.

Flug durch das Gehirnder Fruchtfliege:

Lebende Fruchtfliegen unter dem Mikroskop

und digitalisierte 4D-Aufnahmen des Fliegenhirns

aus verschiedenen Entwicklungsstadien.

Biologie/FU,ab17Uhr.

Ich und Big Data: Eine Ausstellung gibt Ausblick

in die Zukunft der Computer- und

Smartphonenutzung und zeigt, welche persönlichen

Daten wir schon heute –teilweise

unbewusst –preisgeben und wie diese verwertet

werden. Diskutiertwird, werdaraus

welchen Nutzen zieht und wie wir damit unsere

eigene Gesundheit analysieren können.

Mathematik, PI-Gebäude der FU,ab17Uhr.

Crashkurs Maya: Einführung in die indigene

Sprache für Kinder und Erwachsene. Lateinamerika-Institut

der FU-Berlin, 19 Uhr.

Neue Kurzfilme aus China: Auswahl chinesischer

Kurzfilme, die sich mit Facetten der

chinesischen Gesellschaft und Kultur auseinandersetzen.

Konfuzius-Institut der FU-Berlin,

ab 22 Uhr.

Südwesten

Sonderbusrouten

1

Freie Universität

2

Der Sound der Urahnen

An der Freien Universität zeigt eine Schau historischer Instrumente, wie in der Steinzeit musiziert wurde

VonAlice Ahlers

3

Dahlem-Dorf

4

7 8

1 Max-Planck-Institut für molekulare

Genetik

2 Henry-Ford-Bau der FU Berlin

3 Fritz-Haber-Institut der Max-Planck-

Gesellschaft

4 Biochemie (Hahn-Meitner-Bau) der FU

5

10

9a

9c

9b

6

Anzeige

11

12 16

13−15

17

18

Unter den Eichen

Unter den Eichen

Berlin-Lichterfelde West

5 Präsidialamt der FU Berlin

6 Konfuzius-Institut an der FU Berlin

7 Topoi-Haus der FU Berlin

8 Philosophie der FU Berlin

9a Rostlaube der FU Berlin

9b Silberlaube der FU Berlin

15. Juni 2019

17 -24Uhr

19 20 21

Botanischer

Garten

Botanischer Garten

Wenn der Aulos erklang,

stand bei den Römern

eine ausschweifende

Party bevor. Das Blasinstrument

war Bestandteil des Dionysoskults,

zudem nicht nur Opferzeremonien

gehörten, sondernauch

reichlich Wein und andere berauschende

Substanzen. Die Doppelschalmei,

die in der Antike in Europa

so bekannt war wie heute das Saxofon

oder die Gitarre, besteht aus zwei

Röhren mit Grifflöchern, das Mundstück

gleicht einer Oboe. Gespielt

wurde auf ihm so ähnlich wie beim

Didgeridoo mit zirkulärer Atemtechnik.

So entstand ein scheinbar nie

endender durchdringender Ton, der

das Gehirn wohl in einen ekstatischen

Zustand versetzte.

Dieses und andere Instrumente

können sich Besucher der Langen

Nacht der Wissenschaften am Sonnabend

an der Freien Universität (FU)

anhören. Im Topoi-Haus in Dahlem

sind Teile der Ausstellung „Archaeomusica

–40000 Jahre Musik“ zu sehen,

die in den vergangenen Jahren

durch verschiedene europäische

Städte gezogen ist. Gezeigt werden

die Nachbauten der ältesten Klanggeräte

der Menschheit aus Steinzeit,

Bronzezeit und Antike,die nach dem

Vorbild archäologischer Funde originalgetreu

rekonstruiert wurden.

„Manche Instrumente sind so gebaut,

dass sie Klänge hervorbringen,

die heute kein anderes Instrument

mehr produziert“, sagt der Musikarchäologe

Arnd Adje Both, der an

der FU und am Deutschen Archäologischen

Institut geforscht hat.

Dasälteste bekannte Musikinstrument

der Welt wurde 2008 in der

Höhle „Hohle Fels“ auf der Schwäbischen

Alb in Baden-Württemberg

ausgegraben. Es handelt sich um eine

Flöte mit fünf Grifflöchern, die vor

40 000 Jahren aus dem Flügelknochen

eines Gänsegeiers geschnitzt

wurde.Musik hat also offenbar schon

bei den ersten modernen Menschen

zum Alltag gehört. „Zu diesem Zeitpunkt

gab es eine Art Kulturexplosion“,

sagt Both. „Auf einmal findet

man Indizien für Kunst und Musik,

Höhlenmalereien, figürliche Objekte

und auch Musikinstrumente,die vorher

im archäologischen

Befund nicht vorkommen.“

Zur Ausstellung gehören

sowohl Blasinstrumente

als auch Trommeln,

Rasseln und Saiteninstrumente.

Auch

Schwirrplättchen, geschnitzt

aus Rentiergeweihen,

die erstmals um

23 000 vor Christus auftauchten,

sind zu sehen.

Sie wirbeln an einer

Schnur wie ein Propeller

durch die Luft und erzeugen

flatternde, brummende

oder heulende

Töne.Noch heute werden sie voneinigen

Kulturen bei Initiationsriten

verwendet.

Die Art der Musikinstrumente

war immer auch abhängig vomtechnischen

Stand einer Gesellschaft.

DieMenschen der Steinzeit verwendeten

Zähne, Muscheln, Rentiergeweihe,

Schneckenhäuser und Knochen

– teils von heute

ausgestorbenen Tieren

wie Mammuts und Höhlenbären.

Als sie in der

Jungsteinzeit zu töpfern

Steintrommel mit

Noten: Seikilos-Stele

IRMGARD WAGNER/DAI

Rathaus Steglitz

Ringstr.

24

9c Holzlaube der FU Berlin

10 Koreastudien der FU Berlin

11 Anorganische Chemie der FU Berlin

12 Physik der FU Berlin

13 Informatik der FU Berlin

14 Mathematik (PI-Gebäude) der FU

begannen, entstanden

Trommeln, Rasseln und

Gefäßflöten aus Ton.

An der Geschichte der

Musikinstrumente lässt

sich aber auch ablesen,

dass die Kulturen in Europa

schon früh miteinander

im Austausch standen.

Ein Beispiel dafür ist

die Carnyx, ein gewaltiges

Horn aus Metall. Das

Blasinstrument wurde ab

300 vor Christus von den Kelten gespielt

und war dann über mehrere

Jahrhunderte in ganz Europa verbreitet.

Die Schalltrichter des Horns

hatten häufig die Form vonTierköp-

DIE NATUR.

DIE WISSENSCHAFT.

DIE ZUKUNFT.

Die Forschung istweiblich. Doch immer

noch sind viel zu wenige Mädchen und

Frauen in den Naturwissenschaften unterwegs.

Das wollen wir ändern.

Vollständiges Programm

und weitereInformationen:

www.adlershof.de/lndw

Rathaustr.

26

Westphalweg

Alt-Mariendorf

Lentzeallee

22

25

Schorlemerallee

Podbielskiallee

23

Südwestkorso

Breitenbachplatz

15 Zuse-Institut Berlin (ZIB)

16 Schaugärten/Haus der

Lebensmittel der TUB

17 Julius-Kühn-Institut,

Bundesforschungsinstitut für

Kulturpflanzen (JKI)

18 Biologie (Pflanzenphysiologie)

der FU Berlin

19 Botanischer Garten und Museum

der FU Berlin

20 Pharmazie der FU Berlin

21 Meteorologie (Wetterturm)

der FU Berlin

22 Gewächshaus/Wissenschaftscampus

Dahlem der HU

23 Lateinamerika-Institut der FU Berlin

24 Charité Universitätsmedizin Berlin,

Campus Benjamin Franklin

25 Max-Planck-Institut für Bildungsforschung

26 Schindler Deutschland AG &Co. KG

BLZ/HECHER; QUELLE:LANGENACHTDER WISSENSCHAFTEN

fen oder von Mischwesen. Das Instrument

aus Metall zu gießen, war

handwerklich anspruchsvoll. „Die

Herstellung war so ausgefeilt, dass

man sie heute schwer nachahmen

kann“, sagt Both. „Es handelt sich um

Kulturtechniken, die über Jahrhunderte

gewachsen sind.“

Ob Griechen, Etrusker oder Kelten

–alle nutzten metallene Blasinstrumente

in unterschiedlichen Formen

und Größen. „Heute werden

diese Kulturen oft getrennt voneinander

betrachtet“, sagt Both. An der

Verarbeitung und der Zusammensetzung

von Hörnern seit der Bronzezeit

könne man jedoch sehen, dass

sie alle auf ein ähnliches Know-how

zurückgegriffen haben, das über

Handelswege und Migrationsbewegungen

in ganz Europa verbreitet

war.„So standen auch die Musikkulturen

Europas in gegenseitigem Austausch“,

sagt Both.

Aus der Antike haben die Musikarchäologen

auch bildliche Darstellungen

und Texte, die ihnen Belege

darüber liefern, zu welchem Anlass

oder auf welche Art und Weise

bestimmte Instrumente gespielt

wurden. In der heutigen Türkei fand

man eine etwa 2000 Jahrealte Steintrommel

aus Marmor, auf der sich

die älteste Musikkomposition befindet,

die noch vollständig erhalten ist.

Auch von ihr ist in der Ausstellung

eine Reproduktion zu sehen. Ein

Mann namens Seikilos ließ das Monument

für das Grab seiner Frau herstellen

und verewigte darauf ein

Lied. Melodie und Rhythmus sind in

Form der altgriechischen Musiknotation

eingemeißelt, auch ein poetischer

Text steht darunter.

In der Langen Nacht werden

kleine Live-Konzerte auf den historischen

Instrumenten geboten. Besucher

können einige der Instrumente

unter Anleitung ausprobieren –und

per Audioguide zu jedem Instrument

Geschichten anhören und in

vergangene Klangwelten eintauchen.

Musik des Altertums: Ausstellungsführung und

Performance, Topoi-Haus/FU,19u.20.30 Uhr.

Mehr in Dahlem &Steglitz

Mobilitätskonzepte der Zukunft: Wastankenwir

morgen? Podiumsdiskussion unter

anderem mit RobertSchlögl, Energiebeauftragter

der Max-Planck-Gesellschaft, und

Andreas Knie vomWissenschaftszentrum

Berlin für Sozialforschung.Fritz-Haber-Institut

der Max-Planck-Gesellschaft,19Uhr.

Das Buch untermKopfkissen: Können wir

im Schlaf wirklich lernen? Schlaf ist für die

langfristigeSpeicherung und Vernetzung

neuerworbenen Wissens und somit für das

Lernen unerlässlich. Vortrag,Max-Planck-Institut

für Bildungsforschung,17.30 Uhr.

Gehirnjogging und richtiges Jogging: Was

bringt mehr fürs Gehirn? Vortrag,Max-

Planck-Institut für Bildungsforschung,19

Uhr.

Die Geschichte der Computer: Horst Zuse

präsentiertdas Werk seines Vaters, der

1941 den ersten programmierbaren Rechner

konstruierte, den Z3. Im Anschluss kann

der Supercomputer des Zentrums besichtigt

werden. Vortrag,Konrad-Zuse-Zentrum für

Informationstechnik, 20 Uhr.

Weniger Streit im Weizenfeld durch

Gleichstandsaat: Jede Pflanze erhält gleich

viel Platz auf dem Acker.Führung.Julius

Kühn-Institut, Bundesforschungsinstitut für

Gewinnen Sie

mit der Berliner Zeitung

und holen Sie sich unsere App:

Zeigen Sie uns Ihr eindrücklichstes

Erlebnis

bei der Langen Nacht am

15. Juni. Das beste Foto oder

Video zeichnen wir aus –mit

einem E-Paper-Abo.

Machen Sie mit

Kulturpflanzen, Versuchsfeld, 18 und 19.45

Uhr.

Der Darm–unsere intelligente Barriere

zwischen Nahrung und Körper.Vortrag über

die Darmbarriere. Charité, Campus Benjamin

Franklin, 17 und 21 Uhr.

Endoskopieren Sie selbst: Besucher erleben

am Modell Agathe, wie der Magen untersucht

wird. Charité, Campus Benjamin

Franklin, ab 17 Uhr.

Technologische Revolution in der Genomforschung:

Besucher lernen Geräte für DNA-

Sequenzierungsmethoden kennen. Max-

Planck-Institut für molekulare Genetik, 17,

18.30, 20 und 21.30 Uhr.Begrenzte Teilnehmerzahl,

Anmeldung am zentralen Infostand.

Stammzellforschung auf Englisch erklärt:

„Harvesting the potential of stem cells and

the future of DNA sequencing“ heißt eine

Veranstaltung am Max-Planck-Institut für

molekulare Genetik, in der es um pluripotente

Stammzellen geht und wie sie sich zu

spezifischen Zellen und Organen entwickeln.

Max-Planck-Institut für molekulare Genetik,

17.30, 19, 20.30 und 22 Uhr.Begrenzte

Teilnehmerzahl, Anmeldung am zentralen Infostand.

Das komplette Programm online:

www.lndw19.de

Stammzellforschung: frühes Stadium

der Embryonalentwicklung. MPI MOLGEN


18 * Berliner Zeitung · N ummer 133 · M ittwoch, 12. Juni 2019

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Sport

NACHRICHTEN

Union muss

Geldstrafe zahlen

FUSSBALL. Der1.FCUnion muss

wegen unsportlichen Verhaltens seiner

Fans in zwei Spielen der Zweiten

Bundesliga eine Geldstrafe von

32 400 Euro zahlen. Dasteilte der

Deutsche Fußball-Bund am Dienstag

nach einer Entscheidung seines

Sportgerichts mit. Vorder Partie gegen

den Hamburger SV (2:0) Ende

Aprilhätten Berliner Zuschauer 13

bengalische Feuer abgebrannt.

Während des 2:2 beim VfL Bochum

drei Wochen später seien 35 bengalische

Feuer und mindestens sechs

Rauchkörper gezündet worden,

schrieb der DFB zur Begründung.

Gikiewicz ist Berlins

Profifußballer des Jahres

FUSSBALL. TorwartRafal Gikiewicz

vom1.FCUnion ist zum Berliner

Profifußballer der vergangenen Saison

gewählt worden. Der31Jahre

alte Pole setzte sich mit 42 Prozent

der Stimmen vorOndrej Duda und

Niklas Starkvon Hertha BSC durch,

wie der Berliner Fußball-Verband

BFV am Dienstag mitteilte.Bei der

Online-Wahl, die der BFV und die

Zeitung Fußball-Woche durchführten,

wurden nach Verbandsangaben

rund 27 500 Stimmen abgegeben.

DiePreisverleihung findet am 17.

Juni statt.

Hertha will Trainersöhne

Covic und Dardai verleihen

FUSSBALL. Hertha BSC will Maurice

Covic und Palko Dardai ausleihen.

Daskündigte Geschäftsführer Michael

Preetz im Kicker an. Der21

Jahrealte Covic, Sohn des neuen

Cheftrainers Ante Covic, sei„bereit

für höhereAufgaben als die Regionalliga.

Er hat sich sehr gut entwickelt.

Wirwollen ihn verleihen“. Auch Palko

Dardai soll vorerst bei einem anderen

Verein Spielpraxis sammeln. Der20

Jahrealte Offensivspieler und Sohn

des ehemaligen Chefcoaches PalDardai

hatte in der vergangenen Saison

sieben Bundesligaeinsätze, davon einen

vonBeginn an. Der19Jahrealte

Stürmer Dennis Jastrzembski soll

hingegen nicht verliehen werden.

BVB-Stürmer Isak wechselt

nach San Sebastian

FUSSBALL. Derschwedische Angreifer

Alexander Isak kehrttrotz einer

überragenden Rückserie bei

Willem II Tilburginder niederländischen

Ehrendivision nicht zu Vizemeister

Borussia Dortmund zurück.

Nach spanischen Medienberichten

wechselt der 19-Jährige zu Real Sociedad

SanSebastian. DerBVB verlangt

für den Teenager zehn Millionen

Euro Ablöse.

Der Anführer der Raptorszieht zum Korb: Kawhi Leonard.

Die Kraft der bunten Truppe

Der Erfolg der Toronto Raptors wird unabhängig vom Ausgang der NBA-Finals nachhaltige Folgen haben

VonSebastian Moll, New York

Das Johlen blieb selbst den

euphorisierten kanadischen

Fans, die in ihren

feuerroten Gewändern

die Scotiabank Arena vonToronto am

Montagabend in einen Hexenkessel

verwandelt hatten, im Hals stecken.

So sehr man sich hier danach sehnte,

den ersten Basketballtitel überhaupt

in die Stadt, ja ins Land zu holen, so

etwas hatte man den Gegnern nicht

gewünscht.

Daszweite Drittel hatte gerade begonnen,

da fiel nämlich Kevin Durant,

der Ausnahmespieler des amtierenden

Champions,den Golden State

Warriors,wie voneinem kanadischen

Holzfäller umgehackt auf den Hallenboden

und hielt sich schmerzverzerrt

den linken Knöchel. Kurz darauf

humpelte er, auf die Schultern von

zweiTeam-Bediensteten gestützt, aus

der Arena und kehrte nicht wieder zurück.Verdacht

auf Achillessehnenriss.

Die Szene hatte Symbolcharakter,

der Riese ist angeschlagen. Dervierfache

NBA-Meister Golden State, den

die Buchmacher vor der Finalserie

gegen Toronto als überlegenen Favoriten

gesehen hatten, steht mit dem

Rücken zurWand.

So hatten die Raptors, die in ihrer

erst 24 Jahre alten Klubgeschichte

zum ersten Mal überhaupt in einem

Endspiel stehen, am Montag die einmalige

Gelegenheit, den Titel klarzumachen.

Drei zu eins lagen sie in der

Serievorne und das Heimspiel bot ihnen

voreinem erwartungsfrohen Publikum

die Möglichkeit, die Sensation

perfekt zu machen.

Nur anderthalb Minuten vor Abpfiff

sah es schon ganz danach aus,als

fände der Pokal für ein Jahr seine Heimat

nördlich der Grenze. Doch dann

bäumten sich die Kalifornier mit letzter

Kraft noch einmal auf. Die

„Splash-Brothers“ Stephen Curry

und Klay Thompson versenkten zwei

Dreipunkt-Würfe hintereinander

und retteten in allerletzter Sekunde

und mit einem hauchdünnen Vorsprung

von nur einem Punkt die

Hoffnung auf einen fünften Titel.

Am Donnerstag müssen die Raptors

nach Oakland reisen, wo dieWarriors

vor ihrem Heimpublikum die

Gelegenheit haben, die Serie auf drei

zu drei auszugleichen. Die Entscheidung

würde dann auf das siebte Spiel

am Sonntag vertagt.

Bisdahin werden die elektrisierten

Fans in Toronto wohl gewiss den

Dämpfer verwunden haben, den sie

am Montagabend erleben mussten.

Denn trotz der verpassten Gelegenheit

ist der Lauf der Raptors für die

Stadt und für das ganze Land noch

immer ein Rausch.

Niemand hätte zu Beginn der Saison

erwartet, dass Toronto ins Finale

vordringt, geschweige denn die Über-

Mannschaft der vergangenen Jahrein

Bedrängnis bringt. Bis heute müssen

die Sportfans im Eishockeyland Kanada

sich die Augen reiben, wenn sie

sehen, was da in der Basketball-Liga

(NBA) gerade vorsich geht.

Leonardreißt alle mit

Der Boom von Ontario ist vor allem

einem Mann zu verdanken, dem

neuen Anführer der Raptors, Kawhi

Leonard. DerKalifornier hat nach seinem

Trade von Texas aus zu Beginn

der Spielzeit dem Franchise mit einer

überragenden Saison neues Leben

eingehaucht. Derstille Superstar,den

sie wegen seinen Pizza-großen Händen

auch „The Claw“ nennen, ist im

Norden zum derzeit vielleicht besten

Spieler der Liga aufgeblüht.

Leonard hat den Rest der Mannschaft

mit sich gerissen. Spieler wie

das Kameruner Talent Pascal Siakam

oder der Spanier Marc Gasol bringen

plötzlich Leistungen auf das Feld, die

Jede Minute zählt

AFP/SHAMUS

sie bislang selbst nicht für möglich

gehalten hatten. „Es ist jedes Mal jemand

anderes“, sagte nach dem vierten

Spiel der frustrierte Golden State

Warrior Draymond Green. Immer,

wenn Golden State einen Spieler der

Raptors in den Griff bekommen hat,

glänzt ein anderer.

Der Effekt des Laufs des Raptors

auf die kanadische Sportlandschaft

wird gewiss nachhaltig sein, selbst,

wenn sie am Ende den Titel nicht

nachToronto bringen. Schon jetzt haben

sie ein Bevölkerungssegment

mobilisiert, dass sich im NationalsportEishockey

nicht unbedingt wieder

findet. In der Multi-Kulti-Stadt

Toronto sind Nachbarschaften auf

den Beinen, die sich für die Toronto

Maple Leafs bestenfalls am Rand interessieren.

In der bunten Truppe der

Raptors und dem vorwiegend

schwarzenSportBasketball finden sie

sich jedoch wieder.

Die NBA freut sich darüber –die

Expansion über die Nordgrenze hin

zahlt sich nach 24 Jahren endlich aus.

Wenn es den Raptors nun tatsächlich

noch gelingt, die Warriors niederzuringen,

wäredas ein Sahnehäubchen

auf der Erfolgsstory. Schön ist die Geschichte

–mal abgesehen von dem

Drama um Durant –jetzt schon.

Die Planungen des Alba-Geschäftsführers Marco Baldi gehen weit über die Finalserie gegen den FC Bayern hinaus

Prokop setzt

auf junge

Wilde

Handball-EM-Qualifikation

gegen Israel und Kosovo

Kapitän Uwe Gensheimer fehlte

beim Sicherheitscheck am Flughafen

in Frankfurt amMain. Auch

TorwartAndreasWolff und Rückkehrer

Tobias Reichmann stiegen am

Dienstag nicht in den Flieger nach

TelAviv –aber dafür nahm Bundestrainer

Christian Prokop viele junge

Wilde mit zum vorletzten Spiel in der

EM-Qualifikation nach Israel.

Während die deutschen Handball-Stars

bereits ihren Sommerurlaub

genießen, kann und soll sich die

nachrückende Generation auf dem

Wegzur EM und den Olympischen

Spielen 2020 in Tokio noch einmal

nachdrücklich aufdrängen. „Sie haben

alle viel Qualität, und die will ich

sehen“, sagte Prokop, der den Abschluss

der EM-Qualifikation mit den

Spielen in Israel am Mittwoch (18.45

Uhr MESZ/Livestream auf

zdfsport.de) und in Nürnberg gegen

den Kosovo am 16. Juni (18 Uhr) zum

Test für die Zukunft nutzt.

In dem Kader für Israel stehen nur

zwei Profis, die bei der Heim-WM

Anfang des Jahres Platz vier geholt

hatten. Stattdessen erhalten Spieler

wie der Magdeburger Torwart Dario

Quenstedt, der in der nächsten Saison

Nachfolger vonWolff beim THW

Kiel wird, Marian Michalczik (Minden)

oder Shootingstar Johannes

Golla, einziger Akteur des neuen und

alten deutschen Meisters aus Flensburg,

ihreChance.

„Die Spieler sind nicht weit weg,

und das wollen sie zeigen“, sagte

Prokop, der zudem bekräftigte, dass

„für jeden“ die Chance „eindeutig“

vorhanden sei, sich in die Mannschaft

für die immer näher rückenden

Großereignisse im nächsten Jahr

zu spielen: „Wir wollen sehen, dass

sie sich in den Dienst der Mannschaft

stellen und kämpferisch überzeugen.“

Prokop kann die zwei Partien

zum Debütantenball nutzen, weil

das DHB-Team das Ticket für die EM

2020 in Österreich, Schweden und

Norwegen bereits sicher hat –mit 8:0

Keine Sorge: Bundestrainer Christian Prokophat

das EM-Ticket schon gelöst. DPA

TTC Eastside nimmt

Rumänin unter Vertrag

TISCHTENNIS. Derdeutsche Meister

ttc Berlin Eastside hat sich erneut

verstärkt. Mitder Rumänin Bernadette

Szöcs,24, wurde die im Moment

beste Europäerin –Platz 16 der

Weltrangliste –verpflichtet. DieOffensivspielerin

wirdaber nur in der

Champions League zum Einsatz

kommen. Zuvorhatte Berlin schon

die gebürtige Chinesin Fu Yu,die international

für Portugal erfolgreich

ist, verpflichtet. (mj.)

IBU terminiertWMin

Oberhof für Februar 2023

BIATHLON. DieWeltmeisterschaft

in Oberhof findet vom8.bis 19. Februar

2023 statt. DenTermin gab der

Weltverband IBUamDienstag nach

einer Sitzung in Frankfurt/Main bekannt.

Außerdem wurde entschieden,

dass die WM der Skijäger in

Pokljuka/Slowenien vom10. bis 21.

Februar 2021 durchgeführtwird.

VonChristian Kattner

Eine Zugfahrt, die ist lustig, eine

Zugfahrt, die ist schön. Alba Berlins

Basketballer nutzten da eine

Rückfahrt aus Oldenburg nach Berlin

schon mal für die angenehmen

Dinge des Lebens. Die Instagram-

Stories aktualisieren, Serien

schauen, Musik hören oder auf dem

Smartphone spielen. Während ein

Großteil des Trosses in Zweierreihen

saß, hatte es sich die sportliche Leitung

in einem Viererabteil gemütlich

gemacht. Ein aufgeklappter und

leuchtender Laptop ist in diesem Zusammenhang

aber doch eher als Zeichen

für Arbeit zu deuten. „Auch

Zugfahrten werden genutzt, um

Dinge zu tun. Das klassische Wochenende

gibt es ja bei uns nicht“,

erklärte Geschäftsführer MarcoBaldi

nun im Nachgang.

Jede Minute zählt also in diesen

Tagen für die Macher von Alba. Im

Hinblick auf die Finalserie um die

Deutsche Meisterschaft gegen den

FC Bayern, die durch den Erfolg in

Oldenburg erreicht wurde. Aber

auch im Hinblick auf die kommende

Spielzeit, die ja auch –soviel ist gewiss

–die Herausforderung Euroleague

mit sich bringen wird. „Man arbeitet

da schon an den Szenarien.

Da muss einiges

durchforstet werden“, sagt

Baldi, der ob der Komplexität

der Aufgabe nicht klagen

will. Sein großer Vorteil:

Auch wenn die Saison

noch nicht vorbei ist, hat

der Verein bereits Planungssicherheit.

„Die Euroleague

ist schon etwas

Besonderes“, sagt Baldi.

Der spielerische Unterschied

zwischen Eurocup, in welchem

Alba im April das Endspiel erreicht

hatte, und der Euroleague sei

zwar geringer als viele glauben,„aber

den ganz großen Glanz gibt es in der

Euroleague“, so der Geschäftsführer.

Um dort auch sportlich glänzen

zu können, steckt der Verein also bereits

mitten in der Kaderplanung, die

natürlich mit einer wichtigen Frage

verbunden ist: Wer coacht künftig

Alba? Aíto García Reneses hat zwar

einen unterschriftsreifen Vertrag

vorliegen, will sich aber erst nach der

Saison entscheiden. Bereits voreinigen

Wochen zeigte sich Sportdirektor

Himar Ojeda optimistisch, dass

sein spanischer Landsmann

auch in der kommenden

Saison an der Seitenlinie

stehen wird.

Unabhängig von der

Entscheidung des 72 Jahre

IMAGO IMAGES/WIEDENSOHLER

alten Basketballfachmanns,

der Spieler entwickeln

und für größereAufgaben

vorbereiten kann,

Personalpolitiker: wird Alba auf dem Transfermarkt

weniger nach

Albas Baldi

fertigen denn auf formbareSpieler

Ausschau halten. Wenngleich

Baldi nicht ausschließen

möchte, dass Spieler, die bereits in

der Euroleague aktiv waren, geholt

werden.

Um den Kern von Leistungsträgern

wie Peyton Siva, Luke Sikma,

Niels Giffey und Martin Hermannsson

soll die Mannschaft jedenfalls

nur punktuell verändertwerden. Bereits

während der Saison wurden mit

Landry Nnoko und Derrick Walton

zwei Spieler verpflichtet, um Verletzungen

aufzufangen, die aber auch

Potenzial für die Euroleague mitbringen.

Nnoko hat ohnehin noch

einen gültigen Vertrag für die kommende

Spielzeit, Walton dürfte mit

Erreichen der Euroleague ebenfalls

von einem Verbleib zu überzeugen

sein. „Spieler mit Entwicklungspotenzial

sind bei uns bestens aufgehoben.

Das macht uns für Spieler sehr

interessant“, sagt Baldi, der natürlich

auch auf einen Verbleib von Franz

Wagner hofft. Auch der 17-Jährige

wird sich erst nach der Saison entscheiden,

ob er einen Profivertrag

bei Alba unterschreibt oder wie sein

Bruder Moritz den Wegans College

in die USA einschlägt.

Während sich die Mannschaft in

diesen Tagen auf das erste Play-off-

Spiel am Sonntag in München vorbereitet,

intensiviert die sportliche

Leitung die Personalplanungen für

die kommende Saison. Neben 34

Spielen in der Bundesliga kommen

schließlich mindestens 30 Partien in

der Euroleague dazu. „Man muss

eine Struktur für diesen Spielplan

aufbauen“, sagt Marco Baldi. Und

manche Teile davon entstehen

schon mal während einer Zugfahrt.

Punkten kann die Mannschaft zudem

nicht mehr von Platz eins verdrängt

werden. Abgeschenkt werden

soll in der israelischen Metropole

und vier Tage später in Nürnberg

aber trotzdem nichts. „Unser Anspruch

ist es, die zwei Spiele zu gewinnen“,

sagte Prokop.

Gegen den Kosovo soll dann auch

der derzeit angeschlagene Reichmann

sein Comeback feiern. „Stand

heute sieht es gut aus, dass er im

zweiten Spiel dabei ist“, sagte Prokop,der

den Ex-Europameister nicht

für die Heim-WM Anfang des Jahres

nominiert hatte: „Ich gehe davon

aus,dass er am Donnerstagabend in

Nürnbergzur Mannschaft stößt.“

Reichmann, der sich die Blessur

im Saisonfinale mit der MT Melsungen

zuzog, hatte nach seinem WM-

Ausmit einem Trip nach Florida und

spitzen Kommentaren bei Instagram

für reichlich Wirbel gesorgt. Prokop

zeigte sich dennoch schon kurznach

dem Turnierende offen für eine

Rückkehr. Das Rennen um die Tickets

für die EM und Olympia ist

nicht nur für Reichmann neu eröffnet.

(sid)


Berliner Zeitung · N ummer 133 · M ittwoch, 12. Juni 2019 19 *

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Sport

Vonder

Strecke

abgekommen

Sebastian Vettel hadert mit

sich und der Formel 1

Ferrari und Sebastian Vettel passen

ziemlich gut zusammen. Der

italienische Formel-1-Rennstall und

der deutsche Pilot haben zahlreiche

WM-Titel gewonnen, die allerdings

eine ganze Weile zurückliegen. Die

Scuderia und der Heppenheimer

sind äußerst impulsiv und auch in

ihrem Trotz vereint. So waren am

Werk in Maranello am Pfingstmontag

die Flaggen Italiens und Ferraris

gehisst –ein eindeutiges Statement,

dass sich die Scuderia als Sieger des

Kanada-Rennens fühlt.

Vettel hatte am Sonntag in seiner

WutVergleichbares getan, als er die

Schilder für die Plätze „1“ und „2“

vertauschte. Dieser brennende Ehrgeiz

hat Ferrariund Vettel zwischenzeitlich

zu Seriensiegern gemacht,

besonders im Falle des Weltmeisters

der Jahre 2010 bis 2013 könnte der

Tunnelblick aber auch leistungshemmend

sein. Das glaubt zumindest

Nico Rosberg. „Es ist eine

Schwäche von Vettel, dass er sich

selbst nie in Frage stellt und immer

anderen die Schuld gibt. Und dann

verliert er den Fokus und macht

nicht das Beste daraus“, sagte der

Champion von2016.

Beispiele, die Rosbergs These

stützen, muss man nicht lange suchen.

Legendär ist Vettels Wut-

Rempler gegen den Mercedes von

Lewis Hamilton beim Großen Preis

von Aserbaidschan 2017, als Vettel

annahm, der Brite habe mit ihm einen

„Bremstest“ gemacht. Vettel

tobte noch Stunden nach dem Rennen

–die Telemetriedaten widerlegten

ihn später eindeutig.

Ferrarikündigt Protest an

2016 in Mexiko beschimpfte Vettel

im Funk den mittlerweile verstorbenen

Rennleiter Charlie Whiting auf

das Übelste, weil er sich von Red-

Bull-Pilot Max Verstappen unfair

blockiert fühlte. Hinzu kommen

zahllose –indiesem Kontext –vergleichsweise

kleine Entgleisungen.

Alle folgten einem Schema: Recht

hat der Fahrer mit der Nummer 5!

Tatsächlich gehtVettel in Drucksituationen

zunehmend die Coolness

seiner Weltmeisterjahreab, als er mit

dem Red Bull allerdings auch über

das beste Auto verfügte. ImVorjahr

schied Vettel in Hockenheim in Führung

liegend aus, eswar wohl der

Wendepunkt im WM-Duell mit Hamilton.

Am Sonntag in Montreal

kam er wieder mal unter Druck Hamiltons

vonder Strecke ab,wodurch

die Rennkommissareüberhaupt erst

entscheiden mussten, ob eine Behinderung

des Briten vorlag.

Äußerst diskutabel freilich bleibt

die Bewertung der Szene in Runde

47. Viele ehemalige Piloten ergriffen

jedenfalls Partei für den Ferrari-Star,

darunter die Weltmeister Nigel Mansell,

MarioAndretti und Damon Hill.

Vettel haderte: „Das ist nicht der

Sport, in den ich mich verliebt habe.“

Ferrari kündigte derweil an, Protest

einzulegen und entlastendes Material

vorzulegen. Weil der Weltverband

(Fia) aber kein Interesse daran

hat, einen Präzedenzfall zu schaffen,

dürfte dieser Schritt ebenso wie das

Hissen der Flaggen eher symbolische

Wirkung haben. (sid)

Und kann es nicht fassen: Vettel nach

dem Grand Prix von Kanada. AFP/THOMPSON

Zu schön, um erfolgreich zu sein

Das Duell mit Norwegen ist für FrankreichsFußballerinnen bei ihrerHeim-WM die ersteernste Bewährungsprobe

VonMatti Lieske, Nizza

Freundlich lächelnd erklärt

Amandine Henry, was sie

alles falsch gemacht hat im

Eröffnungsspiel der

Frauen-Weltmeisterschaft. „Konsistenter“

hätte sie spielen müssen,

sagt die Kapitänin des französischen

Nationalteams, inder zweiten Halbzeit

mehr Bewegung und Dynamik

einbringen. Trainerin Corinne Diacre

kann da nur zustimmen. Nicht

nur Henry, auch die anderen hätten

sich ein bisschen hängen lassen

nach der Pause.Das klingt, als hätten

sich die Französinnen fürchterlich

blamiert gegen Südkorea, was

schließlich auch Diacre auffällt.

Okay, meint sie, „wenn man bei

Halbzeit 3:0 führt, ist es vielleicht

normal, ein bisschen Kraft zu sparen,

wir haben das Spiel ja weiter

kontrolliert.“ Am Ende stand es 4:0,

das letzte Torhatte die inkonsistente

Amandine Henryerzielt.

DerHang zur Selbstkritik lässt die

hohen Ansprüche erkennen, die der

WM-Gastgeber an sich selbst stellt.

Es sei sehr schön, dass der souveräne

Auftaktsieg eine gewisse Euphorie

im Lande ausgelöst habe und die

letzten 6000 Tickets für das Spiel am

Mittwoch in Nizza gegen Norwegen

danach blitzschnell ausverkauft waren,

sagt Diacre inder Pressekonferenz

am Tagdavor, „aber wir haben

noch sechs Schritte zu gehen.“

Allein der Titel ist das Ziel, alles

andere wäre ein Misserfolg, ähnlich

wie beim deutschen Team der Heim-

WM 2011, wo dann im Viertelfinale

gegen Japan die Ernüchterung kam.

Bislang scheinen die Französinnen

besser mit dem Druck klarzukommen,

die Stimmung ist locker und

fröhlich. Trainerin Diacre hat ein

Team formiert, in dem erfahrene

Spielerinnen wie Henry, Wendie Renard,

Eugénie Le Sommer oder Élise

Bussaglia gut harmonieren mit jungen

Kräften wie Delphine Cascarino,

Kadidiatou Diani oder Griedge

Mbock Bathy, die aber auch schon

Welt- oder Europameisterinnen bei

den Juniorinnen waren.

Probleme mit der Effizienz

Ähnlich homogene und technisch

versierte Teams hatte Frankreich allerdings

spätestens seit der WM 2011

und scheiterte dennoch immer wieder

bei den großen Turnieren.

Hauptmanko war stets die fehlende

Effizienz, zu selten führten schöne

Spielzüge und raffinierte Kombinationen

zu Torerfolgen. Das war auch

Nimmt sich selbst in die Pflicht: Frankreichs Amandine Henry.

Verkauft: Rund eine Million Tickets wurden

bislang für die Spiele der WM der Fußballerinnen

in Frankreich verkauft. 14 der 52 Turnierspiele

sind ausverkauft, darunter die

restlichen Gruppenspiele der Französinnen

sowie die Halbfinals und das Finale in Lyon.

Das teilten die Organisatoren am Dienstag

mit.

VOLLE STADIEN

AP/MORI

Verfolgt: Vonden bisher verkauften Tickets

gingen etwa 1,5 Prozent an deutsche Fans.

Den größten Anteil an Zuschauernstellt Gastgeber

Frankreich (76 Prozent), gefolgt von

Weltmeister USA (15 Prozent). Bei der bislang

am besten besuchten WM vorvier Jahren

in Kanada hatten über 1,35 Millionen

Fans die Spiele in den Stadien verfolgt.

Auf der Welle in den Urlaub

in der Vorbereitung auf die WM ein

Problem, weshalb es durchaus mutig

erscheint, dass Diacre auf Marie Katoto

vonParis St.Germain verzichtet

hat, die beste Torschützin der französischen

Liga. Vier Tore gegen Südkorea

scheinen die Trainerin zu bestätigen,

zwei erzielte aber nach Eckbällen

InnenverteidigernWendie Renard,

die mit Ihren 1,87 Meter

schlicht zu groß war für Südkoreas

Abwehr. „Das wird nicht immer

funktionieren“, ahnt Diacre.

Dass die Partie gegen Norwegen

ein erstes Finale sei, wollen weder

die Trainerin noch Amandine Henry

so sehen. „Jedes Spiel ist wichtig“,

sagt die Kapitänin. Doch wird die

Partie wohl über den Gruppensieg

entscheiden, also darüber, ob im

Achtelfinale ein drittplatziertes

Team oder mit Brasilien, Italien oder

Australien ein deutlich unangenehmerer

Kontrahent warten wird.

Ohne Zweifel von Vorteil ist es für

Frankreich, dass den Skandinavierinnen

weiterhin die beste Fußballerinder

Welt fehlen wird.

ObskureGründe

Ada Hegerberg, zuletzt dreifache

Torschützin beim 4:1-Sieg von

Olympique Lyon im Champions-

League-Finale gegen den FC Barcelona,

war auch für die WM nicht bereit,

den Rücktritt aus dem Nationalteam

zurückzunehmen, den sie aus

etwas obskuren Gründen erklärt

hatte. Der von ihr beklagte mangelnde

Respekt in Norwegen für den

Frauenfußball ist dabei nur ein Aspekt,

immerhin hat der Verband

nach den Protesten der Frauen vor

zwei Jahren als erster weltweit die

gleiche Bezahlung von männlichen

und weiblichen Nationalspielernbei

Länderspielen beschlossen. Zurückgetreten

war die 23 Jahre alte Weltfußballerin

nach der Europameisterschaft

2017, als Norwegen mit drei

Niederlagen ohne Tor in der Vorrunde

ausschied und es Gerüchte

über Zwistigkeiten gab. „Sie weiß

sehr genau, was sie will“, sagte kürzlich

die Engländerin Lucy Bronze

über ihre Teamkollegin bei Olympique

Lyon, „und sie hat klareMeinungen

zu sehr vielen Problemen.“

Doch auch ohne Hegerberg ist

mit Norwegen zu rechnen, wie das

3:0 gegen Nigeria zeigte. „Wir müssen

erneut aufmerksam, konzentriertund

effizient agieren“, sagt Corinne

Diacre, „und wenn wir zur

Pause wieder 3:0 führen und dann

das Spiel kontrollieren, soll mir auch

das recht sein.“

Das DFB-Team verabschiedet sich mit einem 8:0-Kantersieg gegen Estland in die Sommerpause

Achtmaliger Jubel beim letzten Pflichtspiel der Saison 2018/19.

Tricks,Traumpässe,tolle Tore:Mit

himmelweiter Überlegenheit

haben Zehn-Tage-Bundestrainer

Marcus Sorg und die deutsche Nationalmannschaft

Joachim Löws Sechs-

Punkte-Plan perfekt umgesetzt. Die

DFB-Elf feierte gegen das heillos

überforderte Estland in Mainz mit

8:0 (5:0) ihren höchsten Sieg seit drei

Jahren und bleibt auf ihrem Wegzur

EM 2020 ohne Makel.

Fast ein Jahr nach dem WM-Desaster

war Löw vordem Fernseher in

Freiburg wie schon gegen Weißrussland

(2:0) sicherlich angetan. Marco

Reus (10./37.), Serge Gnabry

(17./62.), Leon Goretzka (20.), Ilkay

Gündogan (26., Foulelfmeter), Timo

Werner (79.) und Leroy Sané (88.)

verwandelten den dritten Sieg im

dritten Quali-Spiel in ein Schützenfest,

im ausverkauften Stadion

kreiste schon nach einer halben

Stunde die La Ola. Die Esten hatten

als Nummer 96 der Weltrangliste

kaum mehr als körperlose Verteidigung

zu bieten.

Nach zwei Absprachetelefonaten

mit Löw am Spieltag offenbarte Sorg

eine veränderte, offensivere Aufstellung.

Thilo Kehrer spielte für Lukas

Klostermann auf der rechten Seite

einer Vierer-Abwehrkette, Kreativmann

Leon Goretzka kam für Innenverteidiger

Jonathan Tah in die

Mannschaft.

Kehrer und Nico Schulz links waren

als Außenverteidiger fast Flügelstürmer,sotief

drückte die deutsche

Mannschaft den Gegner in die Defensive.

Sané und Reus,Torschützen

AFP

gegen Weißrussland am Samstag,

rückten dadurch weiter nach innen.

Daszahlte sich aus,als Reus nach Direktpass

vonKehrer zum 1:0 traf.

Torhüter Sergei Lepmets verhinderte

mit einem Reflex das 2:0 durch

Goretzka (13.), das vier Minuten später

Gnabry erzielte. Estland war ein

Spielball, schon nach einer Viertelstunde

ging es nur um die Höhe des

Sieges.Sorg, der „die Fans wieder be-

geistern wollte“, lächelte zufrieden,

als auch Goretzka traf. Für die Esten

war Schlimmstes zu befürchten.

Reus traf nur die Querlatte (30.), dafür

schlenzte er eben einen Freistoß

ins Tor. Es stand schließlich die

höchste deutsche Halbzeitführung

seit dem WM-Halbfinale gegen Brasilien

2014 (7:1).

Nach der Pause löste die deutsche

Mannschaft ihren eisernen Klammergriff.

Marcel Halstenberg (für

Schulz) und Julian Draxler (für Gündogan)

kamen ins Spiel, Estland

hatte einige Ballstafetten, Zenjov

prüfte Keeper Manuel Neuer (55.).

Auf der Gegenseite kämpfte Sané

darum, unter den Torschützen zu

sein (57.), Werner kam für den stürmisch

bejubelten Reus und traf

auch.„Oh, wie ist das schön“, sangen

die 26 050 Zuschauer.

Nurmit einem Torfür Sané wollte

es lange nicht klappen. DerSchiedsrichter-Assistent

entschied nach einem

Weltklasse-Treffer des von Bayern

München umworbenen England-Legionärs

auf Abseits –und lag

damit falsch (67.). Kurz vor Abpfiff

traf Sané regulär:endlich. (sid)

ZAHLEN

Fußball

WM der Frauen in Frankreich

Gruppe AinParis und Reims

Nigeria -Südkorea Mi., 15.00

Frankreich -Norwegen Mi., 21.00

1. Frankreich 1 4:0 3

2. Norwegen 1 3:0 3

3. Nigeria 1 0:3 0

4. Südkorea 1 0:4 0

Gruppe BinRennes und Le Havre

Deutschland -Spanien Mi., 18.00

1. Spanien 1 3:1 3

2. Deutschland 1 1:0 3

3. China 1 0:1 0

4. Südafrika 1 1:3 0

Gruppe CinValenciennes und Grenoble

1. Brasilien 1 3:0 3

2. Italien 1 2:1 3

3. Australien 1 1:2 0

4. Jamaika 1 0:3 0

Gruppe DinNizza und Paris

Argentinien -Japan 0:0

1. England 1 2:1 3

2. Argentinien 1 0:0 1

2. Japan 1 0:0 1

4. Schottland 1 1:2 0

Gruppe EinMontpellier und Le Havre

Kanada -Kamerun 1:0 (1:0)

Neuseeland -Niederlande 0:1 (0:0)

1. Kanada 1 1:0 3

2. Niederlande 1 1:0 3

2. Neuseeland 1 0:1 0

4. Kamerun 1 0:1 0

Gruppe FinRennes und Reims

Chile -Schweden 0:2 (0:0)

USA -Thailand

EM-Qualifikation der Männer

Gruppe A

Bulgarien -Kosovo 2:3 (1:1)

Tschechien -Montenegro 3:0 (1:0)

1. England 2 10: 1 6

2. Tschechien 3 5: 6 6

3. Kosovo 3 5: 4 5

4. Bulgarien 4 5: 7 2

5. Montenegro 4 3:10 2

Gruppe B

Serbien -Litauen 4:1 (3:0)

Ukraine -Luxemburg 1:0 (1:0)

1. Ukraine 4 8:1 10

2. Luxemburg 4 4:5 4

3. Serbien 3 5:7 4

4. Portugal 2 1:1 2

5. Litauen 3 3:7 1

Gruppe C

Weißrussland -Nordirland 0:1 (0:0)

Deutschland -Estland 8:0 (5:0)

1. Nordirland 4 7: 2 12

2. Deutschland 3 13: 2 9

3. Niederlande 2 6: 3 3

4. Weißrussland 4 1: 9 0

5. Estland 3 1:12 0

Gruppe D

Dänemark -Georgien 5:1 (2:1)

Irland -Gibraltar 2:0 (1:0)

1. Irland 4 5:1 10

2. Dänemark 3 9:5 5

3. Schweiz 2 5:3 4

4. Georgien 4 4:8 3

5. Gibraltar 3 0:6 0

Gruppe E

Aserbaidschan -Slowakei 1:5 (1:3)

Ungarn-Wales 1:0 (0:0)

1. Ungarn 3 6: 4 9

2. Slowakei 3 7: 2 6

3. Kroatien 3 5: 4 6

4. Wales 3 2: 3 3

5. Aserbaidschan 3 2:10 0

Gruppe F

Färöer -Norwegen 0:2 (0:0)

Malta -Rumänien 0:4 (0:3)

Spanien -Schweden 3:0 (0:0)

1. Spanien 4 11: 2 12

2. Rumänien 4 11: 5 7

3. Schweden 4 8: 7 7

4. Norwegen 4 8: 7 5

5. Malta 4 2:10 3

6. Färöer 4 3:12 0

Gruppe G

Nordmazedonien -Österreich 1:4 (1:1)

Lettland -Slowenien 0:5 (0:4)

Polen -Israel 4:0 (1:0)

1. Polen 4 8: 0 12

2. Israel 4 8: 7 7

3. Österreich 4 7: 6 6

4. Slowenien 4 7: 3 5

5. Nordmazedonien 4 5: 7 4

6. Lettland 4 1:13 0

Gruppe H

Albanien -Moldau 2:0 (0:0)

Andorra -Frankreich 0:4 (0:3)

Island -Türkei 2:1 (2:1)

1. Frankreich 4 12: 3 9

2. Türkei 4 9: 2 6

3. Island 4 5: 5 9

4. Albanien 4 5: 3 6

5. Moldau 4 2:10 3

6. Andorra 4 0:10 0

Gruppe I

Kasachstan -San Marino 4:0 (1:0)

Belgien -Schottland 3:0 (1:0)

Russland -Zypern 1:0 (1:0)

Gruppe J

Griechenland -Armenien 2:3 (0:2)

Italien -Bosnien-Herzegowina 2:1 (1:0)

Liechtenstein -Finnland 0:2 (0:1)


Berliner Zeitung · N ummer 133 · M ittwoch, 12. Juni 2019 – S eite 20

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Sport

Geheimsache

Digitus

pedis III

Die fatale Pechsträhne

der Dzsenifer Marozsan auf der

WM-Bühne setzt sich mit einem

Zehenbruch fort

VonFrank Hellmann, Valenciennes

Vonden Chinesinnen immer wieder hartangegangen: Dzsenifer Marozsan.

IMAGO/XINHUA

Drei Rückmeldungen haben

die deutschen Fußballerinnen

morgens in

der Frühe an den Trainerstab

zu übermitteln: Angaben zu

Spielfähigkeit, Schlaf und Muskelstatus

bilden die Grundlage, umdie

individuelle Belastung zu steuern.

Eine allerdings war bereits über die

Pfingsttage vom Prozedere ausgenommen:

Dzsenifer Marozsan. Seit

Sonnabendabend ist internbekannt,

dass die Spielmacherin mit einem

Bruch des mittleren Zehs am linken

Fuß –immedizinischen Fachbegriff

Digitus pedis III –mindestens für die

Vorrunde der Frauen-WM ausfällt.

Erst am Dienstagmorgen klärte

indes Bundestrainerin MartinaVoss-

Tecklenburg in Valenciennes vor

dem zweiten WM-Gruppenspiel gegen

Spanien (Mittwoch 18 Uhr/ZDF)

über die Diagnose auf: „Das trifft uns

nicht nur sportlich, sondern auch

persönlich. DerAusfall tut weh, auch

mir persönlich. Und auch Dzseni

musste das erst mal verarbeiten, weil

es für sie ein besonderes Turnier ist.“

DieimAusrichterland Frankreich

in der Divsion 1Féminine zur besten

Spielerin gekürte Starspielerin von

Olympique Lyon hatte sich für ihre

Wahlheimat ganz, ganz viel vorgenommen.

Wer um den sensiblen

Charakter der 27-Jährigen weiß,

kann nur vermuten, welche emotionalen

Schwankungen sie gerade

durchmacht. Vergangenen Sommer

hatte sich alles für sie bei einer beidseitigen

Lungenembolie vieles relativiert.

Die Edeltechnikerin kämpfte

sich schneller, als sie selbst erwartet

hatte, zu alter Leistungsstärke zurück.

Im Trainingslager in Grassau

bat Voss-Tecklenburg den Lieben

Gott, „dass Dzseni diese Form noch

ein paar Wochen behält“.

Einen hohen Preis bezahlt

Insofern sorgen bei der Fußballlehrerinindem

„Maro“-Drama die Umstände

der Verletzung für Unverständnis.Aus

ihrer Sicht hätten Attacken

der Chinesin Shanshan Wang

härter als mit Gelb geahndet werden

müssen; der Unmut darüber sei von

der deutschen Delegation hinterlegt

worden. Als die 51-Jährige vom„Zehenbruch“

berichtete, ging ein Raunen

durch den Pressesaal im Stade

du Hainaut. „Bei dieser Verletzung

weiß jeder,wie wehdas tut.“

Umso erstaunlicher, dass Marozsan

in Rennes noch mehr als 75 Minuten

durchhielt –und die Ecke vor

dem Siegtreffer schlug. Noch soll

diese WM für die deutsche Nummer

zehn nicht vorbei sein. „Wir werden

DEUTSCHLAND

Schult

Oberdorf Hegering Doorsoun

Gwinn Leupolz

Simon

Huth Däbritz

Schüller

Popp

Putellas

M.Caldentey

J. Hermoso

Torrecilla

Sampedro

V.Losada

Corredera M. Leon I. Paredes Torrejon

Panos

SPANIEN Voraussichtliche Aufstellung; Schiedsrichterin: Katerina Monzul (Ukraine)

QUELLE:DPA; BLZ/TIEDGE

versuchen, Dzseni im Laufe des Turniers

wieder auf den Platz zu bringen.

Aber Prognosen können wir

zeitlich nicht abgeben“, erklärte die

Bundestrainerin betroffen.

Ihr bricht vorerst der fußballerische

Stützpfeiler weg, auf den die gesamte

Spielausrichtung basierte.

Nun muss sofort der Emanzipationsprozess

von der Überfigur gelingen.

Eine naheliegende Lösung

wäre, dass Toptalent Lena Sophie

Oberdorf übernimmt, zumal die 17-

Jährige bei der SGS Essen sich als torgefährliche

Allrounderin gezeigt hat.

Die verspieltere Möglichkeit wäre

Lina Magull vom FCBayern. Die offensivste

Variante könnte Kapitänin

Alexandra Popp sein, vor der dann

Lea Schüller stürmt. Gleichwohl

schränkte Voss-Tecklenburg auch

ein: „Dzsenifer Marozsan kann man

nicht ersetzen. Das funktioniert

nicht, weil sie einfach besondere Eigenschaften

hat.“

Für die 91-fache Nationalspielerin

hat sich eine groteske WM-Leidensgeschichte

verlängert. 2011 riss

bei der damals 19-Jährigen vordem

Heimturnier das Innenband, sodass

sie enttäuscht das Event nur aus

dem Urlaub verfolgte. 2015 knickte

sie auf kanadischem Kunstrasen vor

dem ersten WM-Spiel um,

schleppte sich angeschlagen durch

die Spiele,setzte im Achtelfinale gegen

Schweden (4:1) als Einwechselspieler

den Schlusspunkt, verwandelte

humpelnd im Viertelfinale gegen

Frankreich (5:4 nach Elfmeterschießen)

einen Strafstoß – und

bezahlte einen hohen Preis. Eine

Operation war nach der Rückkehr

unumgänglich, bei der ein nicht erkannter

Bänderriss auffiel: Marozsan

humpelte lange auf Krücken,

trug wochenlang eine Spezialschiene.

Ihr damaliger Arbeitgeber

1. FFC Frankfurt äußerte nur hinter

vorgehaltener Hand Vorwürfe gegenüber

dem Deutschen Fußball-

Bund (DFB).

Mit der „Informationspflicht“ gegenüber

dem aktuellen Verein Lyon

erklärte Voss-Tecklenburg nun das

Versteckspiel über die Verletzung,

die bereits nach der ersten der Untersuchung

im Krankenhaus bekannt

gewesen sei. „Wir haben aber

bewusst gesagt, wir müssen das alles

erst einmal verarbeiten. Deshalb haben

wir uns die Zeit genommen, das

zu kommunizieren. Um den Verarbeitungsprozess,der

ein Schock war,

einleiten zu können.“ Allein aus diesen

Worten war abzuleiten, wie hart

das deutsche Team offenbar dieser

lädierte Digitus pedis III trifft.

Tiki-Taka auf die weibliche Art

Spaniens Frauenfußball hat eine enorme Entwicklung genommen, im WM-Gruppenspiel gegen Deutschland will das Nationalteam dies nun unter Beweis stellen

VonFrank Hellmann, Valenciennes

ImBistrot de Charles, amputzigen

Kreisverkehr gleich vor dem Stade

du Hainaut vonValenciennes,haben

sie den Spielplan dieser Frauen-WM

penibel studiert. Über die Markise

des Lädchens mit seiner steinernen

Fassade sind säuberlich die Flaggen

der hier nahe der belgischen Grenze

vorspielenden Nationen angebracht.

Zuerst die von Italien und

Australien, dann liegen die von Spanien

und Deutschland nebeneinander.

Was ja auch irgendwie gut zur

Beschreibung passte, die Bundestrainerin

Martina Voss-Tecklenburg

für die zweite WM-Begegnung unweit

der belgischen Grenze abgab:

„Das wird ein Spiel absolut auf Augenhöhe.“

Nur eine knappe Stunde später

stellte der spanische Nationaltrainer

JorgeVilda die Kräfteverhältnisse etwas

anders dar: „Wir spielen gegen

den Favoriten auf den WM-Titel.

Wenn wir es schaffen, wäre eshistorisch.“

Hohe spielerische Qualität

Nun ist es nicht so, dass Frau Voss-

Tecklenburg und Señor Vilda nicht

auf einerWellenlänge liegen; ganz im

Gegenteil. Sie betonte,„dass wir uns

mögen und schätzen“. Er beteuerte,

dass sie eine „gute Trainerin und ein

guter Mensch sei“. Erst kürzlich haben

sich beide am Rande der Halbfinals

der Women’s Champions

League zwischen dem FC Bayern

und FC Barcelona (0:1, 0:1) ausgetauscht.

Der erstmalige Finaleinzug der

Katalanen war Beleg, wie sehr sich

die Nationen im Frauenfußball angeglichen

haben. Und weil Bayern

mit sieben und Barcelona

gar mit zehn Akteuren jeweils

den größten Anteil

am WM-Kader stellen, ist

auch ein gewisser Rückschluss

auf die Nationalteams

erlaubt. „Es hat

sich im Nachwuchs

enorm viel getan. Es ist

schön zu sehen, dass eine

Nation wie Spanien, in

der Frauenfußball lange

eine untergeordnete Rolle spielt,

solch eine Entwicklung nimmt“,

lobte Voss-Tecklenburg.

„Bis tief in die Nacht“, erzählte ihr

Co-Trainer Patrik Grolimund, hat

Die Torjägerin:

Jennifer Hermoso

sich die mit Gegnervorbereitung beauftragte

Assistentin Britta Carlson

mit den Spanierinnen beschäftigt.

Dabei sei man laut Grolimund zu folgendem

Schluss gekommen:

„Der spanische Stil

ist immer der gleiche.Deren

Erfolgs-DNA kennen

wir aus deren Nachwuchsbereich.

Sie sind

extrem offensiv, haben

DPA/GOLLNOW

eine hohe spielerische

Qualität.“

Dazu hilft den einheimischen

Nationalspielerinnen

eine neue Wertschätzung

für die Primera División

de la Liga de Fútbol Femenino: Das

Topspiel zwischen Atlético Madrid

gegen den FC Barcelona verfolgten

im Frühjahr 60 739 Zuschauer im

neuen Wanda Metropolitano. Das

meiste waren zwar Freikarten, aber

so viele Menschen strömten bis dato

zu einem Frauen-Ligaspiel nirgendwo

auf der Welt. Zehn Liga-

Spiele wurden in dieser Saison in

Männerstadien ausgetragen, weil

sonst die Kapazitäten nicht ausgereicht

hätten.

Diskussionswürdige Strafstöße

Der erst 37-jährige Vilda achtet seit

Amtsantritt auf die Fortschritte im

Ganzen. Sein Vater Ángel war in den

Neunzigerjahren Fitnesscoach beim

FC Barcelona, als Johan Cruyff die

bis heute gültige Prägung beibrachte.

Erschult Tiki-Taka auf die

weibliche Art. Torjägerin Jennifer

Hermoso oder Kapitänin MartaTorrejon

pflegen eine Herangehensweise

wie die Männer: haufenweise

Kurzpässe,viel Ballbesitz.

Sein Ensemble,das in der Qualifikation

acht Siege in acht Spielen verbuchte,

verhaspelt sich allerdings

noch zu oft im Abschluss.Zum WM-

Auftakt brauchte es gegen Südafrika

(3:1) zwei diskussionswürdige Strafstöße

für den späten Sieg. Daher bat

Jorge Vilda am Dienstag darum,

nicht gleich zu viel zu erwarten: „Wir

müssen realistisch bleiben. Wir versuchen,

eines Tages das gleiche Niveau

wie Deutschland zu erreichen.“

Der Mann hätte jedoch gar nichts

dagegen, würde ein Überholmanöver

bei den Frauen schon unweit jenes

Kreisverkehrs in Valenciennes

erfolgen, den die spanische und

deutsche Fahne so einträchtig verzieren.


Berliner Zeitung · N ummer 133 · M ittwoch, 12. Juni 2019 – S eite 21

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Feuilleton

Peter Uehling führt

durch die Konzerte

der Woche

Seite 24/25

„Der Mann ist nicht Pop, sondern Popgeschichte.“

Frank Junghänel erlebte Kris Kristofferson bei seinem Konzert im Berliner Admiralspalast Seite 23

Architektur

Jede Säule

ist verdächtig

Nikolaus Bernau

findet die Rechte-Räume-

Debatte dünnbödig

Haben Architekten der neuen nationalistischen

Welle wirklich

den ästhetischen und funktionalen

Raum bereitet durch Entwürfe, die

ästhetisch in die Vergangenheit weisen,

statt sich in die Tradition der

Klassischen Moderne zu stellen? Das

jedenfalls behauptet die in Aachen

und Berlin erscheinende Architekturzeitschrift

Arch+ in ihrer neuesten

Ausgabe. Sie ist lesenswert –und sei

es nur deswegen, weil man sich im

Ärger über einzelne Texte zu neuen

Perspektiven angeregt fühlt (arch+

Verlag, 22 Euro).

Arch+ stellt eine Reise durch das

angebliche Europa der „Rechten

Räume“ vor, von Italiens Mussolini-

Kulten durch Ungarn, Polen und Österreich,

am Kyffhäuser vorbei bis

zum Walter-Benjamin-Platz in Charlottenburg.

1998 entstand er nach

den Plänen von Helga und Hans

Kollhoff. Schon damals wurden die

Säulenhallen scharfkritisiert, wegen

ihrer Anlehnung an für Mussolini

entworfene Architekturen Marcello

Piacentinis. Ergalt als Muster eines

rückwärtsgewandten, gesellschaftliche

Hierarchien stabilisierenden

Raums. Erst jetzt wurden dieser

Raum und sein Architekt –nicht seine

Büropartnerin, da zeigt sich wieder

die Männer-Fixiertheit der Architekturdebatten!

– auch als Antisemit

„entlarvt“. Auf der Grundlage eines

in die Platzgestaltung eingefügten

Gedichtzitats von Ezra Pound. In

dem schalt dieser den „Wucher“ –

ein Coverwort für Juden –als Ursache

des Verfalls der handwerklichen

Korrektheit in der Architektur.

Da liegt das Kernproblem der Debatte:

Pound war zweifellos Antisemit,

aber in seinen literarischen Formen

ein Moderner.Kapitalismuskritik

gab es eben auch vonRechts.Und

Kollhoffs Architektur kann man

ohne weiteres auch in die Tradition

der „linken“ Volksfront-Architekturen

des Palais du Tokyo inParis stellen.

Doch Arch+ behaupten oft

reichlich selbstgerecht, dass Architekturformen

immer das gleiche bedeuten.

Dabei lebt Architektur gerade

von der Vielfalt, den Brüchen.

Den Nachbau der Frankfurter Altstadt,

hier als Frucht einer rechtsradikalen

Initiative beschrieben, beschlossen

demokratische Parteien.

Hinter der „weißen“ Berliner

Schlossfassade wird sich ein einzigartiges

Museum Nicht-Weißer-Kulturen

entfalten. In Skandinavien gingen

ästhetischer Modernismus und

Nationalismus eine enge Verbindung

ein. Aber all das passt nicht ins

Schema, wirdalso ignoriert.

Blick auf den Walter-Benjamin-Platz in

Berlin, der jetzt kritisiertwird. IMAGO IMAGES

Madonna, eine große Künstlerin, noch immer unter größter Beobachtung stehend.

Die Kämpferin

Freundlich und zugewandt zeigt sich Madonna bei der Vorstellung ihres neuen Albums im kleinen Kreis

VonKatja Schwemmers

Erst der missglückte Auftritt

beim ESC in Tel Aviv, am

Wochenende dann Madonnas

Beschwerde über

ein Porträt in der New York Times,

durch das sie sich „vergewaltigt“

fühlte, weil sich die Autorin zu sehr

auf ihr Alter von 60Jahren fixierte.

Dem amFreitag erscheinenden 14.

Studioalbum von Madonna, „Madame

X“, geht einige Unruhe voraus.

Mitte April war in den Universal

Music Studios im Norden Londons

die Welt der Madonna Louise Ciccone

noch in Ordnung. Zum ersten

Mal überhaupt wurden ihre neuen

Songs internationalen Journalisten

vorgespielt –als Vorbereitung auf Interviews

Stunden später im Hotel.

Spannung liegt in der Luft, immerhin

handelt es sich um die „Queen of

Pop“, die laut Guinness-Buch der

Rekorde mit 300 Millionen verkauften

Tonträgerntrotz einer Lady Gaga

und Beyoncé weiterhin die erfolgreichste

Musikerin aller Zeiten ist.

Sprechen wir über Musik!

Zugegen ist Barbara Charone, ihre

Pressereferentin für Großbritannien,

die sich schon für Madonna einsetzte,

bevor diese 1983 mit „Holiday“

den internationalen Durchbruch

schaffte. Den wichtigsten PR-

Jobder Musikwelt hat seit Dezember

wohl aber Kelly Bush Novak, die sich

um die internationalen Belange der

Popikone kümmert. Novak ist erfreulich

euphorisch, was Menschen

in solchen Positionen eher selten

sind, outet sich als Fan. Auch sie

kennt, ebenso wie Madonnas Manager

GuyOseary, die Künstlerin schon

seit Anfang der Achtziger. So viel

Treue im Umgang mit dem Personal

hätte man nicht unbedingt erwartet.

Ob Madonna nervös ist? „Nicht nervös,

sie würde sich bloß wünschen,

dass es diesmal um die Musik geht“,

sagt Novak bestimmt. Zettel mit den

Songtiteln werden verteilt.

DerFranzose Mirwais,der zuletzt

als Hauptproduzent an „American

Life“ (2003) Hand anlegte,taucht nahezu

in allen Songcredits auf. Der

Name David Banda steht hinter

dem Stück „Batuka“, auf dem, wie

wir später erfahren, sogar alle vier

ihrer aus Malawi adoptierten Kinder

zu hören sind. Untypisch für Madonna

sind die zahlreichen Duett-

Partner: Der Kolumbianer Maluma

und die Brasilianerin Anitta, beide

jung und sexy, haben insgesamt

über 81 Millionen Instagram-Follower.

Darüber hinaus sind die USamerikanischen

Rapper Swae Lee

und Quavo von der Gruppe Migos

mit auf der Platte –kulturelleVielfalt,

die sie ja auch im Privaten lebt.

„One, two, one, two, one, two,

cha-cha-cha“, flüstert sie zur ersten

Single „Medellín“ via XL-Lautsprecher

–noch Stunden später will die

Tanzanleitung nicht mehr aus dem

Gehörgang weichen. Auch die von

Madonna beinahe gerappten Zeilen

in „Future“, die für Weltoffenheit stehen,

hallen nach: „Not everyone is

coming to the future, not everyone is

learning from the past.“ Doch als sie

das Stück einen Monat später beim

ESC singt, bleibt die völkerverbindende

Botschaft ob des viel diskutierten

Auftritts weitestgehend ungehört.

Das sollte ihr beim Interview nicht

passieren. Aufrecht, man möchte sagen:

majestätisch, schreitet Madonna

in den Raum und ist geradezu von

einschüchternder Präsenz. Wenn sie

lächelt, kann man sich nicht sicher

DAS ALBUM

Madonna

Madame X

Universal Music, ab 15,99 Euro.

Erscheint am 14. Juni.

sein, wie sie es meint. Gernekontert

sie auch mit einer Gegenfrage. Und

was wir auf keinen Fall verschweigen

wollen: Sie sieht toll aus. Nicht nur

„für ihr Alter“.

Das extravaganteste Accessoire

ihrer Garderobeist die schwarze Augenklappe.

Sie gehört zum Konzept

von „Madame X“, für das sie in verschiedene

Rollen schlüpft. Wieso eigentlich?

„Die Choreografin Martha

Graham gab mir diesen Namen“, erklärt

Madonna. „Ich war 19 und absolvierte

in ihrer Schule in NewYork

eine Tanzausbildung. Ihr schien es,

als würde ich täglich meine Identität

ändern.“ Als Madame X gibt Madonna

nun die Geheimagentin, Gelehrte,

Tänzerin, Cabaret-Sängerin,

die Hausfrau und die Weitgereiste –

um nur einige Charaktere zunennen.„Auf

gewisseWeise war ich mein

ganzes Leben Madame X: Ichbringe

Licht an dunkle Plätze, inspiriere

Menschen mit meiner Musik und

meiner Kreativität. Ich bin Provokateurin

und hoffentlich nie das, was

Leute von mir erwarten“, sagt die in

Michigan geborene Sängerin, Songwriterin,

Produzentin und Schauspielerin

selbstbewusst.

Dieneue Platte ist mit ihren lateinamerikanischen

und urbanen Klängen

tatsächlich nicht das,was der gemeine

Madonna-Fan jenseits der 40

erwartet hätte: Pop, Reggaeton, Hip-

UNIVERSAL MUSIC/DPA

Hop, 4-to-the-Floor, sogar Klassik

verzwirbelt sie in den Stücken, singt

neben Englisch auch auf Spanisch

und Portugiesisch. Lissabon ist seit

zwei Jahren Madonnas Wahlheimat.

„Wenn mich vor zehn Jahren jemand

gefragt hätte, obich mir vorstellen

könnte, inPortugal zu leben,

wo ich zur Soccer Mom werde, mir

mit meinem Sohn David dieWochenenden

auf dem Fußballplatz um die

Ohren schlage und anfange, auf Portugiesisch

zu singen, hätte ich diese

Person sehr ungläubig angeguckt“,

erzählt sie. „Es war der richtige Zeitpunkt,

meine Komfortzone zu verlassen.“

Musikstile wie Fado hätten sie

beeinflusst. Bei sogenannten Living-

Room-Sessions habe sie sich zu spontanen

Musikabenden mit Einheimischen

getroffen. Auch deshalb wollte

sie Portugiesisch singen, wenngleich

sie nur ein Dutzend Worte der Sprache

spreche,wie sie zugibt.

Reißt die Mauernein!

Und politisch ist sie –nicht nur im

Stück „Killers Who Are Partying“, in

dem sie sich mit diversen Randgruppen

solidarisiert. „Meine Intention

ist und war immer, Ausgrenzungen

zu vermeiden, Räume, die Menschen

voneinander trennen, zu

überwinden, Mauern zum Einstürzen

zubringen. Wenn ich eine Diskussion

entfachen kann darüber,

dann habe ich mit dem Song alles erreicht.“

Diskussionen hat Madonna

reichlich ausgelöst, nur bezogen die

sich meist auf sie als Person, ihr Alter

und die Halbwertzeit von Pop. Madonnas

größte Provokation scheint

diesmal zu sein, mit 60 überhaupt

noch auf der Bühne zu stehen.

Sie sei älter, aber auch weiser

heute, sagt sie, und nennt kämpferisch

Johanna von Orléans als Vorbild.

„Sie hatte keine Angst, für ihre

Überzeugung zu sterben. Sie war

eine Freiheitskämpfern und Feministin.

So sehe ich mich auch.“ Auf

die Frage, welchen Ratsie ihrem jüngeren

Ich geben würde, hat Madonna

schnell eine Antwort: „Nimm

nichts vonalledem persönlich“, sagt

sie –und zeigt ihr Lächeln, bei dem

man sich nie sicher sein kann.

NACHRICHTEN

Lokalzeitung in Chemnitz für

Leserbeteiligung geehrt

Für ihreLeserdebatte„Chemnitz diskutiert“

nach der tödlichen Messerattacke

in der Stadt erhält die Freie

Presse in Chemnitz den Deutschen

Lokaljournalistenpreis 2018. Mit

dem Dialogformat habe die Zeitung

den Menschen ein Angebot zu einem

offenen, kontroversen und respektvollen

Austausch gemacht, begründete

die Konrad-Adenauer-Stiftung

am Dienstag ihreEntscheidung.

„Der Redaktion gelingt, was in

polarisierenden Debatten oft untergeht:

auch der verunsicherten,

schweigenden Mitte Gehör zu verschaffen“,

hieß es.Indem Leserforumdiskutierten

Akademiker,Arbeiter,Flüchtlingshelfer

und Gegner der

Asylpolitik über die Geschehnisse in

Chemnitz im August 2018. Damals

war die Tötung eines 35 Jahrealten

Mannes Anlass für heftige Demonstrationen

vonrechts und Gegendemonstrationen.

(dpa)

Gedenken an Anne Frank

zum 90. Geburtstag

Anlässlich des Geburtstags vonAnne

Frank, die am 12. Juni 90 Jahrealt geworden

wäre, findet in der Frankfurter

Paulskirche am Mittwochnachmittag

eine zentrale Gedenkveranstaltung

statt. Es sprechen unter anderem

Unesco-Generalsekretärin

Audrey Azoulay und die ungarische

Philosophin und Holocaust-Überlebende

Agnes Heller,die wie Anne

Frank im Jahr 1929 geboren wurde.

Anne Franks im Versteck in Amsterdam

verfasstes Tagebuch wurde

nach dem Zweiten Weltkrieg in mehr

als 70 Sprachen übersetzt und ist Teil

des Weltdokumentenerbes der Kulturorganisation

der Vereinten Nationen.

In Berlin wirdesamSonnabend

von16.15 bis 17.45 Uhreine kostenfreie

Familienführung durch die

Ausstellung „Alles über Anne“ im

Anne-Frank-Zentrum geben (Anmeldung

erbeten unter ausstellung

@annefrank.de). (dpa/BLZ)

Anne Frank im Jahr 1941. Durch ihr Tagebuch

ist sie unvergessen. AKG/UIG/UNIVERSAL HIS

Spekulation über Gemälde

„Salvator Mundi“

Dasspurlos verschwundene teuerste

Gemälde der Welt, Leonardo da Vincis

„Salvator Mundi“, soll sich einem

Bericht zufolge auf einer Luxusjacht

des saudischen Kronprinzen Mohammed

bin Salman befinden. Das

Bild sei zunächst mitten in der Nacht

auf ein Flugzeug verfrachtet und

dann auf das Schiff „Serene“ gebracht

worden, schreibt der Kunsthändler

und Kurator Kenny Schachter

in einem am Montagabend veröffentlichten

Stückfür die Internetseite

Artnet. DasBild „Salvator

Mundi“ war im November 2017 beim

Auktionshaus Christie’s in NewYork

für 450 Millionen US-Dollar (401 Mio

Euro)versteigertworden. Seitdem ist

es verschwunden. (dpa)


22 Berliner Zeitung · N ummer 133 · M ittwoch, 12. Juni 2019

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Feuilleton

Sprechende Tiere verändern die Welt

Die Schriftstellerin Hermynia Zur Mühlen, Erfinderin des proletarischen Märchens, brach alle Traditionslinien. Eine Wiederentdeckung

VonBjörnHayer

Als Hermynia Zur Mühlen

1883 in Wien geboren wird,

befindet sich Europa am

Scheideweg: Neben Klassenkämpfen,

Industrialisierung und

baldiger Vorkriegsstimmung tragen

ebenso große Theorien zur Erschütterung

der abendländischen Gesellschaft

bei. Ob Nietzsches Gottesnegation,

Freuds Traumdeutung oder

Darwins Evolutionstheorie: all diese

Schriften stürzenden Menschen am

Anbruch der Moderne in eine folgenschwereDesorientierung.

DieLiteratur dieser Zeit gleicht einem

Fieberthermometer: Während

sich die einen, darunter Georg Trakl

oder Jakob vanHoddis,inapokalyptische

Fantasien steigern, hoffen anderewie

der Futurist Filippo T. Marinetti

auf die erneuernden Kräfte,die

aus Chaos und Wende hervorgehen

sollen. Dass sich Zur Mühlen in

keine der beiden Schubladen richtig

einordnen lässt, macht ihren Reiz

aus. Ingleich mehrfacher Hinsicht

fällt sie aus dem Rahmen: zum einen

als Schriftstellerin in einem durch

und durch männerdominierten Literaturbetrieb,

zum anderen als dezidiert

sozialistische Autorin mit adligem

Hintergrund, von dem sie sich

Zeit ihres Lebens loszulösen sucht.

Nachdem sie früh einen baltischen

Großgrundbesitzer heiratet,

wird ihr die moralische Dekadenz

der Elite bewusst. Erschüttert von

der menschlichen Armut in den Ländereien

ihres Gatten, reicht sie schon

wenige Jahre nach der zuvor von ihren

Eltern gewünschten Eheschließung

1913 die Scheidung ein und

Nicht nur die Romane und Essays von Hermynia Zur Mühlen (1883–1951) sind jetzt wiederzuentdecken, auch ihre proletarischen Märchen.

schließt sich der kommunistischen

Bewegung an. Was sie zum Schreiben

motiviert, ist Empörung: über

die soziale Ungerechtigkeit und Ausbeutung

durch die Reichen.

Lange Jahre war diese engagierte

und souveräne Frau vergessen. Die

just erschienene Werkausgabe versteht

sich als eine späte Nobilitierung

ihres Wirkens, das zu Unrecht

unterschätzt wurde. Neben Romanen

und zahlreichen Essays und

Feuilletons verschafft insbesondere

ihre Begründung einer neuen Gattung

ihrem Werk ein Alleinstellungsmerkmal,

nämlich ihre proletarischen

Märchen. Darin tragen Gärtner

ihren Klassenkampf mit arroganten

Rosen aus oder erzählen

Kohlestücke vom traurigen Los der

Minenarbeiter. Unterdessen ruft ein

asketischer Muezzin dem unter Ausbeutung

leidenden Volk zu: „Volk, erhebe

dich und erkämpfe dein Recht!

[…], bis auf Erden Gerechtigkeit

herrscht und kein Mensch einen anderen

[…] unterdrückt“.

Die beinah kindliche Sprache in

Zur Mühlens Geschichten mag in

Anbetracht der Ernsthaftigkeit ihrer

Themen auf den ersten Blick überraschen.

Gleichwohl erzielt sie damit

eine starke aufklärerische Wirkung.

Denn gerade indem sie die komplexen

Zusammenhänge auf eine einfache

Darstellungsart reduziert, gelingt

es ihr einerseits,die Realität naturalistisch

einzufangen und andererseits,

einen Gegenraum zu

entwickeln, der im Mirakulös-Märchenhaften

das Potenzial zur Utopie

eröffnet. Sprechende Tiere und

Dinge zeugen als magische Elemente

vonder möglichen Veränderbarkeit

der Welt.

Selbst die Theologie unterzieht

die Literatin einer radikalen Neudeutung.

In der Novelle „Der rote

FAMILIENARCHIV VON ZUR MÜHLEN

Heiland“ steigt Jesus vomKreuz und

konfrontiert den Pfarrer mit einer

heuchlerischen Kirchenmoral.

„Hundertmal“ sei er auferstanden,

„in jedem, dessen Liebe stärker war

als der Tod. In jedem Rebell, der kettenbeschwert

im Kerker schmachtete,

lebte ich. In jedem, den ihr an

den Galgen hängtet, ward ich gekreuzigt.“

Das Christentum wird als

Urquell einer alle Mitglieder einer

Gesellschaft umfassenden Sozialethik

im Geiste von Egalität und

Liebe begriffen –und Jesus nebenbei

als Prototyp des sozialistischen Revolutionärs.Radikaler

geht es nicht.

Traditionslinien werden von der

Autorin auf ungekannte Weise hinterfragt,

gebrochen oder munter dekonstruiert.

Immer wieder demaskiert

Zur Mühlen, die übrigens

durchaus eine überzeugte Katholikin

ist, beispielsweise die theatralen

Praktiken vonVertretern des Kapitalismus,

die die Religion für ideologische

Zwecke zu nutzen wissen. So

preisen die Besitzenden in einem

Prosastück ihre Wundermauer, die

den Armen den Zugang zum Reichtum

verwehrt, als das „Allerheiligste

der Welt […]. Wersie beschädigt, der

werde in alle Ewigkeit verdammt

werden.“

Was würde diese kluge Autorin

uns wohl heute sagen? In jedem Fall

dürfte sie uns zur Wachsamkeit anhalten,

uns vor extremistischen und

zersetzenden Tendenzen warnen,

uns dazu auffordern, sich nicht

gleichgültig mit dem Status quo abzufinden.

Überdies kann man davon

ausgehen, dass sie sich wohl auch als

scharfe Kritikerin des spätmodernen

Hyperindividualismus,wie ihn Andreas

Reckwitz profunde in seiner

Studie „Gesellschaft der Singularitäten“

belegt, hervortun würde. Statt

einem Mehr an Ich würde sie ein

Mehr an Wir fordern. Und während

anderedarüber sinnieren, worin das

Konzept einer politischen Autorschaft

bestehen könnte,würde sie es

wahrhaftig vorleben –als eine streitbareDenkerin,

die es unbedingt wiederzuentdecken

gilt.

Hermynia ZurMühlen: Werke. Kommentiertund

mit einem Porträtvon Ulrich Weinzierl. Eingeleitet

mit einem Essayvon FelicitasHoppe. Zsolnay,

Wien 2019, Vier Bände, 2581 S.,49Euro.

Schweine unter sich

Thomas Vinterbergs „Fest“ mit Puppenspielkünstlern der Hochschule für Schauspielkunst „Ernst Busch“ in der Schaubude

VonDoris Meierhenrich

Schon raffiniert, was Christian da

macht: Erst spricht er einen Toast

auf denVater aus,ganz wie die Tradition

es von dem ältesten Sohn will.

Dann zieht er zwei Zettel aus der Tasche,

einen grünen und einen gelben,

auf denen verschiedene Reden

stehen. Er fragt den Jubilar, der an

diesem Tagseinen 60. feiert, welchen

Zettel er lesen soll –den grünen? Gut!

–und langsam fängt er an, von den

Freuden desVaters im Badzuberichten.

Kaum merklich beginnt so der

unappetitliche Teil des Abends.

Vor zwanzig Jahren hat Thomas

Vinterberg sein berühmtes Enthüllungsdrama

„Das Fest“ verfilmt und

damit den Prototyp jenes aufmüpfigen

„Dogmas“ geschaffen, das die

Filmkunst technisch wie thematisch

zurück an die Wirklichkeit binden

sollte. Das lebensnahe, menschliche

Drama sollte wiedergefunden werden,

wofür der Macht- und Neurosennukleus

Familie beste Vorlage

bot. So ist Christians Rede auch nur

der Beginn mehrerer Anläufe, die

dickschädelige Feierlaune der Geburtstagsgesellschaft

aufzubrechen

und seinen Vater, den angesehenen

Hotelier, als Heuchler zu entlarven,

der die eigenen Kinder missbrauchte.

In der großen Puppentheateradaption,

die der 3. Studiengang der

„Ernst Busch“ unter der Regie von

Nis Sogaard dieser Tage in der

Schaubude präsentiert, gehört die

Darstellung dieser absurd störimmunen

Feiergesellschaft zum Trefflichsten.

Schon die Stückfassung

sieht einen extra „Toastmeister“ dafür

vor, der hier die beeindruckende

Gestalt eines hüfthohen Pavians bekommt,

der –wie alle Puppen an diesem

Abend –von gleich drei Spielern

an Kopf, Händen und Füßen bewegt

wird. Zehn, zwanzig Mal jazzt diese

graue Pavianeminenz nun das Festprotokoll

rauf und runter in einer

Unbeirrtheit, dass man keinerlei

Zweifel mehr haben kann, wie eisern

sich das Fassadenbürgertum hier

selbst feiert. Der Kniff der Inszenierung

besteht darin, die nahelie-

Die Schweine tragen Anzug im Puppenspiel

„Das Fest“.

SCHAUBUDE

genste Symbolik der Missbrauchsgeschichte

direkt als Realität zu nehmen

und die feine Gesellschaft als

Hort vonSchweinen auftreten zu lassen.

Schweine im Anzug, versteht

sich, mache rosaner als andere. Die

Gäste von außerhalb kommen aus

der Familie der Affen, eine ausgeflippte

Schildkröte ist auch dabei.

Gefeiert wird im bühnenfüllenden

Goldrahmen eines alten Meisters:

Caravaggios „Sieg des Amors“, ein

nackter Junge mit Flügeln und Pfeil,

wirddarin sichtbar und stellt für den,

der sehen will, gleich zu Beginn die

kultivierte Verhüllungstechnik der

Schweinegesellschaft aus.

Ein bisschen lang und arg eng an

der Vorlage klebt der Abend schon,

weshalb auch der schöne Einfall etwas

untergeht, den Missbrauch und

die Schuldvertuschung im angelesenen

Grimm’schen Schauermärchen

„Wie Kinder Schlachtens miteinander

spielten“ zu spiegeln. Doch fasziniert

das präzise Spektakel der elf

multitalentierten Puppenführerinnen

(nur ein Mann ist dabei) durchweg.

Wie geklont agieren sie als gespenstisch

servile Geister der

Schweinesippe, verdreifachen deren

Gefühle oder halten deren Empörung

mit dreifacher Kraft zurück.

Und stellen so etwas Wunderbares

her:geteilte Emphase.

Schaubude,13.,14.6., 20 Uhr;15.6., 19 Uhr,

Tel: 4234314

Meinen Ausbildungsplatz habe

ich auf azubis.de gefunden!


Berliner Zeitung · N ummer 133 · M ittwoch, 12. Juni 2019 23

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Feuilleton

Der Entführer

wird

gefesselt

„Höhenstraße“ ist ein

schräger Wiener Landkrimi

VonTorsten Wahl

Nach einer knappen Stunde

kommt sogar Moritz Eisner ins

Spiel –dabei ermittelt der sonst im

ARD-„Tatort“ aus Wien, den der ORF

beisteuert. Harald Krassnitzer hat

hier einen kurzen Gastauftritt. Doch

Eisner und Kollegin Fellner (Adele

Neuhauser) fühlen sich nicht zuständig

für diesen skurrilen Fall. Dafür

ist in der „Höhenstraße“ unweit

von Wien ein ganz anderes Polizisten-Duo

unterwegs. Roli (Nicholas

Ofczarek) und Ferdi (Raimund Wallisch)

holen nachts erst ein Liebespärchen

nackt aus dem Auto und

kassieren es ab. Kurz darauf kommt

ihnen ein Auto verdächtig vor, das

voneinem Schwarzafrikaner (Olivier

Mukuta) gesteuert wird, der Beifahrer

(David Oberkogler) ist betrunken.

Trotzdem werden sie als Schlepper

verdächtigt – und kurzerhand

gefesselt und verschleppt. Spätestens

hier wird klar, dass die beiden

Männer in Polizeiuniformalles Mögliche

sind –aber keine Polizisten. Der

zögerliche Ferdi weiß: „Der ist unschuldig

–aber mir sans net!“

Verständliche Sprachfassung

Als zwielichtiger Polizist ist Nicholas

Ofczarek schon mehrfach aufgefallen,

etwa in der Sky-Serie„Der Pass“

und in den Lars-Becker-Krimis im

ZDF.In„Höhenstraße“ spielt er seine

Physis gar nicht mal voll aus –der falsche

Bulle Roli setzt vielmehr auf

Verstellung, die in der österreichischen

Sprachfassung besonders fies

klingt. Dem deutschen Publikum

werden die ORF-Landkrimis in einer

verständlicheren Version gezeigt –

das schwächt das schräge Original.

Roli hat jedenfalls die Idee,bei der

Familie des Entführten als Kommissar

aufzutauchen und die Übergabe

des Lösegeldes zu begleiten, den Erpresserbrief

muss Kumpel Ferdi liefern.

David Schalko (Buch und Regie)

lieferte jüngst eine sehr Wienerische

Serienvariante des Fritz-Lang-

Klassikers „M – Eine Stadt sucht

einen Mörder“.

Ferdinand (Raimund Wallisch)und Roli

(Nicholas Ofczarek) auf Streife. ORF/ZDF

Auch „Höhenstraße“ deutet anfangs

noch in eine politische Richtung,

entpuppt sich dann aber als

launig-schwarze Gaunerkomödie,in

der selbst so traditionelle Elemente

wie der vertauschte Geldkoffer zum

Einsatz kommen. Auch in der betroffenen

Familie spielt keiner mit offenen

Karten: Vater Schmatz (Klaus

Rott) versteckt sein Geld, das Gattin

(Inge Maux) und Tochter (Franziska

Hackl) gern ausgeben würden.

Selbst Rolis Partner Ferdi, der eigentlich

lieber Schlagersänger wäre, will

nicht unbedingt das Lösegeld mit

ihm teilen. Immer wieder sorgt Regisseur

David Schalko für überraschende

Wendungen. So wird der

falsche Polizist Ferdi schließlich

selbst gefesselt: voneiner rabiat paarungswilligen,

alleinerziehenden

Mutter (Doris Schretzmayer) in einer

rasend komischen Bettszene. Dass

die Frauen hier generell mehr Härte

und Cleverness zeigen als die Männer,ist

ja auch ein Statement.

Höhenstraße 20.15 Uhr,ZDF

In Würde

Der große Countrysänger und Schauspieler Kris Kristofferson gastierte im Admiralspalast

VonFrank Junghänel

Inder nächstenWoche wirdKris

Kristofferson 83 Jahre alt, zur

Sommersonnenwende, was zu

ihm und seinen Liedern passt.

Aufdem Scheitel zwischen Licht und

Schatten, Tagund Nacht, Hoffnung

und Zweifel –Leben und Tod. Als er

am Montagabend die Bühne des

Berliner Admiralspalastes betritt, ist

ihm jedes einzelne dieser gelebten

Jahre anzusehen und –sobald er zu

singen beginnt – auch anzuhören.

Dort vorn steht ein alter Mann, sehr

schlank, sehr gerade, besser gesagt

aufrecht. Aber wenn man aus der

zehnten Reihe die Augen unscharf

stellt, ist in seiner Silhouette auch

der junge Mann zu erahnen, der er

einmal war, schlaksig, lässig und bei

aller Begeisterung, die ihm entgegen

schlägt, vollkommen abgeklärt.

Es gab eine Zeit, da der Sänger,

Songschreiber und Schauspieler für

das Neue in Film und Musik stand,

New Hollywood, New Nashville. Mit

seiner politischen Haltung, die sich

im Protest gegen den Vietnamkrieg

äußerte, setzte Kristofferson der

konservativen Countrymusik jener

Jahre sein Outlaw-Image entgegen,

eines Mannes, der sich nicht an die

Regeln halten will. DasNeue vonvor

fünfzig Jahren ist nun alt, aber nicht

vergessen. Einer seiner ersten Songs

ist bis zum heutigen Tagauch sein

berühmtester: „Me And Bobby

McGee“ von1968, in der Version von

Janis Joplin die Erkennungsmelodie

einer Epoche. Kris Kristofferson

bringt seinen Signatur-Hit früh an

diesem Abend, er hat es nicht nötig,

der Dramaturgie eines Popkonzertes

zu folgen. Der Mann ist nicht Pop,

sondernPopgeschichte.

Undsomuss man es hinnehmen,

dass sein früher prägnanter Bariton

längst einem heiseren, mitunter fast

stimmlosen Timbre gewichen ist.

Eingroßer Sänger war er nie,eher ein

Vortragender,nun ist er ein Flüsterer,

der mitWürde seinen schwindenden

Kräften begegnet. „Wide awake and

feeling mortal/Atthis moment in the

dream/That old man there in the

mirror/And my shaky self-esteem“,

singt er in dem Lied „Feeling Mortal“

(Sterblich fühlen) von seinem vor

sechs Jahren erschienenen Album

gleichen Titels, das den Schlussstein

unter seine Arbeit als Songschreiber

setzen dürfte.Aus dem Alterswerkist

an diesem Abend wenig zu hören,

Kris Kristofferson im Admiralspalast

dafür erklingt in großen Auszügen

das Debütalbum von1970. „Help Me

Make It Through the Night“, einst

von Elvis Presley gecovert, wird im

voll besetzten Theater ebenso gefeiert

wie „Sunday Morning Coming

Down“, jener Song, mit dem sich

ROLAND OWSNITZKI

eine großartige Anekdote verbindet.

Angeblich soll der praktizierende

Hubschrauberpilot Kristofferson die

Noten zu dem Lied persönlich bei

Johnny Cash vorbeigebracht haben,

indem er mit seinem Helikopter auf

dessen Ranch in Tennessee landete.

Im Nebel des Einerleis

Egal, es wurde auf jeden Fall ein

Hit für Johnny Cash, mit dem Kris

Kristofferson eine Zeit lang in der

Supergruppe Highwaymen an der

Seite von Willie Nelson und Waylon

Jennings den Ruhm teilte.

Auch in Berlin steht ein Quartett

auf der Bühne, naturgemäß in einer

völlig anderen Konstellation. Seine

Begleitband The Strangers nimmt

ihre Aufgabe, Kristofferson durch

den Abend zu tragen, sehr dezent

und verbindlich wahr. Scott Joss an

Geige und Gitarre springt ihm immer

wieder auch gesanglich bei,

wenn es mal mit der Intonation hakt,

einige Songs übernimmt er gleich

ganz, das sind jene,die Kristofferson

aus dem Kanon von Merle Haggard

übernimmt („Okie From Muskoggee“,

„Sing Me Back Home“), seinem

vor drei Jahren gestorbenen Bruder

im Geiste der Aufmüpfigkeit. Doug

Colosio an den Keyboards macht neben

seinem Spiel nur mit seinem

glitzernden Hemd ein bisschen auf

sich aufmerksam, und der Schlagzeuger

Jeff Ingraham zeigt, zu welch

leichthändigem Spiel so ein Superschwergewicht

wie er fähig ist. Ganz

selten zieht das Tempo kurz inden

Galopp,kurzvor der Pause etwa, bei

„Daddy Frank (The Guitar Man)“,

noch so einem Haggard-Stück. Dann

die einzige Ansage des Abends:

„We’ll be back in 15 minutes.“

Bei seiner Rückkehr wird Kris

Kristofferson gleich noch einmal mit

stehenden Ovationen begrüßt, als

wäre erJahre weg gewesen. Das war

er ja vor diesem Konzert auch –zumindest,

was Berlin betrifft. Manchmal

klatschen die Leute mit, immer

ganz zaghaft, damit sie den Sänger

nicht stören. Die Bescheidwisser im

Auditorium machen sich gern mit

erkennendem Applaus bemerkbar,

dabei klingen die Stücke zu Gitarre

und Mundharmonika so unterschiedlich

nun auch wieder nicht. Es

kommt auf die Texte an, deren Melancholie

sich selbst dann vermittelt,

wenn man nicht jedes Wort versteht.

Heute mehr denn je.

Er ist kein Mann der vielen Worte,

wie gesagt, das war er nie,auch nicht

als Revolverheld in demWestern„Pat

Garrett &Billy The Kid“. Eine große

Rolle im Kino wäre ihm noch zu

wünschen. Wie es seinem Freund

HarryDean Stanton mit dem absolut

hinreißenden Film„Lucky“ vergönnt

gewesen ist. Der war damals 91. So

gesehen sind 83 Jahregar kein Alter.

Absturz in die Popkultur „Fuck Fame –Die Geschichte von Elektropop-Ikone Uffie“ ist ein guter,weil harter Film

VonMarkus Schneider

Dieser Film wartet auf den Nachtrag

aus der Gegenwart. Er hört

Mitte unseres Jahrzehnts auf, als die

Protagonistin ihre Kunstfigur Uffie

verabschiedet und sich mit Ende

zwanzig unter ihrem bürgerlichen

Namen Anna Hartley mit ihren zwei

Kindern inLos Angeles erstmal zum

Gemüseschneiden und Stillen zurückzieht.

Seit vorigem Jahr ist Uffie

jedoch wieder unterwegs.

Die Elektrorapperin war 2006

eine der ersten, die nicht durch die

klassischen Kanäle, sondern das Internet

zum Hype wurde. Lilian

Franck und Robert Cibis, die 2010

mit dem schönen Klavierstimmer-

Porträt „Pianomania“ bekanntwurden,

haben Uffie über einige Jahre

beim Hype-Sein begleitet und mit

kleinen fiktionalen Einschüben ein

gleichermaßen atemloses wie erschreckendes

Bild gezeichnet.

Statt der üblichen Biopic-Momente

–hartes unerkanntes Schrubben,

Gänsehaut beim ersten Hit, riskantes

Erfolgsleben und dann Tod

oder glücklicher Entzug –gibt es hier

vorallem purzelnd geschnittene Bilder

von Exzess, Selbstzerstörung

und den nur knapp gelungenen Versuch,

nicht an Überdosis oder Erschöpfung

zu sterben. Dasliegt auch

daran, dass Uffie nicht als strebsame

Musikerin, sondern als 16-jähriges

Partygirl und Modeschülerin in die

damals global einflussreiche Pariser

Elektro-Szene um das einflussreiche

Ed-Banger-Label kam. 2006 wurde

sie mit dem aufsässig-trashigen

Track „Pop the Glock“ über Nacht

bekannt und in die Höhen von Major-Vertrieb

und Stars wie Pharrell

Williams und Madonna-Produzent

Mirwais katapultiert.

Glamouröse Motive gibt es dabei

so wenige wie Partyspaß oder wenigstens

künstlerische Erfüllung. In

wackligen Liveaufnahmen trabt sie

über die Bühne oder liegt auf den Armen

des Publikums, eine 24-stündige

Session im Studio bringt bei unermüdlicher

Koksschnorchelei keine

erhärtbare Songidee, und als sie

spontan mit ihrem Freund im Hotel

arbeiten will, scheitert das bedröhnte

Paar am fehlenden Mikroadapter.

Stattdessen sehen wir die

Figuren auf Sofas in anonymen

Backstagebereichen, Studios und

Zimmern herumlungern. Absichtsvoll

undatierte Ortseinblendungen –

Anna Hartley, selbsternannte „Uffie“,

beim Chillen am Strand

W-FILM

L.A., Paris, Sidney –verstärken nur

den Nebel des Einerleis.

Dies wiederum führt zueiner bemerkenswerten

Nähe zur Figur, mit

der wir anderthalb Stunden in die

Popkultur abstürzen. In Bild und Ton

erzählt sie von ihrer bewegten Jugend

zwischen Asien, den USA und

Paris; vonder herzlosen Mutter,dem

alkoholkranken Vater und kalten Labeltypen,

von Depression und bipolarer

Störung. Sie ritzt und erbricht

sich,„als einzige Kontrolle über mein

Leben“, sagt sie, während die Fans

ihr baldige Exzessrückkehr in den

Krankenwagen nach einem Konzert

hinterherwünschen und Notarzthelfer

augenzwinkernd Margaritas mit

ihr schlürfen.

Der Versuch, sich mit 22 Jahren

durch die Geburtihres ersten Kindes

und einen Umzug ausgerechnet

nach Berlin zu begradigen, schlägt

ebenso fehl wie ein paar klägliche,

dokumentierte Sitzungen bei einem

brandenburgischen Psychiater und

entsprechende offizielle Medizin:

Wenn sie mit dem Rollkoffer in der

Hand die fröhliche (dankenswert

verpixelte) Tochter bei der Nanny

lässt, um sich später lallend über das

angebliche Klammern der Zweijährigen

zu beschweren, bricht einem

das Herz.Und entsprechend erleichtert

ist man, wenn sie endlich „Uffie

hassen“ kann und –„Fuck Fame!“ –

aussteigt. Einguter,harter Film. Aber

die aktuelle Uffie-Fortsetzung in der

Wirklichkeit erwartet man mit gewisser

Sorge.

Fuck Fame –Die Geschichte von Elektropop-

Ikone Uffie Deutschland 2019. Regie und Buch:

Lilian Franckund RobertCibis. Schnitt: Amy

Meyer; 80 Minuten, Farbe.

Der Film kommt am Donnerstagindie Kinos.

Die Stimmen

der Dichter

im Kopf

Zum Todder Autorin

Gerlind Reinshagen

Die Schriftstellerin Gerlind

Reinshagen ist tot. Siesei in der

Nacht von Sonnabend auf Sonntag

im Alter von 93Jahren in Berlin gestorben,

teilte der Suhrkamp Verlag

am Dienstag unter Berufung auf ihre

Familie mit. Reinshagen schrieb

Theaterstücke und Prosa.

Erst 2018 waren mit „Atem anhalten“

auch gesammelte Gedichte von

ihr erschienen. Der Band verstehe

sich „als ein Zeugnis der Humanität

und eine Hommage an vermeintlich

Verlorenes, dessen Geheimnis die

Dichterin erfreulicherweise nie ganz

lüftet“, schrieb BjörnHayer im März

2018 in der Berliner Zeitung. Und

weiter:„DieWelt in ihrer Untergründigkeit

und Ambivalenz zu erfassen,

gelingt Gerlind Reinshagen in ihrer

Lyrik in virtuoser Perfektion, Täuschungen

vernebeln unsere Sinne,

Idyllen muten zwielichtig an.“

Reinshagen wurde am 4. Mai1926

in Königsberg im damaligen Ostpreußen

geboren, kam dann mit den

Eltern nach Halberstadt, machte

eine Apothekerlehre und studierte

Pharmazie. Inden 50er-Jahren ging

sie nach West-Berlin, wo sie an der

Hochschule der Künste studierte

und begann, als Schriftstellerin zu

arbeiten – zunächst

veröffentlichte

sie

Kinderbücher,

konnte sich bald

auch als Autorin

für Erwachsene

einen Namen

machen.

Der Regisseur Gerlind Reinshagen

(1926–2019)

Claus Peymann

brachte mehrere

ihrer Texte auf die Bühne, darunter

1968 ihr erstes Stück „Doppelkopf“.

DasStück sei ein„großer Auftritt“ gewesen,

sagte Peymann in einem Verlagsvideo

von 2018. Damals sei es

sehr ungewöhnlich gewesen, dass

eine Frau ein Drama schreibe.

„Überall schimmert die Zeit durch“,

sagte er über ihreStücke.Die Dramatikerin

beschäftigte sich in ihren

Werken mit dem Nationalsozialismus

und den Nachkriegsjahren,

aber auch mit der Arbeitswelt. Beispiele

sind „Sonntagskinder“, „Himmel

und Erde“ und „Die grüne Tür

oder Medea bleibt“.

Sie schrieb auch Romane wie

„Rovinato oder Die Seele des Geschäfts“,

„Jäger am Rand der Nacht“

oder „Nachts“. In „Göttergeschichte“,

2000 erschienen, erzählt

sie voneiner Frau, die imWest-Berlin

der 70er-Jahre von Halluzinationen

und Stimmen verfolgt wird. Es sind

die Stimmen von Toten, die in ihr

und ihrer Wohnung rumoren. In einem

Gespräch zwischen John Lennon

und Emily Bronte, glaubt sie zu

hören, geht es um Einsamkeit und

wie man sie aushält, in dem zwischen

Virginia Woolf und Robert

Walser um Wahnsinn, in einem Monolog

vonDylan Thomas um die Unfruchtbarkeit

der Dichter in neuerer

Zeit. Es sind Stimmen, die auch Gerlind

Reinshagen zum Schreiben

trieben. (dpa/BLZ)

DPA

TOP 10

Montag,10. Juni

1 Tatort ARD 9,29 29 %

2 Tagesschau ARD 6,63 23 %

3 heute-journal ZDF 4,01 14 %

4 IngaLindström ZDF 3,74 12 %

5 heute ZDF 3,48 15 %

6 Bauer sucht Frau RTL 3,16 12 %

7 Phantast. Tierwesen Sat1 3,08 11 %

8 Cheat ARD 2,96 12 %

9 RTL aktuell RTL 2,85 13 %

10 Lust am Campen ZDF 2,73 10 %

ZUSCHAUER IN MIO/MARKTANTEIL IN %


24 Berliner Zeitung · N ummer 133 · M ittwoch, 12. Juni 2019

·························································································································································································································································································

Tagestipp

KALENDER

BÜHNE

Admiralspalast (✆ 22 50 70 00)

20.00: Die Unmöglichen (Jan-Josef Liefers, Devid

Striesow, Meret Becker, Claudia Michelsen, Ronald

Zehrfeld und August Zirner)

Ballhaus Ost (✆ 44 03 91 68)

20.00: Dark Lux (LUX: NM)

Deutsche Oper Berlin (✆ 34 38 43 43)

19.30: Manon Lescaut

20.00 Tischlerei: Delirio

Deutsches Theater (✆ 28 44 12 25)

20.00: In der Sache J. RobertOppenheimer

Halle Tanzbühne Berlin (✆ 44 04 42 92)

20.30großer Saal: volto umano –das menschliche

gesicht (cie. toula limnaios)

HAU1(✆25 90 04 27)

20.00: Rolling (Michael Laub /Remote Control

Productions)

HAU2(✆25 90 04 27)

18.00: Patrol (machina eX)

20.00: De Living (Das Wohnzimmer) (Ersan Mondtag

/NTGent)

Kleines Theater (✆ 821 20 21)

20.00: Pique Dame

Komische Oper Berlin (✆ 47 99 74 00)

19.30: Der Jahrmarkt vonSorotschinzi

Komödie am Kurfürstendamm im Schiller Theater

(✆ 88 59 11 88) 16.00: Alles was Sie wollen

Maxim Gorki Theater (✆ 20 22 11 15)

21.00 Studio: Pugs In Love 2019 –QueerWeek: W(a)

rm Holes

Prolog-Bühne (Open Air) (✆ 54 90 51 92)

19.30: Romeo &Julia (Globe Ensemble Berlin)

Renaissance-Theater (✆ 312 42 02)

20.00: TankeSehnsucht –Eine musikalische Suche

nach der großen Liebe

Schaubühne (✆ 89 00 23)

20.00: RichardIII.

Schlosspark Theater (✆ 78 95 66 71 00)

20.00: Waszählt, ist die Familie!

Shakespeare CompanyBerlin (✆ 21 75 30 35)

20.00: Maß für Maß!

Staatsoper Unter den Linden (✆ 20 35 45 55)

19.30: Rigoletto

Vaganten Bühne (✆ 313 12 07)

20.00: Drei Mal Leben

Volksbühne Berlin (✆ 24 06 57 77)

20.00 3. Stock: Die Hand istein einsamer Jäger

KABARETT/VARIETÉ

AHA Berlin e. V. (✆ 89 62 79 48)

21.00: Go West English ComedyShowcase (Dharmander

Singh, Kate Cheka, Heather Marulli, Ben

MacLean (Mod.)

Bar jeder Vernunft (✆ 883 15 82)

20.00: Die alten schönen Lieder (Tim Fischer)

Berliner Schnauze –MundArt&Comedy Theater

(✆ 017 95 34 66 96) 20.00: In der Nacht isst der

Mensch nicht gern alleine (Franziska Hausmann und

Sabine Genz)

BKA (✆ 202 20 07)

20.00: EdithSchröder –unbeugsam bunt! (Ades

Zabel)

BühnenRausch (✆ 44 67 32 64)

20.00: Impro-Überra(u)schungs-Show–English

Edition

Chamäleon (✆ 400 05 90)

20.00: Memories of Fools (Cirk La Putyka)

Distel (✆ 204 47 04)

19.30 Studio: Die Ding Show(ImproBerlin)

20.00: Zirkus Angela

Kookaburra (✆ 48 62 31 86)

20.00: Stand-upComedyNight Berlin (JochenPrang

&Gäste)

Mehringhof-Theater (✆ 691 50 99)

20.00: Neues aus QualityLand (Marc-UweKling)

Ratibortheater (✆ 618 61 99)

20.30: Gurkeoder Banane (Die Gorillas)

Scheinbar Varieté (✆ 784 55 39)

20.00: Open StageVarieté (Tom vanOrten, Mod.)

Stachelschweine (✆ 261 47 95)

20.00: Stachelschweinerei

StageBluemax Theater (✆ 018 05 44 44)

17.00, 20.30: Blue Man Group –The Show

StageTheater des Westens (✆ 018 05 44 44)

18.30: The Band –Das Musical

Wintergarten Varieté (✆ 58 84 33)

20.00: Let’sTwist Again! –Rockabilly Hits &

Acrobatics

Wühlmäuse (✆ 30 67 30 11)

20.00: Pop(Mathias Tretter)

KLASSIK

Kaiser-Wilhelm-Gedächtnis-Kirche (✆ 218 50 23)

20.00: MartinBaker,KonzertimRahmen des 15.

Internationalen Orgelimprovisationsfestivals Berlin

LuisenkircheCharlottenburg (Gierkepl. 4)

21.30: Or Solomon und Jack Day, Improvisierte Musik

am Klavier

Musikinstrumenten-Museum (✆ 25 48 11 78)

15.30: Jour fixe –Musik am Nachmittag

Pierre Boulez Saal (✆ 47 99 74 11)

19.30: Arditti Quartet, Ruth Crawford Seeger:

Streichquartett; Anton Webern: Streichquartett op.

28; Morton Feldman: Structures; ConlonNancarrow:

Streichquartett Nr.3;Harrison Birtwistle: String Quartet,

The Tree of Strings, im Rahmendes Streichquartett-Konzertmarathons

Schloss Charlottenburg –Große Orangerie

(✆ 25 81 03 50) 20.00: Berliner Residenz Orchester,

Königliche Schlosskonzerte, Komponist/in: Wolfgang

Amadeus Mozart

Anna Fedotova;Alexandra Rossmann, Werkevon

Mozart, Haydn &Salieri, mit Menü

TIPI am Kanzleramt (✆ 39 06 65 50)

20.00: The 12 Tenors, Millennium, Hommageandie

Welthits des letzten Jahrtausends –klassische Arien,

Pop-Hymnen, Rock-Klassiker

KINDER

Amerika-Gedenkbibliothek (✆ 902 26 -0)

10.00 Kinderbibliothek: Neu in derFamilie: Chamäleon

Ottilie, Bilderbuch-Kino (ab 4J.). Anm. erf.

Atze Musiktheater (✆ 81 79 91 88)

10.00 Studio: Alle da! (ab 10 J.)

10.30: Sommer,Samba, Sonnenschein, Robert

Metcalf &Band (ab 4J.)

Berlinische Galerie (✆ 78 90 26 00)

15.00: Offenes Atelier (ab 6J.)

Berlin mit Kindern (✆ 33 02 98 70)

11.00: Familienführung: Am Brandenburger Torist viel

passiert–Berlingeschichte von1700 bis heute (ab 8

bis 16 J.). Anm. erf.

FEZ/Astrid-Lindgren-Bühne (✆ 53 07 12 50)

10.00, 14.00: Der Teufel mit den drei goldenen

Haaren, Puppentheater Böhmel,

Figurentheater Grashüpfer (✆ 536 95 15 0/ 52)

10.00: Pippi Langstrumpf, Kobalt Figurentheater,

(ab 4J.)

Freilichtbühne an der Zitadelle (✆ 333 40 22)

10.30: 15. Sommer-Familientheater-Reihe: Pippi

Langstrumpf –wie alles begann ..., Berliner Kinder-

Theater (ab 4bis 9J.)

Gemäldegalerie (✆ 266 42 42 42)

10.00: Kinder-Reich in der Gemäldegalerie. Die

Werkstatt des Malers

Grips Hansaplatz (✆ 39 74 74 77)

19.30: Jamba Bamba Boo, Gastspiel aus Indien, im

Rahmen von„50 Jahre Grips“,

(ab 5J.)

Grips Podewil (✆ 39 74 74 77)

16.30: Um Himmels Willen, Ikarus, Gastspiel aus

Ägypten, im Rahmen von„50 Jahre Grips“ (ab12J.)

Jaro Theater (✆ 341 04 42)

10.30: Anton macht Zirkus (Anton fait sonCirque)

(ab 3bis 11 J.)

Lesung mit Musik

Uschi Brüning

erzählt

ihr Leben

Als Birgit Walter Uschi Brüning

im Interview für die

Berliner Zeitung fragte, obsie

sich erklären könne, warum

ihreStimme nicht altere, sagte

die Sängerin, dass sie es vermeide

darüber nachzudenken.

„Dann werdeich nämlich

heiser und nervös, das sind

wie Wirklichkeit gewordene

Prophezeiungen. Ich habe alles

gelernt, auch mutig zu sein,

aus mir herauszugehen, Kontrolle

aufzugeben im Jazz. Aber

nicht, über die Stimme nachzudenken,

die ist einfach da.“

Ja, sie habe nicht einmal

Stimm- oder Aufwärmübungen

gemacht. Wie sie Jazzsängerin

wurde, wie sie mit Manfred

Krug und Günther Fischer

auf der Bühne stand oder mit

ihrem Mann, dem Jazz-Saxophonisten

Ernst-Ludwig (Luten)

Petrowsky,davon schreibt

sie in ihrem Buch „Sowie ich“.

Heute Abend liest sie nicht

nur daraus, sondern sie singt

auch, begleitet vonLukas Natschinski.

Cornelia Geißler

UschiBrüning live,20Uhr,Pfefferberg

Sir András Schiff am Flügel. Im Konzerthaus wird er Bach, Beethoven und Bartók spielen und sogar dirigieren.

Nach 22 Jahren Beobachtung

des Berliner Musiklebens

begegnet mir im

symphonischen Bereich

eigentlich nie ein Programm, dessen

Stücke ich sämtlich noch nicht im

Konzert gehört habe. Das Deutsche

Symphonie-Orchester hat es jetzt

fertiggebracht: Lionel Bringuier dirigiert

zunächst die Symphonischen

Fragmente aus dem Ballett „Le Festin

de l’Araignée“ vonAlbertRoussel,

eines der ersten Werke, das der 1869

geborene Komponist nach seiner Militärlaufbahn

komponierte. Es folgt

ein älteres Erfolgsstück: Das Erste

Cellokonzert von Camille Saint-

Saëns, dessen Solopart der studierte

Cellist Bringuier allerdings Gautier

Capuçon überlässt. Saint-Saëns, der

kein Problem hatte, flachste Virtuosennummern

vom Stapel zu lassen,

hat hier auf einem symphonischen

Vermittlungsniveau komponiert, das

Dvorak in seinem berühmteren und

effektvolleren Cellokonzertnicht angepeilt

hat. Niemals viel Erfolg hatte

Sergej Prokofjews Vierte Symphonie,

in Pariskomponiertwie die anderen

Werke auch, später in Moskau so

grundlegend überarbeitet, dass diese

Peter Uehling

will Musik hören und keine Interpreten.

Im Berliner Musikleben sucht er nach

Veranstaltungen, die musikalische

Erfahrungen bieten könnten –neuartige,

begeisternde, interessante oder

herzerwärmende. Ob sie sich

tatsächlich einstellen, ist allerdings eine

Fragedes Glücks.

Fassung eine eigene Opuszahl bekam.

Das Werk entstand, wie schon

die beiden vorangegangenen Symphonien,

aus Material einesBühnenwerks,

und wenn sich das herumspricht,

denken alle: Ach so, das ist

also keine richtige Symphonie –und

bringen sich um eines der geistvollsten

Orchesterwerkeihrer Zeit.

Vondenen sollte man im Konzert

der Akademie für Alte Musik nicht

allzu viele erwarten: Neben Beethovens

großartiger „Pastorale“ erklingen

Ignaz Holzbauers Symphonie

mit dem Finale „La tempesta di

mare“ („Der Sturmauf See“)und Justin

Heinrich Knechts symphonisches

„Portrait musical de la grand

nature“. Wermal wieder unmittelbar

erfahren will, warum Beethoven ein

Gigant war, wird esindiesem Konzert

erleben; Holzbauers und

Knechts brav gereimten Musikstücken

kann man das Etikett des Genialen

wirklich nicht anheften.

Aber was wäre das für eine Welt,

die nur aus Genialem bestündet?

András Schiff präsentiert sie in seinem

Abschlusskonzertals Artist in residence

am Konzerthaus: Mit Bachs

„Italienischem Konzert“, Beethovens

Waru

Profis und L

KINO

CHARLOTTENBURG

Astor Film Lounge (✆ 883 85 51) Rocketman

15.00, 17.45,20.30

Cinema Paris (✆ 881 31 19) Zwischen den Zeilen

15.30, 20.30; Zwischen den Zeilen (OmU) 18.00

Delphi Filmpalast (✆ 312 10 26) Rocketman

17.40, 20.30

DelphiLUX (✆ 322 93 10 40)All My Loving 15.10,

17.50, 20.30; Rocketman (OF) 15.30, 18.15,

21.00; Queerfilmnacht: Studio 54 –The Documentary

(OmU) 21.00; Push –Für das Grundrecht auf

Wohnen (OmU) 14.00; High Life (OmU) 16.00,

20.40; Ramen Shop (OmU) 18.30; Van Gogh

15.00,17.30, 20.00; Das Familienfoto 15.15; Das

Ende der Wahrheit 17.30; Burning 14.00, 17.10,

20.20; Roads (OmU) 14.30, 19.00; Stan &Ollie

(OmU) 16.45; Greta (OmU) 21.15

Filmkunst 66 (✆ 882 1753) War ofArt (OmU)

18.00; All My Loving 20.00; Peter Lindbergh –

Women‘s Stories (OmU) 17.45; Under the Tree

20.15

Kant Kino (✆ 319 9866) Nur eine Frau 15.30,

17.45, 20.00; TKKG 13.50, 16.00; Roads 18.10,

20.30; Aladdin 15.30, 18.00, 20.45; Mister Link:

Ein fellig verrücktes Abenteuer 14.00; Monsieur

Claude II 16.00, 20.30; DerFlohmarkt vonMadame

Claire 18.15; Edie –Für Träume ist es nie zuspät

15.45, 17.45; Stan &Ollie 20.00

Zoo Palast (✆ 018 05/22 29 66) 3D: Godzilla 2

–King of the Monsters 14.00; Bohemian Rhapsody

17.00; Rocketman 20.00; John Wick: Kapitel III

23.00;3D: X-Men: Dark Phoenix 14.00, 22.45; 3D:

Aladdin 16.45; 3D, Preview: Men in Black: 19.45;

3D: Aladdin 14.30; Rocketman 17.25; 3D: X-Men:

Dark Phoenix 20.15; 3D: Godzilla 2–King of the

Monsters 23.00; TKKG 14.45; 3D: X-Men: Dark

Phoenix 17.10; 3D: Aladdin 19.50, 22.50; 3D:

Godzilla 2–King of the Monsters (OF) 15.30; 3D:

Godzilla 2–King of theMonsters 18.30; John Wick:

Kapitel III 21.30; Glam Girls: Hinreißend verdorben

15.20, 22.50; TKKG 17.40; Der Fall Collini 20.00;

Pokemon Meisterdetektiv Pikachu 15.40; Glam

Girls: Hinreißend verdorben 18.10; Ma –Sie sieht

alles 20.30, 23.00

FRIEDRICHSHAIN

b-ware!Ladenkino (✆ 20 07 88 88) Nur eine Frau

(DFmenglU) 11.00, 20.45; Luft zum Atmen –40

Jahre Opposition bei Opel in Bochum 13.00; Das

schönste Paar 14.15; Royal Corgi: Der Liebling der

Queen 15.45; Under the Tree –Undir trenu (OmU)

17.15; Blown Away –Music,Miles and Magic (OmU)

18.45;Der Goldene Handschuh (DFmenglU) 22.20;

Once Again –Eine Liebe in Mumbai (OmU) 11.00;

Berlin Bouncer (OmenglU) 12.45; Christo –Walking

on Water(OmU)14.15; Beautiful Boy(OmU) 16.15;

Free Solo (OmU) 18.15; RamenShop(OmU) 20.00;

Dave Made aMaze (OmU) 21.30; The Wild Boys –

Les garconssauvages (OmU)23.00; Edie –Für Träume

ist es nie zu spät (OmU) 11.00, 18.45; Green

Book –Eine besondere Freundschaft (OmU) 12.45;

Das Ende der Wahrheit (DFmenglU) 15.00; Border

–Gräns (OmU) 16.45; VanGogh –AtEternity‘s Gate

(OmU) 20.30; The Hole in the Ground(OmU)22.30

Tilsiter-Lichtspiele (✆ 426 81 29) Mirai: Das

Mädchen aus der Zukunft –Mirai no Mirai (OmU)

16.00; Van Gogh –AtEternity‘s Gate (OmU) 18.00;

Nur eine Frau 20.15; „Mir ist es egal, wenn wir als

Barbaren indie Geschichte eingehen“ –„Imi este

indiferent daca in istorie vom intra ca barbari“

(OmU) 22.10; Kleine Germanen 16.00; TheArtist &

The Pervert (OmU) 17.45; War ofArt (OmU) 19.45;

Macht dasalleseinen Sinn? –Und wenn ja –warum

dauert essolange? 21.45

UCI Luxe Kino Mercedes-Platz Shazam! 13.45;

John Wick: Kapitel III 13.45, 17.45, 20.30; IMAX

3D: X-Men: Dark Phoenix 14.00, 17.00; Monsieur

Claude II 14.00, 20.15; Mister Link: Ein fellig verrücktes

Abenteuer 14.15; Aladdin 14.15, 16.30;

3D: Aladdin 14.30, 17.30, 20.30; TKKG 14.45,

17.15; Wenn duKönig wärst 15.00; Royal Corgi:

Der Liebling der Queen 15.00; Rocketman 15.00,

17.15, 20.15; Godzilla 2–King of the Monsters

15.15, 17.15, 19.30; Asterix und das Geheimnis

des Zaubertranks 15.15; Pokemon Meisterdetektiv

Pikachu 15.45; 3D: Godzilla 2–King ofthe Monsters

16.40, 19.45; Nur eine Frau 16.45; 3D: Avengers:

Endgame 17.10, 20.15; After Passion 17.40;

Greta (2019 USA) 17.50; X-Men: Dark Phoenix

18.20, 21.15; 3D: Pokemon Meisterdetektiv Pikachu

18.30, 21.00; Der Fall Collini 19.45; 3D: X-

Men: DarkPhoenix 20.00;Preview, IMAX 3D: Menin

Black: 20.00; Rocketman (OF) 20.50; 3D: X-Men:

Dark Phoenix (OF) 21.00

Zukunft (✆ 01 76/57 86 10 79) Atlas 18.00; All

My Loving 20.00; Antiporno –Antiporuno (OmU)

22.15; Lord of the Toys 18.00; Das Leben meiner

Tochter 19.50; The Wild Boys –Les garcons sauvages

(OmU) 21.40

HELLERSDORF

CineStar (✆ 04 51/703 02 00) Godzilla 2–King

of the Monsters 13.30; Aladdin 13.40, 16.40,

20.00; Pokemon Meisterdetektiv Pikachu 13.50,

16.50; Mister Link: Ein fellig verrücktes Abenteuer

14.00; 3D: Aladdin 14.10, 17.15; TKKG 14.15,

16.45; X-Men: Dark Phoenix 14.20;

3D: Godzilla 2 –King of the Monsters 16.30, 19.30;

Rocketman17.00, 20.15; 3D: X-Men: Dark Phoenix

17.10,20.10; 3D: Avengers: Endgame 19.10; John

Wick: Kapitel III 19.40; 3D, Preview: Men inBlack:

20.00

Kino Kiste (✆ 998 74 81) Stan &Ollie 14.00; Die

sagenhaften Vier –Marnies Welt 16.00; Das Ende

der Wahrheit 18.00; Nur eine Frau 20.00

HOHENSCHÖNHAUSEN

CineMotion (✆ 038 71/211 4109) TKKG 14.15,

17.30; 3D: Aladdin 14.15, 17.10, 20.00; X-Men:

Dark Phoenix 14.20, 17.10, 19.50; Rocketman

14.30, 16.45, 20.15; Aladdin 14.30, 17.45; 3D:

PokemonMeisterdetektivPikachu 14.40;Royal Corgi:

Der Liebling der Queen 14.45; Godzilla 2–King

of the Monsters 14.50, 19.30; Pokemon Meisterdetektiv

Pikachu 15.00,17.30;Avengers: Endgame

16.30;3D: Godzilla 2–King of the Monsters17.00;

John Wick: Kapitel III 17.20, 20.00; 3D, Preview:

Men in Black: 20.00; 3D: X-Men: Dark Phoenix

20.10; Ma–Sie sieht alles 20.20; Glam Girls: Hinreißend

verdorben 20.30

KREUZBERG

Babylon (✆ 61 60 96 93) A Push –Für das Grundrecht

aufWohnen (OmU) 17.30; Rocketman (OmU)

19.50,22.30; B Nureine Frau 17.15, 19.30, 21.45

fsk am Oranienplatz (✆ 614 24 64) Oray (OmU)

17.45; „Mir ist es egal, wenn wir als Barbaren in

die Geschichte eingehen“ – „Imi este indiferent

daca in istorie vom intra ca barbari“ (OmU) 17.45;

Zwischen den Zeilen (OmU) 19.45, 22.00; Burning

(OmU) 20.30

Moviemento (✆ 692 47 85) Unheimlich perfekte

Freunde 14.15; Checker Tobi und das Geheimnis

unseres Planeten 16.30; High Life (OmU) 18.30;

Rocketman (OmU) 21.00; Die sagenhaften Vier –

Marnies Welt 10.00; Die Winzlinge: Abenteuer in

der Karibik 12.15; Alfons Zitterbacke –Das Chaos

ist zurück 14.30; Roads (OmenglU) 16.45, 19.00,

21.15;Wunder –Wonder (OmU) 10.15; Rocketman

(OmU) 12.45; High Life (OmU) 15.30

Sputnik (✆ 694 11 47) Die Mission der Lifeline

(OmenglU) 16.45; Sunset Over Hollywood (OmU)

18.00; Nur eine Frau (OmU) 19.45; Berlin Bouncer

21.30; Von Bienen und Blumen (OmenglU) 16.45;

Push –Für das Grundrecht auf Wohnen (OmenglU)

18.30; TheArtist &The Pervert (OmU) 20.15; Greta

(OmU) 22.00

Yorck (✆ 78 91 32 40) Mister Link: Ein fellig

verrücktes Abenteuer 14.15; Rocketman 17.20,

20.00; New Nur eine Frau 15.00, 18.50; All My

Loving 16.15,21.00

KÖPENICK

Kino Spreehöfe (✆ 538 9590) Mister Link: Ein

fellig verrücktes Abenteuer 14.15; 3D: X-Men: Dark

Phoenix 14.30,17.30, 20.30; Pokemon Meisterdetektiv

Pikachu 14.45; Aladdin 14.45, 17.00; TKKG

15.00; Avengers: Endgame 16.30; Rocketman

17.15, 20.00;3D: Godzilla2–Kingofthe Monsters

17.15; 3D: Aladdin 20.00; Preview: Men in Black:

20.15; John Wick: Kapitel III 20.15

Union Filmtheater (✆ 65 01 31 41) All My Loving

10.00; Blown Away 10.15, 17.45; High Life 10.30,

20.00; Ramen Shop 13.00; Glam Girls: Hinreißend

verdorben 13.00, 20.15; Edie –Für Träume

ist es nie zuspät 13.15; Rocketman 15.15, 17.45,

20.15; Stan&Ollie 15.30; RoyalCorgi: Der Liebling

der Queen 15.30; Magie der Wildpferde 17.30

MARZAHN

UCI Kinowelt am Eastgate (✆ 93 03 02 60) X-

Men: Dark Phoenix 14.00; Godzilla 2–King of the

Monsters 14.00; Aladdin 14.00, 17.00; Pokemon

MeisterdetektivPikachu 14.10;TKKG 14.30,16.45;

Royal Corgi: Der Liebling der Queen 14.30; Mister

Link: Ein fellig verrücktes Abenteuer 14.30; Avengers:

Endgame 15.15, 19.00; 3D: Godzilla 2–King

of the Monsters 16.30, 19.45; John Wick: Kapitel

III 16.45, 19.50; 3D: X-Men: Dark Phoenix 17.00,

20.00; Rocketman 17.00, 20.00; 3D: Pokemon

Meisterdetektiv Pikachu 17.15; 3D,Preview: Men in

Black: 20.00; 3D: Aladdin 20.00; Ma –Sie sieht

alles 20.15

MITTE

Acud (✆ 44 35 94 98) Alfons Zitterbacke –Das

Chaos ist zurück 17.00; Macht das alles einen

Sinn? –Und wenn ja –warum dauert essolange?

(OmenglU) 18.45; Liebesfilm (OmenglU) 20.45;

Der Stein zum Leben 18.00; russisch dok #24:

Kurzfilmprogramm (6Filme v.Mikhail Zheleznikov)

20.00; Das Ende der Wahrheit (OmenglU) 21.45

Babylon (✆ 242 59 69) KinderwagenKino: Stan &

Ollie (OmU) 11.00; KinderwagenKino: Stan &Ollie

11.05; New York –New York: Jahr 2022... die

überleben wollen –Soylent Green (OF) 17.15; New

York –New York: The Big Short (OmU) 17.30; Magie

der Wildpferde 18.00; NewYork –New York: Es war

einmal inAmerika –Once Upon aTime inAmerica

(OmU) 19.15; New York –New York: Frühling für

Hitler –The Producers: Springtime for Hitler (OmU)

20.00; New York –New York: Asphalt-Cowboy –Midnight

Cowboy (OmU) 20.00; New York –New York:

Wall Street (OmU) 21.45; New York –New York:

Shortbus (OmU) 22.15

Central Hackescher Markt (✆ 28 59 99 73) Mustang

10.15; Alfons Zitterbacke –Das Chaos ist zurück

14.30; Greta (OmU) 16.30; Der kleine Drache

Kokosnuss –Auf in den Dschungel! 10.00; Rocketman

(OmU) 14.45, 17.15, 20.00

CineStar CUBIX (✆ 04 51/703 02 00)After Passion

11.00; Alfons Zitterbacke –Das Chaos ist zurück

11.10; Royal Corgi: Der Liebling der Queen 11.15;

Pokemon Meisterdetektiv Pikachu 11.20, 14.45;

Aladdin 11.30, 13.30, 16.40, 22.40; X-Men: Dark

Phoenix 11.40,14.30; TKKG 11.40, 14.20, 17.00;

Mister Link: Ein fellig verrücktes Abenteuer 12.15,

14.00;3D: Godzilla 2–King of theMonsters 13.40,

16.30, 19.40, 22.50; Avengers: Endgame 14.00;

3D: Aladdin 14.10, 17.10, 19.30; Rocketman

14.30, 17.30, 20.10, 23.00; John Wick: Kapitel

III 16.50, 20.30, 23.00; 3D: X-Men: Dark Phoenix

17.20, 20.15, 23.15; Der Fall Collini 17.40; 3D:

Pokemon Meisterdetektiv Pikachu 17.50, 20.20;

3D, Preview: Men in Black: 20.00; Glam Girls:

Hinreißend verdorben 20.00; Ma –Sie sieht alles

20.40, 23.15; 3D: Avengers: Endgame 22.20; The

Silence 23.10

Hackesche Höfe (✆ 283 46 03) Das Familienfoto

–Photo de famille (OmU) 14.30; Roads (OmU)

16.45, 19.00; Lady Bird (OmU) 21.15; High Life

(OmU) 14.45, 21.15; Ramen Shop (OmU) 17.15,

19.15; Berlin Babylon (Omdt+englU) 15.00; Nur

eine Frau (OmU) 17.00; All My Loving 19.15; Burning

–Beoning (OmU) 21.45; BlownAway –Music,

Miles and Magic (OmU) 15.00; Peter Lindbergh

–Women‘s Stories (OmU) 17.30; Burning –Beoning

(OmU) 20.00; Sunset Over Hollywood (OmU)

14.45; Zwischen den Zeilen (OmU) 17.00, 19.15;

The Artist &The Pervert (OmU) 21.30

International (✆ 24 75 60 11) Rocketman (OmU)

16.15,19.00, 21.45

Zeughauskino (✆ 20 30 47 70) Wilhelm Dieterle:

Ichwerde dichwiedersehen –I‘ll Be Seeing You(OF)

20.00

NEUKÖLLN

Cineplex Neukölln Arcaden (✆ 01 80/505 06 44)

Pokemon Meisterdetektiv Pikachu 10.00, 14.50,

17.25; X-Men: Dark Phoenix 14.00, 16.50, 20.10;

TKKG 14.00, 17.20; Avengers: Endgame 14.00,

16.30; Aladdin 14.10, 17.15, 19.50; Mister Link:

Ein fellig verrücktes Abenteuer 14.15; Royal Corgi:

Der Liebling der Queen 15.00; Der Fall Collini

15.00; Dumbo 15.45; Godzilla 2 – King of the

Monsters 16.45, 19.50; Rocketman 16.55, 20.10;

John Wick: Kapitel III 17.10, 20.25;

Pokemon Meisterdetektiv Pikachu – Pokemon

Detective Pikachu (OF) 17.35; 3D: X-Men: Dark

Phoenix 19.40; Aladdin (OF) 19.45; Preview: Men

in Black: 20.00; X-Men: Dark Phoenix (OF) 20.10

IL KINO (✆ 91 70 29 19)War of Art (OmU) 10.00,

17.30; Roads 12.00, 22.00; Sunset Over Hollywood

(OmU) 13.40; Die rote Linie –Widerstand im

Hambacher Forst 15.20; Burning (OmU) 19.20

Neues Off (✆ 62 70 95 50) Roads (OmU) 16.00,

18.20,20.40

Passage (✆ 68 23 70 18) Rocketman (OmU)

18.00, 20.40; Zwischen den Zeilen 18.10, 20.30;

All MyLoving 17.30, 20.00; Roads 16.45, 19.00;

Border 21.15

Rollberg (✆ 62 70 46 45) Burning – Beoning

(OmU) 17.00, 20.15; High Life (OmU) 18.00,

20.30, 22.30; Rocketman (OF) 16.30, 19.00;

Burning –Beoning (OmenglU) 21.30; Aladdin (OF)

16.15, 19.00; Pokemon Meisterdetektiv Pikachu –

Pokemon Detective Pikachu (OF) 21.40; John Wick:

Kapitel III –John Wick: Chapter 3–Parabellum (OF)

17.00,19.50

UCI Luxe Gropius Passagen (✆ 66 68 12 34)

Godzilla 2–King ofthe Monsters 14.00; Aladdin

14.00, 17.00, 19.20; Pokemon Meisterdetektiv

Pikachu 14.10; Glam Girls: Hinreißend verdorben

14.15, 17.15; X-Men: Dark Phoenix 14.25; TKKG

14.30, 16.50; 3D:Godzilla 2–Kingofthe Monsters

16.30, 19.40; John Wick: Kapitel III 17.10, 20.15;

3D: X-Men: Dark Phoenix 17.15, 20.15; Ma –Sie

sieht alles 20.10; 3D,Preview: MeninBlack: 20.15

Wolf (✆ 921 03 93 33) TheWild Boys –Les garcons

sauvages (OmU) 12.00; Burning –Beoning (OmU)

12.20,21.00;HighLife (OmU) 14.10, 18.50; Mo &

Friese unterwegs (Auf zu neuen Abenteuern) 16.00;

Pippi Langstrumpf 16.20; Diamantino (OmU)

17.00; Dispassionate Love (OmenglU) 19.00; „Mir

ist es egal, wenn wir als Barbaren indie Geschichte

eingehen“ –„Imi este indiferent daca inistorie vom

intra cabarbari“ (OmU) 21.10

PANKOW

BlauerStern Pankow (✆ 47 61 18 98) MisterLink:

Ein fellig verrücktes Abenteuer 15.30; Rocketman

17.30,20.15; Aladdin 16.15, 19.00

PRENZLAUER BERG

FT am Friedrichshain (✆ 42 84 51 88)Rocketman

15.00,17.40,20.20; Mister Link: Ein fellig verrücktes

Abenteuer 14.00; Zwischen den Zeilen 16.00,

18.20; Burning 20.40; Aladdin 14.00, 16.45,

19.30; All My Loving 15.15, 20.00; Nur eine Frau

17.45; TKKG 14.00, 16.15; Roads 18.30; High Life

(OmU) 20.50


Berliner Zeitung · N ummer 133 · M ittwoch, 12. Juni 2019 25

· ·

·······················································································································································································································································································

Tagestipp

KALENDER

m Beethoven ein Gigant war

iebhaber,gesellige Musik und höchste Kunst, schließlich die Rettung Europas:

Die nächste Woche bietet all das und noch viel mehr.

Erstem Klavierkonzert und Bartóks

Konzert für Orchester feuert ereine

wahre Meisterwerk-Kaskade ab und

präsentiert sich selbst als Alleskönner:als

Pianist, Dirigent und sogar in

beiden Funktionen gleichzeitig.

Bevor wir des Meistergewerkes

nun wieder überdrüssig werden,

schweift unser Blick ins „Haus-Konzert“

amKonzerthaus und zum Ensemble

Amarcord, fünf seit 1992 im

Ensemble singenden Ex-Thomanern,

die das vortragen, was man

einmal als„gesellige Musik“ bezeichnet

hat: Mehrstimmige, weltliche

Musik ohne Welteroberungspläne,

die Franz Schubert für den Freundeskreis,

Mendelssohn für bürgerliche

Gesangvereine,EdwardElgar für

die Chöre seiner chorversessenen

Heimat komponiert hat. Amarcord

bewegt sich natürlich mit seiner

hochgetriebenen Stimmkultur weit

oberhalb des Liebhaberniveaus, für

das diese Musik geschrieben wurde.

Das Brandenburgische Kammerorchester

wiederum bezeichnet sich

offensiv als Liebhaber-Orchester, eines

allerdings, das seit seinem Herauswachsen

aus dem Collegium musicum

der Berliner Universitäten

KLASSIK

András Schiff: 14. &15.6., 20 Uhr,Konzerthaus

am Gendarmenmarkt

Brandenburgisches Kammerorchester:

15.6., 19 Uhr,Heilig-Kreuz-Kirche, Zossener

Str.65, 16.6., 18 Uhr,Rundkirche

auf dem Tempelhofer Feld, Wolffring 72

Deutsches Symphonie-Orchester: 16.

6., 20 Uhr,Philharmonie

Akademie fürAlte Musik: 17. 6., 20 Uhr,

Konzerthaus

Amarcord: 18. 6., 20 Uhr,Konzerthaus

Europa –Mythos und Vision: 19.6.,

19.30 Uhr,Pierre- Boulez-Saal, Französische

Str.33d

IMAGO IMAGES

schon einige Preise eingeheimst und

mit namhaften musikalischen Leitern

zusammengearbeitet hat. Am

Wochenende gibt Rainer Kimstedt,

früher Geiger im Kreuzberger

Streichquartett, sein Abschiedskonzert

als Dirigent des BKO–hier steht

wiederum nur bedingt „gesellige

Musik“ auf dem Programm, man arbeitet

an Meisterwerken wie Dvoraks

Streicherserenade oder Bartóks

grandiosem „Divertimento“.

Den Vollprofis wiederum wird

Musik ein Mittel zum Zweck. Daniel

Barenboim, vertragsverlängerter

Staatsopern- und frischgebackener

philharmonischer Ehrendirigent,

ruft zusammen mit dem Wissenschaftszentrum

Berlin für Sozialforschung

unter dem Motto „Europa –

Mythos und Vision“ in den Boulez-

Saal. Reden werden geschwungen

von der Bundesforschungsministerin

und vom Regierenden Bürgermeister

und dem Staatsmusikdirektor

Barenboim persönlich, ein neues

Werk des furchtlosen JörgWidmann

wird eine Parade europäischer Musik

von Monteverdi bis Boulez zu

krönenversuchen. WaskannEuropa

jetzt noch geschehen?

Kunst

Im Dialog

mit Rathenaus

Hallen

Transformart beginnt. Die

kuratierte Ausstellung internationaler

junger Kunst erstreckt

sich auf über 3000 Quadratmetern

Ausstellungsfläche

in den Oberschöneweider Rathenauhallen.

Undtäglich gibt

es vorder Kunst ein Konzert. Es

bewarben sich viele Künstler,

die sich mit dem historischen

Industrie-Ort beschäftigen.

Auf die Besucher warten zumeist

großformatige und

raumgreifende Objekte und

Installationen, hinter denen

eigenwillige künstlerische Positionen

zu Malerei und Fotografie

stehen. Transformart

versteht sich als Plattform, wo

die Kunst genreübergreifend

und nah zum Publikum

spricht und sich spannungsvoll

zur gründerzeitlichen Hallenarchitektu

des alten AEG-

Areals in Beziehung setzt, von

den Anfängen der Moderne

zum Heute. Ingeborg Ruthe

Rathenauhallen Oberschöneweide,

Wilhelminenhofstr.83-85,Vernissagebei

freiem Eintritt heute,19Uhr,bis 16.6. tgl.

14–22 Uhr/So bis 19 Uhr.

Märkisches Museum (✆ 308 66 -0)

10.00: Vielfalt-Forscher des Labyrinth Kindermuseums

Berlin, Wasist Vielfalt? Wo ist Vielfalt?

Puppentheater Berlin (✆ 342 19 50)

10.00: Trarira, der Sommer,der ist da! (ab 3J.)

Theater Lichterfelde (✆ 84 31 46 46)

10.00: Der Wolf und die sieben Geißlein, artisanen.,

Puppentheater (ab 4bis 9J.). Anm. erf.

Wabe (✆ 902 95 38 50)

10.00: Das Märchenvom Baron vonHüpfenstich

Zeiss-Großplanetarium (✆ /42 18 45 10)

11.00: Mit Raketen zu Planeten

14.00: Raumschiff Erde

LITERATUR/VORTRAG

Berghain/Kantine (Rüdersdorfer Str.70)

19.00: Das entfesselte Jahrzehnt. Sound und Geist

der 70er,Jens Balzer,Moderation: Knut Elstermann

DT-Kammerspiele (✆ 28 44 12 25)

20.00 Box: NurejewsHund –oder was Sehnsucht

vermag,von ElkeHeidenreich,mit Simone vonZglinicki

&Das schöne Quartett

Evas Arche (✆ 282 74 35)

19.00: LesekreisFeministische Theologie: Thema

Putzen, mit Diskussion

Galerie kunstWerkstatt Weißensee

(Langhansstr.143) 14.00: The Voice is Present: „Geheime

Fluchten“, ElskeBrault, Performance /Lesung

Literaturforum im Brecht-Haus (✆ 282 20 03)

20.00: „Ein Haus auf dem Land /Eine Wohnung in

der Stadt“ und „Strategien gegenGentrifizierung“,

Jan Brandt, Lisa Vollmer,Buchvorstellungen und

Gespräch, Moderation: Anne-Dore Krohn

Periplaneta Kreativzentrum (✆ 44 67 34 33)

20.00: Rühmchen –Die offene Lesebühne, Thomas

Manegold

Pfefferberg Theater (✆ 939 35 85 55)

20.00: So wie ich, Uschi Brüning (Lesungund Musik)

Quatsch Comedy Club (✆ 47 99 74 13)

20.00: netter is better,Thomas Hermanns, Lesung &

Talk mit Gayle Tufts, präsentiertvon Gräfe und Unzer

Urania (✆ 218 90 91)

19.30: VomUrknall bis zum Menschen. Eine Kurzfassung,Prof.

Dr.Helmut Jarosch, Buchvorstellung

FÜHRUNG

AlliiertenMuseum (✆ 818 19 90)

15.00 Cafeteria,Nicholson-Gedenkbibliothek:

Innenansichten des Kalten Krieges

Alte Nationalgalerie (✆ 266 42 42 42)

11.00: Die Malerei der Nazarener,Treff: Foyer

Bode-Museum (✆ 266 42 42 42)

15.00: Multaka: Treffpunkt Bode-Museum, Treff:

Information

Dalí Berlin (✆ 07 00 32 54 23)

12.30, 14.00, 15.30, 17.00, 18.30: Dalí–Die Ausstellung

am Potsdamer Platz, Treff: Im Museum

Deutsches Historisches Museum (✆ 20 30 40)

10.00: Demokratie-Labor,Führungen für Schulklassen

und Gruppen. Anm. erf.

14.00: Weimar:Vom Wesen und Wert der Demokratie,

Treff: Ausstellungshalle

15.00: Deutsche Geschichte im Blick,Treff: Zeughaus

15.00: Multaka: Treffpunkt Museum (Führung auf

Arabisch und Deutsch), Treff: Zeughaus

15.00: Demokratie-Labor, Treff: Ausstellungshalle

Gemäldegalerie (✆ 266 42 42 42)

16.00: Mantegna und Bellini. Meisterder Renaissance,

Treff: Information. Anm.erf.

Hamburger Bahnhof /Museum für Gegenwart

Berlin (✆ 39 78 34 11) 12.00, 16.00: Kunst und

Politik, Treff: Foyer

Museum fürNaturkunde (✆ 889140-8591)

18.00: Abends im Museum: Alexander vonHumboldt

und das Museum für Naturkunde. Anm. erf.

Neukölln Reinhold Steinle (✆ /85 73 23 61)

17.00: Rathaus(turm) Neukölln, Reinhold Steinle,

Treff: Neukölln-Info-Center (im Rathaus)

Pergamonmuseum (✆ 266 42 42 42)

15.00: Multaka: Treffpunkt Islamische Kulturen, Treff:

Information

15.00: Multaka: Treffpunkt Alter Orient, Treff: Information

StattReisen Berlin (✆ 4553028)

18.00: Aufder Suche nach dem rosa Kaninchen

... Judith Kerrzum 96. Geburtstag,Treff: Am S-Bhf.

Grunewald, Ausgang Fontanestr.Preise: 11,- €/

erm. 8,- €

Videobustour (✆ 44 02 44 50)

16.30: Babylon Berlin-Rundgang (Halbtagestour). Auf

den Spuren vonGereon Rath, Treff: Immanuelkirchstr./

Prenzlauer Allee

KONZERT

ART Stalker (✆ 22 05 29)

20.00: Session Zeit

b-flat (✆ 283 31 23)

21.00: Robin’sNest Jam Session

Cassiopeia (✆ 47 38 59 49)

20.30: WesternSettings, Moving The Mess

Galli Theater Berlin (✆ 27 59 69 71)

20.00: Faszination Handpan:KlangArt-Berlin

Holzmarkt 25 (Holzmarktstr.25)

20.30 Säälchen: Dave Harrington Group

Komödie am Kurfürstendamm im Schiller Theater

(✆ 88 59 11 88) 20.00: Kurz und Knapp: Thomas

Quasthoff und Katharina Thalbach

Mercedes-Benz Arena (✆ 20 60 70 88 99)

20.00: An Evening with VanMorrison

Panda (✆ 44 31 95 57)

20.00: Bunker 3

PrivatClub (✆ 61 67 59 62)

20.00: Au/Ra

Quasimodo (✆ 318 04 56 70)

22.30: Charlie Hunter &Lucy Woodward

Schokoladen Mitte (✆ 282 65 27)

19.00: Manu Louis+Anton Ripatti, Fourtrack On

Stage

Volksbühne Berlin (✆ 24 06 57 77)

22.00 Roter Salon: Vergessene Arbeitskämpfe –Ein

Punk-Abend mit The Incredible Herrengedeck &Killer

Jiller

Wild At Heart (✆ 611 70 10)

21.00: HerrPaulsen &Das Zeitproblem, Wild

Wednesday

Yorckschlösschen (✆ 215 80 70)

21.00: Roger &The Evolution

Zur Glühlampe (Lehmbruckstr.1)

20.00: IndigoMasala, Jazzlights #17

CLUB

Crack Bellmer Bar (Revaler Str.99)

20.00: Slowmotor,Isaac Soto, Resonancia, Señora

Kulturbrauerei/Alte Kantine (✆ 44 31 50)

22.00: Mittwochs

Maze (✆ 55 51 84 54)

20.00: FlauschigeMittwochsrunde mit Freunden,

Techno Jesus &Friends

Monster Ronson’sIchiban Karaoke

(✆ 89 75 13 27) 18.00: BoxHappyHour

Suicide Circus (Revaler Str.99)

23.00: Exhale –The NewWednesday, Niklas Stadler,

C’mon , Diana May , Maximilian Stolze

Tresor Club (Köpenicker Str.70)

23.59: Tresor NewFaces,Polly F, Eddie Hale, hosted

by Esther Duijn

WaterGate (✆ 61 28 03 94)

23.59: Home Again Anniversary, Djebai, Thabo

Getsome &Friends

BALLROOM

Clärchens Ballhaus (✆ 282 92 95)

21.00: Clärchen swingt,Evan&Friends

Insomnia (Alt-Tempelhof 17-19)

20.00: TangoVicioso

Kulturbrauerei/Frannz (✆ 726 27 93 33)

19.30: El Ocaso –TangoArgentino

KINO

Kino inder Kulturbrauerei (✆ 04 51/703 0200)

Rocketman (OmU) 13.45, 16.45, 19.45, 22.40;

Pokemon Meisterdetektiv Pikachu 13.50, 17.20;

Edie (OmU) 14.00; Aladdin (OmU) 14.15, 16.30,

19.30,22.30; Zwischen den Zeilen 14.20; Teawith

the Dames (OmU) 14.30; Nur eine Frau 14.30,

19.00;TKKG14.50, 17.15; Das Lebenmeiner Tochter

16.30; Das Ende der Wahrheit 17.00; Burning

(OmU) 17.00,19.40,22.20; Der Fall Collini 19.30,

22.45; All My Loving 20.00; Zwischen den Zeilen

(OmU) 20.15; High Life (OmU) 21.30; Van Gogh

(OmU) 22.50; Border (OmU)22.50;The Holeinthe

Ground (OmU) 23.00

Krokodil (✆ 44 04 92 98) Der Funktionär 18.00;

Neues in Wittstock 19.15; „Mir ist es egal, wenn wir

als Barbaren in die Geschichte eingehen“ (OmU)

21.00

Lichtblick-Kino (✆ 44 05 81 79) Get Me Some

Hair!17.00;Push–Für dasGrundrecht auf Wohnen

(OmU) 18.30; Vom Lokführer, der die Liebe suchte

20.15; Ramen Shop (OmU) 22.15

UCI Kinowelt Colosseum (✆ 44 01 92 00) X-Men:

Dark Phoenix 14.15; Pokemon Meisterdetektiv Pikachu

14.15; Aladdin 14.15, 17.05; Rocketman

14.20, 17.05, 20.00, 22.45; Godzilla 2 14.20;

Royal Corgi: Der Liebling der Queen 14.25; TKKG

14.30, 16.55; Mister Link: Ein fellig verrücktes

Abenteuer 14.35; GlamGirls: Hinreißendverdorben

14.50, 17.05, 19.55; Avengers: Endgame 15.00,

19.00; John Wick: Kapitel III 16.40, 19.40, 22.40;

3D: Godzilla 2–King of theMonsters 16.40, 19.45,

22.45; 3D: X-Men: Dark Phoenix 16.50, 20.00,

22.45; Ma –Sie sieht alles 17.10, 19.40, 22.35;

3D: Pokemon Meisterdetektiv Pikachu 17.20,

19.55; 3D: Aladdin19.20, 22.45; Preview,3D: Men

in Black: 20.00; 3D: Avengers: Endgame 22.15;

Greta (2019 USA) 22.40; Roads 22.45

REINICKENDORF

CineStar Tegel (✆ 04 51/703 02 00) Monsieur

Claude II 10.15; Aladdin 13.30, 16.30;Mister Link:

Ein fellig verrücktes Abenteuer 13.50; Rocketman

13.55, 17.00, 19.30; Royal Corgi: Der Liebling der

Queen14.00;3D: Godzilla 2–King of theMonsters

14.00, 16.15, 19.50; TKKG 14.05, 17.20; Pokemon

Meisterdetektiv Pikachu 14.10; 3D: Aladdin

14.10, 17.15, 19.40; Avengers: Endgame 16.10;

John Wick: Kapitel III 16.40, 19.45; 3D: Pokemon

Meisterdetektiv Pikachu 16.45; 3D: X-Men: Dark

Phoenix 17.00, 20.15; Glam Girls: Hinreißend verdorben

19.20; 3D, Preview: Men in Black: 20.00;

3D: Avengers: Endgame 20.00; Ma –Sie sieht alles

20.30

SCHÖNEBERG

Cinema amWalther-Schreiber-Platz (✆ 852 30 04)

Der Fall Collini 15.00; Monsieur Claude II18.00,

20.30

Cosima (✆ 85 07 58 02) Der Flohmarkt von Madame

Claire 18.00; Das Ende der Wahrheit 20.15

Odeon (✆ 78 70 40 19) Rocketman (OmU) 15.00,

17.45,20.30

Urania-Filmbühne (✆ 218 90 91) Wie ich lernte,

bei mir selbst Kind zusein 19.00

Xenon (✆ 78 0015 30) Nur eine Frau 20.15

SPANDAU

Cineplex Spandau (✆ 01 80/505 0211) TKKG

10.00, 12.15, 14.45; Pokemon Meisterdetektiv Pikachu

10.00, 12.20, 17.20; Checker Tobi und das

Geheimnis unseres Planeten 10.00; Aladdin 10.00,

13.15, 16.25, 19.30; X-Men: Dark Phoenix 10.30,

14.40, 17.30; Mister Link: Ein fellig verrücktes

Abenteuer 12.40; Godzilla 2–King ofthe Monsters

13.05, 16.15; Der Fall Collini 15.00; Rocketman

17.20, 20.15; Preview: Men in Black: 20.00; John

Wick: Kapitel III 20.10; 3D: X-Men: Dark Phoenix

20.15

Kino im Kulturhaus Spandau (✆ 333 60 81) Van

Gogh 16.00; Monsieur Claude II 18.15; Der Fall

Collini 20.15

STEGLITZ

Adria (✆ 01 80/505 07 11) Rocketman 14.00,

17.00, 20.00

Cineplex Titania Palast (✆ 01 80/505 05 20)

TKKG 10.00, 12.15, 14.40, 17.10; Royal Corgi:

Der Liebling der Queen 10.00, 12.15, 15.00; Pokemon

Meisterdetektiv Pikachu 10.00,14.00,17.30,

23.00; Mister Link: Ein fellig verrücktes Abenteuer

10.00, 12.30; Godzilla 2–King ofthe Monsters

10.00, 12.45, 17.15; Aladdin 10.00, 13.05,

16.40, 19.50, 23.00; X-Men: Dark Phoenix 10.30,

13.30,16.30; Asterix und das Geheimnis des Zaubertranks

12.00; Der Fall Collini 15.00; Avengers:

Endgame 16.00, 19.20, 22.35; John Wick: Kapitel

III 16.10, 19.50, 22.55; 3D: X-Men: Dark Phoenix

19.30, 22.30; 3D: Godzilla2–Kingofthe Monsters

19.55, 23.00; Preview: Men in Black: 20.00; Glam

Girls: Hinreißend verdorben 20.15; Ma –Sie sieht

alles 23.15

Thalia Movie Magic (✆ 7743440) Aladdin15.00,

17.45, 20.30; 3D: X-Men: Dark Phoenix 15.15,

18.00, 20.30; TKKG15.45; PokemonMeisterdetektivPikachu

15.45; Godzilla 2–Kingofthe Monsters

17.45; Rocketman 18.00,20.30; 3D,Preview: Men

in Black: 20.30

TIERGARTEN

Arsenal (✆ 26 95 51 00) Magical History Tour:

Alexander Newsky (OmenglU) 20.00; Shaihu Umar

(OmU; m. Präsentation) 19.30

CinemaxX Potsdamer Platz (✆ 040/80 80 69 69)

Pokemon Meisterdetektiv Pikachu 12.30, 14.00;

Orangentage 12.30; DieGoldfische 12.30; Der Junge

muss an die frische Luft 12.30; Willkommen im

Wunder Park 12.40; Aladdin 12.40, 14.30; Mister

Link: Ein fellig verrücktes Abenteuer 13.00, 15.00;

Avengers: Endgame 13.00, 15.00, 19.40, 22.00;

Zwischen den Zeilen 13.20, 16.20, 19.10; Godzilla

2–King of the Monsters 13.30; Rocketman 13.40,

16.50, 20.00, 23.00; Dumbo 13.45; Royal Corgi:

Der Liebling der Queen 13.50; TKKG 14.00, 17.30;

Edie –Für Träume ist es nie zu spät 14.00; X-Men:

Dark Phoenix 14.10; After Passion 14.30; Der Flohmarkt

von Madame Claire 15.00; Monsieur Claude

II 15.20, 19.40; Green Book –Eine besondere

Freundschaft 16.00; 3D: Godzilla 2–King ofthe

Monsters 16.15, 19.30, 22.40; Van Gogh 16.30;

3D: Aladdin 16.30, 19.40;3D: Pokemon Meisterdetektiv

Pikachu 16.40, 19.30; All My Loving 16.40;

Glam Girls: Hinreißend verdorben 16.50, 19.50;

Der Fall Collini 16.50, 19.40; John Wick: Kapitel

III 17.00, 19.30, 22.50; Roads 17.10; Bohemian

Rhapsody 17.10, 22.10; 3D: X-Men: Dark Phoenix

17.20, 20.30, 22.20; 3D: Avengers: Endgame

17.45; Burning 17.50, 21.20; Ma –Sie sieht alles

19.20, 22.50; Preview: Bailey: Ein Hund kehrt

zurück 20.00; Nur eine Frau 20.10; Greta (2019

USA) 20.10; The Silence 20.25, 22.40; Preview,

3D: Men in Black: 20.30, 23.00; ImNetz der Versuchung

21.50; Friedhof der Kuscheltiere 22.30;

Wir 22.50; High Life 22.50; Escape Room 22.50;

Captain Marvel 22.50

CineStar im Sony Center (✆ 04 51/703 0200)

Pokemon Meisterdetektiv Pikachu – Pokemon

Detective Pikachu (OF) 13.30; 3D: Aladdin (OF)

13.30,16.30,19.50, 22.55; 3D: Godzilla 2–King

of the Monsters (OF) 13.40, 16.30, 19.40, 22.50;

Avengers: Endgame (OF) 13.45, 20.15; Aladdin

(OF) 13.50, 17.00; X-Men: Dark Phoenix (OF)

14.00; Mister Link: Ein fellig verrücktes Abenteuer

–Missing Link (OF) 14.00; Rocketman (OF) 14.15,

17.40, 20.10, 23.00; 3D: Avengers: Endgame (OF)

16.15, 22.15; John Wick: Kapitel III –John Wick:

Chapter 3–Parabellum (OF) 16.45, 19.55, 23.10;

3D: X-Men: Dark Phoenix (OF) 17.00, 19.30, 23.15;

3D,Preview: Men in Black: (OF) 20.00; Glam Girls:

Hinreißend verdorben –The Hustle (OF) 20.30; Ma

–Sie sieht alles (OF) 23.00

CineStar IMAX (✆ 04 51/703 02 00) 3D: Galapagos:

Rätsel der verlorenen Welt 12.00; 3D: X-Men:

Dark Phoenix (OF) 13.15, 16.20, 19.30; 3D, Preview:

Men in Black: (OF) 23.00

Filmrauschpalast (✆ 394 43 44) „Mir ist es egal,

wenn wir als Barbaren indie Geschichte eingehen“

–„Imi este indiferent daca inistorie vom intra ca

barbari“ (OmU) 17.30; Boyz nthe Hood –Jungs im

Viertel20.00;The Wild Boys –Les garcons sauvages

(OmU) 22.15

TREPTOW

Astra (✆ 636 16 50) X-Men –Der Film 10.00,

12.30, 15.00, 17.30; TKKG 10.00, 12.00, 14.00,

16.00; Pokemon Meisterdetektiv Pikachu 10.00,

12.15, 14.30, 18.00; Godzilla 2–King of theMonsters

10.00,17.30; Mister Link: Ein fellig verrücktes

Abenteuer12.00, 15.00;Rocketman 12.30,16.30;

Aladdin 14.00, 17.00, 20.00; 3D: X-Men: Dark

Phoenix 20.00, 22.30; 3D, Preview: Men in Black:

20.00,22.30;3D: Godzilla 2–King of theMonsters

20.00, 22.30; John Wick: Kapitel III 20.15, 22.30;

Ma –Sie sieht alles 22.45

Casablanca (✆ 677 57 52) Das Familienfoto

16.15;Van Gogh 18.15; Der Fall Collini 20.30

CineStar –Treptower Park (✆ 04 51/703 02 00)

TKKG 14.00, 17.10; 3D: Godzilla 2–King of the

Monsters 14.00, 17.00, 20.00; X-Men: Dark

Phoenix 14.10; Pokemon Meisterdetektiv Pikachu

14.10; Mister Link: Ein fellig verrücktes Abenteuer

14.30; Glam Girls: Hinreißend verdorben 14.30;

Aladdin 14.30, 17.00; Avengers: Endgame 15.45,

19.50; 3D: Aladdin 16.20, 19.50; John Wick: Kapitel

III 16.45, 20.00; 3D: X-Men: Dark Phoenix

17.10,20.15; Rocketman 17.15, 19.35; 3D: Pokemon

Meisterdetektiv Pikachu 17.25; 3D: Avengers:

Endgame 19.20; 3D,Preview: Men in Black: 20.00;

Ma –Sie sieht alles 20.15

WEDDING

Cineplex Alhambra (✆ 01 80/505 03 11) Pokemon

Meisterdetektiv Pikachu 10.00, 14.30,17.00;

X-Men: Dark Phoenix 14.00, 17.00; TKKG 14.00,

17.20; Aladdin 14.20, 17.30, 19.50; Willkommen

im Wunder Park 14.30; Royal Corgi: Der Liebling

der Queen 14.50; Der Fall Collini 15.00; Godzilla

2–King ofthe Monsters 16.30; John Wick: Kapitel

III 17.00, 19.40; Rocketman 17.30, 19.40; 3D: X-

Men: Dark Phoenix 20.00; Preview: Men in Black:

20.00; 3D: Godzilla 2–King of the Monsters 20.00;

Ma –Sie sieht alles 20.30

City Kino Wedding (✆ 01 77/270 1976) Monsieur

Claude II 19.00; Push –Für das Grundrecht auf

Wohnen 21.00

WEISSENSEE

BrotfabrikKino (✆ 471 4001) Das siebente Jahr

18.00; Push – Für das Grundrecht auf Wohnen

(OmU) 19.45; Liebesfilm 21.30

Toni &Tonino (✆ 92 79 12 00) TKKG 10.00,

12.15, 14.30, 16.45; Monsieur Claude II 19.00;

Rocketman 13.45, 16.30, 19.15

WILMERSDORF

Bundesplatz-Kino (✆ 85 40 60 85) Roads 10.30,

15.30,20.30;All My Loving 18.00

Eva-Lichtspiele (✆ 92 25 53 05) Der alte deutsche

Film: RobertKoch,der Bekämpfer desTodes15.45;

Ramen Shop (OmU) 18.00; Roads (OmU) 20.15

ZEHLENDORF

Bali (✆ 811 46 78) Der Funktionär 18.00; Wie ich

lernte,bei mir selbst Kind zu sein 20.30

Capitol (✆ 8316417) All My Loving 15.30, 20.30;

Nur eine Frau 18.15

FREILUFTKINOS

Freilichtbühne Weißensee (✆ 24 72 78 01) Bikes

vs Cars (OmU) 21.45

Freiluftkino Hasenheide (✆ 283 4603) Lady Bird

(OmU) 21.45

Freiluftkino Kreuzberg Gundermann (DFmenglU)

21.30

Freiluftkino Rehberge AStar IsBorn 21.30

Open-Air-Kino SchlossparkBiesdorf (✆ 9987481)

Monsieur Claude II 21.30

Pompeji –FLK am Ostkreuz (✆ 01 76/56 70 92 98)

Preview: Kim hat einen Penis (OmenglU) 21.45

Radio EINS-Freiluftkino Friedrichshain Die Frau

des Nobelpreisträgers 21.45

Sommerkino Kulturforum am Potsdamer Platz (✆

89 37 14 31) Free Solo 21.45

POTSDAM

Filmmuseum Potsdam (✆ 03 31/2718112) Birds

Of Passage: Das grüne Gold der Wayuu –Pajaros de

verano(OmU) 17.00; Hi,AI –Liebesgeschichtenaus

der Zukunft (OmU) 19.15

Thalia Potsdam (✆ 03 31/743 70 20) TKKG

13.45, 16.00; Mister Link: Ein fellig verrücktes

Abenteuer 13.45, 16.00; Edie –Für Träume ist es

nie zu spät 14.00; Aladdin 15.15, 18.00, 20.45;

Magie der Wildpferde 16.15; Rocketman 18.15,

20.45; All MyLoving 18.15; Yoga –Die Kunst des

Lebens 18.45; High Life 20.45; Burning 20.45

UCI Luxe Potsdam Center (✆ 03 31/233 72 33)

Godzilla 2–King of the Monsters 13.45, 16.40,

20.15; Aladdin 13.45, 16.50; TKKG 14.00, 17.10;

Pokemon Meisterdetektiv Pikachu 14.00; X-Men:

Dark Phoenix 14.15; Glam Girls 14.15, 20.15; Royal

Corgi: Der Liebling der Queen 14.30; Avengers:

Endgame 15.45, 19.55; 3D: Pokemon Meisterdetektiv

Pikachu 16.35; John Wick: Kapitel III 16.45,

19.40; 3D: X-Men: Dark Phoenix 17.00, 20.00;

Rocketman 17.00, 20.00; 3D: Aladdin 19.45; 3D,

Preview: Men in Black: 20.00

UMLAND

ALA Falkensee (✆ 033 22/279 8877) Der Fall

Collini 15.00; Rocketman 17.35, 20.20

Capitol Königs Wusterhausen (✆ 033 75/46 97 77)

Nur eine Frau 17.15; Stan &Ollie 20.00

CineStar Wildau (✆ 04 51/703 02 00) X-Men:

Dark Phoenix 14.30; Royal Corgi: Der Liebling der

Queen 14.30; Pokemon Meisterdetektiv Pikachu

14.30;3D: Godzilla 2–King of theMonsters 14.30,

17.00, 20.15; 3D: Aladdin 14.30, 17.25, 20.20;

Mister Link: Ein fellig verrücktes Abenteuer 14.45;

Glam Girls: Hinreißend verdorben 14.45, 20.00;

TKKG 15.00, 17.40; Aladdin 15.00, 16.45; 3D:

Avengers: Endgame 15.15, 19.30; Avengers: Endgame

17.00; Rocketman 17.10, 20.30; John Wick:

Kapitel III 17.15, 20.15; 3D: X-Men: Dark Phoenix

17.30, 20.00; 3D: Pokemon Meisterdetektiv Pikachu

17.50, 20.00; 3D, Preview: Men in Black:

20.00; Ma –Sie sieht alles 20.45

Filmpalast Bernau (✆ 033 38/70 54 54) Aladdin

15.15, 17.45; TKKG 15.30, 18.15; 3D: X-Men:

Dark Phoenix 15.45, 18.00, 20.30; 3D, Preview:

Men inBlack: 20.30; 3D: Aladdin 20.30; Rocketman

20.30

Filmpalast Oranienburg (✆ 033 01/70 4828)

Aladdin 14.30, 17.00; Pokemon Meisterdetektiv

Pikachu 14.45; X-Men: Dark Phoenix 15.00; TKKG

15.15, 17.30; Godzilla 2–King ofthe Monsters

17.05;3D: X-Men: DarkPhoenix 17.30, 19.45; 3D:

Aladdin 19.30; 3D: Godzilla 2–King of the Monsters

19.45; Preview, 3D: Men in Black: 20.00

Linden-Kino Wusterhausen (✆ 03 39 79/145 93)

Aladdin 16.00; Glam Girls: Hinreißend verdorben

18.10; 3D: Aladdin 20.00

Kammerspiele Kleinmachnow (✆ 03 32 03/847584)

Ostwind 4–Aris Ankunft 16.00; Stan &Ollie 18.00;

Plötzlich Familie 20.15

Movieland Erkner (✆ 033 62/36 68) Pokemon

Meisterdetektiv Pikachu 15.30; Aladdin 16.30,

19.30; X-Men: Dark Phoenix 17.45; 3D: X-Men:

Dark Phoenix 20.15


26 Berliner Zeitung · N ummer 133 · M ittwoch, 12. Juni 2019

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Netzwerk

WERKSTATT

Bares

für

Gebrauchtes

VonDaniel Dangelmaier

Um aus aussortierten Büchern,

Laptops oder Handys Geld zu

machen, loggen sich viele Nutzer

beim Auktionshaus Ebay ein. Es gibt

einen bequemeren Weg: Im Web

tummeln sich sogenannte Re-Commerce-Anbieter,

die Gebrauchtes

zum Festpreis ankaufen.

Auf ihren Portalen muss der User

lediglich eingeben, welche Artikel er

versilbern will und in welchem Zustand

sie sich befinden. Danach zeigt

das System an, ob und zu welchem

Preis der Händler zugreifen würde.

Istder Kunde mit dem vorgeschlagenen

Betrag einverstanden, sendet er

die Ware an das Unternehmen. Dort

wird sie nach Erhalt geprüft, das

letztlich verbindliche Angebot abgegeben

und, sofernkeiner der beiden

Parteien doch noch vomKaufvertrag

zurücktreten will, die Überweisung

des Geldes veranlasst. Dieses Prozedere

ist bei jedem Re-Commerce-

Service obligatorisch, Unterschiede

gibt es vorallem bei einigen Details.

Rebuy (rebuy.de) etwa zahlt das

Porto für eine versicherte Einsendung

ab einem Warenwert von zehn

Euro. Neben Medien wie CDs und

DVDs nimmt Rebuy auch Elektro-

Geräte wie Digitalkameras oder Tablets

in Zahlung. In Tests schneidet

der Dienst aufgrund seiner akzeptablen

Preisvorschläge und kurzenBearbeitungszeiten

regelmäßig gut ab,

während der Sommerferien sei es einigen

Kunden zufolge jedoch schon

zu leichten Verzögerungen bei der

Zahlungsabwicklung gekommen.

Mitbewerber und Re-Commerce-

Pionier Momox (momox.de) bietet

ebenfalls einen Abhol-Service an,

derVersand für die Artikel ist für Nutzer

allerdings grundsätzlich kostenlos.

Ärgerlich nur, dass das Eingabefeld

nur Strichcode-Nummern akzeptiert.

Ist beispielsweise der Einband

eines Buchs weg, muss erst im

Netz oder in Läden nach der ISBN

gesucht werden. Auf der anderen

Seite können Smartphone-Besitzer

Gebrauchtes,das mit einem Barcode

versehen ist, in Sekunden über die

Momox-App einscannen. Sie müssen

dann nur noch Angaben zum

Zustand machen –der Code übermittelt

alle sonst relevanten Daten.

Mit einer übersichtlich strukturierten

Webseite, kostenlosem Versand

und dem Versprechen, den Ankaufpreis

innerhalb weniger Tage zu

überweisen, punktet flip4new.de.

Sollte ein Artikel abgelehnt werden,

schickt ihn die Firma gratis zurück.

Wernoch alte HiFi-Geräte,Konsolen

und andere Elektronik loswerden

will, ist bei wirkaufens.de richtig. Bei

Verbrauchern hält sich Lob und Kritik

über den Anbieter die Waage,weil

zwar anfangs viel geboten, nach der

Überprüfung jedoch oft deutlich weniger

offeriertwerde.

Die größten und wohl bedeutendsten

Differenzen zwischen den

Re-Commerce-Diensten liegen in

den ausbezahlten Prämien. Nicht

selten ist ein Händler bereit, mehrere

Euro zu zahlen, und ein zweiter für

dieselbe Ware nur wenige Cent. Den

Service mit den besten Konditionen

findet man leicht unter werzahltmehr.de.

Die Plattform vergleicht

über 20 Ankaufportale.

Daniel Dangelmaier

erklärt, wie Ankaufportale

funktionieren.

Auch an die Kinder ist bei den Projekten im CityLab gedacht. Berlin können die Kleinen beim Computerspiel Minecraft gestalten.

Behörde der Zukunft

Im CityLab sollen Projekte für die digitale Verwaltung entstehen, das Kinderspiel Minecraft gehört auch dazu

VonJörg Hunke

Wenn es nur so einfach

wäre: Eine große

Mehrheit der Bundesbürger

wünscht, dass

die digitale Verwaltung ausgebaut

wird, um sich Behördengänge zu ersparen.

Eine repräsentativeUmfrage

im Auftrag des Digitalverbandes Bitkom

ergab vorMonaten, dass vorallem

Familien –mutmaßlich wegen

besonders enger Zeitbudgets –großes

Interesse an öffentlichen Onlinediensten

haben. Knapp zwei Drittel

wollen, dass etwa Anträge für Kindergeld

und Kitaplätze digitalisiert

werden.

Nähe zu Start-ups gesucht

Die Idee: Das CityLab ist als

Experimentierlabor für die

Stadt der Zukunft gedacht. In

den Räumen des einstigen Offiziershotel

der US-Army am

FlughafenTempelhof soll ein

Netzwerk ausVerwaltung,Zivilgesellschaft,Wissenschaft

und Start-ups entstehen.

Diese Zahlen sind natürlich auch

den Behörden in Berlin bekannt,

doch oft scheiterngut gemeinte Projekte

an mangelnder Fachkenntnis,

unzureichender technischer Ausstattung

oder fehlender Kreativität.

Deshalb versuchen die Beamten, mit

dem CityLab jetzt einen nächsten

Schritt in Richtung einer schlanken,

effizienten und bürgernahen Stadtverwaltung

zu gehen. „CityLab“, so

heißt es in der Presse-Erklärung, „ist

ein Experimentierlabor für die Stadt

der Zukunft.“ In den Räumen des

einstigen Offiziershotels der US-

Army am Flughafen Tempelhof soll

ein Netzwerk aus Verwaltung, Zivilgesellschaft,

Wissenschaft und Startups

entstehen, um digitale Projekte

für Berlin zu gestalten. So lautet die

Zielsetzung. „Es ist wichtig, dass Berlin

die Digitalisierung nutzt, um das

Zusammenleben in der wachsenden

Stadt so effizient und bequem wie

möglich zu organisieren. EinExperimentierraum

wie das CityLab schafft

den Raum, den wir brauchen, um

kreative und agile Lösungen für die

Herausforderungen zu entwickeln“,

sagt Nicolas Zimmer, Vorstandsvorsitzender

der Technologiestiftung

Berlin. Am heutigen Mittwoch wird

der Regierende Bürgermeister Michael

Müller eröffnen.

Diese Art von Bürgerbeteiligung

ist bereits in anderen Großstädten

ausprobiertworden, Civic Hall heißt

es in New York und Urban i-Lab in

Barcelona. Auf Konferenzen hatten

sich Tech-Unternehmen und Behördenchefs

in NewYorkoft gesprochen

und kennengelernt, doch es blieb

lange Zeit beim informellen Austausch.

Bisdie Civic Hall in Midtown

LABOR IM OFFIZIERSHOTEL

Das Ziel: Die Digitalisierung

städtischer Projekte soll gefördertwerden

durch moderne

Zusammenarbeit zwischen

Bürgern, Behörden,

Unternehmen und Wissenschaft.

Betrieben wird das

CityLab vonTechnologiestiftung

und Senatskanzlei.

Die Helfer: Das CityLab wird

nicht als fertiges Konzept gesehen,

sondernals Experiment,

das kontinuierlich weiterentwickelt

werden soll.

Deshalb können im Open

Call Interessierte ihre Ideen

für die Digitalisierung Berlins

einreichen.

Instagram als Nachrichtenquelle

SCREENSHOT/MINECRAFT

Manhattan im Jahr 2004 als Gedankenfabrik

eröffnet wurde. „Innovation

bedeutet nicht nur technischen

Fortschritt, sondernauch, die richtigen

Leuten an einem Tisch zusammenzubringen“,

sagt Andrew Rasiej,

Gründer der Civic Hall, in einem Video.

Und was möglich ist, wenn

Tech-Unternehmen wie Google mit

Großstädten kooperieren, zeigt das

Projekt „sustainability“, bei dem es

um den CO2-Ausstoß geht. Dieenge

Kooperationsform zwischen Startups

und AuftraggebernwirdinBerlin

schon seit längerer Zeit praktiziert,

am bekanntesten ist wohl der Siemens-Campus

mit dem Angebot für

Gründer im technischen Bereich.

Beim Citylab ist KiezRadar der

erste Projektpartner.Bei dem Projekt

geht es darum, dass die Bürger oft

Schwierigkeiten haben, sich über öffentliche

Ereignisse und Veranstaltungen

in Politik und Verwaltung zu

informieren. Gemeinsam mit späteren

Nutzern sollen daher mögliche

Anwendungsformen und Bedürfnisse

ermittelt werden.

Gerade bei den hohen Temperaturen

in diesem Tagen wirddeutlich,

dass die Bäume an den StraßenrändernUnterstützung

brauchen.Wann

benötigen sie dringend frischesWasser?

Dasist die Frage eines Projektes

der Technologiestiftung. In Zukunft

soll es einen Sensor geben, der Alarm

schlägt, wenn ein Baum über einen

längeren Zeitraum nicht bewässert

worden ist. DieWerte aller Sensoren

werden immer aktuell auf einer

Web-Karte angezeigt. Am Anfang

geht es darum, den Sensor-Prototypen

besser zu machen und bei der

Datenvisualisierung voranzubringen.

Gefährliche Straßen-Kreuzungen

In anderen Projekten soll es um die

Feinstaub-Belastung, die Verkehrsführung

an gefährlichen Kreuzungen,

die Wiederverwertung von

Computerteilen und eine interaktive

Karte, auf der geplante und bestehende

Radwege angezeigt werden,

gehen. Besonders unterhaltsam für

Familien ist die Idee, mit dem Computerspiel

Minecraft den Kindern

das Thema „Stadtplanung“ näherzubringen.

Minecraft ist in Schweden

entwickelt worden und zu einem

weltweiten Bestseller geworden. Wie

früher mit Legosteinen bauen die

Kinder am Computer ihre Welt zusammen.

Junge Menschen bevorzugen den Fotodienst, um informiert zu werden. Facebook und Twitter haben an Bedeutung verloren

Nachrichten über das Weltgeschehen

erreichen junge Menschen

in Deutschland inzwischen

häufiger über Instagram als über Facebook.

Das geht aus dem „Reuters

Institute Digital News Report“ hervor,

der am heutigen Mittwoch erscheint.

„Instagram hat bei den 18-

bis 24-Jährigen Facebook und Twitter

als Nachrichtenquelle überholt“,

sagte der Kommunikationswissenschaftler

Sascha Hölig vom Leibniz-

Institut für Medienforschung in

Hamburg.

Rund ein Viertel (23 Prozent) der

Internetnutzer im Alter von18bis 24

Jahren sieht sich bei Instagram regelmäßig

Nachrichteninhalte an, das

beim Vergleich mit anderen sozialen

Medien damit vorn liegt. Facebook

und YouTube rangieren mit 22 Prozent

knapp dahinter. WhatsApp

kommt bei den 18- bis 24-Jährigen

auf 10 Prozent, Twitter nur auf 6Prozent.

„Auch in der Gesamtheit der

Befragten hat Instagram Twitter hinter

sich gelassen“, sagte Hölig. „Es ist

eben das angesagte Medium. Doch

nutzt niemand Instagram, um Nachrichten

zu suchen. Man bewegt sich

eben dort–hauptsächlich, um Fotos

zu sehen –und findet dann Nachrichten

quasi als Beifang.“ Ohnehin

nutze so gut wie niemand soziale

Medien als alleinige Nachrichtenquelle.

Nur drei Prozent der Befragten

stützen sich nach eigenen Angaben

ausschließlich darauf.

DieWissenschaftler untersuchten

für die aktuelle Studie auch das Vertrauen

der Menschen in Nachrichten:

Demnach stimmt in Deutschland

etwa die Hälfte (47 Prozent) der erwachsenen

Internetnutzer der Aussage

zu, dass sie dem Großteil der

Nachrichten vertrauen. „In diesem

Wert sind alle Nachrichten enthalten,

die den Befragten insgesamt und auf

sämtlichen Wegen begegnen können“,

sagte Hölig.

Deutlich mehr Vertrauen als Instagram

oder Facebook genießen

klassische Medien wie Tageszeitungen

oder öffentlich-rechtliches Fernsehen.

Nachrichten, die sich über soziale

Medien verbreiten, sehen die

Nutzer dagegen sogar zunehmend

skeptisch: „Das Vertrauen in Nachrichten,

die in sozialen Medien zu

finden sind, ist rückläufig“, sagte Hölig.

„Nur noch 16 Prozent vertrauen

ihnen. 2018 sind es noch 18 Prozent

gewesen. Die jüngeren Mediennut-

zer sind noch skeptischer, dort sind

es nur 12 Prozent. Man darf also

nicht in die Logik verfallen, dass

junge Leute auf Fake News hereinfielen

und deswegen ihr Wahlverhalten

änderten.“

Instagram gibt es seit neun Jahren.

Kevin Systrom und Mike Krieger,

Studenten der Stanford Universität,

überlegten, eine Appzuentwickeln,

mit der man nachvollziehen

konnte, wosich die Mitglieder der

Clique gerade herumtrieben. Das

Besondere an der App war, dass

man zu seinen Ortsangaben auch

Fotos stellen konnte. Bald merkten

Krieger und Systrom, dass das Teilen

der Fotos der bevorzugte Aspekt

war, zwei Jahre später kaufte Facebook-Chef

Mark Zuckerberg den

Laden. (dpa)

Verrohte Sitten

auf dem

Schulhof

Kinder leiden oft unbemerkt

unter digitalen Angriffen

VonElkeRichter

Essind nur wenige Klicks, schon

ist der Kopf der Klassenkameradin

auf den Körper der Pornodarstellerin

montiertund das Sex-Video

an die ganze Jahrgangsstufe verschickt.

Die Betroffene wird kurz

darauf mit Nachrichten bombardiert

–mit Worten und Aufforderungen,

die üblicherweise nicht in einem

Zeitungsartikel stehen. Die Folgen

für die Jugendliche kann sich jeder

ausmalen. EinEinzelfall?

Beleidigung, Bedrohung, sexuelle

Belästigung und Nötigung per

Smartphone gibt es Experten zufolge

an nahezu jeder Schule.Doch oft genug

bekommen die Erwachsenen

diese Fälle gar nicht mit. Die Opfer

schweigen aus Scham.

„Die Welt da draußen, so verroht

sie manchmal ist, so schlampig und

vulgär, sosexistisch und rassistisch

und antisemitisch, ist in der Welt der

Kinder angekommen“, schildert Simone

Fleischmann, Vorsitzende des

Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverbands

(BLLV). Eine große

Rolle spielen dabei die sozialen Medien,

die die Kommunikation in der

Gesellschaft verändert haben –und

damit auch die Kommunikation in

den Schulen.

„Wenn man früher Konflikte zwischen

Schülernhatte,dann hat man

das gesehen, dann gab es eine Prügelei

oder einen lautstarken Streit. Da

konnte man als Pädagoge eingreifen“,

schildert Ilka Hoffmann, die

Schulexpertin der Bildungsgewerkschaft

GEW. „Jetzt läuft das alles verdeckt

ab.“

Doch während die Täter sich tatsächlich

immer wieder in der Anonymität

des Netzes verstecken können,

sieht es für die Opfer ganz anders

aus: „Derjenige,der dieses Nacktbild

Viele Kinder können mit der Anonymität

im Netz nicht gut umgehen. DPA/MARTIN SCHUTT

mit meinem Kopf gesternindie Klassenchatgruppe

gestellt hat, begegnet

mir am nächsten TagimKlassenzimmer,und

alle anderen begegnen mir

auch. Damit ist die digitale Anonymität

überschritten, und das packen

die Jugendlichen nicht“, berichtet

Fleischmann. Das Fatale ist: „Die

Opfer suchen die Ursachen bei sich.

Das führt zuganz massiven Selbstwertschädigungen“,

erklärtSchulexpertin

Hoffmann. Diemeisten zögen

sich stark zurück. Während Jungs

manchmal aggressiv würden,

komme es bei Mädchen häufiger zu

selbstverletzendem Verhalten.

Das erleben auch Esther Papp

und Cem Karakaya immer wieder.

Sie befassen sich am Polizeipräsidium

München mit Prävention und

haben täglich mit Sexting, Sextortion,

Cybermobbing und Cybergrooming

zu tun –Begriffe, die viele Eltern

noch nie gehört haben, im Leben

vieler Kinder aber Alltag sind.

„Wir könnten als Polizei pro Tag

pro Schule mindestens 400 Handys

beschlagnahmen und Anzeigen erstellen“,

ist Karakaya überzeugt. Den

jungen Opfernrät er,sich so früh wie

möglich an einen verantwortlichen

Erwachsenen zu wenden, Übergriffe

etwa per Screenshot zu dokumentieren

und im Zweifel auch Anzeige zu

erstatten. (dpa)


Berliner Zeitung · N ummer 133 · M ittwoch, 12. Juni 2019 27

· ·

·······················································································································································································································································································

TV-Programm

ARD

5.30 (für HG) ARD-Morgenmagazin 9.00 (fürHG)

Tagesschau 9.05 (fürHG) LivenachNeun 9.55

(fürHG) Sturmder Liebe 10.45 (für HG) Meister

des Alltags 11.15 (für HG) Werweiß denn sowas?

12.00 (für HG) Tagesschau 12.15 (für HG)

ARD-Buffet 13.00 (für HG) ZDF-Mittagsmagazin

14.00 (für HG) Tagesschau 14.10 (für HG) Rote

Rosen 15.00 (für HG) Tagesschau 15.10 (fürHG)

Sturmder Liebe 16.00 (für HG) Tagesschau

16.10 (für HG)Die Tierärzte–Retter mit Herz

17.00 (für HG)Tagesschau 17.15 (für HG) Brisant

18.00 (für HG) Quizduell 18.50 (für HG)

Watzmannermittelt. Inkognito.Krimiserie 19.45

(für HG) Quizzenvor acht 19.55 (für HG) Börse

voracht 20.00 (für HG) Tagesschau

20.15 (für HG) Falsche Siebziger

TV-Komödie, D2017

Mit Sebastian Bezzel, Kathrin von

Steinburg,Gerhard Wittmann u.a.

Regie: Matthias Kiefersauer

21.45 (für HG) Plusminus

22.15 (für HG) Tagesthemen

22.45 maischberger.die woche

0.00 (für HG) Nachtmagazin

0.20 (für HG) Falsche Siebziger

TV-Komödie, D2017

1.55 (für HG) Die Relativitätstheorie der

Liebe Komödie,D2010

RTL

6.00 Guten Morgen Deutschland. Moderation:

Jennifer Knäble, Jan Hahn 8.30 (für HG) Gute

Zeiten,schlechte Zeiten. Daily Soap 9.00 Unter

uns. Daily Soap 9.30 (für HG) Alles was

zählt. Soap 10.00 Der Blaulicht-Report 11.00

Der Blaulicht-Report 12.00 Punkt 12 14.00

Die Superhändler –4Räume,1Deal 15.00

Mensch Papa! Väter allein zu Haus 16.00 Vorher

Nachher –Dein großer Moment. Mit Janine

Kunze 17.00 Freundinnen –Jetzt erst recht.

Unterhaltungsserie 17.30 Unter uns. Daily

Soap 18.00 Explosiv –Das Magazin 18.30

Exclusiv –Das Star-Magazin 18.45 aktuell

19.05 (für HG) Alles was zählt. Soap 19.40

(für HG) Gute Zeiten, schlechte Zeiten

20.15 Vera unterwegs –Zwischen Mut und

Armut Dokumentation

Die Moderatorin Vera Int-Veen reist

quer durch Deutschland und besucht

Orte, die durchArmut traurige

Schlagzeilen gemacht haben.

22.15 sternTV

Moderation: Steffen Hallaschka

0.00 Nachtjournal

0.30 (für HG) CSI: Den Tätern auf der

Spur Späte Rache.Krimiserie

1.20 (für HG) CSI: Den Tätern auf der

Spur Der letzte Vorhang.Krimiserie

15.15 (für HG) Wer weiß denn sowas? 16.00

(für HG) MDR um vier 17.45 (für HG) Aktuell

18.10 (für HG) Brisant 18.54 (für HG) Sandmann

19.00 (für HG) MDR Regional 19.30

(für HG) Aktuell 19.50 (für HG) Tierisch,tierisch

20.15 (für HG) Exakt 20.45 (für HG) Exakt

–Die Story 21.15 (für HG) Echt 21.45 (für

HG) Aktuell 22.05 (für HG) Tatort. Tiefer Fall.

TV-Kriminalfilm, D2005 23.35 HumorZone

2019 –Die Gala 0.20 Sputnik Spring Break

2019 1.20 (für HG) Kroymann 1.50 (für HG)

Lindenstraße 2.20 (für HG) Exakt

Bayern

16.15 (für HG) Wir inBayern 17.30 Regional

18.00 (für HG) Abendschau 18.30 (für HG)

Rundschau 19.00 (für HG) Stationen 19.30

(für HG) Dahoam is Dahoam 20.00 (für HG)

Tagesschau 20.15 (für HG) Münchner Runde

21.00 (für HG) Kontrovers 21.45 (für HG)

Rundschau Magazin 22.00 (für HG) Weizen im

Visier –Lebensmittel oder Krankmacher?

22.45 (für HG) 10 Milliarden –Wie werden wir

alle satt? Dokumentarfilm,D2015 0.25 kinokino

0.40 Der Junge mit dem Fahrrad. Drama,

B/F/I 2011 2.05 (für HG) Dahoam is Dahoam

Vox

14.00 Mein Kind,dein Kind –Wie erziehst du

denn? 15.00 Shopping Queen 16.00 Makel?

Los! 17.00 Zwischen Tüll und Tränen 18.00

First Dates –Ein Tisch für zwei 19.00 Das perfekte

Dinner 20.00 Prominent! 20.15 Das

Wichtigste imLeben 21.10 DasWichtigste im

Leben 22.05 (für HG) Gone 23.00 (für HG)

Law &Order: SpecialVictims Unit 23.55 nachrichten

0.15 (für HG) Medical Detectives –Geheimnisse

der Gerichtsmedizin. Netz aus Lügen

1.05 (für HG) Medical Detectives –Geheimnisse

der Gerichtsmedizin. Tödliche Bakterien

Super RTL

15.25 Tomund Jerry 15.50 HotelTranssilvanien

–Die Serie 16.20 Zig &Sharko –Meerjungfrauen

frisst man nicht! 16.45 Ninjago –Im

Land der Drachen 17.15 Voll zu spät! 17.40

Inspector Gadget 18.10 Dennis &Fletscher –

Blämtastisch! 18.40 Woozle Goozle 19.10

Tomund Jerry 19.40 Angelo! 20.15 (für HG)

Dr.House 21.10 (für HG) Dr. House 22.00 (für

HG) Dr.House 22.55 Die Kinderklinik –Familien

zwischen Bangen und Hoffen 23.25 Die

Kinderklinik –Familien zwischen Bangen und

Hoffen 23.55 Comedy total

Sport1

14.30 Yukon Gold. Neues Gold, neues Glück

15.30 Alone. Winter's Fury 16.30 Storage

Wars –Die Geschäftemacher. Neue Runde

17.00 StorageWars –Die Geschäftemacher.

Spiel der Bieter 17.30 Yukon Gold. Alles oder

nichts 18.30 Storage Hunters. Feuer frei

19.00 Storage Hunters. Kunst und Kartons

19.30 Storage Hunters. Wüstengold 20.00 Die

PS-Profis –Mehr Power aus dem Pott. Best of

21.00 Sport-Quiz 0.00 Normal. Magazin der

Arbeitsgemeinschaft Behinderung und Medien

ZDF

5.30 (für HG) ARD-Morgenmagazin.Moderation:

Moderation: Anna Planken, Sven Lorig

9.00 heute Xpress 9.05 Volle Kanne –Service

täglich 10.30 (für HG) Notruf Hafenkante. Lügen

und Geheimnisse. Krimiserie 11.15 (für

HG) SOKO Stuttgart. Schlitzohr 12.00 heute

12.10 drehscheibe 13.00 (für HG) ZDF-Mittagsmagazin

14.00 Die Küchenschlacht 14.30

(für HG) Fußball: Weltmeisterschaft der Frauen.

Vorrunde,Gruppe A: Nigeria –Südkorea. Aus

dem Stade desAlpes inGrenoble (F) 17.00

(für HG) heute Xpress 17.05 (für HG) Fußball:

Weltmeisterschaft der Frauen. Vorrunde, Gruppe

B: Deutschland –Spanien. Aus dem Stade

du Hainaut in Valenciennes (F)

20.15 (für HG) Landkrimi

HöhenstraßeTV-Kriminalfilm, A2016

Mit Nicholas Ofczarek, Raimund

Wallisch,Doris Schretzmayer u.a.

Regie: David Schalko

21.45 (für HG) heute-journal

22.15 auslandsjournal

22.45 (für HG) Das Drama um die Sozialwohnungen

Dokumentation

23.15 (für HG) Markus Lanz

0.30 heute+

0.45 Fußball:Weltmeisterschaft der

Frauen Deutschland –Spanien

Sat.1

5.30 Frühstücksfernsehen. Moderation: Christian

Wackert, Marlene Lufen 10.00 Im Namen

der Gerechtigkeit –Wir kämpfen für Sie! Mit

Alexander Hold, Stephan Lucas, Alexander Stephens,

Isabella Schulien 11.00 Im Namen der

Gerechtigkeit –Wir kämpfen für Sie! Mit Alexander

Hold, Stephan Lucas, Alexander Stephens,

Isabella Schulien 12.00 Anwälte im

Einsatz 13.00 Anwälte im Einsatz 14.00 Auf

Streife. Reportagereihe 15.00 Auf Streife –Die

Spezialisten.Reportagereihe 16.00 Klinik am

Südring 17.30 Klinik am Südring –Die Familienhelfer

18.00 Endlich Feierabend! 19.00

Genial daneben –Das Quiz. Moderation: Hugo

Egon Balder 19.55 Nachrichten

20.15 TopChef Germany

Finale

Gast: Haya Molcho.

Jury: EckartWitzigmann,Peter Maria

Schnurr, Alexandra Kilian

Moderation: Daniel Boschmann

22.55 akte 20.19 Spezial

Rauf auf die Insel!

Moderation: Claus Strunz

23.55 TopTen!

Warum wir Malle so lieben

0.55 111 Knallerpärchen!

2.30 Auf Streife –Die Spezialisten

14.05 Erlebnisreisen 14.15 (für HG) In aller

Freundschaft 15.45 (für HG) Aktuell 16.05

Hier und heute 18.00 (für HG) aktuell /Lokalzeit

18.15 (für HG) Servicezeit 18.45 (für HG)

Aktuelle Stunde 19.30 Lokalzeit 20.00 (für

HG) Tagesschau 20.15 (für HG) Markt 21.00

(für HG) Achtung Mogelpackung! –Yvonne

Willicks deckt auf 21.45 (für HG) Aktuell

22.10 (für HG) Die Story 22.55 (für HG) Vergessene

Wracks 23.40 (für HG) Der Kuaför aus

der Keupstraße. Dokumentarfilm, D2015 1.10

(für HG) Maischberger 2.30 Lokalzeit aus Köln

NDR

15.15 (für HG) Wer weiß denn sowas? 16.00

(für HG) aktuell 16.20 (für HG) Mein Nachmittag

17.10 (für HG) Seehund,Puma &Co.

18.00 Ländermagazine 18.15 (für HG) Wie

geht das? 18.45 (für HG) DAS! 19.30 Ländermagazine

20.00 (für HG) Tagesschau 20.15

(für HG) Auf Leben undTod 21.00 (für HG) Auf

Leben undTod 21.45 (für HG) aktuell 22.00

(für HG) Großstadtrevier 22.50 (für HG) extra

3 23.20 (für HG) Zapp 23.50 (für HG) 7Tage

... 0.20 Hafenpolizei. Schlangenjagd 0.45 (für

HG) Visite 1.45 (für HG) Weltspiegel-Reportage

Kabel eins

12.05 Numb3rs 13.05 Castle 14.00 The Mentalist

14.55 Navy CIS: L.A. 15.50 News 16.00

Navy CIS 16.55 Abenteuer Leben täglich

17.55 Mein Lokal,Dein Lokal –Der Profi

kommt 18.55 Achtung Kontrolle! Wir kümmern

uns drum 20.15 Die Reise zum Mittelpunkt

der Erde. Abenteuerfilm,USA 2008 22.15 Ice

Age 2–Jetzt taut's. Animationsfilm,USA 2006

23.55 Die Reise zum Mittelpunkt der Erde.

Abenteuerfilm,USA 2008 1.40 Watch Me –

das Kinomagazin 1.50 Late News 1.55

10.000 B.C. Abenteuerfilm, USA/SA 2008

RTL 2

13.00 Die Geissens –Eine schrecklich glamouröse

Familie! 14.00 Die Wollnys –Eine

schrecklich große Familie! 15.00 Hilf mir!

Jung,pleite, verzweifelt ... 17.00 News 17.10

Krass Schule –Die jungen Lehrer 18.05 Köln

50667 19.05 Berlin –Tag &Nacht 20.15 Kleine

Helden ganz groß! –Wenn Kinder kämpfen

müssen 21.15 Voller Leben –Meine letzte Liste

22.15 Die Babystation –Jeden Tagein kleines

Wunder 23.15 Autopsie –MysteriöseTodesfälle

0.10 Die Forensiker –Profis am Tatort

1.10 Autopsie –Mysteriöse Todesfälle

Eurosport 1

12.30 EWC All Access 13.00 WATTS. Die

French-Open-Ausgabe der Eurosport-Clipshow

13.15 Tennis: French Open 14.15 Radsport:

Critérium du Dauphiné 15.00 Radsport: Critérium

du Dauphiné. 4. Etappe 16.45 Motorsport:

24-Stunden-Rennen von Le Mans. Freies Training

20.15 Eurosport News 20.20 Tennis:

French Open 21.15 Radsport: Critérium du

Dauphiné 21.50 Motorsport: 24-Stunden-Rennen

von LeMans. Qualifikation 0.10 Eurosport

News 0.20 Radsport: Critérium du Dauphiné

TV-Tipps RBB

Tagesschau 24

ARD, 20.15 UHR TV-KOMÖDIE

Falsche Siebziger

Ineinem kleinen bayerischenDorfsterben kurz hintereinander drei Senioren.

DerenAngehörigemüssten denTod derdreieigentlich melden, doch Karl (Gerhard

Wittmann),Hubertus(Sebastian Bezzel) und Iris (Kathrin vonSteinburg,

v.l.n.r.)haben ganz andere Pläne.Umdie Renteder drei Verstorbenenkassieren

zu können, beschließen sie,die Tode der Verstorbenen zu vertuschen.Damit der

Schwindel nichtauffliegt,müssen fürdie Senioren schonbald drei Doppelgängerher.Der

makabreBluff ziehtinder Siedlungimmergrößere Kreise,und schon

bald drohtdas fragile Lügengerüst einzustürzen.Dennmit einemMal gibt es weitere

Leichen, und auch der Zuzug neuer Nachbarn machtesden drei Betrügern

nichtunbedingt einfacher ihrePläne aufrecht zu erhalten. Rustikale Ensemble-

Komödie mit bayerischemFlair vonMatthiasKiefersauer.

(Dtl./2017)

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ZDF, 20.15 UHR TV-KRIMINALFILM

Landkrimi

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die Berliner Zeitung als E-Paper.

Überallhin mitnehmen &mobil informiert bleiben

Auf bis zu drei Geräten gleichzeitig lesen

Zoomfunktion –höherer Lesekomfort

Foto: ARD

Verkleidet als Polizistenkassieren Roli

(NicholasOfczarek,l.) und Ferdinand

(Raimund Wallisch,r.) ahnungsloseAutofahrerab.

Schwer angetrunken treibensie es eines

Nachts aufdie Spitze, alssie Robertund

Ukuverhaften und in einen Kellereinsperren.

Ausgenüchtertmüssen die Betrügeram

MDR WDR Gleich anrufen und Angebot bestellen: Morgen feststellen,dass siezuweitgegangen Arte

sind, ihrebeiden „Häftlinge“ aber auch nicht

(030) 240025 einfach so wieder laufen lassen können.Also

berliner-zeitung.de/vorteil treiben sieihren Betrug weiter,und während

*bei bestehendem Printabonnement (Mo. –Sa.) nur

4,99 €statt 29,99 €. Ihnen steht ein gesetzliches

Widerrufsrecht zu. Alle Informationen über dieses Recht

und die Widerrufsbelehrung fnden Sie unter

www.berliner-zeitung.de/widerruf

Berliner Verlag, Alte Jakobstraße 105, 10969 Berlin

NORMALVARIANTE –MITTEL -mittel

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3 5

9

MitDIAGONALEN MIT –SCHWER -schwer

6 9

3 4

7 2 3

8

Ferdinand dieGefangenenbewacht, gibt

sich Roli als Kripoermittler ausund wartet

gemeinsam mit RobertsEltern aufeineLösegeldforderung.Abgründige

Krimigroteske.

(Österr./2016)

Foto: ZDF

SUDOKU

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4,99 €

monatlich *

Auflösung

AUFLÖSUNG

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AUFLÖSUNG

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VOM 11. 6. 2019

vom 11.6.2019

schwer

SCHWER

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4 3 7 5 9 6 1 8 2

6 5 1 7 4 8 2 9 3

9 2 4 1 3 5 6 7 8

7 8 3 6 2 9 4 1 5

6.20 zibb. zuhause in berlin &brandenburg

7.20 Brisant 8.00 Brandenburg aktuell /

Abendschau 8.30 Brandenburg aktuell /

Abendschau 9.00 In aller Freundschaft 9.45

In aller Freundschaft 10.30 Rote Rosen 11.20

Sturm der Liebe 12.10 Tierärztin Dr. Mertens

13.00 rbb24 13.10 Verrückt nach Meer 14.00

Land und lecker 14.45 Die rbb Reporter 15.15

Im Schärengarten an SchwedensWestküste

16.00 rbb24 16.15 Wer weiß denn sowas?

17.00 rbb24 17.05 Giraffe,Erdmännchen &

Co. 17.55 Sandmann 18.00 rbb UM6 –Das

Ländermagazin 18.30 zibb. zuhause in berlin

&brandenburg 19.30 Brandenburg aktuell /

Abendschau 20.00 (für HG) Tagesschau

20.15 rbb Praxis

Das Gesundheitsmagazin

21.15 Die rbb Reporter

Unterwegs mit dem Hühnergott

Reportagereihe

21.45 rbb24

22.00 Russland –Im Reich derTiger,Bären

undVulkane

23.30 Talk aus Berlin

0.00 Glück auf Brasilianisch

TV-Komödie, D2011

1.30 rbb Praxis

Das Gesundheitsmagazin

ProSieben

11.00 How IMet Your Mother. Unerwünschte

Gäste/Unter dem Tisch. Comedyserie 11.50 2

Broke Girls. Who let the Dog out?/Der traurige

Partybus. Comedyserie 12.40 Mom. Sex mit

Nervenkitzel. Comedyserie 13.05 Twoand a

Half Men. Die Samenspende/Zwei Hochzeiten

und ein Lachanfall/Ich arbeite für Caligula.

Comedyserie 14.25 The Middle. Der Straßengraben/Die

Reifeprüfung.Comedyserie 15.20

The Big BangTheory. Der Zeitspar-Modus/Die

retrospektive Retrospektive/Der Stelzen-

Traum/Das Princeton-Problem.Comedyserie

17.00 taff 18.00 Newstime 18.10 Die Simpsons.

Schlaflos mit Nedna/Lisa wird gaga.Zeichentrickserie

19.05 Galileo

20.15 Grey's Anatomy –Die jungen Ärzte

Sternenhimmel. Krankenhausserie

Mit Ellen Pompeo, Justin Chambers,

James Pickens jr. u.a.

21.15 Grey'sAnatomy –Die jungen Ärzte

Freiheit.Krankenhausserie

22.15 Grey's Anatomy –Die jungenÄrzte

Freiheit.Krankenhausserie

23.15 Lucifer An erster Stelle.Krimiserie

0.10 Two and aHalf Men

Zehn Finger,zehn Zehen. Comedyserie

0.40 Two and aHalf Men

Willkommen in Malibu. Comedyserie

15.50 Kuba –Das grüne Herz der Karibik

16.45 (für HG) X:enius 17.10 Italien von

oben –Geschichte(n) eines Landes 17.40

West-Papua –Mein Jahr bei den Korowai

18.35 Afrika –Von Bäumen und Tieren 19.20

Arte Journal 19.40 (für HG) Re: 20.10 Anderswo

in Europa 20.15 (für HG) Ein besseres Leben.

Melodram, F2011 22.00 (für HG) Marcel

Duchamp 22.55 Louise by the Shore. Animationsfilm,

F/CDN 2016 0.10 Das Mädchen

ohne Hände. Animationsfilm,F2016 1.20 (für

HG) Hirngespinster. Drama,D2014

3Sat

16.00 (für HG) Die Bille 17.00 (für HG) Die

Wupper –Amazonas im Bergischen Land

17.45 (für HG) mareTV 18.30 nano 19.00 (für

HG) heute 19.05 (für HG) Bonjour Bordeaux

19.20 Kulturzeit 20.00 (für HG) Tagesschau

20.15 Unser täglich Fleisch 21.00 Rettung vor

der Biotonne 21.45 Kenia: Kein Platz für wilde

Tiere 22.00 (für HG) ZIB 222.25 (für HG)

MeineTochter Anne Frank –Die Stille ist ein

Geräusch. TV-Dokudrama,D2015 23.55 (für

HG) Die Aufspürerin 0.25 10vor10 0.55

Schweizweit 1.20 (für HG) Panorama

Phoenix

12.45 phoenix plus 13.30 phoenix plus. Instrumente

der Macht –die Lüge 14.00 phoenix

vor ort 14.45 phoenix plus 15.45 Trumps treue

Truppen 16.00 Frauenhäuser in Not 16.30 Marathon

hinter Mauern –Der Gefängnislauf von

San Quentin 16.45 Der Osten –Entdecke wo du

lebst 17.30 phoenix der tag 18.00 Geheime

Medikamentenversuche 18.30 Die Macht der

Vulkane 20.00 (für HG) Tagesschau 20.15 (für

HG) Terra X21.45 (für HG) heute-journal 22.15

phoenix runde 23.00 phoenix der tag 0.00

phoenix runde 0.45 Terra X

Kika

13.20 (für HG) Lassie 13.40 (für HG) Die Pfefferkörner

14.10 Schloss Einstein 15.00 H2O –

Plötzlich Meerjungfrau 15.45 Sherlock Yack –

Der Zoodetektiv 16.25 Zoom –Der weiße Delfin

16.50 Hexe Lilli 17.35 Die Abenteuer des

jungen Marco Polo –Reise nach Madagaskar

18.00 (für HG) Mascha und der Bär 18.10 (für

HG) SuperWings 18.35 Beccas Bande –Mit

Mut wird alles gut! 18.50 Sandmann 19.00

(für HG) Lassie 19.25 (für HG) Wissen macht

Ah! 19.50 (für HG) logo! 20.00 (für HG) KiKA

Live 20.10 Du bist STYLE!

Dmax

17.15 Fast 'N' Loud 18.15 Fast 'N' Loud 19.15

A8 –AbenteuerAutobahn 20.15 Auction Hunters

–ZweiAsse machen Kasse 20.45 Auction

Hunters –ZweiAsse machen Kasse 21.15

Hardcore Pawn: Das härteste Pfandhaus Detroits

21.45 Hardcore Pawn: Das härteste

Pfandhaus Detroits 22.15 Vintage Tech Hunters

–Technik mit Kultfaktor! 22.45 Slobby's

World –Verrückte Retro-Welt 23.15 Bad Buddies

–Echte Schadenfreu(n)de 0.10 Die

Baumhaus-Profis 1.10 Die Baumhaus-Profis

5.02 hessenschau 5.30 Morgenmagazin 9.00

Tagesschau-Nachrichten 9.15 Menschen hautnah

10.00 Tagesschau-Nachrichten 10.15 Dreckige

Luft vomTraumschiff 11.00 Tagesschau-Nachrichten

13.00 ZDF-Mittagsmagazin 14.00 Tagesschau-

Nachrichten 19.15 Das schwarze Gold 20.00 Tagesschau

20.15 FAKT 20.45 Panorama321.17

Münchner Runde 22.00 Markt 22.45 DieTagesschau

vor20Jahren 23.00 Tagesthemen 23.30

Kontrovers 0.15 Eine HebammeamLimit 1.00

Nachtmagazin 1.20 extra 3 1.50 Extra 2.02

Abendschau 2.30 Thüringen Journal 3.02 Aktuelle

Stunde 3.47 Extra 4.02 Brandenburg aktuell 4.30

butenunbinnen

ONE

11.55 Sturmder Liebe 12.40 Sturmder Liebe

13.30 Um HimmelsWillen 14.20 Größerals im

Fernsehen. TV-Komödie, D2019 15.50 Dawson's

Creek 16.35 Dawson's Creek 17.20 Lindenstraße

17.50 Die Kanzlei 18.40 Sturmder Liebe 19.25

Sturmder Liebe 20.15 Agatha Christies Poirot.

Mord im Orient-Express. TV-Kriminalfilm, GB 2010

21.45 Miss Fishersmysteriöse Mordfälle 22.40

Ich bin der Boss–Skandal beim FBI. Biografie,

USA 1977 0.25 Agatha ChristiesPoirot. Mord im

Orient-Express.TV-Kriminalfilm, GB 2010 1.55

Miss Fishersmysteriöse Mordfälle 2.50 Ichbin der

Boss – Skandal beim FBI. Biografie, USA1977

4.45 UmHimmels Willen

ZDF NEO

5.40 Stonehenge – Rituale der Steinzeit 6.25 Terra

X 7.10 TerraX7.50 Topfgeldjäger 8.45 Lafer!

Lichter! Lecker! 9.30 Baresfür Rares 10.25 Bares

fürRares 11.20 Viel zu bieten 12.00 Die Rettungsflieger

13.30 Monk 14.50 Heldt 15.35 Die

Rettungsflieger 17.05 Monk 18.30 Bares fürRares

19.20 Bares für Rares 20.15 (fürHG) Wilsberg.

Callgirls. TV-Kriminalfilm, D2006 21.45 (für

HG) Einstarkes Team. Dunkle Schatten. TV-Kriminalfilm,

D2006 23.15 Shame. Drama, GB 2011

0.45 (für HG) Wilsberg. Callgirls. TV-Kriminalfilm, D

2006 2.15 DieMacht derClans 2.45 Vorsicht,

Falle! 3.30 TagX–Mein Leben danach 4.10 Aktenzeichen

XY... gelöst!

ZDF INFO

16.30 Das vergessene Amerika –Eine Stadt

kämpftums Überleben 17.15 Amerikas verzockte

Renten–VomStaatsdienst in die Armut 18.00

Amerikas neueNazis–AufmarschinCharlottesville

18.45 Trump gegen alle –Parteikriegbei den

Republikanern 19.30 Die Trumps –Aus der Pfalz

ins Weiße Haus 20.15 (für HG) RBG –Ein Leben

für die Gerechtigkeit. Dokumentarfilm, USA 2018

22.00 Citizen Trump –Eine amerikanische Karriere

22.45 KinderinKäfigen –TrumpsFlüchtlingspolitik

23.30 (für HG)TrumpsRussland-Connection 0.30

(für HG)heute-journal 1.00 Der Anti-Trump –Senator

John McCain 1.45 DasneueBrasilien–

Rechtsruck unter Bolsonaro

Radio

KLASSIK

18.04 RBB KULTURRADIO (92.4 MHz)

Opernführer Alexander von Zemlinsky –Eine

florentinische Tragödie /Der Zwerg., ca. 56 Min.

20.03 Deutschlandfunk Kultur (89.6 MHz)

Konzert Hochzeitsmusik der Hansestädte. Historische

Klängeaus Hamburg,Lüneburg,Greifswald,

Danzig und Königsberg. Werkevon JohannSchop,

JacobPraetorius, JohannStobäus,Hieronymus

Praetorius, JohannSteffens u.a., ca. 87 Min.

20.04 RBB KULTURRADIO (92.4 MHz)

Alte Musik spezial Prachtvolle Klänge –Das

Ensemble Musica Fiata., ca. 56 Minuten

22.05 Deutschlandfunk (97.7 MHz)

Spielweisen Wortspiel –Das Musik-Gespräch.

Der Pianist Michael Korstick stellt Sergej Rachmaninows

„Variationen über ein Thema von

Corelli” vor.,ca. 45 Minuten

0.05 Deutschlandfunk Kultur (89.6 MHz)

Neue Musik Mit Werken von Ustwolskaja,

ca. 55 Minuten

HÖRSPIEL

20.30 Deutschlandfunk (97.7 MHz)

Lesezeit Kenah Cusanit liest aus ihrem Debütroman

„Babel” (2/2), ca. 30 Minuten

21.30 Deutschlandfunk Kultur (89.6 MHz)

„Drei Menschen und das Salz imMeer” Hörspiel

nach dem Theaterstück „Les Amers”von

Mathieu Beurton., ca. 60 Minuten

23.04 RBB KULTURRADIO (92.4 MHz)

Lesung Siri Hustvedt: „Damals” (16/34),

ca.31Minuten

MAGAZIN

19.04 RBB KULTURRADIO (92.4 MHz)

Kulturtermin Ungemein tierisch –Der Berliner

Zoo wird 175. Ein Streifzug durch Geschichte

und Gehege., ca. 26 Minuten

22.04 RBB KULTURRADIO (92.4 MHz)

Feature Für Träume hat esnoch gereicht –Anne

Frank. Von Irmela Körner,ca. 56 Minuten

JAZZ /BLUES

19.30 RBB KULTURRADIO (92.4 MHz)

The Voice Dani Gurgel,ca. 30 Minuten

21.04 RBB KULTURRADIO (92.4 MHz)

Musik der Gegenwart Der KomponistAtau

Tanaka. Er ist Experte in Sachen Musikelektronik

und Körper und untersucht die ästhetischen

Bedingungen für einen

live-elektronischen Musikraum: „Anstatt Zeit

und Raum durch Klang zu kontrollieren, erstelle

ich Architekturen für kollektive musikalische

Prozesse“., ca. 56 Minuten

21.05 Deutschlandfunk (97.7 MHz)

Querköpfe Kabarett, Comedy &schräge Lieder.Salzburger

Stier 2019,ca. 55 Minuten


Berliner Zeitung · N ummer 133 · M ittwoch, 12. Juni 2019 – S eite 28

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Panorama

LEUTE

NACHRICHTEN

Jessica Préalpato darfsich mit Fug

und Recht „beste Konditorin der

Welt“ nennen. Schließlich wurde die

Französin vonder Organisation

World’s 50 Best Restaurants als solche

ausgezeichnet. Unddas ist nicht

nur insofernbesonders,weil sie die

erste Frau ist, die diesen Titel erhält.

Préalpato bereitet ihrePâtisserie-

Spezialitäten zudem bewusst ohne

Zucker zu. Ob Törtchen mit Erdbeerenund

Tannenknospen oder Kirschen

mit Oliven und Algen –der 32-

Jährigen vomDrei-Sterne-Restaurant

im Pariser Luxushotel Plaza

Athénée genügt die natürliche Süße

vonFrüchten. Auch Sahne ist tabu.

„Diese Desserts sind nicht wirklich

schön“, sagt die Konditorin, auf Instagram

mache ihreNaturküche

nichts her.Nun, wir haben mal den

Account durchstöbertund sind absolut

nicht dieser Meinung. Es sieht

alles fantastisch aus und wir wollen

alles probieren. Tout de suite!

Justin Bieber und seine Social-Media-Aktivitäten

sind allererste Sahne.

Erinnertsei etwa an den missglückten

Ich-werde-Papa-ach-nee-dochnicht-Aprilscherzoder

die schwülstige

Sonnenlicht-fällt-in-den-Abgrund-Lyrik

für die Liebste.Jetzt

knüpft der 25-Jährige nahtlos an und

fordertden 31 Jahreälteren Tom

Cruise auf Twitter zum Mixed-Martial-Arts-Kampf

heraus: „Tom, wenn

du diesen Kampf nicht annimmst,

hast du Angst und es wirddich ein

Leben lang verfolgen.“ Cruise reagierte

nicht, dafür boten sich zahlreiche

andereKommentatoren an, Bieber

eins überzubraten. Popcorn!

Bill Murray macht die süßesten Komplimente

des Universums.„Wenn

meine

Mutter noch leben

würde,würde ich

sie mit zu ihr nach

Hause bringen“,

sagte der 68-Jährige

über seine

Schauspielkollegin

Selena Gomez.

Diebeiden

spielen im neuen

Film vonJim Jarmusch

mit. Wirjedenfalls

würden Bill

Murray auch unseren

Mütternvorstellen. Jederzeit!

(avo./mit dpa)

Er hat eine junge Kollegin

sehr,sehr lieb gewonnen.

DPA/JENS KALAENE

TIERE

Flügelbeschau: eine Bachstelze

auf Helgoland. DPA/CARSTEN REHDER

Da muss die Bachstelzejetzt durch:

EinMitarbeiter am Institut fürVogelforschung

auf Helgoland untersucht

das Tier und legt ihm abschließend

einen Aluminiumring ums Bein. Der

ist mit seiner eingravierten Buchstaben-Zahlen-Kombination

so etwas

wie ein Personalausweis –und im

Computer des Instituts erfasst. Biszu

180000Vögel bekommen im Jahr einen

Helgoland-Ring, so entsteht eine

breite Datenbasis,umdie Zugwege

derVögel zu verfolgen. Unglaublich:

Eine Singdrossel legte mal an einem

einzigen Tagknapp 1220 Kilometer

zurück.Voll die Turboflatter. (schl.)

Kein Wegzurück: Viele japanische Kinder sehen nach einer Trennung ihre Väter nie wieder.

Kein Lebenszeichen

In Japan kämpfen viele Ausländer um ihre entführtenKinder.Von der Justizhabensie kaumHilfe zu erwarten

VonFelix Lill

Papa, jetzt komm!“, ruft der

gestandene Mann in Kinderstimme

und ist drauf

und dran, die Rutsche hochzuklettern.

„Meine Söhne haben das

immer gebrüllt, wenn wir hier waren.

Undwenn ich oben auf der Rutsche

saß, stieß ich mir jedes Malden Kopf.

Aber meinen beiden Prinzen war das

egal.“ Björn Echternach steht auf

dem Spielplatz am Arnimplatz im

Berliner Stadtteil Prenzlauer Berg

und muss lachen, als er sich erinnert.

Einen Moment später stehen ihm

Tränen in den Augen. „Was tut man

nicht alles für seine Kinder?“

Björn Echternach muss einiges

tun. Zwei Jahre sind vergangen, seit

er zum letzten Mal diesen Ort besuchte,

der heute wie damals voll ist

von kleinen Rasern und hinterherhechelnden

Eltern. Noch immer

wartet links die Rutsche, rechts die

Netzschaukel, dahinter ein Klettergerüst.

„Überall haben wir gespielt.“

Und der 41-jährige käme weiterhin

jeden Taghierher,wenn seine Kinder

noch da wären. Echternach erzählt,

was er sich vor der Trennung von

seiner japanischen Frau im Herbst

2014 nicht im Traum hätte vorstellen

können: „Ich weiß leider nicht, wann

ich Karl und Johann wiedersehen

kann.VorzweiJahren wurden sie von

ihrer Mutter entführt.“

Entführungen sind quasi legal

Hochrechnungen zufolge

werdenjährlich150000 Kinder

in oder nach Japan entführt.

Im Land ist das Thema

derartnotorisch, dass Branchenmagazine

für Scheidungsanwälte

schon Anleitungen

veröffentlicht haben.

Ebenso wenig hätte sich der gebürtige

Franke ausgemalt, dass er sein

heutiges Schicksal mit vielen getrennten

Eheleuten teilen würde.Vor

allem, wenn zumindest ein Elternteil

aus Japan kommt, sind Kindesentführungen

keine Seltenheit. Mehrere

Schätzungen gehen davon aus, dass

in Japan, wo Echternachs vier- und

fünfjährige Söhne nun mit der Mutter

leben, sechs vonzehn Kinderndurch

die Trennung ihrer Eltern völlig den

Kontakt zum Vater oder der Mutter

verlieren. Fast immer geschieht dies

ohne das Einverständnis des zurückgelassenen

Elternteils.

Viele Fälle folgen einem Schema,

das auch dem vonBjörnEchternach

entspricht. Es beginnt mit Beziehungsproblemen,

gefolgt von einer

Trennung, die in separaten Haushalten

mündet. Meist will die Mutter gemeinsam

mit dem Kind ausziehen.

Undbefindet sich der neue Wohnort

dann in Japan, so ist das Sorgerecht

auch schon de facto geklärt.

Denn japanische Gerichte entscheiden

bei Sorgerechtsfragen nach

dem Kontinuitätsprinzip, wonach

jener Elternteil die tägliche Erziehung

übernehmen sollte, zu dem

das Kind die vermeintlich nähere

Bindung hat. Das ist der Auslegung

nach derjenige, der im Moment der

Trennung mit dem Kind lebt. Also

auch der Entführer.

Diese Rechtspraxis ist es,die Kindesentführungen

in und nach Japan

im Prinzip legalisiert. Unter japanischen

Vätern ist dieses Problem bekannt,

vor Gericht rechnen sie sich

keine Chancen aus.Zustarr sind die

Geschlechterrollen, die den Mann

auf dem Arbeitsmarkt sehen und die

Frau bei den Kindern. So bedeutet

für Väter eine Trennung vonder Frau

oft auch gleich eine Trennung von

den Kindern. Zu einem politischen

Streitpunkt wurde das Thema erst

vor einigen Jahren, als ausländische

Eltern, die sich um ihr Kind beraubt

fühlten, unbequem wurden.

Einer von ihnen ist Björn Echternach.

Als der studierte Informatiker

dem Spielplatz den Rücken kehrt, rekapituliert

er. „Meine Frau und ich

waren Schulfreunde. Sie ist Japanerin,

wuchs aber im selben OrtinBayernauf

wie ich. Irgendwann heirateten

wir und lebten zusammen bei

Berlin. Aber nach der ersten Geburt

stritten wir immer mehr,und irgendwann

drohte mir meine Frau: ‚Wenn

ANLEITUNG ZUR ENTFÜHRUNG

Mandanten sollen demnach

mit dem Kind verschwinden,

dann den Ex-Partner wegen

Missbrauchs anzeigen und

zuletzt mögliche Gerichtsentscheidungen

ignorieren, die

einen Umgang des Ex mit

dem Kind sichernsollen.

Denn in Japan ist keine Behörde

imstande, die Einhaltung

solcher Urteile auch

durchzusetzen. Unter japanischen

Väternist dieses Problem

bekannt, angesichts verbreiteter

Resignation auch

schon fast anerkannt.

Auf diesen Berliner Spielplatz ging BjörnEchternach oft mit seinen Söhnen.

FELIX LILL

du dich trennst, wirst du die Kinder

nie wiedersehen.‘“ Nachdem sich

Echternach dennoch getrennt hatte,

begann ein Rechtsstreit. Die Mutter

forderte das alleinige Sorgerecht, der

Vater suchte eine paritätische Lösung.„Kinder

würden sich immer für

beide Eltern entscheiden“, ist sich

Echternach noch heute sicher.

VorGericht wurde dem Vater von

häuslicher Gewalt bis hin zu Kindesmissbrauch

vieles vorgeworfen. Die

offiziellen Gutachten, die dieser Zeitung

vorliegen, wiesen alles davon

zurück. Doch als der Mutter nach abgebrochenen

Mediationsversuchen

offenbar dämmerte, dass sie das erhoffte

alleinige Sorgerecht nicht bekäme,

machte sie ihre Drohung an

den Ehemann wahr: Noch während

des Prozesses setzte sie sich mit den

Söhnen nach Japan ab.

2017 entschied das Amtsgericht

Nauen in Brandenburg, das bei der

Mutter eine „fehlende Bindungstoleranz“

feststellte,auf alleiniges Sorgerecht

für den Vater. Doch das Urteil

ist nur theoretischer Natur. Seit fast

zwei Jahren gibt es kein Lebenszeichen

von seinen Kindern. Medienanfragen

an die Mutter ließen sowohl

die japanischen als auch die

deutschen Anwälte unbeantwortet.

GETTY IMAGES

Eigentlich dürfte es solche Fälle

gar nicht geben. Schon 1980 schloss

die internationale Gemeinschaft das

Haager Kindesentführungsübereinkommen

ab, das grenzüberschreitenden

Kindesentzug verbietet. Auf

großen Druck trat 2014 auch Japan

dem Vertrag bei. Allerdings sind die

diplomatischen Unstimmigkeiten in

dieser Sache seitdem eher stärker geworden.

Derzeit sind allein in

Deutschland sieben Fälle anhängig,

bei denen der japanische Elternteil

mindestens ein Kind in die Heimat

entführt hat. Weltweit sind es 108

Entführungen aus dem Ausland

nach Japan, bei denen bisher keine

Rückführung gelungen ist.

VonFrankfurtnach Nagoya

Wie wenig das Abkommen von der

japanischen Justiz umgesetzt wird,

zeigt sich an vielen Beispielen. Da ist

der Deutsch-Japaner Klaus Schmidt,

dessen japanische Ex-Frau die gemeinsame

Tochter 2015 von Frankfurt

nach Nagoya entführte.Vor Gericht

einigte sich Schmidt, der seinen

wahren Namen nicht nennen will,

weil er derzeit weiter prozessiert, auf

einen Vergleich. „Die Hoffnung war,

so zumindest einen geregelten Umgang

mit meiner Tochter zu sichern.“

Doch die gerichtlich vereinbarten

Treffen, für die Schmidt schon mehrmals

nach Japan gereist ist, werden

von der Mutter einfach abgesagt.

Schmidt hat seit drei Jahren kein Lebenszeichen

vonseiner Tochter.

Björn Echternach hat vor japanischen

Gerichten sogar schon in mehreren

Instanzen recht bekommen.

2018 beschloss das Tokioter Familiengericht

ein Strafgeld für die Mutter.Nachdem

weder gezahlt noch die

Kinder übergeben wurden, entschied