ME2BE CAMPUS 2019/01

me2be

SPECIAL

CAMPUS

STUDIUM IN SCHLESWIG-HOLSTEIN UND HAMBURG

WIR

BRAU

CHEN

EIN RA

DIKAL

ES

UM

DENKEN

www.me2be.de Heft 01 Frühjahr 2019


EDITORIAL

Umdenken!

„Fridays for Future“ macht Druck! Zur Europawahl

rufen Greta Thunberg, Mitorganisator Jakob Blasel

(auf dem Titel) sowie hunderttausende Jugendliche

in rund 120 Ländern erneut zu einem radikalen

Umdenken für mehr Klimaschutz auf. Allein in Berlin

und Hamburg versammeln sich über 25.000 junge

Menschen und protestieren lautstark gegen die „Immerso-weiter-Politik“

der Regierung. Wir haben sie bei

ihren Protesten begleitet, in Aktion fotografiert, mit

Jakob über Zukunftsängste gesprochen und erklären

darüber hinaus, was es mit der unterstützenden

Bewegung „Scientists for Future“ auf sich hat.

Wenn wir radikal umdenken, können wir dann noch

ruhigen Gewissens drei bis vier Jahre lang studieren? Ja,

denn aus der Wissenschaft kommen viele Erkenntnisse,

mit denen wir Zukunft gestalten können! Wir prüfen,

wie zukunftsorientiert die Hochschulen in SH und HH

aufgestellt sind, am Beispiel der Hochschule Flensburg

mit ihrem FabLab „Ideenreich“, der Europa-Universität

Flensburg mit ihren innovativen Lehramtsangeboten,

der Technischen Hochschule Lübeck mit dem

nachhaltigen Studienprojekt „Solar Decathlon“ oder

der Medical School Hamburg mit ihren gesundheitsund

humanwissenschaftlichen Studienfächern.

Lebendig, elektrisierend, konstruktiv,

crossmedial, engagiert und effektiv –

das ist die Fachhochschule Kiel.

Sie bietet 37 Studiengänge an den sechs

Fachbereichen:

Agrarwirtschaft

Informatik und Elektrotechnik

Maschinenwesen

Medien und Institut für Bauwesen

Soziale Arbeit und Gesundheit

Wirtschaft

Dass duale Studiengänge boomen, hat uns dazu

bewogen, noch einmal genau zu erklären, was dahinter

steckt. Dafür gucken wir Lisa und Torge in ihrem

Bauingenieurstudium bei der GMSH über die Schulter. Und

was auf keinen Fall in dieser Ausgabe fehlen darf … ist

der Blick auf das fünfzigjährige Jubiläum der staatlichen

Fachhochschulen. „FH 50“ – wir widmen uns intensiv

diesem Hochschulmodell und gratulieren den drei ersten

FHs in Deutschland in Lübeck, Kiel und Flensburg!

Und warum das alles?

Weil wir uns für eure Perspektiven interessieren!

Eure ME2BEs

www.me2be.de

www.fh-kiel.de

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06 NACHGEFRAGT

Studentin Lina Kerzmann befragt

Bildungsministerin Karin Prien

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WILLKOMMEN AUF

DEM CAMPUS

STUDIS ON AIR

Warum Studieren im Norden glücklich macht

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TITELGESCHICHTE

50 JAHRE FACHHOCHSCHULEN

„FACHHOCHSCHULEN MACHEN

DEN UNTERSCHIED!“

Bundesministerin für Bildung und Forschung

Anja Karliczek über „50 Jahre Fachhochschulen“

FH 50

Eine Hochschulform feiert Jubiläum

„WISSENSCHAFT LEBT

VON BEGEGNUNG!“

Dr. Muriel Kim Helbig, Präsidentin der

Technischen Hochschule Lübeck im Gespräch

mit CAMPUS-Redakteur Chris

„KILOWATTSTUNDE X EURO +

MENSCHEN!“

Nachhaltiges Studieren an der TH Lübeck am Beispiel

des Studienprojekts ‚Solar Decathlon’

DIE „EARLY-BIRD-PHASE“ AN DER

HOCHSCHULE FLENSBURG

Die Hochschule Flensburg bereitet Studieninteressierte

und Studierende intensiv auf das Hochschulstudium vor

NICHT NUR ‚RICHTIG’ ODER ‚

FALSCH’!

Die wissenschaftliche Mitarbeiterin Franka Heers

präsentiert das FabLab ‚Ideenreich‘ der Hochschule

Flensburg als außerschulischen Lernort

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„WOFÜR SCHLÄGT DEIN HERZ?“

Ein Gespräch mit Studienberater Marc Laatzke über

Planung, Motivation und Beratung vor und während

des Studiums

SCHÖNE AUSSICHTEN AN

DER HAW HAMBURG!

Im Gespräch mit Professor Micha Teuscher, Präsident der

Hochschule für angewandte Wissenschaften Hamburg

PLATZ ZUM LERNEN, RAUM

ZUM WACHSEN

Studieren an der MSH Medical School Hamburg

UNIVERSITÄTEN

DIE LEHRAMTSAUSBILDUNG

OHNE ÜBERZEUGUNG? OHNE ZUKUNFT!

Wann ein Studium ‚auf Lehramt‘ zum Traumjob führen

kann

AUF INS LEHRAMT ... AN DER EUF!

Über die Lehramtsausbildung an der Europa-

Universität Flensburg

„MATHEMATIK KANN SCHÖN SEIN!“

Was Prof. Dr. Hinrich Lorenzen seinen Studierenden

mit auf den Weg gibt

DUALES STUDIUM

LERNEN + ARBEITEN

UNI ODER JOB? WARUM NICHT BEIDES!

Trend duales Studium – nie war praxisnahes Studieren

so beliebt!

„STUDIEREN IM GLEICHGEWICHT“

BEI DER GMSH

Erster Praxisblock für Studierende des industriebegleitenden

Studiengangs ‚Bauingenieurwesen‘ bei der GMSH

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GESTALTEN

KREATIVE STUDIENGÄNGE

„WEISS IST UNERGRÜNDLICH!“

Interview mit der Künstlerin Franziska Ostermann

STUDENTEN-

PORTRAITS

BWL (B.A.)

SYSTEMTECHNIK (M.ENG.)

Hochschule Flensburg

BWL (B.A.)

FABLAB

Hochschule Flensburg

DUALES STUDIUM

BAUINGENIEURWESEN (B.ENG.)

Hochschule Flensburg / GMSH

BILDUNGSWISSENSCHAFTEN (B.A.)

EUF

PSYCHOLOGIE (B.SC.)

SOZIALE ARBEIT (B.A.)

MSH Medical School Hamburg

ARCHITEKTUR (B.A.)

TH Lübeck

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ERLEBEN

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Zusammen ist man weniger allein

RAUS AUS DEM CAMPUS!

TIPPS UND TRENDS

„ICH VERSPÜRE PANIK,

WENN ICH AN DIE ZUKUNFT DENKE!“

Im Gespräch mit Jakob Blasel

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FOTOSTORY

Die Jugend macht ernst – und alle machen mit

AKADEMISCHER AUFSTAND

Fridays for Future erhält Unterstützung aus der

Forschung

GESUCHT: GESELLSCHAFT

MIT SINN FÜRS KLIMA

Klimaforscher Prof. Mojib Latif fordert eine

„breite Bewegung“ gegen den Klimawandel

THE NØRD TIMES

DESIGN TRÄGT EINE VERANTWORTUNG

Im Gespräch mit Jesta Brouns, Schulleiterin der

Hamburger Design Factory International

HAUPTSACHE MUCKE!

Interview mit dem Kieler Musiker, Labelchef und

Produzenten Claudius Carstens

MIT WAGEMUT UND WIMPERNSCHLAG

Interview mit Helena Derheim, Gründerin der Firma

„WunschWimper“ in Kiel

EDITORIAL

IMPRESSUM

AUSBILDUNG ODER STUDIUM

Welcher Typ bist du?

STUDIENGÄNGE IM FOKUS

Mehr CAMPUS gibt es auf www.me2be.de

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Nach-

Text Joachim Welding

Fotos Frank Peter,

Lutz Timm

ge-

fragt

Frau Ministerin, eine private Frage zu Beginn:

Was und wie haben Sie studiert –

ganz klassisch, dual oder digital?

Jura – eher klassisch mit interdisziplinären

Ausflügen in andere Fächer und mit einem

internationalen Schwerpunkt in einem Studiengang,

der Jura, Politik und Ökonomie

verbunden hat.

Worin bestehen Ihrer Ansicht nach die bildungspolitischen

Herausforderungen, und

welche Zukunftsaussichten haben angehende

Lehrerinnen und Lehrer?

Qualifizierte Lehrkräfte werden in ganz

Deutschland – auch in Schleswig-Holstein

– gesucht. Die Zukunftsaussichten sind also

sehr gut, ganz besonders übrigens, wenn

junge Menschen MINT-Fächer, Musik, Kunst

oder andere Mangelfächer studiert haben.

Und wenn sie nicht allein im Umkreis der

großen Städte arbeiten wollen, sind die

Chancen erst recht gut. Geboten wird jungen

Lehrkräften das Beamtenverhältnis, wenn sie

es wollen, und eine anständige Bezahlung.

Gerade erst hat Schleswig-Holstein beschlossen,

als erstes Flächenland mit der Anhebung

der Einkommen von Grundschullehrkräften

von A12 auf A13 zu beginnen.

Der Lehrerberuf verdient höchste Wertschätzung

in unserer Gesellschaft, das erkennen

immer mehr Menschen an. Der Beruf ist zwar

fordernd, aber auch sehr befriedigend. Neue

Herausforderungen an Lehrkräfte sind – wie

für uns alle − die zunehmende Digitalisierung

der Gesellschaft und die pädagogisch sinnvolle

Nutzung der neuen Möglichkeiten.

Denken Sie, dass Fernstudiengänge – speziell

online – in Zukunft wichtiger werden?

Ob wirklich Fernstudiengänge die Zukunft

sind, möchte ich bezweifeln. Sicher ist, dass

Webinare und netzgestütztes Studieren eine

immer größere Rolle spielen werden. Das

gilt übrigens auch für unsere Fortbildungen,

die das Institut für Qualitätsentwicklung an

Schulen (IQSH) für Lehrkräfte anbietet. Im

Übrigen werden in der Fort- und Weiterbildung

verbesserte Angebote an Bedeutung

zunehmen.

Was bedeutet der digitale Wandel für die

Hochschulen?

Die Digitalisierung durchdringt alle Gesellschaftsbereiche,

steuert Organisationen und

Maschinen, steckt in nahezu allen technischen

Produkten und beeinflusst unsere

Denkstrukturen. Künstliche Intelligenz als

Schlüsseltechnologie bietet großes Potential,

birgt aber auch Risiken. Der ethischen, sozialen

und rechtlichen Dimension müssen wir

verstärkt Rechnung tragen. In der Zukunft

werden deutlich mehr Fachkräfte für diese

Forschungsgebiete benötigt, um den Herausforderungen

zu begegnen.

Die Hochschulen müssen sich daher so aufstellen,

dass sie nicht nur den dynamischen

Entwicklungen gewachsen sind, sondern sie

auch möglichst aktiv mitgestalten. In Schleswig-Holstein,

da bin ich mir sicher, erfüllen

In der ME2BE-Reihe „Nachgefragt“ können Schülerinnen und Schüler, Azubis

und Studierende verantwortliche Politikerinnen und Politiker aus Schleswig-

Holstein und Hamburg direkt befragen. Lina Kerzmann (30) studiert

Medienwissenschaften und Germanistik an der Christian-Albrechts-Universität

zu Kiel. Ihre Fragen über den digitalen Wandel und die Zukunft der Hochschulen

richtet sie an die schleswig-holsteinische Bildungsministerin Karin Prien (CDU).

die Hochschulen ihre Rolle als Entwicklungslabor

und Motor der Digitalisierung im Land.

Welche Herausforderungen kommen auf

die Unis und Fachhochschulen zu? Wie

sind diese zu bewältigen?

Die Zeiten stetig steigender Studierendenzahlen

neigen sich dem Ende zu, der Fokus

dürfte in den kommenden Jahren mehr auf

Qualität als auf dem Ausbau der Kapazitäten

liegen. Hochschulen – und das gilt

unabhängig von ihrem Typus – müssen sich

auf eine immer differenziertere Studentenschaft

einstellen. Das betrifft sowohl die

Art der Hochschulzugangsberechtigung (Abitur,

Fachhochschulreife, berufliche und sonstige

Hochschulzugangsmöglichkeiten) als

auch das unterschiedliche Studierverhalten

(Teilzeit, berufsbegleitend und ähnliches).

Neben Forschung und Lehre als klassische

Hochschulaufgaben gewinnt der Wissensund

Technologietransfer zwischen Hochschulen

und Unternehmen eine immer größere

Bedeutung.

Aufgrund des Fachkräftemangels gibt es

veränderte Anforderungen der Wirtschaft,

was Quantität und Qualität der Absolventen

betrifft. Unsere Hochschulen müssen also

in mehrfacher Hinsicht einen Spagat bewältigen:

Sie müssen die Lehrqualität verbessern.

Zugleich müssen sie die Abbruchquoten

verringern.

Wenn Sie heute einen Tag lang studieren

dürften, was sie wollen: Welches Fach wäre

das?

Ich würde gern mehr als einen Tag studieren

können − vielleicht kommt das wieder...

Für einen Tag würde ich im Exzellenzcluster

„Roots“ der CAU lernen wollen.

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Text Christian Dorbandt

Foto Sebastian Weimar

STUDIS ON AIR

Warum Studieren im Norden glücklich macht

Muhialdeen, 23

aus Damaskus,

studiert im 2. Semester

Medieninformatik (B.Sc.) an

der Hochschule Flensburg.

„Ich stamme aus Damaskus und habe in Syrien Wirtschaft studiert,

bevor ich 2016 aus meiner Heimat geflüchtet bin. Nach einigen

Sprachkursen und Vorkursen verfüge ich jetzt über gute Deutschkenntnisse

und befinde mich im zweiten Semester des Studiengangs

Medieninformatik. Geholfen haben mir die Vorkurse und Tutoren. Von

ihnen habe ich zu Beginn wertvolle Tipps erhalten. Mittlerweile stehe

ich anderen Studienanfängern selbst als Tutor zur Seite!

Natürlich gibt es große Unterschiede zwischen meiner ehemaligen

syrischen Hochschule und der Hochschule Flensburg. In Syrien war

die Anzahl Studierender wesentlich höher und der Zugang zu Literatur

schwierig. Hier funktionieren bereits viele Abläufe elektronisch. In

Syrien gab es keine Online-Kommunikation für die Anmeldung zu

Veranstaltungen. Wenn ich an einem Seminar teilnehmen wollte,

brauchte ich nur hinzugehen und mir einen Platz suchen. Auf der

anderen Seite fielen keine Studiengebühren an, und es gab auch kein

Semesterticket. Wie man zur Hochschule kam, war jedem selbst überlassen.

An der Hochschule Flensburg gefallen mir mehrere Dinge: Ob

Gaming, Video oder Audio – für alle Themenbereiche steht sehr gutes

Equipment zur Verfügung, und es gibt spannende Veranstaltungen

über Kreativitätstechniken, Grundlagen der Gestaltung oder digitales

Zeichnen. Da ich mich für Musik interessiere und in meiner Freizeit

Gitarre spiele, finde ich es gut, dass wir sowohl über ein Soundlabor

als auch über einen Probenraum verfügen! Als angenehm empfinde

ich auch die Atmosphäre und die Freizeitangebote. Die Professoren

und Dozenten sind immer freundlich und ansprechbar. Und um hin

und wieder abschalten zu können, gibt es regelmäßig interessante

Veranstaltungen wie das Campus-Kino oder das Pub-Quiz. Und natürlich

das Essen in der Mensa … das ist wirklich hervorragend!

Wenn ich in die Zukunft schaue, kann ich mir vorstellen, nach dem

Studium im Bereich Webentwicklung zu arbeiten. Eine eigene Firma

zu gründen, wäre auch reizvoll, aber dazu müsste ich mich noch

intensiv mit deutscher Rechtsprechung auseinandersetzen.“

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CAMPUS STUDIUM COMPANIES PORTRAITS

Text Christian Dorbandt

Foto Sebastian Weimar

Annika

25 Jahre, aus Glinde,

studiert im 7. Semester

Architektur (B.A.)

an der Technischen

Hochschule Lübeck.

„Hallo, ich bin Annika und studiere Architektur an der TH Lübeck.

Mein Abitur habe ich am Gymnasium Glinde gemacht. Anschließend

war ich für neun Monate in Australien und habe mich dann für das

Studium in Lübeck entschieden, weil ich praxisnah lernen wollte.

Voraussetzung für dieses Studium ist ein achtwöchiges Vorpraktikum

im Baugewerbe, das ich im Bereich Stahlbetonbau auf einer Baustelle

absolviert habe. Eine wichtige Erfahrung, die mich in meinem Wunsch

bestärkt hat, Architektin zu werden!

Was mir am Studium an der TH gefällt, ist das vielseitige Angebot von

Wahlpflichtmodulen. Vom Entwurf bis zur Ausführungsplanung – ich

habe die Möglichkeit, mich langsam zu spezialisieren, ohne mich

frühzeitig festlegen zu müssen. Wir studieren mit ständigem Bezug

zur Praxis und üben, das erlernte Wissen anzuwenden. Übungen und

Projekte werden sowohl im Rahmen einer Veranstaltung als auch

semesterübergreifend angeboten und mit Credit Points versehen.

Für das Projekt ‚Solar Decathlon’, an dem ich mich seit einem Jahr

beteilige, fliege ich jetzt zum vierten Mal nach Marokko, um unsere

Teilnahme an dem gleichnamigen Energie-Wettbewerb vorzubereiten.

Ziel des Projekts im September ist es, gemeinsam mit Studierenden

der Universität Rabat sowie aus dem Senegal ein Haus zu planen

und zu bauen, das seinen Energiebedarf nur über selbst produzierten

Solarstrom deckt. Bereits im Dezember 2017 habe ich an einer

Marokko- Studienreise mit Professor Lippe teilgenommen und Gefallen

an Land und Leuten gefunden. Die Begegnung mit den internationalen

Studierenden ist nicht nur menschlich interessant, sondern

auch lehrreich. Wir erhalten einen intensiven Einblick in die Kultur

und tauschen uns täglich in Arbeitsgruppen aus. Inhaltlich stellen

wir zum Teil große Unterschiede fest, was die Zusammenarbeit vor

manche Probleme stellt. Wir tendieren beispielsweise zu einer traditionellen

und nachhaltigen Bauweise, die Lehm als regionalen Baustoff

vorsieht, während die Marokkaner eher über moderne Konstruktionen

und Baustoffe nachdenken. Ich bin gespannt, wie sich das Projekt

weiter entwickelt.

Zurzeit befinde ich mich kurz vor Abschluss des Bachelorstudiums.

Eventuell werde ich anschließend noch das Masterstudium an der TH

Lübeck absolvieren. In welchem Bereich ich später als Architektin

arbeiten möchte, habe ich noch nicht endgültig entschieden. Momentan

tendiere ich zu einer Tätigkeit als Bauleiterin.“

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Text Christian Dorbandt

Foto Sebastian Weimar

Torge, 22

aus Kronshagen, absolviert

im 2. Semester das duale

Studium Bauingenieurwesen

(B.Eng.) bei der GMSH.

„Das industriebegleitende Studium ‚Bauingenieurwesen’ an der FH

Kiel ist ein duales Studium, das heißt: Neben dem Bachelorstudium

an der FH Kiel bin ich fest bei einem Kooperationspartner angestellt,

in meinem Fall bei der GMSH. Daraus ergeben sich viele Vorteile: Ich

erhalte von Beginn an eine Vergütung und muss mein Studium nicht

über Nebenjobs finanzieren. Außerdem erhalte ich jährlich in zwei

mehrwöchigen Praxisblöcken bei der GMSH wertvolle Einblicke in die

Arbeit von Bauingenieuren. Kleiner Nachteil: Wenn sich die anderen

Studierenden in die vorlesungsfreie Zeit verabschieden, kehre ich zu

meinem Arbeitgeber GMSH zurück. Immerhin stehen mir während des

Studiums auch zwanzig Urlaubstage pro Jahr zu.

Was ich jetzt schon merke: Der hohe Praxisbezug wird sich positiv

auf meine Qualifikation auswirken! Ich habe jetzt vier Wochen lang

Tiefbauarbeiten in der Fachgruppe „Baudurchführung“ im Landesbau

begleitet und dadurch sehr viel gelernt. Ein Beispiel: An einer unserer

Liegenschaften konnte ich in Begleitung eines erfahrenen Ingenieurs

miterleben, wie die Inspektion von Wasserrohrleitungen professionell

durchgeführt wird. Durch die Leitungen werden spezielle Kameras

geführt, um beispielsweise Verstopfungen oder Wurzeleinwüchse zu

entdecken. Auf einem Monitor konnte ich die Kontrollbilder live verfolgen

und anschließend anhand technischer Zeichnungen Vorschläge

für Sanierungsmaßnahmen formulieren. Es war die perfekte Übung,

um später eigenständig beurteilen zu können, welche Sanierungsarbeiten

durchgeführt werden müssen, welches Material dafür

beschafft werden muss und wie Bauzeit und Kosten einzuschätzen

sind. Als angehender Bauingenieur geht es darum, dass ich die unterschiedlichsten

bautechnischen Prozesse richtig einschätzen kann. Für

die Planung ist das theoretische Fachwissen sehr wichtig, aber auf

der Baustelle helfen dir vor allem praktische Erfahrungen!“

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CAMPUS STUDIUM COMPANIES PORTRAITS

Text Christian Dorbandt

Fotos Sebastian Weimar

Lydia, 20

aus Dennin, studiert

im 2. Semester

Bildungswissenschaften

(B.A.) in den

Teilstudiengängen Kunst

und Sonderpädagogik

an der EUF.

„Hallo, ich heiße Lydia und komme aus einem kunsthandwerklich und

künstlerisch geprägten Familienumfeld. Für mich stand schon früh

fest, dass ich nach der Schule entweder eine handwerkliche Ausbildung

oder ein Studium absolvieren möchte. Entschieden habe ich

mich für ein Lehramtsstudium an der EUF in den Teilstudiengängen

Kunst und Sonderpädagogik.

An meinen Kunstunterricht in der Schule habe ich keine guten Erinnerungen.

Die meiste Zeit haben wir uns mit Kunstgeschichte beschäftigt

und sprachen über Kunstepochen, ohne einen interessanten

Zugang zu erhalten. Aber wie soll ich ein Gefühl für eine Epoche entwickeln,

wenn ich ohne praktischen Bezug nur Stichworte vermittelt

bekomme? Im Kunststudium dagegen vertiefen wir uns in Kunstepochen,

setzen uns auf verschiedenen Ebenen mit ihnen ausein ander

und lernen, sie in einen gesellschaftlichen Kontext einzuordnen.

Auch der kunstpraktische Unterricht gefällt mir. An der EUF habe ich

sowohl die Möglichkeit, an klassischen Zeichenkursen teilzunehmen

als auch viel über Drucktechnik, Fotografie und Holzkunsthandwerk zu

erfahren. Als Kunststudierende genieße ich an der EUF einen großen

Freiraum! Wir verfügen über großzügige Werkstatträume und viel

Material, sodass wir sehr gut üben und arbeiten können. Womit ich

mich anfangs zurechtfinden musste, ist der hohe Grad an Selbstdisziplin,

den man im Studium braucht. Nicht alles wird einem hier vorgekaut,

sondern man muss selbst aktiv werden! Darauf wird man in der

allgemeinbildenden Schule nicht gut vorbereitet, und es fällt auch

nicht allen Studierenden leicht. Wo ich nach Abschluss des Studiums

arbeiten möchte, kann ich noch nicht genau sagen. Ich könnte mir

vorstellen, anschließend eine Weiterbildung zur Malortbetreuerin bei

Arno Stern zu machen, die in den Bereich Kunsttherapie führt.

Aus meiner Sicht ist die EUF ein guter Ort zum Studieren. Sowohl

die Universität als auch die Stadt Flensburg sind übersichtlicher als

Berlin, Hamburg oder Leipzig. Alles wirkt familiär und trotzdem versprüht

der Campus den Flair einer internationalen Universität. Überall

kann man sich mit Studierenden aus unterschiedlichen Studiengängen

austauschen und dadurch, dass die EUF noch sehr jung ist, scheint

sie in ihren Abläufen noch nicht so festgefahren zu sein. Mein Tipp:

Wer studieren möchte, muss Selbstdisziplin mitbringen und sollte sich

vorher gut überlegen, wie man das Studium finanziert.“

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50 JAHRE

FACHHOCHSCHULEN

Bundesministerin für Bildung und

Forschung Anja Karliczek über „50 Jahre

Fachhochschulen“ .... Seite 17

Das deutsche Fachhochschulwesen wird

50 Jahre alt und strotzt nur so vor

Selbstbewusstsein! .... Seite 18

Warum sollten sich Studieninteressierte für

die TH Lübeck entscheiden, Dr. Muriel Kim

Helbig? .... Seite 26

Nachhaltigkeit

steht im Fokus des

Architekturwettbewerbs

Solar Decathlon Africa

2019. .... Seite 28


Fachhochschulen

„Fachhochschulen machen

den Unterschied!“

Bundesministerin für Bildung und Forschung Anja

Karliczek über „50 Jahre Fachhochschulen“

machen den Unterschied! Ihre Bandbreite ist enorm: Von kleinen Einrichtungen mit wenigen

hundert bis zu Hochschulen mit 20.000 Studierenden. Von forschungsstarken, international kooperierenden

bis zu primär auf die Fachkräfteausbildung ausgerichteten Fachhochschulen, von Gesundheitsberufen bis

zur „Rocket Science“. Die mehr als 240 Fachhochschulen in Deutschland haben das eine gemeinsam: Sie sind

für ihre Region und die deutsche Hochschullandschaft insgesamt unverzichtbar. Das wissen auch die mehr

als eine Million Studierenden an den Fachhochschulen zu schätzen, die ca. ein Drittel aller Studierenden in

Deutschland ausmachen. Ein Fachhochschulstudium eröffnet gute Lebens- und Karriereperspektiven.

Gute Vorbereitung ist alles, auch im

Studium. Der „Studi-Startcheck“ an der

Hochschule Flensburg .... Seite 32

Franka Heers präsentiert das FabLab

„Ideenreich“ der Hochschule Flensburg als

außerschulischen Lernort .... Seite 36

„Wir beantworten jede Frage, man muss

sie uns nur stellen!“. Im Gespräch mit

Studienberater Marc Laatzke .... Seite 38

Die ersten Fachhochschulen in Deutschland wurden vor 50 Jahren gegründet. Ihre Wiege steht in Schleswig-

Holstein: In Kiel, Flensburg und Lübeck wurden 1969 die ersten Fachhochschulen ins Leben gerufen. Seitdem

haben die Hochschulen eine rasante Entwicklung erlebt. Anfangs waren sie allein auf wissensbasierte Ausbildung

fokussiert, später hat sich nach und nach ihr Forschungsauftrag herauskristallisiert. Durch die Praxiserfahrung

ihrer Professorinnen und Professoren und durch die praxisorientierte Qualifizierung ihrer Studierenden – z. B. über

duale Studiengänge, die eine berufliche Ausbildung mit einem Studium verbinden – sind Fachhochschulen besonders

eng mit der lokalen Wirtschaft und gesellschaftlichen Akteuren ihrer Region vernetzt. Schleswig-Holstein ist ein

hervorragendes Beispiel dafür. Und ohne ihre praxisnahe, am unternehmerischen und gesellschaftlichen Bedarf

orientierte Ausbildung von Fachkräften könnte Deutschland gar nicht erst die Wirtschaftskraft entfalten, die es hat.

Sie orientieren sich in ihrem Studienangebot wie in ihrer Forschung regelmäßig an konkreten Herausforderungen

und Fragestellungen. Sie bauen eine unverzichtbare Brücke zwischen Wissenschaft, Gesellschaft und Wirtschaft.

Ihre Ausrichtung, ihr oftmals starker Bezug zu unserem Alltag, charakterisiert maßgeblich ihr Leistungsspektrum.

Die HAW vermittelt Wissen, um die

Herausforderungen der Zukunft zu

bewältigen .... Seite 42

NC-freies

Studium an

der MSH in

Hamburg

.... Seite 44

Deshalb stärken wir als Bundesministerium für Bildung und Forschung die Fachhochschulen. Schon heute


wird diese Unterstützung deutlich spürbar – in der Forschungsförderung und bei der Personalentwicklung,

bei Transfer, also wie wir die Forschungsergebnisse schneller in unser alltägliches Leben bringen, oder in der

Internationalisierung. Das vielseitige Potenzial ist noch lange nicht ausgeschöpft. Das werden wir auch bei

der Jubiläumsveranstaltung zu ‚50 Jahre Fachhochschulen‘ am 13. Juni 2019 in Lübeck erleben. Es soll der

Auftakt für eine weiterhin erfolgreiche Entwicklung sein. Die vergangenen 50 Jahre waren erst der Anfang.

Text Bundesministerium für

Bildung und Forschung

Foto BMBF/Laurence Chaperon

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TITELGESCHICHTE

Text Christian Dorbandt

Fotos Sebastian Weimar, Sönke

Dwenger, Frieder Dillmann

50

FH 50

Eine Hochschulform feiert Jubiläum

Das deutsche Fachhochschulwesen wird 50 Jahre alt und strotzt nur so

vor Selbstbewusstsein! Der Grund liegt auf der Hand: In den vergangenen

20 Jahren konnten viele Fachhochschulen ihre Studierendenzahlen

verdoppeln! Den Anfang machten 1969 die drei schleswig-holsteinischen

„FHs“ in Lübeck, Kiel und Flensburg. Heute gibt es bundesweit

216 Fachhochschulen … mit rund 1 Million Studierender. Grund

genug, die Sektkorken knallen zu lassen und Bilanz zu ziehen.

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Im Schiffsführungssimulator in Flensburg

führt Claas ein Containerschiff durch den

Atlantik; im Kieler Robotik-Raum bestückt

Lasse eine Platine mit Dioden, um sie später

im Soundlabor zu testen; im Lübecker

Umwelt-Labor erforscht Kaína hygiene- und

umweltverfahrenstechnische Lösungen. Drei

Beispiele aus dem Alltag von FH-Studierenden

in Flensburg, Kiel und Lübeck. „Es ist das

praxisorientierte Studieren in überschaubaren

Gruppen, das mir an meinem Fachhochschulstudium

gut gefällt“, sagt Malte aus Kiel, Studierender

der Angewandten Informatik. „Ich

möchte nicht täglich in überfüllten Hörsälen

sitzen und mir das Wissen anschließend vorwiegend

aus Büchern erarbeiten. Ich schätze

es, mit anderen Studierenden im Team an Projekten

praktisch zu arbeiten und in gut ausgestatteten

Laboren zu üben. Dazu kann ich

jederzeit meinen Professor ansprechen, der

über eine langjährige berufliche Erfahrung in

jener Branche verfügt, in der ich später arbeiten

möchte!“

FH-Studiengänge liegen im Trend. Nicht

Hörsäle, Formeln oder Fußnoten begeistern

FH-Studierende, sondern angewandte Wissenschaften

in FabLabs, Teams und Fallstudienprojekten.

Etwas weniger Theorie, deutlich

mehr Praxis – für viele Studieninteressierte

der Generationen Y und Z ein attraktives

Hochschulpaket.

Warum gibt es

Fachhochschulen?

desländer in der Kultusministerkonferenz das

„Abkommen der Länder in der Bundesrepublik

Deutschland zur Vereinheitlichung auf dem

Gebiet des Fachhochschulwesens“. In Artikel

1 heißt es:

„Die Fachhochschulen sind eigenständige

Einrichtungen des Bildungswesens im Hochschulbereich,

die in mindestens einer der

durch Vereinbarung der Ständigen Konferenz

der Kultusminister anerkannten Fachrichtung

ausbilden. Sie vermitteln eine auf

wissenschaftlicher Grundlage beruhende

Bildung, die zur staatlichen Abschlußprüfung

führt und zu selbständiger Tätigkeit

im Beruf befähigt.“

10 Gründe für den FH-Boom

Gründe für den derzeitigen Boom an deutschen

Fachhochschulen gibt es viele. Hier

zehn Beispiele: 1.) Das potenzielle Klientel

hat sich mehr als verdoppelt. Heute absolvieren

etwa 50 Prozent eines Jahrganges die

Hochschulreife, in den 1970er Jahren waren

es nur rund 20 Prozent. 2.) Der „Bologna-Prozess“

(seit 1999) führte zu einer europaweiten

Vereinheitlichung von Studiengängen

und somit zu gleichwertigen Bachelor- und

Masterabschlüssen an FHs und Universitäten.

3.) Einstiegsgehälter von Universitätsabsolventen

liegen nicht mehr deutlich über denen

von FH-Absolventen. 4.) Der Bachelorgrad

qualifiziert bereits nach 6 bis 8 Semestern

zum Berufseinstieg in vielen Branchen. 5.)

Die gleichwertige Kombination aus Theorie

und Praxis entspricht dem Lebensgefühl der

jüngeren Generation, die Abwechslung sucht

und praktische Anwendung schätzt. 6.) Das

Studieren in überschaubaren Seminargruppen

in familiärer Campus-Atmosphäre wird unter

Studieninteressierten der anonym wirkenden

Hörsaal-Atmosphäre mit hoher Vorlesungsfrequenz

vorgezogen. 7.) Kleinere Studierendenzahlen

ermöglichen eine intensivere

Betreuung durch die Dozenten. 8.) Die höhere

Dichte von Fachhochschulen begünstigt die

Entscheidung vieler Schulabgänger, in der

heimatlichen Region zu studieren. 9.) Professorinnen

und Professoren an Fachhochschulen

legen einen Schwerpunkt auf die Lehre und

gelten aufgrund ihrer mehrjährigen beruflichen

Tätigkeit in der Wirtschaft als Experten

für Wissenstransfer. 10.) FH-Studierenden bieten

sich in Praxissemestern und Fallstudienprojekten

die frühzeitige Möglichkeit, öffentliche

und private Arbeitgeber kennenzulernen

und berufliche Netzwerke aufzubauen.

Fachhochschule (FH)

Die Fachhochschule (FH) ist eine auf wissenschaftlicher

Grundlage basierende Hochschulform, die eine

anwendungsorientierte Lehre und Forschung betreibt. Das

Studienangebot erstreckt sich über ingenieur-, natur-, sozial-,

wirtschafts-, gesundheits- und rechtswissenschaftliche

sowie technische und gestalterische Studiengänge und

wird mit einem akademischen Grad abgeschlossen.

Über die Hochschule Flensburg zum Kapitänspatent … im

Studium Seeverkehr, Nautik und Logistik.

Die „staatliche Fachhochschule“ ist ein Kind

der 1960er Jahre und war unter anderem eine

Antwort auf die Forderung der Wirtschaft, die

Grundlagen für eine verbesserte Qualifikation

von Fachkräften zu schaffen. Im Kern bemängelten

private und öffentliche Arbeitgeber,

dass Absolventen mit Universitätsabschluss

nach einer langen Studienzeit zusätzlich

lange Einarbeitungszeiten benötigten, da sie

kaum über praktische Erfahrungen verfügten.

Auch die Anerkennung von Abschlüssen,

zum Beispiel Diplome von Ingenieurschulabsolventen

innerhalb der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft

(EWG), war eine Streitfrage.

Am 31. Oktober 1968 beschlossen die

Ministerpräsidenten der westdeutschen Bun-

Eigenständig, wissenschaftlich fundiert, staatlich

anerkannt, berufsbildend – mit den FHs

revolutionierte der Gesetzgeber das bundesdeutsche

Hochschulwesen und schuf nach

rund 500 Jahren wissenschaftlicher Alleinherrschaft

eine zweite, von Universitäten

unabhängige Hochschulform. Bewusste Neuerung:

Nicht allein das Abitur qualifiziert für

ein FH-Studium, sondern auch die nachgewiesene

Fachhochschulreife nach Abschluss der

12. Klasse, das Fachabitur oder eine abgeschlossene

Berufsausbildung. Ziele: breiterer

Zugang zu akademischer Lehre und Forschung,

Abbau eines traditionellen Elitedenkens, kürzere

Studienzeiten, anwendungsorientierte

Wissenschaft zur Unterstützung der Fach- und

Das Wesen von Fachhochschulen liegt in der

Anwendung wissenschaftlicher Theorien … zum

Beispiel mit VR-Brillen und an Rechnern im

Studium Angewandte Informatik.

Führungskräfteausbildung. Einzige Fußfessel:

Das Promotionsrecht obliegt bis heute allein

den Universitäten. Noch, denn der Widerstand

der Fachhochschulen wird stärker, und

in vielen Fällen bieten Kooperationen mit

benachbarten Universitäten bereits heute ein

unbürokratischeres Promotionsverfahren für

FH-Absolventen.

20


„Geschichte der staatlichen

Fachhochschulen und ihrer

Vorgängerinnen in Hamburg

und Schleswig-Holstein“

Start des „Bologna-Prozesses“, Schaffung eines einheitlichen Europäischen

Hochschulraums, Einführung eines zweistufigen Systems berufsqualifizierender

Studienabschlüsse (Bachelorgrad nach einer Regelstudienzeit von 6 bis 8

Semestern und Mastergrad nach 2 bis 4 Semestern), die durchgängige Etablierung

des European Credit Transfer System (ECTS) mit dem Ziel einer fortlaufenden

Qualitätssicherung im Hochschulbereich.

1999

1750

1760

1770

1780

1790

1800

1810

1820

1830

1840

1850

1860

1870

1880

1767

Hochschule für bildende

Künste Hamburg

1808

Seefahrtschule Lübeck

Hochschule

für Musik

und

Theater

Hamburg

Staatliche

Ingenieurschule

Kiel

Gründung der

staatlichen Fachhochschule

Hamburg

Staatliche

Ingenieurschule

Flensburg

1965

Gründung der

Fachhochschule für

Verwaltung und

Dienstleistung

Altenholz

1975

Gründung der Muthesius

Kunsthochschule Kiel

2005

Norddeutsche

Akademie für

Finanzen und

Steuerrecht Hamburg

Umbenennung

in Technische

Hochschule

Lübeck

2018

1890

1900

1910

1920

1930

1940

1950

1960

1970

1980

1990

2000

2010

2020

1886

Königliche Seedampf-

Maschinistenschule Flensburg

1969

Gründung der staatlichen

Fachhochschule Lübeck für

Technik und Seefahrt

Gründung der staatlichen

Fachhochschule Flensburg

1973 1993

Umbenennung in

Fachhochschule Lübeck

Gründung der

Musikhochschule Lübeck

Gründung der staatlichen

Fachhochschule Westküste in

Heide

2001

Umbenennung in Hochschule

für Angewandte

Wissenschaften HAW Hamburg

2009

Meistertitel qualifiziert für

FH-Studium

2016

Umbenennung in

Hochschule Flensburg

2013

Akademie der Polizei in

Hamburg

Gründung der staatlichen

22

Fachhochschule Kiel

23


Flensburg, Kiel,

Lübeck – Pioniere

im Wandel der Zeit

An der TH Lübeck

zur interdisziplinär

denkenden Architektin

… im Studium

Architektur.

2019 beginnt die Phase der Jubiläen westdeutscher

Fachhochschulen. Die ersten Korken

knallen im Norden, denn den Anfang

machen die drei FH-Nordlichter in Flensburg,

Kiel und Lübeck, gefolgt von der Fachhochschule

Hamburg, die im Februar 1970 gegründet

wurde und folglich im Frühjahr 2020 ihren

Fünfzigsten feiern wird. Alle drei Gründungshochschulen

blicken jeweils auf eine bewegte

Geschichte zurück, haben eigenständig den

Sprung in die Moderne geschafft und blicken

gut aufgestellt in die Zukunft!

Die Technische Hochschule Lübeck

(TH Lübeck)

… damals: Die Technische Hochschule Lübeck

hat ihre Wurzeln in der Navigationsschule von

1808, der späteren Seefahrtschule Lübeck.

1961 wurde sie in die Staatliche Ingenieurschule

Lübeck überführt und begann 1962

ihren Lehrbetrieb für Maschinenbau, Elektrotechnik

und Physikalische Technik. 1969 wurden

diese Ingenieurschulen zur Staatlichen

Fachhochschule Lübeck für Technik und Seefahrt

zusammengelegt, die seitdem als erste

„Staatliche Fachhochschule“ der Moderne

gilt. Am 1. September 2018 wurde die Fachhochschule

Lübeck in Technische Hochschule

Lübeck umbenannt.

… heute: An der TH Lübeck sind rund 4.700

Studierende in 20 Bachelor- und 13 Masterstudiengängen

immatrikuliert. Das inhaltliche

Profil wird durch die Fachbereiche Angewandte

Naturwissenschaften, Bauwesen, Elektrotechnik

und Informatik sowie Maschinenbau und Wirtschaft

geprägt. Eine Besonderheit liegt in der

Nähe zur benachbarten Universität und zum

UKSH. Daraus resultiert auch ein hoher Grad

an interdisziplinären Veranstaltungen und

eine internationale Studienatmosphäre.

Die Hochschule Flensburg

(HS Flensburg)

… damals: Die Hochschule Flensburg wurde

1877 als Navigationsschule gegründet und

1886 als Königliche Seedampf-Maschinistenschule

benannt. 1969 erhielt sie den Status

einer Staatlichen Fachhochschule für Technik.

Bis 1975 stand die Ausbildung von Ingenieuren

in der Schiffsbetriebstechnik sowie von Nautikern

im Vordergrund. Das Maritime Zentrum

auf dem Flensburger Campus ist heute landesweit

die einzige Ausbildungsstätte dieser

Art. Nach der Erweiterung in den 1970er

Jahren wurden Elektrotechnik und Informatik

angeboten, später kamen weitere Fächer

hinzu. Am 1. Mai 2016 wurde die Fachhochschule

Flensburg in Hochschule Flensburg

umbenannt.

… heute: An der Hochschule Flensburg

studieren rund 4.000 Studierende in zehn

Bachelor- und zehn Masterstudiengängen.

Das inhaltliche Profil ist in fünf Fachbereichen

organisiert: Maschinenbau, Verfahrenstechnik

und Maritime Technologien, Energie und Biotechnologie,

Information und Kommunikation

sowie Wirtschaft. Eine Besonderheit: Moderne

Ausstattung und einzigartige Studiengänge

locken Studierende an die nördlichste Hochschule

Deutschlands. Der von Natur umgebene

Campus auf dem Flensburger Sandberg wird mit

der benachbarten Europa-Universität geteilt.

Die Fachhochschule Kiel (FH Kiel)

… damals: Die Fachhochschule Kiel wurde 1969

aus mehreren staatlichen Ingenieurschulen und

Fachschulen zusammengelegt und befindet sich

seit 1998 auf einem Campus im Kieler Stadtteil

An der FH Kiel zum

praxiserfahrenen IT-

Spezialisten … im Studium

Medieningenieur/in.

Neumühlen-Dietrichsdorf (mit Ausnahme der

Agrarwirtschaft mit Sitz in Osterrönfeld).

… heute: An der FH Kiel studieren rund 7.800

Studierende in 37 Bachelor- und Masterstudiengängen.

Das inhaltliche Profil ist in sechs

Fachbereiche gegliedert: Agrarwirtschaft,

Informatik und Elektrotechnik, Maschinenwesen,

Medien und Bauwesen, Soziale Arbeit und

Gesundheit, Wirtschaft. Besonderheiten der

FH Kiel: Als größte Fachhochschule und zweitgrößte

Hochschule des Landes Schleswig-

Holstein haben Studierende die Auswahl

aus einem breiten Studienangebot. Fremdsprachige

Fachveranstaltungen sowie ein

Studierendenaustausch mit über 100 Hochschulen

in mehr als 40 Ländern verleihen

der FH Kiel eine ausgeprägte Internationalität

und eine hohe Verzahnung mit der

regionalen Wirtschaft.

FH, TH, HS oder HAW?

Die Geschichte vieler Fachhochschulen ist

interessant und facettenreich. Von den Gründungen

königlicher und kaiserlicher Marineund

Maschinistenschulen über die Ingenieur-,

Kunst- und Gewerbeschulen bis hin zu staatlichen

Fachhochschulen erstreckt sich ein

Zeitraum von über 200 Jahren. Trotz gestiegener

Anerkennung und Aufwertung der Studienabschlüsse

versuchen Fachhochschulen

bis heute das Etikett der 1970er Jahre abzuschütteln,

FHs seien „nur“ technische Berufsakademien

und böten Absolventen schlechtere

Perspektiven auf dem Arbeitsmarkt. Das

Gegenteil ist der Fall!

Die anfangs mehrheitlich ingenieurwissenschaftlichen

Studiengänge sind einer Vielzahl

von Studienangeboten gewichen, die für alle

Zukunftsbranchen qualifizieren: Biomedizintechnik,

Applied Bio and Food Sciences, eHealth,

Offshore-Anlagentechnik, Multimedia

Productions, Regulatory Affairs … sind nur

einige Beispiele aus dem üppigen Angebot

der drei Gründungsfachhochschulen.

Ist vor diesem Hintergrund der Name "Fachhochschule"

noch zeitgemäß? Deutsche Fachhochschulen

bezeichnen sich heutzutage

lieber als „Hochschule für Angewandte Wissenschaften“

bzw. als „University of Applied

Sciences“ und möchten sich damit ein moderneres

Image geben. Selbst das offizielle

Jubiläumsmotto lautet „50 Jahre HAW“ und

akzeptiert den darin verborgenen Anachronismus.

Die erste formelle Umbenennung im

Norden wurde aus Hamburg gemeldet. Aus der

FH Hamburg wurde 2001 die Hochschule für

Angewandte Wissenschaften HAW Hamburg.

Die Flensburger zogen 15 Jahre später nach,

strichen das „Fach“ aus dem Namen und heißen

seit 2016 „Hochschule Flensburg“. Jüngstes

Mitglied im neuen Namensgewand ist die

älteste FH Deutschlands. Aus der FH Lübeck

wurde 2018 die Technische Hochschule TH

Lübeck. Nur die FH Kiel steht noch zu ihrem

50-jährigen Namen und verschafft sich damit

eventuell bald ein weiteres Alleinstellungsmerkmal.

Traditionen sind wichtig, aber Fachhochschulen

denken anwendungsorientiert.

Das liegt in ihrer DNA. Egal wie sie heißen.

Herzlichen Glückwunsch. Auf die nächsten

Fünfzig!

24

25


Text Christian Dorbandt

Foto Sebastian Weimar

„Wissenschaft lebt von Begegnung!“

Dr. Muriel Kim Helbig, Präsidentin der Technischen Hochschule Lübeck,

im Gespräch mit CAMPUS-Redakteur Chris

Die Präsidentin der TH Lübeck heißt Muriel Kim Helbig. Geboren in

Washington, D.C. wuchs sie in den USA, im Libanon und in Deutschland

auf, absolvierte an der Universität Potsdam ein Studium der Psychologie,

erlebte Forschungsaufenthalte in Palermo, Los Angeles und Haifa und

promovierte 2006 an der Friedrich-Schiller-Universität in Jena. Ihre

beruflichen Stationen führten sie im Bereich Wissenschaftsmanagement an

die Bauhaus-Universität Weimar, wo sie von 2009 bis 2014 als Dezernentin

für Internationale Beziehungen tätig war. Im Interview verrät die

44-jährige Psychologin, warum sich ein Studium an der TH Lübeck lohnt.

Hallo, Frau Dr. Helbig. Von Washington,

D.C. bis nach Lübeck – um ihren Lebenslauf

nachzuverfolgen, braucht man eine

Weltkarte. Sind Sie eine global denkende

Präsidentin?

Ja, ich glaube, dass Wissenschaft nur international

gedacht werden kann. In meiner

Doktor arbeit drehte es sich um den Zusammenhalt

und das Zusammenwirken von Gruppen

und Kulturen. Sich über Grenzen hinweg

auszutauschen und Erfahrungen zu sammeln,

verstehe ich als wissenschaftliches Grundprinzip.

Zur Präsidentin sind Sie berufen worden,

eingeschrieben haben Sie sich 1995 für

den Studiengang Psychologie? Wie haben

Sie sich beruflich orientiert?

Ich habe mich früh mit der Arbeitswelt

beschäftigt und mir bereits als Schülerin mit

Babysitting, Gartenarbeit

und als Tierarzthelferin

etwas dazuverdient. Mein

erster Berufswunsch war,

Kleintierärztin zu werden.

Das erschien mir

nach meiner praktischen

Erfahrung zu statisch. Auch während des

Studiums habe ich mich weiter ausprobiert,

beispielsweise als Segellehrerin oder bei einer

Lokalzeitung. Die praktischen Erfahrungen

haben mir geholfen, Berufsoptionen auszuschließen.

Letztlich entschied ich mich für

ein Studium der Psychologie, weil ich neugierig

war und mich das Verhalten von Menschen

besonders interessiert.

Was ist der Markenkern der TH Lübeck?

Warum sollten sich Studieninteressierte

für Ihre Angebote entscheiden?

Wir bedienen mit unseren Bachelor- und Mas-

„Von Lübeck aus

können Studierende

in viele Richtungen

schauen.“

terstudiengänge in vier Fachbereichen ein

breites Spektrum angewandter Wissenschaften

und bieten einen intensiven Praxisbezug.

Mit der Nähe zur Universität, zum Universitätsklinikum

sowie zu vielen Forschungseinrichtungen

genießen unsere Studierenden darüber

hinaus ein einzigartiges Campus- Erlebnis

und einen hohen Grad an Interdisziplinarität.

Viele nahegelegene Unternehmen halten ihre

Türen für uns offen und heißen Studierende

willkommen. Die Schnittmenge aus Inhalten

und Location bestimmt den besonderen

Charme der Technischen Hochschule Lübeck.

Von Lübeck aus können Studierende in viele

Richtungen schauen.

Welche Projekte und Ziele verfolgt die TH

Lübeck in den kommenden Jahren?

Wir möchten bis 2030 unser inhaltliches

Profil halten, die Studienangebote kontinuierlich

weiterentwickeln

und noch mehr

Studierende nach Lübeck

locken. Momentan kann

der Bedarf an gut ausgebildeten

Fachkräften

noch nicht ausreichend

gedeckt werden. Im Bereich Forschung und

Wissenstransfer sind wir bereits gut aufgestellt.

Zukünftig werden wir uns noch stärker

mit digitaler Lehre und Internationalisierung

beschäftigen. Ansonsten wünsche ich mir,

dass wir den schönen Campus noch viel stärker

als Kontaktort nutzen. Wissenschaft lebt

von Begegnung und Austausch und funktioniert

nicht, wenn alle nach den Veranstaltungen

nach Hause fahren. Wir brauchen zusätzliche

Räume, um uns zu vernetzen, und von

mir aus auch Hängematten, damit man sich

zwischen den Kursen auch auf dem Campus

entspannen kann.

Aktuell demonstrieren Woche für Woche

Tausende junger Menschen für einen radikalen

Klimaschutz. Hat die TH Lübeck

„schnelle Lösungen“ im Angebot?

Hochschulen sind keine Orte für schnelle,

sondern für durchdachte Lösungen! Obwohl

ich die Bewegung ‚Fridays for Future’ inhaltlich

unterstütze, benötigt das Thema meines

Erachtens den nächsten Schritt, um sich

nicht zu erschöpfen. Ich freue mich über den

Schulterschluss mit der Wissenschaft und

begrüße daher die Bewegung ‚Scientists for

Future’. Der Beitrag, den wir als Technische

Hochschule zum Klimaschutz leisten können,

besteht in unseren Lehr- und Forschungsangeboten.

Alle Fachbereiche beschäftigen sich

mit Umweltthemen.

Das große Jubiläum steht vor der Tür: 50

Jahre Hochschulen für Angewandte Wissenschaften.

Wird ordentlich gefeiert?

Ja, und darauf freuen wir uns. Im August 1969

gehörte Lübeck zu den ersten Fachhochschulstandorten

Deutschlands. Vom 13. bis zum 15.

Juni würdigen, feiern und präsentieren wir

dieses erfolgreiche Hochschulmodell. Unter

der Schirmherrschaft von Bundespräsident

Frank-Walter Steinmeier und in Kooperation

mit zahlreichen Wissenschaftseinrichtungen in

Deutschland haben wir ein buntes Programm

zusammengestellt, mit Festveranstaltungen,

Workshops und Tagungen zu zukunftsorientierter

Forschung und Lehre. Den Abschluss bildet

das öffentliche Campus-Festival „Hochschule

zum Anfassen“ mit einem Bühnenprogramm,

Straßenmusik, Food-Trucks, Science Slam und

weiteren Events.

26

27


Nachhaltigkeit

Der Begriff „Nachhaltigkeit“ beschreibt sowohl ein gesellschaftspolitisches

Konzept als auch ein Prinzip zum schonenden

Umgang mit natürlichen Ressourcen. Nachhaltiges Wirtschaften

bedeutet, dass Raubbau an der Natur vermieden wird und die

Gesellschaft nicht über ihre Verhältnisse lebt. In der ursprünglichen

Bedeutung findet der Begriff bei Umwelt- und Klimaschutzthemen

Verwendung und meint, dass regenerative Ressourcen, zum

Beispiel Pflanzen, nur soweit abgebaut und genutzt werden

dürfen, dass sie Zeit haben, natürlich nachwachsen zu können.

„Aus diesem Studium werde ich viel mitnehmen!“,

meint Jan, Architekturstudent (B.A.)

der TH Lübeck im siebten Semester. „Ich hätte

nie gedacht, dass ich während eines Studiums

so viele praktische Erfahrungen sammeln und

Kontakte knüpfen kann! Ein vages Interesse

am Bauen hat sich an der Technischen Hochschule

Lübeck zu einem leidenschaftlichen

Berufsziel entwickelt.“

„Kilowattstunde x Euro + Menschen!“

Nachhaltiges Studieren an der TH Lübeck am

Beispiel des Studienprojekts „Solar Decathlon“

Dass es die Vokabel „Nachhaltigkeit“ (engl.: „Sustainability“)

noch nicht zum Wort des Jahres geschafft hat, ist unerklärlich. Ob

Politik, Wirtschaft, Gesellschaft, Umwelt, Ernährung, Gesundheit

oder Bildung – nachhaltiges Handeln ist das Gebot der Stunde und

fordert zukunftsfähige Lösungen in allen Lebensbereichen. Auch die

Technische Hochschule Lübeck beschäftigt sich mit diesem Thema,

sowohl fachlich als auch methodisch. Zum Beispiel im Studienprojekt

„Solar Decathlon“. Studierende profitieren davon … nachhaltig.

Text Christian Dorbandt

Fotos Sebastian Weimar,

TH Lübeck

Verstehen, anwenden,

weiterdenken

Nachhaltiges Studieren bedeutet, in alle

Richtungen zu blicken, interdisziplinär zu

arbeiten, morgen zu wissen, was gestern Studieninhalt

war, und sich motiviert zu fühlen,

die Welt dauerhaft zu verbessern. Wie schafft

man das? Zum Beispiel, indem man Studierende

intensiv betreut und sie in praktische

Projekte einbindet.

Heiner Lippe, Professor für Architektur an der

TH Lübeck, hat dafür ein Händchen. Seine

Seminare und Exkursionen sind bekannt für

ihre nachhaltigen Effekte. „Unser aktuelles

Architekturprojekt ‚Solar Decathlon’, erzählt

der weitgereiste Diplom-Architekt, „ermöglicht

Studierenden aus sechs unterschiedlichen Studiengängen

eine aktive Beteiligung: Architektur,

Städtebau und Ortsplanung, Energie- und

Gebäudeingenieurwesen, Umweltingenieurwesen

und –management, Physikalische

Technik sowie Informationstechnologie und

Design. Der Wettbewerb wird in zehn Kategorien

bewertet: Architektur, Konstruktion,

Marktfähigkeit, Kommunikation und Öffentlichkeitsarbeit,

Nachhaltigkeit, Innovation,

Haushaltsgeräte, Home Entertainment,

Interkultureller Workshop in Rabat, (oben), Erfahrungen im Studium

anwenden (Student Jan im Bild unten), Professor für Architektur Heiner

Lippe (linke Seite).

28

29


Drei Hochschulen, eine Gemeinschaft!

Das Solar-Decathlon-Team aus Lübeck,

Rabat und Dakar.

Komfort und Energiesteuerung. Die Studierenden

arbeiten interdisziplinär in entsprechenden

Arbeitsgruppen und beschäftigen

sich mit allen Facetten des Hausbau-Projekts.

Selbst die Fördermittel für die Finanzierung

des gesamten Projekts werden von Studierenden

organisiert und beantragt. Sogar ein Studierender

der Musikhochschule Lübeck nimmt

teil und unterstützt uns mit dem Sounddesign

der Präsentationen. Am Ende des Wettbewerbs

wird unser internationales Team in Marrakesch

ein Haus präsentieren, in dem Wasser aus dem

Hahn kommt, die Dusche läuft, der Fernseher

flimmert und jeder Lichtschalter funktioniert,

alles auf Basis von Solarstrom.“

Solar Decathlon Africa 2019

Der „Solar Decathlon Africa 2019“ ist ein Architekturwettbewerb, der die

Aspekte Nachhaltigkeit, Innovation und Forschung betont. Nach dem Vorbild

des US-amerikanischen Solar Decathlons sind 20 internationale Hochschulteams

aufgefordert, einen Häusertyp zu planen, zu konstruieren und zu bauen, der

afrikanische Bau-Traditionen berücksichtigt und dessen Energiebedarf ausschließlich

von selbst produziertem Solarstrom gedeckt wird. Der zweiwöchige Wettbewerb

findet im September 2019 in Ben Guerir statt, 90 Kilometer nördlich von

Marrakesch. Gastgeber ist das marokkanische Energieministerium. Gewinner des

Wettbewerbs ist das Team, das in 10 Kategorien die meisten Punkte erzielt.

Interdisziplinär,

international, interkulturell

Besonders lehrreich ist die Zusammenarbeit

mit den afrikanischen Teamkollegen. „Unser

Wettbewerbsteam besteht aus deutschen,

marokkanischen und senegalesischen Studierenden“,

erklärt Architekturstudentin Annika.

„Zur Planung und Vorbereitung treffen wir uns

seit einem Jahr regelmäßig zu Workshops an

unserer Partner- Universität im marokkanischen

Rabat. Dort diskutieren und entwerfen

wir, lernen Land und Leute kennen und stellen

zum Teil auch unterschiedliche Sichtweisen

fest. Die Eindrücke und Erkenntnisse haben

mich im Umgang mit anderen Kulturen nachhaltig

sensibilisiert. Auf diese Erfahrungen

werde ich später als Architektin zurückgreifen.

Die Lerneffekte sind enorm!“

Freut sich auf den

Wettbewerb in Marokko:

Architekturstudentin

Annika.

Genau solche Effekte verspricht sich Professor

Lippe von den Projekten: „Als Dozenten haben

wir nicht nur eine fachliche, sondern auch eine

ethische und gesellschaftliche Verantwortung.

Wenn wir über energieeffizientes Bauen sprechen,

geht es nicht nur um Kilowattstunden

mal Euro, sondern um Kilowattstunden mal

Euro … plus Menschen! Deshalb fordere ich

Studierende auf, über den Tellerrand zu blicken.

Wenn wir durch Marokko reisen, schauen

wir uns nicht nur Bauwerke an, sondern erleben

Gerüche und sehen, wie Menschen handeln,

essen und wohnen. Um nachhaltige

Lösungen zu schaffen, müssen wir in alle Richtungen

blicken!“

Die Technische Hochschule Lübeck

Die Technische Hochschule Lübeck ist eine Hochschule für Angewandte

Wissenschaften und ging 2018 aus der FH Lübeck hervor. Die

fachlichen Schwer punkte der Hochschule liegen in den Bereichen

Technik, Naturwissenschaften, Wirtschaft und Architektur. Mit rund

130 Professorinnen und Professoren in vier Fachbereichen bietet

sie zurzeit über 30 Bachelor- und Masterstudiengänge an. Weitere

Besonderheiten: einzigartige Campus-Allianz mit Universität und

Universitätsklinikum, hoher Grad an Wissens- und Technologietransfer,

internationale Studienangebote, moderne Ausstattung.

Bachelorstudiengänge

• Angewandte Chemie

• Architektur

• Bauingenieurwesen

• Betriebswirtschaftslehre

• Biomedizintechnik

• Elektrotechnik, Energiesysteme und

Automation

• Elektrotechnik – Kommunikationssysteme

• Energie- und Gebäudeingenieurwesen

• Hörakustik

• Informatik / Softwaretechnik

• Informationstechnologie und Design

• Maschinenbau

• Medieninformatik (Online-Studium)

• Physikalische Technik

• Regenerative Energien (Online-Studium)

• Umweltingenieurwesen und -management

• Wirtschaftsingenieurwesen

• Wirtschaftsingenieurwesen Lebensmittelindustrie

• Wirtschaftsingenieurwesen (Online-Studium)

Masterstudiengänge

• Architektur

• Angewandte Informationstechnik

• Bauingenieurwesen

• Betriebswirtschaftslehre

• Biomedical Engineering

• Environmental Engineering

• Hörakustik und Audiologische Technik

• Mechanical Engineering

• Medieninformatik (Online-Studium)

• Regulatory Affairs

• Städtebau und Ortsplanung

• Technische Biochemie

• Wirtschaftsingenieurwesen

Spezielle Studienangebote

Studium mit integrierter Lehre – „StudiLe“

Das Studium mit integrierter Lehre verbindet

eine betriebliche Ausbildung mit einem Bachelorstudium

an der TH Lübeck. Die vollständige

Liste der möglichen Ausbildungsberufe ist auf

www.StudiLe.de veröffentlicht. Passend zum

Ausbildunsgberuf kann einer von sechs Bachelorstudiengängen

gewählt werden:

• Bauingenieurwesen

• Betriebswirtschaftslehre

• Elektrotechnik – Energiesysteme und

Automation

• Elektrotechnik – Kommunikationssysteme

• Informatik / Softwaretechnik

• Maschinenbau

Internationale Doppelabschlüsse

Im Double Degree Program führen die internationalen

Studiengänge Elektrotechnik (ISE),

Wirtschaftsingenieurwesen (ISW) und Maschinenbau

(ISM) zu zwei Abschlüssen: dem

Bachelor of Science der TH Lübeck sowie dem

Bachelor of Science der Partnerhochschule

Milwaukee School of Engineering (MSOE),

Wisconsin, USA.

Technische Hochschule Lübeck

Mönkhofer Weg 239

23562 Lübeck

T. +49 (0) 451-300 6

F. +49 (0) 451-300 5100

kontakt@th-luebeck.de

www.th-luebeck.de

30

31


Text Christian Dorbandt

Fotos Sebastian Weimar

Die „Early-Bird-Phase“ an

der Hochschule Flensburg

Die Hochschule Flensburg bereitet Studieninteressierte und

Neustudierende intensiv auf das Hochschulstudium vor

Wer studieren will, braucht einen hochschulberechtigenden Schuloder

Bildungsabschluss, einen Studienplatz, ein Dach über dem Kopf,

Motivation, einen Finanzplan und gute Kontakte zu Kommilitonen.

Was man nicht brauchen kann, sind Ängste, Unwissenheit oder

das Gefühl, nicht dazuzugehören. Um Studieninteressierten und

Studienanfängern einen optimalen Start zu ermöglichen, bietet die

Hochschule Flensburg Orientierung, Beratung und Betreuung. Die

neuen Studierenden profitieren davon und nehmen die Angebote

begeistert an. Zu Beginn des Sommersemesters 2019 macht ME2BE-

Redakteur Chris den „Studi-Startcheck“ an der Flensburger Förde.

Üben fürs Studium – im Mathe-Vorkurs bei

Diplom-Mathematikerin Heike Witt (oben).

„Durch den Mathe-

Vorkurs weiß ich,

wo ich stehe!“

Lennhard und Christopher sind zwei von 200

Studienanfängern, die zum Sommersemester

2019 ihr Studium an der Hochschule Flensburg

beginnen. Die Pflichtveranstaltungen

beginnen am 18. März. Zwei Wochen früher,

bevor das Semester richtig losgeht, sitzen die

beiden 23-Jährigen bereits in einem Seminarraum

auf dem Campus und beschäftigen sich

mit Mathe-Übungsaufgaben. Um herauszufinden,

welches Matheniveau im Studium der

Betriebswirtschaft auf sie zukommt, haben sie

sich für den „Mathe-Vorkurs“ im Fachbereich

Wirtschaft angemeldet. Sie befinden sich in

der „Early-Bird-Phase“, wie es die Hochschule

selbst tituliert!

Vorkurse für „Erstis“

„Nach der Schule habe ich eine Friseurausbildung

absolviert“, erzählt Lennhard

aus Kronshagen, „um anschließend in den

Salons meiner Eltern zu arbeiten. Im Laufe

der Ausbildung habe ich den Ehrgeiz entwickelt,

Betriebswirtschaft zu studieren, um die

Geschäfte eventuell weiterführen zu können.

Zweifel hatte ich allerdings, ob meine Grundkenntnisse

in Mathe ausreichend sind. Als ich

von dem Angebot eines zweiwöchigen Vorkur-

ses hörte, hab ich mich sofort angemeldet.

Jetzt weiß ich, wo ich stehe. Das Niveau ist

natürlich um einiges höher als in der Berufsschule,

aber meine Unsicherheit ist weg!“

Die Vorkurse der Hochschule Flensburg richten

sich an Erstsemesterstudierende der technischen

und betriebswirtschaftlichen Studiengänge

und werden für die Fächer Mathematik,

Englisch und Programmieren angeboten.

Lehrkraft Heike Witt beobachtet ein starkes

Interesse an den Vorkursen. „Zwei Wochen

lang können Studienanfängerinnen und

-anfänger beispielsweise ihre Mathekenntnisse

auffrischen“, fasst die Diplom-Mathematikerin

zusammen. „Trotz der inhaltlichen

‚Druckbetankung’ ist uns wichtig, den Studierenden

das Thema ‚Nachhaltiges Lernen’ nahezubringen.

Aus den allgemeinbildenden und

beruflichen Schulen sind Schülerinnen und

Schüler daran gewöhnt, nur für die nächste

Klausur zu lernen und das erlernte Wissen

anschließend zu vergessen. Das Studium

erfordert ein Umdenken. Jedes Wissen wird

benötigt, um es anzuwenden!“

Für Christopher bietet der Vorkurs noch weitere

Vorteile: „Neben den Übungen bietet

Starten gut vorbereitet ins Studium:

Christopher und Lennhard (rechts).

32


„Vorkurse und Vorstudium sind äußerst hilfreiche

Programme!“, findet Medien informatikstudent

Muhialdeen.

Unter dem Namen „CampusCompass“ präsentiert

die Hochschule Flensburg vielfältige Angebote

für Studieninteressierte, Studienanfänger und

Studierende. Verantwortlich für den „Qualitätspakt

Lehre“: Dr. Klaus von Stackelberg (unten).

Leiterin des International Office: Janntje Böhlke-Itzen (links).

Studierende helfen Studierenden, so wie die Tutoren

Dana und Jan-Henrik (oben).

sich hier eine gute Gelegenheit, andere Studierende

kennenzulernen. Zur Seite stehen

uns auch Tutorinnen und Tutoren aus höheren

Semestern, die uns viele Fragen sowohl zur

Betriebswirtschaft als auch zur Hochschule

beantworten können.“

Mentoring-Programm

durch „Mentees“

Aller Anfang ist schwer! Deshalb bietet die

Hochschule Flensburg neben fachbezogenen

Vorkursen zu jedem Semesterbeginn ein

sogenanntes „Mentoring-Programm“ an. Was

steckt dahinter? „Bei diesem Angebot stehen

bis zu 25 zu Mentorinnen und Mentoren –

ausgebildete Studierende aus höheren Semestern

(‚Mentees’) – den ‚Erstis’ zur Seite, um

ihnen zu helfen, sich im Studienalltag und in

der Stadt einzuleben“, erklärt Dr. Klaus von

Stackelberg, Präsidiumsbeauftragter für Qualitätsmanagement.

„Der Beginn eines Studiums

wirft viele Fragen auf: Wo melde ich mich

für die Veranstaltungen an? Was sind Module?

Wie funktioniert die Mensa-Karte? Wie komme

ich an ein Zimmer? Wie fahren die Busse?

Wie erhalte ich Zugang zu Stud.IP, und wann

findet eigentlich das Campus-Kino statt? Das

Mentoring-Programm, zu dem sich alle Erstsemester

anmelden können, wird hervorragend

angenommen. Viele Mentorinnen und

Mentoren haben ähnliche Unterstützung

erhalten und geben diese Erfahrungen nun

weiter. Wertvoller Nebeneffekt: Die Neuen

kommen von der ersten Minute an in Kontakt

mit anderen Studierenden und fühlen sich

sofort mitgenommen.“

Angebote zum

Selbstmanagement

Studieren bedeutet ‚nach Wissen streben’.

Doch wie kann Studierende ihr erlerntes Wissen

strukturiert präsentieren? Um auch ‚Social

Skills’ wie Selbstorganisation und Kommunikationsfähigkeit

zu trainieren, können Studierende

verschiedene Workshop-Angebote

der Hochschule Flensburg nutzen, um später

als Tutoren, Mentoren oder als studentische

Hilfskräfte tätig zu sein. Auch das Engagement

im Allgemeinen Studierendenausschuss

(AStA) im Studierendenparlament (StuPa)

oder in einer Fachschaft eignet sich zur Weiterbildung

neben dem Studium. In den auf

Selbstmanagement ausgerichteten Workshops

dreht sich alles um Kommunikation, Gruppe

und Persönlichkeit, professionelle Rolle,

Arbeits- und Lernorganisation.

Vor- und Begleitstudium

für Studierende mit

Fluchthintergrund

Wer als Studierender ein Auslandssemester

anstrebt, aus dem Ausland nach Flensburg

wechseln möchte oder sich als Geflüchteter

für Studienangebote interessiert, ist im International

Relations Department an der richtigen

Adresse. „Wir kümmern uns um das ‚Incoming‚

und ‚Outgoing’ vom und ins Ausland“,

sagt Abteilungsleiterin Janntje Böhlke-Itzen.

„Für Personen mit Fluchthintergrund bieten

wir sowohl ein Vor- als auch ein Begleitstudium

an. Im Vorstudium bereiten wir auf

viele Anforderungen des Studiums vor. Neben

Sprachkursen vermitteln wir Kenntnisse in

Mathematik, Englisch, besprechen aber auch

allgemeine Themen wie ‚politische und akademische

Kultur’. Um kommunizieren zu können,

benötigen wir nicht nur gute Sprachkenntnisse,

sondern müssen auch verstehen,

warum wir über bestimmte Witze lachen, wie

das politische System Deutschlands funktioniert

und weshalb wir in wissenschaftlichen

Arbeiten nicht die Bild-Zeitung zitieren. Auch

Fachsprachkenntnisse sind von großer Bedeutung

und sollten nachhaltig angelegt sein.

Das Wort ‚Drehmoment’ wird im B2-Sprachkurs

für Geflüchtete nicht erklärt, taucht aber in

der Mechanik-Vorlesung auf. Deshalb bieten

wir in einem Begleitstudium während der Studienzeit

Kurse an, die sich mit Fachbegriffen

und -texten beschäftigen.“

Gelungener Start

ins Studium

Bevor die Studienanfänger, auch ‚Erstis’

genannt, in ihr Studium starten, können sie

an der Hochschule Flensburg viele Beratungs-,

Informations- und Betreuungsangebote in

Anspruch nehmen. Wer Fragen hat, sollte

„Aus den

allgemeinbildenden

und beruflichen

Schulen sind

Schülerinnen und

Schüler daran

gewöhnt, nur für

die nächste Klausur

zu lernen und das

erlernte Wissen

anschließend zu

vergessen. Das

Studium erfordert

ein Umdenken.“

nicht zögern, sie zu stellen. Auf dem Campus

wimmelt es vor auskunftsfreudigen Menschen!

Jeder hat die Möglichkeit, sein Grundwissen

in Vorkursen aufzufrischen, Tipps von Tutorinnen

und Tutoren einzuholen, am Mentoring-Programm

teilzunehmen und von Beginn

an zu lernen, sich selbst zu organisieren. Ob

Studienauswahl, Bewerbung, Prüfungsordnung,

Stundenplan, Modulplan, AStA, StuPa,

E-Learning-Zugang, Studentenwerk, Finanzen,

BAföG, Wohnung, Auslands semester, Busfahrpläne,

Sprachkurse, Studierendenjobs, Stipendienberatung,

Campus-Führung oder Sportund

Freizeitmöglichkeiten … zu jedem Thema

können die Studierende Auskunft erhalten!

Und das ist nicht alles. Zu jedem offiziellen

Veranstaltungsbeginn lädt die Hochschule

Flensburg zur sogenannten “TOP-Woche” ein,

einer traditionellen Erstsemester-Orientierungs-Phase.

Alle Fragen geklärt? Dann kann

man von einem gelungenen Start sprechen!

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„Oft sind Schüler

erstaunt und sagen:

Ich wusste gar

nicht, dass man

Technik so kreativ

gestalten kann!“

Nicht nur ‚richtig’ oder ‚falsch’!

Die wissenschaftliche Mitarbeiterin Franka Heers präsentiert das FabLab

„Ideenreich" der Hochschule Flensburg als außerschulischen Lernort

Franka Heers ist wissenschaftliche Mitarbeiterin der Hochschule

Flensburg und verantwortlich für das didaktisierte FabLab „Ideenreich”.

Mithilfe ihrer Konzepte gelangen Schülerinnen und Schüler zum

ersten Mal in Kontakt mit angewandter Wissenschaft. Sie selbst hat

Maschinenbau (B.Eng.) und Systemtechnik (M.Eng.) an der Hochschule

Flensburg sowie Berufliche Pädagogik (M.Ed.) an der benachbarten

Europa-Universität studiert. Im Gespräch berichtet die Ingenieurin

und Pädagogin, welche Ziele sie mit ihren Projekten verfolgt und

warum sie an ein wachsendes Technikinteresse von Frauen glaubt.

ME2BE CAMPUS: Hallo, Franka. Wir stehen

im FabLab der Hochschule Flensburg. Was

genau ist das?

Franke Heers: Das FabLab ‚Ideenreich’ ist ein

Labor und eine technische Begegnungsstätte

auf dem Campus. Genutzt wird es von Studierenden

unserer technischen Studiengänge,

zum Beispiel Maschinenbau oder Systemtechnik.

Zu festgelegten Zeiten haben aber

auch alle anderen Studierenden sowie Schülerinnen

und Schüler aus Flensburg Zugang.

Hier gibt es 3D-Drucker, einen Laser-Cutter,

eine Standbohrmaschine, eine Lötstation und

viele Werkplätze. An extra dafür ausgestatteten

PC-Arbeitsplätzen können wir unsere

Ideen in druckbare Modelle umwandeln und

sie anschließend ausdrucken. Auch Start-Up-

Unternehmen können hier ihre Prototypen

entwickeln.

Du bist verantwortlich für das ‚didaktisierte’

FabLab. Was steckt dahinter?

Meine Aufgabe ist es, der Öffentlichkeit das

FabLab als außerschulischen Lernort zugänglich

zu machen. Dafür laden wir Schulklassen

ein, entwickeln interessante Lernkonzepte,

organisieren thematische Workshops oder veranstalten

‚Innovation Camps’ über mehrere Tage.

Welche Ziele und Zielgruppen sind mit dem

Konzept verbunden?

Unsere Zielgruppen sind Schülerinnen und

Schüler aller Schulformen und Jahrgangsstufen.

Aber auch andere Gruppen oder Vereine können

sich bei uns melden. Unsere Ziele sind,

das FabLab als außerschulischen Lernort zu

etablieren, die MINT-Förderung vom Kindesalter

bis in die Hochschule zu stärken, die

Zusammenarbeit von Unternehmen und Hochschulen

zu intensivieren und über Berufs- und

Studienmöglichkeiten zu informieren.

Fünfte Klasse? Ist das nicht etwas früh für

komplexe Technik?

Nein, das ist kein Problem. Alles, was wir

an Technik anbieten, ist niederschwellig

und leicht zugänglich, sodass der Einstieg

gut funktioniert. Schülerinnen und Schüler

der fünften Klassen konstruieren bereits

ihre Modelle am Computer und starten ihre

3D-Drucke selbst. Das macht ihnen großen

Spaß.

Wie erleben Schüler diese technischen

Innovationen im FabLab?

Oft sind Schüler erstaunt und sagen: „Ich

wusste gar nicht, dass man Technik so kreativ

gestalten kann!“ Meiner Meinung nach

wird Technik in der Schule oft so vermittelt,

als gäbe es immer ein ‚richtig’ oder ‚falsch’.

Davon wollen wir weg. Wir orientieren uns

an der sogenannten ‚Maker-Szene’ und der

‚Do-It-Yourself-Bewegung’. Nicht alles wegschmeißen,

sondern Ersatzteile ausdrucken,

etwas reparieren und Ressourcen sparen. Dieses

Denken kommt bei Schülern gut an.

Weckt das FabLab auch das Technikinteresse

bei Schülerinnen?

Ja, auf jeden Fall! Wir stellen fest, dass Frauen

Technik vor allem dann interessant finden,

wenn es mit dem Thema Kreativität kombiniert

wird. In Kürze veranstalten wir deshalb

‚Design Days’, die sich speziell an Schülerinnen

aus Oberstufenklassen richten. Mit

ihnen wollen wir moderne Produktionstechniken

nutzen, um Schmuck und Designs herzustellen.

Das klingt erst mal nach Klischee,

soll aber verdeutlichen, dass man Technikinteresse

nicht nur beim Herumschrauben an

Autos ausleben kann!

Bist du selbst von der Maker­Szene

infiziert?

Definitiv. Ich merke, wie ich da langsam hineinwachse.

Mir gefällt sowohl der Nachhaltigkeitsaspekt

als auch der Community-Trend,

dass man nicht alles wissen muss, sondern

gegenseitig sein Wissen austauscht! Wenn

ich an meine Studienzeit an der Hochschule

Flensburg zurückdenke, kann ich nur sagen,

dass ich sie von der ersten bis zur letzten

Minute genossen habe. Aber das FabLab hätte

ich mir damals schon gewünscht!

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„Wofür schlägt dein Herz?“

Im Gespräch mit Studienberater Marc Laatzke über Planung,

Motivation und Beratung vor und während des Studiums

Marc Laatzke ist Studienberater der Hochschule Flensburg und informiert

Studieninteressierte und Studierende über ihre vielfältigen Möglichkeiten

vor, während und nach dem Studium. Er selbst fand spät den Weg ins

Studium – BWL mit Schwerpunkt Human Resource Management an der

Hochschule Flensburg – und weiß, welche Stolpersteine ein Studium

erschweren können. Im Interview verrät der erfahrene „Studiencoach“,

welche Denkfehler einige Schülerinnen und Schüler machen und warum

ein Freiwilliges Soziales Jahr eine gute Studienvorbereitung sein kann!

ME2BE CAMPUS: Moin, Herr Laatzke. Dürfen

wir davon ausgehen, dass Sie als Studienberater

alle Studiengänge der Hochschule

Flensburg studiert haben, um über jedes

Detail beraten zu können?

Marc Laatzke: Das wäre eine zeitintensive

Ausbildung! Ich verfüge zwar nur über den

Bachelor in Betriebswirtschaft, beraten kann

ich Sie trotzdem umfassend.

Gut, das testen wir gleich mal. Wo kann ich

mich zum Sommersemester in Maschinenbau

einschreiben?

Überhaupt nicht. Unser Studiengang

Maschinen bau startet jedes Jahr im Wintersemester.

Bis zum 15. Juli haben Sie Zeit, sich

darauf zu bewerben.

Test bestanden! Seit sechs Jahren beraten

Sie Studieninteressierte und Studierende

über ihre Möglichkeiten an der Hochschule

Flensburg. Wie erleben Sie Schülerinnen

und Schülern, die zu Ihnen kommen?

Das lässt sich natürlich nicht pauschal beantworten.

Es gibt gut informierte und organisierte

Schüler und solche, die Orientierung

benötigen. Was ich grundsätzlich feststelle,

ist, dass es Schulabgängern oft noch etwas an

persönlicher Reife mangelt. Das ist auch völlig

verständlich. Viele sind 18 oder 19 Jahre

jung, verlassen zum ersten Mal das Elternhaus,

sollen alles selbständig regeln und auch

noch eigenverantwortlich studieren. Das sind

so viele Aufgaben, da bleibt kaum Zeit, um

sich mit sich selbst auseinanderzusetzen.

Wozu raten Sie in diesem Fall?

Mit Schülerinnen und Schülern versuche ich

gemeinsam herauszufinden, wo sie stehen

und wo sie hinmöchten. Ich spreche mit

ihnen ganz offen über

die Möglichkeiten, nach

der Schulzeit ein Freiwilliges

Soziales Jahr

zu absolvieren oder ein

Auslandspraktikum, ein

‚Bufdi’ oder eine Ausbildung. Ich empfehle

generell, ein Gefühl für sich selbst zu entwickeln

und Verantwortung für sich zu übernehmen.

Sie müssen genau wissen, was sie

studieren und was sie damit erreichen wollen!

Wie können Schüler das herausfinden?

Indem sie sich die klassischen Fragen beantworten:

Über welche Kenntnisse und Fähigkeiten

verfüge ich? Welche Eigenschaften

besitze ich? Wofür schlägt mein Herz? Welche

Ziele kann ich daraus ableiten?

Wenn sie sich dann – gut beraten – ins Studium

stürzen … dürfen sie trotzdem noch

die Studienberatung in Anspruch nehmen?

Ja, selbstverständlich! Während des gesamten

Studiums stehen unsere Türen offen. Wir

beantworten jede Frage, man muss sie uns

nur stellen! Wir klären Studierende darüber

„Wir beantworten

jede Frage, man muss

sie uns nur stellen!“

auf, ob und wann eine nicht bestandene

Klausur wiederholt werden kann, wir machen

eine ‚Unterbrechnungsberatung’, sodass man

zusätzlich Zeit gewinnt, um Stoff nachzuholen,

bis hin zu einer ‚Abbruchberatung’. Die

Hochschule bietet außerdem eine psychosoziale

Beratung an und fungiert als Ansprechpartner

bei persönlichen

und psychischen Problemen.

Mit dem Programm

‚CampusCareer’ verfügen

wir über einen hochschuleigenen

Karriere- Service,

helfen bei der Vermittlung von Praktika,

haben eine studentische Jobbörse und einen

Bewerbungsmappencheck sowie einen ‚CampusCareer-Day’

im November, an dem sich

rund 30 Unternehmen mit ihren beruflichen

Angeboten präsentieren.

Letzte Frage: Wofür schlug Ihr Herz als

Schüler?

Als Schüler war ich musikbegeistert und

wäre wahrscheinlich Profimusiker geworden,

wenn ich nicht die kaufmännische Seite in

mir entdeckt hätte. Nach einer Aus- und

Weiter bildung bei der Bundeswehr folgten

ein BWL-Studium in Flensburg mit dem

Schwerpunkt Human Resource Management

und einige Zeit im Bereich Mediaberatung.

2013 fing ich an der Hochschule Flensburg

an. Seitdem schlägt mein Herz für die Studienberatung!

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Die Hochschule Flensburg

Die Hochschule Flensburg ist die nördlichste Fachhochschule

Deutschlands und eine der renommiertesten Einrichtungen für

regionale Fachkräfteausbildung. Zurzeit sind rund 4.000 Studierende

immatrikuliert, der Anteil weiblicher Studenten liegt bei rund 25 Prozent.

Das Studienangebot umfasst 10 Bachelor- und 10 Masterstudiengänge:

Bachelor

• Angewandte Informatik

• Betriebswirtschaft

• Bio-, Lebensmittel- und

Verfahrenstechnologie

• Energiewissenschaften

• Internationale Fachkommunikation

• Maschinenbau

• Medieninformatik

• Schiffstechnik

• Seeverkehr, Nautik und Logistik

• Wirtschaftsinformatik

Master

• Angewandte Informatik

• Applied Bio and Food Sciences

• Automatisierungstechnik

• Business Management

• Business Management/Wirtschaftsinformatik

• eHealth

• Intermedia & Marketing

• Internationale Fachkommunikation

• Systemtechnik

• Wind Engineering

Was sind die Zulassungsvoraussetzungen für

ein Studium an der Hochschule Flensburg?

Was ist ein Probestudium? Wie viel Credit

Points benötige ich pro Semester? Wie kann ich

ein Studienfach wechseln? Wie beantrage ich

BAföG? Und was soll ich eigentlich studieren?

Wer sich mit dem Thema Studium beschäftigt,

hat besonders am Anfang viele Fragen. Das

CampusCompass-Angebot präsentiert für jede

Angelegenheit die passende Anlaufstation:

• Mentoring-Programm (Unterstützung beim

Einstieg)

• Vorkurse (fachliche Auffrischung vor dem

Studium)

• Selbstmanagement (Stärkung persönlicher

Kompetenzen)

• Gleichstellungsbüro (Anlaufstelle für

Chancengleichheit)

• International Office (Beratung über Auslandspraktika

oder Studienchancen, Vorund

Begleitstudiengänge für Menschen mit

Fluchthintergrund)

• „StuJo“ / Studierendenjobs (Karriereportal

für Studierende)

• Studierendensekretariat (beantwortet alle

Fragen rund um das Studium)

• Info Point (offene Anlaufstelle, Info-

Material, Abgabe von Unterlagen)

• Studienberatung (termingebundene und

offene Studienberatung für Schüler/-innen,

Studierende und Studieninteressierte)

• Psychosoziale Studienberatung (unterstützt

bei Ängsten und Problemen)

• Stipendienberatung (informiert und berät

zu Stipendien)

• CampusCareer (informiert über Praktika,

Jobangebote und den Berufseinstieg)

Hochschule Flensburg

Kanzleistraße 91-93

24943 Flensburg

Telefon: +49(0)461 805 - 01

Telefax: +49(0)461 805 - 1300

E-Mail: studierendensekretariat@hs-flensburg.de,

studienberatung@hs-flensburg.de,

infopoint@hs-flensburg.de

Web: www.hs-flensburg.de

Facebook: www.facebook.com/hsflensburg/

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Schöne Aussichten

an der HAW Hamburg!

Im Gespräch mit Professor Micha Teuscher, Präsident der

Hochschule für Angewandte Wissenschaften Hamburg

Die Hochschule für Angewandte Wissenschaften in Hamburg, kurz HAW

Hamburg, ist eine der größten Fachhochschulen Deutschlands. Seit 2017

heißt ihr Präsident Professor Micha Teuscher. Der Wissenschaftsmanager

studierte Wirtschaftswissenschaften und Agrarökonomie an der

Universität Hohenheim und arbeitete anschließend viele Jahre in

der Unternehmensberatung. 1997 wechselte er als Professor für

Betriebswirtschaftslehre und Managementlehre an die Hochschule

Neubrandenburg und übernahm 2004 deren Leitung. Als Präsident

steuert der gebürtige Göttinger die HAW Hamburg durch die Zeit des

digitalen Wandels. Im Interview mit ME2BE CAMPUS beschreibt der

55-Jährige, für wen sich ein Studium an der HAW Hamburg lohnt.

Hallo, Herr Professor Teuscher. Der Blick

über Hamburg aus Ihrem Büro im 14. Stock

ist atemberaubend! Wie sind die Aussichten

für die HAW Hamburg?

Die Aussichten für unsere Hochschule sind

solide und vielversprechend. In den vergangenen

15 Jahren konnten wir die Anzahl der

Studierenden auf über 17.000 verdoppeln. Als

zweitgrößte Hochschule Hamburgs und drittgrößte

Fachhochschule Deutschlands bieten

wir Studierenden langfristig eine ausgezeichnete

Qualität in Forschung und Lehre und hervorragende

Perspektiven

auf dem Arbeitsmarkt.

„Reichtum, Armut,

Migration, Energie,

Mobilität und

Logistik – unsere

Studierenden lernen

und forschen genau

in den Themen der

Gesellschaft.“

Was unterscheidet

die HAW Hamburg von

anderen Hochschulen?

Mit mehr als 400 Professuren,

ebenso vielen

wissenschaftlichen

Mitarbeiterinnen und

Mitarbeitern und circa

190 Kooperationen mit

Partnerhochschulen in

aller Welt, gehören wir bundesweit zu den

bedeutendsten Standorten für angewandte

Wissenschaften. Entsprechend breit fällt das

Studienangebot aus. Wir bieten 38 Bachelorund

37 Masterstudiengänge an, sind modern

ausgestattet, eng vernetzt mit der regionalen

Wirtschaft und definieren uns über das Prinzip

‚Wissenstransfer’.

Als Hochschule für Angewandte Wissenschaften

haben wir ein klar erkennbares wissenschaftliches

und gesellschaftsbezogenes Profil

und grenzen uns so vom Selbstverständnis

und Verwertungsprofil der Universitäten ab.

Unser Anliegen ist es, unter anderem Problemstellungen

aus der Gesellschaft aufzugreifen,

für sie nachhaltige Lösungen zu

entwickeln und diese Lösungen zurück in

Wirtschaft und Gesellschaft zu transferieren.

Reichtum, Armut, Migration,

Energie, Mobilität

und Logistik – unsere

Studierenden lernen und

forschen genau in den

Themen der Gesellschaft.

Wir bilden Menschen aus,

die nach dem Studium Verantwortung

übernehmen

und konkrete Lösungen

erarbeiten – in der öffentlichen

Verwaltung, in

Unternehmen und Organisationen,

in Krankenhäusern oder in sozialen

und pädagogischen Einrichtungen.

Nennen Sie bitte vier Beispiele angewandter

Wissenschaft an Ihrer Hochschule.

Erstens, in der Fakultät Technik und Infor-

matik bieten wir Studierenden eine herausragende

Kompetenz, auch in speziellen Feldern

wie der Batterieforschung und Regelungstechnik.

Im Competence Center for Renewable

Energies and Energy Efficiency (CC4E) bündeln

wir unsere interdisziplinären Möglichkeiten

und sind ein Mitorganisator der Energiewende

Deutschlands. Zweitens, in der Fakultät

Design, Medien und Information kooperieren

wir unter anderem mit der California State

University und betreiben anwendungsorientierte

Forschung mit innovativen Unternehmen

wie Google. Drittens, im Studiengang

Rettungsingenieurwesen der Fakultät Life

Sciences vereinen wir naturwissenschaftliche,

ingenieurwissenschaftliche und nicht-technische

Disziplinen. Studierende analysieren

beispielsweise unter Anwendung von Virtual-

Reality-Technologie, wie Rettungseinsätze

optimiert werden können. In der Fakultät

Wirtschaft und Soziales treiben wir die Qualitätsentwicklung

in den Gesundheitsberufen

und deren zielgerichtete Akademisierung

erfolgreich und mit Nachdruck voran. Die

Pflegewissenschaften und die Hebammenwissenschaft

sind prominente Beispiele.

Die Welt befindet sich im digitalen Wandel,

auch die Anforderungen an Fachkräfte

ändern sich. Wie reagieren Sie darauf?

Allein das fachlich-technische Knowhow der

Text Christian Dorbandt

Foto Paula Markert /

HAW Hamburg

Studierenden in ihrem jeweiligen Kernfach

wird zukünftig nicht mehr ausreichen. Unsere

Absolventinnen und Absolventen müssen vorbereitet

sein auf sich dynamisch verändernde

Qualitätsanforderungen. So müssen sie sich

beispielsweise in der Anwendung digitaler

Kommunikation auskennen. Wir haben das

erkannt und begegnen dieser Tatsache, indem

wir die Digitalisierung der Lehre intensivieren

und die Durchlässigkeit der Studiengänge fördern.

Durch die Vielzahl unserer Departments

und Studiengänge ist das Angebot interdisziplinärer

Veranstaltungen an der HAW Hamburg

entsprechend hoch.

Für welche Personen eignet sich ein Studium

an der HAW Hamburg?

Heutige Generationen von Schülerinnen und

Schülern suchen sinnstiftende Berufsperspektiven,

interessieren sich zum Beispiel für

vegane Lebensmittel und treten in der Bewegung

‚Fridays for Future‘ für Klimaschutz ein.

An unserer Hochschule vermitteln wir das

Wissen, das sie später in ihren Berufen benötigen,

um die Herausforderungen der Zukunft

zu bewältigen.

Wofür haben Sie sich als Schüler interessiert?

Ich habe früh begonnen, mich für wirtschaftliche

Themen zu interessieren. Im Alter von elf

Jahren begeisterte mein Vater meinen Bruder

und mich mit einem Unternehmensplanspiel,

indem jeder Akteur kooperieren, Steuern

zahlen oder mit Gewerkschaften verhandeln

musste. Nachdem ich 1980 den Dokumentarfilm

‚Septemberweizen’ über die globalen Auswirkungen

der US-amerikanischen Getreideindustrie

gesehen hatte, entschied ich mich,

Wirtschaftswissenschaften / Agrarökonomie

zu studieren. Ich sagte mir: Wenn du etwas

verändern willst, hilft es nicht, betroffen zu

sein. Du musst das Thema verstehen und dir

die fachwissenschaftliche Sprache aneignen.

Im April 2020 feiert die HAW ihr 50-jähriges

Jubiläum. Was ist geplant?

Wir sind in der Hochphase der Planung und

wollen noch nicht alles verraten. Nur so viel:

Die HAW Hamburg wird das 50-jährige Jubiläum

sowohl im Hamburger Rathaus als auch

in der Elbphilharmonie würdig begehen. Mit

unseren Studierenden werden wir feiern, aber

auch arbeiten. Im Wettbewerb ‚50 Ideen für

die Zukunft’ rufen wir dazu auf, das Zukunftsthema

‚Mobilität’ neu zu denken und Lösungsvorschläge

zu entwickeln!

Letzte Frage: Aus ihrem Büro schauen Sie

über Hamburg. Was sind Ihre Eyecatcher?

Im Süden blicke ich auf die Elbphilharmonie

und im Westen genieße ich die Sonnenuntergänge.

Meistens aber schaue ich auf die

Außenalster und frage mich dann, woher

die Segler die Zeit nehmen, vormittags zu

segeln.

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„Wir studieren in

kleinen Gruppen

und erhalten

eine intensivere,

individuelle Betreuung

und Förderung. Ich

schätze vor allem den

persönlichen Kontakt

zu unseren Lehrenden.“

Platz zum Lernen,

Raum zum Wachsen

Studieren an der MSH Medical School Hamburg

Text Katharina Grzeca

Fotos Laura Hasl

Wenn Isabelle Backsmann aus dem Seminarfenster blickt, hat

sie einen fantastischen Blick auf die Marco-Polo-Terrassen, auf

die Elbe und den Hafen. Die 28-Jährige studiert Psychologie an

der MSH, einer privaten Hochschule mit einem Campus in der

Hamburger Hafencity und dem Campus „Arts and Social Change“

am Harburger Binnenhafen. Beinahe wäre der Traum eines

Psychologiestudiums für Isabelle am hohen NC gescheitert. Wie sie

es trotzdem geschafft hat, berichtet sie der ME2BE-CAMPUS.

Das Fach Psychologie ist begehrt, aber die

Plätze sind begrenzt. Wer im Abi schlechter

als mit 1,4 abschneidet, hat an einer staatlichen

Universität kaum Chancen. Immer wieder

scheitern Studienanfänger am unliebsamen

Numerus clausus und brauchen, wie auch

Isabelle, einen Plan B. „Als es mit Psychologie

im ersten Anlauf nicht klappte, begann ich,

Zahnmedizin zu studieren. Leider merkte ich

schnell, dass dieses Fach nicht das Richtige

für mich war“, erinnert sich die 28-Jährige.

Also machte sie sich auf die Suche und fand

die MSH, die NC-freie Studiengänge anbietet.

Wer hier angenommen werden möchte, reicht

zuerst seine Bewerbungsunterlagen ein und

wird zu einem persönlichen Bewerbungsgespräch

eingeladen. Für die Zulassung ist

also nicht wie bei staatlichen Universitäten

die durchschnittlichen Abiturnote entscheidend,

sondern die persönliche Eignung und

Motivation der Bewerberinnen und Bewerber.

Dadurch erhalten auch Studieninteressierte

einen Studienplatz, die an der staatlichen

Hochschule nicht zum Studium zugelassen

worden wären.

Für das Studium an der MSH zahlt Isabelle

monatliche Gebühren. 695 Euro sind es beim

Psychologie-Bachelor, die Studiendauer

beträgt 6 Semester. Für die junge Studentin

ist das Studium jeden Cent wert: „Mein Zahnmedizinstudium

habe ich sowohl an einer

staatlichen als auch an einer privaten Hochschule

absolviert, dadurch besitze ich einen

direkten Vergleich. Das Privatstudium passt

viel besser zu meinen Bedürfnissen. Wir studieren

in kleinen Gruppen und erhalten eine

intensivere, individuelle Betreuung und Förderung.

Ich schätze vor allem den persönlichen

Kontakt zu unseren Lehrenden“, erzählt

Isabelle.

Moderne Ausstattung in der

Hafencity und in Harburg

Mehr als nur eine Matrikelnummer unter einer

Vielzahl von Studierenden zu sein, das war

auch der Wunsch von Jonas Yaya. Auf der

Suche nach einer guten Hochschule ist er auf

das Angebot der MSH gestoßen. „Zunächst

habe ich ein Studium an einer privaten Hochschule

gar nicht in Betracht gezogen. Ehrlich

gesagt hatte ich sogar Vorurteile gegenüber

privat Studierenden. So dachte ich, dass nur

Kinder aus wohlhabenden Familien solche

Hochschulen besuchen und sich mit den Studiengebühren

ihre Abschlüsse quasi erkaufen.

Aber weit gefehlt. Nachdem ich die Hochschule,

Lehrende und Studierende aus höheren

Semestern kennengelernt habe und mir

mein eigenes Bild machen konnte, war es

leicht, meine anfänglichen Bedenken über

Bord zu werfen“, berichtet der 26-Jährige, der

im ersten Semester Soziale Arbeit studiert.

Die MSH ist staatlich anerkannt und hat einen

sehr hohen Qualitätsanspruch. Alle Studiengänge

sind fachlich akkreditiert und werden

stetig evaluiert. Die private Hochschule verspricht

zudem sehr gute Lernbedingungen

und verfügt über eine hervorragende Ausstattung:

Die Seminar- und Vorlesungsräume sind

hochmodern ausgestattet, die Studierenden

werden mit aktueller Literatur und allen nötigen

Lernmaterialien versorgt, die Arbeitsgeräte

sind auf dem neuesten Stand, und das

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Service-Niveau ist hoch. „Was für mich persönlich

noch sehr für die MSH spricht, ist der

Campus „Arts and Social Change“ am Harburger

Binnenhafen. Ich bin in Harburg aufgewachsen

und schätze die Gegend sehr. Unsere

Unterrichtsräume befinden sich zudem in

einer ehemaligen Seifenfabrik, die zwar von

Grund auf modernisiert wurde, aber immer

noch den industriellen Charme beibehalten

hat. Wir haben hier nicht nur einen schönen

Platz zum Lernen, geboten wird uns auch der

Raum zum Wachsen“, erzählt der Bachelorstudent.

Kleine Gruppen –

große Lernerfolge

Isabelle und Jonas fühlen sich in der modernen

Hafencity und dem Campus „Arts and Social

Change“ am Harburger Binnenhafen wohl.

Ein weiterer Vorteil eines privaten Studiums

sind auch die kleinen Seminargruppen.

„In meiner Kohorte sind 22 Kommilitonen.

Dadurch entsteht schneller eine persönliche

Atmosphäre, die sich sehr vorteilhaft auf die

Lernleistung auswirkt. Jeder wird gesehen

und kann sich einbringen. Ich kann mich

immer melden und Fragen stellen, auch bei

einer Vorlesung. Das ginge an einer staatlichen

Bildungseinrichtung nicht“, so Jonas.

Isabelle sieht das genauso: „Für eine Studie,

die wir im dritten Semester anfertigen, habe

ich ein wenig Hilfe von meinem früheren Statistik-Lehrenden

gebraucht. Diese bekam ich

ohne Weiteres und zwar außerhalb der offiziellen

Sprechstunde.“ Nahezu alle Professoren

und Lehrenden der MSH Medical School Hamburg

sind neben ihrer Lehrtätigkeit in Unternehmen

tätig. Von dieser Nähe zur Wirtschaft

profitieren die MSH-Studierenden einerseits

durch ein praxisnahes Studium, weil die Lehrenden

ihre Erfahrungen aus dem Berufsalltag

und die neuesten Entwicklungen der Branche

in ihre Lehre einfließen lassen,

auf der anderen Seite

können die Studierenden

bei der Suche nach Praktikums-

und Arbeitsplätzen

auf ein gut ausgebautes

Netzwerk zugreifen.

Mittlerweile gibt es mehr

als 3.000 Studierende an

der MSH. Wer über die

Mittel nicht verfügt, kann sich das Studium

an der MSH dank unterschiedlicher Finanzierungsmöglichkeiten

dennoch leisten: Neben

dem BAföG und zahlreichen Stipendienprogrammen

können die Studienanfänger Studienkredite

und Darlehen in Anspruch nehmen.

Zusätzlich haben die Studierenden einen Tag

in der Woche einen Selbststudientag, an dem

keine Lehrveranstaltungen stattfinden. Dieser

Tag kann für eine Nebentätigkeit genutzt werden.

„Neben dem Studium arbeite ich als Pflegeberater

bei einem Pflegedienst. Das habe

ich schon vor dem Studienbeginn gemacht.

Nun kann ich mein neu erworbenes Wissen

auch in der Praxis einsetzen. Neben dem Studium

zu arbeiten, erfordert zwar eine gute

Organisation und Disziplin, aber es lässt sich

sehr gut vereinbaren“, versichert Jonas.

„Jeder wird gesehen

und kann sich

einbringen. Ich

kann mich immer

melden und Fragen

stellen, auch bei

einer Vorlesung.“

Fotos: MSH Medical School Hamburg

Die MSH Medical School Hamburg

Die MSH Medical School Hamburg – University of Applied Sciences and Medical

University ist eine private, staatlich anerkannte Hochschule mit Sitz in der modernen

Hafencity und einem Campus am Harburger Binnenhafen. Sie wurde 2009 von

der Geschäftsführerin Ilona Renken-Olthoff gegründet und startete 2010 mit

sechs Studiengängen. Seitdem erweiterte sich das Studienangebot auf insgesamt

mehr als 20 Bachelor- und Masterstudiengänge, die erfolgreich akkreditiert

sind und somit ein Höchstmaß an Qualität und Transparenz gewährleisten.

Das Besondere an der MSH ist, dass sie zwei

Fakultäten vereint: Die Fakultät Gesundheitswissenschaften,

mit dem Status einer Fachhochschule,

arbeitet in Lehre, Forschung

und wissenschaftlicher Weiterbildung stark

anwendungsorientiert. Die Fakultät Humanwissenschaften

nutzt ihren Status als wissenschaftliche

Hochschule, die einer Universität

gleichgestellt ist.

Studienangebot Fakultät Gesundheitswissenschaften

(Status: Fachhochschule)

Bachelorstudiengänge:

• Advanced Nursing Practice (B.Sc.)(Teilzeit)

• Expressive Arts in Social Transformation (B.A.)

• Logopädie (B.Sc.)(ausbildungsbegleitend)

• Medical Controlling and Management (B.Sc.)

• Medizinpädagogik (B.A.)(Teilzeit)

• Medizintechnik (B.Sc.)

• Physiotherapie (B.Sc.)(ausbildungsbegleitend)

• Rescue Management (B.Sc.)(Teilzeit)

• Soziale Arbeit (B.A.)

• Transdisziplinäre Frühförderung (B.A.)

• Sportwissenschaft (B.Sc.)

Masterstudiengänge :

• Gesundheits- und Pflegepädagogik (M.A.)

(Teilzeit)

• Intermediale Kunsttherapie (M.A.)(Teilzeit/

berufsbegleitend)

• Krankenhausmanagement (M.Sc.)(Teilzeit/

Vollzeit)

• Kunstanaloges Coaching (M.A.)(Teilzeit)

• Medical and Health Education (M.A.)(Teilzeit)

• Medizintechnik (M.Sc.)

• Soziale Arbeit (M.A.)

• Sportwissenschaft: Leistungsdiagnostik und

Trainingssteuerung (M.Sc.)

Studienangebot Fakultät Humanwissenschaften

(Status: Universität)

Bachelorstudiengänge :

• Psychologie (B.Sc.)

• Psychotherapie (B.Sc.)(geplant ab WS 20/21)

Masterstudiengänge:

• Arbeits- und Organisationspsychologie (M.Sc.)

• Medizinpädagogik (M.Ed.)(Teilzeit)

• Psychologie mit Schwerpunkt Klinische

Psychologie und Psychotherapie (M.Sc.)

• Psychologie mit Schwerpunkt Rechtspsychologie

(M.Sc.)(Doppelmaster in Verbindung

mit dem Masterstudiengang Psychologie

mit Schwerpunkt Klinische Psychologie

und Psychotherapie)

• Psychotherapie (M.Sc.)(geplant ab WS 20/21)

Staatsexamen:

• Humanmedizin (Staatsexamen)

NC-freies Studium

Die Studiengänge an der MSH Medical School

Hamburg sind NC-frei: Talent, Motivation und

Disziplin zählen mehr als der Notendurchschnitt

auf dem Zeugnis. Pünktlichkeit, gute

Leistungen und Engagement während des Studiums

sind hingegen von großer Bedeutung.

Studiengebühren

Neben einer einmaligen Einschreibgebühr

kommen monatliche Kosten für das Studium

hinzu. Die Beträge unterscheiden sich je nach

Studiengang und Studienart. Die Studiengebühren

können durch Stipendien, Studienkredite

oder das BAföG bezuschusst werden.

Service für Studierende, u.a.:

• Career Center

• Praktikumsbüro

• International Office

MSH Medical School Hamburg

University of Applied Sciences and Medical

University

Am Kaiserkai 1

20457 Hamburg

Telefon 040 361 226 40

info@medicalschool-hamburg.de

www.medicalschool-hamburg.de

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UNIVERSITÄTEN

DIE LEHRAMTSAUSBILDUNG

Ohne Überzeugung?

Ohne Zukunft!

Wann ein Studium ‚auf Lehramt‘ zum Traumjob führen kann

Tag für Tag ein kritisches Publikum, viel Verantwortung und die

Gewissheit, dass wirklich jeder seine eigene Meinung zum Beruf des

Lehrers hat: Wer sich also für ein Lehramtsstudium entscheidet,

sollte von der Wahl überzeugt sein und wissen, worauf es während

der Zeit an der Uni und später im Schuldienst ankommt. Welche

Fächerkombinationen möglich sind, ob die Ferien wirklich ausschließlich

der Entspannung dienen und was es mit dem schulpraktischen

Vorbereitungsdienst auf sich hat, erzählen wir hier.

Text Lutz Timm

Illustration Raphaelle Martin

Vermutlich gibt es Diskussionen über den

Lehrerberuf, seit vor 100 Jahren die Schulpflicht

flächendeckend eingeführt wurde. Wer

was studieren und anschließend lehren sollte,

hängt allerdings ganz von persönlichen

Fähigkeiten, Neigungen und Interessen ab.

Aus einer Physikerin mit einem leidenschaftlichen

Forschungsinteresse wird zum Beispiel

auch die beste Hochschule keine motivierte

Pädagogin machen können.

Wer also den Wunsch hat, ‚auf Lehramt’ zu

studieren, sollte sich daher selbst gut einschätzen

können und seine Stärken und

Schwächen ehrlich analysieren – schließlich

bietet die deutsche Studienlandschaft in

Sachen Lehramt eine Vielzahl an Kombinationsmöglichkeiten.

Es beginnt bei der Frage

nach der Fächerkombination und reicht bis

zur Entscheidung für eine Schulart.

Föderalismus sorgt für

große Unterschiede

Bevor sich die künftigen Studierenden

jedoch mit den Details befassen, sollten sie

eine Besonderheit berücksichtigen: In der

deutschen Bildungslandschaft wimmelt es

von unterschiedlichen rechtlichen Bestimmungen.

Durch das Prinzip des Föderalismus

haben die einzelnen Bundesländer in der

Bildungspolitik das Sagen. Die Folge: Von

Studieninhalten über die Bezeichnung der

Schulfächer und den Voraussetzungen zur

Verbeamtung bis hin zur Dauer der Schulzeit

bestehen zum Teil erhebliche Unterschiede

zwischen den Ländern.

Bei allen Unterschieden in der Lehrerausbildung

zwischen Flensburg und München gibt

es jedoch auch wichtige Gemeinsamkeiten. In

der Regel entscheiden sich angehende Lehrerinnen

und Lehrer für zwei Fächer und die

Schulform, an der sie später unterrichten wollen.

Für manche Fächer – etwa Sport – sind

Eignungstests vorgesehen. Außerdem sind in

manchen Bundesländern bestimmte Fächerkombinationen

ausgeschlossen. In Schleswig-Holstein

ist es etwa die Verbindung der

Fächer Philosophie und Griechisch.

An der Hochschule

werden die fachlichen

Grundlagen gelegt

Auch die Frage nach der späteren Schulart

sollte wohl überlegt sein, schließlich hängen

davon sowohl der Studienort und als auch der

künftige Einsatzbereich ab. Die Entscheidung

für das Grundschul- und Gemeinschaftsschullehramt,

das Lehramt an Gymnasien, das

Lehramt Sonderpädagogik oder das Lehramt

an berufsbildenden Schulen bedingt, welche

Hochschule jeweils in Betracht kommt. Nicht

alle Hochschulen bieten eine Ausbildung für

alle Schulformen an, besonders für die Fächer

Kunst und Musik gelten häufig besondere

Bestimmungen.

Der Aufbau des Lehramtsstudiums ist in zwei

große Bereiche gegliedert. Mit der Immatrikulation

an einer Hochschule beginnt

der wissenschaftliche Teil der Ausbildung.

Ablauf Lehrerausbildung

Zwei Fächer plus Pädagogik

und Didaktik: Mit dem Studium

startet der wissenschaftliche

Teil der Ausbildung

*

Auf den B.A.

Bildungswissenschaften folgt nach

der Abschlussarbeit der Master

of Education (M.A.). Dauer

insgesamt: rund 10 Semester

*

Mit dem Vorbereitungsdienst

beginnt anschließend

die schulpraktische

Ausbildung als Beamter auf

Widerruf, eigenständiges

Unterrichten inklusive

*

Am Ende steht die

Staatsprüfung, die die

Studierenden dazu befähigt,

dauerhaft in den Schuldienst

übernommen zu werden

48

49


Die angehenden Lehrerinnen und Lehrer

absolvieren in der Regel in sechs Semestern

ihren Bachelor of Art in Bildungswissenschaften

(B.A.) und studieren anschließend weitere

vier Semester bis zum Master of Education

(M.A.). Im Studium werden ihnen die

fachwissenschaftlichen Inhalte vermittelt,

außerdem die Grundlagen der Erziehungswissenschaft

und Didaktik. Die Schwerpunkte

unterscheiden sich je nach Studiengang.

Grob gesagt: Je höher der formelle Abschluss

der Schüler später ist, desto größer sind die

fachwissenschaftlichen Studienanteile. Studierende

im Lehramt an Gymnasien erhalten

also eine intensivere fachwissenschaftliche

Ausbildung; angehende Sonderpädagogen

und Grundschullehrer erwerben hingegen

einen höheren Anteil pädagogischer Kenntnisse.

Auch die durchschnittliche Dauer des

Studiums korrespondiert oft mit der späteren

Schulart. Einen ersten Einblick in den Schulalltag

erhalten wiederum alle Studierenden:

Praktika in der frühen Phase des Studiums

sind beinahe überall verpflichtend, manche

Universitäten setzen sie bereits sogar voraus.

Am Ende des wissenschaftlichen Teils

der Ausbildung steht die Masterarbeit.

sche Teil als anstrengend empfunden, weil die

Vor- und Nachbereitung viel Zeit in Anspruch

nimmt. Auch die Besoldung ist immer wieder

Ziel von Kritik, die Beamten auf Widerruf

verdienen etwa in Schleswig-Holstein zwischen

1.231 und 1.467 Euro monatlich.

Der zweite Teil des Vorbereitungsdienstes

wird an Studienseminaren wie dem Institut

für Qualitätsentwicklung an Schulen Schleswig-Holstein

(IQSH) in Kiel durchgeführt.

Hier kommen die Nachwuchslehrenden regelmäßig

zusammen, um ihre Erfahrungen im

Unterricht zu reflektieren und ihre fachlichen,

didaktischen und pädagogischen Kompetenzen

zu vertiefen.

Am Ende der schulpraktischen Ausbildung

wartet dann die Staatsprüfung, die in allen

Bundesländern Voraussetzung für eine dauerhafte

Einstellung in den Schuldienst ist.

Um als Lehrer oder Lehrerin ein erfolgreiches

und erfülltes Berufsleben zu führen,

gehört jedoch noch mehr, als ein Lehramtsstudium

vermittelt. Wer seinen Mitmenschen

gerne Sachverhalte erklärt, dabei geduldig

sein kann und einen guten Draht zu

Kindern und Jugendlichen hat, besitzt

sicherlich wichtige Voraussetzungen für den

Lehrberuf. Doch auch die Fähigkeit zu regelmäßiger

Selbstreflexion und ein solides Maß

an Kritikfähigkeit sollten angehende Lehrerinnen

und Lehrer mitbringen – schließlich

warten auf sie nicht nur motivierte Schüler

und zufriedene Eltern. Auch das hartnäckige

Gerücht, dass Lehrer wenig arbeiten würden,

ist mittlerweile widerlegt. Eine Studie der

Georg-August-Universität in Göttingen, die

von der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft

(GEW) und der Max-Traeger-Stiftung

in Auftrag gegeben wurde, ermittelte

eine durchschnittliche Arbeitszeit von über

48 Wochenstunden – oft verteilt auf sieben

Tage. Ferien können Lehrerinnen und Lehrer

nur selten gänzlich zur Entspannung nutzen,

denn Klassenarbeiten müssen korrigiert und

Unterrichtseinheiten vorbereitet werden.

Wer das Rüstzeug für den Lehrerberuf mitbringt,

kann jedoch nach der Verbeamtung

von einem sicheren Arbeitsplatz mit guter

Bezahlung profitieren – und der Gewissheit,

jungen Menschen wegweisend zur Seite zu

stehen.

Auf ins Lehramt … an der EUF!

Über die Lehramtsausbildung an der Europa-Universität Flensburg

Einer der beliebtesten Studienorte

für die akademische Ausbildung

von Lehrerinnen und Lehrern

ist die Europa-Universität

Flensburg. Dafür gibt es gute

Gründe: Mit einem breiten

Angebot von Teilstudiengängen,

moderner Ausstattung und einer

persönlichen Atmosphäre bietet

sie ihren Studierenden ideale

Bedingungen im Bachelor- und

Masterstudium. Besonders gefragt:

Lehrkräfte für das Grund- und

Gemeinschaftsschullehramt.

Wer den universitären Teil erfolgreich absolviert

hat, kann die zweite Phase des Lehramtsstudiums

beginnen: den schulpraktischen

Teil, auch Vorbereitungsdienst für

Lehrkräfte oder Referendariat genannt. In 18

Monaten sollen den Lehrerinnen und Lehrern

in Ausbildung – ab diesem Zeitpunkt Beamte

auf Widerruf – auf den späteren Alltag vorbereitet

werden. Dieser Abschnitt des Lehramtsstudiums

gliedert sich in zwei Teile: die

Ausbildung an der Schule und die Ausbildung

am Studienseminar.

Text Christian Dorbandt

Fotos Sebastian Weimar

Im Vorbereitungsdienst

wartet der Alltag

mit Schülern, Eltern

und Kollegen

Für die meisten angehenden Lehrer ist dieser

Teil – nach dem Praktikum – der erste intensive

Kontakt mit der Schulwirklichkeit – und

der hat es zumeist in sich. Rund zehn Stunden

pro Woche unterrichten die Nachwuchslehrkräfte

eigenverantwortlich, dazu kommen

die Organisation von außerschulischen Aktivitäten

sowie Gespräche mit Kooperationspartnern

und Eltern. Beratung erhalten sie in

dieser Zeit von besonders qualifizierten Ausbildungslehrerinnen

und –lehrern. Von vielen

Lehrenden in Ausbildung wird der schulprakti-

Auf dem Weg zur Lehrerin – Nele

studiert ‚Kunst und visuelle Medien‘

sowie Englisch an der EUF.

50


Die Künstlerin und

Professorin für Ästhetische

Praxis, Käthe Wenzel,

leitet unter anderem die

kunstpraktische Ausbildung

an der EUF.

„Wenn wir über Zukunft nachdenken, kann ich

mir kaum eine sinnvollere berufliche Tätigkeit

vorstellen als die von Lehrerinnen und Lehrern!“

„Mir gefällt mein Lehramtsstudium!“, sagt

Nele. Sie studiert im vierten Semester Kunst

und Englisch an der Europa-Universität Flensburg

und strebt die Lehrbefähigung „Sekundarschule“

an. Das bedeutet, sie wird nach dem

erfolgreich abgeschlossenen Bachelor studium

das Masterstudium absolvieren und kann nach

dem Vorbereitungsdienst ihre Fächer sowohl

an Gymnasien als auch in der erweiterten

Oberstufe an Gemeinschaftsschulen unterrichten.

Wie ein Lehramtsstudium abläuft,

welche Fächerkombinationen möglich sind,

für welche Schulformen sie qualifizieren und

auch welche beruflichen Alternativen sich

bieten, ist für Studieninteressierte im Vorfeld

nicht leicht zu überblicken. Da hilft es, wenn

ihnen die Uni beratend zur Seite steht – aus

Neles Sicht ein Schlüsselfaktor, um motiviert

studieren zu können. „Ich fühle mich an der

EUF sehr gut betreut!“, betont die Schleswigerin.

„Wenn ich Rat brauche, stehen mir alle

Türen offen.“

Lehramtsstudium an der

EUF: ein starkes Fundament

5.867 Studierende, 470 Mitarbeiterinnen und

Mitarbeiter, 87 Professorinnen und Professoren,

29 Teilstudiengänge für das Lehramt,

Lehrbefähigung für 5 unterschiedliche Schulformen

… alles auf einem Campus. Das ist

die EUF in einigen Zahlen. Sie zeigen auch

die Vielfalt der Studienangebote, die ins

Lehramt führen. Margot Brink, Vizepräsidentin

für Studium und Lehre und Professorin

für Literatur- und Kulturwissenschaft, fasst

zusammen, warum die Europa-Universität als

Topadresse für Lehramtsstudiengänge gilt:

„Als einzige Universität in Schleswig-Holstein

bietet die EUF die Lehramtsausbildung

für alle Schulformen an, sowohl für

Grund- und Gemeinschaftsschulen als auch

für Gymnasien und berufliche Schulen sowie

für den Bereich Sonderpädagogik. Für eine

individuelle Fächerkombination stehen 29

Teilstudiengänge zur Auswahl. Erst im Masterstudium

entscheiden Studierende, in welcher

Schulform sie ihre Lehrbefähigung erwerben

möchten. Davor haben sie ausreichend Zeit,

in mehreren Schulpraktika Erfahrungen zu

sammeln. Diese enge Verzahnung von Theorie

und Praxis ist ein besonderes Merkmal der

Flensburger Lehramtsausbildung. Als Universität

mit Europa-Schwerpunkt und als ehemalige

Pädagogische Hochschule bietet die EUF

ihren Lehramtsstudierenden darüber hinaus

eine einmalige Mischung aus bildungswissenschaftlicher

Expertise und internationaler

Orientierung. Dies prägt unseren Campus

und davon profitieren alle, aber natürlich

ganz besonders die rund 70% der Studierenden,

die sich an der EUF auf den Lehrberuf

vorbereiten.“

Pädagogisch, praktisch,

persönlichkeitsbildend

Warum erinnern wir uns besonders gut an

unsere Kunstlehrerinnen und -lehrer? Vielleicht,

weil sich Kunststudierende in ihren

Projekten intensiv mit der eigenen Persönlichkeit

beschäftigen. Die freischaffende

Künstlerin Käthe Wenzel hat seit 2016 eine

Professur für „Ästhetische Praxis in ihren

Kontexten“ an der EUF und kümmert sich

gemeinsam mit ihrem Kollegen Werner Fütterer

um die kunstpraktische Ausbildung. „Wir

möchten Studierenden mit unseren Lehrinhalten

eine künstlerische Handlungsfähigkeit

vermitteln”, betont die Berlinerin. „Dazu bieten

wir im Gegensatz zu vielen anderen Universitäten

viele praktische Übungen an, zum

Beispiel Mal- und Zeichenkurse, die sehr gut

angenommen werden. Darüber hinaus fordern

wir Studierende auf, ihre eigenen Fragestellungen

sowie eine Haltung zu ihrer Arbeit zu

entwickeln. Im digitalen Zeitalter nutzen wir

hauptsächlich Geräte, die bereits hunderte

Lösungen implementiert haben. Doch nur

aus dem Umgang mit analogen Prozessen,

wo ständig etwas schief laufen kann, lernen

wir, eigene Fragestellungen zu entwickeln und

Probleme zu lösen. Deshalb beschäftigen wir

uns am Anfang jedes Projekts mit der Materialfrage,

verwerten Papier- und Papp-Reste

oder stellen unser Fotopapier selbst her. Am

Ende geht es darum, eine Lösung zu finden,

die zu einem passt, und unabhängig zu sein!“

Der Lehrerberuf oder

„Teaching for Future“

„Wenn wir über Zukunft nachdenken“, sagt

Vizepräsidentin Prof. Dr. Brink, „kann ich

mir kaum eine sinnvollere berufliche Tätigkeit

vorstellen als die von Lehrerinnen und

Lehrern. Sie sind es, die sich im permanenten

Dialog mit jenen Generationen befinden, die

unsere Zukunft gestalten sollen. Dabei geht

es nicht darum, Schülerinnen und Schüler

zu beeinflussen, sondern ihren Geist kritisch

auszubilden und ihnen eine Haltung zur Welt

zu vermitteln.“

In der Bewegung „Fridays for Future“ kommt

beispielsweise dieser kritische Geist gegenwärtig

zum Ausdruck. Mit der Ausbildung von

Lehrkräften, der internationalen Ausrichtung

und dem Schwerpunkt Europaforschung steht

die EUF im Zentrum der Aktualität junger

Menschen und wirbt für das Lehramt. Ein

Motto der Zukunft könnte lauten: „Teaching

for Future!“

Margot Brink ist Vizepräsidentin

für Studium und Lehre und

Professorin für Literatur- und

Kulturwissenschaft an der EUF.

Werner Fütterer ist Lehrkraft

für besondere Aufgaben im

Bereich Bildende Kunst.

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„Mathematik kann schön sein!“

Was Prof. Dr. Hinrich Lorenzen seinen Studierenden mit auf den Weg gibt

Bereits in der Grundschule wurde sein mathematisches Talent

festgestellt, das kleine Einmaleins beherrschte er schon vor der ersten

Klasse. Die Rede ist von Hinrich Lorenzen, Professor für „Mathematik

und ihre Didaktik“ an der Europa-Universität Flensburg. Nach einem

Diplomstudium der Mathematik in Kiel und einer anschließenden

Lehramtsausbildung trat der gebürtige Nordfriese in den Schuldienst

und leitete anschließend viele Jahre die schleswig-holsteinische

Lehrerausbildung im Fach Mathe. Er gilt als einer der renommiertesten

Professoren Schleswig-Holsteins und erklärt im Gespräch mit ME2BE

CAMPUS, warum das Schulfach Mathe bei vielen Schülerinnen und

Schülern unbeliebt ist und verrät, wie man das ändern kann.

Moin, Herr Professor Lorenzen. Was braucht

man, um Mathematik zu unterrichten?

Mathematik ist eine bescheidene Disziplin.

Wir brauchen nur einen Zettel und einen Stift.

Was benötigt man, um Mathematik auf

Lehramt zu studieren?

Wer Freude am mathematischen Denken empfindet,

ist grundsätzlich gut auf das Studium

vorbereitet. 15 Punkte im Mathe-Abi sind

keine Garantie dafür, eine gute Mathe-Lehrkraft

zu werden. Entscheidend ist unter anderem

die Haltung zum Fach und zur Wissenschaft.

Was macht für Sie die Faszination von

Mathematik aus?

Es klingt komisch, aber die Faszination liegt

für mich in der Ausblendung der Wirklichkeit.

Wir bewegen uns auf künstlichen Spielwiesen,

in denen es einige Regeln gibt, aber vor allem

eine enorme Freiheit im Denken. Deshalb liegen

Mathematik und Philosophie nah beieinander.

Nur wenige Schüler verbinden Matheunterricht

mit Freiheit. Sie fühlen sich erdrückt

von der Vielzahl ihrer Hausaufgaben …

… genau das ist das Problem! Immer noch

mehr Inhalte! Es besteht der Irrglaube, dass

wir Schülerinnen und Schülern möglichst viel

Stoff vermitteln müssen, statt ihnen an reduzierten

Inhalten zu erklären, wie Mathematik

grundsätzlich funktioniert. Mich wundert es

nicht, dass viele Schülerinnen und Schüler

vom Matheunterricht genervt sind und Abiturienten

über routineartige Abiprüfungen klagen.

Mein Paradebeispiel ist die alljährliche

Mathematik-Olympiade. Alle Aufgaben dieses

anspruchsvollen Wettbewerbs basieren ausschließlich

auf dem Stoff der Sekundarstufe

I, also den Themen, die man bis zur zehnten

Klasse lernt. Weniger ist mehr!

Wozu dient die Schülerakademie der EUF?

Die Schülerakademie richtet sich an regionale

Schulklassen und gibt Schülerinnen und

Schülern der Klassenstufen 3 bis 13 die Möglichkeit,

uns in Flensburg zu besuchen und

sich von Studierenden unterrichten zu lassen.

Unser Motto lautet: Mathe anders machen!

Die Erfahrungen, die beide Seiten sammeln,

sind von großem Wert, und die Zusammenarbeit

geht über den Unterricht hinaus bis hin

zu gemeinsamen Ausflügen und Reisen nach

Amrum, Großbritannien oder zuletzt sogar

Japan!

Im CHE-Ranking steht das Lehramtsfach

Mathe an der EUF auf Platz Eins! Worauf

führen Sie das zurück und worauf legen Sie

Wert bei der Lehrerausbildung?

Wir haben grundsätzlich die vorteilhafte Situation,

dass wir uns auf die Lehramtsstudiengänge

konzentrieren können und fast alle Professorinnen,

Professoren und Dozenten aus

der Schulpraxis kommen. Davon profitieren

die Studierenden. Unser Ziel ist es, den Lehramtsstudierenden

mathematische und didaktische

Kompetenzen so zu vermitteln, dass

sie als Lehrkräfte ihren Unterricht fachlich

souverän durchführen können. Der Didaktik

fällt dabei eine wichtige Rolle zu. Mathematik

ist eine kreative Wissenschaft und kann schön

sein, wenn man sie aus dem reinen Formalismus

befreit. Leider erfahren die Schüler an

unseren Schulen das viel zu selten und spüren

überhaupt keinen Freiraum. Somit wird die

Mathematik meines Erachtens oft falsch dargestellt.

Daran müssen wir arbeiten.

Die Europa-Universität Flensburg EUF

Die nördlichste Universität Deutschlands ist die Europa-Universität Flensburg, kurz:

„EUF“. Sieben ihrer 16 Studiengänge bereiten auf das Lehramt für alle Schulformen

vor. Dabei stehen fast 30 Teilstudiengänge zur Auswahl. Darüber hinaus legt die

EUF den Fokus auf Studienangebote zu Europawissenschaften, Internationales

Management sowie Umweltwissenschaften / Nachhaltige Entwicklung. Mit rund 6.000

Studierenden, 87 Professuren und 470 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern gehört sie

zu den kleineren Universitäten in Deutschland. Ihr Campus liegt auf dem Flensburger

Sandberg, in Grenzlage zu Dänemark, inmitten einer maritim geprägten Region.

Bachelor / Lehramt

Bildungswissenschaften (B.A.)

Teilstudiengänge:

• Biologie

• Chemie

• Dänisch

• Deutsch

• Englisch

• Evangelische Theologie

• Berufliche Fachrichtung Ernährung und

Gesundheit

• Französisch

• Geographie

• Geschichte

• Gesundheit und Ernährung

• Katholische Theologie

• Kunst und visuelle Medien

• Mathematik

• Musik

• Philosophie

• Physik

• Sachunterricht mit den Ausrichtungen:

- gesellschaftswissenschaftlich

- naturwissenschaftlich

• Sonderpädagogik

• Spanisch

• Sport

• Technik

• Textil und Mode

• Wirtschaft/Politik

Master / Lehramt:

• Lehramt an Grundschulen (M.Ed.)

• Lehramt an Gemeinschaftsschulen (M.Ed.)

• Lehramt an Gymnasien (M.Ed.)

• Lehramt an beruflichen Schulen

Gewerblich-technische Ausrichtung (M.Ed.)

• Lehramt an berufsbildenden Schulen

Ernährungs- und Hauswirtschaftswissenschaft

(M.Ed.)

• Lehramt Sonderpädagogik (M.Ed.)

Weitere Bachelorstudiengänge:

• European Cultures and Society (B.A.)

• International Management (B.A.)

Weitere Masterstudiengänge:

• Erziehungswissenschaft: Bildung in Europa

– Education in Europe (M.A.)

Foto: Christina Kloodt

• European Studies (M.A.)

• International Management Studies (M.A.)

• Kita-Master – Leitung frühkindlicher Bildungseinrichtungen

(M.A.)

• Kultur – Sprache – Medien (M.A.)

• Transformationsstudien (M.A.)

• Energie- und Umweltmanagement (M.Eng.)

mit den Schwerpunkten

- Industrieländer

- Entwicklungsländer

Europa-Universität Flensburg

Auf dem Campus 1

24943 Flensburg

Tel. Zentrale: +49 461 805 02

Tel. Studienberatung +49 461 805 2193;

Offene Sprechstunden

Mo, Do: 10:15 - 12:00

Di, Do: 14:15 - 16:00

E-Mail: studienberatung@uni-flensburg.de

www.uni-flensburg.de

www.facebook.com/EuropaUniFlensburg/

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DUALES STUDIUM

LERNEN + ARBEITEN

Text Marc Asmuß

Illustrationen Ibou Gueye

Uni oder Job?

Warum nicht beides!

Trend duales Studium – nie war praxisnahes Studieren so beliebt!

Die Anzahl der dual Studierenden hat sich seit 2010 mehr als verdoppelt.

Dabei ist das duale Studium keine Ausbildung für all jene, die sich nicht

entscheiden können, im Gegenteil. Die Studierenden haben die Wahl

aus einer Vielzahl an Studiengängen, Hochschulen und Unternehmen.

Besonders gefragt sind BWL, Ingenieurwesen, Informatik, aber auch

Soziale Arbeit und ökologische Berufe. Aber nicht nur bei den Studierenden

ist das praxisnahe Studium beliebt, auch Unternehmen haben die

Vorteile der engen Zusammenarbeit mit den Hochschulen erkannt.

Im gleichen Zeitraum stieg die Zahl der Kooperationsunternehmen

von 27.900 auf 47.458 – ein typischer Synergieeffekt.

Seit wann gibt es das

duale Studium?

Das praxisorientierte Studium ist kein Novum.

Bereits Ende der 1960er Jahre wurden Fachhochschulen

staatlich anerkannt und damit

deren Abschlüsse aufgewertet. Eine dieser

Institutionen ist die Hochschule Flensburg

(siehe Beiträge ab Seite 32). In den 1990er

Jahren wurden die Abschlüsse der Berufsakademien

denen der dualen Studiengänge an

Fachhochschulen gleichgestellt. Eine dieser

Hochschulen ist die Nordakademie in Elmshorn.

Unter dem Motto „Der beste Nachwuchs

kommt aus den eigenen Reihen“ blickt

die private Hochschule 2018 unter der Trägerschaft

norddeutscher Unternehmen auf eine

25-jährige Geschichte zurück.

Die anfänglich primär technisch orientierten

Studiengänge der Fachhochschulen und

Berufsakademien differenzieren sich seither

stetig weiter aus. Mittlerweile können Schü-

lerinnen und Schüler aus einem breiten Spektrum

an Fächern wählen: ob Public Administration

an der Fachhochschule für Verwaltung

und Dienstleitung in Altenholz, Soziale Arbeit

oder Angewandte Psychologie an der Medical

School Hamburg oder Architektur an der

„hochschule 21“.

Was ist eigentlich ein

duales Studium?

Es gibt nicht das eine Konzept des dualen Studiums.

Grundsätzlich gilt: Bei einem dualen

Studium teilt sich das Studium in zwei, bei

trialen Studiengängen in drei Ausbildungsorte

auf. Zulassungsvoraussetzungen sind das Abitur

oder die Fachhochschulreife. Die meisten

dieser Studiengänge sind jedoch dual strukturiert.

Studierende absolvieren ein reguläres

Bachelorstudium an einer Fachhochschule,

Berufsakademie, Verwaltungs- oder Wirtschaftsakademie.

In der vorlesungsfreien Zeit

finden dann Praxisphasen in den Unternehmen

statt, die an die Lehrinhalte des Studiums

geknüpft sind. Dauer und Anordnung des

Praxisanteils variieren je nach Studiengang

und Hochschulen.

Beim trialen Modell der FH Westküste können

beispielsweise in vier, statt sechs Jahren

gleich zwei anerkannte Abschlüsse erworben

werden. Die Studierenden besuchen zusätzlich

die Berufsschule, in der sie eine IHK-Prüfung

(Bankkauffrau/mann, Industriekauffrau/

mann) ablegen und somit zusätzlich über eine

vollwertige Berufsausbildung verfügen.

Wie sieht ein „klassisches“

duales Studium aus?

Das klassische duale Studium dauert drei bis

vier Jahre und beginnt zum Wintersemester.

Jedes Semester besteht aus zwölf Wochen

Theorieanteil an einer Hochschule sowie einer

anschließenden Praxisphase im Unternehmen.

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Auf einen Blick

Die Vor- und Nachteile des dualen Studiums

sind eine Frage der Perspektive und des persönlichen

Interesses. Letztlich muss jeder

selbst entscheiden, welche Studienbedingungen

positiv oder negativ zu bewerten sind.

In den ersten drei bis vier Semestern wird

Grundlagenwissen vermittelt. Anschließend

werden Schwerpunkte in Kernfächern vertiefend

behandelt. Am Ende jedes Theorieblocks

stehen die Klausuren an.

Die Bewerbung um einen Studienplatz erfolgt

in der Regel nur über das jeweilige Unternehmen.

Dieses hat, da das duale Studium ein

Gemeinschaftsprojekt ist, bereits mit einer

Hochschule einen entsprechenden Studienverlaufsplan

erarbeitet.

Beliebte Studiengänge sind aufgrund der

begrenzten Plätze stark umkämpft. Mehrstufige

Bewerbungsverfahren und eine Vorlaufzeit

bei Bewerbungen sind keine Seltenheit.

Wie Lisa und Torge das duale Studium Bauingenieurwesen

(B.Eng.) bei der GMSH und der FH

Kiel gefällt und wie deren Studium strukturiert

ist, erzählen sie euch auf Seite 60.

Du möchtest die Welt retten?

Es gibt viele Möglichkeiten, die Welt ein klein

wenig zu verändern, zum Beispiel durch die

Nutzung regenerativer Energien. Die Hochschule

Flensburg bietet zum Beispiel den

dualen Studiengang Regenerative Energietechnik

an. In Zusammenarbeit mit der Deutschen

Windtechnik AG kannst du Energie- und

Umwelttechnik oder an der FH Westküste

Umweltgerechte Gebäudesystemtechnik studieren.

Wenn du lieber mit Menschen arbeiten

möchtest, dann ist vielleicht das duale

Studium Soziale Arbeit (Staatlich anerkannter

Sozialarbeiter/in und Sozialpädagoge/pädagogin)

bei der Stadt Elmshorn etwas für dich.

An wen richtet sich ein

duales Studium?

Ein duales Studium im Allgemeinen und ein

triales im Besonderen sind aufgrund ihrer

kompakt strukturierten Lehrinhalte mit einem

hohen Arbeitsaufwand verbunden und erfordern

ein diszipliniertes Arbeiten. Damit das

Studium in der Regelstudienzeit absolviert

werden kann, ist es nicht vorgesehen, dass

nebenbei fachfremde Seminare belegt werden,

und während der vorlesungsfreien Zeit finden

die Praxisphasen in den Partnerunternehmen

statt. Zum Ausgleich stehen den Studis jedoch

gesetzlich geregelte Urlaubstage zu.

Die gemeinsame Planung des Studienziels

durch Unternehmen und Hochschule in

Verbindung mit den kleinen Seminargruppen,

führt zu einem überdurchschnittlichen

Betreuungsverhältnis der Studierenden durch

die Lehrenden. Wer also einen klar strukturierten

Studienverlauf mit enger Zusammenarbeit

und intensiver Unterstützung bevorzugt,

ist mit einem dualen Studium gut beraten.

Ebenso all jene, die in möglichst kurzer Zeit

ein wissenschaftliches Studium samt beruflicher

Ausbildung erlangen möchten.

Vorteile

• die Kombination aus wissenschaftlicher

Theorievermittlung und einem hohen

Praxisanteil

• die unmittelbare Anwendung theoretischen

Wissens im Praxismodul

• der Erhalt einer Ausbildungsvergütung

(während des gesamten Studiums)

• die eventuelle Zahlung der Semesterbeiträge

durch die Unternehmen

• die persönliche Betreuung und enge

Zusammenarbeit sowohl im Unternehmen

als auch an der Hochschule

• die größeren finanziellen Mittel sowie die

bessere Ausstattung der Fachhochschulen,

Berufs- und Wirtschaftsakademien

aufgrund ihrer direkten Kooperation mit

Unternehmen

• die Möglichkeit eines Auslandssemesters

auch im dualen Studium

• geringere Abbruchquoten

Nachteile

• begrenzte Anzahl von Studienplätzen und

starke Konkurrenz bei beliebten Unternehmen

• geringe Vergleichbarkeit aufgrund der

unterschiedlichen Studienordnungen

• gute bis überdurchschnittliche Noten

erforderlich

• Ausbildungsleitungen lassen sich häufig

die Leistungsnachweise vorlegen

• keine Semesterferien (dafür ca. 24 Tage

Urlaub im Jahr)

• Studiengänge in der Regel auf Wirtschafts-,

Ingenieurswissenschaften sowie

Informatik fokussiert

• eventuelle Nachzahlung der Studiengebühren

für den Fall des Studienabbruchs

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Text Christian Dorbandt

Fotos Sebastian Weimar

„Studieren im Gleichgewicht“

bei der GMSH

Erster Praxisblock für Studierende des industriebegleitenden

Studiengangs „Bauingenieurwesen“ bei der GMSH

Für rund 60 Studierende der Fachhochschule Kiel ertönte im

Wintersemester 2018/19 der Startschuss zum Bachelorstudium

„Bauingenieurwesen“. Von der ersten Stunde an dabei: fünf

Studierende im „industriebegleitenden Studium“ (IBS) bei der

Gebäudemanagement Schleswig-Holstein AöR (GMSH). Sie absolvieren

ihr duales Ingenieurstudium in einem festen Arbeitsverhältnis,

beziehen monatlich eine attraktive Ausbildungsvergütung, erleben

abwechslungsreiche Praxisphasen bei einem der größeren Unternehmen

Schleswig-Holsteins und genießen hervorragende Zukunftsperspektiven!

Die GMSH ist unter anderem verantwortlich

für alle Hochbaumaßnahmen des Landes und

des Bundes in Schleswig-Holstein. Im Klartext

heißt das: 1.400 Mitarbeiterinnen und

Mitarbeiter „managen“ jährlich ein Bauvolumen

von rund 250 Millionen Euro, Tendenz

steigend! Ob Flughäfen, Kasernen, Universitäten

oder Ministerien – jede Regenrinne,

jeder Parkplatz und jedes Dach einer öffentlichen

Liegenschaft wird von der GMSH geplant

und als Bauherrin betreut.

Lisa und Torge gehören zur ersten Kohorte

des Studiengangs Bauingenieurwesen. Das

erste Semester sowie die erste Prüfungswoche

haben sie erfolgreich bestritten. Während

sich die meisten anderen Studierenden in die

vorlesungsfreie Zeit verabschieden, beginnt

für die beiden nun die erste Praxisphase bei

der GMSH. Was sind ihre Aufgaben? Was erleben

sie dort?

Von der Theorie in die Praxis

„Ich erhalte wertvolle praktische Einblicke!“,

bringt es Lisa auf den Punkt. Sie verbringt

einen Großteil ihrer Praxisphase in der Fach-

„Der Lerneffekt

unter realen

Bedingungen ist von

unschätzbarem Wert!“

Lisa und Torge – dual Studierende der GMSH

gruppe „Baudurchführung Mitte 1“ im Büro

in Büdelsdorf. „In meinem sechswöchigen

Praxisblock besichtige ich viele Liegenschaften

aus dem Bundesbau, zum Beispiel die

Hugo-Junkers-Kaserne in Krummenort oder

den Flugplatz in Jagel. Dort erfahre ich, wie

Baustellen kontrolliert werden, lerne Architekten,

Ingenieure und Poliere kennen und

nehme an Besprechungen teil. Als angehende

Bauingenieurin bei der GMSH beschäftige ich

mich außerdem mit den verwaltungsrechtlichen

Grundlagen. Jede bauliche Maßnahme

muss von der GMSH öffentlich ausgeschrieben

werden. Da wir bei der GMSH über öffentliche

Gelder verfügen, muss jeder Vorgang transparent

sein!“ Meike Wommelsdorff steht Lisa in

der Praxiszeit zur Seite. „In der ersten Phase

gilt es für die Studierenden, sich mit den

Objekten und Abläufen vertraut zu machen“,

sagt die studierte Architektin. „Die Aufgaben

von Bauingenieuren sind so facettenreich,

dass man sich ihnen am besten Schritt für

Schritt nähert, um sich dann im Laufe des

Studiums spezialisieren zu können.“

Torge aus Kronshagen verbringt seine Praxisphase

im Bereich „Baudurchführung“ im Landesbau

in Kiel und ist von den praktischen

61


„Wenn irgendwo

der berühmte Schuh

drückt, reagieren

wir mit Beratung

und konkreter

Hilfestellung!“

Eindrücken begeistert: „In der Vorlesung

‚Baustofftechnologie‘ haben wir im ersten

Semester einiges über die Struktur und Eigenschaften

fester Stoffe erfahren, zum Beispiel

über Beton. In der Praxisphase habe ich dieses

Wissen anwenden können. Bei der Sanierung

von Wasserleitungen fiel auf, dass die

Betonmischung in einem bestimmten Bereich

für den Kontakt mit Wasser unzureichend war.

Der Lerneffekt unter realen Bedingungen ist

von unschätzbarem Wert!“

Duale Studiengänge GMSH:

gut betreut, weit geblickt

„MICH BEGEISTERT DIE VORSTELLUNG,

ALS BAUINGENIEURIN AN

STÄDTISCHEN PROJEKTEN BETEILIGT

ZU SEIN!“

Kristin Jacobs, 21

absolviert im 1. Semester das duale Studium Bauingenieurwesen bei

der Stadt Elmshorn und an der „hochschule 21“ in Buxtehude.

„Hallo, ich bin Kristin und komme aus der Nähe von Hademarschen.

Schon während der Schulzeit war ich technikinteressiert und wählte

das technische Profil. Für das duale Studium Bauingenieurwesen bei

der Stadt Elmshorn habe ich mich entschieden, weil ich das Thema

‚Gebäudeoptimierung’ besonders spannend finde. Mich begeistert die

Vorstellung, als Bauingenieurin an städtischen Projekten, wie beispielsweise

‚Krückau-Vormstegen’ in Elmshorn, beteiligt zu sein!

Momentan befinde ich mich im Studienblock an der ‚hochschule 21’ in

Buxtehude, und die ersten Eindrücke sind sehr positiv. Buxtehude ist

ein hübscher Ort mit einer Altstadt, wunderschön an der Este gelegen.

Das Studium fing mit einer sehr interessanten Einführungswoche an,

und ich bin schnell mit netten Leuten in Kontakt gekommen. Zum

Glück sind die Seminargruppen klein, sodass man in einer persönlichen

Atmosphäre studiert. Bis jetzt läuft alles gut.“

Text Christian Dorbandt | Foto Privat

Weitere Informationen über die Ausbildungsmöglichkeiten bei der Stadt Elmshorn

findest du unter: www.elmshorn.de

Stadt Elmshorn

Schulstraße 15-17

25335 Elmshorn

Tel.: 04121/ 231 -336,

s.piening@elmshorn.de

Neben den Vorteilen eines festen Arbeitsverhältnisses

inklusive Vergütung sowie der

großen Praxisnähe bietet die GMSH ihren

Studierenden eine intensive Studienbetreuung.

Verantwortlich für die akademische

Ausbildung sind Brigite Tavernier und Lydia

Gallasch. Was ist das Ziel der dualen Studienangebote?

„Wir möchten qualifizierte Mitarbeiterinnen

und Mitarbeiter gewinnen!“, betont die

Diplom-Pädagogin Tavernier. „Eigene Fachkräfte

auszubilden und langfristig zu halten,

ist das primäre Ziel unserer dualen Studiengänge.

Darüber hinaus haben wir weitere

Angebote, die nach erfolgreichem Abschluss

des Bachelor-Studiengangs greifen können,

zum Beispiel unser Trainee-Programm

oder die Möglichkeit der Beamtenlaufbahn

für den gehobenen bautechnischen Verwaltungsdienst.

Um allen Studierenden optimale

Bedingungen zu verschaffen, stehen wir in

engem, partnerschaftlichen Kontakt mit den

Hochschulen in Schleswig-Holstein, aber auch

in Niedersachsen und Mecklenburg-Vorpommern,

die den theoretischen Teil der Studiengänge

übernehmen. Unsere Aufgabe ist es,

die Praxisphasen effektiv zu gestalten, sodass

die Studierenden ihre Kenntnisse frühzeitig

einsetzen können – idealerweise abgestimmt

auf das Curriculum des jeweiligen Studien-

gangs. Und wenn irgendwo der berühmte

Schuh drückt, reagieren wir mit Beratung und

konkreter Hilfestellung!“

Der wichtigste aller mechanischen Grundsätze

lautet: „Ohne Gleichgewicht keine tragende

Struktur!“ Um ein optimales Gleichgewicht

zwischen Theorie und Praxis herzustellen,

bietet die GMSH zurzeit vierzehn Studierenden

ein attraktives Studienpaket. Für Lisa

und Torge geht die Pionierarbeit weiter. Der

erste Praxisblock ihres industriebegleitenden

Studiums „Bauingenieurwesen“ ist fast

geschafft. Vor dem nächsten Studienblock

wartet noch die zweite Prüfungswoche mit

Klausuren in den Fächern Mathematik und

Statik. „Um die Anforderungen des Studiums

zu erfüllen“, meint Torge, „muss man gut

organisiert sein und ein starkes Interesse an

Technik und Bauwesen mitbringen. Unglaublich

hilfreich sind praktische Erfahrungen!

Das erlebe ich gerade täglich draußen mit

den Kollegen der GMSH!“

Duale Studienangebote bei der GMSH

Fachhochschule Kiel:

Bauingenieurwesen (B.Eng.)

Maschinenbau (B.Eng.)

Elektrotechnik (B.Eng.)

Hochschule 21 Buxtehude:

Architektur (B.Eng.)

Gebäudetechnik- und Automation (B.Eng.)

Technische Hochschule Lübeck /

Hochschule Wismar:

Architektur (M.A.)

Gebäudemanagement Schleswig-Holstein AöR

(GMSH)

Gartenstraße 6

24103 Kiel

T. 0431 / 599-0

mail@gmsh.de

www.gmsh.de

genial. dual.

in buxtehude.

Bauwesen Architektur DUAL | Bauingenieurwesen DUAL |

Wirtschaftsingenieurwesen Bau und Immobilien DUAL

Gesundheit Hebamme DUAL | Pflege DUAL | Physiotherapie DUAL

62

Technik Gebäudetechnik und -automation DUAL | Mechatronik DUAL www.hs21.de


GESTALTEN

Studiengänge

im

Fokus

SPACEMASTER –

MASTER IN SPACE

SCIENCE AND

TECHNOLOGY

NC-freies

Medizinstudium

an der MSH

Die MSH Medical School Hamburg –

University of Applied Sciences and

Medical University – bietet ab dem 1.

Oktober 2019 in Kooperation mit den

Helios Kliniken Schwerin den Staatsexamensstudiengang

Humanmedizin an.

Damit besitzt die private Hochschule

die Berechtigung zur Ausbildung von

künftigen Ärztinnen und Ärzten auf

Universitätsniveau. Das Studium folgt

allen Qualitätsanforderungen eines

Medizinstudiums in Deutschland. Es

schließt mit dem Staatsexamen ab und

berechtigt zur Approbation.

Weitere Informationen zur MSH

auf Seite 44 und unter

www.medicalschool-hamburg.de

MASCHINENBAU MIT

NEUEM SCHWERPUNKT

AN DER HS FL:

Antriebstechnik

und E-Mobilität

FRIESISCHE

PHILOLOGIE

Lust auf ein außergewöhnliches Studium?

Wie wäre es mit der vielfältigen Welt der

friesischen Mundarten? Im deutschlandweit

einzigartigen Studiengang „Friesische

Philologie“ an der Christian-Albrechts-

Universität zu Kiel lernen die Studierenden

die Feinheiten der friesischen Literatur,

Geschichte und Kultur kennen. Außerdem

müssen sie mindestens zwei verschiedene

friesische Mundarten erlernen und eine

davon fließend beherrschen. Der Studiengang

ist geprägt durch eine familiäre

Atmosphäre und eine persönliche Betreuung

durch die Dozenten – kein Wunder,

schließlich bleibt die Anzahl der Studierenden

meist im einstelligen Bereich. Die

wissenschaftliche Beschäftigung mir der

friesischen Sprache hat in Kiel eine lange

Tradition, bereits 1879 wurden erste

Lehrveranstaltungen abgehalten.

Weitere Infos unter

www.uni-kiel.de

KREATIVE STUDIENGÄNGE

AUFMACHER

Die Muthesius-

KREATIVE

STUDIENGÄN-

GE

Von Beruf Künstlerin:

Absolventin Franziska

Ostermann im

Interview .... Seite 66

„Es scheint mir, als würde in den

sozialen Netzwerken oft Perfektion

Hoch hinaus wollen die Studenten im Studiengang

„Spacemaster – Master in Space

Science and Technology“ an der Julius-Maximilians-Universität

Würzburg – auch wenn es

wohl nicht alle bis in den Weltraum schaffen

werden. Seit 2005 bietet die Hochschule den

internationalen Studiengang an, der durch das

EU-Elite-Programm Erasmus Mundus gefördert

wird. Inhaltlich befassen sich die Studierenden

etwa mit Weltraumphysik und der Konstruktion

von Raumsonden. Rund 600 Bewerbungen

aus der ganzen Welt kommen jährlich

in Würzburg, die 50 besten Bewerber werden

angenommen. Das zweijährige Master-Programm

richtet sich an sehr gute Absolventen

eines Bachelor- oder Ingenieursstudiums und

wird auf Englisch durchgeführt.

Weitere Infos unter

www.spacemaster.se

Zum WS 2019/2020 bietet die Hochschule

Flensburg einen 2. Studienschwerpunkt für

den Bachelorstudiengang „Maschinenbau

(B.Eng.)“ an. Zukünftig können sich Studierende

ab dem 4. Semester entscheiden,

ob sie den bestehenden Maschinenbaustudiengang

mit der Ausrichtung „Allgemeiner

und konstruktiver Maschinenbau“ fortführen

oder den Studienschwerpunkt „Antriebstechnik

und Elektromobilität“ wählen.

Inhaltlich betreut wird der neue Schwerpunkt

von Prof. Dr. Joachim Berg: „Um

den Erfordernissen der zukünftigen Arbeit

unserer Absolventen und Absolventinnen

im industriellen Umfeld gerecht zu werden,

wird der Studiengang so angelegt sein, dass

die ersten drei Semester, mit denen des

Maschinenbaus identisch sind.“ Grund für

die Erweiterung des Studienangebots sei die

zunehmende Digitalisierung der Arbeitswelt.

Mit der Entwicklung zur Industrie 4.0

erfolge eine Vernetzung aller technischen

Systeme, vor allem im Bereich der Antriebstechnik,

in allen technischen Anwendungen.

Weitere Informationen zum Studienangebot

der Hochschule Flensburg findest

du auf den Seiten 32 sowie unter

www.hs-flensburg.de/studieninteressierte

angestrebt. Perfektion von Körpern,

Perfektion von Bildern. Aber

was soll Perfektion in diesem

Zusammenhang überhaupt sein?

Glatt, makellos, vielleicht. Meine

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„Weiß ist unergründlich!“

Interview mit der Künstlerin Franziska Ostermann

Wer an einer Kunsthochschule studiert, erlebt eine besonders

kreative Studienzeit. Wer anschließend die Kunst zum Beruf

machen möchte, benötigt ein besonderes Maß an Selbstbewusstsein.

Die Muthesius-Absolventin Franziska Ostermann hat sich auf

diesen Weg begeben. Im CAMPUS-Interview spricht die 26-jährige

Kielerin über ihr Studium, die Kunst und … die Farbe Weiß.

Interview Christian Dorbandt

Fotos Franziska Ostermann

Hallo Franziska. Du hast 2018 deinen Masterabschluss

in Kommunikationsdesign mit

dem Schwerpunkt Fotografie an der Muthesius

Kunsthochschule Kiel absolviert und

bist seit einigen Jahren aktiv als freischaffende

Künstlerin tätig. Wie wird deine

Kunst vom Publikum aufgenommen?

Um eine Reaktion lesen zu können, muss

ich meine Kunst zunächst einem Publikum

zugänglich machen. Zu meiner künstlerischen

Arbeit gehört so auch immer das Suchen nach

und Bewerben um Ausstellungsmöglichkeiten.

Letztes Jahr konnte ich meine Arbeit auf Gut

Wittmoldt bei Plön in einer großen Einzelausstellung

zeigen, das war wunderbar. Auch in

Hamburg, Kiel, Berlin oder Flensburg habe ich

meine Arbeit bereits ausgestellt. Es ist schön,

wenn viele Medien darüber berichten, jede

Rückmeldung ist wertvoll.

Hast du bewusst den Entschluss gefasst, an

der Kunsthochschule zu studieren?

Mit 15 habe ich aktiv zu fotografieren begonnen.

Nach dem Abitur, ich besuchte das Gymnasium

Elmschenhagen, war mir klar, dass

ich studieren wollte. Germanistik oder Philosophie

vielleicht. Es zog mich also auch an

diesem Punkt schon in die Geisteswissenschaften,

wie ich heute einzuordnen weiß.

Schließlich überwog der Wunsch, meiner

Leidenschaft, der Fotografie zu folgen. Ich

recherchierte und fand heraus, dass ich mich

an der Muthesius im Schwerpunkt Kommunikationsdesign

nach dem Grundstudium auf die

Fotografie spezialisieren konnte. Mein Entschluss

stand fest. Und das eine Woche vor

Mappenabgabe.

Wie bewertest du im Nachhinein deine Studienzeit?

Es war großartig, plötzlich Zugang zu so viel

Wissen auf für mich spannenden Gebieten

zu erlangen. Ich belegte alle Vorlesungen

und Seminare, die mich interessierten und

schließlich auch noch zusätzliche an der CAU,

um mir Wissen über das Schreiben einzuholen,

für das ich eine zweite Leidenschaft

erkannte. Auch der wissenschaftliche Zugang

zur Kunst- und Medienphilosophie, den ich an

der Muthesius Kunsthochschule erhielt, hat

meinen Weg sehr bereichert. Mit etwas Mut

kann man hier allen Ideen folgen, die sich in

den Kopf setzen.

Apropos Mut. Braucht es Mut, um den

Berufsweg Künstlerin zu wählen?

Es gehört sehr viel Überzeugung und auch

Mut dazu, ja. Der Weg wird nicht der leichteste,

aber welcher wäre das schon? Es ist

sicher ein interessanter, herausfordernder,

der auf Gebieten schult, die in keinem Curriculum

stehen. Ich empfinde meine künstlerische

Leidenschaft als Geschenk. Ich weiß

genau, was ich will und ich weiß, dass ich

dem folgen werde. Um meine Zeit ausschließlich

meiner Kunst widmen zu können, brauche

ich Unterstützung. Förderungen in Form von

Auszeichnungen, Ausstellungsmöglichkeiten

oder Stipendien sind hierfür essenziell. Über

die Graduiertenförderung der Muthesius wird

mir beispielsweise gerade ein gemeinsames

Atelier mit meiner Kollegin Peggy Stahnke

ermöglicht.

Du arbeitest mit fotografischen Montagen

und Texten. Welche Themen verfolgst du?

Was mich umtreibt, ist das Verhältnis von Zeit

und Raum in den Medien Text und Bild. Im

Bildraum kann man durch die Zeit getrennte

Ansichten einander gegenüberstellen. Das

finde ich faszinierend. Ich empfinde die Fotografie

als eine Brücke zwischen den Zeiten.

Gerade habe ich einen Gedichtband herausgebracht.

Das Selbstportrait ist ein zentraler

66

67


Punkt meiner Arbeit; wenn ich mich selbst

fotografiere, bin ich gleichzeitig Fotografin

und Fotografierte. Ist das nicht erstaunlich?

Lässt sich deine Arbeit mit dem fotografischen

Selbstportrait an die Selfie-Kultur

anschließen?

Als ich begann, mich selbst zu fotografieren,

war mir das Wort ‚Selfie‘ noch kein Begriff. Es

galt vielmehr als etwas verpönt, sich selbst

auf diese Weise zu inszenieren. Ich finde es

überaus spannend, Teil dieser Bewegung zu

sein und beobachte die Gemeinsamkeiten und

Unterschiede zu meiner Arbeit mit großem

Interesse.

Kannst du einen dieser Unterschiede in

Worte fassen?

Es scheint mir, als würde in den sozialen Netzwerken

oft Perfektion angestrebt. Perfektion

von Körpern, Perfektion von Bildern. Aber

was soll Perfektion in diesem Zusammenhang

überhaupt sein? Glatt, makellos, vielleicht.

Meine Bilder sind schön, aber streben keinen

Perfektionismus an. Durch Brüche in der Montage

und mittels der Grenzen der Technik hinterfrage

ich den Illusionismus von Fotografie.

Weitere Informationen zur Kunst

von Franziska Ostermann auf

www.franziskaostermann.de

Das Weiß nimmt eine zentrale Rolle in deiner

Arbeit ein. Deine Kleidung, dein Atelier

– alles ist weiß.

Ja, ich umgebe mich seit vielen Jahren mit

Weiß. Es wirft viele Fragen auf, ist unergründlich

und dann wieder mit vielen Bedeutungen

besetzt. In Europa steht Weiß beispielsweise

für Unschuld oder Reinheit, im asiatischen

Kulturraum für den Tod. Es kann sowohl die

Anwesenheit als auch die Abwesenheit aller

Farben bedeuten. Indem ich Weiß trage, sage

ich auch: Ich bin meine Arbeit.

Wie erhältst du die Möglichkeit, deine Bilder

ausstellen zu können? Bewirbst du dich

direkt bei Ausstellungshäusern?

Um meine Bilder zeigen zu können, brauche

ich zunächst ein großes Netzwerk aus Kontakten.

Ich bewerbe mich kontinuierlich auf

Stipendien oder Ausstellungsmöglichkeiten,

kontaktiere Galerien und schaue nach Ausschreibungen.

Das ist oft ein mühsamer Prozess,

der mit vielen Absagen verbunden ist.

Was ist dein nächstes Projekt?

Ich arbeite momentan an vielen Projekten

gleichzeitig. Eine nächste Arbeit wird ein

fotografisch-literarischer Essay, in dem ich

die Medien Text und Fotografie sich gegenüberstelle.

Wo würdest du deine Arbeiten am liebsten

ausstellen?

Ich möchte meine Werke gerne in Berlin zeigen.

Die Fotogalerie C/O wäre ein großes Ziel

für die Zukunft.

Die Muthesius Kunsthochschule Kiel

Die Muthesius Kunsthochschule Kiel ist die einzige Kunsthochschule

in Schleswig-Holstein. 2005 gegründet, bietet die renommierte

Hochschule rund 600 Studienplätze in den Studiengängen „Freie

Kunst“ (auch für das Lehramt an Gymnasien), „Raumstrategien“,

„Kommunikationsdesign“ und „Industriedesign“.

Studiensituation

Das Besondere an der Muthesius Kunsthochschule

sind ihre vielen Werkstätten, die den

Studierenden aller Bereiche zur Verfügung

stehen – und das rund um die Uhr. Das entspricht

dem Anspruch der Muthesius, ihren

Studierenden die größtmögliche Freiheit für

ihre künstlerischen Arbeiten zu gewähren.

„Es ist Freiraum nötig, um sich zu bewegen.

Deshalb ist die erste Bedingung für Kunst

und Design an unserer Hochschule Freiheit!“,

betont Präsident Dr. Arne Zerbst. Auch der

hohe Betreuungsschlüssel und die Möglichkeit,

an fächerübergreifenden Veranstaltungen

teilzunehmen, fördern das kreative

Potential der Studierenden.

Studieninformation

Allgemeine Informationen bietet jederzeit das

Studierendensekretariat. Empfehlenswert ist

der Besuch der Jahresausstellung „Einblick –

Ausblick“ vom 10. bis 13. Juli 2019. In dieser

Veranstaltung präsentieren Studierende ihre

Semester- und Abschlussarbeiten der Öffentlichkeit.

Bewerbung

Wie für eine Kunsthochschule üblich, ist die

erfolgreiche Bewerbung an eine Mappeneinreichung

gebunden. Mit der Mappe sollen die

zukünftigen Studierenden ihr künstlerisches

Talent präsentieren.

Wer unsicher ist, wie eine Mappe auszusehen

hat, dem hilft die „Mappenberatung“ bei

der Orientierung. War die Mappenbewerbung

erfolgreich, steht noch ein Eignungstest an,

der für das Bachelor-Studium drei künstlerische

und gestalterische Aufgaben beinhaltet.

Die Termine zur Mappenberatung gibt es

online unter: https://muthesius-kunsthochschule.de/bewerben/die-mappe/.

Bewerbungsfristen:

Jedes Jahr am 15. Mai oder 15. November

Bewerbungsunterlagen

• eine Mappe mit ca. 20, maximal 30 eigenen

künstlerischen Arbeiten

• der Antrag auf Zulassung zur Eignungsprüfung

• ein tabellarischer Lebenslauf mit Foto

• Zeugnis der allgemeinen Hochschulreife,

oder ein Zeugnis der fachgebundenen

Hochschulreife für Design/Kunst

• weitere Zeugnisse (Wehrdienst, Zivildienst,

Freiwilliges soziales Jahr)

Studiengänge

• Freie Kunst: 8 Semester (B.F.A.) / 4

Semester (M.F.A.)

• Kunst Lehramt an Gymnasien: 6 Semester

(B.F.A.) / 4 Semester. Das Zweitfach muss

an der Christian- Albrechts-Universität zu

Kiel belegt werden.

• Kommunikationsdesign: 6 Semester (B.A.)

/ 4 Semester (M.A.)

• Industriedesign: 6 Semester (B.A.) / 4

Semester (M.A.)

• Raumstrategien: Szenografie / Interior

Design: 6 Semester (B.A.) + Spatial Strategies:

4 Semester (M.A.)

Muthesius Kunsthochschule

Legienstraße 35

24103 Kiel

T: 0431/5198-414 / -404

studieninfo@muthesius.de

www.muthesius-kunsthochschule.de

facebook.com/MuthesiusKunsthochschule

Foto: Christian Dorbandt

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„GEHOLFEN HAT MIR DER

MATHE-VORKURS, DENN

DIE UMSTELLUNG VON

SCHULUNTERRICHT AUF DEN

STUDIENALLTAG IST HEFTIG!“

STUDENTEN-PORTRAITS

„IM LAUFE DES

STUDIUMS MÜSSEN

ALLE BWL-

STUDIERENDEN DIE

BERÜHMTE MATHE-

KLAUSUR BESTEHEN!“

STUDENTEN-PORTRAITS

STUDENTEN-

PORTRAITS

Dana

Dana, 19

aus Wilhelmshaven, studiert im 3. Semester BWL (B.A.) mit

Schwerpunkt Human Resource Management an der Hochschule

Flensburg.

„Ich studiere an der Hochschule Flensburg, weil ich mal aus

Wilhelmshaven rauskommen wollte! Die Nähe zum Meer wollte

ich allerdings beibehalten. Deshalb fühle ich mich in Flensburg

sehr wohl. Das Studium habe ich mit dem Schwerpunkt Human

Resource Management gewählt, da ich später im Bereich Personalleitung

arbeiten möchte. BWL studieren heißt, sich unter

anderem mit Mathe zu beschäftigen, zum Beispiel wenn es um

Kostenwesen und Controlling geht. Was ich jedem empfehlen

kann, ist der zweiwöchige Mathe-Vorkurs, der vor Studienbeginn

stattfindet. In diesem Kurs kann jeder erkennen, was auf ihn zukommt.

Im Laufe des Studiums müssen alle BWL-Studierenden die

berühmte Mathe-Klausur bestehen. Bei mir hat es gut geklappt,

deshalb unterstütze ich jetzt die Studienanfänger als Tutorin.

In meiner Freizeit schwimme ich gern, besuche ‚CampusFitness’

oder gehe bei schönem Wetter auf unserem grünen Campus spazieren!“

Jan, 28

aus Stolk, studiert im 2. Semester Systemtechnik (M.Eng.) an der

Hochschule Flensburg.

„Ich mache gerade meinen Master in Systemtechnik an der Hochschule

Flensburg. Davor habe ich das Bachelorstudium Maschinenbau

absolviert. Wenn ich mich zurückerinnere, war der Studienbeginn

am schwierigsten. Im Maschinenbaustudium erwirbt man

während der ersten Semester die theoretischen Grundlagen. Mathe,

Physik, Technische Mechanik und Elektrotechnik stehen unter

anderem auf dem Stundenplan, und ich musste intensiv lernen.

Geholfen hat mir ein Mathe-Vorkurs, denn die Umstellung von

Schulunterricht auf den Studienalltag ist heftig! Ab dem dritten

Semester, mit der Entscheidung für zwei Wahlpflichtfächer, wurde

das Studium jedoch immer interessanter. Im Studium der Systemtechnik

arbeite ich zurzeit an unserem Solarboot-Projekt. Meine

Aufgabe ist es, bestimmte Komponenten im FabLab zu konstruieren

und dreidimensional zu drucken. Nach Abschluss des Masterstudiums

würde ich gern in einer Konstruktionsabteilung für

Nutzfahrzeuge arbeiten. Ein entsprechendes Praktikum habe ich

schon absolviert!“

Text Christian Dorbandt | Foto Sebastian Weimar

Text Christian Dorbandt | Foto Sebastian Weimar

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„NEUE STUDIS WOLLEN

AUCH WISSEN, WIE

DIE MENSA-KARTE

FUNKTIONIERT UND WELCHE

PROFESSOREN BESONDERS

BELIEBT SIND!“

„ICH MÖCHTE DEN

KONTAKT ZU DÄNISCHEN

EINRICHTUNGEN PFLEGEN,

DAMIT WIR VONEINANDER

LERNEN KÖNNEN.“

„MEIN ZIEL IST ES, IM

BEREICH MARKETING

ZU ARBEITEN!“

„BEI DER GMSH GIBT ES

EINEN FACHÜBERGREIFENDEN

ZUSAMMENHALT, DER MIR GUT

GEFÄLLT!“

STUDENTEN-PORTRAITS

STUDENTEN-PORTRAITS

Jan-Henrik, 20

aus Lübeck, studiert im 2. Semester BWL (B.A.) an der Hochschule

Flensburg.

„Ich habe mein Abitur an der Thomas-Mann-Schule in Lübeck absolviert

und studiere jetzt BWL in Flensburg. Warum? Ich wollte

zuhause ausziehen und als Studienort gefiel mir die Stadt Flensburg.

Momentan unterstütze ich als Tutor den Mathe-Vorkurs von

Frau Witt. An diesem Kurs habe ich zu Beginn auch teilgenommen

und anschließend die BWL-Mathe-Klausur mit der Note 1,0 bestanden!

Als Tutor kann ich Studienanfängern bei den Übungsaufgaben

helfen, denn ich habe die schriftlichen Lösungen zur Hand. Doch

es geht im Vorkurs nicht ausschließlich um das Thema Mathe. Neue

Studis wollen auch wissen, wie die Mensa-Karte funktioniert und

welche Professoren besonders beliebt sind. Ich bin mit meiner Studienwahl

zufrieden. Die Stärken der Hochschule Flensburg sind für

mich: der persönliche Bezug zu den Professoren und Dozenten, die

gute Atmosphäre unter den Studierenden und der grüne Campus!“

Nele, 25

aus Flensburg, hat an der Syddansk Universitet (SDU) in Sonderborg

„Interaction Design“ (B.Eng.) studiert sowie an der SDU in

Kolding „IT und Produktdesign“ (M.Sc.) und arbeitet seit März

2019 als wissenschaftliche Mitarbeiterin für das didaktisierte Fab-

Lab der Hochschule Flensburg.

„Ich komme aus Flensburg, habe in Dänemark studiert und kehre

nun als wissenschaftliche Mitarbeiterin zurück. An der Hochschule

werde ich zukünftig Aufgaben im didaktisierten FabLab

übernehmen, das gilt zum Beispiel für die Zusammenarbeit mit

Start-Up-Unternehmen sowie die Themen ‚Design Thinking’ und

‚digitale Fabrikation’. Schon während der Schulzeit war mir klar,

dass ich später in einem technischen Beruf arbeiten möchte. Mein

Interesse richtete sich allerdings weniger auf den Bau von Maschinen,

sondern vielmehr auf deren Design und Benutzung. Ich freue

mich darauf, meine Erfahrungen für das FabLab ‚Ideenreich’ einzubringen

zu können. In Dänemark ist die Maker-Bewegung stark

ausgeprägt. Viele Schulen sind dort bereits mit 3D-Druckern und

entsprechender Software ausgestattet. Ich möchte den Kontakt zu

dänischen Einrichtungen pflegen, damit wir voneinander lernen

können.“

Raik, 33

aus Rathenow, studiert im 6. Semester BWL (B.A.) mit Schwerpunkt

Marketing an der Hochschule Flensburg.

„Mein Ziel ist es, im Bereich Marketing zu arbeiten! Deshalb studiere

ich Betriebswirtschaft in der Studienrichtung Marketing. Vorher

war ich zwölf Jahre bei der Bundeswehr. Bereits zu jener Zeit habe

ich mich für Wirtschaftswissenschaften interessiert. Momentan absolviere

ich mein Pflichtpraktikum und zwar nicht, wie die meisten,

bei einem externen Unternehmen, sondern hier an der Hochschule.

Wie das möglich war? Ich habe einfach gefragt und es hat geklappt!

Der Vorteil ist, dass ich die Hochschule gut kenne und mich

nicht wochenlang in die Strukturen einer Firma einarbeiten muss!

Aus meiner Sicht kann man an der Hochschule Flensburg sehr gut

studieren. Mir gefällt auch die Stadt. Sie hat für mich die ideale

Größe, nicht zu klein, nicht zu groß! Es gibt einen schönen Hafen,

nette Kneipen und viele Sport- und Freizeitmöglichkeiten!“

Lisa, 22

aus Hörnum auf Sylt, absolviert im 2. Semester das duale Studium

Bauingenieurwesen (B.Eng.) bei der GMSH.

„Ich möchte unbedingt als Ingenieurin auf der Baustelle stehen!

Deshalb glaube ich, mit dem industriebegleitenden Studium

Bauingenieurwesen (B.Eng.) die richtige Wahl getroffen zu haben.

Ich erlebe bei der GMSH die ideale Kombination aus Theorie und

Praxis. Nach dem Studienblock an der FH Kiel sammle ich in unterschiedlichen

Fachgruppen praktische Erfahrungen. Die GMSH

betreut beinahe alle Objektarten. Je nach Landes- oder Bundesbauten

besichtige ich Baustellen an Polizei- oder Hochschulgebäuden,

an öffentlichen Parkplätzen oder betreue Baumaßnahmen an

Flughäfen, Kasernen oder Kanälen. Nicht nur die Praxiserfahrungen

sind hilfreich, auch die persönliche Begegnung mit Ingenieuren,

Architekten und Handwerksfachkräften ist interessant. Bei der

GMSH gibt es einen fachübergreifenden Zusammenhalt, der mir gut

gefällt. Das betrifft auch den regelmäßigen Austausch mit Studierenden

aus den anderen Studiengängen. Im Bauingenieurwesen

geht es nämlich nicht nur ums Bauen, sondern auch um Kommunikation!“

Text Christian Dorbandt | Foto Sebastian Weimar

Text Christian Dorbandt | Foto Sebastian Weimar

Text Christian Dorbandt | Foto Sebastian Weimar

Text Christian Dorbandt | Foto Sebastian Weimar

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„ICH PLANE EIN

AUSLANDSSEMESTER

AN UNSERER

PARTNERUNIVERSITÄT IN

LIMERICK.“

„DEN HOHEN

PRAXISANTEIL IN DER

LEHRERAUSBILDUNG

AN DER EUF FINDE ICH

SINNVOLL.“

„MEINE ERWARTUNGEN AN

DAS STUDIUM WURDEN NICHT

NUR ERFÜLLT, SONDERN

ÜBERTROFFEN.“

„OBWOHL ICH ERST IM

ERSTEN SEMESTER BIN, HABE

ICH SCHON UNGLAUBLICH

VIEL GELERNT. AUCH ÜBER

MICH SELBST.“

STUDENTEN-PORTRAITS

STUDENTEN-PORTRAITS

Nele, 21

aus Schleswig, studiert im 4. Semester Bildungswissenschaften

(B.A.) in den Teilstudiengängen Kunst und visuelle Medien sowie

Englisch an der EUF.

„Ich heiße Nele und studiere Kunst und Englisch auf Lehramt an

der EUF. Nach dem Abitur habe ich zunächst einen Bundesfreiwilligendienst

an einer Schleswiger Grundschule absolviert. Dort erhielt

ich wertvolle Einblicke in den Lehreralltag und durfte vertretungsweise

einige Unterrichtseinheiten leiten. Anschließend entschied

ich mich für die Europa-Universität Flensburg, um auf Lehramt zu

studieren. Nur hier kann ich in Schleswig-Holstein Kunst und Pädagogik

an derselben Hochschule studieren. Um für das Kunststudium

zugelassen zu werden, musste ich unter anderem eine Mappe mit

fünf selbständigen Arbeiten anfertigen und in einem persönlichen

Gespräch vorstellen. Zum Glück wurde ich angenommen! Im Bereich

Kunst hat mir zuletzt der Kurs ‚Druckgrafik‘ gefallen. In Englisch

war ich von der Veranstaltung ‚Sprachwissenschaft‘ begeistert.

Generell bin ich mit meiner Studienwahl sehr zufrieden, denn

die EUF strahlt eine sehr angenehme Atmosphäre aus und ich fühle

mich sehr gut betreut. Wenn ich eine Frage habe, stehen mir jederzeit

alle Türen offen! Das nächste Highlight steht an: Ich plane

ein Auslandssemester an unserer Partneruniversität in Limerick.“

Text Christian Dorbandt | Foto Sebastian Weimar

Paul, 21

aus Bad Oldesloe, studiert im 2. Semester Bildungswissenschaften

(B.A.) in den Teilstudiengängen Mathe und Wirtschaft/Politik an

der EUF.

„Hallo, ich bin Paul und studiere Mathe und Wirtschaft/Politik auf

Lehramt in Flensburg. Um zu prüfen, ob ich als Lehrer grundsätzlich

geeignet bin, habe ich nach dem G8-Abitur ein Freiwilliges Soziales

Jahr an einer Grundschule absolviert. Das war eine wichtige

Erfahrung, die mich in meinem Berufswunsch bestärkt hat. Jetzt

bin ich im zweiten Semester und bisher gefällt mir das Studium

ziemlich gut. Natürlich sind manche Seminare interessanter als andere,

aber in jeder Veranstaltung treffe ich Leute, mit denen ich

mich gut verstehe, sodass ich mich auf jeden Studientag freue. Ein

Grund, weshalb ich unbedingt an der EUF in Flensburg studieren

wollte, ist die Tatsache, dass wir bereits im ersten Semester einen

Tag in der Woche an einer Schule verbringen. Den hohen Praxisanteil

in der Lehrerausbildung an der EUF finde ich sinnvoll. Dadurch

spüre ich immer deutlicher, dass ich gern mit Schülern zusammenarbeite

und ihnen Inhalte so erklären kann, dass sie sich auch

verbessern. In welcher Schulform ich später unterrichten möchte,

ist mir noch nicht klar. Entscheiden muss ich mich aber auch erst

im Masterstudium. Bis dahin habe ich noch viel Zeit, das Studium

und die Stadt Flensburg zu genießen.“

Text Christian Dorbandt | Foto Sebastian Weimar

Isabelle Backsmann, 28

aus Mainz, ist im 3. Semester ihres Studiums Psychologie (B.Sc.)

an der MSH Medical School Hamburg.

„Psychologie hat mich schon immer gereizt. Menschliches Verhalten

verstehen und erklären – das wollte ich lernen. Leider fehlte

mir der passende NC. Als Alternative fiel meine Wahl auf Zahnmedizin,

was sich aber als Fehler entpuppte, denn wohl fühlte ich mich

in diesem Fachbereich nicht. Ich beschloss, meinen ursprünglichen

Plan weiter zu verfolgen und fand das Angebot eines NC-freien Psychologiestudiums

an der MSH Medical School Hamburg. Nachdem

ich den Offenen Campustag besuchte und mich mit Professoren

und Studierenden aus höheren Semestern austauschte, stand meine

Entscheidung fest: Ich gehe nach Hamburg. An der MSH zählt

nämlich nicht der NC, sondern Talent und Motivation – und beides

habe ich! Meine Erwartungen an das Studium wurden nicht nur

erfüllt, sondern übertroffen. Die Lehrenden sind sehr engagiert und

stehen uns auch außerhalb der Lehrveranstaltungen helfend zur

Seite. Wir haben ein sehr engagiertes Veranstaltungskomitee und

zahlreiche Sport- und Freizeitangebote. Auch der Zusammenhalt

unter den Studierenden ist groß. Meinen Master werde ich ebenfalls

an der MSH absolvieren.“

Text Katharina Grzeca | Foto Laura Hasl

Jonas Yaya, 26

aus Hamburg-Harburg, ist im 1. Semester seines Studiums Soziale

Arbeit (B.A.) an der MSH Medical School Hamburg.

„Mein Interesse, mit Menschen zu arbeiten und ihnen zu helfen,

ihre Probleme zu lösen, erkannte ich während des Zivildienstes

im Montessori-Kinderhaus in Buchholz in der Nordheide. Anschließend

absolvierte ich zuerst eine Ausbildung zum Gesundheits- und

Krankenpfleger, arbeitete nach der Ausbildung für längere Zeit im

Bereich der Neurologie und neurologischen Reha und bildete mich

anschließend zum Pflegeberater weiter. Um mein Wissen in diesem

Gebiet zu erweitern, methodisches Know-how zu erlernen, vor allem

aber um meine Arbeit auf wissenschaftliche Erkenntnisse zu

stützen, entschied ich mich, noch einmal zu studieren. Im Studiengang

Soziale Arbeit beschäftigen wir uns mit sozialen Problemen

wie Armut, Exklusion, Diskriminierung oder Kriminalität.

Wir lernen, Menschen professionell zu beraten, die in eine Notlage

geraten sind, und geben Hilfe zur Selbsthilfe. Obwohl ich erst im

ersten Semester bin, habe ich schon unglaublich viel gelernt. Auch

über mich selbst, zum Beispiel dadurch, dass ich lerne, Menschen

mit anderen Meinungen zu akzeptieren. Offenheit ist daher eine

wichtige Eigenschaft für alle, die sich für dieses Studium interessieren.

Wichtig sind außerdem Neugierde und der Mut, Dinge zu

hinterfragen.“

Text Katharina Grzeca | Foto Laura Hasl

74

75


ERLEBEN

„WENN ICH MICH SPÄTER

ALS ARCHITEKT BEWERBE,

WERDE ICH MIT ALLEN

ERFAHRUNGEN PUNKTEN,

IMPRESSUM

ME2BE CAMPUS SPECIAL

ist ein Produkt der

BRANDPUBLISHERS COMMUNICATION GmbH

Von-Kurtzrock-Ring 16

22391 Hamburg

Telefon 040 - 99 99 66 08

Geschäftsführer

Axel von Kortzfleisch

RAUS AUS DEM CAMPUS!

DIE ICH AN DER TH LÜBECK

Presse- und Öffentlichkeitsarbeit

Christian Dorbandt

presse@me2be.de

SAMMELN KONNTE!“

Chefredaktion (V.i.S.d.P.)

Katharina Grzeca

katharina.grzeca@me2be.de

Chef vom Dienst

Lutz Timm

Kunst: Ehemalige Studierende der

Muthesius Kunsthochschule eröffnen die

Gallery Cube + .... Seite 78

Filmtipp: Amy Adams und Jeremy Renners

versuchen, die Sprache außerirdischer

Besucher zu entschlüsseln .... Seite 80

AUFMACHER

Protest: Im Gespräch mit dem

Fridays-for-Future-Mitorganisator Jakob

Blasel .... Seite 82

STUDENTEN-PORTRAITS

Textredaktion

Christian Dorbandt, Lutz Timm, Marc Asmuß, Lina Kerzmann,

Joachim Welding, Katharina Grzeca, Jana Limbers

Lektorat

Erhard Mich

Onlineredaktion

Jana Limbers, Christian Dorbandt, hello@me2b2.de

Social Media

Mona Dreisow

hello@me2be.de

Art Direction

Katharina Grzeca, Merle Jurzig

Foto

Sebastian Weimar, Sönke Dwenger, Frieder Dillmann, Florian

Kolmer, Laura Hasl, Christian Brandes, Illona Frey/Pixabay,

©2015 20th Century Fox Film Corporation, Kiepenheuer&Witsch,

Blanvalet, ©2016 Paramount Pictures, Flatastic,

Buffl, ©Columbia, ©Rough Trade, ©Universal Music, Mateus

Dworczyk, TH Lübeck, Paula Markert / HAW Hamburg, Christina

Kloodt, Franziska Ostermann, BMBF/Laurence Chaperon,

Lutz Timm, Frank Peter, MSH Medical School Hamburg,

Christian Dorbandt, Jan Steffen Geomar Helmholtz-Zentrum

für Ozeanforschung Kiel

Woche für Woche wächst

die Zahl der Unterstützer

und Teilnehmer an den

Klimaprotesten unter

dem Motto „Fridays for

Future“.... Seite 84

AUFGEPASST

Jan, 21

aus Hamburg, studiert im 7. Semester Architektur an der TH Lübeck.

Illustration

Ibou Gueye, Raphaelle Martin

Coverfoto

Florian Kolmer

„Moin, ich bin Jan und studiere Architektur an der TH Lübeck. Das

Studium begeistert mich, die Entscheidung habe ich allerdings etwas

blauäugig getroffen. Nach dem Abitur am Gymnasium Farmsen

in Hamburg hatte ich zwar ein vages Interesse am Baugewerbe,

aber noch keinen genauen Plan für meine berufliche Zukunft. Den

Stein ins Rollen brachte ein Trainingskollege, als er mich zu einem

Baustellenpraktikum in seine Firma einlud. Das gefiel mir so gut,

dass ich mich über bauspezifische Studiengänge im Norden informierte

und mich mit dem Nachweis über ein Vorpraktikum bei der

TH Lübeck bewarb. Ein Highlight des Studiums ist unser Projekt

‚Solar Decathlon’, für das ich mich seit einem Jahr engagiere und

in dessen Rahmen ich schon mehrfach nach Marokko gereist bin.

In solchen Projekten und Seminaren und persönlichen Begegnungen

habe ich unglaublich viele Erfahrungen sammeln und Kontakte

knüpfen können. Wenn ich mich später als Architekt bewerbe,

werde ich mit allen Erfahrungen punkten, die ich an der TH Lübeck

sammeln konnte!“

Text Christian Dorbandt | Foto Sebastian Weimar

1. Auflage

www.me2be.de

www.facebook.com/me2bemag

Druck

VDD AG

09603 Großschirma

ME2BE Bestellservice

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Telefon 040 - 99 99 66 08

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© 2019 für alle Beiträge der

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ME2BE CAMPUS SPECIAL wird

kostenlos an Schulen verteilt.

Nachdruck, Aufnahme in Onlinediensten und Internet und Vervielfältigung

auf Datenträgern jeglicher Art – auch auszugsweise – nur

nach vorheriger schriftlicher Zustimmung des Verlages. Der Verlag

haftet nicht für unverlangt eingesandte Manuskripte, Fotos und

Videos, und übernimmt keinerlei Haftung für die Richtigkeit der

jeweiligen Anbieter. Anzeigenpreise auf Anfrage.

Mehr Protest: 27.000 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler

haben sich als „Scientists for Future“ den aktuellen

Schülerprotesten angeschlossen .... Seite 88

Expertenwissen: Klimaforscher Prof. Mojib Latif vom Geomar

Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung in Kiel fordert eine „breite

Bewegung“ gegen den Klimawandel .... Seite 90

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HINGEGANGEN

Zusammen ist man weniger allein

“Ich finde es erstaunlich, dass die

Werke etwas ausdrücken, das man so

nicht in Worte fassen kann.“ - Doro

In den früheren

Geschäftsräumen des Schusterund

Schlüsseldienstes Schäfer

im Knooper Weg 104 haben die

ehemaligen Studierenden der

Muthesius Kunsthochschule,

Ying-Chih Chen und Shi Shi,

die Gallery Cube + eröffnet.

“Wir wollen die Kunstschaffenden

und ihre Kunst in Kiel halten oder

zumindest temporär zurückholen.“ - Shi Shi

Text Marc Asmuß

Fotos Mateus Dworczyk

Gallery Cube +

Knooper Weg 104

24105 Kiel

Öffnungszeiten:

Do.-Sa. 13 bis 20 Uhr

www.gallery-cubeplus.com

Die Gallery Cube + verbindet die Arbeiten von

Künstlerinnen und Künstlern aus unterschiedlichen

Fachrichtungen und bietet Kunstschaffenden

eine Plattform für den Austausch von

Ideen und die Präsentation ihrer Werke.

Die Gemeinschaftsausstellung „Somehow it

happend“ war vom 27. März bis zum 13. April

in der Gallery Cube+ zu sehen. Wir von ME2BE

haben die Vernissage besucht und waren

beeindruckt!

Die melancholischen Bunt- und Bleistiftzeichnungen

mit dem Titel „Rosen, Tulpen, Nelken,

alle Blumen welken“ von Stefanie Röhnisch

gehen mit Songei Lees Installation „Ohne

Titel“ aus gebrannten Tonröhren eine regelrechte

Symbiose ein.

Die Keramikkünstlerin Lee hat 2017 ihre

Abschlussarbeit an der Muthesisus Kunsthochschule

angefertigt. Darin setzt sie sich

mit dem Thema der Massenproduktion von

Lebensmitteln und der damit korrespondierenden

Entfremdung von der Ursprungsform

des Produkts, am Beispiel der Artischocke, auseinander.

Röhnischs Zeichnungen sind ebenso

Teil ihrer Masterarbeit, die sie an der Kieler

Kunsthochschule verfasst hat. In der Gallery

Cube+ konnten Besucher die ansonsten zeitlich

und räumlich voneinander getrennt präsentierten

Werke zusammen, in einer vollkommen

neuen Form betrachten.

Neben den wiederkehrenden Formen in den

Zeichnungen von Röhnisch und den eigentümlich

verformten zylindrischen Installationen

von Lee ist die Hand ein gemeinsames Motiv

ihrer Werke. Außerdem eint sie die Fragilität,

die einerseits auf emotionaler und andererseits

auf materieller Ebene spürbar wird. Die

mit Bleistiften und Buntstiften gezeichneten

Portraits von Röhnisch vermitteln den Eindruck

von Einsamkeit und Sehnsucht. Obwohl

die Objekte von Lee diese Atmosphäre gerade

durch ein Fehlen von Verbindungselementen

verstärken, entsteht durchaus der Eindruck

von Zuversicht. Alle an den Galleriewänden

hängenden Ton-Röhren lagen zum Zeitpunkt

der ersten Produktion in identischer zylindrischer

Form vor. Erst im weiteren Prozess

erhielten sie ihre verfremdete Gestalt.

Dadurch wird ebenso auf die Unverwechselbarkeit

des Individuellen angespielt, womit

die Künstlerin auch auf den positiven Aspekt

des Alleinseins verweist.

In der Zusammenführung unterschiedlicher

Fachrichtungen und Menschen liegt die

Besonderheit der Gallery Cube+. Die Werke der

Kunstschaffenden werden hier nicht räumlich

separiert, sondern bewusst zusammen präsentiert.

Mit dem Konzept der gemeinschaftlichen

Ausstellungen veranschaulichen Shi Shi

und Ying-Chih Chen zum einen Zusammenhänge

zwischen unterschiedlichen Kunstsprachen

und zum anderen erschaffen sie durch

die Kombination eine Symbiose, die in separaten

Einzelausstellungen nicht möglich wäre.

„Viele der Künstlerinnen und Künstler verlassen

Kiel nach dem Studium“, erzählt Shi

Shi. Sie hat Kommunikationsdesign an der

Muthesisus Kunsthochschule studiert und

sich entschieden nicht wegzugehen. Ebenso

wie Ying-Chih Chen, die Freie Kunst studiert

hat. Zusammen ergänzen sie sich perfekt

– wie ihre ausgestellten Werke. Sie wollen

Kunstschaffenden eine Plattform geben, um

einerseits zu netzwerken und andererseits den

Kunstwerken die Aufmerksamkeit zu bieten,

die sie verdienen.

Das Konzept scheint aufzugehen, die Vernissage

von „Somehow it happened“ war jedenfalls

gut besucht. Ab dem 18. April 2019

beginnt bereits die nächste vielversprechende

Ausstellung: YOUR TROUBLES WILL BE FADED

BY THE LUCK YOU WILL SOON HAVE. Die Werke

von Ting-Jung Chen, Preisträgerin der Kunsthalle

Wien 2018, treffen auf die von Jakob

Grebert.

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TIPPS UND

TRENDS

Die Geschichte der Frau

Feridun Zaimoglu

(Roman)

Verlag Kiepenheuer &

Witsch, Köln 2019

ISBN 9783462052305

Gebunden, 400 Seiten,

24,00 Euro

BUCH

GIER - Wie weit

würdest du gehen?

Marc Elsberg (Roman)

Blanvalet,

München 2019

ISBN 9783764506322

Gebunden, 448 Seiten,

24,00 Euro

Fiktion

Wohlstand für alle?

Was wäre wenn… Während Marc Elsbergs letzte Bücher

„Ein literarisches Abenteuer, ein großer

Gesang, ein feministisches Manifest“, verspricht

der Klappentext des neuen Buches von

Feridun Zaimoglu. Der ehemalige CAU-Student

lässt in „Die Geschichte der Frau“ zehn historische

weibliche Figuren zu Wort kommen, deren

Geschichten aufgrund männlicher Herrschaft

nicht überliefert wurden. Die Biografien porträtieren

Frauen über einen Zeitraum von fast

3.500 Jahren.

Text Marc Asmuß | Foto Kiepenheuer&Witsch

Thriller

(BLACKOUT und HELIX) dem Sci-Fi-Genre zuzuschreiben

sind, bewegt sich der Autor mit GIER

in einem fiktionalen Bereich, der unserer Realität

erschreckend nah kommt. Arbeitslosigkeit,

Hunger und eine neue Wirtschaftskrise

erschüttern die Welt. Bei einem Sondergipfel

soll die Lösung all dieser Probleme vorgestellt

werden, doch der renommierte Nobelpreisträger

kommt bei einem Autounfall ums Leben.

Nur eine Person war Zeuge und weiß, dass es

kein Unfall war.

Text Marc Asmuß | Foto Blanvalet

Putz-Punkte

Flatastic

Anbieter: mcm.init

Größe: 24,5 MB

Kostenlos

Produktivität

Die großen Streitthemen in WGs: Wer schuldet

wem Geld, wer ist dran mit Bad putzen und

wer hat schon wieder den Joghurt gegessen?

Mit Flatastic behältst du den Überblick über

Finanzen, Putzpläne, Einkaufslisten und was

sonst noch so passiert. Statt in noch einer

WhatsApp-Gruppe unterzugehen, können sich

alle Mitbewohner*innen im integrierten Chat

gegenseitig auf dem neusten Stand halten.

Die App ist übersichtlich gestaltet und wirklich

praktisch – Redaktionsintern getestet!

Text Jana Limbers | Foto Flatastic

APP

Ausgezettelt

Buffl

Anbieter: Brain Factory

Größe: 55,4 MB

Kostenlos

Bildung

Egal ob Germanistik, Physik oder Soziologie,

irgendwann wirst auch du in deinem Studium

für Prüfungen bestimmte Fachbegriffe oder

Vokabeln lernen müssen. Wenn du keine Lust

hast, alles auf kleine Kärtchen zu kritzeln, die

dann wild in deiner Tasche durcheinanderfliegen,

ist Buffl vielleicht die richtige Wahl für

dich! Die App ermöglicht dir modernes Karteikartenlernen,

unterwegs, cloudbasiert und

damit auf jedem Endgerät nutzbar.

Text Jana Limbers | Foto Buffl

Billie Eilish - When We All Fall Asleep.

Where Do We Go?

Universal Music

FILM

MUSIK

Video Killed The

Instagram-Star?

ARRIVAL

USA 2016 | R: Denis Villeneuve | Drama, Sci-Fi

E-Learning

mit Aliens

Aliens landen auf der Erde. Der Grund für ihr

Kommen stellt Expertenteams weltweit vor

Rätsel. Die Linguistin Dr. Louise Banks und der

Physiker Ian Donnelly erarbeiten auf Geheiß

des Militärs eine Art E-Learning Konzept, um

voneinander die jeweilige Sprache zu lernen.

Beide Seiten machen große Fortschritte miteinander

zu kommunizieren, bis es zu einem

folgenschweren Missverständnis kommt.

Text Lina Kerzmann

Foto ©2016 Paramount Pictures

DAS STREBEN NACH GLÜCK

USA 2006 | R: Gabriele Muccino | Drama

Von der Straße zum

Börsenmakler

Chris Gardner ist Handelsvertreter und hat in

ein Knochendichtemessgerät investiert. Doch

die Konkurrenz ist preisgünstiger und so stockt

der Verkauf. Nach der Trennung von seiner Frau

werden die finanziellen Probleme existenziell.

Chris und sein Sohn verlieren ihr Zuhause.

Einem unbezahlten Praktikum bei einer Investmentbank

gilt ihre letzte Hoffnung.

Text Lina Kerzmann

JOY

USA 2015 | R: David O. Russell | Drama

Erfolg dank

Wischmopp

Joy, die aus komplizierten Familienverhältnissen

stammt, kündigt ihren langweiligen

Job am Flughafen und besinnt sich auf

ihren Erfindergeist. Ihre Geschäftsidee? Ein

Wischmopp, der das Auswringen von Hand

überflüssig macht. Nach anfänglichen Schwierigkeiten

führt sie ihr Weg bis ins TV-Studio

des Shoppingkanals QVC. Der Wischmopp wird

ein Verkaufsschlager, aber Patentstreitigkeiten

bedrohen ihren Erfolg.

Text Lina Kerzmann

Foto ©2015 20th Century Fox Film Corporation

Solange - When I Get Home

Saint Records/Columbia

Nicht bloß

„die kleine

Schwester von“

In When I Get Home setzt sich Solange kritisch

mit ihrer Heimatstadt Houston (Texas)

auseinander. Trotz der inhaltlichen Schwere

klingt das Album unbeschwert – Dank des

Mix aus jazzig-psychedelischen Harmonien,

weichen Soul-Rhythmen und verträumten

Pop-Elementen. Auch die Beteiligung namhafter

Künstler wie Gucci Mane, Tyler the

Creator, Pharell Williams oder Earl Sweatshirt

bleibt unaufgeregt im Hintergrund. Das ist

erfrischend und herrlich lässig.

Text Lina Kerzmann | Foto © Columbia

Ebow - K4L

Problembär Records

Haltung zeigen

Zwischen Hip-Hop und Architekturstudium.

Zwischen der Wahlheimat Wien und der türkisch-alevitisch-kurdischen

Wurzeln. Geprägt

von diesem ‚Dazwischen‘ entwickelt Ebow

ihren eigenen Sound. Themen ihres politischen

Rap sind Rassismus, Feminismus,

Identität, aber auch Freundschaft, Liebe und

Partys. Das klingt mal nach Battlerap wie in

‚Schmeck mein Blut‘ und mal nach smoothem

R’n’B wie in ‚Butterfly‘.

Text Lina Kerzmann | Foto © Rough Trade

Mit knapp 16 Millionen Instagram-Fans im

Gepäck startet die 17-jährige Kalifornierin

momentan so richtig durch. In ihren verstörenden

Musikvideos haucht sie ihre düsteren

Texte über poppige Beats. Nicht nur musikalisch

macht Billie Eilish einfach, worauf sie

Lust hat. Ihr Style ist so außergewöhnlich,

dass er nicht nur die Teen Vogue in Begeisterung

versetzt. Nur logisch, dass sie nun auch

eine eigene Modelinie designt.

Text Lina Kerzmann | Foto © Universal Music

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Text Christian Dorbandt

Ich verspüre Panik,

wenn ich an die Zukunft denke!

Im Gespräch mit dem Fridays-for-Future-Mitorganisator Jakob Blasel

Jakob Blasel ist Schüler des Gymnasiums in Kronshagen und Mitorganisator

der Protestbewegung „Fridays for Future“, bei der Schülerinnen und

Schüler an jedem Freitag, statt zur Schule, auf die Straße gehen und für

eine radikale Veränderung der Klimapolitik demonstrieren. Begonnen

hat die Bewegung im August 2018 mit dem Schulstreik der 16-jährigen

schwedischen Schülerin Greta Thunberg. Mittlerweile erhält die Bewegung

weltweite Aufmerksamkeit. Am Freitag, den 15. März, schlossen sich rund

um den Globus circa 300.000 Schüler dem Protest an, davon allein etwa

15.000 in Schleswig-Holstein. Im Gespräch mit ME2BE wiederholt Jakob

die Forderungen seiner Generation an die politischen Entscheidungsträger

und erklärt, warum diese wichtiger sind als die Abiturvorbereitung.

Hallo, Jakob. Du gehörst du zu den ersten

Schülern, die sich in Deutschland für die

Protestbewegung ‚Fridays for Future‘ stark

gemacht haben. Wann und wie fing das an?

Mit dem Thema Klimawandel beschäftige ich

mich schon seit langer Zeit und engagiere mich

in mehreren Jugendgruppen. Als Greta Thunberg

dann letztes Jahr für eine andere Klimapolitik

zu streiken begann und im November

2018 die ersten Schülerproteste in Berlin aufkamen,

traf ich mich mit einigen Leuten. Wir

beschlossen, uns dem Protest anzuschließen,

und verabredeten uns über Whatsapp mit anderen

Schülern in Kiel und ganz Deutschland. Bei

unserem ersten Protest am 14. Dezember vor

dem Kieler Landeshaus rechneten wir mit 20

Teilnehmern. Es kamen 500!

Was genau ist eure Forderung?

Wir fordern die Einhaltung des Pariser Klimaschutzabkommens,

also die Selbstverpflichtung

der Staaten, die Erderwärmung auf 1,5

Grad Celsius zu beschränken. Wir verlangen

einen radikalen umweltpolitischen Kurswechsel

und eine sofortige und drastische Reduzierung

der Emissionen.

Foto Florian Kolmer

Auf welche Erkenntnisse stützt sich der

Protest?

Auf die Erkenntnisse weltweiter Klimaschutzforschung!

Wissenschaftler aus aller Welt

kommen im Intergovernmental Panel on Climate

Change, im IPCC, also im Klimaschutzprogramm

der UNO, zu der Erkenntnis, dass es

einen Klimawandel gibt, dass er von Menschen

verursacht wird und dass wir schätzungsweise

nur noch 11 Jahre Zeit haben, um einer Klimakatastrophe

entgegenzuwirken. Dann droht

ihrer Meinung nach die Gefahr eines irreparablen

Schadens! Der Klimaforscher Mojib Latif

beobachtet einen Anstieg des Meeresspiegels

um jährlich 3 Zentimeter. Das könnte bedeuten,

dass Kiel in 30 Jahren ein Meter unter

Wasser stehen wird!

Gegen wen richtet sich euer Protest?

Wir protestieren gegen die bisherige und

aktuelle Klimapolitik der Bundesregierung.

Sie wird nicht ansatzweise ausreichen, um

die Klimaschutzziele innerhalb der nächsten

Jahre zu erreichen. Wir erwarten von Politikerinnen

und Politikern aller Parteien, aber

auch von Bürgermeistern und allen anderen

Entscheidungsträgern, sich bedingungslos für

den Klimaschutz einzusetzen.

Muss sich nur die Politik ändern oder auch

das Konsumverhalten jedes Einzelnen?

Wir alle müssen unser Verhalten ändern! Es

wäre meines Erachtens hilfreich, wenn jeder

sofort zu einem Ökostromanbieter wechseln

und auf Flugreisen und Kreuzfahrten verzichten

würde. Wärmedämmung, Verzicht auf

Fleischverzehr … es gibt viele Ansätze, doch

ich glaube nicht, dass wir so lange abwarten

können, bis jeder sein eigenes Verhalten verändert

hat. Das Problem kann nur durch einen

schnellen Politikwechsel gelöst werden.

Ist es nicht naiv zu glauben, dass alle Schadstoffemissionen

innerhalb weniger Jahre

um 95 Prozent reduziert werden können?

Nein, wir halten es für naiv zu glauben, es sei

in Ordnung, es nicht zu tun! Wir hätten uns

auch gewünscht, man hätte schon vor über

vierzig Jahren auf die Warnungen des Club of

Rome reagiert, als vor den Grenzen des Wachstums

gewarnt wurde. Passiert ist nichts. Daran

sind andere Generationen schuld, nicht unsere!

Viele loben das politische Engagement der

‚Fridays-for-Future-Bewegung‘, doch es

gibt auch Kritik, vor allem an dem Zeitpunkt

der Proteste während der Schulzeit.

Wie stehst du zu diesen Vorwürfen?

Wir würden diese enorme Aufmerksamkeit

nicht bekommen, wenn wir uns an Samstagen

vor das leere Landtagsgebäude stellen würden.

Außerdem möchten wir bewusst die Botschaft

vermitteln: Was hilft es uns, zur Schule

zu gehen, wenn gleichzeitig unsere Zukunft

verspielt wird? Ich glaube, dass Nichtstun

mein Leben stärker bedroht als eine schlechtere

Abiturvorbereitung!

Wie hat deine Schule bisher auf die Fehlzeiten

reagiert?

Für die Schule kam es natürlich überraschend,

sodass anfangs niemand genau wusste, wie

damit umzugehen sei. Es gibt auch ein gewisses

Verständnis für unsere Haltung, aber auch

Einträge, Vermerke und teilweise ruppige

Kommentare. Ironischerweise habe ich im

Geografie-Unterricht gelernt, warum nachhaltiges

Handeln so wichtig ist! Die Schule ist

also auch eine Art ,Entwicklungszelle‘ unserer

Haltung.

Greta Thunberg sagt: ‚Ich will, dass ihr in

Panik ausbrecht!‘ Stimmst du ihr zu?

Absolut, denn ich verspüre selbst Panik,

wenn ich an die Zukunft denke! Es geht uns

nicht um blinde Panik, sodass man die Flucht

ergreift, sondern darum, die Bedrohung zu

verdeutlichen und die richtigen Lösungen zu

finden!

Was für eine Zukunft wünschst du dir?

Ich wünsche mir eine Zukunft, in der unsere

Gesellschaft funktioniert, in der unsere Häuser

nicht unter Wasser stehen und Natur- und

Umweltschutz in Ergänzung zur Menschenwürde

als oberste Priorität weltweit in allen

Verfassungen verankert wird!

Woche für Woche wächst eure Bewegung.

Am vergangenen Freitag zogen allein in

Kiel 7.000 Schülerinnen und Schüler durch

den strömendem Regen. Wie lange wollt

ihr den Protest noch aufrechterhalten?

So lange, bis endlich gehandelt wird und

bis es einen verbindlichen Klimaschutzplan

gibt, dessen Ziele auch eingehalten werden.

Deutschland ist einer der größten Klimaverschmutzer,

hat als einziges Land kein gesetzliches

Tempolimit und gehört zu den größten

Förderern des Braunkohleabbaus, des dreckigsten

Energieträgers überhaupt. Wie wollen

wir Brasiliens Präsident Bolsonaro dazu

bewegen, die Abholzung des Regenwaldes zu

stoppen, wenn wir gleichzeitig den Hambacher

Forst roden? Wenn wir glaubwürdig sein

wollen und eine Vorbildfunktion für den Rest

der Welt einnehmen möchten, brauchen wir

ein radikales Umdenken.

Du stehst – trotz der Proteste – kurz

vor dem Abitur. Weißt du schon, was du

anschließend machen wirst?

Nein, ich habe mich noch nicht festgelegt.

Grundsätzlich würde mich eine Tätigkeit in

einer Non-Government-Organisation oder bei

einer nachhaltig wirtschaftenden Firma interessieren,

aber es kann auch sein, dass ich

erstmal ein Freiwilliges soziales Jahr absolviere.

Gibt es Politiker, Wissenschaftler oder

andere Personen, die deiner Meinung nach

das Thema Klimaschutz sinnvoll angehen?

Ja, Greta Thunberg.

Vielen Dank für das Gespräch, Jakob.

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FOTOSTORY

CAMPUS STUDIUM COMPANIES PORTRAITS

Die Jugend macht ernst –

und alle machen mit

Woche für Woche wächst die Zahl der Unterstützer

und Teilnehmer an den Klimaprotesten

unter dem Motto „Fridays for Future“. Was

als Schulstreik der jungen Schwedin Greta

Thunberg vor dem schwedischen Parlament in

Stockholm begonnen hat, ist mittlerweile zu

einer weltweiten Jugendbewegung angewachsen.

Dabei zeigt eine häufig als unpolitisch

verschriene Generation, dass sie Protest als

Mittel zum Zweck durchaus beherrscht – und

zwar laut, positiv und sprühend vor Energie.

Im Klassenzimmer, auf dem Campus, an den

Esstischen der Familien – die Debatte um eine

andere Klimapolitik ist in der Mitte Gesellschaft

angekommen. Dadurch scheint immer

mehr Menschen klar zu werden, wie drängend

die Frage nach einem Umdenken wirklich ist.

Die Folge: Vom Kindergartenkind über Lehrer,

Eltern und Studenten bis hin zu den Großeltern

schließen sich immer mehr Gruppen

zusammen, um die Schülerproteste zu unterstützen.

Text Lutz Timm

Fotos Florian Kolmer

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Widerstand zwecklos

Doch nicht nur die Aktivisten auf der Straße

sorgen mit ihren Forderungen für eine lebhafte

Diskussion. Mittlerweile wächst auch

in der wissenschaftlichen Community der

Unmut, in den Universitäten ist das Thema

zunehmend präsent. Viele Professoren,

Dozenten und Forscher solidarisieren sich mit

den Protesten und verweisen auf unzählige

Studien, die den Ernst der Lage akademisch

untermauern.

Der bislang größte Coup: Mehrere Spitzenwissenschaftler,

darunter Maja Göpel – seit

2017 Generalsekretärin des Wissenschaftlichen

Beirats der Bundesregierung Globale

Umweltveränderungen – stellten sich hinter

die Bewegung. In der Initiative „Scientists

for Future“ solidarisierten sich rund 12.000

Wissenschaftler öffentlichkeitswirksam mit

den Zielen der Proteste und machten deutlich:

„Wir sind die Profis und sagen: Die junge

Generation hat recht.“

Gitarre statt Plakat:

Dieser Musiker (rechts)

hat seine Protestform

gefunden.

Noch ein schnelles

Selfie – Mitorganisatorin

Luisa Neubauer (unten

Mitte) weiß um die

Bedeutung von Sozialen

Medien.

Jung und Alt (unten)

gemeinsam gegen

den Klimawandel.

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Akademischer Aufstand

Fridays for Future erhält Unterstützung aus der Forschung

Text Lutz Timm

Fotos Florian Kolmer,

Illona Frey/Pixabay

Rückendeckung von den „Profis“: Rund 27.000 Wissenschaftlerinnen

und Wissenschaftler haben sich als „Scientists for Future“ den

aktuellen Schülerprotesten angeschlossen. In einer Erklärung sichern

sie den jungen Fridays-for-Future-Aktivisten „volle Unterstützung“

zu. Mit der Initiative der Forscher hat die wachsende Bewegung

für besseren Klimaschutz nun auch die Universitäten erreicht.

CIENTISTS

OR

Seit knapp sechs Monaten wiederholen sich

die Bilder in vielen größeren Städten weltweit:

Jeden Freitag ziehen junge Menschen

mit Transparenten vor die Parlamente und

fordern einen Wandel im Klimaschutz. Eine

Folge: Immer mehr Menschen solidarisieren

sich mit der Fridays-for-Future-Bewegung

und schließen sich zu Unterstützergruppen

zusammen. Eltern, die ihren Kindern keinen

zerstörten Planeten hinterlassen wollen, nennen

sich „Parents for Future“, Lehrerinnen

und Lehrer schließen sich als „Teachers for

Future“ den Forderungen an.

Die größte öffentliche Aufmerksamkeit erregten

bislang jedoch die Scientists for Future

– eine Initiative, in der sich etwa 27.000 Wissenschaftler

aus Österreich, der Schweiz und

Deutschland zusammengeschlossen haben.

Der öffentliche Schulterschluss der Forscher

mit den Protestlern brachte dabei vor allem

zusätzliche Seriosität in die Debatte. Wer

zuvor noch mit mildem Lächeln auf die Proteste

der jungen Menschen schaute, wurde

spätestens mit der Stellungnahme zigtausender

Forscher eines Besseren belehrt.

Dabei haben sich die Scientists for Future

offenbar einiges bei ihren jungen Mitstreitern

abgeguckt: Der erste Auftritt hatte alles, was

nötig ist, um die öffentliche Aufmerksamkeit

zu gewinnen – Ort, Zeit und Besetzung waren

geschickt gewählt. Als Bühne wählten die

Initiatoren um den Gründer Dr. Gregor Hagedorn

die Bundespressekonferenz und hatten

so alle wichtigen Medien fast automatisch im

Publikum. Dass mit Maja Göpel – promovierte

Politökonomin, Honorarprofessorin und seit

2017 Generalsekretärin des Wissenschaftli-

chen Beirats der Bundesregierung Globale

Umweltveränderungen – und dem Mediziner

und Comedian Eckhart von Hirschhausen zwei

prominente Gesichter für die Scientists for

Future sprachen, trug sicher zu einer gesteigerten

Aufmerksamkeit bei.

Auch das Datum war gut gewählt: Die Wissenschaftler

veröffentlichten ihre Stellungnahme

am Dienstag, 12. März – drei Tage vor dem

bis dahin größten weltweiten Aktionstag mit

Demonstrationen von Kapstadt über Montevideo

bis Hongkong.

Was die Wissenschaftler dann vor versammelter

Presse zu sagen hatten, spiegelt ganz

unakademisch ein Satz: „Wir sind die Profis

und sagen: Die junge Generation hat recht.“

Die Forderungen der jungen Aktivisten seien

berechtigt und gut begründet. Die derzeitigen

Maßnahmen zum Klimaschutz reichten bei

Weitem nicht aus. Nur durch schnelles und

konsequentes Handeln könne eine lebenswerte

Zukunft für jetzige und spätere Generationen

erreicht werden.

Mit der öffentlichen Solidarisierung wurde

offenkundig, was an Hochschulen immer

deutlicher zu spüren ist: Auch in der wissenschaftlichen

Community wächst der Unmut,

weil trotz unzähliger Studien kaum konkrete

Fortschritte in Sachen Klimaschutz zu verzeichnen

sind. Was hilft es letztlich, wenn

in den Instituten, Laboren und Seminaren

geforscht und debattiert wird, aber außerhalb

der akademischen Welt alle Apelle verhallen?

Mit dem Gang an die Öffentlichkeit bringen

die Forscher nun ihre beste und wirksamste

‚Waffe‘ in die politische Auseinandersetzung

ein: wissenschaftliche Erkenntnisse!

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Gesucht: Gesellschaft mit

Sinn fürs Klima

Text Lutz Timm

Foto © Jan Steffen, GEOMAR

Helmholtz-Zentrum für

Ozeanforschung Kiel

Klimaforscher Prof. Mojib Latif fordert eine „breite Bewegung“ gegen den Klimawandel

FRÜHJAHR 2019

No.1

Mojib Latif, 64, ist Professor am

Geomar Helmholtz-Zentrum für

Ozeanforschung in Kiel und einer

der führenden Klimaforscher in

Deutschland. Im Campus-Interview

erläutert der Wissenschaftler, warum

er „Scientists for Future“ unterstützt,

was er von einer CO2-Steuer hält

und wieso die Schülerproteste

nur ein Anfang sein können.

Herr Professor Latif, auf einer Fridays-for-

Future-Demo in Hamburg haben Sie eine

Massenbewegung für mehr Klimaschutz

gefordert und dafür kräftigen Applaus

bekommen. Wieso geht der Protest gerade

von der jungen Generation aus?

Es liegt in der Natur der Sache, dass die jungen

Menschen ihre Zukunft noch vor sich haben

und wissen, dass sich die Lebensgrundlagen

auf dieser Welt ohne Klimaschutz dramatisch

verschlechtern würden. Nur wir Alten sehen

das oft nicht so. Insofern ist es nur konsequent,

wenn die junge Generation aufsteht,

und das in einer Art und Weise, die ziemlich

viel Aufmerksamkeit erreicht.

Wieso flammen die Proteste gerade jetzt

auf? Die Folgen des Klimawandels sind

doch bereits seit Jahren bekannt.

Die Klimaproblematik ist seit mehreren Jahrzehnten

auf dem Tableau, aber jetzt gab es

offenbar den berühmten Tropfen, der das Fass

zum Überlaufen gebracht hat. Vielleicht war

es der heiße und trockene Sommer im vergangenen

Jahr. Möglicherweise waren es auch

die Betrügereien in der Automobilindustrie.

2018 sind zumindest in Deutschland viele

Dinge zusammengekommen, auch wenn der

Ursprung der Bewegung in Schweden liegt...

...bei Greta Thunberg, die ihre Regierung

dazu bringen will, die Klimaschutzziele von

Paris konsequent umzusetzen.

Dabei ist Schweden uns mit einer CO2-Steuer

voraus. Angela Merkel hat als Bundesumwelt-

ministerin markige Worte gewählt und sich

vor Gletschern in Grönland ablichten lassen.

Davon ist nicht viel geblieben. Eine Klimakanzlerin

ist sie nie gewesen.

Ein Vorreiter in Sachen Klimaschutz ist

Deutschland wohl derzeit nicht.

Nein. Und die Emissionen steigen global. Das

kann man Angela Merkel nicht anlasten, aber

Deutschland hat eine besondere Verantwortung.

Die Welt blickt nach Deutschland. Wenn

wir nicht vorangehen, dann werden andere

Länder nicht folgen.

Können Sie in der Politik ein neues

Bewusstsein für ernsthaften Klimaschutz

erkennen?

Die Politik traut sich nicht, deswegen muss

die Zivilgesellschaft das einfordern. Wir müssen

uns aber auch ehrlich machen. Aktuelles

Beispiel: Alle sind für Klimaschutz, aber keiner

will die CO2-Steuer. Insofern muss man

auch die Bevölkerung in die Pflicht nehmen.

Müsste die Politik eine bessere Vermittlungsarbeit

leisten?

Das einzige probate Mittel ist, dem Ausstoß

von Treibhausgasen einen Preis zu geben. Im

Moment zahlen wir alle für die Schäden und

insbesondere die nachfolgenden Generationen.

Die Initiative Scientists for Future fordert,

das Verursacherprinzip ‚sozialverträglich

zu gestalten‘. Sie sind einer der rund

27.000 Wissenschaftler, die sich mit einer

Stellungnahme hinter die Fridays-for-Future-Bewegung

gestellt haben. Warum?

Ich bin unter anderem Präsident der Deutschen

Gesellschaft Club of Rome und Vorstandsvorsitzender

des deutschen Klimakonsortiums.

Als Verbandsvertreter und auch als

Person möchte ich deutlich machen, dass die

Forderungen der jungen Leute absolut berechtigt

sind. Es sind die gleichen Forderungen,

die wir auch erheben. Wir wollen verdeutlichen,

dass die Forderungen tatsächlich wissenschaftlich

begründet sind.

Wie wurde die Initiative aufgenommen?

Sie hat zusätzliches Gewicht in die Debatte

gebracht. Jetzt kann das keiner mehr so einfach

abtun, wenn sehr viele führende Wissenschaftler

sich hinter Fridays for Future stellen.

Klingt so, als wäre Deutschland auf einem

guten Weg.

Aber es reicht nicht, dass jetzt die Schülerinnen

und Schüler aufstehen und die Wissenschaftler

das unterstützen. Es muss eine

breite Bewegung in der Zivilgesellschaft

geben, die die sozialen Fragen nicht aus den

Augen verliert. Wir müssen versuchen, die

Umweltfragen mit den sozialen und auch mit

den ökonomischen Fragen zusammenzubringen.

Letzten Endes gehört alles zusammen.

Herr Professor Latif, vielen Dank für das

Gespräch.

Im Gespräch mit Jesta Brouns, Schulleiterin der

Hamburger Design Factory International

Interview mit dem Kieler Musiker, Labelchef und

Produzenten Claudius Carstens

Interview mit Helena Derheim,

Gründerin der Firma

‚WunschWimper‘ in Kiel

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THE NØRD TIMES

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künstlerische Ansprüche stellen, möchten

wir bei jedem Studierenden dessen individuelles

Talent freilegen. Ein weiteres Merkmal

der Design Factory ist, dass wir frühe

Möglichkeiten der Spezialisierung bieten

und ausgesprochen praxisbezogen arbeiten.

Bereits während des dreijährigen Studiums

besteht die Möglichkeit, Einblicke in Agenturen

zu bekommen, dort als Werksstudent

oder Praktikant mitzuarbeiten und Kontakte

zu knüpfen. Am Ende der Studienzeit schauen

wir uns die Portfolios jedes einzelnen

Absolventen an und bieten intensive Unterstützung

beim Übergang ins Berufsleben.

Im Gespräch mit Jesta Brouns, Schulleiterin

der Hamburger Design Factory

International

Jesta Brouns ist Schulleiterin der Design

Factory International (DFI) im Rainville-Campus

in Hamburg- Altona. Zuvor

führte sie unter anderem als Art Director das

Mode-Magazin „Grazia“ für den Klambt-Style

Verlag bei Gruner & Jahr auf dem deutschen

Markt ein, verantwortete den Look der „Petra“

für den Jahreszeitenverlag, war für die

Münchener Medienverlagsgesellschaft tätig

sowie als Creative Director für die Berliner

Agentur „Kircherburkhardt“. Begonnen hat

ihre Karriere 1992 … als Studierende der neu

gegründeten Design Factory International.

Mit der Übernahme der DFI-Schulleitung von

ihrem Vorgänger und Mentor Gerrit Ahnen im

Jahre 2014 schloss sich für die Hamburgerin

ein Kreis.

Hallo, Jesta. Danke für die Einladung.

Wow! Euer Ausblick auf den Hamburger

Hafen ist atemberaubend …!

Absolut. Und er ist jeden Tag inspirierend.

Der Hafen wirkt angenehm unaufgeregt,

und das Sonnenlicht lässt ständig neue Bilder

entstehen.

Werden Schüler und Studierende heute

nicht eher auf YouTube, Instagram und

Pinterest inspiriert?

Überall dort, wo wir uns aufhalten, erfahren

wir Inspiration. Das können soziale Netzwerke

sein, aber auch kulturelle und natürliche

Räume. Unser Rat an Studierende lautet:

Kommt raus aus dem Keller, schaut euch

um, geht auf Reisen, besucht Theater- und

Ballettvorstellungen … und hört auf euer

Bauchgefühl!

Wie bist du selbst zum Design gekommen?

Worauf hast du dich spezialisiert?

Ich war 1992 eine der ersten Studierenden

an der Design Factory. Damals hieß das Studium

noch ‚Graphikdesign’. Ich erinnere mich

daran, dass wir im dritten Semester mit den

ersten Apple-Macs ausgestattet wurden –

ein Startschuss in die Digitalisierung! Was

hat mich angetrieben? Mir ging es vor allem

darum, mich auszudrücken. Zeichnen, Typografie,

Konzeptionen – das Design studium

ist dafür ideal.

Nach meinem Abschluss an der DFI wechselte

ich zu K.N.S.K. BBDO und entwickelte

dort Wahlkampagnen für die SPD zur

Schröder- Wahl mit und arbeitete an Pitches

u.a. für Volkswagen. Doch es fehlte irgendwie

die Leidenschaft. Deshalb verließ ich die

Branche nach kurzer Zeit und spezialisierte

mich auf den Bereich Editorial Design. Viele

Jahre konnte ich dann als Art Director im

Jahreszeitenverlag den Look der Zeitschrift

‚Petra’ entwickeln. Diese Aufgabe hat mir

großen Spaß gemacht!

Mein beruflicher Weg führte mich anschließend

auch nach München und Berlin, bis

„Desig nern wird die große Aufgabe

zufallen, den Menschen die digitale

Welt nahezubringen.“

ich 2014 das Angebot erhielt, die Schulleitung

der DFI zu übernehmen. Das konnte

ich nicht ablehnen! Wichtig war mir immer,

meinem Bauchgefühl zu folgen, um dort tätig

zu sein, wo ich mich mit meinem Talent

wohlfühle. Das ist mir, glaube ich, bisher

ganz gut gelungen.

Was zeichnet aus deiner Sicht die Design

Factory aus?

Wir haben hier ein besonderes Miteinander

kultiviert, legen Wert auf eine gewisse

Lockerheit und möchten für Studierende,

Eltern und Besucher nahbar sein. Im Gegensatz

zu Kunsthochschulen, die hohe

Viele Studierende der DFI haben sich nach

dem Studium erfolgreich weiterentwickelt.

Welche Personen fallen dir spontan ein?

Spontan fallen mir drei Beispiele ein: Erstens,

die ‚Agentur Sherpa‘, bestehend aus

drei Designern, die sich heute erfolgreich

auf dem Markt etabliert haben. Zweitens,

Fred Falke, der unbedingt in Silicon Valley

arbeiten wollte und dessen Abschlussarbeit

im Game Design angesiedelt war. Anschließend

absolvierte er an unserer Partnerhochschule

in Hildesheim ein Masterstudium und

schaffte tatsächlich den Sprung zu Google

nach Kalifornien. Drittens, die ‚Adana

Twins‘, die uns bereits während des Studiums

mit einer außergewöhnlichen Arbeit

beeindruckten und heute gefeierte DJs sind.

Werfen wir einen Blick in die Zukunft.

Welche Aufgaben kommen auf Designer

zu?

Schon jetzt werden technische Innovationen

nicht nur von Ingenieuren hergestellt,

sondern von Designern geplant. Design verändert

die Welt und bedeutet nicht nur Gestaltung,

sondern auch Beratung. Desig nern

wird die große Aufgabe zufallen, den Menschen

die digitale Welt nahezubringen. Wir

werden uns zukünftig mit der Frage beschäftigen:

Wo bleibt der Mensch, wenn Computer

mehr und mehr Aufgaben übernehmen? Es

geht um unsere Kultur. Deshalb trägt Design

eine Verantwortung!

Hat dich ein Designer besonders geprägt?

Es gibt jemanden, den ich seit langer Zeit

beobachte, der sich immer wieder neu erfindet

und dessen konsequenter Stil mich

fasziniert, … das ist der Modedesigner Paul

Smith.

Vielen Dank für das Gespräch, Jesta.

Text Christian Dorbandt

Foto Christian Brandes


Rubrik

94 THE NØRD TIMES

THE NØRD TIMES

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Rubrik

aber auch Personengruppen und Privatpersonen.

Momentan arbeiten wir in vielen

Projekten mit Schüler- und Jugendgruppen

zusammen.

Interview mit dem Kieler Musiker, Labelchef

und Produzenten Claudius Carstens

Claudius Carstens ist Musiker, Sänger,

Produzent und Inhaber der Firma

„Plattenmonster Schallwaren GmbH“.

Mit seinem Kieler Team produziert er Songs,

Hörspiele, Videos sowie Trailer und vermittelt

bundesweit Medienkompetenz an Schulen

und für Jugendgruppen. Im Interview verrät

er, welches Schlüsselerlebnis ihn zu seiner Firmengründung

bewegte und welches Ziel ihn

antreibt.

Moin, Claudius. Wir stehen im Tonstudio

deiner Firma ‚Plattenmonster‘, umgeben

von Instrumenten und Aufnahmetechnik.

Und das inmitten der mittelalterlichen

‚Festung‘ in Kiel-Friedrichsort! Was für

eine coole Location!

Moin, und herzlich willkommen. Ja, wir haben

uns in dieser Festung verschanzt und

fühlen uns auch sehr wohl. Das ist sozusagen

unsere Homebase. Von hier starten wir

alle Projekte.

Was für Projekte sind das?

Mittlerweile eine ganze Menge! Hauptsächlich

bieten wir Leistungen in den Bereichen

Medien und Veranstaltungen an. Unsere

Schwerpunkte sind die Planung und Durchführung

von Projekten und Schulungen zum

Umgang mit Medien, Medien-Events und Incentives

sowie Angebote und Fortbildungen

im Bereich Bild und Ton, Tonstudiobau sowie

Musikproduktion und Komposition. Wir machen

auch Imagefilme für Unternehmen und

echt freakige Sachen, zum Beispiel Dub step-

Produktionen für Werbefilme.

Wer sind eure Kunden und Zielgruppen?

Ganz unterschiedlich. Uns können Firmen

und öffentliche Einrichtungen ansprechen,

Wie muss man sich das vorstellen? Kommt

hier ein Bus mit 30 Jugendlichen an, und

ihr erklärt dann, wie alles funktioniert?

Die Schüler kommen nicht zu uns, sondern

wir fahren zu den Zielgruppen und treffen

sie in ihrer Umgebung. Mobiles Video-, Audio-,

Grafik und Schnitt-Equipment bringen

wir mit. Und dann geht’s ab. Unter unserer

Anleitung produzieren Jüngere und Ältere

dann alles, was man sich vorstellen kann:

Musikvideos, Songs, Dokumentationen, Comics,

Foto-Lovestories, Hörspiele, und nebenbei

vermitteln wir dadurch jede Menge

Medienkompetenz.

Welches Projekt hat dich zuletzt stark begeistert?

Wir sind ständig am Staunen! Vor Kurzem

haben wir einen Hip-Hop-Song mit einer

20-köpfigen Jugendgruppe aufgenommen

und anschließend ein Musikvideo auf der

Straße produziert. Es war krass zu sehen,

mit welchem Talent und welcher Begeisterung

alle am Werk waren. Es steckt viel Potenzial

in den Leuten. Wenn du zum ersten

Mal etwas machst, was du allein nie gewagt

hättest, verändert es dich!

Das klingt so, als hättest du es selbst so

erlebt!

Ja, das war auch irgendwie so, allerdings

hatte ich viele solcher Momente, die mich

weitergebracht haben. Ich habe früh begonnen,

Musik zu machen. Mit 16 Jahren spielte

ich bereits in drei Bands und leitete einen

Chor. Mein erster Auftritt war als Sänger

einer AC/DC-Cover-Band. Nach dem Abitur

„Wenn du

zum ersten

Mal etwas

machst, was

du allein nie

gewagt hättest,

verändert es

dich!“

bin ich auch andere Wege gegangen. Erst

habe ich auf einer einsamen Insel Vögel gezählt,

dann in Köln angefangen, Musikwissenschaften

zu studieren, danach verspürte

ich wieder Sehnsucht nach Kiel und schrieb

mich an der CAU für ein Studium ein, doch

das hat mich alles nicht geflasht.

… und dann kam wieder die Mucke dazu?

Ja, die Mucke war eigentlich immer da, aber

nebenbei hatte ich diverse Jobs, unter anderem

bei einer Sportagentur. Dort habe ich

viel über Medienproduktion gelernt, angefangen

vom Kabelschlepper bis hin zum Kameramann

und Cutter.

Irgendwann hatte ich so eine Art Schlüsselerlebnis.

Es war beim Deutschen Springund

Dressur-Derby in Hamburg. Ich saß

um ein Uhr nachts im Schnitt, um einen

Video-Trailer fertigzustellen, und in diesem

Augenblick ist mir klar geworden, dass ich

nicht in meinem Thema bin. Da ich sowieso

jeden Cent, den ich verdiente, in Musiktechnik

gesteckt habe, beschloss ich, mein eigenes

Tonstudio aufzumachen und ein Label

zu gründen. Ich wollte in meiner Welt sein!

So entstand 2010 die Firma ‚Plattenmonster’.

Für welche Bands habt ihr bisher Alben

produziert?

Wir haben zum Beispiel das Debutalbum

‚Kochbuch’ von Liedfett herausgebracht.

Mittlerweile ist die Band fett im Geschäft.

Die Scheibe ‚Im Porzellanladen’ von Elephant

Party ist bei uns entstanden, aber auch Alben

von ‚Salamanda’ und ‚Wirmaschine’,

Bands, die wir auch gelabelt haben. Eine

Herzensangelegenheit war natürlich ‚Schall

und Rauch’ und ist immer noch meine Hip-

Hop-Band ‚Herr Bösel’, in der ich selbst rappe.

Leider kann man nicht tausend Dinge

auf einmal machen!

Welche Musik hörst du privat gern?

Ich kann mich nicht auf einen Stil festlegen,

sondern höre ‚allround‘. Natürlich stehe ich

dem Hiphop besonders nahe, weil ich Rapper

bin. Momentan feiere ich Vulfpeck und

Kitschkrieg ab.

Hast du ein Ziel mit ‚Plattenmonster‘?

Mein Ziel war es immer, als Musiker zu leben

und zu arbeiten. Das habe ich geschafft.

Ansonsten soll möglichst alles, was wir machen,

mit einem sozialen Gedanken verknüpft

und friedlich sein.

Letzte Frage, Claudius: Was für eine Berufsbezeichnung

hast du?

Hip-Hopper.

Vielen Dank, Claudius, für das Interview

und viel Erfolg mit Plattenmonster!

Text Christian Dorbandt

Fotos Sebastian Weimar


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96 THE NØRD TIMES

THE NØRD TIMES

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Rubrik

Mit

und

Interview mit Helena Derheim,

Gründerin der Firma „WunschWimper“

in Kiel

Helena Derheim blickt in jungen Jahren

auf eine bewegte Vergangenheit

zurück. Geboren in Kasachstan und

aufgewachsen in Sibirien, zog sie im Alter

von elf Jahren mit ihren Eltern nach Deutschland

und ging anschließend ihren Weg über

Grundschule, Gymnasium, Universität bis in

die Selbständigkeit. Im ME2BE-Interview erinnert

sich die 30-jährige Wimpernstylistin

sowohl an Momente des Glücks als auch des

Zweifels und verrät, warum ihre Russischkenntnisse

noch nützlich sind.

Hallo, Helena. Vor zwei Jahren hast du

dich als Wimpernstylistin mit einem Studio

namens ‚WunschWimper‘ in Kiel selbständig

gemacht. Wie läuft’s?

Danke, es läuft gut! Momentan bin ich richtig

glücklich damit.

Was genau bietest du an?

Ich biete professionelle Wimpernkosmetik

an, das heißt, ich verlängere, verdichte und

verziere Wimpern, führe Wimpernliftings

und Augenbrauenkorrekturen durch.

Welche Kunden kommen zu dir?

Meine Kunden sind natürlich überwiegend

Frauen. Von 15 bis 75 Jahren ist jedes Alter

vertreten. Vereinzelt gibt es auch Männer,

die sich einem Wimpernlifting unterziehen,

um ihnen Augen mehr Ausdruck

zu verleihen.

Du bist in Kasachstan geboren und im russischen

Sibirien aufgewachsen. Welche Erinnerungen

hast du an diese Zeit?

An die Zeit in Kasachstan erinnere ich mich

kaum, weil ich noch sehr klein war. Mit vier

Jahren zogen wir nach Sibirien. An diese Zeit

erinnere ich mich noch gut, zum Beispiel an

unser Haus, an die langen Winter, die großen

Schneemengen, an den langen Fußweg

zur Schule und … dass es erst ab minus 30

Grad schulfrei gab!

Von welcher Zukunft hast du als Kind geträumt?

Ich wollte unbedingt Tänzerin werden. Und

als ich älter war, wollte ich Grundschullehrerin

werden, weil ich so eine tolle Klassenlehrerin

hatte.

Im Jahr 2000 zogen deine Eltern mit deiner

Schwester und dir als ‚Spätaussiedler’

nach Deutschland? Was war das für ein

Gefühl?

Für mich war das anfangs eine große Umstellung,

aber der Umzug war lange geplant,

„Mir gefällt der Name ‚WunschWimper‘.

Er erinnert mich an den Brauch, sich

beim Wegpusten einer Wimper etwas

wünschen zu dürfen.“

und somit hatte ich genügend Zeit, mich

emotional darauf vorzubereiten. Rund drei

Jahre lang dauerte unser Aussiedlungsverfahren.

Mein Vater musste mehrere Sprachtests

absolvieren und immer wieder Anträge

stellen. Bevor wir in eine Wohnung in Mecklenburg-Vorpommern

einziehen konnten,

waren wir für kurze Zeit in einem Grenzdurchgangslager

untergebracht.

Wo hast du Deutsch gelernt?

Um Deutsch zu lernen, wurde ich noch einmal

in eine Grundschule aufgenommen.

Zwar hatte ich bis zum vierten Lebensjahr

mit meinem Opa Deutsch gesprochen, es

später aber wieder verlernt. Beim Erlernen

der Sprache halfen mir unter anderem

Märchenbücher und -filme. Ansonsten war

der Neuanfang schwierig. Meine Mitschüler

fanden mich zwar interessant und stellten

mir tausend Fragen, doch ich verstand kein

einziges Wort! In solchen Augenblicken

möchte man am liebsten wieder zurück in

die alte Umgebung; doch ich bin kein Typ,

der schnell wegläuft. Nach einigen Monaten

besserte sich die Situation. Ich konnte mich

verständigen, fand schnell Freunde und erlebte

anschließend eine gute Schulzeit.

Nach dem Abitur hast du Kunstgeschichte

und Pädagogik an der Friedrich-Alexander-Universität

in Erlangen-Nürnberg

(FAU) studiert. Welche Ziele hast du verfolgt?

Pädagogik wählte ich, weil ich mir beruflich

eine leitende Funktion in einem Kindergarten

vorstellen konnte. Da ich dieses Fach

dort nur in Kombination mit einem weiteren

Bachelorstudiengang wählen konnte,

entschied ich mich aus reinem Interesse für

Kunstgeschichte. Nach Abschluss des Bachelorstudiums

zogen mein Freund und ich

nach Kiel, um unsere Masterstudiengänge zu

beginnen …

… doch dann änderte ein Wimpernschlag

dein Leben?

Ja, wobei diese Veränderung etwas länger

dauerte als nur ein Wimpernschlag! Zur Finanzierung

meines Masterstudiums arbeitete

ich in einem Kieler Kosmetikstudio und

habe dort die Wimpernkosmetik schätzen


Rubrik

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THE NØRD TIMES

Die Erinnerungen bleiben: unbeschwerte

Augenblicke aus Helenas Kindheit in

Kasachstan und Sibirien.

und lieben gelernt. Dann wurde ich schwanger

und überlegte anschließend, wie ich

alles unter einen Hut bekommen kann. Die

Idee, mich selbständig zu machen, entstand

circa ein Jahr nach dem Mutterschutz. Zur

Untermiete und mit einer Handvoll Kunden

fing es an. Dann kamen mehr Neukunden

und Weiterbildungen dazu, sodass ich das

Masterstudium vorerst abbrach. 2016 eröffnete

ich schließlich mein eigenes Studio.

Mittlerweile hast du dich als Wimpernkosmetikerin

etabliert. Welche Eigenschaften

helfen dir dabei?

Ich glaube, am meisten hilft mir mein offenes

Wesen und dass ich mich gut in andere

Menschen hineinversetzen kann. Außerdem

liegt mir das kreative Arbeiten, und ich

kann bei manchen Schulungen auf meine

Russischkenntnisse zurückgreifen, denn die

Wimpern-Szene ist stark russisch geprägt!

Du nimmst auch an Styling-Wettkämpfen

teil. Hast du schon mal einen Preis gewonnen?

Ja, ich habe schon an mehreren Wettbewerben

teilgenommen und diverse Auszeichnungen

erhalten. Meistens werden solche Events

von Kosmetikfirmen im Rahmen einer Messe

veranstaltet, zum Beispiel auf der Münchener

Beauty-Messe. Mein größter Erfolg war ein

erster Platz bei den German Masters in Berlin.

Ich würde gern an weiteren Wettbewerben

teilnehmen, leider fehlt mir die Zeit dazu.

Und wie ist der Name ‚WunschWimper‘

entstanden?

Das ergab sich aus einer Umfrage in meinem

Freundes- und Bekanntenkreis. Ein Vorschlag

lautete ‚WünschWimper‘. Daraus

würde WunschWimper. Es erinnert an den

Brauch, sich beim Wegpusten einer Wimper

etwas wünschen zu dürfen.

Und was wünschst du dir?

Ich wünsche mir mehr Zeit für meine Familie

und hoffe, mich bald auch mehr meiner Tätigkeit

als Trainerin widmen zu können, weil

es mir sehr viel Spaß macht, mein Wissen

und meine Erfahrung weiterzugeben.

Vielen Dank für das Gespräch, Helena, und

viele glückbringende ‚Wimpern- Puster‘ für

‚WunschWimper‘.

Text Laura Hasl, Christian Dorbandt

Fotos Laura Hasl

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