KAV MAGAZIN - AUSGABE 2/2019

KoelnerAnwaltverein

In der aktuellen Ausgabe unseres KAV Magazins informieren wir Sie unter anderem über die KAVCAREERDAYS und die KAV Juniormitgliedschaft. Zudem können Sie in der Revue zum 12. Kölner Anwaltstag und der Ordentlichen Mitgliederversammlung alle Details des 08. Mai 2019 noch einmal nachlesen. Zudem informieren wir Sie über unsere bevorstehenden Fortbildungsveranstaltungen und unsere Ausschüsse und Arbeitskreise informieren Sie über aktuelle Entwicklungen und Neuigkeiten in den jeweiligen Rechtsgebieten. In der Rubrik KAVRECHTPERSÖNLICH standen uns für diese Ausgabe Herr Joachim Roth, Leitender Oberstaatsanwalt in Köln und Herr Kollege Dr. Frank Seebode, Mitglied des Vorstands des Kölner Anwaltverein e.V. als Interviewpartner zur Verfügung. Mit JURTOUR gehen wir wieder auf Reisen und stellen Ihnen die Metropole des Orients, Dubai vor. Auch diesmal haben Sie wieder Gelegenheit einen Aufenthalt vor Ort zu gewinnen. Diesmal im Steigenberger Hotel Business Bay, Dubai. Wir wünschen Ihnen viel Erfolg und viel Freude mit dieser Ausgabe.

42 | Aktuelles & Wissenswertes

Es geht nicht darum, dass Sie ihm zeigen, dass Sie in diesem

oder jenem Punkt Recht haben, oder gar Ihr ganzes Wissen zu

einzelnen rechtlichen Problemen ausbreiten. Kommunizieren Sie

Ihre Expertise vielmehr konkret auf den gewünschten Nutzen des

Mandanten bezogen. Greifen Sie sein Ziel auf und erklären Sie ihm

bei der Präsentation Ihrer Dienstleistung, was Sie ganz konkret für

ihn tun können. Erzählen Sie ihm „Geschichten“, indem Sie ähnlich

gelagerte Beispiele – in denen Sie bereits mit Erfolg tätig waren –

erläutern. Bieten Sie dem Mandanten Alternativlösungen an, sofern

Sie in der Sache wider Erwarten nicht tätig werden können oder

wollen.

5. Setzen Sie klar und deutlich Ihre Grenzen

Durch die oben skizzierten Herangehensweisen lässt sich so

manches Fettnäpfchen im Umgang mit herausfordernden Mandanten

vermeiden oder umschiffen. Nicht immer gelingt es jedoch,

schwierige Zeitgenossen kommunikativ „einzufangen“. Wenn

einzelne trotz aller Bemühungen dennoch laut oder gar persönlich

werden, setzen Sie klar und deutlich Grenzen. Lassen Sie sich nicht

alles bieten. Nehmen Sie einen solchen Disput nicht persönlich,

sondern seien Sie sich Folgendem bewusst: Sie entscheiden im

Regelfall, ob Sie das Mandat annehmen oder ablehnen, fortsetzen

oder beenden. Manchmal bedarf es jedoch einiger klarer Worte,

um auch Ihren Mandanten daran zu erinnern, dass eine erfolgreiche

Mandatsbeziehung nicht allein von Ihnen abhängt.

Informationen zur Autorin:

Rechtsanwältin Dr. Anja Schäfer war acht Jahre für eine große

mittelständische Kanzlei in NRW auf dem Gebiet des Verwaltungsrechts

tätig. Heute unterstützt und berät sie von Berlin aus

hauptsächlich Rechtsanwältinnen bei Fragen zur strategischen

Ausrichtung, zur beruflichen und persönlichen Weiterentwicklung,

zur Kommunikation im Business sowie zum Auf- und Ausbau des

eigenen Netzwerkes. www.anja-schaefer.eu

Link zur Primärquelle: https://mkg-online.de/2018/12/19/kommunikation-mit-schwierigen-mandanten/

Smartphone keine Gefährdung des Kindeswohls

OLG Frankfurt, Beschluss vom 15. Juni 2018 – 2 UF 41/18

Das Amtsgericht in Bad Hersfeld sprach in einem Sorgerechtsstreit

der Mutter das Aufenthaltsbestimmungsrecht zu. Der Kindesmutter

wurden dazu feste Regeln aufgegeben. Sie sollte verbindliche Zeiten

und Inhalte hinsichtlich der Nutzung von im Haushalt verfügbaren

Medien (insbesondere TV, Computer, Spielkonsole, Tablet) für

das achtjährige Kind festlegen. Der genaue Inhalt der Regeln sollte

dem Gericht binnen zwei Monaten nach Zustellung des Beschlusses

mitgeteilt werden. Der Kindesmutter wurde ferner untersagt, dem

Kind ein eigenes und frei zugängliches Smartphone zur Verfügung

zu stellen. Sollte das Kind anderweitig in den freien Besitz eines

Smartphones oder sonstigen mobilen Smartgeräts gelangen, sollte

sie es einziehen. Diese Auflagen wurden befristet, bis das Kind

zwölf Jahre alt ist.

Das OLG Frankfurt ist völlig anderer Meinung und hat die Auflagen

insgesamt aufgehoben. Geeignete Maßnahmen zum Schutz des

Kindes sind nur zu treffen, wenn das körperliche, geistige oder

seelische Wohl eines Kindes oder sein Vermögen gefährdet ist.

Die Regelung des § 1666 BGB ist eine Ausprägung des dem Staat

obliegendem Wächteramtes, das dem Schutz des Kindes bei

Gefährdung seines Wohls dient. Staatliche Maßnahmen betreffen

auch die Grundrechte der Eltern. Deshalb müssen hohe Anforderungen

für staatliche Eingriffe in die elterliche Personensorge gelten.

Der Senat widerspricht dem Amtsgericht, wonach Auflagen erforderlich

sind, wenn sich im Verlauf eines Verfahrens herausstellt,

dass ein Kind oder Jugendlicher Smartphones oder Tablets nutzt

und dabei auch den – letztlich von den Eltern ermöglichten –

Internet- oder WhatsApp-Zugang nutzt. Gleiches gilt, wenn das

Kind oder der Jugendliche Zugang zu Computerspielen hat, die

nicht altersgerecht sind. Ohne Vorliegen weiterer und erheblicher

Anzeichen für eine konkrete Gefährdung des Kindes ist die Wahrnehmung

des staatlichen Wächteramtes durch Maßnahmen des

Familiengerichts nicht zulässig.

Die allgemeinen Risiken der Nutzung smarter Technologien und

Medien durch Minderjährige begründen nicht per se eine hinreichend

konkrete Kindeswohlgefährdung. Es ist im Einzelfall zu

prüfen, ob das Kindeswohl Schutzmaßnahmen durch staatliche

Organe erfordert. Die Nutzung digitaler Medien muss zum Schutz

von Minderjährigen gegebenenfalls pädagogisch begleitet werden.

Hierbei ergeben sich jedoch individuelle Spielräume, die – solange

keine konkrete Kindeswohlgefährdung vorliegt – innerhalb der

jeweiligen Familien eigenverantwortlich festgelegt werden.

Nach Auffassung des OLG Frankfurt sind die wegen der Neuartigkeit

der Gefährdungen durch das Internet aktuell diskutierten

Schädigungsformen im Kindesschutz nicht anders zu bewerten als

die technisch seit längerer Zeit bekannten Medien. Ausgedehnte

Fernsehzeiten oder das Anschauen kindergefährdender Sendungen

im öffentlich-rechtlichen oder privaten Rundfunk sollten Eltern

geeignet verhindern. In gleichem Maß gilt es zu verhindern, dass

Kinder sich ausschließlich von Junkfood ernähren. Eltern müssen

darauf achten, dass ihre Kinder die ihrem Schutz dienenden Straßenverkehrsregeln

einhalten, Körper- und Zahnhygiene betreiben,

verordnete Medikamente regelmäßig einnehmen usw. In allen diesen

Bereichen kann eine Vernachlässigung oder fehlende Kontrolle

dazu beitragen, dass Kinder der Gefahr einer Schädigung ausgesetzt

sind. Allein der Besitz eines Smartphones, Tablets, Computers

oder Fernsehers mit oder ohne Internetzugang rechtfertigt indes

nicht die Annahme, dass Eltern durch die Eröffnung eines Zugangs

ihr Kind schädigen.

RA Dr. Ulrich Prutsch, Köln

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