5ecre7_12_._3

esporra

Séparée

Erotik ist weiblich

Séparée

No. 18

Ein

Hoch auf

die

Frauen!

Frau-Werdung

Kunst, Sex und Weiblichkeit

LIEBES-

KUMMER

Herzschmerz und Befreiung

Deutschland Y 8,90

Österreich € 9,50

Schweiz CHF 9,50

Die Kunst der

Unterwerfung

Interview mit einem Dominus

SEITENSPRÜNGE

BEICHTEN

Soll ich oder soll ich nicht?


BODY

SYSTEM

BOOST

BREAST ENLARGEMENT

WWW.HOT-PV.COM

HOT PRODUCTION

PERFECT

BUSTY

BOOSTERcream

BREAST

ENLARGEMENT

3D

new

PACKAGING

Perfekt aufbauende Creme zur Anregung des Brust-Wachstums mit einer

einzigartigen Wirkstoffkombination. Zur täglichen Anwendung geeignet, ideal

kombinierbar mit den Brust-Massage-Übungen. Zur Stabilisierung des Erfolges

ist eine dauerhafte und tägliche Anwendung empfehlenswert.

Art. No. 44073

ANWENDUNG: Täglich die Creme auf

Brust und Dekolleté mit kräftigen, kreisenden

Bewegungen einmassieren. Um den gewünschten

Erfolg rascher zu erzielen, kann die Creme morgens

und abends angewendet werden.

HOT Productions & Vertriebs GmbH /// Wagrainer Str. 35 /// 4840 Vöcklabruck /// AUSTRIA

email: office@hot-dl.com /// tel. +43 (0)7672 72009 /// fax. +43 (0)7672 72009-9

Erhältlich im gut sortierten Erotikfachgeschäft oder im Online-Handel.


Editorial

Früher war alles ...

Man kennt das Lamento der Alten: Früher war alles besser.

Werden wir alt, dass wir in ihr Klagelied einstimmen wollen,

wenn wir sagen, früher war alles freier? Die zweite Strophe des

Abgesangs an die Gegenwart lautet regelmäßig: Die Jugend

von heute sei verdorben. Moment, spätestens hier möchte

man aufstehen und protestieren. Verdorben im Sinne von freizügig

im Umgang mit Sitten und Moral? Wohl kaum. Sicher

nicht so wie unsere Eltern in den 60er und 70ern. Und vielleicht

auch nicht wie wir, die wir ohne Zugang zu Aufklärungswebsites

und Pornoplattformen mit der Bravo in der Hand

sexuell eher im Dunkeln tappten, dort aber recht unbeschwert

Flaschendrehen spielten. Neulich erzählte eine Bekannte, sie

habe auf einer Party mitgehört, wie drei junge Frauen im

Brustton der Überzeugung behaupteten, wer einem Mann einen

blase, werde nicht geheiratet. Zustimmendes Nicken der

Jungen, perplexes Schweigen der Muttergeneration, die teilweise

bis heute keinen Ring am Finger hat. Nun wissen wir ja,

warum! Aber wenigstens haben wir Spaß.

Foto Cover: © Studio Trebuchet – Fotolia.com; Foto Editorial: Franziska Hauser

Es scheint, das gesellschaftliche Pendel der sexuellen Freizügigkeit

schwingt seit einiger Zeit in die andere Richtung. Wir werden

wieder prüder – so scheint es. Zumindest nach außen. Die

Vorhänge vor den Fenstern unserer Schlafzimmer sind fest

zugezogen. Erotikzeitschriften verschicken wir gern im blickdichten

Umschlag, damit die Nachbarn nichts Schlechtes von

der Empfängerin denken.

Es ist begrüßenswert, dass man nicht mehr jedes Produkt mit

einer nackten Frau bewerben muss. Die öffentliche Wahrnehmung

sexueller Belästigung von Frauen durch die Kampagne

#MeToo ist ein wichtiger Schritt zu mehr Gleichberechtigung,

aber das Vakuum, das durch das Verschwinden weiblicher

Nacktheit in den Medien und dem Anprangern ehemals akzeptierter

männlicher Übergriffigkeit in der Gesellschaft entstanden

ist, füllen wir derzeit offenbar mit alten, vertrauten

Werten. Wir verschanzen uns hinter einer in den freudlosneutralen

Farben der Prüderie getünchten Fassade. Unsere

Autorin Ute Cohen hat dafür den Begriff „Retroprüderie“

geprägt und plädiert in ihrem Beitrag für einen neuen, spielerischen

Umgang der Geschlechter, der uns vor lauter Verunsicherung,

etwas politisch Unkorrektes zu sagen, verloren

gegangen ist.

Wie man alte Werte mit einem modernen Anspruch an den

Mann verbinden kann, erläutert Nova Niedermeyer in ihrer

Liebeserklärung an den Gentleman der 50er, der offenbar

wieder Schlag bei jungen Frauen hat. Apropos Schlag: Einen

echten Mann vom alten Schlage hat unsere Fotografin Yvonne

Sophie Thöne vor ihre Linse gelockt. Mit einem Whiskey in

der Hand hat er für uns im Rauchsalon die Hüllen fallen

lassen. So stellen wir uns das Beste aus zwei Welten vor! Bitte

mehr davon.

Bleibt die Frage, wie wir die gesellschaftliche Verunsicherung

überwinden können, die durch frauliches Selbstbewusstsein

und weibliche Selbstbestimmung entstanden ist. Ein Vorschlag

von uns: Indem wir als Gesellschaft Frauen unvoreingenommen

Bühnen bieten und staunend beobachten, welche kreativen

Kräfte dabei freigesetzt werden, wenn Frauen sich von

alten Fesseln befreien. Die Künstlerin Katrin Zickler mag mit

ihren erotischen Bildern, Aktfotos und Performances als Vorbild

dienen.

In diesem Sinne, liebe Leserinnen: Traut euch! Ihr dürft – und

zwar nicht die fettlose Margarine, sondern euer Stück vom

Kuchen. Und liebe Leser: Überlassen Sie den Damen den Vortritt,

nicht nur aus gespielter Höflichkeit, sondern aus Überzeugung.

Sie werden es nicht bereuen, denn ein Gentleman

weiß zu genießen.

Eine inspirierende Lektüre wünschen

Ihre Herausgeberinnen

Janina Gatzky & Ute Gliwa

Séparée No. 18

03


Inhalt

660

4422

8877

Sehen

20 Die Entdeckung der Weiblichkeit

Künstlerinnenporträt

von Katrin Zickler und Janina Gatzky

42 Whiskey Blues

Männeraktstrecke von Yvonne Sophie Thöne

60 Laufmaschen

Damenstrecke von Sergey Sivushkin

78 Druckfrisch

Kunststück von Theresa Steigleder

Lesen

12 Von Seepferdchen und Fotzen

Kolumne von Beate Kruse

14 Bauchfältchen auf Wolke 7

Interview mit Birge Schade und Iris Boss

von Ute Cohen

19 Der Mann mit dem Roller

Single-Blog von Una G.

32 Retroprüderie

Bestandsaufnahme von Ute Cohen

7788

06 Contributors

95 Herstellernachweise

97 Kontakt

98 Ausblick

99 Abo

36 Seitensprünge beichten?

Kontroverse von Alma Fabian und Lilla Augustin

38 Die Kunst der Unterwerfung

Interview mit Dominus Berlin von Ute Gliwa

54 Eine Liebeserklärung an den

Oldschool-Gentleman

Hommage von Nova Niedermeyer

58 Luxus, Stille und Wollust

Bettgeschichte von Waltraud Bondiek

73 Die Libidofrau tanzt Blues

Fortsetzungsgeschichte von Mia Schwinge

74 Liebeskummer lohnt sich nicht?!

Selbsterkenntnis von Ava Beeg

91 Sexuelle Selbsterfahrung

Kurzinterview mit Dominique von Ute Gliwa

96 Strangers in the Night

Kolumne von Jannek Blume

Fotos: (v.l): Sergey Sivushkin, Yvonne Sophie Thöne, Franc Enskat, tverdohlib – Fotolia.com

04 Séparée No. 18


Impressum

10

Impressum

HERAUSGEBERIN:

UNA GlitzaStein GmbH

CHEFREDAKTION:

Dr. Janina Gatzky, jg@separee.com

Ute Gliwa, ug@separee.com

ART-DIREKTION:

Karla Karow, artdirektion@separee.com

MITWIRKENDE:

Lilla Augustin, Ruth Batella, Lea Becker, Ava Beeg, Jannek Blume,

Waltraud Bondiek, Ute Cohen, Alma Fabian, Una G.,

Magdalena Hyla, Beate Kruse, Nova Niedermeyer, Mia Schwinge,

Theresa Steigleder

KORREKTORAT:

Loreen Görtler

FOTOGRAFEN

Sergey Sivushkin, Yvonne Sophie Thöne, Katrin Zickler

BILDBEARBEITUNG, REINZEICHNUNG:

Reinhard Hasewend

Vergnügen

08 Windsbraut

Das Rollenspiel zum Nacheifern

10 Märchenprinzen küssen gut

Der Gentlemen’s Club

57 Poesie

von Peter Wilhelm Hensler

84 Vaginal oder klitoral?

Heiße Nummern der Statistik

85 Bling-Bling für die Muschi

Spielzeugtest von Ruth Batella

86 Veranstaltungen

87 Süß speisen

Aphrodisische Rezepte von Magdalena Hyla

90 Film- und Buchtipps

92 Evgenia

Dessous-Darling von Lea Becker

088

ISSN:

DRUCK:

ColorDruck Solutions GmbH, 69181 Leimen

Verlag/Redaktion

UNA GlitzaStein GmbH

Fredersdorfer Str. 10, 10243 Berlin

Telefon: +49 (0)30 81895867

info@una-glitzastein.com, www.separee.com

GESCHÄFTSFÜHRUNG:

Dr. Janina Gatzky, Ute Gliwa

Anzeigen

DIRECTOR SALES/ MARKETING:

Dorian Chaney, dorian@separee.com

Telefon: +49 (0)157 58060933

Vertrieb

BPV Medien Vertrieb GmbH & Co. KG

Römerstrasse 90, 79618 Rheinfelden

Tel.+49 (0)7623/964-266, Fax +49 (0)7623/964-259

E-Mail: vertriebsservice@bpv-medien.de

www.bpv-medien.com

ABOSERVICE:

Séparée-Leserservice, abo@separee.com

Internet

www.separee.com

www.facebook.com/separee-magazin

www.pinterest.com/separee

www.twitter.com/separee_magazin

www.instagram.com/separeemagazin

www.shop.separee.com

2198-9680

© UNA GlitzaStein GmbH

Alle Rechte vorbehalten. Der Nachdruck, die Übernahme in Online-Dienste

und Internet sowie Vervielfältigungen aller Art auf Datenträgern wie CD-ROM,

DVD-ROM usw. sind nur mit vorab erteilter, schriftlicher Zustimmung des

Verlags gestattet.

Séparée darf nur mit Genehmigung des Verlags in Lesezirkeln geführt werden.

Der Export von Séparée und der Vertrieb im Ausland sind nur mit Genehmigung

des Verlags statthaft. Bei Nichtlieferung ohne Verschulden des Verlages oder

infolge von Störungen des Arbeitsfriedens bestehen keine Ansprüche gegen

den Verlag. Für unverlangt eingesandte Manuskripte, Fotos und Zeichnungen

übernehmen wir keine Haftung.

Séparée erscheint vierteljährlich.

Séparée No. 18

05


Contributors

Mitwirkende in

Séparée No. 18

03

01

02

WALTRAUD BONDIEK

ist in Niedersachen aufgewachsen

ist und lebt seit 1991 in Radebeul.

Sie schreibt Prosa. Ihre Texte

wurden in Literaturzeitschriften

und Anthologien veröffentlicht

und mit Preisen ausgezeichnet.

2014 gewann sie den Würth-

Literaturpreis, 2012 den Publikumspreis

des „Menantes-Preises

für erotische Dichtung“. Bei uns

gibt es eine pikante Geschichte

von ihr zu lesen.

Auf Seite 58

SERGEY SIVUSHKIN

ist ein extrovertierter Fotograf mit

intellektuellen Ambitionen. Seine

Arbeitsweise ist innovativ und

auf das Wesen der modernen und

hoch beschleunigten digitalen

Fotografie ausgerichtet. Auf

Grundlage des abstrakten Moments

der Schwarzweißfotografie

und durch urbane Elemente, die

er in nüchterner Logometrie verbindet,

entstehen die ästhetischen

und konzeptionellen Arbeiten

des Künstlers. Sein Thema ist die

weibliche Sexualität, die trotz

bildlicher Wiederholung nie

langweilig und beliebig wird, da

sich diese durch den besonderen

Anspruch auf die Grazie der

weiblichen Körper und deren

individuellen Charme definiert.

Auf Seite 60

UTE COHEN

ist Sprachfetischistin. Ihrer

Leidenschaft zupass kam das

Studium der Linguistik. Nach

der Promotion verkroch sie sich

nicht im Elfenbeinturm, sondern

stürzte sich ins Geschäftsleben.

Sie lebte und arbeitete lange

in Paris, seit einiger Zeit nun in

Berlin. Ups und Downs haben

ihr die Lust am Leben nicht

vergällt, ganz im Gegenteil:

Sie brennt an beiden Enden und

schreibt sich nicht selten um

Kopf und Kragen.

Ihr neuester Lieblings-Playground

ist die „Séparée“, wo sie von

Anbeginn ein Rollenspiel

betrieben hat: Als Theresa S.

Grunwald verlustiert sie sich, wo

sie kann, als Ute Cohen stellt sie

neugierige Fragen und schreckt

vor keinem Gefecht zurück.

Geplant hat sie noch viel mehr:

Wir sind gespannt.

Auf Seite 14 und 32

Fotos: Lichtblick Kerstin Mann, Sergey Sivushkin, Karl Burkhard Timm

06 Séparée No. 18


Agentur mediadrei, Foto: © VladGans

Sehr gut

4.85/5.00

Zertifizierter

Shop

Stand: 07.08.2018

278 Bewertungen


Rollen.spiel

Windsbraut

WIR BEIDE SIND TRIEBMENSCHEN.

Wenn man uns ließe, würden wir pausenlos

ficken, fressen, schlafen, tanzen. Und wieder

von vorn. Unser beider Sinnlichkeit und

Libido kennen keine Grenzen. Ich bin die

pure Weiblichkeit, sagst du. Ich mache

dich zu dem Mann, der du immer schon

sein wolltest. Wir küssen und streicheln,

liebficken und vögeln uns auf zu bisher

ungekannten Höhenflügen. Wir sind uns

sicher, dass niemand außer uns solche Innigkeit

und Intensität schon mal erlebt hat.

Jeden Morgen weckst du mich mit deinem

stahlharten Schwanz, der sich an meinen Pobacken

entlang heiß in meine Möse schiebt.

Manchmal auch schon mitten in der Nacht.

Ich bin die Frau, die du dir immer gewünscht

hast, obwohl du gar nicht mehr

damit gerechnet hast, dass es jemanden wie

mich überhaupt gibt. Mit keinem Menschen

hast du dich je so wohl und du selbst gefühlt

wie mit mir. Oft hast du schon nach kurzer

Zeit große Sehnsucht nach mir und verlangst

nach meiner Nähe, meinem Duft, meinem

Lachen, meiner Berührung und hundert anderen

Dingen. Aus manchen Kleinigkeiten,

für die du mich liebst, machst du ein

Geheimnis. Und mitunter spielst du deine

Zuneigung scherzhaft runter, damit ich nicht

übermütig werde.

Du hast nämlich Angst, von mir eingesponnen

zu werden und deine Freiheit zu verlieren.

Neulich hast du mir ein lustig gemeintes

Meme geschickt, das offenbar ein wirkliches

Dilemma kundtut: Männer haben nur zwei

Probleme: Keine Frau. Und: Eine Frau.

Zum Glück hast du eine Windsbraut! ♥

Latex-Body mit Schößchen; ca. 300 Euro;

www.isabeau-ouvert.com

08 Séparée No. 18


Rollen.spiel

Warme

Brise

Das aphrodisische Öl von Shunga

duftet nicht nur, sondern schmeckt

auch nach grünem Tee. Um seine

wärmende Wirkung entfalten zu lassen,

nach dem Auftragen auf die erogenen

Zonen einfach leicht darüberpusten,

Wärmendes Öl, ca. 23 Euro;

über www.sexshop-venize.de

Wellengang

Der äußerst flexible G-Wave von Adrien Lastic mit zwei Motoren kann sehr

unterschiedlich eingesetzt werden. Für ganz gezielte Stimulation des G-Punktes

beide Enden in die Vagina einführen, sodass das kurze Ende auf diese Zone

drückt. Das kurze Ende kann auch die Klitoris von außen stimulieren, während

das lange Ende innen vibriert, auch während des Geschlechtsaktes.

Dualer Vibrator, ca. 80 Euro; über www.adrienlastic.com

Navigation

Der Klitorisstimulator Queen Bee

von Hot Octopuss arbeitet mit einer

Technologie aus dem Medizinbereich,

durch die hochfrequente Schwingungen

entstehen, die tiefer und intensiver

als die gewöhnlicher Vibrationen

sind und zu heftigen Orgasmen

führen können.

Auflagevibrator, ca. 119 Euro;

www.hotoctopuss.com

Gekapert

Die erotischen Accessoires von NoNón de

Florette werden von Hand auf Maß

gefertigt. Für alle Stücke wird nur

pflanzlich gegerbtes Leder verwendet,

das mit nachwachsenden Gerbstoffen

höchster Qualität hergestellt wird.

Die modischen Reifen können in verschiedenen

Farben angefertigt werden.

Halsreif essentiel No. 14 spécial, 158 Euro;

www.nonon.de

Flotte Fahrt

Da Silikonmoleküle nicht

in die Haut einziehen,

sondern auf der Oberfläche

verbleiben, ist pjur

ORIGINAL extrem lange

gleitfähig und daher

sowohl für das Liebesspiel

als auch zur ausgiebigen

Massage geeignet.

Es ist geschmacks- und

geruchsneutral, und ohne

Konservierungsmittel

besonders hautverträglich.

Selbstverständlich ist es

auch kondomsicher.

Gleitgel, 100 ml,

ca. 17 Euro;

www.shop.pjurlove.com

Fotos: PR

Séparée No. 18

09


Gents.Club

MÄRCHENPRINZEN KÜSSEN GUT

ES WAR EINMAL EIN MANN mit großen Augen und einem breiten

Grinsen im Gesicht. Sein Körper steckte in einem grünen Taucheranzug

und an den Füßen trug er riesige Flossen, in denen er auf

mich zugetapst kam. Ich hatte mich mit einem Frosch verabredet.

Der Froschmann stellte sich als Alex vor, war mein Tauchlehrer

und nahm seine Aufgabe verdammt ernst. Er führte mich fachmännisch

in die Geheimnisse des Atmens unter Wasser ein, wobei

es unvermeidlich schien, dass seine Hand hin und wieder auf meinem

Rücken oder Bauch landete. Unangenehm war die Berührung

nicht. Und je länger und öfter seine Hände auf meinem Körper

verweilten, um so wohler fühlte ich mich mit ihm im Wasser. Sein

strammer Anzug ließ zudem erahnen, dass er nicht nur gut gebaut,

sondern auch bestens ausgestattet war. Vielleicht hatte er ja Lust,

am Abend noch Tellerchen und Bettchen mit mir zu teilen.

Kaum gedacht, erfüllte mir meine gute Fee auch schon den Wunsch.

Er lud mich unaufgefordert zum Essen ein und später auf einen

Absacker zu sich. Ohne Neopren, in Jeans und Hemd, sah er hinreißend

aus. Mit Omas Warnung im Hinterkopf berührten meine

Lippen schließlich vorsichtig die seinen, um zu sehen, was passieren

würde. Aber er machte keine Anstalten, sich wieder in ein Amphibium

zu verwandeln. Stattdessen küsste mein Märchenprinz

unverfroren weiter. In dieser Nacht war ich seine Königin ... ♥

Fotos: © tverdohlib – Fotolia.com, PR

10 Séparée No. 18


Gents.Club

Zauberstab

Mit diesem Paddle von Orion erfüllt Ihnen Ihre

Liebesfee drei Wünsche auf einmal. Das gute

Stück sollte in keiner Schatztruhe fehlen.

Paddle mit Kunstfell und Leder von Orion,

ca. 10 Euro, www.orion.de

Goldgeschmeide

Drachenbezwinger

Mit diesem Schwert aus Silikon

ist jeder Märchenprinz

bestens ausgerüstet, um wilde

Drachinnen zu besänftigen.

Dildo-Drachenschwert von

GeekySexToys, ca. 130 Euro,

www.etsy.com

Der Schmuckstring mit Liebestropfen und

Kristallen schmückt jede Königin der Nacht

und streichelt sanft die Klitoris.

Schmuckstring von Sylvie Monthulé,

ca. 100 Euro, www.frauenfreude.com

Silberwind

Sagenhaft

Der feuerspeiende Drache aus Bronze des französischen

Labels Rosebuds verleiht dem Penis legendäre Kräfte durch

Verstärkung der Erektion.

Penisring, 35 mm Durchmesser, ca. 79 Euro, www.frauenfreude.com

Der holzig-süße Herrenduft trägt einen Namen, der

an die Zutaten eines guten Märchens erinnert. Er

riecht nach grünen Wäldern und kristallklaren Flüssen.

He Wood Silver Wind Wood von Dsquared2, 100 ml,

ca. 149 Euro, www.hairgecko.de

Séparée No. 18

11


Spitzmarke

Problem.zone

Von Seepferdchen

und Fotzen

Text: Beate Kruse

DASS DER SOMMER RUM IST, merke ich immer daran, dass ich

trotz schönsten Sonnenscheins in der Apotheke stehe und schon

mal eine Dreimonatspackung Johanniskraut verlange, Nasentropfen,

Taschentücher, Paracetamol. Außerdem füllt mein Keller sich

mit Rotweinen, die ich demnächst alleine austrinken werde. Dank

Netflix muss man ja nicht mal mehr rausgehen. Ich bin irgendwie

finster drauf. Es ist ja nicht nur Herbst 2018, es ist auch noch der

Herbst meines Lebens, so scheint es mir zumindest, wenn die

Biohaarfarbe meine weißen Strähnen knallblau färbt statt schwarz

und ich aussehe wie weiland Tante Gertrud. Die Demütigungen

nehmen zu. Zumindest wenn man so nördlich lebt wie ich und

zwar in vielerlei Hinsicht. Immer kalte Füße, ein kaltes Herz wurde

mir auch schon oft bescheinigt, ich sehe zwar nicht so gut aus wie

die Schneekönigin, aber sonst stimmen die Parameter. Das ist mal

wieder eine sehr lange Vorrede für: Diesmal nicht. Ich steige aus

dem Herbstbusiness aus. Und das heißt nicht, dass ich mich gen

Süden verpisse, wie ich als freiberufliche Sexgöttin das ja tun könnte.

Süden ist für Sissis. Hiergeblieben! Mein südlichster Körperteil

heißt Pussy. Die macht Hitze, die macht Hochsommer, die weiß im

Gegensatz zu mir sehr genau, wie das süße Leben geht.

Aber sie ist auch eine Fotze, wenn ich das mal so sagen darf. Kompromisslos,

wo ich eine Opportunistin bin, gewalttätig, wenn mir

nach demütigem Kleinbeigeben ist, boshaft, wenn ich mich mit

Schleimen aus der Affäre ziehen will. Aber das muss ich in Kauf

nehmen. Kein Sommer ohne Schweißflecken unter den Achseln.

Wobei, der Vergleich ist viel zu zahm: Kein Western ohne Schusswaffengebrauch.

Kein Sangria ohne Kotzen am nächsten Morgen.

Seit ich mit einem Glas Kokosöl den Pussysommer eingeläutet

Foto: Steinchen_pixabay.com

12

Séparée No. 18


Problem.zone

habe, ist sie, bin ich – da geht es ja schon los, wer hat hier eigentlich

Redeerlaubnis? – hochexplosiv und unberechenbar.

Oskar, der mich immer mal halbherzig flachgelegt hat, wenn

keins der zwanzigjährigen Divchen, auf die er eigentlich steht,

zur Verfügung stand, hab ich angeschrien, er ist ein Arschloch

und soll sich aus meinem Leben verpissen. Das ist ja nun nicht

die Art und Weise, in der wir künftig kommunizieren wollen,

oder doch? Darüber nachdenken, ob das auch anders geht,

werde ich im Frühjahr.

Und Stefan, der seit drei Jahren nichts von mir will, den ich

aber seit drei Jahren sehnsüchtig liebe, hab ich darüber informiert,

dass ich mit ihm Schluss mache. Ich kann mir gut vorstellen,

wie er ratlos vor der Mail saß und dachte: Hä? Aber für

mich war das ein regelrechter Befreiungsschlag. Nie mehr darauf

warten, dass der Typ sich trennt oder dass sein Job ihn

weniger beansprucht oder er plötzlich seine Gefühle zeigen

kann, was eigentlich egal ist, weil er für mich nun mal leider

nichts empfindet. Nie mehr die Macht abgeben. Außer beim

Liebemachen. Ich muss im Herbst ganz viel Liebe machen.

Wenn es nach mir geht, bin ich die fette Ozeanin, schwappe

und rausche vor mich hin, und wer sich reinwagt, ist willkommen,

in mir zu baden. Aber eins werd ich ab jetzt beherzigen:

Wenn die Jungs wieder auftauchen, sich das Wasser aus dem

Fell schütteln und lässig ihrer Wege schlenzen, passe ich auf,

dass keiner auch nur ein Seesternchen mitnimmt und schon

gar nicht mein ganzes Herz. Vielleicht wär eine Art Abschiedsritual

gut: Ich danke dir für die Begegnung und dein Vertrauen.

Und jetzt nehme ich meine Raub- und Friedfische, meine

Seepferdchen, meine Kraft und Energie wieder zu mir. So sei

es. Leb wohl, schöner Schwimmer! ♥

Séparée No. 18

13


Im.Gespräch

Bauchfältchen auf

Wolke 7

Interview: Ute Cohen

Iris Boss (l.) und

Birge Schade (r.)

im Gespräch.

Foto: Ute Cohen

14 Séparée No. 18


Im.Gespräch

Ute Cohen traf die Schauspielerinnen Birge Schade und Iris Boss zum pikanten Austausch

über mangelnde Erotik im deutschen Fernsehen, Frauen über 40 und eindimensionale

Frauenbilder in Birge Schades Rosengarten – auf dem Holztisch eine Schale mit

Erdbeeren, frisch gebrühter Kaffee und Iris Boss’ Luckies.

Sépareé: Frau Schade, Frau Boss, erinnern Sie sich an die erste

erotische Szene, die Sie im Fernsehen oder im Kino gesehen haben?

Iris Boss: Oh, ja! Das war „Nachtblende“ mit Romy Schneider. Ich

war siebzehn und vollkommen geflashed. Diese Menage à trois fand

ich schon sehr aufregend. Es gab zwar keine expliziten Szenen, aber

doch einige sehr erotische Momente.

Birge Schade: „Belle de jour“ im Französischunterricht. Was haben

wir uns alle über die Lehrer aufgeregt, dass wir einen Porno anschauen

müssen! Wir waren schon ziemlich verklemmt als Schüler, aber

als prickelnd hab’ ich den Film auf jeden Fall empfunden. Die Szene,

in der Catherine Deneuve an den Baum gefesselt ist, das Doppelleben.

Es war so ein Dazwischen, ein Gefühl zwischen Abstoßung

und Anziehung.

Das sind beides Kinofilme und französisch noch dazu.

BS: Im deutschen Fernsehen gab’s ja kaum Erotik. Tatort fällt mir

ein, die Reifeprüfung mit Nastassja Kinski, das klassische Muster

natürlich: alter Mann, junges Mädchen. Ach, doch Klimbim! Elisabeth

Volkmann und Ingrid Steeger waren schon sehr sexy. Das habe

ich auch als 12-jährige schon so gesehen. Allerdings würde ich diese

Art von Sketches nicht als erotisch bezeichnen.

IB: Der „Schulmädchenreport“, das war aber eher albern als sexy.

Immerhin kam Sex noch vor im Fernsehen. Heute hat man den

Eindruck, als wäre die „Enterotisierung“ voll im Gange.

IB: Deutsches Fernsehen ist tatsächlich fast nicht erotisch. Wenn es

erotisch ist, dann nur in kommentierter Form, mit Wertungen. Fast

wie Schul-TV: Eine Frau lebt ihre Sexualität, folglich hat sie ein Problem

mit Nähe. Der ganze Ansatz ist didaktisch.

BS: Das stimmt schon, dass Frauen heute in gewisser Weise als

enterotisierte Wesen erscheinen. Allerdings bin ich auch froh, dass es

diese Sexfilmchen nicht mehr gibt, wo Frauen abgewertet wurden.

Wenn überhaupt, dann kommen sie im Genre vor, dem Erotikthriller.

Filme wie „Die flambierte Frau“ mit Gudrun Landgrebe gibt es

kaum mehr. Die gefährliche Frau ist vielleicht auch nicht so ein deutsches

Thema.

IB: Stark und Erotik scheint überhaupt ein Gegensatz im deutschen

Film zu sein. Die Serie „Bad Banks“ zum Beispiel: Da gibt es zwar

starke Business-Frauen, allerdings mit einer aggressiven Sexualität.

Das ist nicht wirklich emanzipiert, sondern spiegelt lediglich eine

männliche Welt, eine männliche Aggressivität. Das hat nichts mit

Lust, mit Leichtigkeit zu tun. Das hat nichts Spielerisches.

Ist das nicht ein Rückschlag? In den Siebzigern, Achtzigern gab es auch

weibliche Regisseurinnen, die Sexualität thematisierten. Liliana

Cavani zum Beispiel: Der Nachtportier. Da wurden Tabus eingerissen.

Heute scheint es eher ein Therapiethema zu sein.

BS: Klar, das war aber auch kein deutscher Film. Für deutsche Regisseure

ist Erotik kein Thema. Selbst im freieren Kino nicht. Vielleicht

auch, weil es viele Debutfilme gibt. Die haben ein anderes Thema,

nicht die Erotik der Frau ab vierzig. Zudem sind die meisten Regisseure

Männer. „Wolke 9“ ist ein Film über Sex im Alter, aber hat man

da Lust, hinzuschauen? Es gibt da einen gnadenlosen Blick auf die

welkenden Körper, dabei könnte man auch alte Körper irgendwie

„lecker“ inszenieren.

IS: Das ist schon sehr deutsch, Erotik an ein Thema zu koppeln. Im

französischen Film ist es nicht relevant, ob eine Frau Kinder hat,

verheiratet ist. Das hängt wohl mit der Sozialisierung, der Erziehung

zusammen. Erotik schwingt in französischen Filmen einfach mit,

auch in solchen, die nicht explizit erotisch sind.

BS: Das scheint man einfach zu vergessen, dass Frauen über fünfzig

auch ein Sexualleben haben. Es muss doch nicht immer alles problematisiert

werden: ‚Oh, guck mal. Jetzt ist die schon so alt und hat

immer noch Sex! Womöglich stirbt sie noch dabei!’. Entweder eine

Sexszene ist verquer oder lustig. Bemerkenswert ist, dass Sex auch für

Regisseurinnen kein Thema ist. Das liegt sicher daran, dass Frauen

oftmals sehr kritisch auf sich selber schauen. Sie wollen das nicht

sehen, weil sie sich selbst nicht begehrenswert, im Aus fühlen.

IB: Dabei sollten doch gerade Regisseurinnen die Chance nutzen,

sich mit Sexualität auseinanderzusetzen, nicht nur unter selbstzerstörerischen

Gesichtspunkten. Warum setzen sich Männer nicht mit

ihrer Angst vor Frauen auseinander? Warum nutzen Menschen, die

Séparée No. 18

15


Im.Gespräch

Kunst machen, ihre Chance nicht, mehr als einen vorgefertigten

Blick zu reproduzieren?

Vielleicht versucht die Branche nach #MeToo politisch überkorrekt

zu sein?

IB: #MeToo ist ja auch eine Kampagne, die nicht dazu dient, Frauen

zu unterstützen, ihre Sexualität zu leben, sondern Frauen vor ungewollter

Sexualität zu schützen, polemisch gesprochen.

BS: Uh, da machen wir ein anderes Fass auf. #MeToo muss man

definitiv von Erotik trennen. Es geht ganz klar um Machtmissbrauch.

Man muss eben unterscheiden zwischen Schutz vor sexueller

Gewalt und Förderung sexueller Selbstbestimmung. Das wird ja

auch in der Stokowski-Flaßpöhler-Debatte vermengt.

IB: Genau. Eine Gefahr sehe ich bei #MeToo lediglich darin, dass

Sexualität per se als etwas Böses empfunden werden könnte. Man

muss auch den Gegenpol, die frei gelebte weibliche Sexualität zeigen.

Trauen sich Regisseure noch, sexuelle Themen in ihrer

Ambivalenz umzusetzen?

BS: Das kann man noch nicht sagen. Filme haben eine lange Vorlaufzeit.

Sicher wäre es an der Zeit, das Thema mal umzusetzen. Das

Problem ist aber, dass da immer eine Schere im Kopf ist. Die beteiligten

Sender sagen sich: Unter welchem Label vermarkten wir das?

Wann senden wir das?

Gerade das Fernsehen könnte doch Frauen helfen, eine selbstbewusste

Sexualität zu entwickeln. Folgende Szene zum Beispiel: Eine

Frau bläst einem Regisseur, der ihr im Bademantel die Tür öffnet,

ordentlich den Marsch.

BS: Den Marsch und nicht ... (sie lacht)

IB: Nicht ganz so didaktisch vielleicht. Das muss einfach passieren.

Wir brauchen Vorbilder, nicht wie in „Kill Bill“ eine Frau, die Männer

kaputt macht, ganz einfach Frauen, die zeigen, dass es normal ist,

dass man sich entscheiden, nein sagen kann.

BS: Die Szene müsste man in die Gesamthandlung einbetten. Interessanter

sind doch die subtilen Machtmissbräuche, die man nicht

so genau definieren kann, wo man sich nicht wohl fühlt. Ihr wisst,

was ich meine? Selten sind Männer ja so plump und sagen: ‚Pass

mal auf, mir geht’s nicht so gut. Kannste mir vielleicht mal den

Nacken massieren?‘ Aus der Chose rauszukommen, ist schwierig.

Du gehst vielleicht und denkst, wär’ ich doch mal netter gewesen!

Der Missbrauch wird einem erst später klar.

IB: Das liegt auch daran, dass uns eingeflüstert wird: Wenn du’s zu

was bringen willst, musst du alles geben, in diesem Post-Post-Post-

Kapitalismus. Ganz unabhängig vom Männer-Frauen-Thema. Wenn

du’s nicht tust, bist du irgendwo als Mensch gescheitert. Das sitzt

tief in uns drin. Machtmissbräuche gibt es schließlich auch durch

Frauen, nicht sexuell, meine ich, da wird einfach Druck ausgeübt.

Man kann nur sagen, nein, ich verzichte oder ich tu’s.

BS: Ist ja auch nichts dagegen zu sagen, wenn man Spaß dabei

hat, einem einen zu blasen. Und wenn’s dann heißt: Jetzt hat die

mir fünf Mal so schön einen geblasen, jetzt kriegt sie auch ’ne Rolle.

So what?

Unangenehm ist nur, dass Sex im Film entweder

instrumentalisiert oder romantisch verklärt wird. Das

sind ziemlich eindimensionale Frauenbilder.

IB: Ja, es geht doch um lebendige Figuren. Die sind eben nicht nur

böse oder gut. Da gibt’s Kuschelerotik oder ... ganz vieles, nicht

nur Abziehbilder.

BS: Erotik ist kompliziert und sehr individuell. Das macht die Darstellung

nicht einfacher. Tabus und Zensur dürfen nicht sein, allerdings

muss ich mich nach der Funktion einer erotischen Szene

fragen. Was will ich damit erzählen? Wir wollen Frauen als lebendige

Wesen, nicht nur als Mütterlein, als frustrierte Businessfrau.

Man rüttelt im Fernsehen aber nicht gern an bestimmten Bildern.

Verheiratet und beruflich erfolgreich sein darf man, aber wenn man

dann noch eine abgründige Erotik hat, das alles zusammen geht gar

nicht. Wenn sich Frauen nehmen, was sie wollen, dann wirkt das

immer leicht verzweifelt, bei Tatort-Kommissarinnen zum Beispiel.

Männerfiguren hingegen haben Kind und Kegel und ’ne Top-

Geliebte. Come on!

Foto: Axl Jansen (o.r.), Petrov Ahner

16 Séparée No. 18


Im.Gespräch

nicht alles thematisiert. Oh, ihre Oberschenkel, ihre Bauchfältchen!

Ich war wahnsinnig genervt, dass das darauf reduziert wurde. Heute

gibt’s solche Filme gar nicht mehr.

IB: In deutschen Filmen geht’s ja auch ziemlich verschämt zu. Man

steht auf, zieht sich die Bettdecke um die Brust. So werden die Szenen

geschrieben.

Also liegt es an den Regisseuren, dass es so „gschamig“ zugeht?

Können Schauspielerinnen nicht Einfluss nehmen?

IB: Das kommt auf den Namen an. Wenn man einen Namen hat,

kann man auswählen, was man machen will und was eher nicht. Es

gibt aber generell wenig interessante Frauenrollen.

BS: Die Einflussnahme ist begrenzt. Je besser das Netzwerk ist, desto

mehr Stoffe kann man entwickeln. Iris Berben kann das, zusammen

mit ihrem Sohn.

Der Regisseur Paul Verhoeven sagte mal, lediglich Isabelle Huppert

habe die Hauptrolle in seinem Film „Elle“ spielen wollen. Sind

amerikanische oder deutsche Schauspielerinnen prüder als französische?

IB: Nicht die Schauspielerinnen sind prüder, sondern das Business.

Wenn du eine provokative, sexuell freizügige oder verquere Rolle

spielst, Birge, dann kriegst du vielleicht keine Rolle im Traumschiff,

oder?

BS: Paul Verhoeven hat mich leider nicht gefragt! (lacht) In Hollywood

ist das aber sicher anders. Sharon Stone hat sich Zeit ihres

Lebens nicht von diesem „Basic Instinct“-Image befreit, obwohl das

schon eine tolle Rolle war: Diese ganz tiefliegende Männerangst,

diese Frau, die dich im Moment größter Hilflosigkeit umbringt.

IB: Es heißt ja, wenn Brust zu sehen ist, dann wird der Wert einer

Schauspielerin sofort gemindert.

BS: Ach, wusste ich gar nicht. Na guck mal, dann bin ja eh durch.

(lacht)

IB: Es herrscht eine tiefsitzende Angst bei Schauspielerinnen, dass

sie als weibliches Sehnsuchtsobjekt nicht mehr funktionieren, wenn

sie nackt auftreten.

BS: Das kommt auf den Kontext an. Wird die Szene einfach nur

reingeschrieben, reagier ich allergisch: Ach, nö, Leute. Den letzten

Film mit einer überzeugenden erotischen Szene hab’ ich übrigens

2001 gesehen, mit Kerry Fox, die damals 34 war. 34! Was wurde da

Versuchen sich arrivierte Schauspielerinnen von erotischen Rollen

zu distanzieren?

IB: Von explizit erotischen Rollen wahrscheinlich schon. Das verstehe

ich auch. Da hat man eben Angst, in dieser Schublade zu landen.

Aber man könnte ja innerhalb der Rolle die Freiheit nutzen, Weiblichkeit

und Erotik reinzubringen. Nur muss man auch besetzt werden.

Und der Typ „sinnliche, erotische Frau“ ist im deutschen

Fernsehen eben nicht so en vogue.

BS: Nicht zu vergessen, dass für eine Schauspielerin der Blick des

Kameramannes, des Regisseurs zählt. Wenn sie dich wie „Muddi“

zeigen, ist es schwer. Die Wahl der Objektive, das Licht spielen ja

eine enorme Rolle. Wenn der Regisseur dann noch ein Mann ist und

Probleme mit älteren Frauen hat, hat er auch einen entlarvenden

Blick. In Frankreich und Italien hat der Blick auf die Frau als auch

älteres erotisches Wesen geradezu Tradition. Das Feiern der Frau in

ihrer Sinnlichkeit, das gibt es hier nicht im Film. Das hängt vielleicht

mit dem überhöhten Mutterbild zusammen.

Während du in Paris als Frau nach der Geburt sofort präsent sein

musst, ist die Mutterrolle in Deutschland ein zentrales Thema.

IB: Und wenn du dann keine Kinder hast, oh, dann bist du ganz

böse. Das Fernsehen hat Probleme mit kinderlosen Frauen. (Sie runzelt

die Stirn und senkt die Stimme). Die hat bestimmt keinen

Mann gefunden!

BS: Dass sich jemand ganz bewusst gegen Kinder entscheidet:

unvorstellbar.

IB: Übrigens ist das Männerbild im Fernsehen ähnlich traurig, ohne

Facetten. Da gibt es wenig Lustvolles ohne Aggressivität. Immer wird

gewertet. Das Frauenbild wird ja auch vom Partner gespiegelt. Wenn

diese Beziehung nicht stattfinden kann, ist es auch schwierig, ein

vielgestaltiges Frauenbild zu kreieren.

Séparée No. 18

17


Im.Gespräch

Eine im letzten Jahr durchgeführte Studie der Uni Rostock besagt,

dass ältere Frauen kaum besetzt werden, Frauen ab 35 deutlich

seltener. Im Porno aber boomt das Mature-Genre.

BS: Ja, da gibt’s Erstaunliches. Wenn man im Internet eingibt, „die

Frau als erotisches Wesen ab 40 im Film“, dann kommen nur Pornos!

Was boomt, sind überhaupt Frauen. Gesellschaftlich gesehen

stimmt das Bild nicht. Viele Frauen nehmen erst ab fünfzig aktiv am

gesellschaftlichen Leben teil. Jüngere Schauspielerinnen, so denkt

man wahrscheinlich, sind leichter zu handeln, günstiger auch.

IB: Also ich hatte mit zwanzig definitiv weniger Sex in meinem

Leben und auch weniger Angebote. Von Männern werde ich heute

erotischer wahrgenommen, auch wenn ich ein paar Fältchen habe.

BS: Ich glaube auch, dass Männer da gar nicht so sind. Die Frauen

selbst haben oft einen viel zu ungnädigen Blick. Wie viel Zeit man

mit diesem An-sich-Herummäkeln verplempert!

IB: Man wird auch aktiver mit der Zeit. Früher habe ich mich vielmehr

als Objekt gesehen. Jetzt lern’ ich mich immer besser kennen.

In der klassischen Theaterliteratur, die ich viel gespielt habe, habe

ich meine Vorbilder auf jeden Fall nicht gefunden. Dort sind die

Frauenfiguren meist passiv. Ihre Funktion besteht darin, das Objekt

der Begierde zu sein, gerettet werden zu müssen oder zu leiden,

gerne auch zu sterben. Sie sind dazu da, die Männerfiguren aktiv

werden zu lassen, nicht, selbst aktiv zu werden. Gretchen, Luise

Miller. Emilia Galotti.

BS: Oder eben achtzehn Männerrollen und Amalia, die einzige

Frau bei den „Räubern“. Bei Clavigo ist es auch so. Damals

entsprach es eben dem gesellschaftlichen Bild. Frauen waren zur

Passivität verurteilt. Wir haben keine Vorbilder, sind ja alle so

gebrainwashed. Im Deutsch-LK haben wir nur männliche Autoren

besprochen. Und das auf einer Mädchenschule!

Apropos Aktivität. Immer mehr Frauen treten ja auch hinter die

Kamera. Wie würden Sie das Thema Sex im TV anpacken?

IB: Ich würde es nicht als Thema nehmen, ich hätte ein anderes

Thema, würde Erotik und Sexualität mit einfließen lassen und ich

glaube auch auf eine relativ extreme Art, nicht nur: Die gehen jetzt

zusammen ins Bett. Sexualität wäre ein Katalysator auch für andere

Dinge, eine Übersetzung.

Wenn sie jetzt die Augen schließen und eine Szene imaginieren ...

BS: Was ich toll finde, ist „Wild“ von Nicolette Krebitz, die

Geschichte einer Frau, die einen Wolf liebt. Das hat ganz große

Kraft, visuell. Der Film löst Assoziationen aus. Ich wünsche

mir Komplexität, komplexe Frauenfiguren und dazu gehört eben

auch Sex. Nicht wie diese Filme, in denen Mädchen so ganz

„selbstbewusst“ sind. ‚Duuu, kannst du mir mal bei den Hausaufgaben

helfen, und ich blas dir dann einen.’

IB: Ja, furchtbar!

BS: Was soll das? Die sind nichts Anderes als Nutten. Das sind

Jungsfantasien!

Weg vom Scherenschnitt also?

BS: Ich will nicht mehr das Bild der 70er Jahre haben: Frauen in

Miniröckchen beim Jungen hinten auf dem Motorrad. Da sollen sie

schon selber fahren.

IB: Macht als Thema im Zusammenhang mit Sexualität würde mich

interessieren. Etwas, wo Mann und Frau sich in den Ring begeben

und etwas auch über Sexualität austragen, nicht so, dass der Eine das

Opfer ist und der Andere der Täter, sondern dass das ständig neu

verhandelt wird.

BS: Mich würde auch eine Geschichte interessieren, wo das ständige

sich einander wiederfinden in unterschiedlichen Konstellationen

und Strukturen eine Rolle spielt. Was passiert, wenn Männer auf

eine sehr machtvolle Frau treffen? Wie gehen sie damit um? Was

passiert da in der Erotik? Fände ich interessant zu untersuchen.

IB: Untersuchen, forschen und hingucken, nicht einfach ein Ding

hinknallen.

Vielleicht ist Herantasten ein weiblicher Ansatz, nicht sofort etwas

parat zu haben, was dann ebenfalls wieder plakativ wäre.

BS: Wenn Sexualität in letzter Zeit im Film vorkommt und nuanciert

erzählt wird, dann oft als Homosexualität. Das ist dann oft

Sexualität, die auf Augenhöhe stattfindet, z. B. „Freier Fall“, die

Geschichte zweier Polizisten, die sich verlieben. Toll, wie Sexualität

da erzählt wird. Oder in „Mitte der Welt“, eine Coming-of-Age-

Story. Männer-Frauen hingegen, das ist ein schwieriges Feld in einer

Zeit, in der sich alles neu ordnet, so kompliziert geworden ist, dass

sich keiner mehr heranwagt.

IB: Einerseits braucht man Vorbilder, andererseits funktioniert

Sexualität nicht politisch korrekt. Männer und Frauen müssen sich

neu erfinden, aber sobald politische Korrektheit darübergelegt wird,

ist das tot.

BS: Mann und Frau – das ist schon so oft erzählt worden, da muss

man sich wirklich etwas Neues einfallen lassen!

Iris Boss zündet sich eine Zigarette an. Birge Schade steckt sich eine

Erdbeere in den Mund. ♥

18 Séparée No. 18


Spitzmarke

Single.Blog

DER MANN MIT DEM ROLLER

Das Liebesleben in Berlin kann schillernd oder skurril, amüsant oder zum Verzweifeln sein.

Una G. erzählt hier von ihren Abenteuern.

Foto: © kegfire – Fotolia.com

ICH SASS GEISTESABWESEND IM WARTEZIMMER meiner

Augenärztin, als ein neuer Patient hereinkam und sich an der Rezeption

meldete. Von meinem Platz aus konnte ich ihn nicht sehen,

doch allein seine Stimme holte mich sofort in die Gegenwart

zurück. Sie klang voll und rund und sehr sinnlich. In gespannter

Erwartung der optischen Ergänzung zu diesem akustischen Genuss

straffte ich meine Haltung und legte mein Haar ordentlich

über die Seite mit dem geröteten Auge. Ich hoffte, es würde im

Schatten dieses Vorhangs nicht allzu sehr auffallen. Der Neuankömmling

bog mit souveränem Auftreten um die Ecke und erwies

sich als überaus attraktiv. Eigentlich stehe ich nicht auf bärtige

Männer, aber sein dunkler Zwei-Wochen-Bart bildete einen

sehr hübschen Rahmen für seine schön geschwungenen, roten

Lippen. In seiner Hand baumelte ein altmodischer Sturzhelm.

Obwohl fast alle Stühle noch frei waren, setze er sich mit kurzem

Blickkontakt mir genau gegenüber, den Helm zu seinen Füßen,

und begann in einer Zeitschrift zu blättern. Als die dritte Wartende

im Raum plötzlich niesen musste, wünschten wir beide gleichzeitig

Gesundheit und mussten lachen. Wir sahen uns nochmal

für einen Moment direkt an. Sein kullerndes, tiefes Lachen entblößte

schöne, weiße Zähne und eine appetitliche rosa Zunge.

Ich fing an zu überlegen, wie ich ihn ansprechen könnte, als ich

schon aufgerufen wurde.

Als ich aus dem Behandlungszimmer zurückkam, war er seinerseits

mit einer Untersuchung beschäftigt, und sein Helm lag verwaist

unter seinem Platz. Das Wartezimmer war inzwischen brechend

voll geworden, sodass ich meinen Gedanken, ihm einen

Zettel in seinen Helm zu legen, wieder aufgab. Ein wenig enttäuscht

ging ich auf die Straße, unschlüssig, ob ich auf ihn warten

sollte, als ich direkt vor dem Eingang einen schicken Retro-Roller

stehen sah. Er passte vom Stil genau zu dem Sturzhelm, und weit

und breit gab es kein ähnliches Gefährt. Ich war mir sicher, dass

der Roller dem Mann mit der schönen Stimme gehörte und zückte

eine meiner Visitenkarten. Mit Bleistift schrieb ich dazu: „Ich

würde dein schönes Lachen gern wiedersehen.“ Dann steckte ich

das Kärtchen halb unter den Riemen von seinem Sitz und radelte

mit singendem Herzen davon. Ich bin gespannt, ob er sich bei

mir melden wird. ♥

Séparée No. 18

19


Por.trät

20 Séparée No. 18


Por.trät

Die Entdeckung der

Weiblichkeit.

Ein Triptychon

An einem Sonntagvormittag treffe ich die Künstlerin

Katrin Zickler und ihren Partner Hans J. zu einem Gespräch,

in dem es längst nicht nur um ihre erotischen Bilder geht.

Text: Janina Gatzky

Séparée No. 18

21


Por.trät

22 Séparée No. 18


Por.trät

Séparée No. 18

23


Por.trät

24 Séparée No. 18


Por.trät

Séparée No. 18

25


Por.trät

HANS J., GROSS, MUSKULÖS, Anfang 50, bittet mich ins Atelier,

das in den Räumlichkeiten einer ehemaligen Brauerei in Dessau

liegt. Backstein trifft Stahlbalken und weiße Wände. Er ist Muse

und Manager zugleich und offensichtlich derjenige, der in dieser

Beziehung in vieler Hinsicht den Ton angibt. Doch die Bühne gehört

ihr, der zierlichen Frau in den engen Jeans und dem weißen,

anliegenden Oberteil, durch das sich ihre Brustwarzen deutlich

abzeichnen. All das ist gewollt, sehr sogar.

Bevor wir ins Gespräch kommen, führen mich die beiden durch die

Räume, die neben der Malschule, mit der Katrin Zickler ihr Geld

verdient, eine Galerie mit ihren Werken beherbergen. Malerei und

Skulpturen. Stile und Materialien variieren. Ihre Arbeiten verkaufen

sich durchaus erfolgreich. Lange bleiben wir in dem großen

Raum mit ihren erotischen Bildern stehen – sie am Tisch in der

Mitte, er in den Türrahmen gelehnt – und fangen an zu reden,

denn die Gemälde und die unzähligen Aktfotos, die sie von sich

macht, lassen sich nicht voll erschließen, ohne ihre Geschichte zu

kennen, die eine Art spätes Coming-of-Age und doch typisch für

so viele Frauen ist. Wenn sie erzählt, ergänzt er oft, erklärt, wenn er

denkt, das Bild, das sie von sich zeichnet, sei nur eine Skizze. Vielleicht

ist für Männer, insbesondere selbstbewusste Alpha-Tiere,

schwer zu verstehen, dass Frauen einen anderen Weg zu sich selbst

gehen, der selten gradlinig und häufig steinig ist. Hans J. verwendet

immer wieder den Betriff „Narzissmus“, wenn er sie beschreibt. Er

meint das nicht negativ. Aber das Wort wirkt sperrig für diese leise

Frau und irgendwie nicht stimmig. Katrin Zickler selbst spricht später

von „Frauwerdung“ und meint damit, den Mut zu haben, aus

sich herauszutreten, das frei zu leben, was in ihr steckt, ohne falsche

Rücksicht und Ängste. Kann es sein, dass das auf Männer immer

noch egoistisch wirkt? Für Zickler lässt es sich auf eine einfache

Formel bringen: Kunst und Sexualität.

Angefangen hat alles anders: Als jüngstes von drei Kindern will sie

der Junge sein, macht Judo und spielt Fußball. Die Rolle der schönen

Tochter ist schon der großen Schwester vorbehalten. Später

wird sie zu einem Neutrum, das den schlanken Körper mit geschlechtslosen

Gewändern verhüllt. Sie wird nicht gesehen, will

dies aber auch nicht. Ihre Kunst sollen die Menschen wahrnehmen,

nicht die Künstlerin dahinter. Heute ist das anders: Sie ist

sich ihres attraktiven Körpers bewusst und nutzt diese Vorteile

bewusst. Ihr Körper ist Teil ihrer Kunst geworden – in Aktbildern

und Videos. Sie stellt ihn und sich gern zur Schau, provoziert gelegentlich

und genießt die bewundernden Blicke der Anderen.

Vielleicht ist es auch das, was Hans J. mit Narzissmus meint. Der

Mann, mit dem Katrin Zickler lange zusammenlebte und mit dem

sie zwei Söhne hat, konnte diese Weiblichkeit nicht aus ihr herauskitzeln.

Im Gegenteil. Seine Unsicherheit spiegelte sich in ihr in

26 Séparée No. 18


Por.trät

Séparée No. 18

27


Por.trät

28 Séparée No. 18


Por.trät

Form von Selbstzweifeln wider. Vor acht Jahren begegnet sie

schließlich Hans J. Er nennt es Zufall, sie denke eher an Bestimmung.

Schnell erkennt er in ihr einen ungeschliffenen Diamanten,

wie er sie beschreibt. Zuerst will er sie fotografieren, dann wird

mehr daraus. Mühsam erkämpft sie sich an seiner Seite in den

nächsten Jahren ihr Selbstwertgefühl und damit öffnet sich eine

Tür zu ihren sexuellen Fantasien, die bis dato brach lagen. Mit

ihm kann sie diese endlich ausleben. Ins Detail gehen die beiden

nicht. Es fallen nur Stichworte, die ahnen lassen, dass Blümchensex

nicht ihre Sache ist.

Auch in der Farbigkeit ihrer neuen Werke spiegelt sich die eigene

Emanzipation, die Bewusstwerdung ihrer Weiblichkeit wider. Waren

sie früher dunkel und dramatisch, so sind ihre Gemälde heute

hell, fließend, lebendig. Ihre erotischen Bilder sprechen mich sofort

an. Sie verweben organische Formen, die mal anatomisch, mal floral

anmuten. Auf vielen Bildern Penisse. Nie als erhobener Zeigefinger,

patriarchisch-majestätischer Phallus oder Zepter der Macht,

sondern oft im Zusammenspiel mit Vulven, die an riesige Blüten

erinnern. Blumen, so sagt Katrin Zickler beiläufig, seien doch Erotik,

die man sich ins Haus holt.

Ich möchte wissen, wie die Bilder rezipiert werden. Es überrascht

wenig, dass die Reaktionen von Begeisterung und Zuspruch bis

zum beschämten Vorbeischauen reichen. „Jetzt ist doch mal genug

mit Pullermännern“, habe neulich jemand aus dem Ort gesagt.

Männliche Sexualität darzustellen, bleibt ein schwieriges Feld, insbesondere

in einer Zeit, in der Prüderie und Ent-Erotisierung

Raum greifen. Dabei, so ihr gemeinsames Credo, sei alles Sexualität.

Immer wieder kommen wir im Gespräch darauf zurück und

auch auf ihre Rollen – er der dominante, sie der devote Part. Wobei

letzterer der machtvollere sei, sagt er, weil alle Dominanz

nichts bewirkt, wenn der devote Partner sich nicht auf das Spiel

einlassen mag. Katrin Zickler hat sich darauf eingelassen, tut es

immer wieder. Damals zum Beispiel, als sie für drei Monate zu

einem Künstler-Retreat in die Abgeschiedenheit des Flämings fährt

und er ihr klare Anweisungen gibt, was sie tun und was sie lassen

soll, nämlich sich ganz und gar auf ihre Kunst konzentrieren, statt

sich mit geselligen Nebensächlichkeiten abzulenken, kein schlechtes

Gewissen zu haben, weil sie ihre Mutterrolle mal eine Zeit

ruhen lässt. Am Ende der kreativen Isolation kann sie ihre kraftvollen

erotischen Bilder präsentieren.

Séparée No. 18

29


Por.trät

Was er aus der Beziehung zieht, bleibt schemenhaft, lässt aber auch

Raum für Interpretation und sexuelle Fantasie. Damit geht für beide

die Rechnung auf. Die Energie, die dabei entsteht, ist spürbar.

Bei Zickler in ihren künstlerischen Arbeiten, aber auch in ihrer

Ausstrahlung, in der eine zarte, anziehende Stärke und Ruhe liegt,

die jemand vermittelt, der bei sich angekommen ist, der darf und

anderen nichts beweisen muss.

Neben den Gemälden macht Zickler mit Selbstauslöser Aktfotos

von sich. Zu einer Art Triptychon wird ihr derzeitiges Schaffen

durch ihre Kostümbilder. Ausgelöst durch ein Projekt, bei dem sie

mit Jugendlichen Kostüme für eine Vorstellung gestaltete, entstand

die Idee, für sich selbst Kostüme zu entwerfen. Die Arbeit mit

dem Material wurde zur Obsession, in die großen, geometrischen

Gebilde hineinzustiegen, sich selbst nackt darin zu präsentieren,

über Silhouetten, die expressiv sind, fließend, zerbrechlich. Mit

den abstrakten Formen überträgt sie Strukturen von Bildern an den

eigenen Körper. Sie steckt buchstäblich in der Kunst, trägt ihre

Bilder und wird damit Teil des eigenen Werkes.

Dies alles ist noch im Werden. Bei Tee und Gebäck reden wir über

ihre nächsten Pläne. Gern möchte sie mit ihrer Kunst, mit der Malerei,

der Aktfotografie, den Kostüme und Videos aus der Enge der

sachsen-anhaltinischen Provinz hinaustreten. Dass das Bauhaus nur

ein paar hundert Meter entfernt liegt, lässt zumindest im übertragenen

Sinne hoffen. Hans J. versteht sich auch in dieser Hinsicht als

Mentor und Förderer, der sie bestärkt, führt und konstruktiv kritisiert.

Zum Ende unseres Gesprächs zeigen mir die beiden die alten

Fabrikhallen, in der Zickler schon Performances organisiert hat. Man

kann sich hier Happenings vorstellen, wie sie die Künstlerin Marina

Abramovic macht. Vor dieser dem Verfall preisgegebenen Industriekulisse

ist sie deutlich spürbar: diese ansteckende, kreative Energie,

die in der zierlichen Frau steckt, die ihre Triebkraft in einer unbändigen

Sexualität gefunden hat und einem Mann, der hinter ihr steht. ♥

30 Séparée No. 18


Por.trät

Séparée No. 18

31


Spitzmarke

Debatte.MeToo

32

Séparée No. 18


An.sicht

RETRO

Prüderie

Tannengrüne Samtsofas, orange-lila Tapeten, Sideboards mit Teakfurnier, Songs,

die direkt aus der Abbey Road stammen könnten – fast ist es, als seien wir

von Kopf bis Fuß auf Retro eingestellt. Selbst der Futurismus der Raumschiff Enterprise-Ära

erlebt ein Revival in auf Sixties getrimmten Weckern und Radios.

Der ästhetische Eskapismus macht selbst vor unseren Schlafzimmertüren nicht halt.

Chantal Thomass und Fifi Chachnil stecken uns in Korsetts, verzieren

uns mit Polyester-Rüschen, als habe es die sexuelle Revolution nie gegeben.

Text. Ute Cohen

Fotos: © ArtsyBee – www.pixabay.de

FOODPORN STATT TITS’N ASS

Jedem Tierchen sein Pläsierchen, mag man

da noch abwinken. Es gibt schließlich Wichtigeres

als Nostalgiefetisch und Netflix-

Hommagen an vergangene Dekaden und

pomadige Mad Men. Solange wir Spaß dabei

haben! Mit dem Verkleiden und ’nem

Rollenspiel ist es aber nicht getan, Mesdames,

sag ich da gestreng, denn längst hat

das Rückwärtsgewandte nicht nur unsere

Kleiderschränke, sondern auch unsere Gehirne

gekapert. Retro nicht nur als Blick

zurück, sondern als Zwang zur Umkehr.

Wenn selbst die BILD-Zeitung keine barbusigen

Girls mehr ablichten will, da viele

Frauen und – wer weiß? – auch Männer in

vorauseilendem Gehorsam diese Bilder als

„kränkend und herabwürdigend empfinden“,

schwant mir nichts Gutes. Einspruch?

Bad Taste müsse schließlich nicht bis in

alle Ewigkeit zelebriert werden? Kann man

gelten lassen, aber auch Helene Fischer und

Leoparden-Leggins haben eine Daseinsberechtigung.

Schlechten Geschmack kann

man dem Playboy-Magazin hingegen nicht

unbedingt nachsagen. Demarchelier, Paul

Ripke ... Die Liste der Starfotografen, die

Erotik kunstvoll in Szene zu setzen wissen,

ist lang. Dennoch kündigten die Amerikaner

feierlich die Abkehr von der „sexuellen

Revolution“ an. Foodporn und Welpen-

Instas haben Tits ’n Ass längst den Rang

abgelaufen. Mit Nacktheit macht man heute

keinen Staat und schon gar keine Auflage

mehr. Und auch in Deutschland sieht’s

nicht besser aus: 2017 musste sich der

Deutsche Werberat mit 1389 Beschwerden

zu Geschlechterdiskriminierung und Sexismus

beschäftigen.

INNOCENT ON THE OUTSIDE

BUT FREAKY AS FUCK ON THE INSIDE

Andererseits ist Sex immer noch der Clickbait

Nummer 1. Nichts reizt mehr zum

Social Sharing, nichts versetzt mehr die Gemüter

in Wallung als S.E.X., durchdekliniert

bis ins letzte Schamhärchen. Im stillen

Kämmerchen, das Gesicht pixelblau beleuchtet,

sitzen wir dann doch vor den Laptops

und klicken uns durch Websites mit

sexuell explizitem Inhalt. „Adults Only“

heißt das Signal und schon brennen uns die

Synapsen durch. Wie aber kommt’s, dass

wir nach außen hin immer braver werden

und abgeschirmt des Nachts zu Pornaddicts

mutieren? Es ist das typische „Innocent-onthe-outside-but-freaky-as-fuck-on-theinside“-Phänomen.

Wie auf dem berühmten

Retro-Pin-up-Bild mit der properen

Hausfrau mit adrettem Haar im grünen

Kleid und weißem Schürzchen verhalten

wir uns widersprüchlich. Prüderie ist das

Stichwort. Die Schere zwischen zunehmend

tabuisierter Öffentlichkeit und unserem

ganz privaten Sodom und Gomorrha klafft

immer weiter auf. Die `68 schweißtreibend

ervögelte Freiheit scheint sang- und klanglos

zu verschwinden oder nur noch blutleer

im virtuellen Raum dahinzuvegetieren. Es

sind paradoxe Verhältnisse: Jetzt, wo alles

erlaubt, alles erkundet und ausgekostet werden

kann, verkümmern Libido und erotisches

Savoir-faire. Das Animalische wird

wieder zu einer Bedrohung, an der sich ein

neuer Puritanismus entzündet.

Séparée No. 18

33


An.sicht

sündige Fleisch, befreite es vom Ruch des

Unreinen. Dass Prostituierte Modell saßen,

tat nichts zur Sache, wenn Königin Viktoria

dem Herrn Gemahl jedes Jahr zum

Geburtstag als Symbol ihrer reinen Liebe

einen Akt offerierte. Nach einer Phase der

Verschlossenheit folgten immerhin aufklärerische

Perioden. Der Sexualwissenschaftler

Volkmar Sigusch spricht von drei sexuellen

Aufklärungen: Die erste um 1905

forderte den offenen Blick auf Nacktheit,

das Recht auf Onanie und Abtreibung.

Die Sechzigerjahre – Oswald Kolle lässt

grüßen – propagierten freie Liebe und offene

Beziehungen, und in den folgenden

Jahrzehnten entfesselte sich eine Anythinggoes-Sexualität.

Homo-, Trans-, Cis-Sexualität,

Cybersex, BDSM, Zoophilie ... Fast

nichts liegt mehr außerhalb des Akzeptierten,

und doch scheint Sexualität keinen

echten Kick mehr zu bieten. Die Zeichen

mehren sich, dass das sexualliberale Zeitalter

wieder in der Versenkung verschwinden

könnte.

Selbst die Kunstskandale verdienen ihren

Namen nicht mehr. Als Jonathan Meese vor

fünfzehn Jahren in Zwickau Holzkreuze,

Pornos und kopflose Schaufensterpuppen

ausstellte, sprach man vom „Zwickauer Porno-Skandal“.

Sogar die Staatsanwaltschaft

ermittelte wegen Verstoßes gegen §184

StGB (Verbreitung pornografischer Schriften).

Dagegen sind die Verbannung von

Waterhouses „Hylas und die Nymphen“ ins

Depot des Museums von Manchester oder

die Verschleierung von High Heels oder

Ärschen mit Pommes in Berlin und Göttingen

alberne Bagatellen.

GEBURTSSTUNDE DER PRÜDERIE

Gänzlich neu ist die derzeitige öffentliche

Verklemmtheit allerdings nicht. In der Geschichte

der Menschheit gab es seit jeher

ein Wabern und Wogen der Weiblichkeit

und der Begierden. So beauftragte im sechzehnten

Jahrhundert Papst Paul IV. Daniele

de Volterra, die nackten Figuren in Michelangelos

„Das Jüngste Gericht“ zu verhängen.

Das Konzil von Trient bedeutete endgültig

die „Geburtsstunde der Prüderie“.

Im Manierismus spalteten sich die Gefühle

gegenüber Erotischem schließlich vollends

auf: Außen hui und innen pfui. Diese

Heuchelei setzte sich im viktorianischen

Zeitalter uneingeschränkt fort. Jede naturalistische

Darstellung des Körpers galt nun

als moralisch verwerflich. Nur die Abbildung

durch anerkannte Künstler adelte das

NARZISSTISCHER

BEFINDLICHKEITSRAUSCH

Natürlich begünstigen Aufschrei- und

#metoo-Kampagnen auf den ersten Blick

nicht gerade die lustvolle Auseinandersetzung

mit Sexualität. Retro-Prüderie jedoch

der jüngsten Debatte um sexuelle Gewalt

ans Bein zu binden, wäre unfair und falsch.

Erstens soll man Fakten nicht vom Tisch

fegen, Schweigen hat noch jeder Sache

geschadet. Zweitens handelt es sich bei

sexueller Gewalt und gschamig-prüdem

Gebaren um zwei grundverschiedene Sachverhalte.

Die Retro-Prüderie liegt vielmehr

in einem irrsinnigen Befindlichkeitsrausch

begründet. Der österreichische Philosoph

Robert Pfaller spricht in seinem Buch

„Erwachsenensprache“ gar von einer „Verfreakung“

und von einer „Infantilisierung“

der Bevölkerung. Der postmoderne Narzissmus

sei schuld an der Entstehung immer

neuer Tabus, Kränkungen und Überempfindlichkeiten.

Jeder definiere sich nur

noch über eine Gruppenidentität, müsse

sich immer wieder neu konstruieren in einer

genussfeindlichen, negativistischen Gesellschaft.

Unsere einstigen Götter werden

zu Dämonen: Fleisch, Tabak, Alkohol und

Witze werden verteufelt. Da liegt es nicht

fern, dass auch Sex dem moralischen Fallbeil

zum Opfer fällt.

34 Séparée No. 18


An.sicht

Fotos: © ArtsyBee – www.pixabay.de

SITTENSTRENGE

SPRACHPOLIZISTINNEN

Was wie eine schleichende Verspießerung,

eine unmerkliche Verkrustung und Puritanisierung

der Gesellschaft wirkt, nahm natürlich

irgendwann einen Anfang. Wie so oft

heißt es auch hier: „Am Anfang war das

Wort.“ Als in den Siebzigerjahren die

Feministische Linguistik aufkeimte, war das

hehre Anliegen, Frauen auch sprachlich

sichtbar zu machen. Über ein verändertes

Sprechen glaubte man das Denken und

damit die Wirklichkeit ändern zu können.

Was noch zielgerichtet, wenn auch reichlich

idealistisch klingt, verflüssigte sich zusehends

zu einem ungenießbaren Wortbrei,

den uns sittenstrenge Sprachpolizistinnen

und deren Adjutanten servierten. Vor lauter

Gender-Stars und -Sternchen, Underscores

und Firlefanz-Endungen sehen wir inzwischen

jedoch die Wirklichkeit kaum mehr.

Ein x am Ende erhöht noch nicht die Frauenquote

an den Unis, beschäftigt aber

wohlfeil ein paar Gremien und füllt beständig

Aktenordner. Wünschen wir uns nicht

alle, dass dieser sprachpolitische Irrlauf mal

gezügelt wird und es den Sprachkorrektorinnen

wie Schuppen von den Augen fiele:

Political Correctness kann schließlich auch

zu Zwanghaftigkeit und Tyrannei führen.

Indizien dafür sind die zahlreichen Euphemismen

totalitärer Systeme und eine

sprachliche Prüderie, die unweigerlich in

Heuchelei und Doppelbödigkeit mündet.

Wie heißt es bei Stendhals „Lucien Leuwen“

so schön? „Man muss in Paris und

ausschließlich mit Leuten zusammenleben,

die ein fröhliches Leben führen! Sie sind

glücklich und daher weniger bösartig.“

NACHHILFE IN

SACHEN „SÉDUCTION“

Es ist ein alter Hut: Wer kein Blatt vor den

Mund nimmt und seine Gelüste nicht zu

kurz kommen lässt, neigt weniger zu Pharisäertum

und Heuchelei als Kontrollfreaks.

Für eine Mind-Body-Balance ist ein klares,

erwachsenes Sprechen mindestens so wichtig

wie ein Himbeer-Smoothie mit Koriander.

Tacheles reden, Taten statt Worte in die

Welt zu setzen und Schluss zu machen mit

sprachlichen Ablenkungsmanövern, welche

die knallharte Realität aus den Augen verlieren

– das wäre doch ein guter Start in ein

sinnliches und doch verantwortungsbewusstes

Zeitalter! Habt euch nicht so, platzt es

fast aus mir heraus, schlechte Witze, schwarzen

Humor und ungelenkes Anbaggern

muss man eben auch aushalten können.

Nicht jeder ist ein Meister der Verführung.

Nachhilfe in Sachen „Séduction“ darf

schließlich gern erteilt werden.

NATURSEKT AUF DEN

PFEILERN DER TUGEND

Die Sehnsucht nach charmanten Flirts und

einem geschmeidig-spielerischen Umgang

der Geschlechter bedeutet jedoch nicht,

dass wir uns einen Rückfall in die 50er-Jahre

wünschen. In der „Kunst erotischer Lustvollendung“

von Eugen Seiler aus dem

Jahre 1956 heißt es: „Das Weib (...) sucht

oft nur die Erregung, der Mann jedoch Befreiung

von der Erregung.“ Übertrumpft

wird diese Aussage nur noch durch das Vorwort

des Obermedizinalrates Brandt: „Die

Grundeinstellung des Mannes ist mehr sexueller,

die der Frau mehr erotischer Natur.“

Nach Retro-Prüderie nun auch noch

Retro-Sex? Nein, danke! Wenn ich mir die

derzeitige Tantra-Landschaft, softerotische

Beraterinnen und selbsternannte Hüterinnen

einer niveauvollen Sexualität ansehe

und deren Propagandaschriften lese, höre

ich schon die Peitschen zischen. Unter dem

Gender-Mäntelchen verbergen sich nicht

selten Hardcore-Softies, die jeden Nipple-

Blitzer der Facebook-Polizei melden. Alles

natürlich zum Wohle der Frau, die ja nicht

nur als Sexualobjekt begehrt und als ein

Stück Fleisch zur Schau gestellt werden will.

Hey, was soll das? Mein Körper gehört mir

und ich stelle ihn zur Schau, mache damit,

was ich will. Natursekt auf die Pfeiler der

Tugend hat noch niemandem geschadet!

SPRÖDIGKEIT STATT DOUBLE D

Wer nun glaubt, die aktuelle Sprödigkeit sei

einfach Koketterie, täuscht sich gewaltig.

Die Asexualität der Intelligenzija ist legendär

hierzulande. Was in Deutschland ein

Ritterschlag der Denker und Denkerinnen

ist, gilt in La belle France eher als Stigma.

Houellebecq scheut sich nicht Klartext zu

sprechen, während man hier mit S.E.X. nobel

hinter dem Busch hält. Es könnte ja

womöglich jemand auf die Idee kommen,

dass das Hirn im Verteilungskampf mit den

Genitalien zu kurz kommt. Öffentlich hat

jedenfalls noch keine Frau von Rang und

Verstand ihre Vorliebe für good old Russ

Meyer und seine Double D-Krankenschwestern

kundgetan!

Diese Haltung ist schon verdammt nah

dran an Seilers „Sprödigkeit“ aus „Furcht

vor der Gewalt der eigenen Triebe“.

SAKRA!

Heilsam bei Sprachsprödigkeits-Traumatisierten

könnte ein wenig Derbheit wirken.

Ein Blick in Georg Queris im Jahre 1912

erschienenen Buch „Kraftbayrisch. Ein Wörterbuch

der erotischen und skatologischen

Redensarten der Altbayern“ entspannt ungemein.

Heute wieder zugänglich, nachdem es

das Königlich Bayerische Amtsgericht zunächst

verboten hatte, ist es eine Quelle verbaler

Gegenstöße in Auseinandersetzungen

mit allzu verbiesterten Retro-Prüden:

„Kimmt uns oaner, der’s probiert, sakra, der

wird massakriert.“ ♥

Séparée No. 18

35


Kontrovers.Seitensprung

Seitensprünge

Yes, Darling!

Von Alma Fabian

DIE WENIGSTEN PAARE SPRECHEN

vorher darüber, was sie im Fall eines Seitensprungs

tun würden geschweige davon,

dass sie darüber nachdenken, wie sie damit

umgehen würden. Als würde so etwas immer

nur den anderen passieren, nie einem

selbst. Als könne man das Unheil bannen,

wenn man nicht darüber redet. Und wenn

der Fall plötzlich doch eintritt, steht man

vollkommen unvorbereitet und ratlos da.

Wir sind noch immer auf Monogamie sozialisiert.

Selbst wenn wir rational eingesehen

haben, dass dies nicht mehr die lebenslange

Lösung sein kann, ist die

emotionale Ebene eine völlig andere Geschichte.

Man kann längst begriffen haben,

dass es Unsinn ist, lebenslange sexuelle

Treue zu erwarten, und trotzdem

abgrundtiefen Schmerz empfinden, wenn

früher oder später das gar nicht so Unwahrscheinliche

eintritt.

Ohne blassen Schimmer davon, wie der

Partner reagieren wird, ist es schwer sich

dazu durchzuringen, das Thema aufs Tapet

zu bringen, wenn es bereits akut ist. Wird

einem die ganze Beziehung, die man ja

eigentlich gar nicht in Frage stellen wollte,

um die Ohren fliegen oder wird man

durch die Offenheit erreichen, dass man

gemeinsam mit der Situation fertig wird

und daran wächst?

Die meisten Menschen haben Angst vor

Veränderung. Am liebsten soll immer alles

so bleiben wie es ist, geordnet und vorhersehbar,

nicht nur im Liebesleben. Dabei ist

Stagnation nur ein anderer Ausdruck für

Sterben, auch wenn das Absterben schleichend

geschieht, sodass man es zunächst

kaum bemerkt. Auf lange Sicht wird Stagnation

sehr schmerzhaft und der Prozess

oft unumkehrbar. Schweigen bedeutet fast

immer Stillstand und nimmt die Chance

einer – vielleicht gemeinsamen – Entwicklung.

Offenes Reden jedoch sprengt den

eingefahrenen Rahmen und macht Platz

für neue Möglichkeiten. Dann gibt es zwei

Wege: Entweder ist die Beziehung so marode

und auf vielen anderen Ebenen so

kaputt, dass der Seitensprung vielleicht

sogar als eine Erlösung daherkommt, als

Anlass, um die ganze ausweglose Kiste zu

beenden. Oder er ebnet den Weg zu Austausch

und Reflektion und einer Neuausrichtung

der Beziehung.

Fakt ist, ich selbst würde nicht gern belogen

werden wollen. Ich möchte darauf vertrauen

können, dass mein Partner offen

und ehrlich zu mir ist. Ich möchte mir

nicht das Hirn zermartern und rätseln

müssen, ob da wohl etwas ist, das ich nicht

weiß. Sicher wäre sein Geständnis trotzdem

im ersten Augenblick schmerzhaft,

aber ich wäre gewiss, dass wir die Situation

gemeinsam meistern würden, in welcher

Form auch immer, gemeinsam auf jeden

Fall. Und im umgekehrten Fall würde

auch ich meinem Partner als meinem engsten

Vertrauten nicht gern etwas verschweigen

(müssen), wenn es mir auf der Seele

brennt. ♥

36 Séparée No. 18


Kontrovers.Seitensprung

beichten?

No, Darling!

Von Lilla Augustin

Foto: © LoloStock – Fotolia.com

„GEFÄNGNISSE SIND VOLL mit schlechten

Lügnern“, behauptet der Psychologe

Charles Ford und empfahl, nur dann zu

lügen, wenn es wirklich einen Nutzen hat.

Im Umkehrschluss heißt das, wem nützt es,

einen Seitensprung zu beichten? Wem

nützt die Lüge? Und wem die Wahrheit?

Letztere der bzw. dem Betrogenen in aller

Regel nicht, denn groß ist die Wahrscheinlichkeit,

dass die/der Hintergangene dem

Beichtenden nicht erleichtert um den Hals

fällt und ihm für die Offenheit dankt, sondern

sich verletzt, zurückgesetzt, hintergangen

fühlt. Sein Vertrauen und sein Selbstvertrauen

werden den Schlag erst einmal

verkraften müssen, der ihm ungewollt und

ungefragt zugefügt wurde.

Am ehesten nützt die Wahrheit in diesem

Falle wohl dem bzw. der Seitenspringerin,

der oder die damit ihr schlechtes Gewissen

auf breitere Schultern verteilen will. Es ist

passiert – warum auch immer – und jetzt

möchte man nicht mit dem schalen, nagenden

Gefühl im Bauch leben, der Angst, vielleicht

doch noch entdeckt zu werden. Manche

glauben vielleicht sogar, ein Geständnis

wäre eine zweifelhafte Liebeserklärung nach

dem Motto: Es war ja nur Sex, aber bei dir

zählen die inneren Werte. Oder: Ich bin ja

noch oder wieder bei dir. Möchte man das

wirklich hören?! Wenn es tatsächlich nicht

viel bedeutete und vorbei ist, lebt es sich

dann nicht besser mit dem Nichtwissen?

Wenn der andere ernsthaft bereut, dann

soll er das am besten mit sich selbst ausmachen,

zur Einzel-Paartherapie oder zur

katholischen Beichte gehen. Die Katholiken

wussten irgendwie schon immer ganz

gut, wie man Probleme des Alltags pragmatisch

löst – achtes Gebot hin oder her.

Sicher ist das nicht die feine englische Art,

aber zumindest diskreter als ein Geständnis

vor einem verzweifelten Partner.

Wie viele Beziehungen hätte man retten

können, wenn nicht jemand auf die Idee

gekommen wäre, die Wahrheit sagen zu

müssen oder einfach nicht gut lügen konnte.

Denn das Lügen will gelernt sein. Nichts

ist verletzender als eine fadenscheinige

Lüge auf wackligen Beinen. Zu den möglichen

Folgen lese man noch einmal den

Anfangssatz dieses Textes.

Natürlich ist die Welt nicht schwarz oder

weiß. Natürlich gibt es Situationen, in denen

die Wahrheit, oder anders gesagt, Ehrlichkeit

auch Heilung für eine Beziehung

bringen kann, die offensichtlich krankt,

wenn beide Seiten bereit sind, sich darauf

einzulassen. Oder sie ist der Tropfen, der

das Fass zum Überlaufen bringt, wenn man

zu feige war, seine Beziehungsprobleme

miteinander zu lösen.

Ansonsten, so möchte ich behaupten, sollten

wir es in den meisten Situationen lieber

mit der einfachen Weisheit halten: Eine

Dame (oder ein Gentleman) genießt und

schweigt. Und lässt das mit dem Seitensprung

alsbald. ♥

Séparée No. 18

37


Spitzmarke

Interview.Dominus

38

Séparée No. 18


Interview.Dominus

Die Kunst

der Unterwerfung

Master André aka Dominus Berlin, mehrfach zu Deutschlands „Bestmaster“ gekürt,

hat uns im Gespräch von seinem beruflichen Alltag, der Abgrenzung zu seinem Privatleben

und Unterschieden zwischen männlichen und weiblichen Sexarbeitern erzählt.

Interview: Ute Gliwa

Foto: PR

Séparée: Master André, eigentlich ist dein Beruf als Dominus ja ein

Paradoxon. Sind nicht deine Klienten, die dich für deine Dienste

bezahlen, die wirklichen Herrschaften und du deren Diener?

Master André: Natürlich verstehe ich mich als Dienstleister und

muss darauf achten, dass die Wünsche meiner Klienten umgesetzt

werden. Ich muss diesen Wünschen dann nur einen Wunsch von

mir voranstellen, was nicht besonders schwer ist, wenn man Sexualität

im Allgemeinen und BDSM im Speziellen richtig mag. Daher

sind hier Absprachen besonders wichtig. Das ist im Übrigen das

Kennzeichen für einen wirklichen Profi: Wer in einer Sitzung einfach

seinen persönlichen Stiefel durchzieht und somit eben nicht

Dienstleister ist, sondern nur ein bezahlter Sexpartner, der erreicht

sein Gegenüber seltener.

Wie konkret sind die Wünsche deiner Klienten und wie viel kreativer

Handlungsspielraum bleibt dir dabei?

In manchen Punkten sollte man schon sehr konkret sein, zum Beispiel

macht den einen Leder an und den anderen eben nur Anzug.

Auch die Ausschlusskriterien werden von den Klienten sehr deutlich

formuliert. Witzig sind die von sehr eingefleischten Schwulen.

Da höre ich häufig so etwas wie: „Meine Tabus sind: Erbrechen,

Blut, Kot und Frauen“. Na ja, jedem sein eigener Horror. (Er

lacht.) Bei den Praktiken kann man mehrfach ankreuzen, und ich

kann mir davon einfach was aussuchen. Bei den sogenannten Softskills

bleiben die Leute zu Recht schwammig. Ich habe auch schon

ein Drehbuch bekommen, wo ich auf die Minute genau vorgeschrieben

bekam, wann ich wie zu stöhnen hatte – den Termin

habe ich abgelehnt. Aber in der Regel umschreiben die Leute ihre

Wünsche grob. Sie wollen ja, dass ich meine Bedürfnisse daraus

ableiten kann. Es ist wie bei einem Paartanz. Da gibt die Dame vor,

ob Tango oder Samba, aber führen wird dann der Mann.

Ich habe den Anamnesebogen auf deiner Webseite studiert und mich über

die Orgasmus-Frage gewundert. Von weiblichen Dominas weiß ich, dass

ihren Sklaven kein Sex mit der Herrin erlaubt ist. Liegt der Fall bei

männlichen Doms grundsätzlich anders oder bist du eine Ausnahme?

Nun, das ist breit gefächert und unterliegt Klischees. Dass bei einer

klassischen Domina gar keine Orgasmen stattfinden, ist möglich

und auch mal bei mir oder meinen Klienten der Fall. Aber die

klassische Unberührbarkeit einer Domina ist in der Regel darauf

bezogen, dass sie bei sich keinen Intimkontakt wünscht. Grundsätzlich

ist der Orgasmus bei einem Sexarbeiter im Vergleich zu

einer Sexarbeiterin schon eher erwünscht. Das hängt wieder mit

unserem Geschlechterbild zusammen: Ein Mann „muss Samen

verteilen“, eine Frau „einstecken und brüten“. Die Realität sieht

ganz anders aus, denn insbesondere im BDSM ist der Orgasmus

weder immer das erklärte Ziel, noch lässt er sich genderspezifisch

zuteilen. Oftmals ist sogar kein Orgasmus gewollt, ergibt sich aber

trotzdem oder andersherum. Der Orgasmus ist prinzipiell kein

Qualitätskriterium einer Sitzung.

Deine Klienten sind sowohl Frauen, Männer als auch Mischgeschlechter.

Übst du deine Tätigkeit als Dominus unabhängig von

deiner eigenen sexuellen Orientierung aus?

Grundsätzlich bin ich bi. Mich erregt, dass jemand devot ist, sich

mir hingibt, mich anbetet. Ob und wie viel Penis an dem Menschen

hängt, ist sekundär. Gleiches gilt für das Maß an Attraktivität

meines Spielpartners.

Séparée No. 18

39


Interview.Dominus

Ich war erstaunt zu sehen, dass du als männliche Domina so

gut wie konkurrenzlos in Deutschland bist. Dabei träumen doch

zahllose Frauen davon – der Erfolg von Shades of Grey

belegt es – von einem Mann sexuell dominiert zu werden.

Ist es immer noch unüblich, dass Frauen für sexuelle Dienstleistungen

bezahlen?

Ja, das stimmt. Es zahlen immer noch mehr Männer für Sex als

Frauen. Aber zu mir kommen in der Regel nur emanzipierte, starke

Frauen, die ihre Motivation ungefähr so beschreiben: „Ich

brauche das jetzt und ich gönne mir das. Jetzt bin ich mal dran.“

Das ist eine Folge der fortschreitenden Gleichberechtigung unserer

westlichen Welt, und wir alle können verdammt stolz darauf

sein. Sie schätzen den Sicherheitsaspekt, denn zu einem fremden

Mann nach Hause zu gehen und sich dort fesseln lassen, ist für

eine Frau ein Wagnis und geht tatsächlich oftmals daneben. Da

der Mann naturgemäß mehr schachern muss, um eine Sklavin zu

bekommen, passiert es häufiger, dass er Grenzen missachtet. So

etwas passiert einer dominanten Frau bei einem devoten Mann

logischerweise nicht, und unter Männern oder lesbischen Frauen

ist das auch nicht so ein Drama. Für eine Frau, die einen dominanten

Mann sucht, schon. Sich in einem Dominastudio mit

gutem Ruf, in dem meist noch andere Frauen herumlaufen, von

einem Profi behandeln zu lassen, erscheint dann als eine logische

Konsequenz.

Unterm Strich gibt es noch den „Unisex-Grund“, warum man überhaupt

zu Sexarbeitern geht: Man bekommt das, was man wirklich

haben möchte – ohne Kompromisse und stundenlange Suche im

Internet. In der BDSM-Szene ist es häufig auch so, dass feste Partnerschaften

vorhanden sind, in denen der übliche Beischlaf vollzogen

wird, aber der BDSM einfach keinen Platz findet. Das muss

irgendwann ausgeglichen werden. Diese Leute sind meine klassische

Zielgruppe.

Du trägst große Verantwortung, deine Klienten in ihrem Wunsch

nach Schmerz und Unterwerfung gerade und nur so weit zu

führen, wie sie es vertragen. Wie findest du das richtige Maß für

jeden, wo doch die Schmerzgrenzen und Befindlichkeiten bei

jedem unterschiedlich sind?

Ganz einfach: auch während der Session kommunizieren. Das

muss nicht immer Text sein, sondern geht auch über Stöhnen oder

manchmal nur Zittern. Grundsätzlich stehe ich persönlich sehr auf

Verbalerotik, da fällt das leicht.

Foto: PR

40 Séparée No. 18


Interview.Dominus

Kommen auch Paare zu dir oder ist es immer eine

Eins-zu-Eins-Situation?

Paare sind selten bei mir. Zwei Menschen gleichzeitig zu dominieren,

finde ich persönlich extrem schwer und lehne ich aus meinem

Dienstleistungsverständnis heraus ab. Bei mir kommt es viel häufiger

vor, dass ich mich duplizieren soll oder eine Frau hinzuziehen

soll, die ebenfalls dominiert.

Gibt es Dinge, die du ablehnst zu praktizieren?

Wrestling zum Beispiel nervt mich mehr, als dass es mich erregt.

Und sollte sich die Sitzung primär auf den klassischen Beischlaf

konzentrieren, dann überlasse ich das gern anderen.

Kann man dich noch überraschen oder glaubst du, schon

alle Bizarr-heiten gesehen und erlebt zu haben?

Nein, es passiert immer wieder was Neues. Aber die Basics habe ich

alle durch.

Bildest du auch andere Doms aus?

Die Frage wird mir oft gestellt, da Männer häufig keine guten

Sexarbeiter sind, ganz gleich in welcher sexuellen Ausrichtung. Sie

glänzen primär mit Unzuverlässigkeit und dazu noch mit Leidenschaftslosigkeit

währenddessen. Eigentlich reicht es, wenn die Männer

diese beiden Punkte jeder für sich bearbeiten würden, dann

würde ihr Erfolg schon ordentlich gesteigert werden können. Weibliche

Sexarbeiter sind besser aufgestellt und organisiert. Ich biete

allerdings seit Sommer 2018 einen Domina-Kurs für Männer und

Frauen zur Steigerung der Kundenzahlen an – da geht es dann aber

um Vertrieb und Marketing.

Du engagierst dich beim Bundesverband für sexuelle Dienstleistungen.

Was muss man sich darunter vorstellen? Warum tust du das?

Im Berufsverband bin ich im Wesentlichen Mitglied, um viel mitzubekommen.

Beispielsweise wenn zu Demos aufgerufen wird, bin

ich dabei. Ich habe keinen Schiss, mein Gesicht zu zeigen – ich

stehe zu dem, was ich mache, weil es Beruf und Leidenschaft

zugleich ist. Das Berufsbild ist jedoch noch immer geprägt von Vorurteilen

und Unsicherheiten. Aber an mir zum Beispiel kann man

erkennen, dass ein niveauvoller Mann in einem „unseriösen“

Berufsfeld nicht im Widerspruch zueinander stehen muss.

Außerdem berate ich auch Sexarbeiter, männliche sowie weibliche,

insbesondere bei den Themen Steuern und Prostitutionsschutzgesetz.

Gibt es Überschneidungen zwischen deinem beruflichen und

privaten Leben, und ich meine nicht nur unbedingt sexueller Natur?

Man könnte sich ja zum Beispiel von einem Sklaven das Bad

putzen oder die Wohnung renovieren lassen und so zwei Fliegen

mit einer Klappe schlagen.

Ja, das haben wir Dominas alle zu Anfang gemacht, weil es als

logische Schlussfolgerung erscheint. In Wahrheit ist die Aufsicht

und Bespaßung der Sklaven viel anstrengender, als einen Reinemachprofi

zu bezahlen. Es ist grundsätzlich sinnvoll, Berufliches

und Privates zu trennen, denn insbesondere im dominanten

Bereich verkörpert man oft ein Bild von jemand Anderem, welches

aber kippt, wenn er dich privat kennenlernt. Jeder kann sich vorstellen,

dass ich auch mal mit strubbligen Haaren und Schlabberklamotten

auf meinem Sofa sitze und pupse. Aber man verdrängt

das richtigerweise, wenn ich in Leder zwischen Kerzen und sexuell

aufgeladener Musik im Stahlraum stehe. Ich bin gesprächig und

erzähl ganz gern mal was von mir privat, aber mehr als gemeinsames

Essengehen empfiehlt sich nicht wirklich, damit man eben

nicht Gefahr läuft, eine solch schöne erotische Verbindung durch

Alltäglichkeiten zu zerstören.

Hast du eine feste Beziehung? Und wenn ja, wie geht dein Partner

mit deinem Beruf um?

Ich bin derzeit solo. Mein früherer Partner hatte damit kein Problem,

denn für ihn war BDSM so fremd wie für mich sein Job im

Controlling. Da ist es leicht, nicht eifersüchtig zu werden, denn

diese Form der Sexualität in meinem Beruf ist etwas, was er mir von

vornherein nicht anbieten konnte.

Deine Aufgabe als Dom erscheint mir recht zeitintensiv. Deine

Sklaven dürfen dir sogar Nachrichten schicken. Hast du

feste Zeitfenster, in denen du arbeitest oder erledigst du manch

Korrespondenz auch mal eben zwischendurch?

Ich bin schon viel für meine Klienten da und verzeichne auch eine

Wertschätzung dessen. Ich habe ein Job- und ein privates Handy,

denn es gibt auch manchmal Zeiten, da möchte ich mich einfach mal

nicht mit BDSM beschäftigen und schalte im wahrsten Sinne ab.

Gibt es ein Limit an Zeit, die du einem regelmäßigen

Klienten widmest?

Die durchschnittliche Dauer einer Sitzung ist circa zweieinhalb

Stunden. Der Zeitaufwand für das Drumherum ist eher schwer zu

definieren. In diesem Punkt wird professionelle Sexarbeit allerdings

auch grundsätzlich unterschätzt. Viele nehmen an, dass die Ausführung

des Aktes der größte Teil ist. In Wahrheit nimmt dieser bei mir

zum Beispiel gerade mal 20 % der gesamten Zeit ein. Größter zeitlicher

Faktor sind die Erstgespräche mit den Interessenten, die man

aber auf das Wesentliche beschränken muss. Hinzu kommt der

Kontakt zu meinen realen Kunden, den ich natürlich nicht knapp

halten kann und möchte. Ich will ja eine sexuelle Beziehung aufbauen

und entwickeln, da bedarf es Kontakt. Der nächste große

Zeitposten ist sicherlich das Marketing gefolgt von Themen wie

Buchhaltung und Administration.

Hast du ein Maximum an Sklaven, die du managen kannst?

Da gibt es keine feste Zahl. Neue Diener, Lustzofen, Spielpartner

sind herzlich willkommen. ♥

Séparée No. 18

41


Akt.Er Spitzmarke

WHISK EY

BLUES

Fotos: Yvonne Sophie Thöne / Model: Patrick Stania

42

Séparée No. 18


Spitzmarke Akt.Er

Séparée No. 18

43


Akt.Er Spitzmarke

44

Séparée No. 18


Spitzmarke Akt.Er

Séparée No. 18

45


Akt.Er Spitzmarke

46

Séparée No. 18


Spitzmarke Akt.Er

Séparée No. 18

47


Akt.Er Spitzmarke

48

Séparée No. 18


Akt.Er

Séparée No. 18

49


Akt.Er Spitzmarke

50

Séparée No. 18


Spitzmarke Akt.Er

Séparée No. 18

51


Akt.Er

52 Séparée No. 18


Spitzmarke

Akt.Er

Séparée No. 18

53


Gentle.man

54 Séparée No. 18


Gentle.man

Eine Liebeserklärung an den

Oldschool-Gentleman

Warum es immer noch „in“ ist, der Frau die Tür zu öffnen, sie auszuführen und

sich Mühe zu geben – mit schmeichelnden Worten, liebevollen Blicken,

beneidenswertem Anstand? Weil es sexy ist. Was moderne Männer von den

Gentlemen der Vergangenheit lernen können und was sie nicht übernehmen sollten,

erfahren Sie hier. Eine Liebeserklärung an den Oldschool-Gentleman.

Text: Nova Niedermeyer

Foto: © Artem – Fotolia.com

WAS IST EIN OLDSCHOOL-GENTLEMAN?

Wie kann sich Frau nur in solch einen verlieben? Nicht in den Skaterstyle

des Hipsterboys oder in die Baggyjeans des Rap-Slammers,

sondern in den zeitlosen Reiz der Gentleman-Mentalität. Der stilsichere

James-Dean-Typ, der ebenso rätselhaft wie verführerisch wirkt.

Mit seinem zuvorkommenden Verhalten, nach welchem Frau sich

sehnt. Diese schmeichelhafte Art im Blick gepaart mit einem Stil,

bei dem mir Hören und Sehen vergeht. Seine herzlichen, zurückhaltenden

Worte sind die, die mich kriegen. Das bisschen Detail, welches

den Gentlemen mit Weltschmerz im Blick ausmacht, ist das,

was mich ihn lieben lässt. Da krieg ich Herzklopfen und weiche

Knie. Respektvoller Umgang nach alter Schule, eine sichere und

zugleich so hinreißend ausgeglichene Art und Weise sich zu präsentie-ren,

ohne dass er sich in den Mittelpunkt drängen muss. Ein

Charakter, der wenig verrät und durch seinen Habitus so viel verspricht.

Da überfällt mich der drängende Wunsch, diese Leidenschaft

in mir, seine Persönlichkeit mit allem voll und ganz

aufnehmen zu wollen. Hach, ist Verknalltsein wunderbar.

„SCHNIEKE“ SKILLS, DIE IHN AUSMACHEN

Selbstgebundene Schleife, Hochglanz-Schuhe, Pünktlichkeit und

Tweed-Anzüge – das ist nicht das, was auf der Muss-Er-Haben-

Liste steht, auch wenn es mitunter gern gesehen wird. Was mich

eher anzieht, sind die herzliche Selbstsicherheit, die starken Überzeugungen,

die den Gentleman zum modernen Helden machen.

Mein Gentleman gibt nichts auf überholte Statussymbole und

besitzt genügend Demut, schweigsam genießen zu können. Er weiß

Dinge zu schätzen, hat Stil, ohne den neuesten Trends hinterherjagen

zu müssen. Sein Sinn für Schönes raubt mir Verstand und

Atem. Er wehrt sich nicht gegen den weiblichen Teil in sich, bleibt

trotzdem männlich und lässt sein Ich zu. Er ist zweifelsohne mit

Charakter ausgestattet.

Er sagt mir nicht, dass er ein erfahrener Frauenkenner ist, sondern

fragt mich, was ich so treibe, wie ich so ticke – als wäre ich das

verschlossene Buch und er mein Leser, der nie genug bekommen

kann. Er schafft den perfekten Spagat zwischen anziehender Männlichkeit

und zärtlicher Sensibilität. Er ist kein gefühlskalter Steinklotz

und dennoch kein Obersoftie. Sein wohlwollender Blick

wirkt ener-gisch, zielbewusst und zugleich liebevoll. Seine Art

schenkt mir Vertrauen.

GENTLEMANLIKE IST KEINE MASCHE

Das schmeichelhafte Gehabe eine Masche? Viel zu oft halten Frauen

sein Verhalten für aufgesetzt, als wäre es ein Mittel zum Zweck.

Als diene es ausschließlich dazu, die Frau ins Bett zu bringen. Doch

das muss nicht so sein. Als hoffnungslose Romantikerin sehe ich

mich dazu verpflichtet zu widersprechen. Es ist bedeutsam, den

Männern eine Chance zu geben und Gentlemen-Verhalten damit

herauszufordern. Zwar müssen wir als Frauen mit Vorsicht Grenzen

bewahren, doch sollten wir einem Mann, der uns mit Anstand die

Tür aufhält oder ein Kompliment macht, nicht mit Argwohn und

Vorurteilen begegnen.

Séparée No. 18

55


Gentle.man

GENTLEMAN-TRADITIONEN, DIE VERMISST WERDEN

Wenn ein Mann sich an den besten Eigenschaften aus den 50ern

bedient und diese mit modernen Ansichten paart, entsteht ein

unwiderstehlicher Effekt – der Gentleman-Effekt.

Zu diesen Traditionen gehört der HÖFLICHE ANSTAND: Einer

Dame die Tür aufhalten, einer alten Frau den Sitzplatz anbieten oder

Dankbarkeit ausdrücken. Nette Gesten und schmeichelhafte Worte,

die oberhalb der Gürtellinie bleiben, sind ebenfalls gern gesehen.

WEG VOM SNOBISMUS HIN ZUM MODERNEN STIL – Der

Gentleman, von dem Mann noch etwas lernen kann, ist längst darüber

hinaus, sich ausschließlich über Eitelkeit und Schönheit zu

definieren. Er ist modern, setzt auf Charakter und ist von einer

authentischen, angenehmen Aura umgeben, welche weder altmodisch

noch unangemessen wirkt.

Ein EHRENHAFTER UMGANG mit seiner Umwelt, nicht nur mit

seiner Liebsten, sondern mit allen Menschen um ihn herum, zeichnet

ihn aus. Höflichkeit gehört zu den wichtigsten Eigenschaften,

die einen Gentleman von Heute ausmachen.

HARTE SCHALE, WEICHER KERN – Er muss nicht mit einem

bösen Schwerverbrecher-Blick durch den Tag gehen, um von außen

hart zu wirken. Manchmal reicht ein Griff um die Taille seiner Lady

gekoppelt mit sanften Worten, die ihr Herz aufgehen lassen.

Er ist DANKBAR für das, was er hat und alles andere als ein Macho-

Typ. Genau deshalb gibt er der Frau das Gefühl, etwas ganz Besonderes

zu sein. Er schätzt Dinge, Menschen, Geheimnisse und Ideen.

CHARAKTERVOLL UND INTERESSANT – Selbst wenn er wenig

spricht, viel denkt und sehr interessiert am Anderen ist, so ist sein

Inneres unglaublich spannend – voller Dinge, die seine Lady unbedingt

erfahren und erleben möchte.

Die Schwierigkeit eines jeden guten Gentlemans, dem ich diese

Liebeserklärung widme, ist die ENTSCHEIDENDE BALANCE.

Damit ist nicht nur der bewundernswerte Spagat zwischen männlicher

Stärke und Sensibilität gemeint, sondern auch das Gleichgewicht

zwischen männlich-attraktiver Strenge und zärtlichem

Einfühlungsvermögen. Weiß Gott keine Frau möchte einen

gefühlskalten Holzfällertyp mit eisiger Leere im Blick und Härte in

den Worten.

MÄNNERBILD DER 50ER: OLD-FASHIONED ODER SEXY?

Gemusterte Stoffe, stilvolle Hüte, schneeweiße Manschetten am

Hemd – Ein Mann mit Stil. Old-fashioned? Das klassische Rollenmodell

hat den Frauen in den 50ern viel abverlangt: In einem Haushalt

sollte sich alles nur um den Mann, das Oberhaupt der Familie,

drehen. Frauen mussten ihren Mann um Arbeitserlaubnis bitten

und auch andere, heute selbstverständliche Rechte waren ihnen

abgesprochen. Dem Mann lastete hingegen die Erwartung an,

männlich, stark und sorgsam zu sein. Der Druck durch damals klar

definierte Rollen existiert heute nicht mehr. Was einen Gentleman

von heute von denen der Vergangenheit unterscheidet? Respektvoller

Umgang, achtsames Miteinander und die Anerkennung gleicher

Rechte ohne zwanghafte Verpflichtungen sind für den modernen

Gentleman selbstverständlich. Einteilung in Rollen, Einschränkung

der Rechte, Unterdrückung und Eingriffe in die Freiheit hingegen

bleiben bitte in den 50ern.

Der Gentleman ist kein Relikt alter Zeiten, sondern ein heute durchaus

wünschenswertes Männerbild. Ich spreche von einem Mann, der

einer Frau auf Augenhöhe begegnet und sich höflich und respektvoll

verhält. Er ist ein Mann für Frauen, die auf Stil und Charme

setzen. Das hier ist keine Neufassung der Benimm-Dich-Regeln für

den Mann, sondern eine Liebeserklärung an eine stilvolle Zeit und

einen beeindruckenden Habitus. Ich bin ganz vernarrt in die Vorstellung,

mehr moderne Gentlemen in dieser bunten, leider immer

noch machohaften Welt zu sehen. ♥

56 Séparée No. 18


Po.esie

Bild: Francois BOUCHER / Jeune femme nue etendue sur un Sofa, um 1740

Charlotten hat ihrem Arzt gesagt,

Daß zwar das Liebeswerk am Abend mehr behagt,

Allein gesünder sei’s, des Morgens sein zu pflegen.

Nun will sie also, wohlbedacht,

Es zweimal täglich tun – früh, der Gesundheit wegen,

Und abends, weil’s Vergnügen macht.

Peter Wilhelm Hensler (1742 – 1799)

Séparée No. 18

57


Bett.Geschichte

Luxus, Stille

und

Wollust

Text: Waltraud Bondiek

Foto: boomeart – Fotolia.com

58 Séparée No. 18


Bett.Geschichte

MEIN LIEBLINGSWORT? – Paradiesbewohner.

Meine Lieblingsfarbe? – Hummer

... Kaviar ... Trüffel ... Ob mir Pop-Art gefällt,

ob mir der Künstler Allen Jones was

sagt? – Sie können Fragen stellen, mein

Herr. Wenn Sie auf Silikon-Implantate und

geschnürte Korsagen ... Ach, wegen meiner

Stiefel kommen Sie auf Allen Jones, weil

seine Ladys auch Schaftstiefel mit solchen

mannstollen Absätzen tragen ... Warum

schmunzeln Sie? Nein, höher, steiler, spitzer

sind sie nicht zu bekommen. Mein

Lieblingswerk von Allen Jones ist übrigens

„Luxus, Stille und Wollust“. Auf Ihr Wohl,

mein Herr, auf den Luxus, die Stille ... Haben

Sie wirklich angenommen, ich hätte

nicht bemerkt, wie Sie mir durch die Fußgängerzone

gefolgt sind, so „diskret“, so

selbst- und zielsicher, dass ich Sie bemerken

musste? So etwas schmeichelt den Frauen.

Mich macht es willenlos. Jetzt sind wir hier,

im besten Hotel der Stadt und trinken

Champagner in der Penthouse-Suite. Sie

sitzen mir im Kimono gegenüber, dem auberginefarbenen,

den man für den Herrn

vorgesehen hat, und ich Ihnen – nun ja –

ohne Kimono, in diesem Hauch von

Drunter und Drüber, weil mir die Farbe

„Flamingo“ einfach nicht steht, und weiße

Bademäntel sind eine ästhetische Zumutung,

da bin ich ganz Ihrer Meinung ... Für

Sie war also klar, dass es die Penthouse-

Suite sein muss, dass mit jemandem, der

sich Stiefel wie diese hier leistet, Stiefel zu

einem so übergeschnappten, einem zum

Totlachen aberwitzigen Preis, dass mit jemandem

wie mir, wenn überhaupt, nur die

Penthouse-Suite geht. Sieht man mir das

an? Das wäre mir peinlich. Kommen Sie,

schauen Sie, der Blick über die Stadt ist

wirklich schön, die bunten Geschäftsstraßen

am Abend, der blinkende Verkehr, in

der Ferne der Kreisel, das angestrahlte

Opernhaus, der schwarze Fluss. Der Blick

ist nicht so eintönig wie das Blau in Blau

der Südsee. Und nicht so apokalyptisch wie

die Raserei der Leuchtschriften, diese Amok

laufenden Lichter und Farben in einer ostasiatischen

Mega-Metropole. Vom Straßenlärm

hört man nichts hier oben. Sie finden,

das Schönste an dem Ausblick bin ich auf

dem weißen Ledersofa davor, mit diesen

handschuhweichen, bis über die Knie reichenden

Stiefeln und – natürlich – diesen

Beinen. Danke! Meine Beine und meine

Stiefel hatten es Ihnen also angetan, als Sie

mich ansprachen, als Sie mir mit der größten

Selbstverständlichkeit der Welt – ein

wenig zu väterlich vielleicht – die Einkaufstüten

abnahmen und mich zum „Business

Lunch“ einluden. Unsere Geschäftsbeziehung

sollten wir pflegen, denke ich.

Probieren Sie mal diese Chili-Ingwer-Häppchen.

... Wann bin ich Ihnen eigentlich aufgefallen?

Kauen Sie ruhig aus ... Aha, bei

„Laura’s“ haben Sie mich durchs Schaufenster

gesehen. Ja, vor ihrem Geschäft bleibt

jeder stehen, empfindliche Gemüter wünschen

sich eine Blindenbrille. Lachen sie

nicht! Sie sagen, es waren die Auslagen, die

Sie fesselten, zunächst jedenfalls, dann ich

und meine Hände, wie sie durch die Dessous

glitten. Lauras Kreationen sind eine

Erweckung, eine Offenbarung, „Songs of

Love and Hate“ nenne ich sie. Was Sie an

mir sehen, ist übrigens maßgeschneidert.

Kommen Sie, streichen Sie mal drüber.

Auch hier. Und da. Ja, genau diese Stelle!

Na, wie fühlt sich das an? Ein solches Teil

lässt sich nur träumen, Sie sagen es. Es

spricht mit Engelszungen zu Ihnen. Ihr

Marschallstab versteht diese Sprache, wie

ich sehe. Aber Ihre Hand hat dort nichts zu

suchen. Das Prachtstück sollten Sie besser

mir überlassen, meine Zunge ist eine Akrobatin,

fähig zu tollkühnen Flick-Flacks und

verwegenen Roll-ups. Nein, nichts, was ich

in den Mund nehme, ist schmutzig, gewisse

Wörter ausgenommen. Die möchten Sie

hören, die soll ich Ihnen ins Ohr flüstern?

Jetzt? Mein Herr, geflüstert wird bei mir

nicht, weder ins Ohr noch vor Mitternacht.

Sie sagen, mein kurzes, platinblondes Haar

fühlt sich an wie Hermelinfell. Und meine

kindlichen Brüste, meine knabenhafte Figur,

was ist damit? Soso, der Weihrauch in

meiner Stimme turnt Sie an. Auf Weihrauch

wäre ich niemals gekommen. Wer

„Weihrauch“ sagt, denkt nämlich weiter,

tiefer, der denkt an Sünde und Beichte,

wenn er ans Ende denkt, in Ihrem „Phall“

natürlich an das Ende meiner Beine, an das

Dazwischen, die Wölbungen der Venus,

glatt wie ein Handschmeichler und samtweich

wie Stutenlippen. Geben Sie zu, in

Gedanken spielen Ihre Finger doch längst

unter den mitternachtsblauen Spitzen herum.

Sie schwitzen ja! Öffnen Sie den Kimono!

Weiter! Lockern Sie ihn auch oben. Ich

liebe graues Brusthaar. Ich fahre gern mit

den Fingern hinein. Ihr Brusthaar ist wunderbar

dicht, es wirkt sehr nobel in diesem

Ambiente. Wissen Sie was? Ich habe Lust

auf den Whirlpool, kommen Sie, wir sollten

ihn sprudeln lassen. Ich gehe schon mal

rüber ... Warum langsam? Ach so, weil Sie

den Anblick meiner Rückseite genießen

wollen. Schlendern soll ich. Gut, mein

Herr, dann werde ich mal den Schlendrian

in meinen Schritt legen. Aber mit Stiefeln

kann ich nicht ins Wasser. Helfen Sie mir

beim Ausziehen! Auf dem Boden geht es

am besten. Ich setz mich hin und Sie ziehen.

Nur zu, fassen Sie mit beiden Händen

unter die Ferse! Klar, die Absätze sind

schamlos, geradezu obszön. Gut so, und

jetzt ziehen! Kräftig! Lassen Sie uns doch

„du“ zueinander sagen, Ihren richtigen Namen

können Sie für sich behalten. Ich bin

Marlene ... an der Ferse ... ziehen, ziehen ...

grrrrr ... also Jean-Claude heißt du, Jean-

Claude gefällt mir, Französisch mag ich ...

ziehen ... grrrrr ... auch die Sprache, oh ja,

auch die Sprache gefällt mir ... schmmm ...

perfekt machst du das ... schmmm ... weiter,

weiter ... ein bisschen noch ... schmmm ...

gleich, gleich ... mit Gefühl, Jean-Claude,

mit Gefühl ... jajajajaja ... jaaaaa! Und jetzt

den zweiten Stiefel. Kannst du noch?“. ♥

Séparée No. 18

59


Akt.Sie

60 Séparée No. 18


Akt.Sie

LAUF-

MASCHEN

Offensive Erotik verwandelt die

oberflächlichen Strukturen der Alltagswelt

in sexuell aufgeladene

Motivkompositionen, in denen

architektonische Räume eine Beziehung

zur Sinnlichkeit eingehen.

Fotos: Sergey Sivushkin

Séparée No. 18

61


Akt.Sie

62 Séparée No. 18


Akt.Sie

Séparée No. 18

63


Akt.Sie

64 Séparée No. 18


Akt.Sie

Séparée No. 18

65


Akt.Sie

66 Séparée No. 18


Akt.Sie

Séparée No. 18

67


Akt.Sie

68 Séparée No. 18


Akt.Sie

Séparée No. 18

69


Akt.Sie

70 Séparée No. 18


Akt.Sie

Séparée No. 18

71


Akt.Sie

72 Séparée No. 18


In.Serie

Die Libidofrau

tanzt Blues

Text: Mia Schwinge

Foto: Fernando Botero, Ballerinas 2002

ACH, DIESE HERAUSFORDERNDE Single-Zeit.

Irgendwie auch schön, weil ich

wieder enger mit Frau Libido bin, aber andererseits

... Jeden Tag hat sie etwas anderes

auszusetzen. Neulich hat sie zum Beispiel

wieder einen ihrer Aussetzer gehabt

und mir vorgebetet, wie lange unser letzter

Sex her ist. Ja, richtig, länger als jemals zuvor,

aber echt nicht alarmierend lange her.

Trotzdem musste ich mit ihr einen Kompromiss

schließen, damit sie nicht im Kiez

Amok läuft und sich jedem Fußgänger an

den Hals wirft. Also gingen wir zusammen

tanzen. Mit anfassen. Blues sollte es sein,

denn dabei kann man jemandem ganz nah

sein. Eine Überwindung für mich. Eine

prickelnde und erfolgversprechende Situation

für Frau Libido. Nach anfänglicher

Schüchternheit meinerseits habe ich dann

tatsächlich getanzt. Eng, die Beine verschlungen

mit den Beinen meiner Tanzpartner

und die Arme um den Hals gelegt,

wie früher in der siebten Klasse. Während

ich noch dabei war, mich mit solchen

Assoziationen und der Situation generell

auseinander zu setzten, hatte Frau Libido

schon wieder Pläne, von denen ich im Augenblick

nicht mal träume. Kaum hatte der

eine attraktive Tanzpartner seinen Arm

enger um meine Taille geschlungen, fühlte

ich ihren monströsen, wachsenden Leib

zwischen uns. Dieses Gefühl ist unbeschreiblich.

Der Geruch, der Körper, das

Aussehen, das Rhythmusgefühl, all das

atmet Libido mit einem Atemzug ein und

wird eins mit der gesamten Single-Tanz-

Aura. Dafür lebt sie, denke ich. Ihre

Nüstern gebläht, betörend, rund, weich

und doch so stark und unwiderstehlich.

Wenn das nur die anderen sehen könnten!

Während die Musik den Raum erfüllt und

ich mich auf das Folgen konzentriere,

antizipiert Frau Libido schon wieder zahlreiche

andere Moves. Jetzt den Schwanz

anfassen, jetzt knutschen, jetzt viiieeeeel

mehr die Hüften schwingen, jetzt, jetzt,

jetzt. Bis das Gegenüber fragt: „Du willst

schon gehen? Soll ich dich nicht noch begleiten?

Mitkommen?“ Libido hört nur

„Kommen?“ und hat bereits den Mantel

an, ist auf dem Weg nach draußen. „Endlich!“,

jauchzt sie, während ich ihn heimlich

abweise, ihm meine Nummer gebe

und mich mit einem zarten Kuss auf

die Wange verabschiede. Auf dem Nachhauseweg

macht sich Frau Libido absichtlich

schwer auf meinem Gepäckträger

und schmollt. „Warte bitte, ich brauch

noch Zeit.“, säusel ich ihr im Popsong-

Ton zu und radele in die Nacht mit einer

viel zu großen Libido und Überforderung

im Herzen. ♥

Séparée No. 18

73


Liebes.kummer

Liebeskummer

lohnt sich nicht?!

74 Séparée No. 18


Liebes.kummer

Heute geht’s um Herzschmerz. Herzschmerz und Heilung.

Um den Versuch, etwas Zerbrochenes wieder

zusammenzufügen – neu und anders. Denn nichts wird

mehr so sein, wie es mal war.

Das darf Tage und Nächte beweint werden, aber bei aller

Dunkelheit gibt’s einen Silberstreif am Horizont.

Liebeskummer kann sich lohnen. Wie das gelingt? Unsere

Autorin hat ein paar hand- und herzfeste Ideen.

Text: Ava Beeg

Foto: claudia24 – pixabay

LIEBE LEUTE, HOLT DIE Taschentücher

raus. Auch wenn ich mir fest vorgenommen

habe, diesen Text nicht zu einem verkitschten

Drehbuch für einen Rosamunde-Pilcher-Film

werden zu lassen, so kann ich für

die Abwesenheit von Pathos und Melancholie

nicht garantieren. Wenn es für die

Liebe keine großen Worte geben darf, für

was dann?! Liebe ist nichts für Feiglinge. All

die, die vor tiefen Gefühlen Angst haben,

sollten lieber die Finger davonlassen und

bei Tinder auf Schnacksel-Schnitzeljagd gehen.

Vielleicht ist das ja bald auch eine Option

für mich?! Bindungsunfähig bin ich

seit der Trennung meines Ex-Freundes allemal.

Warum? Ich werde es erzählen:

Ich liebte den Mann an meiner Seite und

dieser Mann liebte mich. Wir waren nach

zwei Jahren wie frisch verliebt, hatten eine

Vertrautheit und Verbundenheit aufgebaut,

von der ich in meinen früheren Beziehungen

nur träumen konnte. Es war die perfekte

Mischung von Harmonie und Diskussion,

von Einheit und Freiheit, von

Zärtlichkeit und Leidenschaft, von Lachen

und Weinen, von Geben und Nehmen,

von Du und Ich. Es war zu schön, um wahr

zu sein.

Wir fühlten uns beieinander angekommen,

suchten nach einem gemeinsamen Haus,

sprachen ernsthaft über eine baldige Hochzeit

und wünschten uns nach einer Zeit des

Reisens und genussvollen Paarseins ein

Kind. Marc war die treibende Kraft in der

Planung, er ist zehn Jahre älter als ich, und

blickte voller Euphorie mit freudestrahlenden

Augen in die Zukunft. Warum er mich

vergangenen Oktober an einem ganz normalen

Dienstagvormittag verließ, mir seinen

Wohnungsschlüssel in die Hand drückte

und sagte: „Ich muss gehen, ich sehe

keine Zukunft mehr. Es liegt nicht an dir,

ich liebe dich“, weiß ich bis heute nicht, ich

kann nur mutmaßen.

Meine Welt brach zusammen und ich

gleich mit. Die ersten Wochen war ich überzeugt,

ich würde ohne ihn nicht (über)leben

können oder gar wollen. Im Sekundentakt

wummerten die Fragen in meinem Kopf:

Was ist passiert? Was habe ich falsch gemacht?

Was habe ich nicht bemerkt? Was

ist los mit ihm?

Ich habe ihm eine SMS geschrieben, die er

angeblich nie bekommen hat. Einen Brief

geschickt, den er nicht gelesen hat. „Es tut

zu weh“, sagte er.

Der Schmerz und die Leere in meinem

Kopf breiteten sich im gesamten Körper

aus. Die Trauer lastete auf meiner Brust, die

Leere fraß sich wie ein hungriges Tier durch

meinen Magen. Ich nahm binnen weniger

Wochen zehn Kilo ab, Anspannung und

Séparée No. 18

75


Liebes.kummer

Stress brachten Herzrhythmusstörungen

mit sich, die mir Panik machten. Tiefpunkt.

Alles schwarz. An Schlaf war nicht zu denken.

Wenn es gut lief, schlief ich zwei bis

drei Stunden pro Nacht. Mich zu konzentrieren

und meinen Job zu machen, fiel mir

unendlich schwer. Ich weinte die ersten

sechs Monate jeden Tag. Hemmungslos

und nicht schön anzusehen. Ja, das klingt

hochemotional und dramatisch. Das war es

auch. Rückblickend weiß ich nicht, wie ich

bis zum heutigen Tag gekommen bin. Aber

ich bin hier. Dank meiner Familie und meiner

Freunde, die mich an keinem Tag haben

spüren lassen, dass meine Trauer, meine

Fragen und mein Zustand unangemessen

oder nervig seien. Jeder einzelne war und ist

goldwert – so unterschiedlich ihr Umgang

mit mir auch ist.

Marc habe ich in den letzten acht Monaten

zwei Mal lang und intensiv gesprochen.

Zwischen uns da ist was, da schwingt was in

der Luft. Noch immer und immer noch.

„Wir können niemals nur Freunde sein“,

meint er. Doch wichtiger ist: Was meine Intuition

mir flüsterte, bestätigte sich: Marc

hatte sich bereits drei Wochen nach unserer

Trennung wieder mit seiner Ex zusammengetan,

mit der er seit fünfzehn Jahren eine

recht unterkühlte, pragmatische und finanziell

abhängige On-Off-Beziehung sowohl

privat als auch beruflich führt. Wie praktisch,

dass ihr, seiner Chefin, jetzt ein Millionenerbe

ins Haus steht, oder? Ich konnte

mir vorstellen, wie die Geschichte der beiden

weitergeht, und mein Bauchgefühl sollte

mich auch darin nicht täuschen: Zwei

Tage, nachdem mir durch Zufall eine weiße

Brieftaube tot vom Himmel in den Garten

fiel, heiratete Marc, und ich durfte im Vorbeifahren

einen Blick auf das distanzierte

Brautpaar werfen. Das wirklich Schlimme

ist nämlich, dass Marc und seine alte neue

Ex ein paar Häuser weiter wohnen. Ich sehe

sie fast täglich. So blieb mir auch die Wölbung

unter dem Kleid der Braut nicht verborgen.

Am Tag der Hochzeit war seine

Frau bereits im vierten Monat schwanger.


Mein Motto der

letzten Monate lautet

,Kill them with kindness‘ .


Wumm. Das sitzt. Besonders, wenn man es

von der tratschfreudigen Nachbarin erfährt,

die außer einem mitleidigen Blick, pikanten

Details und guten Ratschlägen zumindest

auch noch ein paar Werther’s Sahnebonbons

verteilte. Ich hatte Marc darum gebeten,

es mir zu sagen, sollte er Vater werden.

Damit ich mich seelisch darauf einstellen

kann. Er hat es mir in die Hand versprochen,

aber nicht gehalten. Wie so viele Versprechen

nicht. Ich musste schmerzlich erkennen,

dass der zwei Meter große starke

Mann, der sich mir so gebildet, scharfsinnig,

loyal, empathisch und sensibel als Fels

in der Brandung präsentierte, letztlich ein

Fähnchen im Wind war, das bei einem nur

lauen Lüftchen die Kontrolle und den Anstand

verlor.

Dass er unsere Pläne, mein Leben, unser

Leben nun mit einer anderen Frau vor meiner

Nase wahr macht, schmerzt. Es demütigt

mich, degradiert mich, macht mich lächerlich

und stellt das, was wir hatten,

infrage. Lässt mich an allem zweifeln – auch

an mir selbst. Er war meine große Liebe, ist

es noch. Auch wenn mein Verstand mir dafür

eine Ohrfeige verpasst. Aber was war ich

für ihn? Nur eine Phase, eine Episode? Vielleicht.

Manchmal ändern sich die Pläne, die

Umstände und die Menschen. Und vielleicht

hat Marc sich für das Altbekannte

und Bequeme entschieden, was nicht bedeutet,

dass er mich nicht wirklich geliebt

hat. Gute Erkenntnis, was?

Hier könnte die Geschichte zu Ende sein,

ist sie aber nicht. Denn an diesem Punkt

76 Séparée No. 18


Liebes.kummer

beginnt ein neues Kapitel. Erst der Herzschmerz,

dann die Heilung. In kleinen

Schritten, ganz leise schleicht sie sich an

und macht sich in kurzen Momenten bemerkbar.

Wenn es im Kopf einschlägt wie

ein Blitz: „Du hast was Besseres verdient“,

und wenn sich zu diesem Gedanken das

passende Gefühl glasklar im ganzen Bauch

wohlig-warm breitmacht, so dass Du wie

von Zauberhand aufrechter gehst. Wenn

Du nachts wach wirst, die Gedanken wieder

Richtung „Warum?“ abdriften und Deine

innere Stimme sagt „Lass es. Schlafen ist

besser für dich als grübeln“ – und es gelingt.

Wenn Du es schaffst, dass Kleinigkeiten wie

ein neuer Lippenstift oder eine neue TV-

Serie wieder einen Schuss Freude in Dein

Leben bringen, dann geht’s vorwärts.

Geduld ist nicht meine Stärke, zumindest

nicht Geduld mit mir. Aber das ist wohl in

Krisenzeiten die wichtigste Gabe. Geduld,

der Glaube an sich selbst und Durchhaltevermögen.

Manchmal ist das Leben nur

noch zum Ertragen. Für mehr reicht es

nicht. Wenn Sehnsucht und Vermissen,

Angst und Zweifel so übermächtig sind,

dann gilt es, Stunde für Stunde, von Tag zu

Tag zu denken und zu handeln. Es funktioniert.

Es kostet enorm Kraft und Energie.

Die Gefahr, nach einer Trennung von „dem

Einen, dem Richtigen“ zu verbittern, ist

groß. Es gibt Tage, da fühle ich nur Frust

und Wut gepaart mit Hilflosigkeit und

Ohnmacht. Der Blick in die Zukunft mit

mir und meinem Herzschaden macht mir

Angst und Sorge. Manche Menschen flüchten

sich in Hass, der ihnen hilft. Doch ich

glaube, das ist keine sinnvolle Idee, denn

durch Hass ist keinem geholfen. Besser –

und das mag jetzt etwas nach „Gutmensch“

klingen – ist es, zu neutralisieren und dafür

zu sorgen, aus der Opferrolle rauszukommen.

Und dem anderen nichts zu neiden,

es zu akzeptieren, es wahrhaben zu wollen,

dass es ist, wie es ist. Ich neide Marc nicht

seine Hochzeit, nicht das Kind, weder die


Haltet es aus. Versucht

nicht, es wegzudrücken.

Übt euch in

Selbstfreundschaft. “

Flitterwoche in der Schweiz, noch dass er

finanziell ausgesorgt hat. Denn all das will

ich nicht mehr mit ihm. Was mich piekst?

Dass er keinen Kummer hat, keine Trauer,

keine Last, sondern so dickfällig und abgebrüht

ist, dass er so glücklich sein kann.

Dass er um meinen Kummer weiß und es

ihm egal ist, dass er einen Scherbenhaufen

hinterlassen hat. Und dass mein Verlust

kein Grund zum Trauern ist.

Ich bin wütend. Aber ich hasse ihn nicht.

Ich verhalte mich sachlich und fair. Dazu

gehört es, das Auto nicht zu zerkratzen und

auch, bei Bekannten nicht über den Ex niveaulos

herzuziehen. Auch, wenn er es verdient

hätte. Es bestärkt viel mehr und

macht stolz, „like a lady“ durch diese Phase

zu kriechen und zu gehen. Was hinter verschlossener

Türe und im Kopf passiert, darf

unzensiert sein. Mein Motto der letzten

Monate lautet „Kill them with kindness“

und ich halte daran fest. Für mich

funktioniert’s, aber das muss nicht bedeuten,

dass es auch für andere das Richtige ist.

Dafür sind Seelen und Charaktere zu unterschiedlich.

Jeder muss selbst wissen, was

ihm wirklich gut tut, ihn weiterbringt und

nicht nur ablenkt vom Schmerz.

Wenn mich jemand nach einem Tipp gegen

Liebeskummer fragt – was immer wieder

passiert – so kann ich nur den einen Rat

geben: „Haltet es aus. Versucht nicht, es

wegzudrücken. Übt euch in Selbstfreundschaft“.

Denn eines wurde mir klar: Wer

sich selbst mag oder gar liebt, für den ist die

Liebe eines anderen ein Geschenk, aber keine

Notwendigkeit. Wer sich selbst gut und

schön findet, dem reißt es nach einer Trennung

nicht den gesamten Boden unter den

Füßen weg, sondern bringt „nur“ die Wände

zum Wackeln. Wer zur individuellen

Zufriedenheit keinen zweiten Menschen

braucht, ist unabhängig, trifft eine bessere

Partnerwahl und geht nicht aus Bedürftigkeit

und Liebeshunger einen Kompromiss

ein. Das klingt irgendwie egoistisch? Ja und

nein. Es bedeutet nicht, dass man zum Narzissten

mutieren soll, aber eine gesunde

Portion Egoismus ist lebens- und liebensnotwendig.

Ich möchte auch nicht sagen,

dass wir bei der nächsten Liebe nur unser

halbes Herz verschenken. Nein: no risk, no

fun. Ganz oder gar nicht. Mit Haut, Haar

und Herz. Aber wenn’s sich dann abnutzt

und sich die Schmetterlinge im Sande verfliegen,

dann haben wir zwar den Partner

verloren, aber nicht uns selbst. Dunkle Zeiten

wird es immer geben. Hoch geflogen,

tief gefallen. Nutzt diese Zeiten, macht

Euch den Kummer zunutze, um daraus zu

lernen und daran zu wachsen. Leicht ist es

nicht, aber vielleicht ist es nötig. Der letzte

Satz, den Marc zu mir sagte – als er bereits

verlobt und in Erwartung war – lautete:

„Ich bin gefangen. Du bist frei. Du kannst

alles tun, was du willst. Es gibt nur deine

Grenzen, also gibt es keine“. Es ist wahr,

was er sagt, aber es hat noch mal einige Wochen

gedauert, bis ich den Sinn wirklich

verinnerlicht hatte.

Letztlich ist wohl die wichtigste, herausforderndste,

intimste und wahrlich längste Beziehung

die zu uns selbst. Gestalte sie liebevoll.

Gelingt das, hast Du Dein Happy End.

Und vielleicht begegnest Du jemandem,

der Deine Hand hält und Du seine, Ihr miteinander

ein neues Kapitel aufschlagt. Vielleicht

läufst Du aber auch alleine los. Die

besten Geschichten hören mit einem Happy

End jedenfalls nicht auf, sondern fangen

erst an.♥

Séparée No. 18

77


Kunst.stück

78 Séparée No. 18


Kunst.stück

Druckfrisch

Drucke: Theresa Steigleder

SEIT 2015 STEMPELT DIE AUTORIN aus Greifswald

ihre Vulva auf Papier. Doch ihr geht es nicht um Selbstdarstellung,

sondern vor allem um Achtsamkeit für den

eigenen Körper, denn wir alle existieren nur, weil wir

einen Körper haben. Vor ein paar Jahren hat sie eine

Kunstform für sich gefunden, die genau das ausdrückt.

Ihre Vulva-Drucke konservieren all das, was sie in einem

bestimmten Augenblick ist. Und diese Momente fängt

sie mit jenem Körperteil ein, den frau selbst wahrscheinlich

am wenigsten sieht, der allerdings am häufigsten

politisiert wird.

Wie genau ein solcher Vulva-Druck am Ende aussieht,

lässt sich nicht beeinflussen. So ist jeder eine einmalige

Momentaufnahme.

Séparée No. 18

79


Kunst.stück

80 Séparée No. 18


Kunst.stück

Séparée No. 18

81


Kunst.stück

82 Séparée No. 18


Kunst.stück

Mein eigener Vulva-Druck:

Séparée No. 18

83


Heiße.Nummern

Vaginal oder klitoral?

Das Dating-Portal secret.de hat Anfang 2018 knapp 1.000 ihrer Nutzerinnen nach ihren

orgasmischen Gewohnheiten befragt. Leider wurde bei der Umfrage der Orgasmus durch

Stimulation des G-Punktes und die Fähigkeit zu squirten vollkommen außer Acht gelassen.

34 % der Frauen gaben an, beim Geschlechtsverkehr regelmäßig zum Orgasmus zu gelangen.

Darunter 3 %, die überhaupt nur durch vaginalen Geschlechtsverkehr kommen können.

„Eher öfter“ kommen 28 % der Damen dabei zum Höhepunkt.

„Eher selten“ gelingt es 30 % der Befragten.

8 % der Frauen hatten noch nie einen Orgasmus beim Geschlechtsverkehr.

Sowohl klitoral als auch vaginal können 61 % der Befragten zum Orgasmus kommen.

Bei 35 % führt ausschließlich klitorale Stimulation zum Höhepunkt.

Bei der Selbstbefriedigung kommen 80 % regelmäßig zum Orgasmus.

15 % kommen beim Masturbieren „eher öfter“.

„Eher selten“ klappt es bei 4 %.

Und rund 1 % hat dabei noch nie einen Höhepunkt erlebt.

19 % der befragten Frauen masturbieren am liebsten täglich.

Drei- bis viermal die Woche machen 30 % es sich selbst.

Ein- oder zweimal die Woche legen 34 % der Befragten Hand an sich.

Nur 3 % befriedigen sich überhaupt nicht selbst.

28 % greifen bei der Selbstbefriedigung regelmäßig auf Sexspielzeuge zurück.

Darunter 4 %, die überhaupt nicht ohne Sextoys zum Orgasmus gelangen können.

Nur gelegentlich benutzen 46 % Sextoys zum Masturbieren.

Gar keinen Gebrauch von Sexspielzeug machen 26 %.

Darunter 14 %, die keine Tools brauchen und 12 %, die sie gern mal ausprobieren würden.

84 Séparée No. 18


Spielzeug.test

Bling-Bling für die Muschi

Die Französin Sylvie Monthulé fertigt einzigartigen Körper- und Intimschmuck an.

Unsere Redakteurin Ruth Batella hat sich an einem ihrer kleinen Kunstwerke ergötzt.

GEWINNEN

Séparée verlost ein

Schmuckstück unter allen

Einsendungen an

gewinnspiel@separee.com.

Dazu einfach bis zum 31.10.18

eine Mail mit dem Betreff

„Zweites Geheimnis“ und der

Versandadresse an

uns schreiben.

Viel Glück!

Foto: PR

DAS SCHMUCKSTÜCK kam in einem schwarzen Veloursäckchen,

ähnlich einem dieser altertümlichen für Münzen, dass man

jemandem mit einem lässigen Wurf zuwerfen konnte. Die beiden

schwarzen Eier, die mit einer Kette verbunden sind, fielen mir angenehm

schwer in die Hand. Die Oberfläche des hypoallergenen

Gießharzes, aus dem sie gefertigt sind, fühlte sich ganz glatt und

weich an. Ich rollte sie lange in den Händen herum und überlegte,

ob ich mir das Schmuckstück selbst anlegen oder ob ich meinem

Mann, wenn er am Abend käme, das Vergnügen überlassen sollte.

Es würde ihm große Freude bereiten, allerdings wollten wir essen

gehen, und dazu würde es dann sicher nicht mehr kommen, denn

wenn wir einmal zu spielen begännen, würde es kein Aufhören

mehr geben. Ich benetzte die Eier also mit etwas Gleitmittel und

führte sie ein, das größere vorn, das kleinere hinten. Ich spürte, wie

mein Körper die Eier begierig in sich aufnahm. Zwischen meinen

Schenkeln waren jetzt nur noch der tropfenförmige Anhänger und

direkt unter den Schamlippen das schwarze Schleifchen zu sehen.

Auch von der vergoldeten Kette – übrigens auch in Silber zu haben

– zwischen den beiden Eiern blieb nur noch ein Stückchen sichtbar,

das sich locker von einer Öffnung zur anderen spannte. Bei jedem

Schritt pendelte der kleine Anhänger leise gegen die feine Haut

meiner Schenkelinnenseiten.

Da es ein warmer Abend war, beschloss ich, ein langes Sommerkleid

ohne Unterwäsche zu tragen. Wir gingen die wenigen Meter

zum Restaurant zu Fuß und schon auf dem Weg konnte ich mit

meinem frivolen Geheimnis nicht mehr länger an mich halten. Wir

bekamen einen Tisch direkt am stark frequentierten Gehweg, so

dass mein Mann sich gedulden musste, mir unter den Rock zu

fassen, bis wir wieder zu Hause waren. Der Anblick und das Gefühl

meiner frisch rasierten Vulva und meines Anus mit dem darin verschwindenden

goldenen Kettchen entzückten meinen verspielten

Ehemann außerordentlich. Erst zog er sacht an den Kettchen und

strich sanft drumherum, dann schob er seine Finger zu dem Ei in

meine vor Vorfreude schon längst feuchte Muschi ... ♥

Zweites Geheimnis, 99 Euro. www.frauenfreude.com oder

www.sylvie-monthule.com (auf Französisch)

Design: ♥ ♥ ♥ ♥ ♥

Verarbeitung: ♥ ♥ ♥ ♥ ♥

Anwendung: ♥ ♥ ♥ ♥ ♥

Pflegeleichtigkeit: ♥ ♥ ♥ ♥

Spaßfaktor: ♥ ♥ ♥

Séparée No. 18

85


Kultur.zeit

BERLIN, INSOMNIA

22. 9. UND 27. 10. 2018

DELTA DER VENUS

Eine Party von Frauen, nur für

Frauen, bei der es einzig um

weibliches Vergnügen geht. Im

eigens dafür hergerichteten

Boudoir des Insomnia können

Frauen an diesen Abenden ganz

hemmungslos unter sich sein:

lustvoll, frei, hingebungsvoll,

verspielt, neugierig, unanständig

und ganz sie selbst. Egal ob bi

oder lesbisch, egal ob erfahren

oder erstmal nur neugierig auf

andere Frauenkörper, alle Frauen

sind willkommen.

www.v-delta-der-venus.de

BERLIN, NIRGENDWO

23. 9. 2018, 20 UHR

EROTISCHER ABEND

AM LAGERFEUER

Lagerfeuer in einem verzauberten Garten

mitten in Berlin. Dazu eine sinnliche

Märchenerzählerin, Akrobatik und

Gesang, der Sexus und hohe Musikalität

auf moderne Weise verbindet.

Hier wird Sinnlichkeit für die Ohren,

Augen und den Geist zelebriert.

www.nirgendwo-berlin.de

STUTTGART, KUNSTMUSEUM

29. 9. 2018 – 24. 2. 2019

EKSTASE

Anhand paradigmatischer Beispiele in den Bildenden

Künsten von der Antike bis in die Gegenwart

beleuchtet die Ausstellung die unterschiedlichen

spirituellen, politischen, psychologischen, sozialen,

sexuellen und ästhetischen Implikationen von

Euphorie- und Rauschzuständen zwischen Askese

und Exzess. Im Rahmen der Ausstellung wird es

am 07.11.18 einen Vortag zum Thema Orgasmus

von Volker Kalmbacher und Claudia Abold geben,

in dem sie von Überlieferungen aus östlichen

Traditionen bis hin zu Erkenntnissen der aktuellen

westlichen Sexualwissenschaft sprechen werden.

www.kunstmuseum-stuttgart.de

HAMBURG, MESSEHALLE

16. – 18. 11. 2018

PASSION – BDSM & FETISH FAIR

Für Neugierige, Einsteiger und Experten gleichermaßen inspirierend, bietet die Messe

neben mehr als 100 Anbietern von erotischer Mode und Schmuck, BDSM-Toys und

Möbeln auch Workshops, Performances und Spielzimmer zum Thema. Der Eintritt

ist ab 18 Jahren, einen Dresscode gibt es nicht, der Besuch in erotischer oder Fetisch-

Kleidung ist jedoch gestattet.

www.passion-messe.com

Fotos: Erika Lust; Free-Photos_pixabay.com; Hascher Jehle Architektur; Carnivore (Swen Brandy), Model: Nathalie Tyrell

86 Séparée No. 18


Kulinarische.Verführung

Süß speisen

Liebe geht durch den Magen. Aber vorher durch Nase und Augen, über die Zunge und

am besten noch über die Haut. Magdalena Hyla hat ein aphrodisisches

Kochbuch geschrieben und plädiert darin für die kulinarische Verführung mit allen Sinnen.

Rezepte: Magdalena Hyla / Fotos: Franc Enskat

Séparée No. 18

87


Kulinarische.Verführung

„ Die Göttin und das Biest in mir ergeben eine

teuflische Mischung mit Dir im Bett.


SCHWARZE GÖTTIN

Kakao regt das sexuelle Verlangen an und ist

eine exzellente Quelle guter Fette, Vitamine,

Mineralien, Faserstoffe und Proteine. Es

stimuliert die Sinne und verstärkt Glücksgefühle.

♥ Leidenschaftliche Zutaten für heute Nacht:

1 Tasse Mandelbutter

2 Esslöffel Erdnussbutter

1 Tasse Mandelmehl

1/2 Tasse Kokosmehl

1/2 Tasse Ahornsirup

1 Ei

1 Teelöffel Vanille

1/2 Tasse Kakaopulver

1/2 Teelöffel Natron oder Backpulver

Schon Kochen ohne Kleidung kann eine

sehr anregende Art des Vorspiels sein. Also

ausziehen und den Ofen auf 180 Grad vorheizen!

Vermischen Sie Mandel- und Erdnussbutter

in einer mittelgroßen Schale mit

Sirup, Ei, Öl und Vanille. Dann die Zutaten

langsam komplett mit Kakaopulver, Mehl

und Backpulver bestäuben. Ja, genau so, das

ist wirklich sexy! Vermischen Sie alles so lange,

bis alles absorbiert ist und eine schöne,

feuchte Konsistenz entsteht. Geben Sie den

Teig in die Backform und anschließend auf

ein Backblech. Etwa 20 Minuten backen und

dabei den Ofen im Auge behalten. Das Ergebnis

sollte weich und innen feucht sein ...

oh, là là ... und der Kuchen natürlich auch.

Tipp: Stroh Rum und edler Whiskey sind

eine gute Wahl, um noch mehr Schwung in

das Schokoladen-Date zu bringen.

„Ein Stück schreit nach weiterer Erfüllung ... Du

musst einfach den Rest dieses köstlichen Butter-

Toffees vernaschen! Welch ein Vergnügen! Es ist

die Speise einer Göttin!“

88 Séparée No. 18


Kulinarische.Verführung

STÜRMISCHE LIEBE

„Deine Brust in meinem Mund, deine Zunge

umkreist meine Brustwarze.“

Maca, auch Peru Ginseng genannt, ist ein starkes

Aphrodisiakum und steigert das sexuelle

Verlangen. Es kann auch bei erektiler Dysfunktion

helfen.

♥ Liebes-Komponenten für Zwei:

1/8 Teelöffel Maca

100 ml Mandelmilch

1 Messerspitze Zimt

1 Messerspitze Vanille

50 ml Amaretto

50 ml Wodka

„ Du hinterlässt

den süßesten

Geschmack in

meinem Mund.


Diese intensive Nacht beginnt mit der Zubereitung

eines einfachen Drinks. Alle Zutaten in

einen Shaker geben, dann schütteln und in einem

schönen Glas servieren. Mit einer Vanilleschote

oder ein paar Früchten, die gerade im

Haus sind, garnieren, z.B. einer Scheibe Ananas

oder einem Stück Melone.

Mehr Infos unter:

www.playcookwith.me

89


Kultur.Zeit

Leselust

Leg Show

Der gewichtige Bildband von

Taschen erzählt aus der gemeinsamen

Schaffensperiode

von Dian Hanson als vormalige

Herausgeberin des Fetisch-

Magazins „Leg Show“ und

dem Fotografen Roy Stuart.

Über 100 explizite Fotosessions,

ästhetisch in stilvollem

Ambiente inszeniert, haben die beiden zusammen

produziert. Protagonistinnen dieser Bildstrecken

sind hedonistische, sexuell selbstbestimmte Frauen

und ihre Gespielen. Zu jeder Fotostory gibt es

als Einstieg eine kurze erotische Fantasie, die das

(weibliche) Kopfkino zusätzlich ordentlich ankurbelt.

Roy Stuart, Embrace Your Fantasies / Power Play, Taschen,

40,00 Euro

Sollbruchstelle der

Beziehung

Sexuelle Untreue ist in heutigen

Partnerschaften Trennungsgrund

Nummer eins, denn

hartnäckig halten wir am Mythos

der „ewigen Liebe“ fest.

Doch inwieweit hängen Liebe

und sexuelle Treue wirklich zusammen?

Und was macht eine

gute Beziehung im Kern denn eigentlich aus? Sind

das nicht eher emotionale Treue, Verlässlichkeit,

in guten wie in schlechten Zeiten für den Partner

da zu sein? In ihrem Buch plädiert Paarberaterin

Stephanie Katerle dafür, dass ein Seitensprung

kein Grund zur Trennung sein muss. Sie bietet

zahlreiche Anregungen, um die landläufigen Klischees

zu Liebe und Treue kritisch zu hinterfragen

Stephanie Katerle, Seitensprünge, Klett-Cotta, 18,00 Euro

Ungewöhnliche Einblicke

„Kinkster Zone“ ist keine „einhändige

Literatur“. Zwar erfahren

wir eine Menge über kreative

Lust abseits des Mainstreams,

aber der Fokus liegt auf der

Vielzahl von interessanten Charakteren

und psychologischen

Aspekten – arrangiert in einem

Plot, der nahezu skandalös alltäglich

ist, gerade deshalb aber absolut fesselnd

und prädestiniert für eine Serie! Produktionsleiterin

Jasmin ist nur eine von diversen, vielschichtig

dargestellten ProtagonistInnen. Die Autorin schlüpft

mühelos in die Erlebniswelt von Männern und Frauen.

Hoffen wir, dass Nelle Mohr uns eine Fortsetzung

schreibt!

Nelle Mohr, Kinkster Zone, Cupido Books, ebook 6,99 Euro

FILMTIPP

Porno mit Leidenschaft

Hinter den Kulissen der Filmproduktion

Es muss nicht zwangsläufig immer schmutzig in der Pornobranche zugehen.

Dass man Pornos auch mit echter Leidenschaft und Fairness allen Beteiligten

gegenüber produzieren kann, zeigt der spannende Dokumentarfilm von

Christina Voros.

Seit über 20 Jahren produziert Kink.com jenseits vom Mainstream authentische

Fetisch-Pornografie. Voros lässt in ihrem Film viele der inzwischen rund

100 festen Mitarbeiter zu Wort kommen, darunter viele Regisseurinnen. Sie

sehen sich selbst als sex-positive Feministinnen, die ihre Lust und Neigungen

selbstbewusst und -bestimmt ausleben. Darstellerinnen und Darsteller bei Kink.

com sind auch im echten Leben Liebhaber von BDSM, ihre Lust und Hingabe

vor der Kamera sind nicht gespielt, sondern authentisch empfunden. Do’s and

Don’ts werden vor dem Dreh genau geklärt, damit sich die Szenerie vor der

Kamera erstens innerhalb der von den Darstellern gesetzten Grenzen abspielt

und zweitens ohne vorgetäuschte Orgasmen, ohne leblose Gesichtsausdrücke

und ohne unglaubwürdiges Vokabular auskommen muss.

In ihrem Film nimmt Voros uns mit in den Produktionsalltag von Kink.com

und begleitet die Teammitglieder bei ihren ganz normalen Tätigkeiten: dem

Set-Design, der Auswahl und dem Vorgespräch mit den Darstellern und diversen

Szenarien beim Dreh. Es ist schön zu sehen, mit welcher Offenheit und

Direktheit, aber wo nötig auch mit Sensibilität und Einfühlungsvermögen, dort

mit Sexualität umgegangen wird.

Kink – The 51st Shade of Grey (USA 2015), Regie: Christina Voros, Produzent: James Franco

Foto: PR

90 Séparée No. 18


Porträt.Insomnia

Sexuelle

Selbsterfahrung

Das INSOMNIA ist ein Berliner Club für Menschen mit non-konformen,

freigeistigen Lebens- und Liebesformen jeglicher Neigung.

Wir haben mit Gründerin und Betreiberin Dominique gesprochen.

Interview: Ute Gliwa

Fotos: Yoran Nesh

Séparée: Wir beobachten derzeit gegensätzliche Entwicklungsströme

in der Sexualität: größere Offenheit an der Oberfläche, doch darunter

oft eine zunehmende Prüderie. Du bist seit Anfang der 90er im

Szenegeschäft. Nimmst du diese Entwicklung ebenso wahr? Und was

hat sich im Laufe der Zeit verändert?

Dominique: Wir sind oversexed und underfucked – es wird mehr

und mehr über Sex geredet und dabei immer weniger tatsächlich

gevögelt. Aber auf der anderen Seite sehe ich, dass sich gerade bei

den Frauen unheimlich viel tut. Waren es in den 90ern die Männer,

die ihre Frauen zu einer Sex-Beratung hinter sich her schleiften, sind

es nun mehr Frauen, die auf dem Vormarsch sind und sich entdecken

wollen. Es gibt immer mehr Workshops, die sich mit Sexualität

befassen, und eine Liebesschule zu

besuchen, ist nichts Ungewöhnliches

mehr. Auch immer mehr Jüngere entdecken

den Swingerclub, haben aber

keine Lust auf altbackene Konzepte,

sie wollen tanzen und sich frei fühlen.

Seit einigen Jahren gibt es deshalb

auch verstärkt Angebote wie

Youngster Party oder Young Love, die

eine Altersbeschränkung haben,

damit man unter sich ist. Sich unter

Gleichgesinnten zu befinden, ist

wichtig und erholsam.

Seit 2006 betreibst du mit dem

INSOMNIA deinen eigenen Club. Ist

es so geworden wie du dir vorgestellt

hast oder bleiben noch Wünsche offen?

Der Club ist so geworden wie ich es

mir vorgestellt habe und noch viel

mehr, weil mich die Menschen auf

neue Ideen bringen, Entwicklungen

anstoßen und Vorschläge machen.

Konzepte ändern sich im Laufe der

Zeit und man muss schon am Zeitgeist

bleiben, um nicht hinten herunter zu fallen, aber die Zutaten

zu einer guten Party bleiben gleich: interessante Menschen, schicke,

außergewöhnliche Outfits, gute Musik und kalte Drinks.

Was für Publikum besucht das INSOMNIA? Gibt es etwas, das du

Erstbesuchern, die zwar neugierig sind, aber vielleicht noch eine

gewisse Scheu oder Zweifel hegen, mit auf den Weg geben kannst?

Das Publikum ist so gemischt und verschieden wie das Leben

selbst. Es kommen kosmopolitische Freigeister, schräge Paradiesvögel,

urbane Nachtgestalten, polymorphe Partypeople, Kreative

und Reisende aus aller Welt. Das INSOMNIA ist mehr als nur

eine Mischung aus Party-, Fetisch- und Swingerclub, es ist ein

hedonistisches Paralleluniversum mit Partys, die sex-positiv, voller

zwangloser Intimität und Sinnlichkeit

sind. Das INSOMNIA ist ein

Tempel für Experimente mit nichttraditionellen

Beziehungsstrukturen

und sexueller Inszenierung und

Selbsterfahrung. Wir bieten eine

saubere, sichere sexuelle Eskapaden-

Infrastruktur für emanzipierte Frauen,

für moderne Paare, die gemeinsam

bekannt- anstatt fremdgehen

wollen und für heteroflexible Männer,

die sich auch gern mal als erotischer

Erfüllungsgehilfe zur Verfügung

stellen. Kurzum ein safes Sex

Labor für alle.

Neulingen kann ich sagen: Traut

euch! Das Leben ist kurz und die

Zeit ist der wahre Schatz. Verschwendet

nicht eure Zeit damit, gesellschaftlich

möglichst konform zu

leben. Schafft euch eure Freiräume,

achtet auf ein erfülltes Sexleben und

traut euch, auf den Spielplatz für

Erwachsene zu kommen.♥

Séparée No. 18

91


Dessous.Evgenia

DESSOUS-DARLING

EVGENIA

Hat #MeToo die Dessous-Branche verändert? Wie sehen Dessous in Zeiten des

neuen Feminismus aus? Stephanie Bodnars Lingerie-Label Evgenia macht vor,

wie die Kombination von stark, stilvoll, süß und sexy aussehen kann. Wir haben uns

die handgefertigten Höschen und BHs genauer angesehen.

Text: Lea Becker

„SCHÖNE DESSOUS sollten niemals ein

Geheimnis sein“, sagt Dessous-Designerin

Stephanie Bodnar. Die junge Frau aus dem

US-Sonnenstaat Kalifornien folgt mit ihren

Kreationen der Devise, dass Lingerie

auch unterm Blazer zur Jeans oder als Top

zur Hotpants super aussehen kann. Recht

hat sie. Das bestätigen auch die neusten

Fashion-Trends, die wir auf den Catwalks

in den Metropolen New York, London,

Paris, Mailand und in der deutschen

Hauptstadt Berlin in den vergangenen

Wochen sichten konnten. Spitzenkleider,

Carmenblusen, Lochstickerei im Landliebe-Look,

leichte Lingerie-Tops und Oberteile

mit Bändchen-Lösungen sind nicht

nur für den Sommer optimal, sondern – in

dunkleren Tönen – in Kombination zum

dicken grobmaschigen Strickcardigan und

derben Boots ein schicker Hingucker, der

typisch feminine Styles mit rustikaler Holzfäller-Klamotte

gekonnt kombiniert. Ein

urbaner Chic für Frauen jeden Alters!

Perfekt in diesen coolen Trend fügt sich

Stephanie Bodnar mit ihrem Lingerie-Label

Evgenia ein. Der Claim „Fine lingerie

for the modern heartbreaker” ist so frech

und flirty, wie wir Frauen es uns wünschen.

Moderne Herzensbrecherin – das klingt

charmant, stilvoll, klug, geheimnisvoll und

so sexy. Ja, das könnte (zu) uns passen ...

und auch den Herren gefallen, denn, da

wollen wir ehrlich sein: Ein bisschen kaufen

wir unsere Lingerie ja auch für den

Liebhaber. Einige Leserinnen werden jetzt

vielleicht skeptisch sein und monieren,

dass in Zeiten von #MeToo und Gender-

Gleichheit Reizwäsche ein Relikt der Vergangenheit

sei und dass Frauen sich doch

bitte in erster Linie für sich selbst schön

machen. Ja, das ist beides richtig. Aber, lassen

Sie uns ein bisschen provokant und

mit einem Augenzwinkern kontern: Was

nützt die schönste Wäsche, wenn keiner

drangeht?! Dessous sind zum Verpacken

da, aber auch zum Auspacken. Sie rahmen

unsere Weiblichkeit – ganz unabhängig

von A- oder D-Cup, von S-Po oder XL-

Hintern. Schicke Dessous pushen das

Selbstbewusstsein ähnlich wie High Heels

– das ändert sich auch durch den neuen

Feminismus nicht. Zum Glück, denn das

wäre wohl das Ende vieler wunderbarer

Wäschelabels. Es ist vielmehr eine Frage,

wie wir mit Feminismus und Sexyness umgehen.

Das eine schließt das andere nicht

aus. Das empfindet auch die Evgenia-

Gründerin so. 2011 begann sie mit dem

Designen von Dessous. Sie arbeitet ausschließlich

mit feinster Seide, Samt und

französischer Spitze für ihre handgefertigte

Luxus-Lingerie: Camisoles, Negligés, Babydolls,

Bodys sowie verschiedene BH-Styles

für kleine und mittelgroße Brüste und unterschiedliche

Höschen-Formen.

In der aktuellen Kollektion „Lovesick“ entführt

uns Evgenia in die Zwanziger- und

Dreißiger-Jahre. Den nostalgischen Look

92 Séparée No. 18


Spitzmarke

Séparée No. 18

93


Dessous.Evgenia

prägen cremige Nude-Töne mit metallischem

Schimmer. Pünktchenmuster und

kleine schwarze Schleifchen hauchen den

Modellen Boudoir-Appeal ein. Wunderschön:

Das köchellange Nachthemd aus

roséfarbener Seide.

Ideal gerade für junge Frauen, die bei ihrer

Lingerie nach der Kombination von süß

und sexy suchen, ist die „Rebell“-Kollektion,

die rockig anmutende, in Schwarz gehaltene

Styles mit Sternchen und eine romantisch

verspielte rote Serie mit Herzchen

bietet. Spannend sowohl bei Sternchen- als

auch Herzchen-Styles: der Materialmix von

französischer Spitze und Samt. Haptisch

ein echtes Highlight. Aber Evgenia kann es

auch blumig. In der Kollektion „Floralia“

kommen Bettjäckchen, Blüschen, Bralettes,

High-Waist-Hosen und Camisoles im zarten

floralen Design wie aus einem Jane-

Austen-Roman daher.

Ganz in Weiß gehalten ist dagegen die

Brautlinie von Evgenia. Luxus pur! Und

für den Tag aller Tage darf’s gerne eine

Maßanfertigung sein? Bitte gern! Stephanie

Bodnar macht es möglich. Zu jedem

Wäscheset gibt’s eine schicke Schlafbrille

dazu. Die wird nach einer durchfeierten

Hochzeitsnacht auch sicherlich zum Einsatz

kommen.

Sie würde auch ideal zu den knielangen

Nachthemdchen des Labels passen, welche

aus Seiden-Charmeuse-Ware und mit Herzchen

bedruckter französischer Spitze gefertigt

sind. Der große Ausschnitt des Hemdchens

umspielt den Busen sanft, am

Rücken hat das Nachthemd gekreuzte Träger.

Ein Look, der es durchaus auch vom

Schlafzimmer auf die Straße schaffen kann.

Und wenn es dann mit den Jahren in der

Ehe gemütlich(er) wird – *Augenzwinker –

dann bietet Evgenia wunderhübsche Korsagen

zum Kaschieren eines Bäuchleins. Was

will Frau mehr?! Wissen, wo es die Lingerie

zu kaufen gibt? Nun, das sind namhafte

Boutiquen in Übersee, aber es gibt Hoffnung

und die heißt: Etsy. Auf der Online-

Plattform gibt’s eine große Auswahl der

Lingerie von Evgenia, aber auch in deren

eigenem Online-Store unter:

www.iamevgenia.com.♥

94 Séparée No. 18


SO ERREICHEN SIE UNS:

WENN SIE FRAGEN ZUM HEFT HABEN ODER

UNS IHRE MEINUNG MITTEILEN MÖCHTEN:

info@separee.com

Wir freuen uns über Ihr Feedback. Bitte geben Sie

Ihren Namen und Wohnort an, wenn Sie möchten,

dass wir Ihre Nachricht veröffentlichen. Die Redaktion

behält sich vor, Leserzuschriften zu kürzen.

„Der einzige Weg,

eine Versuchung

loszuwerden, ist,

ihr nachzugeben.“

Oscar Wilde

WENN SIE FRAGEN ZU UNSEREM

BLOG HABEN ODER UNS IHRE MEINUNG

MITTEILEN MÖCHTEN:

blog@separee.com

UTE GLIWA

WENN SIE SÉPARÉE ABONNIEREN

MÖCHTEN:

Gehen Sie einfach auf unsere Webseite:

www.separee.com oder schicken Sie eine E-Mail an:

abo@separee.com.

ALBERTA

UND

IHRE MÄNNER

WENN SIE UNS EIN THEMA VORSCHLAGEN

ODER EINEN TEXT ODER FOTOS ZU VERÖFFENT-

LICHUNGSZWECKEN ZUSCHICKEN MÖCHTEN:

Bitte schicken Sie eine E-Mail an unsere

Chefredaktion: info@separee.com

Bitte beachten Sie, dass wir für unverlangt eingeschickte

Texte und Fotos keine Haftung übernehmen.

Die Zusendung begründet keinen Anspruch

auf Abdruck im Magazin oder eine Veröffentlichung

auf unserer Website. Bitte geben Sie Name und

Kontaktdaten (E-Mail, Telefon) an, damit wir Sie

ggf. kontaktieren können.

WENN SIE SICH FÜR UNS ALS MODEL

ENGAGIEREN MÖCHTEN:

Bitte schicken Sie ein aussagekräftiges Foto von

Ihnen an unsere Chefredaktion:

info@separee.com

Bitte geben Sie Name und Kontaktdaten (E-Mail,

Telefon) an, damit wir Sie ggf. kontaktieren können.

Eingesandte Fotos werden selbstverständlich vertraulich

behandelt.

konkursbuch VERLAG CLAUDIA GEHRKE

ALBERTA UND IHRE MÄNNER

von Ute Gliwa

Alberta hat alles, was sie sich wünschen kann.

Ihre lang ersehnte harmonische

Beziehung zu Daniel wird wunderbar durch

Serges leidenschaftliches Begehren

ergänzt. Doch leider verlangen beide Männer

alsbald eine Entscheidung, die Alberta

nicht treffen kann.

Roman, ca. 250 Seiten,

Klappenbroschur, 12 Euro

ISBN 978-3-88769-684-9

www.konkursbuch-shop.com/hetero

Séparée No. 18

www.konkursbuch.com


Spitzmarke

Kolumne.Heimlichkeit

Strangers in the Night

Text: Jannek Blume

LICHTVERSCHMUTZUNG, also das unablässige Vorhandensein

von Lichtquellen auch zur Nachtzeit, ist nicht nur für Insekten

und andere Tiere ein Problem, sondern auch eine Gefahr für

das Liebesleben. Es wird insgesamt zu viel bei Licht gevögelt,

egal ob im Dämmerschein oder im Flutlicht. Komplette, nachtschwarze

Dunkelheit gilt als verklemmt. Dabei hat völlige Dunkelheit

den schönen Effekt einer gewissen Unsicherheit hinsichtlich

des Partners, mit dem man da ins Gerangel kommt. Gehört

einem die Hand, die man nicht mehr vor Augen sehen kann,

überhaupt noch? Und ist man für ihr Tun haftbar zu machen?

Bei völliger Dunkelheit nehmen sich Hände, Zungen und Geschlechtsteile

Freiheiten heraus, die sie bei Lichte scheuen würden.

Zudem hat tiefschwarze Nacht den Vorteil, dass die fade

Konferenzteilnehmeratmosphäre einer beleuchteten Nummer

eingetauscht wird gegen die erregende Annahme, dass es dunkel

bleiben muss, weil keiner und nicht mal man selber wissen darf,

dass man fickt. Zur Ödnis des zeitgenössischen Kopulationsgeschäftes

zählt doch, dass heute kaum noch Sex „gestohlen“ wird.

Nicht nur das Dekameron ist voller Geschichten, in denen Ehefrauen

neben ihren Ehemännern heimlich von zur Übernachtung

gebliebenen Gästen oder gar echten „Eindringlingen“ penetriert

werden. Guter Sex ist immer ein bisschen heimlich, denn

das Heimliche bringt es mit sich, dass es verschwiegen und dadurch

unpersönlich zugeht. Persönlichkeit kann erotisch sein,

aber ist es eben weiß Gott nicht bei jedem und manch einer

profitiert davon, wenn er dank „Licht aus und Schnauze halten!“

seine nicht so spannende Individualität mal ablegen darf wie

seine Unterhose. Wie viele Frauen würden nicht gerne mal wieder

mit dem Mann da drüben auf der anderen Seite des Bettes

schlafen, wenn sie nur einmal in stiller und in dunkler Nacht

vergessen dürften, dass er Frank-Michael heißt und zum Abendbrot

gern Sülzwurst isst. Ein Spezialfall der heimlichen Situation

ist übrigens Mikado-Sex. Für dieses im alten Japan beliebte Treiben

braucht es nicht mehr als eine frisch und möglichst aufwändig

frisierte Frau und einen Mann, dessen Erektion sich durch

vorsichtige Friktion eher erhält als erschlafft. Es galt bei den Japanern

als ausgemachte Schande, einer Frau die Frisur locker zu

rammeln. Einen ausgedehnten Geschlechtsakt zu veranstalten,

bei welchem der Frau keine Strähne ins Gesicht oder aus dem

Haargebilde fallen darf, sorgt nebenbei für eine Art männliche

Achtsamkeit, in der die kleinen Inseln des Wohlbehagens der

Frau bei sanfter Brise angesteuert und nicht im Sturm der Lust

überfahren werden. Bei der Frau sorgt die Trennung in eine steife

Frisur und einen beweglichen Unterleib zuverlässig für das

prickelnde Gefühl, sich mit etwas zu vergnügen, was anschließend

quasi nicht geschehen ist. Also gefickt worden zu sein,

ohne so auszusehen!

Heimlichkeit ist eines der stärksten Aphrodisiaka und von gewissen

Eilanden im Pazifischen Ozean heißt es, die Jünglinge dort

hätten Hunde auf den Geruch von jungfräulichen Geschlechtsteilen

abgerichtet, um nächtens ihre Schniedel an der richtigen

Stelle durch die Palmwedelflechtwand schieben zu können, wo

ihr Auftauchen von den flüsternd geweckten Mädchen nicht

missverstanden blieb. Sie sehen also, es kann durchaus etwas

für sich haben, von allen unbemerkt mit dem Arsch an die Wand

zu kommen. ♥

freephotoos_pixabay.com

96 Séparée No. 18


Herstellernachweis. Kontakt.

HERSTELLER

ADRIEN LASTIC

www.adrienlastic.com

CONTRIBUTORS

MASTER ANDRÉ

www.dominus.berlin

DSQUARED2

über www.hairgecko.de

EVGENIA

www.iamevgenia.com

GEEKYSEXTOYS

über www.etsy.com

HOT OCTOPUSS

www.hotoctopuss.com

ISABEAU OUVERT

www.isabeau-ouvert.com

NONÓN DE FLORETTE

www.nonon.de

ORION

www.orion.de

PJUR

www.shop.pjurlove.com

ROSEBUDS

über www.frauenfreude.com

SHUNGA

über www.store.erikalust.com

UTE COHEN

www.facebook.com/profile.

php?id=100011717831261

LOREEN GÖRTLER

www.logo-pr.de

FRANZISKA HAUSER

www.foto-haus.info

MAGDALENA HYLA

www.playcookwith.me

NOVA NIEDERMEYER

www.nova-niedermeyer.de

SERGEY SIVUSHKIN

www.luxactor.com

YVONNE SOPHIE THÖNE

www.yvonnesophiethoene.de

KATRIN ZICKLER

www.katrin-zickler.de

GUTSCHEIN

Bis 23.12.18

Geschenkgutscheine

mit 10 % Nachlass unter

Angabe des Kennwortes

Séparée bestellen unter

info@ines-theileis.de

SYLVIE MONTHULÉ

über www.frauenfreude.de

INES THEILEIS –

GESANGSUNTERRICHT IN BERLIN

Séparée No. 18

Jeder kann Singen lernen. Es beginnt mit dem

Erforschen der eigenen Stimme und wird zu

einer großartigen Körper-Raum-Klangerfahrung,

je länger man singen lernt. Dabei ist es egal,

welchem Musikstil man sich widmen möchte, mit

welcher Vorbildung man beginnt und ob man

gar Angst vor der eigenen Stimme hat. Sich der

eigenen Stimme zu stellen, heißt, sich und den

eigenen Körper besser kennenzulernen und das

ist immer spannend und lohnend!

Jeder, der verstehen will, wie singen – oder auch

sprechen – durch etwas technische Arbeit

gesünder, präsenter und variantenreicher

werden kann, ist als Schüler herzlich willkommen.

www.ines-theileis.de


Vor.schau

Einblicke in

Séparée

No. 19

01

BITTE MIT SAHNE

Darf man heute eigentlich noch „Küchenfee“ sagen?

Unserer Fotografin Yvonne Sophie Thöne ist ein

besonders schwieriger Spagat geglückt: ein klischeebehaftetes

Thema zeitgemäß und mit Humor inszeniert.

Herausgekommen ist eine tolle Damenstrecke.

02

LET’S SWING

Am Rande vom Spreewald liegt das von außen unschuldig

anmutende Schloss Milkersdorf, in dem an den Wochenenden

prickelnde Erotikpartys steigen. Unsere Redakteurin

Ruth Batella hat den mondänen Swingerclub mit ihrem

Mann besucht und lässt uns an ihren Erlebnissen teilhaben.

03

DATING-PLATTFORMEN IM TEST

Auf der Suche nach einem neuen Mann?

Wir haben uns auf einigen kostenlosen Dating-

Plattformen umgesehen und versucht, zwischen

verheirateten Singles und Fickbettlern die

Spreu vom Weizen zu trennen.

Ab Dezember 2018

im Handel!

Fotos: PR – Schloss Milkersdorf, Yvonne Sophie Thöne, RachelScottYoga – www.pixabay.de

98 Séparée No. 18


✟✠✍

Interview mit

P☎✆✝✞

S✡☛☞✌✎✏✑✒✗ä✘

Die erotische Männeraktstrecke

Séparée

Interview.Dominus

Erotik ist weiblich

Séparée

Erotik ist weiblich

Séparée

Erotik ist weiblich

Deutschland Y 4,90

Österreich Y 5,50

Schweiz CHF 9,80

Luxemburg Y 5,90

Séparée

Italien Y 5,80

NEU

Das Magazin

für weibliche

Lust

NAKEd

NyloN

Ein fotografisches

Statement

Jason Steel

Der Pornodarsteller

im Interview

KopfKiNo

10 frivole Streifen

Deutschland Y 3,90

Österreich Y 4,50

Schweiz CHF 7.90

Lustpille

für Sie

Was gibt’s? Was wirkt?

AKtfotogrAfiE

Ein Nachbar, ein Traum, ein Abschied

8 SEITEN

der Erotik-Regisseurin

ESCORT

Glanz- und Schattenseiten

einer Dienstleistung

Beckenboden

Unterschätzte Geheimwaffe

FREMDHEIT

Auswege aus der lustfreien Zone

Hot Spots

No. 1

Séparée

Erotik ist weiblich

Séparée

tHEMA

Do-ityourself

polE

dANCE

Fitness & Verführung

Selbst ist die

Frau Kopfkino

wird Film

HANdArBEit

10 lustvolle Techniken

Deutschland Y 4,90

Österreich Y 5,50

Schweiz CHF 9,80

Flexible

Neigungen

Bisexualität leben

SiNNliCHE

fotogrAfiE

Betören. Beschwören. Begehren

No. 2

Séparée

Erotik ist weiblich

Séparée

lUSt

auf

gENUSS

EifEr-

SUCHt

Eine Zumutung

Nick Laurent

Der Callboy im Interview

Deutschland Y 4,90

Österreich Y 5,50

Schweiz CHF 9,80

Sechs Erotik-

Boutiquen von

cool bis chic

grENZ-

ErfAHrUNg

Bondage für Anfänger

Ballonfetisch

Blasen einmal anders

ZUM VErNASCHEN

Ein Zuckerbäcker am Werk

No. 3

Séparée

Erotik ist weiblich

Séparée

XXL

14 Seiten

Squirting

Eine lustvolle Spritztour

Deutschland Y 4,90

Österreich Y 5,50

Schweiz CHF 9,80

Homo Botanicus

Braut &

Bondage

Fesselnde Momentaufnahmen

Männerakt

PRACHT-

EXEMPLAR

BOUDOIR-

FOTOGRAFIE

Die eigene Inszenierung

Size Matters

Ein Kondomexperte im Interview

No. 4

Séparée

Erotik ist weiblich

Séparée

Sechs

PIN-UP

BOYS

✁✚é- ✤✣✢✜✛

S✖✂✕✔✓✄

FREMD-

GEHEn

Das schlechte Gewissen

Deutschland Y 4,90

Österreich Y 5,50

Schweiz CHF 9,80

Italien Y 5,80

der Männer

Verhütung

Von sicher bis vegan

Glücksformel

Aphrodisisch kochen

FETIsCH

PARTy

Wasteland in Amsterdam

Erotische Fotografie

Homestory, Experiment und Selbstporträt

No. 5

1 Jahr

genießen

Für nur

34,90 EURO *

inkl. Versand

Foto: © mozZz – Fotolia.com

Schließen Sie Ihr Abo bequem auf unserer Webseite oder per Mail ab.

www.separee.com abo@separee.com

Séparée erscheint vierteljährlich im Verlag UNA GlitzaStein GmbH. Geschäftsführung: Dr. Janina Gatzky, Ute Gliwa

Die Bestellung kann innerhalb von zwei Wochen schriftlich bei UNA GlitzaStein GmbH, Fredersdorferstr. 10, 10243 Berlin widerrufen werden.

Séparée No. 18 * Innerhalb von Deutschland. Ein Abo mit Versand ins Ausland kostet 49,90 Euro.

02


www.rosawildfleisch.de

Weitere Magazine dieses Users
Ähnliche Magazine