Berliner Zeitung 13.06.2019

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Mit Blitz und Donner: Das nächste Unwetter jagt durch Berlin – Berlin Seite 9

Heute

mit

Kulturkalender

16°/27°

Heiter bis wolkig

Wetter Seite 2

Immer mehr Notrufe:

Die Bilanz der Feuerwehr

Berlin Seite 9

www.berliner-zeitung.de

Glücklich: DFB-Frauen

gewinnen gegen Spanien

Sport Seite 20

Donnerstag,13. Juni 2019 Nr.134 HA -75. Jahrgang

Auswärts/D*: 1.70 €–Berlin/Brandenburg: 1.60 €

Wieder da: Gerhard

Schröder im Wahlkampf

Politik Seite 4

Die

Königsmacherin

von Bremen

VonTobias Miller

Bremen ist nicht groß. Aber trotzdem

interessiert derzeit, was in

dem kleinen Bundesland los ist. Und

wenn man es personalisieren wollte,

liegt das Interesse an Maike Schaefer,

48. Sie war im Wahlkampf die Spitzenkandidatin

der Grünen in Bremen.

Und die haben entschieden,

von diesem Mittwoch an unter

Schaefers Führung nicht nur mit der

SPD,sondernsogar

mit der Linken

Koalitionsverhandlungen

zu führen. Es

wäre das erste

Mal, dass die

Linke in einem

westlichen Bundesland

an der

MaikeSchaefer

entscheidet, wermit

ihr Bremen regiert.

Rot-Grün-Rot

Macht beteiligt

wird. Deswegen

sind einige aufgeregt,

wenn auch aus unterschiedlichen

Gründen.

Ob Maike Schaefer aufgeregt in die

Verhandlungen geht, ist nicht bekannt.

Zumindest während des Wahlkampfes

hat sie der BremerWeser-Kurier

als locker und entspannt beschrieben.

DasEinzige,was sie genervt habe,

war die Frage,wie sie das alles mit einem

Kind, sie ist Mutter eines achtjährigen

Sohnes, schaffe. Sie habe einen

„sehr emanzipierten Mann“, war die

Antwort. Thema beendet.

Sie wird außerdem als hartnäckig

beschrieben. Als eine Politikerin, die

in der Lage ist, ihre Ziele mit langem

Atem zu verfolgen. Seit vier Jahren ist

sie Fraktionschefin, gewann aber neben

den beiden Senatorinnen Karoline

Linnert und Anja Stahmann nur

wenig öffentliches Profil. Am Ende

setzte sie sich aber in einer Urwahl als

Spitzenkandidatin durch. Gegen den

Stress zieht sie sich auf das Familienboot

zurück oder kümmert sich um

ihrebeiden Bienenvölker.

Inhaltlich steht die studierte Biologin

für Ökologie und Soziales, im

Wahlkampf sprach sie davon, die

„mietrechtlichen Spielräume“ zu

nutzen, um Mietsteigerungen zu

dämpfen. Schaefer ist in die Rolle der

Königsmacherin gerutscht. Denn

auch CDU und FDP haben den Grünen

ein Regierungsangebot gemacht.

Man votierte für Rot-Grün-

Rot. Schwierig wird eswohl nur mit

der Linken, die gerne mehr Geld ausgeben

möchte. Die SPD ist froh, an

der Macht zu bleiben.

DieSZschrieb über Schaefer:„Ihre

Partei kann eine Bremer Epoche beenden

oder eine andere eröffnen.“

Zeit, ein wenig aufgeregt zu werden.

Bühne frei

Die Volksbühne hat

wieder einen

Intendanten:

René Pollesch

übernimmt das Theater

im Sommer 2021.

Washat er vor?

Seite3

Humboldt Forum wird nichtfertig

Schon wieder Probleme mit einer Berliner Großbaustelle: Die Eröffnung wird auf 2020 verschoben

VonNikolaus Bernau

Endlich wurde es auch von

den Betreibern des Humboldt

Forums eingestanden:

Der bisher zum 250.

Geburtstag vonAlexander vonHumboldt

im September angekündigte

Eröffnungstermin ist nicht zu halten.

Bei einem als Baustellenrundgang

angekündigten Pressetermin gab der

neue Generalintendant Hartmut

Dorgerloh am Mittwoch bekannt, er

werde dem Stiftungsrat am 26. Juni

vorschlagen, das riesige Haus mit

seinen drei großen Museen, den

Ausstellungen zur Geschichte des

Orts, Cafés, Geschäften und Veranstaltungssälen

erst im nächsten Jahr

zu eröffnen. Wann genau, sei noch

nicht klar. Die das Projekt betreuende

Bundesbauverwaltung habe

nämlich erst jüngst festgestellt, dass

die für die Ausstellungen notwendigen

Klimaanlagen nicht vollständig

funktionierten. Beilaufenden Bauarbeiten

könnten diese auch nicht erprobt

und abgestimmt werden.

Tatsächlich zeigt sich das Humboldt

Forum weit über die Klimaanlagen

hinaus noch als Baustelle. In

vielen Räumen ist noch der rohe Beton

zu sehen, in Treppenhäusern

werden gerade erst Kabelkanäle gestemmt,

sogar die Faschen der Fenster

sind noch grob. Nur in einigen

Ausstellungssälen sind die Ausbauarbeiten

so weit vorangeschritten,

dass die Vitrinen schon aufgerichtet

werden können. Kaum verwunderlich

also, dass die Staatlichen Museen

unddas Berliner Stadtmuseum

schon vor Monaten nur von Teileröffnungen

ihrer Dauerausstellungen

sprachen, vergangene Woche auch

bekannt wurde, dass die zur Eröffnung

geplante Elfenbeinausstellung

nicht bestückt werden könne.

Ist das Humboldt Forum jetzt ein

neuer BER? Dorgerloh versicherte,

dass es sich nur um eine Verschiebung

um einige Monate handele und

die Kosten gehalten würden. Allerdings

müsse man die als Reserve angesparten

78 Millionen Euro angehen,

da der Bauboom die Kosten steigen

lasse. Abgesehen von der Frage,

warum die Bauverwaltungen erst

jetzt die Reißleine zogen, obwohl

„Ich nehme die Entscheidung mit

Bedauern zur Kenntnis. Sicherheit und

Qualität gehen aber vor Tempo.“

Hartmut Dorgerloh,

Generalintendant des Humboldt Forums

auch die Umplanungen oft jahrelang

bekannt waren, kann doch konstatiert

werden: Diese Verschiebung

könnte einmal als Glück für das Humboldt

Forum betrachtet werden. Erstens

sind die Museen mit ihren Besitzstandsrecherchen

und Restaurierungsprojekten

bei weitem noch

nicht so weit wie geplant. Auch die für

diesen Donnerstag angekündigte

Vorstellung des Weiterkonzepts für

die Museumsbauten in Dahlem als

Depot- und Forschungszentrum

wurde am Mittwoch plötzlich abgesagt.

Außerdem gibt die Verzögerung

die Chance, die teilweise schon vor

fast 20 Jahren entwickelten Ausstellungskonzepte

noch zu verbessern,

um etwa die Kolonial- und dieWiderstandsgeschichte,die

Erwerbungsgeschichte

oder die kulturelle Nähe Europas

zurWelt zu integrieren.

Auch die von den drei Gründungsintendanten

zerschlagene

Idee umfassender Ausstellungen

etwa zu Nordamerika oder China

könnte wieder zusammengeflickt,

mancher Wechselausstellungs- wieder

Dauerausstellungsraum werden.

Wenn die Planer des Forums es nicht

so machen wie lange Zeit diejenigen

des BER, also eisern anPlänen festhalten,

sondern sich neuen Ideen

öffnen. Die Verschiebung ist auch

eine Chance –auch dafür, das Riesenhaus

nicht in einem großen

Schlag, sondern nach und nach zu

eröffnen und damit die Freude des

Neuanfangs immer wieder zu erleben.

So wie einst zwischen 1970 und

1974 bei den Museen in Dahlem.

Eine Verschiebung um einige Monate

ist bei einem Projekt dieser Größenordnung

noch kein großes Problem.

Wenn es dabei bleibt.

BERLINER ZEITUNG/MARKUS WÄCHTER

AfD liegt in

Brandenburg

vorn

Umfrage zweieinhalb

Monate vor der Wahl

Nach herben Verlusten in einer

Umfrage etwa zweieinhalb

Monate vor der Brandenburger

Landtagswahl am 1. September

sieht die SPD noch viel Arbeit im

Wahlkampf vor sich. Ministerpräsident

und SPD-Landeschef Dietmar

Woidke sagte am Mittwoch auf die

Frage, welche Schlüsse er aus der

Umfrage ziehe: „Dass wir kämpfen

müssen, um die Landtagswahl zu

gewinnen.“ Fraktionschef Mike Bischoff

sagte auf die Frage zu Konsequenzen:

„Arbeiten, arbeiten, arbeiten

– und rechtspopulistischen

Kräften jederzeit die Stirnbieten!“

DieSPD hatte bei der Europawahl

bundesweit und im Land deutliche

Verluste eingefahren. In Brandenburg

regiert die Partei seit 1990, seit

zehn Jahren mit den Linken, davor

mit der CDU.

Grüne so starkwie die CDU

DieAfD ist bei der Umfrage vonInfratest

dimap für die RRB-Sendung

„Brandenburg aktuell“ und den

Sender Antenne Brandenburg mit

21 Prozent erstmals stärkste Kraft

geworden. Die SPD kam auf 18 Prozent,

dem laut RBB bisher niedrigsten

Wert in der Umfrage. Die CDU

erreichte 17 Prozent, die Linke 14

Prozent, die FDP kam auf 5Prozent,

die Freien Wähler erreichten 4Prozent.

Im Vergleich zur April-Umfrage

verloren SPD,CDU und Linke klar an

Prozentpunkten. Hingegen legten

AfD und Grüne noch einmal zu. Die

Grünen, die bei der bislang letzten

Landtagswahl 2014 gerade einmal

sechs Prozent einfuhren, erreichen

in der Umfrage 17 Prozent in Brandenburg

und liegen nun gleichauf

mit der CDU auf Platz 3. (dpa)

Leitartikel Seite 8,

Brandenburg Seite 16

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2* Berliner Zeitung · N ummer 134 · D onnerstag, 13. Juni 2019

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Tagesthema

Die Tiere, die es eigentlich

nicht geben dürfte,sitzen

zu Dutzenden auf den

hölzernen Stangen im

Stall, dicht an dicht und ziemlich genau

so flatterhaft, wie es sich für einen

Hahn in der Pubertät gehört. Ein

Schritt von Landwirt Carsten Bauck

auf die Tiere zu, schon stieben sie in

alle Richtungen davon. Bauck, von

kräftiger Gestalt, schwarzes Hemd,

abgeschnittene Jeans, kann sich mit

raschem Griff eines packen, er hält es

hoch und schaut es an. „Und ihr werdet

normalerweise weggeschmissen“,

sagt er dann.„Ist das ätzend?“

Es ist eine rhetorische Frage. Natürlich

ist das ätzend. Da sind sich

auch alle einig. Öko-Bauern, konventionelle

Bauern, Tierschützer,

Politik, keiner widerspricht.

DieFrage ist nur,obesauch so ätzend

ist, dass es sofortverboten werden

muss –und kann. Da hörtdie Einigkeit

dann sehr schnell auf.

Geld gegen Tierwohl

Deshalb muss das Bundesverwaltungsgericht

in Leipzig an diesem

Donnerstag eine hoch umstrittene

Frage klären. Es geht um 45 Millionen

männliche Küken, die in Deutschland

proJahr kurznach dem Schlüpfen

getötet, in der Regel geschreddert

werden, weil sich mit ihnen kein Geld

verdienen lässt. In ihrem Urteil werden

die Richter Antworten auf die

Frage finden müssen, wie weit sich

der Tierschutz hintanstellen muss,

wenn es um die Wirtschaftlichkeit

geht. Geld gegen Tierwohl, Tierleben

gar,das ist die Grundsatzfrage,umdie

es in Leipzig geht. Undganz nebenbei

wird das Urteil auch ein Schlaglicht

darauf werfen, dass bei all den Fortschritten

in der Landwirtschaft ein

Geschlecht immer mehr zum Ausschuss,

mindestens aber zum Problemfall

geworden ist.

Der Bauckhof in Klein Süstedt bei

Uelzen, am Rand der Lüneburger

Heide, einer der ältesten Demeter-

Höfe der Republik, an einem sonnigen

Junitag. Vordem Stall scharren

Hähne im Boden, zwei liefernsich ein

pubertäres Kämpfchen, andere tasten

sich bis zur Obstbaumplantage

vor. Es sind stattliche Tiere, die nur einen

Makel haben: Siesind 21Wochen

alt. Eine Woche noch bis zur Schlachtung.

Aber Fleisch auf der Brust, das

Das Bundesverwaltungsgericht

entscheidet an diesem Donnerstag über

die Rechtmäßigkeit des millionenfachen

Schredderns männlicher Küken.

Jung, männlich,

überflüssig

also, was sich als pralles Stück in

Fleischtheken anbieten ließe, sucht

man bei ihnen fast vergebens. „Lass

sie doch ineffizient sein“, sagt Carsten

Bauck und blickt auf seine Tiere,

„aber wenigstens leben sie.“

Dass seine Hähne nicht im

Schredder gelandet sind, verdanken

sie der Bruderhahn-Initiative, die

Bauck 2012 mit angestoßen hat: Die

Tierschutz

VonThorsten Keller

Geschlechtsbestimmung im Ei

Berührungsfreie Geschlechtsdiagnose ab dem 3. Bebrütungstag

Laserstrahl

Per Laser wird ein kleines Loch

in die Eischale gestanzt

Laserbasiertes Raman-Mikroskop

Durch die Analyse eines reflektierten Lichtstrahls

kann das Geschlecht bestimmt werden

weiblich

männlich

Idee war, die Aufzucht der männlichen

Küken über einen Aufpreis auf

die Eier mitzufinanzieren. Vier Cent

zahlen Verbraucher zusätzlich, wenn

sie Eier der Initiative kaufen –damit

die Hähne leben können. 34 Höfe

sind inzwischen bei der Bruderhahn-

Initiative dabei, es gibt Nachahmer

wie„EiCare“, auch Supermarktketten

haben ähnliche Linien im Programm.

Verschluss

Das Loch in der Schale

wird wieder verschlossen

Die männlichen Küken werden nicht

ausgebrütet.

Die Eier werden industriell verwertet.

Eier werden zur Aufzucht

von Legehennen ausgebrütet

BLZ/HECHER; QUELLE: BMEL, AFP

Es ist ein fast romantisches Projekt:

Ein paar Cent für die Rettung

des Hahns. Bauck verkauft das Bruderhahn-Fleisch

auch, das kräftiger

schmeckt als das von Masthähnchen.

Nur kommt man mit Romantik

auch in der Öko-Landwirtschaft

nicht weit. Bauck weiß das. Erkennt

die Rechnungen. 1,4 Kilogramm Futter

brauchen konventionelle Hühner,

umein Kilogramm Gewicht zuzulegen.

Baucks Demeter-Hühner

brauchen 2,9 Kilogramm –die Bruderhähne

aber 5,5.Viel Aufwand, viel

Energie für wenig Ertrag.„Das macht

wirtschaftlich keinen Sinn, es macht

ökologisch keinen Sinn, und es blockiertStälle“,

sagt Bauck. DieHähne

sollten für ihn nur ein Problem sichtbar

machen. Die Lösung, so sieht er

DPA/BERND WÜSTNECK

es heute, liege woanders, und sie

müsse grundsätzlicher sein.

Tatsächlich ist das Küken-Problem

das Ergebnis eines Erfolgs. Die

Zucht hat in den vergangenen Jahrzehnten

immer effizientere Rassen

hervorgebracht, Hochleistungstiere.

Um 1960 legten Hennen im Jahr 130

Eier.Heute sind es 300. Fleisch setzen

diese Tierekaum noch an, dafür sind

jetzt andere Rassen zuständig. Das

macht es für die Männer tragisch.

Dabei wollen auch die Geflügelzüchter

ein Ende des Kükentötens.

„Es gilt das klare Bekenntnis der

Branche zum Ausstieg aus dem aktuell

weltweit praktizierten Kükentöten,

sobald eine praxistaugliche Alternativevorliegt“,

schreibt der Zentralverband.

Die „praxistaugliche Alternative“,

das wäre ein Verfahren, um vor

dem Schlüpfen das Geschlecht zu bestimmen.

DieTechnik gibt es im Prinzip,

neun Tage muss ein Ei dazu bebrütet

werden, dann geht es.Eier mit

männlichen Embryos würden dann

entsorgt. Carsten Bauck holt sein

Handy hervor, er zeigt einen Film,

ein pochendes Wesen in einem Ei,

mit Adern. „Ein Hühnerembryo am

neunten Tag“, sagt er. „Wir sollten

nicht anfangen zu diskutieren, wann

Leben beginnt.“ DieTechnik für eine

Geschlechtsbestimmung am dritten

Bebrütungstag gibt es theoretisch

auch schon –massenweise einsetzbar

ist sie aber noch nicht.

Projekt Zweinutzungshuhn

Baucks Lösung ist eine andere. Mit

anderen Höfen züchten sie jetzt an

einem neuen Huhn. Eines,das so ist

wie die alten. Eines,das beides kann:

Fleisch ansetzen und Eier legen, nur

nicht mehr ganz so gut.

Ist das Öko-Spinnerei? Die Initiative

ist nicht die einzige, die sich für

das sogenannte Zweinutzungshuhn

interessiert. Die Tierärztliche Hochschule

Hannover hatte ein dreieinhalbjähriges

Forschungsprojekt

dazu. „Aus Tierschutzsicht“, sagt

Professorin Silke Rautenschlein, „ist

das die beste Lösung.“ Mehr Frieden

im Stall, kein Federpicken, bestens.

Bei dem Projekt wurden allerdings

auch die Verbraucher nach ihrer

Bereitschaft gefragt, das Fleisch

dieser Hühner zu kaufen. Ergebnis:

16 Prozent würden es tun. Nur 16

Prozent, muss man wohl sagen.

Herr Ripke, Sie sind Präsident des

Zentralverbandes der deutschen Geflügelwirtschaft.

Das Bundesverwaltungsgericht

entscheidet an diesem

Donnerstag, ob das Töten männlicher

Küken gegen das Tierschutzgesetz

verstößt und nicht mehr genehmigt

werden soll. Warum ist das Töten

der sogenannten Bruderküken

überhaupt nötig?

Weil die männlichen Tiere der

Legerassen im Gegensatz zu Hennen

keine Eier legen und nicht gut

zur Mast geeignet sind. Theoretisch

kann man sie mästen, aber

der Aufwand ist deutlich höher als

bei Masthähnchen, weil sie mehr

„Wir würden das Kükentöten lieber heute als morgen beenden“

Futter brauchen. Außerdem lässt

sich das Fleisch von Bruderhähnen

sehr schwierig verkaufen. Es ist

dunkler und grobfaseriger als die

Verbraucher es von Hähnchenfleisch

gewohnt sind. DerAnteil am

Markt liegt bei unter zwei Prozent.

Verstehen Sie mich aber nicht

falsch, auch wir würden die Praxis

des Kükentötens lieber heute als

morgen beenden.

Welche Alternativen gibt es denn?

Wissenschaftler arbeiten an zwei

Methoden, mit denen das Geschlecht

des Tieres noch im Ei bestimmt

werden kann, sodass die

männlichen Küken gar

nicht erst schlüpfen. Bei

einem hormonellen Verfahren

wird nach neun Tagen

Flüssigkeit aus dem Ei

entnommen und auf Ge-

Verband der Geflügelwirtschaft

Friedrich-Otto

Ripke

ZDG

schlechtshormone getestet.

Der Tierschutzbund

sagt, dass Küken zu diesem

Zeitpunkt schon schmerzempfindlich

sind, wenn sie

getötet werden. Das wäre also aus

ethischer Sicht kein Fortschritt. Die

spektroskopische Methode analysiertdas

Ei am dritten Tagmit einem

Laser. Bisher kann man aber die nötige

Technik zur Geschlechtsbestimmung

noch gar nicht kaufen.

Wirbrauchen eine Geschwindigkeit

von 100 000

untersuchten Eiern pro

Tag. Deshalb hoffe ich,

dass die Richterin uns

noch ein paar Jahre Aufschub

gewährt, bis wir den

Ablauf im Betrieb umstellen

können.

Dasklingt, als würden Sieauf Zeit

spielen. Warum lassen Siedie Hähne

nicht einfach am Leben, bis es eine

anderetechnische Lösung gibt?

Das lässt sich praktisch nicht bewerkstelligen.

Die Geflügelwirtschaft

züchtet schon lange am Zweinutzungshuhn

–einer Rasse, die sowohl

für Eier-, als auch Fleischproduktion

genutzt werden kann. Das

ist zwar grundsätzlich eine gute Idee,

es dürfte aber eine Nischenlösung

bleiben. Für die Eiererzeugung in ihrer

Gesamtheit brauchen wir ein

praxistaugliches Verfahren der Geschlechtsbestimmung

im Ei.

Wie wird die Wirtschaft reagieren,

wenn das Gericht das Kükentöten an

diesem Donnerstag verbietet?

Die deutschen Brütereien würden

ihren Sitz wohl ins Ausland verlagern,

zum Beispiel nach Polen, wo

das Kükentöten erlaubt bleibt. Das

würde weder dem Tierschutz, noch

dem Verbraucher helfen. Schon

heute können deutsche Legehennen-

Betriebe nur 69 Prozent des Bedarfs

an Eiern decken, der Rest der Eier

wirdimAusland zugekauft. Wirmüssen

also dringend unsere Forschung

zu den Alternativ-Verfahren vorantreiben.

Da stehen wir kurz vor dem

Ziel. Ichdenke,wir sind in absehbarer

Zeit so weit, dass wir Küken nicht

mehr lebend töten müssen. Dann

wäredie deutsche Geflügelwirtschaft

ein Vorbild für den Rest der Welt.

DasGespräch führte Nadja Lissok.

BERLIN UND BRANDENBURG WETTERLAGE REISEWETTER

Heute steigen die Temperaturen auf 26bis 28 Grad. Dazu ist es vielerorts

heiter bis wolkig. Der Wind weht schwach aus westlichen Richtungen.

In der Nacht wird der Himmel sehr vereinzelt von Wolken verschleiert.

Dabei betragen die Tiefsttemperaturen 16 bis 14Grad.

Biowetter: Körper und Kreislauf

werden stark beeinträchtigt. Dies

führt zuSchwindelgefühlen, Kopfweh

und Migräneattacken. Eine geringe

Sauerstoffversorgung lässt

viele Menschen rasch ermüden.

Pollenflug: Roggen-, Linden-, Sauerampfer-,

Spitzwegerich- und Gräserpollen

fliegen mäßig bis stark.

Darüber hinaus sind Pollen von

Brennnesseln unterwegs.

Gefühlte Temperatur: maximal 27Grad.

Wind: leichter Wind aus West.

Wittenberge

12°/26°

Min./Max.

des 24h-Tages

Brandenburg BERLIN

15°/27° 16°/27°

Luckenwalde

14°/28°

Freitag

Sonnabend

Sonntag

heiter Gewitter wolkig

17°/31° 21°/33° 19°/26°

Prenzlau

13°/26°

Cottbus

13°/28°

Frankfurt

(Oder)

15°/27°

Tiefer Luftdruck liegt weiterhin über den Britischen Inseln .Dabei wird allmählich

der Weg frei für wärmere Luftmassen aus Süden. Somit steigen langsam die

Temperaturen im westlichen und südlichen Zentraleuropa wieder. Auf der Iberischen

Halbinsel wird esheißer. Schwülheiß bleibt es unterdessen inOst- und

Südosteuropa.

Sylt

11°/22°

Hannover

11°/24°

Köln

12°/23°

Saarbrücken

9°/23°

Konstanz

15°/24°

Hamburg

12°/25°

Erfurt

13°/22°

Frankfurt/Main

14°/25°

Stuttgart

12°/25°

Rügen

13°/24°

Rostock

12°/23°

Magdeburg

14°/24°

Nürnberg

15°/27°

München

14°/26°

Dresden

14°/26°

Deutschland: Heute scheint zeitweise

die Sonne. Schauer oder Gewitter

sind jedoch nicht völlig

auszuschließen. Tagsüber müssen

wir uns auf 22 bis 28Grad einstellen.

Die tiefsten Temperaturen liegen

bei 16bis 12 Grad. Der Wind weht

schwach aus West. Morgen gibt es

Sonne und Wolken. Regenschauer

oder Gewitter sind eher die Ausnahme,

und die Höchstwerte sind

bei 23bis 33 Grad anzutreffen. Der

Wind weht schwach aus Südost.

Meerestemperaturen:

Ostsee: 15°-17°

Nordsee: 14°-15°

Mittelmeer: 19°-29°

Ost-Atlantik: 12°-17°

Mondphasen: 17.06. 25.06. 02.07. 09.07.

Sonnenaufgang: 04:43 Uhr Sonnenuntergang: 21:30 Uhr Mondaufgang: 16:49 Uhr Monduntergang: 03:01 Uhr

Lissabon

23°

Las Palmas

24°

Madrid

28°

Reykjavik

19°

Dublin

15°

London

18°

Paris

21°

Bordeaux

24°

Palma

28°

Algier

41°

Nizza

24°

Trondheim

21°

Oslo

18°

Stockholm

19°

Kopenhagen

20°

Berlin

27°

Mailand

29°

Tunis

32°

Rom

32°

Warschau

32°

Wien

30° Budapest

34°

Palermo

31°

Kiruna

17°

Oulu

20°

Dubrovnik

28°

Athen

35°

St. Petersburg

23°

Wilna

31°

Kiew

32°

Odessa

31°

Varna

31°

Istanbul

32°

Iraklio

27°

Archangelsk

12°

Moskau

20°

Ankara

25°

Antalya

31°

Acapulco 35° wolkig

Bali 34° wolkig

Bangkok 33° wolkig

Barbados 29° heiter

Buenos Aires 21° Gewitter

Casablanca 20° Schauer

Chicago 19° wolkig

Dakar 28° wolkig

Dubai 43° sonnig

Hongkong 32° Gewitter

Jerusalem 28° sonnig

Johannesburg 18° sonnig

Kairo 34° sonnig

Kapstadt 16° sonnig

Los Angeles 23° sonnig

Manila 35° wolkig

Miami 34° Gewitter

Nairobi 26° Schauer

Neu Delhi 45° heiter

New York 22° Regen

Peking 32° Gewitter

Perth 17° Schauer

Phuket 34° wolkig

Rio de Janeiro 32° heiter

San Francisco 24° sonnig

Santo Domingo 32° wolkig

Seychellen 29° wolkig

Singapur 33° wolkig

Sydney 23° Regen

Tokio 30° heiter

Toronto 19° Schauer


Berliner Zeitung · N ummer 134 · D onnerstag, 13. Juni 2019 3 *

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Seite 3

So ein Konzeptpapier eignet sich

auch als Fächer.Esist heiß im Roten

Salon am Mittwochmittag um zwölf

Uhr, als der Kultursenator seine Entscheidung

für den nächsten Intendanten der

Volksbühne offiziell verkündet. Der Name

René Pollesch wurde schon amVortag ausgeplaudert,

und da sitzt der Autor und Regisseur

nun, mit viel zu dicker Jacke, schwitzend,

sich Luft zufächelnd, mit drei Blättern

Papier. Auf ihnen sind, wie er sagt, Ausschnitte

aus seiner Bewerbung an Klaus Lederer

zu lesen −wobei jeder weiß, dass sich

Pollesch nicht beworben hat, sondern gefragt

wurde und wohl auch von vielen bearbeitet

werden musste, bevor er sich dazu

durchringen konnte, das wichtigste Theater

der Stadt und im Erdkreis zu übernehmen.

Zunächst ließ Lederer die skandalöseVorgeschichte

um die Ablösung von Frank Castorf

und das Scheitern von Chris Dercon

noch einmal Revue passieren und beschrieb

die Not, aus der heraus er die wohl schwierigste

Entscheidung seiner Amtszeit hatte

fällen müssen − und dann las Pollesch aus

dem Papier vor. Ein Mangel an Selbstbewusstsein?

Man höre den ersten Satz: „Es

fehlt in Berlin ein Haus,das voneinem Autor

geleitet wird, mit dem auch eine bestimmte

Arbeitspraxis verbunden ist.“ Kein Zweifel,

dass dieser Autor er selbst ist, wie er im zweiten

Satz spezifiziert:„Diesem Autor,mit einer

singulären und weit über Berlin hinaus anerkannten

Aufführungs- und Produktionspraxis,

und mit ästhetischen Mitteln, die politische

Theorien in schlagkräftige Stücke und

Aufführungen verwandeln können, fehlt ein

Haus.“ Wo er recht hat, hat er recht.

Dieses Selbstbewusstsein ist bei Pollesch

nun aber keine überschäumende Selbstbesoffenheit

eines Genies,sonderneszeigt nur,

dass Pollesch sich vieler Mitarbeiter sicher

sein kann, die auf Augenhöhe mitschaffen,

mitschreiben, mitbestimmen werden −ohne

dass man das irgendwie ins Statut nehmen

müsste.Ernennt dann auch ein paar Namen,

aber noch lange nicht alle,essind ja noch zwei

Jahre Zeit bis zur ersten Spielzeit, die er verantwortet.

Da wären die Schauspielerinnen

und Schauspieler Martin Wuttke,Kathrin Angerer,

Fabian Hinrichs, Franz Beil und Christine

Groß −ein Jahr später wird auch Sophie

Rois hinzustoßen, die bis 2022 bei Ulrich

Khuon am Deutschen Theater unter Vertrag

steht. DenBegriff des Autors muss man übrigens

weit verstehen, es ist nicht jemand gemeint,

der einen Text aufschreibt, der einem

Regisseur ausgeliefert wird −imGegenteil,

das Theater,das Pollesch vorschwebt, ist eine

Kollaboration von vielen gemeinsam Theaterschaffenden:

Autoren und Schauspielern

zum Beispiel. Den Posten des Regisseurs

brauche kein Mensch, so Pollesch, der sei in

der Volksbühne wegzulassen. Klingt revolutionär,ist

aber an dem Haus nicht nur bei Pollesch,

sondern auch bei Schlingensief, Marthaler

und in gewisser Weise durch seinen

Umgang mit den Texten auch bei Castorfgängige

Praxis gewesen.

René Pollesch ist kein Trojanisches Pferd

Der erste Autor einer Inszenierung ist laut

Pollesch der Bühnenbildner, inseinem Fall

war das bis zu dessen TodBert Neumann.

Ihmsolle nun als Volksbühnen-Chefausstatterin

Ida Müller folgen. Zusammen mit VegardVinge

führte sie das Haus mit Totaltheaterorgien

über alle Grenzen der Belastung.

Deshalb setzt Pollesch soforthinzu, dass die

beiden die große Bühne nicht dauerhaft in

Beschlag nehmen werden, wie es beim Prater

der Fall war,sonderndass sie zwei repertoirefähige,

also auf- und abbaubare Inszenierungen

proSpielzeit erstellen werden.

Dazu kommen weitereKünstlerinnen wie

Leonie Jenning, Martha von Mechow, Florentina

Holzinger und Constanza Macras.

Ob welche von den alten Volksbühnenrecken

einschließlich Frank Castorf, Christoph

Marthaler oder Herbert Fritsch wieder auftauchen

werden, will Pollesch weder mit einem„Nein,

niemals“ noch mit einem„Ja, unbedingt“

beantworten. Er sei jedenfalls kein

Trojanisches Pferd, das in seinem Bauch die

alte Volksbühne wieder einschleusen will.

Der 1962 im hessischen Dorheim/Friedbergals

Sohn eines Hausmeisters und einer

Hausfrau geborene Pollesch macht einen

angstlosen, freudvollen und ideenreichen

Eindruck. Wir wissen nicht, was ihm vor so

einem Tagalles durch den Kopf gegangen

ist. Aber vielleicht erinnerte er sich an den

Taginden Achtzigern, als er den Schlüssel

zur Probebühne in der Universität Gießen

ausgehändigt bekommen hat, wo er von

1983 an acht Jahre lang studierte. Einen

Schlüssel für eine geschützte Welt, in der

Utopie in die Lebbarkeit überführt werden

kann. „Die Praxis ist die Message“, sagt er

später mindestens zweimal. Es war der

Schlüssel zum Prater, den er von 2001 bis

2007 leitete, mit dem er diese Utopie fortsetzte:

gemeinsam denken, lesen, schreiben

und ganz viel rauchen.

Die Praxis ist

die Botschaft

René Pollesch hat den Intendantenvertrag unterschrieben. Er gilt von 2021 bis 2026.

Mit René Pollesch an der Spitze könnte die Volksbühne ab Sommer 2021

wieder zu einem geschützten Ort gelebter Utopie werden. Auf dem Papier

ist von einem Theater für Autoren die Rede, gemeint ist ein Ort des

gemeinsamen Schaffens

VonUlrich Seidler

Natürlich sind alle zuerst auf ihn gekommen.

Sogar jene, die die Frank-Castorf-

Volksbühne abgewickelt haben, wollten mit

René Pollesch weiterarbeiten. Auch der Museumsmanager

Chris Dercon, den der damalige

Kulturstaatssekretär Tim Renner aus

dem Hut gezaubert hat, nachdem er mit gestalterischem

Schwung seine kurze Amtszeit

genutzt hatte,umder langen ÄraFrank Castorf

ein Ende zu setzen. „Ich mache dich

weltberühmt“, habe Dercon zu Pollesch gesagt,

vielleicht ist das nur eine Legende,aber

sie bringt die Diskrepanz zwischen dem abgehobenen

Dachmarken- und Jetset-Kunstbetrieb

und der traditionell mit dem besonderen

Ort und seiner Geschichte verbundenen

Volksbühne gut auf den Punkt. Schnee

von gestern. Manch einer meint, die Zerstörung

derVolksbühne und die Schadensbehebung

seien nötig gewesen, um Castorfüberhaupt

beerben zu können. Oder warum hat

Pollesch nicht gleich zugegriffen? Manmuss

sich auch klarmachen, was Pollesch aufgibt,

wenn er nun dieses Amt antritt und hinfort

nur noch zwei Stücke pro Saison am Haus

und eins außerhalb inszenieren will. Zurzeit

haut er ungefähr das Doppelte raus −insgesamt

sind es weit über 200 Stücke, die er auf

seine Weise in seiner Laufbahn zur Premiere

brachte. Erarbeitet überall in Deutschland,

der Schweiz und in Österreich. Überall hat er

seine Schauspieler,die sich auf die Arbeit mit

ihm freuen. Seine Neigung zur Wiederholung

−oder sagen wir zu einer spiralförmigenWiederkehr

der immer weiter brennenden Themen

und sich weiter zuspitzenden Widersprüche

−lässt sich über das Land verteilt vor

immer frischem Publikum unerschrockener

und ungestörter ausbreiten. Wird er mit dem

Machtzuwachs, der mit dem Aushalten und

BERLINER ZEITUNG/MARKUS WÄCHTER

Ausagieren von Konflikten einhergehen

wird, zurechtkommen? Hater, dessen Schaffenskraft

sich aus der Liebe speist, darauf

Bock? Auch weil er zwischenzeitlich deutlich

zu erkennen gab,dass er nicht als Intendant

zur Verfügung stehe,suchte Lederer weiter.

Der Senator brauchte eine Nachfolgelösung,

die von vielen mitgetragen werden

sollte nach dem kulturpolitischen Debakel

seiner Vorgänger. Bei einem im Juni vor einem

Jahr einberufenen Kongress wurden

von allen mehr oder weniger Eingeweihten

und Beteiligten alle denkbaren und undenkbaren

Anforderungen an einen neuen Volksbühnenchef

formuliert, sodass Lederer im

Schlusswort nur eins versprechen konnte.

„Wir werden zuhören. Irgendwann werden

wir dann auch zu einer Entscheidung kommen.

Und diese Entscheidung wird mit Sicherheit

ein Scheitern sein angesichts aller

Erwartungen hier. Die Frage ist nicht, ob wir

scheitern, sondern wie wir scheitern.“ Danach

herrschte ein Jahr Schweigen. Und als

die Zeit knapp wurde, ließ sich Lederer nicht

treiben, sondern verlängerte das Interim von

Klaus Dörr, den er 2018 als Geschäftsführenden

Direktor an dieVolksbühne geholt und im

April, nach Dercons Weggang, als kommissarischen

Intendanten eingesetzt hatte,umein

Jahr. Lederer dankte Dörr auf der Pressekonferenz

zu Recht. Er hat das zerlegte Haus wieder

auf die Beine gestellt, die Ensemblestellen

besetzt, einen Spielplan mit vielen Eigenproduktionen

aus dem Boden gestampft. Das

Haus ist wieder gut ausgelastet.

Klar wird jetzt auch genörgelt, werden

Stillstand und Nostalgie prophezeit. Dabei

lässt sich diese Personalie auch problemlos

als Meilenstein der Theatergeschichte deuten,

schließlich übernimmt erstmals jemand

aus dem Gießener Stall der Angewandten

Theaterwissenschaften die Verantwortung

für ein derart prominentes Stadttheater. Es

ist eine Bewährungsprobe für die Gießener,

die mit ihren nicht selten angeschwurbelten

ästhetischen und betrieblichen Innovationen

−von der Postdramatik bis zu kollektiven

Schaffenszusammenhängen −stets den

etablierten Betrieb angriffen.

Sicher wird erauch manchen zu alt, zu

weiß und zu männlich sein, abgesehen davon,

dass er aus dem Westen kommt −aber

diese Argumente sind bei Pollesch besonders

unbrauchbar, weil er selbst mit seiner

Arbeit sämtliche Majoritätenklischees thematisiert,

angreift und unterläuft. Er macht

eingeschliffene Unterscheidungen einfach

nicht mit, zum Beispiel auch die zwischen

Schauspielkunst und Performance.

Polleschs neue Artvon Theater,das strukturalistische

und antikapitalistische Thesen

sampelt und von betörenden Pop-Clips verschönert

wird, statt irgendwelche dramatischen

Konflikte abzurollen, wuchs als einer

der wenigen stetigen Stränge in die DNA des

Volksbühnenspielplans, dessen Charakter

unter Castorf und seinen häufig wechselnden

Dramaturgieabteilungen ständig mutierte.

Auf Pollesch war bei allem Hin und

Her Verlass − zum Beispiel auch was die

Kürze seiner Theaterabende anging. Natürlich

ging das nur, und das ist Pollesch bewusst,

mit diesen Schauspielern, die zum

großen Teil durch die Wechselbäder von

Frank-Castorf-Inszenierungen mit ihren

Brennkammern und Abklingbecken gegangen

sind und die so gestählt Polleschs Theoriegebirge

mit Leben füllen können. Bei denen

kann man sehen, wie das Denken in Widerspruchsbeulen

unter der Kopfhaut durch

die Hirnwindungen wandert. Es gibt nichts

Frohlockenderes als die Augen von Menschen,

die gerade etwas denken, was sie

knapp überfordert. Und genauso wird aus

dem Saal zurückgeguckt. Pollesch war in den

härtesten Krisenzeiten ein Anker für das

Volksbühnenpublikum. Er kann es bleiben.

Die Schauspieler lieben ihn

Bei allen Gemeinsamkeiten, was Coolness,

politische Haltung und Mainstream-Widerstand

angehen, sind Pollesch und Castorf in

vielem künstlerische und auch charakterliche

Antipoden. Dass sie miteinander konnten,

war auch Castorfs Führungsstil zu verdanken:

Statt sich davor zu fürchten, Konkurrenten

ans Haus zu holen, war Castorf

sich in der eigenen Grandiosität stets dermaßen

bewusst, dass er es gar nicht nötig hatte,

sich für die Sachen zu interessieren, die die

anderen Regisseure anseinem Haus fabrizierten.

Stattdessen überließ er sie ungeschützt

seinen hochgezüchteten Schauspielern,

was im Fall von Sebastian Hartmann,

Johann Simons oder auch Dimiter Gotscheff

auch mal schiefging.

Pollesch allerdings lieben die Schauspieler.

Der kommune, immer auch von Rücksicht

und Zuwendung durchseelte Geist der

Proben,die Utopie desgemeinsamen Schaffens

und Lebens durchweht immer auch beglückend

die Vorstellungen und herüber ins

Publikum.Vielleicht schafft er es, diese Utopieder

freundschaftlichen und hingebungsvollen

Produktionsverhältnisse auf das

ganze Haus zu vergrößern. Es zu füllen mit

fröhlichem Kopfzerbrechen, mit rauschhafter

moralischer Selbstzermarterung zwischen

den Verheißungen und Abgründen

von Liebe, Ökonomie und Repräsentation.

Was woanders unter Kopfschmerzen und

Humorlosigkeit krampfhaft implementiert

werden muss,steht beiPolleschlängstinder

Blüte schönster Selbstverständlichkeit: Feminismus,

Antirassismus, Genderfreiheit −

immer dialektisch reflektiert ohne inMutlosigkeit

zu verfallen. DerVolksbühnenschlüsselkommtinguteHände.

Ulrich Seidler

sitzt seit 1992 in Stücken von

René Pollesch und langweilt sich nie.


4** Berliner Zeitung · N ummer 134 · D onnerstag, 13. Juni 2019

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Politik

NACHRICHTEN

Einwohnerzahl im Osten

auf dem Stand von 1905

DieEinwohnerzahl Ostdeutschlands

ist einer Studie zufolge auf den Stand

des Jahres 1905 gesunken. Zugleich

leben auf dem Gebiet der alten Bundesrepublik

heute so viele Einwohner

wie nie zuvor,wie aus der Studie

des Dresdner ifo-Instituts hervorgeht.

„Die Einwohnerzahlen beider

Landesteile driften trotz Wiedervereinigung

nahezu ungebremst auseinander“,

erklärte Autor Felix Rösel.

„Die anhaltende Wucht der deutschen

Teilung wirdbis heute in der

Öffentlichkeit völlig unterschätzt“,

fügte Rösel hinzu. (AFP)

LKA-Waffen von Polizisten

für die Prepper-Szene?

Drei aktivePolizisten und ein ehemaliger

Beamter des Spezialeinsatzkommandos

Mecklenburg-Vorpommernsind

am Mittwoch wegen Verstoßes

gegen das Kriegswaffenkontrollgesetz

festgenommen worden.

DieStaatsanwaltschaft Schwerin

wirft ihnen vor, sich Munition aus

den Beständen des Landeskriminalamts

beschafft zu haben. Diese hätten

sie einem weiteren Beschuldigten

überlassen, der Kontakt zur

Prepper-Szene haben soll. (dpa)

SPD-Vize hält Lafontaines

Idee für wenig aussichtsreich

SPD-VizeRalf Stegner hält die Idee

Oskar Lafontaines für eine Fusion

vonSPD und Linke für nicht aussichtsreich.„Dass

solche Überlegungen

auf absehbareZeit wenig Aussicht

auf Erfolg haben, liegt nicht zuletzt

an Oskar selbst“, sagte er.„Das

ändertnichts daran, dass progressive

Bündnisse diesseits der Union erstrebenswertsind.“

Dafür müssten alle

betroffenen Parteien ihrepolitischen

Hausaufgaben machen.„Das gilt in

erster Linie für uns selbst, aber auch

für Grüne und Linkspartei.“ (pet.)

Proteste in Hongkong gegen

Gesetz zu Auslieferungen

Demonstranten in Hongkong bei den Auseinandersetzungen

mit der Polizei AFP

Beineuen Protesten in Hongkong

gegen das kontroverse Gesetz für

Auslieferungen nach China ist es zu

schweren Zusammenstößen mit der

Polizei gekommen. DieSicherheitskräfte

gingen mit Tränengas,Pfefferspray,Wasserwerfern,

Gummigeschossen

und Schlagstöcken gegen

Tausende vor, die den Legislativrat

und mehrereStraßenzüge belagert

hatten. Demonstranten rissen Absperrgitter

ein und bewarfen Polizisten

mit Gegenständen. Wegen der

Blockade des Parlaments musste die

geplante Debatte über das Gesetz

auf einen unbestimmten Zeitpunkt

verschoben werden. (dpa)

Justizminister wollen

Abschiebegesetz stoppen

DieJustizminister der Länder haben

sich am Mittwoch im Rechtsausschuss

des Bundesrates dafür ausgesprochen,

das sogenannte Geordnete-Rückkehr-Gesetz

vonCSU-

Bundesinnenminister Seehofer zu

stoppen und den Vermittlungsausschuss

anzurufen. Es sieht tiefgreifende

Veränderungen im Asyl- und

Aufenthaltsrecht vor. (mre.)

VonAndreas Niesmann, Meyenburg

Erist auch mit 75 Jahren immer

noch für eine Überraschung

gut. Da steht GerhardSchröder,der

letzte lebende

Altkanzler der Bundesrepublik,

ein Mann, der für alles, aber

nicht für seine Bescheidenheit berühmt

geworden ist, und beginnt

sein Statement mit einem Geständnis.

„Wissen Sie“, sagt er, „meine

handwerklichen Fähigkeiten sind

sehr begrenzt.“

Schröder ist nach Meyenburg in

der Prignitz gekommen. Gut 2 000

Einwohner, ein großer Arbeitgeber,

das Meyenburger Möbelwerk. Rund

450 Mitarbeiter arbeiten in dem früheren

volkseigenen Betrieb. Sie stellen

Produkte her,die nahezu jeder in

Deutschland kennt: das Regal Billy

und die Kommode Malm –gefertigt

im Auftrag des Möbel-Giganten Ikea.

Billy,sagt Schröder anerkennend,

sei nicht nur das berühmteste Bücherregal

derWelt, sondernauch Teil

seiner persönlichen Lebensgeschichte.

„Es ist das einzige Möbelstück,

das ich jemals selbst erfolgreich

zusammengeschraubt habe.“

Beim Ikea-Schuhschrank, den er danach

in Angriff genommen habe,sei

er gescheitert, sagt Schröder und

grinst. „Da schauten die Schrauben

am Ende oben aus der Platte raus.“

Ehefrau Soyeon Schröder-Kim

muss lachen. „Wie gut“, sagt sie,

„dass wir uns unsereSchuhschränke

haben liefernlassen. Da konntest du

sie nicht kaputtmachen.“

40,9 Prozent.Für die SPD

Nun steht zu vermuten, dass die in

Meyenburg gefertigten Möbel nicht

ganz der Preisklasse entsprechen, in

der Schröders sich einzurichten pflegen.

Aber die beiden sind auch nicht

zum Möbelshoppen nach Brandenburg

gefahren. Der Altkanzler will

Wahlkampf machen. Am 1. September

wird ein neuer Landtag gewählt.

Ausweislich jüngster Umfragen

würde die SPD auch bei dieser Wahl

schwer unter die Räder kommen. Bei

18 Prozent taxieren die Demoskopen

die mit der Linkspartei regierenden

Sozialdemokraten noch, es wäre ein

Absturzumfast 14 Prozentpunkte.

In ihrer Not greifen die Genossen

gerade nach jedem Strohhalm und

natürlich ist ihnen da auch die Unterstützung

des Altkanzlers hoch

willkommen. Immerhin ist Schröder

Auf zum letzten Gefecht

Gerhard Schröder macht in Brandenburg Wahlkampf für seine gebeutelte Partei

Gerhard Schröder am Mittwoch im brandenburgischen Meyenburg

„Die aktuellen Umfragezahlen der

Brandenburger SPD haben nichts mit

Landespolitik zu tun.“

Altkanzler Gerhard Schröder spricht den Genossen in der Mark Mut zu.

Trauma Treuhand

DPA

einer, der noch Wahlen für die SPD

gewonnen hat. Und wie. Seine 40,9

Prozent bei der Bundestagswahl

1998 wirken für die Genossen heute

wie Ergebnisse aus einer anderen

Galaxie. „Schröders Rat ist immer

noch gefragt“, sagt die Vizevorsitzende

der brandenburgischen SPD

Katrin Lange, die den Besuch eingefädelt

hat. „Vielleicht hat er ja auch

einen für uns.“ Und Schröder, neue

Bescheidenheit hin oder her,hat natürlich

einen. Vereinfacht gesagt reichen

ihm dafür fünf Worte: Ganz auf

den Ministerpräsidenten setzen.

Die Umfragezahlen hätten nichts

mit Landespolitik zu tun, referiert

Schröder. „Im Gegenteil –Dietmar

Woidke ist ein hervorragender Ministerpräsident,

der ausgesprochen

gute Politik für sein Bundesland

macht“, sagt der Altkanzler. Das

müsse man nun herausstellen, dann

klappe es auch mit der Wiederwahl.

Die Glaubwürdigkeit entscheidet

Unddas Rezept für die SPD im Bund?

Da muss Schröder länger grübeln. Er

weiß, dass es manche gibt, die auch

ihm und seiner Agendapolitik eine

Verantwortung für den aktuellen Zustandder

Sozialdemokratie zuschreiben.

Auch Schröders offene Attacke

gegen Andrea Nahles hat ihm manch

ein Genosse übel genommen. „Amateurfehler“

hatte er der damaligen

SPD-Chefin Anfang des Jahres vorgeworfen

und ihre Wirtschaftskompetenz

infrage gestellt.

Inzwischen ist Nahles zurückgetreten,

die Probleme der SPD sind

aber geblieben. Dazu will Schröder

nichts mehr sagen, „das ist doch

schon Parteigeschichte“, findet er.

Auch mit Ratschlägen an die Übergangsführung

hält er sich zurück.

„Ich habe mich früher immer geärgert,

wenn die Altvorderen Ratschläge

gegeben haben.“ Die Partei

müsse sich nun hinter dem kommissarischen

Trio versammeln.

Aber die Frage, wie die SPD nun

aus der Krise kommen kann, die beschäftigt

ihn dann doch. „Glaubwürdige

Politik, gemacht von glaubwürdigen

Leuten“, sagt Schröder

schließlich, „das ist die einzige Möglichkeit,

die man hat.“

Andreas Niesmann hat zehn ehemaligeSPD-Chefs

nach Wegenaus

der Krise gefragt –ohne Ergebnis.

DieLinke stellt einen Antrag auf Einsetzung eines Untersuchungsausschusses. Ob SPD und Grüne mitmachen, ist ungewiss

VonMarkus Decker

Die Linksfraktion im Bundestag

wird inder letzten Sitzungswoche

vorder Sommerpause einen Antrag

ins Parlament einbringen mit

dem Ziel, einen Untersuchungsausschuss

zur Arbeit der Treuhandanstalt

einzusetzen. Der Antrag liegt

der Berliner Zeitung (Redaktionsnetzwerk

Deutschland) vor. Die Abstimmung

dürfte nach der parlamentarischen

Sommerpause Anfang

September folgen.

Linksfraktionschef Dietmar

Bartsch sagte: „Ich forderealle Abgeordneten

ostdeutscher Wahlkreise

auf, in der Sommerpause vorOrt genau

hinzuhören, was die Bürgerinnen

und Bürger von unserem Vorstoß

halten. Werunseren Antrag ablehnt,

braucht gute Argumente, um

den Menschen erklären zu können,

warum der Bundestag nicht in die

Treuhandakten schauen soll.“

„Lackmustest für Ostkompetenz“

Auftrag: DieTreuhand hatte

eine zentraleRollebei der

Umwandlung der DDR-Planwirtschaft

in eine Marktwirtschaft.

Am 1. März 1990 beschlossder

DDR-Ministerrat

unterder letzten SED/PDS-

Regierung die treuhänderische

Verwaltung des Volkseigentums.

MitteJuni beschlossdie

Volkskammer das

Gesetzzur Gründung derTreuhandanstalt

zur Privatisierung

„Volkseigener Betriebe“.

Bartsch hofft vor allem darauf, dass

sich Grüne und SPD einen Ruck gäben

und eine parlamentarische Untersuchung

nicht blockierten, fügte

er hinzu. Für die Grünen werdeihre

Entscheidung in der Frage „zu einem

Lackmustest ihrer Ostkompetenz“.

Viele Wunden seien nicht geheilt,

viele Ostdeutsche wollten eine Aufarbeitung,

so der Fraktionschef. Jetzt

öffneten sich die Archive, und es

werde„nach 30 Jahren höchste Zeit,

Fehler auch als Fehler zu benennen“.

Er betonte: „Die Treuhand-Aufarbeitung

gehört ins Hohe Haus der Poli-

DIE ANSTALT

Bilanz: Der Unternehmensbestand

im Jahr 1990 von

rund 8500 Betrieben erhöhte

sich im Laufe der Zeit

durch Firmenentflechtungen

auf rund 14 000. In Spitzenzeiten

waren bei der Treuhand

mehr als 4500 Mitarbeiter

tätig.Mehr als 3500

Firmen wurden abgewickelt.

Ende 1994 wurde die Treuhand

aufgelöst. Sie schloss

mit einem Fehlbetrag von

rund 250 Milliarden D-Mark.

Literatur: Der Zeithistoriker

Marcus Böick wurde in

Aschersleben geboren und

wuchs in Hettstedt in Sachsen-Anhalt

auf. 2004 zog er

nach Bochum und lehrtdort

an der Ruhr-Universität. Der

Mittdreißiger hat über die

konträren Sichten auf die

Treuhand das Buch „Die

Treuhand. Idee –Praxis –Erfahrung“

(Wallstein Verlag,

767 Seiten, 79 Euro) geschrieben.

tik.“ Dies könne helfen, die Ost-Gesellschaft

30 Jahrenach dem Mauerfall

zu befrieden.

Die Treuhandanstalt hatte in der

ersten Hälfte der 1990er-Jahredie gesamte

ehemalige DDR-Wirtschaft

privatisiert. Dabei waren Tausende

Betriebe geschlossen worden. DieArbeitslosenquote

schoss in die Höhe.

In manchen Fällen gab es Korruption.

Bartsch hatte die Idee eines Untersuchungsausschusses

im Aprilins

Gespräch gebracht und damals angekündigt,

mit allen anderen Fraktionen

außer der AfD darüber sprechen

zu wollen. Anschließend hatte

sich allein die AfD der Forderung angeschlossen.

Sozialdemokraten und

Grüne hielten sich bedeckt. Für die

Einsetzung eines solchen Gremiums

müssten mindestens 25 Prozent der

Bundestagsabgeordneten votieren.

Die Stimmen von Links- und AfD-

Fraktion allein würden dafür nicht

ausreichen.

Praktische Probleme

Gesetztden Fall, ein Untersuchungsausschuss

im Bundestag würde

kommen, stünde er vor enormen

praktischen Problemen. Nach Angaben

des Sprechers des Bundesarchivs,

Tobias Herrmann, gibt es

Treuhandakten voninsgesamt 45 Kilometern

Länge. Die Sichtung hat

2016 begonnen und soll erst 2024 abgeschlossen

sein. Zudem gelten für

die Akten im Prinzip Schutzfristen

von 30 Jahren, die zwar verkürzt,

aber auch auf bis zu 60 Jahreverlängertwerden

können, wenn Betriebsoder

Geschäftsgeheimnisse berührt

sind.

„Revolution

Chemnitz“

wollte Umsturz

Ermittler: Waffeneinsatz am

3. Oktober in Berlin geplant

Die mutmaßlichen Rechtsterroristen

der Gruppe „Revolution

Chemnitz“ strebten nach aktuellen

Erkenntnissen der Ermittler den

Sturz der Bundesregierung und die

Beseitigung des Rechtsstaats an. Für

den 3. Oktober 2018 geplante Gewaltaktionen

in Berlin sollten dafür

nur der Auftakt sein, wie aus einem

Beschluss des Karlsruher Bundesgerichtshofs

hervorgeht. Langfristig

sollten demnach „weitere Gewaltakte

folgen“. Dabei wollte die

Gruppe dann auch „normale Bürger“

und die Polizei einbeziehen, um

einen „Systemwechsel“ herbeizuführen.

In Berlin sollten demzufolge

bereits Schusswaffen zum Einsatz

kommen, die Mitglieder hätten sich

um deren Beschaffung bemüht.

Mit dem Beschluss vom 7. Mai

ordnet der BGH gegen sechs der insgesamt

acht festgenommenen Männer

weiter Untersuchungshaft an.

Laut Bundesanwaltschaft sitzen

auch die anderen beiden noch in U-

Haft. Der Generalbundesanwalt war

kurzvor dem Tagder Deutschen Einheit

am 1. Oktober gegen die Gruppe

vorgegangen. Anklage ist noch nicht

erhoben.Wasgenau in Berlin passieren

sollte, scheint nach wie vor unklar.„Ob

die Gruppe bereits ein konkretes

Vorhaben –und gegebenenfalls

welches –ins Auge gefasst hatte,

ist nicht bekannt“, heißt es dazu.

Diesechs Männer sind den Angaben

zufolge allesamt führende Köpfe

der Hooligan-, Skinhead- und Neonazi-Szene

im Raum Chemnitz. Die

Ermittler glauben, dass es ihnen

durch ihreguteVernetzung auch über

Aufmarsch der rechtsextremen Jungen Nationaldemokraten

am 1. Juni in Chemnitz DPA

die Stadt hinaus möglich gewesen

wäre, für bestimmte ,Aktionen‘ eine

größereZahl vonAnhängernund Aktivisten

zusammenzubringen“. Die

Rechtsextremen organisierten sich

laut dem Beschluss über den Messenger-Dienst

Telegram in einer Gruppe

namens„Planung der Revolution“.

Probelauf mit Schlaghandschuhen

Die Führung übernahm den Angaben

zufolge Christian K., der auch

„maßgeblicher Ideengeber“ gewesen

sei. In einem „Einführungstext“

im Chat schrieb er, die Gruppe solle

sich nicht mit kleineren Auseinandersetzungen

mit dem politischen

Gegner begnügen, sondern „effektive

Schläge gegen Linksparasiten,

Merkel-Zombies, Mediendiktatur

und deren Sklaven“ führen. Alle Beschuldigten

hätten im September ihr

Einverständnis dazu erklärt.

DieErmittler sehen einen Zusammenhang

zu den fremdenfeindlichen

Übergriffen und Protesten in

Chemnitz nach dem gewaltsamen

Todeines 35-jährigen Deutschen am

Rande eines Stadtfestes im August.

„Den Beschuldigten ging es darum,

die Unruhen in C. im September

2018 zu nutzen, um mit gewaltsamen

Aktionen am 3. Oktober 2018 in

Berlin einen Systemwechsel im

Sinne ihrer rechtsradikalen Ideologie

einzuleiten“, heißt es in dem Beschluss.

Ein Angriff auf Ausländer in

Chemnitz am 14. September mit

Schlaghandschuhen und Glasflaschen

soll als „Probelauf“ gedacht

gewesen sein. (dpa)


Berliner Zeitung · N ummer 134 · D onnerstag, 13. Juni 2019 5 *

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Politik

Jeder zehnte Einwohner in Deutschland führtnur einmal im Monat oder seltener ein persönliches Gespräch.

IMAGO IMAGES

Die große Leere

Fastjeder zehnte Mensch in Deutschland fühlt sich einsam. Vorallem junge Leute sehen sich zunehmend betroffen. Die Politik will sich des Problems annehmen

VonRasmus Buchsteiner

und Christian Burmeister

Viele Menschen in Deutschland

fühlen sich einsam.

Sie führen oft nur einmal

im Monat oder seltener ein

persönliches Gespräch. Laut einer

Studie des Kölner Instituts der deutschen

Wirtschaft (IW) ist ihre Zahl

zwar leicht rückläufig –liegt aber immer

noch im Millionen-Bereich. Was

unternimmt die Politik?

Knapp jeder Zehnte in Deutschland

fühlt sich einsam. Das geht aus

der IW-Studie mit 30 000 Befragten

hervor, die der Berliner Zeitung (Redaktionsnetzwerk

Deutschland) vorliegt.

„Ein Vergleich der Daten von

2013 und 2017 zeigt, dass der Anteil

derjenigen, die angeben, sehr oft oder

oft einsam zu sein, kleiner geworden

ist“, heißt es in der Untersuchung.

„2013 gaben 10,5 Prozent an, einsam

zu sein, vier Jahre später sind es 9,5

Prozent.“ 60 Prozent derer, die sich

einsam fühlten, waren 2017 Frauen,

40 Prozent Männer. Zwischen OstundWestdeutschland

gibt es laut Studie

kaum Unterschiede.

„Ein Viertel der Befragten gibt in

2017 einen schlechteren Wert an als

2013, fast ein Drittel gibt einen besseren

Wert an und etwa 44 Prozent

zeigen keine Veränderung“, so die

IW-Forscherinnen Anja Katrin Orth

und Theresa Eyerund: „Die Entwicklung

zeigt, dass von einer massenhaften

Zunahme des Problems im

betrachteten Zeitraum keine Rede

sein kann.“

Trotz Partnerschaft allein

Diagnose: Mit Verweis auf

wissenschaftliche Studien

schreibt die Bundesregierung

im Mai, dass insbesondere

soziale Isolation Auftreten

und Verlauf chronischer

Krankheiten ungünstig beeinflusse.

RISIKOFAKTOR

Folgen: So zeigten sich Zusammenhängefür

Bluthochdruck

und andere Risikofaktoren

für Herz-Kreislauf-Erkrankungen,

chronische Lungenerkrankungen

sowie

psychische Erkrankungen

und Demenz.

Maßnahmen: Die Regierung

verweist unter anderem auf

die Mehrgenerationenhäuser,für

die bis 2020 jährlich

17,5 Millionen Euro bereitstünden.

Insgesamt gibt es

davonbisher rund 540 in

Deutschland.

Allerdings: Der Anteil der „einsamer

Gewordenen“ ist in der Gruppe der

20- bis 29-Jährigen besonders hoch:

„Hier geben 29 Prozent einen

schlechterenWert an als 2013: Damit

ist die Entwicklung hier stärker als

bei den über 60-Jährigen, bei denen

26 Prozent eine Verschlechterung

angeben.“ Für diesen Befund gebe es

zahlreiche Erklärungen: „Beispielsweise

finden in diesem Alter häufiger

der Auszug aus dem Elternhaus oder

die Aufnahme einer Ausbildung

statt.“

Einsamkeit sei eine wahrgenommene

Diskrepanz zwischen gewünschten

und tatsächlichen sozialen

Beziehungen. Es gelte jedoch:

„Menschen, die allein leben oder nur

wenige Freunde haben, fühlen sich

nicht zwangsläufig einsam.“ Als

mögliche Einflussfaktoren für Einsamkeit

nennt die Studie unter anderem

Familienstand, Erwerbsstatus

und Migrationshintergrund.

DerAnteil der Einsamen war 2017

bei Menschen, die in einer Ehe oder

festen Partnerschaft lebten, mit acht

Prozent am geringsten. Bei den Singles

waren es elf Prozent, bei Verwitweten

17 Prozent. BeiNicht-Erwerbstätigen

liegt der Anteil derer,die angeben,

einsam zu sein, mit 13,1 Prozent

deutlich über dem Gesamtdurchschnitt.

Einweiterer Befund: BeiEinwanderern

ist der Anteil derer, die

sich einsam fühlen, mit 15 Prozent

überproportional hoch. Zum Vergleich:

Bei Menschen ohne Migrationshintergrund

sind es 8,2 Prozent.

Karl Lauterbach, Gesundheitsexperte

der SPD im Bundestag, fordert

schon länger einen Einsamkeits-Beauftragten

der Bundesregierung.

„Dass sich immer mehr junge Menschen

einsam fühlen, ist alarmierend.

Denn die Wahrscheinlichkeit,

dass sie einsam bleiben, ist leider

hoch. UndStudien zeigen, dass Einsamkeit

einen negativen gesundheitlichen

Effekt hat“, sagte er. „Ein

Einsamkeits-Beauftragter müsste

bei allen Gesetzen in der Gesundheits-,

Sozial-, oder Baupolitik prüfen,

ob das Thema ausreichend berücksichtigt

wurde.“ Laut Lauterbach

diskutiert die große Koalition

intern über ein solches Amt. Noch

sei aber nichts spruchreif, so der Politiker.

InGroßbritannien wurde bereits

ein Regierungsposten geschaffen,

um gegen Probleme infolge von

Einsamkeit vorzugehen.

Ulrich Lilie, Präsident des evangelischen

Wohlfahrtsverbands Diakonie,sagte:„Inunserer

Seelsorge ist

Einsamkeit ein Riesen-Thema.“ Das

Phänomen sei vor allem Folge dessen,

was die Gesellschaft auch erfolgreich

mache: soziale und berufliche

Mobilität und Flexibilität. „Einsamkeit

ist die Kehrseite dieser Medaille“,

so Lilie. Bei einem Umzug

koste es Kraft und Zeit neue soziale

Netzwerke zu knüpfen. Dies gelinge

nicht immer. Lilie: „Es gibt spezielle

Risiken: Wer beispielsweise längerfristig

erkrankt, in Berlin arbeitet, in

Brandenburg wohnt und dessen Familie

in Dortmund oder Niedersachsen

lebt, bei dem kann das soziale

Netz schnell reißen.“

Soziale Netzwerke helfen nicht

Voneinem Beauftragtem für Einsamkeit,

wie ihn Lauterbach fordert, hält

Lilie eher wenig: „Ein Feigenblatt bei

diesem Thema nützt nichts.“ Vielmehr

müsse die ganze Gesellschaft

sensibilisiert werden. Wichtig sei,

dass die Menschen lernten, in echten

Kontakt zueinander zu treten. „Soziale

Netzwerke helfen da kaum.

Menschen wollen mit allen Sinnen

wahrgenommen werden.“ Das Lernen

von „echten“ Begegnungen geschehe

in der Familie, der Schule,

aber auch kirchlichen und kommunalen

Begegnungsstätten oder in

Sportvereinen. „Leider stehen einige

dieser Orte immer stärker unter

Druck, diese Form des sozialen Lernens

wirddann immer schwieriger.“

Harte Strafen für Flüchtlingsretter im Mittelmeer

Die italienische Regierung droht Hilfsorganisationen hohe Geldbußen an, falls deren Schiffe ohne Genehmigung in die Hoheitsgewässer und Häfen einlaufen

VonRegina Kerner,Rom

Italien geht künftig noch schärfer

gegen private Flüchtlingsretter im

Mittelmeer vor. Für Schiffe, die ohne

Erlaubnis in seine Gewässer oder Häfen

einfahren, werden Geldstrafen

zwischen 10 000 und 50 000 Euro fällig

–und zwar sowohl für den Kapitän,

wie auch für den Eigner und die Reederei.

Bei wiederholten Verstößen

wird das Schiff beschlagnahmt. Die

Populisten-Regierung in Romeinigte

sich am Dienstagabend auf ein weiteres

sogenanntes Sicherheits-Dekret

des rechten Innenministers, Vize-

Premiers und Lega-Chefs Matteo Salvini,

das die Neuregelungen enthält.

Zwar ist darin nicht ausdrücklich von

den Schiffen der Hilfsorganisationen

die Rede, die vor Libyen Migranten

aus dem Meer retten. Gegen sie richtet

es sich aber in erster Linie.

Seit einem Jahr propagiert Salvini

seine Politik der „geschlossenen Häfen“

für Flüchtlinge und Seenotretter.

Hilfsorganisationen wirft er vor,

Schleppern und Menschenhändlern

in die Hände zu spielen oder gar gemeinsame

Sache mit ihnen zu machen.

Wiederholt kam es zu Kraftproben,

als Rettungsschiffe trotzdem italienische

Häfen ansteuerten. Flüchtlinge

saßen tagelang auf dem Meer

fest, bevor Salvini sie an Land ließ –

stets unter der Bedingung, dass andereLänder

sich zur Aufnahme bereit

erklärten.

Ermittlungen gegen Kapitän

Zuletzt hatte die deutsche Hilfsorganisation

Sea-Watch trotz Verbots Italien

angesteuert. Gegen den Kapitän

des Rettungsschiffs „Sea-Watch 3“

wirdnun wegen Beihilfe zur illegalen

Einwanderung ermittelt. Künftig will

Italien auch verstärkt Abhöraktionen

und verdeckte Ermittler einsetzen,

um gegen Schleuser vorzugehen.

Das könnte auch Hilfsorganisationen

treffen.

„Habemus Decretum“, sagte

Vize-Premier Salvini, als er am

Dienstag nach der Sitzung des Ministerrats

verkündete, die Verschärfungen,

die er vorangetrieben hatte,

seien verabschiedet. Die Anspielung

auf die –oft langwierige –Kür eines

Das Rettungsschiff „Sea-Watch 3“ steuerte mehrfach Häfen in Italien an.

IMAGO IMAGES

kommt. Er kann jetzt die Ein- und

Durchfahrt von Schiffen verbieten,

was bisher Verkehrsminister Danilo

Tonninelli vorbehalten war. Eshatte

deshalb mehrfach Gerangel zwischen

Salvini und dem Fünf-Sterne-

Politiker sowie Conte gegeben.

Seit Salvini mit seiner fremdenfeindlichen

Lega bei der Europawahl

Papstes hatte wohl den Hintergrund,

dass sich sein Regierungspartner,die

Fünf Sterne, wie auch der parteilose

Premier Giuseppe Conte vorder Europawahl

gegen Teile des Dekrets gestellt

hatten. Zumeinen wegen Zweifeln

an der Verfassungsmäßigkeit.

Zumanderen, weil Salvini als Innenminister

die volle Kompetenz betriumphiert

hat, hat sich das Kräfteverhältnis

aber klar zu seinen Gunsten

verschoben. Und so stimmten

Conte und Fünf-Sterne-Chef Luigi

Di Maio dem Dekret nun zu. Es muss

noch das Parlament durchlaufen, wo

Lega und Fünf Sterne die Mehrheit

haben.

Im November hatte Salvini bereits

sein erstes „Sicherheits-Dekret“

durchgeboxt, mit dem das Asylrecht

stark eingeschränkt wurde. Am

Dienstag zählte er stolz die Bilanz

seiner Hardliner-Politik auf: 85 Prozent

weniger Flüchtlingsschiffe

seien innerhalb eines Jahres nach

Italien gekommen, 50 Prozent weniger

Anträge auf politisches Asyl gestellt

worden. Und 55000 „Gäste“

weniger lebten auf Kosten der italienischen

Steuerzahler, soder Minister

sarkastisch.

Die Hilfsorganisationen SOS

Mediterranée und Ärzte ohne Grenzen

erinnerten am Mittwoch an die

dramatischen Folgen dieser Politik.

Seit Italien vor einem Jahr seine Häfen

für zivile Rettungsschiffe geschlossen

habe, seien mindestens

1151 Männer,Frauen und Kinder im

zentralen Mittelmeer ertrunken.

Mehr als 10 000 weitere Migranten

seien auf See abgefangen und ins

Bürgerkriegsland Libyen zurückgezwungen

worden.

Verstoß gegen internationales Recht

Vorden Folgen des jetzt beschlossenen

Dekrets hatte im Mai die Uno

gewarnt. Es sei nicht vereinbar mit

internationalem Recht und gefährde

die Menschenrechte, hieß es in einem

zwölfseitigen Schreiben an die

italienische Regierung. Es kriminalisiere

Hilfsorganisationen und heize

das ausländerfeindliche Klima gegen

Migranten an.

Die Retter von Sea-Watch, die

derzeit mit dem Schiff„Sea-Watch 3“

vor Libyen imEinsatz sind, lassen

sich von Salvinis Abschreckungstaktik

nicht beeindrucken. „Wenn Menschen

in Seenot sind, ist das internationale

Recht sehr klar darüber, was

zu tun ist“, sagte ihr Sprecher Ruben

Neugebauer der dpa. „Unterlassene

Hilfeleistung ist eine Straftat und für

uns keine Option.“


6* Berliner Zeitung · N ummer 134 · D onnerstag, 13. Juni 2019

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Wirtschaft

DAX-30 in Punkten

13.3.19

13.3.19

MÄRKTE

▼ 12115,68 (–0,33 %)

Rohöl je Barrel Brent in US-Dollar

Euro in US-Dollar

13.3.19

Stand der Daten:12.06.2019 (21:50 Uhr)

Alle Angaben ohne Gewähr

Gewinner

12.6.19

▼ 59,80 (–3,64 %)

12.6.19

▲ 1,1323 (+0,03 %)

Quelle

aus DAX und MDAX vom 12.06. zum Vortag

Axel Springer vNA

12.6.19

62,45 +11,52 WWWWWWWWWWW

Henkel Vz. 86,82 +2,70 WWW

Evotec 22,46 +2,65 WWW

MorphoSys 87,15 +1,93 WWW

CarlZeissMeditec 89,95 +1,64 WW

Metro St. 14,81 +1,47 WW

Verlierer

aus DAXund MDAX vom12.06.zum Vortag

Fresenius 45,32 WWWW –3,12

Fresenius M. C. St. 65,64 WWWW –2,96

Dt. Pfandbriefbank 10,70 WWW –2,82

Siltronic NA 62,14 WWW –2,60

HeidelbergCement 68,00 WWW –2,19

Wacker Chemie 74,30 WWW –2,11

Leitbörsen imÜberblick

52-Wochen Hoch/Tief 12.06. ±% z. 11.06.

Euro Stoxx 50 (EU) –0,43

3541/2909 3386,63

CAC 40 (FR) – 0,62

5601/4556 5374,92

S&P UK (UK) – 0,37

1569/1323 1492,10

RTS (RU) +0,57

1348/1033 1343,33*

IBEX (ES) –0,47

9986/8286 9238,50

Dow Jones (US) –0,20

26952/21713 25995,50

Bovespa (BR) +0,60

100439/69069 98954,75

Nikkei (JP) – 0,35

24448/18949 21129,72

Hang Seng (HK) –1,80

30778/24541 27274,90

Stx Singap. 20 (SG) –0,21

1635/1350 1547,11

Sparbriefe und

langfristigeAnlagen 5.000 Euro

Kundenkontakt 3Jahre 5Jahre 8Jahre

Crédit Agricole **

ca-consumerfinance.de 1,31 1,41 -

abcbank

abcbank.de 1,15 1,20 -

akf bank **

akf.de 1,05 1,20 1,20

Ziraat Bank

ziraatbank.de 1,05 1,20 -

VTB Direktbank

vtbdirekt.de 1,00 1,20 1,20

Targobank

targobank.de 0,60 1,10 -

Santander

santander.de 0,60 0,90 1,22

ING

ing.de 0,07 0,12 -

Deutsche Bank

deutsche-bank.de 0,05 0,05 0,30

Postbank

postbank.de - - -

Isbank

isbank.de 1,00 1,15 -

PSD Berlin Brandenburg

psd-bb.de - - 0,40

Mittelbrandenburgische Sparkasse

0331/898989 0,01 - 0,01

Berliner Sparkasse

030/86986969 - - -

Sparda-Bank Berlin

030/42080420 - - -

Mittelwert von 80 Banken 0,74 0,94 0,89

*Neukundenangebot

** Einlagensicherung 100.000 Euro

ERLÄUTERUNGEN Wechselnde Darstellung: Tagesgeld (Dienstag), Ratenkredit

(Mittwoch),Sparbriefe (Donnerstag), Festgeld (Freitag), Baudarlehen (Samstag).

Quelle:FMH-Finanzberatung

Aktienkursund Dividendefasthalbiert: Für ProSiebensat.1-Chef Max Conze stehen die Vorzeichen fürdie Hauptversammlung nichtsogut.

Aktionäre nehmen Conze ins Gebet

ProSiebenSat.1-Chef zieht scharfe Kritik der Anteilseigner auf sich –und SilvioBerlusconi steht vor der Tür

Von Thomas Magenheim, München

AktionärsschützerinDaniela

Bergdolt kommt gleich

auf den Punkt. „Herr Conze,lernen

Sieschon Italienisch?“,

fragt die Vertreterin der

Deutschen Schutzvereinigung für

Wertpapierbesitz (DSW) den Chef

der Münchner Fernsehsendergruppe

ProSiebenSat.1 bei der diesjährigen

Hauptversammlung.

Die Frage hat einen ernsten Hintergrund,

seit der italienische Medienkonzern

Mediaset im Mai mit

einem Zehntel unverhofft bei ProSiebenSat.1

eingestiegen ist. Sie beinhaltet

auch Kritik. Denn seit einem

Jahr ist MaxConzeVorstandschef der

Münchner. Indieser Zeit ist der Aktienkurs

der TV-Gruppe von 25auf

15 Euro verfallen. „Der niedrige Kurs

hat dazu geführt, dass wir nun einen

italienischen Großaktionär haben“,

kritisiert Bergdolt unter dem Beifall

der Mitaktionäre.

Anderesehen dieUnabhängigkeit

von ProSiebenSat.1 gefährdet. Hinter

Mediaset steht der italienische

Medienmogul und Politiker Silvio

Berlusconi. Der hat sich zwar aus

dem aktiven Mediaset-Management

längst verabschiedet. Geführt wird

das Familienunternehmen aber nun

von seinem Sohn Pier Silvio Berlusconi.

Die Strategie wird bestimmt

vonFamilienbanden. Wohin dies im

Fall von ProSiebenSat.1 führen soll,

wüsstendieAktionärederMünchner

gern. Aber Conzeschweigt. Sogar auf

Investor KKR will bei Axel Springer einsteigen

Von Esteban Engel

DEBATTE UM „WAHNSINNIGE“ VORSTANDSGEHÄLTER

SdK: Aktionärsvertreter haben

die kräftig erhöhten Vorstandsbezügebeim

FernsehkonzernProSiebenSat.1

scharf kritisiert. Den Börsenwert

zu halbieren und dann

die Vorstandsgehälter um

60 Prozent zu steigernerscheine

wie „der blanke

Wahnsinn“, sagte Elisa Haralampides

vonder Schutzgemeinschaft

der Kapitalanleger

(SdK).

die Frage,oberseit dem Einstieg von

Mediaset mit Berlusconi gesprochen

habe,verweigertereine Antwort.

Mediaset sei lediglich ein Finanzinvestor,ringt

Conzesich schmallippig

ab.Mit knapp10Prozent Aktienanteil

könne er nichts bestimmen,

soll das heißen. Ob es bei diesem

Zehntel bleibt, ist aber nicht ausgemacht.

DerEinstieg sei nicht der letzte

Schritt, so wird inBranchen- und

Finanzkreisen gemunkelt. Es wäre

nicht das erste Mal, dass die Berlusconis

versuchen, einen Fuß indie

deutsche Fernsehlandschaft zu setzen.

Als ProSiebenSat.1 noch Teil der

Kirch-Gruppe war, haben es die Italiener

schon einmal versucht und

Die Amerikaner sollen die Investitionspläne absichern. Friede Springer behält ein Vetorecht

woch den Schritt bei einer Telefonkonferenz.

Er selbst hält 2,8 Prozent

der Aktien, Friede Springer kontrolliertals

Witwedes Gründers 42,6 Prozent.SiewollenihreAnteilebehalten.

Die Vereinbarung sieht zudem vor,

dass keine Entscheidung der künftigen

Gesellschafter ohne Zustimmung

von Friede Springer getroffen

werdenkann.DamitseidieKontinuität

in der Unternehmensführung gesichert.

KKR werde keinen Einfluss

auf journalistische Inhalte ausüben.

Das Unternehmen bekomme einen

starken, auf langfristige Ziele orientierten

Partner,sagte Finanzvorstand

Julian Deutz. Im Durchschnitt halte

KKR die Anteile für acht Jahre.

Knapp 45 Prozent der Springer-

Aktien sind derzeit im Streubesitz.

Die Springer-Enkel Ariane und Axel

DSW: Daniela Bergdolt von

der Deutschen Schutzvereinigung

für Wertpapierbesitz

(DSW) schlug in dieselbe

Kerbe. Sie könne die

„sehr erheblichen Zahlungen“

nicht ganz verstehen.

Chef Max Conze legeden Fokus

auf die richtigen Entwicklungen,

aber ProSieben-

Sat.1 erkaufe sich seine

Qualitäten „vielleicht ein

bisschen zu teuer“.

Privataktionär: Der Deutsche-Börse-Aufsichtsrat

Johannes

Witt sagte als Privataktionär

vonProSieben-

Sat.1, obwohl Gewinn, Dividende

und Aktienkurs

schrumpften, habe Conze in

den ersten sieben Monaten

5,5 Millionen Euro erhalten.

Das Jahresgehalt vonConzesStellvertreter

Conrad Albertsei

auf 3,7 Millionen

Euro verdoppelt worden.

Sven Springer halten zusammen

rund 10 Prozent. Wie sie sich entscheiden

wollen, sei offen, sagte

Döpfner. Verkaufen sie ihre Anteile,

könnte KKR die Mehrheit übernehmen,

die Stimmrechte aber nur gemeinsam

mit Friede Springer und

Mathias Döpfner ausüben.

Der Investor bietet 63 Euro je Aktie,

das sind knapp 40 Prozent mehr

als Ende Mai, bevor Springer erstmals

über die Pläne berichtet hatte.

Am Mittwoch schoss der Aktienkurs

nach der offiziellen Mitteilung fast

bis zu dem vonden Amerikanerngebotenen

Betrag in die Höhe.

Das Kaufangebot überlagerte am

Mittwoch die schwächerewirtschaftliche

Entwicklung: Wegen der nachlassenden

Konjunktur und der Einführung

einer Digitalsteuer in Frank-

FOTO: SINA SCHULDT/DPA

sind dabei auch auf politische Widerstände

gestoßen. Einen Unternehmer

vom Schlage eines Belusconi

sieht hierzulande von der Union

über die SPD bis zu den Grünen keineParteigernineinemedialeMachtposition

kommen.

Wie groß die Gefahr ist, dass es

diesmal dazu kommt, bleibt auch bei

der ProSiebenSat.1-Hauptversammlung

offen. Ein Vertreter von Mediaset

sitzt zwar im Publikum. Aber er

schweigt. So spricht Conzelieber von

dem Teil der Zukunft, den er selbst

bestimmen kann. Die größten Hoffnungen

setzt der Manager dabei auf

den von ProSiebenSat.1 und dem

US-Partner Discovery ins Leben gerufenen

Streamingdienst Joyn. Das

als deutsches Netflix angekündigte

Onlineportal startet kommenden

Dienstag. VonUS-Vorbildernhebt es

sich vorallem in einem Punkt ab.

Joyn ist anders als Netflix oder

Amazon Prime zumindest anfangs

und in seiner Basisversion kostenlos.

Dafür müssen Zuschauer Werbung

in Kauf nehmen, über die sich das

Sammelbecken deutscher TV-Sender

finanziert. ZumStartmit an Bord

sind neben den eigenen Konzernsendern

wie Pro7, Sat.1 und Kabel 1

auch das ZDF sowie die ARD.

Auch die private Konkurrenz von

RTL umwirbt Conze. Bei TV-Werbung

haben ProSiebenSat.1 und RTL

soeben ein Bündnis geschlossen.

Dasnährtdie Hoffnung, dass es auch

bei Joyn dazu kommt. Schon zum

Start am Dienstag würden Inhalte

von über 50 Sendern kostenfrei geboten,

wirbt Conze. Eine Variante

gegen Bezahlung mit exklusiven Inhalten

kündigte er für diesen Winter

an.

BinnenzweiJahrenoderschneller

soll Joyn auf zehn Millionen Nutzer

kommen. Ausgangsbasis dafür sind

die rund 3,3 Millionen Nutzer, die

ProSiebenSat.1 derzeit auf bestehenden

und in Joyn aufgehenden Onlinebibliotheken

zählt. Conzewill also

die Onlinekundschaft binnen

zwei Jahren verdreifachen und dazu

möglichst viele deutsche Medienhäuser

unter ein Dach bringen. Das

könnte auch kartellrechtliche Fragen

aufwerfen.

Der MedienkonzernAxel Springer

holt sich einen kapitalstarken

Partner ins Haus, um mehr Spielraum

für Investitionen ins Digitalgeschäft

zu bekommen. Der US-Finanzinvestor

KKR will mindestens

20 Prozent der Springer-Anteile

übernehmen und würde das Unternehmen

dann gemeinsam mit Großaktionärin

Friede Springer und dem

ebenfalls beteiligten Vorstandschef

Mathias Döpfner kontrollieren. Zuletzt

war auch spekuliert worden,

dass sich der Medienkonzerndanach

vonder Börse verabschieden könnte.

Springer könne sich damit weitere

Finanzmittel erschließen und von

kurzfristigen Aktionärserwartungen

lösen, begründete Döpfner am Mittreich

senkte Springer seine Prognosen

für dieses Jahr. Der Konzern erwartet

statt eines stagnierenden nun

einen leicht schrumpfenden Umsatz.

DasumSondereffekte bereinigte

Ergebnis vor Zinsen, Steuern und

Abschreibungen (Ebitda) dürfte

ebenfalls im niedrigen einstelligen

Prozentbereich sinken, statt auf Vorjahresniveau

zu bleiben.

Vorallem bei den Stellenanzeigen

machten sich die schwächelnde

Konjunktur und der Brexit bemerkbar,

sagte Döpfner. Dennoch halte

man an den Investitionsplänen fest.

Die Wachstumsstrategie 2020 werde

zu einem deutlichen Rückgang des

operativen Ergebnisses gegenüber

dem laufenden Jahr führen, erst in

den Jahren danach erwartet das Management

eine Besserung. (dpa)

Forscher

fordert rasche

Steuersenkung

Chef der Wirtschaftsweisen

will auch den Soli abschaffen

Von Sebastian Engel

Der Chef der Wirtschaftsweisen,

ChristophSchmidt, hat sich für

Steuersenkungen ausgesprochen.

„Andere Länder wie die USA haben

die Unternehmenssteuern gesenkt.

Deutschland ist deswegen im internationalen

Steuerwettbewerb zurückgefallen“,

sagteSchmidt in Berlin.

Die Steuer- und Abgabenlast sei

in der Äravon KanzlerinAngela Merkel

(CDU) gestiegen. „Spätestens

jetzt wäreein Signal dersteuerlichen

Entlastung für die Unternehmen

und die Bürger angebracht.Dazugehörtauch

einevollständige Abschaffungdes

Solidaritätszuschlags.“

In derKoalitionist ein vollständiger

Abbau umstritten. Im Koalitionsvertrag

hatten Union und SPD

vereinbart, der Soli solle für 90 Prozent

derZahler wegfallen. Weite Teile

der Union aber wollen wie die

Wirtschaft eine komplette Abschaffung.

DieSPD ist dagegen.

Schmidt äußerte auch Kritik am

Koalitionskurs in der Wirtschaftspolitik.

„Die Politik hat im konjunkturellen

Hoch zu wenig auf die

Wachstumskräfte der deutschen

Volkswirtschaft geschaut und nötige

Reformen nicht angepackt“, sagte

der Präsident des RWI-Leibniz-Instituts

für Wirtschaftsforschung in

Essen.

„Die Koalition hat stattdessen zu

sehr auf sozialpolitische Wohltaten

für einzelne Gruppen gesetzt, etwa

mit der Mütterrente oder der Rente

mit 63.“ Es müssten daher Strukturengeändertwerden,

um Innovationen

und Wachstumskräfte zustärken.

Kritik an SPD-Grundrentenplan

Trotz eines schwächeren Wachstums

rät Schmidt aber dazu, vorerst

weiterhin Ruhe zu bewahren. „Es

gibt abernatürlichgroße Risiken, die

uns schon einigeZeit begleiten, insbesondere

die mögliche Eskalation

der internationalen Handelskonflikte

und die Ausgestaltung des Brexit.“

Das langsamere Wachstum in

Deutschland sei zunächst einmal

nichts Grauenhaftes. „Aber je weniger

konjunkturellen Rückenwind

wir haben,umso größerist das Risiko,dass

uns eine krisenhafte Zuspitzung,

die aus dem internationalen

Umfeldkommt, aus der Bahn wirft“,

erläuterte Schmidt.

DerVorsitzende des Sachverständigenrats

zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen

Entwicklung

–die sogenannten Wirtschaftsweisen

–kritisierte zugleich die Pläne

der SPD für eine Grundrente ohne

Bedürftigkeitsprüfung. „Bei einer

Grundrente muss man fragen, ob sie

treffsicher Altersarmut bekämpft“,

sagteSchmidt.

„Wenn eine Person zwar eine geringe

eigene Rente erhält, aber einen

Ehepartner hat, der eine sehr hohe

Rente bezieht, ist sie nicht bedürftig.

Eine Grundrente ohne Bedürftigkeitsprüfung

lässt sich daher nur

schwer rechtfertigen“, argumentiert

Schmidt. DieUnion plädiertfür eine

Grundrente mit Bedürftigkeitsprüfung.

(dpa)

„Deutschland istzurückgefallen“: Christoph

Schmidt.

FOTO: MICHAEL KAPPELER/DPA


Berliner Zeitung · N ummer 134 · D onnerstag, 13. Juni 2019 7 *

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Wirtschaft

Auktion nach

langem Ringen

beendet

Mobilfunk-Lizenzen

kosten 6,6 Milliarden Euro

Von Wolf von Dewitz

Die bisher längste Auktion von

deutschen Mobilfunkfrequenzen

bringt dem Bund deutlich mehr

Geld als erwartet. Die vier Bieter –

Deutsche Telekom, Vodafone, Telefónica

und Drillisch –bezahlen für

die 5G-Frequenzblöcke insgesamt

6,55 Milliarden Euro,wie die Bundesnetzagentur

am Mittwochabend

nach dem Ende der mehr als dreimonatigen

Versteigerung mitteilte.

Fachleute hatten nur mit 3bis 5Milliarden

Euro gerechnet.

Mitden Lizenzen sichernsich die

Unternehmen das Recht, Mobilfunknetze

nach dem neuen 5G-Standard

aufzubauen, die sehr viel leistungsfähiger

sein werden als die bisherigen.

Dieersten Anwender dürften Unternehmen

sein, die mit der neuen

Technik Maschinen vernetzen wollen.

Auch für automatisch steuernde

Autos wirdsie gebraucht.

Der Auktionserlös geht an

den Bund, der ihn in die Digitalisierung

stecken will –damit soll beispielsweise

der Breitbandausbau auf

dem Land gefördertwerden. Mitdem

Kauf der 5G-Lizenzen sind auch umfangreichePflichtenfürdenNetzausbau

verbunden. Bis die Technik flächendeckend

verfügbar ist, wird es

aber noch lange dauern.

DieAuktion zogsich auch deswegen

hin, weil mit 1&1 Drillisch –einer

Tochtergesellschaft von United

Internet –ein Neuling beteiligte.Das

Unternehmen hat sich neun Frequenzblöcke

für 1,42 Milliarden

Euro gesichert und baut nun erstmals

ein eigenes Netz auf. Dasdürfte

den deutschen Mobilfunkmarkt erheblich

verändern.

Vonden 41 Frequenzblöcken entfallen

die meisten auf die Deutsche

Telekom. Der frühere Staatsmonopolist

hat sich 13 Blöcke gesichert

und muss dafür 2,17 Milliarden Euro

zahlen. AufVodafone entfallen zwölf

Blöcke für 1,88 Milliarden Euro und

auf Telefónica neun Blöcke für

1,42 Milliarden Euro.

DasKürzel5Gsteht für die 5. Mobilfunkgeneration.

Der Standard ist

der Nachfolger von4G, auch LTEgenannt.

5G ist wesentlich schneller

im Download und verfügt über eine

geringere Reaktionszeit (Latenz) –

Daten werden praktisch in Echtzeit

verarbeitet. Dies ist immens wichtig

für Zukunftstechnik wie das autonome

Fahren oder die Telemedizin. Geräte

können praktisch ohne Verzögerung

auf Anweisungen per Funk reagieren.

Dadurch bremst ein Auto

schnell genug, wenn ein vorausfahrendes

Fahrzeug in einer Kurve ins

Rutschen kommt.

DerChef der Netzagentur,Jochen

Homann, sprach nach dem Ende der

Auktion von einem „Startschuss für

5G in Deutschland“. „Ich freue mich,

dass vier Unternehmen Frequenzen

ersteigert haben und beim 5G-Netzausbau

in Wettbewerb treten“, erklärte

der Behördenchef. „Die Frequenzen

sollen nicht nur für den

neuen Mobilfunkstandard 5G, sondern

auch für eine bessere Mobilfunkabdeckung

in Deutschland eingesetzt

werden.“ (dpa)

Die Uhr ist abgelaufen, Jochen Homann

hat dieAuktionbeendet. FOTO: DEDERT/DPA

Von Karl Doemens, Washington

Mit seiner elliptischen

Form könnte man den

bläulich erleuchteten

Konferenzsaal des Washingtoner

Hilton Hotels glatt für ein

gigantisches Raumschiff halten.

Mehr als eintausend Wirtschaftsvertreter

aus der ganzen Welt haben sich

den halben Vormittag berichten lassen,

wie großartig das InvestitionsklimainAmerikaist,alsUS-Handelsminister

Wilbur Ross die Bühne für

einen besonderen Höhepunkt betritt:

Der italienische Industrieregalbauer

Modula werdeein neues Werk

in Ohio errichten und dort100 Menschen

beschäftigen. „Herzlichen

Glückwunsch“, umwirbt Ross den

Firmenchef: „Genau dafür ist diese

Tagung gut.“

EinhundertArbeitsplätzeimMittleren

Westen der USA? In normalen

Zeiten würde das allenfalls der Bürgermeister

verkünden. Doch seit Donald

Trump einen Handelskrieg angezettelt

hat, herrscht nicht nur an

den Börsen Unruhe. Sollte man nun

in den USA investieren, um Einfuhrzöllen

zu entgehen? So stellt essich

Trumpvor. „Unternehmenwerdenin

die USA umsiedeln“, hat er gerade

getwittert. Oder lässt man es lieber,

weil sich die Rahmenbedingungen

mit diesem Präsidenten jeden Tag

ändernkönnen?

Keine harten Fragen

Pünktlich zur Investorenkonferenz

liefertTrump ein Beispiel seiner Unberechenbarkeit.Kaumhater

dieangedrohten

neuen Zölle gegen Mexiko

verschoben, da droht er schon wieder

China mit neuen Sanktionen und

will außerdem französischen Wein

mit Strafabgaben belegen. Und wie

es mit Mexiko weitergeht, ist plötzlich

auch nicht mehr so klar. Alles

werde gut, wenn das Land seine

Pflichten erfülle, twittert Trump.

Aber der größte Teil des Deals sei

noch gar nicht öffentlich bekannt.

„Stellen Sie bitte keine so harten

Fragen. Ich hatte einen anstrengenden

Tag“, bittet Ross bei einer Pressekonferenz

halb scherzhaft die Journalisten

um Schonung. Doch im

Raum sitzen überwiegend chinesische

Kollegen. Prompt kommt die

erste Frage zu den Zöllen und den

Aussichten im Handelsstreit.

Die dreitägige Investorenkonferenz

„Select USA“ bietet jedes Jahr

eine gigantische PR-Showdes amerikanischen

Wirtschaftsstandorts. Die

Gouverneure von acht Bundesstaaten,

fünf Minister aus dem Trump-

Kabinett und Präsidententochter

Ivanka persönlich umwerben aus-

Von Klaus Ehringfeld, Mexiko-Stadt

Den Experten und den Menschen

in Mexiko, die sich für die Wirtschaft

des Landes interessieren, ist

seit zwei Wochen regelrecht schwindelig.

Wiebei Sturmauf hoher Seeist

es ein ständiges Auf und Ab, die

zweitgrößte Ökonomie Lateinamerikas

ist Spielball der politischen Gezeiten

und der Willkür des Wüterichs

im Weißen Haus. Der mexikanische

Peso und der IPC-Index der Börse

vonMexiko-Stadt sinken und steigen

im Rhythmus der Tweets vonDonald

Trump.

Brüchiger Frieden

Als der US-Präsident Ende MaiZölle

von bis zu 25 Prozent auf mexikanische

Importe androhte,weilder südliche

Nachbar angeblich den Strom

der Flüchtlinge in Richtung USA

nicht stoppte,sank die Börse dramatisch,

und der Peso ging um mehr als

3Prozent in die Knie.Als dann beide

Länder eine gute Woche später eine

Patriotisch im Handelskrieg

Bei einer PR-Konferenz preisen sich die USA als Wirtschaftsstandort an

Die Stahlwerke gehören zu denalten Industrien in denUSA, dieDonald Trump mit seinen

Zöllen wieder wettbewerbsfähigmachenwill.

FOTO: JIM MONE/AP

Einigung verkündeten und die Strafzölle

vorerst abgewendet waren, ging

es anders herum. Seither steigen Börse,Währung

und die Laune der Mexikaner

wieder.Aber der Zuwachs fällt

deutlich geringer aus als der Absturz

davor. Denn so richtig traut man in

Mexiko dem Frieden nicht.

Und das lateinamerikanische

Land ist mit der Skepsis gegenüber

den USA gut beraten. Die Halbwertzeit

der Worte Donald Trumps ist

sehr kurz, die Abhängigkeit der mexikanischen

Wirtschaft von dem großen

Nachbarn imNorden dagegen

sehr groß. Acht von zehn inMexiko

gefertigte Produkte haben die USA

zum Ziel. Ganze Industriezweige

sind auf die Nähe zum größten Markt

der Welt ausgerichtet. Auch knapp

2000 Firmen mit deutschem Kapital

haben sich in Mexiko angesiedelt.

DieganzgroßeMehrheitdeshalb,um

zollfrei oder zollgünstig in die USA

exportieren zu können. Gerade erst

hat der Autobauer BMW sein erstes

Werk in dem lateinamerikanischen

ländische Unternehmen, sich in den

USA niederzulassen.

Die Veranstaltung gleicht einer

riesigen Fleischauktion. „Wir haben

die niedrigsten Strompreise,die besten

Arbeiter und das angenehmste

Wetter“, wirbt etwa Matt Bevin, der

Gouverneur des Bundesstaats Kentucky.

„Wir bieten Ihnen mehr Freiheit

als irgendein Land der Welt“,

brüstet sich Trumps Wirtschaftsberater

LarryKudlow.

Während der 81-jährige Ross vor

dem Wirtschaftspublikum den

freundlichen Grüßonkel gibt, profiliert

sich Kudlow als Apologet des

Protektionismus: „Wer in den USA

investiert, muss sich über Zölle keine

Fluch und Segen jenseits der Grenze

Mexiko ist der Handelspolitik von US-Präsident Donald Trump ausgeliefert

Land eröffnet, von wodie 3er-Reihe

in die ganzeWelt gehen soll. Aber das

Hauptziel des Münchner Herstellers

bleiben natürlich die USA, auch

wenn man das so nicht sagen will.

Mexikos große Nähe zu den USA

ist ein Segen und ein Fluch zugleich.

Sie ist verführerisch und verleitet

Politik und Wirtschaft dazu, sich auf

dem geografischen Alleinstellungsmerkmal

auszuruhen, das dem Land

niemand nehmen kann. Aber das

macht abhängig. Zumal wenn das

Handelsbilanzdefizit so groß ist wie

zwischen den beiden Nachbarn. Lediglich

15 Prozent der US-Exporte

haben Mexiko zum Ziel. Umgekehrt

gehen 80 Prozent der Warenaus Mexiko

nach Norden: „Wir können den

USA mit nichts vergleichbarem drohen,

wie sie es mit den Zöllen mit uns

können“, sagt sichtlich resigniert

Andrés Rozental, ehemaliger Vizeaußenminister.

Wasalso ist zu tun? Mexiko könnte

sich aus der wirtschaftlichen Abhängigkeit

der USA befreien. Denn das

Gedanken machen“, behauptet er.In

der Praxis sieht das allerdings anders

aus, wenn etwa China als Reaktion

auf amerikanische Zölle Autoimporte

aus den USA verteuert–einige US-

Werke trifft das massiv. Sogehört in

Wahrheit ausgerechnet die US-Handelskammer

als Vertreter der heimischen

Unternehmen zu den schärfsten

Kritikernvon Trumps Politik: Der

„Einsatz von Zöllen als Waffen“

schaffe große Unsicherheit und

schade der Wirtschaft, hat ihr Chef

gerade Alarm geschlagen. Die Autobauer

warnen seit Monaten voreiner

Verschärfung der Handelskonflikte.

Undrepublikanische Senatoren drohen

Trump mit einem Aufstand, falls

er das Nachbarland Mexiko mit Strafabgaben

belegt. Sie sorgen sich um

Produktion und Geschäft der US-Betriebe.

Doch umso lauter preisen die Kabinettsmitglieder

und republikanischen

Gouverneure auf der Konferenz

den unberechenbaren Protektionisten

im Weißen Haus. „Kann

sein, dass die Börsen ein bisschen zittern,

aber am Ende wirddas gut ausgehen“,

erklärt etwa Oklahomas

Gouverneur Kevin Stitt. Es klingt wie

das Pfeifen im Walde.Wie er sich erklärt,

dass viele Experten anderer

Meinung sind? „Ich bin patriotischer“,

antwortet der frühere Geschäftsmann

sehr ernsthaft: „Ich

unterstützeden Präsidenten.“

Sorgen hinter den Kulissen

Sein Amtskollege Mike DeWine aus

Ohio wischt Bedenken ebenso locker

beiseite: „Ach wissen Sie: DieDiskussion

über Zölle geht vor und zurück.

Egal, was passiert: Ohio bleibt ein

sehr guter Platz für Investitionen.“

Undwas ist mit China, dessen Investitionen

in den USA seit 2016 um

90 Prozent geschrumpft sind? „Wir

wollen weiter gute Beziehungen“,

verkündet DeWine fröhlich. Es wirkt,

als habe das Konferenz-Raumschiff

endgültig abgehoben.

Doch vorder Tür kann man auch

realistischere Einschätzungen hören.

Am Ausstellerstand von Idaho

wartet zum Beispiel Shawn Barigar

auf Interessenten. DerMannist Bürgermeister

der 44000-Einwohner-

Stadt Twin Falls und hat dortden Joghurt-Hersteller

Chobani angesiedelt.

Nun sind die landwirtschaftlichen

Produkte vomHandelskrieg besonders

betroffen. Barigar gibt sich

Mühe,die Vorzüge seiner Heimat anzupreisen.

Doch dann gesteht er ein:

„Natürlich schafft die derzeitige Rhetorik

erhebliche Unsicherheit. Wir

haben leider keinen Einfluss darauf.

Wir können nur hoffen, dass es bald

vorbei ist.“

Land hat mehr als zwei Dutzend Freihandelsabkommen

mit 46 Staaten in

der Welt geschlossen, die rund

60 Prozent der globalen Wirtschaftsleistung

repräsentieren. Eine runde

Milliarde Konsumenten können die

Unternehmen von Mexiko aus vergünstigt

erreichen.

VorbildAutomobilhersteller

Dieses Merkmal nutzen die globalen

Automobilproduzenten bereits vorbildlich.

Nach Nordamerika liefert

Mexiko seit 1994 über die Freihandelszone

Nafta, nach Europa seit

2000 mit dem EU-Freihandelsabkommen.

Auch nach Japan und Zentralamerika

und in einige südamerikanische

Länder verkauft Mexiko seine

Autos bevorzugt und vergünstigt.

BeianderenProduktenundvorallem

bei mexikanischen Unternehmen

sieht das noch ganz anders aus.

Sie scheuen den Schritt auf den globalen

Markt, solange die USA so nah

und die dortigen Standards so schön

einheitlich sind.

NACHRICHTEN

Erheblich weniger

faule Kredite bei Banken

Dieeuropäischen Banken haben

ihren Bestand an faulen Krediten

binnen drei Jahren um 133 Milliarden

Euro vermindert. DieZahl

nannte die EU-Kommission am

Mittwoch. Im Schnitt hatten die

Häuser in ihren Bilanzen im dritten

Quartal 2018 noch 3,3 Prozent Kredite,bei

denen die Schuldner in Verzug

geraten waren und die deshalb

als gefährdet gelten. DerAnteil habe

sich seit 2014 halbiert. DieBemühungen

zum Abbau der gefährdeten

Kredite zeigten Erfolge,erklärte

Kommissionsvizepräsident Valdis

Dombrovskis.Vor diesem Hintergrund

rief er die EU-Finanzminister

auf,Schritte zur Vollendung der Bankenunion

voranzutreiben. (dpa)

Verdi: Fresenius unterdrückt

Gewerkschaften in USA

Internationale Gewerkschaftsverbände

und Verdiwerfen dem MedizinkonzernFresenius

vor, in den

USA Gewerkschaften systematisch

zu unterdrücken. In Dialysekliniken

der Tochter Fresenius Medical Care

(FMC) in Kalifornien seien Mitarbeiter

unter Druck gesetzt worden,

wenn sie sich gewerkschaftlich organisieren

wollten, sagten David Boys

und Alke Bössinger vonden Dachverbänden

PSI und UNI Global

Union. „Es wurde mit Kündigung

gedroht, und Beschäftigte wurden in

Einzelgesprächen davor gewarnt,

gewerkschaftlich aktiv zu werden.“

Fresenius wies den Vorwurf, Gewerkschaften

zu unterdrücken,

„entschieden“ zurück. (dpa)

Deutlich mehr

CO 2 -Ausgleich bei Atmosfair

Der zunehmendeFlugverkehr belastet

das Klima.

FOTO: FRANK RUMPENHORST/DPA

Klimaschutz bewegt die Menschen

und die Politik –das macht sich

auch bei der Klimaschutzorganisation

Atmosfair bemerkbar.Dortgleichen

seit einer Weile deutlich mehr

Bürger und Unternehmen über

Spenden die Treibhausgase aus,die

sie mit Reisen verursachen. „Wir sehen

seit dem vergangenen Sommer

einen deutlichen Zuwachs“, sagte

Julia Zhu vonAtmosfair.9,5 Millionen

Euro an Ausgleichszahlungen

seien 2018 bei der Organisation eingegangen,

40 Prozent mehr als im

Vorjahr.Der Trend setzesich fort

und könne noch zunehmen. (dpa)

Ernährungsbranche setzt

auf Handel mit China

Diedeutsche Ernährungsbranche

will das Geschäft mit China ausweiten

und dringt auf bessereHandelsbedingungen.

„China ist ein wichtiger

und wachsender Markt, der insbesonderedeutsche

Agrarprodukte

wegen ihrer hohen Qualität und Sicherheit

nachfragt“, sagte Bauernpräsident

Joachim Rukwied. Die

Bundesvereinigung der Deutschen

Ernährungsindustrie forderte vor

einer Reise vonBundesagrarministerin

Julia Klöckner (CDU) nach China,

das Vermeiden neuer Handelsbarrieren

noch stärker in den Fokus

zu rücken. Zu schaffen machen der

Branche beim Exportunter anderemProbleme

mit tierärztlichen

Zertifikaten und beim Zoll. (dpa)


8* Berliner Zeitung · N ummer 134 · D onnerstag, 13. Juni 2019

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Meinung

Demokratiebewegungen

ZITAT

Das ewige Problem

der Autokraten

Matthias Koch

meint, dass sich der Ruf nach Freiheit

nicht ewig wegknüppeln lässt.

„Das Land kann

mir vertrauen. Ein

No-Deal-Brexit ist

nicht mein Ziel.“

Tausende setzten sich am Mittwochmorgen

mitten auf die Straßen Hongkongs

und klappten bunte Regenschirme

auf. Weil die Wege zum „Gesetzgebenden

Rat“ blockiert waren, musste die von Peking

eingesetzte Provinzverwalterin die

Verabschiedung des heiß umstrittenen

Auslieferungsgesetzes vorläufig abblasen.

Wasist das? DerEtappensieg einer neuen

chinesischen Freiheitsbewegung?

Klar ist bislang nur eins: In China beginnt,

30 Jahre nach den Protesten auf

dem Platz des Himmlischen Friedens,

eine neue politische, philosophische und

kulturelle Machtprobe. Esgeht um mehr

als das Kleingedruckte in den Übergangsregelungen

der früheren britischen Kronkolonie.Der

Kampf um Hongkong beeinflusst

die Zukunft Chinas –und die Zukunft

der Welt. Eben noch posierte Präsident

Xi Jinping auf der internationalen

Bühne als der inzwischen stärkste aller

starken Männer dieser Welt. Xi erschien

als der Führer mit dem stärksten ökonomischen

Potenzial und der klarsten politischen

Strategie. Doch der Ruf der Menschen

nach Freiheit, das ewige Problem

der Autokraten, lässt sich auf Dauer nicht

wegknüppeln, schon gar nicht in den

weltweit vernetzten Metropolen des 21.

Jahrhunderts.

Auch der Freiheitswille der Menschen

in Istanbul wurde unterschätzt. Eininteressantes

Zeichen ist die jüngste Welle von

Urlaubsstornierungen. Viele Istanbuler

brechen normalerweise rund um den 23.

Juni in die Ferien auf, diesmal aber verschoben

viele ihre Reise, umamTag der

Wahl in der Stadt bleiben zu können. Hotels

in türkischen Ferienregionen, so wird

berichtet, verzichteten auf Stornozahlungen,

Reisebüros halfen bei Verlegung von

Flügen. DieStadtverwaltung des Badeorts

Bodrum, wo Erdogan-Kritiker regieren,

gab gar eine Unwetterwarnung heraus:

Eigentlich wäre dies

eine gute Zeit für eine

Neubesinnung auf die

Kraft der Freiheit als

Faktor für positiveweltweite

Veränderungen.

„Liebe Istanbuler, für den 23. Juni ist

schwerer Schneefall vorhergesagt, alle

unsere Strände werden geschlossen sein,

wir empfehlen euch, an diesem Tagdie

Sonne in Istanbul zu genießen.“ So formiertsich,

teils ironisch, teils zunehmend

frech, der neue Widerstand in der Türkei.

Die Autokraten genießen keinerlei

Ewigkeitsgarantie für sich selbst und ihr

Regime. Das spürt zunehmend auch der

russische Präsident. In Moskau läuft derzeit

ein Verwirrspiel rund um immer neue

Festnahmen und Freilassungen von Regimekritikern.

Viele Russen fragen sich:

Waswill und wohin will Wladimir Putin?

Die einzige wirklich greifbare Konstante

liegt in zwei Abwärtskurven: DasVertrauen

der Russen zu Putin sinkt seit vielen Jahren

stetig, parallel zu den Realeinkommen.

Eigentlich wäre dies eine gute Zeit für

eine Neubesinnung auf die Kraft der Freiheit

als Faktor für positive weltweite Veränderungen.

Mit einem US-Präsidenten

Donald Trump freilich, der Xi, Putin und

Erdogan als starke Führer lobt und Säbeltänze

imsaudischen Herrscherhaus hinlegt,

ist da nichts zu machen.

Zu denen aber,die den möglichen Anbruch

neuer Zeiten spüren, gehörtder demokratische

US-Präsidentschaftsbewerber

Pete Buttigieg. Der37-Jährige,der immer

häufiger mit John F. Kennedy verglichen

wird, stellte in dieser Woche in einer

engagierten außenpolitischen Grundsatzrede

nicht nur die Rückkehr der USA

zum Pariser Klimaschutzabkommen in

Aussicht. Er beschrieb auch sein Ziel, den

Trend in Richtung autoritärer Regime

weltweit umzudrehen. EinSieg vonButtigieg

im US-Wahlkampf 2020 wäre eine

schlechte Nachricht für Autokraten rund

um den Globus.

Nerofontaine ist milde gestimmt.

Das Ende einer Ärasteht bevor:Das

Ende des roten Brandenburgs.

Das Bundesland rings um Berlin

wird seit Ende der DDR von Ministerpräsidenten

der SPD regiert. Doch die

Zeiten, in denen die Sozialdemokraten die

prägende politische Kraft im Land waren, neigen

sich wohl dem Ende zu: 80 Tage vor der

Landtagswahl am 1. September stürzt die Partei

in Umfragen immer weiter ab.

Derzeit steigt die rechtsnationale AfD in

derWählergunst weiter und steht mit 21 Prozent

klar auf Platz 1. Die SPD verliert inder

jüngsten Umfrage noch einmal vier Prozent

und rangiert mit 18 Prozent nur noch auf

Platz 2. Ihr niedrigster Wert überhaupt. Unter

Landesvater Manfred Stolpe fuhr die Sozialdemokratie

auch mal absolute Mehrheiten

ein. Ja, das ist lange her, aber bislang

führte die SPD meist die Umfragen an –jedenfalls

in Brandenburg, und da war es auch

relativ egal, wie der Bundestrend war. Brandenburg

tickte anders und blieb SPD-Land.

Bislang gewann diese Partei jede Landtagswahl

so klar, dass sie sich den Regierungspartner

aussuchen und auch mal von der

CDU zu den Linken wechseln konnte.

Nun aber ist die SPD eine darbende und

sich selbst zerlegende Partei –und muss den

Platz des Umfragen-Spitzenreiters ausgerechnet

an die AfD abgeben. Dasist kein Zufallswert:

Die AfD mischt seit langer Zeit

nicht nur in den Umfragen ganz vorn mit, sie

lag auch bei der Bundestagswahl 2017 in etlichen

Landesteilen ganz vorn oder knapp

hinter der CDU. Siegewann zuletzt auch die

Europawahl –und das, obwohl sie sich in

Brandenburg nicht als gemäßigte Kraft dieser

Partei präsentiert, sondern als klarer Bestandteil

des Rechts-außen-Flügels um den

Thüringer Wortführer BjörnHöcke.

Zumeinen täglichen Informationsquellen

in Sachen Politik und Kultur gehört der

Deutschlandfunk. Schließlich braucht der

Mensch Orientierung in wirren Zeiten. Verwirrung

stiftet jedoch, wenn ich in der Sendung

„Kulturfragen“ am Pfingstmontag höre

„Die Bedeutung der Volksparteien ist im

Schwinden“, und zugleich „Im Osten ist die

AfD auf dem Wegzur Volkspartei“. Der Tagesspiegel

konstatiert: „Richtig ist natürlich

auch, dass Grüne und AfD es (noch) leichter

haben, sie sind ja noch keine Volksparteien“,

während Ende Mai ineiner ARD-Sendung

gefragt wurde:„Haben sich dieVolksparteien

überlebt?“ Kurz vor der letzten Hessenwahl

stellte die FAZ nüchtern fest: „Wenn den

Volksparteien das Volk abhandenkommt.“

Undwer gleich das ganze demokratische

System infrage stellen will, spricht vorzugsweise

von den Etablierten, verschärft: den

Altparteien. Eine Bezeichnung, die schon in

der Weimarer Republik gerne von der

NSDAP verwendet wurde. Dass es heute die

Vertreter der AfD sind, die diesen Kampfbegriff

benutzen, verwundertnicht. Besonders

der nicht mehr ganz junge Herr Gauland.

Doch wo das Alte stirbt, keimt die Hoffnung

auf das Neue. Mut machte uns jüngst

der Stern, als er das verwegene Porträt des

Grünen-Politikers Robert Habeck auf die Titelseite

brachte mit der Frage: „Unser nächster

Kanzler?“ Warum das Fragezeichen?

Warum soängstlich? Der Spiegel zog nun

nach, indem er Kevin Kühnert als Titelhelden

für den SPD-Vorsitz ins Rennen schickte,

Brandenburg

Der

Absturz

Jens Blankennagel

vermutet, dass die jahrzehntelangeDominanz

der SPD in diesem Herbst ihr Ende finden wird.

Bei den Umfrageverlierern wird esnun

wieder heißen: Das sind nur Augenblickswerte.

Aber es spricht einiges dafür,dass dieser

Selbstbetrug dieses Malnicht funktionieren

wird. Diese Umfrage könnte dem Wahlergebnis

vielleicht näher kommen, als einigen

lieb sein wird. Denn der Wahlkampf fällt

dieses Jahr ins Sommerloch. Das heißt: Das

Wahlvolk verabschiedet sich mit dem Bild einer

zerrütteten und am Boden liegenden

großen Koalition im Bund in den Sommerurlaub,

aber auch mit den Bildern einer sehr

breitschultrig dastehenden AfD und den

ebenfalls sehr breit lächelnden Grünen.

Im Sommer werden die Fridays-for-Future-Kids

zwar nicht mehr demonstrieren,

aber der Juli wird bestimmt wieder für

KOLUMNE

Pirouetten

auf

dünnem Eis

Klaus Staeck

Grafiker und Verleger

gar als Anführer eines „Sprengkommandos“

für seine eigene Partei. Auch der Tagesspiegel

konnte sich den Juso-Vorsitzenden als

neuen Parteivorsitzenden vorstellen. Unter

der Überschrift „Der Muff der Volksparteien“

empfiehlt er:„Sozial- und Christdemokraten

müssen begreifen: Projekte sind wichtiger

als Programme“. UndumimKandidatenkarussell

ein weiteres Pferd zubesetzen, fragte

die Frankfurter Rundschau jetzt treuherzig:

BERLINER ZEITUNG/HEIKO SAKURAI

Klima-Debatten sorgen, so wie in den beiden

Jahren davor:2017 fiel der Sommer bei extremen

Regenfällen ziemlich ins Wasser, und

2018 war es der Dürresommer schlechthin.

Wenn das Wahlvolk dann vier Wochen vor

dem Urnengang aus dem Urlaub kommt, ist

für die Parteien also nicht mehr viel Zeit. Und

ganz sicher wirddie große Koalition in Berlin

nicht als glänzende Regierung dastehen und

begeisternde Klima-Rettungsbeschlüsse erlassen.

Auch in Brandenburg fehlen Rot-Rot

bereits seit zwei Jahren die Antworten. So

musste sie ihr größtes Reformprojekt, eine

Kreisreform, aufgeben, weil sich dagegen

eine breite Opposition gebildet hatte; sogar

in den eigenen Reihen. Die letzte Rettungsidee

ist nun der Umzug des Kulturministeriums

von Potsdam in die Provinz nach Cottbus,

umdie Lausitz zu stärken. Doch dafür

erntet die Regierung fast nur noch Häme.

Und daimKohleland Brandenburg sowohl

SPD als auch CDU und AfD ganz klar Kohle-

Parteien sind, haben sie auch wenige Antworten

in der Klimadebatte.

Doch die AfD ist auch kein Sieger. Denn

ihre derzeitige Stärke ist eine Stärke ohne

Machtoption. Bislang jedenfalls, denn auch

die CDU schließt eine Koalition aus.

Es läuft auf eine Anti-AfD-Regierung hinaus,

bestehend aus mindestens drei Parteien.

Undesist relativ egal, werdiese Regierung

anführen wird–CDU oder SPD,die sich

noch immer als „Brandenburg-Partei“ bezeichnet.

Beide wären vielleicht stärkste Partei

in der Koalition, aber ziemlich schwach.

Denn sie wären vor allem eines: Bittsteller.

Die Regierung hängt von den neuen Königsmachern

ab, den mächtig erstarkten

Grünen,die entscheiden können, wermit ihnen

Regierungschef werden darf. DieÄra der

starken SPD ist vorbei, auch in Brandenburg.

„Udo Lindenbergwarum eigentlich nicht als

SPD-Chef?“

Dabei wird vor allem den Sozis eine düstere

Zukunft geweissagt. So stellte jetzt der

Chef der Süddeutschen Zeitung unter der

Überschrift: „Vor dem Ende“ fest: „Die SPD

ist eine Milieupartei, die ihre Milieus verloren

hat. Ihre Ära ist vorüber“. Wenn dem

wirklich so ist, wären all die vielen SPD-Bürgermeister,

Landräte, Minister und Länderchefs

nur noch Auslaufmodelle.

Es scheint an der Zeit, dass wir über die

Rolle der Medien bei der in Kauf genommenen

Beschädigung der Demokratie reden.

Denn die Lage ist durchaus ernst. Es bedarf

gar nicht der Erinnerung an Weimarer Verhältnisse.Die

Demokratie ist schließlich kein

Trampolin, auf dem nach Belieben herumgesprungen

werden kann, um auszuprobieren,

wann die Matte reißt. Wirziehen unsere

Pirouetten inzwischen auf sehr dünnem Eis.

DieMedien „wirken an der Willensbildung

mit“ und werden gerne als Vierte Gewalt bezeichnet.

Gewalt ohneVerantwortung wirdjedoch

zur Willkür. Die Grenzen sind fließend

und ohne eine freie Presse in Verantwortung

ist Demokratie nicht zu haben. Weralso die

verbliebenenVolksparteien bereits abschreibt

und nur als Altparteien denunziert, sollte

auch nach dem eigenen Alter fragen –oder

selbst für ein Mandat kandidieren, um die

Mühsal des Politikerdaseins am eigenen Leib

zu erfahren. Rudolf Augstein hat diesen

Schritt einmal gewagt, auch wenn sein Verbleib

im Bundestag nur kurzwar.

Boris Johnson,

früherer Londoner Bürgermeister,

ehemaliger britischer Außenminister

und nun Kandidat um das Amt als

Partei- und Regierungschef

in Großbritannien, bei seiner

Bewerbungsrede

AUSLESE

Die Union und

die K-Frage

Die Diskussion um die CDU-Vorsitzende

Annegret Kramp-Karrenbauer

geht weiter.„Zwar wird Annegret Kramp-

Karrenbauer in der Partei attestiert, sie

habe die Wunde der Urwahl zum CDU-

Vorsitz schnell verheilen lassen“, kommentiert

die Frankfurter Allgemeine Zeitung.

„Aber sie bricht immer wieder auf,

wenn sich die Stimmung verbreitet, die

Partei könnte auf das falsche Pferdgesetzt

haben. In einer solchen Lage einen Mitgliederentscheid

über die Kanzlerkandidatur

ins Spiel zu bringen, wie die ‚Werte-

Union‘ es tut, reibt noch eine Packung

Salz in dieWunde,auf der‚Friedrich Merz‘

steht.“Die Welt schreibt über die CDU-interne

Debatte über die Urwahl zur Kanzlerkandidatur:

„Einer Partei, die gerade

weder Wirtschaftsliberale noch Sozialkleriker

anzieht, ist diese auch fordernde

Verpflichtung, ihre Basis und Mitglieder

wieder mitzunehmen, mehr Chance als

Risiko.“ Christine Dankbar

KORREKTUR

Berlin richtet im Jahr 2023 die Special Olympics aus,

die Wettkämpfe der weltweit größte Sportbewegung für

Menschen mit geistiger Behinderung und Mehrfachbehinderung.Auf

Seite 10 der Dienstagsausgabe (Stadtgeschichte)

stand falsch, Berlin habe den Zuschlag für

die Paralympics, also die Spiele für körperlich behinderte

Menschen, bekommen.

PFLICHTBLATTDER BÖRSE BERLIN

Chefredakteur: Jochen Arntz.

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Berliner Zeitung · N ummer 134 · D onnerstag, 13. Juni 2019 – S eite 9 **

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Berlin

Köpenick ist dieses

Mal das Herz der

Fête de la Musique

Seite 13

VorGericht –Ärztin informierte über Schwangerschaftsabbrüche Seite 14

Im Fokus –Einkommensmillionäre sollen öfter kontrolliert werden Seite 15

Stadtbild

Blattgold

auf Käffchen

Susanne Dübber

schwärmt für Gold, muss

aber nicht auf Wurst sein.

Leise rieselt das Blattgold nun

auch in Berlin auf Essen und

Trinken. Im Januar sorgte Star-Fußballer

Franck Ribéry mit seinem

Gold-Steak für 1200 Euro in Dubai

für Ahs und Ohs. In der deutschen

Hauptstadt gibt es nun Cappuccino

mit Gold –und natürlich Currywurst.

Wem dadas hungrige Maul vor

Staunen offen bleibt, dem sei gesagt:

Alles ist eine Frage des Preises.

Auf der Suche nach einem belebenden

Käffchen stutzt man am

neuen BioBarista Café im S-Bahnhof

Lichterfelde-West in Steglitz. Cappuccino

mit Blattgold offeriert dort

die Speisekarte, eine große Tasse für

4,95 Euro.Achtsam verteilt Sebastian

Wirges per Grob-Streuer güldene

Flöckchen aus edlem Metall bis etwa

ein Drittel des weißen Milchschaums

bedeckt ist. „Ich schätze,

das sind so 0,2 Milligramm“, sagt er.

Gemeinsam mit seiner Frau Angelique

kam er auf die Idee mit dem

goldigen Getränkeschmuck. „Wir

haben vordreiWochen eröffnet, bieten

neben klassischen Kaffee- und

Teespezialitäten auch diverse Sandwiches,

belegte Brötchen, Kuchen,

Süßspeisen und Frühstücke an. Aber

wir suchten noch nach etwas, was

sonst keiner hat, was ganz Besonderes.“

Die Fußball-Fans erinnerten

sich an Ribérys Gold-Steak und beschlossen:

Daskönnen wir auch!

Gesundheitlich steht dem Event-

Schluck nichts im Wege.Wirges sagt:

„Die Goldblättchen schmecken ganz

zart und lösen sich auf dem heißen

Schaum schnell auf. Verdauungstechnisch

besteht keine Gefahr. Ein

Geburtstagskind hat den Spaß neulich

genossen und war glücklich.“

Currywurst mit Blattgold ist das

„Signature-Dish“ im Hotel Adlon.

PURE FOOD

Sonst aber findet das Gold-Getränk

nicht so reißend Absatz. Das

lässt sich eher vonder Currywurst im

Fünf-Sterne-Hotel Adlon am Brandenburger

Torsagen. Sprecherin Sabina

Held schwärmt: „Die Currywurst

mit selbst kreierter Currysoße

und Blattgoldstaub kostet 17 Euro

und ist bei Berlinernund unseren internationalen

Gästen das beliebteste

Gericht in unserer Lobby-Bar.“

Lage, Lage, Lage –was für Immobilien

gilt, scheint auch für Gold zu

gelten. Michael Näckel vom Hotelund

Gaststättenverband und Mitglied

im Präsidium meint: „Stadtsoziologisch

betrachtet ist es wichtig,

in welchem Bezirk ein Gastwirt so

ein außergewöhnliches Angebot

macht. Gäste,die auf Bling-Bling stehen,

werden es sicher bestellen.“

Recht hat der Mann. In Lichterfelde

stecken die dort wohnenden

Gutverdiener ihr Geld lieber in drei

bis fünf Kinder. InMitte prassen bekanntlich

lieber Multi-Millionäre

und Leute knapp darunter.

Schwimmende Autos, entwurzelte Bäume

Zweitesschweres Gewitter über Berlin innerhalb von 24 Stunden sorgt für mehr als 300 Feuerwehreinsätze

VonAndreas Kopietz, Nadine Pensold

und Eric Richard

Ein schweres Unwetter über

Berlin hat am Mittwochabend

erneut für Chaos gesorgt.

Umgerissene Bäume

fielen auf Straßen und S-Bahn-Gleise,

Züge fielen aus, auf dem Wannsee

kenterten Boote. Die Berliner Feuerwehr

rief rasch und bereits das zweite

Mal innerhalb von 24Stunden den

Ausnahmezustand „Wetter“ aus. Bis

zum späten Abend rückten die Feuerwehrleute

zu mehr als 300 Einsätzen

aus.

Im Stadtteil Friedenau fiel ein

Baum auf ein Cabrio. Die beiden Insassen

hatten Glück im Unglück und

wurden nur leicht verletzt, teilte die

Feuerwehr mit. Auch am Wannsee,

wo mehrere Boote aufgrund von

Sturmböen gekentert waren, gab es

glücklicherweise keine Meldungen

über Schwerverletzte oder vermisste

Personen.

Ausfälle im Fernverkehr

Wegen des Unwetters kam es aber

zu zahlreichen Einschränkungen

auf den Straßen und im öffentlichen

Nahverkehr in Berlin und Brandenburg.

Im gesamten Stadtgebiet fielen

zahlreiche Ampeln aus. Wegen

umgestürzter Bäume wurden der

Lichtenrader Damm zwischen Dielingsgrund

und Reichnerweg sowie

der Tempelhofer Damm zwischen

Bayernring und Paradestraße gesperrt.

Besonders heftig traf das Unwetter

Reisende, die einen Fernzug der

Deutschen Bahn nutzen wollten.

Der Himmel über Berlin: Gewitterstimmung am Kanzleramt.

Das Unwetter ließ Bäume umstürzen, wie hier in der Paradiesstraße.

Durch das Gewitter wurden technische

Anlagen beschädigt, sodass am

Abend keine Fernzüge durch die

Hauptstadt fahren konnten. Einige

Züge wurden um Berlin herumgeleitet.

Ab 21 Uhrwurde der Fernverkehr

DPA/PAUL ZINKEN

BERLINER ZEITUNG/PUDWELL

durch die Stadt wieder eingeschränkt

freigegeben.

Auch bei der S-Bahn sorgte das

Unwetter für starke Einschränkungen.

Wegen Blitzeinschlägen und

umgestürzter Bäumen kam es zu

BERLINER ZEITUNG/VOLKMAR OTTO

Abrechnung mit den Diätgurus –Lesung mit Nils Binnberg

Erwollte endlich wieder Pizza essen, aber hat es sich nicht zugestanden.

DerBerliner Journalist und Autor Nils Binnberghat mit seinem

Buch„Ich habe es satt –Wie uns Ernährungsgurus krank machen“ (Suhrkamp

Verlag) einen Nerv getroffen. Er beschreibt darin seinen Wegindie

Essstörung Orthorexia nervosa, bei der sich Betroffene zwanghaft gesund

ernähren. Undersetzt sich darin kritisch mit der Rolle des Essens in

unserer Gesellschaft auseinander.AmMittwochabend las Nils Binnberg

im Newscafé des DuMont BerlinerVerlags aus seinem Buch. Als Moderatoren

führten Jochen Arntz, Chefredakteur der Berliner Zeitung, und

Wissenschaftsredakteurin Anne Brüning durch den Abendmit Diskussionsrunde.Für

die vielen Fragen aus dem Publikum stand als Experte außerdem

der Ernährungspsychologie-Professor Christoph Klotter vonder

Hochschule Fulda zur Verfügung. Einer seiner wichtigen Ratschläge:

Mehr Gelassenheit beim Thema Ernährung.

Sperrungen und Zugausfällen –vor

allem auf dem S-Bahn-Ring. Der

Zugverkehr wurde vorläufig eingestellt.

An den Flughäfen Schönefeld

und Tegel wurden zahlreiche Flüge

gestrichen. Aus Sicherheitsgründen

wurde der Flugverkehr für 45 Minuten

ausgesetzt.

DasUnwetter zogvon Südwesten

über Brandenburg Richtung Berlin.

Der Deutsche Wetterdienst warnte

vorOrkanböen mit Geschwindigkeiten

von bis 120 Stundenkilometern

sowie heftigem Starkregen und Hagel.

Überforderte Kanalisation

Bereits in der Nacht zu Mittwoch

hatten Unwetter in Berlin und Brandenburg

für zahlreiche Schäden gesorgt.

Besonders hart traf esdabei

Rummelsburg. Noch am Mittwochmittag

waren dort Feuerwehrleute

mit dem Auspumpen vonKellernbeschäftigt.

In der Pfarrstraße schwammen

sogar die Autos weg –sohoch stand

das Regenwasser. Anwohner und

Gewerbetreibende waren am Mittwoch

dabei, die Schäden zu erfassen.

Einer von ihnen war Michael

Schönstedt. Der 66-Jährige betreibt

den Fahrradladen Pedalpower. „Es

sind weit mehr als 100 000 Euro

Schaden entstanden“, sagte er.

DieKanalisation in der Pfarrstraße

war mit den Regenmassen schlicht

überfordert. Die Wassermassen unterspülten

an mehreren Stellen die

Fußwege, sodass diese einbrachen

und tiefe Löcher entstanden. Auch

Teile der Stadtautobahn standen unterWasser.

Immer öfter

wird die 112

gewählt

Das Vorjahrsteht für eine

Rekordzahl an Notrufen

VonAndreas Kopietz

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Berlins Einwohnerzahl

wächst. Die Zahl der Feuerwehreinsätze

auch. Das

Jahr 2018 steht für eine Rekordzahl

an Notrufen –und für eine

verstörende Feuerwehrpanne, bei

der ein 13-jähriges Mädchen starb.

2018 musste die Feuerwehr zu insgesamt

463 977 Rettungseinsätzen,

Bränden oder technischen Hilfeleistungen

ausrücken. Dassind fünf Prozent

mehr als im Vorjahr, wie Feuerwehrchef

Karsten Homrighausen am

Mittwoch bei derVorstellung des Feuerwehrberichts

2018 sagte.Alle 67 Sekunden

sei man ausgerückt.

Die Einsatzzahlen steigen seit

zehn Jahren. Weil die Stadt wächst,

werden häufiger Sanitäter und Notärzte

alarmiert. Der überwiegende

Teil sind Einsätze imRettungsdienst

–nämlich 390 409. Das waren über

18 000 mehr als im Vorjahr. Brände

machen nur einen geringen Teil aus.

Viele Rettungseinsätze sind nach

Einschätzung von Homrighausen

nicht nötig. DieSanitäter müssten eigentlich

nur bei lebensgefährlichen

und schweren Verletzungen anrücken

und nicht bei leichteren Vorfällen.

Feuerwehrleute berichten, dass

Menschen den Notruf etwa wegen

Schnupfens oder eines eingewachsenen

Fußnagels wählen. Homrighausen

kündigte eine Öffentlichkeitskampagne

an für einen „gewissenhaften

Umgang“ mit dem Notruf.

„Weilauch wir beobachten, dass sich

eine gewisse Vollkaskomentalität

breitmacht.“

Der Feuerwehrchef erinnerte

daran, dass für nicht lebensbedrohliche

Erkrankungen der Kassenärztliche

Bereitschaftsdienst unter der

Nummer 116 117 bereitsteht.

Unnötige Einsätze halten die Retter

auf, wenn sie wirklich gebraucht

werden, etwa bei einem Schlaganfall,

wo jede Minute zählt. 2018 brauchte

die Feuerwehr länger, umnach dem

Notruf ihren Einsatzort zuerreichen.

Bei Bränden lagen die Eintreffzeiten

bei 9,8 Minuten (2017: 9,3 Minuten).

Im Rettungsdienst stieg die Anfahrtszeit

von9,6 auf10,2 Minuten.

Innensenator Andreas Geisel

(SPD) sprach voneinerVerbesserung

der Situation in der Feuerwehr. Es sei

gelungen, den Krankenstand zu senken.

Besoldung und Feuerwehrzulage

seien erhöht und mehr als 600

Dienstkräfte befördertworden. Neue

Fahrzeugewürden angeschafft.

DieVorstellung des Feuerwehrberichtes

fiel auf einen traurigen Jahrestag:

Am12. Juni 2018 wurde die

13-jährige Ronja am BlockdammweginRummelsburgvon

einer Straßenbahn

erfasst. Beim Versuch, sie

zu bergen, fiel der Zugherunter und

tötete das Kind. Seitdem ermittelt

die Staatsanwaltschaft.


10 * Berliner Zeitung · N ummer 134 · D onnerstag, 13. Juni 2019

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Bezirke

Prenzlauer Berg

Seniorenheim vor dem Aus

Für die 66 Bewohner und

70 Mitarbeiter kam diese

Nachricht völlig überraschend:

Bis Ende September

wird das von der Caritas betriebene

St.Josefsheim in der

Pappelallee geschlossen.

Grund dafür sei, so Caritas-

Pressesprecher Thomas

Gleißner, eine akute „Brandschutzproblematik“,

die erst

nach einem großen Wasser-

rohrbruch ersichtlich geworden

sei. Dabei sei herausgekommen,

dass die Herstellung

eines gesetzeskonformen

Brandschutzes 1,5

Millionen Euro kosten würde

und nicht bei laufendem Betrieb

umzusetzen gewesen

wäre. Man werde den Bewohnern

jetzt helfen, möglichst

schnell woanders unterzukommen.

(mw.)

Gewobag kauft 517 Wohnungen

Die Gewobag hat zwei

Wohnblöcke an der

Friedrichstraße 225 und 226

mit 517 Wohn- und 19 Gewerbeeinheiten

gekauft. Die

bisherigen Eigentümer sind

zwei Kölner Fondsgesellschaften.

Markus Terboven,

Vorstandsmitglied der Gewobag,

freut sich: „Dank der erfolgreichen

Zusammenarbeit

mit der Senatsverwal-

Kreuzberg

tung und der Berliner Immobilienmanagement

GmbH

sichern wir weiteren bezahlbaren

Wohnraum in zentraler

Lage.“ Diegesamte Anlage

steht unter Denkmalschutz.

Der Architekt war Werner

Düttmann. Die Gewobag erweitert

mit diesem Erwerb

ihren Bestand in Friedrichshain-Kreuzberg

auf knapp

6000 Wohnungen. (sara.)

Seltenes Familienglück

Munterer und hungriger Storchennachwuchs

NATURSCHUTZ BERLIN-MALCHOW

Malchow

Jetzt haben Freunde von

Adebar und Co. einen

Grund mehr, das 25. Storchenfest

des NaturhofesMalchow,

Dorfstraße 35, am 15.

und 16. Juni zu besuchen.

Drei Storchenkinder können

dort beobachtet werden. Es

ist das erste Mal seit 2014,

dass in Malchow wieder ein

erfolgreiches Nachwuchsjahr

gefeiert werden kann. (sara.)

Zebrastreifen kommt

Schon lange wirdein Fußgängerüberweg

über die

Marzahner Promenade auf

Höhe des Netto-Marktes zur

Bushaltestelle von Anwohnern

gefordert. Nun kommt

Bewegung in die Sache, teilt

das Bezirksamt auf Anfrage

des Abgeordneten Manuel

Schmidt (Die Linke) mit. Die

Senatsverwaltung plane die

Verkehrsmaßnahme aktuell.

Marzahn

Die bestehende Bushaltestelle

soll demnach in Richtung

Westen versetzt werden,

die Zufahrtzuden südlich

der Marzahner Promenade

liegenden Parkplätzen

geschlossen und die Parkplätze

direkt an der Straße

zurückgebaut werden. Verkehrsschutzgitter

zum

Schutz der Fußgänger sind

ebenfalls geplant. (sara.)

Frische Luft statt Abgasduft

Die Initiative „Rixdorf

nimmt Rücksicht“ will

im Rahmen des Projektes

„Vorfahrt für Kinder“ die Bewohner

des Richardkiezes

für mehr Rücksichtnahme

und Nachhaltigkeit im Straßenverkehr

mobilisieren.

Mit einer Plakataktion soll

dies gelingen. Unter dem

Motto „Frische Luft statt Abgasduft“

sind Anwohner je-

Junge Helden gesucht

Vereine, Verbände, Schulen,

Eltern und Privatpersonen

sind aufgerufen,

bis zum 16. September engagierte

junge Menschen in

Steglitz-Zehlendorf imAlter

vonzehn bis 21 Jahren für die

Ehrung als „Bezirksheld“

vorzuschlagen. Dafür genügt

eine E-Mail (Adresse siehe

unten) mit Angaben zum Namen,

zum Alter und zur Art

Rixdorf

Steglitz-Zehlendorf

den Alters aufgerufen, ein

Plakat zu kreieren, das dann

im Kiez aufgehängt wird.Wer

beim Wettbewerb mitmachen

will, hat dafür Zeit bis

zum 6. September. Bis dahin

sollten die Plakate auf DinA4

(Querformat) im QM Richardplatz

Süd, Böhmische

Straße 9, abgegeben werden.

vorfahrt-kinder.de/

plakatwettbewerb (sara.)

des Engagements sowie zu

den positiven Eigenschaften

der vorgeschlagenen Person.

Alle Vorgeschlagenen werden

am 22. November im

Rahmen einer Feier geehrt

und erhalten eine Auszeichnung,

die vonBezirksbürgermeisterin

Cerstin Richter-

Kotowski (CDU) überreicht

werden wird.

kijubsz@berlin.de (nm.)

Künstliche Intelligenz soll Auskünfte erteilen.

Bahn-Roboter antwortet nicht immer

Trommeln Traditionell am letzten

Sonntag vorden Sommerferien,

diesmal also am 16.

Juni, steigt von12bis 20 Uhr

das 26. Rakatak-Trommel- und

Familienfest auf der Sportanlage

Schönholzer Heide,Hermann-Hesse-Straße

82. Auftreten

werden Laien- und professionelle

Bands mit afrikanischer,Latino-,

karibischer,

Rock-/Funk- und Pop-Musik.

TERMINE

Begegnung Vom15. bis 16. Juni

lädt Cabuwazi Tempelhof –der

Kulturflughafen alle Zirkus-

Freunde und Kulturinteressierten

zum 3. Freedom of Movement

Festival an den Columbiadamm

84 ein. DasFestival

setzt sich künstlerisch mit den

Themen Flucht und Ankommen

auseinander und ermöglicht

Begegnung mit Menschen

aus vielen Teilen der Welt.

Zugreisende können am Hauptbahnhof

in Berlin nun auch einen Roboter um

Auskünfte bitten. Ob sie zufriedenstellende

Antworten bekommen, hängt aber

auch von der Internetverbindung ab. Das

zeigte die Präsentation des sprechenden

Roboterkopfs namens Semmi der Deutschen

Bahn. Bei der ersten Vorführung

reagierte die Roboterdame mehrfach nicht

auf die Frage nach der nächsten Verbindung

nach München und musste neu gestartet

werden. Schließlich gab sie doch

die ein oder andereAntwort–ineinem Fall

mit Hinweis auf eine Verspätung. (dpa)

AFP

Kindheit DasMuseum Reinickendorf,

Alt-Hermsdorf35,

beleuchtet anlässlich des 250.

Geburtstages vonAlexander

vonHumboldt in einer Sonderausstellung

Leben und Werk

des Naturforschers,Gelehrten

und Kosmopoliten. Einer der

Schwerpunkte widmet sich

seiner Kindheit, die er mit seinem

Bruder Wilhelm im

Schloss Tegel verbrachte.

Die Berliner Zeitung berichtet aus den BezirkeninZusammenarbeit mit dem Berliner Abendblatt.

Infos zur Allende-Brücke

Die nächste Informationsveranstaltung

zum

Ersatzbau der Salvador-Allende-Brücke

findet in der

Jugendfreizeiteinrichtung

„Würfel“, Alfred-Randt-

Straße 52, am 19. und 20.

Juni, jeweils um 19 Uhr, statt.

Die Platzzahl ist begrenzt,

Anmeldung erwünscht.

Oeffentlichkeitsarbeit-V

@senuvk.berlin.de (sara.)

Köpenick

So soll die Allende-Brückekünftig

aussehen.

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Imbiss-Boxen gegen Pfand

Seit mehreren Wochen bereitet

die KlimaWerkstatt

Spandau ein System vor, mit

dem der Außerhaus-Konsum

für Food to go ohne Einwegverpackungen

aus Plastik,

Pappe und Aluminium noch

leichter wird. Als Pilotunternehmen

ist dabei das Restaurant

Fadice in der Spandauer

Altstadt mit von der

Partie. Dieses gibt seit An-

Spandau

fang dieses Monats Mehrwegboxen

gegen Pfand aus.

Die ReBoxen gibt es in verschiedenen

Größen und aus

unterschiedlichem Material

(Glas oder Hartplastik). Für

die ReBox sind fünf Euro

Pfand zu zahlen. Bei Rückgabe

der Box wird das Geld

wieder ausgezahlt.

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12 * Berliner Zeitung · N ummer 134 · D onnerstag, 13. Juni 2019

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Berlin

Gysi will ein

Urteil wegen

Mordes

Plädoyers im Prozess um

den Todeiner Studentin

Berliner Allee

wird

autofreie Zone

Bürger demonstrieren am

Tagder Verkehrssicherheit

VonKatrin Bischoff

Sie sind sich nicht einig: der

Staatsanwalt und der Vertreter

der Nebenkläger.Das ist selten in einem

Strafprozess. Sie haben sogar

eine grundverschiedene Meinung an

diesem Mittwoch im Landgericht –

im Prozess um den Todder 22-jährigen

Studentin Johanna Hahn. Während

der Staatsanwalt für den Angeklagten

wegen fahrlässiger Tötung

eine Haftstrafe von acht Jahren und

vier Monaten verlangt, plädiert Gregor

Gysi, der Anwalt der Familie der

getöteten Johanna, auf Mord.

Angeklagt ist Milinko P., ein 28-

Jähriger Serbe.Am6.Juni 2018 hatten

er und zwei entfernte Verwandte

Werkzeug aus einem Transporter gestohlen

und waren unter den Augen

der Polizei in ihrem Audi davongefahren.

Das gestand der Angeklagte

auch. Bei einer anschließenden Verfolgungsjagd

mit der Polizei raste Milinko

P.,der Fahrer des Fluchtwagens,

Johanna tot. Sie wollte bei Grün die

Windscheidstraße in Charlottenburg

überqueren. Hier gilt Tempo 30. Die

Studentin wurde von dem Audi erfasst

und gegen einen Verteilerkasten

geschleudert. Auch einer der mutmaßlichen

Täter im Auto erlitt tödlicheVerletzungen.

Milinko P. und zwei Mittäter seien

bei dem Diebstahl von Polizisten

zwar beobachtet worden, sagt der

Staatsanwalt. Den Zivilbeamten sei

ein Zugriff aber zu riskant gewesen,

sodass sie sich zur Verfolgung der

Diebe entschlossen hätten. Eine fatale

Entscheidung: Letztlich rasten

sechs Zivilfahrzeuge der Polizei –

ohne Blaulicht und Martinshorn –

dem Audi hinterher. Milinko P. fuhr

bei Rotüber die Kantstraße,sein Wagen

knallte dort inzwei Autos, erfasste

dann in der Windscheidstraße

mit 80 Kilometer pro Stunde Johanna

Hahn.

Der Staatsanwalt sagt, Milinko P.

habe darauf vertraut, dass alles gut

gehen werde. Dass die Fahrt gefährlich

gewesen sei, reiche nicht aus,Johannas

Todals Mord zu deklarieren.

ZumVerhalten der Polizisten sagt der

Vertreter der Anklage, bei der kurzen

Verfolgung„war es nicht möglich, das

Blaulicht zu installieren“.

Auto als gemeingefährliches Mittel

Nebenklagevertreter Gysi dagegen

will ein Mordurteil. Schon als der Angeklagte

am Stuttgarter Platz beinahe

gestellt worden sei, habe sich „sein

unbedingter Fluchtwille gezeigt“. Er

habe alles in Kauf genommen, habe

Polizeiwagen gerammt, einen Beamten

verletzt, sei in den Gegenverkehr

gerast. Milinko P. wollte laut Gysi

nicht ergriffen und identifiziert werden.

Der Angeklagte habe das Auto

als gemeingefährliches Mittel eingesetzt

und heimtückisch agiert, als er

die Kantstraße„wie ein Geschoss“ gequertund

mit seiner Raserei die Argund

Wehrlosigkeit von Fußgängern

ausgenutzt habe.

Gysi spricht von Fehlern der Polizei.

Es könne nicht sein, dass es für die

Verfolgung vonVerbrechernkeinerlei

Richtlinien gebe,dass vonder Polizei

verfolgte Täter schneller und schneller

werden. „Es ist nicht Aufgabe der

Polizei, die Gefährdung zu erhöhen“,

sagt Gysi. Mit Blaulicht und Martinshorn

–das Einschalten würde nach

GysisWorten fünf Sekunden dauern–

hätten alle Verkehrsteilnehmer gewarnt

werden können. Wäre dies geschehen,

dann würde Johanna „mit

an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit“

noch leben. Gysi zeigt

sich zudem verwundert, dass ein Polizeieinsatz

mit zwei Toten und mehreren

Verletzten nicht ausgewertet

worden sei. Nach dem Verfahren

wolle er sich daher an Innensenator

Andreas Geisel (SPD) wenden.

DieAnwälte vonMilinko P. sollen

am 19. Juni plädieren. Dann könnte

auch das Urteil fallen.

Besetzt! Der Andrang ist groß, als der frisch restaurierte Triebwagen Tw 10 am 21. Juni 1969 erstmals durch Berlin rollt –beim Köpenicker Sommer.

CDU prüft weiter,warum Justizsenator zu spät kam

Dirk Behrendt sagt, es sei keine Absicht gewesen –sein Navi habe eine pünktliche Ankunft errechnet

VonMelanie Reinsch

Pubertierender

Schulschwänzer,

so hatte CDU-Fraktionschef Burkard

Dregger den Justizsenator Dirk

Behrendt (Grüne) genannt, weil der

bei der letzten Plenarsitzung vor der

Sommerpause am vergangenen

Donnerstag nicht pünktlich um

zehn Uhr auf seinem Sitz im Abgeordnetenhaus

saß. Es ist nicht üblich,

dass Senatoren unentschuldigt

fehlen. Also stellte die CDU einen

entsprechenden Antrag, und die Sitzung

wurde unterbrochen, bis Behrendt

um kurzvor halb elf erschien.

Behrendt war in Schleswig-Holstein

bei der Justizministerkonferenz

in Travemünde. Er sei „zu nachtschlafender

Zeit“ losgefahren, sagte

Behrendt später und entschuldigte

sich für seine Verspätung.

Ein Oldie geht auf Tour

DerTagesspiegel hat nun berichtet,

dass Behrendt kurz nach halb

sieben Uhr losgefahren sei, Google

Maps aber eine Fahrtzeit von3Stunden

und 40 Minuten für

die Distanz berechnet. Der

Senator hätte es also so

oder so nicht schaffen können,

heißt es.

Behrendts Sprecher Sebastian

Brux bestätigte am

Mittwoch, dass der Senator

zu dieser Zeit in Travemünde

die Fahrt begonnen

habe. „Das Navigationsgerät

hat jedoch eine

rechtzeitige Ankunft angezeigt“,

sagte Brux. Wenn es klar gewesen

wäre, dass es knapp wird, hätten

man auch niemals etwa 80 Kilometer

vorBerlin eine Pause eingelegt, fügte

Brux hinzu.

BLZ/MARKUS WÄCHTER

Senator

DirkBehrendt

Tatsächlich meldet Google Maps

unterschiedliche Fahrzeiten zu verschiedenen

Abfahrtszeit. Für die

Strecke von Travemünde zum Berliner

Abgeordnetenhaus errechnet

das System um

6.30 Uhr eine Zeit von 3

Stunden und 10 Minuten.

Das ist zwar durchaus

knapp,wäreaber machbar

gewesen. Dann wäre Behrendt

um 9.45 Uhr imAbgeordnetenhaus

gewesen

und hätte fast noch Zeit

gehabt, sich im Casino einen

Kaffee zu holen.

Nach Angaben vonBehrendt, der

in der Aktuellen Stunde im Abgeordnetenhaus

die Möglichkeit zu einer

Stellungnahme bekam, habe man im

Stau gestanden. Seine Fraktion

brachte er trotzdem gegen sich auf.

SAMMLUNG ANDREAS KUBIG

Vor50Jahren restaurierten Fans liebevoll eine historische Straßenbahn. Am Sonnabend zeigt sie sich wieder

VonPeter Neumann

Es ist schon eine Zeit lang

her, fast auf den Taggenau

50 Jahre. „Doch das Klatschen

habe ich noch im

Ohr“, sagt Reinhard Demps. Das

Klatschen der Menschen, die am 21.

Juni 1969 in Köpenick am Straßenrand

standen und sich freuten, als

plötzlich ein makellos sanierter alter

Straßenbahnwagen auftauchte.

Demps war einer der Enthusiasten,

die es geschafft hatten, das rollende

Zeitdokument für die Nachwelt zu

erhalten. Am Sonnabend wird der

historische Triebwagen Tw 10 wieder

beim Köpenicker Sommer unterwegs

sein. „Ich bin dabei“, sagt er.

Eine alte Straßenbahn –was ist

das schon? Altes Eisen, etwas für unverbesserliche

Nostalgiker und

Ewiggestrige. Sohaben damals viele

Menschen gedacht, erzählt Joachim

Kubig, der als Rangierer auf dem

Straßenbahnhof Köpenick arbeitete.

Im Opel P4 über Land

„Wer sich in den 1960er-Jahren für

die Straßenbahn interessierte,wurde

ausgelacht. Die autogerechte Stadt

war das Vorbild.“ Und war man in

West-Berlin nicht mit Fugund Recht

dabei, die Elektrische abzuschaffen?

Eine alte Straßenbahn – das ist

aber auch Geschichte zum Anfassen:

mit Holztäfelung, Ledersitzen, Messingbeschlägen.

Ein Stück Berlin.

Und ein schönes Stück Technik: Kubig,

der bei den Berliner Verkehrsbetrieben

(BVG) den Beruf des Schlossers

erlernt hatte, kann das erkennen.

1967 traf er Menschen, die wie

er dachten. Zwei junge Straßenbahn-Fans,die

ihm Jahrezuvor beim

Notieren von Wagennummern aufgefallen

waren, luden ihn in die Arbeitsgemeinschaft

Kleinbahnfreunde

im Deutschen Modelleisenbahnverband

ein. Dort lernte Joachim

Kubig den Ingenieur Reinhard

Demps und andere Enthusiasten

kennen. Eine Idee reifte.Gemeinsam

wollten sie alte Fahrzeuge restaurierenund

Fahrgäste damit befördern.

Konkret wurde es, als eine Bahn

ins Blickfeld rückte, die nach Köpenick

überführt worden war. Der Arbeitstriebwagen

trug die Nummer

277 (nebst einer hochgestellten römischen

Zwei). „Er sollte verschrottet

werden“, sagt Demps. Zwar war

das Fahrzeug für die Große Berliner

Straßenbahn gebaut worden, es ähnelte

aber den Köpenicker Bahnen,

für die sich die Fans besonders interessierten.

Siebegannen, den Schlep-

„Wer sich in den 1960er-Jahren

für die Straßenbahn interessierte,

wurde ausgelacht. Die autogerechte

Stadt war das Vorbild.“

Joachim Kubig,

Straßenbahn-Enthuasiast und langjähriger Mitarbeiter der BVG

per in den historischen Zustand von

1903 zu versetzen, erzählt Kubig.

Mit seinem alten Opel P4 fuhr er

über Land, um Teile zu organisieren.

Die Ecklaternen wurden in Plauen

aufgestöbert, das Oberlichtdach

stammte aus Leipzig. Die Stromabnehmer

kamen aus Cottbus.Mit den

sperrigen Konstruktionen über die

Autobahn – eine Herausforderung.

Lederleinen, die für Nähmaschinen

gedacht waren, wurden Klingelzüge.

DerGemälderestaurator des Märkischen

Museums half dabei, die

richtige Farbe für den Wagen zu bestimmen.

DasMuseum trat den Fans

auch anderweitig zur Seite.Weil sich

der damalige Direktor Eric Hüns für

deren Anliegen begeisterte, fungierte

es als Rechtsträger –und damit

als Vertragspartner für die anstehenden

Arbeiten und Käufe. Die BVG

(Ost) hatte das zuvor abgelehnt.

Öffentliche Sonderfahrten

Der 21. Juni 1969 war der große Tag.

„In der Bahnhofstraße gab es einen

Riesenauflauf“, sagt Demps, der

heute 80 Jahre alt ist. Der Hauptmann

vonKöpenick marschierte mit

acht Soldaten zum Rathaus, Triebwagen

Tw 10 begleitete ihn – und

versuchte danach im Pendelverkehr,

den Fahrgastandrang zu bewältigen.

Aus den Männern, die damals an

Gleis 9inKöpenick werkelten, wurde

ein Team, das später weitere Straßenbahnen

aufarbeitete. Der Denkmalpflege-Verein

Nahverkehr Berlin,

der daraus hervorging, betreut heute

49 Wagen. Regelmäßig lädt er zu öffentlichen

„Themenfahrten“ ein.

Joachim Kubig, 83 Jahre alt, kann

am Sonnabend nicht dabei sein,

wenn Tw 10 ab 14 UhrimFestumzug

mitrollt und danach weitereFahrten

absolviert. Doch er freut sich, dass

das gute Stück vor kurzem eine

Hauptuntersuchung bestanden hat.

„Dieser Wagen“, sagt er,„gehörtzum

Köpenicker Sommer einfach dazu.“

Im Nachhinein sei man immer

schlauer, sagte Brux am Mittwoch.

Man hätte früher losfahren sollen.

Das sei ein denkbar schlechter Tag

gewesen, um zu spät zu kommen.

Denn schon zuvor hatte sich ein

Konflikt angebahnt, weil vier Senatsmitglieder

der Sitzung fernbleiben

wollten, da sie an den zeitgleich

stattfindenden Fachministerkonferenzen

teilnehmen wollten. Behrendt

soll den Regierenden Bürgermeister

Michael Müller (SPD) umgangen

haben und sich direkt an den

Präsidenten des Abgeordnetenhauses,Ralf

Wieland, gewandt haben.

Ist das Thema nun auch für die

CDU erledigt? „Nein“, sagte Dregger

am Mittwoch. „Wir sind da weiter

dran und prüfen.“ Ihn interessiere

schon, was der Justizminister mit

„nachtschlafender Zeit“ meine.

VonPeter Neumann

Autofahrer müssen am Sonnabend

in Berlin mit zusätzlichen

Verkehrsbehinderungen rechnen.

Demonstrationen undVeranstaltungen

legen einige Hauptverkehrsstraßen

vorübergehend lahm. Anlass ist

der Tag der Verkehrssicherheit, zu

dem der Deutsche Verkehrssicherheitsrat

bundesweit aufruft. Auch

eine der wichtigsten Straßen im

Nordosten wird unterbrochen. „Die

Berliner Allee wird zur autofreien

Zone“ –unter diesem Motto lädt eine

Bürgerinitiative inWeißensee für 13

bis 17 Uhr zueinem Aktionstag auf

der Fahrbahn ein. Allerdings betrifft

dies dann auch ein Verkehrsmittel,

das Teil der Verkehrswende ist: Auch

die Straßenbahn wirdnicht fahren.

„Wir wollen endlich mal wieder

durchatmen“, sagt Jens Herrmann,

Sprecher der Initiative Aktion Berliner

Allee.Seit Jahren setzen sich Bürger

und Politiker dafür ein, die Straße

umwelt- und stadtverträglicher zu

gestalten, sagt er. Dazu würde gehören,

dass Radfahrer Fahrstreifen bekommen

und die Straßenbahn auf

weiteren Abschnitten ebenfalls eine

eigene Trasse erhält. Doch obwohl

Planungen und Beschlüsse vorliegen,

würde die Umsetzung verschleppt,

bemängelt Herrmann.

Straßenbahn wirdunterbrochen

Die Berliner Allee in Weißensee wird für

einen Tagverkehrsfrei. THOMAS UHLEMANN

„Wir werden immer nur vertröstet.

Darum wollen wir jetzt auf der

Straße Druck machen“, so der Weißenseer.

Angemeldet wurde eine

Versammlung zwischen Pistoriusund

Smetanastraße. Dort gibt es außer

einem bunten Programm auch

Diskussionsrunden mit Politikern.

Doch einer der Eingeladenen kritisiert,

dass am Sonnabend von 12

bis 20 Uhrauch der Straßenbahnverkehr

betroffen ist. Die Linie 12 wird

verkürzt, längere Abschnitte der M4

und M13 werden nicht befahren.

„Ich finde es merkwürdig, dass die

Straße total gesperrt wird“, sagt der

Grünen-Politiker Harald Moritz. Er

gehöre zuden Berlinern, denen der

Nahverkehr sehr wichtig ist. Nur so

könne die Verkehrswende gelingen.

Wichtige Linien würden unterbrochen,

Fahrgäste auf Umwege gezwungen,

sagt BVG-Sprecherin Petra

Nelken. Ein Schienenersatzverkehr

sei nicht möglich. „Wo sollte der

denn auch lang fahren, die Straße ist

komplett gesperrt und durchs Komponistenviertel

kommt kein Bus.“

„Für uns ist wichtig, dass die

Menschen auf die Straße gehen können

–auch Familien mit Kindern“,

entgegnet Herrmann. Bliebe die

Bahn in Betrieb, wären aufwendige

Sicherheitsmaßnahmen notwendig.

Demonstriert wird am Sonnabend

auch auf der Müllerstraße in

Wedding von 11bis 15 Uhr. Gefordert

werden geschützte Radstreifen.

Von15bis 18 Uhr wird die Ostseite

der Schönhauser Allee am S-Bahnhof

gesperrt–wie es Planer vonGehl

Architects im Senatsauftrag projektiert

haben. Dort wird die Straßenbahn

aber weiterhin fahren. Eine

weitere Demo gibt es ab 14 Uhr an

der Oberbaumbrücke in Kreuzberg.


Berliner Zeitung · N ummer 134 · D onnerstag, 13. Juni 2019 13 *

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Berlin

Komm nach Köpenick

Bei der legendären Fête de la Musique steht in diesem Jahr der südöstliche Bezirk im Fokus. Am 21. Juni spielen viele Bands und Musiker an 160 Orten in Berlin

VonStefan Strauß

Aus sportlicher Sicht steht der BezirkTreptow-Köpenick

längst im

Fokus der Stadt, seit der 1. FC Union

die erste Fußball-Bundesliga erreicht

hat. Nun folgt auch der musikalische

Aufstieg: Nach Lichtenberg

im vergangenen Jahr steht nun der

südöstliche Bezirk bei der Fête de la

Musique am 21. Juni in der ersten

Reihe. „Treptow-Köpenick hat noch

viele unentdeckte Perlen“, sagt der

künstlerische Leiter der Fête de la

Musique,BjörnDöring.

Und sofindet nicht nur die Auftaktveranstaltung

am 20. Juni mit

Kultursenator Klaus Lederer (Linke)

in der Köpenicker Altstadt in einem

idyllischen KulturortamWasser statt

–der Freiheit 15. Auch an mehr als 20

Orten im gesamten Bezirkwirddann

am längsten Tagdes Jahres Musik gemacht,

etwa im Mellowpark, im

Kunsthof Köpenick, in der Friedenskirche

Grünau, im Bienenhauptquartier

im Kunger-Kiez und in der

Kunstanstalt.

Romano besingt seinen Bezirk

Natürlich darf der musikalische Lokalheld

Romano da nicht fehlen, der

in seiner Liebeshymne „Komm,

komm, komm, komm, komm,

komm mit mir nach Köpenick“, den

Bezirk tatsächlich als Wunderland

und sogar als Paradies beschreibt.

Für den gebürtigen Köpenicker gehört

die Fête de la Musique dann

Da liegt Musikedrin: Am 21. Juni dürfen Musiker ohne Erlaubnis der Behörden singen und Musik machen, aber nur unverstärkt und nur von 16 bis 22 Uhr.

auch in den Bezirk „wie die Sahnetorte

zum Sekt“, sagt er. Insgesamt

treten Musiker, Chöre und Bands

berlinweit an mehr als 160 Orten auf.

Und auch spontan darf jeder und

jede von16bis 22 UhrMusik auf der

Straße machen, allerdings nur ohne

elektronische Verstärker und nicht

länger als eine Stunde.

Das musikalische Spektrum

reicht von Pop, Rap, Electro über

Klassik und Jazz zu Reggae, Samba

und Metal. DieMusiker treten in Cafés

und Biergärten auf, in Kirchen,

Fête de la Musique: Am 21. Juni 16 bis 22

Uhr an mehr als 160 Orten –indieser Zeit

darf auf der Straße unverstärkt Musik gemacht

werden, aber nur 60 Minuten lang und

nicht vorKrankenhäusern, Altenheimen, Kirchen,

Moscheen und Synagogen. Grundsatz:

Nicht zu laut spielen und niemanden stören.

UNSONST, DRINNEN & DRAUSSEN

Besonderheiten: Probe des Konzerthausorchesters

am Gendarmenmarkt (Einlass

13.30 Uhr,Beginn 14 Uhr), indische Prozession

vorSchloss Charlottenburg (18 Uhr), Lesungen

und Musik mit dem Rundfunksinfonieorchester

auf den Friedhöfen an der Bergmannstr.amSüdsterninKreuzberg

(20 Uhr).

IMAGO IMAGELS/DAVID HEERDE

Clubs und Gärten. Erstmals dabei

sind renommierte Kulturorte wie das

Konzerthaus am Gendarmenmarkt,

der Friedrichstadtpalast, Schloss

Charlottenburg und das Renaissance-Theater.

Sogar im Hauptbahnhof

und am Ostbahnhof wird

an diesem TagMusik gemacht. „Das

Interesse und das Spektrum der Musik

sind größer geworden“, sagt

BjörnDöring.

Das mag auch daran liegen, dass

die Finanzierung des Umsonst-und

Draußen-Festivals nach französischem

Vorbild sicherer geworden ist

als in den vergangenen Jahren.

Wegen der „andauernden unsystematischen

Finanzierungspraxis“

und der „unwürdigen Bettelei“ hatte

die Gründerin der Berliner Fête de la

Musique, Simone Hofmann, vor

zwei Jahren ihren Job beendet. Erstmals

am 21. Juni 1995 war ein bemalter

Militärlastwagen mit Musikern

an Deck durch die Stadt gefahren.

Mittlerweile beteiligen sich mehr als

500 Städte in mehr als 100 Ländern

an dem Straßenfest für Profi- und

Hobbymusiker, für die an dem Tag

mal freundlichereRegeln gelten.

„Freude schöner Götterfunken“

Als BjörnDöring neuer Leiter der Fête

de la Musique wurde, hatte er eine

Menge neuer Ideen. Jedes Jahr sollte

es einen Fokusbezirk geben und am

am Abend sollten alle Musiker in der

Stadt zu einer festgelegten Zeit drei

gleiche Songs spielen. Zu den ausgewählten

Liedern gehörte auch Beethovens„Ode

an die Freude“.

In diesem Jahr beteiligen sich

mehr als 50 Städte in Deutschland an

diesem Singalong, ebenso Städte in

Frankreich, Italien, Griechenland, Polen,

Slowenien und Belgien. Um 20

Uhr wird Beethovens „Ode an die

Freude“ mit Schillers Text „Freude,

schöner Götterfunken …“ an etlichen

Orten Europas erklingen. Als „ein besonderes

Zeichen für die grenzüberschreitende

Kraft der Musik und als

Hymne Europas“, sagt BjörnDöring.

Erste positive Bilanz bei

Lärmschutz für Clubs

WirtestehenvorProblemen,wennWohnbebauungheranrückt

VonElmar Schütze

Berlin kämpft um seinen Ruf als

internationale Clubmetropole

mit Weltruf. Der wachsende Bedarf

an Wohnflächen in der immer voller

werdenden Stadt bedroht diesen

Status immer mehr.

Da aber Musik- und Ausgehindustrie

ein Wirtschaftsfaktor mit

Umsätzen von jährlich fast 200 Millionen

Euro sind, gibt es Unterstützung

aus der Politik –etwa beim Einbau

von Lärmschutzmaßnahmen.

Das Abgeordnetenhaus hat ein Förderprogramm

aufgelegt, das mit einer

Million Euro ausgestattet ist.

Nach Angaben der federführenden

Wirtschaftsverwaltung sind bislang

24 Anträge auf Unterstützung eingereicht

worden. Für vier davon hat

eine Jury der Lobby-Organisation

„Berlin darf nicht

zu einem Dorf

gemacht werden.

Vielfalt ist wichtig.“

Jens Reule Dantas,

Inhaber der Musikbrauerei

Clubcommission bereits eine Förderempfehlung

für knapp 300 000

Euro abgegeben. Das nächste Mal

tagt die Jury Ende des Monats.

Allein eine Auflistung der vier bisher

ausgelobten Förderempfänger

zeigt, wie unterschiedlich die Anforderungen

sein können. Da ist das

SO36, legendärer Konzert- und Partyort

inder Oranienstraße in Kreuzberg.

Seit Ende der 70er-Jahre läuft

der Betrieb –und fast genau so lange

bangen die Betreiber um das Fortbestehen,

weil Nachbarn über Lärm

klagen. Jetzt soll mal wieder Schallschutz

eingebaut werden, diesmal

mit öffentlicher Förderung.

Da ist die Musikbrauerei in der

Greifswalder Straße in Prenzlauer

Berg. An die Veranstaltungshalle

Recordinghall, in der oft Konzerte

stattfinden, schließen sich baulich

direkt Wohnungen an –ein Unding.

Musikbrauerei-Inhaber Jens Reule

Dantas spricht von„heranrückender

Wohnbebauung“, die einen traditionsreichen

Veranstaltungsstandort

akut gefährde. Jetzt will er der Fördersumme

von 50000 Euro eigenes

Geld hinzufügen und damit Schallschutztüren

und -fenster sowie eine

ausfahrbare Klappwand im Innenhof

einbauen lassen.

Da ist die Ipse,Open-Air-Club am

Flutgraben auf der Grenze zwischen

Kreuzberg und Treptow –seit nun

fast drei Jahrzehnten einer der beliebtesten

Ausgehorte der Stadt. Die

Ipse soll eine Schallschutzanlage mit

neuartigen Lautsprechern sowie

Lärm-Absorber bekommen. Damit

solle „ein Zeichen an die Einwohner,

Besucher und andereGroßstädte der

Welt gesetzt werden, dass eine gemeinsame

Zukunft für alle im Zentrum

der Stadt möglich ist“, heißt es.

Unddaist das Gretchen, Club der

Clubcommission-Chefin Pamela

Schobeß. Das Gretchen befindet an

der Kreuzberger Obentrautstraße in

ehemaligen Militärstallungen. Bisher

war die Umgebung Gewerbegebiet,

also unproblematisch. Jetzt soll

auf dem sogenannten Dragoner-

Areal öffentlich geförderter Wohnungsbau

entstehender –ein klassicher

Fall von „heranrückender

Wohnbebauung“. Ohne Schallschutz,

so Schobeß, „müssten wir

aufhören“. Jetzt gibt es Geld für präventiven

Schallschutz.

Pamela Schobeß ahnt schon jetzt,

dass die bisherige Summe für das

Lärmschutzprogramm nicht ausreichen

werden. Sollte dieses Geld aufgebraucht

sein, will sie sich für eine

Neuauflage starkmachen, schließlich

sei es auch in einer sich verdichtenden

Stadt wichtig, „Kulturräume

zu schützen und zu sichern“. Undals

genau dies seien Berlins Clubs anzusehen.

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Der von hier


14 * Berliner Zeitung · N ummer 134 · D onnerstag, 13. Juni 2019

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Berlin

„Wir stehen das jetzt durch“

Am Freitag steht die Frauenärztin Bettina Gaber mit ihrer Kollegin vor Gericht. Es ist der erste Prozess nach der umstrittenen Neuregelung des Paragrafen 219a

VonChristine Dankbar

Kurz vor ihrem Prozesstermin

wirkt Bettina Gaber

noch relativ entspannt.

Die 56-jährige Frauenärztin

sitzt in einem Ledersessel im

Wartezimmer ihrer Praxis in Steglitz.

Es ist ruhig in den Altbauräumen,

denn das Gespräch findet in ihrer

Mittagspause statt. „Ich bin schon

aufgeregt“, gibt sie zu, „vor allem,

weil ich hoffe, dass es ein großes Interesse

an unserem Fall geben wird.“

Gaber und ihre Kollegin Verena

Weyer sind wegen illegaler Werbung

für Schwangerschaftsabbrüche angeklagt.

Verena Weyer bietet keine

Schwangerschaftsabbrüche an,

muss aber ebenfalls vor Gericht erscheinen,

weil sie mit Bettina Gaber

eine Gemeinschaftspraxis betreibt.

Es ist der erste Prozess nach der

gesetzlichen Neuregelung zum Werbeverbot

für Abtreibungen, die im

März inKraft trat. Die Verhandlung

soll am kommenden Freitag im

Amtsgericht Tiergarten stattfinden.

Es geht dabei um einen einzigen Satz

auf der Webseite der gynäkologischen

Praxis. Dort steht unter der

Rubrik „Leistungsspektrum“: „Auch

ein medikamentöser, narkosefreier

Schwangerschaftsabbruch gehörtzu

den Leistungen vonFrauDr. Gaber.“

Nurein Satz ist erlaubt

Dieser Satz ist nach Meinung der

Staatsanwaltschaft Berlin Werbung

für Abtreibungen und daher strafbar.

Dabei schützt auch die Neuregelung

des Werbeverbots-Paragrafen 219a

nicht vor Strafverfolgung. Der Kompromiss,zudem

sich die Große Koalition

im Frühling durchgerungen

hat, sieht vor, dass Ärzte zwar darauf

hinweisen dürfen, dass sie Abtreibungen

vornehmen dürfen. Jede

weitere Information – und sei sie

noch so winzig –wird sofort als verbotene

Werbung angesehen.

EinUnding, findet Bettina Gaber.

Sie hält es für wichtig, dass die

Frauen bereits auf der Webseite erfahren,

welches Verfahren sie anwendet,

denn ein medikamentöser

Schwangerschaftsabbruch, wie sie

ihn anbietet, kann nur bis zur neunten

Schwangerschaftswoche durchgeführtwerden.

Frauen, die sich dieser

schonenderen Methode unterziehen

wollen, haben also Zeitdruck.

Der Gynäkologin Bettina Gaber (56) wird am Freitag der Prozess gemacht –weil sie auf ihrer Homepage über eine Methode zum Schwangerschaftsabbruch informiert. SABINE GUDATH

„Ich bin der Meinung, es ist eine

sachliche Information und keine

Werbung und daher darf ich das auf

meine Webseite schreiben.“ Das erlaube

die Meinungs- und Informationsfreiheit,

die jedem Menschen zustehe.

Anzeigt wurden Gaber und ihre

Kollegin vor gut einem Jahr von den

gleichen Lebensschützern, die auch

die Frauenärztin Kristina Hänel aus

Gießen und ihre Kolleginnen Natascha

Nicklaus und Nora Szász aus

Kassel vorGericht brachten.

Es handelt sich dabei um die sogenannten

Lebensschützer Yannic

Hendricks und Klaus Günter Annen.

Im Grunde sind sie es,die dem Paragrafen

219a erst zu seiner Bekanntheit

verholfen haben. Sie habe diesen

Paragrafen vorher überhaupt

nicht bewusst wahrgenommen, sagt

Gaber. So ähnlich formulieren es

auch die Kasseler Frauenärztinnen

Kaum beachtet: Das heute geltende Abtreibungsrecht

wurde 1995 zum letzten Mal reformiert.

Damals musste die zuvor festgelegte

Fristenregelung nach einem Urteil des

Bundesverfassungsgerichtes modifiziertwerden.

Der Paragraf 219a blieb unbeachtet.

PARAGRAF 219A

Umstritten: Nach den Anzeigen sogenannter

Lebensschützer geriet das seit 1933 geltende

Werbeverbot für Abtreibungen ins Bewusstsein

vonPolitikern. Die SPD wollte den

Paragrafen 219a komplett abschaffen, setzte

sich in der Koalition aber nicht durch.

Natascha Nicklaus und Nora Szász,

die wegen verbotener Werbung für

Abtreibungen 2017 vor Gericht zitiert

wurden. Bundesweit bekannt

wurde auch die Gießener Ärztin Kristina

Hänel, die im gleichen Jahr wegen

Verstoßes gegen den Paragrafen

219a zu einer Geldstrafe verurteilt

wurde. ImOktober 2018 wurde Hänels

Berufung verworfen, woraufhin

sie in Revision ging. „Zwei Wochen

nachdem das Urteil gegen Frau Hänel

ergangen war, haben wir die Anzeige

gekriegt“, erzählt Bettina Gaber.

Sie sei nicht besonders überrascht

gewesen.

Der Staatsanwalt in Berlin bot

Bettina Gaber an, das Verfahren ein-

zustellen, wenn sie den Satz von der

Webseite nehme.Das aber wollte die

Ärztin nicht. Gemeinsam mit ihrer

Kollegin habe sie entschieden: „Wir

stehen das jetzt durch.“ Sie glaubt

heute, dass dies die richtige politische

Reaktion gewesen sei. „Hätten

wir und die Kolleginnen Hänel, Nicklaus

und Szász zurückgezogen, dann

hätte es im Vorfeld der Gesetzesänderung

nie so eine öffentliche Aufmerksamkeit

für das Thema gegeben.“

Die Neuregelung des Paragrafen

219a hatte Ende vergangenen

Jahres zu einer veritablen Koalitionskrise

geführt – und im Anschluss

daran zu einem Kompromiss,der vor

allem bei den SPD-Frauen für große

Erbitterung sorgte.

So dürfen Ärztinnen und Ärzte,

die Abbrüche anbieten, seit der Neuregelung

auf ihren Webseiten nun

darauf hinweisen. Mehr nicht. Jede

weitere und noch so winzige Information

wird als Werbung und damit

als strafbar betrachtet. Gaber findet

das aberwitzig. „Ich soll statt der Information

über mein Verfahren auf

eine Liste der Bundesärztekammer

verweisen, die aber noch gar nicht

existiert“, sagt sie.

Diese Liste, die die Bundesärztekammer

zusammenstellen und veröffentlichen

soll, ist Teil des Kompromisses.

Sie soll jene Informationen

enthalten, die die Frauenärzte öffentlich

nicht geben dürfen: Methoden

des Abbruchs und Adressen von

Ärzten, die ihn vornehmen.

Keine Infos vonder Ärztekammer

Doch werdie Begriffe „Bundesärztekammer

Liste Schwangerschaftsabbruch“

googelt, findet an erster Stelle

eine Stellungnahme der Ärztetages

zu Spätabtreibungen. An zweiter

Stelle folgt die dreiseitige Stellungnahme

der Kammer zum Gesetzentwurf

vom Februar 2019, an dritter

Stelle schließlich folgen„Informationen

der Bundesärztekammer zu den

Neuregelungen nach §219a“. Eine

Liste gibt es dortnicht, nur den Hinweis:

„Diese Seite befindet sich zurzeit

im Aufbau“. Ob sich dortbei den

Adressen der Ärzte künftig auch weitere

Informationen über deren Verfahren

zum Abbruch finden werden,

ist völlig unklar.

Bettina Gaber bezweifelt ohnehin,

dass die Liste überhaupt besonders

gut bestückt sein wird. „Solange

bei uns in der Republik noch so ein

Dissens über dieses Thema herrscht,

werden sich viele Ärzte erst gar nicht

auf diese hochoffizielle Liste setzen

lassen“, vermutet sie. Ihr Urteil zur

Neuregelung des Paragrafen 219a ist

klar:„Dieses Gesetz ist nicht zielführend.

So nicht.“

Noch gibt es die Hoffnung, dass

der Paragraf 219a, wie ursprünglich

geplant, eines Tages ersatzlos gestrichen

werden könnte. Deshalb

rufen Organisationen wie der Bundesverband

pro familia und das

Netzwerk Frauengesundheit Berlin

am Freitag zu einer Protestkundgebung

vor dem Gerichtsgebäude

auf. Auch die frauenpolitischen

Sprecherinnen der Linke-Fraktion

und der Grünen im Bundestag werden

dabei sein. Die Kundgebung

soll ab 10.30 Uhr amEingang des

Amtsgerichtes in der Wilsnacker

Straße 4stattfinden.

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Berliner Mietendeckel Thema beim Bund

Finanzminister Olaf Scholz (SPD) hält Senatsinitiative für nachdenkenswert

VonGerhard Lehrke

Die Debatte um den vom Senat

geplanten Mietdeckel für Berlin

ist im Bundeskabinett angekommen.

Finanzminister Olaf Scholz

(SPD) äußerteVerständnis für die auf

fünf Jahre angelegte Maßnahme.

Scholz sagte der FAZ: „Man muss

über solche Maßnahmen jedenfalls

mal nachdenken, um den überhitzten

Wohnungsmarkt zu dämpfen.“

Diemeisten Menschen, selbst aus

der Mittelschicht, könnten nicht

mehr als acht Euro kalt je Quadratmeter

zahlen. Scholz sagte weiter:

„Wenn wir nicht Verhältnisse wie in

London wollen, wo selbst Anwälte

und Ärzte in Wohngemeinschaften

leben, weil sie sich keine eigene

Wohnung leisten können, müssen

wir etwas dagegen unternehmen.“

Der Senat will am kommenden

Dienstag ein Eckpunktepapier verabschieden,

wonach die Mieten fünf

Jahre lang nicht erhöht werden dürfen.

Ein entsprechendes Gesetz soll

im Oktober vorliegen, im Dezember

verabschiedet werden und rückwirkend

vom18. Juni an gelten.

Neben der Deckelung der Mieten

in nicht preisgebundenen Wohnungen

in Mehrfamilienhäusern sieht

der Plan vor, dass Mieten auch dann

nicht steigen dürfen, wenn ein neuer

Bundesfinanzminister Olaf Scholz (SPD)

will keine Londoner Wohnkosten. IMAGO

Mieter einzieht. Außerdem müssen

Modernisierungen, die die Warmmiete

um mehr als 50 Cent proQuadratmeter

steigen lassen, angezeigt

und genehmigt werden.

Der vorgesehene schnelle Eintritt

der Wirksamkeit des Mietendeckels

hatte zu einer heftigen Reaktion des

Eigentümer-Verbandes Haus &

Grund Berlin geführt. Er hatte wie berichtet

seine Mitglieder aufgefordert,

bis spätestens kommenden Montag

jetzt noch rechtliche Mieterhöhungen

zu verlangen. Auch das Bündnis

Junger Genossenschaften, in dem 29

Genossenschaften mit insgesamt

5500 Wohnungen zusammengeschlossen

sind, meldete Bedenken

nicht nur wegen einer zunehmenden

Bürokratisierung an. Es bezweifelt,

dass ein Mietendeckel ohne Gesetz

rechtlichen Bestand haben kann. Der

Versuch, ein im Dezember verabschiedetes

Gesetz vom18. Juni an gelten

zu lassen, widerspreche dem

Rechtsgrundsatz, dass Gesetzenur in

begründeten Ausnahmen vor ihrer

Verabschiedung Geltung erlangen.

Gerade die Genossenschaften,

die bislang nur Kostensteigerungen

an ihreMieter weitergegeben hätten,

könnten künftig auf nicht vonihnen

zu verantwortende Ausgabenzuwächse

nicht mehr reagieren und

Verluste erleiden. Eine „vorausschauende

Gebäudebewirtschaftung“

sowie der Kauf sanierungsbedürftiger

Altbauten würden durch

den Mietendeckel erschwert.

Eine vorgesehene Härtefallregelung

mache die Genossenschaften

zu Bittstellernund zeige eine dirigistische,

nicht partnerschaftliche Haltung

des Senats. Auch eine Koppelung

des Mietendeckels an die allgemeine

Inflationsrate sei nicht hilfreich.

Die Baupreise seien im

Zeitraum 2015 bis 2019 mit 18 Prozent

und die Gehälter in der Wohnungswirtschaft

mit über zehn Prozent

deutlich stärker gestiegen als

die Preise insgesamt mit 5,5 Prozent.


Berliner Zeitung · N ummer 134 · D onnerstag, 13. Juni 2019 15 *

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Berlin

Knautschke

war wohl kein

Berliner

Vermutlich war das beliebte

Flusspferd sogar ein Bayer

Flusspferd Knautschke, früherer

Publikumsliebling im Berliner

Zoo, war laut einem Medienbericht

wohl kein Berliner. „Es deutet vieles

darauf hin, dass Knautschke nicht

nur kein Berliner ist, sondern, was

vielleicht viele Berlinerinnen und

Berliner schmerzen wird: Es könnte

sein, dass er ein Bayer ist“, sagte der

Historiker Clemens Maier-Wolthausen

dem Sender rbb-Kultur. „Selbst

wenn er nicht in unserer Stadt geboren

sein sollte, bleibt er für uns ein

echter Berliner“, teilte eine Zoo-Sprecherin

auf Anfrage mit.

Der Experte, der die Zoo-Geschichte

im Auftrag der Einrichtung

aufarbeitet, hat nach Senderangaben

in der sehr detaillierten Kartei der

Berliner Zootiere in der fraglichen

Zeit keine Hinweise auf die Geburteines

Flusspferdmännchens gefunden.

Allerdings sei für Oktober 1942 der

Transport eines jungen Flusspferdes

namens Maxaus dem TierparkHellabrunn

in München verzeichnet. Es ist

nach Angaben des Historikers sehr

naheliegend, dass es sich dabei um

Knautschke handelte.

Knautschkes Bekanntheit ging vor

allem darauf zurück, dass er als eines

von wenigen Berliner Zoo-Tieren die

Bombardierungen im Zweiten Weltkrieg

überlebte. Insgesamt überlebten

91 Tiere. In den letzten Tagen des

Krieges zerstörten Bomben das Außenbecken

des Flusspferdhauses,sodass

Wasser auslief. Knautschkes

Mutter wurde tödlich verletzt, ihr anderthalbjähriger

Sohn überlebte jedoch.

So wurde Knautschke für viele

Berliner zu einem Symbol. DieAngaben

von Ex-Zoodirektoren zu Details

seien aber widersprüchlich, sagte

Maier-Wolthausen. Es sei unklar, wie

es zu der Behauptung kam,

Knautschke sei Berliner. Vermutlich

hätten die damaligen Direktoren„um

den emotionalen Wert“ Knautschkes

gewusst. Der Flusspferdbulle starb

1988, im Zoo erinnert eine Bronzeplastik

des Künstlers Manfred Gräfe

an ihn. (dpa/BLZ)

Wenn es ums Geld geht, dann gehen die Ansichten über Gerechtigkeit sehr weit auseinander.

Klassenkampf oder Steuergerechtigkeit

Rot-Rot-Grün will Berliner Einkommensmillionäre alle drei Jahre vom Finanzamt gezielt überprüfen lassen

VonMartin Klesmann

Die rot-rot-grünen Abgeordnetenhausfraktionen

planen, sogenannte Einkommensmillionäre

in

Berlin künftig systematisch von Finanzbeamten

überprüfen zu lassen.

Sie haben den Senat aufgefordert,

deshalb eine Bundesratsinitiative zu

ergreifen. Ziel ist eine stetig wiederkehrende

Überprüfung von Steuerpflichtigen

mit besonders hohen

Einkünften. „Als angemessen gilt ein

Intervall vondreiJahren“, heißt es in

dem Beschluss, den die Fraktionsvorsitzenden

von SPD, Linke und

Grünen unterschrieben haben.

In solch kurzen Zeitabständen

sollen Finanzbeamte dann die Spitzenverdiener

einer besonderen

Überprüfung unterziehen. Das wäre

bundesweit Neuland. Berlin habe

bereits in den vergangenen Jahren

die Prüfungsquote bei Einkommensmillionären

erhöht und damit

gute Erfahrungen gemacht, sagte Sebastian

Schlüsselburg, Rechtspolitiker

der Linke-Fraktion und einer der

Initiatoren des Vorstoßes.„Allein im

vergangenen Jahr wurden 23,5 Millionen

an Steuernachzahlungen eingenommen.“

Mehr als zuvor.

Ist das schon Klassenkampf oder

einfach Steuergerechtigkeit? Als Einkommensmillionär

gilt, wer Einkünfte

aus nichtselbstständiger Tätigkeit,

Kapitalvermögen, Vermietung

oder Verpachtung hat, die im

Laufe eines Kalenderjahres

500 000 Euro übersteigen. Die Definition

stammt noch aus D-Mark-

Zeiten und wurde trotz der Euro-

Einführung beibehalten. Nach der

489

Einkommensmillionäre gab

es 2016 in Berlin

aktuellsten Erhebung aus dem Jahr

2016 gelten 489 Berliner als Einkommensmillionäre,

neue Zahlen sollen

bald veröffentlicht werden.

Politiker der Koalition gehen davon

aus, dass Thüringen, Brandenburg

und Bremen das Vorhaben unterstützen

werden, womöglich stimmen

weitereBundesländer zu. Nach

der Sommerpause soll es zunächst

NACHFORDERUNGEN

88 940

Euro pro Fall nahmen Finanzämter

nachträglich ein

im Abgeordnetenhaus behandelt

werden.

Die bisherige Praxis bundesweit

und auch in Berlin zeigt, dass die Finanzämter

recht unterschiedlich

vorgehen. In einigen Stadtteilen gab

es massive Nachprüfungen bei Spitzenverdienernund

in anderen nicht.

Besonders viel nachzahlen mussten

51

Spitzenverdiener wurden

2018 zusätzlich geprüft

ISTOCKPHOTO

demnach Wohlhabende aus Prenzlauer

Berg: Dort forderte der Fiskus

21,4 Millionen Euro. In Mitte und

Pankow prüfte das Finanzamt jeweils

nur einmal, zahlte den Betroffenen

aber sogar niedrige vierstellige

Beträge zurück.

Stellt man Besserverdiener nicht

unter Generalverdacht und widerspricht

es nicht dem Gleichbehandlungsgrundsatz,

wenn man sie besonders

in den Blick nimmt? Dassehen

einige Rechtsexperten so. Der

Wissenschaftliche Dienst des Bundestages

kam aber im Jahr 2016 zu

einem anderen Schluss: Die Gleichmäßigkeit

der Besteuerung würde

bei einer gesetzlichen Festlegung eines

Mindestprüfungsturnus nicht

verletzt. Vielmehr würde die Gleichmäßigkeit

bei intensiver Anwendung

der Steuergesetzesogar größer.

In der Finanzverwaltung hält sich

die Begeisterung über denVorstoß in

Grenzen. „Nach den Erfahrungen ist

nicht bei allen sogenannten Einkommensmillionären

eine Außenprüfung

angezeigt, denn diese erzielen

Einkünfte –zum Beispiel als Arbeitnehmer

–, bei denen den Finanzämtern

die Bemessungsgrundlage

für die Steuer bekannt ist und keiner

Überprüfung bedarf“, teilte Eva

Henkel, Sprecherin der Finanzverwaltung,

mit. Etwa als Vorstandsvorsitzender

eines großen Unternehmens.Die

Entscheidung, ob eine Außenprüfung

sachgerecht sei, erfolge

schon jetzt je nach Risikobewertung.

Auf jeden Fall haben die rot-rotgrünen

Fraktionsspitzen nach der

Debatte um die Enteignung großer

Wohnungsbauunternehmen nun

ein weiteres Thema entdeckt, das für

Kontroversen sorgen wird.

Bezirk will

Hausbesitzer

enteignen

Eigentümer wollte trotz

Zwangsgeld nicht sanieren

Der Besitzer des seit anderthalb

Jahrzehnten leer stehenden

Mietshauses Hindenburgdamm Ecke

Gardeschützenweg soll enteignet

werden. Der Altbau in Steglitz-Zehlendorf,

der nach 20 Jahren ohne jedwede

Investition schwer Schaden genommen

hat und nicht mehr bewohnbar

ist, soll auf Kosten des

Landes saniert werden. Das planen

das Bezirksamt und die Senatsverwaltung

für Stadtentwicklung und

Wohnen, berichtete der rbb. Sie wollen

dafür das Zweckentfremdungsverbotsgesetz

als Hebel nutzen, weil

auch Leerstand Zweckentfremdung

darstelle.

DasHaus gehörtdem ehemaligen

Arzt Santosh A., 71, der etwa ein Dutzend

Mietshäuser in Berlin ererbt

hatte. Sie stehen wie das Eckhaus in

Steglitz-Zehlendorf ganz oder teilweise

leer. Zwangsgelder konnten

den Mann, der als überaus misstrauisch

und überfordert geschildert

wird, nicht dazu bewegen, etwas an

seinem Eigentum zu tun.

Noch ist nicht entschieden, ob

eine Treuhändergesellschaft oder

eine städtische Wohnungsbaugesellschaft

die sogenannte Ersatzvornahme

durchführen soll. Die Kosten

für die Sanierung, die bei über einer

Million Euro liegen dürften, würden

sie vomLand Berlin erstattet bekommen.

DerEigentümer hat die Chance,

sein Eigentum zurückzuerhalten,

wenn er die Ausgaben begleicht.

Enteignet werden soll auch ein

Haus an der Ecke Lüderitz-/Kameruner

Straße, das ebenfalls Santosh

A. gehört. Das Bezirksamt Mitte will

dafür das Instrument des Erhaltungsgebiets

nutzen, in dem sich das

Haus befindet. Wie berichtet, war

das Haus im April2018 vonder Polizei

geräumt werden. Dort waren

viele Südosteuropäer eingezogen,

denen eine 2017 verschwundene

Hausverwaltung weit überhöhte

Mieten für einzelne Zimmer abnahm.

Es gab nach einem Brand keinen

Strom, die hygienischen Bedingungen

waren unzumutbar. (gl.)

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Wasbleibt sind die Spuren von Liebe,

die wir hinterlassen.

In Liebe und Dankbarkeit nehmen wir Abschied von

Dr. Renate Padelt

geb.Trepte

*2.9.1939 †5.6.2019

Dein Helmut und Deine Kinder

Michaela und Steffen mit Familien

Handarbeit.

Berlin/Röpersdorf, im Juni 2019

Die Trauerfeier mit anschließender Urnenbeisetzung

findet am Montag, dem 17. Juni 2019, um 11.00 Uhr

von der Kirche zu Röpersdorf aus statt.

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16 * Berliner Zeitung · N ummer 134 · D onnerstag, 13. Juni 2019

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Berlin/Brandenburg

POLIZEIREPORT

Apothekeüberfallen.

EinUnbekannter hat am Dienstagnachmittag

in Lichtenbergeine Apotheke

überfallen. Miteinem Messer

bewaffnet betrat der Mann gegen

15.40 Uhrdas Geschäft in der Möllendorffstraße.Erbedrohte

eine Mitarbeiterin

im Alter von38Jahren und

forderte das Geld aus der Kasse.Er

ließ sich die Einnahmen in eine Tüte

packen und flüchtete.Ein 26-jähriger

Bauarbeiter,der vonder Ladeninhaberin

um Hilfe gebeten wurde,

verfolgte den Unbekannten. Während

der Flucht stürzte der Räuber,

verlor dabei die Papiertüte und entkam

ohne Beute.Der 26-Jährige gab

der Inhaberin das Geld zurück.

Autofahrer schwer verletzt.

In der Straße Alt-Buch sind am Mittwochvormittag

ein Lkw sowie ein

Skoda frontal zusammengestoßen.

Dabei wurde der Pkw-Fahrer schwer

verletzt. Er musste vonder Feuerwehr

aus dem Wrack befreit werden.

Durchdie Wucht des Aufpralls

schleuderte das Auto zunächst gegen

einen Lichtmast. Anschließend

kam er an einem Metallzaun zum

Stehen. DerBaulaster prallte gegen

die Fassade eines Autosalons.Am

Gebäude zersplitterte eine Schaufensterscheibe.Die

Unfallursache ist

unklar.Wegen der Aufräumarbeiten

war die Straße Alt-Buch sowie ein

Teil der Schwanebecker Chaussee

für den Fahrzeugverkehr gesperrt.

Deshalb war die Zufahrtzuden Helios-Kliniken

beeinträchtigt.

Niedergestochen.

In zwei Fällen in Fennpfuhl und

Kreuzbergwurden am Dienstagnachmittag

zwei Männer niedergestochen

und schwer verletzt. In der

Paul-Junius-Straße hatte sich gegen

16.30 Uhrein 55 Jahrealter Mann mit

zwei Unbekannten gestritten. Dabei

stach ihm einer vonihnen mit einem

Messer in die Schulter.Ermusste

notoperiertwerden. DieHintergründe

des Streits sind noch unklar.

20 Minuten später wurde ein 25

Jahrealter Mann am Tempelhofer

Ufer vondreiUnbekannten verfolgt

und angegriffen. Dabei stach ihm einer

der Täter in den Rücken. (ls.)

GEWINNZAHLEN

Mittwoch-Lotto:

2-21-24-41-42-47

Superzahl: 1

Spiel 77: 4564961

Landeslotterie Super 6: 397233

Alle Angaben ohne Gewähr!

Die AfD wäre gernauch eine Alternative für Brandenburg.

AfD und Woidke sind hoch im Kurs

Sonntagsfrage: Die Rechtsnationalen führen, SPD-Ministerpräsident trotzdem beliebtester Spitzenkandidat

VonJens Blankennagel, Potsdam

Bislang war es ein Vierkampf,

nun wird es ein

Fünfkampf: Bei den Umfragen

zur Landtagswahl

in Brandenburgam1.September lagen

bislang die vier Parteien SPD,

CDU, AfD und Linke etwa gleichauf.

Die aktuelle Umfrage des RBB zeigt

eine neue Reihenfolge: Erstmals

überhaupt ist die rechtsnationale

AfD allein auf Platz 1. Siesteht mit 21

Prozent vorn,bei früheren Umfragen

war sie schon einmal auf Platz 1, damals

aber gemeinsam mit der derzeitigen

Regierungspartei SPD.

Die Sozialdemokraten, die in

Brandenburgseit 1990 den Ministerpräsidenten

stellen, rutschen in der

Umfrage erstmals unter 20 Prozent,

verlieren vier Punkte und fallen auf

18 Prozent. Dasist der größte Verlust

gegenüber der Umfrage im April.

Nach Angaben des RBB kommt

die CDU, die sich das Ziel gestellt

hat, erstmals in Potsdam einen Ministerpräsidenten

zu stellen, der

nicht vonder SPD kommt, nur noch

auf 17 Prozent. Damit liegen sie

gleichauf mit den Grünen, die seit

April 5Prozentpunkte zugelegt haben.

Mindestens Dreier-Koalition nötig

DieÖkopartei kam bei der Landtagswahl

2014 gerade mal auf sechs Prozent

und profitiert derzeit eindeutig

von der bundesweiten Debatte um

den Klimaschutz. Diederzeit in Potsdam

mitregierende Linke rutscht

nun auf Platz 5und erhält nur noch

14 Prozent. Der Umfragesieger AfD

wäre trotz der Erfolge nicht in der

Lage, eine Regierung zu bilden.

Denn der CDU-Partei- und Fraktionschef

Ingo Senftleben schließt

weiterhin eine Koalition aus.„Reden

ja, aber Regierungshandeln mit der

AfD definitiv nein“, sagte er im Inforadio

des RBB.„Ich habe immer gesagt,

dass man im Landtag mit allen

gewählten Parteien sprechen muss.“

lieren: AfD und Grüne. Sosteht auf

den AfD-Plakaten „Grün ärgern,

Blau wählen“. Und die Grünen greifen

die Rechtsnationalen am stärksten

an und werben ganz im Gegensatz

zu diesen für eine andere

Flüchtlingspolitik. Es gibt derzeit

also eine klarePolarisierung: DieAfD

profitiert bei einem Teil der Wähler

Sonntagsfrage Landtagswahl Juni 2019

„Wen würden Sie wählen, wenn am Sonntag Landtagswahl in Brandenburg wäre...“

im Vergleich mit den Ergebnissen der Landtagswahl 2014, Angaben in Prozent

18,0

31,9

17,0

23,0

17,0

6,2

14,0

18,6

5,0

1,5

21,0

12,2

4,0 2,7

4,0 4,1

DPA/RALF HIRSCHBERGER

Landesparteien leiden unter dem

schlechten Auftreten der Großen Koalition

in Berlin. Bei der Umfrage

kam heraus,dass nicht irgendwelche

ideologischen Themen die Hauptrolle

spielen, sondern klassische regionale

und lokale Themen wie Infrastruktur

und Verkehr, esgeht um

bessere Straßen, Krankenhäuser

oder schnelleren Internetzugang.

Umweltschutz ist Top-Thema

Christian Gräff

fordert

Ost-Quote

CDU-Politiker will

Selbstbewusstsein stärken

VonElmar Schütze

Als bau- und wohnungspolitischer

Sprecher der Berliner

CDU-Fraktion ist Christian Gräff im

Dauereinsatz, beackert erdoch für

die größte Oppositionspartei das

wohl umstrittenste Themenfeld der

Legislaturperiode. Kaum ein Tag, an

dem in der Stadt nicht über Enteignung

oder aktuell den Mietendeckel

gestritten wird.

Dennoch ist der Wahlkreisabgeordnete

für Biesdorf, Marzahn-Süd

und Friedrichsfelde Ost offenbar

nicht ausgelastet. Am Freitag will

sich der 40-Jährige zum Präsidenten

des Verbandes Deutscher Grundstücksnutzer

(VDGN) wählen lassen.

Gräffs Wahl in das Ehrenamt gilt als

sicher, einen Gegenkandidaten

gibt es nicht.

Der VDGN,

Dachverband für

rund 400 Vereine

von Laubenpiepernbis

zu Garagenbesitzern,

hat aktuell rund

120 000 Mitglieder

–vor allem in

Ostdeutschland.

CHRISTIAN GRÄFF

Christian Gräff,

CDU

Dass er mit seinem neuen Amt

Wohnungs- oder gar Mietenpolitik

betreiben möchte, weist Gräff von

sich. Dassei nicht Thema des VDGN,

sagt er.Wichtiger sei der Erhalt aller

Kleingartenflächen mit ihren rund

70 000 Parzellen in Berlin per Bebauungsplan.

„Wir wollen, dass die Flächen

in Gänze erhalten werden. Wo

dies nicht möglich ist, muss eindeutig

für Ersatz gesorgt werden“, sagt

Beiden Hauptproblemen derWähler

rückte der Klimawandel nun in die

Top3auf. Benjamin Raschke, einer

der zwei Grünen-Spitzenkandidaten,

sagte: „Wir freuen uns sehr,dass

wir noch einmal so deutlich zulegen

konnten.“ Dies sei auch das Ergebnis

des konsequenten Einsatzes für Klimaschutz,

für mehr Bus, Bahn und

Rad, für ökologische Landwirtschaft

und artgerechte Tierhaltung, für soziale

Gerechtigkeit und eine weltof-

’19 ‘14 ’19 ‘14 ’19 ‘14 ’19 ‘14 ’19 ‘14 ’19 ‘14 ’19 ‘14 ’19 ‘14

Gräff. „Die Menschen brauchen Planungssicherheit.“

PD DU Grüne LinkeC

FDP AfD BVB/FW SonstigeS

fene Gesellschaft.

BLZ/HECHER; QUELLE: INFRATEST DIMAP Trotz des Absturzes der SPD ist Das Fehlen von Planungssicherheit

die Lage für die Partei nicht gänzlich

explizit für Ostdeutsche hat

Seit Monaten betont er, dass die einerseits von der Nachläufern der hoffnungslos. Denn 48 Prozent der Gräff ohnehin als zentrales gesellschaftspolitisches

CDU mit einer AfD, die vom Rechtsaußen-Mann

Flüchtlingspolitik der vergangenen Befragten sagten bei der Umfrage,

Manko ausge-

Andreas Kalbitz ge-

Jahre und von Ängsten im Bereich dass sie SPD-Landeschef Dietmar macht. Zusammen mit einem oft dif-

führtwird, nicht koalieren wolle. innere Sicherheit. Die Grünen profitieren

Woidke direkt zum Ministerpräsifusen

Gefühl, dass Lebensläufe und -

Die rot-rote Regierung verfügt

von der überraschend heftidenten

wählen würden. CDU-Chef Leistungen nicht zählten, hätten

laut Umfrage derzeit nur noch über gen Debatte zum Klimaschutz. Senftleben folgt mit elf Prozent. etwa zum Aufstieg der AfD geführt.

32 Prozent. Da niemand mit den

Umfrage-Siegern von der AfD regierenwill,

AfD-Chef Kalbitz, der zum „Flügel“

seiner Partei um Björn Höcke

Selbst bei den Anhängern der CDU

bekommt der SPD-Mann Woidke 42

Also fordert Gräff die Einführung einer

Ost-Quote für Führungspositio-

wirdesalso auf eine Dreier- gehört, nennt den Umfrageerfolg Prozent, während der CDU-Chef nur nen in Wirtschaft und Verwaltung.

Koalition hinauslaufen – wohl mit

den Grünen als Königsmacher.

eine Momentaufnahme, über die er

sich freut. Sein Ziel sind weiter 20

37 Prozent einfährt.

AfD-Chef Kalbitz wollen nur acht

Gleichzeitig kümmert sich Gräff

um den Verband. So arbeitet der

Interessant ist dabei, dass die klarenGewinner

Prozent plus X.„Der Trend geht in die Prozent der Befragten als Regierungschef

VDGN an einem Entwurf für ein

gegenüber der bislang

letzten Landtagswahl 2014 die beiden

politischen Kräfte sind, die sich

auch selbst in den Wahlkämpfen als

die jeweiligen großen Gegner profi-

richtige Richtung“, sagte er.

Die Zahlen zeigen auch, dass der

Erfolg der AfD vor allem auch eine

Unzufriedenheit mit den Parteien

SPD und CDU widerspiegelt. Die

sehen. Die Zahlen zeigen,

wie viel Protest in den Umfragewerten

steckt, denn auch bei den AfD-

Anhängern wollen nur 34 Prozent,

dass Kalbitz Regierungschef wird.

neues Bundeskleingartengesetz. Das

bisherige Gesetz, in dem Wohnen in

der Laube untersagt wird, entspreche

„nicht der Lebenswirklichkeit“,

sagt der Politiker und Funktionär.

Schlagerkreuzfahrt Rund um „Bella Italia“

7Tage: Monaco -Livorno -Rom -Neapel -Messina -Brindisi -Dubrovnik -Venedig

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größten Hits verzaubern. Singen und klatschen

Sie mit -eswerden unvergessliche

Momente für Sie.

Copyright fly&help für Fotos von Nicole, Claudia Jung und Michael Morgan. Copyright Manfred

Esser für Fotos von Michael Holm und Peter Orloff.


Berliner Zeitung · N ummer 134 · D onnerstag, 13. Juni 2019 17

· ·

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Wissenschaft

Lange Nacht der Wissenschaften

Teil 4–Zentrum

15. Juni 2019, 17 bis 24 Uhr

GETTY IMAGES

Medizin und Natur

„Ich habe Rücken!“ Sind die Faszien

schuld? Das Faszienkörpernetzwerk ist auch

bei chronischen Rückenschmerzen beteiligt.

Demonstration und Mitmachexperiment,

IB-Hochschule, ab 17 Uhr.

Hightech im „Allerheiligsten“: Der Hybrid-

Operationssaal des Herzzentrums ermöglicht

am Herzen zugleich chirurgische und

katheterbasierte Eingriffe und ist mit modernster

Röntgen- und Ultraschalltechnik

ausgestattet. Führung,Deutsches HerzzentrumBerlin,

18 bis 23 Uhr,alle 30 Minuten.

Kann eine Softdrinksteuer die Bevölkerung

gesünder machen? Hoher Zuckerkonsum

wird mit Übergewicht und Diabetes in

Verbindung gebracht. Vortrag,Haus der

Leibniz-Gemeinschaft /Deutsches Institut

für Wirtschaftsforschung,17.15 Uhr.

Vonder Algezur lichtgesteuerten Maus:

Erläuterungen zum zukunftsträchtigen Gebiet

der Optogenetik, bei dem sich mit Licht

zelluläre Abläufe steuernlassen. Institut für

Biologie/Biophysik der Humboldt-Universität

(HU), 17 bis 23.30 Uhr.

Neue Wege zur Behandlung des Gelenkrheumas:

Vortrag über neue Therapien bei

rheumatoider Arthritis. Deutsches Rheuma-

Forschungszentrum Berlin, 21.30 Uhr.

Frühgeborene und coole Babys:Gezeigt

wird, wie kleine Frühgeborene und kranke

Reifgeborene versorgt werden. Die einen

brauchen Wärme aus dem Inkubator,um

weiter zu wachsen. Die anderen benötigen

mitunter Kühlung um Hirnschäden zu verhindern.

Charité, Campus Virchowklinikum,

Glashalle, ab 17 Uhr.

Inkubator für Frühgeborene im Virchowklinikum

der Charité S. NIESPODZIANY

Historische Führung über den Charité

Campus Mitte. Die Charité von1710 bis

heute. Charité-Crossover-Gebäude, 17, 19

und 21 Uhr,begrenzte Teilnehmerzahl.

Wieentstehen neue Arten? Veränderung

des Erbguts vonFliegenembryonen. Führung

im Berliner Institut fürMedizinische Systembiologie

(BIMSB)/MDC,18.30u.20.30 Uhr.

Alexander von Humboldt als Mitbegründer

der modernen Klimaforschung.Vortrag.

Tieranatomisches Theater,HU, 18 Uhr.

Fledermausnacht: auf den Spuren der

Nachtjäger.Besucher tauchen mit Ultraschallmikrofonen,

Wärmebildkameras und

Stirnlampen in die faszinierende Welt der

Fledermäuse ein. Mitmachexperiment, Museum

für Naturkunde, ab 17 Uhr.

Schnüffelei im Eheleben

Die DDR hatte eine der höchsten Scheidungsraten weltweit. Forscher untersuchen die Nachwirkungen

VonSabine Sütterlin

Das sozialistische Rechtssystem

wollte es genau

wissen:„Wann hatten Sie

das letzte Mal ehelichen

Verkehr?“ Das war eine der Fragen,

die scheidungswillige Ehepaare in

der DDR zu beantworten hatten.

Einerseits war die Auflösung einer

Ehe zu DDR-Zeiten ein Leichtes: Die

Bedingungen waren verständlich

formuliert und die Hürden niedrig,

der Prozess kostete wenig und war in

wenigen Wochen vollzogen. Unter

anderem deshalb hatte die DDR eine

der höchsten Scheidungsraten weltweit.

Andererseits mochten die Bürger

die staatlichen Versuche, durchs

Schlüsselloch zu blicken und die

eheliche Gemeinschaft zu kontrollieren,

gegen Ende der DDR-Zeit immer

weniger akzeptieren.

Im Zuge der deutschen Einheit

übernahm das „Beitrittsgebiet“ das

westdeutsche Scheidungsrecht –

komplett bis auf einige spezielle Regelungen,

die erst später in Kraft traten.

Dennoch wirkt sich die ostdeutsche

Haltung zur Scheidung bis

heute auf die gesamtdeutsche Scheidungspraxis

aus, wie die Wissenschaftlerin

Anja Schröter vom Potsdamer

Zentrum für Zeithistorische

Forschung festgestellt hat: „Wir haben

hier ein Beispiel dafür, dass der

Westen auch vom Osten lernen

konnte, nicht nur umgekehrt, wie es

meist hervorgehoben wurde.“

Verrat und Affären

Schröter hatte sich für ihre Promotion

vorgenommen, Veränderungen

des Rechtssystems von der späten

DDR über die Zeit des großen Umbruchs

bis nach der deutschen Einheit

zu untersuchen. Das Scheidungsrecht

erwies sich dabei als besonders

spannendes Forschungsfeld,

da sich die gesetzlichen

Grundlagen und gesellschaftlichen

Rahmenbedingungen in Ost und

West fundamental unterschieden.

Die Historikerin hat Statistiken studiert,

Akten gewälzt und Interviews

mit Geschiedenen, Richtern, Anwälten

und Schöffen in Ost- und Westdeutschland

geführt. Das Ergebnis,

in Buchform unter dem Titel „Ostdeutsche

Ehen vor Gericht –Scheidungspraxis

im Umbruch 1980-

2000“ veröffentlicht, präsentiert sie

am Sonnabend in der Langen Nacht.

Es waren nicht nur die aufdringlichen

Fragen, die in der DDR zunehmend

Unmut erregten. Auch Personen

aus dem Umfeld von Scheidungswilligen

mochten immer weniger

einsehen, warum sie als

Zeugen vorgeladen und als Teil des

„sozialistischen Kollektivs“ zur Ver-

Trennungswillige mussten in der DDR vor Gericht viele Fragen beantworten. IMAGO STOCK &PEOPLE

Veranstaltungsorte im Stadtgebiet Zentrum

1

2

3

Turmstr.

24

4

Leopoldplatz

5

Amrumer Str.

Wedding

Hauptbahnhof

Humboldthain

7

Schwartzkopfstr.

Hackescher Markt

26 27 29

Friedrichstr.

28

25 30

Französische Str.

Jannowitzbrücke

31 32

35

33 Hausvogteiplatz

Potsdamer

Platz

1 Glashalle, Campus Virchow-Klinikum

2 Berlin-BrandenburgerCentrum

fürRegenerative Therapien

3 DeutschesHerzzentrumBerlin

4 BeuthHochschule fürTechnikBerlin

5 IB-Hochschule Berlin

6 Zeiss-Großplanetarium

7 HMKW Hochschule für Medien,

Kommunikation und Wirtschaft

Haus der Biotechnologie und

Verfahrenstechnik der TUB

8 Haus derLeibniz-Gemeinschaft

9 Institut fürBiologie/Biophysikder HU

10 Museum fürNaturkunde Berlin

11 Gewächshaus der HU

12 Institut für Asien- und Afrikawissenschaften

der HU

13 Humboldt BayerMOBIL

14 Berliner Medizinhistorisches Museum

15 Deutsches Rheuma-Forschungszentrum

Berlin

16 CharitéCrossOver-Gebäude

17 Wilhelm Waldeyer Haus

18 Tieranatomisches Theater

19 Bernstein Zentrum für Computational

Neuroscience Berlin der HU

20 Molekulare Parasitologie der HU

21 Leonor-Michaelis-Haus

22 Max-Delbrück-Centrum für Molekulare

Medizin

34

14

15

16

Bernauer Str.

11

10

Luisenstr.

Invalidenstr.

9

8

13

23

23 Mori-Ogai-Gedenkstätte der HU

24 International PsychoanalyticUniversity

25 Haus der Digitalisierung der TUB

26 Universitätsgebäude am Hegelplatz

27 Pergamon-Palais

28 Institut fürMusik- und Medienwissenschaft

der HU

29 Polnisches Institut Berlin

30 Hauptgebäude derHU

31 Alexander von Humboldt Institut für

Internet und Gesellschaft

32 Hochschule Fresenius

33 Zentrumfür Osteuropa- und

internationale Studien

34 Deutsches Zentrum für Integrationsund

Migrationsforschung

35 Haus der Psychologie

BLZ/HECHER; QUELLE: LANGENACHT DERWISSENSCHAFTEN

6

12

Naturkundemuseum

Oranienburger

17

22 Tor

19 20

18 21

Reinhardtstr.

antwortung gezogen wurden, dass

sie nicht eingegriffen hätten, als der

verheiratete Mann mit der Kollegin

fremdging oder die Frau eine Affäre

mit dem Nachbarn hatte. Wie Anja

Schröter in den Interviews erfuhr,

wurde diese staatliche Schnüffelei in

privaten Angelegenheiten mit der

Zeit selbst den Richternzuviel.

Scheidungen waren auch deshalb

so häufig, weil DDR-Bürger den

Bund fürs Leben meist ohne lange

Phase des Prüfens schlossen, in jüngerem

Alter als imWesten üblich und

oft aus ganz praktischen Gründen:

Verheiratete kamen leichter an Kredite

und Wohnungen. Wegen des

herrschenden Wohnungsmangels

war es nach vollzogener Scheidung

jedoch kaum möglich, aus der gemeinsamen

Wohnung mal eben in

eine eigene Unterkunft zu ziehen. So

kam es mitunter, dass sich Geschiedene

mit ihren jeweiligen neuen Partnern

und sämtlichen Kindern die

einst zu zweit genutzte Neubauwohnung

teilten. „Da musste ick denn

Toilettenzeiten festlegen, obwohl ick

mich jeweigert hatte, musste man so

wat machen“, sagt ein Richter.

Kaum Streit um Unterhalt

Streitigkeiten über Unterhaltszahlungen,

wie in der alten Bundesrepublik

verbreitet, gab es dagegen kaum

in der DDR. Meist arbeiteten beide

Ehepartner und für die Kinderbetreuung

war ohnehin gesorgt. Daher

galt es als selbstverständlich, dass

auch Geschiedene und eventuell Alleinerziehende

selbst für ihren Unterhalt

sorgen konnten. Dieses Verständnis

von Eigenständigkeit und

Unabhängigkeit, besonders vonOstimVergleich

zuWest-Frauen, ist über

die ganzen Umbrüche nach der

Wende erhalten geblieben –und hat

sich auf die gesamtdeutsche Scheidungspraxis

ausgewirkt.

Richterinnen aus Ost- und Westdeutschland,

die Anja Schröter interviewt

hat, wiesen darauf hin, dass die

Ost-Mentalität in dieser Frage der

erst 2008 erfolgten Reform des

Scheidungsrechts wesentlich voraus

war. Für Ostfrauen sei auch Anfang

der 90er-Jahre immer klar gewesen,

dass sie arbeiten müssten, so eine

ostdeutsche Richterin. Sie habe wenig

Verständnis für westdeutsche

Hausfrauen gehabt, die unbefristet

Unterhalt erwirken wollten: „Das

gab es bei mir kaum.“ Sie habe eine

Schonzeit eingeräumt, danach habe

gegolten: „Auch wenn sie nichts gemacht

haben, dann können sie wenigstens

putzen gehen.“

Ostdeutsche Ehen vorGericht: Scheidungspraxis

im Umbruch von1980 bis 2000. Vortrag,

Hausder Leibniz-Gemeinschaft, 18.45 Uhr.

Technik und Gesellschaft

Bierprozesse unter der Lupe: PerIn-situ-

Mikroskopie kann man Hefezellen bei der

Fermentationsarbeit für die Bierherstellung

zusehen. Haus der Biotechnologie und Verfahrenstechnik

der Technischen Universität

(TU), ab 17 Uhr.Ab10Jahren.

Der Himmel über Berlin: Das Unsichtbare

sehen. Kurzprogramm im Zeiss-Großplanetarium,

17.30, 19 und 23.15 Uhr.

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Cubes Online. Ein zweistündigerWorkshop in

dem Kinder lernen, ein 3D-Spiel zu programmieren

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Hochschule für Medien, Kommunikation

und Wirtschaft, 17 und 20 Uhr.

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15. Juni. Das beste Foto oder

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Ins Grab,nicht in die Tonne: WaruminAfghanistan

alte Bücher beerdigt werden.Vortrag,Institut

für Asien- und Afrikawissenschaften,

Humboldt-Universität (HU),18Uhr.

Das vermessene Leben: Vortrag überSelf-

Tracking mit Pulsuhr,Smartwatchund Co.International

Psychoanalytic University,22Uhr.

Mit Virtual Reality in die Antike: Reise in

die Vergangenheit. Archäologie, Hauptgebäude

HU,ab17Uhr.Ab10Jahren.

Künstliche Sonne: Eine Führung durch den

Sonnensimulator.Beuth Hochschule für

Technik, Haus Grashof, 18, 19.30 u. 21 Uhr.

Infrarotkameras bestimmen den Wasserbedarf:

ein sensorgestütztes Steuerungssystem

für die ressourcenschonende Bewässerung

vonFeld- und Fruchtgemüse.

Beuth Hochschule für Technik, Gewächshaus,

ab 17 Uhr.

Selfie mit Myon: Der humanoide Roboter

Myon lernt vonselbst dazu. Bei der Langen

Nacht steht er für Fotos bereit. Beuth Hochschule

für Technik, Haus Gauß, ab 17 Uhr.

Das komplette Programm online:

www.lndw19.de

Lernt dazu: Roboter Myon der Beuth-

Hochschule. BEUTH-HOCHSCHULE/ERNST FESSELER


18 Berliner Zeitung · N ummer 134 · D onnerstag, 13. Juni 2019

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Sport

Rollende Steine

Albas Schlüsselspieler Luke Sikma verlängert seinen Vertrag mit den Berliner Basketballern um vier Jahre, Assistenztrainer Thomas Päch wird Chefcoach in Bonn

VonChristian Kattner

Der Poker um Vertragsverlängerungen

ist vergleichbar

mit dem Domino-Effekt.

Ein fallender

Stein bringt auch die restlichen

Steine zum Umkippen, oftmals wird

dieser Effekt benutzt, um neue Gebilde

entstehen zu lassen. Bei Alba

Berlin ist Luke Sikma dieser erste

Stein. Am Mittwochmittag hat der

US-Amerikaner wenige Tage vor

dem Start indie Finalserie um die

Deutsche Meisterschaft gegen Bayern

München seinen Vertrag verlängert.

Ungewöhnlich daran ist: Der

29-Jährige hat gleich für vier Jahre

unterschrieben.„DieVertragsverlängerung

von Luke ist ein wichtiges

Zeichen“, sagt Sportdirektor Himar

Ojeda laut Verein.

DerMVP und Berlin, das passt

Mit einem lachenden Auge: LukeSikma ist der MVP im Eurocup. Jetzt will er mit Alba in der Euroleague angreifen.

Himar Ojeda und Geschäftsführer

Marco Baldi hatten zuletzt immer

wieder betont, dass es ihnen bei der

Kaderzusammenstellung für die

kommende Saison wichtig sei, den

Kern des Teams zu halten. Luke

Sikma gehört zu diesem Kern. Im

Sommer 2017 ist der Flügelspieler

zum Verein gestoßen, wurde auf Anhieb

zum wertvollsten Akteur in der

Basketball-Bundesliga gewählt, zum

MVP.Indieser Saison heimste er diesen

Titel im Eurocup ein.

Sikma und Berlin –das scheint zu

passen. Sportlich und klimatisch.

„Vom ersten Taganhabe ich mich

bei Alba und in Berlin sehr wohlgefühlt“,

sagt der Basketballer aus

Bellevue im US-Bundestaat Washington,

„der Klub hat große Ambitionen

und zuletzt eine tolle Entwicklung

hingelegt, weswegen es für

mich logisch war, meinen Vertrag

hier zu verlängern. Ichgenieße es,jeden

Tagzum Training zu kommen.“

Dass er mit der Mannschaft neben

dem neuerlichen Einzug in das Finale

um die Deutsche Meisterschaft

auch gleichzeitig die Teilnahme an

der kommenden Euroleague-Saison

gesichert hat, war ein weiteres überzeugendes

Argument im Poker um

eine Vertragsverlängerung.

Denn: „Er ist ein Top-Level-Spieler,

der zahlreiche lukrative Optionen

für einen Wechsel zu anderen

Klubs gehabt hätte. Dass er diese

ausschlägt und bei uns bleibt, zeigt,

wie sehr er an unseren Wegund unsere

Entwicklung glaubt“, sagt Himar

Ojeda, „die Länge des Vertrags

zeigt Lukes Wunsch, sich uns zu verpflichten

und unseren Wunsch, Luke

langfristig bei uns zu haben.“

Auch Thomas Päch hatte Himar

Ojeda gerne weiterhin im Trainerteam

gehabt. Um den 36-Jährigen

IMAGO IMAGES/WIEDENSOHLER

gab es in den zurückliegenden Wochen

immer wieder Wechselgerüchte.

Päch galt kürzlich erst als

heißer Kandidat für die Nachfolge

von Thorsten Leibenath in Ulm. Allerdings

hat der langjährige Assistenztrainer

ein anderes Ziel gewählt

und wird inder kommenden Saison

den Posten des Cheftrainers in Bonn

übernehmen.

Päch hatte zwar noch einen laufenden

Vertragbei den Berlinern, erhielt

allerdings die Freigabe. „Ich

freue mich riesig über die Möglichkeit

und vorallem das Vertrauen, bei

den Telekom Baskets als Cheftrainer

zu starten“, wird erauf der Bonner

Vereinsseite zitiert, „die Atmosphäre

rund um den Club habe ich immer

als besonders und vor allem sehr familiär

wahrgenommen, mit unglaublichen

Fans im Rücken.“

WeiterePersonalien folgen

Päch verfügt über Erfahrung als

Cheftrainer. Erhat sie bei Alba sammeln

können, als er im April2017 die

Berliner Profis übernahm. In der Folgesaison

kehrte er auf die Position

des Assistenten zurück. Auch wenn

sein Wechsel nach Bonn einen Verlust

für Alba darstellt, ist Himar

Ojeda „sehr stolz, ihn bei uns entwickelt

zu haben. Schließlich gehörtes

nicht nur zu unserer Philosophie

Spieler besser zu machen, sondern

auch Trainer“, sagt der Sportdirektor.

Der hat allerdings weiterhin viel

Arbeit vor sich. Vertragsgespräche

mit aktuellen Spielern müssen geführt,

neue Spieler voneinem Wechsel

nach Berlin überzeugt werden.

Die Teilnahme an der Euroleague,

fünf erreichte Endspiele in zwei Jahren

und die augenscheinliche Entwicklung

von Spielern sprechen für

Alba. MitLuke Sikma hat sich bereits

ein wichtiger Spieler langfristig gebunden

und damit den Domino-Effekt

ausgelöst.WeitereSteine werden

sicherlich bald fallen.

Berlin im Herzen.

Und auf dem Handy

SO SCHREIBT MAN BERLIN.

app-berliner-zeitung.de


Berliner Zeitung · N ummer 134 · D onnerstag, 13. Juni 2019 19 *

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Sport

ZAHLEN

Fußball

WM der Frauen in Frankreich

Gruppe AinParis und Reims

Nigeria -Südkorea 2:0 (1:0)

Frankreich -Norwegen

1. Frankreich 1 4:0 3

2. Norwegen 1 3:0 3

3. Nigeria 2 2:3 3

4. Südkorea 2 0:6 0

Gruppe BinRennes und Le Havre

Deutschland -Spanien 1:0 (1:0)

1. Deutschland 2 3:2 6

2. Spanien 2 3:2 3

3. China 1 0:1 0

4. Südafrika 1 1:3 0

Gruppe CinValenciennes und Grenoble

1. Brasilien 1 3:0 3

2. Italien 1 2:1 3

3. Australien 1 1:2 0

4. Jamaika 1 0:3 0

Gruppe DinNizza und Paris

1. England 1 2:1 3

2. Argentinien 1 0:0 1

2. Japan 1 0:0 1

4. Schottland 1 1:2 0

Gruppe EinMontpellier und Le Havre

1. Kanada 1 1:0 3

2. Niederlande 1 1:0 3

2. Neuseeland 1 0:1 0

4. Kamerun 1 0:1 0

Gruppe FinRennes und Reims

Chile -Schweden 0:2 (0:0)

USA -Thailand 13:0 (3:0)

1. USA 1 13: 0 3

2. Schweden 1 2: 0 3

3. Chile 1 0: 2 0

4. Thailand 1 0:13 0

EM-Qualifikation der Männer

Gruppe A

1. England 2 10: 1 6

2. Tschechien 3 5: 6 6

3. Kosovo 3 5: 4 5

4. Bulgarien 4 5: 7 2

5. Montenegro 4 3:10 2

Gruppe B

1. Ukraine 4 8:1 10

2. Luxemburg 4 4:5 4

3. Serbien 3 5:7 4

4. Portugal 2 1:1 2

5. Litauen 3 3:7 1

Gruppe C

Weißrussland -Nordirland 0:1 (0:0)

Deutschland -Estland 8:0 (5:0)

1. Nordirland 4 7: 2 12

2. Deutschland 3 13: 2 9

3. Niederlande 2 6: 3 3

4. Weißrussland 4 1: 9 0

5. Estland 3 1:12 0

Gruppe D

1. Irland 4 5:1 10

2. Dänemark 3 9:5 5

3. Schweiz 2 5:3 4

4. Georgien 4 4:8 3

5. Gibraltar 3 0:6 0

Gruppe E

Aserbaidschan -Slowakei 1:5 (1:3)

Ungarn-Wales 1:0 (0:0)

1. Ungarn 3 6: 4 9

2. Slowakei 3 7: 2 6

3. Kroatien 3 5: 4 6

4. Wales 3 2: 3 3

5. Aserbaidschan 3 2:10 0

Gruppe F

1. Spanien 4 11: 2 12

2. Rumänien 4 11: 5 7

3. Schweden 4 8: 7 7

4. Norwegen 4 8: 7 5

5. Malta 4 2:10 3

6. Färöer 4 3:12 0

Gruppe G

1. Polen 4 8: 0 12

2. Israel 4 8: 7 7

3. Österreich 4 7: 6 6

4. Slowenien 4 7: 3 5

5. Nordmazedonien 4 5: 7 4

6. Lettland 4 1:13 0

Gruppe H

Albanien -Moldau 2:0 (0:0)

Andorra -Frankreich 0:4 (0:3)

Island -Türkei 2:1 (2:1)

1. Frankreich 4 12: 3 9

2. Türkei 4 9: 2 6

3. Island 4 5: 5 9

4. Albanien 4 5: 3 6

5. Moldau 4 2:10 3

6. Andorra 4 0:10 0

Gruppe I

Kasachstan -San Marino 4:0 (1:0)

Belgien -Schottland 3:0 (1:0)

Russland -Zypern 1:0 (1:0)

1. Belgien 4 11: 1 12

2. Russland 4 15: 3 9

3. Kasachstan 4 7: 7 6

4. Schottland 4 4: 7 6

5. Zypern 4 6: 5 3

6. San Marino 4 0:20 0

Gruppe J

Griechenland -Armenien 2:3 (0:2)

Italien -Bosnien-Herzegowina 2:1 (1:0)

Liechtenstein -Finnland 0:2 (0:1)

1. Italien 4 13: 1 12

2. Finnland 4 6: 2 9

3. Armenien 4 7: 6 6

4. Griechenland 4 6: 8 4

5. Bosnien-Herzegowina 4 5: 7 4

6. Liechtenstein 4 0:13 0

„Spannender kann Sport ja nicht sein“

Bob Hanning über seine schwierigste Saison als Füchse-Manager und die Frage, wie kritikfähig er selbst ist

Zwischen den sich in der

Sommersonne tummelnden

Touristen läuft Bob

Hanning auf dem Gendarmenmarkt

auf und ab. Ungewohnt

unauffällig möchte man fast sagen –

in Jeans und weißem Shirt. Treuer

Begleiter ist sein Mobiltelefon, das

auch am Feiertag nicht stillstehen

will. Die Maschine muss schließlich

laufen, wenngleich auch nicht zwingend

im Büro.

Herr Hanning, das letzte Spiel der

Saison haben die Füchse vor heimischem

Publikum gegenWetzlar verloren,

konnten sich aber dennoch für

den EHF-Pokal qualifizieren. Glück

im Unglück?

Eigentlich passend. Das ist das

Spiegelbild vonall dem, was wir vorher

gesehen haben. Und von daher

konnte es keinen überraschen. Ab

der 40. Minute ging da gar nichts

mehr.Ich habe am Anfang der zweiten

Halbzeit sehr schnell gemerkt,

dass das schiefgeht. Dashat man gespürt

und von daher war man sehr

auf den anderen Plätzen unterwegs

und hat zum BHC geschaut.

Nicht nur für Berlin war es bis zum

Ende spannend, in jedweder Tabellenregion

kam es zum Showdown.

Daswar eine überragende Saison.

Du spielst ganz lange um die deutsche

Meisterschaft, hast ganz lange

um die Europapokalplätze gespielt

und hast bis zur letzten Sekunde den

Abstiegskampf gehabt, der in einer

Dramatik geendet ist, wo man sagen

muss, spannender kann Sport jagar

nicht sein.

Wie bewerten Sie denn diese Saison

der Füchse?

Naja, ich sage immer, nicht das

Erlebnis muss Freude machen, sonderndas

Ergebnis.Und das Ergebnis

hat schon irgendwo gestimmt. Die

Erlebnisse dahin haben in der Liga

aber nicht gepasst. Wenn man sagen

muss, wir haben mehr Spiele verloren

als die letzten beiden Jahre zusammen,

dann zeigt das auch, dass

wir viele Probleme im Laufe der Saison

nicht lösen konnten.

Welche Schlussfolgerungen müssen

denn daraus gezogen werden?

Wirreagieren zum einen mit dem

nötigen Respekt und hinterfragen alles,ohne

alles in Frage zu stellen. Das

ist mein persönliches Lebensmotto.

Da fange ich bei mir an und übertrage

es dann auf die anderen Geschehnisse.Dahingehend

muss man

dann sagen, es war eine der schwierigsten

Spielzeiten, die wir je hatten.

Zum einen durch die vielen Verletzten,

doch da waren noch weitere

Baustellen wie zum Beispiel auf der

Torhüter-Position und im Rückraum.

Arbeiten wir diese Baustellen einmal

ab. Lassen Sie uns über die Torhüter

sprechen.

Das Torhüter-Duo hat so nicht

funktioniert. Heine (Silvio Heinevetter,

d.R.) hat uns viele Spiele nicht

gewonnen, die er sonst für uns gewinnen

konnte. Malte (Semisch, d.

R.) hat vielleicht zu wenig Einsatzzeiten

gehabt, kam allerdings auch nie

wirklich bei uns an. Als Reaktion darauf

haben wir erst Martin Ziemer

verpflichtet, in der Hoffnung mehr

Stabilität zu kriegen. Und nach der

Entscheidung von Heinevetter uns

zu verlassen, haben wir sofortDejan

Milosavljev geholt. Diese Veränderung

würde ich als glatte Eins bewerten.

Dasheißt, die Füchse starten tatsächlich

mit drei Torhütern in die Saison?

Besser als mit nur einem. Es wird

so sein, dass der beste Mann spielt.

Ob das Ziemer ist oder einer der anderen

beiden, ist mir dann egal. Es

wird keine klare Nummer Eins geben.

Fakt ist, es wirdein Torhüter im

Torstehen, einer auf der Bank sitzen

und einer auf der Tribüne. Diese

Konkurrenz kann nur förderlich

sein.

Der Füchse-Macher:Bob Hanning.

Im Rückraum gibt es ebenfalls Verstärkung,

vor allen Dingen um Fabian

Wiede zu entlasten.

Da hat der Trainer leider Christoph

Reißky nicht genug vertraut.

Das muss man akzeptieren als Geschäftsführer.

Damit hat das System

mit den beiden aber nicht funktioniert,

Fabi hat sich überspielt, viel zu

viele Fehler gemacht und sich

schlussendlich auch verletzt. Wir

waren dann in unserem Spiel nicht

mehr gut genug. Da haben wir mit

Michael Müller einen erfahrenen

Spieler geholt, den man auch in der

Abwehr gut einsetzen kann. Außerdem

kommt Simon Ernst nach all

seinen Verletzungen quasi als Neuzugang

dazu. Das war und soll eine

Nationalmannschafts-Achse zwischen

Paul Drux, Wiede und Ernst

sein. Undich glaube,darauf können

wir uns freuen.

Michael Müller, der aus Melsungen

nach Berlin kommt, dürfte auch für

die Mentalität ein wichtiger Faktor

werden.

ZUR PERSON

IMAGO IMAGES /WOLF-SPORTFOTO

Im Klub: Nachdem er im Mai 2005 infolgeeiner Spielerrevolte als Trainer des HSV Hamburg

seinen Vertrag bei den Hanseaten aufkündigt hatte, übernahm Bob Hanning im Juli desselben

Jahres den Managerposten bei den Füchsen Berlin. Hier setzte er vonBeginn an auf die Entwicklung

der Jugend, schaffte mit den Reinickendorfernbereits in der Saison 2016/17 den

Aufstieg in die Bundesliga. 2011 qualifizierten sich die Füchse unter seiner Führung erstmals

für die Champions League. Zu seinen größten Erfolgen mit dem Hauptstadtklub zählen zudem

der Gewinn des EHF-Pokals in den Jahren 2015 und 2018, sowie der Triumph bei der Klub-

WM in den Jahren 2015 und 2016.

Im Verband: Hanning ist seit 2013 Vizepräsident des Deutschen Handballbundes und auch

im Verband de facto der Mann, der bei wichtigen Personalfragen das letzte Wort für sich in

Anspruch nimmt. So ist er maßgeblich für die Verpflichtung vonDagur Sigurdsson und Christian

Prokop als Bundestrainer verantwortlich.

Aufjeden Fall. Da gab es natürlich

viel Kritik, weil er in unserer Halle

nicht unbedingt ein Liebling ist. Das

war damals aber mit Heine genauso

und jetzt wirdervon Tausenden unserer

Fans bejubelt. Und Müller ist

ein Typ, den ich lieber für mich haben

möchte als gegen mich.

Solche Anführer hat man bei den

Füchsen zuletzt schmerzlich vermisst.

Selbst Hans Lindberg als Kapitän

konnte das nicht wettmachen.

Hans ist ein guter Kapitän. Das

steht außer Frage. Doch er kann auf

seiner Position kein Leader auf dem

Feld sein. Daswärevielleicht die einzige

Überlegung, dass wir in Punkto

Leadership noch einmal nachkaufen.

Allgemein hat die Mannschaft zu

viele Fehler gemacht. Wie lässt sich

das abstellen?

Wir hatten drei Fehlersäulen: Wir

machen zu viele technische Fehler,

haben zu viele Zeitstrafen und unser

Weg nach vorne und nach hinten

muss inhaltlich verbessert werden.

Das, was der Trainer jetzt vorhat,

speziell die Umstellung im athletischen

Bereich, wirduns guttun.

Wird es aufgrund der vielen Verletzungen

Trainingsanpassungen geben?

Darauf müssen wir natürlich reagieren

und da hat Petko (Velimir Petkovic,

d. R.) viele Ideen, die auch mit

meinen Vorstellungen konform gehen.

Im Athletik- und Kraftbereich

wird esVeränderungen geben und

wir werden stärker individualisieren.

Aufgefangen wurde die Misere inder

Saison vor allem durch Kräfte aus

dem eigenen Nachwuchs.

Das ist natürlich unsere Philosophie

und dafür stehen wir. Deshalb

rückt jetzt Tim Matthes für Bjarki

Elisson in den Kader. Dahätte man

vielleicht noch warten können, aber

ich wäre dumm, wenn ich ihm jetzt

keinen Profivertrag gegeben hätte.

Wie zufrieden sind Sie denn mit der

Jugend dieses Jahr?

Wir stehen zwar das erste Mal

ohne Titel da, waren aber noch nie so

gut wie jetzt. Wir haben einen überragenden

2002er-Jahrgang, sowohl

vom Kopf als auch von der Leistungsfähigkeit.

Ich war noch nie so

stolz. Insgesamt haben wir zwölf Nationalspieler

mit Perspektive und

sind dabei, mit der Jugend den

nächsten Schritt zu machen.

Sie haben selbst keine Kinder. Ist die

Nachwuchsarbeit da in gewisser Hinsicht

eine Kompensation?

Jeder Tiefenpsychologe, den du

fragst, würde logischerweise zu diesem

Urteil kommen. Für mich ist

Handball mein Leben. Undwenn jemand

das so analysiert, finde ich das

nicht schlimm. Die Erziehung von

jungen Menschen ist mir sehr wichtig

und Nachwuchs- und Jugendarbeit

sind die zentralen Themen bei

den Füchsen Berlin. Falls das irgendwann

nicht mehr so ist, würde ich

mich nicht mehr an die Spitzedieses

Vereins stellen.

Die Füchse betreiben nicht nur reine

Jugendarbeit, sondern achten darüber

hinaus sehr auf die gesamte Entwicklung

der Spieler.

Mirsind die ganzheitliche Ausbildung

und die Vorbereitung aufs Leben

wichtig. Ich versuche darüber

mit den Spielern sehr intensiv zu reden.

Diekommen anfangs schon mit

Angst zu mir,die sich dann nach und

nach zu Respekt entwickelt. Ich

weiß, dass es dann nicht einfach für

die Jungs ist, mich zu kritisieren,

doch auch ich muss mich verbessern

können. Letztlich geht es aber

darum, ihnen die Konsequenz für ihr

Handeln deutlich zu machen. Auch

wenn das manchmal wehtut.

Wie kritikfähig sind Sie denn in diesen

Gesprächen?

Ich glaube, dass ich das, was ich

vonanderen verlange,selbst vorlebe.

Das Bestreben, jeden Tagbesser zu

werden, trage ich ja in mir. Sonst

hätte ich nicht jeden Tagdie Motivation,

zehn Stunden oder mehr zu arbeiten.

Mir kann keiner mehr Druck

machen als ich mir selbst.

Jemand, der zwischenzeitig ebenso

unter Druck stand, war Velimir Petkovic.

Wie zufrieden sind Sie denn

mit Ihrem Trainer?

Petko hat die Ziele genauso erreicht

und verfehlt wie jeder andere

auch. Ichfinde es ungerecht, alles an

ihm festzumachen. Für mich ist

wichtig, wo sein Wegliegt und ob die

Lösungsansätze kompatibel sind.

Ob sein Feuer genug brennt, um das

Nötige zu verändern. All das bringt er

mit. Und jetzt möchte ich, dass er

mit dem neuen Kader eine faire

Chance hat, damit wir das gemeinsam

korrigieren können, was uns

nicht gefallen hat. Ich gehe mit ihm

mit einem guten Gefühl in die neue

Saison.

DasGespräch führte Carolin Paul.

NACHRICHTEN

Tour-Aus für viermaligen

Sieger Chris Froome

RADSPORT. Nach einem folgenschweren

Trainingssturzist für Radprofi

Chris Froome die Hoffnung auf

seinen fünften Triumph bei der Tour

de France jäh geplatzt. Der34-jährige

Brite kam im Training vorder

vierten Etappe der RundfahrtCriterium

du Dauphine zu Fall und zog

sich laut Medienberichten einen

Oberschenkelbruch zu.

HSV lässt legendäre

Stadionuhr abmontieren

FUSSBALL. Nach der verpassten

Rückkehr in die Bundesliga möchte

Zweitligist Hamburger SV sich endgültig

vonseiner legendären Uhrim

Volksparkstadion trennen. „Wir haben

bereits zum Ende der vergangenen

Saison entschieden, die Uhrabzubauen.Wirmöchten

uns in die Zukunft

ausrichten. Dabei hilft der

ständige Blick in den Rückspiegel

nicht“, sagte der Vorsitzende Bernd

Hoffmann der Bildzeitung.

Christoph Harting erfüllt

die WM-Norm

LEICHTATHLETIK. Olympiasieger

Christoph Harting hat nach mehrerenvergeblichen

Anläufen die Norm

für die WM in Doha erfüllt. Beim

Meeting in Turkuwarfder Berliner

66,01 mund lag damit klar über der

geforderten Weite (65,00). Mitseiner

Saisonbestleistung wurde der 29-

Jährige hinter dem Jamaikaner Fedrick

Dacres (66,74) Zweiter.

Semenya kritisiert

Weltverband scharf

LEICHTATHLETIK. Caster Semenya

hat denWeltverband mit drastischen

Worten kritisiert. Statt sich in den

Streit um erhöhte Testosteronwerte

vonLäuferinnen zu verbeißen, sollte

sich die IAAF vielmehr um das akute

Dopingproblem kümmern. „Sie sollten

sich auf Doping konzentrieren,

nicht auf uns“, schimpfte Semenya.

DieIAAF hatte eine Regel eingeführt,

mit der Testosteron-Limits für Mittelstreckenläuferinnen

mit intersexuellen

Anlagen festgesetzt wurden.

Gegen die Bestätigung dieser Regel

durch den Internationalen Sportgerichtshof

war die zweimalige 800-

Meter-Olympiasiegerin und dreimalige

Weltmeisterin beim Schweizerischen

Bundesgericht –vorgegangen.

Semenya errang einen Teilerfolg und

darfbis auf weiteres wieder auch

wieder auf Strecken zwischen 400

und einer Meile antreten.

Thomas Häßler soll Trainer

bei BFC Preussen werden

FUSSBALL. Thomas Häßler soll

neuer Cheftrainer beim künftigen

Siebtligisten BFC Preussen werden.

Derehemalige Weltmeister war zuvorvon

2016 bis Anfang Juni noch

Coach des Sechstliga-Aufsteigers

Berlin United. Der53Jahrealte ehemalige

Nationalspieler,der 1990 mit

Deutschland den WM-Titel gewonnen

hatte,bleibt damit weiterhin in

der 7. Liga. Sein neuer Verein Preussen

war gerade erst aus der sechsten

Liga abgestiegen.

Handballer feiernklaren

Erfolg in der EM-Qualifikation

HANDBALL. Diedeutschen Handballer

haben in der EM-Qualifikation

auch ihr fünftes Spiel gewonnen. Die

Mannschaft vonBundestrainer

Christian Prokop siegte in Israel in

komplett neuer Besetzung mit 40:25

(19:14) und wahrte damit ihreweiße

Weste.AmSonntag kann das deutsche

Team die Qualifikation für das

Turnier in Österreich, Schweden und

Norwegen gegen den Kosovo in

Nürnbergmit der perfekten Ausbeute

vonsechs Siegen abschließen.


Berliner Zeitung · N ummer 134 · D onnerstag, 13. Juni 2019 – S eite 20 *

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Sport

Lohn des langen Beins: Sara Däbritz erzielt das siegbringende 1:0.

DPA/GOLLNOW

Im Minimalistinnen-Modus

Die deutschen Fußballerinnen offenbaren im WM-Gruppenspiel gegen Spanien allerlei Schwächen, zittern sich aber durch das 1:0 so gut wie sicher ins Achtelfinale

VonFrank Hellmann, Valenciennes

Vielleicht ist der Kleiderwechsel

von Martina Voss-

Tecklenburgambesten geeignet,

um diesen Abend

im nordfranzösischen Valenciennes

für die deutsche Frauen-Nationalmannschaft

zusammenfassen. Einmal

mit patschnassem Haar in der

Regenjacke, dann später im Blazer

bewegte sich die Bundestrainerin im

Stade du Hainaut an der Seitenlinie.

Regen und Sonne bildeten die passenden

Begleitumstände des zweiten

WM-Gruppenspiels, das die

DFB-Frauen gegen Spanien letztlich

glücklich mit 1:0 (1:0) gewannen.

Damit kann vorder letzten Partie gegen

Südafrika (Montag 18 Uhr/ ARD)

an der Qualifikation fürs Achtelfinale

zwar fast ein Haken gemacht werden,

aber damit diese Tour de France

nicht vorder Finalwoche in Lyon endet,

ist eine Steigerung unerlässlich.

DasTor von Sara Däbritz (43.) übertünchte

einige Schwächen auf Seiten

des Olympiasiegers.

Die Bundestrainerin hatte ihr

Team gegenüber dem Auftaktsieg

gegen China (1:0) taktisch und personell

neu ausgerichtet. Verena

Schweers, Lena Sophie Oberdorf

und Lena Goeßling rückten für Carolin

Simon, Melanie Leupolz und die

verletzte Dzsenifer Marozsan in die

Startelf. Mit einer 4-4-2-Anordnung

sollte im Team das Fehlen der klassischen

Spielmacherin kompensiert

werden. Doch ohne den fußballerischen

Fixpunkt Marozsan missriet

der Mannschaft viel zu viel.

Der spielerisch bessere Gegner

zeigte sich handlungsschneller, gewann

fast alle wichtigen Zweikämpfe

und beeindruckte mit einer durchdachten

Spielanlage. Teilweise hinterließ

die deutsche Elfinvielen Szenen

einen fast hilflosen Eindruck.

Reihenweise landete das Spielgerät

nach einer Balleroberung wieder

beim Gegner. Ein Querschläger von

Innenverteidigerin Marina Hegering

–ausgebügelt vonihrer verbesserten

Kollegin Sara Doorsoun –deutete die

Verunsicherung an (6.). In der Folgezeit

verschluderte der Gegner –analog

zum ersten Gruppenspiel –seine

besten Chancen. Nahikari Garcia

verzog freistehend, als die ansonsten

DEUTSCHLAND – SPANIEN 1:0 (1:0)

Deutschland: Schult/VfL Wolfsburg (28/61) -Hendrich/Bayern München

(27/31) ab 46. Bühl/SC Freiburg (18/3), Doorsoun/VfL Wolfsburg

(27/27), Hegering/SGS Essen (29/5), Schweers/Bayern München

(30/45) -Gwinn/SC Freiburg (19/10), Goeßling/VfL Wolfsburg (33/106) ab 80. Leupolz/Bayern

München (25/60), Däbritz/Bayern München (24/62), Oberdorf/SGS Essen

(17/5) ab 64. Magull/Bayern München (24/33) -Huth/1. FFC Turbine Potsdam (28/46),

Popp/VfL Wolfsburg (28/98)

Spanien: Panos -Torrejon, Paredes, Leon, Corredera -Meseguer (66. Guijarro),

Torrecilla -Caldentey(59. Lucia Garcia), Hermoso, Putellas (77. Bonmati)

-Nahikari Garcia

Schiedsrichterin: Kateryna Monsul (Ukraine)

Tor: 1:0 Däbritz (43.) –Zuschauer:20761

viel Sicherheit ausstrahlende Torhüterin

Almuth Schult mit dem Herauslaufen

zögerte (14.).

Schwachpunkte auf deutscher

Seite gab es reichlich: Die Außenverteidigerinnen

Kathrin Hendrich und

Schweers wirkten überfordert, Goeßling

im Mittelfeld zu langsam und

selbst Kapitänin Popp fand im Sturm

nicht ins Spiel. Immer wieder gestikulierte

Voss-Tecklenburg ander Linie,

suchte während einer Unterbrechung

den Dialog mit ihrer Spielführerin

und zog die erneut überzeu-

gende, erst 17-jährige Oberdorf ins

Zentrum, um den spanischen Spielfluss

zu unterbrechen. Trotzdem fiel

der Führungstreffer unerwartet:

Goeßling öffnete die rechte Seite,

Svenja Huth flankte auf Popp, deren

Kopfball Torhüterin Sandra Panos

nicht festhielt. Undweil Spaniens Kapitänin

MartaTorrejon mit dem Eingreifen

zögerte, grätschte Däbritz

eben die Kugel zur schmeichelhaften

Führung über die Linie.

Umzug nach Montpellier

Voss-Tecklenburg reagierte zur

Halbzeit auf die schwache, weil

schläfrige Vorstellung von Hendrich

mit der Einwechslung der auch erst

18 Jahre alten Stürmerin Klara Bühl,

für die Huth und Giulia Gwinn jeweils

eine Position nach hinten rotierten.

Die Trainerin stellt eben

hohe Anforderungen an die Flexibilität

ihrer Spielerinnen, die gleichwohl

noch nach den Automatismen suchen.

Es war zeitweise jedenfalls

merkwürdig still unter den vielen

deutschen Anhängern unter den

20 761 Zuschauern. Zeitweise vertrieben

die Besucher sich die Zeit damit,

eine Welle durch die Spielstätte

des französischen Zweitligisten FC

Valenciennes zu schicken. In dieses

Ambiente machte die eingewechselte

Bühl durch zwei beherzte Vorstöße

auf sich aufmerksam, auf der

Gegenseite hatte Schweers Glück,

dass ihr Eingreifen nicht als Notbremse

gewertet wurde (63.). Dass in

dieser Phase nun Popp wie im Verein

beim VfL Wolfsburg das defensive

Mittelfeld verstärkte, zeigte den

deutschen Fokus: Es galt, gegen die

nicht zwingenden Spanier den

knappen Vorsprung über die Zeit zu

bringen. Nurwirdder Minimalisten-

Modus gegen zielstrebigere Gegner

in der K.-o.-Phase kaum reichen.

Erst einmal steht aber wieder für

den DFB-Tross ein Umzug an. Am

Donnerstag fliegt die Mannschaft

von Lille nach Montpellier, umdie

fast 1000 Kilometer in Nord-Süd-

Richtung zu überbrücken. Kommenden

Montag geht es dann an der

Mittelmeerküste gegen Südafrika

weiter. Ein Selbstläufer wird die Partie

für die deutschen Fußballerinen

nach dem bisherigen Eindruck mitnichten.

Ein wenig Wahnsinn fürs Genie

Wechselt Leroy Sané von Manchester City zum FC Bayern? Um die Zukunft des Nationalspielers wird weiter spekuliert, denn es gibt gute Gründe für diesen Transfer

VonChristian Schwager

ImFußball produzieren oft Kleinigkeiten

eine Topmeldung. Jetzt zum

Beispiel diese: Leroy Sané spricht.

Damit ist nicht eine grundsätzliche

Fähigkeit gemeint, denn für einen

Fußballprofi ist der 23 Jahre alte Nationalspieler

bekanntermaßen recht

eloquent. Leroy Sané hat vielmehr

nach dem 8:0 (5:0) seiner deutschen

Nationalelf gegen Estland diesen

Satz formuliert: „Ich gehe jetzt erst

mal in Urlaub,und alles weiterewird

man dann sehen.“ Unddann sagte er

noch: „Das war’s für die Bayern-Fragen.

Dankeschön.“

Sané irrt. Nicht in Bezug auf den

Urlaub, sondern in Bezug auf die

Bayern-Fragen. Die stehen nach wie

vorunbeantwortet im Raum und daher

hoch im Kurs. Derzeit wird im

bezahlten Fußball kein Transfergerücht

derart intensiv diskutiert wie

der Wechsel des Offensivspielers

zum FC Bayern München. Das hat

natürlich auch gute Gründe.

Leroy Sané ist ein deutscher Nationalspieler.

Wie Joshua Kimmich,

Niklas Süle, Leon Goretzka und

Serge Gnabry. Sie alle haben das

Nachwuchsprogramm des Deutschen

Fußball-Bundes durchlaufen,

haben in Junioren-Mannschaften

schon für den Deutschen Fußball-

Bund (DFB) gespielt, sie alle würden

jetzt unter dem Dach des Münchner

Branchenprimus vereint.

Für Leroy Sanés Wechsel

spricht auch seine Situation

bei Manchester City. Zur

Meisterschaft in der Premier

League konnte der gebürtige

Essener zwar in 31 Spielen

seinen Beitrag leisten,

doch nur in 21 Spielen

als Mitglied der

Startformation. Trainer

Pep Guardiola

setzte andere Prioritäten,

setzte stärker auf Raheem Sterling,

Bernardo Silvaund Riyad Mahrez.

Dass Sané dennoch zehn Tore erzielte

und ebenso viele Assists vorweisen

kann, spricht für ihn, sicher

auch aus Sicht des FC Bayern, der

ihm öfter Gelegenheit einräumen

dürfte,von Beginn an das Spiel zu

beleben. Schließlich hatten

die Verantwortlichen,

allen voran Uli Hoeneß,

dem Team der vergangenen

Saison einen Mangel

an Frische attestiert.

Die würden die

Münchner durch Sané

bekommen. Sein

Tempo,seine Geistesblitze

hat er in der Nationalmannschaft

bewiesen. Zu seinem

Leidwesen aber auch, das

Viel Gefühl im Fuß:

LeroySané im Spiel

gegen Estland GETTY

Genie und Wahnsinn Nachbarn

sind, die –kommen sie zusammen –

nicht immer nur Gutes bewirken.

UndHoeneß stöhnt

Bundestrainer Joachim Löw jedenfalls

ließ den Linksaußen bei der WM

2018 zu Hause. Ein Fehler wahrscheinlich,

aber im Nachhinein sagt

sich das so leicht. Zumal Sanés Auftritte

im Nationalteam nicht an die

im Trikot von Manchester City heranreichten

und sein Auftreten im

Trainingslager vor dem Weltturnier

nicht immer das disziplinierteste gewesen

sein soll.

Ist er inzwischen gereift? Diese

Frage werden sich die Bayern gestellt

und ihre Antwort gefunden haben.

Sie sollen bereit sein, 80 Millionen

Euro Ablöse zu zahlen für den

Wunschspieler, der noch einen Vertrag

bis Sommer 2021 in Manchester

hat. 100 Millionen sind angeblich

aufgerufen. Zu viel, stöhnt Uli Hoeneß.

Derschwäbische Hausmann an

der Spitzedes Klubs rühmt sich eines

prall gefüllten Festgeldkontos, allzu

sehr antasten aber will er es offenbar

nicht.

Wer ein Genie haben will, muss

manchmal wahnsinnig investieren.

Doch vor der Verpflichtung eines

Spielers steht bekanntlich die Verpflichtung

zum Poker um denselben.

Es darf also weiter spekuliert

werden.

Dernächste schlichte Satz, bitte.


Berliner Zeitung · N ummer 134 · D onnerstag, 13. Juni 2019 – S eite 21 *

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Feuilleton

„Wir müssen reden“:

Der neue Bürgertalk

im RBB

Seite 23

„Partizipation und Verwaltung sind ein schwieriges Paar.“

Torsten Wöhlert, Staatssekretär in der Senatsverwaltung für Kultur und Europa Seite 22

Kindergeburtstag

50 Jahre sind

doch kein Alter

Cornelia Geißler

hat dem Grips-Theater

beim Feiernzugeschaut.

Sich mit der Lebenswelt, mit den

Sorgen und Vergnügungen von

Kindern zubeschäftigen, hält jung.

Das können sich die Frauen-Männer-Fitness-Trallala-Magazine

ruhig

mal als Thema vornehmen. Als Beleg

lässt sich das Grips-Theater anführen,

das am Dienstagabend mit einer

Gala seinen 50. Geburtstag feierte.

Auf die Titelseite könnte dann zum

Beispiel Dietrich Lehmann, der von

Anfang an zum Ensemble des Theaters

gehört. Als der zu bereits fortgeschrittener

Stunde mit drei Kollegen

geschminkt, mit grauen Locken und

im schwarzen Pelzmantel als eine

der „Wilmersdorfer Witwen“ aus „Linie

1“ sang und tanzte, jubelte das

Publikum. Und als er dann kurz vor

Ende des Programms zunächst allein

auf die Bühne geholt wurde, erhoben

sich alle, umBeifall regnen zu

lassen. Das Lied, das er mit Nina

Lorck-Schiernig sang, hatte er sich

ausdrücklich gewünscht, sagte seine

moderierende Kollegin: „Weniger ist

mehr“. Und dann sprach er von

Greta Thunbergs Anstiftung zum

Aufbegehren, die ihm Mutmache.

Zugegeben, der Herr Lehmann

vom Grips sieht nicht mehr aus wie

50. Ebensowenig der Gründer des

Theaters,Volker Ludwig, auch wenn

er mehrmals leichtfüßig aus den Zuschauerreihen

auf die Bühne sprang,

der Weg zum Publikum ist ja kurz

hier.Körperlich also mögen die Herren

umdie achtzig sein, aber eben

im Kopf jung. Das Grips-Theater

spielte beim Fest damit, sich schon

jahrzehntelang mit Zeitfragen zu beschäftigen,

ließ für eine selbstironische

Szene eine HordeAlter mit Stöcken

wie Rollatoren Späße auf Kosten

der Jugend machen. In vielen

noch nicht veralteten Songs und in

den neuen, etwa aus „Dschabber

#7Leben“ zeigt sich, wie nahe das

Theater an der Realität seines jungen

Publikums heute ist.

Im Interesse der Kinder und Jugendlichen

sprach nicht nur Philipp

Harpain, der neue Grips-Chef, leidenschaftlich,

es bildete sich sogar

eine seltsame schwarz-tiefrote Allianz

der Festredner Monika Grütters

und Klaus Lederer. Und während

Kulturstaatsministerin Grütters

daran erinnerte, dass ihre Partei, die

CDU, in den Siebzigerjahren unfreiwillig

Werbung für das Grips machte,

indem es das Theater bekämpfte,

verwies Kultursenator Lederer darauf,

dass das Denken der Wilmersdorfer

Witwen heute nicht mehr nur

braun sondern auch blau sei und

sich sogar in den Parlamenten niedergelassen

habe.

Dietrich Lehmann singt zusammen mit Nina

Lorck-Schiernig. DAVID BALTZER/BILDBÜHNE

In Halle 12 der Leipziger Baumwollspinnerei. Die Jahresausstellung begann Mittwochmittag,vorndie Box „Schlechte Gesellschaft“ von Felix Leffrank.

„Wir hätten ihn aushalten sollen“

Leipzigs Jahresausstellungeröffnete doch noch. Die Debatte um den Maler Axel Krause geht weiter

VonIngeborg Ruthe

MDR Aktuell meldete

vor drei Tagen, im

sächsischen Südwesten

habe die Erde gebebt.

Eine seismische Erschütterung

–zum Glück ohne Schäden. Noch

mehr bebte und rumorte es in der

Kunstszene der sächsischen Metropole

Leipzig. MitSchaden.

Aus der am Mittwoch eröffneten

26. Jahresausstellung im Kunstareal

der einstigen Baumwollspinnerei,

die vor einer Woche abgesagt worden

war,wurde ein AfD-naher Maler

ausgeschlossen. Das war der Anlass

für den Eklat. Künstlerkollegen hielten

seineTeilnahme für unerträglich.

Manhabe ihn „undemokratisch ausgegrenzt“,

klagte der betroffene Axel

Krause,Jahrgang 1959, daraufhin. Er

postete auf Facebook, nun sei er ein

„entarteter Künstler“, sein Fall werde

„in seiner Konsequenz vielleicht der

AfD einen halben Prozentpunkt bei

den Landtagswahlen“ bringen.

Seither überbieten sich die Kommentare

in den sozialen Medien,

sammeln sich Hassmails gegen die

Ausstellungsmacher, berichten die

Medien nahezu ununterbrochen.

Der Maler Axel Krause hat eine

AfD-nahe Position zur Flüchtlingspolitik,

die er auf Facebook postet und in

rechtsgerichteten Medien vertritt. Er

verweist auf die „Freiheit der Andersdenkenden“,

wie sie einst Rosa Luxemburggeforderthat.

Underhat damit

ein schlagendes Argument, dem

selbst Sachsens SPD-Kunstministerin

nicht viel entgegnen kann. EvaStange

sagte der Leipziger Volkszeitung, die

AfD sei eine demokratisch gewählte

Partei und Ausgrenzung der falsche

Weg, sie spalte die Gesellschaft.

Mittwochmittag, Werkhalle 12.

Spinnereistraße. Das Torsteht weit

offen, die Spuren des nächtlichen

Regens sind beseitigt. Die26. Jahreskunstausstellung

beginnt. Der Nervenkrieg

wegen der kurz zuvor noch

verkündeten Absage soll vergessen

sein. Am Eingang links eine leere

weiße Wand, darauf die Lettern:

„Freiheit der Kunst –Kunst der Freiheit“.

Es gibt Zettel und Stifte. Das

Publikum soll seine Meinung aufschreiben,

die wird dann an die

Wand gepinnt. Eine Konzeptkunst-

Ausgeschlossen: Axel Krauses surrealer „Traum des Metzgers“. G. FRANZ/VG BILDKUNST BONN 2019

Installation basisdemokratischer

Meinungsfreiheit soll es werden. Das

Gegenteil von dem also, was gerade

so gründlich schieflief. An den Wänden

im Raum sieht man viel Malerei:

Landschaften, Pflanzen, Paar-, Familien-,

Freundes-Szenen, zumeist

figürlich, gegenständlich, auch experimentell

abstrakt. Alles handwerklich

souverän, die Motive auf

Probleme der Gegenwart gerichtet:

Zusammenleben, Existenzielles wie

Kriege,Krisen, Klimakatastrophe.

Starke weibliche Positionen fallen

ins Auge. Laura Eckert hat einen

aus Eichenparkett-Latten gefügten

Körper mit Beinstümpfen

auf den Hallenboden gesetzt,

nennt die torsohafte Gestalt „Somnambulist“,

die lässt aber auch an

den von den Göttern gehäuteten

Marsyas denken. Metaphorik war

für Leipzigs Kunst schon immer typisch.

Das besagen auch Nelly

Schmückings existenzielle Tierskulpturen

aus montierten Teilen,

Natur-und Plastikmaterial.

Zu sehen ist, was im letzten Jahr

in Leipzigs Ateliers entstand. Eine

Leistungsschau, die seit 26 Jahren

bereits 700 Leipziger Künstler bekannt

machte, eine auch ökonomisch

sehr wichtige Schau in der inzwischen

von Gentrifizierung und

Atelier-Miettreiberei bedrohten

Szene der Stadt. Das betont Katrin

Haucke vom Verein Jahresausstel-

„Ausgrenzung ist der falsche Weg, damit

spaltet man die Gesellschaft.“

Eva Stange, Sachsens Kunstministerin, SPD

DIRK KNOFE/PICTUREWORK.EU

lung e.V. Sie ist dessen langjährige

Ausstellungs-Assistentin und gehört

zu denen, die es „tolerant-distanziert“

ertragen hätten, wenn Krause

mit ausgestellt hätte. Kunst soll

schließlich zu Debatten –damit zu

Positionierung –anregen.

Nun sagen viele, dass es falsch

war, Krause auszuschließen. So

sehr seine politische Meinung polarisiert

und der ihren widerspricht.

Aber die Gruppendynamik

sei enorm gewesen. Katrin Hauke

erklärt: „Unser Verein arbeitet basisdemokratisch.

Das ist anstrengend,

zäh, zeitaufwendig. Wir haben

die Wucht der Polemik unterschätzt.“

Geradezu hämisch urteilt

die Süddeutsche Zeitung über die

„Naivität der Kuratoren“.

Eine für Dienstagabend anberaumte

öffentliche Debatte im

Kunstmuseum – wo„die Stadtgesellschaft“

den Vorfall debattieren

wollte –ließ Axel Krause kurzfristig

platzen. Seine Absage kam via Facebook.

Er hatte darauf gezählt, auf

dem Bürgerpodium einen Vertreter

der AfD-nahen Desiderius-Erasmus-Stiftung

neben sich zu wissen.

Dieser lehnte ab, ersei „nicht offiziell“

eingeladen worden.

Daraufhin reiste Krause ins Ausland

ab. Ihm hat der Streit genützt,

weil gute Verkäufe beschert, obwohl

sein Leipziger Galerist Kleinschmidt

ihn schon vor Monaten von der

Künstlerliste strich. Die AfD, die im

Kunstbeirat des Bundestages sitzt,

sorgte für einen Ankauf in der Staats-

Sammlung.

Derehrenamtliche Jahresausstellungs-Vereinsvorsitzende

Rainer

Schade, emeritierter Grafik-Professor,

stand vor der Vernissage in der

Werkhalle und sagte, der Streit habe

alle wie eine Welle überrollt. DieDiskussion

um die Schau, insbesondere

in den sozialen Medien, der teils aggressive

Stil der Sprache sei ein erschreckendes

„Spiegelbild der Gesellschaft“.

Das habe „generell überrascht“.

Auch überfordert.

„Wir hätten Krause in unserer

Ausstellung aushalten sollen“, so der

junge Künstler Felix Leffrank. Er hat

deshalb eine völlig neue Arbeit geschaffen,

die sich explizit auf Krauses

–nun wegen der falschen Entscheidung

nicht ausgestellte Gemälde –

bezieht: Leffrank baute eine Box auf

Tapeziertischbeinen, darin beleuchtete

Lorbeerpflänzchen und vorn ein

Monitor. Ein Video läuft. Titel

„Schlechte Gesellschaft“. Man sieht

einen Maler und seinen „bösen Zwilling“.

Beide schließen sich ein und

malen, schichtweise, alles Motive

aus dem Unterbewussten. DenKontakt

zur Außenwelt halten sie übers

Internet. „Wie eine Pflanze ineiner

dunklen Kiste sich zum Licht hin

streckt, entstehen auch Kunstwerke

in der Einsamkeit des Ateliers …“,

sagt Leffrank zu seiner gleichnishaften,

aufs AfD-Gedankengut Krauses

hin gemünzten Installation.

NACHRICHTEN

200 Verhaftungen bei

Kundgebung für Golunow

Beieiner nicht genehmigten Solidaritätskundgebung

für den russischen

Enthüllungsjournalisten Iwan

GolunowinMoskau sind mehr als

200 Menschen festgenommen worden.

Darunter sei auch Kremlkritiker

Alexej Nawalny,bestätigte seine

Sprecherin. Nach Angaben der Polizeibeteiligten

sich rund 1200 Menschen

an der Kundgebung, wie die

Nachrichtenagentur Tass meldete.

DerAktivist schrieb nach seiner Festnahme:

„Es macht Sinn, die Machthaber

sind höllisch erschrocken wegen

der fantastischen und einmütigen

Solidaritätsbekundung in der

Golunow-Sache.“ (dpa)

Polar-Musikpreis für die

Geigerin Anne-Sophie Mutter

Diedeutsche Geigerin Anne-Sophie

Mutter hat den schwedischen Polar-

Musikpreis erhalten. Die55-Jährige

bekam die renommierte Auszeichnung

am Dienstag auf einer feierlichen

Gala in Stockholm vomschwedischen

König Carl XVI. Gustaf überreicht.

Ebenfalls ausgezeichnet wurden

HipHop-Pionier Grandmaster

Flash sowie das Musikprojekt

Playing for Change. (dpa)

Preisgekrönt: die deutsche Violinistin Anne-Sophie

Mutter.

DPA/TOM SCHULZE

Kinderrechte-Filmfestival

kann 2019 nicht stattfinden

Das2013 in Berlin begründete Kinderrechte-Filmfestival

muss wegen

fehlender finanzieller Mittel zumindest

in diesem Jahr ausfallen. Das

teilte der Landesverband Kinderund

Jugendfilm Berlin e.V. (kijufi) am

Mittwoch als Veranstalter mit. Für

das Festival besprachen bisher regelmäßig

Filmemacher mit Schülern

Fragen der Kinderrechte so,dass

diese selbst Ideen für Drehbücher

entwickelten. 82 Filme entstanden,

2000 Kinder nahmen teil. Diezunächst

im Kino präsentierten Beiträge

erfuhren später 60 Millionen

Klicks auf YouTube. Derkijufi hatte

bisher Fördermittel etwa vomKinderhilfswerkoder

der Bundeszentrale

für politische Bildung eingeworben.

Diesmal gelang das nicht.

Laut Pressemitteilung wärefür eine

Neuauflage eine strukturelle Förderung

durch den Senat nötig. (cg.)

BertNeumann bei Prager

Quadriennale geehrt

Am Dienstagabend wurde bei der

Prager Quadriennale„Service /No

Service“, eine Hommage für Bert

Neumann mit Kernelementen aus

dem Nachlass des 2015 verstorbenen

Chefbühnenbildners der Berliner

Volksbühne,ausgezeichnet. Kuratiert

wurde der Beitrag für die weltgrößte

Ausstellung für Bühnen- und Performance-Design

vonLenoreBlievernicht

und Christiane Kues. (BLZ)


22 * Berliner Zeitung · N ummer 134 · D onnerstag, 13. Juni 2019

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Feuilleton

Raumbeschaffung ist Hochleistungssport

Heute endet das Beteiligungsverfahren zur Zukunft der Alten Münze. Nicht in allen Fällen verstehen sich Kulturverwaltung und freie Szene so gut wie in diesem

VonPetraKohse

Heute Abend geht ein kulturpolitisches

Experiment

zu Ende. Und in

seine nächste Phase.

DasBeteiligungsverfahren in Sachen

Zukunft der Alten Münze ist abgeschlossen,

und die Empfehlungen,

auf die sich 40 Personen als Repräsentanten

zukünftiger Nutzer einigen

konnten, werden in einem abschließenden

Forummit der Öffentlichkeit

diskutiert und danach der

Politik übergeben. DieAlte Münzeist

das ehemalige Gewerbegebiet an der

Spree, dessen Geschossflächen und

Keller sich zu 15 000 Quadratmetern

in Bestlage summieren. Unter dem

rot-rot-grünen Senat hat das Abgeordnetenhaus

eine kulturelle und

kreativwirtschaftliche Nutzung beschlossen,

und die linksgeführte Senatsverwaltung

für Kultur bezog beherzt

die Schwarmintelligenz mit

ein. Räume! Freie Szene! Partizipation!

EinSignaturprojekt.

Entsprechend gründlich ist man

vorgegangen. Die Hälfte der 40 Zukunftsdiskutanten

ist vonpolitischer

Seite mit Vertretern von Interessengruppen

wie der Koalition der freien

Szene oder den die Alte Münze bereits

zwischennutzenden Spreewerkstätten

besetzt worden. Die andere

Hälfte wurde ausgelost. Zudem

gab es auf der Plattform mein.berlin.de

drei Internet-Foren zum

Thema, die allerdings wenig Resonanz

fanden. Koordiniert wurde das

Ganze von der ehemaligen Senatsmitarbeiterin

Christiane Zieseke,

moderiert von der Agentur Urban

Catalysts, und zwar in vier Workshops

zwischen Februar und Juni.

Partizipation macht Arbeit.

Ziel des Prozesses war es, einen

Nutzungsmix und eine Betreiberform

für die Alte Münze vorzuschlagen,

mit denen sich die Klientel

identifiziert, die die Senatskulturverwaltung

hier untergebracht sehen

will: freie Szene mit einem Musikschwerpunkt

sowie etwas Kreativwirtschaft.

Wieviel vonder –finanziell

etwas potenteren –Kreativwirtschaft

notwendig sein wird, hängt

davon ab, wie viel Gewinn der Betrieb

der Alten Münzeinwelcher Zeit

erwirtschaften muss (als Abschreibung,

die als Rücklage verwendet

werden soll). Und das wiederum

hängt von der Senatsverwaltung für

Finanzen ab.

Eine Zeitlang schien diese offenbar

entschlossen, die Sache zu torpedieren

und ließ die mit derVerwaltung

der Alten Münze beauftragte

Berliner Immobilienmanagement

GmbH (BIM) die Diskussionsgruppe

mitten im Beteiligungsverfahren im

Bis 2026 soll die Alte Münze bedarfsgerecht umgebaut sein und als Ortder Kultur und Kreativwirtschaft eröffnet werden.

März plötzlich mit einer möglichen

Miete von bis zu 20 Euro pro Quadratmeter

konfrontieren. Die mangelnde

Einigkeit auf politischer Seite

verärgerte die ehrenamtlich konzipierenden

Beteiligten heftig.

Trotzdem ist dasVerfahren fortgesetzt

worden und wird heute ein Ergebnis

verkündet, obwohl die Gespräche

zwischen den Verwaltungen

noch andauern. „Wenn wir auf eine

Durchschnittsmiete von sechs, sieben

Euro kalt kommen können“,

sagt Kulturstaatssekretär Torsten

Wöhlert, „dann hat Kultur in der Alten

Münze eine Chance. Wenn wir

darüberliegen müssen, dann nicht.“

Klar ist immerhin, dass die in Berlin

wortführende Koalition der freien

Szene, die sich rühmt, 50 000 freischaffende

Künstler und Künstlerinnen

zu vertreten, in Sachen Alter

Münze eindeutig hinter den Plänen

des Kultursenats steht. Bei anderen

kulturpolitischen Themen gibt es indessen

atmosphärische Störungen.

Tatsächlich bewertete die Szene

die Arbeit von Kultursenator Klaus

Lederer Anfang Juni in einer Presseaussendung

als „enttäuschend bis

katastrophal“, da immer noch „nur 5

Prozent des Kulturhaushaltes für 95

Prozent der Künstler*innen Berlins

zur Verfügung stünden“ und deren

Sachverstand wie ihre Selbstverwaltungsstruktur

unberücksichtigt blieben.

Und das bei einem Senat, in

dessen Koalitionspapier stehe: „Partizipation

und regelmäßiger Dialog

mit den Kulturschaffenden Berlins

bieten die Grundlage für die zukünftige

Kulturpolitik. Dazu werden

Netzwerke und selbst organisierte

Strukturen unterstützt und die administrativen

Arbeitsstrukturen gestärkt.“

Ausrufezeichen. Ist die Enttäuschung

so groß, weil man gerade

von einem linken Kultursenator so

viel erwartet hat?

„Ja. Nein“, sagen Bettina Bohle

(Musik) und Daniel Brunet (Darstellende

Kunst) vom Sprecherkreis der

Koalition der freien Szene bei einem

Kaffee im Monsieur Ibrahim in der

Körtestraße. Essei ja nicht so, dass

man die Bemühung nicht sähe.Aber

zu Informationen, die erst bei einem

Treffen vorliegen, könne sie, so

Bohle, als Vertreterin eines basisdemokratischen

Gremiums eben nicht

Stellung nehmen. Zum Beispiel. Da

„Tischvorlagen gibt es nicht aus böser

Absicht, sondern wenn man nicht

früh genug fertig geworden ist,

um die Konzepte vorher

noch versenden zu können.“

Torsten Wöhlert Staatssekretär für Kultur

fühle man sich in seiner Struktur

dann nicht ernst genommen.

Und Brunet vermutet, dass die

Politik ein anderes Verständnis von

Partizipation haben könne als die

freie Szene.Für ihn sei dieser Begriff

gleichbedeutend mit „Augenhöhe,

Mitbestimmung und Mitentscheidung“.

Genau daran fehle es aber so-

IMAGO IMAGES/CHRISTIAN THIEL

wohl im Austausch über eine neue

Fördersystematik als auch –vor allem!

–inder Neuausrichtung des Arbeitsraumprogrammes

ohne bezahlte

Raumkoordinatoren aus der

Szene und der diskussionslosen Umschichtung

eines Teils des für die

freie Szene vorgesehenen Geldes aus

der City Taxinein Förderprogramm

für Festivalsund Reihen.

„Ohne dass das jetzt eine Entschuldigung

sein soll: Partizipation

und Verwaltung sind ein schwieriges

Paar“, gibt Torsten Wöhlert amTelefon

zu. Manhätte eigene personellen

Notstände und strukturellen Notwendigkeiten.

„Tischvorlagen gibt es

nicht aus böser Absicht, sondern

wenn man nicht früh genug fertig geworden

ist, um die Konzepte vorher

noch versenden zu können.“ Auch

sei beim eigenen Personal bisher

keine Erfahrung mit partizipativen

Prozessen vorhanden. Aber 2020

würden zwei Mitarbeiter eingestellt,

die diese Expertise hätten.

Das Arbeitsraumprogramm sieht

der Kulturstaatssekretär als leider

„vermintes Gelände“. Lange Zeit sei

die Raumbeschaffung in Berlin die

Domäne des Atelierbeauftragten gewesen,

bis Tim Renner, Wöhlerts

Vorgänger im Amt, auch die Belange

anderer Kunstsparten berücksichtigte

und als Pilotprojekt zuletzt

Raumscouts der einzelnen Sparten

bezahlt worden seien. „Ende 2017

musste ich dem Parlament dann

aber berichten, dass ich circa

150 000 Euro für Raumkoordinatoren

ausgeben hatte, die insgesamt

nur neun Räume beschafft haben.“

Da die Raumbeschaffung in Berlin

so etwas wie Hochleistungssport

ist und schon jetzt zwei Personen aus

der Kulturverwaltung nur damit beschäftigt

seien, gegenüber anderen

Senatsbereichen die Kulturinteressen

in Raumfragen zu wahren, setzt

Wöhlert auf die Einrichtung eines

„Kulturraumbüros“ in 2020. Darin

sollen sich baufachliches und administratives

Wissen mit der Kenntnis

um künstlerische Praxis verbinden.

Denn welche Räume die Künste

brauchen, könnten auch Nichtkünstler

lernen. Außerdem werde

das Anmietprogramm um eine Million

Euro aufgestockt und auch die

Investitionsmittel würden erhöht.

Das Kulturraumbüro, so Wöhlert

fast schwärmerisch, könne auch ein

Ortfür Beratung, Jurysitzungenoder

Zukunftslabore sein. „Ich hoffe, dass

wir da mit der Szene in einen produktiven

Dialog kommen. Denn der

Raum ist für Künstler ja nur die Voraussetzung

dafür, mit ihrer Arbeit

beginnen zu können.“ Tatsächlich

bedeutet „Partizipation“ lediglich

prinzipielles Beteiligtsein – woran,

muss jeweils definiert werden. Und

im politischen Raum liegt das Mandat

beim Senator, auch wenn er, wie

derLinkeLederer, nicht auf seiner alleinigen

Deutungshoheit besteht.

Und, so Wöhlert: „Die korrekte Abrechnung

der Mittel müssen am

Ende immerwir verantworten.“

Im Fall der Alten Münze wird die

Beteiligung nach dem heutigen

Abend weitergehen. Zwei Arbeitsgruppen,

deren Kern aus den Teilnehmern

des Beteiligungsverfahrens

besteht, arbeiten –hoffentlich

endlich mit konkretem Finanzrahmen

–bis Ende des Jahres das gemeinschaftliche

gefundene Nutzungskonzept

und Betreibermodell

weiter aus. „Dann wird beides im

Kulturausschuss auf seine Machbarkeit

hin diskutiert“, soWöhlert.„Und

auf dieser Grundlage wird für die

Alte Münze die Bauplanung gemacht.“

Ein paar Federn wird das

Konzept dabei sicher noch lassen

müssen –denn vor dem Gesetz des

gemeinsamen Nenners sind in einer

Demokratie ja ganz sicher alle gleich.

PetraKohse

geht heute um 18 Uhr in die

Alte Münze.

Die Zimmer,die Zeit und ihre knirschenden Melodien

Ersan Mondtags Rätselbild-Theater „De Living“ (Das Wohnzimmer) vom NT Gent gastiert im HAU2

VonDoris Meierhenrich

Wann gibt es das noch, dass man

ins Theater geht und langsam

vollzieht sich ungemein zwingend

und doch völlig offen eine Wahrnehmungsreise,

ein Vor-, Zurücktasten

und beständiges Neujustieren der

Sehnervenund der Urteilskraft, dass

man am Ende nur dasitzt und sich

wundert. Vorallem über sich selbst:

dass man das soeben Gesehene

längst nicht genau genug, geschweige

denn zu Ende gesehen hat

und die Handlung am liebsten zurückdrehen

würde – besser noch

gleich ganz nach vorn. Aber welche

Handlung? In „De Living“ (Das

Wohnzimmer) vom NT Gent, das

derzeit im HAU2 gastiert, ist die Kulisse

selbst –der Raum, die Zeit und

ihre knirschenden Melodien – die

Handlung. Genau gesagt, sind es

zwei spiegelgleiche Räume und Zeiten

nebeneinander, vielleicht aber

auch unendlich viele, die in diesen

hoch intensiven 80 Minuten in Bewegung

geraten, Tiefe bekommen,

sich verrätseln, wieder enträtseln.

Dasalles geschieht aber vorallem

durch die unglaublich präzise zwischen

Tisch und Herd wandelnden

Zwillinge Natalie und Doris Bokongo

Nkumu, die den Spiegeleffekt der

beiden Räume – seine Verführung

und Verwirrung –perfekt machen.

Ihre Wege und Bewegungen scheinen

in exakter Synchronizität zeitlich

und räumlich gegen- und miteinander

zu laufen, erst aufeinander

zu, bis sie eins zu werden scheinen,

um sich dann doch auf parallelen

Bahnen zu erkennen geben. Der

Frau im rechten Zimmer sehen wir

beim stummen Verzweifeln zu, wie

sie versteinert amTisch sitzt, trinkt

und jedes Mal, wenn sie das Glas zurück

auf die Tischplatte stellt, ein

metallisches Echo antwortet als

knalle mit jedem Wasserschluck eine

weitere Lebenstür zu. Die Frau wird

am Ende mit ihrem Kopf im Gasherd

Verführung und Verwirrung mit Zwillingen.

Kleid anzieht, sich gut gelaunt

schminkt, eine Suppe kocht, isst und

den ominösen roten Brief liest, der

auch rechts liegt, und beide aus der

Bahn wirft. Irgendwann trennen sich

die Assoziationen und Spiegelverliegen

und der Gasgeruch bis in die

hinteren Zuschauerreihen ätzen. In

der Figur links, meint man dieselbe

Person zu sehen, nur etwas früher

am Tag: wie sie im Blaumann nach

Hause kommt, sich ein bequemes

MICHIEL DEVIJVER

läufe: DerHerdist nicht das Ende der

linken, eine lichte Tür tut sich auf,

auch wenn bedrohlicher Dampf daraus

quillt.

Ersan Mondtag, dem dieses

wunderbar sehintensive, magisch

in die Räume wie in die traurigen

Augen der Spielerinnen einziehende,

trotzdem auf Distanz bleibende

Wahrnehmungsexperiment

gelungen ist, gehört zuden umtriebigsten,

ungeduldigsten, auch lautstärksten

Regisseuren, die derzeit

auf europäischen Bühnen unterwegs

sind. Vorallem aber zu den im

besten Sinn wagemutigsten. Dass

dieser Wagemut ihm ausgerechnet

bei seinen Berliner Projekten bisher

weniger Erfolg bescherte, ist

schade. Umso schöner, dass nach

der Absage seines Dortmunder „Internats“

zum Theatertreffen nun ein

anderes gelungenes Werk, eben

diese stumme, dennoch beißend

politische Spiel-Installation zu sehen

ist. Wasist nun so gelungen an

diesem „Wohnzimmer“, das eher

eine blitzblanke Doppel-Küche ist,

in der zwei einsame, farbige Frauen

hausen und seltsamerweise das gespenstische

Porträt eines der mörderischsten

Kolonial-Monarchen

europäischer Geschichte an ihrer

Wand hängen haben: Leopold II.?

Was hat der schockierende rote

Brief auf dem Tisch –eine Abschiebung?

–mit dem Porträt des Peinigers

von einst zu tun und mit dem

Rest seines nach wie vor vielerorts

in Belgien triumphierenden Reiterstandbildes,

dessen Pferdekopf in

der Küche steht? In ihm begegnen

die zwei Frauen der heute freundlicher

und verkappter denn je unter

Blütentapetenpracht und liberalem

Vogelgezwitscher fortwirkenden

kolonialen Rechtslage und Privilegienmacht.

Die eine treibt es in den

Tod, die andere insarkastisches Lachen.

Einzige Lücke,die bleibt.

HAU2 13. 6., 20 Uhr,Tel:25900427


Berliner Zeitung · N ummer 134 · D onnerstag, 13. Juni 2019 23 *

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Feuilleton

Ein

weiter

Horizont

Die Indierock-Band

Snail Mail spielte im Lido

Die Macht

und die

Menschen

„Maß für Maß“ im Naturpark

Schöneberger Südgelände

VonMarkus Schneider

Manche Songs brauchen ein

Weilchen, bis sie eine klare

Form bekommen. Beim Konzert der

US-Band Snail Mail am Dienstag im

Lido klingen die schlurfig dargebrachten,

unorthodoxen Stücke

manchmal ziellos, verstärkt durch

das spezielle, sprunghafte Heulen

von Bandchefin Lindsay Jordan –alles

scheint ein bisschen zu leiern.

Wie melodisch raffiniert die Stücke

indes gebaut sind, zeigt sich später,

wenn man sie unwillkürlich und ein

bisschen überrascht beim Nachhauseradeln

vorsich hin summt.

Besonders oft kommt es dieser

Tage ja nicht vor, dass Indierock-

Bands Überraschungen bereithalten.

Jordan, die zuvor allein als Snail

Mail unterwegs war,ist auf mehreren

Ebenen eine Ausnahme. Zunächst

wegen ihrer Jugend. Sie wird am

kommenden Wochenende 20 und

hat immerhin zwei wohlbemerkte

EPs(2015 und 2016) und ihr hochgehandeltes

Debütalbum „Lush“ aus

dem letzten Sommer im Repertoire.

Bemerkenswerter ist jedoch, wie

freimütig und klug sie die Verletzlichkeit

und den Aufruhr besingt, die

so eine Jugend, zumal eine queere, in

Liebesdingen bestimmen. Ihre Lieder

sind, der Projektname Schneckenpost

sagt es,Briefe an die Hörer.

Sie benutzt dazu den Slackersound

der Neunziger. In„Pristine“

zum Beispiel, der zur Mitte des kaum

eine Stunde langen Konzerts gespielten

Erfolgssingle, begleitet man sie

mitgerissen von schroffkantig geöffneten

Akkorden durch ein Auf und

Ab von Verliebtheit und Hingabe.

Den jubelnden Geständnissen folgt

ein krachig sarkastisches „and don’t

you like me for me?“, mit dem sie

ihre Schwäche zugleich verspottet

und selbstbewusst behauptet. Im

hoch verknappten Text von „Let’s

Find an Out“ bedauertsie die Unausweichlichkeit

der ständigen Veränderung,

aber akzeptiert sie auch in

einer leise gepickten, kreiselnden Figur.

Sie erinnert hier an Meisterzupfer

wie John Fahey, ein Hinweis auf

LindsayJordan besingt die Verletzlichkeit

und den Aufruhr.

ROLAND OWSNITZKI

ihre instrumentale Könnerschaft,

die sie nie vordergründig virtuos,

sondern wie nebenbei zeigt. In

„Deep Sea“, ein weiterer Höhepunkt,

spielt sie die Verwirrung der Gefühle

mit einer melancholischen, bluesigen

Komposition durch.

DieGitarrewirkt an ihr sehr groß,

aber es gibt keinen Moment, in dem

Jordan nicht das Zentrum des Geschehens

bildet. Mitihren drei Musikernspielt

sie überaus geübt zusammen.

Aber über die paar länglichen

Stellen können sie sie nicht tragen.

Dies unterstreicht sie im letzten

Stück, das sie anders als auf „Lush“

allein spielt. Nicht nur vermisst man

den scheppernden Druck der Band

nicht eine Sekunde. Vielmehr reduziert

sie den Song zur Kenntlichkeit,

spielt rückhaltlos alles Zagen und

Ungestüm, die Ahnung der Grenzenlosigkeit

und die Angst vor dem

Freien durch. Ein wunderbarer

Schlusspunkt für ein Konzert, das

keineswegs perfekt war, aber einen

weiten Horizont geöffnet hat.

Der Biber wird in Brandenburg zum Problem.

Wieder vor Ort

„Wir müssen reden“: Der RBB erfindet den Bürgertalk noch einmal neu –imGespräch über Wolf und Biber

VonTorsten Wahl

Wolf und Biber –schützen

oder schießen?“

Die Frage ist nicht unbedingt

neu, wirdaber

gern leidenschaftlich diskutiert,

nicht nur von Schafzüchtern und

Naturfreunden. Mit diesem Streitthema

eröffnet der RBB heute seinen

neuen „Bürgertalk“. Unter dem

Motto „Wir müssen reden!“ werden

die Moderatorinnen Janna Falkenstein

und Tatjana Jury live anwechselnden

Orten das Pro und Contra

des Publikums einholen und politische

Kontrahenten über die Positionen

diskutieren lassen. ZurPremiere

steht das mobile Studio im Oderturm

inFrankfurt ander Oder. Auch

während der Sendung sollen Zuschauermeinungen

über die sozialen

Medien einfließen.

DasTV-Gespräch vorOrt soll aber

nicht nur auf Konfrontation zielen,

sondern nach Lösungsmöglichkeiten

und Kompromissen suchen.

Dem „konstruktiven Journalismus“

hat sich der RBB schon in der neuen

Reihe „Besser geht immer“ verschrieben.

„Wir halten das Format

des Bürgertalks gerade jetzt, in Zeiten,

in denen Spaltungstendenzen in

unserer Gesellschaft zu beobachten

sind, für besonders wichtig“, sagt

Thomas Baumann, Leiter für politische

Gesprächssendungen beim

RBB-Fernsehen. „Die Bürgerinnen

und Bürger müssen stärker mitreden

dürfen, direkt und ungefiltert.“

Doch so ganz neu und besonders,

wie der Sender behauptet, ist ein

Bürgertalk vor TV-Kameras ja keineswegs.

Das ZDF sucht schon länger

mit dem „Morgenmagazin“ regelmäßig

auf den Marktplätzen den

Kontakt zum Volk, und auch im

Hause selbst hatte dieses Format

eine lange Tradition. Der neu gegründete

RBB übernahm 2003 vom

ORB die schon seit 1992 laufende

Diskussionssendung „Vor Ort“ und

startete dann 2004 den Nachfolger

„Klipp und klar“, dessen Beschreibung

–„volksnah, engagiertund mittendrin“

– der aktuellen Ankündigung

sehr stark gleicht. 2012 hielt

man dieses Format nicht mehr für

zeitgemäß. 2018 wurde dann probehalber

„Vor Ort“ reanimiert. Mal

wurde an der Oberbaumbrücke über

die Verkehrspolitik aus Sicht von

Radfahrern und Autofahrern diskutiert,

mal in Cottbus über den Umgang

mit Migranten gestritten. Beide

Themen waren politisch schärfer

„Wir halten das Format des Bürgertalks

gerade jetzt, in Zeiten, in denen

Spaltungstendenzen in unserer Gesellschaft

zu beobachten sind, für besonders wichtig“

Thomas Baumann, Leiter für politische Gesprächssendungen beim RBB

Zeit der Gaukler

GETTY IMAGES/CHASE DEKKER WILD-LIFE IMAGES

und relevanter als der Umgang mit

Wolf und Biber.

Doch während „Klipp und klar“

einst Woche für Woche diskutiert

wurde, soll der neue Bürgertalk nur

einmal im Monat stattfinden –donnerstags,

anstelle der „Abendshow“.

Das ist schade, denn damit wird die

Chance vertan, eine vollmundig gestartete,

aber desaströs verlaufende

Sendereihe endlich einzustellen. Seit

September 2017 versucht der RBB

hier vergeblich, Satire, Talkshow,

Musik und lustige Einspielfilmchen

miteinander zu verbinden. Doch weder

erreichte die „Abendshow“ auch

nur annähernd das Niveau von„Extra3“,

dem Vorbild vomNDR, wo die

heutige RBB-Intendantin Patricia

Schlesinger zuvor tätig war,noch erreichte

sie den Zuschauer. Mitunter

schalteten nur drei Prozent der Zuschauer

die aufwendig gestaltete

Show ein, für deren Etat publizistische

Formate eingestellt werden

mussten. Damit lagen die Quoten

unter dem Senderschnitt von 6Prozent.

Während der Bürgertalk sich

wieder um den Dialog bemühen will,

redet in der „Abendshow“ eigentlich

nur eine – die Moderatorin Britta

Steffenhagen, die dem fatalen Irrtum

unterliegt, Gags würden besser funktionieren,

wenn sie mit wilden Grimassen

vorgetragen werden. Doch

die „Abendshow“ scheint einen

strengeren Artenschutz zu genießen

als Wolf und Biber.

In den nächsten Wochen laufen

allerdings weder Bürgertalk noch Satire-Show.

In der Sommerzeit wiederholt

der RBB zur Hauptsendezeit

am Donnerstag diverse Quizshows

mit KaiPflaume,wie das„unvorstellbare

Wissensquiz“ namens „Wer

weiß denn so was XXL“ oder die „unglaublichen

Duelle“ von „Klein gegen

Groß“. Auch darüber müsste

man mal mit dem gebührenfinanzierten

Sender reden.

Wirmüssenreden 20.15 Uhr,RBB

In seinem Dokumentarfilm über Bob Dylans „Rolling Thunder Revue“ jongliert Martin Scorsese mit den Wahrheiten

VonFrank Junghänel

Wer denVorspann genau liest, ist

gewappnet für das, was ihn in

den nächsten zweieinhalb Stunden

erwartet. Ein Film, gut, aber was für

einer! „A Bob Dylan Story byMartin

Scorsese.“ Eine Geschichte über den

Mann, der sich in seine Geschichten

verwoben hat –die verbrieften und

die erfundenen. Jetzt kommen noch

einige hinzu, zu welcher Kategorie

sie zählen, mag der Zuschauer für

sich entscheiden. Kann es wirklich

wahr sein, dass Sharon Stone als 19-

jähriges Mädchen mit ihrer Mutter

ein Dylan-Konzert besuchte, wie sie

es erzählt, dabei ein Kiss-T-Shirttrug

und vom Künstler höchstselbst in

den Saal begleitet wurde? Stimmt es,

dass der Kongressabgeordnete Jack

Tanner über Jimmy Carter einen

Kontakt zu seinem Idol bekommen

hat? Undwas ist mit dem Dokfilmer

Stefan vanDorp,von dem es heißt, er

sei „Heinrich-Greif-Preisträger“ und

von dem Dylan behauptet, er habe

immer zu viel vom Büfett geklaubt

und sich in Sachen eingemischt, die

ihn nichts angingen. Geschichten,

die zu schön sind, um wahr zu sein.

Aber was ist schon die Wahrheit?

Hauptsache,sie klingt gut.

Vorfast 15 Jahren hat sich Martin

Scorsese in„NoDirection Home“ der

Bob-Dylan-Werdung des erklärten

Genies gewidmet. In der Montage

von Archivmaterial, Interviews und

Konzertaufnahmen folgte er dabei

den Regeln des Dokumentarfilms.

Sein Essay endete 1966 mit Dylans

Rückzug aus dem Showgeschäft.

Sein neuer Film, der die Regeln des

Dokumentarfilms auf den Kopf

stellt, schließt neun Jahre später an,

1975 ist Dylan wieder da, mit „Blood

On The Tracks“ hat er gerade eine der

besten Alben seines Lebens aufgenommen,

als ihm schon eine neue

Idee im Kopf herumspukt. Er möchte

eine Truppe zusammenstellen, mit

der er durch Clubhäuser, Sporthallen,

Versammlungsräume tingelt, wo

er neben Klassikernneue Songs vorstellen

will, die später auf der LP

„Desire“ erscheinen sollen. Ihm

habe eine Art Varieté vorgeschwebt,

sagt Dylan in seinem ersten Kamera-

Interview seit zwanzig Jahren –um

sich gleich zu korrigieren. „Ach was,

ich rede totalen Blödsinn.“ Es ist die

Zeit der Gaukler,heute wie damals.

Bob Dylan bei einem Auftritt während der

„Rolling Thunder Revue“ 1975 NETFLIX

Zu einer Zeit, da Konzerntourneen

immer gigantischer wurden

und Bands wie Led Zeppelin vor

50 000 Leuten auftraten, ging Dylan

den umgekehrten Weg, er besuchte

die Leute dort, wo sie lebten, in den

Kleinstädten der Provinz. Bei den

Konzerten standen bis zu achtzehn

Leute auf der Bühne,esherrschte ein

riesiges Durcheinander. Der Dichter

Allen Ginsberg trat auf, der Folkie

Ramblin’ Jack Elliott, Joan Baez war

dabei und auch Jonie Mitchell.

Bei den Konzerten der „Rolling

Thunder Revue“ hat BobDylan einige

seiner großartigsten Performances

überhaupt abgeliefert, als Musiker,

Sänger und –wie man jetzt erstmals

auch sehen kann –als darstellender

Künstler.Wie er bei „Isis“ jedes Wort

ausspuckt und den Song wahrhaft

verkörpert. Wie er„Hard Rain“ rockt.

Wasermit seinem alten Protestlied

„The Lonesome Death of Hattie Carroll“

anstellt. Bisher waren einige der

Aufnahmen nur als Tondokument

bekannt. Im Film bilden sie dessen

dramaturgischen Kern, bis hin zum

Höhepunkt mit „Hurricane“ für den

zu Unrecht eingekerkerten Box-

Champion Rubin Carter, den Dylan

während der Tournee im Gefängnis

besuchte,bevor er ein Benefizkonzert

für ihn in NewYorkgab.

Martin Scorseses Film über die

„Rolling Thunder Revue“ will den

Zuschauern nicht weismachen, er

erzähle die Geschichte so, wie sie

sich tatsächlich zugetragen hat. Mit

diesem Trick kommt er der Wahrheit

womöglich am nächsten.

Rolling Thunder Revue USA 2019. Regie: Martin

Scorsese, auf Netflix

VonIrene Bazinger

Draußen im Wald, unter fröhlich

raschelnden Bäumen und Büschen,

ist eine veritable Orgie im

Gang. Man sieht davon aber nicht

wirklich viel: Da ein nacktes Bein

zwischen ein paar fragilen blauen,

goldgemusterten Trennwänden,

dortein paar lüsterngeschürzte Lippen.

Da ein blanker Hintern, dortein

zuckender Unterleib. Alles wird freilich

nur für Sekunden gezeigt und

erst durch die Geräusche richtig versaut,

durch das Schmatzen und

Stöhnen und Sabbeln und Lechzen.

Undweil es sich um eine Aufführung

der Shakespeare Company unter

freiem Himmel im Naturpark Schöneberger

Südgelände handelt,

steppt halt der Bär.

Dasist die eine Seite in dieser Komödie,

die andere ist: Wasplötzlich

erhaltene Macht mit Menschen

macht. Denn der Herzog von Wien

übergibt die Regierungeschäfte eine

Weile seinem Statthalter Angelo, damit

der wieder für mehr öffentliche

Ordnung sorgt und niemand die zu

erwartenden unpopulären Maßnahmen

dem angeblich verreisten Herzogankreidet.

In Wahrheit verkleidet

er sich als Mönch und schaut sich an,

was passiert –nämlich dass Angelo

heimlich ebenso korrupt ist wie die

anderen, die er ins Gefängnis steckt.

Matthias Grupp hat diese erste

Koproduktion der Berliner Shakespeare

Company mit dem Vorstadttheater

Basel inszeniert. Er setzt dabei

auf viel Klamauk und Slapstick,

wogegen nichts einzuwenden wäre,

doch wird das Werk auf diese Art

bloß partiell erfasst. Vera Kreyer,

Katja Uhlig, Katharina Kwaschik,

Nico Selbach und Tobias Schulze in

jeweils mehreren Rollen entwickeln

komische, artistisch-absurde Szenen,

die dann aber meist von eher

plumpen, derb anzüglichen Witzchen

gedämpft werden, ob da der

Boden statt gewischt „gewixt“, ob in

den Puffs der Innenstadt tüchtig

„abgesamt“, ob ein anrüchiges „Etablissement“

vom doofen Polizisten

als„Establishment“ bezeichnet wird.

Dazwischen wird ein Kirchenlied

oder ein Schlager geträllert, nur so

verhalten, als wäreesdem Ensemble

peinlich, die sich ziemlich an die

Leute anwanzende Schenkelklopfereifür

ein paar Minütchen unterbrechen

zu müssen. Sogar eine singende

Säge wird eingesetzt und ein

bisschen Gitarregespielt. In der Premiereließ

es derWettergott trotzdem

immer stärker donnernund schließlich

regnen. Statt der Vögel war vor

allem das Rascheln der mitgebrachten

Einweg-Ponchos zahlreicher Besucher

zu hören, Schirme wurden

aufgespannt. DieKonzentration von

Publikum und Darstellern löste sich

in der unkalkulierbaren Nässe auf,

und ehe die Rezensentin ein Blitz

treffen konnte, räumte sie das Feld.

Shakespeares Stück geht gut aus,

auch hier,wetten dass..?

Maß für Maß Bis 6.9.,NaturparkSchöneberger

Südgelände, Tel. 21 75 30 35

TOP 10

Dienstag,11. Juni

1 Fußball 2. HZ RTL 8,4 32 %

2 Fußball 1. HZ RTL 7,4 24 %

3 UmHimmels W. ARD 4,3 15 %

4 Inaller Freundsch. ARD 4,3 14 %

5 Tagesschau ARD 4,2 16 %

6 heute ZDF 3,5 17 %

7 Die Rosenheim-C. ZDF 3,5 14 %

8 Fußball Countdown RTL 3,1 11 %

9 SoKoKöln ARD 2,9 19 %

10 Matula ZDF 2,9 10 %

ZUSCHAUER IN MIO/MARKTANTEIL IN %


24 Berliner Zeitung · N ummer 134 · D onnerstag, 13. Juni 2019

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Tagestipp

KALENDER

BÜHNE

Ballhaus Ost (& 44 03 91 68)

20.00: Dark Lux (LUX: NM)

Berliner Ensemble (& 28 40 81 55)

19.30: Medea

Berliner Kriminal Theater (& 47 99 74 88)

20.00: Zwei wie Bonnie und Clyde

Deutsche Oper Berlin (& 34 38 43 43)

19.30: Don Quichotte

20.00 Tischlerei: Delirio

Deutsches Theater (& 28 44 12 25)

20.00: VonMainz bis an die Memel (Jürgen Kuttner)

Anzeige

Dock 11 (& 448 12 22)

19.00: Shea:Man –TranceMission

Galli Theater Berlin (& 27 59 69 71)

20.00: Männerschlussverkauf

GarnTheater (& 78 95 13 46)

20.30: Die Sanfte

Globe Berlin Prolog-Bühne (Open Air)

(& 54 90 51 92) 19.30: Romeo &Julia

Halle Tanzbühne Berlin (& 44 04 42 92)

20.30großer Saal: volto umano –das menschliche

gesicht (cie. toula limnaios)

HAU1(&25 90 04 27)

20.00: Rolling (Michael Laub /Remote Control

Productions)

HAU2(&25 90 04 27)

18.00: Patrol (machina eX); 20.00: De Living (Das

Wohnzimmer) (Ersan Mondtag /NTGent)

Komische Oper Berlin (& 47 99 74 00)

19.30: Roxy und ihr Wunderteam

Komödie am Kurfürstendamm im Schiller Theater

(& 88 59 11 88) 20.00: Alles was Sie wollen

Maxim Gorki Theater (& 20 22 11 15)

21.00 Studio: Pugs In Love 2019 –QueerWeek: W(a)

rm Holes

Anzeige

Neues Museum (& 266 42 42 42)

18.00: Erzähltheater (FabulaDrama)

Prime Time Theater (& 49 90 79 58)

20.15: Gutes Wedding,schlechtes Wedding (Sitcom –

Folge122: Der Club dertoten Döner)

Ratibortheater (& 618 61 99)

20.30: Impro Embassy (The Lorilees)

Schaubühne (& 89 00 23)

20.00: RichardIII.

Schlosspark Theater (& 78 95 66 71 00)

11.00: Diegelehrten Frauen (Schüler*innen des

Lilienthal-Gymnasiums)

20.00: Waszählt, ist die Familie!

Shakespeare CompanyBerlin (& 21 75 30 35)

20.00: Maß für Maß!

Sophiensaele (& 283 52 66)

20.00 Hochzeitssaal: Speaking Volumes (Mirjam

Sögner)

TAK–Theater Aufbau Kreuzberg (& 50 56 70 00)

20.00: Diaspora (Contact Dance Company(Malta).

Anm. erf.

Theater an der Museumsinsel (Monbijoustr.3)

20.00: Faust –Schönheit, Liebe, Arbeit

Theater Coupé (& 902 91 67 03)

20.00: Kabarett Größenwahn –Das verlorene

Paradies (Deutsch-Jüdisches Theater Berlin)

Theater im Delphi (& 70 12 80 20)

20.00: TheRapture:Art vs Extinction (Moira Finucane)

Volksbühne Berlin (& 24 06 57 77)

19.30: Lulu

20.00 3. Stock: Die Hand istein einsamer Jäger

KABARETT/VARIETÉ

Arena Glashaus (& 533 20 30)

19.30: Caveman –Dusammeln, ich jagen! (Martin

Luding/Felix Theissen).Anm. erf.

ART Stalker (& 22 05 29)

20.00: Alles ein Spiel –Die SchmetterlingsGame-

Show(Improvisationstheater Schmetterlings e.V.)

Bar jeder Vernunft (& 883 15 82)

20.00: Die alten schönen Lieder (Tim Fischer)

Berliner Schnauze –MundArt&Comedy Theater

(& 017 95 34 66 96) 20.00: Männer über 40

(MargaBach)

Konzert

Musik

für das

Aleppo-Zimmer

Mschatta Lounge heißt die

neue Konzertreihe, die

das Museum für Islamische

Kunst gemeinsam mit Piranha

Arts veranstaltet. Musiker aus

Berlin werden eingeladen, ein

Objekt der Ausstellung in ihrer

musikalischen Sprache zu interpretieren.

Den Auftakt

macht die syrisch-amerikanische

Musikerin Dima Orsho,

die jahrelang im nationalen

Symphonieorchester in Damaskus

gespielt hat, bevor sie

wegen ihres Gesangsstudiums

in die USA zog. Siehat sich für

die Würdigung des Aleppo-

Zimmers entschieden. Sämtliche

Konzerte finden im

Mschatta-Saal statt, in dem

sich die Südfassade des Umayyaden-Palasts

von Mschatta

befindet. Begleitet wirdsie von

Manfred Leuchter (Akkordeon),

Bodek Janke (Percussion),

Basilius Alawad (Cello)

und Milad Khawam (Duduk).

Susanne Lenz

Mschatta Lounge Museum fürIslamischeKunstimPergamonmuseum,

Eingang

Bodestraße, 19.30Uhr

„Der Club der toten

Döner“ –rasche Rollenwechsel

gibt es nicht nur

im Prime-Time-Theater,

aber hier besonders

schön. PRIME TIME THEATER

din bezeichnenderweise, wie es mit

ihr weitergehen soll. Musterschülerin

Esra (Noemi Dabrowski) hat

nämlich ihr „Abitür“ abgelegt, Mutter

Hülya (Oliver Tautorat) will, dass

sie Jura studiert, Onkel Achmed

(RyanWichert) sieht Esras Zukunft in

seinem Dönerladen. Ein geheimnisvoller

Club gibt „Abitürkin“ Esra

wertvolle Hinweise. Wie die vier

Schauspieler in etwa 15 Rollen

schlüpfen, Tautorat als Macho Kalle

diesmal zum Liebescoach für Filmfreak

Kevin wird, das ist Abend für

Abend ein neuer Spaß. Folge 123 darf

nicht die letzte bleiben!

Rasche Rollenwechsel, das Springen

in völlig andere Figuren –das

gibt’s natürlich nicht nur imWeddinger

Prime-Time-Theater zu bestaunen.

Improtheater-Gruppen beziehen

die Zuschauer gern mit ein und

feiern mit ihnen jeden TagPremiere

und Dernierezugleich. WerSpaß am

Stegreif-Theater hat, der findet in

Berlin an jedem Abend mindestens

zwei verschiedene Angebote.Vor der

Show „Eins auf die Presse“, die donnerstags

in der Studiobühne der Distel

gespielt wird, müssen die Zuschauer

Schlagzeilen aus den auslie-

Torsten Wahl

hat im Weddinger Prime-Time-Theater

mehr Spaß als zur Prime Time

im Fernsehen.

Wen oder wat freu ick?“

„Mir!“ Postbote Kalle

begrüßt schon seit

über 15 Jahren die

Gäste der Trash-Soap „Gutes Wedding,

schlechtesWedding“ im Prime-

Time-Theater. In seinem Warm-up

übt Theaterleiter Oliver Tautorat mit

dem Publikum nicht nur das korrekte

Berlinern, sondern fragt auch,

aus welchem Stadtbezirk die Gäste

stammen, ob sie etwa Prenzlwichser

oder Friedrichshainis sind. Doch

willkommen ist jeder – derzeit

freuen sich Kalle und Co ganz besonders

über jeden vollen Saal. Seit das

Kieztheater im MaiInsolvenz anmelden

musste, weil es falsch eingesetzte

Fördergelder des Senats zurückzahlen

muss, erlebt es eine

Welle der Solidarität.

Die aktuelle Folge wird bis Ende

Juni noch zwei Wochen länger gespielt

als geplant –jeder Besucher

wird nicht nur unterhalten, sondern

erhöht mit seinem Kommen die

Chance,dass das Prime-Time-Theater

nach der Sommerpause weitermachen

kann. In der aktuellen Folge

„Der Club der toten Döner“, es ist die

mittlerweile 123., fragt sich die Hel-

KINO

CHARLOTTENBURG

Astor Film Lounge (& 883 8551) Der Fall Collini

15.00; Rocketman 17.45, 20.30

Cinema Paris (& 881 31 19) Zwischen den Zeilen

15.30, 20.30; Zwischen den Zeilen – Doubles vies

(OmU) 18.00

Delphi Filmpalast (& 312 10 26) The Dead Don‘t

Die 15.30, 18.00, 20.30

Delphi LUX (& 322 931040) Rocketman (OmU)

15.00, 17.45, 20.30; Push –Für das Grundrecht

auf Wohnen (OmU) 14.00;The Dead Don‘t Die (OF)

16.00, 18.30, 21.00; Yoga: Die Kraft des Lebens

14.15, 19.00; Rocketman (OF) 16.20, 21.00; All

My Loving –Eine Geschichte von drei Geschwistern

15.10,17.50, 20.30; Sunset14.00, 17.00, 20.00;

Burning 14.00, 17.10, 20.20; Stan &Ollie (OmU)

14.20; Das Ende derWahrheit 16.40; Van Gogh: An

der Schwelle zur Ewigkeit 19.00; High Life (OmU)

21.20

Filmkunst 66 (& 882 17 53) Britt-Marie war hier

17.45; The Dead Don‘t Die 20.15; The Dead Don‘t

Die 18.00; Britt-Marie war hier 20.00

Kant Kino (& 319 98 66) Britt-Marie war hier

15.50, 18.10, 20.30; Rocketman 15.15, 17.50,

20.30; Edie –Für Träume ist es nie zu spät 15.15,

17.30; Stan &Ollie 19.45; Nur eine Frau 15.30,

17.45, 20.00; TKKG – Jede Legende hat ihren

Anfang 15.40; Monsieur Claude II17.45; Roads

20.00

Zoo Palast (& 018 05/22 29 66) 3D: Men in

Black: 17.30, 20.20; John Wick: Kapitel III 23.10;

3D:Men in Black: 14.15, 22.50; Rocketman 17.00,

20.00; X-Men: Dark Phoenix 15.00; 3D: Godzilla 2

–King of the Monsters 17.40; John Wick: Kapitel III

20.45; 3D: Aladdin 14.00, 16.45, 19.45, 22.45;

3D: Godzilla 2–King of the Monsters 14.50; 3D:

X-Men: Dark Phoenix 17.50, 20.30, 23.10; Men

in Black: 15.00; Glam Girls: Hinreißend verdorben

17.40; Der Fall Collini 20.00; X-Men: Dark Phoenix

(OF) 22.50; TKKG –Jede Legende hat ihren Anfang

14.10; Avengers: Endgame 16.30; Ma–Sie sieht

alles 20.15; Men in Black: (OF) 22.40

FRIEDRICHSHAIN

b-ware!Ladenkino (& 20 07 88 88) Birds Of

Passage: Das grüne Gold der Wayuu –Pajaros de

verano (OmU) 11.00; Diamantino (OmU) 13.00;

Das schönste Paar 14.30; Pokemon Meisterdetektiv

Pikachu 16.00; Fuck Fame –Die Geschichte

von Elektropop-Ikone Uffie (OmU) 17.45; Free Solo

(OmU) 19.15; Nur eine Frau 21.00; Der Goldene

Handschuh22.30;Another DayofLife –Jeszczedzien

zycia (OmU) 11.00; Ramen Shop –Ramen Teh

(OmU) 12.45; Atlas (OmenglU) 14.15; Peter Lindbergh

–Women‘s Stories (OmU) 16.15; Yoga: Die

Kraft des Lebens –Debout(OmU) 18.15; VanGogh:

An der Schwelle zur Ewigkeit 19.45; Dave Made a

Maze (OmU) 21.45; The Wild Boys –Les garcons

sauvages (OmU) 23.15; Once Again –Eine Liebe in

Mumbai 11.00; Sunset –Napszallta (OmU) 12.45;

Das Ende derWahrheit 15.00; Blown Away –Music,

Miles and Magic (OmU) 16.45; Edie –Für Träume

ist es nie zu spät (OmU) 18.45; Rocketman (OmU)

20.30; Border –Gräns (OmU) 22.30

Tilsiter-Lichtspiele (& 426 81 29) Free Solo

(OmU) 16.00; Nur eine Frau 18.00; Das Ende der

Wahrheit 20.00; „Mir ist es egal, wenn wir als Barbaren

in die Geschichte eingehen“ –„Imi este indiferent

daca inistorie vom intra ca barbari“ (OmU)

22.05; Kleine Germanen 16.00; War ofArt (OmU)

17.45; Push – Für das Grundrecht auf Wohnen

(OmU) 19.45; Macht das alles einen Sinn? –Und

wenn ja –warum dauert essolange? 21.30

UCI Luxe Kino Mercedes-Platz Rocketman 13.45,

17.15, 20.15; Monsieur Claude II 13.45; John

Wick: Kapitel III 13.45, 16.45, 19.20, 22.20;

Mister Link: Ein fellig verrücktes Abenteuer 14.00;

Bailey: Ein Hund kehrt zurück 14.00, 16.40; 3D:

Aladdin 14.00, 19.45, 22.45; 3D: X-Men: Dark

Phoenix 14.15, 17.00, 20.15, 23.00; Asterix und

das Geheimnis des Zaubertranks 14.15; Aladdin

14.15, 16.40; Pokemon Meisterdetektiv Pikachu

14.30; IMAX 3D: Men in Black: 14.30, 17.15,

20.00, 22.45; Godzilla 2–King of the Monsters

14.30, 19.15; TKKG –Jede Legende hat ihren Anfang

14.45,17.15; 3D: Avengers: Endgame 14.45,

22.30; Men in Black: 16.30, 19.30, 22.30; Hollywoodtürke

16.30, 20.00; Avengers: Endgame

16.30, 18.40; 3D: Pokemon Meisterdetektiv Pikachu

17.00, 19.30, 22.00; 3D: Godzilla 2–King of

the Monsters 17.00, 22.45; X-Men: Dark Phoenix

17.40, 19.40, 22.30; Rocketman (OF) 19.50; 3D:

X-Men: Dark Phoenix (OF) 20.00; Men in Black:

(OF) 20.30; Godzilla 2–King of the Monsters (OF)

22.15; Lloronas Fluch 22.30; John Wick: Kapitel III

–John Wick: Chapter 3–Parabellum (OF) 22.50;

Greta (2019 USA) 23.15; Der Fall Collini 23.15

Zukunft (& 01 76/57 86 10 79) #Female Pleasure

(OmU) 18.00; Berlin 4Lovers (OmenglU) 20.00;

Der Goldene Handschuh (OmenglU) 21.30; Das

Leben meiner Tochter 18.00; Kim hat einen Penis

19.50; Berlin Bouncer (OmU) 21.30

HELLERSDORF

CineStar (& 04 51/703 02 00) Aladdin 13.30,

16.30, 19.50; Godzilla 2–King of the Monsters

13.40, 16.45; TKKG – Jede Legende hat ihren

Anfang 13.45; Pokemon Meisterdetektiv Pikachu

13.50, 17.00; X-Men: Dark Phoenix 14.00, 16.50;

3D:Aladdin 14.00; Men in Black: 14.20; 3D: Avengers:

Endgame 16.10; Rocketman 17.00, 20.00;

3D: Men in Black: 17.10, 20.15; 3D: Godzilla 2–

King of the Monsters 19.30; Glam Girls: Hinreißend

verdorben 19.45; 3D: X-Men: Dark Phoenix 20.00;

John Wick: Kapitel III 20.10

Kino Kiste (& 998 74 81) Das Ende der Wahrheit

14.00; Die sagenhaften Vier –Marnies Welt 16.00;

Der Funktionär 18.00; Das Familienfoto 20.00

HOHENSCHÖNHAUSEN

CineMotion (& 038 71/211 41 09) TKKG –Jede

Legende hat ihren Anfang 14.15; 3D: Aladdin

14.20, 17.15; Rocketman 14.30, 16.45, 20.20;

Aladdin 14.30, 17.00, 20.10; 3D: Pokemon

Meisterdetektiv Pikachu 14.40; 3D: Men inBlack:

14.45,17.20, 20.00; Bailey: Ein Hund kehrt zurück

14.45, 17.30, 19.50; Royal Corgi: Der Liebling der

Queen 14.50; Pokemon Meisterdetektiv Pikachu

15.00, 17.30; Avengers: Endgame 16.30, 19.40;

X-Men: Dark Phoenix 17.10, 20.15; John Wick:

Kapitel III 17.20, 20.00; Godzilla 2–King of the

Monsters 19.30; Men inBlack: 19.50

KREUZBERG

Babylon (& 61 60 96 93) The Dead Don‘t Die

(OmU) 17.30,20.00,22.30;Push –Für das Grundrecht

auf Wohnen (OmU) 17.00; Nur eine Frau

19.15; Rocketman (OmU) 21.20

fsk amOranienplatz (& 614 24 64) Burning –Beoning

(OmU) 17.45, 20.30; Zwischen den Zeilen –

Doubles vies (OmU) 18.00, 20.15

Moviemento (& 692 4785) Kinderfilm des Monats:

Pünktchen und Anton 10.00, 14.30; High Life

(OmU) 17.00; Sunset –Napszallta (OmU) 19.30;

Roads 9.30; Sunset –Napszallta (OmU) 16.00;

Female Filmmakers Festival Berlin: Left on Pearl

(OmenglU) 19.00; Female Filmmakers Festival Berlin:

Kurzfilmprogramm (OmenglU) 21.15; Tschick

10.00; Welcome to Norway 12.00; Alfons Zitterbacke

–Das Chaos ist zurück 14.15; Checker Tobi

unddas Geheimnisunseres Planeten 16.30; Roads

(OmenglU) 18.30; Rocketman (OmU) 20.45

Sputnik (& 694 11 47) Klasse Deutsch (OmU)

16.45; Push – Für das Grundrecht auf Wohnen

(OmenglU) 18.15; All MyLoving –Eine Geschichte

von drei Geschwistern (OmenglU) 20.00; Fuck

Fame –Die Geschichte von Elektropop-Ikone Uffie

(OmenglU) 22.00; Von Bienen und Blumen

(OmenglU) 16.30; Edie –Für Träume ist esnie zu

spät (OmU) 18.15; Kim hat einen Penis (OmenglU)

20.00; Greta (OmU) 21.45; Kinobar Lord ofthe

Toys 21.00

Yorck (& 78 91 32 40) TKKG –Jede Legende hat

ihren Anfang 15.20; The Dead Don‘t Die 17.30,

20.00; New Yorck Britt-Marie war hier 16.20,

18.30; Rocketman 20.40

KÖPENICK

Kino Spreehöfe (& 538 9590) Aladdin 14.15,

17.00, 20.00; Men inBlack: 14.30, 17.30, 20.15;

Bailey: Ein Hund kehrt zurück 14.45, 17.15; Pokemon

Meisterdetektiv Pikachu 15.00; TKKG –Jede

Legende hat ihren Anfang 15.15; Rocketman

17.15; 3D: X-Men: Dark Phoenix 17.30,20.30;3D:

Godzilla 2–King ofthe Monsters 20.00; John Wick:

Kapitel III 20.15

Union Filmtheater (& 65 01 31 41) Van Gogh:

An der Schwelle zur Ewigkeit 13.00; Sunset 13.00,

20.30; Britt-Marie war hier 13.00, 18.15; Monsieur

Claude II15.15; AStar IsBorn 15.15; Mister Link:

Ein fellig verrücktes Abenteuer 16.00; Rocketman

18.00, 20.30

MARZAHN

UCI Kinowelt am Eastgate (& 93 03 02 60) Men

in Black: 14.00; Godzilla 2–King of the Monsters

14.00, 16.30; Aladdin 14.00, 17.00; Pokemon

Meisterdetektiv Pikachu 14.10, 16.30; X-Men: Dark

Phoenix 14.15; TKKG –Jede Legende hat ihren Anfang

14.15; Royal Corgi: Der Liebling der Queen

14.15; Avengers: Endgame 15.15, 19.00; John

Wick: Kapitel III 16.45, 19.50; Rocketman 17.00,

20.00; 3D:Men in Black:17.00, 20.00; 3D:X-Men:

Dark Phoenix 17.10,20.00; 3D: Godzilla 2–King of

the Monsters 19.45; 3D: Aladdin 20.00; Ma –Sie

sieht alles 20.15

MITTE

Acud (& 44 35 94 98) Alfons Zitterbacke –Das

Chaos ist zurück 17.00; Nur eine Frau (OmenglU;

m. Gast) 19.00; Liebesfilm (OmenglU) 21.15; Der

Stein zum Leben 18.00; Los perros (OmU) 19.45;

Fuck Fame –Die Geschichte von Elektropop-Ikone

Uffie (OmenglU) 21.45

Babylon (& 242 5969) New York –New York: Das

Appartement –The Apartment (OF) 17.00; Berlin

TV Series Festival: Mocro Maffia (OmenglU) 18.00;

Fuck Fame –Die Geschichte von Elektropop-Ikone

Uffie 18.00; Berlin TV Series Festival: Asylum City

(OmenglU) 19.00; Liebe ‚62 –L‘eclisse (OmenglU;

m. Gespräch) 19.30; New York –New York: Bananas

(OF)20.00; NewYork–NewYork:Das verlorene

Wochenende –The Lost Weekend (OF) 20.15; New

York –New York: 25 Stunden –25th Hour (OmU)

21.45; New York –New York: Juice (OmU) 22.15;

NewYork –New York: Der Gott des Gemetzels –God

of Carnage (OmU) 22.15

Central Hackescher Markt (& 28 59 99 73) Die

Schüler der Madame Anne 9.45; Das schönste

Mädchen der Welt 14.00; Alfons Zitterbacke –Das

Chaos ist zurück 16.30; Monsieur Claude II –

Qu‘est-ce qu‘on aencore fait au Bon Dieu? (OmU)

18.30; Border –Gräns (OmU) 20.45; Plastic Planet

10.00; Rocketman (OmU) 15.00, 17.30,20.15

CineStar CUBIX (& 04 51/703 0200) Der Fall

Collini 11.00;Aladdin 11.00, 13.30, 16.20, 22.40;

Monsieur Claude II 11.10; Mister Link: Ein fellig

verrücktes Abenteuer 11.10; Men in Black: 11.30,

14.00; Royal Corgi: Der Liebling der Queen 11.50;

Bailey: Ein Hund kehrt zurück 11.50, 14.40, 16.40;

Pokemon Meisterdetektiv Pikachu 12.10, 13.50;

TKKG – Jede Legende hat ihren Anfang 12.20,

14.45;3D: Godzilla 2–Kingofthe Monsters 13.40,

16.30, 19.40, 23.00; Avengers: Endgame 14.00;

Rocketman 14.50, 19.20, 23.00; 3D: Aladdin

17.00, 19.30; John Wick: Kapitel III 17.10, 20.00,

22.20; 3D: Men in Black: 17.20, 20.15, 23.15;

3D: X-Men: Dark Phoenix 17.30,20.20, 23.10; 3D:

Pokemon Meisterdetektiv Pikachu 17.50; 3D: Avengers:

Endgame 18.00, 22.00; Ma –Sie sieht alles

20.20, 23.10; Glam Girls: Hinreißend verdorben

20.30;The Silence 23.15

Hackesche Höfe (& 283 4603) Berlin Babylon

(Omdt+englU) 14.00; The Artist & The Pervert

(OmU) 16.00; Sunset –Napszallta (OmU) 18.00;

Mid90s (OmU) 21.00; Roads (OmU) 14.00,22.30;

Ramen Shop –Ramen Teh (OmU) 16.15, 20.30;

Nur eine Frau (OmU) 18.15; Burning –Beoning

(OmU) 14.30; The Dead Don‘t Die (OmU) 17.30,

19.45, 22.00; Peter Lindbergh –Women‘s Stories

(OmU) 14.00; All My Loving –Eine Geschichte von

drei Geschwistern 16.30; Zwischen den Zeilen –

Doubles vies (OmU) 19.00; Burning – Beoning

(OmU) 21.15; Britt-Marie war hier –Britt-Marie var

här (OmU) 14.15, 19.00; High Life (OmU) 16.30,

21.15

International (& 24 75 60 11) The DeadDon‘t Die

(OmU) 16.30, 19.00, 21.30

Zeughauskino (& 20 30 47 70) Bilder vonDrüben:

Jetzt und inder Stunde meines Todes 20.00

NEUKÖLLN

Cineplex Neukölln Arcaden (& 01 80/505 06 44)

TKKG –Jede Legende hat ihren Anfang 14.00; Mister

Link: Ein fellig verrücktes Abenteuer 14.00; Men

in Black: 14.00, 16.50, 19.45, 22.40; Avengers:

Endgame 14.00, 16.05; Aladdin 14.10, 17.05,

20.00, 22.35; X-Men: Dark Phoenix 14.15, 16.35,

23.00; Godzilla 2 –King ofthe Monsters 14.30,

17.00, 20.00, 22.50; Dumbo 14.30; Pokemon

Meisterdetektiv Pikachu 14.50, 17.25; Rocketman

17.05; Pokemon Meisterdetektiv Pikachu –Pokemon

Detective Pikachu (OF) 17.35; Hollywoodtürke

17.45, 20.00, 23.00; John Wick: Kapitel III 20.00,

23.00; X-Men: Dark Phoenix (OF) 20.05; Men in

Black: (OF) 20.10; Ma – Sie sieht alles 20.10,

23.00; Preview: Kim hat einen Penis 20.30; Godzilla

2–King of the Monsters (OF) 22.45; Enes Batur

Gercek Kahraman –Echter Held (OmU) 23.00

IL KINO (& 91 70 29 19) Babykino:Sunset–Napszallta

(OmU) 10.00; Die rote Linie –Widerstand im

Hambacher Forst 12.45; War of Art (OmU) 15.00;

Burning – Beoning (OmU) 16.50; Roads 19.30;

Sunset –Napszallta (OmU) 21.15

Neues Off (& 62 70 95 50) The Dead Don‘t Die

(OF) 17.00, 19.30,22.00

Passage (& 68 23 70 18) The Dead Don‘t Die

(OmU) 15.45, 18.15, 20.45; Rocketman (OmU)

15.45, 18.15, 20.45; Yoga: Die Kraft des Lebens

16.00, 18.00; All My Loving – Eine Geschichte

von drei Geschwistern 20.00; Zwischen den Zeilen

16.45; Roads 19.00; Border 21.15

Rollberg (& 62 70 46 45) Men inBlack: (OF)

17.00, 19.40, 22.20; Burning –Beoning (OmU)

17.00, 20.15; Burning – Beoning (OmenglU)

18.00, 21.20; Roads (OmU) 16.40, 19.00; High

Life (OmU) 21.00, 22.10; Aladdin (OF) 16.45; Rocketman

(OF) 19.30

UCI Luxe Gropius Passagen (& 66 68 12 34) X-

Men: Dark Phoenix 14.00; Aladdin 14.20, 16.50,

19.45; Men in Black: 14.25; TKKG –Jede Legende

hat ihren Anfang 14.30; Pünktchen und Anton

14.30; Pokemon Meisterdetektiv Pikachu 15.00;

Rocketman 16.40; John Wick: Kapitel III 17.00,

20.15;3D: X-Men: Dark Phoenix17.10, 19.55; 3D:

MeninBlack:17.20, 20.10;GlamGirls:Hinreißend

verdorben 17.25;3D: Godzilla 2–King of the Monsters

19.30; Ma–Sie sieht alles 20.05

Wolf (& 921 03 93 33) Diamantino (OmU) 12.00;

Burning –Beoning (OmU) 12.20, 21.00; High Life

(OmU) 14.10, 21.10; Mo &Friese unterwegs (- Auf

zu neuen Abenteuern) 16.00; Mirai: Das Mädchen

aus der Zukunft 16.20; Liebesfilm (OmenglU)

17.00; Von Bienen und Blumen (OmenglU) 19.00;

TheWildBoys–Les garcons sauvages (OmU) 19.00

PANKOW

Blauer Stern Pankow (& 47 61 18 98) TKKG –

Jede Legende hat ihren Anfang 16.00; Rocketman

17.20, 20.30; Britt-Marie war hier 15.00, 18.10,

20.00


Berliner Zeitung · N ummer 134 · D onnerstag, 13. Juni 2019 25

· ·

·······················································································································································································································································································

Tagestipp

KALENDER

Welche Chancen

hat Abitürkin

Esra?

Nicht nur das Weddinger Prime-Time-Theater

muss improvisieren –andere schaffen das

IMPRO-THEATER

Der Club der toten Döner,bis 30.6.,

Do–So, 20.15 Uhr,Prime-Time-Theater,

Müllerstraße 163

Eins auf die Presse,jeden Do, 19.30

Uhr,Distel Studio, Friedrichstr.101

Das Ding Show,Mi, 19.6., 3.7., 10.7.,

19.30 Uhr.Distel Studio

Dein Held –Deine Geschichte,jeden Mi,

20 Uhr,Maschinenhaus der Kulturbrauerei,

Knaackstraße 97

Der Spielekönig,jeden Di, 20 Uhr,

Frannz Club,am18.6. in der Alten Kantine

der Kulturbrauerei

TheatersportBerlin,jeden Mo, 20 Uhr,

BKA, Mehringdamm 34

spielend Abend für Abend

genden Tageszeitungen der Woche

ausschneiden. Die Truppe Impro-

Berlin kreiert daraus ein bissig-komisches

Programm und behauptet,

diese Impro-Kabarett-Show wäre

einzigartig in Deutschland. An jedem

Mittwoch bitten die Künstler

am selben Ort ihre Gäste, mal in die

deren Taschen gucken zu dürfen und

wetteifern dann mit Liedern oder

Geschichten um das originellste

Ding des Abends.

Im Maschinenhaus der Kulturbrauerei

wird an jedem Mittwoch

dagegen ein ganz neuer Held erfunden.

Die Zuschauer geben den Akteuren

derTheatergruppe Paternoster

nicht nur den Charakter des Helden

vor, sondern bestimmen auch,

ob das Stück als Drama, Komödie

oder Actionstory ablaufen soll.

Dienstags kämpfen jeweils drei Paternoster-Leute

um den Titel

„Spiele-König“. Das Publikum gibt

mit Stichworten oder Requisiten die

Vorgaben für die Impro-Spiele und

kürt zum Schluss den Sieger. Am

Montag wiederum treten die Akteure

von Theatersport im BKA in zwei

Teams gegeneinander an. Auch hier

wirddas Publikum zum Schiedsrichter.

Imkleineren Rahmen, diesmal

am Sonnabend im Friedrichshainer

„Café Tasso“, folgt die Gruppe „Im

freien Fall“ ihrem Namen und vertrautganzauf

Spontaneität, Einfallsreichtum

und Spielfreude.

Zwei rührige Bühnen sind feste

Heimstätten für Improvisations-

Künstler. Das Kreuzberger Ratibor-

Theater ist das Revier der Gorillas.

Ihr Dauerbrenner „Gurke oder Banane“,

bei dem drei Regisseure gegeneinander

antreten, läuft schon

länger als „Gutes Wedding, schlechtes

Wedding“. Am Freitag und am

Mittwoch berlinern sie so heftig wie

Kollege Kalle.Denn unter demMotto

„Ick und Berlin“ werden die Gäste

um Vorschläge zu Rubriken wie

„Schönste U-Bahn-Station“, „Lieblingskiez“

oder „Berlin-Klischee“ gebeten

und daraus ganz neue Perspektiven

auf die Stadt entwickelt.

Im Bühnenrausch, zu HauseimKiez

der Prenzlwichser, gastieren an jedem

Abend andere Improvisations-

Ensembles, mal poetisch-zart, wie

das Duo Th.akt.il am Donnerstag,

mal wilder wie bei frei.wild am Freitag

oder die Schmetterlings-Game-

Show am Mittwoch.

Gespräch

„GutenMorgen,

du Schöne“

wiedergehört

Für viele Frauen, die in der

DDR aufgewachsen sind,

gehört die Lektüre dieses Buches

zu den Schlüsselerlebnissen:

„Guten Morgen, du

Schöne“ von Maxie Wander.

Die aus Österreich gekommene

Autorin und Fotografin

hatte mit offener Herzlichkeit

Mädchen und Frauen zum

Sprechen gebracht über ihre

Lebensbedingungen, Liebe,

die Arbeit, über Männer.Maxie

Wanders verdichtete Protokolle

zeichnen ein Gemälde

vomAlltag in der DDR, das den

offiziellen Bilderninvielen Details

widersprach. Das machte

den Leserinnen Mut, egal welchen

Alters. Die Schriftstellerinnen

Luise Boege (geboren

1985 Würzburg) und Bettina

Hartz(geb.1974 in Ost-Berlin)

sind dazu in einen Dialog getreten

und stellen den heute

Abend vor. Zu hören sind auch

Texte von damals. Die Einmischung

des Publikums ist erwünscht.

CorneliaGeißler

Über MaxieWander 19.30 Uhr,Literaturhaus

Berlin, Fasanenstr.23, 7/4Euro

BKA (& 202 20 07)

20.00: Edith Schröder –unbeugsam bunt! (Ades

Zabel)

Chamäleon (& 400 05 90)

20.00: Memories of Fools (Cirk La Putyka)

Distel (& 204 47 04)

19.30 Studio: Eins auf die Presse (Gastspiel

ImproBerlin)

20.00: Zirkus Angela

Estrel Festival Center (& 68 31 68 31)

20.30: Simply The Best –Das Tina Turner Musical

(Dorothea „Coco“Fletcher)

Friedrichstadt-Palast (& 23 26 23 26)

19.30: Vivid

Kookaburra (& 48 62 31 86)

20.00: Allesaußer irdisch(Alpar Fendo)

Maxim Gorki Theater (& 20 22 11 15)

19.00 Lichtsaal:Pugs in Love –Queer Week: Queer

Cabaret (Nathalie Seiss)

Mehringhof-Theater (& 691 50 99)

20.00: Götzseidank (Götz Frittrang)

Neuköllner Oper (& 68 89 07 77)

20.00: Drachenherz

Quatsch Comedy Club (& 47 99 74 13)

20.00: Die LiveShow

Scheinbar Varieté (& 784 55 39)

20.00: Open StageVarieté (Tom vanOrten, Mod.)

Stachelschweine (& 261 47 95)

20.00: Stachelschweinerei

StageBluemax Theater (& 018 05 44 44)

17.00, 20.30: Blue Man Group –The Show

StageTheater des Westens (& 018 05 44 44)

19.30: The Band –Das Musical

Wintergarten Varieté (& 58 84 33)

20.00: Let’sTwist Again! –Rockabilly Hits &

Acrobatics

Wühlmäuse (& 30 67 30 11)

20.00: Keine weiteren Fragen (Christian Ehring)

KLASSIK

Bode-Museum (& 266 42 42 42)

16.00: Berliner Residenz Orchester,Klassik am Nachmittag,Antonín

Dvorák: Amerikanisches Quartett, Nr.

1und 2; W. A. Mozart: Divertimenti; P. I. Tschaikowski:

Quartett Nr.2 in F-Dur u. a.

Konzerthaus Berlin (& 203 09 21 01)

20.00 Werner-Otto-Saal: Yury Shadrin (Klavier),

Building Bridges, Beethoven: Rondo C-Dur op. 51 Nr.

1, Sechs Variationen über ein Originalthema F-Dur op.

34; Brahms: Sieben Fantasien op. 116; Schostakowitsch:

Vier Préludes aus op. 34; Schubert:Fantasie

C-Dur op. 15 „Wanderer-Fantasie“

Philharmonie (& 25 48 83 01)

20.00: Berliner Philharmoniker,Ltg.Constantinos

Carydis, Mozart: Symphonie Nr.34C-Dur,Symphonie

Nr.38D-Dur „Prager“; Schostakowitsch: Kammersymphonie

c-Moll op. 110a, Zwei Stückefür Streichoktett

op. 11

Pierre Boulez Saal (& 47 99 74 11)

19.30: Belcea Quartet III, Haydn: Streichquartett

G-Dur,Streichquartett d-Moll„Quintenquartett“;

Janácek: Streichquartett Nr.1„Kreutzersonate“,

Streichquartett Nr.2„Intime Briefe“, im Rahmen des

Streichquartett-Konzertmarathons

TIPI am Kanzleramt (& 39 06 65 50)

20.00: The 12 Tenors, Millennium

Zeiss-Großplanetarium (& /42 18 45 10)

20.00: ModernArt Ensemble:25Jahre Unruhe,

Elektroakustisch verstärkte und verfremdete Werke

vonJohn Palmer,Performance mit kosmischen

Projektionen. Präsentation: Arno Lücker und Dr.Jürgen

Rienow

KINDER

Grips Hansaplatz (& 39 74 74 77)

20.00: Ankommen is WLAN –Werkschau (ab 12 J.)

Grips Podewil (& 39 74 74 77)

16.00: Schweben (ab 8J.)

LITERATUR/VORTRAG

Akademie der Künste am Pariser Platz

(& 200 57 10 00)19.00: Close Reading: Eine

Expedition in die Nachlassbibliotheken, Lesung und

Gespräch

Berliner Ensemble (& 28 40 81 55)

15.00: Das Literarische Quartett, TV-Aufzeichnung mit

Thea Dorn, Volker Weidermann, Christine Westermann

und Joachim Meyerhoff

Buchhandlung Paul und Paula (& 557 84 14)

20.30: Künstlerschriftstellerinnen: Monika Rinck

Buchhändlerkeller (& 55 14 93 58)

20.30: Warten auf Kafka. Eine literarische Seelenkunde

Tschechiens, Martin Becker

Eschenbräu (Triftstr.67)

20.30 Whisky Tastingroom: Brauseboys –Die Lesehow

im Wedding

Literarisches Colloquium Berlin (& 816 99 60)

19.30: Erschütterungen, Isabel FargoCole, Esther

Kinsky,Bernhard Schier,Mit Kasper Andreasen und

Angelo Strollo

Literaturhaus Berlin (& 88 72 86 -0)

19.30: Guten Morgen, du Schöne, vonMaxie Wander,

mit Luise Boegeund Bettina Hartz, Reihe: Revolution

in Europa

ocelot, not just anotherbookstore

(& 97 89 45 92) 20.00: DieFormder Schönheit,

Frank Berzbach, Buchpräsentation, Diskussion und

Weintrinken

Schmargendorfer Buchhandlung (& 82 30 97 77)

20.00: Schatten der Toten, Elisabeth Herrmann,

Lesung und Wein

Tucholsky-Buchhandlung (& 27 57 76 63)

20.00: Berlin Alexanderplatz –Die Geschichte vom

Franz Biberkopf, mit BastienneVoss und Reiner Heise,

szenisch–musikalische Lesung

KONZERT

AstraKulturhaus (& 69 56 68 40)

20.00: GaryClark Jr.

b-flat (& 283 31 23)

21.00: Damir Bacikin Quartett

Badehaus (& 95 59 27 76)

19.00: Nadara

Berghain/Kantine (Rüdersdorfer Str.70)

20.00: Kindness

Brotfabrik (& 471 40 01)

21.00Kneipe:Abel Lovac&Xenia Ost

Duncker (& 445 95 09)

21.00: Toffees

Lido (& 69 56 68 40)

20.00: Eric Nam

Maze (& 55 51 84 54)

20.00: Young Chinese Dogs, The Quiet &The Storm

Mensch Meier (Storkower Str.121)

20.00: Lars Neugebauer und N.U.Unruh, Drum Klub

Pergamonmuseum (& 266 42 42 42)

19.30 Mschatta-Saal, Museum für IslamischeKunst:

Dima Orsho &Friends, Mschatta-Lounge

PrivatClub (& 61 67 59 62)

21.00: delush,delush –live

Schlot (& 448 21 60)

21.00: Finn Vidal Quartett

Wild At Heart (& 611 70 10)

22.00: Ming City Rockers +Banana Of Death

Zimmer 16 (& 48 09 68 00)

20.00: Astrid Hengst

BALLROOM

Clärchens Ballhaus (& 282 92 95)

21.00: Cha Cha, Walzer &Co, Evan, Josefina, Sascha

Kulturbrauerei/Frannz (& 726 27 93 33)

21.30: Red Rhythm –Swing Dance Night

Kulturbrauerei/Soda (& 44 31 51 55)

19.00: Soda Social Club,Fismo DJ,EddyNice, Flori,

Papa Peter,Dilara

Tanzpavillon im Monbijoupark (Monbijoustr.3)

20.00: Salsa,Flori, Wilber und Naudy

KINO

PRENZLAUER BERG

FT am Friedrichshain (& 42 84 51 88) The Dead

Don‘t Die 15.30, 18.00, 20.30; Britt-Marie war hier

15.30, 17.45, 20.00; Rocketman 15.00, 20.10;

All MyLoving –Eine Geschichte von drei Geschwistern

17.30; TKKG –Jede Legende hat ihren Anfang

16.00; Rocketman (OmU) 18.15, 20.50; Yoga: Die

Kraft des Lebens 15.00; Burning 17.00, 20.15

Kino in der Kulturbrauerei (& 04 51/703 02 00)

Rocketman 13.45, 16.45, 19.45; Aladdin (OmU)

13.45,16.30, 19.30,22.30; TKKG –Jede Legende

hat ihrenAnfang 14.00, 17.00; Britt-Marie war hier

14.15, 16.40, 19.50; Edie –Für Träume ist es nie

zu spät 14.20; Pokemon Meisterdetektiv Pikachu

14.40, 17.15; The Dead Don‘t Die 15.00, 17.40,

20.20, 23.00; Das Ende der Wahrheit 15.00; Nur

eine Frau 16.40; Zwischen den Zeilen 19.00; Sunset

19.00; Burning 19.30; All My Loving –Eine

Geschichte von drei Geschwistern 19.40; Avengers:

Endgame (OmU) 21.30; High Life (OmU) 22.15;

Burning –Beoning (OmU) 22.15; Rocketman (OmU)

22.40; Van Gogh:Ander Schwelle zur Ewigkeit –At

Eternity‘s Gate (OmU) 22.45

Krokodil (& 44 04 92 98) Fremde Ufer (OmU)

19.00; Sunset (OmU) 20.45

Lichtblick-Kino (& 44 05 81 79) Push –Für das

Grundrecht auf Wohnen (OmU) 18.00; Kim hat einen

Penis (OmenglU) 19.45

UCI Kinowelt Colosseum (& 44 01 92 00) Men

in Black: 14.15; Godzilla 2–King ofthe Monsters

14.15; Aladdin 14.15, 17.05; X-Men: Dark Phoenix

14.20; Pokemon Meisterdetektiv Pikachu 14.25;

Bailey: Ein Hund kehrt zurück 14.35, 17.10; TKKG

–Jede Legende hat ihren Anfang 14.40; Glam Girls:

Hinreißend verdorben 14.50, 20.00; Royal Corgi:

Der Liebling der Queen 14.55; Avengers: Endgame

15.00, 19.15; John Wick: Kapitel III 16.50, 19.50,

23.00; 3D: X-Men: Dark Phoenix 17.00, 19.55,

22.55; 3D: Pokemon Meisterdetektiv Pikachu

17.00;3D: MeninBlack: 17.05,20.00, 23.00; The

Dead Don‘t Die 17.10, 19.45, 22.35; Rocketman

17.10, 20.00; Hollywoodtürke 17.10, 19.40; 3D:

Aladdin 19.30, 22.50; 3D: Godzilla 2–King of the

Monsters19.45, 22.50;Ma–Sie siehtalles22.35;

Greta (2019 USA) 22.50; Friedhof der Kuscheltiere

22.55

REINICKENDORF

CineStar Tegel (& 04 51/703 02 00) Men in

Black: 10.30, 14.20;Aladdin 13.30, 16.40; Bailey:

Ein Hund kehrt zurück 13.40, 16.30; Royal Corgi:

DerLiebling der Queen13.55; 3D: Godzilla 2–King

of the Monsters 13.55,16.15, 19.50, 22.50; TKKG

–Jede Legende hat ihren Anfang 14.05, 17.20;

Pokemon Meisterdetektiv Pikachu 14.10; 3D:

Aladdin 14.10, 17.15, 19.35, 22.30; X-Men: Dark

Phoenix 14.20; 3D: X-Men: Dark Phoenix 16.35,

20.20, 23.15; 3D: Pokemon Meisterdetektiv Pikachu

16.50; Rocketman 17.10, 19.30; 3D: Men in

Black: 17.15, 20.10, 23.05; 3D: Avengers: Endgame

19.20; Ma –Sie sieht alles 19.40,23.20; John

Wick: Kapitel III 19.45, 23.00; Glam Girls: Hinreißend

verdorben 20.20; Avengers: Endgame 22.15;

Greta (2019 USA) 23.10; The Silence 23.20

SCHÖNEBERG

Cinema amWalther-Schreiber-Platz (& 852 30 04)

Monsieur Claude II15.30, 18.00; Britt-Marie war

hier 20.30

Cosima (& 85 07 58 02) Das Ende der Wahrheit

18.00; Der Fall Collini 20.15

Odeon (& 78 70 40 19)The Dead Don‘t Die(OmU)

15.30,18.00,20.30

Urania-Filmbühne (& 218 9091) Auch Leben ist

eine Kunst –Der Fall Max Emden 19.00

Xenon (& 78 00 15 30)PeterLindbergh –Women‘s

Stories (OmU) 20.15

SPANDAU

Cineplex Spandau (& 01 80/505 0211) X-Men:

DarkPhoenix 10.00, 14.30, 17.00; TKKG –Jede Legende

hat ihren Anfang10.00, 12.05, 14.35; Pokemon

Meisterdetektiv Pikachu 10.00, 12.15,14.45;

Aladdin 10.00, 14.00, 17.00, 20.00, 23.00; Men

in Black: 10.30, 14.10, 17.00; Royal Corgi: Der

Liebling der Queen 12.30; Mister Link: Ein fellig

verrücktes Abenteuer 12.40; Rocketman 17.15;

Godzilla 2–King ofthe Monsters 17.15, 19.50;

3D: Men in Black: 19.55,23.00; John Wick: Kapitel

III 20.00, 23.00; 3D: X-Men: Dark Phoenix 20.20,

23.05; Avengers: Endgame 22.45

Kino im Kulturhaus Spandau (& 333 6081) Portugal

–Der Wanderfilm 16.00; Van Gogh: An der

Schwelle zur Ewigkeit 18.00; Sunset Over Hollywood

(OmU) 20.15

STEGLITZ

Adria (& 01 80/505 07 11) Rocketman 14.00,

17.00, 20.00

Cineplex Titania Palast (& 01 80/505 05 20)

X-Men: Dark Phoenix 10.00, 13.00, 17.10; TKKG

–Jede Legende hat ihren Anfang 10.00, 12.10,

14.00; Pokemon Meisterdetektiv Pikachu 10.00,

12.15, 14.50,16.00; Mister Link: Ein fellig verrücktesAbenteuer

10.00, 12.15; Bailey: Ein Hund kehrt

zurück 10.00, 12.25, 14.30, 17.20; Aladdin10.00,

14.30, 17.25,20.00,23.00; Men in Black: 10.30,

14.20, 16.30; Godzilla 2 –King ofthe Monsters

12.45; The Dead Don‘t Die 17.20, 20.20, 22.35;

Avengers: Endgame 19.00; 3D: Men in Black:

19.30, 22.30; John Wick: Kapitel III 19.30, 22.55;

3D:Godzilla 2–King of the Monsters20.00, 22.55;

3D: X-Men: Dark Phoenix 20.05, 23.00; Ma –Sie

sieht alles 23.05

Thalia MovieMagic (& 774 34 40)Aladdin 15.15,

20.30; Pokemon Meisterdetektiv Pikachu 15.30;

Men in Black: 15.30; TKKG –Jede Legende hat ihren

Anfang 15.45;Godzilla2–King of the Monsters

17.45; X-Men: Dark Phoenix 18.00; Rocketman

18.00, 20.30; 3D: Men in Black: 18.00, 20.30;

3D: X-Men: Dark Phoenix 20.30

TIERGARTEN

Arsenal (& 26 95 51 00) Magical HistoryTour: Der

schweigende Stern 19.30; Ogawa: Sanrizuka: Heta

buraku –Sanrizuka: Heta Village (OmenglU) 20.00

CinemaxX Potsdamer Platz (& 040/80 80 69 69)

Avengers: Endgame 12.30, 16.10, 22.10; X-Men:

Dark Phoenix 13.15; Rocketman 13.20, 16.50,

19.50, 23.00; Monsieur Claude II 13.20, 19.30;

Godzilla 2–King ofthe Monsters 13.20; After Passion

13.25, 16.50; Zwischen den Zeilen 13.30; Van

Gogh: An der Schwelle zur Ewigkeit 13.30; Pokemon

Meisterdetektiv Pikachu 13.30, 20.10, 23.00;

Edie –Für Träume ist es nie zuspät 13.30; Bailey:

Ein Hund kehrt zurück 13.30, 16.40, 20.15; Aladdin

13.30, 19.40; Mister Link: Ein fellig verrücktes

Abenteuer 13.40; Dumbo 13.40; TKKG –Jede

Legende hat ihren Anfang 14.00; Men in Black:

14.00; Glam Girls: Hinreißend verdorben 14.10,

16.50, 19.40; Royal Corgi: Der Liebling der Queen

14.30; Roads 16.20; 3D: Godzilla 2–King of the

Monsters 16.20, 19.40, 23.00; High Life 16.25;

3D: X-Men: Dark Phoenix 16.30, 20.00, 22.50;

Die Goldfische 16.30; Britt-Marie war hier 16.30,

19.10; John Wick: Kapitel III 16.35, 19.40, 23.00;

Hollywoodtürke 16.40, 19.30, 22.10; Burning

16.40; 3D: Aladdin 16.40, 23.00; 3D: Pokemon

Meisterdetektiv Pikachu 16.50; Der Junge muss an

die frische Luft 16.50; 3D: Men inBlack: 17.20,

20.40, 23.00; The Dead Don‘t Die 17.30, 19.50,

23.00; Greta (2019 USA) 19.20; Nur eine Frau

19.30; Bohemian Rhapsody 19.30; Der Fall Collini

19.40; Ma –Sie sieht alles 20.20, 23.00; 3D:

Avengers: Endgame 20.20; Captain Marvel 22.00;

Im Netz der Versuchung 22.20; The Silence 22.30;

Friedhof der Kuscheltiere 22.30; Wir 22.50; Escape

Room 23.00

Filmrauschpalast (& 394 43 44) Mirai: Das

Mädchen aus der Zukunft –Mirai no Mirai (OmU)

17.45; John Wick: Kapitel III –John Wick: Chapter

3–Parabellum (OF) 19.30; „Mir ist es egal, wenn

wir als Barbaren in die Geschichte eingehen“ –„Imi

este indiferent daca in istorie vom intra cabarbari“

(OmU) 22.00

TREPTOW

Astra (& 636 16 50) Pünktchen und Anton 10.00;

TKKG – Jede Legende hat ihren Anfang 14.00,

16.00; Aladdin 14.00, 17.00, 20.00; Pokemon

Meisterdetektiv Pikachu 15.00; Mister Link: Ein

fellig verrücktes Abenteuer 15.00; Men in Black:

15.00, 17.30; X-Men: Dark Phoenix 17.30;Godzilla

2–King ofthe Monsters 17.30; Rocketman 18.00;

3D: X-Men: Dark Phoenix 20.00, 22.30; 3D: Men

in Black: 20.00, 22.30; 3D: Godzilla 2–King of

the Monsters 20.00, 22.30; John Wick: Kapitel III

20.15, 22.30; Ma –Sie sieht alles 22.45

Casablanca (& 677 5752) Edie –Für Träume ist

es niezuspät18.15; All My Loving –Eine Geschichte

von drei Geschwistern 20.30

CineStar –Treptower Park (& 04 51/703 02 00)

TKKG –Jede Legende hat ihren Anfang 14.00;Aladdin

14.00, 16.45; X-Men: Dark Phoenix 14.10,

17.00; Mister Link: Ein fellig verrücktes Abenteuer

14.15; Men inBlack: 14.15; Pokemon Meisterdetektiv

Pikachu 14.25; Bailey: Ein Hund kehrt zurück

14.30, 17.00; Rocketman 14.35, 20.10; Avengers:

Endgame 15.45, 19.20; 3D: Godzilla 2–King of

the Monsters 16.20, 19.45, 22.45; 3D: Pokemon

Meisterdetektiv Pikachu 17.10; 3D: Men in Black:

17.15, 20.00, 22.45; Hollywoodtürke 17.15,

19.50, 23.10; Glam Girls: Hinreißend verdorben

17.30, 23.00; John Wick: Kapitel III 19.45, 22.50;

3D: Aladdin 19.50; 3D: X-Men: Dark Phoenix

20.00, 23.00; Ma –Sie sieht alles 20.10, 23.00;

3D: Avengers: Endgame 22.15; Friedhof der Kuscheltiere

23.10

WEDDING

Cineplex Alhambra (& 01 80/505 03 11) Royal

Corgi: Der Liebling der Queen 10.00, 15.00; TKKG

–Jede Legende hat ihren Anfang 14.00; Aladdin

14.00, 17.00, 20.00, 22.50; Men in Black: 14.10,

17.00; X-Men: Dark Phoenix 14.15, 17.00, 19.50;

Bailey: Ein Hund kehrt zurück 14.20, 17.00; Pokemon

Meisterdetektiv Pikachu 14.30, 17.15; Godzilla

2–King of the Monsters 16.30, 19.50, 22.15;

Hollywoodtürke 17.10, 19.30, 23.00; John Wick:

Kapitel III 19.50, 22.40; 3D: Men inBlack: 20.00,

23.00; Ma–Sie sieht alles 20.00, 22.45; Men in

Black: (OF) 23.00

WEISSENSEE

BrotfabrikKino (& 471 4001) War ofArt (OmU)

18.00; Louise Hires AContract Killer –Louise-Michel

(OmU) 20.00; One Cutofthe Dead–Kamera o

tomeru na! (OmU) 22.00

Toni &Tonino (& 92 79 12 00) Auf dem Weg zur

Schule 10.00; Das schweigende Klassenzimmer

12.00; Rocketman 14.30, 17.15, 20.00; TKKG –

Jede Legende hat ihren Anfang 13.30, 15.45; Das

Familienfoto 18.00; Monsieur Claude II 20.15

WILMERSDORF

Bundesplatz-Kino (& 85 40 60 85) The Dead

Don‘t Die 16.00, 20.30; All MyLoving –Eine Geschichte

von drei Geschwistern 18.00

Eva (& 92 25 53 05) Pokemon Meisterdetektiv

Pikachu 13.00; Edie –Für Träume ist esnie zu spät

15.30; Nur eine Frau 17.45; Rocketman 20.15

ZEHLENDORF

Bali (& 811 46 78) Immenhof –Das Abenteuer

eines Sommers 16.00; Wieich lernte,bei mir selbst

Kind zusein 18.00; Beuys 20.30

Capitol (& 831 6417) Britt-Marie war hier 15.40,

20.30; Zwischen den Zeilen 18.00

FREILUFTKINOS

FreilichtbühneWeißensee (& 24 72 78 01) Junge

Leute inder Stadt 21.45

Freiluftkino Friedrichshagen (& 65 01 31 41)

Green Book –Eine besondere Freundschaft 21.15

Freiluftkino Hasenheide (& 283 4603) Mid90s

(OmU) 21.45

Freiluftkino Insel imCassiopeia (& 35 12 24 49)

Iron Sky:The Coming Race (OmU) 21.45

Freiluftkino Kreuzberg Maria Stuart, Königin von

Schottland –Mary Queen ofScots (OmU) 21.30

Freiluftkino Rehberge Gundermann 21.30

Open-Air-Kino SchlossparkBiesdorf (& 9987481)

Nur eine Frau 21.30

Pompeji amOstkreuz (& 0176/56709298) Nur

eine Frau 21.45

Radio EINS-Freiluftkino Friedrichshain

Shoplifters: Familienbande 21.45

Sommerkino Kulturforum am Potsdamer Platz

(& 89 37 14 31) Van Gogh: An der Schwelle zur

Ewigkeit 21.45

POTSDAM

Filmmuseum Potsdam (& 03 31/271 81 12) 25

km/h 17.00; Exhibition on Screen: DerjungePicasso

–Young Picasso (OmU) 19.00; Border 21.00

Thalia Potsdam (& 03 31/7437020) TKKG –Jede

Legende hat ihren Anfang 14.00, 16.00; Edie –Für

Träume ist es nie zu spät 14.00; Die rote Linie

14.00; Zwischen den Zeilen 16.00; Mister Link:

Ein fellig verrücktes Abenteuer 16.15; Magie der

Wildpferde 16.15; All MyLoving 18.00; Rocketman

18.15, 20.45; Yoga 18.30; Britt-Marie war hier

18.30, 20.45; Sunset 20.30; Burning 20.30

UCI Luxe Potsdam Center (& 03 31/233 72 33)

TKKG 13.45; Aladdin 13.45, 16.40;Pokemon Meisterdetektiv

Pikachu 14.00; Men inBlack: 14.00;

Bailey: EinHundkehrt zurück 14.10,17.10; X-Men:

Dark Phoenix 14.15, 20.00; Glam Girls: Hinreißend

verdorben 14.15; Avengers: Endgame 15.30; 3D:

Pokemon Meisterdetektiv Pikachu 16.45; 3D: Men

in Black: 16.50, 20.00; 3D: X-Men: Dark Phoenix

17.00; Rocketman 17.00; The Dead Don‘t Die

17.15, 20.15;3D: Godzilla 219.30; John Wick:Kapitel

III 19.40; 3D: Aladdin 19.45; Sneak Preview

20.00; Ma–Sie sieht alles 20.15

UMLAND

ALA Falkensee (& 033 22/279 88 77) Aladdin

14.00, 17.00, 20.00

Capitol Königs Wusterhausen (& 033 75/46 97 77)

Tea with the Dames 17.15; Wie ich lernte, bei mir

selbst Kind zu sein 20.00

CineStar Wildau (& 04 51/703 02 00) X-Men:

Dark Phoenix 14.40; TKKG 14.40; Aladdin 14.40;

Royal Corgi: Der Liebling der Queen 14.45; Pokemon

Meisterdetektiv Pikachu 14.45; Bailey: Ein

Hund kehrt zurück 14.45, 17.15, 19.50; 3D: Godzilla

214.50, 17.20, 20.15; Men in Black: 15.00;

Glam Girls 15.10; 3D: Avengers: Endgame 15.15,

19.30; Avengers: Endgame 17.00; 3D: Aladdin

17.00, 20.00;3D: Men in Black: 17.20, 20.00; Rocketman

17.30, 20.40; 3D: PokemonMeisterdetektiv

Pikachu 17.30; 3D: X-Men: Dark Phoenix 17.40,

20.00; JohnWick: Kapitel III 17.45, 20.20; Der Fall

Collini 20.15; Ma –Sie sieht alles 20.45

Filmpalast Bernau (& 033 38/70 54 54) Aladdin

15.00, 17.45; Men in Black: 15.15; TKKG –Jede

Legende hat ihrenAnfang 15.30; 3D: Men inBlack:

17.45, 20.30; X-Men: Dark Phoenix 18.00; 3D: X-

Men: Dark Phoenix 20.30; Rocketman 20.30

Filmpalast Oranienburg (& 033 01/70 48 28)

Pokemon Meisterdetektiv Pikachu 14.45; Men in

Black: 15.00, 17.30; TKKG –Jede Legende hat ihren

Anfang 15.10;Aladdin15.15, 17.00; Godzilla 2

–King of the Monsters 17.10; X-Men: Dark Phoenix

17.45; 3D: Aladdin 19.30; 3D: Godzilla 2–King of

the Monsters 19.45; 3D: Men inBlack: 20.00; 3D:

X-Men: Dark Phoenix 20.15

Kammerspiele Kleinmachnow (& 03 32 03/84 75 84)

Plötzlich Familie 20.15


26 * Berliner Zeitung · N ummer 134 · D onnerstag, 13. Juni 2019

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Netzwerk

GAMING

Verwalter

in den

Sternen

VonOlaf Kieser

Das schwedische Entwicklerstudio

Paradox hat sich auf sogenannte

Grand Strategy Games spezialisiert.

Das sind komplexe Strategiespiele,

in denen Imperien erschaffen

und verwaltet werden.

Aufgrund ihrer Komplexität waren

solche Spiele bisher auf Konsolen

schwer vorstellbar. WoamPCMaus

und Tastatur für die Steuerung zur

Verfügung stehen, haben Konsolen

Controller mit wenigen Tasten und

zwei Analogsticks. Dass sich Imperien

auch damit prächtig erobern

und verwalten lassen, will Paradox

mit der Konsolen-Umsetzung seines

Strategiespiels „Stellaris“ beweisen.

Der Spieler übernimmt am Anfang

die Kontrolle über eine raumfahrende

Spezies.Von unserem Heimatplaneten

aus erforschen wir erstmal

unser Sonnensystem. So erfahren

wir, obund wo es notwendige

Rohstoffe gibt. Vielleicht existiert ja

quasi vorder Haustür schon ein Planet,

auf dem wir eine Kolonie errichten

können? Werden wir fündig,

schicken wir Konstruktionsschiffe,

um Forschungsstationen zu bauen.

Bei allem Streben nach den Sternen

darfder Ausbau der bereits bewohnten

Planeten nicht vergessen werden.

Die Staatskasse muss schließlich

gefüllt werden, außerdem brauchen

wir Ressourcen für Forschung

und die weitereExpansion. Auch die

Bewohner sollten zufrieden sein, damit

sie nicht revoltieren.

Es dauertnicht lange,bis wir Spuren

anderer Lebensformen entdecken.

Undirgendwann ist der Taggekommen,

an dem wir auf Alienvölker

treffen. Wie dieser Erstkontakt verläuft,

hängt sehr von Ethik und

Staatsform unseres Reiches ab. Ob

Demokratie oder autokratisches

Reich, militant oder friedliebend, xenophob

oder tolerant, all diese Faktoren

beeinflussen die Art, wie uns

die Aliens wahrnehmen.

Die Entscheidung der Staatsform

hat noch weitreichendere Konsequenzen:

In einer Demokratie kann

man nicht einfach Leute zwangsumsiedeln

oder versklaven. Ein autoritäres

Militärregime kümmert sich

nicht groß darum, ob bei Bombardements

militärische und zivile Ziele

gleichermaßen plattgemacht werden.

Die Controller-Steuerung gestaltet

sich anfangs tatsächlich gewöhnungsbedürftig.

Im Hauptmenü

sind die wichtigen Spielbereiche wie

Diplomatie, Schiffsdesign oder Forschung

hinterlegt.

„Stellaris“ überzeugt nicht nur

mit seiner Spielidee. Auch die grafische

Gestaltung ist eindrucksvoll.

Die Draufsicht ermöglicht den Blick

auf ganze Sternensysteme. Und

wenn man heranzoomt, werden die

Details von Raumschiffen sichtbar.

Unterlegt ist „Stellaris“ mit einem

eindrucksvollen Soundtrack, den

man auch ohne das Spiel gut hören

kann und der den Spieler auch ganz

leicht aus dem Alltagstrott befreit.

Ein Sternenimperium bequem von

der Couch aus zu verwalten, „Stellaris“

macht das möglich.

„Stellaris“, Entwickler/Publisher: ParadoxInteractive.

Geeignet für PS4 und XBoxone

Olaf Kieser

ist bei „Stellaris“ in fremde

Galaxien gereist.

App auf Rezept

Minister Spahn diskutiert über Hightech im Gesundheitswesen, das Berliner Start-up Moodpath ist dabei

VonJörg Hunke

Funkstille bei Mark Goering.

Eines der vielen Unwetter

hat ihn aufgehalten. Statt in

Berlin zu landen, ist das

Flugzeug wieder zurück nach München

geflogen. Kann passieren in

diesen wilden Wettertagen. Ist aber

auch ein Hinweis darauf, das Goering

viel unterwegs ist zurzeit. In

Bayern hatte er ein Gespräch mit einem

Social Impact Investor, esging

also um Finanzierungsfragen.

Gemeinsam mit seinem Kollegen

Felix Frauendorf hat er in Berlin die

Gesundheits-App Moodpath entwickelt,

die Menschen mit Depressionen

helfen soll, besser mit ihrem Leiden

klarzukommen. Tech und Gesundheit

zusammenzubringen, das

hat auch für Gesundheitsminister

Jens Spahn (CDU) eine große Bedeutung.

Bei der Kabinettskonferenz im

November gab er deshalb bekannt,

dass sein Ministerium in den nächsten

Jahren rund 20 Millionen Euro

für die Digitalisierung im Gesundheitswesen

bereitstellen will.

Wichtig ist dem Minister, digitale

Anwendungen wie Gesundheits-

Apps vor allem in der Region Berlin

schneller als bisher im Praxisalltag

einzusetzen. Auch deshalb hat er

zwei App-Betreiber eingeladen, am

heutigen Donnerstag mit ihm über

den Gesetzentwurf zum „Digitale

Versorgungsgesetz“ zu sprechen. Eines

der Start-ups ist Moodpath, außerdem

ist Carol Windhagen, die

Gründerin von Ariana geladen. Bei

der App geht es um die automatisierte

Kommunikation in der Gesundheitsindustrie.

Ein wichtiger

Punkt bei dem Treffen: Apps auf Rezept.

Digitales Tagebuch

In Deutschland, so die Regel, werden

den Versicherten der gesetzlichen

Krankenversicherung erstattungsfähige

Arzneimittel oder Heilbehandlungen

auf Kassenrezept verordnet.

Rezepte stammen aus der Zeit, als

Arzneimittel noch selbst gemischt

wurden. Damals gab der Arzt die Rezeptur

vor. Das Rezept enthielt deshalb

Herstell- und Abgabevorschriften.

VonGötterninWeiß war irgendwann

die Rede.Lange her.

Goering hat früher für Start-ups

Fachkräfte rekrutiert und so einen

ersten Eindruck von den technischen

Möglichkeiten im Hightech-

Bereich erhalten. Außerdem hat er

Psychologie studiert, inzwischen behandelt

er als klinischer Psychologe

Patienten am Institut fürVerhaltenstherapie.Solag

es für ihn nahe,seine

medizinische Fachkenntnis und

seine Kontakte zur Tech-Szene zu

nutzen, um Menschen mit Depressionen

zu helfen.

Die App hilft, mit Stimmungen umzugehen.

KOOPERATION MIT ÄRZTEN UND THERAPEUTEN

Das Unternehmen: Moodpath

gibt es seit vier Jahren.

Neben Mark Goering ist Felix

Frauendorf (oben) einer der

Gründer.Moodpath wurde

seit seinem Startvon beinahe

1,5 Millionen Menschen

genutzt. Aufder dazugehörigen

Plattformfür Behandler

haben sich mehr als

500 praktizierende Ärzte und

Psychotherapeuten aus

Deutschland angemeldet.

MOODPATH

Die Umfrage: Der Digitalverband

Bitkom hat im vergangenen

Jahr in einer Umfrage

herausgefunden, dass Gesundheits-Apps

zum Begleiter

vieler Menschen geworden

sind. Es geht oftumeine

prophylaktische, gesundheitsfördernde

Funktion.

Wasden Nutzernwichtig ist:

Datensicherheit, denn die

Patienten geben sensible Informationen

preis.

Spitzenplatz für Brandenburg

Studenten bezeichnen die digitale Infrastruktur an den Hochschulen als vorbildlich

Beurteilung der digitalen Infrastruktur

mit „eher gut“ in den jeweiligen Hochschulen

der Bundesländern, in Prozent

1.

2.

3.

...

12.

13.

14.

15.

16.

Brandenburg

Sachsen

Thüringen

Berlin

Hamburg

Bremen

Saarland

Schleswig-Holst.

88,2

82,3

79,8

75,1

72,1

71,0

70,5

67,3

Blick auf die Digitalisierung

Anteil der Studenten, die sich gut

auf digitale Anforderungen im

zukünftigen Beruf vorbereitet fühlen

41,0 %

Frauen

52,0 %

Männer

BLZ/HECHER; QUELLE: STUDITEMPS

fentlichen Wahrnehmung lange Zeit

allein Männern zugeschrieben“,

nannte Köhn eine mögliche Erklärung.

Außerdem sehen Frauen

schlechtere Jobchancen in der Digitalisierung,

das kam bei der Befragung

auch heraus.Maxi Knust, die in

Berlin die Plattform Fempreneur

Bei seiner Arbeit war ihm aufgefallen,

dass die Patienten trotz ihrer

Erkrankung immer wieder zum

Smartphone griffen. DasGerät störte

sie also nicht, wenn es ihnen nicht

gut ging. Deshalb überlegte er, wie

eine App bei der Therapie hilfreich

eingesetzt werden könnte. Und kam

er auf die Idee,den Patienten zu zeigen,

wie sie Verhaltensmuster erkennen

und damit umgehen können.

Goering weiß noch, wie es losging

vor vier Jahren. Am Anfang sei das

Produkt nicht wirklich sehenswert

gewesen, sagt er. Trotzdem sagten

Anwender, dass ihnen die Idee, ein

Stimmungstagebuch per Appzuführen,

gefalle.Ein Jahr später gab er den

Job bei seinem Arbeitgeber auf, um

sein eigenes Ding zu machen. Was

das mit dem Tagebuch auf sich hat,

erzählt Goering am Beispiel des

Schlafens. Esgeht darum, Schlafgewohnheiten

und ihre Auswirkungen

zu ermitteln. Hilft Sport, um zur Ruhe

zu kommen? Macht sich später

Koffeingenuss negativ bemerkbar?

Solche Sachen. „Die Selbstreflexion

hilft, sich immer besser einschätzen

zu können“, sagt Goering. Dazu gehört

auch das Erkennen von sogenannten

Grübelschleifen, wenn also

jemand immer über das gleiche

Thema nachdenkt, ohne loslassen zu

können. UndsokeinenSchlaf findet.

Abstimmungmit Ärzten

In Googles App-Store erhält Moodpath

die Note 4,6, wobei 5die Bestnote

ist. Eine Andrea M. schreibt,

dass Moodpath ein klares Bild ihrer

Symptome zeige und ihr im Gespräch

mit dem behandelnden Arzt

helfe. Womit ein Punkt genannt ist,

den Kritiker immer wieder äußern,

wenn es um medizinische Apps geht.

Besteht nicht die Gefahr, dass Patienten

die Informationen missverstehen

und deshalb ihrem Arzt misstrauen

oder erst gar nicht zur Behandlung

gehen?

Goering zeigt Verständnis für die

Sorge. Moodpath sei aber so angelegt,

dass am Ende ein klarer Appell

geäußert wird, zum Arzt oder zum

Psychotherapeuten zu gehen, wenn

die Arbeit mit der Appdiese Empfehlung

geliefert hat. Außerdem kann

der Patient seinem Arzt oder Therapeuten

auch den Zugriff auf die

Plattform ermöglichen, sodass für

die Behandlung die Erkenntnisse

aus der Arbeit mit der Appeinfließen

können. Am Ende bleibt noch die

Frage, ob Maschinenlernen und

Künstliche Intelligenz irgendwann

die Arztbesuche überflüssig machen

werden.Goering antwortet gelassen,

dass es doch gut wäre, wenn die

Technik bei der Diagnose und der

Behandlung keine Fehler machen

würde. „Aber so weit sind wir noch

lange nicht.“

Die

digitale Infrastruktur ist an

den Hochschulen in Brandenburgbesonders

hoch. Zu diesem Ergebnis

kommt eine Studie, bei der

rund 22 000 Studenten und Absolventen

in ganz Deutschland befragt

wurden. Berlin wirdindem Ranking

auf Platz 12 geführt. „In Brandenburg

stimmen die Ausstattung, das

Online-Angebot und dieVorlesungsinhalte.

Ein absolutes Vorzeigebeispiel

für andereBundesländer“, sagt

Eckhard Köhn, Geschäftsführer des

Personaldienstleisters für Studenten,

Studitemps. Das Unternehmen

hatte die Studie zu Beruf und Studium

in Zeiten des digitalenWandels

in Auftrag gegeben, rund 22 000 Studenten

und Absolventen waren befragt

worden.

Wasbei der Studie noch deutlich

wurde: Studentinnen fühlen sich

durch ihr Studium seltener auf die

digitale Anforderungen im zukünftigen

Beruf vorbereitet. Schlusslicht

sind dabei die Studiengebiete der

Sprach- und Kulturwissenschaften

(29,8 Prozent), Rechtswissenschaften

(30,1 Prozent) und der Erziehungswissenschaften

(33,4 Prozent).

„Computerspiele, LAN-Partys und

Coden als Hobby wurden in der öffür

Gründerinnen betreibt, interpretierte

die Zahl so: „Spannend wäreja

tatsächlich mal zu erfahren, warum

Frauen schlechtere Jobchancen in

der Digitalisierung sehen. Oft wird

nur diskutiert, was Frauen falsch

machen, aber wir müssen den Blick

erweiternund die Hintergründe verstehen“,

sagte sie.Sie erinnerte auch

daran, dass allein im Start-up-Bereich

mehr und öfters Kapital an

Start-ups mit Männern als Gründer

geht.

Zu diesem Ergebnis war vor einigen

Wochen auch der„Female Founders

Monitor“ des Start-up-Bundesverbandes

gekommen. „Frauenwird

es deutlich schwerer gemacht, die

nötigen Finanzierung zu erreichen.

Das zeigt sich beim Zugang zu Venture

Capital oder Business Angels“,

sagte die ehemalige Wirtschaftsministerin

Brigitte Zypries bei der Vorstellung

der Zahlen. (BLZ)

200 Millionen

Euro für

Berliner Firma

Start-up Adjust arbeitet

seit vier Jahren profitabel

VonJochen Knoblach

Nachdem vor wenigen Wochen

das Berliner Start-up Getyourguide

bei Investoren mehr als 400

Millionen Euro einsammeln konnte,

holte nun das 2012 gegründete Unternehmen

Adjust insgesamt 200 Millionen

Euro nach Berlin. Das auf

Smartphone-Nutzerdaten spezialisierte

Unternehmen will das frische

Kapital vor allem für neue Produkte,

die Expansion ins Ausland sowie für

Zukäufe nutzen. Die Finanzierungsrunde

gilt als eine der größten des

Jahres in Europa.

Zu den Geldgeberngehören internationale

Finanzunternehmen wie

Eurazeo Growth, Highland Europe

oder Morgan Stanley Alternative Investment

Partners und sind offenbar

geradezu verzückt. Yann du Rusquec

von Eurazeo Growth etwa nennt Adjust

„eine wahre Erfolgsgeschichte

aus Europa“. Tatsächlich war das

Start-up nicht nur global außerordentlich

schnell gewachsen, sondern

bereits drei Jahre nach Gründung

profitabel, was beispielsweise für die

eingangs genannte Tourismus-Plattform

Getyourguide

nicht gilt.

Die Software-

Firma, die ihren

Sitz in der Backfabrik

an der

Saarbrücker

Straße in Prenz-

ADJUST

lauer Berg hat,

beschäftigt heute

über 350 Mitarbeiter

in 15 Niederlassungen

Christian Henschel

ist Chef und

Mitgründer von

Adjust

weltweit. Allein

in den vergangenen zwölf Monaten

ist die Mitarbeiterzahl um über 150

Mitarbeiter gewachsen. Seit 2013

wurde der Umsatz alle zwei Jahre

mehr als verdoppelt. Heute werden

etwa 30 Prozent der UmsätzeinChina

und Südostasien erwirtschaftet, ein

weiteres knappes Drittel stammt aus

den USA, der Rest entfälltauf Europa.

„Die Investitionen in unser Produkt

werden unsere Kunden befähigen,

sich in ihren stark umkämpften

Märkten besser zu behaupten und in

der Zukunft noch weiter wachsen zu

können“, sagt Adjust-Chef und -Mitgründer

Christian Henschel.

Das Unternehmen profitiert vor

allem von der massiven Zunahme

mobiler Werbeausgaben und bietet

hochwertige Analyse- und Sicherheitslösungen

für Apps an. So können

App-Anbieter analysieren, wie geschaltete

Werbung funktioniert, woher

die App-Nutzer kommen und wie

sie die Appnutzen. Nach eigenen Angaben

sind Adjust-Produkte in mehr

als 25 000 Apps weltweit im Einsatz.

Entsprechend bunt und breit ist die

Kundenliste, in der digitale Newcomer

neben Traditionsunternehmen

analogen Ursprungs stehen. So

finden sich im Portfolio etwa die

Smartphonebank N26, HelloFresh

und Blablacar ebenso wie Procter &

Gamble, Canon, Manchester United

und Universal Music.

Wenn Adjust nun internationale

Investoren überzeugen konnte, 200

Millionen Euro in ein Berliner Unternehmen

zu stecken, dann ist das

auch gut für das Image der Stadt als

wichtige Start-up-Metropole Europas.Imvergangenen

Jahr sammelten

Jungunternehmen der Hauptstadt

insgesamt 2,6 Milliarden Euro ein.

Damit rangierte Berlin im europäischen

Vergleich auf Rang zwei hinter

London. Allerdings ist Berlins Vize-

Position in Gefahr undParis zu einem

starken Konkurrenten geworden.

Denn während Berliner Start-ups

2018 insgesamt zwölf Prozent weniger

frisches Kapital erhielten als im

Jahr zuvor,legten dieInvestitionen in

PariserJungunternehmenum39Prozent

auf 2,5 Milliarden Euro zu. Adjust

und Getyourguide dürften den Abstandvergrößerthaben.


Berliner Zeitung · N ummer 134 · D onnerstag, 13. Juni 2019 27

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TV-Programm

ARD

5.30 (für HG) ARD-Morgenmagazin 9.00 (fürHG)

Tagesschau 9.05 (fürHG) Livenach Neun 9.55

(für HG) Sturmder Liebe 10.45 (für HG)Meister

des Alltags 11.15 (fürHG) Werweiß dennsowas?

12.00 (fürHG) Tagesschau 12.15 (für HG)ARD-

Buffet 13.00 (fürHG) ZDF-Mittagsmagazin 14.00

(für HG)Tagesschau 14.10 (fürHG) Rote Rosen

15.00 (für HG) Tagesschau 15.10 (für HG)Sturm

derLiebe 16.00 (für HG) Tagesschau 16.10 (für

HG) Die Tierärzte–Retter mit Herz 17.00 (für HG)

Tagesschau 17.15 (fürHG) Brisant 18.00 (für HG)

Quizduell 18.50 (für HG)Inaller Freundschaft –

Die jungen Ärzte. Blutsbrüder. Arztserie 19.45 (für

HG) Quizzenvor acht 19.55 (fürHG) Börse vor

acht 20.00 (für HG)Tagesschau

20.15 (für HG) Der Bozen-Krimi: In der Falle

TV-Kriminalfilm, D2017

Mit Chiara Schoras, Tobias Oertel u.a.

Regie: Thorsten Näter

21.45 (für HG) Panorama

Berichte –Analysen –Meinungen

22.15 (für HG) Tagesthemen

22.45 (für HG)Carolin Kebekus: PussyTerrorTV

23.30 (für HG) Willy Astor feiert Fredl Fesl

0.15 (für HG) Nachtmagazin

0.35 (für HG) Der Bozen-Krimi: In der Falle

TV-Kriminalfilm, D2017

Mit Chiara Schoras, Tobias Oertel u.a.

RTL

6.00 Guten Morgen Deutschland. Moderation:

Jennifer Knäble, Jan Hahn 8.30 (für HG) Gute

Zeiten, schlechte Zeiten. Daily Soap 9.00 Unter

uns. Daily Soap 9.30 (für HG) Alles was

zählt. Soap 10.00 Der Blaulicht-Report 11.00

Der Blaulicht-Report 12.00 Punkt 12 14.00

Die Superhändler –4Räume,1Deal 15.00

Mensch Papa! Väter allein zu Haus 16.00 Vorher

Nachher –Dein großer Moment. Mit Janine

Kunze 17.00 Freundinnen –Jetzt erst recht.

Unterhaltungsserie 17.30 Unter uns. Daily

Soap 18.00 Explosiv –Das Magazin 18.30

Exclusiv –Das Star-Magazin 18.45 aktuell

19.05 (für HG) Alles was zählt. Soap 19.40

(für HG) Gute Zeiten, schlechte Zeiten

20.15 Alarm für Cobra 11 –Die

Autobahnpolizei

Bad Bank. Actionserie

21.15 Alarm für Cobra 11 –Die

Autobahnpolizei

Das zweite Leben.Actionserie

22.15 (für HG) Beck isback!

Liebe bis zum Schluss. Anwaltsserie

23.10 Alarm für Cobra 11 –Die

Autobahnpolizei Bad Bank. Actionserie

0.00 Nachtjournal

0.35 Steffi Graf –Die Jahrhundertsportlerin

ZDF

Sat.1

TV-Tipps RBB

Tagesschau 24

ihre multikulturelle Gesellschaft.

MDR WDR Adolf Hitler plant. Fürdie Darstellung des Arte

16.00 (für HG) MDR um vier 17.45 (für HG)

Aktuell 18.10 (für HG) Brisant 18.54 (für HG)

Sandmann 19.00 (für HG) MDR Regional

19.30 (für HG) Aktuell 19.50 (für HG) Fish &

Chips und weiße Klippen (3/5) 20.15 (für HG)

Voss &Team 21.00 (für HG) Hauptsache gesund

21.45 (für HG) Aktuell 22.05 (für HG)

artour 22.35 (für HG) Meine Zukunft ohne die

Kohle 23.05 (für HG) Lutz Jahoda –mit Lust

und Liebe 23.35 Fröhlich lesen 0.20 (für HG)

Voss &Team 1.05 (für HG) Hauptsache gesund

1.50 (für HG) Maischberger

Bayern

15.30 (für HG) Schnittgut. Alles aus dem Garten

16.00 (für HG) Rundschau 16.15 (für HG)

Wir inBayern 17.30 Regional 18.00 (für HG)

Abendschau 18.30 (für HG) Rundschau 19.00

(für HG) mehr/wert 19.30 (für HG) Dahoam is

Dahoam 20.00 (für HG) Tagesschau 20.15 (für

HG) quer 21.00 schlachthof –das beste 21.45

(für HG) Rundschau Magazin 22.00 Vereinsheim

Schwabing 22.45 (für HG) Im Schleudergang

23.15 Woidboyz on the Road 23.45 Startrampe

0.15 Puls Festival 1.20 (für HG)

Dahoam is Dahoam 1.50 (für HG) Wir inBayern

Vox

9.50 Verklag mich doch! 10.50 nachrichten

10.55 Mein Kind, dein Kind –Wie erziehst du

denn? 11.55 Shopping Queen 12.55 ZwischenTüll

undTränen 14.00 Mein Kind, dein

Kind –Wie erziehst dudenn? 15.00 Shopping

Queen 16.00 Makel? Los! 17.00 Zwischen Tüll

und Tränen 18.00 First Dates –Ein Tisch für

zwei 19.00 Das perfekte Dinner 20.00 Prominent!

20.15 (für HG) James Bond 007: Die

Welt ist nicht genug. Agentenfilm,GB/USA

1999 22.55 (für HG) Inglourious Basterds.

Antikriegsfilm, USA/D 2009 1.50 nachrichten

Super RTL

13.45 Angelo! 14.10 Inspector Gadget 14.40

Dennis &Fletscher –Blämtastisch! 15.00 Dragons

–Die Reiter von Berk 15.25 Tomund Jerry

16.20 Zig &Sharko –Meerjungfrauen frisst

man nicht! 16.45 Ninjago –ImLand der Drachen

17.15 Voll zu spät! 17.40 Inspector

Gadget 18.10 Dennis &Fletscher –Blämtastisch!

18.40 Woozle Goozle und die Weltentdecker

19.10 Tomund Jerry 19.40 Angelo!

20.15 (für HG) CSI: Miami 21.10 (für HG) CSI:

Miami 22.05 (für HG) CSI: Miami 22.55 (für

HG) CSI: Miami 23.45 (für HG) 30Rock

Sport1

14.30 Yukon Gold. Die Wende 15.30 Alone.

IntoThe Abyss 16.30 StorageWars –Die Geschäftemacher

17.30 Yukon Gold. Erfahrung

zahlt sich aus 18.30 Storage Hunters. Schweiß

und Schweißgeräte 19.00 Storage Hunters.

Zirkusreifer Zickenzank 19.30 Storage Hunters.

Ein Bombenerfolg 20.00 Storage Hunters. Tag

der Abrechnung 20.30 Hans Sarpei –DasT

steht für Coach 21.30 Hans Sarpei –Das T

steht für Coach 22.30 Hans Sarpei –DasT

steht für Coach 23.30 Inside eSports

5.30 (für HG) ARD-Morgenmagazin 9.00 heute

Xpress 9.05 Volle Kanne –Service täglich

10.30 (für HG) Notruf Hafenkante. Der Prozess

11.15 (für HG) SOKO Stuttgart. Frauenbier

12.00 heute 12.10 drehscheibe 13.00 (für

HG) ZDF-Mittagsmagazin 14.00 heute –in

Deutschland 14.15 Die Küchenschlacht 15.00

(für HG) heute Xpress 15.05 (für HG) Bares für

Rares 16.00 (für HG) heute –in Europa 16.10

(für HG) Die Rosenheim-Cops. Todnach

Schankschluss.Krimiserie 17.00 (für HG) heute

17.15 (für HG) Leute heute 17.30 (für HG)

Fußball: Weltmeisterschaft der Frauen. Vorrunde,Gruppe

C: Australien –Brasilien. Aus dem

Stade de la Mosson inMontpellier (F)

20.15 (für HG) Der Bergdoktor

Ein letztes Lied. Arztserie

Mit Hans Sigl, Heiko Ruprecht, Monika

Baumgartner u.a.

Regie: Axel Barth

21.45 (für HG) heute-journal

22.15 (für HG) maybrit illner

SPD kopflos, CDU planlos –GroKo grün

vor Neid?

23.15 (für HG) Markus Lanz

0.30 heute+

0.45 (für HG) Landkrimi

HöhenstraßeTV-Kriminalfilm,A2016

5.30 Frühstücksfernsehen. Moderation: Christian

Wackert, Marlene Lufen 10.00 Im Namen

der Gerechtigkeit –Wir kämpfen für Sie! Mit

Alexander Hold, Stephan Lucas, Alexander Stephens,

Isabella Schulien 11.00 Im Namen der

Gerechtigkeit –Wir kämpfen für Sie! Mit Alexander

Hold, Stephan Lucas, Alexander Stephens,

Isabella Schulien 12.00 Anwälte im

Einsatz 13.00 Anwälte im Einsatz. Doku-Soap

14.00 Auf Streife.Reportagereihe 15.00 Auf

Streife –Die Spezialisten.Reportagereihe

16.00 Klinik amSüdring 17.30 Klinik am

Südring –Die Familienhelfer 18.00 Endlich

Feierabend! 19.00 Genial daneben –Das Quiz

19.55 Nachrichten

20.15 Navy CIS

Love Boat. Krimiserie. Mit Mark Harmon,

David McCallum, Pauley Perrette

u.a.

21.15 Navy CIS

Philly.Krimiserie

22.15 Bull Der Glamour-Faktor.Krimiserie

23.10 Bull Schlechte Karten. Krimiserie

0.05 Criminal Minds

Am helllichten Tag. Krimiserie

1.00 Criminal Minds

Die zweite Attacke. Krimiserie

1.40 Navy CIS Love Boat. Krimiserie

13.05 (für HG) Planet Wissen 14.05 Erlebnisreisen

14.15 (für HG) In aller Freundschaft

15.00 (für HG) In aller Freundschaft 15.45

(für HG) Aktuell 16.05 Hier und heute 18.00

(für HG) aktuell /Lokalzeit 18.15 (für HG)

Servicezeit 18.45 (für HG) Aktuelle Stunde

19.30 Lokalzeit 20.00 (für HG) Tagesschau

20.15 (für HG) Ihre Meinung. Live 21.45 (für

HG) Aktuell 22.10 (für HG) FrauTV 22.40 (für

HG) Menschen hautnah 23.25 Menschen

hautnah 0.10 (für HG) Ihre Meinung 1.40 Erlebnisreisen

2.00 Lokalzeit aus Köln

NDR

17.10 (für HG) Seehund, Puma &Co. 18.00

Ländermagazine 18.15 (für HG) Typisch!

18.45 (für HG) DAS! 19.30 Ländermagazine

20.00 (für HG) Tagesschau 20.15 (für HG)

Länder –Menschen –Abenteuer 21.00 (für

HG) Länder –Menschen –Abenteuer 21.45

(für HG) aktuell 22.00 (für HG) Der Kroatien-

Krimi: Der Teufel von Split. TV-Kriminalfilm, D

2016 23.30 (für HG) Sherlock. Die Hunde von

Baskerville. TV-Kriminalfilm,GB/USA 2012

1.00 (für HG) extra 3 1.30 (für HG) Zapp 2.00

(für HG) Länder –Menschen –Abenteuer

Kabel eins

7.35 Blue Bloods –Crime Scene NewYork

8.30 Blue Bloods –Crime Scene NewYork

9.25 Navy CIS: L.A. 10.15 Navy CIS 11.10

Without aTrace 12.05 Numb3rs 13.00 Castle

13.55 The Mentalist 14.50 Navy CIS: L.A.

15.50 News 16.00 Navy CIS 16.55 Abenteuer

Leben täglich 17.55 Mein Lokal, Dein Lokal –

Der Profi kommt 18.55 Achtung Kontrolle!Wir

kümmern uns drum 20.15 Unser Kiosk –Trost

und Prost im Viertel 22.15 Achtung Kontrolle

Spezial 0.10 Bus Babes 1.50 Unser Kiosk –

Trost und Prost imViertel

RTL 2

7.00 Die Kochprofis –Einsatz am Herd 8.00

Frauentausch 10.00 Frauentausch 12.00 Die

Geissens –Eine schrecklich glamouröse Familie!

13.00 Die Geissens –Eine schrecklich

glamouröse Familie! 14.00 Die Wollnys –Eine

schrecklich große Familie! 15.00 Hilf mir!

Jung,pleite, verzweifelt ... 17.00 News 17.10

Krass Schule –Die jungen Lehrer 18.05 Köln

50667 19.05 Berlin –Tag&Nacht 20.15

Frauentausch 22.15 Tattoo Stories –Das geht

unter die Haut 23.15 The Walking Dead 0.05

The Walking Dead 0.55 The Walking Dead

Eurosport 1

13.15 Tennis: French Open 14.15 Radsport:

Critérium du Dauphiné 15.00 Radsport: Critérium

du Dauphiné. 5. Etappe 16.30 Tennis:

French Open. Finale Herren: DominicThiem

(A) –Rafael Nadal (E) 18.00 Motorsport:

24-Stunden-Rennen von LeMans 18.45 Eurosport

News 18.50 Motorsport: 24-Stunden-

Rennen von LeMans. Qualifikation 21.15 Motorsport:

FIA-Langstrecken-WM 21.50 Motorsport:

24-Stunden-Rennen von LeMans. Qualifikation

0.10 Eurosport News

ARD, 20.15 UHR TV-KRIMINALFILM

Der Bozen-Krimi: In der Falle

SonjaSchwarz (ChiaraSchoras) wird mit ihren KollegenMatteoZanchetti

(Tobias Oertel) und JonasKerschbaumer zum Tatortauf das GutKofler gerufen.

Hier wurde während der Weinlesedie Leiche einerErntehelferin gefunden.

Schnellmüssendie Beamten feststellen, dass sich dieErmittlungenindem

Mordfall als überauskomplizierterweisen. Denn nichtnur in dem sozialenUmfeld

desMordopfers,sondernauchimUmfeld des Winzers Hans Kofler findet

sicheine Vielzahl Verdächtiger.Die Arbeit des Kriminalisten-Gespanns wird zusätzlich

dadurch erschwert, dassmit Carla Pisani noch eine Anti-Mafia-Ermittlerinauftaucht,

die Matteo Verbindungenzum organisiertenVerbrechen nachweisenwill.

Bald schonüberschlagen sich die Ereignisse.Teilfünf dermittlerweile

siebenFilme umfassenden Krimi-Reihe.

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4 7 8 5 6 3 2 9 1

2 6 1 8 9 4 3 5 7

9 5 3 1 7 2 4 8 6

7.20 Brisant 8.00 Brandenburg aktuell /

Abendschau 8.30 Brandenburg aktuell /

Abendschau 9.00 In aller Freundschaft 9.45

In aller Freundschaft 10.30 Rote Rosen 11.20

Sturm der Liebe 12.10 Tierärztin Dr.Mertens

13.00 rbb24 13.10 Verrückt nach Meer 14.00

Land und lecker 14.45 Mit den Waffeln der

Frauen –Die Eisköniginnen von Mainz 15.15

Abenteuer Eismeer 16.00 rbb24 16.15 Wer

weiß denn sowas? 17.00 rbb24 17.05 Giraffe,

Erdmännchen &Co. 17.55 Sandmann 18.00

rbb UM6 –Das Ländermagazin 18.30 zibb.

zuhause inberlin &brandenburg 19.30 Brandenburg

aktuell /Abendschau 20.00 (für HG)

Tagesschau

20.15 Wir müssen reden!

Wolf und Biber schützen oder

schießen?

21.15 Die rbb Reporter

Reportagereihe

21.45 rbb24

22.00 Polizeiruf 110 Angst heiligt die Mittel

TV-Kriminalfilm, D2015

Mit Anneke Kim Sarnau,Charly Hübner,

Uwe Preuss u.a.

23.30 Talk aus Berlin

0.00 Night Moves

Thriller,USA 2013

ProSieben

7.00 The Big Bang Theory 8.35 The Middle

9.30 Fresh off the Boat 10.25 Mike &Molly

10.50 How IMet Your Mother. Der Nicht-Vatertag/Woooo!

Comedyserie 11.40 2Broke Girls.

Junge oder Mädchen/Das Hintertürchen. Comedyserie

12.35 Mom. Drei Frauen für ein

Halleluja.Comedyserie 13.00 Twoand aHalf

Men. Wer ist Wod Katitten?/Die See ist eine

harte Mutter/Wo ist der blöde Hund? Comedyserie

14.25 The Middle 15.15 The Big Bang

Theory. Die Nowitzki-Provokation/Das Doktor-

Ramona-Dankeschön/Das Romulaner-Getränk/Die

Entspannungs-Enttäuschung.Comedyserie

17.00 taff 18.00 Newstime 18.10 Die

Simpsons 19.05 Galileo

20.15 Die Besten

Das erste Mal –die 33 spannendsten

Geschichten mit denen alles begann

Janin Ullmann verrät,warum Public-

Viewing inDeutschland erst durch die

Fußball-WM 2006 populär wurde.

23.10 Horror Tattoos –Deutschland, wir

retten deine Haut Hamburg

0.30 Die Besten

Moderation: Janin Ullmann

2.45 ProSieben Spätnachrichten

2.50 How IMet Your Mother

Unerwünschte Gäste. Comedyserie

14.00 (für HG) Das Mädchen aus der Cherry

Bar. Krimikomödie, USA 1966 15.45 (für HG)

Israel –Magisches Land am Jordan 16.40

X:enius 17.10 Italien von oben –Geschichte(n)

eines Landes 17.40 West-Papua –Mein Jahr

bei den Korowai 18.30 Afrika –VonBäumen

und Tieren 19.20 Arte Journal 19.40 (für HG)

Re: 20.10 Anderswo inEuropa 20.15 (für HG)

Unter Verdacht. Verschlusssache. TV-Kriminalfilm,

D2017 21.45 Giftige Saat 22.50 Giftige

Saat 23.55 (für HG) Black Book. Drama,

NL/D/GB/B 2006 2.15 Arte Journal

3Sat

13.20 Uruguay –Gauchos, Tango und Grandezza

14.05 Uruguay –Kleines Land am großen

Rio delaPlata 14.50 (für HG) Steffens entdeckt

15.35 Das Pantanal. Aras im Paradies /

Ökotourismus imParadies /Naturschützer im

Paradies 17.45 Gepanzerte Baumeister 18.30

nano 19.00 (für HG) heute 19.05 Can Can und

Champagner –Das Moulin Rouge 19.20 Kulturzeit

20.00 (für HG) Tagesschau 20.15 Schöne

genormte Welt 21.00 scobel 22.00 (für HG) ZIB

2 22.25 Yves Saint Laurent. Biografie, F/B

2014 0.05 10vor10 0.35 Rundschau

Phoenix

10.00 Bundesverwaltungsgericht live. Live

11.15 phoenix plus. Angst vor China? Die

Neue Seidenstraße 14.00 phoenix vor ort

14.45 phoenix plus 15.45 Kicken für die Karriere

16.00 Geheime Medikamentenversuche

16.30 Menschen hautnah 17.15 Heute im

Osten 17.30 phoenix der tag 18.00 Das Ende

der Volksparteien? 18.30 Terra X20.00 (für

HG)Tagesschau 20.15 Die Plastikflut 21.00

(für HG) Dreckige Luft vomTraumschiff 21.45

(für HG) heute-journal 22.15 phoenix runde

23.00 phoenix der tag 0.00 phoenix runde

Kika

12.55 (für HG) Das GreenTeam 13.20 (für HG)

Lassie 13.40 (für HG) Die Pfefferkörner 14.10

Schloss Einstein 15.00 H2O –Plötzlich Meerjungfrau

15.45 Sherlock Yack –Der Zoodetektiv

16.25 Zoom –Der weiße Delfin 16.50 Hexe Lilli

17.35 Die Abenteuer des jungen Marco Polo –

Reise nach Madagaskar 18.00 (für HG) Mascha

und der Bär 18.10 Super Wings 18.35 Beccas

Bande –Mit Mut wird alles gut! 18.50 Sandmann

19.00 (für HG) Lassie 19.25 Die Sportmacher

19.50 (für HG) logo! 20.00 (für HG)

KiKA Live 20.10 Du bist STYLE!

Dmax

14.15 Das Survival-Duo: Zwei Männer,ein Ziel

15.15 Lone Star Law –Die Gesetzeshüter von

Texas 16.15 Highway Cops 16.45 Highway

Cops 17.15 Fast 'N' Loud 18.15 Fast 'N' Loud

19.15 A8 –Abenteuer Autobahn 20.15 Asphalt-Cowboys

21.15 Dein bestes Stück –Gebracht,

gemacht 22.15 Schlachtfelder des

Zweiten Weltkriegs 0.15 Dein bestes Stück –

Gebracht,gemacht 1.15 History in the Making

–Geschichte handgemacht 1.40 History

in the Making –Geschichte handgemacht

5.02 hessenschau 5.30 Morgenmagazin 9.00

Tagesschau-Nachrichten 9.15 Marktcheck 10.00

Tagesschau-Nachrichten 10.15 45 Min 11.00

Tagesschau-Nachrichten 13.00 ZDF-Mittagsmagazin

14.00 Tagesschau-Nachrichten 19.15 Geheimnisvolle

Orte 20.00 Tagesschau 20.15 Schalom

NeuesDeutschland –Juden in der DDR 21.02

Maischberger 22.15 Plusminus 22.45 DieTagesschau

vor 20 Jahren 23.00 Tagesthemen 23.30

Panorama 0.00 Exakt 0.30 Die Reportage 1.00

Nachtmagazin 1.20 Zapp 1.50 Abendschau 2.20

Thüringen Journal 2.50 Extra 3.02 AktuelleStunde

3.47 Extra 4.02 Brandenburg aktuell 4.30 buten

un binnen

ONE

12.40 Sturmder Liebe 13.30 Um Himmels Willen

14.20 Zimmer mit Stall –Tierisch guteFerien. TV-

Komödie, D2019 15.50 Dawson's Creek 16.35

Dawson's Creek 17.20 Lindenstraße 17.50 Die

Kanzlei 18.40 Sturmder Liebe 19.25 Sturmder

Liebe 20.15 extra320.45 Bauerfeind –Die Show

zur Frau 21.30 Jennifer –Sehnsucht nach was

Besseres 21.55 Jennifer –Sehnsucht nach was

Besseres 22.25 Die Pierre M. KrauseShow 22.55

Zapp 23.25 extra323.55 Bauerfeind –Die Show

zurFrau 0.40 Jennifer –Sehnsucht nach wasBesseres

1.05 Jennifer–Sehnsuchtnachwas Besseres

1.35 Die PierreM.KrauseShow 2.05 Zapp

2.35 extra33.10 kinokino

ZDF NEO

5.45 Die glorreichen106.25 TerraX7.10 TerraX

7.55 Topfgeldjäger 8.50 Lafer!Lichter!Lecker!

9.35 Bares für Rares 10.30 Bares für Rares

11.20 Viel zu bieten 12.05 Die Rettungsflieger

12.50 DieRettungsflieger 13.35 Monk 14.15

Monk 14.55 Heldt 15.40 DieRettungsflieger

16.20 DieRettungsflieger 17.05 Monk 17.45

Monk 18.30 Bares für Rares 19.20 Baresfür Rares

20.15 Gegendie Angst. TV-Kriminalfilm, D

2019. Mit Nadja Uhl, DirkBorchardt,Andreas

Pietschmann 21.45 heute-show 22.15 Neo Magazin

Royale 23.00 La zona –Donot cross 23.55 La

zona –Donot cross 0.45 NeoMagazin Royale

1.30 heute-show 2.00 SilentWitness

ZDF INFO

8.55 (für HG)ZDF.reportage 9.25 (für HG)Trotz

Arbeit keine Wohnung 9.55 AlbtraumWohnen

10.40 (für HG) Teurer Wohnen –Der Kampf um

bezahlbare Mieten 11.25 (für HG)ZDF.reportage

12.30 (fürHG) FrauenhäuserinNot 12.55 Leschs

Kosmos 13.30 UFOs Declassified –Die Geheimakten

18.00 DieGeheimnisse derGeschichte 18.45

DerMann, der die Welt rettete –Das Geheimnis

der Kuba-Krise 19.30 ZDF-History 20.15 War

Games –Der Kalte Krieg 21.40 Die Atombombe

im Vorgarten –Geschichten aus demKalten Krieg

22.25 Geheimnisse des Kalten Krieges 0.40 (für

HG) heute-journal 1.05 Geheimnisse derSowjet-

Technik 1.50 Die schwersten Unglückeder DDR

Radio

KLASSIK

18.04 RBB KULTURRADIO (92.4 MHz)

Klassik für Einsteiger Beethovens Scherze –

die dritten Sätze seiner Sinfonien.,ca. 56 Min.

20.03 Deutschlandfunk Kultur (89.6 MHz)

Konzert Maiklänge –Internationales Kammermusikfest

Verden mit Werken von Veress, Prokofjew,

Schulhoff, R. Strauss, Schostakowitsch,

ca. 117 Minuten

20.04 RBB KULTURRADIO (92.4 MHz)

Talente und Karrieren Die Preisträger des Königin

Elisabeth Wettbewerbs 2019

Etwa einen Monat lang haben in Brüssel insgesamt

71 junge Geigerinnen und Geiger ihr

Können in einem der größten internationalen

Wettbewerbe gezeigt.Nach vielen harten Runden

mit Kammermusik,Orchesterkonzerten

und zwei extra dafür komponiertenWerken

fand am 6. Juni das Abschlusskonzert mit den

ersten drei Gewinnerinnen und Gewinnern

statt.,ca. 56 Minuten

22.00 Deutschlandfunk Kultur (89.6 MHz)

Chormusik Desire. ASong of Songs collection.

Werke von Antoine Brumel, John Barber,Juan

Esquivel u.a. Mit Ora Singers, Suzi Digby (Leitung),

ca. 30 Minuten

22.05 Deutschlandfunk (97.7 MHz)

Historische Aufnahmen Nicht nur Evangelist,

sondern auch Buffo und Wanderer. Der Tenor

Kurt Equiluz (*1929)., ca. 45 Minuten

HÖRSPIEL

23.04 RBB KULTURRADIO (92.4 MHz)

Lesung Siri Hustvedt: „Damals”(17/34),

ca. 31 Minuten

0.05 Deutschlandfunk Kultur (89.6 MHz)

Klangkunst Kurzstrecke 86: Feature, Hörspiel,

Klangkunst.Ansage.Von Christopher Williams

und David Moss /Fin demission. Von Bianca

Künzel /DerVerfassungsschützer.Von Katja

Sophia Ditzler /Neues aus der Wurfsendung

mit Julia Tieke.,ca. 55 Minuten

MAGAZIN

19.04 RBB KULTURRADIO (92.4 MHz)

Kulturtermin Kindertheater? Jugendtheater?!

Grips für Jedermann und Frau!, ca. 26 Min.

22.04 RBB KULTURRADIO (92.4 MHz)

Perspektiven Ganz ohne? Künstliche Intelligenz

und Mensch. Von Carmen Gräf,

ca. 56 Minuten

JAZZ /BLUES

19.30 RBB KULTURRADIO (92.4 MHz)

The Voice Van Morrison. Mit Susanne Papawassiliu,

ca. 30 Minuten

21.05 Deutschlandfunk (97.7 MHz)

Jazzfacts Espaces. Der französische Schlagzeuger

Edward Perraud., ca. 55 Minuten


Berliner Zeitung · N ummer 134 · D onnerstag, 13. Juni 2019 – S eite 28 *

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Panorama

LEUTE

Amanda Knox (31) kehrtnach Italien

zurück, obwohl oder auch gerade

weil sie dortdie schlimmste Zeit ihresLebens

verbrachte.Zur Erinnerung:

DieAmerikanerin wurde 2009

wegen des Mordes an der britischen

Austauschstudentin Meredith Kercher

im italienischen Perugia zu einer

langen Haftstrafe verurteilt und

saß vier JahreinHaft, wurde nach

jahrelangem Justizgerangel aber im

Jahr 2015 endgültig freigesprochen.

Nunpostete Knoxauf Instagram ein

Bild, das sie und ihren Verlobten

Christopher Robinson in einem Auto

zeigt. Dazu schreibt sie:„Auf geht’s …

Wünscht uns ,Buon viaggio!‘“ Am

Sonnabend wirdKnoxbei einem

Kongress zu Justizirrtümernimitalienischen

Modena auftreten. Eine

triumphale Rückkehr?

Agustin Alanis bewältigt das unüberschaubar

große Filmangebot im Kino

auf ganz einfacheWeise: Er geht immer

in den selben Film. Bereits 112-

mal hat sich der Amerikaner das Superheldenepos„Avengers:

Endgame“

angeschaut, teilt er uns nun per Twitter

mit und veröffentlicht dortselbst

gleich noch ein Bild, das ihn mit seinem

112. Kinoticket und einem Kinomitarbeiter

zeigt –jeden seiner Kinobesuche

hat er bislang auf Twitter dokumentiert.

DerMann aus Florida

beansprucht nun, einen Rekordaufgestellt

zu haben: Niemand vorihm

habe so oft denselben Film geschaut.

EinTriumph der Monotonie.

Jessica Chastain (42) erzählt in der

Frankfurter Allgemeinen Zeitung

voneinem Lernerfolg. In

der Schule,sodie

Schauspielerin, habe

sie sich wie eine Außenseiterin

gefühlt.

Erst später kam die

Einsicht: „Wenn

du denkst, du gehörst

nicht dazu,

hast du einfach

noch nicht

deine Truppe von

Gleichgesinnten

gefunden.“ Monotonisierung

als

Glücksgarantie.

(schl./mit dpa, AFP)

Sie fand Gleichgesinnte

und mit ihnen den Seelenfrieden.

AFP/ALFREDO ESTRELLA

TIERE

Leibgericht Streifenwagen: der wütende

Alligator. CADDO PARISH SHERIFFS OFFICE

Wermeint, im Bundesstaat Louisiana

liegen alle Gemeinden im südstaatenmäßigen,

hitzeflirrenden Dämmerschlaf,

der irrt. Polizeibeamte

schieben hier bei weitem nicht nur

das verschwitzte Mützchen hin und

her.Inder Gemeinde Caddo etwa

mussten Hilfssheriffs jetzt ausrücken,

weil ein Alligator mitten auf

dem Highway herumlümmelte.Die

Beamten fanden ein „sehr wütendes“

Tier vor, wie es aus dem Büro

des Sheriffs verlautete,das sich sogleich

daran machte,das Gefährtder

Beamten zu zerlegen. Das2,50 Meter

große Reptil biss einen Teil des vorderen

Stoßfängers und den Kühlergrill

aus dem Streifenwagen, bevor es

verschwand. Na Mahlzeit. (avo.)

Seit 40 Jahren ist Dennis

Quaid aus Hollywood nicht

mehr wegzudenken. Inzwischen

ist er 65, dreimal geschieden

und Vater von drei Kindern.

ZumInterview kommt er allerdings

mit seiner Mini-Bulldogge,die

ständig zwischen seinen Beinen umherwuselt.

Passt ja auch ganz gut zu

Quaids neuem Film „Bailey – Ein

Hund kehrtzurück“ .

Mr.Quaid, die Frage, ob Sieauch privat

ein Hundemensch sind, hat sich

wohl erübrigt …

Ja,das hier ist Peaches.Sie ist auch

nicht unsere einzige Hündin. Meine

Zwillinge stritten immer,wer Peaches

zum Einschlafen mit ins Bett nehmen

darf. Also haben wir beim gleichen

Züchter noch ihren Halbbruder gekauft.

DerKleine ist sieben Monate alt

–und meine Kids sind happy.

UndPeaches ist nicht eifersüchtig?

Nein, sie scheint mir ein recht demokratischer

Hund zu sein, der ganz

gut mit anderen kann. Oder die anderen

einfach ignoriert. Wobei sie

schon auch gerne Aufmerksamkeit

bekommt. Sie scheint mir sogar das

Zeug zum Filmstar zu haben. Beiden

Dreharbeiten zu „Bailey –Ein Hund

kehrtzurück“ durfte sie ein paar Mal

durchs Bild laufen und hat ihre Sache

sehr gut gemacht.

Dererste Teil „Bailey –Ein Freund fürs

Leben“ war vorzwei Jahren ein unerwarteter

Erfolg.

Einunglaublicher Erfolg. Weltweit

hat der Film 260 Millionen Dollar eingespielt.

Ganz ohne Superhelden, nur

mit Hunden. Wobei ich durchaus damit

gerechnet hatte,dass der Film so

gut ankommt. Als mir mein Agent

das Projekt am Telefon vorschlug,

kamen mir schon nach drei Sätzen

die Tränen, so gerührt war ich von

der Geschichte. Mir war klar: Wenn

ich schon am Telefon so reagiere, wie

wird eserst den Menschen vor der

Leinwand gehen? Ich musste an

„Sein Freund Jello“ denken, den berühmten

Disney-Film aus den Fünfzigern.

Nur dass in unserem Fall der

Hund gar nicht wirklich starb, sondern

jazurückkehrt. Was die Sache

noch besser macht!

Manhörtimmer wieder,dass Dreharbeiten

mit Tieren kein Vergnügen

seien. Finden Sie es mühsam, mit

Hunden zu drehen?

Ach nein, so würde ich das nicht

sagen. Wenn ich einen schlechten

Taghabe, kann das ein Hund vielleicht

weniger gut auffangen als ein

menschlicher Kollege. Aber das ist

auch nicht weiter tragisch.

Undwenn der Hund einen schlechten

Taghat?

Für solche Fälle gab es immer einen

zweiten, ähnlich aussehenden

Hund. Jeder Hund am Set hatte ein

Double, manchmal sogar zwei.

Denn kein Hund wirdgezwungen etwas

zu tun, worauf er keine Lust hat

oder was er nicht kann.

„Ich muss nichts

mehr beweisen“

Schauspieler Dennis Quaid über die Gelassenheit

des Alters, die Liebe zu Hunden und seine Abneigung

gegenüber der Tierrechtsorganisation Peta

Eine demokratische Dogge: Peaches und ihr Herrchen Dennis Quaid.

ZUR PERSON

Dennis Quaid stammt aus Texas. In den Achtzigernwurde er mit Filmen wie „The Big Easy“,

„Die Reise ins Ich“ und „Great Balls of Fire“ zum Star,später folgte nach dem Kampf gegendie

Drogensucht das Comeback mit Filmen wie „Traffic“, „The DayAfter Tomorrow“ und „Dem Himmel

so fern“. Sein neuer Film „Bailey–Ein Hund kehrtzurück“ kommt am Donnerstag ins Kino.

Drei Ehen hat Quaid hinter sich –ambekanntesten ist Ehefrau Nummer 2, die Schauspielerin

Meg Ryan. Die beiden haben den gemeinsamen Sohn Jack Quaid. Ende 2007 wurden Quaid

und seine dritte Frau Kimberly Buffington mithilfe einer Leihmutter Elternvon Zwillingen.

Oh Schreck!

Klingt gut. Umso erschütterter müssen

Siegewesen sein, als zum Startdes

ersten Teils plötzlich ein Video die

Runde machte, auf dem angeblich zu

sehen war,wie ein Hund gequält und

unter Wasser gedrückt wird.

Daswar 2017, und ich konnte gar

nicht glauben, dass an der Sache etwas

dran war. Ich hatte schließlich

mitbekommen, wie gut die Tiere am

Set behandelt wurden. Also ließ ich

mir vomVerleih alle Aufnahmen von

dem Tagzeigen, an dem jener Hund

angeblich misshandelt worden war.

Und natürlich stellte sich heraus,

dass dieses Online-Video ein totaler

Schwindel war. Eswar so geschnitten,

dass es so aussah, als sei der

Hund zu etwas gezwungen worden.

In den kompletten Aufnahmen

konnte man genau erkennen, dass er

alles gerne mitgemacht hat, immer

von Trainern und Tauchern umgeben

war und nie irgendeine Gefahr

bestand. Siekönnen sich sicher sein:

Wäre das nicht der Fall gewesen,

wäre ich nicht um die Welt gereist,

um die Werbetrommel für den Film

zu drehen. Undhätte erst recht keine

Fortsetzung gedreht.

Warum hat damals jemand diesesVideo

in die Welt gesetzt?

Es war jemand, der sich Zugang

zum Set verschafft hatte. Dass er

nicht wirklich Sorgeumdas Wohlergehen

des Hundes hatte, ließ sich

schon daran erkennen, dass er das

Video nicht unmittelbar veröffentlichte,

sondern neun Monate später

zum Kinostart. Wir haben keine

rechtlichen Schritte unternommen,

weil er in seinem Heimatort schon

genug geächtet wurde. Aber ein irritierender

und ärgerlicher Vorfall war

das auf jeden Fall. Echte Fake News!

Die Tierrechtsorganisation Peta rief

damals zum Boykott des Films auf.

Hören Sie mir auf mit Peta. Ich

halte nicht viel vonder Organisation.

Peta tötet mehr Tiere als sie retten,

wenn sie mich fragen. Die wollen

nicht, dass wir Menschen Kühe oder

Hühner halten und erwarten, dass

niemand mehr Käse isst. Und sie

wollen uns sogar Hunde als Haustiere

verbieten. Wenn es nach Peta

geht, sollen Hunde im Tierheim eher

eingeschläfert werden als ein neues

Zuhause finden. Für mich sind das

keine Tierschützer, sondern durchgeknallte

Fanatiker. Aber lassen Sie

uns über etwas anderes sprechen.

Okay.Wie schafft man es, mit 65 Jahrenbesser

beschäftigt denn je zu sein?

Vermutlich ist der Trick, dass ich

nichts mehr erreichen möchte. Ich

habe in meiner Karriere alles erlebt,

deswegen kann ich jetzt ganz unbefangen

nur noch das machen, worauf

ich Lust habe. Egal an welchem

Set: Mit rund 100 Filmen habe ich

vermutlich mehr Erfahrung als alle

anderen und muss niemandem

mehr etwas beweisen. Das ist ein

sehr erleichterndes Gefühl!

Interview: Patrick Heidmann

Auf der italienischen Urlaubsinsel Sardinien haben Millionen Heuschrecken 20 Quadratkilometer Agrarland befallen

Der italienische Bauernverband

Coldiretti spricht von einem

„echten Notfall“ und tatsächlich

sieht es so aus, als habe eine biblische

Plage die Mittelmeerinsel Sardinien

heimgesucht: In der Provinz

Nuorosind Millionen Heuschrecken

eingefallen. Betroffen sei ein Landstrich

zwischen den kleinen Orten

Ottana und Orani, etwa 2000 Hektar,

teilte Coldiretti mit: „Es gibt Zonen,

in denen man auf einem Teppich aus

Heuschrecken geht.“ Der Schaden

gehe in die Millionenhöhe.

Die Heuschrecken dringen demnach

in Bauernhäuser ein und zerstören

Weideland. Rund 20 Agrarbetriebe

seien betroffen, Touristen dagegen

nicht, sagte ein Sprecher des

Verbandes. Dass so viele Heuschrecken

auf einmal auftreten, hänge mit

einem plötzlichen Temperaturanstieg

zusammen, der auf einen relativ

kalten Mai folgte. Die Heuschrecken

seien daraufhin massenhaft aus ihren

Eiern geschlüpft. Eine Lösung im

Kampf gegen die Plage ist dem Verband

zufolge nicht in Sicht.

Ignazio Floris vonder Universität

Sassari erklärte laut Nachrichtenagentur

AGI, es sei bereits der Höhepunkt

des Phänomens erreicht. Es

sei ausgeschlossen, dass es zu so einer

schlimmen Invasion wie in den

GETTY IMAGES

In Massen wird die Heuschreckezur allesvertilgenden

Plage.

DPA/ROBIN LOZNAK

40er-Jahren komme, als Hunderttausende

Hektar befallen waren.

Noch bis August müsse allerdings

mit einem erhöhten Heuschreckenaufkommen

gerechnet werden.

Schädlinge sind unterdessen

auch im Norden Italiens unterwegs.

Die Zeitung Il Messagero berichtet

voneinem Befall durch die aus Asien

stammende Marmorierte Baumwanze.

Sie ist in den vergangenen

Jahren unter anderem auch schon in

Süddeutschland aufgetreten. Die

Tiere saugen an Früchten und

Fruchtanlagen, unter anderem von

Pfirsichen, Kirschen, Aprikosen, Äpfeln

und Kiwis. (BLZ/dpa)

NACHRICHTEN

Thüringen: Sattelzug mit

leblosem Fahrer gestoppt

DerFahrer eines Bundeswehr-Lastwagens

hat auf der A4in Thüringen

möglicherweise eine Katastrophe

verhindert. Der41-Jährige setzte

sich am Mittwoch mit seinem Fahrzeug

voreinen rollenden Sattelzug,

dessen Fahrer leblos zusammengesackt

war.Ein Notarzt konnte später

nur noch den Toddes 67-Jährigen

aus Sachsen-Anhalt feststellen. Der

Sattelzug war nach dem Zusammenbruch

des Fahrers im Schritttempo

durch eine Baustelle zwischen Gera-

Leumnitz und RonneburginRichtung

Dresden gerollt. Dabei rammte

das Fahrzeug die Absperrung zur Gegenfahrbahn

und verschob sie.Mehrere

Autofahrer versuchten, ins Führerhaus

zu gelangen. Als dies nicht

glückte,startete der 41-Jährige,der

in Gera-Hain stationiertist, das erfolgreiche

Bremsmanöver. (dpa)

Gaffer zeigen Bestatter den

Mittelfinger

Gaffer haben Feuerwehr und Bestatter

bei einem Einsatz auf der Ostseeinsel

Usedom belästigt. Ein35Jahre

alter Mann war am Dienstag aus

noch ungeklärter Ursache mit seinemWagen

in den Gegenverkehr geraten

und gestorben, wie die Polizei

mitteilte.Ander Unfallstelle habe

sich der Verkehr auf mehrereKilometer

gestaut, als der Bestatter vorfuhr.Einige

Autofahrer sollen dem

Mann den Mittelfinger gezeigt haben.

„Wie jemand auf die Idee kommen

kann, einen Bestatter so zu belästigen,

ist mir schleierhaft“, sagte

eine Polizeisprecherin am Mittwoch.

An der Absperrung hätten immer

wieder Radfahrer gestoppt, um zu

schauen. Bußgelder gegen die Gaffer

seien nicht verhängt worden, erklärte

die Polizei. (dpa)

Ebola aus dem Kongo breitet

sich aus

Im Kongo wurden seit August 2018 mehr

als 2000 Ebola-Fälle gemeldet.

AP

DieEbola-Epidemie in der Demokratischen

Republik Kongo hat nun

auch das Nachbarland Uganda erreicht.

In Uganda starb ein fünfjähriger

Junge an Ebola, wie die Weltgesundheitsorganisation

(WHO) am

Mittwoch bestätigte.Das Kind erlag

in einer Quarantäne-Station in Kasese

den Folgen der hoch ansteckenden

Virus-Erkrankung. Schon seit

zehn Monaten grassiertEbola in der

benachbarten Demokratischen Republik

Kongo.Der Toddes Jungen in

Uganda ist der erste derartige Fall

seit dem Beginn der Ebola-Epidemie

im Kongo. (AFP)

Eis mit Wurstgeschmack hat

sich nicht durchgesetzt

So weit geht die Liebe der Saarländer

zu Fleischwurst und Schwenkbraten

dann doch nicht: Dievor einem Jahr

eigens als Lyoner-und Schwenker-

Eiserfundenen, fleischfarbenen Sorten

des Eiscafés Favretti in Saarbrücken

sind wieder aus der Theke verschwunden.

„Die Nachfrage war

wirklich zu gering“, sagte Inhaber

UweHoffmann. Erhalten geblieben

sei aber die Eissorte Maggi. (dpa)


Berliner Zeitung · N ummer 134 · D onnerstag, 13. Juni 2019 – S eite 1

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Kulturkalender

DER WOCHENÜBERBLICK VOM 13. BIS 19. JUNI 2019

Filmtipps

Kinoprogramm

Literatur

Ausstellungen

Konzerte

Bühne

Seiten 2&3

Seiten 2–6

Seite 6

Seite 7

Seite 7

Seite 8

Die beste Nachricht der

vergangenen Woche lautete:

2018 haben insgesamt

29,9 Millionen

Menschen im Alter von über zehn

Jahren in Deutschland mindestens

ein Buch gekauft. Damit ist die Zahl

der Buchkäufer erstmals seit 2012

wieder gestiegen. Nicht nur für

Buchhändler und Verlagsmenschen,

sondernauch für Leser,die daran interessiert

sind, dass die Literaturlandschaft

hierzulande so bunt

bleibt, wie sie ist, bedeutet dies nach

den ernüchternden Zahlen der vergangenen

Jahre, vor allem nach der

„Käuferschwundstudie“ von 2018,

ordentlich Grund zur Freude. Da

lässt es sich gleich noch ausgelassener

feiern, wenn am Freitag das 20.

Poesiefestival Berlin beginnt.

Gerade die Poesie braucht einen

funktionierenden Buchmarkt, in

dem nicht nur das Erwartbare produziert

wird, sondern Platz für Entdeckungen

ist. Verlage lassen sich

eher auf die erfahrungsgemäß

schlecht verkäufliche Gattung Lyrik

ein, wenn sie eine solide Basis an gut

nachgefragten Büchern haben. Und

je mehr Gedichte in Bücher finden,

desto leichter lassen sie sich dann

auch wieder verbreiten –insorgfältig

von kundigen Lesern geführten und

besuchten Buchhandlungen.

Dabei ist das Poesiefestival selbst

eine großartige Gedichtverbreitungsmaschine,

an deren Rädchen

und Gelenke Thomas Wohlfahrtund

seine Mitarbeiter im Haus der Poesie

ein Jahr lang schrauben und ölen,

auf dass dann ein Programm zustandekommt,

das zwar ein laut tönendes

Kraftzentrum in der Akademie

der Künste hat, das aber seine

Früchte auch in viele Ecken der Stadt

kullernlässt. Poet’s Corner heißt dieser

Berlin-weite Programmteil, der

diesmal allerdings schon vor Festivalbeginn

am Dienstag stattfand.

Mitder Weltklang-Nacht der Poesie

geht es dann wirklich los.Von 20

Uhr anlesen im kuschelig „Studio“

genannten großen Saal der Akademie

der Künste am Hanseatenweg

Dichter in sieben Sprachen. Der

Rhythmus, die Farbe, das Volumen

der Worte können unverfälscht klingen,

sie werden direkt zu Ohrenbringen,

wie viel Musik in Lyrik steckt.

Es spricht das Gedicht

150 internationale Dichter aus 25 Ländern kommen zum 20. Poesiefestival Berlin

VonCornelia Geißler

Bilder für eine

Inszenierung von

Walt Whitmans

Grasblättern.

LEOPOLD V. VERSCHUER

Die deutschen Übertragungen finden

sich in einer Anthologie, die eigens

für „Weltklang“ gedruckt wird

und die im Ticketpreis des Abends

von13bzw.8Euroenthalten ist. Marion

Poschmann und Rainer René

Müller aus Deutschland müssen natürlich

nicht übersetzt werden, wohl

aber dieVerse vonYugen Blakrok, die

als Queen des alternativen Rap Südafrikas

gilt. Oder die der italienischen

Flaneurin Patrizia Cavalli oder

von Anja Golob aus Slowenien, verortet

in einem „Dortgestern und

Hierheute“. Außerdem treten auf:

Fatemeh Shams aus dem Iran, Keston

Sutherland aus Großbritannien,

Xi Chuan aus China und Eileen Myles

aus den USA.

Myles, den Veranstaltern zufolge

„so etwas wie ein Rockstar der amerikanischen

Lyrikszene“, wird noch

an anderen Abenden zu hören sein,

denn das diesjährige Festival hat sich

die Dichtung aus den USA als

Schwerpunkt gewählt. Daszeigt sich

beim „Verschmuggel“ am Dienstag

oder einem Podiumsgespräch zum

50. Jahrestag des NewYorker Homosexuellenaufstands

Stonewall. Ein

besonderes Abenteuer für Ohren

und Augen verspricht am Mittwoch

die Inszenierung vonWalt Whitmans

„Leaves of Grass“ (Grasblätter) mit

Darstellernwie JuttaWachowiak und

Matthias Rheinmeier, mit Kompositionen

von Paul Hindemith, Franz

Schreker, George Crumb und Kurt

Weill. Leopold von Verschuer, von

dem die Bilder hier auf der Seite

stammen, setzt aus den Gedichten

Walt Whitmanns (1819–1892) eine

amerikanische Gesellschaft zusammen,

platziert sie in einem Trailerpark

und will so die avantgardistische

Kraft dieser Lyrikwirken lassen.

Das Pendant zur Langen Nacht

der Poesie ist der Lyrikmarkt am

Sonntag, wenn von14bis 19 Uhrfast

vierzig Verlage in einer Art Publikumsmesse

ihre Lyrik-Editionen

zum Blättern und Kaufen anbieten

und im Buchengarten der Akademie

sich 24 Dichter beim Lesen abwechseln.

Das Programm führt jede Viertelstunde

einen neuen Namen auf.

20.PoesiefestivalBerlin 14.–20. Juni, Akademie

der Künste,Karten Tel.: 200571000, Festiavlpass

60/40 Euro,www.poesiefestival.org

Esist lange her, dass das Festival

„48 Stunden Neukölln“ als eine

trotzige Veranstaltung eingerichtet

worden ist, als Protest gegen das

schlechte Image des Bezirks als

Bronx vonBerlin. 21 Jahre, um genau

zu sein. Seitdem hat sich Neukölln zu

einem hippen Viertel entwickelt und

„48 Stunden Neukölln“ zum größten

freien Kunstfestival der Stadt. Rund

VonSusanne Lenz

70 000 Besucher kamen im vergangenen

Jahr.Wenn man das vorher gewusst

hätte.

In diesem Jahr versucht das Festival

genau das, also sozusagen retrospektiv

in die Zukunft zu blicken, zu

erkunden, wie wir gelebt haben werden

Dass es genau dort, wo das Festival

stattfindet, nämlich im Norden

Neuköllns, im Reuterkiez, um den

Richardplatz und im SchillerkiezGentrifizierungstendenzen

gibt, ist un-

und entsprechend lautet das übersehbar. Aber das Programm

Jahresthema Futur III. Das ist natürlich

ein Ding der Unmöglichkeit,

aber es geht ja ohnehin nur um ein

spricht häufig vonTeilhabe,gewinnt

seine Vielfalt aus der vorhandenen

Diversität seiner Bewohner.

inspirierendes Gedankenspiel für Am Freitag etwa wirdimRahmen

die teilnehmenden Künstler, die die des Abendprogramms das Berliner

Dachböden, Wohnungen, Keller, Medienkollektiv Newsgroup Afghanistan

Kneipen, Hinterhöfe, Plätze, Schrebergärten

und Läden bespielen, von das „Afghan Memories Zeit-

zeug*innen-Archiv“ sowie eine Vorschau

all den Ateliers und Projekträumen

des gleichnamigen Buches

einmal abgesehen. präsentieren. Das Archiv sammelt Ein Power-Nap bei Fortuna Wetten, Karl-Marx-Straße. PETER COX/EMMELINE DE MOOIJ

Zurück in die Zukunft

Das größte freie Kunstfestival der Stadt „48 Stunden Neukölln“ verwandelt ein Wochenende lang

den Norden des Bezirks in ein Forum für Kunst aus allen Sparten

persönliche Geschichten vonAfghanernund

Afghaninnen aus ihrer Heimat

und über ihr Leben im Exil. Darüber

hinaus liest an diesem Abend

die Friedens- und Konfliktforscherin

Heela Najibullah aus ihrem Buch

„Reconciliation and Social Healing

in Afghanistan“ (20 Uhr, Richardstraße

99).

Dasbeim Festival beliebte Musikschiff

fährt wieder, einsteigen kann

man wie gewohnt am Schiffsanleger

Wildenbruchbrücke, und zu hören

sind u.a. das deutschsprachige Duo

Bleibtreu, die norwegisch-isländische

Band Banglist und die Blockflöte

des Todes, mit bürgerlichem

Namen Matthias Schrei. Aufdem Alten

St.Jacobi Friedhof tritt das Obertonchörchen

auf, in der Kneipe Laika

mischen Bohai Klezmer mit Kammermusik

und Jazz.

DieTheatergruppe Ufong erzählt

im 2. Hinterhaus an der Elsenstraße

von drei heimatlosen Göttern, im

Kesselhaus der Kindl-Brauerei versucht

der chineische Performance-

Künstler Yaquin Si die Zeit zu manipulieren,

auf dem Alfred-Scholz-

Platz liest Hamid Djadda aus seinem

Buch „Teure Mieten abschaffen“. Es

geht darum, wie gemeinnützige Stiftungen

den Mietmarkt in Berlin revolutionieren

können. Das Programm

wirkt unendlich, beim Zurechtfinden

hilft ein Faltplan, der an

den Festivalorten ausliegen wird.

Man kann sich aber auch ein Programm

im Internet zusammenstellen

und als Merkzettel ausdrucken.

DasKunstfestival 48 Stunden Neukölln findet

unterdem Thema „Futur III“ vom14. bis 16. Juni

statt. www.48-stunden-neukoelln.de


2 Berliner Zeitung · N ummer 134 · D onnerstag, 13. Juni 2019

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Film/Kinoprogramm

DVD-TIPP

NEU IM KINO

Tierischer

Spaß

Steven Lisberger

Animationsfilm

„Dschungel-Olympiade“

VonRalf Schenk

Es hätte so schön sein können.

Pünktlich zur Olympiade 1980

plant der junge Regisseur Steven Lisberger

einen Zeichentrickfilm, in

dem sich die Tiere der Welt zum

sportlichen Wettkampf treffen. Tintenfische

im Zweierbob, Alligatoren

beim Stabhochsprung, Stiere als Kugelstoßer.

Und am Abend ein Stelldichein

in der Disco „Arche Noah“.

Der Fernsehsender NBC steigt in das

Projekt ein, Dutzende Zeichner spornen

sich zu immer neuen Einfällen

an. Doch dann entscheidet die USA,

die Olympiade in Moskau zu boykottieren.

Der Film wird zwar fertig, erhält

durch die Umstände aber weniger

Aufmerksamkeit, als ihm gebührt.

Jetzt liegt„Dschungel-Olympiade“,

prächtig restauriert, als DVDvor: ein

satirischer Spaß, handgezeichnet, mit

tausend Ideen vompuren Slapstick bis

zum Vexierspiel für cineastisch geschulte

Zuschauer. Das skandinavische

Pferd, Favorit des Abfahrtslaufs,

wirkt außerhalb seiner sportlichen

Laufbahn als Darsteller beim Regisseur

Ingmar Birdman. Die Hockey-

Büffel tummeln sich im Kampfgetümmel

wie John Wayne. Und wenn sich

die Turmspringer ins Wasser stürzen,

folgen psychedelische Farbenspiele á

la„YellowSubmarine“.

Die schönste Episode betrifft den

Marathon. Ein Ziegenbock und eine

Löwin starten als Rivalen, verlieben

sich und laufen am Ende händchenhaltend

durchs Ziel. DerErfinder der

Löwin, Roger Allers,zeichnete später